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Schlagwortarchiv für: Tamedia

René Zeyer

Quote ist Quatsch

15. November 2021/4 Kommentare/in Allgemein, Meinung/von René Zeyer

Quote mindert Qualität und bewirkt das Gegenteil des Beabsichtigten.

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Vor rund 9 Monaten landeten Tamedia-Mitarbeiterinnen den wohl grössten Scoop ihrer ganzen Karriere. Zwei zuvor durch keinerlei journalistische Leistungen aufgefallene Rädelsführerinnen liessen via Jolanda Spiess-Hegglin ein für internen Gebrauch bestimmtes Protestschreiben an die Öffentlichkeit durchsickern.

Perfekt getimt zum Tag der Frau erregte es gewaltig Aufsehen. 78 Mitarbeiterinnen hatten ein Schreiben unterzeichnet, das sich über demotivierende Zustände, Diskriminierung und Sexismus auf den Redaktionen beschwerte. Rund 60 anonymisierte Beispiele sollten das belegen.

Abgesehen davon, dass sie an Harmlosigkeit kaum zu überbieten waren und durch die völlige Anonymität nicht nachprüfbar, landete diese Aktion einen vollen Erfolg. Er beförderte die beiden Initiantinnen in den Fokus der Öffentlichkeit und verschaffte ihnen sogar einen Kurzauftritt in «10 vor 10».

Einknicken, entschuldigen, Besserung geloben

Mehr als das, die gesamte Tamedia-Führungsriege knickte widerstandslos ein. War betroffen, entschuldigte sich, sah ein Problem, kündigte strenge Untersuchung an, versprach Abhilfe. 9 Monate später ist die Untersuchung offensichtlich mangels Möglichkeit zur Verifizierung (welcher männliche Sexist soll was zu welchem weiblichen Opfer gesagt haben?) verröchelt.

Aber die Ansage des Mitglieds der Geschäftsleitung bleibt: 40 Prozent Frauenanteil auf allen Hierarchiestufen, das ist das Ziel. Marco Boselli, Co-Geschäftsführer von Tamedia, bekannte sich zur Quotenregelung.

So wird alles gut. Für Frauen …

Und schlug damit einen weiteren Sargnagel bei der Beerdigung des Qualitätsjournalismus ein. Denn Quote killt Qualität, das ist eine feststehende Tatsache. Genauso wenig, wie das Geschlecht ein Kriterium für Kompetenz oder öffentlichen Auftritt sein darf, sorgt Quote nur dafür, dass durch sie diskriminierte Mitarbeiter abwandern.

Die Fähigen gehen, die Unfähigen bleiben

Ausgerechnet die, die eigentlich Karriere machen wollen. Denn die einfach zu verstehende Wirkung ist: selbstverständlich sind auch bei Tamedia leitende Positionen überwiegend von Männern besetzt. Und da weder Big Boss Pietro Supino, noch Oberchefredaktor Arthur Rutishauser, noch Geschäftsführer Marco Boselli, noch «Blick»-Chef Christian Dorer an eine Geschlechtsumwandlung denken dürften, bedeutet Quote, dass Körper mit Vagina ganz klar bessere Karten haben als Körper mit Pimmel.

Also gehen die Pimmel fremd; typisch Mann. Kurt W. Zimmermann zählt in der neusten «Weltwoche» ein paar Beispiele auf. Beat Schmid, vor nicht allzu langer Zeit von CH Media zu Tamedia gestossen, geht. Ein herausragender Wirtschaftsjournalist. Ebenso Markus Diem Meier. Oder Linus Schöpfer, womit das eh schon auf dem Sterbebett liegende Kulturressort unter Federführung von Nora Zukker oder Andreas Tobler noch die letzten Leser in die Flucht schlagen wird.

Denn Quote heisst: den Aufstieg in Männergremien kann man als Mann vergessen. Leistung, Kompetenz, die Bearbeitung von Themen, die 99 Prozent aller Leser entschieden mehr interessieren als «free bleeding» oder die neusten Entwicklungen im korrekten Gendern der Sprache – spielt keine Rolle mehr.

Was inzwischen alles die Leser belästigt …

Schlimmer noch, schon vor dieser Quotenregelung merkte man Tamedia immer deutlicher an, dass sich männliche Vorgesetzte kaum mehr trauten, weiblichen Sprachmüll dem Leser zu ersparen. Denn wer will schon gerne als demotivierender Sexist an den Pranger gestellt werden, dessen männliche Sicht die Qualitäten eines weiblichen Texts gar nicht erfassen kann.

Binäre Quoten sind der Gipfel der Diskriminierung. Wenn es nur um Vagina oder Penis geht, wo bleiben die Kurzsichtigen? Die Brillenträger? Die polygamen Schwulen? Die enthaltsamen Lesben? Die Veganer? Die Latzhosenträger? Die Fans von Gucci-Handtaschen? Und vor allem: die Non-Binären, die Transmenschen? Oder die trockenen Alkoholiker, die Zigarrenraucher, die Marathonläufer, die Biertrinker?

Von den dadurch möglichen Untergruppen ganz zu schweigen, wir erwähnen hier nur den glatzköpfigen, sowohl horizontal wie vertikal herausgeforderten Schwulen mit ex-veganem Hintergrund und der finsteren Absicht, sich umoperieren zu lassen. Wo ist dessen Quote, und wenn nicht, wieso lassen wir diese Diskriminierung zu?

Für Tamedia, für die Leser und für die Pimmelträger im Hause sind das schlechte Nachrichten. Aber es gibt auch eine gute. Drittklassige Redaktorinnen, unfähige Managerinnen, selbst strunzblöde Blondinen (ob echt oder gefärbt) haben Karrierechancen wie noch nie in ihrem Leben. Allerdings: nachhaltig Karriere machen kann man nur in einer Firma, die sich nicht im Sturzflug befindet.

Und erst noch stolz drauf. Cover des deutschen «Stern».

Sonst wird man höchstens zum Bestatter, zur Bestattungsgehilfin. Und das ist höchstens am TV lustig.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Quote5.jpeg 767 1399 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-15 07:00:502021-11-16 07:40:20Quote ist Quatsch
René Zeyer

F*** den Faktencheck

15. November 2021/3 Kommentare/in Allgemein, Medienschelte/von René Zeyer

Um es milde auszudrücken. Neuerlicher Tiefpunkt bei Tamedia.

Was früher vor der Publikation eines Artikels selbstverständlich war, wird heutzutage im Elendsjournalismus gross als Leistung heraustrompetet: der Faktencheck.

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Das ist ungefähr so wie wenn der Reifenwechsler ein grosses Gewese daraus machen würde, dass er am Schluss der Montage der Winterpneu noch die Schrauben nachzieht. Eine Selbstverständlichkeit wird zur Sonderleistung aufgepumpt.

Das ist schon lachhaft genug. Dass der Oberfaktenchecker von Tamedia es nicht checkt, zieht die Schraube der Lächerlichkeit noch weiter an. Nun hat Yannick Wiget zusammen mit dem Gesetz-Befürworter Edgar Schuler ein Stück online gestellt, das zwar hinter der Bezahlschranke versteckt ist, aber dennoch keinen Pfifferling wert: «Argumente für und gegen das Covid-Gesetz im Faktencheck»

Leider steht das Wort ungeschützt im Raum; jeder (und jede) kann dran rumfingern, es missbrauchen, abwerten, Lügen strafen. Das tun sogenannte Qualitätsjournalisten am liebsten, während sie das hohe Lied vom Vertrauen in ihre Tätigkeit singen. Und die nächsten Fakechecks schon vorbereiten, die in aller Objektivität ergeben werden, dass man ihnen unbedingt eine Milliarde Steuergelder reinschieben muss.

Wes Inserat ich nehm, des Lied ich sing

Aber zunächst geht es um die Abstimmung am 28. November. Bis und mit Sonntagsausgaben haben die Mainstream-Medien einen grossen Schluck aus der Pulle «Impfwoche» genommen. Inserate satt, milde Berichterstattung über einen Flop, bei dem locker 100 Millionen Franken an Steuergeldern sinn- und zwecklos verröstet wurden. Dabei steht als letzter Höhepunkt der Aufruf von 13 Ex-Bundesräten an «ihr Volk» noch aus, sich gefälligst zu impfen.

Aber keiner zu klein, Faktenchecker zu sein. 17’218 gecheckte Anschläge lässt Tamedia über seine schrumpfende Leserschaft herabregnen. Man will denen schliesslich mal wieder zeigen, wofür sie Hunderte von Franken pro Jahr ausgeben. Für Qualitätsjournalismus natürlich. Objektiv, ausgewogen, analytisch, lehrreich, einordnend, klarstellend. Verlässlich, richtig, voll gecheckt halt.

Bevor wir uns ins finstere Elendsloch des modernen Schrumpfkopfjournalismus abseilen, müssen wir uns noch eine Stirnlampe montieren. Lassen wir einen Moment Semantik aufblitzen. Faktencheck heisst, Aussagen «anhand von nachprüfbaren, rationalen und objektiven Fakten» überprüfen. Da kann man Wikipedia folgen, auch wenn wir den Begriff Fakt mal so stehenlassen.

Nun legen die beiden Cracks Schuler und Wiget «sechs Behauptungen zur Vorlage auf den Prüfstand». Diese «Behauptungen» stammen zur Hälfte von Coronaskeptikern. Also Leugnern, also Vollirren. Daher sind es auch keine Aussagen mehr, sondern eben Behauptungen. Wie sieht denn nun dieser «Prüfstand» aus? Das hört sich doch nach Technik an, Wissenschaft, Profigerät.

Prüfstand auf dem Prüfstand: ist gar keiner

Leider kann sich auch dieses Wort nicht gegen Missbrauch wehren. Denn der «Prüfstand» ist gar keiner. Schon die Einleitung der «Prüfung» ist gaga: «Wir haben uns die wichtigsten Argumente der Befürworter und Gegner genauer angeschaut.»

In Wirklichkeit werden sechs Aussagen jeweils bestätigt oder bestritten. Hier kommt nun der Intelligenztest für den ZACKBUM-Leser: die Aussagen von wem werden bestritten, von wem bestätigt? Wir sind uns sicher, dass alle unsere Leser hier die volle Punktzahl holen.

Im Kurzdurchlauf: «Ungeimpfte werden diskriminiert.» Ach was, ein Staatsrechtler sagt dazu, das erscheine «weitgehend übertrieben». Es gibt zwar auch renommierte Staatsrechtler, die schwerste Bedenken gegen dieses Gesetz äussern. Aber davon wollen die sich doch keinen «Faktencheck» verderben lassen. Schliesslich zitieren die Oberfaktenverdreher denjenigen, der ihnen in den Kram passt.

«Zertifikate bieten eine Scheinsicherheit». Damit mache unter anderem die «Schriftstellerin Sibylle Berg Stimmung gegen die Gesetzesänderung». Wohlgemerkt, sie argumentiert nicht, sondern, typisch Frau, alles Stimmungssache. Aber spielt ja keine Rolle, auch das ist Quatsch: «Von einer Scheinsicherheit kann aber nicht die Rede sein.» Schliesslich, wie steht es mit Befürchtungen vor einer «totalen Überwachung»? Nimm das, du Schriftstellerin:

«Die Befürchtungen von Sibylle Berg sind bedenkenswert, aber übertrieben.»

Wie überstehen die drei «Argumente» der Befürworter den Fickifackicheck, die genauso brutal auf den Prüfstand gelegt werden? «Die Aussage des Bundesrats ist richtig.»

«Die Aussage von Bundespräsident Parmelin ist richtig.»

«Grundsätzlich stimmt also Bersets Aussage.»

Tatä, wir haben ein eindeutiges Resultat. 3 Aussagen der Gegner des verschärften Gesetzes: falsch, falsch und nochmal falsch. 3 der Befürworter: richtig, superrichtig, grundsätzlich richtig.

Wir hätten auch drei Fragen, die wir gerne auf den Prüfstand legen möchten:

Sagt mal, Ihr beiden Faktenchecker, schämt Ihr Euch denn gar nicht? Habt Ihr jede journalistische Ehre aus dem Leib geprügelt bekommen? Könnt Ihr Euch wirklich noch morgens im Spiegel anschauen, ohne tief zu erröten?

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/FAke1.jpeg 296 832 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-15 06:30:392021-11-12 15:42:41F*** den Faktencheck
René Zeyer

Kurz & knapp: Chefredak

14. November 2021/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Seit der von Kurt Tucholsky unsterblich gemachten Debatte, wie denn die Löcher in den Käse kommen, wird hier von Kindermund eine weitere schwer zu beantwortende Frage gestellt:

Liebe Kinder, egal, was Euch Märchentante Priska Amstutz erzählt hat; die Wahrheit ist: sie ist gar keine richtige Chefredaktorin. Sie ist eine auf Hierarchiestufe drei stehende Co-Chefredaktorin. Eigentlich ist bei ihrem Titel der Teil «Chefredak» überflüssig.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Short1.jpeg 291 627 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-14 07:00:332021-11-12 13:04:10Kurz & knapp: Chefredak
René Zeyer

Niederlagen sind Siege

13. November 2021/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Ob Sabotage, falsch angepackt oder einfach Versagen: Impfwoche schönschwätzen bei den Medien.

Wir können zuschauen, wie rund 100 Millionen Franken Steuergelder in den Abfluss gurgeln. So viel kostet die «Impfwoche». Gewinner sind eigentlich nicht in Sicht. Ausser der federführenden Werbeagentur, dem Konzertveranstalter und ein paar Künstlern, denen es egal ist, ob sie vor einer Handvoll Zuschauer spielen. Solange die Gage stimmt.

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Echt bedenklich ist aber das Schönschreiben in den Medien. ZACKBUM-Redaktor René Zeyer verbrachte einige Jahre als Korrespondent auf Kuba. Inzwischen durch die Segnungen des Internets etwas aufgelockert, gab und gibt es dort legal ausschliesslich Staatsmedien.

Federführend ist die Parteizeitung «Granma». Die Grossmutter, benannt nach der Yacht, mit der Fidel Castro und eine handvolle Guerilleros landeten, um innert kürzester Zeit das Regime des Diktators Batista zu besiegen, kennt nur drei Arten von Nachrichten.

Das waren noch Zeiten.

Schlechte aus dem kapitalistischen Ausland, ganz schlechte aus den USA – und gute aus Kuba. Planübererfüllung, Erfolge, feste Absichten, revolutionärer Elan, Vertrauen in die Führung. Wenn etwas nicht ganz perfekt klappt: die Umstände, die USA, der Imperialismus, die Handelsblockade, Corona.

Man fragte sich Tag für Tag, wie das die vielköpfige Redaktion nur im Kopf aushält. Jeder dieser Schreiber lebte doch auch in der kubanischen Realität, die nun immer weniger mit ihrer schöngefärbten Darstellung auf geduldigem Zeitungspapier zu tun hatte. Man musste eine spezielle ideologische Verblendung oder reinen Opportunismus vermuten.

Kubanische Zustände in der Schweiz

Man hätte es aber nicht im Traum für möglich gehalten, ähnlichen Zuständen in der Schweiz zu begegnen. Konkret in der medialen Darstellung der «Impfwoche». Ohne Übertreibung ist jetzt schon absehbar: ein 100-Millionen-Flop. Keines der Ziele wurde erreicht, alle verfehlt. Die meisten Massnahmen entfalteten die Wirkung eines Knallfroschs, dem die Zündschnur feucht geworden war.

Die Konzerte, die Impfangebote, die Aufrufe, die ganze Kampagne: peinlich gescheitert. In der Realität. Aber nicht in den Medien.

Tapfer fabuliert eine «watson»-Reportage die Sache schön:

«Nein, es ist dieser in Stein gemeisselte Optimismus. Trotz allen Schwierigkeiten und Anfeindungen, trotz der schieren Aussichtslosigkeit des Unterfangens blicken auch hier alle voller Zuversicht nach vorne. Spritze für Spritze Richtung Ende der Pandemie. Und wenn es hilft, dann auch zwischen Billy-Regal und Köttbullar.»

Poetische Durchhalteparolen bei der Beschreibung von «Impf-Teams», die sehr, aber sehr viel Zeit haben, zusammen Kaffee zu trinken.

Aggressive Kampagne der USA gegen Friede und Stabilität auf Kuba …

SRF kümmert sich um die Erledigung von Widersprüchen. Dänemark, der gelobte Impfchampion in Europa, das Vorbild. 75 Prozent, davon könnte sich die Schweiz mehrere Scheiben abschneiden, da müssen wir auch hin. Und nun das: «Corona-Beschränkungen werden wieder eingeführt und es braucht ein Zertifikat für gewisse Aktivitäten.» Blöd aber auch, wie denn das? ««Ein Punkt bei den Corona-Impfungen ist, dass man das Virus unter Umständen trotzdem weitergeben kann», erklärt SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel.»

Ach was, und deshalb sollen sich in der Schweiz dank der Impfwoche möglichst viele impfen lassen? Nun, da helfen nur die ewig gleichen Horrorprognosen:

««Die Zahl der Ungeschützten und ihr Ansteckungsrisiko sind entscheidend.» Laut aktueller Schätzung des BAG seien etwa eine Million Erwachsene ungeschützt. «Das kann, wenn sich alle infizieren, noch einmal Tausende Menschen in die Spitäler bringen.»»

Gelenkiger als ein Parteiorgan im Wendehalsen 

Treffen die nicht ein, ist man inzwischen gelenkiger als ein Parteiorgan, wenn es mal wieder mit der Planerfüllung nicht geklappt hat. Besondere Aufmerksamkeit wurde Afrika zu teil. Einstellige Impfquoten, trümmeliges Gesundheitssystem, Massensterben mit Ansage. Und nun das:

«Das Wunder von Afrika. Alle erwarteten eine Katastrophe und sprachen von einem «zynischen Live-Experiment»: Doch der Kontinent kam bisher glimpflich durch die Pandemie. Eine Nachricht, die guttut.»

Die SoZ wird fromm und glaubt an Wunder. Dabei handelt es sich bloss um eine weitere, krachende Fehlprognose. Aber zurück in die Schweiz.

Auch CH Media bemüht sich, möglichst gute Miene zum peinlichen Schauspiel zu machen. Der Reporter muss zwar launig beschreiben, wie Kälte und gähnende Leere seine Reportage begleiten. Aber, als alter Profi weiss er, dass der Schluss hängen bleibt: «In Zürich ist etwas ausgebucht, zum ersten Mal auf dieser Reise. Im Verlauf des Tages kam es zu Szenen, wie man sie sich im ganzen Land erhofft hatte: lange Schlangen, und zwar vor dem Impfdorf im Zürcher Hauptbahnhof. Allerdings gehören die Wartenden nicht zum primären Zielpublikum. Der Grossteil will nicht die erste Impfung. Sondern den Booster. Am Abend leuchtet über dem Impfdorf eine Anzeige, «Booster-Impfungen ausgebucht».»

Da hilft nur nur noch Poesie …

Sonst hilft wohl nur noch beten: «Katholiken für die Impfung: “Chance, weiterhin Solidarität zu leben”», titelt kath.ch mit frommem Gottvertrauen. «zentralplus» sieht es etwas nüchterner: «Luzerner Impfwoche startet verhalten». Aber auch hier werden Erfolgsmeldungen zusammengekratzt: «Deutlich erfolgreicher verläuft die Kampagne des Impftrucks. Dieser war am Montag in Malters, wo sich 136 Personen haben impfen lassen.»

Richtig genial ist aber die Schlussfolgerung, zu die der Kommentator von Tamedia kommt:

«Wir sollten erst jene impfen, die wollen»

Bevor wir diese impfen, die nicht wollen. So blöd hätte nicht mal «Granma» kommentiert. Aber vielleicht sollte er sich bewerben.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Granma5.jpeg 404 750 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-13 07:30:172021-11-12 13:08:18Niederlagen sind Siege
René Zeyer

Es hat nicht piks gemacht

12. November 2021/7 Kommentare/in Allgemein, Satire & Gelächter/von René Zeyer

Steuerzahler dürfen beim Verrösten von 100 Millionen zuschauen. Ungeimpft. Unerschrocken.

Das nennt man mal volle Kanne. Impfwoche! Medienkampagne! Inserate! Konzerte! Raclette! Impfdörfli, -busse und -zelte.

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Alles, was einem Werber wie Rod Kommunikation einfällt, wird aufgeboten, um in einer nationalen Anstrengung noch die letzten Impfskeptiker zum Piks zu treiben. Wäre doch gelacht, wenn das nicht möglich wäre.

Da ist auch beim «Blick» guter Rat teuer (aber bezahlbar).

Schliesslich kriegt es doch Apple auch regelmässig fertig, einen Riesenhype zu veranstalten, nur weil es eine neue Version des ewig gleichen Smartphones zu noch absurderen Preisen gibt. Da campieren immer Leute vor den Shops und zeigen dann stolz ihr gerade erworbenes Gerät, als sei das eine Leistung wie die Ersteigung des Mount Everest.

Läuft, behaupten alle wider besseres Wissen

Läuft, sagten sich Bundesräte, BAG und alle guten Kräfte. Läuft, sagten sich auch Schweizer Künstler wie Stefanie Heinzmann oder Stress. Läuft, sagten sich die Mainstreammedien, klatschvoll mit Inseraten und Lobhudeleien und Beschimpfungen der letzten «Coronaleugner», die ja nun daran schuld sind, dass wir schon wieder von einer Welle überrollt werden.

Dabei wollten wir doch nur die Willigen impfen, weil das angeblich gereicht hätte. Dabei wollten wir doch nie einen Impfzwang. Dabei wollten wir doch nie eine Diskriminierung via Zertifikat. Dabei wollten wir doch nie die einzige Hochrisikogruppe schützen, Alte mit Vorerkrankung. Hops, der ist uns jetzt durchgeschlüpft.

Zwei Aktionen ragen durch besondere Einfalt heraus. Da wäre mal das Zusammentrommeln aller Ex-Bundesräte der Schweiz. Also der lebenden. Also der mehr oder minder lebenden. Denn in der Unterstufe der Kommunikationsschule lernt jeder Depp: Testimonials. Testimonials helfen ungemein. Wenn Roger Federer eine bestimmte Kaffeemaschine benützt, dann steigt der Verkauf an die Decke.

Aber auch Prominente funktionieren nicht immer.

Also lassen wir doch neben Prominenten auch Bundesräte zu Wort kommen. Nun gibt es aber bekanntlich nur sieben, da geht noch was. Genau, es gibt doch auch Ex-Bundesräte. Also jubiliert Tamedia:

«13 Alt-Bundesrätinnen und -Bundesräte, zum Teil seit Jahrzehnten in Rente, zum Teil über 80 Jahre alt, treten noch einmal auf. Gemeinsam appellieren sie an ihr Volk: «Lasst euch impfen!»»

Drei haben gekniffen. Darunter Gottseibeiuns Christoph Blocher.

Der gute Kaiser Franz Josef von Österreich konnte sich wenigstens noch an «meine Völker» wenden, das geht nun hier leider nicht. Wieso es irgend jemanden zum Impfen motivieren soll, wenn 13 Alt-Bundesräte ihn dazu auffordern? Dumme Frage, Testimonials!

Wie erreiche wir die Jugend? Mit Stress natürlich

Besonders stolz war man bei den Kommunikationsfuzzis auf die Idee: die Jugend muss angesprochen werden. Das können Alt-Bundesräte eher schlecht. Aber he, Jugend steht doch auf Konzerte. Auf Disco oder wie das heute immer heisst; Clubs oder so. Da geht doch was ab. Die Hammeridee: Live-Konzerte. Mit Stars wie Stefanie Heinzmann oder Stress.

Hammer. Mega. Vollkrass. Cool. Geil. Knallt voll rein. Spritz keine Drogen, spritz Vakzin. Aber hätte man mit so viel Gemeinheit gerechnet?

Sabotage! Tickets posten, nicht hingehen. Gemein.

Unfassbar, sagte auch Stefanie Heinzmann: ««Dass es eine solche Boshaftigkeit gibt, hätte ich nie gedacht». Ihre Zusage zur Impfwoche hätte bei vielen «grosse Enttäuschung» ausgelöst. Ihr sei unterstellt worden, sie unterstütze die Zertifikatspflicht, die «Zwangsimpfung» oder Spaltung der Gesellschaft bis hin zur Diktatur. Davon distanziere sie sich aber ganz klar. Sie fände es einfach schön, gemeinsam mit der Kulturbranche eine Plattform zu erhalten.»

Zurück zum Miteinander mit Gänsehautfeeling

Jö, barmt der «Blick», genau, ist doch einfach schön, wenn die etwas ins Vergessene geratene Sängerin meint: «Ihr gehe es mit den Konzerten darum, dass Menschen zurück zum Miteinander finden.» Daran haben die Kommunikationsfuzzis sicherlich unter Zuhilfenahme kleinerer Berge von Koks lange gebastelt:  «zurück zum Miteinander». Weg vom Gegeneinander. Spürä. Begägnä. Mönsch siii. Gänsehautfeeling. Feuerzeuge schwenken. Smartphones schaukeln. Selfies knipsen. Vollgeil.

Wunderbar. Was hat die ganze Sause eigentlich gekostet, dieser Megaflop, dieser Schlag ins Wasser, dieser schlecht durchdachte, noch schlechter organisierte Steuergeldermissbrauch? Offiziell eingestanden sind bislang rund 100 Millionen Fränkli. Peanuts.

Ach, und was die Künstler wohl kassierten, um vor einer Handvoll Zuhörer auf der Bühne rumzuhampeln? Denn eines ist sicher: ihre Beihilfe zum «Miteinander» war natürlich nicht gratis. So weit geht dann das Engagement auch nicht.

Auch die NZZ runzelt vornehm leicht die Stirn über so viel Unfähigkeit.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Piks6.jpeg 662 1578 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-12 07:00:102021-11-12 15:18:57Es hat nicht piks gemacht
René Zeyer

Impfwoche! Spritz dir eins!

11. November 2021/5 Kommentare/in Allgemein, Meinung/von René Zeyer

Wir leben im Paradies der pluralistischen Medien. Und glauben an den Weihnachtsmann.

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Der Bund wirft ein paar Millionen Steuergelder auf, um mal richtig vorwärts zu machen mit dem Impfen. Impf dir eins, dann gibt’s Raclette. Nimm den Impfbus. Booster dir eins. Einen hübschen Teil der Millionen gibt der Staat für Medienkampagnen aus. Endlich mal wieder Inserate satt in den Tageszeitungen.

Fotos der grossartigen Webseite «Kim looking at things».

Das alles hat natürlich überhaupt keinen Einfluss auf die objektive, ausgewogene, alle Meinungen widerspiegelnde Berichterstattung. Niemals. Ehrenwort. Strikte Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung. Hand aufs Herz und treuer Blick nach oben. Publireportage? Paid Content? «In Zusammenarbeit mit»? «Diese Reisereportage wurde unterstützt von»? Diese Produkte hat unsere Beauty-Redaktorin für Sie ausgewählt, äh, wurden ihr gratis zugesteckt?

Nun ja, wir wollen da den Fünfer gerade sein lassen. Nicht nur der Coninx- oder Ringier- oder Wanner-Clan muss ja von was leben. Seine Angestellten auch. Aber wenn’s ernst wird, wenn es um Leben oder Tod geht, dann besinnen wir uns doch auf alle journalistischen Anstandsregeln, oder nicht?

Oder nicht.

Weil das Thema wirklich nervt, das Panoptikum der ausgewogenen Berichterstattung der drei grossen Medienhäuser plus NZZ im Dreisprung kurz vorgeführt. Achtung, nur für stärkere Nerven. Bei Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Der kann zwar auch nicht helfen.

Wir fangen irgendwo an, denn zwischen oben und unten ist bei dem Thema Corona schwer zu unterscheiden.

So ausgewogen berichtet der «Blick» übers Für und Wider der Impfung.

Testimonial eines reuigen Sünders, kommt immer gut.

Testimonial aus berufenem Mund, kommt auch gut.

 

Wir queren den Mediensumpf Richtung Tamedia.

Corona-Kreische Marc Brupbacher muss seinen Ruf verteidigen.

Impfmuffel und Trödelkantone. Gute Wortwahl ist alles.

Auch «20 Minuten» greift objektiv in die Debatte ein.

Wir haben diese Anglergummistiefel an und kommen daher trockenen Fusses zu CH Media.

Nehmt das, ihr trödelnden Impfstoff-Zulasser in der Schweiz.

Sachbeschädigung, dann der nächste Sturm aufs Bundeshaus?

«Beantworten Fragen» ist etwas euphemistisch formuliert. «Machen Ansagen» wäre wohl besser.

Nun noch der Aufschwung in die Höhe der intellektuellen Kühle, also zur NZZ.

Oh, auch hier wird mit Testimonials gearbeitet.

Gib uns das tägliche Grauen. Nimm das, du verstockter Impfgegner.

Endlich, der philosophische Diskurs in Widersprüchlichkeiten.

 

Zusammenfassung

Das ist eine durchaus repräsentative Auswahl aus der nordkoreanischen Meinungspresse. Pluralistisch, vielfältig, widersprüchlich, Für und Wider darstellend. Mit Platz für abweichende Meinungen. Damit könnte sogar Kim der Dickere leben.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Kim1.jpeg 328 492 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-11 06:00:432021-11-10 12:04:43Impfwoche! Spritz dir eins!
René Zeyer

Au weia, au weiwei

8. November 2021/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Wie drei Qualitätsjournalisten eine Story versenken.

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Eigentlich könnte es ein schönes Recherchierstück sein: «Warum die CS den China-Kritiker rauswarf». Die News ist zwar nicht brandneu, aber man will ja nicht zu viel vom heutigen Elendsjournalismus verlangen.

Es geht darum, dass dem weltberühmten chinesischen Künstler Ai Weiwei seine Konten bei der Credit Suisse gekündigt wurden. Vorwand: Die Bank führe keine Geschäftsbeziehungen mehr mit Vorbestraften. Es liegt auf der Hand, dass das ein Kotau vor dem chinesischen Regime und dem Riesenmarkt dort ist, wo man vor allem im Immobilienbereich Multimilliarden – in den Sand setzen kann.

Also ideal für die CS. Und ideal für ein sauberes Stück Hinrichtungsjournalismus. Gleich drei Tamedia-Cracks haben zusammen in die Tasten gehauen. Vielleicht liegt es daran, dass Linus Schöpfer, Simon Widmer und Jorgos Brouzos nur ein Jammerlappen von Artikel gelungen ist.

Der vielfältige Schweizer Print-Journalismus (Ausschnitt).

Zunächst der szenische Einstieg, wie er vom «Spiegel» seit gefühlten hundert Jahren zelebriert wird:

«Oktober 2021, ein Sonntagmorgen in Portugal. Chinas berühmtester Dissident sitzt in seiner Küche und schlürft Suppe. Die Kamera ist an, wir sprechen über Zoom mit Ai Weiwei.»

Informationsgehalt: null. Bedeutung: null. Jeder Chinakenner weiss, dass die dort ihre Suppe schlürfen. Morgens und abends und auch zwischendrin. Jeder weiss, dass die Kamera schon an sein muss, sonst geht da nix. Aber nun geht’s sicher mit dem Enthüllungsjournalismus los.

 

Künstler und Dissident: Ai Weiwei.

Moment, zunächst muss noch, das haben wir mal im Schulaufsatz gelernt, erklärt werden, was wir so tun und getan haben: «Im Folgenden erzählen wir die Geschichte hinter Ais Rauswurf. Dafür sichteten wir Mails und Transkripte von Sitzungen, führten Gespräche mit Ai Weiwei, Verantwortlichen der Credit Suisse und unabhängigen Bankexperten.»

Das muss einem natürlich gesagt werden; die drei Herren haben sich nicht einfach eine Story aus den Fingern gesaugt. Sie haben doch tatsächlich etwas recherchiert. Wahnsinn. Nun könnte der Leser, der es bis hierher durchgehalten hat, natürlich der Meinung sein: was interessieren mich die Kontoverbindungen eines Suppe schlürfenden Chinesen in Portugal?

Natürlich weist der Einzelfall ins Allgemeine hinaus

Aber auch dafür gibt es sofort eine Antwort: «Es ist eine Geschichte, die über den Streitfall «Credit Suisse gegen Ai Weiwei» hinausweist. Denn sie gibt Einblick in das Kalkül und die Ethik einer Schweizer Grossbank. Und sie zeigt, wie verblüffend rasch und zugleich radikal die Bank im Ernstfall ihre Verteidigungslinie anzupassen weiss.»

Ein Kunstwerk des Künstlers.

Normalerweise wird die Moral einer Geschicht’ erst am Schluss enthüllt, aber warum mal nicht gleich am Anfang? Wohl in der berechtigten Befürchtung, dass nicht allzu viele Leser bis zum Ende der 13’360 Anschläge umfassenden Gähnstory durchhalten. Als wären wir hier bei der «Republik».

Aber wir sind beim Qualitätsmedium Tamedia, das diese seitenfüllende Sauce in alle Kopfblätter in allen Winkeln der Schweiz ergiesst. Was macht man, wenn man schon ganz am Anfang die Recherche und die Moral und überhaupt alles verraten hat, inklusive Journalismus in langen Hosen? Genau, man macht eine «Rückblende». «Ai schreibt, die Credit Suisse habe das Konto seiner Stiftung aufgelöst. Begründet habe das die Bank mit einer neuen Geschäftsregel, die keine gerichtlich verurteilten Kunden mehr erlaube. Er sei aber weder angeklagt noch verurteilt worden. Das wahre Motiv müsse daher wirtschaftlicher Art sein.»

Das war am 6. September, am 11. September erschien dann ein Interview in den Tamedia-Blättern mit Ai Weiwei. Da sagt er nochmals, was er schon zuvor gesagt hat. Schnarch.

Künstler mit Kunstwerk, hier für Hornbach.

Die CS sagt das, was man als Bank halt so sagt. Bankkundengeheimnis, sagen nix zu allfälligen Kontoverbindungen. Aber nicht nur in den Medien sinkt das Niveau unaufhörlich ins Bodenlose. Wir lesen im Schulaufsatz: «Am Samstagmorgen erhalten wir einen Anruf, am Apparat ist ein Kommunikationsspezialist der CS. Man wolle ein neues Statement abgeben.»

Links künstlerisch verfremdet, rechts das Segellogo der CS.

Wunderbar dass wir das alles wissen; es war ein Anruf, und es war ein «Kommunikationsspezialist» am Hörrohr (der hoffentlich inzwischen seinen Job los ist). Denn der teilte mit, dass man die Kundenbeziehung «beendet» habe, weil der Künstler «gesetzlich erforderliche Informationen nicht lieferte». Das ist nun tatsächlich ein Knaller – an Blödheit.

Hier könnte man abbrechen, aber he, es sind drei Autoren …

Damit könnte man eigentlich die Story knackig beenden. Aber nein, wir erinnern uns: es wurden Unmengen von Material durchgeackert. Zur Verfügung gestellt vom «Team» Weiweis. Also vielleicht nicht ganz objektiv. Aber wie auch immer, warum in einem Satz etwas sagen, wenn man auch viele verwenden kann.

Der eine Satz: diese Unterlagen scheinen zu belegen, dass die CS nach Vorwänden suchte, um Weiwei rauszuschmeissen. Gefühlte 100’000 Buchstaben später kommt der Künstler zu einer geradezu konfuzianisch weisen Beurteilung: Die Bank sei «money-rich but truth-poor». Wobei das mit dem «money-rich» auch eher ein Gerücht ist.

Der Künstler als Kunstwerk.

Aber, Fakten auf den Tisch, haben nun die Chinesen auf die CS eingewirkt, den Dissidenten rauszuschmeissen? «Dafür gibt es keine Hinweise.» Aber das wäre ja eigentlich die Aufgabe einer echten Recherche gewesen.

Stattdessen endet der Artikel mit einem leisen Seufzer, «keine Hinweise». Das ist nun keine Kunst. Das ist auch keine Leistung. Das ist einfach jämmerlich. Das ist au weia, das ist au wei. Dabei wäre die einzig interessante News (leider verschenkt), dass die CS sich nicht entblödet, etwas zu einem Kunden zu sagen. Als ob man noch nie vom Bankkundengeheimnis gehört hätte.

Dafür könnte man die Blöd-Bank einklagen, aber dazu sind die Journis selber …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Ai2.jpeg 262 393 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-08 07:00:222021-11-08 12:54:32Au weia, au weiwei
René Zeyer

Oops, she did it again

8. November 2021/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Nora Zukker erträgt sich nur beschwipst. Der Leser braucht einen Vollrausch.

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Wenn man mal einen Einstieg gefunden hat, soll man daran festhalten. Ob Cüpli auf einem Zürcher Friedhof, ob sich «zwei Beine in kurzer Hose» neben die Literaturchefin von Tamedia auf den Barhocker setzen: Wein, Weib und kein Gesang ist ihre Devise.

Daher beginnt auch Nora Zukkers jüngstes Werk so:

«Montagabend in einer Zürcher Bar. Wir zeigen Zertifikat und Ausweis und bestellen Wein.»

Eine nüchterne Beschreibung einer völlig überflüssigen Information. Denn eigentlich soll es um Lara Stoll gehen – und ihr erstes Buch «Hallo».

Sie sei die «Punkerin der Schweizer Poetry-Slam-Szene». Denn sie lässt offenbar längst vergangenen Theater-Unsinn wieder aufleben: «Erst hat sich das Publikum in SRF-Sendungen regelmässig erschrocken, wenn sie plötzlich schrie oder als Spermium auf dem Boden zuckte.»

Megakrasse Partys bei Stoll

Auch privat hat es Stoll echt megakrass, mit ihren «Frittierpartys»: ««Frittiere, was du findest, vorzugsweise in der Küche.» Gleichzeitig werden Haschkekse gebacken, die dann so krass einfahren, dass alle Gäste schnell nach Hause gehen und Stoll ihre Schuhe anzieht, in einen Club geht und erst zwei Tage später wieder nach Hause kommt.»

Saufen zieht sich auch hier wie ein Leitmotiv durch das Porträt: «Also, was spricht denn mit Mitte dreissig überhaupt noch für den 3.95-Franken-Wein aus dem Denner, wenn man genug Geld verdient? «Nichts, absolut gar nichts. Ich habe viel zu oft Kopfschmerzen, aber auch von teurem Wein», sagt Stoll.»

Kante geben, «leicht betrunken ein Hörbuch aufnehmen», das Leben im Rausch, aber keinesfalls berauschend. Nun gut, aber das Werk der Poetin? Wo bleibt das Werk? Das fällt Weinliebhaberin und Literaturhinrichterin Zukker gegen Schluss ihres infantilen Textes auch auf. Also zitiert sie eilfertig ein Werk, mit vollmundiger Ankündigung: «Sie setzt die Pointen gekonnt, und ihr Blick auf die Dinge ist zart.»

Wir sind gespannt – und dann das:

«Mir sind alli elai / bim Rüschte / sind elai / mitem Basilikum / Mir sind immer elai / mit üsne Molekül /». Es ginge noch weiter, aber es gibt Menschenrechte.

Zukker ist gnadenlos, sie hat noch einen Werkkasten dazugestellt, der den Leser weiter quält: «Lara Stoll beweist in ihrem ersten Buch Wortakrobatik vom Feinsten.»

Beispiel? Beispiel, ein «Liebesbrief» an den Duden:

«Ich bin mähnlich schlanger von dir. In mir wächst die Neue peutsche Rechtstreibung! Mund deskalb: Pist du doch seinfach ein verdampfter Nacho. Unser warmes Rind, es raucht doch seinen Kater.»

Flasche leer, wir haben fertig, geben uns die Kante, wollen gar nicht mehr aufwachen. Und nie mehr einen Text von Zukker lesen müssen. Hat denn im Heim des Qualitätsjournalismus niemand Mitgefühl mit der Literatur? Soll dem Leser wirklich ein Widerwillen gegen Bücher eingeflösst werden? Traut sich niemand, diese Schneise der Verwüstung namens Zukker aufzuhalten?

Wohl eher nicht. Sie ist eine Frau …

«Absolut crazy»: Wo sie recht hat, hat sie recht.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Nora1.jpeg 259 686 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-08 06:00:112021-11-08 22:47:13Oops, she did it again
René Zeyer

Kanne leer

7. November 2021/2 Kommentare/in Allgemein, Medienschelte/von René Zeyer

Das grosse Medienergiessen über eine leere Walliser Beiz. Gehört zum «service public».

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Wenn die Newsschleudern besonders demütig erscheinen wollen, sprechen sie vom «öffentlichen Dienst», den sie verrichten. Eine nötige Serviceleistung wie die Müllabfuhr, der Strassenunterhalt oder der ÖV.

Damit auf der Welt immer nur so viel passiert, wie in einer gedruckten Ausgabe oder neuerdings auf der Webseite Platz hat, besteht der Dienst am Kunden auch aus der Auswahl und Gewichtung der Nachrichten. Da wird gnadenlos Wichtiges von Belanglosem getrennt, und je nach Bedeutung mehr oder weniger viel Platz eingeräumt.

Exemplarisch kann man das Funktionieren dieses gut geölten Räderwerks, dieses Wunderwerks am Beispiel «Walliserkanne» verfolgen. Das Stichwort bringt es auf satte 330 Treffer in der Mediendatenbank, wenn man die Falschschreibung «Walliser Kanne» ebenfalls berücksichtigt. Aber Korrektorat war gestern.

Nun könnte man meinen, dass diese weltbewegende Staatsaffäre mit der Schliessung des Lokals, der Verhaftung – und Freilassung – der Wirte ihr Ende gefunden hätte. Noch etwas Aufarbeitung – war der Polizeieinsatz verhältnismässig, spinnt die Walliser Staatsanwaltschaft, die einen Monat U-Haft beantragte –, und gut ist.

Abstimmungspropaganda auf die unfeine Art

Dem wäre vielleicht so, wenn nicht am 28. November über das Referendum zum verschärften Corona-Gesetz abgestimmt würde. Nachdem in dem Mainstream-Medien inzwischen leichte Panik herrscht, ob dieses Referendum doch nicht nur von Verpeilten, Verwirrten, Verantwortungslosen und Verschwörungstheoretikern unterstützt wird, muss jedes Beispiel für solches Verhalten breiter als eine sechsspurige Autobahn ausgefahren werden.

Aber natürlich nicht dem Blöd-«Blick».

Die Devise lautet: seht her, solche Spinner rebellieren gegen verantwortungsbewusste staatliche Vorschriften. Wer das Corona-Kontrollgesetz ablehnt, unterstützt solch verwerfliches Tun.

Nun ist aber die Walliserkanne eigentlich bis auf den Grund geleert. Das Lokal ist geschlossen, die Übeltäter laufen frei herum, wie kann man da noch letzte Tropfen heraussaugen?

Blöd-«Blick» hat’s gefilmt, aber nicht gecheckt.

Peinlich, aber einfach. Denn «Blick TV», der Qualitätssender aus dem Hause Ringier, war vor Ort und hat gefilmt. Geglotzt, aber eine lustige Inschrift nicht verstanden. Dafür haben wir doch die übrigen Qualitätsmedien. Genauer das «Megafon». Richtig, das anonyme Hetzorgan aus der Küche der Berner «Reitschule», das schon durch einschlägigen Kopf-ab-Humor bekannt wurde.

Die geheimen Abgründe hinter der «Walliserkanne»

Das «Kollektiv» entdeckte auf dem Video von «Blick TV» Schreckliches, was allen anderen entging.

Inzwischen erledigt schon das «Megafon» Basisrecherchen für die Qualitätsmedien.

Seht Ihr’s? Da steht doch «WWG1WGA». Nur dem oberflächlichen Blick des Betrachters entgeht der unheimliche Hintergrund. Das ist nämlich die Abkürzung für «Where we go one we go all». Und das wiederum ist ein Slogan der QAnon-Verschwörungswelt. Die wiederum ist das Werk von Spinnern, die vor allem in den USA Zuspruch fanden. Nachdem allerdings alle «Vorhersagen» Flops waren, absurde Behauptungen wie die, dass die demokratische Partei unter Beteiligung von Hillary Clinton ein Pädophilennetzwerk unterhalte, als völliger Schwachsinn verlacht wurden, trotz mehreren Ankündigungen Donald Trump doch nicht als neuer Präsident inauguriert wurde, hat der Blödsinn schwer an Wirkung verloren.

«Wo einer hingeht, gehen alle hin». QAnon-Geschwurbel mit geklautem Logo.

Selbst ein Irrwisch wie Steve Bannon behauptet inzwischen, QAnon sei in Wirklichkeit ein «Psyop» des FBI. Also eine psychologische Kriegsführungsoperation, um die Opposition gegen den amtierenden Präsidenten der USA zu diskreditieren.

Die Original-Flagge von Gadsden.

Also eine Verschwörungstheorie verschwört sich sozusagen gegen sich selbst. Gut geeignet, eine Glosse über die Verführbarkeit der Menschen und über Massenhysterie zu verfassen. Nichts ist, sagt sich Tamedia, das Heim der qualitativ hochstehenden Berichterstattung.

Vom «Megafon» kopiert, von der SDA abgeschrieben. Qualität aus dem Hause Tamedia.

Fast 8000 Anschläge verschwendet das Organ auf die Ausleuchtung der schrecklichen Hintergründe der «Corona-Verschwörer in Zermatt». Mit diesem Graffiti entlarven sich die Wirte nämlich als QAnon-Anhänger, mit Aussagen als Vertreter der Ideologie von «Reichsbürgern».

Es ist schlimm, es ist schlimmer

Aber es ist ja alles noch schlimmer: Laut «Megafon» sind die Wirte auch schon vor Corona aufgefallen. Dazu postete die Zeitung auf Twitter ein Screenshot eines Kommentars auf Tripadvisor. «Darin erwähnt ein Gast ein Handgemenge («Dies vor einem Kleinkind») und beschwert sich über das aggressive Verhalten des Inhabers. Offenbar kein Einzelfall.»

Ein geschlossenes Lokal kann im «Walliser Bote» Schlagzeilen machen.

Was lernt der schreckensbleiche Leser daraus? Wer gegen das verschärfte Corona-Gesetz ist, spinnt. Wer sich gegen sinnvolle staatliche Massnahmen wehrt, spinnt. Wer als verantwortlicher Staats- und Stimmbürger handelt, muss dem Referendum eine Abfuhr erteilen. Sonst greift das Verhalten von ein paar Verpeilten Walliser Granitgrinden wie eine Epidemie um sich in der Schweiz.

Auch CH Media berichtet lang und breit über Pipifax.

Denn dann bricht das Chaos aus, der Bürgerkrieg, müssen überall Betonblöcke vor Lokaleingänge gewuchtet werden, füllen sich die Gefängnisse mit renitenten Wirten, während sich die Beizen in Brutstätten des Killervirus verwandeln. Da ist’s dann nicht weit bis zum Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung.

Befeuert wird das nur von ein paar Querschlägern:

WeWo-Hubi will auch mitspielen im Gruselkabinett des Lachhaften.

Da kann man nur in leichter Abwandlung von Asterix sagen: Die spinnen, die Walliser. Und die Medien.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/KAnne_Flagge-e1636102645696.jpeg 268 927 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-07 08:00:252021-11-07 17:03:19Kanne leer
René Zeyer

Hust, röchel, würg

3. November 2021/3 Kommentare/in Allgemein, Medienschelte/von René Zeyer

Rauchen schadet der Gesundheit. Saufen auch. Rauchen ist nicht verboten. Saufen auch nicht.

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Alkoholkonsum verursacht gesellschaftliche Kosten von ca. 4,2 Milliarden Franken pro Jahr. Rund 1600 Todesfälle sind darauf zurückzuführen, mit Bier (900 Mio.), Wein (550 Mio.) und Spirituosen (250 Mio.) wird ein jährlicher Umsatz von 1,7 Milliarden Franken erzielt.

Die tabakverarbeitende Industrie erzielt in der Schweiz einen Umsatz von 27,3 Milliarden Franken. Pro Jahr werden dem Tabakkonsum rund 9500 Tote zugeschrieben. Die gesellschaftlichen Kosten (Medizin 3 Mia., plus Ausfälle durch Krankheit etc.) sollen sich pro Jahr auf über 5 Milliarden Franken belaufen.

Sowohl Alkoholkonsum wie auch das Rauchen sind erlaubt, wenn auch mit Restriktionen versehen. Die direkten Auswirkungen des Alkohols auf das Verhalten oder die Verkehrssicherheit sind ungleich gravierender als beim Tabak.

In regelmässigen Abständen wird auf das Rauchen eingeprügelt. So gerade wieder mal von Tamedia:

«Lobbying und Preisfreiheit statt Prävention und Regulierung: Ein Ländervergleich sieht die Schweiz als Zufluchtsort und Marketinglabor für die internationalen Tabakkonzerne.»

Schlimmer als in der Schweiz gehe es eigentlich nur in der Dominikanischen Republik zu, weiss Autor Gregor Poletti. Insgesamt 80 Länder seien untersucht worden, die Schweiz landet «auf dem unrühmlichen zweitletzten Rang, wie der demnächst offiziell publizierte Bericht zeigt».

Ein Artikel, der auf Datenschrott basiert

Abgesehen davon, dass der Bericht schon längst publiziert ist; um welche Untersuchung von wem handelt es sich, wie wurde diese Rangliste erstellt? «Daten herunterladen», verspricht unter der Tabelle ein Link. Er führt zu einer Excel-Tabelle:

Datenquelle als Witz bei Tamedia.

Wer hat diese Rangliste erstellt? Sie beruhe auf dem «Tobacco Industry Interference Index». Das hört sich irgendwie wissenschaftlich an, ist aber der nächste Witz:

Wissenschaftliche Untersuchung aus dem fernen Thailand.

Wer bastelt den nun?
«Dieser Global Tobacco Index, der ursprünglich von der Southeast Asia Tobacco Control Alliance (SEATCA) initiiert wurde, wird vom Global Center for Good Governance in Tobacco Control (GGTC) als Teil des globalen Watchdogs der Tabakindustrie STOP (Stopping Tobacco Organizations and Products) erstellt. GGTC mit Sitz an der School of Global Studies der Thammasat University ist eine gemeinsame Initiative mit SEATCA.»

Nichts gegen thailändische Universitäten, aber echt jetzt? Wie werden denn die Daten erhoben?

«Dieser Bericht basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen über die Einmischung der Tabakindustrie in den Ländern und der Reaktion der jeweiligen Regierungen auf diese Einmischungen. Die Länder werden nach der Gesamtpunktzahl eingestuft, die von «Gruppen der Zivilgesellschaft» bereitgestellt werden.»

Sorry, Herr Journalist, bevor Sie dermassen in die Trompete blasen, hätten Sie sich vielleicht einmal über Ihre Quellen etwas genauer informieren können. Oder das dem Leser wenigstens mitgeben.

Der Link ins Nichts des «Entwicklers» der Datenquelle.

Der Autor will einfach sein Nebelsüppchen kochen

Schöner ist’s natürlich, über das unselige Wirken der «Tabaklobby» herzuziehen, wie die weiterhin die Kinder verführe und wie es noch striktere Werbeverbote für Glimmstengel brauche: «die Werbevorschriften bleiben zu lasch».

Wie kann man das ändern? «Damit erhält die Volksinitiative «Kinder und Jugendliche ohne Tabakwerbung» gewaltigen Auftrieb. Sie will jede Art von Werbung für Tabakprodukte, die Kinder und Jugendliche erreicht, verbieten. Obwohl dies in der Umsetzung nicht ganz einfach werden dürfte, ist dies ein gangbarer Weg.»

Denn: es gebe «praktisch keine Einschränkungen, wie die Tabakindustrie ihre Produkte in der Schweiz vermarkten» könne. Bloss: Neu gelte «zwar ein Werbeverbot auf Plakaten, in Kinos, in öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebäuden sowie auf Sportplätzen. Werbung in der Presse und im Internet ist aber auch künftig nicht grundsätzlich verboten, ausser in Radio und TV.»

Wie man aus einem dermassen von Verboten umrankten Marketing «praktisch keine Einschränkungen» machen kann? Zu viel geraucht? Oder schon ein Halbeli intus?

Der Schaden, der gar keiner ist

Aber es wird noch schlimmer. Natürlich erwähnt auch Poletti die 5,6 Milliarden Franken «Schaden», die Tabakkonsum in der Schweiz anrichte. Unbeschadet davon, dass diese Zahl falsch ist. Die NZZ versucht immer mal wieder, diesen Unsinn richtigzustellen.

Etwas ermüdet durch die Aufklärungsarbeit fetzte die alte Tante 2019 in erstaunlich harschem Stil:

«Lasst die Raucher in Ruhe! Wer gesund lebt, verursacht höhere Kosten. Raucher müssen sich zurzeit wieder vorrechnen lassen, welch hohe volkswirtschaftliche Kosten sie verursachen. Richtig ist das Gegenteil: Die Raucher sind Nettozahler. Sie subventionieren die Nichtraucher. Teurer sind laut einer Studie die Gesunden.»

Hoppla, schon wieder so eine merkwürdige Studie, wahrscheinlich auch aus Thailand? Nicht ganz: «Die Arbeit datiert von 1998. Ökonomen der Universität Neuenburg haben im Auftrag des Bundes die sozialen Kosten des Tabakkonsums berechnet. Fazit: Raucher sind volkswirtschaftlich betrachtet Nettozahler. Sie kommen nicht nur voll für die Schäden auf, die sie anrichten, sondern leisten sogar einen Beitrag darüber hinaus. Die rauchende Minderheit subventioniert den Rest.»

Dazu nur zwei Zahlen: Da Raucher bekanntlich früher und schneller sterben als Nichtraucher, entlasten sie die AHV um mindestens 1,3 Milliarden Franken. Zudem drücken sie 2,1 Milliarden Tabaksteuer ab. Zählt man weitere entlastende Faktoren zusammen, kommt man zum Resultat «Nettozahler».

Das mag nun Schimpfkanonen wie Poletti nicht schmecken, das ändert aber nichts an den Zahlen. Vielleicht sollte man den Nebel, den er anrichtet, etwas lichten.

Was für ein journalistisches Niedrigniveau

Poletti arbeitet aufgrund von mehr als zweifelhaften Zahlen einer mehr als zweifelhaften Organisation. Er redet einer Initiative das Wort, die praktisch nicht umsetzbar ist. Er will faktisch jegliche Werbung für ein völlig legales Produkt verbieten.

Raucher, zu denen der Autor auch viele Jahre gehörte, müssen sich schon lange auf ihrem legal und für teures Geld erworbenen Produkt übel beschimpfen lassen und Horrorbilder anschauen. Das ist beim Alkoholkonsum nicht der Fall.

Warum eigentlich? Nun, es gibt doch ziemlich viele Weinbauern in der Schweiz mit entsprechender Lobby. Während die furchtbar einflussreiche Tabaklobby all diese Einschränkungen nicht verhindern kann, obwohl sie einen ungleich höheren Umsatz erzielt. Aber beide Produzenten bieten ein legales Produkt an, wie Milchproduzenten oder die Hersteller von Bratfett.

Auch bei diesen Produkten, wie bei allen legalen Stoffen, ist es dem Konsumenten überlassen, ob er sich damit dem Risiko gesundheitlicher Schäden aussetzen will oder nicht.

Ihn darauf aufmerksam zu machen, ist erlaubt. Unfug zu verbreiten, sollte hingegen verboten werden.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/11/Tobak8.jpeg 326 588 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-11-03 07:00:312021-11-02 23:05:42Hust, röchel, würg
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