Schlagwortarchiv für: Süddeutsche

Bi, bi, bitte, Biden

Je wirkungsloser, desto kreischiger.

Die Mainstreammedien mögen Donald Trump nicht. Dafür gibt es gute Gründe, schliesslich ist er ein lügender Aufschneider, x-mal als Geschäftsmann gescheitert, cholerisch, beratungsresistent und, da hat Joe Biden für einmal recht, mit der «Moral eines Strassenköters» ausgestattet.

Dennoch sieht es schwer danach aus, dass Trump der nächste Präsident der USA werden kann. Schon wieder. Das treibt die Journaille vom «Spiegel» über die SZ und damit auch Tamedia die Wände hoch und halb zum Wahnsinn. Schon bei Trumps erstem (gelungenem) Anlauf hatten sie sich nicht entblödet, Trump «wegschreiben» zu wollen, der «Spiegel» hatte eine ganze Serie von Titelblättern publiziert, die an dummer Demagogie schwer zu überbieten sind.

Viele dieser Journalisten bekommen bis heute unkontrollierbare Zuckungen, Schreibdurchfall und Schaum vor dem Mund, wenn sie das Wort «Trump» hören. Mit bedingtem und unbedingtem Reflex fangen sie an zu sabbern und zu bellen.

Als wäre das noch  nicht Ungemach genug, schwächelt die weisse Hoffnung, der senile US-Präsident Biden, ganz deutlich. Sobald er sich zwar an einem Rednerpult festhalten, aber seine Aussagen nicht vom Teleprompter ablesen kann, wirkt er so, wie er wohl ist: ein alter, vergesslicher, keinen Satz zu Ende bringender, manchmal mit halb geöffnetem Mund ins Leere starrender Greis.

Nun hat die Journaille ein zweites Problem. Neben der Herkulesaufgabe, Trump wegzuschreiben, will sie nun auch noch Biden wegschreiben. Selbst die NYT legt ihm den Rücktritt als Präsidentschaftskandidat nahe. Noch mehr verunsichern dürfte den US-Präsidenten, dass auch Christof Münger, der Auslandchef ohne Ausland und Verstand von Tamedia, in einer Kehrtwendung auf dem Absatz den Demokraten empfiehlt, einen Ersatz für Biden zu suchen. Nachdem er den noch vor Kurzem als einzige Hoffnung gegen Trump bejubelte.

ZACKBUM macht sich nun ernsthafte Sorgen um die Geistesverfassung vieler Journalisten. Zunächst müssen alle, die nun «Trump, Pardon, Biden muss weg» schreiben, vergessen machen, dass sie noch vor Kurzem das Gegenteil schrieben.

Zum anderen, ZACKBUM lehnt sich aus dem Fenster, könnten die Demokraten auch gleich Trump zum Wahlsieg gratulieren, wenn sie ihren kandidierenden Präsidenten tatsächlich zum Rücktritt bewegten. Realpolitiker und gewiefte Wahlkämpfer wie Clinton oder Obama wissen: ja nicht, bloss nicht. Das wäre Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Also leidet die Journaille unter gleich drei Problemen. Auf einmal. Sie konnte und kann Trump nicht wegschreiben. Sie konnte und kann Biden nicht zum aussichtsreichen Kandidaten hochjubeln. Sie konnte und kann ihn nicht wegschreiben.

Aber ihr allergrösstes Problem ist, dank Social Media, gewandeltem Newskonsum: selbst was die NYT will und meint, lässt höchstens in China einen Reissack umfallen. Mehr nicht. Was der «Spiegel», die SZ und der mit ihr wedelnde Tamedia-Qualitätskonzern meinen, interessiert in den USA schlichtweg null. Zero. Nada.

Wirkungslos ist es allerdings nicht, was zum Beispiel «heute so, gestern soso, morgen anders»-Münger schreibt. Es wirkt auf seine Leser ein. Die greifen sich an den Kopf und beantworten die naheliegende Frage, wieso sie für solche Wetterfahnenjournalisten Geld ausgeben sollen. Die die Meinung schneller als Bierdosen wechseln.

Wer da schwankt, manchmal das viele Geld für ein Abo für gerechtfertigt hält, manchmal nicht, bei dem verfestigt sich die Sicherheit: ist rausgeschmissen. Kann eingespart werden.

Camouflage

Die halbe Miete im modernen Journalismus.

Beginnen wir mit dem Paradebeispiel. Tamedia übernimmt einen grossen Teil seines Contents aus München. Von der Auslandberichterstattung bis zu Gedanken über Katzen des ehemaligen Münchner Oberbürgermeisters.

Ist allerdings Deutschland die Schweiz? Bayern der Kanton Bern? München wie Zürich? Nicht ganz, eher nicht. Also betreibt der Medienkonzern Camouflage, räumt die ß aus den Texten, schweizert ein oder schreibt um, was sich zu sehr nach Germanismen anhört. Werden die Texte dadurch besser, lesenswerter, kann man es verantworten, von einem Schweizer Publikum dafür Geld zu verlangen?

Probieren kann man’s.

Zwei Autoren der Süddeutschen Zeitung echauffieren sich, nachgedruckt von Tamedia, über angeblich raue Sitten im englischen Journalismus, inklusive Hacken von Mailaccounts. Dass das Gleiche in der eigenen Redaktion von der eigenen Chefredaktion getan wurde – Camouflage, kein Wort drüber.

Judith Wittwer wurde 2020 nach München in die Chefredaktion der SZ entsorgt. Seither tritt sie öffentlich kaum in Erscheinung, schwieg auch beharrlich bei der Plagiats-Affäre ihrer Stellvertreterin. Sie ist offenbar eine Camouflage-Chefin.

Ringier betreibt zusammen mit Tamedia (also mit Tx oder wie das im Moment heisst) monopolähnlich Homegate, Autoscout, Ricardo. Bewertung für einen Börsengang der Firma Swiss Marketplace Group (SMG) 3 Milliarden; bei Tx regnete es eine Sonderdividende rein (und killte die Subventionsmilliarde, nebenbei).

Aber zu viel Gier ist auch nicht gut. Wie «Inside Paradeplatz» als erster meldete, hat der Schweizerische Verband der Immobilienwirtschaft (SVIT) beschlossen, «keine Werbe-, Sponsoring- und sonstige Leistungsvereinbarungen mit der Swiss Marketplace Group AG und seinen Organisationen» mehr abzuschliessen, bestehende zu kündigen. Damit reagiert der SVIT auf freche Preiserhöhungen der SMG, die meinte: bei uns muss man inserieren, so what.

Nun bleibt als Hoffnung der Verlegerclans noch eine Neuauflage des Medien-Förderungsgesetzes, die ihnen dringend benötigte Kohle (so eine neue Yacht ist nicht billiger als ein neuer Privatflieger) in die Kassen spülen soll. Denn Qualitätsjournalismus kostet.

Liest man darüber etwas bei den vielen Kopfsalatblättern oder bei Ringier? Camouflage.

Der Lebrument-Clan in der Südostschweiz ärgert sich mit dem ewigen Radiopiraten Roger Schawinski herum. Der hatte dem siegessicheren Clan die lokale Radiokonzession vor der Nase weggeschnappt. Und gibt seinem neuen Sender den Namen «Radio Grischa», weil den die Lebruments mehr als 5 Jahre lang nicht mehr benutzt haben. Nun versuchen sie mit allen Mitteln, also vor allem mit juristischen Winkelzügen, Schawinski Kosten zu verursachen und den Sendestart zu verzögern. Liest man darüber etwas in ihren lokalen Monopolblättern? Camouflage.

Die «Weltwoche» veröffentlicht seitenlang ein Gespräch des Chefredaktors Roger Köppel mit Wladimir Solowjow. Der sei «der Superstar des russischen Polit-Fernsehens». Und darf nun ungebremst hanebüchenen Schwachsinn in der WeWo verbreiten. Camouflage: «Mit den Russen redet niemand. Das ist falsch. Als Schweizer muss man allen Seiten zuhören, sonst ergibt sich ein einseitiges Bild.» Allerdings hat Köppel das mit dem Zuhören etwas zu wörtlich genommen. Denn immerhin unterscheidet sich westlicher Journalismus von russischem doch dadurch, dass in Interviews manchmal kritische Fragen gestellt werden.

Aber gut, ein Text von Daniel Ryser wäre noch schlimmer, so ist alles relativ. Dafür hat’s in der gleichen WeWo einen von Tom Kummer. Sehr relativ …

Bislang war der Text eher traurig, daher ein paar Schmonzetten Solowjows zur Erheiterung:

«Ich bin die reinste Form eines Journalisten … Ihr (Europäer, Red.) tut uns leid … Europa führt wieder einmal Krieg gegen Russland, zum dritten Mal seit Napoleon und Hitler … Wir sagten Selenskyj, er solle aufhören, Menschen zu töten. Dann begannen wir unsere begrenzte militärische Operation … Gemäss den Verträgen, die wir unterzeichnet haben, war das zu 100 Prozent legal … Alles, was wir tun, tun wir auf der Grundlage des Völkerrechts, auf der Grundlage von Verträgen … Es spielt keine Rolle, wie lange es dauert. Wir werden gewinnen.»

Gut, ZACKBUM will ein Einsehen haben und das Zwerchfell schonen. Doch, ein Absackerchen geht noch; wie tickt eigentlich Putin? «Es geht ihm nicht um Geld. Nicht um Eigentum. Sie finden keine Korruptionsskandale. Die Russen sehen, wir er lebt, arbeitet, was er besitzt. Bei Putin geht es um Werte.»

ZACKBUM wälzt sich auf dem Boden vor Lachen, japst um Hilfe. Und bittet inständig: weniger Camouflage im Journalismus. Please. Bitte. пожалуйста.

Auch Nachruf will gelernt sein

Donald Sutherland ist gestorben.  Ein ganz Grosser wird von Zwergen betrauert.

David Steinitz hat schon am Biopic über Leonard Bernstein rumgemeckertverschwitztes Dirigentengezappel»). Denn der Autor der «Süddeutschen Zeitung» hält sich für ein ganz grosses Licht bei Filmthemen.

Nun verbirgt Tamedia den Nachruf von Steinitz auf Sutherland hinter der Bezahlschranke. Für die armen Leser, die ihn nicht in der SZ genossen haben. Damit da kein Wiedererkennungswert entsteht, hat Tamedia den ursprünglichen Titel «Niemandes Nachbar» zu «Er spielte wie ein Berserker» verhunzt.

Aber unabhängig vom Titel, Steinitz spult die übliche Aufzählung von Rollen und Anekdoten runter. Dabei erwähnt er offenbar nach dem Zufallsprinzip grosse Rollen («Wenn die Gondeln Trauer tragen») und nebensächliche («Die Körperfresser kommen») und unwichtige («Outbreak», «Die Jury»).

Dafür sind Filme wie «Klute», «1900» und vor allem Fellinis «Casanova», seine wohl bedeutendste Rolle, dem Filmkenner keine Erwähnung wert. Dass Sutherland im Herbst seiner Karriere noch sich selbst in der «Tribute von Panem»-Reihe persiflierte und massig Kohle reinschob, nun ja.

Eher launig kann man auch den Nachruf von SRF bezeichnen: «Donald Sutherland war ein langer Mann mit einem langen Gesicht und einer langen Karriere.»

Immerhin ein gewisses Niveau erreicht Tobias Sedlmaier in CH Media:

«Oft spielte Sutherland düstere, komplexe und intensive Figuren, umweht von Tragik oder existenzieller Rätselhaftigkeit. Figuren, die zugleich irdisch waren und doch ein bisschen fernab über dieser Welt zu schweben schienen, als ob sie mehr ahnen würden vom Leben

Ziemlich lustlos geht hingegen Laszlo Schneider beim «Blick» zur Sache: «Die Filmwelt trauert um einen ihrer grössten Stars: Wie sein Sohn Kiefer Sutherland (54) auf X mitteilt, ist der kanadische Schauspieler Donald Sutherland am heutigen Donnerstag im Alter von 88 Jahren gestorben

Bluewin.ch übernimmt, wie so viele andere, schlichtweg ein Potpourri aus SDA und DPA, wozu sich selber etwas einfallen lassen.

Mit Nachrufen ist es so eine Sache. Früher war die Pflege des Nachruf-Archivs – neben der Betreuung der Leserbriefe – der Vorruhestandsjob für ausgebrannte Journalisten. Bei besonders wichtigen (oder alten) Persönlichkeiten musste darauf geachtet werden, dass die Bio up to date ist, im Fall der Fälle der Nachruf mit ein, zwei Handbewegungen ins Netz gestellt werden kann.

Heutzutage ist das mehr eine Aufgabe für einen Volontär, der zudem keine grosse Ahnung vom Nachgerufenen haben muss; alles richtig aus dem Netz kopieren können, das reicht.

Gewichtung, Einordnung, Mehrwert, es ist immer das gleiche Problem. Wer sich über Leben und Wirken von Sutherland informieren will, findet ein Meer von Darstellungen gratis im Internet. Wem Sutherland als ein Schauspieler ein Begriff ist, sucht Ergänzendes. Wer ihn erst in der «Tribute von Panem»-Reihe kennenlernte, ist für eine Erweiterung seines Horizonts dankbar.

Wer etwas für einen Text bezahlt, möchte schon gerne eine Qualität, einen Inhalt, der sich merklich von den Gratisangeboten unterscheidet.

Bekommt er das nicht geliefert, fragt sich der Konsument wieder einmal zu recht, wieso er für einen Egotrip eines Autors, für nicht unterhaltendes Gestammel, für unvollständige Bemerkungen etwas bezahlen soll.

Die Antwort ist ganz klar: soll er nicht. Muss er nicht. Tut er nicht.

 

Wie der Tagi die WaPo sieht

Zu spät, zu flach, zu falsch. SZ-Berichterstattung halt.

Die beiden Cracks Peter Burghardt (langjähriger Sportjournalist und Unheilverkünder «Pfeifen im Wald») und Christian Zaschke (langjähriger Sportreporter) von der «Süddeutschen Zeitung» erklären dem Tamedia-Leser, was mit der «Washington Post» los ist.

Sie haben dabei das Auge fürs Wesentliche: «Die «Washington Post» ist in einem monumentalen Bauwerk namens One Franklin Square untergebracht.» Das ist offenbar ein Brutkasten für Intriganten. So begrüsst die WaPo ihren designierten Chefredaktor: «Unveröffentlichte Buchentwürfe und andere Dokumente werfen Fragen zu Robert Winnetts journalistischen Leistungen auf, nur wenige Monate bevor er eine Spitzenposition in der Redaktion übernehmen soll.»

Der Joke dabei: könnten sich Burghardt und Zaschke vorstellen, dass ähnlich Kritisches in der SZ über das unselige Verhalten ihrer Chefredaktion in der Plagiatsaffäre inklusive Bespitzelung der eigenen Redaktion erscheinen würde? Niemals. Oder im Reich Tamedia über die Überforderung und Kritikallergie (Schreibverbot) in der Chefredaktion? Niemals.

Dann lassen die beiden Tiefdenker und Grossanalysten ein klitzekleines Detail aus. Sie beschreiben ganz richtig, dass Jeff Bezos (Amazon) Ende 2023 «den Briten Will Lewis zum neuen Geschäftsführer der Zeitung ernannt» habe. Nun graben sie etwas in der Vergangenheit des designierten Chefredaktors und von Lewis: «Beide haben in England für die «Sunday Times» gearbeitet, die dem konservativen Medienunternehmer Rupert Murdoch gehört, und beide haben für den «Daily Telegraph» gearbeitet, der zwar nicht Murdoch gehört, aber als mindestens so konservativ gilt wie dessen Blätter

Klarer Verdacht der beiden: es droht ein Rechtsruck bei der WaPo. Zudem echauffieren sie sich über die ruppigen Sitten, die im englischen Journalismus herrschen, inklusive Hacken von Mailaccounts. Das ist zum Brüllen komisch, denn genau das fand ja auch bei der SZ statt, als eine amoklaufende Chefredaktion unbedingt herausfinden wollte, wer den Inhalt von Redaktionssitzungen weitergegeben habe. Aber darüber verlieren die beiden Einäugigen kein Wort.

Die schönste Stelle in ihrer einseitigen, polemischen, verspäteten Darstellung der jüngsten Ereignisse, dem Bericht in der NZZ nachdackelnd: «Lewis hat angekündigt, er wolle die Redaktion neu strukturieren, woraufhin die erst 2021 ernannte Chefredaktorin Sally Buzbee kündigte». Ein kleines Detail lassen die beiden Recherchiergenies  allerdings aus: unter ihrer Regentschaft halbierte sich schlichtweg die Zahl der Online-User (Unique Visitors) von 100 Millionen auf 50.

Also geht es hier überhaupt nicht um einen Rechtsruck, personifiziert in zwei schlimmen Fingern aus konservativer Murdoch-Presse in England. Sondern es geht in erster Linie darum, eine Zeitung im freien Fall zu stabilisieren.

Oder in der Lesart der beiden SZ-Cracks: «In einem internen Meeting habe er (CEO Lewis, Red.) den vielmals preisgekrönten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch dies gesagt: «Wir verlieren grosse Mengen an Geld. Ihre Leserschaft hat sich in den letzten Jahren halbiert. Die Leute lesen Ihre Artikel nicht.»» Bittere Folge: «Im Jahr 2023 hat die «Washington Post» rund 77 Millionen Dollar Verlust gemacht.»

Version SZ: ein paar Millionen Verlust, das kann sich Bezos doch aus der Portokasse leisten. Und vielfach preisgekrönten Mitarbeitern vorwerfen, dass ihre Artikel nicht gelesen würden, also gohts no? Die SZ und Tamedia veröffentlichen doch auch ständig woke Wolken, die den Leser nicht interessieren, die Schreiber hingegen sehr.

Aber wenn dadurch die Auflage (und die Einnahmen) in den Keller gehen, dann ist das doch noch lange kein Grund, endlich mal das zu schreiben, was den Leser interessiert. und erst noch in einer Form, die er versteht. Da gilt doch vielmehr: ist der Leser zu blöd, muss er halt erzogen und zu seinem Glück gezwungen werden. Rennt er in Scharen davon, dann ist das Ausdruck der Ungerechtigkeit der Welt, da müssen die Besitzer der Zeitungen durch.

Denn wo kämen wir hin, wenn Schreibkräfte wie Burghardt und Zaschke nicht mehr auf Egotripp die Welt retten dürften, Trump beschimpfen und überhaupt den Amis immer wieder erklären, wie verblödet doch ein Grossteil von ihnen ist.

Der designierte Chefredaktor hat im Übrigen bekanntgegeben, dass er sein Amt nicht antreten wird. Blattschuss. Das wollte man sich mal bei der SZ oder gar bei Tamedia vorstellen. Unmöglich dort, bei diesen Duckmäusern von Redaktoren, die alles in der Chefetage schlucken. Aus der Schweiz Abgeschobenes, dem Frauenbonus Geschuldetes. Solange sie nur ungeniert ihre Bauchnabelschau fortführen dürfen.

Rehash vom Rehash

Wenn Tamedia kopiert, was die «Süddeutsche Zeitung» kopiert …

Österreichische Medien kümmern sich natürlich hingebungsvoll um den Fall des Wunderwuzzi, der mit einem primitiven Ponzi-Schneeballsystem auch ansonsten zurechnungsfähige Anleger hereinlegte. Gerade hat die «Bild» saftige Details aus einem Enthüllungsbuch publiziert, dass der deutsche Milliardär Klaus-Michael Kühne dem Blender René Benko den Stecker zog.

Dafür liess er ihn nach Hamburg fliegen und in seinem Luxus-Restaurant Fontenay Platz nehmen. Nach zehn Minuten beendete Kühne das Gespräch und stand abrupt auf. Benko mailte ihm hektisch hinterher, worauf er von Kühne den Todesstoss erhielt: «Es tut mir leid – das Vertrauen ist zerstört, und ich habe Herrn Gernandt gebeten, Ihnen meinen Wunsch nach Rückabwicklung unserer Beteiligung an der Signa Prime Selection AG anzuzeigen.» So machen das die wirklichen Big Boys.

Das hat höheres Unterhaltungspotenzial – und wurde von «Inside Paradeplatz bereits am 23. April genüsslich ausgebreitet.

Medien wie die «Kronenzeitung» oder der «Standard» haben sich insbesondere in die Liechtenstein-Connection  von Benko verbissen, wo der ein paar Millionen an Notgroschen in Stiftungen verstaut hat und auch wahre Goldlager unter anderem in der Fürstenbank LGT bunkerte. Das alles ist längst bekannt und auch schon von der «Welt» beschrieben.

Kein Grund für die «Süddeutsche Zeitung», am 23. April nicht mit einem Rehash von all diesem Bekannten aufzuwarten, unter dem Titel «Wo René Benko sein Geld versteckt hat». Inhaltlich nix Neues, ausser einem grossartigen Quote eines ungenannten Liechtensteiners, der «einmal politische Verantwortung trug» und sagt: «Es wäre schön, wenn wir wenigstens einmal bei einem internationalen Finanzskandal aussen vor wären.»

Aber dafür sind nicht nur die Untreuhänder in der fürstlichen Räuberhöhle Liechtenstein zu geldgierig.

Es muss auch Geldgier sein, dass Tamedia seinen Lesern den lauwarmen Kaffee der SZ nochmals aufgewärmt zwei Tage später serviert:

Eigenleistung null. Pardon, die Spitzmarke «Signa-Pleite» wurde um «zieht Kreise» ergänzt. Da sieht man doch, es lohnt sich, eine eigene Auslandredaktion zu beschäftigen.

Immerhin wurde der Artikel nicht hinter der Bezahlschranke versteckt. Was ihn aber nicht weniger peinlich macht.

 

Kultur im Keller

Tamedia hat nachgelegt. Eine Würdigung von Jon Fosse …

Manchmal nutzt es doch, wenn ZACKBUM meckert. Inzwischen hat das Heim der hochstehenden Qualitätsmedien in Sachen Literaturnobelpreis nachgelegt. Statt der nicht gezeichneten Klebaktion wird nun Mensch und Werk angehimmelt.

Wunderbar. Ist die Leiterin (was leitet sie eigentlich?) der Literaturredaktion (was für eine Redaktion?) Nora Zukker aufgewacht, backt nicht mehr Kuchen, sondern tut ihre Pflicht?

Das wäre zu viel verlangt. Ein Felix Stephan greift für Tamedia in die Tasten. Stephan who? Na, der Autor der «Süddeutschen Zeitung» natürlich.

Auch er kämpft etwas unglücklich mit den Worten und beginnt merkwürdig: «In Jon Fosses siebenteiliger, aus einem einzigen Satz bestehender Romanreihe «Der andere Name» gibt es eine Szene …» Aber dann schwingt sich Stephan in den Olymp des Geschwurbels auf. Da muss nun der Leser durch:

« … den Bereich der monastischen Innerlichkeit, das transzendente Zwiegespräch mit dem Allumfassenden verlassen … Mit dieser Szene, einer kunsttheoretischen Mise-en-abyme, ist auch die Ästhetik des norwegischen Romanschriftstellers … Die Versuchung ist gross, die Heptalogie «Der andere Name» autobiografisch zu lesen … Neben Jacques Derrida ist Fosse vor allem von dem mittelalterlichen Mystiker Meister Eckhart beeinflusst … Diese Selbstverdopplung und die Erfahrung, in zwei Dimensionen gleichzeitig präsent zu sein, ist in seiner Heptalogie konstitutiv … Gilles Deleuze und Félix Guattari haben in ihrem berühmten Aufsatz über Kafka den «kleinen Literaturen» eine revolutionäre Kraft zugeschrieben …»

Etwa verstanden? ZACKBUM musste auch Heptalogie nachschlagen, das ist ein banaler Siebenteiler. «Miss-en-abyme» muss man nicht kennen, man kann auch schlicht Bild-im-Bild sagen, aber das hört sich natürlich nicht so geschwollen an. Dann noch etwas abgelegene französische Philosophen wie Derrida oder Deleuze, wobei ZACKBUM sich wundert, dass Foucault und Althusser fehlen.

Zuerst liebloses Geschwätz, dann selbstverliebtes Geschwafel. Und wo ist Zukker? Wo bleibt die «Literaturredaktion» von Tamedia? Die ist wohl dorthin verschwunden, wo sich das «Kultur-Team» schon seit Monaten aufhält: im Abyme, im Abgrund.

Bis zu 759 Franken im Jahr für Schrott, für copy/paste aus der «Süddeutschen», für selbstverliebte Nabelschau von Kommentatoren, die keiner liest oder die gar nicht mehr schreiben? Für ein Organ, in dem «Persönlichkeitsschutz» jede Auskunft über die Befindlichkeit von gross angekündigten neuen Kolumnisten verbietet? Für ein Blatt, das unter weiblicher Leitung immer mehr vor die Hunde geht?

Das von einem inkompetenten Big Boss zum Skelett runtergespart wird, während sich der Coninx-Clan eine Sonderdividende gönnt? Wo Corona-Kreischen, SVP-Basher, Genderstern-Heros mit  ihren Hobbys die Leser quälen dürfen? Wo Digital-Chefs lauwarme Luft ausstossen? Wo «Digital Storytelling» gepflegt werden soll, davon aber nix zu sehen ist? Wo die verbleibenden Redakteure so zusammengepfercht werden, dass der Tierschutz schon längst auf der Matte stünde, wenn es sich um Nutzvieh handelte?

Da bleibt nur noch die Flucht in den «Bereich der monastischen Innerlichkeit», was immer das sein mag.

Worte zum Sonntag

Nein, mal nichts Religiöses. Eher Verwirrtes.

ZACKBUM sieht in dieser Gegenüberstellung eine feinsinnige Ironie des Blattmachers. Aber wahrscheinlich täuschen wir uns, denn Ironie und Selbstkritik sind nicht die starken Seiten der überlebenden Tamedia-Journalisten.

Dann kommt allerdings echtes 08/15, obwohl der Tamedia-Journalist im Allgemeinen auch nicht weiss, woher dieser Ausdruck für durchschnittliche Massenware kommt. Der Psychologe denkt über die Ursachen der Gewalttätigkeit von Eritreern nach. Arthur Rutishauser denkt über Flüchtlinge drinnen und draussen nach. Adrian Schmid und Mischa Aebi denken über das Schicksal der Flüchtlinge auf Lampedusa und Flüchtlingsströme zwischen der Schweiz und der EU nach.

Adrian Schmid, Multitasking, die Entlassungen fordern ihren Tribut, denkt auch über den möglichen Nachfolger von Alain Berset nach. Nun ist zu diesem Thema eigentlich von fast allen fast alles gesagt worden. Also braucht es eine knackige Headline, denn darunter ist bloss Rehash, das Aufquirlen von Bekanntem. Her damit; einer, der im bürgerlichen Lager nicht wählbar ist und selbst nicht einmal erklärt hat, ob er überhaupt antreten will, wird zum «heimlichen Favoriten» ernannt. So heimlich, dass ausser Schmid niemand Cédric Wermuth auf dem Zettel hat. Aber es gilt: nur, was du selbst erfindest, ist ein schneller Primeur.

Dann hat Rico Bandle Johannes Läderach, Sohn und CEO der gleichnamigen Firma, zum Interview überredet. Zwei Kalküle haben sich bestens getroffen. Man wäre natürlich gespannt darauf zu erfahren, welche Tänze vor, während und nach dem Interview aufgeführt wurden.

Aber auch Bandle muss gleich nochmal ans Gerät. Ein Zürcher Amt, das wie viele Ämter nichts Sinnvolles zu tun hat, empfiehlt, «genderneutrale Formulierungen» zu verwenden, also «Kind, Elternteil oder Betreuungsperson». Dieser Schwachsinn ist einem Buch von Ravena Marin Siever entnommen. Der/die/das (ist etwas kompliziert) schwafelt über sich: «Sier ist Elter von drei Kindern und lebt mit siener Familie ..

Siever widmet sich dadaistischen Sprachscherzen. Das wäre lustig, würde «sier» das nicht ernst nehmen: «Mampa», «Elli» (von «Elter»), «Tankel» oder «Onte». Oder «Ompapa». Vokabular wie aus einem Kinderbuch voller Sprachverulkungen. Bei den «Mumins» war das sehr erheiternd. Aber hier …

Darüber zieht natürlich Bandle her. Wohlweislich verzichtet Bandle beim Suchen nach dem Splitter im Beamtenauge auf Hinweise auf den Balken im SoZ-Sehorgan.

So lange ist es schliesslich noch nicht her, dass Aleksandra Hiltmann (ja, die, der es bei einer Kreuzfahrt so furchtbar schlecht wurde) und Andreas Tobler (ja, der, der schon mal die Absage von Rammstein-Konzerten forderte) ganze drei Seiten des angeblichen «Kultur»-Bundes (Heute «Leben & Kultur») der SoZ darauf verschwendeten, den Leser mit korrektem Gendern zu quälen.

Dazu schwurbelte es, dass es nur so krachte: «Gendern ist also nicht einfach eine Modeerscheinung oder ein Sprachspiel – sondern ein Wirtschaftsfaktor. Diversität ist zu einer Frage der gesellschaftlichen Verantwortung geworden, ähnlich wie Nachhaltigkeit oder Umwelt.»

Nimm das, Bandle.

Dann übernehmen die Deutschen das Zepter. Hubert Wetzel, schon mehrfach verhaltensauffällig geworden, macht sich zur Abwechslung mal keine Sorgen um das Sterben der Demokratie in den USA. Hier serviert die SoZ dem Schweizer Leser ein Thema, das vielleicht den Leser der Süddeutschen interessieren könnte. Aber auch nur vielleicht: «Brüssel fragt sich: Lässt die Hilfe für Kiew nach?» Soll das doch die EU mit Polen oder Ungarn ausmachen; was geht das eigentlich die Schweiz an?

Dann kommt ein Artikel zur Steigerung des Sozialneids. Eigentlich handelt es sich um eine kreative Stellenbewerbung von Chris Winteler bei der «Schweizer Illustrierten» oder der «GlücksPost»: «Das grösste und teuerste Wohnmobil der Schweiz». «Hans und Beatrice Heer» möchten gerne gekidnappt werden, Pardon «zeigen stolz ihre Landjacht, die eine Million Franken kostete».

Wer sich allerdings von solchen Themen oder Gendern mit einem absoluten Nonsenstext ablenken will, muss unbedingt die Kolumne von Gülsha Adilji lesen. Dass sie ein solch misslungen Dada zu Papier bringt, ist das eine. Dass sich mal wieder keine Qualitätskontrollstelle traut, ihr zu sagen: «wie wäre es, auf die Löschtaste zu drücken und einfach ganz ruhig nochmal von vorne»? Unglaublich.

Unter dem Gaga-Titel «Nieder mit dem Kapitalismus» blubbern Gaga-Sätze in einem zusammenhanglosem Wortbrei. Wir ersparen dem Leser nur den Anfang nicht: «Tschiises f*cking kreist! Wie kann man nur so ausrasten, weil ein kleines Kind wegen kurzer Koordinationsprobleme auf die falsche Velospur gerät? Letzte Woche war ich Teil eines absurden Schauspiels: Eine junge Frau, etwa in meinem Alter, stanzte einem kleinen Mädchen ein Fahrradtrauma ins limbische System.»

Sonst noch was? Interessiert uns das «Wohnglück unterm Dach»? Wie ein «Murmeli-Burger» schmeckt? Oder eine Lobeshymne auf eine US-Reality-Soap: «Wenn der Silikonbusen nicht ins Brautleid passt»? Wollen wir wissen, wie sich ein «Voyah»-Elektro-SUV  (neue chinesische Automarke) fährt? Oder der neue «Giotto von Bizzarini»? Das ist leider sowieso nicht möglich, der erste Prototyp käme 2024, ab 2026 werden die ersten Schlitten ausgeliefert. So, wie der Sportflitzer aussieht, muss das Portemonnaie viel dicker als der Bauch sein. Sonst kann man sich nicht reinfalten:

Gretchenfrage (nein, nicht, wie es der Leser mit der Religion halte) am Schluss: Ist das Fr. 6.40 wert? Nun, Arthur Rutishauser geht weiter gnadenlos auf die CS/UBS-Geschichte los, diesmal hat er sich die KPMG vorgenommen. Das zeigt immerhin von Mut und Ausdauer. Aber der grosse Rest? Also wer sich einen Camper für eine Million leisten kann oder ganz giggerig auf den neuen Bizzarini ist, schmeisst dieses Trinkgeld locker auf.

Wumms: Alexander Kissler

Es gibt auch Lichtblicke im Elendsjournalismus.

Der NZZ-Redaktor Alexander Kissler gehört dazu. Während die WoZ sauer wäffelt, die NZZ würde sich der AfD andienen, ist ihr Erfolg in Deutschland mehr der Tatsache geschuldet, dass sie sich immer mehr als Stimme der Vernunft etabliert. Was man von der «Süddeutschen Zeitung» nicht wirklich sagen kann.

Kissler zieht gleich am Anfang blank: «Wer zur Jagd bläst, sollte nicht nur über einen Kompass verfügen, sondern auch über die richtige Munition.» Was motiviert ihn zu diesem kriegerischen Vergleich? «Das Münchner Blatt wollte am Freitag den stellvertretenden bayrischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger als notorischen Rechtsradikalen entlarven. Nach Lage der Dinge ist der Versuch einer politischen Hinrichtung gescheitert.»

Unternommen wurde er von einer fünfköpfige Crew, die dem Politiker vorwerfen wollte, er solle vor 35 Jahren (!) als Schüler eine «Hetzschrift» mit «antisemitischen Fantasien» verfasst haben. Würde das zutreffen, wäre er in Deutschland, selbst in Bayern, erledigt. Nur: das Pamphlet der SZ «markiert eine Bankrotterklärung, was handwerkliche, presserechtliche und medienethische Grundsätze betrifft».

Hoppla. Kissler beschreibt hier etwas, was auch in der Schweiz inzwischen ein immer grösseres Problem darstellt: «Es wäre die Aufgabe der Chefredaktion gewesen, einen solchen publizistischen Offenbarungseid zu verhindern. Gerade die Monstrosität der Vorwürfe verlangt nach einer Berichterstattung, die nicht eigene Abneigungen ausbreitet, sondern belastbare Fakten zusammenträgt.»

Auch das kommt einem in den Mainstreammedien mehr als bekannt vor: «Relativierende Formulierungen – «wenn das alles stimmt», «es wäre ungeheuerlich» – ändern nichts an der perfiden Grundmelodie.» Gesinnungsjournalismus übersteuert die eigentliche Aufgabe eines Newsorgans. Berichten, was sich in der Wirklichkeit abspielt, das mit Fakten untermauern, anschliessend und getrennt davon analysieren, einordnen, kommentieren.

Auch der letzte Satz müsste vielen Schweizer Journalisten, von Surber abwärts (und aufwärts) zu denken geben; dieses Machwerk der SZ zeige, «in welchen Abgründen ein Journalismus landen kann, der sich von der eigenen Weltanschauung die Sinne benebeln lässt».

Nun übernimmt Tamedia nicht nur eine Unzahl von Artikeln aus der SZ, sondern leider auch genau diese Geisteshaltung. Ein solcher Journalismus schaufelt sich das eigene Grab, denn die Gesinnungsblase, die davon angesprochen wird, ist nie gross genug, um wirtschaftlich eine tragbare Basis zu bilden. Wer’s nicht glaubt, sollte mal die «Republik» fragen.

Original und Kopie

Tamedia als Kopieranstalt der «Süddeutschen Zeitung».

Das Qualitätsmedium aus dem Glashaus an der Werdstrasse in Zürich hat zu vielem keine eigene Meinung. Das ist gut so, denn die verbliebenen Redakteure nerven häufig genug mit ihren Bauchnabelbetrachtungen und unqualifizierten und unerwünschten Ratschlägen.

Nun verfügt das Auslandressort angeblich über fünf Mitarbeiter. Vom Chef Christof Münger hat man am 1. Juli (immerhin 2023) das letzte Mal etwas gehört. Die «Teamleiterin Osteuropa» Zita Affentranger (von welchem Team eigentlich?) wechselt im Herbst zum «Echo der Zeit». Enver Robelli ist solange ruhig, wie es nicht etwas Lobendes über den Kosovo oder etwas Abfälliges über Serbien zu sagen gibt. Was für eine klägliche Performance.

Gut, dass man auch hier vieles aus München übernehmen kann und es ohne Eigenleistung hinter der Abo-Schranke verstauen. Allerdings nicht ohne ein paar klitzekleine, geschickte Veränderungen. So sieht das Original aus:

Und das hier macht die hochkompetente Tagi-Auslandredaktion draus:

Nun gibt es mit diesem Titel ein klitzekleines Problem. Diese Aussage steht nicht im Text von Michael Neudecker. Es gehört allerdings zu den Grundprinzipien des Handwerks, dass man einem Autor – wohl auch ohne ihn zu fragen – nicht einen Titel aufs Auge drückt,  der sich im Text nicht wiederfindet. Eigentlich müsste Neudecker eine Richtigstellung verlangen.

Zum Text des äusserst qualifizierten «UK-Korrespondenten» der «Süddeutschen» liesse sich noch einiges sagen. Neudecker war war «mehrere Jahre Redakteur im Sportressort sowie Chef vom Dienst im Ressort Gesellschaft & Wochenende. Von 2018 bis 2021 leitete er das Panorama-Ressort Print, Digital und Online. Hat in München Diplom-Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation studiert». Und seit Sommer 2021 darf er dermassen überqualifiziert den deutschen Standpunkt öffentlich vertreten, dass der Brexit ein furchtbarer Fehler war, den die versammelte Journaille so wenig vorhersah wie die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Und als Trottelbande vorgeführt zu werden, das vertragen Journalisten ganz schlecht.

Also geht Neudecker auf die ganz harte Tour mit der englischen Flüchtlingspolitik ins Gericht. Denn: «Der Umgang mit Flüchtlingen ist eine zentrale Frage in einer Zeit, in der Rechtspopulisten praktisch überall auf der Welt in Parlamente und Regierungen drängen.»

Das ist schon brüllend komisch. Die «drängen in Parlamente und Regierungen»? Per Faustrecht? Mit körperlicher Gewalt? So wie die Grünen und die Sozis in Deutschland in die Regierung «drängten»? Oder könnte es sein, dass die gewählt wurden? Hm.

Aber das ist erst die Einleitung. Nun geht’s los: «Die Signale, die die britische Regierung aussendet, sind bisweilen in ihrer Perfidität kaum zu ertragen … Den Tories geht es mit ihrer Flüchtlingspolitik nur um Stärke – nicht um Ethik.» Denn 15’000 «Menschen, die so verzweifelt sind, dass sie in einem Schlauchboot einen der gefährlichsten Seewege der Welt auf sich nehmen», sind dieses Jahr bereits illegal nach Grossbritannien gepaddelt.

Sie «sind keine Bedrohung für eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt», weiss Neudecker. Um dann etwas sprunghaft fortzufahren: «Die Entscheidung, vorrangig die Frage zu behandeln, wie man Menschen von einer Flucht im Schlauchboot abhält, ist eine rein politische.» In Wirklichkeit sei es so, belehrt Neudecker die englische Regierung, dass «166 000 Asylsuchende auf Bearbeitung ihres Antrags» warteten.

In Deutschland zum Beispiel wurden in diesem Jahr rund 190’000 Asylanträge gestellt. Das ist ein Klacks im Vergleich zu den 745’000 im Jahr 2016. Die Bearbeitung dauert zwischen sechs Monaten und einem Jahr, es sind aber auch viel längere Wartezeiten möglich. Die grösste Anzahl der Asylbewerber kommt interessanterweise nicht aus der Ukraine, sondern aus Syrien. Aber Neudecker ist ja GB-Korrespondent, was soll er da von deutschen Asylzuständen wissen.

Noch wichtiger ist allerdings die Frage: wieso übernimmt einer der wichtigsten Meinungsmacher in der Schweiz einfach die Meinung eines übelgelaunten deutschen Korrespondenten? Die deutsche Sicht auf Grossbritannien ist eine völlig andere als die der Schweiz. Für die Schweiz ist Grossbritannien ein Bündnisgenosse gegen Übergriffigkeiten und rechtsimperialistische Anwandlungen der EU. Für Deutschland ist Grossbritannien ein Verräter an der europäischen Sache, ein Land, das den verbleibenden EU-Mitgliedern schmerzlich vor Augen geführt hat, dass es auch ein Leben ausserhalb der EU gibt.

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Münger sein Schweigeglübde aufhebt – bevor er mitsamt seiner Restredaktion eingespart wird. Denn es fehlen ja noch ein paar Milliönchen im Sparziel von Tamedia. Aber Oberchefredaktorin Birrer wird sicherlich weiterhin konsequent ihren Weg gehen, dass Qualität ihr oberster und wichtigster Massstab sei. Allerdings nur, wenn Verluderung, mangelnde Qualitätskontrolle, schweizerische Tiefflüge, unausgegorene Stellungnahmen und die konsequente Übernahme von Inhalten aus München als Qualität angesehen werden kann.

NZZaS gegen SoZ

Der Nahkampf mit unklarem Ausgang.

Morgen geht ZACKBUM auf eine direkte Doublette ein, heute der Eins-zu-eins-Vergleich der beiden Sonntagsblätter. Das dritte steht bekanntlich noch unter Quarantäne.

Fangen wir mit dem Cover der SoZ an:

Wenn Arthur Rutishauser nicht wäre, würde dem Leser hier schon das Gipfeli aus der erschlaffenden Hand fallen.

Dieses Cover hingegen ist mal wieder ein lauter Hilferuf: Gujer, übernehmen Sie! «Die neuen Konfliktlinien in SAC-Hütten» – das kann ja wohl nicht der Ernst der NZZaS sein. Sondern Ausdruck davon, dass zu viele Köche eindeutig den Brei verderben.

Auch auf der nächsten Seite hat die NZZaS ein Auge fürs wirklich Wichtige:

Das ist ein Füller in höchster, aber allerhöchster Not. Daneben wird die Doppelseite mit Israel gefüllt. Kurzer Einleitungstext mit Altbekanntem, dann das, was man auch in höchster Not macht: ein bunter Strauss verschiedener Quotes von mehr oder minder bekannten Israeli. Auswahlkriterium: ging ans Telefon und war willig.

Dann Flüchtlinge, das x-te Interview mit dem Experten, zum x-ten Mal die Feststellung, dass die Mehrheit der Russen doch tatsächlich hinter Putin steht, dann eine Doppelseite Doppelinterview mit Hüttenwartin und ihrem Sohn Hüttenwart. Grosszügig bebildert, inhaltlich, wie soll man sagen, eher Flachland als Hochgebirge.

Dann gepflegtes Nachdenken über die Klimakleber, bei dem am besten die Augenlider oben angeklebt werden, dann zum x-ten Mal Schweiz – China, und wir haben den ersten Bund hinter uns.

Bei der SoZ geht’s lähmend vorhersehbar zu. Wie? Na, «Bundesratskandidat zum Nationalfeiertag». Ach, ein aussichtsreicher? Nein, ein Interview mit dem Basler SP-Nationalrat Mustafa Atici. Dann über einem SVP-Inserat (!) der Rest der Seite als Kurz(schluss)-Meldung. Denn ein solcher habe den Waldbrand im Wallis ausgelöst. Womit die Story eigentlich erzählt wäre. Aber im Sommerloch …

Tipps zum E-Roadtrip, weniger Bussen für Kiffer, weniger Spenden für Ukraine-Helfer, dann ein Interview mit dem deutschen Bundeskanzler Scholz – über Bücher. Das hat der Schweizer Leser davon, dass Tamedia eigentlich die Filiale der «Süddeutschen Zeitung» in der Schweiz ist. Dann ein Text, der von der fundamentalistisch-grünen Tamedia-Fraktion gar nicht gerne gelesen wird: «An den meisten Bränden ist gar nicht die Hitze schuld». Das weiss zwar jeder, der nicht völlig klimahysterisch ist, aber bei Tamedia muss das schon mal gesagt werden.

Und auch hier war’s das mit dem ersten Bund. Zum «Fokus» äussert sich ZACKBUM morgen, daher lassen wir ihn und den «Hintergrund» bei der NZZaS weg, ebenso wie den Sport natürlich.

«Wirtschaft» ist mal wieder recht trostlos. «Und ewig lockt der Süden», damit lockt die NZZaS nun niemanden aus dem Wasser. Autonomes Fahren, die UBS werfe Kunden der CS raus, dann tatsächlich ein Interview mit Martin Neff, dem scheidenden Prognose-Bruchpiloten von Raiffeisen, der freundlicherweise nicht an seine grössten Flops erinnert wird.

Das tiefste Sommerloch bietet dann der «Kultur»-Teil. Eine iranische Fotografin habe zwei Wochen lang «das politische Leben in Bern fotografiert». Und Peer Teuwsen, obwohl das nicht spesenintensiv war, hat sie dabei «begleitet». Die Fotos sind, na ja, man will ja nicht frauenfeindlich sein. Der Text ist, dazu dürfen wir uns wohl äussern, dünnlich-dümmlich, ein echter Teuwsen halt. Duftmarke: zuerst rede die Fotografin mit den Menschen, was ja ungeheuerlich ist, dann erst greife sie zur Kamera. «Es ist eine Hasselblad H6D, sie wiegt zusammen mit dem Objektiv 5 Kilogramm.» Das ist nun lustig, laut Hasselblad selbst wiegt diese vollausgerüstete Kamera mit Objektiv etwas über 2 Kilo. Aber entweder hat die Fotografin ein Mords-Tele vornedran, oder Teuwsen hat schlampig recherchiert.

Walser, Barbie, «Die Summe aller Frauen», und tschüss.

Bei der SoZ füllt immerhin Rutishauser die erste Seite der «Wirtschaft» mit einem grossen Ermotti-Foto und der breitgewalzten Story, die schon auf dem Cover angerissen wurde. Dann allerdings die wirklich nette Story, dass das «Konsumentenforum» nach zähem Mauern mal bekannt gegeben hat, wie viele Mitglieder es eigentlich vertritt. Es sind lachhafte 168 Nasen. Dividiert man die Mitgliedereinnahmen im Jahresbericht durch den Beitrag von 50 Franken, wären es sogar bloss 92. Dafür kriegte das Forum dann satte 100’000 Franken Subventionen vom Bund; pro zahlendes Mitglied knapp 600 Franken. Wunderbare Story.

Bei «Leben & Kultur», dem Sammelgefäss für alle Resten, geht’s dann wieder bergab. Männer mit nacktem Oberkörper, die Sommergähn-Story, dann «Die besten Bücher für den Sommer», und das schon Ende Juli, ein Geschwisterstreit, Chörbliwasser, rezeptfreie «Erektionsförderer», dann endlich mal wieder ein rassiger E-Sportwagen für schlappe 175’000 Franken, und schliesslich noch «Bücher für Biker». Statt einer Erektionsförderung braucht man hier rezeptfreie Muntermacher, allenfalls auch illegalen Stoff, um wach zu bleiben.

Wir geben hier wohlwollend ein Unentschieden und wünschen den Redaktionen gute Erholung am 1. August. Sie können’s brauchen, auch wenn die Ideenleere wohl auch danach noch etwas anhalten wird.