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Was guckst du?

Die Nationalitätenfrage beim Massaker von Stade.

In der norddeutschen Stadt Stade sind sechs Personen durch Schüsse tödlich verletzt worden. Es soll sich vermutlich um einen Sorgerechtsstreit handeln, der völlig entgleiste.

Natürlich begann sofort die Motivforschung und die Frage, wer denn der Täter sei. Er soll 45 Jahre alt sein und bereits zuvor polizeiauffällig. Soweit ist sein Hintergrund unbestritten.

Allerdings gibt es eine heikle Frage: welcher Nationalität gehört er an, bzw. was ist sein kultureller Hintergrund, welche Rolle könnte seine Mentalität gespielt haben, seine Herkunft, seine Überzeugungen?

Da begann dann das grosse Eiern. «Der Verdächtige sei ein 45-Jähriger aus dem Raum Hannover», wusste die «Süddeutsche Zeitung». Es handle sich beim «mutmasslichen Schützen» um «einen 45-jährigen Deutschen mit türkischen Wurzeln», berichtete die NZZ. Noch undeutlicher ist Tamedia: «Die Polizei hat zwei Menschen festgenommen. Darunter ist auch der mutmassliche Schütze. Die Rolle der zweiten Person ist unklar.»

Für den «Blick» ist es auch Tage danach ein «45-jähriger Angreifer mit türkischen Wurzeln». Nur die «Bild» spricht schnell Klartext: Es handle sich um eine in Deutschland geborene Person mit türkischer Staatsbürgerschaft.

Das liegt zunächst daran, dass die Polizei in Niedersachsen die Nationalität von Tatverdächtigen nicht routinemässig veröffentlicht. Innenministerium und Polizei begründen dies mit Persönlichkeitsrechten und dem fehlenden unmittelbaren Zusammenhang zwischen Staatsangehörigkeit und Straftat.

Im Gegensatz zur Schweiz. Hier wird die Nationalität – wie immer kantonal geregelt, aber überwiegend – angegeben. Es gibt aber weder eine gesetzliche Pflicht, das zu tun – oder zu unterlassen.

Hintergrund ist das aufgeladene Thema Ausländerkriminalität. Hier fängt das Schlachtfeld bereits bei den Definitionen an. Nehmen wir Straftäter mit Migrationshintergrund oder mit ausländischer Staatsangehörigkeit? Migratuonshintergrund wäre natürlich höher, wobei der Begriff Ausländer auch straffällige Touristen, Durchreisende, Asylsuchende oder Personen ohne festen Wohnsitz umfasst.

Wie auch immer, der Anteil von nichtdeutschen Tatverdächtigen bei Gewaltkriminalität liegt bei 42,9 Prozent; in der Schweiz sind 57,9 Prozent ausländische Beschuldigte bei StGB-Delikten.

Entsprechend überproportional ist dann auch deren Anteil an der Gefängnisbevölkerung. Im Vergleich dazu beträgt der Anteil Ausländer an der ständigen Wohnbevölkerung in Deutschland 15,5 Prozent, in der Schweiz 27,3 Prozent. Nimmt man den Begriff Migrationshintergrund (erste oder zweite Einwanderergeneration), steigt das in Deutschland auf 31 Prozent, in der Schweiz auf 40 Prozent.

Nun ist wohl unbestreitbar, dass insbesondere ein religiöser Hintergrund, genauer der Glauben an eine mittelalterlichen und voraufklärerischen Islam, zu mit unseren zivilisatorischen Einstellungen nicht vereinbaren Ansichten über das Verhältnis zwischen Mann und Frau und zwischen Gläubigen und Ungläubigen führt.

Um es mild auszudrücken.

Vor diesem Hintergrund versuchen gewisse Massenmedien, zu denen in Deutschland auch der «Spiegel» gehört, besonders bei solchen Schreckenstaten diesen Hintergrund auszublenden, bzw. als nicht erheblich zu verschweigen. Um dann doch verdruckst einzuräumen, dass es sich um einen in Deutschland geborenen türkischen Staatsbürger handelt.

Das ist etwa so absurd wie die kubanische Position, dass es auf der Insel seit 1959 keinen Rassismus mehr gebe. Denn das sei im Sozialismus unmöglich, daher müsse auch nichts mehr dagegen unternommen werden. Resultat: es gibt kaum ein rassistischeres Land als Kuba.

Dieses Geeier gewisser Mainstreammedien ist Wasser auf die Mühlen aller Demagogen, die von Lückenpresse und Lügenpresse reden. Ihnen diesen Gefallen zu tun, ist weder schwarz, noch weiss. Sondern schlichtweg aschgrau und bescheuert.

Marc Bloch als Lackmustest

Der grosse Historiker und Widerstandskämpfer kommt ins Panthéon. NZZ würdigt, Tagi ist peinlich.

«Unverständnis der Gegenwart entspringt zwangsläufig der Unkenntnis der Vergangenheit.»

Marc Bloch (1886 bis 1944) ist zweifellos einer der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhunderts. Liga Eric Hobsbawm, Fernand Braudel, Arnold J. Toynbee, E.P. Thompson, Bronislaw Geremek oder Richard Hofstadter.

Er revolutionierte die Geschichtswissenschaft, die er nicht als Abfolge von Ereignissen verstand, sondern als Objekt einer Gesamtuntersuchung von Mentalitäten, Wirtschaftsformen, Traditionen und sozialen Strukturen.

Er war nicht nur ein herausragender und unermüdlicher Wissenschaftler, sondern auch Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg und wichtiges Mitglied der «Armee der Schatten», der Résistance. Er wurde von französischen Kollaborateuren gefangen genommen und an die Nazis ausgeliefert. Die Schergen von Klaus Barbie folterten ihn wochenlang, bis er am 16. Juni 1944 erschossen wurde.

«82 Jahre nach seiner Ermordung erhält Marc Bloch nun die höchste Ehre, die ein Verstorbener in Frankreich erhalten kann», schreibt Marc Tribelhorn in seiner Würdigung in der NZZ. Denn am Dienstag wurde Bloch feierlich ins Pariser Panthéon überführt, dem Ruhmestempel der Nation. Dort findet er seine letzte Ruhe neben Voltaire, Rousseau, Victor Hugo, Émile Zola und auch Josephine Baker.

Nur der Präsident der Republik darf entscheiden, wer Einlass in diese Gedenkstätte findet; einmal eine unbestreitbar gute Tat von Emmanuel Macron.

Wenn man die Würdigungen der «Süddeutschen Zeitung», deckungsgleich natürlich mit dem Kopfblattsalat von Tamedia, und der NZZ vergleicht, dann ist Fremdschämen angesagt. Der Tagi/SZ-Korrespondent Oliver Meiler in Paris ist der Meinungsgutmensch, der zwar vom Land keine grosse Ahnung hat, aber immer gerne die Gelegenheit ergreift, sich lächerlich zu machen.

Holterdipolter handelt er die Lebensstationen von Bloch ab, um sich vom Titel abwärts in ein Detail zu verbeissen: «Die extreme Rechte soll bitte fernbleiben», verlangen die Nachfahren des Historikers. Ist ihr gutes Recht, aber wenn man nur einen sehr beschränkten Platz für eine Würdigung hat, sollte man den nicht so verschwenden.

Schon mit seinem Titel setzt dagegen Tribelhorn ein ganz anderes Niveau: «Nur der Wahrheit verpflichtet: Marc Bloch, der jüdische Historiker, der im Untergrund gegen die Nazis kämpfte». Offenbar hat er – wohl im Gegensatz zu Meiler – die Werke von Bloch auch gelesen: «In Blochs erst postum erscheinender «Apologie der Geschichtswissenschaft», die bis heute eines der klügsten Bücher über das Metier des Historikers ist, schreibt er: «Die Fähigkeit, sich auf das Leben einzulassen, ist in der Tat die wichtigste Tugend.»»

Diese wichtige Tugend geht bis heute all diesen Gesinnungsblasenschreibern ab, die sich keinesfalls auf das Leben einlassen wollen, sondern ihm und den Lesern vorschreiben, wie richtig gelebt werden sollte. Haltung haben ist das eine, das hat Bloch vorgelebt. Aber unendlich neugierig auf die Wirklichkeit zu sein, sie möglichst kenntnisreich und getreu abbilden wollen, das ist das andere, was all denen abgeht.

Die NZZ hingegen schwingt sich hier zu durchaus akzeptabler Höhe auf: «Nicht nur Marc Blochs wissenschaftliches Werk, das bis heute international prägend ist, sondern auch seine unerschütterliche Zivilcourage während Frankreichs dunkelster Zeit ist Anlass, sich wieder mit dieser eminenten Persönlichkeit zu beschäftigen.»

Es ist allerdings zu befürchten, dass das im Tamedia-Kopfblattsalat keiner tun wird. Wenn die den Namen Bloch hören, denken sie wahrscheinlich an so was:

Nicht komisch

Tamedia spart jetzt auch beim Humor.

Felix Schaad war seit 1999 für den «Tages-Anzeiger» am Zeichenstift. Sicher ist ihm nicht immer alles gelungen. Und so jemanden wie Nico (ältere Semester erinnern sich) findet man halt auch nicht alle Tage.

Nun ist der Karikaturist in die wohlverdiente Pensionierung abgeschwirrt. Und der 36-jährige Marco Arrigoni übernahm ab 1. April ohne Scherz. In einem 50-Prozent-Pensum, also sozusagen als halbe Portion.

In seinem Werdegang werden Highlights wie Mitarbeit bei der schnarchlangweiligen Late-Night-Show «Deville» und verschiedene Satire-Formate in der Schweiz und in Deutschland aufgeführt.

Allerdings würde selbst Ex-Bundesrat Johann Schneider-Ammann über das Schaffen von Arrigoni niemals sagen: «Rire c’est bon pour la santé». Denn bei dem gibt es wirklich nichts zu lachen, hat der arme Leser nichts zu lachen.

Oder anders formuliert: ein unbeholfener Zeichnungsstil paart sich perfekt mit holprigen Scherzen. Dazu müssen wir nun ein paar Bildzitate bringen:

«Er hat eins an der Glocke»? Man kann etwas an die grosse Glocke hängen (was man bei diesem Schwachscherz unterlassen sollte), man kann jemandem eins auf die Glocke hauen, man kann die Glocke von Friedrich Schiller zitieren oder man kann eins auf die Glocke kriegen. Aber man hat eins an der Waffel. So viel zum Inhalt. Zeichnerisch ist zu sagen: das Strichmännchen links soll Präsident Trump sein, das Strichmännchen rechts König Charles.

Oder dieser hier:

Öhm. Also links, das soll offenbar eine Urinprobe sein. Die bis heute für Dopingtests verwendet wird. Und rechts der Laufschuh des Marathon-Manns. Ist der nun gedopt? Wird der Schuh auf Doping untersucht? Wieso ist nun Material entscheidender als Urin? Sicher kein Spitzenwitz über den Spitzensport. Dafür garantiert ungedopt.

Aller schlechten Dinge sind drei, noch einer:

Der dunkelbraune Fleck hinten soll offenbar ein Wal sein. Der obere Nacktschwimmer mit falsch angesetztem Arm soll Präsident Trump sein, der untere mit deutlich verkürzten Beinen der abgewählte Ministerpräsident Orbán. Soweit ist das Bilderrätsel entschlüsselbar. Nur: der Witz ist wohl abgesoffen, vom Wal verschluckt worden, laut schreiend aus der Malträtur – eine Karikatur kann man das nicht nennen – geflohen.

Geht da doch noch einer, ist eine Absenkung – eine Steigerung kann man das nicht nennen – möglich?

Dankää, sagt da verständnislos der Bündner, was soll da komisch sein? Die beiden Schweine oder Rinder mit draufgepappten langen Hörnern vorne sollen wohl Steinböcke sein. Und wo soll da ein Bancomat explodieren, mitten in der Pampa oder im Wald?

Nun wird nicht jeder als Gary Larson geboren Oder als Luis Murschetz oder F.K. Wächter. Von Daumier, Hogarth,  Disteli oder Leiter ganz zu schweigen.

Aber das hier?

Das ist die Errichtung einer humorfreien Zone mit Zeichnungen auf Kindergartenniveau. Da vergisst jemand ständig, einen Scherzkeks zu frühstücken.

Dabei wäre die Lösung ganz einfach und auf der Hand liegend. Zudem ganz im Sinne von Big Boss Pietro Supino. Denn wenn immer mehr Artikel – so sie nicht von der Süddeutschen übernommen werden – mit KI hergestellt werden, wenn KI nun auch die Moderation von Leserbriefen übernimmt, wieso dann nicht KI als Karikaturist?

Schlechter kann’s ja wohl nicht werden, besser alleweil. Und, lieber Herr Supino, aufgepasst, es wäre kein 50-Prozent-Job. Sondern 100 Prozent gratis!

Die KI-Karikatur über dem Artikel ist vielleicht nicht oberste Liga. Aber zeichnerisch und inhaltlich allem hier Gebotenen haushoch überlegen.

Alles Zoll oder was?

Das teuflische Gift der Handlungsunsicherheit.

Trump-Hasser triumphieren. «Trumps Zollhammer trifft ihn selber», kommentiert Charlotte Walser in der «Süddeutschen» und im Kopfblattsalat Tamedia, weitgehend unbeleckt von Kenntnissen. Das gilt auch für andere: «Linke fordern sofortigen Stopp der Verhandlungen mit Donald Trump».

«Trumps Niederlage ist ein Erfolg für die Welt», nimmt ein Simon Book im «Spiegel» die ganze grossen Worte aus dem Schrank. Selbst die NZZ kann sich ein abtemperiertes Trump-, Pardon, Triumphgeheul nicht verklemmen: «Das wichtigste Signal des Zollurteils: Amerikas totgesagte Demokratie lebt – auch unter Donald Trump». Wieso man das aus einer Entscheidung der Judikative schlussfolgern kann, das verrät das Blatt der tiefen Denke allerdings nicht.

Ein Winand von Petersdorff-Campen ernennt in der FAZ die Entscheidung gar zum «Tag der Befreiung». Die «Frankfurter Rundschau» hopst von einem Bein aufs andere: «Grösste Pleite der Amtszeit». Der «Blick» hingegen denkt schon einen Schritt weiter: «Diese Optionen bleiben Trump, um weitere Zölle zu erheben». Da packt der «Redaktor News» Gabriel Knupfer die grosse Wissenskanone aus. Was eine kurze Konsultation von ChatGPT nicht alles ans Tageslicht fördert …

Und «20Minuten» schliesslich greift auf Bewährtes zurück: «US-Wahlkampfexperte: «Zoll-Urteil ist Trumps schwerste Niederlage in zweiter Amtszeit»». Wofür es nicht alles Experten gibt. Der hier hat eine besonders weitreichend zurückliegende Expertise: «Politberater Guido Weber hat viele Abstimmungskampagnen in der Schweiz mitgeprägt. Er kennt aber auch die USA und den Washingtoner Politbetrieb, seit er für das Wahlkampfteam des Demokraten Gary Hart arbeitete, dem demokratischen Hoffnungsträger für die US-Wahl 1988.» Und lebt …

Die «Weltwoche» hingegen, die ansonsten Trump für die grösste Gabe an die Menschheit seit Elon Musk und der Erfindung des Rades hält, muss sich erst sortieren und beschränkt sich ungewohnt zurückhaltend auf die Vermeidung des Faktischen.

Nur bis zum Blatt der korrekten Denkungsart und der Rettung der Demokratie hat es sich noch nicht durchgesprochen. Die «Republik» erfreut ihre Leser stattdessen mit lustigen Tiergeschichten: «Warum Kakadus Abfall klauen und Fische vergnügt in giftigen Gewässern planschen – eine Exkursion ins Reich der klugen Tiere».

Könnte man doch nur eine Exkursion ins Reich der klugen Journalisten machen. Nun, die «Financial Times» hat gleich eine ganze Salve von Artikeln über «Trumps tariffs» abgefeuert. Darin die wirklich wichtigen Aspekte, die im Triumphgeheul hierzulande weitgehend untergehen.

Da das Urteil absehbar war – denn Trump mag ein Amok sein, völlig verblödet ist er nicht – hat er schnell neue Zölle aus der Tasche gezogen, basierend auf den zahlreichen in der langen Geschichte der US-Legislative verborgenen gesetzlichen Bestimmungen.

Die nicht ganz unwichtige Frage, ob dieses Urteil nun bedeutet, dass die zu Unrecht erhobenen Zölle im Multimilliardenbereich zurückgezahlt werden müssen, beantworten die obersten Bundesrichter in ihrer grossen Weisheit hingegen nicht. Oder vielleicht sehen sie das realistisch-pragmatisch. Kommt doch und versucht, es aus uns rauszuleiern, würden die USA sagen, und viel Spass dabei.

Auf jeden Fall jubilieren können Anwälte, Berater und Experten. Die werden Jahre damit beschäftigt sein, dieses Schlamassel einigermassen aufzuräumen.

Zwei wichtige Aspekte dieses Desasters werden aber viel zu wenig beleuchtet. Der erste: Trump scheint diese Entscheidung zu akzeptieren. Was nicht selbstverständlich ist. Denn welche Mittel hätte der oberste US-Gerichtshof gehabt, sein Urteil durchzusetzen, wenn Trump gesagt hätte: wisst ihr was, steckt es euch sonstwohin?

Der wichtigste: damit setzt sich fort, was reines Gift für gesundes Wirtschaften ist. Handlungsunsicherheit. Wer investiert, wer unternehmerische Entscheidungen zu treffen hat, braucht bei aller Unwägbarkeit der Zukunft wenigstens ein paar Entscheidungsgrundlagen. Zum Beispiel die, dass gesetzgeberische und andere Rahmenbedingungen während der Payback-Zeit stabil bleiben.

Wer ein Produkt herstellt und exportiert, kann schlecht voraussehen, dass er plötzlich mit 39 Prozent Zöllen belegt wird. Oder doch nicht. Oder nur 15. Oder vielleicht 30. Oder 100. Ab heute. Oder morgen. Oder rückwirkend. Das ist die reine Hölle, Chaos, Unübersichtlichkeit. Ganz abgesehen von den zusätzlichen Kosten, die durch die Beschäftigung von Beratern entstehen, die versuchen müssen, in diesen Amokläufen des US-Präsidenten den Überblick zu bewahren.

Da aber die meisten Journalisten von Wirtschaft nur verstehen, dass man dort ein Feierabendbier (oder zwei oder drei) runterkippen kann und ansonsten ein Naturgesetz garantiert, dass spätestens am 25. der Zapfen auf dem Konto ist, lassen sie diese Aspekte beiseite.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz». 

Unfassbar

Die Sorge vor der Veröffentlichung von unfassbarem Schwachsinn beginnt bei Marcel Laskus.

ZACKBUM hat für 2026 schlimme Vorahnungen gehabt. «Way down we go», singt sich das.

«Gender Disappointment» schreibt sich das. ZACKBUM muss wieder Wert auf die Feststellung legen: hier ist nichts erfunden oder fantasiert. Ist uns gar nicht möglich.

Das Qualitätsmedienhaus Tamedia lässt sich nicht nur in der Berichterstattung über Crans-Montana vom kleinen Finanzblog «Inside Paradeplatz»* abtrocknen. Sondern öffnet seine Spalten für Unfassbares aus München.

Da schreibt ein gelegentlicher Autor der «Süddeutschen Zeitung» namens Marcel Laskus doch tatsächlich:

«Die Sorge vor toxischer Männlichkeit beginnt manchmal bereits im Mutterleib. Etwa bei Milena Reszka, die tagelang weinte, als sie erfuhr: Sie bekommt einen Sohn.»

Wie bitte? Man japst noch fassungslos nach Luft, da geht’s schon mit der üblichen «Studie» weiter:

«Verzweifelte Foreneinträge und Studien zeigen: Viele Eltern wünschen sich heute lieber ein Mädchen als einen Buben. Studien zeigen, dass Eltern eines erstgeborenen Mädchens häufiger mit dem Kinderkriegen aufhören als Eltern eines Jungen.»

Es geht doch nichts über angebliche Studien, die jeden Schwachsinn belegen sollen, inklusive der Erde als Scheibe oder die Anwesenheit von Aliens.

Aber hier geht es um Schlimmeres: um toxische Männlichkeit. Furchtbar.

Wo fängt die an? Klar, schon vor der Geburt, logisch. Denn was später ein toxisch männlicher Mann wird, ist schon als Fötus eine Bedrohung der Menschheit.

Dann labert sich Laskus durch die übliche journalistische Masche des Einzelfalls und seiner Verallgemeinerung: «Längst gibt es einen Begriff für ihr Empfinden, keine Diagnose, aber ein seltsamer Schmerz: Gender Disappointment – die Enttäuschung über das Geschlecht des eigenen Kindes, die sich häufig auf die Geburt eines Buben richtet

Eine Mutter schreibe auf einem Internetforum: «Vor zwei Wochen habe ich auf dem Ultraschall ein Bild gesehen, dass es ein Knabe wird. Seitdem bin ich mehr als depressiv und habe Weinkrämpfe.»

Die Dame müsste dringlich behandelt werden. Stattdessen respektiert Laskus diese Abirrung.

Dann versteckt er sich hinter einer Vollirren:

«Die Autorin Ruth Whippman, Mutter von zwei Söhnen, ging in ihrem Buch «Boy Mom» noch einen Schritt weiter und listete auf, was man als Mann heute alles werden könne: Vergewaltiger, Amokläufer, Incel, Mannkind, Mansplainer, Besserwisser, Busenstarrer, Geburtstagsvergesser, Studentenverbindungsmitglied, Angeber, Homophober, wichtigtuerischer Kiffer, Verweigerer emotionaler Arbeit. Seufzend hält sie fest: «Der Versuch, gute Söhne zu erziehen, erschien mir plötzlich als hoffnungslose Aufgabe.»»

Statt diesen Quatsch in der Luft zu zerreissen, übt sich Laskus in dezenter Distanz: «Polemisch liest sich das, klar. Zumal Zuschreibungen nie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung sein müssen.»

Das ist alles, was ihm zu dieser menschenverachtenden, wahnhaften und absurd einseitigen Aufzählung einfällt? Meiner Treu.

Als Abrundung dann die Schlusspointe, zurück zur tagelang weinenden Mutter: «Inzwischen ist ihr Sohn drei Monate alt. «Irgendwann ist die negative Gefühlslage vorbei», sagt sie. Jetzt ist er da, und alles ist gut.»

Ist da alles gut? Bräuchte dieses arme Kind nicht sorgfältige Überwachung durch eine spezialisierte Fachkraft, mitsamt der Mutter? Und was meint eigentlich der Kindsvater dazu? Offenbar nichts Zitierfähiges, wahrscheinlich handelt es sich bei ihm um einen Verweigerer emotionaler Arbeit.

Mit anderen Worten: um ein toxisch-männliches Monster, das leider zur Welt gebracht wurde.

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*Packungsbeilage: René Zeyer veröffentlicht regelmässig auf IP.

Gujer reitet mal wieder

Zu Höchstform läuft er bei Kollegenschelte auf.

Zugegeben, bei diesen Kollegen ist es nicht allzu schwer, sie in die Pfanne zu hauen. Denn völlig haltlos geworden, widersprechen sie sich selbst am Laufmeter. Hoffen dabei auf das löchrige Kurzzeitgedächtnis des Lesers.

Aber nicht mit Eric Gujer, God Almighty, Geschäftsführer und Chefredaktor der NZZ. Er knöpft sich die Wendehälse bei der Beurteilung des Zustands der US-Demokratie vor.

Da herrschte zunehmend warnendes Raunen. Es wurde eine «unvermeidliche Trump-Diktatur» befürchtet. Die FAZ erinnerte sich an den Sommer 1935 und fragte bang: «Beginnt so eine Diktatur

Und nun das. Ein paar Wahlsiege der Demokraten, und plötzlich heisst es: «Warnsignal, wankt Trump, zivilgesellschaftlicher Widerstand, Referendum gegen Trump». Fertig Diktatur.

Auch aussenpolitisch ist zum Beispiel die «Süddeutsche Zeitung» nicht ganz mit sich selbst einig. Vor Kurzem meinte sie: «Trump war immer ein Isolationist.» Nun höhnt sie, zitiert Gujer maliziös: ««Was ist eigentlich aus America first geworden?» Trump sei die «ganze Zeit mit internationalen Angelegenheiten beschäftigt».

Dann hebt Gujer ins Allgemeine ab: «Trumps Kritiker sind in eine uralte Falle getappt: Menschen überschätzen Menschen und ihre Gestaltungskraft. Nur in Ausnahmesituationen, wenn die Verhältnisse schwimmen und nichts mehr sicher ist, vermögen Individuen die Weltgeschichte grundlegend zu verändern

Um mit einem Loblied der Checks and Balances zu enden:

«250 Jahre Demokratie lassen sich nicht einfach ausradieren.

Wie sehr die Checks and Balances auch heute funktionieren, belegen die Regionalwahlen. Sie genügen, damit die Demokraten Hoffnung schöpfen. In der Demokratie gibt es kein schärferes Schwert als Wahlen, solange sie frei und geheim sind. Sie stutzen zuverlässig Ambitionen und Egos zurecht.»

So luzid seine Argumentation bis hierher ist, nun verfällt er aber in den gleichen Fehler, den er zu recht den von ihm Kritisierten vorwirft.

Er gibt zu viel Gas in eine Richtung, der lieben These willen. Denn er muss dem Titel seiner Welterklärung nachrennen: «Keine Spur von Trump-Diktatur: Der US-Demokratie geht es prächtig».

Geht es ihr wunderbar? Macht sich Trump nicht im zweiten Anlauf energisch daran, eben diese Checks and Balances auszuhebeln, legt sich mit der Justiz an, unterwirft den Generalstab der Armee, indem er altgediente Generäle durch willige Befehlsempfänger ersetzt?

Auch diese These hat natürlich Schlagseite. Aber hier ist eine weitere: Gujer fehlt manchmal, wenn er stilistisch elegant, kenntnisreich und mit gefülltem Bildungssack auf dem Rücken losreitet, die Fähigkeit zum dialektischen Denken.

Knackige Thesen sind immer verführerisch, weil man – wenn man kann – gnadenlos mit ihnen losgaloppieren kann. Ein nachdenkliches dialektisches Ausloten von These und Antithese, die Verwandlung in eine Synthese, die wiederum zur neuen These wird, die auf ihren Antagonisten wartet, das hat nicht diese strahlende Einfalt einer klaren These.

Der US-Demokratie geht es prächtig, Trump-Diktatur ist ein Schreckgespenst, Wahlen beweisen, dass solche Befürchtungen unsinnig sind.

Mit flatternder Fahne ins Ziel geritten, in die Exemplifizierung einer zunächst aufgestellten These.

Nun ist es leicht, den Kollegen ihre Wankelmütigkeit, ihre Widersprüche, ihre Haltlosigkeit vorzuwerfen. Sie glauben mehr an Narrative als an Analysen, selbständiges Nachdenken ist nicht so ihre Sache.

Aber, mit Verlaub, gegen das Geraune einer Trump-Diktatur die prächtige US-Demokratie zu stellen, ist das nicht ein Spur zu sehr «Weltwoche»? Und damit doch etwas flach und vielleicht nicht auf dem gewohnten Niveau.

Was angesichts des Gujer umgebenden publizistischen Elends besonders schmerzt.

Wobei man sich fragt, wann Gujer sich mal die Probleme im eigenen Stall vornimmt. Sie haben einen Namen: NZZaS

 

Wumms: Peter Burghardt

Der erhobene Zeigefinger aus Deutschland im Reich der Tamedia-Qualitätsmedien.

Der SZ-Korrespondent in Washington ist mehrfacher Wiederholungstäter. Unbelehrbar will er der Realität zeigen, wie sie seiner Meinung nach zu sein hätte – und quält seine Leser damit.

Immer wieder unkt und raunt er («So stirbt die Demokratie», «Vielleicht hat Trump einen entscheidenden Fehler gemacht»). Dass seine Prognosen und Wünsche nie eintreffen, was kümmert ihn das. Irgendwann, so seine unerbittliche Hoffnung, muss die Realität, muss Trump doch mal ein Einsehen haben.

Nun sind allerdings zur Abwechslung die Demokraten dran:

«Ende des US-Shutdowns: Die Demokraten knicken wieder vor Donald Trump ein – das wird sie teuer zu stehen kommen».

Zumindest haben sie sich damit wütendes Gezeter von Burghardt eingehandelt. Dem Vernehmen nach ist das Stadtgespräch in Washington, demokratische Parlamentarier lesen sein Werk ehrfürchtig und geloben Besserung, Trump ist bei gemeinsamer Lektüre der Zeilen mit seinem ganzen Familienclan beobachtet worden. «Great guy, huge, I like him», soll er gemurmelt haben.

So sieht das vielleicht in Burghardts Wunschwelt aus. In Wirklichkeit interessiert es dort keinen Menschen, dass er tobt: «Eine Mehrheit der Wählerschaft lehnt Trumps Kurs ab, das zeigen auch Umfragen.» Blöd auch, dass eben diese Wählerschaft Trump zum Präsidenten gewählt hat. Was mal wieder beweist: wer nicht auf Burghardt hört, ist blöd – und selber schuld.

Es ist auch wieder zum Mäusemelken: «Aber Trumps Riege hätte einlenken müssen, nicht das Lager seiner Gegner.» Lang lebe der Wunsch-Konjunktiv.

Vergeblich warnt und mahnt die Unke aus München mal wieder: «Dieser Mann mit seinen Kryptodeals und Milliardärsfreunden darf dieses Land nicht kaputtsparen. Doch acht Abweichler haben Trumps Eigensinn abgenickt

Nur Hohn und bitteren Spott hat er für die acht Demokraten, die für einen Zwischenhaushalt für die nächsten Monate stimmten; ihr Argument, «es habe halt nicht funktioniert, ist eine Bankrotterklärung und wird die Partei teuer zu stehen kommen».

Meine Güte, Trump will, aber darf das Land nicht kaputtsparen. Demokraten erklären schon mal Bankrott. Dann lässt Burghardt die Katze aus dem Sack, bzw. gesteht seine Tagträumerei:

«Erstmals seit Monaten hatte man in den vergangenen Tagen den Eindruck, als wackle Trump etwas, als hätten die Demokraten ein Thema, vorneweg Trumps Wirtschaftschaos. Dieses Momentum wurde am Sonntag kaputt gemacht.»

«Man», schreibt er, sich meint er. Für diese Abweichler hat er nur Verachtung übrig: «Der Präsident kommt wieder durch, weil acht demokratisch/unabhängige Senatoren lieber seinen Wünschen nachgeben, als Haltung zu zeigen. Kurzfristig hilft das den USA, langfristig wird es für viele Menschen teuer, auch für die Demokraten.»

Wird es für viele Menschen teuer, wenn Demokraten Bankrott erklären und der Präsident kaputtspart? Das Schöne an Langfristprognosen ist dagegen: sie müssen gar nicht eintreffen, denn sie sind doch langfristig. So im Sinne: spätestens vor der nächsten Eiszeit.

Es ist wie bei der BBC. Dass Burghardt kein grosser Diagnostiker oder Analytiker vor dem Herrn ist, ist sein Problem. Dass die Realität nicht so will, wie er es gerne hätte, ist deren Problem. Dass niemand auf seine ungebetenen Ratschläge hört, ist das Problem Trumps und von US-Parlamentarieren.

Dass aber weder bei der «Süddeutschen Zeitung» noch bei Tamedia jemand verhindert, dass ein solcher Stuss publiziert wird, ist das Versagen aller Kontrollmechanismen.

Dass die damit gequälten Leser scharenweise die Flucht ergreifen, ist allerdings nicht deren Problem, sondern deren Lösung. Ein klares Nein zu Masochismus und Geldverschwendung.

Himmel, der Pimmel

Die Erektionskurve bleibt hoch. Obwohl es völlig gaga ist.

ZACKBUM-Redaktor René Zeyer gesteht, dass er mehr als zwei Frauen kennt. Mehr als zwei Frauen, die von Alter und Äusserem her männliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Im erweiterten weiblichen Bekanntenkreis, dem auch durchaus jüngere Damen angehören, machte ZACKBUM daher eine Umfrage.

Schlaffes Resultat: niemand. Keine. Nicht mal verlangt. Was?

Nun, das, was der ehemalige Stadtammann von Baden aus seinen Amtsräumen zu verschicken pflegte. Genau, ein Dickpic. Für weibliche (und auch männliche) Leser, die noch nie davon gehört haben: damit bezeichnet man die unerwünschte Zusendung des eigenen erregten (oder vielleicht sich auch in Ruhestellung befindlichen) Penis an ein weibliches Wesen.

Wie es diesbezüglich bei der LGBTIQA+-Community steht, ist leider nur ungenügend untersucht. Ebenso wenig wie die Frage, wie viele Männer schon unaufgefordert, aber lassen wir das.

Für einmal ist, das muss lobend erwähnt werden, der Titel des Tagi, der diesen Nonsens von der SZ übernommen hat, besser als das Original: «Form von sexualisierter Gewalt: «Das Dickpic funktioniert als Macht­demonstration – oder auch als Drohung»»

Da erregt sich Kerstin Lottriz nämlich: «Plötzlich ploppt ein Bild am Handy-Bildschirm auf. Ein nackter Penis. Fast jede zweite Frau im Alter von 16 bis 24 Jahren hat schon mindestens einmal ungefragt ein Nacktfoto erhalten.»

Die Redaktorin der Süddeutschen «plant als Chefin vom Dienst die aktuellen Themen im Bereich Kriminalität, Katastrophen, Kurioses und Promi-Klatsch für das Internet sowie die gedruckte und digitale Zeitung». Aber das ist ja auch keine Entschuldigung.

Immerhin, der Erkenntnis, dass das Dickpic «kein Austausch auf Augenhöhe» sei, der kann ZACKBUM noch zustimmen. Ausser, aber lassen wir diese Männerfantasie aussen vor.

Zu diesem ewig rezyklierbaren Thema interviewt Lottriz die Psychologin Sarah Koldehoff. Wer? Also bitte, die Autorin des neusten Buchs zum ewigen Aufregerthema mit dem eingängigen Titel «Dick Pics».

Dabei spricht die Psychologin harte Wahrheiten knallhart aus: «Relativ wenige Männer geben an, dass sie die Bilder aus bewusster Misogynie verschicken, ungefähr jeder Sechste. Der Grossteil gibt bei der Frage nach der Motivation an, dass sie etwas zurückbekommen wollten oder es sie erregt habe.»

Es mag nun durchaus männliche Geschlechtsgenossen geben, für die man sich schämen muss und die wie Geri Müller weiland tatsächlich Fotos des eigenen Gemächts verschicken und meinen, dass das bei der Empfängerin Lustgefühle auslöse.

Auf der anderen Seite: das sei schon fast jeder zweiten Frau im dafür empfänglichen Alter widerfahren?

Nun ist die ZACKBUM-Umfrage keinesfalls repräsentativ, auch wenn die Erweiterung der Frage, ob die Befragte vielleicht eine kenne, die eine kenne, die schon mal so ein Pimmelbild ungefragt bekommen habe, immer noch auf ein schlappes Nein stiess.

Also entweder muss sich ZACKBUM Gedanken über die Art seines weiblichen Bekanntenkreises machen – oder diese Behauptung ist blanker Unsinn. Auf der Ebene, dass der unkommentierte oder unverhüllte Anblick eines Mohrenkopfs (von seinem Verzehr ganz zu schweigen) Gefühle der Diskriminierung, des Rassismus oder des allgemeinen Unwohlseins auslösen könnte.

Leider ist ebenfalls nicht untersucht, was das Versenden (gefragt oder ungefragt) eines Dubler-Mohrenkopfs beim Empfangenden (wir wollen doch mal woke korrekt bleiben) auslöst.

Gibt es denn irgendwelche verlässlichen Untersuchungen, Umfragen oder was auch immer, die diese immer wieder kolportierte Behauptung stützen? Selbst eine auf Hochtouren arbeitende KI findet nicht mehr als eine englische Umfrage von 2018, bei der 41 Prozent der 2121 befragten Frauen behaupteten, sie hätten mindestens einmal und unaufgefordert ein Penisbild erhalten.

Und sonst? Nix, null, nada. Ausser einer unscharfen Schwemme von Umfragen über sogenannten «image-based sexual abuse», der aber alle Formen, beispielsweise auch das Weiterleiten von erhaltenen Nacktfotos, enthält. Hier ergab eine internationale Studie mit immerhin 16’000 Teilnehmern aus zehn Ländern, dass 22,6 Prozent damit Erfahrungen gemacht hätten. Wohlgemerkt mit irgend einer der vielen Formen.

Wodurch man zur Schlussfolgerung gelangen muss – auch wenn man sich dem Vorwurf aussetzt, ein alter, weisser Cis-Mann, Sexist und Sonst-noch-Was zu sein –, dass diese Behauptung kompletter Schwachsinn ist, auf dem sich aber immer wieder Autorinnen und Journalistinnen und Berufsopfer ihr Süppchen kochen.

Kommentar-Krätze

Kommentare sind Symptome einer Krankheit.

Kommentare unter Artikeln sind meistens wie die Krätze. Unangenehm, ansteckend (ein Kommentator kommentiert den nächsten, der Inhalt des kommentierten Artikels wird nebensächlich), aber eigentlich harmlos.

Auch wenn es beunruhigend ist, wie viel gestörte und kranke Menschen ohne Therapie vor sich hinvegetieren.

Aber die Pest sind die eigentlichen Kommentare in den Massenmedien. Hier nützen frustrierte Journalisten, die noch nicht weggespart wurden, ein Privileg aus, das sie sonst nicht haben. Sie können so lange sie wollen, worüber sie wollen und so unsicher-arrogant wie sie wollen salbadern.

Ohne sich ihrer Lächerlichkeit bewusst zu sein, weil doch wirklich niemand einen feuchten Furz auf ihre Meinung gibt. Dabei ist ihr Leiden einfach zu diagnostizieren: zunehmende Bedeutungslosigkeit. Einerseits wegen abnehmender Reichweite und Einschaltquote. Andererseits wegen abnehmender intellektueller und schreiberischer Potenz. Trotz eifriger Verwendung des Viagras AI als Krähwinkelsteigerung.

«Alles Taktik: Trump steht offen zu seinen Untaten», meint Detlef Esslinger. «Wenn die Europäer diesmal einknicken, sind sie verloren», meint Daniel Brössler. «Der Ukraine droht in Alaska die Unterwerfung», meint Florian Hassel.

Dass alle drei eigentlich in der «Süddeutschen Zeitung» meinen und bei Tamedia nur Mietmeinungen sind, spielt allerdings keine Rolle. Weder dort noch hier kümmert sich jemand um ihre Meinungen. Ausser sie selbst natürlich, die mit stolzgeschwellter Brust herumstolzieren und meinen, verhindert zu haben, dass Trump seine Untaten verbergen könnte, Europa verloren ginge oder die Ukraine in Alaska unterworfen würde.

Natürlich fragt und meint auch die NZZ: «Die Welt hofft auf Amerikas Richter: Stoppen sie Trumps Zölle?» Ob die Welt um diese, ihre Hoffnung weiss? Jürg Meier, ein gestählter Schreibtischunternehmer, steht der Schweizer Wirtschaft bei: «Trumps Zölle haben die gute alte Welt für Schweizer Firmen zerstört: Was es jetzt braucht, um zu überleben». Werden sie auf ihn hören – und nur so überleben?

Wunderbar auch dieser Einerseits-andererseits-aber-dann-doch-Nicht-Kommentar: «Russland und China könnten theoretisch gemeinsam gegen den Westen vorgehen – aber Putin ist zu schwach und kann daran kein Interesse haben». So rein praktisch gesehen.

Auch der «Blick» weiss einiges besser: «Fünf Gründe, wieso Alaska keinen Frieden bringen wird», oder meint er bloss? Auf jeden Fall kostenpflichtig, Gratis ist hingegen die Frage: «Wo war eigentlich Aussenminister Cassis?» Sachdienliche Hinweise an den nächsten Polizeiposten. Eher nervig sind zwei ziemlich blöde Meinungen: «Ich nehme das Wetter persönlich», und «weniger Plastik ist besser», das ist von der fliegenden Nicht-Fliegerin Aline Trede.

Und was meint es so bei CH Media? «Ein Handystopp für Primarschüler – die Eltern sind gefragt». Mit dieser Meinung kann Stefan Schmid nicht falschliegen. Die Meinung im Zeichen des Sommerlochs: «Brot und Spiele, das ewige Sterben und das Zen des Gamens». Tja, wenn das wechselhafte Wetter ausgelutscht ist, bleibt nicht mehr viel, gell, Sascha Erni. Und noch eine pädagogisch wertvolle Meinung: «Lehrerinnen und Lehrer brauchen Freiheiten, nicht mehr Vorgaben

Es wird gemeint, geraten, gefragt, gewarnt, gemahnt und gefordert. Es werden schreckliche Konsequenzen an die Wand gemalt, sollte nicht auf den Kommentator gehört werden.

Nur: Interessieren heute noch diese zwei Wochen alten Meinungen? Wetten, dass selbst der Kommentator sie schon längst vergessen hat?

Wenn wünschen wirken würde

Peter Burghardt schreibt sich mal wieder die Welt zurecht.

Es ist sicherlich frustrierend, wenn der US-Präsident nicht so regiert, wie er es der Meinung eines Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung» nach tun sollte.

Es ist echt blöd, wenn die blöden US-Wähler ihn demokratisch zum zweiten Mal ins Amt gehievt haben («So stirbt die Demokratie»). Vergeblich hat Burghardt die ganzen Vorwahlen und die ganzen Wahlen lang dagegen angeschrieben.

Niemand hört auf ihn, aber die Leser der SZ und somit des Hauses der Qualitätsmedien Tamedia müssen ihn lesen. Und erst noch dafür zahlen, dass da jemand seinem Unwohlsein Ausdruck verleiht.

Allerdings schafft es die kompetente Auslandredaktion des Kopfblattsalats von der Werdstrasse, noch einen draufzusetzen.

«Vielleicht hat Trump mit der „Big Beautiful Bill“ einen entscheidenden Fehler gemacht», lautet der Originaltitel in der SZ. Daraus macht der Tagi: ««Big Beautiful Bill»: Vielleicht hat Trump einen entscheidenden Fehler gemacht». Das nennt man Redigierkunst at its best.

Es wird aber im SMD-Tagi etwas abtemperiert: «Vielleicht hat Trump mit dem Haushaltsgesetz den Bogen überspannt».

Allerdings gibt der Tagi im Lead dann etwas mehr Gas. Original: «Im Moment sieht es so aus, als sei der Präsident durch nichts und niemanden aufzuhalten. Das könnte sich ändern, wenn Millionen Amerikaner die Folgen seines jüngsten Gesetzes zu spüren bekommen.»

Kopie: «Der Präsident fährt einen harten Kurs – gut möglich, dass ihm das Volk bald die Gefolgschaft verweigert.»

Vielleicht, gut möglich, die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich die Wirklichkeit endlich eines Besseren besinnt und den Wünschen hart geprüfter Journalisten gehorcht. Denn verflixt und zugenäht, es kann doch nicht sein, dass sie sich hartnäckig weigert, den Ordnungsrufen des «Spiegel» («Trump wegschreiben»), aus München und aus Zürich zu folgen.

Denn herrje, jammert Burghardt: «In der zweiten Amtszeit dieses Mannes scheint nur noch einer zu bestimmen: er.» Im Gegensatz zu allen früheren Präsidenten, die ihre Entscheidungen immer im Kollektiv unter Berücksichtigung von Zwischenrufen aus Deutschland und der Schweiz fällten.

Denn es ist unglaublich, was Trump alles kann:

«Er kann nach Belieben Strafzölle erlassen und kassieren, über Nacht Irans Atomanlagen bombardieren lassen und Teheran vorübergehend ruhigstellen. Er kann maskierten Männern erlauben, irgendwie verdächtige Immigranten festzunehmen, manche von ihnen landen in Floridas Sumpf, El Salvador oder Ostafrika.»

Dass die «irgendwie verdächtigen Immigranten» meistens illegal in den USA leben und die Massenimmigration eines der gröberen Probleme darstellt, weswegen Trump nicht zuletzt gewählt wurde – das versinkt im Sumpf der unbelehrbaren eigenen Meinung.

Immerhin – ein Hoffnungsschimmer – muss Burghardt einräumen: «Viele Leute haben ihn allerdings genau deshalb gewählt. Sie wollten, dass er anders als der aus ihrer Sicht schwache Joe Biden sein Programm knallhart durchzieht. Das tut er, muss man ihm lassen.»

Aber der verdunkelt sich schnell wieder: «Für Wirtschaft und Gesellschaft kann der Alleingang übel ausgehen. Doch Trump zieht seine Solonummer durch, vorläufig hält ihn niemand auf.»

Nicht mal Burghardt, und das nimmt er persönlich sehr übel.

So ganz sattelfest bei politischen Begriffen sind aber weder er noch die eigentlich arbeitslose Auslandredaktion an der Werdstrasse. So heisst es am Schluss des Kommentars in der SZ: «Korrekturhinweis: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurden die Zwischenwahlen als Primaries bezeichnet. Es handelt sich aber um die Midterms. Wir haben den Fehler korrigiert.»

Das hat sich allerdings nicht bis nach Zürich durchgesprochen: «Die führungslosen Demokraten hoffen auf die Zwischenwahlen 2026. Diese Primaries könnten die Republikaner viele Sitze kosten».

Meine Güte. In seinem Furor hat Burghardt nicht mal die Begrifflichkeit im Griff. Immerhin wird das in München korrigiert. Aber im Glashaus an der Werdstrasse wurde wahrscheinlich aus Gründen des Umweltschutzes die Klimaanlage ausgeschaltet, und es ist viel zu heiss, um zu arbeiten.

Für einen solchen Schrott aber eiskalt Geld zu verlangen, das lässt sich nur mit einem Hitzschlag erklären.