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Wumms: Christof Münger

Der Auslandchef ohne Ausland stümpert über 250 Jahre USA.

Er hatte unermüdlich vor ihm gewarnt, den senilen Joe Biden als einzig denkbare Alternative hochgejubelt, dann der untauglichen Kamala Harris die Daumen gedrückt. Aber nun das:

Also eigentlich verkörpert Trump das, was Münger am meisten fürchtet. Und ärgert, denn niemand in den USA (oder ausserhalb) interessiert es gross, was der Holmerbringmer der Auslandredaktion des «Süddeutschen Zeitung» so meint. Nun soll es sich hier um ein «Essay» handeln. Das wäre ein argumentativ-reflektierender Text, in den persönliche Sichtweise einfliesst.

Gewisse Grundkenntnisse wären allerdings Voraussetzung. So orgelt Münger los:

««All men are created equal» steht am Anfang der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776. «Alle Menschen sind gleich erschaffen» – nur fünf Wörter, aber eine revolutionäre Feststellung in einer Welt, in der die Herkunft das Schicksal bestimmte, in der Könige und Fürsten in den Palästen Europas über die Untertanen zu Hause und in den Kolonien verfügten.»

Das sei eine «revolutionäre Feststellung» gewesen. Allerdings nicht wirklich originell, sondern auf der fast identischen Formulierung von John Locke beruhend, beeinflusst von Francis Hutcheson. Und gültig war sie nur für reiche, männliche Grossgrundbesitzer, die wie Thomas Jefferson Hunderte von Sklaven hielten.

Auch die Gewaltentrennung war keine Erfindung der Gründerväter, sondern stark von MontesquieuDe l’esprit des lois») beeinflusst, wobei sie durch die Position eines starken Präsidenten und die Idee von Checks and Balances erweitert wurde. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der Französischen Revolution von 1789 wiederum ging entschieden weiter und ist viel umfassender (Definition von Freiheiten, Unschuldsvermutung, Gleichheit auch vor dem Gesetz).

Aber trotz über 10’000 A geht Münger auf solche Feinheiten eher holterdipolter ein, wärmt nochmal den alten Kalauer der «Sister Republics» USA und Schweiz auf, um dann auch bei dieser Gelegenheit auf seinen Lieblingsfeind einzuprügeln: «Aus Sicht der Gründerväter hingegen ist mit Trump das eingetreten, was sie am meisten befürchtet hatten, nämlich dass ein Präsident versucht, sich über die Verfassung zu erheben.»

Dazu zitiert Münger einen der ganz grossen Denker über die lange Geschichte der USA: Herbert Grönemeyer. Denn der habe schon Anfang der 80er-Jahre gesungen: «Oh Amerika, du hast so viel für uns getan, oh Amerika, tu uns das nicht an.» Den Knittelreim verbrach der Barde angesichts der damaligen Friedensbewegung gegen die Nachrüstung. Womit er und sie «falsch lagen», wie Mümger falsch behauptet. Denn damals wehrte man sich dagegen, dass die USA mit Mittelstreckenraketen einen möglichen Atomkrieg mit der UdSSR in Europa austragen wollten – ohne dass beispielsweise Deutschland auch nur ein Wörtchen mitzureden hatte.

Also wendet Münger das seiner Meinung nach falsche Zitat auf Trump an: «Heute trifft es Grönemeyer besser als damals.» Das ergänzt Münger mit einem weiteren Zitat, diesmal des deutsch-amerikanischen Historikers Volker Depkat: «Die USA sind noch keine Diktatur, ungeachtet des diktatorischen Wollens der Clique um Donald Trump». Da besteht ja noch Hoffnung.

Die lässt Münger optimistisch am Schluss richtig leuchten: «Der eigentliche Souverän in den USA sind der Wähler und die Wählerin.» Denn: «Die Tradition der amerikanischen Demokratie ist stärker als ein verhaltensauffälliger Bewohner des Weissen Hauses.»

Nun ja. Im gesamte US-Wahlzirkus von 2024 wurden von den Parteien 16 Milliarden Dollar zur Wählerbeeinflussung ausgegeben. Die US-Wahlbezirke gleichen inzwischen einem Mosaik, das von einem Irren im Delirium gezeichnet wurde. Es gibt zwar Wahlprogramme, aber die interessieren eigentlich keinen. Grosse Teile der US-Wählerschaft verfügen über politische oder historische Kenntnisse eines Sechsjährigen. Nur 44 Prozent der Amis sind in der Lage, einen Satz mit Nebensatz zu lesen und zu verstehen.

Zwischen 1776 und 1790 hatten in den USA nur weisse Männer mit Grundbesitz (und/oder einer Steuerleistung) das Wahlrecht. Die «Tradition der amerikanischen Demokratie» gab Frauen erst 1920 das Wahlrecht, Schwarzen faktisch erst nach 1965. Okay, in der Schwesterrepublik Schweiz dauerte das mit dem Frauenstimmrecht noch etwas länger.

Wie auch immer, ein weiterer Beitrag dazu, dass viele Redaktoren bei Tamedia inzwischen völlig schamfrei sind und ungehemmt Peinliches publizieren. Dürfen.

Manosphere ist Wahnosphere

Männer sind Schweine. Wollen nur das eine. Sich selbst beschimpfen.

Thore Rausch ist ein Jungredaktor bei der «Süddeutschen Zeitung». Er findet Sophie Passmanns neustes Machwerk gut. Als ob ihn das nicht schon genügend disqualifizieren würde, gönnt das Qualitätshaus Tamedia seinen masochistischen Lesern Rauschs neustes Machwerk und empfiehlt es sogar.

100 Prozent der wenigen verbliebenen männlichen Leser dürfen dafür zahlen, dass sie allesamt beschimpft werden. Ungefähr 90 Prozent aller Leser (auch Frauen und everybody beyond) werden mit dem ihnen unbekannten Ausdruck «Manosphere» belästigt.

Für Nixverstan: Die Manosphere ist eine breite, gemischte Online-Szene von harmloser Selbsthilfe bis hin zu stark kontroversen Ideologien. Für Rausch ist es hingegen das Reich des Bösen, die dunkle Männermacht, sie «infiltriert seit Jahren die Köpfe junger Männer und attackiert so Gesellschaft, Bildung und Demokratie».

Himmels willen, keiner hat’s gemerkt, und nun haben wir den Salat: «Frauenhass im Internet beeinflusst Wahlen, Werte und Beziehungen.» Aber Rettung naht, Rausch hat den Durchblick:

«Der Hass auf Frauen trendet immer und überall. Er passt sich an, er trägt neue Masken, er will erniedrigen und zerstören.»

Spätestens seit #metoo sind zwei Tatsachen unbestreitbar. Viele Frauen haben zu recht männliche Übergriffe und sexistisches Verhalten angeklagt. Manche Frauen haben diese Welle missbraucht, um Männer zu denunzieren und mit Falschbeschuldigungen fertigzumachen. Die Liste ist lang und wird weiterhin länger.

Ein ehemaliger Chefredaktor des «Magazin», der Sänger von Rammstein, der Schauspieler Kevin Spacey, und, und, und. Das ändert nichts daran, dass es widerwärtige Sexisten gibt. Aber der Vorwurf «sexueller Übergriff, auch verbal» ist eine Anschuldigung, bei der nicht die Unschuld-, sondern die Schuldvermutung gilt, der Beschuldigte sich (meist vergeblich) um den Beweis des Gegenteils bemühen muss. Es ist eine Anschuldigung, bei der keine objektivierbaren Tatsachen und Beweise zählen, sondern der Eindruck, das Empfinden des angeblichen Opfers.

Nun kommt eine neue Dimension hinzu. Im einschlägig bekannten «Spiegel», der schon Falschbeschuldigungen in mehreren Fällen veröffentlichte, beschwert sich eine bislang weniger bekannte Moderatorin, dass ihr Ex-Ehemann ihr gestanden habe, Fake-Accounts unterhalten zu haben und dort auch pornografische Deepfake-Videos von ihr verschickt zu haben. Er habe sich dabei beim Telefonsex mit Männern als Frau ausgegeben. Ihre Anschuldigung: «Du hast mich virtuell vergewaltigt.»

So nebenbei als kurzer Lacher: Es gilt die Unschuldsvermutung, der Anwalt des Beschuldigten spricht von «unwahren Tatsachen».

Aber so leicht kommen wir alle Männer natürlich nicht davon: «Trotzdem fällt es – mit Blick auf die verhaltenen öffentlichen Reaktionen von Männern auf den Fall Fernandes – vielen Männern offenbar immer noch leicht, wieder zum Alltag überzugehen. Sinngemäss: schlimm, klar, aber hat doch nichts mit mir zu tun.»

Falsch, donnert Rausch. Da müssen wir Männer von ZACKBUM und herum ihm klar entgegenhalten: natürlich hat das nichts mit uns zu tun, Sie Dummschwätzer. Wir verwahren uns dagegen, wegen ein paar durchgeknallten Triebtätern im Internet in Sippenhaft genommen zu werden. Und noch eine Kleinigkeit, Herr Rausch: wenn das allgemein gilt, dann sind Sie selbst doch auch betroffen.

«Toxische Männlichkeit», verbreitet in Netzwerken, die neue Gefahr. Was früher in der realen Welt beklagt wurde, findet nun im Virtuellen statt: «In Deutschland erlebte in den vergangenen fünf Jahren jede fünfte Frau digitale Gewalt – in der Schweiz dürfte es ähnlich sein.»

Dass eine angebliche Qualitätszeitung einen solchen Schwachsinn publiziert, ist ein weiteres Armutszeugnis. Ein unscharfer (Pardon) Begriff, eine aus der Luft gegriffene Zahl ohne jeglichen Beleg, fertig ist die Drohkulisse. Andere behaupten, jede zweite Frau in der Schweiz habe schon mal unverlangt ein Dickpic zugeschickt bekommen, Habakuk.

Aber Rausch insistiert: «Und ja, Gewalt ist das richtige Wort.» Wirkliche Gewaltopfer in der realen Welt werden sich dafür bedanken, dass das, was ihnen angetan wird, so missbraucht wird.

Aber damit ist noch nicht der Gipfel der Absurdität erklommen. Der kommt erst am Schluss: «Auf weiblicher Seite diskutiert man längst über Heterofatalismus und die Frage, wie man überhaupt noch mit Männern leben soll.» Zunächst für die absolute Mehrheit, die auch diesen Begriff nicht kennt: Heterofatalismus beschreibt die Einstellung, dass Beziehungen zwischen Männern und Frauen zwangsläufig problematisch, kompliziert oder zum Scheitern verurteilt sind.

Das ist ungefähr so schwachsinnig wie die Möglichkeit, nach innerem Empfinden sein Geschlecht wählen zu dürfen und zu behaupten, dass eine biologische Definition unzulänglich sei.

Wir sind hier nicht in einer Manosphere, sondern in einer Wahnosphere, wo negative Männerfantasien herrschen, unbedarfte Jungschreibkräfte sich Asche aufs Haupt streuen, weil sie halt leider als Mann geboren wurden und unter dieser Last fast zusammenbrechen.

Männer sind Schweine. Manchmal aber auch arme Schweine.

Ist Polen verloren?

Die ganz objektive Berichterstattung über die Wahlen.

Das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel» ist erschüttert: «Das liberale Europa steht der Herausforderung durch Populisten planlos gegenüber. So erschütternd wie der Wahlsieg des nationalkonservativen Präsidentschaftskandidaten Karol Nawrocki ist die Hilflosigkeit seiner Gegner.»

Bis knapp vor Schluss sah es noch gut aus für Rafał Trzaskowski. Der erklärte sich bereits nach den ersten Hochrechnungen zum Sieger und stimmte Triumphgesänge an. Aber dann, oh je, schwang Karol Nawrocki obenaus. Und erklärte sich zu Recht zum Sieger der polnischen Präsidentschaftswahlen.

Tamedia gratulierte ihm so zum Wahlsieg: «Er prügelte sich als Hooligan, kennt Neonazis – und ist jetzt Polens Präsident». Oder so: «Die Wahl des PiS-Kandidaten zum polnischen Präsidenten ist ein Bekenntnis zu hemmungslosem Rechtspopulismus.»

Eine Viktoria Grossmann ordnet ein, einer der Lieblingsausdrücke für hemmungslosen Gesinnungsjournalismus:

«Alle Anzeichen stehen dafür, dass die PiS-Partei mit ihren teils rechtsextremen Ansichten, ihren nationalistischen Parolen, ihren blanken Lügen über die EU oder auch Leute, die sich gern eine Regenbogenflagge an die Kleidung heften, noch weiter nach rechts rückt. Dass sie nun, zusätzlich zu ihrer verrohten Sprache, auch noch jegliche bürgerlichen Sitten fahren lässt.»

Sie sieht eine so grosse Gefahr durch den demokratisch gewählten Präsidenten Polens, dass sie gleich an höchster Stelle eine Forderung deponiert: «Die europäischen Partner können und sollten der polnischen Regierung helfen, wenn sie an einem verlässlichen Partner interessiert sind.»

Früher nannte man das Einmischung in innere Angelegenheiten.

Vielleicht wäre es der Mühe wert gewesen, dem Leser zu erklären, wieso eigentlich eine knappe Mehrheit der polnischen Stimmbürger diesen Kandidaten gewählt hat. Da wird es dann sehr, sehr dünn bei Grossmann: «Seine Wähler hat das nicht abgeschreckt – nein, es hat sie regelrecht angezogen.»

Stattdessen widmet sie sich sorgenvoll der Fehler, die die Regierung Tusk begangen haben soll. Und gibt auch ihr einen guten Rat mit auf den Weg, das wäre doch einen Versuch wert: «einen Plan haben und selbstbewusst auch umsetzen, ohne auf die nächsten Wahlen und den Angstgegner zu schielen. Tusk und seiner Regierung bleiben dafür jetzt etwas mehr als zwei Jahre Zeit.»

Die aktuelle Berichterstattung überlässt das Haus der Qualitätsmedien dann wieder den Newstickern wie dpa.

Grossmann ist Korrespondentin der «Süddeutschen Zeitung» in Warschau. Mangels eigener Kompetenz übernimmt der Kopfblattsalat an der Werdstrasse ihre Meinung ungefiltert. Obwohl sich alleine aus historischer Sicht der deutsche Blickwinkel auf Polen vom schweizerischen durchaus unterscheidet.

Wie tief der Graben ist, belegt der Kommentar, den der Chef des deutschen Politik-Magazins «Monitor» absonderte. Der gebührenfinanzierte und zu Objektivität verpflichtete Georg Restle schnödete auf X: „Das Wahlergebnis in Polen ist eine Katastrophe: Für Demokratie und Rechtsstaat in Polen.» Als ihm ein Kommentator Kontra gab, das sei das Ergebnis einer demokratischen Wahl, legte er gleich noch die Nazikeule drauf: «Auch der Sieg der Nazis in Deutschland war das Ergebnis einer Wahl und deren Folgen. Demokratie ist mehr als nur ein Verfahren.»

Demokratie ist für Restle offensichtlich ein «Verfahren», das nur ordnungsgemäss abläuft, wenn es ihm genehme Resultate zeitigt.

Aber was soll’s, der zahlende Leser (der Artikel ist hinter der Abo-Schranke verstaut) wird’s schon schlucken. Könnte aber ein Irrtum sein.

Denn vielleicht interessiert den, eine geldwerte Gegenleistung zu kriegen. Zum Beispiel einen Erklärungsversuch, wieso mehr als die Hälfte der Polen diesen Präsidenten gewählt hat – obwohl doch der andere viel besser gewesen wäre, laut fast einhelliger Meinung der Massenmedien.

Nun hat sich also eine Mehrheit der Polen zu «hemmungslosem Rechtspopulismus» bekannt, mit diesem erschütternden Wahlsieg. Warum? Nun, vielleicht weil sie so sind, oder schlichtweg doof. Halt wie die Amis, die auch aus Blödheit Trump gewählt haben, die Italiener mit ihrer Meloni, die Ungarn mit Orban, die Niederländer mit Wilders, die Franzosen mit Le Pen, die Deutschen mit der AfD.

Ach, und wohl auch die Schweizer mit der SVP, aber die ist dann nicht ganz so hemmungslos rechtspopulistisch, oder nur manchmal.

Früher, ja früher, gab es mal das journalistische Prinzip, dass Berichterstattung von Meinung so gut wie möglich getrennt sein sollte. Berichterstattung setzt allerdings Kompetenz voraus, Sachkenntnis, die Fähigkeit, zu analysieren, dem Leser Erkenntnisgewinn zu verschaffen.

Daran mangelt es immer mehr, umso hemmungsloser werden diese Lücken durch Meinung, Besserwisserei und arrogantes Erteilen von unverlangten Ratschlägen ersetzt.

Das ist natürlich erlaubt. Aber dafür noch Geld zu verlangen, das hat auch etwas Hemmungsloses, ja Zügelloses. Eigentlich Sinnloses. Denn wer will solchen Journalisten schon gegen Bezahlung bei der Bauchnabelschau und dem Äussern ihres Unwohlseins zuschauen. Populistisch ist es allerdings nicht, denn solchen Medien laufen die Leute in Scharen weg.

Wetzel ist ein kluger Mann,

der nur nicht logisch denken kann.

Die Masseinheit ein Wetzel steht für die maximale Distanz zwischen einer Formulierung und der Wirklichkeit. Wenn also jemand beim Betrachten einer weissen Wand «die ist schwarz» sagt, dann drückt er damit ein Wetzel aus.

Sich selbst sieht der Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung», dessen Ergüsse dem zahlenden Tamedia-Leser zugemutet werden, sicherlich als Querdenker:

«Wenn Trumps Amerika den Europäern hilft, Chinas und Russlands hegemoniale Ansprüche in der Arktis einzudämmern, ist das eine gute Nachricht.»

Das meinte Hubert Wetzel zu Trumps Plänen, notfalls mit Waffengewalt Grönland einzunehmen.

Oder er sieht sich als Unke: «So sterben Demokratien», orakelte er 2020 nach dem ersten Amtsantritt Trumps. Dessen Wahlkampf zum zweiten Anlauf verfolgte er auf der erbitterten Suche nach jedem Fünkchen Hoffnung, dass Trump doch nicht der Kandidat der Republikaner werde.

Und überhaupt regelt Wetzel das gesamte Weltgeschehen: «Macron hat aussenpolitisch seinen Bankrott erklärt». Der französische Präsident hatte es gewagt, eine Meinung zu äussern, ohne Wetzel um Erlaubnis zu fragen, und dann war sie erst noch falsch, nämlich nicht seine. Da trifft ihn dann aber Wetzels volle Verachtung: «Er meint es also offenbar ernst. Allerdings fällt es schwer, den französischen Präsidenten auch ernst zu nehmen.»

Es fällt nicht schwer, sondern ist unmöglich, Wetzel ernst zu nehmen. Denn er hat schon wieder eine neue Idee, wie man den Inhalt des peinlichen Halbstarken-Chats höchster US-Regierungskreise sehen könnte.

Zunächst will er sich und dem Leser Angst einjagen: «Trotzdem kann einem natürlich der kalte Angstschweiss ausbrechen, wenn man sich vorstellt, über welche anderen Themen Amerikas wichtigste Aussen- und Sicherheitspolitiker noch so bei Signal chatten.»

Aber dann tut er etwas, was er wirklich lassen sollte. Er denkt nach:

«Solange die Europäer es aus Mangel an Geld, militärischer Kraft oder Interesse – die Amis machen das ja für uns – nicht schaffen, vor der eigenen Tür die eigenen Handelsinteressen gegen eine militärisch nicht besonders beeindruckende Truppe wie die Huthi zu verteidigen, müssen sie damit leben, im Klassenchat des Weissen Hauses verunglimpft zu werden. Höhnisches Kopfschütteln ist darauf die falsche Reaktion

Nun, wie soll man den Schwarzseher an die in Wirklichkeit weisse Wand heranführen? Zunächst einmal haben die Europäer die USA nicht darum gebeten, mal kurz – unter Inkaufnahme der üblichen Kollateralschäden – vermutete Huthi-Stellungen im Jemen zu bombardieren.

Dass die Huthi diesen Schiffsverkehr angreifen, könnte allerdings, so behaupten sie es zumindest, damit zu tun haben, dass in erster Linie die USA die israelische Armee dabei unterstützen, den Gazastreifen in Schutt und Asche zu legen und auch in Syrien oder dem Libanon Kriegsverbrechen zu begehen. Das alles angeführt von einem Ministerpräsidenten, der nur dank seines Amtes dem Knast entgeht und sich aller Justizorgane entledigen will, die ihm gefährlich werden könnten.

Wenn man schon beim Aufrechnen ist, wieso sollte Europa nicht den Kampfeinsatz seiner Truppen – auf Bitten der USA notabene – in Afghanistan in Rechnung stellen? Dort spielte sich ja ein weiteres Kapitel erfolgreicher US-Militärpolitik ab, so wie im Irak, in Libyen oder in Syrien.

Schliesslich könnte sich Wetzel auch fragen, in wessen Besitz eigentlich die Frachtschiffe sind, die via Suezkanal Waren von Asien oder Indien nach Europa transportieren.

Solche Überlegungen ergäben allerdings – um im Bild zu bleiben – eine bunt gesprenkelte Wand, die ungefähr so kompliziert, komplex und widersprüchlich aussehen würde – wie die Wirklichkeit.

Das ist aber für einen Schwarzweiss-Seher wie Wetzel viel zu anspruchsvoll und würde höchstwahrscheinlich Kopfweh auslösen.

Das ist sein Problem; wieso allerdings die gesamte Qualitätskontrolle von Tamedia, man denke nur an Raphaela Birrer oder an das Kommunikationsgenie Simon Bärtschi, ihren verbliebenen Lesern einen solchen Stuss zumuten, da ist gute Erklärung teuer. Oder vielleicht nicht.

Während sie nicht müde werden, ständige Sparmassnahmen als angebliche Qualitätssteigerung schönzuschwatzen, ist ihnen der Content, Hand aufs Herz, schlichtweg völlig egal. Solange irgendwelche Buchstaben unter oder neben irgendwelchen Fotos stehen.

 

Wetzel dreht durch

Tamedia übernimmt inzwischen jeden Schrott aus der Süddeutschen Zeitung.

Schon vor seinem Amtsantritt hat Donald Trump bekanntlich Interesse an diversen souveränen Staaten geäussert. Er hätte gerne Panama, Kanada und Grönland. Vorläufig, so als Anfang. Und bist du nicht willig, brauch ich Gewalt: dabei schliesst er die Anwendung militärischer Mittel ausdrücklich nicht aus. Also ein.

Das ist reiner Wahnsinn, ein Novum in der neueren Geschichte, dass der Oberbefehlshaber der mächtigsten Militärmacht der Welt in spe unverhohlen damit droht, sich andere Länder mit Gewalt anzueignen. Dagegen sind die Handlungen Putins und die Politik Chinas gegenüber Taiwan Kinderkram.

Würden die Herrscher Chinas oder Russlands solche Ansichten äussern, die westlichen Medien wären ausser sich. Aber Heuchelei und Doppelmoral erreichen neue, ungekannte Höhepunkte. Genauso, wie völkerrechtswidrige und verbrecherische Handlungen Israels im Libanon oder in Syrien kleingeredet oder nonchalant berichtet werden, vollziehen erste Journalisten bereits eine atemberaubende Kehrtwende und machen einen Bückling vor einem brandgefährlichen Mann.

Der bereits mehrfach verhaltensauffällig gewordene Hubert Wetzel, für die Süddeutsche Zeitung in Brüssel, hat völlig den Verstand verloren:

«Wenn Trumps Amerika den Europäern hilft, Chinas und Russlands hegemoniale Ansprüche in der Arktis einzudämmern, ist das eine gute Nachricht.»

Es fehlen einem die Worte. 2020 raunte Wetzel noch dunkel: «So sterben Demokratien», als Gruss zum Wahlsieg von Trump. Denn früher war diese Schande seines Berufs für die SZ für die USA zuständig. Dann rief er anlässlich der Ukraine bereits den dritten Weltkrieg aus. Und nun das.

«Trump darf sich gern für Grönland interessieren». Wie bitte? Das «wäre eine gute Nachricht für Europa», behauptet der Mann allen Ernstes, «wenn es ihm um die Sicherheit in der Arktis gehen würde». Man muss sich vor so viel geballtem Wahnsinn zuerst einen Moment sammeln. Da will ein Amok, noch bevor er die Mittel und die Möglichkeit dazu hat, ernsthaft fordern, dass Grönland, ein selbstverwalteter Bestandteil Dänemarks, den USA einverleibt wird. Ob als neuer Bundesstaat, als Kolonie oder einfach als imperiales Eigentum, ist völlig ungeklärt.

Und statt dass ein Aufschrei durch die Medien geht, schreibt der erste Wendehals eine »Analyse», dass man darüber durchaus ernsthaft nachdenken sollte, weil das gar keine schlechte Idee sei. Man kann es nicht oft genug wiederholen: dass Trump – im Duett mit Musk – der gefährlichste Mann der Welt ist, ist eine Sache. Das die ersten Schmierenjournalisten auch in deutscher Sprache versuchen, seine absurden imperialen Fantasien zu rechtfertigen, ist die andere, genauso erschütternde Sache.

Der Schluss von Wetzels Geschmiere ist so ungeheuerlich wie der ganze Rest:

«Bleibt die Frage nach der Methode, mit der Trump eine grönländisch-amerikanische Vermählung erreichen möchte. Wie Wladimir Putin, der die Ukraine durch eine Vergewaltigung in die Zwangsehe mit Russland führen will? Oder über eine andere, völkerrechtlich legale und politisch ausgehandelte Konstruktion, bei der es weder zum Krieg mit Dänemark noch zu einer imperialen Unterwerfung der Grönländer kommt

Die Annexion eines Landes über eine «völkerrechtlich legale Konstruktion»? Grossartig, wieso hat Trottel Putin eigentlich nicht daran gedacht, bevor der die Ukraine überfiel? Das wäre doch auch ein Königsweg für China, sich Taiwan einzuverleiben. Deutschland könnte daran denken, die nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen verlorenen Gebiete wieder heim ins Reich zu holen. Wieso dürfte sich Serbien nicht wieder den Kosovo oder Montenegro einverleiben? Schluss mit den von den Kolonialherren in Schwarzafrika gezogenen Landesgrenzen, da sollte wieder zusammenwachsen, was zusammen gehört.

Und wenn wir schon dabei sind: An der Vereinbarung des Zaren mit den USA, ihnen Alaska zu verkaufen, kann doch auch gerüttelt werden, das müsste endlich wieder in den Besitz Russlands überführt werden. Ist doch sowieso irr, dass die USA ausserhalb ihres Stammterritoriums noch so ein riesiges Stück Land besitzen, das ihnen eigentlich gar nicht gehört.

Sollte diese Irrwitzpolitik Trumps Schule machen, ist der Ukrainekrieg nur ein Vorgeschmack auf weltweite Metzeleien, Grenzverschiebungen, Kriege, Eroberungen und Rückeroberungen. Wobei dann der Einsatz von Atomwaffen diesem Irrsinn ein Ende bereiten würde, weil es nichts mehr gäbe, was sich zu erobern lohnt.

Dass solche Gedanken in einem kranken Hirn unter einer merkwürdigen Frisur keimen, nun ja. diesen Präsidenten haben die Stimmbürger der USA gewählt.

Dass aber ein Mitarbeiter einer angeblich seriösen deutschen Zeitung einen solchen Schwachsinn schreibt, ist nochmal eine Steigerung des Wahnsinns. Dass Tamedia sich nicht enblödet, das unkritisch einfach zu übernehmen, ist ein weiterer Tiefpunkt so weit unten, wie man ihn sich, trotz Abhärtung, nicht vorstellen konnte.

Sollte die Menschheit die Präsidentschaft Trumps überleben, muss dieses Machwerk an einen Schandpfahl des journalistischen Niedergangs genagelt werden. Es steht hurrapatriotischem Gebrüll vor und während des Ersten Weltkriegs in nichts nach.

Wenn sich gegen die Publikation dieser Monstrosität nicht hörbarer Widerstand in der Restredaktion von Tamedia entfaltet, ist es leider völlig klar, dass sie nur noch aus feigen Opportunisten besteht, denen ihr Pöstchen wichtiger ist als Haltung, Rückgrat und Anstand.

Vergurkt

Man soll keine Namensscherze machen, aber …

Als Christoph Gurk über den Erdrutschsieg von Nayib Bukele in El Salvador unkte, hat ZACKBUM noch auf Namensscherze verzichtet. Obwohl Gurk knirschend einige Erfolge des Präsidenten eingestand, aber dann befand: «Sollte man nun also gratulieren? Eher nein.» Warum? «Nun, so ist es zu befürchten, ist es (El Salvador, Red.) auf dem Weg in die nächste Diktatur.»

Dass die Bevölkerung nach jahrelanger Bandenkriminalität und Tausenden von Toten aufatmet und man wieder auf die Strasse gehen kann, ohne allzu grosses Risiko, in eine Bandenschiesserei zu geraten, das ist Gurk egal.

Noch ablehnender steht er natürlich Javier Milei gegenüber. Auch da gibt er seine Meinung gleich in Titel kund: «Ein Jahr «Anarcho-Kapitalismus»: Armes Argentinien. Drei Jahre unter Javier Milei stehen noch bevor». Armes Argentinien? Allerdings. Wie das Land vom korrupten Kirchner-Clan und seinen Vorgängern ins Elend, ins Staatsbankrotte und in die Depression getrieben wurde, ist ungeheuerlich.

Nun muss auch hier Gruk einräumen: «Die Inflation ist gesunken, und erstmals seit etwa eineinhalb Jahrzehnten konnte Argentinien unter Milei wieder einen Haushaltsüberschuss präsentieren.» Gleichzeitig muss er knirschend einräumen, dass trotz schmerzlicher Folgen die Mehrheit der Argentinier hinter Milei steht. Denn sein «no hay plata», es ist kein Geld mehr da, das versteht eigentlich jeder – ausser Gurk.

Nun gäbe es da einige Traumtänzer in Europa, die sich sogar Milei zum Vorbild nehmen wollen. Aber:

«Das aber wäre ein Fehler. Denn der rechtslibertäre Staatschef ist kein Vorbild, sondern eine Gefahr.»

In erster Linie für die ideologisch geprägten Vorurteile von Gurk.

Aber sein eigenes Problem, nennt man in der Psychologie Übertragung, wirft er seinen Feindbildern vor: «Es geht längst nicht mehr um Fakten, es geht um Glauben, nicht um neue Ideen, sondern um eine Ideologie.»

Die Fakten wären, dass Argentinien viele Jahre lang am Staatsbankrott entlangsegelte, seinen Schuldendiensten nicht nachkam, von allen internationalen Geldquellen ausgeschlossen, dazu hochkorrupt und eigentlich aussichtslos im Niedergang gefangen. Wäre es so weitergegangen, dann wäre Argentinien heute entweder vor oder nach dem nächsten Staatsbankrott. Tolle Aussichten.

Aber Gurk hat’s nicht so mit verschiedenen Zukunftsperspektiven; gegen Schluss seiner Philippika wird er noch recht demagogisch gemein:

«Milei sieht sich in einen Kulturkampf, Kommunismus gegen Kapitalismus. Das ist eine bedrohliche Entwicklung und ein besorgniserregender Rückschritt für ein Land, in dem das Ende der Diktatur gerade einmal vier Jahrzehnte zurückliegt. Damals wähnten sich rechte Militärs in einem Krieg gegen eine vermeintliche linke Weltverschwörung, sie entführten, folterten und ermordeten deshalb Zehntausende Menschen

Das ist ungeheuerlich. Damit unterstellt Gurk also, dass Milei einen «besorgniserregenden Rückschritt» verkörpere, der möglicherweise zurück in die Militärdiktatur, Folter und Mord führen könnte. Während der Fortschritt der linken Regierungen darin bestand, dass das Land nicht aus seiner Misere herauskam.

Es ist offenbar auch für Gurk, wie für viele Ideologen seines Schlages, nicht einsehbar, dass die Lösung «machen wir neue Schulden, dann kommt’s schon mal gut», absurdes Wunschdenken von Traumtänzern ist. Passiert nicht allzu häufig dass die Bevölkerung in gleich zwei lateinamerikanischen Ländern den besseren Durchblick als der Korrespondent  der «Süddeutschen Zeitung» hat, der vielleicht mal bei seinem Kollegen Thomas Fuster (oder bei Alexander Busch) von der NZZ etwas Nachhilfe nehmen könnte, wie man eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation mit Sachverstand analysiert.

Stattdessen, jetzt geht es nicht mehr anders, vergurkt Gurk eine Meinungsäusserung nach der anderen.

Wetzel dreht auf

Oder durch? Der Journalist der SZ Hubert Wetzel will immer vorne dabei sein. In der Twilight Zone.

Kriegerische Ereignisse, die schon eine Weile andauern, fordern geradezu eine sprachliche Nachrüstung, eine Aufrüstung. Denn immer nur schreiben «in der Ukraine ist Krieg, und alleine die Russen sind dran schuld und Putin ist ein irrer Verbrecher», das wird auf die Dauer auch langweilig.

Und die meisten sogenannten «Experten» haben gemerkt, dass Triumphgesänge, dass die Ukraine demnächst siegen wird, dass die russische Armee demnächst zusammenbrechen wird, dass die ganze russische Wirtschaft den Bach runter geht und Putin aus dem Kreml gejagt wird – nun, dass das vielleicht etwas zu tollkühn war.

Also probiert es Wetzel aus dem Kopf des Chaoshaufens EU berichtend, also aus Brüssel, mal mit was Neuem:

So fragt er bang in der «Süddeutschen Zeitung», und mangels eigener Meinung, Kompetenz oder schlichtweg wegen «kä Luscht» rupft Tamedia den Text ein wenig und publiziert ihn auch. Wieso sich auch gross Mühe geben dabei, Titel und Lead sitzen doch prima:

Man beachte den feinen Unterschied, dass Tamedia «dritter Weltkrieg» klein schreibt, ein kleiner Nasenstüber aus Banja Luka Richtung München. Wetzel, muss ZACKBUM einschieben, hat schon eine ganze Latte von verhaltensauffälligen – um kein stärkeres Adjektiv zu verwenden – Unkenrufen abgesetzt. Schon 2020 raunte er unheilschwanger: «So sterben Demokratien», weil Trump «offensichtlich» keine Ahnung habe, wie Demokratie geht. Auch da musste er sich bei der aktuellen Wahl steigern, also verglich er die Wahl Trumps seines Vizepräsidenten mit einer Szene aus dem «Weissen Hai». Ungelogen, der Mann ist nicht ganz dicht.

Aber neu hat er einen viel grösseren weissen Hai, sozusagen ein Überuntier entdeckt. Den Ukrainekrieg. Nun, das wäre so gesehen etwas langweilig, also rüstet Wetzel verbal gross auf. Er lässt aufrüsten, denn was eignet sich besser dazu als ein (erfunden oder echt, weiss man’s?) Zitat eines «Diplomaten in Brüssel», der leider keinen Namen hat: Wir seien noch nicht wirklich im Dritten Weltkrieg angelangt, ««aber man kann schon das Gefühl haben, zumindest in einer Art Vorkriegszeit zu leben. Als seien wir wieder in den Jahren 1912/13, als die Balkankriege stattgefunden haben» – die Vorboten des grossen europäischen Gemetzels, das dann 1914 begann.»»

Nun ja, vielleicht sollte Wetzel doch mal «Die Schlafwandler» lesen, aber wir wollen nicht zu viel historische Kenntnisse verlangen. Nun kommt eine Latte von Einschränkungen, es gebe in der Tat noch keine direkte militärische Konfrontation zwischen den Atommächten, aber immerhin unterstützten ja die USA, England und Frankreich die Ukraine. Und auf der anderen Seite sehe es auch ganz schön global aus:

«Moskau bekommt Militärdrohnen aus dem Iran und Artilleriegranaten aus Nordkorea, das dortige Regime hat zudem Tausende Soldaten an die Front bei Kursk geschickt. Am wichtigsten ist für Russland aber die Unterstützung durch China. Peking kauft Russland Rohstoffe ab, ermöglicht die Umgehung der westlichen Sanktionen und liefert verbotene Güter.»

Es ist nur wundersam so, dass es trotz diesen «Tausenden Soldaten» noch keinen einzigen belastbaren Beweis für deren Existenz gibt. Aber mit so Details hält sich ein Globalstratege wie Wetzel doch nicht auf. Nun kommt wieder eine anonyme Quelle zum Zug, wie es sich für gehobenen Qualitätsjournalismus gehört:

««Es ist völlig klar, dass Russland diesen Krieg ohne China so nicht führen könnte», sagt ein europäischer Diplomat. Man könne heute sicher feststellen, dass China von einem eher indirekt agierenden «Ermöglicher und Helfer» zu einem direkten «Kriegsbeteiligten» geworden sei

Damit habe, bietet Wetzel der gelben Gefahr die Stirn, «Peking nach westlichen Erkenntnissen mittlerweile die von der EU definierte rote Linie bei der Unterstützung Moskaus überschritten und versorgt Russland nicht mehr nur mit vom Westen sanktionierten Gütern, die zivil und militärisch nutzbar sind».

Es ist wirklich unverschämt. 30 Staaten, berichtet Wetzel stolz, versorgten die Ukraine mit Kriegsgerät und Finanzen. Und da kommt doch der Chinese daher und wagt es, mit Russland Geschäfte zu machen. Ohne Wetzel (oder anonyme Diplomaten) vorher zu fragen, ob damit nicht eine rote Linie überschritten werde.

Dann noch die Beschädigung von Pipelines und Datenkabeln in der Ostsee, mutmasslich durch chinesische Schiffe. Da braut sich Ungeheuerliches zusammen, weiss Wetzel.

Nun muss er didaktisch werden und die Frage in den Raum stellen: «Was bedeutet das?» Ja waseliwas? Auch das kann Wetzel leider nicht selbst beantworten, daher kommt schon wieder diesmal ein «ranghoher Brüsseler Diplomat» zu Wort; seine Vorgänger waren offenbar nur Fussvolk. Der raunt, das heisse, «dass das chinesischeuropäische Verhältnis sich in einem riskanten Zwischenzustand befindet. «Wir sind nicht im klassischen Sinn im Krieg miteinander», sagt der Diplomat. «Aber zwischen uns herrscht bestimmt kein Frieden.»»

Ohä, das ist die Entdeckung eines vierten Zustands, eine Weltsensation. Zuvor gab es Krieg, Frieden und kalten Krieg. Jetzt gibt es auch noch «im klassischen Sinn» keinen Krieg, aber im nichtklassischen Sinn auch keinen Frieden.

Und ZACKBUM fragt mal wieder matt, ob es wirklich Leser gibt, die gerne für solchen Stuss etwas bezahlen, damit ihnen eine Reihe von anonymen Diplomaten vorgeführt werden, die Unverständliches labern.

 

Zusammengeholzt

Arme Autoren der SZ. Tagi-Leser bekommen nur Fragmente.

Michael Neudecker ist der England-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung». Wenn er sich nicht gerade darüber erregt, zur Präsentation des neuen Pirelli-Kalenders eingeladen und bewirtet zu werden, widmet er sich auch der Literatur. Genauer dem Bestsellerautor Robert Harris. Dessen neustes (und nicht unbedingt bestes) Buch «Abgrund» stürmt mal wieder die Bestsellerlisten.

Zudem kommt die Verfilmung seines Werks «Conclave» über die Papstwahl gerade in die Kinos. Genug Anlass für ein «Profil» in der SZ, Titel: «Robert Harris. Autor von «Konklave» mit einem Faible für Randfiguren». Auf rund 4000 A holpert sich Neudecker nicht unbedingt literarische hochstehend und sehr, sehr selektiv durch das voluminöse Werk von Harris. Die Cicero-Trilogie («Imperium, Titan, Dictator»), das Hauptwerk, ist ihm offensichtlich zu schwer. Ausserdem passt es nicht zu seiner dünnen These der Randfiguren. Zu erwähnen wären sicherlich auch «Aurora» über einen fiktiven Sohn Stalins oder «Der zweite Schlaf», eine bedrückende Dystopie.

Aber item, Neudecker gibt alles und versucht das ihm Mögliche, was nun nicht viel, aber immerhin etwas ist. Zu seinem Pech hatte der Tagi gerade auf seiner Seite «Meinungen» mangels Meinungen noch ein Plätzchen frei:

Nun ist es aber im Kopfsalat-Imperium Tamedia so, dass ja über ein Dutzend Blätter bespielt werden müssen, wo jeweils die lokale Rumpfredaktion theoretisch die Möglichkeit hat, eigene Werke einzupflegen. Deshalb hat hier jedes Gefäss im Sinne des Qualitätsmanagements von Simon Bärtschi (wo ist der Schlingel eigentlich abgeblieben; trinkt er mit Kerstin Hasse ein Bierchen nach dem anderen?) seine genau vorgegebene Zeichenzahl.

Und das sind hier halt 2800 und nicht 4000 wie bei der SZ. Da gilt das Qualitätsprinzip: was nicht passt, wird passend gemacht. Also werden mal kurz 30 Prozent des Texts rausgehackt.

Nun ist natürlich jeder Text kürzbar. Allerdings gibt es dabei zwei Probleme. Es muss gekonnt sein, und irgendwann wäre es besser, einen neuen, kürzeren Text zu schreiben, weil sonst alles in den Gelenken knirscht und knackst.

Der Originaltext von Neudecker in der SZ ist auch nicht gerade ein Höhepunkt der Beschreibung von Literatur. Aber wer das Geholper beim Tagi & Co. liest, könnte sich schon fragen, ob Neudecker noch das Perlhuhn mit Rosmarin-Mangold mit sich an der Decke räkelnden leichtbekleideten Damen auf dem Magen lag, als er das schrieb.

Dass Tamedia aus Qualitätsgründen, Pardon, aus Spargründen so vieles von der SZ übernimmt, ist das eine. Ohne Rücksicht darauf, dass sich die deutsche Weltsicht nicht nur in Form eines ß oder mit Wörtern wie «parken» von der schweizerischen unterscheidet.

Das andere ist aber, dass sogar bei diesen Übernahmen Hand angelegt wird, Texte notgeschlachtet, damit sie in die Gefässe des Qualitätsorgans passen. Ohne, dass sich der Autor dagegen wehren könnte. Denn letztlich steht immer noch Neudecker über oder unter dem Text, obwohl er mit diesem Trümmerhaufen eigentlich nicht mehr viel zu tun hat.

Als Gipfel der Frechheit versteckt Tamedia diesen übernommenen, gekürzten und misshandelten Text noch hinter der Bezahlschranke. Die Leserverarschung erreicht ungeahnte Höhepunkte.

 

Dienst ohne Vorschrift

Die Tamedia-Redaktion ist völlig von der Rolle. Die Leserschaft flüchtet.

Welcher Blattmacher, welcher Online-Verantwortliche macht mit so einer Story auf?

Nur eine Redaktion, die alles verloren hat, inklusive Haltung, journalistischem Ethos und Professionalität. Denn was soll die Frage? Sollen nun also Teslafahrer aus Protest ihre Karre stehenlassen und wieder auf den Porsche umsteigen? Oder setzen sie mit dem Fahren eines Teslas ein Zeichen für Trump?

Genau umgekehrt sieht es Joachim Becker. «Pro: Wer ein E-Auto kauft, setzt ein Zeichen gegen Trump». Dagegen keilt Andreas Remien. «Kontra: Wer einen Tesla kauft, unterstützt Trump».

Und der Hammer: Das sind zwei Autoren der «Süddeutschen Zeitung». Was interessiert es den Schweizer Leser, was zwei Deutsche über den Tesla denken? Eigentlich nichts. Aber offenbar war die Qualitätsredaktion von Tamedia so völlig mit dem Schneiden des Protestfilmchens ausgelastet, um das selber in die Hand zu nehmen.

Dann gleich der nächste Brüller: «Schweizerinnen und Schweizer würden Kamala Harris wählen». Interessant, kleines Problem aber; Schweizer können gar nicht wählen.

Die faszinierenden Schlagzeilen folgen Schlag auf Schlag:

«Seit Donnerstag, 24.10.2024 ist eine Anmeldung und Registrierung via OneLog, dem Login-Tool der Schweizer Medien- und Verlagshäuser, aufgrund eines Cyber-Angriffs nicht möglich. Die mit dem OneLog-Login verbundenen Services – wie beispielsweise das Kommentieren von Artikeln – sind ebenfalls nicht verfügbar. Unsere Inhalte sind vorübergehend frei zugänglich und der Zugang zu den E-Papers ist geöffnet.»

Der Beitrag zum Thema: wir haben alles im Griff, ausser unseren Auftritt.

Wir kommen zum nächsten Höhepunkt von Tamedia, der Kultur». Oder so.

Hä? Ist nicht wichtig, wurde von der SZ übernommen, irgend so eine Geistreichelei, die morgen schon wieder vergessen ist.

Gibt es sonst noch weltbewegende Themen? Aber sicher:

«Gute Nacht! Alles zu Schlaf‘ und Zeitumstellung». Das ist nun etwas frech. Denn was braucht man denn noch für einen tiefen und gesunden Schlaf, wenn man den neuen Online-Auftritt des Tagi anschaut? Nichts.

Aber dann kommt doch mal eine qualitativ hochstehende Eigenleistung, oder nicht? Die Antwort ist «oder nicht».

 

Da hätten wir einen «Ticker: Ukraine-Russland-Krieg». Und wir hätten einen Ticker «zum Krieg in Nahost». Ticker heisst: arme Schweine im Newsroom müssen Agentur-Meldugen und anderes zusammenschnipseln und aneinanderkleben.

Missglücktes Redesign, demotivierte Redaktion, Schnarchartikel. Mit dieser Erfolgsmischung wird Tamedia sicherlich die Einschaltquote in ungeahnte Höhen treiben und in Scharen zahlende, neue Leser gewinnen. Ganz sicher. Aber nur in einer Fantasiewelt der Tamedia-Häuptlinge, die jeden Kontakt zu Realität und Produkt verloren haben.

«Weltwoche» eiert

In den Seilen hängend, wuschig, schlecht gelaunt.

So kann’s gehen. In der heilen Werbewelt preist sich die «Weltwoche» als «unabhängig, kritisch, gut gelaunt» an. Dabei greift sie in die Harfe: «Oberstes Ziel der Weltwoche bleibt es, die Intelligenz ihrer Leserinnen und Leser anzusprechen mit möglichst brillant geschriebenen Artikeln.»

So viel zur Theorie. Die die WeWo durchaus immer wieder und häufiger als die Mainstream-Medien einlöst. Ausser, es geht um Russland. Oder China. Oder das Christentum. Oder Sanija Ameti.

Angesichts eher beschränkten Platzes ist auch Auswahl und Gewichtung ein Thema. Da gibt es aktuell wichtige und unwichtige Ereignisse. Ein wichtiges ist zum Beispiel, dass der russische Präsident Putin die mögliche Lieferung von Mittelstreckenraketen an die Ukraine als direkte Kriegshandlung der NATO gegen sein Land bezeichnet.

Und selbst die Kriegsgurgeln von der «Süddeutschen Zeitung» einen Moment innehalten, ob eine solche Eskalation eine gute Idee wäre oder uns einem Atomkrieg einen guten Schritt näher brächte.

Wenn aber die Titelstory lautet «Free Sanija Ameti» und von Daniel Ryser geschrieben wird, dann ist ein seltener Tiefpunkt höheren Schwachsinns erreicht. Wäre das Cover der aktuellen Ausgabe eine Referenz an «Titanic», das grossartige Satiremagazin, könnte man es noch knapp goutieren. Aber ein Wendehals, der wegen unmöglichen Verhaltens gefeuert wurde, schreibt über eine dummdreiste Provokateurin, die wegen unmöglichen Verhaltens gefeuert wurde? In einem Organ, das er noch kurz zuvor als Hort von Verschwörungstheoretikern, angeführt von einem Jünger Bannons, beschimpfte?

Und ist jemand, der für eine sich in aller herrlichen Freiheit befindende Person «Befreiung» fordert, noch ganz dicht? Ist ein Organ ganz dicht, das das zur Titelgeschichte macht? Damit insinuiert, Ameti sitze im Knast, sei politische Gefangene, müsse befreit werden, so à la Julian Assange? Wie bescheuert ist das denn?

Nebenbei: «Swatch ist unterbewertet», das zeugt wieder einmal von der grossen Wirtschaftskompetenz des Blatts. Sollte eigentlich schadenersatzpflichtig sein, so ein Unsinn.

Da ist das Wort Realsatire zu schwach dafür. Und abgesehen davon: seit dieser Swiss Miniature erschütternde Skandal ausbrach, also seit knapp einer Woche, hat die WeWo sagenhafte 18 Artikel auf dieses Null-Thema verbraten. Dabei hat sie eine Pirouette gedreht, bei der sie auf allzu dünnem Eis einbrach. Zuerst durften Christoph Mörgeli und Philipp Gut zubeissen. Dann bekamen sie einen Maulkorb, und Roger Köppel himself forderte «Gerechtigkeit für Sanija Ameti», obwohl er sich in seinen religiösen Gefühlen durchaus verletzt sah.

Dann griffen alle engelsgleich in die Harfe. Ein selten sanfter Mörgeli forderte «Milde» ein. Köppel gar «Gerechtigkeit». Alex Baur sprach sich gegen Männerfantasien aus: «Finger weg von Ameti».

Und dann die nächste Volte: «Opfer Ameti? Nach der Empörung nehmen die Medien Sanija Ameti allmählich wieder in Schutz. Bei allem Verständnis sollte man nicht vergessen, dass sie symbolisch auf das Fundament unserer Werte geschossen – und die Affäre selbst losgetreten hat».

Ist halt schon blöd, wenn man aus Prinzip immer gegen den Strom schwimmen will – und der Strom ständig seine Richtung ändert. Sie habe das alles selber losgetreten, schimpft Hubert Mooser, ganz ohne Milde oder christliche Nächstenliebe.

Ist das ein Thema, das der WeWo-Leser dermassen ausführlich ventiliert sehen möchte? Als Titelgeschichte? Aufregung um ein Politik-Pin-up-Girl? Die Berichterstattung über dies Bachelorette der Politik zieht sich selbst auf ihr Niveau herab.

Dagegen kann man nichts machen. Das widerfährt Kritikern, Bewunderern, Fans, Verteidigern und der überwältigenden Mehrheit, die überzeugt ist, dass der Primitiv-Provokateurin recht geschah. Die jetzt noch ihre letzte Karte ausspielt: das Drücken auf die Tränendrüse, die Mitleidsnummer. Frau mit Migrationshintergrund, gelegentlich Muslima, lasziv, posierend, immer eine vorbereitete Rempelei auf Lager. Aber sonst nichts. Und nun gehe es ihr ganz schlecht, wisse sie nicht, wie lange sie das noch aushalte. Und dann?

Aktion und Reaktion sind inzwischen gleichermassen widerlich geworden. Daher stellt ZACKBUM hiermit die Berichterstattung über dieses Sumpfgebiet ein. Und befreit sich selbst von Ameti, Rysers und allen anderem Gesocks.