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Der Neumarkt-Schwank

Schwankende Gutmenschen gefangen in ihrem Labyrinth.

Michèle Binswanger macht eine wahre Lachnummer im «Tages-Anzeiger» publik. Kurzfassung: das überwoke und mit Millionen aus dem Steuersäckel subventionierte Theater am Neumarkt hat eine Klage am Hals. Wegen Verletzung der Antirassismus-Strafnorm.

Das ist zum Totlachen, aber kein Witz. Das Theater fiel schon mehrfach durch mehr als schräge Nummern auf. So dem Auftritt einer deutschen Randaletruppe, die angeblich den «Stürmer»-Streicher aus Roger Köppel austreiben wollte. Oder mit einer Solidaritätswebseite für den Schläger Brian K.

Nun ist dem sensiblen, solidarischen, antirassistischen, linksgrünen, gegen Hetze, Rechtspopulismus und die SVP ankämpfenden Ensemble aber die Höchststrafe passiert. Man (und frau und everybody beyond) ist in die eigene Grube der Überkorrektheit gefallen.

Die Ausgangslage war aber auch echt scheisse, wenn man das so sagen darf. Also echt scheisse für Gutmenschen. Denn es trug sich zu, dass das Neumarkt  den Schauspieler Yan Balistoy beschäftigte. Der ist Schweizer mit israelischer Herkunft. Und es beschäftigt eine Schauspielerin aus dem Libanon. Na und, ist doch echt multikulti.

Leider nein. Denn im Libanon herrscht auch die fundamental-religiöse Terrortruppe Hizbollah. Und diese Hetzbolla ist für die Durchsetzung eines Gesetzes aus dem Jahre 1948 besorgt, das es libanesischen Staatsangehörigen verbiete, mit Israelis Kontakt zu pflegen oder gar öffentlich aufzutreten.

Das gelte selbstverständlich nicht in der Schweiz, wurde argumentiert, aber die im Libanon lebende Familie der Schauspielerin könnte Repressionen ausgesetzt werden. Und was tat der Gutmenschentrottelhaufen vom Neumarkt? Er wog und wägte, räsonierte ohne Räson  – und gab dem Ansinnen der Schauspielerin statt, dass sie leider nicht mit dem Kollegen mit israelischem Migrationshintergrund auftreten könne.

Damit der israelische Kollege richtig in Wallungen käme, verlängerte die Direktion dann auch seinen Vertrag nicht. Putzige Begründung: zu wenig Einsatzmöglichkeiten.

Nun will der Mann Rache und überzieht das Theater mit einer Strafanzeige gegen «den Verwaltungsratspräsidenten, die drei Direktorinnen und den Hausdramaturgen», schreibt Tamedia, der diese Anzeige offensichtlich zugespielt wurde.

In der Anzeige wird feinsinnig argumentiert, es «sei fraglich, ob die Angaben der libanesischen Schauspielerin überhaupt zutreffen, dass es ihr aufgrund des Gesetzes verboten sei, mit Balistoy aufzutreten. Dieses regle nämlich «gemäss seinem Wortlaut (und nach Verständnis der Unterzeichneten und des Anzeigers) primär die Einreise und den Warenverkehr zwischen Israel und dem Libanon»». Auch eine Gefährdung der im Libanon lebenden Familie der Schauspielerin könne ihm nicht entnommen werden.

Nachdem diese Vorwürfe im Dezember letzten Jahres publik wurden, salbaderte das Theater weihevoll das Übliche, es sei ein

«Haus der Vielheit und Offenheit. Anti-israelisches und anti-jüdisches Gedankengut haben bei uns keinen Platz».

Das mag ja durchaus so sein, dass hier keine Sprechchöre «From the River to the Sea» erklingen. Das ändert aber nichts daran, dass sich ein Schweizer Theater den Behauptungen einer ausländischen Schauspielerin beugte, sie nicht weiter nachprüfte und somit indirekt libanesische Gagagesetzgebung in die Schweiz immigrierte.

Zum Bild unbelehrbarer Gutmenschen gehört auch, dass sie für Steuergelder eine «externe Untersuchung» in Auftrag gaben. Die ergab überraschungsfrei: alles super, alles paletti im Haus, selbst Haustiere und Ratten gendern korrekt, neben dem Stuhl gibt es auch eine Stühlin, und wie viele hybride WCs es gibt, wollen wir gar nicht wissen. Die Untersuchung klammerte aber wohlweislich den Fall aus, weswegen sie angestossen wurde.

Dada und Gaga auf der Bühne ist immer willkommen. Um sie herum, aufgeführt von wohlbezahlten Verwaltungsräten, Direktorinnen und Hausdramaturgen: Vorhang, Buhrufe, Abtritte.

Sehr peinlich ist, nebenbei, auch der Auftritt des VR-Präsidenten Thomas Busin, der CH Media im April ein Exklusiv-Interview gab, nachdem er monatelang geschwiegen hatte. Darin kann er keinen Fehler bei sich erkennen, es sei halt eine komplizierte Welt, und jeder, der eine bessere Lösung als die vom Theater gewählte wisse, solle das doch bekanntgeben. Und: «Wir sind der Überzeugung, dass unsere Lösung die bestmögliche war.»

Angesichts des anhaltenden öffentlichen Aufruhrs kann man sagen, dass Busin ein Interview mit einem Bühnenschwank verwechselt. Ein letzter Lacher zum Abschluss: «Wir haben uns gegenüber den Arbeitnehmenden, dem Haus und dem Subventionsgeber korrekt verhalten.» Wenn er das sagt …

Wenn wir das Ende der Groteske vorwegnehmen dürfen: Busin (oder ein Bauernopfer) tritt zurück, um «weiteren Schaden von der Institution abzuwenden». Tut ihm auch nicht weh; der ehemalige Tischtennisspieler betreibt noch das «Liongym Fitness», war Chef der Migros Clubschule, ist Delegierter des VR von «Molino-Pizzerien», im Vorstand von Swiss Golf, im VR von Kieser Training, Axino Solutions und bei der Fraxiness GmbH.

Allerdings scheint dabei das Hirntraining etwas vernachlässigt zu werden.

Verdienstvolle Abrechnung

Kultur ohne Publikum ist teuer.

Eigentlich geht Kunst nach Brot. Das heisst, der Künstler schafft nicht um der Kunst willen, sondern er will ja auch von was leben. Zumindest im Bildungsbürgertum herrscht die Ansicht, dass Kunst durchaus was kosten darf. Allerdings nicht nur die Bildungsbürger, sondern alle. Also den Steuerzahler.

Wie der «Tages-Anzeiger» vorrechnet, sieht das in der Stadt Zürich ziemlich trübe aus. Als Ursachen kommt einiges zusammen. An Steuergeldern auch; rund 170 Millionen im Jahr, Tendenz steigend.

Der neuste Problemfall ist das Kunsthaus. Es eröffnete mit grossem Trara einen Annex, dann gab es grosses Trara um die dort ausgestellte Bührle-Sammlung. Aber weniger beachtet ist, dass der neue Leiter, der ehemalige Präsident der SNB und hochgezahlte Manager des Hedge Fonds Blackrock, seiner Aufgabe nicht gewachsen ist. Philipp Hildebrand legte seinen ersten Jahresabschluss vor.

Katastrophe. Minus 4,5 Millionen; eigentlich müsste die Kunstgesellschaft – wie die «Republik» und zuvor der «Kosmos» in echt  – zum Konkursrichter eilen. Aber wozu gibt es PwC; die Prüfer machen zwar auf eine «Überschuldung» aufmerksam, behaupten dann aber, dass die durch «die Aktiven» gedeckt seien. Ob da an einen Bilderverkauf gedacht ist?

Was tut ein Topshot der Wirtschaft? Er holt Berater. Er bettelt um noch mehr Subventionen. Er will alle Preise erhöhen. Mit schon bewilligten zusätzlich 700’000 zahlt der Zürcher Steuerzahler 13,3 Millionen dazu; bei Gesamteinnahmen von knapp 29 Millionen.

Auch so etwas Unkünstlerisches wie der Zoo kann nicht alleine überleben. 7 Millionen von Stadt und Kanton.

Aber Spitzenreiter sind natürlich zwei Institutionen. Das Schauspielhaus, von einem woken Intendanten-Duo in die Bedeutungslosigkeit und den finanziellen Abgrund geführt. Millionendefizit, dabei zahlt die Stadt Zürich sagenhafte 39 Millionen Franken; aus eigenen Kräften erwirtschaftete das Theater lachhafte 3 Millionen Franken durch Eintritte.

Das ist noch ein Klacks gegen das Opernhaus. 88,5 Millionen vom Kanton Zürich, bei Gesamteinnahmen von 124 Millionen.

Dagegen sind die Tonhalle (34 Millionen Einnahmen, davon 20 Millionen vom Stadtzürcher Steuerzahler), das Theater am Neumarkt (5,5 Millionen Einnahmen, 4,9 Millionen Steuergeld) oder die Rote Fabrik (4,9 Millionen Einnahmen, davon 3,4 Millionen Steuergeld, dennoch Defizit) Peanuts, wie Hildebrand sagen würde.

Hier gilt offenbar verschärft: das kann sich die reiche Schweiz, das reiche Zürich doch wohl noch leisten. ZACKBUM hätte allerdings ein paar Alternativvorschläge. Wieso keine Gratistickets für Ukrainer mit Status S? Brächte nicht mehr Einnahmen, aber der halbleere Saal im Pfauen würde sich etwas füllen. Natürlich inklusive Gratis-Cüpli.

Beim Kunsthaus könnte Andreas Tobler Gratis-Führungen anbieten. Brächte auch nicht mehr Geld, aber er könnte wenigstens unter Beweis stellen, dass er nicht nur vom Gendersternchen etwas versteht.

Schwieriger wird’s beim Zoo. Kleiner Tipp: vielleicht mal Tiere zeigen, statt sie in riesigen Landschaften zu verstecken?

Neumarkt und Rote Fabrik? Das ist einfach. Wie beim Neumarkt schon geschehen, die Subventionen nicht nur senken, sondern streichen. Damit erledigen sich diese Problemfälle von selbst.

Und das Opernhaus? Das verdient immerhin 35,5 Millionen selbst. Wenn man da grosszügig nochmal den gleichen Betrag aus dem Portemonnaie des Steuerzahlers drauflegt, würde es immer noch Opern geben, bei denen die Sänger den Ton treffen und die Sängerinnen bis zum hohen C kämen.

Gutmenschen-Bruchlandung

Das bis übers Dach subventionierte Theater am Neumarkt fliegt auf die Nase.

Das ist vielleicht peinlich. Die Neumarkt-Crew von kurzsichtigen Gutmenschen, die nicht mal mit ihrem Islam-Problem personell fertigwerden, hatte sich schwer für den Berufsschläger Brian K. in die Brust geworfen.

Eigene Webseite, zugemüllt mit den üblichen Solidaritätsslogans, aber leider am falschen Objekt ausprobiert. Der Mann mit dem ungelösten Gewaltproblem werde «kommerziell und politisch ausgeschlachtet». Er sei in einer «Dauerschleife von Gewalt und Repression gefangen». Und dann:

«#BigDreams hat sich zur Aufgabe gesetzt, diese Missstände öffentlich zu verhandeln. Wir sind eine diverse Gruppe von Aktivist*innen, Expert*innen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen. Unsere Präsenz rund um den Prozess ist der Prolog einer weitreichenden Auseinandersetzung mit strukturellen Missverhältnissen in unserer Demokratie

In Wirklichkeit handelt es sich hier um ein strukturelles Problem von Flachdenkern und aufgeregten Pseudo-Protestlern. Die sich selbst ein Hassobjekt ausgesucht haben:

So wackelig wie der Reim ist auch die Begründung: «Deswegen machen wir mit diesem Schundblatt kurzen Prozess. Werde ein Sidekick im Kampf Brian vs. BLICK und hilf mit zu verhindern, dass was Brian passiert ist noch einmal passieren kann.»

Also ist der «Blick» daran schuld, dass der einschlägig Vorbestrafte seinen kurzen Ausflug in die Freiheit dazu benützt hat, mal wieder ein Problem mit brutaler Gewalt lösen zu wollen? Nicht das, was Brian passiert ist, hat sich wiederholt, sondern Brian ist wieder passiert.

Aber im Shop sind immer noch lustige Produkte für nicht wenig Geld zu kaufen (ZACKBUM schwört, dass das keine KI-Erfindung ist, denn dafür ist es einfach zu blöd):

Einmal ein «Printed T-Shirt» für schlappe 30 Franken, dann die «Custom Made Action Figure (25 cm)» für stolze 150 Franken. In Wirklichkeit benützt der Schläger aber keine weissen Boxhandschuhe …

Inzwischen hat das Theater am Neumarkt die «grossen Träume» schön im Archiv versteckt. Wenn man in der grossmäuligen Pressemappe von damals blättert, hat man mehrfach das Gefühl, als würde man in ein nasses Handtuch beissen, so peinlich ist das Geschwafel:

«Wenn Brian im Gefängnis stirbt, stirbt die Demokratie. Laut dem UNO Sonderberichterstatter wird Brian im
Gefängnis gefoltert. Wie kann und muss eine demokratische Gesellschaft darauf reagieren? Dieser Frage geht das Projekt #BigDreams mit den Mitteln der Kunst in fünf Akten nach

Zum Brüllen komisch ist auch die Einlassung der «Rassismusexpertin» Rahel E-Maawi:

«Für mich ist der Fall nur intersektional lesbar, in der Überschneidung von Geschlecht, Migration und Race. Es ist alles sehr maskulin und rassisiert stereotyp aufgeladen. Man traut Brian auch nur solches Verhalten (Gewalt) zu, also kann er auch nur das. Und auch er selbst bedient diese Stereotypen, was wiederum das Einzige ist, was Öffentlichkeit interessiert und verstanden wird.»

Was labert man nicht alles, um sich kurz im Licht der medialen Öffentlichkeit aalen zu dürfen.

Nachdem Brian nun wieder zum Schutz der Gesellschaft (und wohl auch vor sich selbst) weggesperrt ist, wird das «Künstlerkollektiv» auf Anfrage von seinem Hassorgan «Blick» sehr, sehr schmallippig: «Das Kollektiv #BigDreams hat sich entschieden, sich im Moment nicht öffentlich zu Wort zu melden

Das ist ein weise Entscheidung, bevor es sich mit noch mehr Unsinn noch lächerlicher macht. Aber es japst dennoch nach: «Man sei mit der Blick-Berichterstattung zur jüngsten Brian-Eskalation nicht einverstanden.»

Brian-Eskalation? Das ist ein Super-Ausdruck. Wenn jemand aus dem Nichts auftaucht und einem anderen so die Fresse poliert und sich dabei filmen lässt, wie er brutal auf den Niedersinkenden weiter einschlägt, dann ist das für Neumarkt-Schönplauderer eine «Brian-Eskalation». Wahrscheinlich hat ihn die Lektüre des «Blick» dazu getrieben.

Auch ZACKBUM kritisiert das Blatt mit dem Regenrohr im Logo regelmässig. Aber wir kämen nie auf die Idee, deswegen jemandem mehrfach ins Gesicht zu schlagen. Niemals. Nicht einmal den Volltrotteln vom Kollektiv «Big Dreams», die gerade geplatzt sind und einen ganz üblen Geruch hinterlassen.

Was auch hier, wie bei Journalisten, mehr als auffällig ist: wenn es sich als absoluter Schwachsinn herausstellt, was man in die Öffentlichkeit gepupst hat, dann könnte man sich doch wenigstens dafür entschuldigen. Den Fehler eingestehen. Irren ist menschlich, usw.

Aber nein, grosse Töne, zerschellen die an der Realität, gilt «the rest is silence». Das mag bei Shakespeare grossartig sein, in der Wirklichkeit ist es nur erbärmlich peinlich.

Schon wieder …

Da ist Häme angebracht: das woke Theater am Neumarkt soll einen Juden diskriminieren.

Noch linker als das Schauspielhaus und noch mehr auf ein absolutes Minderheitenprogramm fixiert: das ist das Theater am Neumarkt in Zürich. Hier bekam der deutsche Primitiv-Provokateur Ruch Gelegenheit, gegen den Chefredaktor der «Weltwoche» zu rüpeln («Roger Köppel tötet. Tötet Roger Köppel.»).

Das Theater versteht sich als «barrierefreie Denkanstalt», als «Haus der Vielheit und Offenheit». Natürlich ist den Theatermachern jede Form von Diskriminierung, Ausgrenzung, gar Rassismus völlig fremd. Ausser vielleicht, es geht gegen rechtsnationale Hetzer.

Diese löbliche Haltung von Gutmenschen lassen sie sich jährlich mit 4,5 Millionen Steuerfranken versüssen. Und nun das. Ein Ensemblemitglied fühlt sich diskriminiert, weil es nur in der Hälfte aller Stücke eingesetzt werde. Grund: weil es Israeli sei. Tschakata.

Erschüttert maulte die Theaterleitung zurück: «Antiisraelisches und antijüdisches Gedankengut hat bei uns keinen Platz.» Nur: der jüdische Schauspieler wird tatsächlich selektiv eingesetzt. Warum? Nun wird’s einen Moment kompliziert. Weil es, Multikulti halt, auch eine libanesische Kollegin im Ensemble gibt. Na und? Es gibt da ein libanesisches Gesetz, das geschäftliche und auch persönliche Kontakte mit Israeli unter Strafe stellt. Denn der Libanon befindet sich seit 1948 und bis heute offiziell im Krieg mit Israel.

Schon mit Israeli zu sprechen, geschweige denn, mit ihnen aufzutreten, auch im Ausland, steht unter Strafe, es droht sogar Gefängnis. Und die religiösen Wahnsinnigen der Hetzbolla sind nicht dafür bekannt, sehr tolerant zu sein.

Also sagt die libanesische Schauspielerin, sie könne nicht zusammen mit einem Israeli auf der Bühne stehen, das gefährde ihre Sicherheit. Nun kann man leichthin sagen, dass es doch absurd sei, dass ein mit Steuergeldern subventioniertes Theater sich idiotischen libanesischen Gesetzen in der Schweiz beugt. Andererseits gibt es genügend Vorfälle – man denke nur an die Mohammed-Karikaturen –, die Angst vor Repressionen als nicht absurd erscheinen lassen.

Ein echtes Scheissproblem, vor allem für Gutmenschen. Wie lösen? Als man die Libanesin einstellte, habe man nichts von diesem Gesetz gewusst, sagt der Hausdramaturg. Davon erfuhr man, als man den jüdischen Schauspieler ins Ensemble aufnahm. Dann habe man das Problem tatsächlich so gelöst, dass beide halt nicht gleichzeitig auf der Bühne stehen. Dafür findet der Dramaturg, gelernt ist gelernt, eine hübsche Formulierung gegenüber der NZZ: «Natürlich war es ein imperfekter Entscheid in einer imperfekten Welt

Dazu gibt es allerdings noch einen bitteren Nachtrag. Denn anscheinend funktionierte diese Regelung während zwei Jahren problemlos und diskret. Nun läuft aber der Vertrag des jüdischen Schauspielers per Ende Spielzeit aus.

Die Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern, habe nichts mit Staatsangehörigkeit oder Religion zu tun, über die Gründe könne er nicht sprechen, sagt der Dramaturg. Logisch, Persönlichkeitsschutz. Allerdings: erst nach diesem Entscheid wandte sich der jüdische Schauspieler mit einem Brief an die jüdische Gemeinschaft in Zürich – mit der sicheren Annahme, dass der sofort an die Öffentlichkeit gelangte und für entsprechende Reaktionen sorgte.

Viele Kommentatoren, ähnlich wie im Ofarim-Skandalfall, galoppierten sofort los. So poltert die dauererregte «Politikwissenschaftlerin» (Selbstlobhudelei: «Regula Stämpfli ist eine der wenigen Denkerinnen unserer Gegenwart, die Codes, Terror und die Deutungshoheit von Judith Butler zusammenbringen») los: «Seit wann gelten an subventionierten öffentlichen Bühnen Zürichs die Gesetze der Hisbollah im Libanon

1955 gab es die Hetzbolla noch gar nicht, sie entstand erst 1982. Aber was kümmern die «Historikerin» historische Fakten, was kümmert sie als «Wissenschaftlerin» eine differenzierte Analyse.

Wenn die Darstellung stimmt, dass diese merkwürdige Regelung im allseitigen Einverständnis getroffen und zwei Jahre lang klaglos akzeptiert wurde, das jüdische Ensemblemitglied erst nach seiner Kündigung auf die Idee kam, er könne seine «Identität» nicht ausleben, handelt es sich hier einwandfrei um einen zweiten Fall Ofarim. Mal schauen, wie hier alle «Antisemitismus»-Kreischen wieder zurückrudern werden. Oder, wie üblich, schlichtweg keinen Ton mehr dazu sagen.

Plötzlich sensibel

Das Zürcher «Theater am Neumarkt» sagt ein Stück ab.

2016 waren die Theatermacher überhaupt nicht sensibel. Da verkündeten sie eine hirnlose Provokation des «Zentrums für politische Schönheit», dem das Neumarkt Gastrecht eingeräumt hatte: Ein «extra für diesen Anlass eingeflogener Voodoo-Priester», der vor einiger Zeit schon für den tödlichen Autounfall des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider «verantwortlich zeichnete», werde Roger Köppel verfluchen, was das Publikum auch vorher schon auf der unter der Ägide des Theaters am Neumarkt aufgeschalteten Website tun durfte. Der Ankündigungstext fuhr fort: «Wir bitten die Bevölkerung, sich in weiten Kreisen an der Deportation des Köppels (ein gemeingefährlicher Straftäter) zu beteiligen.»

Philipp Ruch, der Kopf hinter dem «Zentrum für politische Schönheit», machte im Herbst davor bereits Schlagzeilen, als er in der Strassenzeitung «Surprise» zum Mord am SVP-Nationalrat und Besitzer der «Weltwoche» aufrief: «Tötet Roger Köppel!» Obwohl das damals nicht nur vom Zürcher «Tages-Anzeiger» wohlwollend als Ausdruck künstlerischer Freiheit bewertet wurde – es handle sich doch nur um einen «Theatermord» –, entschuldigte sich der Herausgeberverein von «Surprise» anschliessend: «Wir haben die Wirkungen und Interpretationen dieses Gastbeitrags eindeutig unterschätzt», seine Publikation sein «ein Fehler» gewesen.

Davon unbeeindruckt, ergriff das Theater am Neumarkt unerschrocken die Gelegenheit, einem drittklassigen Schlingensief-Adepten erneut die Plattform für angeblich künstlerischen Nonsens zu geben.

Das kostet das Neumarkt kurzfristig 50’000 Franken Subventionen. Inzwischen fliessen aber wieder die Steuergelder ungehemmt. Nicht so wie beim Schauspielhaus, das satte 38 Millionen Franken bekommt. Aber ein paar Hunderttausend läppern sich schon.

Wie überhaupt die Theaterszene Zürich flächendeckend künstlich mit Steuergeldern beatmet wird. Theater Rigiblick, Theater Stadelhofen, Theater Purpur, selbst das «Zirkusquartier Zürich» bekommen Hunderttausende reingesteckt. Die erwähnten alleine über 1,5 Millionen. Jährlich.

Nun hat das Theater am Neumarkt beschlossen, eine Eigenproduktion im letzten Moment abzusagen. Ihr vielversprechender Titel: «bullet zen. ein Abend über dopamin, terror und meditation». Die Story hätte sicher rasenden Zuspruch gefunden: «das stück ging aus von einer wahren geschichte, in der in mexiko ein schweizerischer zen-mönch von einem drogenkartell entführt und mehrere wochen in geiselhaft gefoltert wurde.»

Am 4. November wäre Premiere gewesen. Wäre, denn einen Tag vorher blies das Theater das Theater ab. Das Stück hätte bis am 14. Dezember gespielt werden sollen. Eintritt kostet bis zu 45 Franken, da läppern sich die Ausfälle. Aber macht ja nix, wenn der Steuerzahler sowohl einen besetzten wie auch einen leeren Theaterstuhl subventioniert.

Nun wird so ein Stück ja nicht einfach einen Tag vor der Premiere auf die Bühne gewuchtet. Da wird inszeniert, geprobt, die Direktion ist natürlich eng in alles eingebunden. Dann gibt es noch Hauptproben, also jede Menge Möglichkeiten, Korrekturen anzubringen, wenn etwas nicht passen sollte.

Aber doch nicht am Neumarkt. Da kam man zum Schluss, salbadert der Pressesprecher, dass die Umsetzung künstlerischen und ethischen Ansprüchen nicht genüge.

Mal langsam. So wurde der Kracher angekündigt: «ein mexikanisch-schweizerisches regieteam bringt die auf wahren begebenheiten basierende geschichte auf die bühne und befragt das potenzial der buddhistischen lehre im kontext von gewalt und unterdrückung. kann sie antworten auf die krisengeschüttelte gegenwart liefern? in der nicht enden wollenden spirale aus dopamin, terror und meditation entsteht eine sinnliche parabel für eine welt am abgrund

Nun ist die «sinnliche Parabel» selbst in den Abgrund gefallen. Es ist eigentlich die Aufgabe einer Theaterdirektion, Stücke auf die Bühne zu bringen. Selbst bei einem Schwachsinn wie dem Köppel-Angriff hatte die Direktion keine Probleme damit gehabt. Das war allerdings ein Gastspiel, ohne Probe, mit nur rudimentären Kenntnissen, welche Schmiere hier aufgeführt würde. Diese Stück aber wurde von Anfang an eng begleitet.

Um dann im letzten Moment gekübelt zu werden. Normalerweise würde nach so einem Flop die Direktion Asche aufs Haupt streuen und auf offener Bühne Selbstmord begehen, beziehungsweise mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücktreten.

Das werden aber Tine Milz, Julia Reichert und Hayat Erdogan nicht mal in Erwägung ziehen. Zu verlockend sind die Futtertröge des Zürcher Subventionstheater, wo man auch Kohle kriegt, wenn man nicht mal ein Theaterstück auf die Bühne stellen kann.

Daraus könnte man eigentlich ein Lustspiel machen, eine Komödie, eine Parabel über die Unfähigkeit eines Künstlerkollektivs. Vielleicht interaktiv unter Einbezug des Publikums. Am Premiereabend hätte man eine lustige Diskussionsrunde anbieten können. Oder überhaupt etwas leisten. Aber doch nicht am Schnarchtheater Neumarkt.