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Spieglein an der Wand

Hat das Nachrichtenmagazin immer noch ein Kontrollproblem?

Man greift sich an den Kopf. Im August hatte der «Spiegel» seinen Lesern die erschütternde Geschichte erzählt, dass auf einer Insel im Grenzfluss zwischen Griechenland und der Türkei ein 5-jähriges syrisches Flüchtlingsmädchen an einem Skorpionstich gestorben sei. Hätten die griechischen Behörden nicht jede Hilfe verweigert, hätte es gerettet werden können.

«Todesfalle EU-Grenze», so lautet der anklagende Titel. Nur: Wie die NZZ wiederholt berichtet, gibt es erhebliche Zweifel an dem Wahrheitsgehalt. Und diverse Indizien dafür. Also hat das Magazin diese und drei weitere Storys des Autors vom Netz genommen und will sie eingehend überprüfen.

Das bedeutet nicht, dass das Hamburger Magazin schon wieder mit einem Fall Relotius konfrontiert ist. Es bedeutet aber, dass der berühmte Faktencheck immer noch nicht wirklich und überall funktioniert. Sonst wären schnell Belege zur Hand gewesen, mit denen das Nachrichtenmagazin jegliche Zweifel an der Story hätte ausräumen können. Was es aber nicht kann.

So resümiert die NZZ die Folgen des Relotius-Skandals: «Nach der Enttarnung bemühte man sich bei «Spiegel» zwar, Strukturen zu schaffen, die einen notorischen Lügner wie Relotius künftig unmöglich machen sollten. Das weltanschauliche Umfeld, das ihn erst ermöglichte, blieb so aber unausgeleuchtet. Das könnte sich jetzt rächen.»