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Der ARD-Skandal

Wirft in der Schweiz kaum Wellen, ist aber unglaublich.

Der deutsche Staatssender ARD lässt in einer Publikumssendung einen Komparsen auftreten, der das gewünschte Schlusswort hält. Unvorstellbar.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rundfunkanstalten (ARD) verfügt über ein Jahresbudget von rund 6,3 Milliarden Euro und ist damit der grösste nicht-kommerzielle Programmanbieter der Welt.

Nicht zuletzt wegen der braunen Vergangenheit Deutschlands ist dieser gebührenfinanzierte Staatsfunk zu äusserster Ausgewogenheit und Neutralität verpflichtet Daran hält er sich immer weniger. Die Griechenland-Krise, der Ukrainekrieg, das Framing-Manual von Elisabeth Wehling, Spesenreitereien und exorbitante Gehälter. Die Liste der ARD-Skandale ist lang.

Der kantige Springer-Boss Matthias Döpfner verglich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten schon mal mit Nordkorea. Vielleicht leicht übertrieben.

Aber nach Corona kam die AfD. Die Partei wurde vom in die bräunliche Ecke gestellten Schmuddelkind zur wichtigsten politischen Kraft in einigen Bundesländern. Und schon steht der nächste Wahltermin in Brandenburg an. AfD-Kandidaten oder Vertreter werden in allen Sendungen von ARD und ZDF nach allen Regeln der TV-Kunst niedergemacht, mit Vorwürfen überschüttet. Ihnen wird ins Wort gefallen, jedes zweite Wort ist rechtsradikal, der Faschist Höcke, der braune Sumpf, Fremdenfeinde, Rassisten, Unmenschen.

An Gegenargumenten mangelt es hingegen sehr. Den Vogel schoss nun die Sendung «Die 100» ab. Die preist sich so an: «In jeder Folge von „Die 100“ geht es um eine kontroverse Frage. Einhundert Menschen auf dem Spielfeld stimmen ab: sind sie eher dafür oder dagegen?» Also ein Platz für Volkes Stimme, da wird der Puls der Bevölkerung gefühlt, authentisch, original, ungefiltert.

Oder doch nicht. Die jüngste Sendung, passend zur Landtagswahl, widmete sich der Frage «Ist die AfD eigentlich ein Problem?» Der Moderator behauptete einleitend: «Wir jubeln Ihnen keine Meinung unter.» Das Sendungsdekor (siehe Aufmacherfoto) ist natürlich keine Meinung, nur Dekoration. Das versuchte auch nicht der Publizist Michel Friedman, der in einem Einspieler nahelegte, dass es mit der AfD zurück in die braune Vergangenheit gehen könnte. Ausgerechnet Friedman, der längere Zeit pausieren musste, nachdem er mit ausgebeuteten osteuropäischen Nutten beim Koksen in einem Hotelzimmer erwischt worden war. Aber mit genügend Chuzpe gelingt jedem ein Comeback.

Das war aber nicht einmal der Höhepunkt der Sendung. Die sich in AfD-Bashing überbot: «Viele in der AfD wollen Hunderttausende, vielleicht Millionen Menschen aus unserem Land entfernen», behauptete einer der Moderatoren. Wie reagiert denn nun das Publikum im Studio, was sagt Volkes Stimme?

Auftritt 54-jähriger Bürokaufmann aus Göttingen, also repräsentativer geht es kaum. Der war zu Beginn der Sendung Sympathisant der AfD, einsichtig hat er das Lager gewechselt, er habe eingesehen, dass die Partei «ein Wolf im Schafspelz» sei. Das war dann der grossartige Schlusspunkt dieser Sendung.

Bloss: schnell stellte sich heraus, dass es sich bei dieser Stimme aus dem Volk um einen Laienschauspieler handelt, einen Komparsen, der regelmässig im TV auftritt. Natürlich beteuert er, dass er hier keine Rolle gespielt habe, nicht gekauft worden sei, alles reiner Zufall, dass er mit seinem Meinungsumschwung das Schlusswort erhielt.

Damit schafft sich die Glaubwürdigkeit von angeblich neutralen Staatssendern selbst ab. Aber wozu in die Ferne schweifen. Wenn der Medienkritiker Kurt W. Zimmermann Meteo Schweiz kritisiert, die im TV-Wetterbericht regelmässig viel zu hohe Temperaturen angibt, dann macht SRF prompt eine Diskussionsrunde dazu. Im «Club» darf dann der angeschossene Wetterfrosch Thomas Bucheli zur Selbstverteidigung ausholen, unterstützt von Claqueuren. Aber der Kritiker wird vorsichtshalber nicht eingeladen, damit er ungestört kritisiert werden kann.

Dass die Moderatorin des «Club», die die Einschaltquote mit Anlauf in den Keller fährt, mit einem TV-Boss liiert ist, wie ZACKBUM enthüllte, das kann dabei sicher nicht schaden.

Wenn in Deutschland die erzwungene Herausgabe von Protokollen des Robert-Koch-Instituts zu einem Skandal führen, weil sie belegen, dass während der Pandemie die Regierung auf die Meinung der Wissenschaft massiv Einfluss nahm, dekretiert das Schweizer Staats-TV, dass das hierzulande keine News sei. Und überhaupt, Aufarbeitung der eigenen Rolle während der Corona-Hysterie? Völlig unnötig.

Vertrauen erwerben, das ist ein langwieriger und mühsamer Prozess. Vertrauen verspielen, das macht man schnell und mit leichter Hand.

Achtung, Satire

Bei empfindlichen Journalisten mit Glaskinn muss man das sagen.

Nehmen wir uns den amtierenden US-Präsidenten als Beispiel. Schliesslich ist er die weisse Hoffnung vieler Journalisten und sagt über seinen Konkurrenten Donald Trump: «Ich verbrachte 90 Minuten auf der Bühne und debattierte mit einem Typen, der die Moral eines Strassenköters hat». Wie er dann wohl die Moral seines Sohnes qualifizieren würde?

Auch nicht gerade nett. Aber ZACKBUM geht es hier mehr um Joe Bidens Behauptung:

«Ich kann diesen Job machen.»

Das ist ein Wahlspruch, den sich auch viele Schweizer (und deutsche) Journalisten zu Herzen nehmen.

Fangen wir mit dem Ausland an. Die beiden Spitzenkräfte der «Süddeutschen Zeitung» haben mit einer Schmierenreportage über den ihnen unliebsamen Politiker Aiwanger den Ruf recht ramponiert; mit einer Bespitzelungsaktion gegen die eigene Redaktion während der Plagiatsaffäre um eine stellvertretende Chefredaktorin den Ruf versenkt. Dennoch sagen Wolfgang Krach und Judith Wittwer (obwohl die öffentlich eigentlich nie etwas sagt) sicherlich: Wir können diesen Job machen.

Der «Stern» hatte mal einen Henri Nannen als Chefredaktor und weit über eine Million Auflage. Der Henri-Nannen-Preis wurde umbenannt, den heutigen Chefredaktor kennt keiner, die Auflage kratzt an der Schwelle zu unter 300’000. Dennoch sagt Gregor Peter Schmitz, der sich nicht entblödet, bei der Preisverleihungsfeier nur vegetarische Gerichte anzubieten: Ich kann diesen Job machen.

Die Geschäftsführerin samt Chiefs, Officers und Kopfsalat bei der kleinen, unglücklichen «Blick»-Familie, die ein grauenhaftes Redesign zu verantworten hat, den kompetenten und erfolgreichen Oberchefredaktor Dorer mit unverständlicher Begründung feuerte, dem Boulevardblatt den Boulevard abtreiben will, mit «Blick+» einen plussenden Minuserfolg landete, Ladina Heimgartner sagt sicherlich auch: Ich kann diesen Job machen.

Das Quotenfrauen-Duo an der Spitze des einstmals angesehen Tages-Anzeigers ist dafür verantwortlich, dass das Blatt dramatisch an Substanz verloren hat, woke Gutmenschen mit ihren Hobbys und Steckenpferden die Leser quälen und vertreiben dürfen, die verbliebenen Konsumenten streng erzogen und auf den richtigen Lebensweg geführt werden sollen, wobei auch Schreibverbote und Kochgebote helfen sollen. Kompetente Vorgänger wurden zurückgestuft, wer kann, verlässt das sinkende Schiff. Dennoch sagen Raphaela Birrer, bei der die Redaktion zusammenzuckt, wenn sie ein neues Leitartikel-Desaster ankündigt,  und «Digital Leader» Kerstin Hasse im Duett: Wir können den Job.

Bevor aufgeheult wird: ja, das ist natürlich sexistisch und Ausdruck der Rape Culture und ein Beispiel für die männlich dominierte Unterdrückungssprache.

Auch Beat Balzli, der zur Chefredaktion der NZZamSonntag kam wie die Jungfrau zum Kind und seither nicht so recht weiss, was er mit diesem Job anfangen soll (zumindest von einer Online-Offensive ist nichts zu sehen), während er gleichzeitig allen Egobolzen auf der Redaktion freien Auslauf gibt, dabei aber das Niveau des Blatts, vor allem auf dem Cover, bedenklich senkt, sagt sicherlich: Ich kann diesen Job machen.

Das gilt selbstverständlich auch für Thomas Bucheli, dem Oberwetterfrosch von SRF. Zu den vornehmsten Aufgaben gehört die Wetterprognose; das ist eigentlich der Sinngehalt und die Existenzgrundlage eines Meteorologen. Denn der Mensch ist zu faul, morgens aus dem Fenster zu schauen. Er will am Vorabend schon wissen, ob er den Regenschirm einpacken soll. Und ob er sich sommerlich, hochsommerlich oder hitzesommerlich anziehen soll. Da ist ihm Bucheli aber keine grosse Hilfe. Bereits zum zweiten Mal weist ihm die «Weltwoche» nach, dass er sich – neuer Rekord – um bis zu 11 Grad mit Temperaturvorhersagen verhaut. Komischerweise immer nach oben, nie nach unten. Während professionellere Wetterdienste ziemlich nahe an den tatsächlich gemessenen Temperaturen liegen. Bucheli sieht aber nach wie vor keinen Anlass zur Selbstkritik, SRF räumte ihm (und seinem Hauptkritiker nicht) sogar eine Rechtfertigungsarie vor laufender Kamera ein. Denn auch Bucheli meint sicher: Ich kann diesen Job machen.

Das meinen auch viele Wirtschaftsjournalisten, die zwar keine Bilanz lesen können, aber furchtbar wichtige Ratschläge erteilen. Das meinen viele Auslandjournalisten, die am Schreibtisch in der Schweiz sitzen, aber genau wissen, wie es in Venezuela, China, Cabo Verde oder Uganda zu und her geht. Das meint die ganze Bagage von woken Kulturjournalisten, die absolute Schreibnullen hochjubeln und die wenigen noch nicht geflüchteten Leser mit Suadas über inklusive Sprache quälen. Das meinen all die Träger eines ganz, ganz kleinen Bildungsrucksacks, die zudem nur ein Löffelchen dabei hatten, als der Herr Hirn vom Himmel regnen liess.

Aber allesamt meinen sie, dass sie ihren Job machen könnten. Schlichtweg schon deshalb, weil sie keinen anderen können. Obwohl für so viele, viel zu viele das Diktum von Karl Kraus gilt: «Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten.» Da aber die meisten gar nicht wissen, wer Kraus war, kratzt sie das auch nicht.

Denn noch etwas haben sie mit Biden gemeinsam: Selbstkritik, Einsehen des eigenen Unvermögens – völlig ausgeschlossen. Niemals. Nur unter Zwang. Und selbst dann nur gequält und oberflächlich.

Damit geht’s dann steil den Bach runter in die Bedeutungslosigkeit und Abschaffung der eigenen Existenzgrundlage. Wofür niemand Bedauern verspürt.

Alle Wetter

Überall hätte das «Meteo»-Desaster Konsequenzen. Nur hier nicht.

Die Analyse der Publikumsreaktion auf das Kartendesaster von Thomas Bucheli ist ungefähr so zutreffend wie seine Temperaturprognosen. Es gebe wie immer Zustimmung und Kritik, behauptet der Wetterfrosch forsch.

Der Mediensprecher von SRF präzisiert etwas: es habe bislang über 1000 Reaktionen gegeben, davon sei die Hälfte negativ gewesen. Selbst wenn wir ihm das mit der Hälfte glauben: eine Katastrophe. In den Sand gesetzt. Versemmelt. Scheisse gebaut. Ins Klo gefasst.

Jede Neuheit findet ihre Kritiker, das ist wahr. Der Mensch hat’s gern kommod und liebt das Gewohnte. Neuem steht er prinzipiell skeptisch gegenüber; vorher war’s eigentlich immer gefühlt besser. Aber eine Neuerung, die die Hälfte schlecht findet, das muss man mal hinkriegen. Das ist so, wie wenn Coop oder Migros den Yoghurtbecher ohne Not neu designen lassen. Öffnung neu unten oder so.

Am Anfang steht die Frage, wieso man eigentlich an Wetterkarten rumfummeln muss, die seit 18 Jahren funktionieren, übersichtlich sind und zu keinerlei Beanstandungen Anlass geben. Denn glücklicherweise ändert sich weder an der Form der Schweiz noch an den Wetterzuständen irgend etwas. Die Grenzen sind in Stein gemeisselt, es regnet, die Sonne scheint, es schneit, es hat Nebel, es hagelt, es stürmt. Das sind so ungefähr die Zustände, die hier abgebildet (und erklärt werden) sollten.

Als bisher einzige Erklärung wurde geliefert, dass die Auflösung der Karten modernen Ansprüchen nicht mehr genüge. Offenbar weiss keiner der Designcracks am Leutschenbach, dass man das mit einem einzigen Handgriff problemlos ändern könnte. Erklärt der 10-jährige Sohn dem Chefdesigner so, dass der’s auch kapiert.

Nun käme eigentlich auch niemand auf die Idee, eine Ampel oder den Zebrastreifen «neu» zu designen. Ausser natürlich, eine Stelle, die Steuergelder (oder Zwangsgebühren) verbraten kann, hat mal so eine Idee. Die lautet: eigentlich ist’s so überflüssig wie ein zweiter Kropf, aber he, nachdem das SRF-Design bereits das Studio der «Tagesschau» verhunzt hat, wieso nicht auch «Meteo» verschlimmbessern?

Die «Tagesschau», die vorher auch tiptop war, hat nun den Charme eines Warenlagers, wo der Magaziner am Steuerpult steht. Offenbar war die Vorgabe: wie kriegen wir etwas Ähnliches auch bei «Meteo» hin?

Unbeantwortet bleibt die auch nicht gross gestellte Frage, was dieser Flachsinn eigentlich gekostet hat. Denn weder die Mitarbeiter von SRF, noch die hinzugezogene Agentur «Plasmadesign» arbeiten ja für Gotteslohn.

Allerdings sollte hier der Gebührenzahler Schmerzensgeld verlangen dürfen, und die Agentur Schadenersatz wegen Rufschädigung. Denn dieser Flop wird sie von nun an begleiten: seid Ihr nicht die, die weisse Wolken vor weissem Hintergrund gebastelt haben, und Ortsangaben wie abgerundete Buttons reingemecht?

Es gibt aber noch zwei weitere entscheidende Fragen, die wohl nie eine Antwort finden werden.

  1. Wie kann es sein, dass eine sicherlich nicht kleine Zahl von erwachsenen, zurechnungsfähigen Menschen diese Kartenkatastrophe angeschaut, beäugt, visioniert, überprüft und für gut befunden haben? War das eine Idee der Agentur mit dem merkwürdigen Namen, oder hat die noch versucht, das Schlimmste zu verhindern?
  2. Wieso hat dieser unnötige Riesenflop keinerlei Konsequenzen? In der Privatwirtschaft wäre so etwas nicht möglich, ohne dass Köpfe rollen würden. Aber in der geschützten Werkstatt Leutschenbach kann man sich offensichtlich kleine (Wetterkarte) und grosse (Newsstudio) Flops leisten, ohne dass irgend etwas passiert.

Auch in der Privatwirtschaft, wie die Banken ständig vorführen, ist das mit Verantwortungübernehmen so eine Sache. Macht niemand gerne, höchstens vielleicht ein gemurmeltes «Entschuldigung», und dann Abgang mit den unverdienten Millionen. Aber immerhin, manchmal kracht es, manchmal haben Fehlleistungen Konsequenzen für die Schuldigen. Aber in Beamtenkreisen (und das SRF ist im innersten Wesen eine bürokratische Anstalt) ist eines absolut ausgeschlossen: dass jemand Verantwortung übernimmt. Dass der Verursacher eines Debakels Konsequenzen verspürt. Bürokratie in jeder Form ist normalerweise die organisierte Verantwortungslosigkeit. Und Wurstigkeit.

Oder aber, kühne Theorie, es gibt TV-Mitarbeiter ganz subversiver Art, die den Befürwortern der Halbierungsinitiative Argumente und Munition frei Haus liefern wollen, weil sie die unsäglichen Zustände (jede Menge Sesselfurzer, die eigentlichen Medienschaffenden sind eine radikale Minderheit) nicht mehr ertragen.

Aber leider ist das eine unrealistische Hypothese. Wer so vif und clever ist, hat SRF längst verlassen und sein Heil in der Privatwirtschaft gesucht.

«Blick» ist peino

Konzernjournalismus ist eine üble Sache.

Der Ringier-Verlag ist der SRG über die Werbeverwertungsgesellschaft Admeira herzlich verbunden. Früher war’s sogar ein Joint Venture, bis sich das Farbfernsehen zurückzog und seine Anteile an Ringier verkaufte.

Das bei einer Berichterstattung über TV-Themen anzumerken, nun, anständig wär’s. Nachdem der frischgebackene SoBli-Chefredaktor bereits beim SRG-Boss Gilles Marchand (Jahresgehalt rund 550’000 Franken) Mikrophonständer gespielt hatte und dem die verunglückte Gelegenheit gab, gegen die «200 Franken sind genug»-Initiative zu wäffeln, muss der «Blick» gut Wetter machen.

Denn eines der Aushängeschilder von SRF, Wetterfrosch Thomas Bucheli, ist in ein veritables Tiefdruckgebiet geraten. Ihm wurde mehrfach nachgewiesen, dass seine Temperaturprognosen konsequent und massiv (bis zu 10 Grad) von den gemessenen Temperaturen abweichen. Konsequent nach oben.

Als typische Beamtenseele meinte Bucheli zunächst, dass er diese Vorwürfe der «Weltwoche» als «absurd» abtischen könnte. Vor allem, dass insinuiert wurde, dass die Wurstigkeit gegenüber diesem Problem damit zu tun haben könnte, dass man im Staatsfunk keine Gelegenheit auslässt, die kommende Klimakatastrophe an die Wand zu malen, wies er «vehement» zurück.

Als das nicht reichte, entschuldigte er sich zu bester Sendezeit für die Fehlprognosen, behauptete aber weiterhin, dass das keine Absicht sei – und sehr, sehr schwer zu verbessern. Dabei eilte ihm Tamedia zu Hilfe und führte wortreich aus, dass solche Temperaturvorhersagen unglaublich schwierig seien, fast unmöglich.

Aber der grosse Elefant bleibt weiterhin in der Meteo-Zentrale stehen und wird fleissig ignoriert: wenn das so wäre, wieso gelingt es dann der Konkurrenz der 15-köpfigen Wetter-Crew regelmässig, viel präzisere Vorhersagen zu machen? BBC, Weather Channel, auch Kachelmannwetter liegen viel näher an den gemessenen Temperaturen. Immer.

Nun könnte man die einfache Frage stellen, wieso SRF Meteo – statt sich mit seinem wahnsinnig komplizierten Algorithmus ständig zu verhauen – nicht einfach die besseren Daten von der Konkurrenz übernimmt.

Aber der «Blick» doch nicht. Da muss Camilla Alabor, «Redaktorin SonntagsBlick», dran glauben und ihre Pflicht tun. Nämlich dem im Sturm stehenden Bucheli ein schützendes Dach bieten. Allerdings verhaut sie sich geradezu SRF Meteo-mässig gleich am Anfang:

«Thomas Bucheli (66) war sichtlich aufgewühlt.» Vielleicht war auch Alabor aufgewühlt, der Mann ist 62 Jahre alt. Oder sie hat sich aus Solidarität nach oben verhauen. Dann bekommt der Aufdecker der Fehlprognosen eins vor den Latz: «Das rechtskonservative Magazin (gemeint ist die «Weltwoche», Red.) hatte der Wettersendung vor einer Woche unterstellt …»

Pfui, aber hier redet nun Bucheli: «Wir werden dafür sorgen, dass der Fehler korrigiert wird.» Das ist ihm allerdings bis heute nicht gelungen, wie Nachmessungen regelmässig ergeben. Inzwischen hat sich sogar oberpeinlich herausgestellt, dass das Kollektiv von rund 1000 WeWo-Lesern entschieden präzisere Vorhersagen macht als Bucheli mit seinem Algorithmus. Kurt W. Zimmermann hatte daher süffisant angeboten, dass doch zukünftig die WeWo den Wetterbericht übernehmen könne. Sei billiger und besser.

Aber auf solche Fiesigkeiten will «Blick» natürlich nicht eingehen. Dafür Vorhang auf für Bucheli:

««Die Vehemenz der Kritik hat mich überrascht.» Der Vorwurf der politischen Einflussnahme sei so skurril, dass er ihn nicht ernst nehmen könne, sagt Bucheli. «Es handelt sich um eine bedauerliche wissenschaftliche Fehlprognose, die aber keinen riesigen Schaden angerichtet hat.»»

Also alles in Ordnung, lasst den Mann doch einfach in Ruhe arbeiten. Aber nun muss das Ganze natürlich noch «eingeordnet» werden. Im besten Framing-Stil schreibt daher Alabor: «Die Angriffe von rechts auf die vielleicht unpolitischste Sendung – die Wetterprognose – zeigen: Auch in der Schweiz droht die Meteorologie zum Spielball der Politik zu werden.»

Pfui, gibt es etwas Unpolitischeres als Fehlprognosen? Aber für seinen geknödelten Auftritt mit Entschuldigung hat Bucheli natürlich fachfrauliches Lob verdient: «Für seinen handgestrickten Auftritt indes erhält Bucheli von einer Expertin für Krisenkommunikation gute Noten. Inhaltlich sei es richtig, dass SRF Meteo dem Thema in der Sendung grosses Gewicht gegeben habe, sagt Claudia Jenni (52) von der Agentur Kommunikationsatelier.» Hierbei handelt es sich um eine Zwei-Frauen-Klitsche, die sich darüber freut, mal in den Medien erwähnt zu werden.

Dann erweitert Alabor das Panorama des Schreckens zum Schluss:

«Diese Woche hat die SVP ihre Halbierungs-Initiative eingereicht, mit der sie die TV- und Radiogebühren von 365 auf 200 Franken senken möchte. Vor diesem Hintergrund dürften Angriffe auf das Schweizer Fernsehen in Zukunft nicht abnehmen. Ganz im Gegenteil.»

Aha. Konzertierte Aktion dieser Rechten mit ihren «Angriffen auf das Schweizer Fernsehen». Pardon, seit wann ist die berechtigte Kritik an erstaunlich konsequenten Fehlprognosen und bescheuerten Erklärungen, wieso das nicht anders sein könne, ein Angriff auf die SRG?

Und wann hatte das letzte Mal ein «Blick»-Artikel über die SRG etwas mit Journalismus zu tun?

 

 

 

Wumms: Kurt W. Zimmermann

Der Altstar der Medienkritik im Hoch.

Das nennt man einen Volltreffer. In seiner Medienkolumne in der «Weltwoche» veröffentlichte Kurt W. Zimmermann Tabellen, mit denen er auf zwei Probleme hinweisen konnte. Das erste: SRF Meteo veröffentlicht regelmässig Prognosen, die bis zu acht Grad oberhalb der tatsächlich gemessenen Temperaturen liegen. Wobei alle Fehler ausschliesslich Ausreisser nach oben sind, niemals prognostiziert SRF Meteo zu niedrige Temperaturen.

Um dem Argument von Vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen, dass es halt schwierig sei mit Prognosen, vor allem, wenn sie die Zukunft beträfen, stellte Zimmi den Fehlprognosen die Vorhersagen von zwei Konkurrenten gegenüber. Den kleinen Anbieter Kachelmannwwetter und die internationale Benchmark Weather Channel. Und siehe da: die lagen viel näher im Streubereich der Wirklichkeit. Entweder Volltreffer oder so ein, maximal zwei Grad daneben. Nach oben oder nach unten natürlich.

Zunächst unterschätzte SRF Meteo das Problem sträflich. «Weltwoche», SVP, typisch, absurd, Wahlkampfgedöns. Denn Zimmi hatte auch insinuiert, dass es vielleicht der klimabesorgten SRF-Crew durchaus zu pass käme, wenn die Temperaturen immer viel zu hoch angekündigt werden.

Nachdem Oberwetterfrosch Thomas Bucheli das als Unterstellung und als «absurd vehement» zurückgewiesen hatte, meinte er offenbar, damit sei’s abgetischt. Als merkwürdige Erklärung führte er an, dass halt ein saukomplizierter Algorithmus, der die Prognosen berechne, bei Hitzewellen zum «Überschiessen» neige.

Anschliessend machte sich der «Tages-Anzeiger» lächerlich, indem er ausführlich die furchtbar schwierige und komplizierte Herstellung von Temperaturprognosen nachzeichnete und erklärte, dass jegliche Kritik an Fehlprognosen nur von Laien geäussert würde, die halt nicht drauskämen.

Zuvor hatte Bucheli endlich den Ernst der Lage erkannt und sich zu bester Sendezeit bei seinem Publikum zerknirscht für die Fehlprognosen entschuldigt. Ohne von seiner dünnen Verteidigungslinie abzuweichen, dass das halt wahnsinnig schwierig sei, man an einer Verbesserung arbeite, aber das dauere halt.

Sowohl Bucheli wie der «Tages-Anzeiger» schielten am grossen Elefanten vorbei, der hier im Wetterraum steht. Wenn das so wäre, wieso schaffen es dann die beiden Konkurrenten problemlos, viel genauere Vorhersagen zu liefern? Und wieso übernimmt SRF Meteo dann nicht einfach von denen die Prognosen? Problem gelöst.

Aber nicht mit Bucheli. Deshalb hat Zimmi in der «Weltwoche» nachgelegt. Mit einem «grossen Wetterquiz». Das ist echt lustig. Zimmi nahm die Prognosen von SRF Meteo vom nächsten Tag, verglich sie mit den dann tatsächlich gemessenen Temperaturen und hatte die «WeWo»-Leser eingeladen, auch Prognosen abzugeben.

Die Resultate sind ernüchternd, aber immerhin eine neuerliche kalte Dusche für die wohlbestückte und -bezahlte Wetter-Crew des Schweizer Farbfernsehens, das auch hier zeigt, dass es viel Geld für zu wenig Leistung verbrät:

Der Hammer ist diesmal Montpellier. Bucheli & Co. sagten schweisstreibende 38 Grad voraus. Die gemittelten Prognose der WeWo-Leser lag mit 32 Grad auch noch zu hoch. Denn es waren gemessene 28 Grad. Damit stellte SRF Meteo einen neuen Sommerrekord auf. 10 Grad daneben!

Zimmi hat noch weiter ausgewertet. Bei diesen fünf Destinationen sagte SRF Meteo zusammen 28 Grad zu hohe Temperaturen voraus. Dagegen lagen die Leser mit insgesamt 6 Grad Abweichung nach oben durchaus kompetent im Rennen.

Daher kommt Zimmi zu einer logischen Schlussfolgerung, bzw.:

«Unser Angebot deshalb: Die Weltwoche übernimmt den Wetterbericht von SRF gemeinsam mit ihren Lesern. Wir machen das zur Hälfte der Millionen, die für das fünfzehnköpfige Team von «SRF Meteo» plus Produktionskosten anfallen. Das TV-Wetter wird damit nicht nur deutlich billiger, sondern auch deutlich besser.»

Das wäre tatsächlich ein sinnvoller Beitrag, die Halbierungsinitiative schon im Vorfeld umzusetzen. Besser und billiger, was will man mehr?