Schlagwortarchiv für: Supino

Kleiner Lichtblick beim Tagi

Allerdings hat es auch Schattenseiten.

Aber zunächst das Positive: In den allgemeinen Jubel, die Durchhalteparolen und die Verdammung des russischen Angriffskrieg hinein wagt es Tamedia, die offenbar desolate Situation der ukrainischen Armee zu beschreiben. Nicht nur durch Feindeinwirkung.

«Am 16. Mai veröffentlichte Bataillonskommandant Schyrschyn, Codename Genie, einen explosiven Beitrag auf seiner Facebook-Seite. «Ich habe nie mehr idiotische Aufgaben bekommen als in der heutigen Anweisung … Der dumme Verlust an Leuten und das Zittern vor den dämlichen Generälen führt zu nichts als Fehlschlägen. Alles, was sie tun können, ist schimpfen, nachforschen und Strafen auferlegen. Sie können alle zur Hölle gehen. Die politischen Spiele und Einschätzungen der Dinge haben nichts mit der Realität oder den Möglichkeiten zu tun.»

Das sei keine Einzelstimme, weiss der Autor Florian Hassel. Die Gesamtlage sei kritisch, protestierende Stimmen mehren sich. Sieht nach einem starken Stück Recherchierjournalismus aus.

Es gibt aber auch jede Menge Negatives. Zunächst einmal fiel der Ukraine-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» schon mehrfach durch peinliche Meldungen auf. Dann ist er der Korrespondent der SZ, also besteht die Eigenleistung der Qualitätszeitungen aus dem Hause Supino aus einer runden Null.

Also nicht ganz, so lauteten Titel und Lead im Original in der SZ: ««Sie können alle zur Hölle gehen.» Immer mehr ukrainische Offiziere kritisieren Entscheidungen ihres Generalstabs. Gleichzeitig hat Russland die Taktik geändert – und bereitet eine neue Sommeroffensive vor.»

Daraus machte die kompetente Auslandredaktion von Tamedia: ««Dumme Verluste» und «dämliche Generäle»: Ukrainische Offiziere kritisieren die Armee­führung. Die Armee der Ukraine pfeife aus dem letzten Loch. Doch die katastrophale Situation werde geschönt, sagen Experten und Offiziere. Gleichzeitig bereitet Russland eine Sommeroffensive vor.»

Also Titel abgeschwächt, Lead sinnlos verlängert, die Taktikänderung gespült und gleich noch einen Kommentar reingepackt («pfeift aus dem letzten Loch»). Könnte in der Journalistenausbildung als Beispiel dienen, wie man es nicht machen sollte.

Dann schreibt Hassel auch dies: «Im Juni 2024 hatte Bohdan Krotewytsch, früher Stabschef der militärisch hoch angesehenen Asow-Brigade, auf X ähnlich festgestellt …» Vielleicht hätte er hinzufügen können, dass diese Brigade ein Haufen von Neofaschisten ist. Die USA hatten bis Mitte letztes Jahr jegliche Waffenlieferungen an sie verboten: «Das stand im Einklang mit dem sogenannten «Leahy-Gesetz», das die Ausbildung und Bewaffnung ausländischer militärischer Gruppen verbietet, die schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben», weiss das ZDF.

Diese Brigade stand lange unter der Führung einer Neonazigruppe, ihr gehören auch rechtsextreme Strassenkämpfer an, das Kennzeichen der Truppe hat eine entlarvende Ähnlichkeit mit einem Nazi-Symbol aus dem Zweiten Weltkrieg. Kein Wunder in einem Land, in dem der Kriegsverbrecher und Nazi-Helfer Stepan Bandera bis heute mit Denkmälern geehrt wird. Aber wenn sie halt «militärisch hoch angesehen» sein soll …

Erschwerend kommt weiter hinzu, dass Hassel einfach einen Zusammenschrieb von kritischen Meldungen über den Zustand der ukrainischen Armee abliefert. Die «New York Times», BBC, «Washington Post», Reuters und viele andere haben bereits über die anschwellende Kritik an der Militärführung und an inkompetenten Generälen berichtet. Allerdings auf Englisch.

Natürlich berichten auch ukrainische Medien, die allerdings im Ausland erscheinen. Denn in der Ukraine herrscht die gleiche Pressezensur wie in Russland.

Bei genauerer Betrachtung verdüstert sich also dieser Lichtblick, und der Artikel schrumpft auf das Niveau des normalen Elendsjournalismus. Der noch elendiglicher wird, wenn Tamedia ihn hinter der Bezahlschranke versteckt und von seinen Lesern auch noch Geld dafür will, dass sie per copy/paste ein Produkt aus München vorgesetzt bekommen.

In der Hoffnung: merkt doch keiner. Und woher die Weisheiten des Autors stammen, das weiss doch keiner.

Wie lange man wohl noch den zahlenden Tamedia-Leser für dumm verkaufen kann?

Elend in Zahlen

Kann man das Sumpfgebiet Journalismus ausmessen?

Schwierig, aber man kann’s versuchen. Indem man einfach gewisse Wörter in der Mediendatenbank sucht und ihre Häufigkeit feststellt. Nehmen wir als Beobachtungszeitraum ein Jahr.

Zunächst schauen wir mal auf den Bauchnabel. Das ist auch der Lieblingsblick der modernen Journaille. Nicht nur Ursina Haller, so viele, allzu viele Journalisten meinen, ihre Meinung sei dermassen rasend interessant, dass sie sie der Welt nicht vorenthalten können. Obwohl die Welt eine bessere wäre ohne. Oder auch nicht, aber auf jeden Fall ist es völlig überflüssig.

Dennoch kommen die beiden Formulierungen «meine Sicht» und «meine Meinung» in diesem Jahr insgesamt fast 90’000 mal vor. Natürlich können das auch Interviewpartner oder zitierte Protagonisten sagen. Also ziehen wir grosszügig zwei Drittel ab. Dann bleiben aber immer noch 30’000, also jeden Tag rund 80 mal.

Ganz in der Nähe liegt die Journalistenfloskel «wäre gut beraten». Diese Formulierung für einen Befehl hat sich aus dem Norden in die Schweiz geschlichen; natürlich verwenden die Schreiber der «Süddeutschen Zeitung» diese Sprachhülse gerne und häufig, wodurch es in Tamedia diffundiert. Über 1000 mal wurde das im letzten Jahr gebraucht.

Kommen wir gleich zum absoluten Kernbegriff im Journalismus, zum Wort «ich». Ganze 670’000 mal wurde das verwendet. Ziehen wir auch hier grosszügig zwei Drittel als Fremdgebrauch ab, bleiben dennoch rund 220’000 Ichs übrig. In seinem Schlepptau segelt das Wort «Befindlichkeit». Eigene oder fremde, 3268 mal wurde der Begriff gebraucht. Sicherlich meistens als Selbst-, nicht als Fremdbeschreibung.

Nun schauen wir mal, wie häufig in der Gesinngsblase gerne und zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verwendete Begriffe vorkommen. Spitzenreiter ist hier «Rassismus», fast 15’000 Verwendungen. Dicht gefolgt wird er von «Diskriminierung», knapp 13’000 mal. Abgeschlagen sind Sexismus (3316) und «faschistisch» (3300) auf den Plätzen.

Immerhin über 4000 mal wurde der Begriff «rechtsradikal» gebraucht. Sein Zwillingsbruder «linksradikal» dagegen nur 980 mal. Ähnlich verhält es sich auch mit «Rechtspopulist». Das Wort wurde 1617 mal verwendet, sein Pendant «Linkspopulist» hingegen nur schlappe 329 mal.

Man kann hier eine leichte Einseitigkeit konstatieren, eine Schlagseite. Dafür wurden die etwas dümmlichen Begriffe Framing und Narrativ erfunden. Das findet vor allem bei umstrittenen Persönlichkeiten seine Anwendung. Es ist eher selten, dass mit Donald Trump oder Wladimir Putin Adjektive wie nachdenklich, besonnen, fürsorglich, überlegen verwendet werden. Es ist eher häufig, dass mit beiden Wortfelder um Verbrecher, Irrer, unkontrolliert, widersprüchlich, brutal usw. verwendet werden.

Der Vorteil von Framing und Narrativen liegt auf der Hand. Sie sind selbstverstärkend; schreibt es einer, schreiben viele ihm ab. Sie erhöhen den Wiedererkennungswert. Zudem sparen sie viel überflüssige Denkarbeit. Wie verhält sich Putin? Klar, wie ein Verrückter, Krimineller; brutal, rücksichtslos, gefährlich. Das hat er mit Trump durchaus gemeinsam.

Wer sich hingegen in Worten wie besonnen, verständnisvoll, ausgleichend, staatsmännisch sonnen kann, gehört eindeutig zu den Guten und Netten.

All das drückt eine schreckliche Verarmung des Journalismus aus. Es ist tatsächlich verrückt. Gerade bei schrumpfenden Mannschaften wäre es doch so einfach, dass sich die überlebenden Redaktoren halt mit mehr Grips und Gedankenschläue dem Leser nähern. Der könnte dann sagen: okay, vom Umfang her nur noch die Hälfte wie früher, aber dafür ist der Inhalt viel konzentrierter und anspruchsvoller.

Aber in Wirklichkeit schmieren Losers, Hallers, Toblers, Häslers und Heerscharen mehr die Blätter voll. Egozentrisch, flach, unintelligent, unanimierend. Die dünnen Gedanken werden meist zudem mit rumpelnden Worten ausgedrückt, denn elegante Scheiber, die spritzig sind, den Leser zum Lachen und Nachdenken bringen, die sind noch an den Fingern einer Hand abzuzählen. Allerdings der Hand eines Metzgers oder Sägemeisters nach einigen Jahren Berufserfahrung, der ein paar Finger zum Opfer fielen.

Ist das die Schuld von Supino oder Walder? Oder vom Wannerclan, von den Lebruments? Zum Teil auch, denn wie heisst es so richtig: sind Würstchen an der Macht, wird der Senf rationiert.

Aber eigentlich hindert niemand die verbliebenen Schreibkräfte, interessant, animierend, mitreissend, leserfreundlich zu schreiben. Wieso tun sie’s dann nicht?

Leider liegt der Grund auf der Hand. Weil sie’s nicht können.

Verkäufer saurer Milch

Nur im Journalismus möglich: dem zahlenden Konsumenten eins über die Rübe.

Stellen wir uns vor: Migros (kann auch Coop, Aldi oder Lidl sein) schreibt sich auf die Fahne, dass man der Kundschaft saure Milch verkaufen möchte.

Viele Jahre lang war sich der Konsument gewöhnt, dass es frische, schmackhafte Milch gibt, zu zwar sanft steigenden, aber erträglichen Preisen. Plötzlich kommt aber Migros auf die Idee, in einer schrumpfenden Packung immer weniger Milch zu verkaufen. Wobei der Preis aber der gleiche bleibt.

In der Managerkaste des Detailhändlers wundert man sich leicht, wieso der Verkauf von Milch deutlich zurückgeht. Das sei den allgemeinen Marktbedingungen geschuldet, sagt man sich, schliesslich sei der Absatz auch bei Coop rückläufig, ganz allgemein erlebe der Milchverkauf eine Strukturkrise, wird getönt. Und leider gebe es da noch ein zusätzliches Problem. Denn die Manager der Migros waren in ihrer unendlichen Weisheit auf die Idee gekommen, Milch im Laden weiterhin kostenpflichtig anzubieten. Wer aber Milch im Internet bestellt, bekommt sie gratis nach Hause geliefert. Auch diese weise Entscheidung trug nicht gerade zur Steigerung des Verkaufs bei.

Also wurde sie langsam wieder rückgängig gemacht; Milch gibt es nur ab und an noch gratis im Internet, immer häufiger muss auch dort dafür bezahlt werden. Was allerdings – zur grossen Verwunderung der Teppichetage – ebenfalls zu Einbrüchen im Verkauf führt.

Aber damit waren die Manager noch nicht am Ende mit ihrem Latein. Statt gewohnter Frischmilch liessen sie saure Milch abfüllen. Mit der Absicht, den Konsumenten zu erziehen. Umzuerziehen. Frische Milch sei ungesund. Ein verantwortungsbewusster Konsument liebt saure Milch. Alles eine Frage der Einstellung, und die könne, ja müsse geändert werden. Der Umwelt zuliebe. Den Kühen zuliebe. Noch besser als saure Milch sei daher Sojamilch. Hafermilch. Milchersatz. Teurer, aber noch nachhaltiger.

Zudem wurde die saure Milch noch eingefärbt. In Pink, in Grün, sogar der Regenbogen konnte hineingemecht werden. Damit sei die Milch aus der alten Geschlechterrolle befreit worden. Es gebe nun inklusive Milch, die auch die Bedürfnisse von nonbinären, hybriden, transsexuellen und überhaupt Transgender-Personen berücksichtigt.

Schliesslich versuchte es das Management, unterstützt von den Milchproduzenten, noch mit Warnhinweisen auf der schrumpfenden Packung. Denken Sie an die vielen Kinder auf der Welt, die keine Milch trinken können. Nicht nur schlucken, auch spenden. Seien Sie achtsam mit der Milch. Trinken Sie nur handgemolkene Milch.

Das Ziel wurde dann erreicht, als jeder Milchtrinker bei jedem Schluck ein schlechtes Gewissen hatte. Allerdings wurde immer weniger geschluckt, denn immer weniger Konsumenten waren bereit, für immer weniger saure Milch mit Belehrungen und Beschimpfungen immer mehr Geld auszugeben.

Da jammerte die Migros aber laut (und Coop, Lidl und Aldi schlossen sich an), die Nahrungsmittelverteilung sei schliesslich unabdingbar in einer funktionierenden demokratischen Gesellschaftsordnung. Das sei sozusagen ein Service Public, seine Einstellung würde zu schwersten Schäden führen. Daher müsse die sinnvolle Tätigkeit der Detailhänder unbedingt mit Subventionen unterstützt werden.

Dass Coop und Migros gleichzeitig eine gemeinsame Verkaufsplattform aus der Taufe hoben und damit Sondergewinne in Milliardenhöhe einfuhren, nun, das ändere ja nichts daran, dass der Milchverkauf schwer ins Stocken gekommen sei – und daher unbedingt subventioniert werden müsse.

Wegen mangelnder Nachfrage müssten in regelmässigen Abständen Kühe geschlachtet werden, und obwohl das eine Weichenstellung für qualitativ höhenwertige Milch sei, müsste der Konsument halt die Augen schliessen und zustimmende Geräusche machen, während er saure Milch hinunterwürgte, wobei ihm eigentlich kotzübel wurde.

Würde ein Manager bei der Migros – die ja auch vor Fehlern nicht gefeit ist – ein solches Zukunftsszenario bezüglich Milchverkäufe entwickeln, er würde nicht mal gefeuert. Sondern man würde unauffällig nach der Ambulanz schicken, eine Beruhigungsspritze setzen, vorsichtig die Zwangsjacke überstülpen und den Irren in eine gepolsterte Zelle verfrachten, deren Türe innen keine Klinke hat.

Keine dieser Massnahmen würde auch nur ernsthaft angedacht werden, geschweige denn, umgesetzt. Schon die Idee, für weniger Inhalt mehr Geld zu verlangen, würde mit ungläubigem Kopfschütteln und schallendem Gelächter beantwortet. Die Vorstellung, das Publikum, die Konsumenten erziehen zu müssen, würde als geschäftsschädigend vom Tisch gewischt.

Wenn Verkäufer die Konsumenten mit langfädigen Beschreibungen des eigenen Gemütszustands langweilen würden, den potenziellen Käufer mit Ratschlägen für eine bessere Lebensführung überschütteten, sie würden abgemahnt und anschliessend entlassen werden.

Aber bei Tamedia ist das alles Gang und Gebe. CH Media tut’s nicht ganz so aufdringlich. Dafür ist der «Blick» völlig enteiert, hat zwar noch grosse Buchstaben und bunte Bilder, aber scheut den Boulevard wie der Teufel das Weihwasser. Er macht keine Kampagnen mehr, gibt nicht mehr Volkes Stimme, lockt kaum noch mit absonderlichen Sexgeschichten; blutrot ist nur noch das Logo, und Ratgeber gibt es für alle Lebenslagen, bloss nicht mehr für Sex.

Schon der Sozialismus musste bitter erkennen: wer am Konsumenten vorbeiproduziert, seine Wünsche ignoriert, eine absurde Preispolitik betreibt – der ist zum Untergang verurteilt.

Exemplarisch führt das Tamedia vor. Das Management ist ideen- und hilflos und vergreift sich in der Wortwahl in einer Art, dass peinlich nur das Vorwort ist. Und die Mannschaft belehrt ungestüm die Kundschaft, haut ihr falsches Abstimmungsverhalten um die Ohren, kümmert sich angelegentlich um die Bedürfnisse sexueller Randgruppen und schreibt prinzipiell an den Interessen der Leserschaft vorbei.

Gleichzeitig sind die immer mutig mit dem Zeigefinger wackelnden Rechthaber feige und rückgratlos, wenn es um ihre eigenen Interessen geht. 200 Drucker auf der Strasse? Geschähe das bei irgend einer Firma in der Schweiz, man sähe die Halszäpfchen der Journis, so laut würden sie protestieren und halsen. Aber im eigenen Haus? Kein kritisches Wort, kein einziges. Duckmäusertum und Schweigen.

Es werden 90, 55, 47, 112, wer weiss es schon – Mitarbeiter gefeuert, als besondere Folter wird über Wochen nicht bekannt gegeben, wen’s trifft – schweigende Schockstarre. Bloss nicht auffällig werden, alle schlurfen mit dem Blick nach unten durch die Hölle des Newsrooms. Keiner wagt es, Versagern wie Bärtschi, Birrer, Peppel-Schulz oder Supino die Meinung zu sagen.

Oder kurz: Mitleid null, verdient haben sie’s, selber schuld sind sie. Diese Verkäufer halbleerer Packungen saurer und eingefärbter Milch.

Dritte Generation …

Das Haus Wanner in den roten Zahlen.

«Hoch die Flaschen». Mit dieser unsterblichen Zeile illustrierte der grossartige Tagi-Zeichner Nico einstmals die Liste der Beförderungen in der Schweizer Armee. Darüber ein Offizier, der eine Champagnerflasche schüttelt.

Unwillkürlich ist man daran erinnert, wenn man die neusten Zahlen von CH Media zur Kenntnis nimmt. Oder aber, es ist das klassische Phänomen der dritten Generation. Die erste gründet, die zweite baut auf, die dritte setzt es in den Sand.

Denn als einziger Schweizer Medienkonzern weist CH Media einen Verlust von 2,4 Millionen Franken aus. Nun kann man bei einem Umsatz von 445 Millionen von Peanuts sprechen. Wenn man diesen Verlust mit den Renditevorstellungen eine Pietro Supino bei Tamedia gegenschneidet, ist es allerdings ein jämmerliches Resultat.

Die Begründung dafür ist nicht minder weinerlich. Rückgang im Printgeschäft, im Werbemarkt, Investitionen in neue (verlustreiche) Geschäftsfelder, das fortgesetzte Aufkaufen von Privatradios, Investitionen in eine eigene IT-Struktur und schliesslich der Cyberangriff (den die mehr betroffene NZZ allerdings wegsteckte): was hier als strukturelle oder unvorhersehbare Probleme verkauft wird, ist klassisches Managementversagen.

Seit dem abrupten Abgang von Axel Wüstmann und seinem holterdipolter-Ersatz durch Michael Wanner zeigt sich wieder einmal, dass Beruf Sohn nicht unbedingt die beste Voraussetzung dafür ist, einen Konzern zu lenken.

140 Mitarbeiter von CH Media, die dank diesem Versagen auf der Strasse stehen, werden das sicherlich ähnlich sehen.

Gleichzeitig fantasiert der Verlag mit den üblichen Erfolgszahlen; mehr Abos, Steigerung von Marktanteilen, alles läuft eigentlich super, nur muss natürlich die «Kostenstruktur» etwas nach unten angepasst werden. Aber natürlich nur, um für zukünftige Verluste, Pardon, Steigerungen, besser aufgestellt zu sein.

Es wird immer deutlicher: da Ringier nach der Übernahme des Schweiz-Geschäfts von Axel Springer noch am Verdauen ist, kommt ja nur Tamedia in Frage, das lahmende Wanner-Imperium zu übernehmen. Die Frage ist allerdings, ob sich Supino davon einen Zugewinn verspricht.

Ansonsten wäre die Aufgabe leicht. Es braucht zweimal eine Position «Mann am Fenster», also so in der Art «strategische Entwicklung des Geschäfts im Fernen Osten, mit ausführlicher Rekognoszierungsreise». Und einmal «Analyse Zukunft des digitalen Radios, gestern, heute und vorgestern». Beides Aufgaben, die mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Dazu noch das Dulden einer Kommentatorin, die auf die falsche Bundesratskandidatin setzt und regelmässig nach oben gerollte Augen bei den Redaktoren auslöst.

Aber mit solchen Kollateralschaden wird man fertig. Schliesslich gibt es ja eine ganz bösartige Interpretation, wofür die vier, nun ja, Rundumeli im Logo stehen …

Kornelius und die Kotztüte

Bis zum Überdruss, der Mann. Aber ZACKBUM gibt nicht auf.

Tamedia quält seine Leser wieder mal mit den absonderlichen Ansichten des Weltenlenkers Stefan Kornelius aus München. Eigentlich ist der Mann schon restlos disqualifiziert, aber er gibt nicht auf, ZACKBUM hat eine Berichterstatterpflicht und kriegt nicht mal Schmerzensgeld dafür.

Aber immerhin, diesmal äussert er ein paar kritische Ansichten zum neuen Märtyrer und Heiligen Alexej Nawalny: «Nichts an diesem Mann ist einfach. Seine Geschichte ist überladen mit Widersprüchen, Mythen und einer ungesunden Ideologisierung.»

Ja Wahnsinn, mag da der Leser denken, ein intelligent-kritisches Wort von Kornelius? Das darf ja nicht wahr sein. Damit hat der Leser recht, es ist nicht wahr:

Daher lautet das korrekte, ungekürzte Zitat: «Nichts an diesem Mann ist einfach. Die Geschichte des Wikileaks-Gründers, Hackers und Politaktivisten ist überladen mit Widersprüchen, Mythen und einer ungesunden Ideologisierung.»

Der Atlantiker Kornelius will nichts auf die recht bekleckterte Weste der US-Wildwestjustiz kommen lassen. Daher schäumt er gegen all die, die den Amis «eine Politisierung der Justiz unterstellen, die ein Verfahren in den USA unmöglich erscheinen lässt».

Unglaubliche Frechheit, ist Kornelius ausser sich: «Das ist eine groteske Unterstellung, die seit Jahren schon angestellt wird, um den Fall politisch aufzuladen.» Dass ein US-Verteidigungsminister seinen Tod gefordert hat, dass selbst Friedensnobelpreisträger Obama grimmig wurde, wenn es um Assange geht, dass von US-Politikern sein Tod ohne Prozess gefordert wurde, was soll’s. Kaum sonst wie in seinem Fall, sollte er tatsächlich seinen Häschern in den USA ausgeliefert werden, gälte das Wildwestprinzip: give him a fair trail. And then hang him. Gebt ihm eine faire Verhandlung Und dann hängt ihn auf.

Kornelius macht einen Zwischenschritt: «Natürlich hat dieses Leak auch gewaltige Missstände aufgedeckt. Doch …» Dann demontiert er aber alles, was noch an Vernunft vorhanden gewesen sein mag:

«Die Publikation von einer Viertelmillion Datensätzen hält keinem Vergleich stand, in ihrer Masslosigkeit und Radikalität widerspricht sie allen journalistischen Grundsätzen.»

Der Mann sollte kein Zeugs mehr rauchen. Ein Journalist der «Süddeutschen Zeitung», die schon ungezählte Male an der Ausschlachtung und Publikation von Millionen von gestohlenen Datensätzen beteiligt war, bezeichnet das, was Assange tat, als masslos und im Widerspruch zu journalistischen Grundsätzen?

Ein entsprechender Verdacht verdichtet sich zur Gewissheit, wenn man dieses Schmierenstück liest: «Offenbar ist er aber auch ein kranker Mann, der an sich, seiner Selbstisolation und der Verfolgungswelt zerbrochen ist.»

Assange sei an sich selbst zerbrochen, er habe sich selbst isoliert? Und was soll denn eine «Verfolgungswelt» sein?  Meint er etwa Verfolgungswahn?

Wenn ein Putin-Propaganda-Troll einen solchen Schwachsinn über Nawalny absondern würde, wäre das selbst dem Kreml so peinlich, dass er für sofortige Löschung besorgt wäre. Oder, wie das im Hause Tamedia heisst, für Depublikation.

ZACKBUM ruft mit ermatteter Stimme: gibt’s denn im Glashaus niemanden mehr, der solche Leserverarsche verhindern kann? Man spürt förmlich, wie Kornelius bedauert, das Wort Wehrkraftzersetzung nicht benützen zu dürfen. Aber vielleicht kommt das noch. Lieber Herr Supino, sind Sie nicht entsetzt, wenn Sie so etwas lesen? Halten Sie das wirklich für akzeptabel? Schämt sich da keiner mehr für nichts?

Slalomkünstler Büttner

Wie hört sich eine mediale Entschuldigung an? Verlogen.

Tamedia hat – nicht nur bezüglich des Rammstein-Sängers Till Lindemann – ein Problem. Das Problem besteht darin, dass zu viele unqualifizierte Gesinnungsjournalisten losplappern, bevor sie auch nur eine Sekunde nachgedacht haben. Sobald das Wort «sexueller Übergriff» im Raum steht, fangen sie wie die Pavlowschen Hunde an zu sabbern, zu geifern und zu bellen.

Die Liste der Fälle ist lang. Aufgrund niemals belegter angeblicher Übergriffe hat sich sogar die damalige Führungsetage von Tamedia präventiv entschuldigt und betroffen gezeigt. Ein Verlust jeglicher journalistischer Ethik, Amnesie, dass Verdachtsberichterstattung etwas vom Übelsten ist. Dazu ein Machtmissbrauch.

Nun muss auch Tamedia damit umgehen, dass Lindemann – nach der Einstellung der Staatsanwaltschaft Berlin – das ist und bleibt, was er vor der wilden Hetzjagd auf ihn war: unschuldig. Unschuldig wie Andreas Tobler. Unschuldig wie Philipp Lo…, ups, diesen Namen wollten wir hier niemals mehr nennen. Unschuldig wie all die kleinen und grossen Japser, die sich tiefschürfende Gedanken über Machotum, das männerdominierte Rockbusiness und die Rolle der Frau darin machten.

Nun muss natürlich auch Tamedia seinen Lesern erklären, wieso man bei der Hetze mitmachte. Tobler hat sich dafür etwas disqualifiziert, also muss Jean-Martin Büttner in den saueren Apfel beissen. und zuschleimen, was sein eigenes Blatt verbrochen hat. Die Leserkommentare sind dementsprechend kritisch bis hämisch.

Büttner kann schreiben, aber hier ist er auf einer Mission impossible. Jeder Baustein seiner Argumentation zerbröselt bei genauerer Betrachtung. Ein Trauerspiel eines begabten Opportunisten. ZACKBUM seziert kurz:

  1. «Ihre Vorwürfe klangen aber so detailliert und fielen zugleich dermassen massiv aus, dass die Öffentlichkeit davon ausgehen musste, es müsse an ihnen etwas dran sein.» Musste «die Öffentlichkeit» das? Es ist wohl ein Unterschied, ob an den Klowänden des Internets, bei Facebook, Twitter & Co., anonyme Kreischen loskeiften – oder ob sich sogenannte Qualitätsmedien wie Tamedia daran beteiligen.
  2. «Ob das stimmt oder nicht, wissen wir auch jetzt nicht.» Büttner erfindet hier – analog zur Vorverurteilung – noch die Nachverurteilung. Nach der Devise: okay, es gibt nicht einmal eine Strafuntersuchung, weil an den Vorwürfen nichts dran ist. Aber wissen wir deswegen, ob wirklich nichts dran ist? Das ist schon sehr übelriechend.
  3. «Auch wenn sich die Vorwürfe gegen den Musiker nicht zu einer rechtlichen Klage konkretisieren lassen, steht ausser Frage, dass die Rockkultur aus einem sexistischen, männerdominierten Selbstverständnis heraus operiert. Und das seit Jahrzehnten. Dass diese Praxis jetzt öffentlich hinterfragt wird, ist eine positive Nebenwirkung der Kontroverse.» Nun stinkt’s zum Himmel. Lassen wir den Quatsch mit «nicht konkretisieren liess» beiseite. Da wird einer – nicht zuletzt von Tamedia – öffentlich ans Kreuz genagelt, obwohl er unschuldig ist, aber das habe auch positive Nebenwirkungen einer «Kontroverse»? Was für einer Kontroverse? Ist Vorverurteilung, Kolportieren anonymer Anschuldigungen neuerdings eine Kontroverse und nicht mehr üble Hetze?
  4. «Der Entscheid der Staatsanwaltschaft zeigt aber auch, wie unglaublich schwierig es ist, sexuelle Übergriffe zu belegen.» Was für eine dumme Verallgemeinerung. Der Entscheid der Staatsanwaltschaft zeigt einzig, dass es im Fall Lindemann nicht genügend Verdachtsmomente gab, um eine Strafuntersuchung zu rechtfertigen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
  5. «Die Vorwürfe gegen Till Lindemann fielen so heftig aus und wurden auch von seriösen Zeitungen dermassen hartnäckig vorgebracht, dass sie einer Vorverurteilung gleichkamen.» Näher an eine Selbstkritik lässt es Büttner nicht kommen. Wäre Tamedia wirklich reuig, hätten hier Beispiele und Namen aus dem eigenen Schaffen genannt werden müssen. Da das nicht erfolgt, verpestet der Haut-gout von Heuchelei die Luft.
  6. «Deshalb zu verlangen, die Medien dürften erst dann berichten, wenn eine konkrete Klage vorliege, klingt moralisch integer. Aber die Forderung missversteht die mediale Aufgabe, über laufende gesellschaftliche Fragen zu debattieren.» Mediale Aufgabe, anonyme Anschuldigungen von Trittbrettfahrerinnen zu kolportieren? Das ist ja nicht mal witzig, sondern nur blöd.
  7. «Dass die Berliner Staatsanwaltschaft jetzt gegen die Medien entschieden hat, belegt beiläufig etwas anderes, und es ist entscheidend: Trotz hohem öffentlichem Druck hat der Rechtsstaat funktioniert.» Ach ja? Damit ist Lindemann, nachdem auch Tamedia auf die Unschuldsvermutung geschissen hat – und das nicht zum ersten Mal – wieder rehabilitiert? Werden all die Verleumder und diejenigen, die ihnen grosse Plattformen boten, streng bestraft? Nein, wenn die Medien jedes Mass verlieren, nicht mehr in der Lage sind, verantwortungsvoll mit ihrer Macht umzugehen, dann hat auch der Rechtsstaat ein gravierendes Problem. Er hat hier nicht einfach gesiegt. Sondern Lindemann hat schlichtweg genug Geld, um sich seine Gegenwehr leisten zu können. Das unterscheidet ihn zum Beispiel von Finn Canonica. Wie Tamedia mit dem umspringt, spottet jeder Beschreibung und wäre einen Kommentar von Büttner wahrlich wert. Aber hallo, wes Brot ich ess …

Um es gepflegt auszudrücken: hier wird mit hohler Geste ein «nostra culpa» aufgeblasen, so unnütz wie ein Aufruf zu Frieden auf der Welt und gegen den Hunger. Gleichzeitig wird jedes Argument aus der Ecke gekratzt, das zur Salvierung des eigenen Organs dienen könnte.

Wenn Tamedia meint, dass damit Büttner ein paar Kartoffeln aus dem Feuer geholt hat, täuscht sich die Teppichetage ein weiteres Mal. Das ist bloss Leserverarsche, und der Leser ist nicht so dumm, das abzukaufen. Da müssten Bigboss Supino und Little Boss Birrer schon noch ein paar bessere Kunststückchen einfallen. Wenn ihnen das gegeben wäre.

Das Prinzip billige Rechtfertigung. 

Kims Arschbacken

Der flotte Tamedia-Dreier: Kim, Zukker und Badran.

Geleitet von Raphaela Birrer und bald einmal von Jessica Peppel-Schulz, schlimmer kann’s wohl nicht mehr werden.

Wobei, Nora Zukker findet leicht kritische Worte zum neusten Sprachverbrechen unseres Büchner-Preisträgers Lukas Bärfuss. Immerhin. Die NZZ brauchte sogar zwei Anläufe, zunächst einen unverständlichen Lobes-Artikel, dann eine Rezension, die – im Gegensatz zu Zukker – fundiert eine ganze Reihe von Schwachstellen, Fehlern, Unsinnigkeiten und absurden Sprachbildern in Bärfuss‘ neustem Machwerk nachweist.

«Eklatante sprachliche Fehler» hat Roman Bucheli entdeckt, die der Verlag in der nächsten Auflage zerknirscht korrigieren will. Dem Leser sei man das schuldig, der Hauptheldin des Romans auch, «denn sie hat, auch wenn sie eine halbe Analphabetin ist, anderes verdient als Sprachhülsen – und Besseres als einen Autor, der sie in sein darwinistisches Korsett steckt». Aber wenn der halt selbst nur beschränkt des Deutschen mächtig ist?

Die tollste Sprachhülse übrigens: da «musste sich einer nach der Decke strecken, wenn er keine kalten Füsse bekommen wollte». Da ist man wirklich dankbar, dass andere die Kärrnerarbeit verrichten, solchen Stuss zu lesen.

Durch Jacqueline Badrans Sprachmüll muss man sich aber selbst wühlen, das gilt auch für den «Shootingstar der Literaturszene», dessen Namen (weder seinen richtigen, noch seinen künstlichen) wir nicht in die Tasten kriegen, also lassen wir’s bei Kim bewenden.

Wir halten uns wieder die Nase zu und zitieren aus seiner neusten, nun ja, «Hexenapotheke», vor der jede Hexe mit oder ohne Besen sofort fliehen würde:

«Und ich, mein kleiner Arsch, sitze in einem roten Röckchen im Alpenhof, St. Anton, Appenzell Innerrhoden … All diese Grenzen, die da zwischen meinen Arschbacken verlaufen … Unsere Körper sind auf besondere Art und Weise Länder der Schwellen … Ich glaube, dass der schweizerische Körper einer ist, der durchs Geld gemacht wird …»

ZACKBUM fragt sich erschüttert: Darf nun jeder, Voraussetzung hybrid, in den Tagi kotzen? Sinnlose und rumpelnd Furzgedichte verfassen?

«Oh heil Euch, grosse Schatzmeisterin
Abbauerin der Almosen
Nehmet das Ersparte von den Mageren 
Und verteilet es unter den Reichen»

ZACKBUM legt wieder Wert auf die Feststellung, dass man so was nicht erfinden kann. ZACKBUM ist noch erschütterter, wenn sich das steigern liesse, dass es einige lobende Kommentare zu diesem Schrott gibt.

Was tun? Folgender Vorschlag zur Güte: Wieso verfassen Badran und der Shootingstar nicht zusammen eine Kolumne? Die rezensiert dann Zukker, Birrer schreibt einen Kommentar, und Peppel-Schulz sieht das als Ausdruck von Empowerment.

Und Pietro Supino? Nun ja, da hilft nur ein guter Amarone. Vielleicht ein Bertani. Oder ein Burlotto Barolo. Oder ein Tenuta San Guido. Oder alle zusammen …

Walder weg?

Journalisten in Hochform: Klatsch über sich selbst.

Neben dem eigenen Bauchnabel gibt es noch ein Objekt, das dem Journalisten ungemein wichtig ist: der Bauchnabel anderer Journalisten. Besonders, wenn sie eine bedeutende Position haben und nicht aus dem eigenen Haus sind.

Niemals würde es einem NZZ-Journalisten einfallen, ein kritisches Wort über den NZZ-Godfather Eric Gujer zu sagen. Der macht sich mit einem Wellness-Hotelaufenthalt samt Gattin lächerlich? Gerne liest man das auf ZACKBUM, aber nicht mal hinter vorgehaltener Hand wird darüber gekichert.

Niemals würde es einem CH Media-Journalisten einfallen, etwas Kritisches über das erratische Verhalten von Big Boss Wanner zu sagen. Wenn der sich als Kriegsgurgel outet oder einen fähigen Manager wegschiebt, damit ein weniger fähiger Sprössling nachrücken kann – kein Wort darüber.

Niemals würde es einem Tamedia-Journalisten einfallen, etwas Kritisches über den profitgierigen und nicht sonderlich erfolgreichen Big Boss Pietro Supino mitsamt seiner Protzvilla zu schreiben. Wie man es als Verlegerverbandspräsident mit der versammelten Medienmacht schafft, von einer kleinen Truppe die Subventionsmilliarde an der Urne weggenommen zu kriegen, sagenhaft.

Niemals würde es einem Ringier-Journalisten einfallen, etwas Kritisches über Michael Ringier, Frank A. Meyer oder Marc Walder zu schreiben. Der Big Boss hässelt gegen den kleinen Finanzblog «Inside Paradeplatz», FAM blubbert Kriegerisches über seinem Embonpoint, Walder erklärt ungeniert in der Öffentlichkeit, wie er seinen Redaktionen Leitlinien vorgibt: Schweigen an der Dufourstrasse.

Aber jetzt ist das Halali auf Walder eröffnet. Standleitung nach Bern, Hofberichterstattung gegen Primeurs, Männerfreundschaft mit Berset, Geben und Nehmen, überhaupt Walders Wunsch, als Emporkömmling mit Mächtigen und Wichtigen auf Augenhöhe zu scheinen. Gerd Schröder, eine Mission Putin, Bundesräte, Wirtschaftsführer, Bankenlenker, insbesondere der schöne Ermotti und der leutselige Vincenz, das ist Walders Welt.

Dazu die Digitalisierung. Weg mit den schlecht sitzenden Krawatten, stattdessen Rollkragenpullover und Sneakers, der Schweizer Steve Jobs kommt. Die Digitalisierung des Ringier-Konzerns dürfte ihm auch den Kopf retten in der aktuellen Krise.

Tamedia ist wie meist unentschieden, ob man der Konkurrenz Ringier eins reinwürgen will oder sich selbst. Für «sich selbst» ist der Politchef von Burg, für Ringier der Oberchefredaktor Rutishauser. Die NZZ hielt sich länger vornehm zurück, jetzt aber volles Rohr. Gleich drei Journalisten blättern alle Facetten der Story auf, mit dem provokanten Titel «Ringier-Chef Walder soll offenbar entmachtet werden». Lucien Scherrer versucht sich an einem Psychogramm: «Sein Problem: Er will von den Mächtigen geliebt werden.»

Federführend ist aber ein neues Dream-Team von CH Media. Oberchefredaktor Patrik Müller und der von der NZZ übergelaufene Francesco Benini treiben Walder und Ringier regelrecht vor sich her. Jedes Wochenende eine neue Enthüllung. Offenbar, denn natürlich wurden sie angefüttert, hat sich die Quelle überlegt, dass die «Weltwoche» nicht genügend Wirkung entfalten könnte. Zu klar positioniert, Mörgeli zu parteiisch. Also das auflagenstärkste Blatt, die «Schweiz am Wochenende».

Die spielt ihre Karten fantastisch aus. Es ist fast wie beim Schiffeversenken. Ansatzlos der erste Treffer, souverän Dementis und Gequengel abgewartet, dann letztes Wochenende der zweite Treffer. Und nun schon der dritte, fast könnte man sagen: «versenkt».

Neuste Schlagzeile: «Beben im Verlagshaus Ringier: Der CEO Marc Walder hat beim «Blick» nichts mehr zu sagen». Benini/Müller berufen sich diesmal auf «verlässliche Quellen». Laut denen solle «Blick»-Oberchefredaktor Christian Dorer nun direkt in publizistischen Belangen Michael Ringier unterstellt sein, in geschäftlichen Angelegenheiten der Dame mit der extrabreiten Visitenkarte Ladina Heimgartner.

Auch die Ernennung oder Absetzung wichtiger Chefredaktoren behält sich der Verwaltungsrat selbst vor, Walder habe da nicht mehr zu sagen. Ist das so?

Bei allem Triumphgeheul: Walder ist weiterhin Mitbesitzer und Protegé und designierter Nachfolger von Michael Ringier, damit auch künftiger Präsident des VR. Eine solche Figur wird nicht einfach wegen eines Gewitters abgesägt. Geflissentlich wollen alle den letzten Satz in Ringiers Hausmitteilung ignorieren: «Der Verwaltungsrat steht uneingeschränkt hinter dem CEO und Miteigentümer Marc Walder.»

Zudem hat Walder, was im Verlag eher selten ist, auf wirtschaftlichem Gebiet Pflöcke eingeschlagen, das Haus Ringier diversifiziert, an die Mobiliar-Versicherung geflanscht und eng mit dem mächtigen Springer-Verlag verflochten.

Die Familie Ringier ist längst nicht mehr alleine Herr im Haus, eine Personalien wie die von Walder, da darf auch Mathias Döpfner oder gar Friede Springer ein Wörtchen mitreden. Also sollten hier nicht zu früh Nachrufe auf Walder erscheinen.

Das zweite Problem: who’s next? Prädestiniert für die Machtübernahme wäre Heimgartner. Frauenbonus, bislang skandalfrei gesegelt. Das Problem ist allerdings: alleine mit dem Wort «Resilienz» kann man kein grosses Verlagshaus führen. In ihren wenigen öffentlichen Auftritten war sie noch ungeschickter als Walder letzthin, intern hat sie auch noch keine Pflöcke eingeschlagen oder Höchstleistungen erbracht, also kommt sie wohl höchstens als Frau am Fenster in Frage.

Dass man gegen aussen nun markieren muss, dass vor allem der «Blick» «unbeeinflusst» sei, ist klar. Ob allerdings Walder, FAM, Ringier oder sonst jemand der Chefredaktion den Tarif durchgibt, was zu schreiben und zu meinen sei, ist doch völlig egal.

Das wäre es auch bei den anderen Verlagen.

Wenn etwas fürs Publikum lehrreich ist in diesem Schlamassel: wieder einmal entlarvt sich die Mär der unabhängigen, nur journalistischen Kriterien gehorchenden und ausschliesslich den Interessen der Leser dienenden Medien. Das war schon immer ein Märchen und wird es auch immer sein.

Rücktritt muss man können

Ein Vorbild aus dem fernen Neuseeland.

Die Premierministerin des Kiwi-Staates hat schon viele Zeichen gesetzt. Jüngste Regierungschefin der Welt, Mutterschaft, krisenerprobt, lässt sich ihre Jugend nicht stehlen. Alles wunderbar. Nun setzt Jacinda Ardern noch ein letztes Glanzlicht auf ihre Karriere.

«Habe nicht mehr genug im Tank», so begründet sie ihre überraschende Ankündigung, in einem Monat vom Amt zurückzutreten. Ohne Zwang, ohne Druck, einfach so, weil es für sie reicht.

Was für ein Zeichen vom anderen Ende der Welt. Welch ein Gegensatz zu den Sesselklebern in der Schweiz. Ein Bundesrat Berset, der schon längst hätte zurücktreten sollen, nach dermassen vielen privaten und politischen Flops. Ein CEO Walder, der für seinen Verlag längst zu einer Belastung geworden ist. Damit wir politisch korrekt bleiben, eine Ladina Heimgartner, die ausser vielen Titeln und der fleissigen Verwendung des Worts «Resilienz» nichts vorzuweisen hat.

Aber auch ein Pietro Supino, der Vielfachgescheiterte, dessen rücksichtsloser Sparkurs und dessen Aufteilung von Tamedia in unabhängige Profitcenter zwar den Besitzerclan freut, aber die DNA eines Medienkonzerns unwiederbringlich zerstört.

Der Wannerclan von CH Media regeneriert sich zwar aus sich selbst heraus, nimmt aber für die Inthronisierung eines nur mässig begabten Familienmitglieds den Abgang eines sehr begabten Managers in Kauf. Auch in Basel führte ein überforderter Hagemann die einstmals stolze «Basler Zeitung» fast in den Abgrund, statt rechtzeitig Amt und Würden an einen Begabteren abzugeben.

Auch Publizist Frank A. Meyer ruiniert die Reste seines Rufs mit wirren, widersprüchlichen und dumpfbackigen Kommentaren, einfach, weil man ihn lässt und niemand sich traut, ihm Einhalt zu gebieten,

Bevor der Leser fragt: natürlich ist das bei ZACKBUM ganz anders. Hier wird die Tätigkeit des Redaktors Zeyer durch den Verleger Zeyer genau kontrolliert, während der Herausgeber und Besitzer Zeyer täglich nach dem Rechten schaut. Bislang gilt hier: Redaktor Zeyer darf weitermachen. Auf Zusehen.

Invoice uns

TX Group setzt die Hürden für Bezahlung höher.

Es soll tatsächlich noch Journalisten oder andere externe Dienstleister geben, die von der TX Group Geld erwarten dürfen. Für geleistete Dienste.

Es ist im Geschäftsleben üblich, dass erst «money in the Bank» den erfolgreichen Versuch krönt, von einem Debitor Geld zu kriegen. Nun ist die TX Group bekanntlich das Mutterhaus von Tamedia. Tamedia wiederrum ist der Gemischtwarenladen, in den TX alle Zeitungen des Hauses geschmissen hat. Mit der Ausnahme von «20 Minuten», das Blatt generiert immer noch so viel Geld, dass es ein eigenes Profit Center darstellt. Damit TX- und Tamedia-Boss Pietro Supino die übrigen Zeitungen noch gnadenloser dazu anhalten kann, gefälligst üppigen Gewinn abzuwerfen. Koste es, was es wolle.

Um an sein Geld zu kommen, muss der Lieferant von Buchstaben oder anderem verwertbaren Material neuerdings allerdings eine ganze Reihe von Formvorschriften erfüllen. Vorausgesetzt, er beherrscht Englisch, die Dienstsprache Nummer eins in einem Schweizer Gemischtwarenladen:

 

So, nur so und nicht anders hat eine Rechnung auszusehen. Besonders wichtig ist hierbei die Rechnungs-Nummer; ohne die wird der Versuch, an sein verdientes Geld zu kommen, abgeklatscht. Die Invoice (für des Englischen nicht Mächtige: die Rechnung) wird gnadenlos an den Supplier (Lieferanten) returned (zurückgeschickt).

Aber natürlich ist das nur eine von vielen Regeln des «must comply with the TX Group’s invoicing standard»; die Rechnung muss also mit dem Rechnungsstandard der TX Group complyen, if you know what I mean:

«Information for account assignment. One of the following cost objects must be included on the invoice:

  • Cost Center

  • Project

  • Campaign

  • Sub-activity

  • Activity

  • Offsetting transaction number

  • PO number (if applicable)»

Wer es zukünftig wagen sollte, von der TX Group Geld haben zu wollen, sollte sich auf der dafür extra gestalteten Unterwebseite zuerst mal schlappmachen, Pardon, schlaumachen.

Alles klar, Herr Kommissar? Falls nicht: «For uncertainty regarding invoice addresses, cost center, etc. please contact your business partner

Also der Business-Partner kann dann zum Beispiel ein Redaktor sein, der es tatsächlich gewagt hat, von einem externen Schreiberling einen Text einzuverlangen und dafür sogar noch Bezahlung in Aussicht stellte. Dieser Business-Partner muss nun nur noch den Black Belt in Accounting machen (ersatzweise tut’s auch ein CPA, das steht für Certified Public Accountant, if you know what I mean).

Sollte das der Redaktor allerdings unterlassen, läuft der Supplier Gefahr, dass ihm seine Rechnung um die Ohren gehauen wird. Bzw. retourniert. Aber irgendwann, irgendwann ganz sicher hat der Lieferant dann alle Formvorschriften erfüllt (und bitte die MWST separat ausweisen).

Dann, aber nur dann, steht nur noch der Zahlungslauf dem Empfang des Geldes im Wege. Denn vom Antragsteller gesetzte Zahlungsfristen kümmern die TX Group herzlich wenig. Sie hat da ihre eigenen Zahlungsabläufe, die so geheim sind, dass wahrscheinlich nur Supino höchstpersönlich alle Details kennt. Sollte ihm etwas zustossen, darf ein weiteres Mitglied des Coninx-Clans ein versiegeltes Couvert öffnen, in dem diese Geheimnisse notiert sind. Allerdings vernichtet sich das Papier nach zehn Sekunden selbsttätig; so viel «Mission Impossible» muss dann schon sein. If you know what I mean. And I’m really mean.