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Schlagwortarchiv für: Tamedia

René Zeyer

«Hauptstadt» der Bettler

20. Juli 2026/0 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Teil 2: Warum ein Angebot, für das es nicht genügend Nachfrage gibt?

Diese Frage kann man sich bei einigen neuen Pflänzchen stellen. Sie werden mit viel Herzblut gedüngt, nach aufreibenden und umfangreichen Planungsdebatten geformt und dann irgendwann in die Wirklichkeit gestossen. Anlässe gibt es dafür genug.

Im Fall der «Hauptstadt» war es das gebrochene Versprechen von Tamedia, niemals nicht die «Berner Zeitung» und «Der Bund» zusammenzulegen. Also startete ein Jahr später, am 7. März 2022, eine Alternative. Wie immer mit viel Optimismus und der kühnen Ankündigung, dass das neue Organ nach vier Jahren keine «Anschubfinanzierung von Stiftungen und Privaten» mehr nötig haben sollte.

Wie immer sind die «Ziele & Werte» lobenswert und volltönend:

«Die «Hauptstadt» macht unabhängigen Journalismus – ohne Profitstreben und leser*innenfinanziert. Wir sind überzeugt: Der Lokaljournalismus der Zukunft ist digital, vernetzt und basiert auf Open-Source-Lösungen. Unsere Inhalte sind professionell recherchiert und aufbereitet sowie politisch und konfessionell unabhängig.»

Die vier Jahre sind um. Es soll inzwischen rund 3000 zahlende Leser geben. Einnahmen aus Abos, Werbung und Kooperationen sollen rund 60 Prozent der Ausgaben decken. 40 Prozent kommen immer noch aus Stiftungen und von Mäzenen. Soweit geht die Transparenz. Nicht veröffentlicht werden Jahresumsatz, Gewinn oder Verlust, die Bilanz, die Personalkosten oder die Höhe der Stiftungsgelder in Franken.

Also finanziell oder materiell gesehen ein Schuss in den Ofen. Das Angebot mag da sein, die Nachfrage ist es nicht. Und worin besteht eigentlich genau das Angebot?

Nehmen wir einen beliebigen Tag heraus. Am 7. Juli ist es, wie immer, sehr übersichtlich. Oder anders formuliert: die Homepage ist noch schlimmer strukturiert als bei Tamedia, und das will etwas heissen. Knapp zwei Artikel haben auf dem Bildschirm Platz. Beide sind süchtig machende Lesestoffe:

Gefolgt von:

Bereits hinter der Bezahlschranke und einen Tag alt ist dann:

Vielleicht noch als weiteres Beispiel der völligen Überflüssigkeit zu erwähnen:

Aber halt, hier gibt es ein kontroverses Thema, wie gemacht für eine «professionell recherchierte» Darstellung:

Nun gut, ein etwas abgehangener Titel. Ganze 12’400 A sind dann ebenfalls hinter der Bezahlschranke versteckt. Was hat denn Sophie Reinhardt zu berichten? Eine reine Nacherzählung ist’s geworden: «Eine trans Frau wird von der Polizei in Handschellen aus dem Frauenbereich des Marzilibads abgeführt – der Vorfall schlägt schweizweit Wellen. Er zeigt, wie umkämpft die geschützten Frauenzonen im Marzili geworden sind.»

Wohl wahr. Zunächst einmal holt sie aus. Weit aus: «Das Paradiesli gibt es in ähnlicher Form seit 1866.» Gut, dass wir das nun wissen. Aber wenn der Leser wissen will, was sich denn genau ereignete, kann ihm die «Hauptstadt» auch nicht wirklich weiterhelfen: «Doch was passierte genau am Sonntag im Paradiesli? Die Aussagen der Involvierten sind teilweise unterschiedlich».

Aber immerhin, mit aller gebotenen Vorsicht gegenüber seinem woken Publikum wagt auch das Online-Blatt die Feststellung: «Weil sich die Person aktiv dagegen gewehrt haben soll, das Bad zusammen mit den Polizeimitarbeitenden zu verlassen, wurde sie in Handschellen gelegt und auf eine Polizeiwache gebracht.»

Eigentlich wäre damit der Fall erledigt. Ein Pimmelträger im FKK-Bereich einer Frauenbadi will weder seinen Platz räumen, noch sich ausweisen. Auch nicht gegenüber der Polizei. Die Folgen sind so klar wie eindeutig.

Aber die «Hauptstadt» spricht dann gelassen eine echte Drohung aus: «Noch heute scheint eher unklar, wie künftig gehandelt werden soll, sollte sich der Fall wiederholen.» Noch schlimmer: «Ob sich die ganze Debatte um die Frauenbereiche in den nächsten Tagen beruhigt, ist offen. So wird für Donnerstag Nachmittag auf Social Media schon für eine Solidaritätsaktion im Paradiesli für trans Frauen aufgerufen. Darin heisst es: «Trans Frauen sind Frauen. Ihr gehört hierher.»»

Das nennt man nun eine Portion Geeiertes, in klarer Rücksichtnahme auf die Gesinnungsblase einer vielleicht minderen, aber sicherlich lautstarken Fraktion unter den Lesern. Pardon, LeserInnen. Nein, Leser*Innen***. Verflixt, also Lesenden.

Unabhängig von Gender, sexueller Ausrichtung und Weltanschauung: braucht es solche Artikel? Da wagt ZACKBUM ein sächlich-neutrales Nein.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-09.02.33.png 250 640 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-20 05:00:422026-07-16 16:59:38«Hauptstadt» der Bettler
René Zeyer

ZomBli?

17. Juli 2026/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

So hätte der SoBli über sich getitelt. Früher.

Zunächst: Der Primeur stammt von der «Republik». «Vergangene Woche hat der Ringier-Verlag entschieden, den «SonntagsBlick» per Ende 2026 einzustellen. Das zeigen Recherchen der Republik.» Recherchen? Das hätten «verschiedene, voneinander unabhängige Quellen bestätigt». In Wirklichkeit war’s wohl ein Verräter mit Zugang zur Chefetage. Andere gefloppte Primeurs lassen aber einen Restzweifel.

Die Entwicklung der Auflage des SoBli ist tatsächlich selbst im Jammertal der Printmedien jämmerlich: im Jahr 2000 waren es noch 330’000 verkaufte Exemplare, 2010 dann 250’000, 2020 noch 125’000, und aktuell rund 74’000. Was der SoBli online einspielt, ist nicht bekannt, da das nie eigenständig gemessen wurde und er ab 2010 dort totalintegriert in blick.ch wurde.

Es ist allerdings nicht zu vermuten, dass die absurde Rechnung des Gerichts in Sachen Spiess-Hegglin zutrifft, dass Ringier dort Tausende von Franken pro Artikel verdient.

Also Rückgang um 78 Prozent seit 2000, nochmals fast eine Halbierung seit 2020. Das hat allerdings, wie überall sonst auch, nicht nur mit Internet, Google, Social Media, abwandernden Inseraten und anderem Leseverhalten zu tun. Das ist die übliche Entschuldigungsarie der unfähigen Verlagsmanager.

Die nicht  so glückliche «Blick»-Familie  hat’s allerdings besonders schwer getroffen. Schon ein halbes Jahr nach ihrem Eintritt wurde Ladina Heimgartner im Oktober 2020 CEO der Blick-Gruppe. Von da an ging’s noch steiler bergab.

Zum einen gab’s das übliche Bullshit Bingo:

«Wir wollen die relevanteste Medienmarke der Schweiz sein. … Der Journalismus bleibt das Herzstück unseres Geschäfts. … Digital first bedeutet nicht Print last. … Unabhängiger Journalismus ist für eine Demokratie unverzichtbar.»

Das sind nicht mal Gedanken im durchsichtigen Negligé, das ist luftiges Nichts.

Die Dame ohne jegliche Verlagserfahrung (sie kam aus der geschützten Werkstatt des rätoromanischen Staatsgebührensenders) stapelte dann mit Modewörtern wie «Resilienz» tief, verantwortete ein teures, aber völlig idiotisches Redesign mit Kästchen-Logos und einem l in Form eines Regenrohrs. Das sollte die Boulevardblätter angeblich weiblicher machen.

Und überhaupt  wurden sie enteiert; Boulevard ohne Boulevard, war die absurde Linie. Funktioniert etwa so, wie wenn man mit Platzpatronen in den Krieg zieht. Büsis, Blut, Busen? Igitt. Der ewige Renner Sex-Ratgeber? Weg damit. Blut? Nur noch in homöopathischen Dosen. Büsis? Gut, wenn’s sein muss. Aufreger, Kampagnen, Volkes Stimme, die ständige Eroberung der Lufthoheit am Stammtisch? Pfui.

Begleitet wurde das von einem rasanten Wechsel der Führungskräfte, denn irgend jemand musste ja die Verantwortung übernehmen, ohne am Schlamassel schuld zu sein. Christian Dorer, der mit seinem Schwiegersohn-Charme das menschliche Antlitz des noch einigermassen erfolgreichen Boulevards war: auf üble Weise abgesägt und entsorgt. Andreas Dietrich und Gieri Cavelty, erschreckt durch das Schicksal Dorers, reine Ja-Sager. Dann das letzte Aufgebot Rolf Cavalli und Reza Rafi, die sich wenigstens bemühen, zu retten, was zu retten ist.

Dazu die grösste Fehlbesetzung seit Christine Maier: Steffi Buchli, der erste «Chief Content Officer». Wenn man Form und Inhalt nicht mehr verschlimmbessern kann, dann fummelt man halt einen ganzen Zoo von absurden Titeln hin. Chiefs, Officers, Heads, die lange Zeit den halben Tag in Koordinierungssitzungen verbringen mussten, um herauszufinden, wer eigentlich wofür genau zuständig sei. Bei Absurd-Titeln wie «Head of Editorial Product & Innovation», im Unterschied zum «Head of Editorial Department». Hingegen der «Head of Growth Management» hat offensichtlich kläglich versagt. Kein Wunder, eine Frau. Ups, das war aber sexistisch.

Dazu kamen noch Blattmacher, Tagesleiter und Ressortleiter, plus eine vielköpfige Geschäftsleitung. Ach ja, und noch ein paar Indianer. Reporter, Aussenstellen, wo altbewährte Haudegen sassen und grossartige Storys herbeischleppten? Ach was, da kann man prima sparen. Reiner Slapstick, wenn’s nicht so tragisch wäre.

Ach doch, für eine Rückkehr des «Blick» zum alten, bewährten Logo reichte es dann doch, während der «SonntagsBlick» nochmal echt unter die Räder kam. Wie dichtete ZACKBUM damals? «Fällt dir gar nichts ein, mach doch ein Redesign».

Inzwischen lässt Ringier verlauten, dass es den SoBli weiterhin als «eigenständiges, starkes publizistisches Produkt» geben werde. Nur halt vielleicht nicht mehr am Sonntag. Das würde dann bedeuten: neu SaBli. Oder WoEnBli. Oder FaSoBli. Oder BlüBli. Eines ist sicher: es wird die schlimmstmögliche Variante werden.

Nur eines wird’s überleben, garantiert. Das Wort zum Sonntag (oder zu jedem beliebigen Wochentag) von Frank A. Meyer. Denn ohne seine lenkenden Eingriffe wäre Ringier, der Bundesrat, die Schweiz, Europa, ja die ganze Welt verloren.

Eng wird es allerdings auch für die noch zwei in der Deutschschweiz überlebenden Sonntagsblätter. Auch die SoZ ist dramatisch krankgeschrumpft worden, nur dank des Einzelkämpfers Arthur Rustishauser gibt sie manchmal Lebenszeichen von sich. Und die NZZaS? Man möchte fast meinen, wenn der Nachname des Chefredaktors mit B anfängt, dann wird’s zappenduster. Und hier heisst er Balzli. Mit Vornamen sogar Beat, doppeltes Vorzeichen.

Aber das ist nicht mal das Schlimmste. Die insgesamt rund 8000 Zusteller, die die Post beschäftigt, kosten trotz Subventionen nicht schlecht am Sonntag. Ging mal durch vier, zurzeit noch durch drei. Ob sich zwei das noch leisten und teilen können?

Von den grummelnden Redaktoren ganz zu schweigen, die am Samstagabend lieber ein vegetarisches Menü mit ihren Liebsten zu sich nehmen möchten, als noch die letzten News einzufangen, die fünf Stunden später sowieso Oldies sind.

Ist doch völlig klar, dass die drei Nulpen an der Spitze von Tamedia, Pardon, «Tages-Anzeiger», verflixt, dann halt TX, von «Blick» und von der NZZ bereits abgesprochen haben, wie das weitergeht. Einmal darf der Leser raten.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-16-um-15.23.05.png 606 908 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-17 05:00:012026-07-16 15:50:40ZomBli?
René Zeyer

Kurt Tucholsky

10. Juli 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Schmerzlicher Hinweis auf die aktuelle Verzwergung im Journalismus.

Kurt W. Zimmermann macht sich auf unseren Spuren (so viel Eitelkeit muss sein) über einen «ellenlangen und holprigen Text zur amerikanischen Geschichte, der kein Klischee von Franklin über Jefferson bis zu Roosevelt ausliess», lustig. Text, was heisst hier Text, das Gebrabbel des sogenannten Auslandchefs Christof Münger nannte er selbst hochtrabend ein «Essay».

Dazu sagt Zimmi völlig richtig: «Der Essay ist in der Publizistik das Signal der Selbstgefälligkeit. Wer sich für einen grandiosen Denkriesen hält, der nennt seinen Kommentar nicht Kommentar, sondern Essay.» Bei Tamedia, was Wunder, wimmelt es von Essayisten, die andere grosse Essayisten wie Lukas Bärfuss anhimmeln.

Als Schlusspointe zitiert der WeWo-Kolumnist: «Denn noch immer gilt, was Kurt Tucholsky, ein echter Essayist, seinen Möchtegern-Nachfolgern als Ratschlag mitgab: «Versuch, versuch alles. Und wenn es gar nichts geworden ist, dann sag, es sei ein Essay.»»

Wir bei ZACKBUM haben eigentlich alle, wirklich alle Werke von Tucholsky gelesen, müssen aber gestehen, dass uns dieses Bonmot nicht geläufig war.

Anlass genug, das Stück des Grossmeisters, der so produktiv war, dass er neben seinem richtigen Namen noch vier Pseudonyme benutzen musste, damit man ihm seinen ungeheuerlichen Schreibzwang abnahm, nachzulesen. Er hat seinen Essay «Die Essayisten» 1931 als Ignaz Wrobel in der «Weltbühne» veröffentlicht. Auch die sollte eigentlich zur Pflichtlektüre jedes Journalisten gehören.

Genauso wie eine Auswahl der Werke von Karl Kraus. Aber wir schweifen ab, und in diese furztrocknen Ackerfurchen des sogenannten Journalismus in den Verrichtungsboxen des Newsrooms lässt sich sowieso nichts säen.

Da heutzutage wohl kaum jemand die Gesamtausgabe von Tucholsky oder der «Weltbühne» zur Hand hat, hier kann man den Text nachlesen.

Wobei ZACKBUM sich nicht sicher ist, ob das eine gute Idee wäre. Denn was Tucholsky hier an Gedankenschärfe, Formulierkunst, Witz und vernichtender Kritik auffährt, müsste all den Flachschreiber-Essayisten bei Tamedia von Loser abwärts und aufwärts die Schamröte ins Gesicht treiben. Das passiert aber nicht, weil die alle absolut schmerzfrei sind. Und sich nicht mal um die Schmerzen der Leser Gedanken machen, die ihre Wortmüllberge besteigen müssen.

«Jenes alte gute Wort darf auch hier angewandt werden: der Essaystil ist der Mißbrauch einer zu diesem Zweck erfundenen Terminologie. Es ist eine ganze Industrie, die sich da aufgetan hat, und sie hat viele Fabrikanten.» Tucholsky spannt den grossen Bogen auf und identifiziert als eine der Wurzeln dieses Übels –Friedrich Nietzsche.

«»Man geht durch das hohe Portal in die Villa der Greta Garbo . . . « Quatsch doch nicht. Man? Du gehst. Von Nietzsche jene Wichtigtuerei mit dem Wissen, das bei ihm ein organischer Bestandteil seines Humanismus gewesen ist; die Nachahmer aber sind nur bildungsläufig und lassen ununterbrochen, wie die Rösser ihre Äpfel, die Zeugnisse ihrer frisch erlesenen oder aufgeschnappten Bildung fallen. … Von Nietzsche jene lateinische Verwendung des Superlativs, wo statt der größte: sehr groß gemeint ist. So entstehen diese fatalen Urteile: »das beste Buch des achtzehnten Jahrhunderts«, und um das zu mildern, wird der falsche Superlativ mit einem ›vielleicht‹ abgeschwächt. Das lesen wir heute in allen Kritiken. Sie haben an Nietzsche nicht gelernt, gut deutsch zu schreiben. Er war ein wunderbarer Bergsteiger; nur hatte er einen leicht lächerlichen, bunt angestrichenen Bergstock. Sie bleiben in der Ebene. Aber den Bergstock haben sie übernommen.»

Man möchte gar nicht aufhören zu zitieren, aus diesem Höhenflug über Nietzsche, Schopenhauer, Spengler, Haecker, Hegel, Klaus Mann, gespickt mit genau dem, was Tucholsky als Grundvoraussetzung fürs Schreiben eines Essays nennt:

«Verwickelte Dinge kann man nicht simpel ausdrücken; aber man kann sie einfach ausdrücken. Dazu muß man sie freilich zu Ende gedacht haben, und man muß schreiben, ohne dabei in den Spiegel zu sehn.»

Immer, wenn der Name Tucholsky fällt, was heutzutage viel zu selten der Fall ist, dann kommt uns das wunderbare Gedicht von Hanns Dieter Hüsch in den Sinn, mit dem wir hier schliessen, weil wir’s nicht besser können, nicht mal ansatzweise.

Himmlisches Gespräch

Am Himmel bewegt sich eine Gardine,
die Engel haben Ladenschluss,
da sitzt ein Mann an der Schreibmaschine
und schreibt, weil er schreiben muss.

Der liebe Gott sitzt mit ihm zusammen
und macht ein faltenreiches Gesicht.
Der Mann sagt leise: «Reiss dich zusammen,
komm, wir spielen Mensch ärgere dich nicht.»

Der liebe Gott sagt: «Du kannst mir glauben,
ich hätt es schon längst so gemacht wie du,
aber Selbstmord kann ich mir nicht erlauben,
sonst machen sie mir meinen Himmel zu.

Erst gestern kam wieder einer und sagte,
die Gottlosen müssen hier raus,
und als er sich dann über mich beklagte,
da wusste ich nicht mehr ein noch aus.»

Das hatte der Mann an der Schreibmaschine
schon länger als lange kommen sehen traurig
zieht er an seiner Gardine
und sagt: «Ich kann das sehr gut verstehen.

Hier oben gibt es keine Militaristen,
wird keine Hand an die Hose genäht,
aber hier gibt es schwarze Listen,
für den, der nicht richtig zu glauben versteht.»

«So ist es», flüstert der liebe Gott,
«und geht es so weiter, kann ich nicht mal bleiben.
Da ist zum Beispiel dieser Presbyter Ott,
willst du mir nicht mal einen Artikel schreiben?»

Der Mann gegenüber winkt müde und matt.
«Ich will dir mein Tagebuch zeigen.»
Und er blättert durch bis zum letzten Blatt,
darauf steht: Sprechen, schreiben, schweigen.

Am Himmel bewegt sich eine Gardine,
und über die Milchstrasse läuft eine Maus,
da sitzt ein Mann an der Schreibmaschine,
der sieht wie Kurt Tucholsky aus.

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-09-um-14.55.18.png 491 567 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-10 05:00:292026-07-09 15:07:58Kurt Tucholsky
René Zeyer

Trans Tagi

8. Juli 2026/14 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Das Blatt ist wirklich am Ende. Nicht mal das Sommerloch kann das entschuldigen.

Was ist von einer Redaktion zu halten, die so etwas durch alle Kontrollinstanzen schlüpfen lässt und dem zahlenden Gast noch Geld dafür abknöpft, einen solchen Schwachsinn lesen zu müssen?

Eine Volontärin, dazu die einschlägig bekannten Alexandra Kedves, Stefan Häne, plus die Ex-Corona-Kreische Marc Brupbacher nehmen sich eines Themas an, das eigentlich keinen interessiert. Im wilden Zoo von inzwischen rund 300 Gender (kein Witz) gibt es auch sogenannte trans Frauen. Also Personen, die meinen, das Schicksal habe sie in einen nicht ihrem wahren Geschlecht entsprechenden Körper gesteckt. Der Körper ist männlich, sie seien aber in ihrer Wirklichkeit Frauen. Davon gibt es nach groben Schätzungen etwa 10’000 in der Schweiz, 0,1 Prozent der Wohnbevölkerung.

Radikale Minderheit ist schwer untertrieben. Nun ist der Vorfall, dass eine solche Transe meinte, mit Pimmel Zugangsrecht ausgerechnet in eine für Frauen reservierte FKK-Badi zu haben, ausdiskutiert. Dass sie sich zudem weigerte, den Anweisungen des Personals Folge zu leisten, auch noch Widerstand gegen die Polizei leistete und in Handschellen abgeführt werden musste, wäre die Krönung des Wahnsinns, wenn das nicht die Berner Regierung geschafft hätte, die sich dafür absurderweise entschuldigte.

Man kann getrost davon ausgehen, dass dieses Ereignis rund 99,9 Prozent aller Tamedia-Leser schwer am Allerwertesten (männlich/weiblich/nonbinär) vorbei geht. Aber das Blatt der achtsamen, inkludierenden, nicht-diskriminierenden und jeder Form von Sexismus gegenüber feindlich eingestellten Denkungsart sieht hier klaren Erziehungs-, Aufklärungs- und Belehrungsbedarf.

Also verlangt es sogar noch Geld dafür, dass seine Leser mit einem Artikel belästigt werden, in dem «Trans Frauen Stellung nehmen» dürfen. Das journalistische Schaffen erschöpft sich darin, dass deren Äusserungen, die wir hier nicht qualifizieren wollen, einfach aufgezeichnet und eins zu eins wiedergegeben werden.

Schon das Titelzitat lädt zum Lesen ein: «Ich achte immer darauf, meine Genitalien nicht zur Schau zu stellen». Dazu kann ZACKBUM nur sagen: wir auch, wir auch. Und alle unsere Leser hoffentlich ebenfalls.

Statt hier Anlass zum Verdacht der Frauenfeindlichkeit zu geben, erschöpfen wir uns darin, einige Schmuckstücke der Aussagen unkommentiert dem geneigten Leser zu servieren. Keine Angst, wer bei der Lektüre das beängstigende Gefühl bekommt, sein Hirn fange an zu verdampfen: geht wieder vorbei.

«Ich nehme es sehr ernst, wenn es cis Frauen irritiert oder geängstigt hat, im Frauen-FKK-Bereich männlich gelesene Körper oder männliche Geschlechtsteile zu sehen … Es ist menschenunwürdig, trans Frauen auszugrenzen … Wenn wir Frauen uns gegeneinander ausspielen lassen, nützt das am Ende nur sexistischen Männern … Später, als ich als Frau gelesen wurde, haben mich Männer auf der Strasse belästigt und verfolgt … Die Ängste von cis Frauen vor männlichen Körpern nehme ich ernst, aber ein Körper an sich ist keine Handlung … Der «männlich gelesene Körper», vor dem sich manche fürchten, gehört in Wahrheit oft der schüchternsten Person am Beckenrand …»

Und als krönender Abschluss unser absoluter Liebling:

«Ein Penis vergewaltigt nicht, Männer vergewaltigen.»

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-05-um-11.09.11.png 605 1194 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-08 07:00:522026-07-08 07:13:56Trans Tagi
René Zeyer

Das Runde und das Eckige

6. Juli 2026/10 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Braucht der Fussballer den Kopf lediglich zum Kopfball?

Lia Wälti ist anscheinend Kapitänin (oder Captain, wie der «Tages-Anzeiger» nicht ganz korrektsprachlich schreibt) der Schweizer Fussballnati. Und tschutet für Juventus Turin. Beim Wechsel zu einem englischen Club kann ein wenig Aufmerksamkeit nicht schaden, hat sie sich offenbar gesagt.

All das geht ZACKBUM eigentlich schwer am Allerwertesten vorbei, genau wie die Fussball-WM der Männer. Aber natürlich horchten wir als militante Feministen auf, als uns die Gender-Postille «Tages-Anzeiger» ein ganz schreckliches Erlebnis der Fussballerin in eindrücklichen Worten schilderte.

Die 33-Jährige erhole sich gerade von einer anstrengenden Saison und mache offenbar Ferien in Sardinien. Ihre Follower auf Instagram beglückt sie dabei mit solchen Fotos:

Sie benützt dabei umweltbewusst den öffentlichen Verkehr in Italien, was zu einem «unangenehmen Erlebnis» im Zug geführt haben soll. Oh je, denkt der Leser zunächst, die italienischen Machos, immer gerne bereit, anerkennend zu pfeifen, Bemerkungen wie «sei bellissima, sei uno schianto, sei la donna più bella della stanza» oder Ähnliches zu machen, wenn sie eine ragazza sehen.

Italienische Frauen sind eher beleidigt, wenn ihnen das in der Öffentlichkeit nicht ab und an passiert. Sie betrachten das als Missachtung ihrer Attraktivität. So wie das in den 60er-Jahren Schweizer Frauen lernten, als italienische Gastarbeiter (ja, so hiess das damals) neben Pizza und Spaghetti auch mit anerkennenden Bemerkungen Italianità in die Schweiz brachten.

Heutzutage muss sich allerdings jeder Strassenarbeiter hüten; blitzschnell hat er ein Verfahren wegen sexual harassment an der Backe, sollte er einer Lastenvelofahrerin nachpfeifen.

Aber zurück zu Wälti. Die beschreibt ihr «unangenehmes Erlebnis» in erschütternden Worten:

Wer des Englischen nicht mächtig ist: ein Mann (ü 60) habe sich neben sie gesetzt, dann ihr gegenüber. Von Beginn an und eine ganze Stunde lang habe er sie angestarrt und gelächelt. Aber «kein freundliches Lächeln. Ein aufdringliches. Eines, das mich zutiefst verunsicherte.» Sie räumt ein: «Nichts ist «passiert». Und doch, irgendwie schon».

Dann der Aufschwung ins Allgemeine: «Viele von uns Frauen kennen dieses Gefühl. Das Gefühl, beobachtet zu werden. Zu spüren, dass jemand entschieden hat, dass man da ist, um angestarrt zu werden, ganz gleich, wie man sich dabei fühlt.»

Nun, abgesehen davon, dass dieses Gefühl Männer auch kennen: könnte es sein, dass der Mann sie erkannt hat? Und zu schüchtern war, anders als durch Glotzen seine Bewunderung zum Ausdruck zu bringen? Oder lag es daran, dass sich Wälti wenn schon lieber von Frauen anstarren lässt? Am Schluss ihrer Schilderung fragt sie ihre Follower: «Wie geht ihr mit solchen Situationen um?»

Wie wäre es mit «starren Sie mich nicht so an?» Ersatzweise mit «hören Sie auf, mich anzustarren». Oder mit Erklärung «so wie Sie mich anstarren, ist mir unwohl». Eine weitere naheliegende Frage: wenn der Profifussballerin das so unangenehm war und sie nicht den Mut hatte, den Mann darauf anzusprechen: statt das eine Stunde lang auszuhalten, wie wäre es damit gewesen, aufzustehen und einen anderen Platz zu suchen? Den Schaffner um Hilfe zu rufen? Andere Mitreisende?

Aber das hätte natürlich nicht für eine Instagram-Story gereicht, die den aufmerksamen Augen der achtsamen, allem Sexismus abholden Tamedia-Redaktion natürlich nicht entging.

Es gibt allerdings ein noch grösseres Problem: ein Match dauert mindestens 90 Minuten, so viel weiss ZACKBUM. Was macht Wälti, wenn eine Fussballerin der gegnerischen Mannschaft sie so anstarrt? Lässt sie sich dann auswechseln? Ruft sie den Schiedsrichter zu Hilfe? Begeht sie ein Foul?

Wieder einmal beantwortet Tamedia keine einzige dieser brennenden Fragen. Auch nicht die letzte: was soll dieser Unsinn? Ach, doch, am Schluss gibt die sommerlochgeplagte Redaktion eine Antwort: «Kennen Sie auch Situationen, wie sie Lia Wälti beschreibt? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.»

Nein, macht ZACKBUM nicht.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-01-um-13.37.53.png 399 843 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-06 05:00:032026-07-04 10:49:38Das Runde und das Eckige
René Zeyer

Wumms: Christof Münger

5. Juli 2026/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Auslandchef ohne Ausland stümpert über 250 Jahre USA.

Er hatte unermüdlich vor ihm gewarnt, den senilen Joe Biden als einzig denkbare Alternative hochgejubelt, dann der untauglichen Kamala Harris die Daumen gedrückt. Aber nun das:

Also eigentlich verkörpert Trump das, was Münger am meisten fürchtet. Und ärgert, denn niemand in den USA (oder ausserhalb) interessiert es gross, was der Holmerbringmer der Auslandredaktion des «Süddeutschen Zeitung» so meint. Nun soll es sich hier um ein «Essay» handeln. Das wäre ein argumentativ-reflektierender Text, in den persönliche Sichtweise einfliesst.

Gewisse Grundkenntnisse wären allerdings Voraussetzung. So orgelt Münger los:

««All men are created equal» steht am Anfang der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776. «Alle Menschen sind gleich erschaffen» – nur fünf Wörter, aber eine revolutionäre Feststellung in einer Welt, in der die Herkunft das Schicksal bestimmte, in der Könige und Fürsten in den Palästen Europas über die Untertanen zu Hause und in den Kolonien verfügten.»

Das sei eine «revolutionäre Feststellung» gewesen. Allerdings nicht wirklich originell, sondern auf der fast identischen Formulierung von John Locke beruhend, beeinflusst von Francis Hutcheson. Und gültig war sie nur für reiche, männliche Grossgrundbesitzer, die wie Thomas Jefferson Hunderte von Sklaven hielten.

Auch die Gewaltentrennung war keine Erfindung der Gründerväter, sondern stark von Montesquieu («De l’esprit des lois») beeinflusst, wobei sie durch die Position eines starken Präsidenten und die Idee von Checks and Balances erweitert wurde. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der Französischen Revolution von 1789 wiederum ging entschieden weiter und ist viel umfassender (Definition von Freiheiten, Unschuldsvermutung, Gleichheit auch vor dem Gesetz).

Aber trotz über 10’000 A geht Münger auf solche Feinheiten eher holterdipolter ein, wärmt nochmal den alten Kalauer der «Sister Republics» USA und Schweiz auf, um dann auch bei dieser Gelegenheit auf seinen Lieblingsfeind einzuprügeln: «Aus Sicht der Gründerväter hingegen ist mit Trump das eingetreten, was sie am meisten befürchtet hatten, nämlich dass ein Präsident versucht, sich über die Verfassung zu erheben.»

Dazu zitiert Münger einen der ganz grossen Denker über die lange Geschichte der USA: Herbert Grönemeyer. Denn der habe schon Anfang der 80er-Jahre gesungen: «Oh Amerika, du hast so viel für uns getan, oh Amerika, tu uns das nicht an.» Den Knittelreim verbrach der Barde angesichts der damaligen Friedensbewegung gegen die Nachrüstung. Womit er und sie «falsch lagen», wie Mümger falsch behauptet. Denn damals wehrte man sich dagegen, dass die USA mit Mittelstreckenraketen einen möglichen Atomkrieg mit der UdSSR in Europa austragen wollten – ohne dass beispielsweise Deutschland auch nur ein Wörtchen mitzureden hatte.

Also wendet Münger das seiner Meinung nach falsche Zitat auf Trump an: «Heute trifft es Grönemeyer besser als damals.» Das ergänzt Münger mit einem weiteren Zitat, diesmal des deutsch-amerikanischen Historikers Volker Depkat: «Die USA sind noch keine Diktatur, ungeachtet des diktatorischen Wollens der Clique um Donald Trump». Da besteht ja noch Hoffnung.

Die lässt Münger optimistisch am Schluss richtig leuchten: «Der eigentliche Souverän in den USA sind der Wähler und die Wählerin.» Denn: «Die Tradition der amerikanischen Demokratie ist stärker als ein verhaltensauffälliger Bewohner des Weissen Hauses.»

Nun ja. Im gesamte US-Wahlzirkus von 2024 wurden von den Parteien 16 Milliarden Dollar zur Wählerbeeinflussung ausgegeben. Die US-Wahlbezirke gleichen inzwischen einem Mosaik, das von einem Irren im Delirium gezeichnet wurde. Es gibt zwar Wahlprogramme, aber die interessieren eigentlich keinen. Grosse Teile der US-Wählerschaft verfügen über politische oder historische Kenntnisse eines Sechsjährigen. Nur 44 Prozent der Amis sind in der Lage, einen Satz mit Nebensatz zu lesen und zu verstehen.

Zwischen 1776 und 1790 hatten in den USA nur weisse Männer mit Grundbesitz (und/oder einer Steuerleistung) das Wahlrecht. Die «Tradition der amerikanischen Demokratie» gab Frauen erst 1920 das Wahlrecht, Schwarzen faktisch erst nach 1965. Okay, in der Schwesterrepublik Schweiz dauerte das mit dem Frauenstimmrecht noch etwas länger.

Wie auch immer, ein weiterer Beitrag dazu, dass viele Redaktoren bei Tamedia inzwischen völlig schamfrei sind und ungehemmt Peinliches publizieren. Dürfen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-05 05:30:422026-07-04 16:05:51Wumms: Christof Münger
René Zeyer

Hitzschlag

5. Juli 2026/11 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wenn Männer Frauen sind. Oder sich so fühlen.

«Die Berner SP-Stadträtin Nadine Aebischer widerspricht: «Es ist falsch, die Sicherheit von cis Frauen – also jenen Frauen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde und die sich auch damit identifizieren – gegen jene von trans Frauen auszuspielen»».

Besser kann man den brüllenden Wahnsinn in der Geschlechterfrage nicht auf den Punkt bringen. Eine Stadträtin disqualifiziert sich selbst, Tamedia zitiert sie, ohne den geringsten Widerspruch anzumelden, und lässt sie weiter nach Absurdistan galoppieren: «Aebischer plädiert dafür, die Geschlechterbinarität von Mann und Frau zu überwinden und die Vielfalt der Geschlechter als neue Normalität anzuerkennen – auch in der Frauenbadi.»

Der Tagi verlinkt dazu auf die voreingenommene, unwissenschaftliche und parteiische Webseite «Queer Lexikon», als ob es keine seriösen Quellen gäbe. Eine Spitzenleistung von ganzen fünf Journalierenden, die zur Herstellung dieses Artikels nötig waren. Der unter dem Titel «Politik & Wirtschaft» und mit einem riesigen Symbolbild auf eine ganze Seite aufgeblasen wird.

Kurz zurück zu den Fakten. Im für Frauen reservierten FKK-Bereich des Marzilibads zu Bern erregte ein sogenannte Transfrau Unwohlsein bei anderen Frauen, weil die sich an dem zur Schau gestellten Penis im «Paradiesli» störten. Nachdem sich der/die Penisträgerin weigerte, den Frauenbereich zu verlassen, wurde die Polizei geholt.

Während sich andere Frauen mit dem/der/die Person solidarisierten und das Subjekt sich auch weigerte, sich auszuweisen, zudem Widerstand leistete, wurde es in Handschellen abgeführt, um auf der Polizeistation seine Identität festzustellen. Die Stadt Bern entschuldigte sich inzwischen für diesen Polizeieinsatz.

In der Schweiz ist es seit 2022 möglich, für läppische 75 Franken seinen Geschlechtseintrag zu ändern. Eine trans Frau probierte das sofort in der Frauenbadi in Zürich aus – und wurde abgewiesen, weil sie einen Schnurrbart trug und das Personal sie als Mann wahrnahm. Auch ein Journalist, der in Form eines Experiments seinen Geschlechtseintrag auf weiblich änderte, wurde von einer Bademeisterin abgewiesen mit dem Argument: «Ich lese sie männlich.»

Das kommt davon, wenn man biologische Fakten der persönlichen Befindlichkeit überlässt. In der Schweiz soll es vielleicht 10’000 sogenannte trans Frauen geben, also 0,1 Prozent der Bevölkerung. Schätzungen sind deshalb schwierig, weil es sich um eine Selbsteinschätzung handelt, um eine sogenannte Geschlechtsidentität, also jemand identifiziert sich als weiblich in einem Männerkörper – oder umgekehrt.

Das widerspreche dann dem «bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht». In einer FKK-Frauenbadi kommt die ganze Absurdität dieses Geschlechtertheaters in aller Nacktheit zum Vorschein. Zum einen gibt es das Schutzbedürfnis von Frauen vor lüsternen Männerblicken. Dem sich aber auch eine trans Frau ausgesetzt sieht, deren körperliche Merkmale wiederum Frauen, bei denen Körper und Identität übereinstimmen, stören.

Das ist die Fortsetzung des Sprachreinigungswahnsinns, dem sich beispielsweise der Mitautor Andreas Tobler seitenlang hingegeben hat. «Gendern, aber richtig», nannte er seinen dreiseitigen Tiefpunkt im angeblichen Kultur-Ressort der «SonntagsZeitung», den er 2021 zusammen mit der Rädelsführerin eines Denunziationspamphlets Aleksandra Hiltmann verbrach.

Insgesamt soll es – je nach unvollständiger Zählung – bis zu 160 verschiedene Gender geben. «Genderfluid, Demiboy, Polygender, Xenogender, Pangender, Neutrois», den absurden Begriffen sind keine Grenzen gesetzt.

Das kommt davon, wenn man sich aus der Welt der klaren Definitionen verabschiedet. Amtlich und biologisch gibt es haargenau zwei Geschlechter. Es ist unbenommen, dass sich nicht alle zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen oder sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen. Aber das sind subjektiv-individuelle Entscheidungen. Das Ausüben beliebiger Sexualpraktiken, solange sie einverständig unter Erwachsenen betrieben werden, problemlos. Das Ausleben auch absurdester Genderidentitäten, solange sie keine klaren Regelverletzungen darstellen, problemlos.

Aber wenn ein biologischer Mann mit entsprechenden Geschlechtsmerkmalen meint, sich in einer FKK-Frauenbadi zeigen zu müssen, sich dort Massnahmen und der Aufforderung zum Vorzeigen eines Ausweises mit Gewalt widersetzt, ist jeder mit dem Klammerbeutel gepudert, der das toleriert, verteidigt, unterstützt.

Ab wann beispielsweise ein lüsterner Blick einen strafbaren Übergriff darstellt, darf nicht ausschliesslich dem subjektiven Empfinden der/des Angeblickten überlassen werden. Damit wäre der Willkür Tür und Tor geöffnet.

Dass das sogenannte Qualitätsblatt Tamedia darauf verzichtet, absurde Meinungsträger, Pardon, Meinungstragende, zur Ordnung zu rufen, ist ein weiterer Tiefpunkt der Berichterstattung. Ach was, ein Bestandteil der Tiefebene, Bestandteil der Leservertreibung, die sich in grosser Mehrheit von Gendersternchen, inkludierender Sprache und solchen Randrandgruppenproblemen abgestossen fühlen.

Immerhin griff hier dann noch die Chefredaktorin Raphaela Birrer ein, was man auch mal lobend erwähnen muss. «Nacktheit im öffentlichen Raum ist kein Menschenrecht», schlaumeiert sie. Aber keiner erwähnt, dass die Transe, die ihren Pimmel zur Schau stellte, sich anschliessend weigerte, einen Ausweis zu zeigen und zu randalieren begann. Das geht nun geschlechtsunabhängig nicht.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-01-um-09.03.34.png 399 843 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-05 05:00:072026-07-04 10:46:38Hitzschlag
René Zeyer

Unverschämter Michael Marti

16. Juni 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der überhebliche Schmock hat die letzte Grenze überschritten.

Gölä kann Michael Marti nicht leiden. Die Begeisterung über den Mundart-Sänger sei «nichts anderes als die Rache der Provinz an den blasierten Städtern». Also an Marti höchstpersönlich, der wohl seinen Sturz aus der Chefredaktion des «Tages-Anzeiger» weiterhin verarbeiten muss. Sozusagen ein Long-Trennungsschmerz.

Natürlich kann man über die Sangeskunst von Gölä verschiedener Meinung sein. Was sich Marti allerdings im Nachgang zur 10-Millionen-Initiative geleistet hat, müsste in einem anständigen Blatt mindestens eine Abmahnung nach sich ziehen. Also wird er im Tagi sicherlich dafür gelobt.

Der «studierte Germanist und Historiker» (wohl so bezeichnet, weil ohne Abschluss?) «unterrichtet an verschiedenen Schweizer Ausbildungsstätten Journalismus». Kein Wunder, dass der immer mehr vor die Hunde geht.

In dieser «Meinung» nimmt sich Marti den SVP-Nationalrat Thomas Matter vor. Zunächst reibt er dem «Vater der 10-Millionen-Initiative» nochmal dessen Niederlage rein. Der habe sie «stoisch» entgegengenommen, will Marti via «Blick» wissen, «um dann vor den Medien über seine Töchter zu reden. Diese könnten, sagte er, «nicht mehr allein in die Stadt, weil sie Angst haben»».

Kurzer Ausflug zum deutschen Bundeskanzler Merz, der im Herbst 2025 auch von zunehmender Gewalt gegen Frauen in deutschen Innenstädten gewarnt hatte. Oder wie das Marti sieht:

«Die Botschaft war klar: Ausländische Männer bedrohen deutsche Frauen. Unter dem Slogan «Wir sind die Töchter» gingen daraufhin in Deutschland Tausende auf die Strasse – aus Protest gegen die politische Instrumentalisierung weiblicher Angst.»

Wie kann eine reale Tatsache zur «politischen Instrumentalisierung weiblicher Angst» werden? Haben die Frauen nun Angst, und wenn ja, wieso wäre dann ein Hinweis darauf Instrumentalisierung?

Aber Logik war noch nie die Stärke des Studierten. Denn nun setzt er zum irren Slalom an, der dann im braunen Sumpf endet:

«Gewalt gegen Frauen ist real, Belästigung im öffentlichen Raum ebenso. Und viele Frauen wünschen sich mehr Sicherheit.» So weit, so verständlich. Hätte Marti hier gestoppt, hätte er sich nicht seinen Ruf ruiniert, so er einen hat. Denn nun wird’s aschgrau: «Doch das Narrativ von der Angst der Töchter, das besonders gerne konservative Politiker bemühen, ist älter als jede moderne Kriminalstatistik.» Ach, schwups wird aus einer realen Angst ein «Narrativ».

Aber auch das ist nur die Einleitung zu einer Ungeheuerlichkeit: «Ob freiwillig oder unfreiwillig: Matter reiht sich damit in eine problematische Tradition ein.» Unfreiwillig? Hätte man also Matter dazu gezwungen? Was für ein Unsinn. Aber das ist erst die Einleitung zur Zwangseinreihung durch Marti mit der Nazikeule:

«Antisemitische Hetze stilisierte schon im 18. Jahrhundert jüdische Männer zur Gefahr für Mütter und Töchter. In den USA diente der angebliche Schutz weisser Frauen dazu, rassistische Gewalt gegen schwarze Männer zu rechtfertigen.»

Es ist eigentlich nicht zu fassen, wie diese bösartig-demagogische Unterstellung, die Marti ganz freiwillig macht, durch alle Kontrollinstanzen schlüpfen konnte. Marti kommt zum Höhepunkt: «Die Tochter als Kronzeugin der Angst ist eine langlebige Figur. Dank Thomas Matter übernimmt sie nun auch in der Schweizer Migrationspolitik eine tragende Rolle.»

Nein, dank dem Schmierfink Marti wird hier der Versuch unternommen, den SVP-Politiker in eine antisemitische, rassistische Ecke zu bugsieren. Eine solche Unverschämtheit muss man sich erst mal trauen. Und dann muss man noch ein Organ finden, ein angebliches Qualitätsmedium, dass diese Unverschämtheit auch noch publiziert.

Dazu passt, dass es bei diesem Blatt erst nach Stunden jemandem aufgefallen ist, dass Matters Familie nicht Personen öffentlichen Interesses sind. Worauf ihre Gesichter verpixelt wurden, nachdem sie online zur Besichtigung freigegeben waren. Widerlich ist kein Ausdruck dafür.

PS: Das Elend nahm damit kein Ende. Nach längerem Nachdenken entschied irgend einer der verbliebenen Content Provider, dass ein Foto mit verpixelten Köpfen vielleicht doch nicht ideal sei. Also wurde es zum dritten Mal verändert und durch das hier ersetzt:

Ist das ein Elend bei Tamedia (Screenshot als Bildzitat).

Klagen gegen ein skrupelloses Blatt haben häufig keinen Erfolg. Hier aber sei Matter zugeraten. Gegen diesen üblen Rufmord sollte er vorgehen.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-15-um-18.55.01.png 483 1015 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-16 05:00:422026-06-16 14:36:29Unverschämter Michael Marti
René Zeyer

Wumms: Andreas Tobler

13. Juni 2026/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Wann wird der Mann endlich entlassen?

Die Liste seiner Entgleisungen ist lang und länger. Liebedienerische Interviews mit ihm genehmen Typen wie Lukas Bärfuss, Luisa Neubauer oder Michel Friedman. Unverschämte Forderungen wie «Die Rammstein-Konzerte sollten abgesagt werden». Unschuldsvermutung statt Vorverurteilung? Doch nicht mit Scharfrichter und Rechthaber Tobler.

«Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!» ist für Tobler bloss eine «Künstleraktion». Widerlich.

Nun kommentiert er auch noch die Affäre Fischer. Und hat wie eigentlich immer eine Meinung, aber keine Ahnung:

Für die schreibende Schmachtlocke der «Republik» scheiterte Daniel Jositsch an sich selbst. Tobler sieht das bei Fischer genau so. Gleich am Anfang seiner «Meinung» stellt er klar, wo er steht: «Zu Beginn dieser Woche hat Patrick Fischer nochmals versucht, sich als Medienopfer darzustellen».

Dann zitiert Tobler Fischers Kernaussage: «Entweder wurde hier vorsätzlich gelogen oder mir fahrlässig unrecht getan.» Um ihn dann in die Pfanne zu hauen: «Beides stimmt nicht. Fischer wurde weder betrogen, noch widerfuhr ihm Unrecht.» Nun dürfen wir einer der merkwürdigsten Verrenkungen und Verdrehungen der jüngeren Mediengeschichte beiwohnen.

Das Trauerspiel hat drei Akte. Dass der SRF-Journalist Pascal Schmitz sich in seiner E-Mail ausdrücklich darauf bezieht, dass das Gespräch off the record war und dass er das sehr ernst nehme, zitiert Tobler nicht. Akt eins. Das ist unredlich.

Dafür zitiert Tobler, dass Schmitz schwiemelt, dass er es aber als «seine Verpflichtung» sehe, «Informationen von öffentlichem Interesse «zu prüfen und gegebenenfalls zu veröffentlichen»». Und unverhohlen droht: ««Solltet ihr dazu keine Stellung nehmen, behalten wir uns vor, nach anderen Wegen zu suchen, um unserer journalistischen Pflicht nachzukommen», schreibt Schmitz weiter.» Diese unverhohlene Drohung beschönigt Tobler: «Das mag drohend klingen, war aber ein Akt der journalistischen Fairness: Schmitz spielte mit offenen Karten.» Akt zwei. Das ist absurd.

Der Höhepunkt der Umdeutung: «Insofern hat Schmitz die «Off the record»-Vereinbarung nicht gebrochen.» Wie das? «SRF verlangte bei der Staatsanwaltschaft Luzern Einsicht in Fischers Strafbefehl – und erhielt sie.» Akt drei. Hirnrissig, unlogisch und aschgrau.

Nun ist alles erlaubt in Absurdistan, daher fährt Tobler fort: «Dass es eine solche Vereinbarung gab, scheint nach Publikation des E-Mails ausser Frage zu stehen, da Schmitz von «unserem ‹Off the Record›-Gespräch» schreibt». Moment, es folgt noch das Sahnehäubchen: «Wichtig ist aber nur: Schmitz hat Fischer nicht als Informanten geoutet, sondern die Geschichte über den offiziellen Behördenweg sauber nachrecherchiert.»

Wir versuchen, das einzuordnen, wie es im heutigen Elendsjournalismus so schön heisst. Tobler gesteht zu, dass es sich einwandfrei um ein off-the-record-Gespräch handelte. Entweder weiss Tobler nicht, was das ist, dann wäre er als Journalist disqualifiziert. Oder er weiss es, hält es aber für legitim, dass sich sein Kollege Schmitz darüber hinwegsetzt. Dann wäre er als Journalist ebenfalls disqualifiziert.

Was soll der Unsinn, dass Schmitz die Story «sauber nachrecherchiert» habe? Im englischen Rechtsgebrauch gibt es den schönen Ausdruck «fruit of the poisonous tree», die Frucht des vergifteten Baumes. Damit ist gemeint, dass ein rechtswidrig erlangtes Beweismittel nicht verwendet werden darf. Auch die Schweizerische Strafprozessordnung kennt das Beweisverwertungsverbot.

Nun handelt es sich bei einer off-the-record-Vereinbarung nicht um die Anwendung eines Gesetzesartikels. Aber um die Anwendung eines journalistischen Grundsatzes, der zum Fundament des seriösen und professionellen Verhaltens eines Medienschaffenden gehört. Es ist absurd, damit zu argumentieren, dass man zwar nicht aus einem solchen Gespräch zitiert habe und deshalb das Gebot nicht gebrochen. Allerdings habe man die daraus gewonnene Information «sauber nachrecherchiert». Daran ist nichts sauber, das ist ein Drecksspiel. Denn off the record ist nicht zitierbar, nicht verwendbar. Sonst wäre der Begriff ad absurdum geführt.

Was sollte nun Tamedia mit einem Mitarbeiter machen, zudem noch Leiter des Gesellschaftsressorts, also ein Vorgesetzter mit Vorbildfunktion, der solch einen eklatanten Verstoss gegen journalistische Regeln und Ethik nicht nur schönschreibt, sondern auch noch verteidigt?

Nun, es sieht ganz so aus, als ob das in diesem Hause den nächsten Schritt auf der Karriereleiter ermöglicht. Solange es dort überhaupt noch Publikationen gibt. Alle zukünftigen Gesprächspartner mit diesen Journalisten seien gewarnt: vergesst off the record bei denen, darauf zu pfeifen und das zu brechen, ist erlaubt.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-13 05:00:062026-06-11 15:30:43Wumms: Andreas Tobler
René Zeyer

Der weibliche Bärfuss

10. Juni 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Au weia, ist das vielleicht sexistisch gegen Katja Brunner.

Aber der gequälte Kopfblattsalat-Leser von Tamedias Gnaden fragt sich mal wieder: muss denn das sein? Und Hand aufs Herz; binär, nonbinär, mit Sternchen oder ohne: ist dieser Gesichtsausdruck nicht typenähnlich mit dem ewig grimmigen Gesicht des Sprachverhunzers Lukas Bärfuss? Und muss man nicht zu verbaler Notwehr greifen, wenn man dem ausgesetzt wird?

Bei Geburt getrennt? Bildzitate «Tages-Anzeiger».

Damit haben die Ähnlichkeiten noch kein Ende gefunden. Nora Zukker dient als Souffleuse und Stichwortgeberin und verhunzt das, was man früher mal Interview nannte. Stattdessen gibt es hier kübelweise Geschwurbeltes, Aufgeblasenes, Soziologengequatsche, Gedöns und die immer gleiche Leier.

Auch die ZACKBUM-Leser sollen an der Qual teilhaben:

«In meinem Text wird Gewalt als «hauswirtschaftliches Problem» verharmlost, das die Betroffene gefälligst diskret selbst zu lösen hat. Die patriarchale Struktur wird nicht frontal durchbrochen, sondern radikal überbejaht, bis sie sich selbst entlarvt. Mich interessieren Formen der systemkritischen Intervention, wie man es aus tendenziell repressiven Systemen kennt.»

Nix verstan? Macht nix, das ist je nach Blickwinkel ein Anzeichen geistiger Gesundheit oder üblem, männlichem Chauvinismus. Aber nicht nur die Antworten rollen einem die Socken hoch, auch die Fragen:

«Sie zeigen, wie sich Täterstrukturen durch Sprache immunisieren. Machtmissbrauch tarnt sich also im Gewand von Fürsorge oder vermeintlicher «Normalität»?»

Nein, das ist allenfalls eine Immunisierung des Lesers durch Sprachfolter.

Das sind weitere Instrumente, die gnadenlos zum Einsatz kommen:

«Sprache ist tief normierend und erzieherisch. Solche «Dressuren» möchte ich in «Die Kunst der Wunde» sprachskeptisch verhandeln … Im Spätkapitalismus sind wir darauf getrimmt, Schmerz wegzumoderieren oder ihn zu kapitalisieren … Daher neigt unsere Gesellschaft auch dazu, strukturelle Gewalt gegen Frauen sofort ins Private zu verdrängen … Aber für marginalisierte oder verletzte Körper ist der Staat eine Instanz, die Wunden verwaltet, versteckt oder im schlimmsten Fall sogar wirtschaftlich ausnutzt.»

Ist ja gut, der Schmerz, den dieses Gestammel auslöst, lässt sich nicht wegmoderieren. Hier geht es mehr um die Nicht-Kunst, verbal Wunden zu schlagen. Und niemals, einfach nie darf die Binse «strukturelle Gewalt» fehlen. Bevor ZACKBUM wegen Folter eingeklagt wird, hören wir schon auf. Nur noch ein kleiner Blick in die Schreibwerkstatt der Autorin:

«Eigentlich raufe ich mich fortwährend mit der Sprache. Mit diesem Buch möchte ich vor allem Beschönigungen kenntlich machen und sie biegen, manchmal brechen, wenn sie sich als sehr unbeugsam erweisen.» Sie lässt noch tiefer blicken: «Ich liebe es, wenn ich im Theater in Bratislava sitze und kein einziges Wort verstehe. Ich versuche dann, den kulturellen Transfer nachzuvollziehen.»

Hier wird nichts beschönigt, alles gebrochen.Das Empfinden der Autorin in Bratislava kann der Leser, Pardon, der/die/das LeserIn** (womit weitere 162 Gender inkludiert sind), voll nachempfinden. Er/sie/es, nein, besser, die Lesenden verstehen auch kein Wort.

Aber, eine letzte erschütternde Erfahrung der Autorin müssen wir, tut uns Leid, dem ZACKBUM-Leser noch mitgeben. Als Zukker das Stichwort Austausch «mit Theaterschaffenden in Mexiko über Erscheinungsformen patriarchalischer Gewalt» liefert, steuert Brunner diese Anekdote bei: «Ich werde nie vergessen, wie eine Theatermacherin sagte: «Immer wenn ich das Haus verlasse, richte ich unsere Wohnung so ordentlich her, dass meine Kinder einige Tage durchkommen, falls ich nicht zurückkomme.» Wenn das, was ich schreibe, eine solidarische Verständigung mit ermöglicht, ist das für mich der Kern meiner Arbeit.»

Solidarische Verständigung? Nein, hier ist keine Verständigung möglich. Nur der Seufzer aus tiefster Seele: hört ein solcher pseudo-femininistischer Schwulst denn nie auf? Und warum ist es frau nie möglich, ein anständig-kritisches Interview mit frau zu führen?

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-09-um-22.24.32.png 571 852 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-10 05:30:472026-06-09 23:01:51Der weibliche Bärfuss
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  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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