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Wumms: Arthur Rutishauser

Zugegeben, manchmal ist’s ein Scheissjob.

Die Medienkonzentration in der Schweiz, bei der Weniger und Sparmassnahmen als Mehr und Synergie verkauft wird, hat den Posten des Oberchefredaktors geschaffen.

Denn in den ganzen Kopfblättern, die lediglich noch Regionalberichterstattung betreiben, sitzen nur noch Pro-Forma-Chefredaktoren am Fenster und tun wichtig.

Bei Ringier hat Christian Dorer das letzte Wort über die gesamte «Blick»-Gruppe (also wenn man Marc Walder ausser Acht lässt, aber das wäre ein anderes Thema). Bei CH Media ist’s Patrik Müller (also wenn man den Wanner-Clan ausser Acht lässt, aber das wäre ein anderes Thema). Die NZZ ist sowieso ein anderes Thema, aber da ist Eric Gujer schon ziemlich nahe am God almighty.

Und schliesslich gibt es Arthur Rutishauser, Oberchefredaktor bei Tamedia und Immer-noch-Chefredaktor der «SonntagsZeitung». Der muss nun schauen, wie er aus dem «Magazin»-Schlamassel unbeschadet rauskommt.

Ein Kommunikationsgenie war er noch nie, also tut er mal das, was er kann. Er schreibt über Wirtschaft und Finanzen. Das hört sich dann so an: «Ein Management, das hilflos versucht, Zuversicht zu verbreiten, und sich ansonsten einigelt. Ungläubige Journalistinnen, Analysten und Anleger.»

Schreibt er in einem SoZ-Editorial über die Credit Suisse. Könnte er aber genauso über Tamedia, bzw. die Tx Group schreiben. Schliesslich hat jetzt auch noch der Aktionärsvertreter Ethos angekündigt, möglicherweise dem Big Boss Pietro Supino die Decharge verweigern zu wollen. Peinlich.

Denn auch für die Führungsriege bei Tx gilt: «die Ratlosigkeit ist mit Händen greifbar». Zuerst schweigen, dann dementieren, dann lamentieren, dann abwiegeln und den Fall für ordentlich erledigt erklären. Ansonsten habe man natürlich nichts gewusst, bzw. erst spät.

Das soll alles sein, was ein Medienhaus an Krisenkommunikation hinkriegt? Da ist Feuer im Dach, Und wo es raucht, erhebt sich immer die Frage: wer war das? Dabei ist aber nicht der Brandstifter oder der versagende Feuerwehrmann (Pardon, der Feuerwehrmensch) gemeint. Sondern: wer eignet sich als Sündenbock?

Der Dachstock brennt bereits so lichterloh, dass eigentlich nur vier Personen in Frage kommen. Die beiden Mitglieder der Geschäftsleitung, der Big Boss himself oder Arthur. Man könnte sich nun vom deutschen Neuzuzug trennen, der für den ebenfalls abgängigen Boselli an Bord geholt wurde. Der kann nämlich nicht viel, hat keine grosse Ahnung von der Schweiz und ist bislang mit nichts aufgefallen. Also der Klassiker: er würde eine Lücke hinterlassen, die ihn vollständig ersetzt.

Auf der anderen Seite, neu an Bord, sähe schon blöd aus, wenn der nun die Verantwortung für teils Jahre zurückliegende mögliche Verfehlungen übernehmen müsste. Das andere GL-Mitglied: denkbar, aber nicht direkt zuständig für das Tamedia-Schlamassel. Der Big Boss? Niemals, ausgeschlossen, unmöglich. Der und Verantwortung übernehmen? So weit kommt’s noch.

Also bleibt, nach dem Prinzip Ene, mene, muh, nun ja, tut uns ja Leid: da bleibt eigentlich nur Rutishauser. Denn jemand aus dem Overhead, aus der Administration, Human Resources oder so, das dürfte nicht mehr reichen.

Wir drücken Arthur die Daumen, denn verdient hätte er es nicht. Wir wollen ihn aber ausdrücklich nicht loben, wenn das von ZACKBUM käme, wäre das fatal.