Faktor M – wie Mumpitz
Im Tagi darf jeder sein Steckenpferd zu Tode reiten.
Im 17. Jahrhundert wurde der Stoff Phlogiston erfunden. Das diente zur Erklärung, wieso Material brennen kann. So sei beispielsweise Holz eine Mischung aus Phlogiston und Asche.
Obwohl der Chemiker Antoine Lavoisier diesen Unsinn Ende des 18. Jahrhunderts widerlegte und herausfand, dass Verbrennung mit Sauerstoff stattfindet, hielt sich diese Theorie noch längere Zeit.
Solche Irrläufer gibt es immer wieder. Der aktuelle heisst «restriktiv-maskulines Dominanz- und Abgrenzungssyndrom», oder, weil «zu sperrig», Faktor M. Nachdem sich bereits die kompetente Redaktorin Sabina Bundi über Neues aus der sogenannten «Manosphere» ausgelassen hat und damit für Gelächter und rote Köpfe sorgte, ist nun Martin Fischer dran. Der Hampelmann ist berüchtigt als Vorleider unter leidenden Männern.
Nun verspricht er mal wieder zu viel: «Studie der Universität Zürich: Wie toxisch ist Ihr Bild von Männlichkeit wirklich? Machen Sie hier den Test». Zunächst einmal: ätsch, reingefallen, es gibt gar keinen Test. So viel zum Verstoss gegen eine der «eisernen Regeln» («Titel und Lead stimmen mit dem Inhalt überein»).
Da hilft auch nicht, dass der Titel nachträglich verschlimmbessert wurde:

Aber das sind ja Peanuts bei diesem Organ auf dem Weg nach unten. Fischer behauptet: «Eine viel beachtete repräsentative Studie der Universität Zürich und des Dachverbands Männer.ch hat nun zum ersten Mal erhoben, wie «toxisch» das Bild von Männlichkeit unter Schweizerinnen und Schweizern ist.»
Daran stimmt nun genau nichts. Dubletten abgezählt, hat dieses Machwerk eine Handvoll Erwähnungen im nahenden Sommerloch gefunden, nix «viel beachtet». Und repräsentativ ist an dieser «Studie» auch nichts. Schliesslich hat sie nicht ein «toxisches» Bild von Schweizern erhoben, falls es noch erlaubt sein sollte, den Anteil von Ausländern unter den Teilnehmern zu erwähnen, ohne gleich des Rassismus bezichtigt zu werden.
Auch Fischer referiert erschütternde Ergebnisse: «Jeder fünfte Mann findet hierzulande, Männer seien Frauen überlegen und Gewalt sei ein legitimes Mittel. Bei den 18- bis 24-Jährigen denkt die Hälfte, dass «richtige Männer immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden».»
Dafür wurde der «Faktor M» erfunden. «Dieser Messwert wurde für die Studie massgeschneidert und ist sozusagen das wissenschaftliche Thermometer für toxische Männlichkeit.» Massgeschneidert ist nicht schlecht. Oder wissenschaftlich ausgedrückt: was man reinsteckt, kommt auch raus.
So geht wahre Wissenschaft. Frage: Sind Männer nicht Schweine? Massgeschneiderte Antwort: ja, viele Männer sind Schweine.
Darüber wird das übliche Geschwurbel gelegt: ««Vereinfacht gesagt: Wer sexistisch eingestellt ist, ist auch viel wahrscheinlicher homophob, findet es okay, sich mit Gewalt gegen Beleidigungen zu wehren, und sieht ‹echte Männer› als bedroht an», erklärt Studienleiter Ribeaud.»
Das ist der, der den Faktor Migrationshintergrund wegschwiemelt. Fischer eilt ihm zu Hilfe: «Der Faktor M ist also ein Sammelindikator.» Nein, der Faktor M ist ein modernes Phlogiston. Etwas, das gar nicht existiert. Aber dennoch trompetet der Studienleiter, das sei «ein Novum, made in Switzerland».
Dabei sind all diese woken Begrifflichkeiten wie toxisch, sexistisch, misogyn, homophob, gewaltbereit alles andere als wissenschaftlich.
Weiter im Lachkabinett: «Markus Theunert, Mitautor der Studie und Co-Geschäftsleiter von männer.ch, hatte den Faktor M schon früher als theoretisches Konstrukt entwickelt – jetzt ist er mit Daten abgestützt.»
Es ist verblüffend, wie selbstentlarvend diese tapferen Denunzianten toxischer Männlichkeit sind. So geht echte Wissenschaft. Entwickle ein realitätsfernes, theoretisches Konstrukt – dann verbrate Stiftungsgelder, um es angeblich in der Wirklichkeit zu finden.
Die irre Webseite manosphere.ch behauptet, es sei«wissenschaftlich widerlegt», dass es nur zwei Geschlechter gebe. So wie es für andere Schwachmate wissenschaftlich erwiesen ist, dass die Erde vor 6000 Jahren in einem Schöpfungsakt entstand. Dieser Blödsinn wird dann noch mit über 150’000 Franken Steuergeldern subventioniert. Die staatliche Verblödung kennt kaum Grenzen mehr.
ZACKBUM hat sich auf die gleichen Pfade begeben. Wir haben auch einen Faktor als theoretisches Konstrukt schon lange entwickelt. Wir nennen ihn den Faktor MDS. Das ist die Abkürzung für männliche Dummheit und Selbstkasteiung. Jahrelange Feldforschung hat ergeben, dass er überproportional häufig (genau in 67.89 Prozent aller Fälle) unter Journalisten verbreitet ist. Unter jungen häufiger als unter älteren.
Wir arbeiten daran, entsprechende Feldforschung bei weiblichen Medienschaffendinnen zu betreiben.








