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Yachten, Villen, Sportwagen

Sollen arme Milliardäre mit Steuergeldern unterstützt werden?

Nehmen wir an, vier Fabriken stellen Dampflokomotiven her. Das sei eine bewährte Technologie, inzwischen auch sehr umweltfreundlich und fast abgasfrei.

Zudem sei die Herstellung von Dampflokomotiven systemrelevant, denn nur mit ihnen könne der nötige Transport von Gütern und Menschen sichergestellt werden. Unverständlicherweise sei es aber so, dass es mit dem Verkauf von Dampfloks immer mehr hapert. Es drängen Mitbewerber auf den Markt, die so neumodisches Zeugs wie Elektroloks, wasserstoffbetriebene Busse oder gar Drohnen anbieten.

Aber nur Dampfloks garantieren die notwenigen Transporte, darauf bestehen die Hersteller. Zudem bestehe die Gefahr, dass viel billigere Triebwagen aus dem Ausland auf den Schweizer Markt drängen könnten; vor allem aus den USA und aus China. Das gefährde das einzige Zusatzgeschäft, das den Dampflokherstellern eingefallen ist.

Sie betreiben nämlich neben dem Kerngeschäft viele Handelsplattformen und basteln ganze Verwertungsketten mit Produzenten zusammen. Aber diese Geschäfte drohen auch obsolet zu werden, weil Giganten wie Amazon, Facebook und Google den Markt aufrollen. Bevor die vom Übergiganten Alibaba aufgerollt werden.

Verlegerclan-Traum.

Den wohlbezahlten Managern der Dampflok-Remisen sind in den Jahren seit Bestehen des Internets eigentlich nur zwei Massnahmen eingefallen, um den Auswirkungen einer neuen Technologie zu begegnen. Sparen, bis es quietscht, aber eine skelettierte Dampflok weiterhin zu Preisen verkaufen, als wäre es eine vollständig ausgestattete Maschine wie in früheren Zeiten.

Staatlich subventionierte Unfähigkeit

Und jammern. Jammern in allen Tonlagen und Tonhöhen. Sie seien unverzichtbar, ohne Dampfloks gehe der Schweiz der Dampf aus, Dampfloks seien notwendig für die Demokratie, die Gesellschaft, den Zusammenhalt, die Kontrolle.

Zudem könne man doch nichts dafür, dass das Internet so plötzlich und unerwartet und eigentlich erst vorgestern aus dem Gebüsch gesprungen sei. Damit seien für sicher geglaubte Einnahmen abgeschwirrt, auf Nimmerwiedersehen. Dann noch Corona mit all den Lockdowns und Unsicherheiten, damit sei dann eine lebensbedrohende Krise ausgebrochen.

Völlig klar und logisch, dass hier der Staat einspringen muss. Also genauer der Steuerzahler. Denn die vier grossen Verlagshäuser der Schweiz nagen bereits am Hungertuch. Ihre Besitzer machen sich ernsthafte Sorgen, wie sie den Unterhalt von Yachten, Villen, Feriendomizilen, Wagenparks, ihre Kunstsammlungen, Hobbys und Weltreisen weiter finanzieren können.

Alleine der Unterhalt …

Gerüchteweise hört man, dass die Familien Ringier, Coninx-Supino, Wanner und Hersant, also die grossen Verlegerclans, an eine Demo denken. Sie lassen sich bereits bei Gucci und Versace Lumpenkleider nähen, haben Emissäre zu Flohmärkten ausgesandt, um möglichst abgetragene Turnschuhe und zerfranste Käppis zu kaufen, um das Outfit zu vervollständigen. So wollen sie dann auf dem Bundesplatz zu Bern in bester Tradition der Klimajugend ein Sit-in veranstalten. Erst spätnachts, wenn die hauseigenen und die wenigen fremden Medien verschwunden sind, wird das Catering mit Kaviar, Krug und weiteren Köstlichkeiten aufgefahren werden.

Noch mehr Geld für obsolete Geschäftsmodelle

Die Verlegerclans sind sich ziemlich sicher, dass sie die Öffentlichkeit weiterhin für dumm verkaufen können. Denn sie bringen zusammen ein Privatvermögen von rund 4 Milliarden Franken auf die Waage. Alleine die vier grossen Verlage haben im Jahr 2020, trotz Corona und furchtbar, einen operativen Gewinn von über einer Viertelmilliarde erwirtschaftet.

Keiner der jammernden Manager oder Besitzer wäre auch nur im Traum auf die Idee gekommen, aus dem eigenen Sack mal etwas draufzulegen, um weitere Sparmassnahmen, Zusammenlegungen, Entlassungen, Zusammenstreichungen zu verhindern.

Zudem ist es ihnen gelungen, das «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» schlank durchs Parlament zu bugsieren. Knapp 130 Millionen zusätzliche Staatsknete, Steuergelder. Zusammen mit weiteren Subventionen, reduziertem MWST-Satz usw. kassieren die Medienhäuser satte 400 Millionen Franken im Jahr.

Damit sie ihr obsoletes Geschäftsmodell weiterführen können und den Eintritt von Mitbewerbern möglichst verhindern. Denn der Löwenanteil dieser 400 Millionen fliesst in die Kassen der vier grossen Verlegerclans der Schweiz; neue Gratisangebote gehen leer aus.

Wer zahlt, soll wenigstens abstimmen dürfen

Das kann doch alles nicht sein, meint das Referendumskomitee «Staatsmedien nein» und sammelt fleissig Unterschriften dafür, dass die Steuerzahler wenigstens darüber abstimmen können, ob sie mit dieser Subvention mit allen schädlichen Folgen einverstanden sind oder nicht.

Bislang strafen die Verlegerclans das Unterfangen mit finsterem Schweigen. Sobald die 50’000 Unterschriften zusammen sind, was bis 1. Oktober der Fall sein wird, geht’s dann los dem der Gegenwehr. Da wird dann vollmundig von Vierter Gewalt, Systemrelevanz, unabdingbar für das Funktionieren der Demokratie usw. getönt werden.

Wer hat die Längste?

Als ob es für die Demokratie oder Gesellschaft unabdingbar wäre, dass die reichen Verlegerclans mit ihren Bentleys, Aston Martins, Rolls-Royces oder Jaguars von der Villa zur Yacht und zurück fahren können.

Und Managerhorden unterhalten, denen seit 25 Jahren zu einer inzwischen nicht mehr so neuen Technologie nichts anderes einfällt als: ist nicht schön, dass Google und Facebook 90 Prozent des Online-Marktes abräumen; finden wir gar nicht gut.

 

Aufatmen bei Tamedia: Abgang Blumer

Eine weitere Mitunterzeichnerin des Tamedia-Protestschreibens geht. Aber nicht weit. Leider.

Claudia Blumer hat einen der Tiefpunkte des Journalismus im Hause Tamedia zu verantworten. In einer völlig einseitigen, sich nur auf die Aussagen eines Beteiligten abstützenden Reportage nahm sie Partei in einem hochemotional geführten Trennungsstreit.

Daraus entstand ein Artikel, der in jeder Journalistenausbildung als Paradebeispiel verwendet werden kann. Es ist alles drin, was man nicht machen darf, wenn man seriös und nach den Regeln der Zunft arbeiten will.

ZACKBUM hat den ganzen Skandal aufgearbeitet. Reaktion aller Beteiligten (die im Gegensatz zur Methode Blumer Gelegenheit zur Stellungnahme bekamen): null. Ausser ein so ausführliches wie lachhaftes Schreiben der Rechtsabteilung von Tamedia, das die Korrektur von Dutzenden von Details forderte. Völlig unsubstantiiert und ohne Belege; daher unterblieb es natürlich. Weitere Reaktion des Hauses: null.

Wer sich mit Reichen und Mächtigen anlegt …

Nun ist es nicht so, dass jemand wie Blumer, obwohl sie die Unterstützung und Zuneigung des Patriarchen des Bindella-Clans hinter sich weiss, ohne jegliche Folgen dermassen unanständig, unprofessionell und schändlich falschberichten dürfte. Die Betroffene versuchte zuerst, innerhalb von Tamedia eine dringend nötige Richtigstellung zu erreichen.

Sie wurde zum Ombudsmann verwiesen, der dann seines Amtes waltete. Als Ombudsmann von Tamedia, nicht der Leser oder von der Berichterstattung Betroffenen. Er sah in dem nachgewiesenermassen faktisch falschen, einseitigen, unprofessionellen Bericht Blumers kein Problem.

Inzwischen wurde Blumer in allen Ehren beim Tagi verabschiedet. Ihr letzter Kommentar, wie passend, dreht sich um die Erschwerung der kritischen Berichterstattung durch den Ständerat. Der will die Hürde niedrigerlegen, wie das Erscheinen eines belegt einen Skandal aufdeckenden Artikels verhindert werden kann. Blumer vermutet, dass die «chambre de réflexion» die Gelegenheit beim Schopf ergriffen habe, «den Journalisten eins auszuwischen».

Wie gut, dass Blumer bei «20 Minuten» weder Reportagen noch Kommentare schreiben darf. Denn auch in ihrem letzten Stück liegt sie völlig falsch. Es ging nicht darum, dass das Stöckli den Journalisten eins auswischen wollte. Sondern darum, Mächtigen und Reichen besseren Schutz vor unbotmässiger Kritik zu verschaffen. Also zum Beispiel eine Recherche über die Anstellungsbedingungen im Bindella-Imperium.

Aber item, solche peinlichen Kommentare fallen weg. Schnell war Blumer  –Mitunterzeichnerin des Protestschreibens – als Untersuchungsrichterin ein- und dann wieder abgesetzt worden. Zur «Ansprechperson» degradiert und nun zu «20 Minuten» abgeschoben, wo sich keine einzige Frau über angeblich sexistisch-diskriminierende Arbeitsbedingungen beschwerte. Blumer eigentlich auch nicht, sie selbst habe nie so etwas erlebt, gestand sie in Roger Schawinskis «Doppelpunkt», sie habe aus Solidarität unterzeichnet. Weil es doch nicht ginge, so mit Menschen umzugehen. Den Talkmaster hingegen als «ausgedienten Pitbull» zu beschimpfen, wie es Blumer bei Gelegenheit tat, das geht.

Alle Versuche zur gütlichen Einigung scheiterten

Als Restanz ihres unseligen Wirkens bleibt noch der Schandartikel. Nachdem alle Versuche scheiterten, zu einer gütlichen Lösung mit Tamedia zu kommen, wurde gegen Blumer Strafanzeige gestellt.

Wegen «Verleumdung, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses, Anstiftung zur Verletzung des Berufsgeheimnisses etc.». Die Schaffhauser Staatsanwaltschaft will nun das tun, was Blumer bei ihren Recherchen unterlässt. Nämlich ihr Gelegenheit geben, zu diesen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Das äussert sich in Form einer Vorladung zu einer Einvernahme.

Der Termin wird gesetzt, schriftlich mitgeteilt, und es wird selbstverständlich erwartet, dass die Vorladung befolgt wird; persönliches Erscheinen ist verlangt. Also warteten am 31. Mai 2021 die untersuchende Staatsanwältin, ein Gerichtsschreiber, die Anzeigeerstatterin mitsamt Anwalt plus der Anwalt einer weiteren in das Verfahren involvierten Person. Und warteten und warteten und warteten.

Bis sie einsahen, dass Blumer unentschuldigt fernblieb. Das ist nicht nur eine Respektlosigkeit, sondern hat auch Sanktionen zur Folge. Aber offenbar fühlt sich Blumer über solche Bemühungen der Staatsgewalt erhaben. Eine Busse zahlt sie problemlos aus dem Gucci- oder Dior- oder Versace-Handtäschlein.

Das hat einen kurzfristig anberaumten zweiten Versuch zur Folge; der wurde auf den 21. Juni terminiert; mit zwei Wochen Vorlauf wäre genügend Zeit, sich darauf einzurichten. Nachdem Blumer die Nummer mit unentschuldigter Absenz schon gebracht hatte, meldete sich diesmal ihr Anwalt; leider sei er zu diesem Zeitpunkt unabkömmlich, Bitte um Verschiebung.

Die wurde ihm unverständlicherweise gewährt, der nächste Versuch ist auf den 29. Juni angesetzt. Wohlgemerkt, die Strafanzeige wurde im August 2019 eingereicht; seit Ende April 2021 versucht die Staatsanwaltschaft, Blumer zu einer Aussage zu bewegen. Bislang vergeblich.

Vorführen in Handschellen nötig?

Normalerweise wird bei unhöflichem Schwänzen einer Vorladung beim nächsten Versuch angedroht, dass ein neuerliches Nichterscheinen mit polizeilicher Vorführung beantwortet würde. Also zwei Polizisten stehen parat, um im Fall des «pfeif drauf» der angeschuldigten Person klarzumachen, dass man sich nicht so um Anordnungen von Justizorganen fouttieren darf.

Auch auf diese Androhung verzichtete die Staatsanwaltschaft Schaffhausen. Ob diese unverständliche Milde damit zu tun hat, dass der Tamedia-Konzern ein wenig seine Muskeln spielen liess? Man weiss es nicht. Wird am 29. Juni tatsächlich nach fast zwei Jahren die erste Einvernahme von Blumer stattfinden? Man weiss es auch nicht. Man könnte sie fragen? Richtig, aber da sie noch nie geruhte, auf unsere Anfragen oder Bitten um Stellungnahme zu reagieren, lassen wir’s.

Was man weiss: das ist reine Arroganz des Hauses Tamedia, der fortgesetzte Versuch, diesen Medienskandal am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. In der Hoffnung, dass die durch Blumers Machwerk beschädigte Person dann schon mal aufgibt.

Blumer schreibt in ihrem (hoffentlich) letzten Kommentar:

«Wenn jemand durch einen Zeitungsartikel in seiner Persönlichkeit verletzt wird, kann er dagegen ans Gericht gelangen. Doch manchmal ist es schon zu spät, der Schaden ist angerichtet und nicht wiedergutzumachen.»

Das ist – angesichts ihres eigenen Verhaltens – der Gipfel des Hohns und der Heuchelei.

 

Wem gehört die «SonntagsZeitung»?

Einer AG mit schlappen 100’000 Franken Stammkapital.

Lange Jahre war es einfach und klar. Der «Tages-Anzeiger» und dann auch mal die «SonntagsZeitung» wird vom Verlag «Tages-Anzeiger» herausgegeben, und der gehört der Familie Coninx.

Dann kamen die schnellen, neuen Zeiten, und die Namen wechselten schneller als eine rotierende Druckmaschine. Zunächst wurde es Tamedia, denn das Haus hatte sich teure Flops und Einkäufe im Bereich elektronische Medien, also Privat-TV und Privat-Radio, geleistet.

Dann kamen auch artfremde Handelsplattformen im Internet dazu, das hatte auch Auswirkungen auf den Namen; man probierte es mit einem kurzen «T». Verstand zwar keiner, aber hat sicherlich auch was gekostet.

Eine schmalbrüstige AG

Aber das Bessere ist der Feind des Guten, daher wurde das «T» durch «TX» ersetzt. Kostete sicher auch ein Gewehr, und das X als Kürzel für alles, was modern und digital daherkommen will, das hat schon einen ganz, ganz langen Bart.

Aber damit nicht genug, heutzutage muss man sich natürlich breit und verschachtelt aufstellen. Auch das gibt es nicht umsonst, aber dafür heisst seit letztem Herbst der Herausgeber der «SonntagsZeitung» etwas länglich «Tamedia Publikationen Deutschschweiz AG».

Diese AG verfügt bloss über das gesetzliche Mindestkapital von liberierten Fr. 100’000. Aber keine Angst, in sie übergeführt werden die ebenfalls 100 Namensaktien der «Basler Zeitung», zu einem Preis von rund 30 Millionen, ebenfalls die Aktien der Espace Bern AG für rund 279 Millionen.

Damit beherrscht die schmalbrüstige Tamedia AG also den Teil der Deutschschweizer Medien, der nicht zu CH Media gehört. Präsidiert wird die AG vom Big Boss des Konzerns, Pietro Supino. Verwaltungsrat ist seit März Pascale Bruderer, die frühere SP-Nationalrätin und Vorzeige-Genossin. «Das minimale Aktienkapital von CHF 100’000 macht nur einen Teil des Eigenkapitals der Tamedia Publikationen Deutschschweiz AG aus», sagt die Kommunikationsverantwortliche Tamedia.

Ebenfalls im März 2020 versicherte man sich zudem des geballten Wissens von Pierre Lamunière sowie der beiden Deutschen Mathias Müller von Blumencron und Konstantin Richter. Lamunière gehörte die Westschweizer Edipresse. Müller ist nach einer eher selten von Erfolg gekrönten Karriere, so wurde er beim «Spiegel» gefeuert und auch bei der FAZ war er nicht lange an Bord, beim Berliner «Tagesspiegel» untergekommen.

Beide «besitzen beide eine fundierte publizistische Expertise, die sie in den Verwaltungsrat von Tamedia einbringen und die von grossem Mehrwert für das Unternehmen ist», lobt dagegen die Medienstelle von Tamedia auf Anfrage.

Weniger als die nächste Schlagzeile

Das wäre eigentlich ein interessanter Fall für das «Recherchedesk» oder für die Wirtschaftsredaktion im Hause. Was sind die Gründe für diese Konstruktion? Wieso übernimmt eine Klitsche mit lediglich dem obligatorischen Kapital Sachwerte von stolzen 309 Millionen Franken? Wie kann es sein, dass der Oberchefredaktor Rutishauser auch noch Zeichnungsberechtigter ist? Und was qualifiziert Bruderer für den Einsitz im VR? Und wieso existiert «Sonntagszeitung» nur noch als eingetragene Marke?

Im Internet läuft das unter dem Slogan: «Tamedia. Mehr als die nächste Schlagzeile.» Aber soweit geht dann die Transparenz in eigener Sache doch nicht. Allerdings: Wer selbst im Glasholzhaus sitzt, sollte vielleicht nicht mit Steinen werfen.

Sparzwang bei Tamedia

TX will um 70 Millionen abspecken.

«Mehr als die nächste Schlagzeile», mit diesem eher unverständlichen Spruch präsentiert sich Tamedia und behauptet, man gestalte «die Themen und Debatten des Landes mit».

Schliesslich habe man «das stärkste Redaktionsnetzwerk der Schweiz». Nun, da werden in den nächsten drei Jahren die Maschen noch weiter gedehnt als ohnehin schon. Nach viel Managerblabla kommt die Geschäftsleitung endlich auf den Punkt: «Die dafür nötigen Massnahmen sollen in den nächsten Monaten mit den betroffenen Bereichen und unter Einbezug der Sozialpartner erarbeitet werden.»

Mehr als die nächste Schlagzeile ist in diesem Fall der nächste Kahlschlag. Wenig Hoffnung für innovative Lösungen gibt der Präsident und Verleger Pietro Supino. Sein Konzern hat im ersten Halbjahr 2020 rund 110 Millionen Miese gemacht.

Abschreiber auf überbewerteten Segmenten

Bemerkenswert: 85 Millionen umfasst ein Abschreiber auf «Goodwill». Damit bezeichnen Konzerne den sogenannten immateriellen Wert von Zukäufen. Oder auf Deutsch: Wir haben was viel zu teuer gekauft und lassen nun die Luft raus.

Das hätte es auch bei dem Wortballon gebraucht, mit dem Supino das magere Ergebnis seiner Tätigkeit beschreibt. Natürlich startete die «neu aufgestellte TX Group gut» ins Jahr 2020. Aber dann, oh je, «überschattete» die Corona-Krise alles. Also «Herausforderungen», «Strukturwandel», «unerwartete Krisensituation».

Muss man also verzagen? Aber nein, «hervorragende Marktposition», «solide Bilanz», «profitieren von Opportunitäten», «gestärkt hervorgehen», und der Klassiker darf auch nicht fehlen: «Krise als Chance verstehen».

Dramatischer Einbruch

Das EBIT der Untergruppe Tamedia ist um schlappe 133 Prozent abgesackt. Statt Gewinn vor Steuern und Abschreibungen hat es einen Verlust reingehagelt. Selbst beim Goldesel «20Minuten» sind die Zahlen dunkelrot.

Richtig ist, dass auch TX Group, der aus einem einsamen T entstandenen neuen Struktur des Verlagshauses, nichts einfällt, wie den einbrechenden Inserateeinnahmen begegnet werden könnte. Wie das Kaninchen vor der Schlange starrt das Management auf die Big Boys im Internet, auf Google, Facebook und Co. Die räumen im einzigen Wachstumsmarkt, dem Online-Marketing, sagenhafte 90 Prozent der Einnahmen ab.

Die verbleibenden Krümel greifen die Schweizer Medien ab. Was fiel dem hochbezahlten und hochwichtigen Management bislang dazu ein? Genau, wolkige Sprüche, ernste Mienen und – sparen, sparen, sparen. Bis es quietscht und kracht.

Mehr Geld für weniger Angebot

Wenn sich der zahlende Leser fragt, wieso er steigende Preise für zum Skelett abgemagerte Angebote akzeptieren soll, dann erschallt das Loblied auf Qualitätsjournalismus, Service public und unabdingbar nötige vierte Gewalt im Staate.

Das erinnert fatal an die Durchhalteparolen für den deutschen Landser im Zweiten Weltkrieg, als sich die Niederlage wieder einmal abzeichnete: Vorwärts, Kameraden, wir ziehen uns zurück.

Es gibt wohl keine andere Branche in der jüngeren Geschichte, deren Management einem technologisch getriebenen Strukturwandel dermassen lange dermassen hilflos und tatenlos zuschaute.

Dezimierte Indianer

Aber während die Indianer über die Klinge springen müssen, die Leser die papierdünnen Lügen durchschauen, dass Zentralredaktionen und Zusammenlegungen ganzer Ressorts keine Verschlechterung des Angebots seien, sondern eine Verbesserung, lassen es sich die Häuptlinge gut ergehen.

Denn im sogenannten Overhead, also den Führungsetagen, wird nicht mal der Champagner rationiert. Damit das mit dem Nachschub auch klappt, krähen die Verleger nun immer lauter nach Staatshilfe, Steuergeldern, vornehmer Subventionen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

In den Zeiten, als der Besitz einer Druckmaschine der Lizenz zum Gelddrucken gleichkam, verdiente sich der Coninx-Clan beim damaligen «Tages-Anzeiger» dick und dämlich. Stellenanzeiger, Wohnungsanzeiger, Konsuminserate, Autoimporteure, eine damalige Ausgabe wiegt problemlos eine ganze Woche Tagi in aktuellen Zeiten auf.

Weniger Angebot für mehr Geld, den Gürtel der anderen enger schnallen, sparen bis es quietscht, flehen nach Staatshilfe. Mehr fällt der Führungscrew von TX nicht ein. Das ist wirklich ärmlich.