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Ach, Münger

Der Auslandchef ohne Ausland und ohne Verstand.

Er ist der Meister der Fehlanalyse. «Umso wichtiger scheint, dass das Trump-Comeback verhindert wird», orakelte er ein Jahr vor den letzten US-Wahlen. «Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte», behauptete er. Als der aussichtsreichste Kandidat dann wegen erwiesener Senilität zurückgetreten wurde, wiederholte sich Christof Münger: «Es geht bei diesem Wahlkampf nicht um politische Programme, sondern darum, das Comeback von Donald Trump im Weissen Haus zu verhindern. Wie man zu Kamala Harris steht, wird zur Nebensache.»

Aber wieso in der Vergangenheit schwelgen, auch der aktuelle Münger vermag zu erheitern. Muss auch frustrierend sein, sich «Leitung Ausland» zu nennen und unter sich einen verpeilten Enver Robelli als Stellvertreter zu haben. Die beiden Führungskräfte leiten ganze drei Auslandredaktoren. Bitter.

Aber da bleibt die Flucht in die grosse, weite Welt. Zumindest bis nach Ungarn: «Trump verliert seinen Best Buddy in Europa». So kann man das sehen. Interessiert nur keinen.

Richtig peinlich wird’s allerdings, wenn zwischen Redaktionsschluss und Publikation die Welt Münger nicht den Gefallen tut, stehenzubleiben: «Öffnung von Hormuz: Eine wirtschaftliche Verschnaufpause, aber noch nicht das Ende des Kriegs», wusste der Weltenlenker am 17. April. «Nun bietet sich die Chance, den Konflikt beizulegen», orakelte er weise. Dabei sollte er doch wissen, dass der Mad Man im Weissen Haus noch unberechenbarer als die Zahl Pi ist. Und was am 17. geschrieben wird, am 18. bereits obsolet geworden ist.

«Die Interessenlage auf beiden Seiten ermöglichte offenbar eine teilweise Einigung der Regierung Trump mit dem iranischen Regime», will der Kenner der Sachlage wissen. Tja, bessere Kenner der Sachlage würden sich nicht trauen, Aussagen darüber zu treffen, ob die Strasse von Hormus nun offen, zu, halboffen, halbzu oder überhaupt ist. Tanker kehren um, Trump wendet auf dem Absatz, Iran droht, Trump sagt, es gebe ein Abkommen «in ein oder zwei Tagen». Oder es werde wieder bombardiert, oder so. Trump sagt, die USA würden das angereicherte Uran Irans übernehmen. «Irans angereichertes Uran wird nirgendwohin transferiert», sagt der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Vielleicht verwechselt Trump Uran und Iran, kann doch passieren.

Also in einem Wort: Kuddelmuddel. Chaos. Widerspruch im Widerspruch. Wer nicht weiss, dass eine Aussage von Trump schon nicht mehr zutreffen kann, bevor er den Satz zu Ende gebrabbelt hat, disqualifiziert sich als Analyst und Kommentator.

Vielleicht sollte sich die Rumpf-Auslandsredaktion von Tamedia darauf beschränken, schlechtere Titel und Leads über die Korrespondentenberichte der «Süddeutschen Zeitung» zu setzen und sie fürs Korsett der Artikellängen im Verschiebebahnhof des Tamedia-Kopfsalats zurechtzuschnitzen.

Denn wie verkündete die publizistische Leiter nach unten: Zur Qualitätssteigerung werde eine neue Artikellänge eingeführt: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert. Eine neue «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» à la Simon Bärtschi. Mit seiner Schmerzfreiheit könnte er problemlos Pressesprecher von Trump werden.

Dem armen Münger bleibt nur ein einziger wahrer Satz am Ende seiner regelwidrig auf 5000 A gebastelten «Meinung», die gar eine «Analyse» sein soll:

«Deshalb ist noch unklar, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgeht.»

Klar ist: alles ist unklar. Klar ist: bei Trump weiss man nie. Klar ist: Münger weiss es auch nicht. Unklar ist einzig: wieso hält er dann nicht die Klappe?

Völlig unklar ist: wieso soll jemand für diesen Schrott bezahlen? Oder sagten wir das schon in aller Klarheit?

 

Aufgekocht und kopiert

Wenn eine Kritik an Carl Schmitt nach eingeschlafenen Füssen riecht.

Am 23. Januar veröffentlichte das Intelligenzblatt «Süddeutsche Zeitung» eine Kritik am Nazi-Denker Carl Schmitt Vordenker der Autokraten»). Die Autoren Vivien Timmlerleidenschaftliche Kletterin und staatlich geprüfte Bergwanderführerin») und Georg IsmarZeit zum längeren Nachdenken findet er gerne beim Rennradfahren») liessen sich bei diesem nicht gerade brandneuen Thema, nun, vom «Spiegel» inspirieren.

Der veröffentlichte am 8. Januar ein Stück mit dem Titel «Was Trumps imperiale Politik mit Hitlers «Kronjurist» zu tun hat». Da machen die beiden SZ-Geistesriesen den Schirm etwas weiter auf: «Wladimir Putin und Donald Trump erinnern mit ihrem politischen Gebaren an die Theorien von Carl Schmitt

Nach tiefem Nachdenken (wahrscheinlich verzehrte die neuerliche Strategieänderung alle Energien) klappert am 30. Januar der Intelligenzkopfblattsalat von Tamedia mit dem Text der SZ nach: «Das Gebaren von Putin und Trump erinnert an die Theorien dieses Nazi-Juristen».

Allerdings reichen die Vorbilder von SZ und damit Tamedia noch etwas weiter in die Vergangenheit zurück. Nehmen wir diese drei Absätze in diesem Machwerk:

«Auch Schmitt wirkte seinerzeit in einem Epochenwechsel. Seine Karriere begann in der Weimarer Republik. 1933 trat er in die NSDAP ein und wurde Hitlers «Kronjurist». Für die «Deutsche Juristen-Zeitung» verfasste Schmitt den Aufsatz «Der Führer schützt das Recht». Die Morde zur vorgeblichen Prävention des sogenannten Röhm-Putschs von 1934 rechtfertigte Schmitt durch sein juristisches Prinzip der «Führer-Ordnung». Die antisemitischen Nürnberger Gesetze von 1935 nannte er eine «Verfassung der Freiheit».

Schmitt war Protegé von Hermann Göring, der Nummer zwei im NS-Machtapparat, sowie von Hans Frank, dem Generalgouverneur der besetzten Gebiete Polens, auch bekannt als «Schlächter von Polen». 1936 wurde Schmitt aus Kreisen der SS Opportunismus vorgeworfen. Er verlor zwar seine Parteiämter, blieb aber Mitglied der NSDAP.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verweigerte sich Schmitt der Entnazifizierung. Er zog sich nach Plettenberg zurück und wirkte fortan als Privatgelehrter ohne Professur. Seine Heimatstadt verlieh ihm zum 90. Geburtstag noch den Ehrenring. Schmitt wurde 96 Jahre alt.»

Nun nehmen wir den Wikipedia-Eintrag über Schmitt zum Vergleich:

«Schmitt trat ab 1933 für den Nationalsozialismus ein und wurde zum 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP. Die Morde zur vorgeblichen Prävention des sogenannten Röhm-Putsches von 1934 rechtfertigte Schmitt durch sein juristisches Prinzip der „Führer-Ordnung“. Die antisemitischen Nürnberger Gesetze von 1935 nannte er eine „Verfassung der Freiheit“. Er war Protegé von Hermann Göringund Hans Frank.[3] 1936 wurde ihm aus Kreisen der SS Opportunismus vorgeworfen; er verlor zwar daraufhin seine Parteiämter, blieb aber Mitglied der NSDAP. Dank der Protektion durch Göring und Frank blieb er Preußischer Staatsrat und behielt seine Professur an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Nach dem Ende des Nationalsozialismus verweigerte er sich einer Entnazifizierung und wirkte fortan als Privatgelehrter ohne Professur. Über seine Schüler und Bewunderer verfügte er über einen gewissen Einfluss in der westdeutschen Rechtswissenschaft.»

Ähm.

Ähnlichkeiten sind rein zufällig und keineswegs beabsichtigt? Es ist kein reines Plagiat. Aber wie soll man einen Text nennen, der entstanden ist, indem man einen anderen Text in den Mixer gesteckt, ihn dann nochmal gut durchgerührt hat und dem Leser als originäre Leistung verkauft?

Wohlgemerkt, das braune Gedankengut von Schmitt, ebenso wie das von Heidegger, wird immer mal wieder aufgewärmt und auf aktuelle Zeitläufte angewendet. Trump, Vance, Putin, die üblichen Verdächtigen. Zumindest bei Trump kann man aber sicher sein, dass er garantiert kein Werk von Schmitt gelesen hat. Wobei, «souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», das würde Trump durchaus gefallen.

ZACKBUM fasst zusammen. Angeregt durch den «Spiegel» (und/oder eine Taz-Kolumne zum Thema) greifen zwei dafür nicht sonderlich qualifizierte Autoren der SZ gemeinsam in die Tasten. Nach längerem Nachdenken hoppelt das Qualitätsmedienhaus Tamedia hinterher und serviert das Aufgewärmte seinen Lesern, gegen Bezahlung natürlich.

Weder SZ noch Tagi fällt es auf, dass man eigentlich den Abdruck des Artikels (wenn man auf die bedeutsame Schilderung des Besuchs des Friedhofs, wo Schmitt ruht, verzichten möchte) durch zwei Sätze ersetzen könnte: Schauen Sie doch in Wikipedia unter dem Stichwort Carl Schmitt nach. Fallen Ihnen keine Ähnlichkeiten zum Denken von Trump, Vance oder Putin auf?

Ist das mal wieder erbärmlich. Oder sagten wir das schon?

Der Trump-Flüsterer

Wenn der US-Präsident Peter Burghardt nicht hätte. Nur weiss er das nicht.

Grundstimmung ist Weltuntergang. «So stirbt die Demokratie», «Die «Washington Post» stirbt». Vergeblich schrieb der US-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» in Washington gegen drohende Wahlsiege von Donald Trump an.

Burghardt empfand es als persönliche Beleidigung, dass die US-Wähler seinen dringenden Appellen nicht Folge leisteten und aus reiner Blödheit Trump zweimal zum Präsidenten wählten.

Blöd auch: weder die Demokratie, noch die WaPo sind gestorben bis jetzt.

Nun ist’s leider so, also muss nun Trump mit den ungebetenen Ratschlägen und Forderungen von Burghardt leben:

«Pete Hegseth ist als Minister nicht länger tragbar»,

böllert Tamedia. Etwas zurückhaltender hatte die SZ im Original noch getitelt: «Die grösste Fehlbesetzung». Aber die Fehlbesetzung Auslandredaktion bei Tamedia will ja auch etwas für ihr Geld tun und spitzt an und zu.

Schon mit dem ersten Satz macht Burghardt klar, wie er die Lage sieht: «Pete Hegseth hätte nie amerikanischer Verteidigungsminister werden dürfen, er war von Anfang an eine der auffälligsten Fehlbesetzungen im Kabinett von Donald Trump.»

Das Leiden ist deutlich spürbar, dass weder der US-Wähler, noch der US-Präsident auf die Ratschläge eines Deutschen in Washington hören.

Dabei sagt ihm Burghardt doch haargenau, was er zu tun hätte: «Der US-Präsident hat es doch sonst oft eilig, Mitarbeiter zu feuern – dies wäre eine erstklassige Gelegenheit.»

Aber eben, Trump, dieser Versager, ergreift nicht mal eine erstklassige Gelegenheit, wenn sie ihm auf dem Silbertablett geliefert wird.

Gnadenlos wird Burghardt persönlich: «Seine (Hegseths, Red.) Tattoos mit Symbolen, die auf christlichen Nationalismus hinweisen, mögen Privatsache sein. Aber auch das sieht in seinem Job seltsam aus.»

Auch Kontaktschuld wirft er dem Kriegsminister vor. Trump hat gerade den ehemaligen honduranischen Präsidenten und Drogenschmuggler (dessen Bruder sitzt immer noch lebenslänglich im Knast) Orlando Hernández begnadigt. Obwohl der von einem US-Gericht über jeden Zweifel erhaben verurteilt worden war.

Trumps Fehler, den Burghardt genüsslich ausführt, aber: «Dafür kann Hegseth nichts, aber er ist aus mehreren Gründen untragbar.» Nun, wenn er dafür nichts kann, wieso erwähnt es dann der Schreiberling?

Trump häuft hier Fehler auf Fehler. Nach dem Skandal um ungesicherte Chat-Mitteilungen über militärische Geheimnisse: «Trump entliess damals den Sicherheitsberater Mike Waltz, er hätte Hegseth entlassen sollen.»

Tat Trump aber nicht, die Pfeife. Dann setzt Burghardt noch zum Todesstoss als Schlusspointe an: «In dieser irren Lage kann sich die stärkste Streitmacht des Planeten erst recht keinen solchen Verteidigungs- alias Kriegsminister leisten, Wladimir Putin und Xi Jinping amüsieren sich vermutlich prächtig.»

Meine Güte, Burghardt will nicht nur in Washington mitregieren, er verfügt auch über intime Kenntnisse des Gemütszustands von Putin und Xi.

Es ist wirklich eine Schande, dass eine solche Koryphäe nicht zum persönlichen Beraterkreis des US-Präsidenten gehört. Es ist schrecklich, dass weder Trump, noch Putin, noch Xi auf seine Ratschläge hören.

Es ist eigentlich noch schlimmer. Weder in Washington, noch in Moskau, noch in Peking wird die Unke zur Kenntnis genommen. Ausbaden müssen diesen Frust die Leser der SZ. Und Second Hand die Leserschaft von Tamedia. Die für dieses frustrierte Gedöns sogar noch bezahlen muss.

Die Narrative der Einfältigen

Am Fall Baris Weiss lässt sich das ganze Elend illustrieren.

Fakt ist: die Journalistin Bari Weiss wird neue Chefredaktorin beim US-TV-Sender CBS.

Die Interpretation in der Süddeutschen (ausgestrahlt in den Tagi, der ja keine nennenswerte eigene Auslandberichterstattung hat):

«Rechte Journalistin übernimmt CBS: Ein Kniefall vor Donald Trump

So brabbelt Andrian Kreye vor sich hin und behauptet: «Die 41-jährige Bari Weiss wiederum steht für den Strukturwandel und den Rechtsruck in der Medienwelt.»

Weiss sei bekannt geworden, als sie sich mit Getöse von der «New York Times» verabschiedete. Mit laut Kreye windiger Begründung: «Nach Essays, in denen sie sich für kulturelle Aneignung und gegen linke Hetze positionierte, hätte die Zeitung sie weder gegen die heftige Kritik noch gegen die Shitstorms in den sozialen Medien verteidigt, so Weiss’ Begründung

War das ihre Begründung?Bullshit, wie Trump wohl sagen würde. In Wirklichkeit hatte sie Mobbing im Arbeitsumfeld, ideologische Konformität und den Einfluss von Social Media auf redaktionelle Entscheidungen beklagt.

Was ihr ehemalige Kollegen nachrufen, illustriert perfekt ihre Anklage.

So referiert die NZZ: «Der «New York Times»-Autor Jamelle Bouie verspottete ihre Ernennung auf Bluesky als «herzerwärmende Geschichte». Offenbar, so Bouie, sei es «kein Hindernis für Erfolg, ein unmoralischer und talentloser Schreiberling zu sein, wenn man bereit ist, den widerwärtigen Ansichten reicher Idioten endlos zu schmeicheln».»

Nett, nicht wahr? Aber da geht doch noch was, laut NZZ:

«Als «De-facto-Verbündete der Trump-Regierung» könne sie nun ihre «Bemühungen, progressive und propalästinensische Stimmen zum Schweigen zu bringen», vorantreiben. So formulierte es ein Gastautor des «Guardian», David Klion, in einer 20 000 Zeichen langen Abrechnung mit der «ungehaltenen ‹NYT›-Journalistin, die nach der Macht greift».

Doch damit nicht genug. NZZ:  «Weiss werde «wahrscheinlich versuchen, ein Netzwerk von Denunzianten und rechten Gedankenpolizisten zu rekrutieren», raunt Klion Denn offensichtlich solle sie «als ideologische Kommissarin in den höchsten Ebenen der Medienbranche» dem Weissen Haus helfen, die letzten Widerstandsnester in den Medien, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft auszuheben.»

Ungeheuerliche Denunziationen, bevor Weiss überhaupt ihre Position angetreten hat.

Die Journalistin Weiss ist also als Provokation bei der NYT zurückgetreten. Die Begründung, die Blasenschreiber Kreye von der SZ liefert, ist hanebüchen und falsch.

Was ihre Ex-Kollegen ihr vorwerfen, ist unglaublich.

Die letzten Widerstandsnester ausheben? Da muss man leider sagen: wenn Schwätzer wie Kreye und Denunzianten wie Bouie oder Klion ihre Plattformen und Multiplikatoren verlören, wäre das kein Verlust für den Journalismus, sondern im Gegenteil ein Beitrag zu seiner Verbesserung.

Einer Journalistin, deren politische Position einem nicht passt (abgesehen davon, dass Weiss viel differenzierter argumentiert als ihre Hasser), zu unterstellen, sie sei ein unmoralischer Schreiberling, der eine rechte Gedankenpolizei rekrutieren wolle, ist zwar durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Damit verlassen aber diese Schreiberlinge die Ebene der argumentativen Auseinandersetzung , die Debatte, den auch harten und angriffigen Meinungsaustausch.

Stattdessen greifen sie zu übelsten Unterstellungen und völlig unbewiesenen Behauptungen. Was eigentlich nur eins zum Ausdruck bringt: die ohnmächtige Wut von Kleingeistern, die darunter leiden, dass ihnen die Diskurshoheit im öffentlichen Raum abhanden gekommen ist.

Und denen schmerzlich, aber uneingestanden auffällt, dass sie argumentativ nicht viel zu bieten haben, darin auch einer Weiss deutlich unterlegen sind.

Also bleibt nur haltloses Geschimpfe und Getobe. Wobei sie nicht einmal merken, welch jämmerlichen Eindruck sie damit hinterlassen.

 

 

 

Ein Verschwörungstheoretiker

Andrian Kreye schreibt über Bari Weiss. Und merkt nicht, dass die über ihn schreibt.

Der Autor der «Süddeutschen Zeitung» diffundiert in den «Tages-Anzeiger». Denn er hat Schreckliches zu vermelden: «Rechte Journalistin übernimmt CBS: Ein Kniefall vor Donald Trump

An dieser Schlagzeile stimmt nun genau nichts. Macht nichts. Hinter dieser Fake News steht Folgendes: Die profilierte Journalistin Bari Weiss wird Chefredaktorin des TV-Senders CBS. Der gelte als «Synonym für überparteilichen Journalismus». Hingegen: «Die 41-jährige Bari Weiss wiederum steht für den Strukturwandel und den Rechtsruck in der Medienwelt.»

Das habe sich darin geäussert, dass Weiss medienwirksam bei der «New York Times» gekündigt habe.

«Nach Essays, in denen sie sich für kulturelle Aneignung und gegen linke Hetze positionierte, hätte die Zeitung sie weder gegen die heftige Kritik noch gegen die Shitstorms in den sozialen Medien verteidigt, so Weiss’ Begründung

Auch diese Behauptung von Kreye enthält nur Spurenelemente der Wahrheit. In Wirklichkeit hatte sie Mobbing im Arbeitsumfeld, ideologische Konformität und den Einfluss von Social Media auf redaktionelle Entscheidungen beklagt. Kann man im Kündigungsschreiben nachlesen. Wenn man will.

Nach ihrem Abgang startete Weiss den Newsletter «Common Sense», der schnell einmal weit über eine Million Abonnenten hatte. Während die Nachrichten-Flaggschiffe von CBS schmerzliche Rückgänge bei den Zuschauern verschmerzen mussten. 2025 beispielsweise um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei «CBS Evening News». Erschwerend kommt hinzu, dass das Medianalter des Zuschauers bei 63,2 Jahren liegt, was nur im Vergleich zu Trump als jugendlich gelten kann.

Ausserdem versteifte sich CBS wie die NYT darauf, Donald Trump als Gottseibeiuns wegsenden zu wollen und verzichtete zunehmend auf Diversität im Programm und in den Meinungen.

Immerhin gesteht ihr Kreye zu: «Sie ist eine jener Konservativen, die Debatten nicht mit der ideologischen Kettensäge, sondern mit dem intellektuellen Skalpell auseinandernehmen.»

Er hält es hingegen mehr mit dem Zweihänder: «Auf den ersten Blick wirkt die Besetzung für viele trotzdem wie ein Kniefall vor Donald Trump.» Wer da einen solchen ersten Blick wirft, das verrät Kreye allerdings nicht. Ob er von sich selbst im Pluralis Majestatis spricht?

Was der Gesinnungsschreiber allerdings putzig übersieht: er schreibt hier über Weiss, aber die schrieb auch schon über ihn. In einem Interview im gleichen «Tages-Anzeiger» wurde sie nach ihrem Abgang bei der NYT über die Gründe befragt und sagte 2021, als hätte sie Stücke wie das von Kreye über sich vorhergesehen:

«In diesem Sommer der «Black Lives Matter»-Bewegung setzte sich meiner Meinung nach eine bestimmte Entwicklung durch: Dass es immer mehr Journalisten nicht als ihre Aufgabe empfinden, objektiv zu sein, sondern auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.»

Mit dem intellektuellen Skalpell seziert sie die Blase von «illiberaler Kultur», in der sich auch Kreye bewegt:

«Meine Welt ist das blaue Amerika, das der Demokraten. Und in dieser Welt fürchten die Leute nicht den Illiberalismus der Rechten, sondern haben Angst, von ihren Nachbarn und Freunden aus Schulen, Unis, Jobs gejagt zu werden, weil sie nicht mit der neuen linken Ideologie konform gehen. Es ist kurios, dass unter Linksliberalen inzwischen Leute als Abweichler gebrandmarkt werden, aber es ist so. Und das ist alarmierend.»

So wie sie von Kreye als Beispiel des «Rechtsrucks» in den Medien denunziert wird.

Einen Aspekt hat sie allerdings vergessen: Blasenschreiber wie Kreye neigen auch noch zu Verschwörungstheorien. Fusion Paramount mit CBS und der Blockbusterfirma SkydanceMission Impossible»). Deren Gründer und Chef ist David Ellison, Sohn von Larry Ellison («Oracle») und reichster Mann der Welt.

Der wiederum gelte als «enger Freund von Donald Trump». Und Weiss sei dann direkt David Ellison unterstellt. Schlussfolgerung: Die Aliens sind unter uns und schwarze Helikopter über uns. Nein: «Der Weg ins Weisse Haus ist nicht weit».

So nach der Devise: Trump zu Ellison Senior: sag mal deinem Sohn, er soll Weiss sagen, sie soll den Friedensnobelpreis für mich fordern.

Sagt Kreye, der in einem Medienhaus arbeitet, in dem ähnliche Anweisungen nicht unbekannt sind. Sicher hat Kreye das Buch «Wie ich meine Zeitung verlor» des langjährigen SZ-Reporters Birk Meinhardt überlesen. Und erinnert sich an die Schnüffelei nach einem «Maulwurf» im Plagiats-Skandal um die stellvertretende Chefredaktorin Alexandra Föderl-SchmidJournalisten müssen supersauber sein»). Oder an den Fall Aiwanger.

Aber wieso denn in die Nähe schweifen, das Ferne liegt so nah. Und hat den Vorteil, dass es ein völlig gegendarstellungsfreier Raum ist.

Hubert Wetzel ranzt und raunt

Der Fehlanalytiker und Fehlprognostiker darf weiterhin …

Nach dem Wahlsieg Trumps raunte er: «So sterben Demokratien». Er wiederholt sich, ZACKBUM wiederholt sich: Die Masseinheit ein Wetzel steht für die maximale Distanz zwischen einer Formulierung und der Wirklichkeit.

Nach diesem Prinzip geht er das Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum an. Wie viele waren es genau? Wie viele wurden abgeschossen? Waren die Drohnen bewaffnet oder nicht? War es bewusste Provokation oder Unfähigkeit auf russischer Seite? Genaues weiss man nicht.

Pardon, Wetzel weiss alles. Besser.

Am 12. September meint er in der «Süddeutschen Zeitung»: «Putins erster Streich». Brav dackelt Tamedia am 13. September hinterher: «Dies war Putins erster Streich. Doch der zweite…».

Die überdotierte und unterqualifizierte Auslandredaktion an der Werdstrasse waltete auch ihres Amtes. Heisst es im Original: «Die Verteidigung ihrer Ostflanke ist keine Milchmädchen-Rechnung – bei allem Respekt für alle Milchmädchen, sofern es die noch gibt –, auf der sich simple Geldbeträge gegenüberstehen», so wurde das tapfer eingeschweizert: «die Verteidigung ihrer Ostflanke ist keine Milchbüechli-Rechnung, auf der sich simple Geldbeträge gegenüberstehen».

Der Respekt für die Milchmädchen musste über die Klinge springen. Aber das sind nur lustige Nebensächlichkeiten.

Denn Wetzel geht ganz streng mit der NATO ins Gericht: «Wenn das ein Test war, dann hat die Nato versagt.» 19 Drohnen, so weiss Wetzel es als einziger genau, seien angeflogen. «Aber nur drei oder vier werden vom Himmel geholt – eine verheerend schlechte Abschussquote

So geht das nicht, donnert Wetzel:

«Wenn 19 Drohnen das Staatsgebiet und die Bewohner eines Nato-Mitglieds bedrohen, und das tat jedes dieser wackeligen Objekte, müssen alle 19 Drohnen abgeschossen werden.»

Nehmt das, ihr unfähigen NATO-Militärs. Aber, da gerät Wetzel vor Erregung leicht ins Stottern: Die NATO «kann mit enormem technischem Aufwand ein paar Drohnen abwehren, indem sie mit den sprichwörtlichen Kanonen auf die sprichwörtlichen Spatzen schiesst. Aber kann sie sich auch verteidigen, wenn nicht 19, sondern 190 Drohnen an einem Tag angreifen? Oder 1900 in einer Woche? »

Da fehlen einem sprichwörtlich die Drohnen, äh, Worte. Ja kann sie das? Muss sie das können? Reicht das deutsche Sondervermögen von 500 Milliarden Euro dafür aus? Also militärisch sieht das alles sehr wackelig aus, wenn der Iwan seine Drohnenschwärme losschicken würde.

Aber politisch sei’s auch nicht viel besser. Regierungschefs europäischer NATO-Länder hätten immerhin «Entrüstung» (statt Aufrüstung?) gezeigt. Aber was ist denn mit ihm? «Am Dienstagabend amerikanischer Zeit, als die Drohnen über Polen flogen, sass er (Präsident Trump, Red.) in einem Washingtoner Restaurant. Erst am Mittwochabend europäischer Zeit meldete er sich mit einer kryptischen Nachricht zu Wort. Was das denn nun sei mit diesen Drohnen, schrieb er. Und dann: «Here we go!» Jetzt gehts los! Wer oder was losgeht und wohin, das schrieb Trump nicht.»

So geht das ja auch nicht. Wohin’s gehen soll, das im Unklaren zu lassen, das darf nur Wetzel.

Für die Leser, die’s noch nicht kapiert haben, legt er noch eine Schippe drauf: «In einer Situation, in der Kampfjets unter Nato-Flagge zum ersten Mal in der Geschichte der Allianz mit scharfer Munition auf russisches Militärgerät schossen, das in feindseliger Absicht angeflogen kam, war der US-Präsident also mit seinem Dinner ausgelastet

Statt die Gabel fallenzulassen und sofort in den Situation Room unter dem Weissen Haus zu eilen und Gegenschläge vorzubereiten. Schliesslich lassen sich Hamburger doch auch liefern, wozu muss man sich dafür in ein Restaurant setzen.

Aber dieser Mann ist ja dermassen fahrlässig: «Auch scheint es Trump nicht zu kümmern, dass Russland und Belarus soeben ihr Militärmanöver «Sapad 2025» begonnen haben.» Das tun die zwei zwar alle vier Jahre, welche spezielle Kümmernis sollte das bei Trump auslösen?

Wir fassen kurz zusammen: die NATO, militärisch ein Haufen Vollversager. Von 19 Drohnen lediglich eine Handvoll abgeschossen. Während die anderen schlichtweg vom Himmel trudelten und weniger Schaden als die abgeschossenen anrichteten.

Die NATO, politisch führerlos. Nun nähert sich Wetzel mal wieder dem Höhepunkt, allerdings der Absurdität. Denn er schaut noch schnell ins Oberstübchen des Kreml-Herrschers und diagnostiziert: «Sollte der russische Diktator Wladimir Putin sich gefragt haben, wie wichtig Donald Trump die Verteidigung des Nato-Gebiets durch die USA ist, dann kann er aus dem Verhalten des US-Präsidenten durchaus eine Antwort ableiten: nicht so wichtig wie ein Steak mit Ketchup

Da erhebt sich die Frage: Hat Wetzel das recherchiert? Woher weiss er das? War’s wirklich ein Steak? Mit Ketchup? Kein Hamburger? Wieso fehlt die Angabe, ob das Steak well done oder medium rare serviert wurde? Und mindestens so wichtig: was ass oder trank Putin, während er sich diese Frage stellte?

Und was schliesst Wetzel aus dem Steak mit Ketchup? «Niemand sollte sich daher wundern, wenn Putins nächster Test bald folgt

Weder Trump noch Putin sind dafür bekannt, über einen ausgeprägten Sinn für Humor zu verfügen. Sollten sie aber dieses Stück Flachsinn lesen, würden sich beide die Lachtränen abwischen müssen.

 

After-Journalismus

Wenn der Wunsch weiter die Feder führt.

Peter Burghardt, diesmal unterstützt von Boris Herrmann, kriegt sich in seinem Trump-Hass mal wieder nicht ein. Nachdem seine düstere Vorhersage «so stirbt die Demokratie» nicht eingetroffen ist, belästigt er seine Leser weiterhin mit seinen aus dem Bauchgefühl gespeisten Absurditäten.

Dass das die Abonnenten der «Süddeutschen Zeitung» aushalten müssen, wo beide in Lohn und Brot stehen, ist eine Sache. Dass die Qualitäts-Auslandredaktion von Tamedia seinen Stuss übernimmt und ihn kostenpflichtig serviert, ist die andere. Im Sommerloch gehen alle Massstäbe verloren, und ZACKBUM wird sich nicht schon wieder ein Tiefenlot kaufen.

«Das Geheimnis einer Freundschaft», titelt die SZ vorsichtig. «Maga-Bewegung erschüttert: «Wunderbares Geheimnis»: Trumps Nachricht an Jeffrey Epstein bringt ihn in Erklärungsnot», legt Tamedia einen drauf.

Schon im Titel wird etwas im Indikativ behauptet, was lediglich eine Meldung des «Wall Street Journal» ist. Donald Trump, beweisbar im Freundeskreis um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, soll ihm zum 50. Geburtstag  in einer Gratulationssammlung einen anzüglichen Glückwunsch geschickt haben. Die Skizze einer nackten Frau, in deren Intimbereich die Unterschrift Donald.

Der US-Präsident dementiert kategorisch und verklagt das WSJ, die Muttergesellschaft Dow Jones und den Besitzer Rupert Murdoch persönlich auf ein paar Fantastilliarden.

Das Duo Burghardt/Herrmann verwendet flugs den Indikativ: diese Nachricht «belegt die langjährige Freundschaft der beiden.» Diese Freundschaft wird nicht einmal von Trump bestritten, die bislang als unbewiesene Behauptung dastehende Berichterstattung des WSJ «belegt» überhaupt nichts.

Richtig ist, dass Trump in seiner gewohnt ruppige Art reagiert. Dass seine Justizministerin Pam Bondi nicht gerade eine gute Figur machte, als sie zuerst ankündigte, dass alles auf ihrem Schreibtisch liege und veröffentlicht werde. Um dann hektisch zurückzurudern.

Aber selbst Burgardt/Herrmann müssen einräumen: «Bislang gibt es keinerlei öffentlich bekannte Beweise dafür, dass Donald Trump sich im Zusammenhang mit der Causa Epstein etwas hat zuschulden kommen lassen

Also können sie nur nach über 11’000 A Platz- und Zeitverschwendung schliessen, dass nun doch noch mehr Akten freigegeben werden sollen: «Wie das geht, was da drinsteht und wie vollständig diese Dokumente sind, das ist das nächste Mysterium.»

Nein, das einzige Mysterium ist: Wie ist es möglich, dass im sogenannten Qualitätsjournalismus ein solcher Haufen Müll durch alle Kontrollinstanzen rutscht und sowohl die Leser der SZ wie auch des Kopfblattsalats von Tamedia anstinkt?

Nicht einmal Qualitätspapst Simon Bärtschi hat eingegriffen, obwohl das Meinungsstück die absolute Obergrenze für Artikellängen deutlich nach oben überschreitet.

Ob Präsident Trump oder die amerikanische Öffentlichkeit sich vom kläglichen Zwischenruf beeindrucken lassen? Es steht zu befürchten, dass die Länge seine Aufmerksamkeitsspanne deutlich überschreitet.

Bei Meinungsumfragen über Trumps Beliebtheit hat man die freie Wahl unter Dutzenden Angeboten. Nehmen wir das der «New York Times», die nicht gerade als Trump-freundlich gilt. Da haben die Ankündigungen seiner TACO-Zollpolitik für einen deutlichen Einbruch gesorgt. Aber das Thema Epstein lässt sie recht unverändert. Aktuell knapp 44 Prozent Zustimmung, 53,5 Prozent Ablehnung.

Und wenn Burghardt in Washington und Herrmann in New York herumfragen, welchen Impact ihre Suada in den USA gehabt hat, wird ihnen ein verständnisloses: «What the heck are you talking about?» entgegenschallen.

 

Kleiner Lichtblick beim Tagi

Allerdings hat es auch Schattenseiten.

Aber zunächst das Positive: In den allgemeinen Jubel, die Durchhalteparolen und die Verdammung des russischen Angriffskrieg hinein wagt es Tamedia, die offenbar desolate Situation der ukrainischen Armee zu beschreiben. Nicht nur durch Feindeinwirkung.

«Am 16. Mai veröffentlichte Bataillonskommandant Schyrschyn, Codename Genie, einen explosiven Beitrag auf seiner Facebook-Seite. «Ich habe nie mehr idiotische Aufgaben bekommen als in der heutigen Anweisung … Der dumme Verlust an Leuten und das Zittern vor den dämlichen Generälen führt zu nichts als Fehlschlägen. Alles, was sie tun können, ist schimpfen, nachforschen und Strafen auferlegen. Sie können alle zur Hölle gehen. Die politischen Spiele und Einschätzungen der Dinge haben nichts mit der Realität oder den Möglichkeiten zu tun.»

Das sei keine Einzelstimme, weiss der Autor Florian Hassel. Die Gesamtlage sei kritisch, protestierende Stimmen mehren sich. Sieht nach einem starken Stück Recherchierjournalismus aus.

Es gibt aber auch jede Menge Negatives. Zunächst einmal fiel der Ukraine-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» schon mehrfach durch peinliche Meldungen auf. Dann ist er der Korrespondent der SZ, also besteht die Eigenleistung der Qualitätszeitungen aus dem Hause Supino aus einer runden Null.

Also nicht ganz, so lauteten Titel und Lead im Original in der SZ: ««Sie können alle zur Hölle gehen.» Immer mehr ukrainische Offiziere kritisieren Entscheidungen ihres Generalstabs. Gleichzeitig hat Russland die Taktik geändert – und bereitet eine neue Sommeroffensive vor.»

Daraus machte die kompetente Auslandredaktion von Tamedia: ««Dumme Verluste» und «dämliche Generäle»: Ukrainische Offiziere kritisieren die Armee­führung. Die Armee der Ukraine pfeife aus dem letzten Loch. Doch die katastrophale Situation werde geschönt, sagen Experten und Offiziere. Gleichzeitig bereitet Russland eine Sommeroffensive vor.»

Also Titel abgeschwächt, Lead sinnlos verlängert, die Taktikänderung gespült und gleich noch einen Kommentar reingepackt («pfeift aus dem letzten Loch»). Könnte in der Journalistenausbildung als Beispiel dienen, wie man es nicht machen sollte.

Dann schreibt Hassel auch dies: «Im Juni 2024 hatte Bohdan Krotewytsch, früher Stabschef der militärisch hoch angesehenen Asow-Brigade, auf X ähnlich festgestellt …» Vielleicht hätte er hinzufügen können, dass diese Brigade ein Haufen von Neofaschisten ist. Die USA hatten bis Mitte letztes Jahr jegliche Waffenlieferungen an sie verboten: «Das stand im Einklang mit dem sogenannten «Leahy-Gesetz», das die Ausbildung und Bewaffnung ausländischer militärischer Gruppen verbietet, die schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben», weiss das ZDF.

Diese Brigade stand lange unter der Führung einer Neonazigruppe, ihr gehören auch rechtsextreme Strassenkämpfer an, das Kennzeichen der Truppe hat eine entlarvende Ähnlichkeit mit einem Nazi-Symbol aus dem Zweiten Weltkrieg. Kein Wunder in einem Land, in dem der Kriegsverbrecher und Nazi-Helfer Stepan Bandera bis heute mit Denkmälern geehrt wird. Aber wenn sie halt «militärisch hoch angesehen» sein soll …

Erschwerend kommt weiter hinzu, dass Hassel einfach einen Zusammenschrieb von kritischen Meldungen über den Zustand der ukrainischen Armee abliefert. Die «New York Times», BBC, «Washington Post», Reuters und viele andere haben bereits über die anschwellende Kritik an der Militärführung und an inkompetenten Generälen berichtet. Allerdings auf Englisch.

Natürlich berichten auch ukrainische Medien, die allerdings im Ausland erscheinen. Denn in der Ukraine herrscht die gleiche Pressezensur wie in Russland.

Bei genauerer Betrachtung verdüstert sich also dieser Lichtblick, und der Artikel schrumpft auf das Niveau des normalen Elendsjournalismus. Der noch elendiglicher wird, wenn Tamedia ihn hinter der Bezahlschranke versteckt und von seinen Lesern auch noch Geld dafür will, dass sie per copy/paste ein Produkt aus München vorgesetzt bekommen.

In der Hoffnung: merkt doch keiner. Und woher die Weisheiten des Autors stammen, das weiss doch keiner.

Wie lange man wohl noch den zahlenden Tamedia-Leser für dumm verkaufen kann?

Old News

Ein Widerspruch in sich selbst? Nein, ein Tagi-Prinzip.

Als USA-Korrespondent Fabian Fellmann am 5. Januar den Artikel verfasste, war Mike Johnson tatsächlich noch nicht als Speaker gewählt. Als der Artikel am 6. Januar immer noch unverändert auf der Homepage des Tagi stand, schon. Allerdings widerspricht sich Feldmann dann im Artikel selbst:

«Speaker Johnson wurde noch einmal gewählt. Der Vorgang lässt erwarten, dass die nächsten Monate im Kongress unvorhersehbar und chaotisch werden, jede wichtige Abstimmung wird zur Zitterpartie.»

Oder auf Deutsch: Fellmann wünscht Trump alles Schlechte. Zu seiner Entschuldigung kann man höchstens anführen, dass die schlampige Tagi-Redaktion dieses «In Kürze» unverändert stehen liess. Kä Luscht, kä Ziit, wir sind im Genderkurs mit Andreas Tobler. Oder so.

Dazu gehört auch die brandaktuelle Aufzählung vergangener und gegenwärtiger Untaten Trumps. Der «Tag der Schande» am 6. Januar 2021, als Trump-Anhänger das Capitol stürmten und die formelle Auszählung der Wahlmännerstimmen zu verhindern suchten. Die daraus resultierende Anklage gegen Trump, die nach seiner Wiederwahl eingestellt wurde. Die Verkündung des Strafmasses im Prozess um seine Schweigegeldzahlung an eine Pornodarstellerin. Die selbst war nicht strafbar, aber für den Versuch, sie in der Buchhaltung zu verschleiern, wurde Trump schuldig gesprochen.

Und schliesslich: «Trotz der Verurteilung in New York will Donald Trump am 20. Januar triumphal seine Amtseinführung feiern – eine Tradition, die er selbst vier Jahre zuvor mit Füssen getreten hat.»

Das alles ist ein übellauniger Rempler, mit dem der Journalist klarstellt, dass von ihm keine einigermassen objektive Berichterstattung über Präsident Trump zu erwarten ist. Seine persönliche Einstellung sei ihm unbenommen, und es gibt tatsächlich mehr als genug Gründe, die Person Trump unausstehlich zu finden. Allerdings wäre es die Aufgabe eines Zeitungskorrespondenten, den fernen Lesern in der Schweiz begreiflich zu machen, wieso eine Mehrheit der US-Stimmbürger diesen Mann gewählt haben – und welche Pläne er verfolgt.

Stattdessen aber ein Rehash von Vergangenem, fern der Aktualität und Realität.

Die Welt ist nicht nur schlecht, sie wird auch immer schlechter. Denn ein Trump ist nicht genug. Da gibt es im Süden der Schweiz die italienische Ministerpräsidentin Meloni. Im Westen Marine Le Pen. Im Norden Alice Weidel und die AfD. Dazu im Osten Herbert Kickl und seine «in Teilen rechtsextreme FPÖ». Das weiss Verena Mayer, «Korrespondentin für Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Moldau und Slowenien» für die «Süddeutsche Zeitung», womit auch das Qualitätsmedienhaus Tamedia ihre Ansichten übernimmt.

Denn so wie viele Journalisten immer noch am Wahlsieg Trumps zu knabbern haben, kommen sie auch nicht darüber hinweg, dass die FPÖ die Wahlen in Österreich gewann, aber nicht mit der Regierungsbildung beauftragt wurde. Nachdem das Gewürge, eine Koalition der Wahlverlierer zu formen, gescheitert ist, kommt nun wieder der demokratische Brauch zum Zuge, dass der Gewinner die Chance auf Regierungsbildung bekommt. Oder wie Mayer das formuliert: «Der Nachricht, die wie eine Kugelbombe in die österreichische politische Landschaft einschlug, war ein ereignisreiches Wochenende vorausgegangen.»

Eine Nachricht als Kugelbombe? Die Dame hat wohl die Nachwirkungen der Silvesterfeier noch nicht ganz verdaut. Genüsslich zitiert sie nun frühere Aussagen des neuen ÖVP-Chefs, der wohl als Juniorpartner unter Kickl amtieren wird. Der sei ein «Hochrisiko mit radikalen Ideen» und eine Gefahr «nicht für die Sicherheit, sondern auch für die Demokratie in diesem Land», meinte Christian Stocker zuvor. Aber es zeichnet ja nicht nur in Österreich den Politiker aus, dass er problemlos das Gegenteil vom Gegenteil sagen kann, immer begleitet von «ich habe schon immer gesagt».

Für völlig überflüssig hält es die Korrespondentin, ihren Lesern die Wahlresultate in Erinnerung zu rufen. Die FPÖ siegte mit 28,8 Prozent, auf den Plätzen folgten die ÖVP mit 26,3 und die SPÖ mit 21,1 Prozent. Dabei brach die ÖVP um über 11 Prozent ein, die Grünen um 5,66 Prozent, die SPÖ blieb einigermassen stabil, während die FPÖ um 12,68 Prozent zulegte. Das nennt man normalerweise einen Erdrutsch. Ausser, es handelt sich um eine «in Teilen rechtsextreme Partei».

Nun ist die FPÖ tatsächlich selbst für österreichische Verhältnisse (niemand schlägt eine schöne Wiener Hofintrige) schillernd. Erinnert sei an Jörg Haider oder Heinz-Christian Strache (Ibiza-Affäre). Allerdings muss sich die ÖVP mit Christian Kunz oder die SPÖ mit dem bekennenden Marxisten Andreas Babler auch nicht verstecken. Zuerst war 2023 ein Hans-Peter Doskozil als neuer SPÖ-Parteivorsitzender ausgerufen worden. Dann wurde zerknirscht eingeräumt, dass die Stimmen vertauscht worden seien, in Wirklichkeit habe Babler gewonnen.

Nun sind die Ausflüge der FPÖ in den braunen Sumpf tatsächlich zahlreich. Allerdings hat Österreich traditionell einen überproportionalen Anteil  an Anhängern des Hitler-Faschismus gestellt, und angebräunte Ansichten sind in der Alpenrepublik heute noch im Schwang.

Das sind zwei weitere Beispiele von Gesinnungsjournalismus, der die Leser nicht aufklären, informieren, orientieren will. Sondern belehren, beeinflussen, mit persönlichen Meinungen bedrängen und belästigen.

Wer ein Abo hält, entrichtet damit also einen Gesinnungsobolus. Wer einfach informiert werden will, schmeisst sein Geld zum Fenster raus.

 

Fakten, Fakten …

… und an den Leser denken. War mal ein Erfolgsgarant. Tamedia pfeift drauf.

Ein ganz normaler Freitagmorgen in der Woke-Küche namens Zentralredaktion. Da behauptet die Kolumnistin Nadine Jürgensen unter dem Brachial-Titel «Brechen wir das Schweigen!»: «Jede Frau ist von sexualisierter Gewalt betroffen.»  Und zitiert die Brachial-«Expertin» Agota Lavoyer, die Kreische der angeblich überall vorhandenen «sexualisierten Gewalt», was immer das sein mag. Aber auf jeden Fall geht sie nur von Männern aus.

Das hat Tamedia schon des Langen und Breiten bis zum Überdruss ausgebreitet. Aber Jürgensen scheint gerade das Buch dazu gelesen zu haben. Immerhin relativiert sie: «Nicht alle Männer sind sexuell übergriffig.» Gut, nur sind keineswegs alle Frauen «von sexualisierter Gewalt» betroffen. Nur interessiert diese larmoyante Wiederholung sicherlich die Mehrheit der Tamedia-Leser einen feuchten Dreck.

Der missglückte Online-Auftritt macht mit der Hammer-Meldung auf: «Mein Sohn geht ins Gymi: Es ist der Himmel – und die Hölle». René Hauri weint den Lesern mit seinen höchstpersönlichen Erfahrungen ins Hemd. Aber da die Mehrheit der Tamedia-Leser keinen Sohn haben, der ins Gymi geht, und wenn, dann wohl auch nicht so drunter leiden …

Dann jubelt Paul Munzinger von der «Süddeutschen Zeitung» über die erste Präsidentin Namibias, weil sie eine Frau ist. Grossartig. Dass sie gegen Abtreibung und Homosexualität ist, nun ja, aber he, sie ist eine Frau, und das ist doch super. Versteht der Tamedia-Leser nicht, interessiert ihn auch nicht gross. Wie viele könnten spontan angeben, wo Namibia liegt? Und ist die Geschlechtszugehörigkeit wirklich wichtiger als die politischen Auffassungen?

Dann nahm der Bote des Gottseibeiuns an einem Ministertreffen der OECD teil. Die Rede von Sergei Lawrow fasst der SZ-Mann Matthias Kolb mit aller gebotenen Objektivität zusammen: «Er warnt, die Sache könne «in ein heisses Stadium» übergehen. Es folgen Verdrehungen, Lügen und Phrasen des Kreml inklusive der Behauptung, in der Ukraine regiere ein Naziregime, das Russland bekämpfen müsse.»

Im Titel behauptet Tamedia, dass es einen «Schlagabtausch mit Baerbock» gegeben habe. Allerdings muss die deutsche Aussenministerin, die ansonsten von Fettnapf zu Fettnapf eilt, ins Leere geschlagen haben, denn Lawrow hatte nach seiner Rede den Saal verlassen.

Roger Köppel interviewt Aleksander Vucic, Anlass für kübelweise Häme. Wenn Richard Gere über die durchaus kontroverse Figur des Dalai Lama schwärmt, der sich auch schon mal von einem Knaben die Zunge küssen lässt, verschont ihn Pascal Blum von jeder kritischen Frage, möchte vielmehr leicht schleimig wissen, wie er selbst denn zum Buddhisten werden könnte.

Dann drückt immer wieder die Gutmenschensprache durch, die jeden Liebhaber von gutem Deutsch die Wände hochtreibt: «Mehr Platz für Pendelnde». Die Armen, sie sind keine Pendler, sondern pendeln unablässig, Tag und Nacht.

Will der Tamedia-Leser das über Ronja Fankhauser wissen? «In meiner Krankenakte habe ich drei Diagnosen für meine Psyche, bald kommt eine vierte hinzu.» Will ihre Mutter wirklich so öffentlich vorgeführt werden? «Du, Mama, hältst davon nicht viel. Als Kind wolltest du mich und meine Geschwister nie abklären lassen.» Brr.

Dann darf ja nicht zu viel vorweihnachtliche Stimmung aufkommen:

Soll man, darf man, soll man nicht, gewichtige Fragen, die sicherlich alle Tamedia-Leser brennend interessieren.

Dann liefert Eva Novak ein klassisches Einerseits-Andererseits ab, das dem Leser beim Einordnen unglaublich hilft: «Der Freihandelsdeal Schweiz – Indien kann ein Lottosechser werden. Oder ein Debakel». Um ein Debakel zu verhindern, weiss die praktizierende Wirtschaftskennerin Novak, tue die Wirtschaft «gut daran» sich an ihre Ratschläge zu halten: «Will sie von den unbestrittenen Vorteilen profitieren, muss sie darlegen, wie sie die Milliarden in Indien umweltverträglich und unter Einhaltung der Menschen- und Arbeitnehmerrechte zu investieren gedenkt. Damit sich der vermeintliche Lottosechser nicht als Fehltipp erweist.»

Wie soll sie das, warum soll sie das, reicht es etwa nicht, wenn sich die Wirtschaft an die indischen Gesetze hält? Interessiert «die Wirtschaft» diese Meinung von Novak? Interessiert sie den Leser? Nein.

Ganz zuunterst, nur noch vor den Rätseln und dem Inhalt des «Magazins», hängt immer noch die Kochserie «Elif x Tagi», die keinen interessierte und einer der vielen Flops der inzwischen eingesparten Kerstin Hasseoffen für Neues») ist.

Soviel als Schnelldurchlauf. Mal im Ernst, liebe Tamedia-Redaktion, liebe Leitung: meint ihr wirklich, damit könnt Ihr den Leserschwund aufhalten? Habt Ihr auch schon mal etwas davon gehört, dass der Leser an Fakten interessiert ist, nicht an Meinungen? Denkt irgend einer von Euch beim Schreiben an den Leser? Also anders, als dass er zu erziehen, zu massregeln, mit Betrachtungen des eigenen Bauchnabels zuzumüllen ist?

Besteht eigentlich das Personal von Tamedia nur noch aus Kamikaze-Piloten (generisches Maskulin)? Oder soll das ein Wettkampf mit dem «Blick» sein, wer besser und schneller Leser und Abonnenten vergrault?

Wieso kann man die ganze Webseite durchscrollen, das ganze schwindsüchtige Blatt lesen – ohne irgendwo Lesespass zu empfinden?

Und wieso wird dem meistgelesenen Verkaufs-Titel von Tamedia, der noch einigermassen Niveau hält, die eigene Redaktion weggenommen? Will man denn unbedingt, dass Arthur Rutishauser, der einzige kompetente Macher, auch noch scheitert? Weil er den anderen Nulpen sonst in der Sonne stünde?

Oder arbeitet Pietro Supino schon an seiner Grabrede für den Tagi plus Kopfsalat?