Schlagwortarchiv für: Stefan Scholl

Ei, Ei, Geeiertes

Die NZZaS geht mal wieder auf grosse Fahrt. Mit dem U-Boot.

ZACKBUM lernt, ihn zu lieben:

«Der Louis XIV für Arme zerschlägt mit dem Zollhammer die Schweizer Illusion von der Sister-Republic, liess als Groupie von Wladimir Putin die Ukraine-Krise bis vor kurzem fahrlässig schleifen – und provoziert mit seiner erratischen Aussenwirtschaftspolitik gegenüber China und Co. den nächsten Crash. Denn das System ist fragil geworden. Hinter der goldenen KI-Kulisse, dieser Blase aller Blasen, nagt etwas Toxisches an der amerikanischen Wirtschaft.»

Eine solche Anhäufung von schiefen Bildern, schrägen Zusammenhängen und kruden Ableitungen, das ist gekonnt. Das kann eigentlich nur Beat Balzli, der Chefredaktor der NZZaS. «Louis XIV für Arme, Groupie von Putin, Toxisches nagt», wir wollen auch von dem Zeugs, das Balzli nimmt, bevor er in die Tasten greift.

Geht da noch einer? Aber ja, das ganze Editorial ist voll davon, noch ein Müsterchen: «Der Mittelstand leidet unter steigenden Strom- und Lebensmittelpreisen, irrt auf einem flauen Jobmarkt umher, zahlt immer seltener Kredite zurück.» Irrt auf dem flauen Jobmarkt herum, man stelle sich das vor, kann es aber ohne die Hilfe von verbotenen Substanzen nicht.

Aber dann, die Erleuchtung, Durchleuchtung, die NZZaS schaut hinter die Maske des Kremls, geschmackvoll illustriert auf der Front und drin:

Stefan Scholl hat den Röntgenblick und durchschaut die unsichtbare Hand, die den Kreml – ja was eigentlich? An Fäden bewegt? Aber es ist ja gar nicht der Kreml, sondern wohl die Basilius-Kathedrale vor dem Kreml auf dem Roten Platz. Ist hier das Zentrum des «Zarenreichs des Schweigens»?

Und wer ist Stefan Scholl? Die Wiedergeburt von Peter Scholl-Latour? Oder will Scholl die Lücke füllen, die der lebenslange Kreml-Astrologe Ernst Kux hinterliess? Denn das Schöne an solchen Zeichendeutereien ist: eigentlich weiss niemand nichts Genaues, was hinter den Kremlmauern passiert. Ausserdem ist das ein völlig gegendarstellungsfreier Raum. Die Herrschenden im Kreml haben sich noch nie bemüssigt gefühlt, irgend einen Quatsch, der über sie geschrieben wird, richtig zu stellen.

Auch wenn Scholl so tut, als könne er Mäuschen spielen: «Am Mittwoch sass Wladimir Wladimirowitsch Putin in einem anderen abgedunkelten Zimmer des Kreml.» Er weiss noch viel mehr: «Seine Videokonferenzen hält Putin übrigens nicht im Tüllkabinett ab, sondern in noch einem anderen Saal des Kreml – oder auf seiner Datscha Nowo-Ogarjowo westlich Moskaus. Dort verbergen dunkelbraune Vorhänge die Terrassentüren.» Dunkelbraun, sieh mal an.

Also neben dem Editorial reine Platzverschwendung.

Anschliessend wird es leider nicht besser:

Wenn es eine Story gibt, die einen noch längeren Bart als Castro hat, dann diese. Wie die CIA ihn zu ermorden versuchte und Che Guevara in Bolivien ermordete. Da schnarchen selbst Träger von Che-Leibchen gnadenlos weg.

Dann, auf Seite 11, endlich, kann sich die NZZaS dem wichtigsten Thema für alle Liberalen nicht mehr entziehen. Warum hat sich die FDP mit Dreiviertelmehrheit entkernt, entleibt, alles über Bord geschmissen, wofür sie seit ihrer Gründung stand? Wieso war die FDP nicht mal so clever, den EU-Verträgen zuzustimmen, aber das Ständemehr zu fordern? Damit würde dieser Unterwerfungsvertrag sicherlich abgelehnt werden. Aber nein, auch dagegen ist die herumeiernde Partei.

Selbst die beiden Ex-Präsidenten Gössi und Burkart sind für das Ständemehr, genauso wie grosse Teile der Parteibasis. Das wird eine Gratwanderung für die NZZ und die NZZaS werden, aber hallo.

Sehr laut ins Fäustchen lachen kann nur die SVP:

Auf Seite 19 geht dann Markus Bernath der Lieblingsbeschäftigung der meisten Journalisten nach: recht haben und andere zurechtweisen. Diesmal trifft es den deutschen Bundeskanzler, obwohl nun wirklich alle alles über dessen Bemerkung zum «Stadtbild» gesagt haben. Doch Bernath tritt nach: «Probleme benennen ist richtig. Aber bitte mit klaren Worten». Es ist leider nicht bekannt, ob sich Merz schon für den Ratschlag bedankt hat.

Und sonst? Was sonst?

Gottseibeiuns

Die NZZaS angstschweisselt.

Mit den Experten ist es so eine Sache. Der grossartige Militärexperte der ETH Zürich sagte den Sieg der Ukraine voraus. Für den November 2022. Blöd gelaufen.

Andere Experten sagten dies und das und das Gegenteil davon voraus. Meistens aber, dass die russischen Truppen demotiviert seien, kaum Nachschub hätten, nur mit Schrott kämpften, bedauernswert. Das wurde so oft wiederholt, bis es selbst den Experten auffiel, dass sie eigentlich völlig ohne Kontakt zur Realität Expertisen absonderten, die keinen Pfifferling wert sind.

Sie waren einfach die andere Seite des Spiegels; in Russland wird ständig der kurz bevorstehende Sieg in der kleinen militärischen Spezialoperation vorhergesagt.

Die einzig feststehende Tatsache ist: selten hat sich in den letzten Jahren der Führer einer Atommacht so fundamental-fatal getäuscht wie Präsident Putin. Was er für einen besseren Spaziergang mit schneller Eroberung Kiews und sofortiger Entnazifizierung hielt, ist zu einem brutalen Stellungskrieg geworden, der Tausende von Menschenleben und Milliarden an Rüstungsgütern kostet und der russischen Wirtschaft schweren Schaden zurfügt; das Land ist wieder zum Rohstofflager mit angeschlossener Militärindustrie geworden.

Von der Erschütterung im Verhältnis zwischen West und Ost ganz zu schweigen.

Aber nun unkt die NZZaS: «Putins Marsch nach Westen». Au weia, ist der Iwan denn schon unterwegs, sozusagen Putin ante portas? Stefan Scholl entwirft mit zitternden Schreibfingern ein «Schreckensszenario». Weil er für die NZZaS arbeitet, nennt er es etwas vornehmer «Evaluation eines Schreckensszenarios».

Zunächst besteht das Schreckensszenario aber im Eingeständnis, dass selbst hochrangige Militärs im Westen mal wieder völlig falsch lagen:

«Russland habe seine Armee schneller wieder aufgebaut, als unsere ersten Schätzungen nahegelegt hätten, das musste selbst der amerikanische Oberbefehlshaber in Europa, Christopher Cavoli, jüngst zugeben. Seit dem Beginn des Angriffs auf die Ukraine sei diese sogar noch um 15 Prozent gewachsen. Russland habe auch seine Rüstungsindustrie angekurbelt.»

Das Tolle an Experten wie an Militärs ist doch: die Kehrtwende, das Umdrehen auf dem Absatz – und dabei ein Buster-Keaton-Gesicht machen –, das beherrschen sie perfekt. Habe ich gestern noch das Gegenteil geschwatzt? Wirklich? Na und? Ach, und wieso soll man mir dann mein Geschwätz von heute glauben? Freche Frage.

Aber sehr berechtigte Frage. Nun stellt Scholl die schreckliche Frage, sollte Trump auch noch gewinnen: «Was hat Putin mit den Europäern vor?» Hm, vernichten oder nur versklaven? Oder noch schlimmer: sie müssen seinen Reden zuhören?

Aber aus den ausbleibenden ukrainischen Triumphen – erinnert sich noch jemand an die grossartige Offensive? – hat man gelernt. Der Titel soll nur ein Clickbait sein, ein Lockstoff. Denn Scholl will ja seine Leser nicht in die Luftschutzbunker treiben:

«Noch bevor der US-Kongress im April doch 61 Milliarden Dollar für die Ukrainer bewilligte, sagte der Kiewer Militärexperte Olexi Melnik, ein russisches Vordringen bis zur Grenze der Region Donezk, also ein Vorrücken um etwa 60 Kilometer, sei das Schlimmste, was im nächsten Halbjahr passieren könne. Doch weiter kämen die Russen nicht

Also wenn das ein ukrainischer Militärexperte sagt, dann wissen wir wenigstens, dass es sich um eine neutrale, wissenschaftliche Meinung handelt.

Andererseits, was Scholl wieder weiss:

«In den Verteidigungsministerien der EU-Staaten wird fieberhaft gerechnet, wann und wo Russland angreifen könnte. Und was man ihm dann entgegenstellen könnte

Wir stellen uns eine Versammlung wie bei Dr. Strangelove vor, allerdings mit Sandkasten und vielen Generälen mit Schieberchen. Und was wird hier gespielt?

«Ein schneller Überraschungsstoss gegen die exponierten baltischen Staaten gilt in Nato-Planspielen als das wahrscheinlichste Szenario eines russischen Angriffs.»

Sonst noch was? «Aus diesen Gründen wäre auch eine Grossoffensive gegen Polen ein Wagnis.» Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, nicht wahr?

Und was sagt denn Putin dazu? «Der nannte die Vorstellung, dass Russland als Nächstes Polen, die baltischen Staaten oder Tschechien angreifen werde, Unsinn und Geschwafel.» Aber der lügt bekanntlich, wenn er den Mund aufmacht.

Scholl hingegen hat den Durchblick, und der fängt weit zurück in der Geschichte an: «Peter der Grosse habe die Stadt (die estnische Grenzstadt Narwa, Red.) schon einmal «heimgeholt», erklärte Putin. Sind erst einmal Unruhen entfacht, liesse sich wie nach dem Drehbuch im Donbass 2014 eine «Volksrepublik Narwa» ausrufen. Dann eilten den «Landsleuten» dort Freischärler oder gar reguläre Truppen aus Russland zur Hilfe. Die Nato-Staaten blieben unschlüssig, ob sie eingreifen sollten, und Estland verlöre einen Zipfel seines Landes. Langfristig dürfte Moskau auch auf Krisenprozesse spekulieren, die ähnliche Szenarien sogar in Westeuropa ermöglichten.»

Aber jetzt, aufgepasst, Deutsche: «Vor allem dort, wo Russlanddeutsche kompakt siedeln – in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg

Jetzt kriegen wir aber echt Schiss. Will Putin der Kleine etwa auch eine russische Volksrepublik Bayern ausrufen? Und sich mit den Eingeborenen gegen die Saupreissen verbünden?

Aber Putin hat noch mehr Munition auf Lager: «Mit Schmiergeldern für EU-Politiker, vor allem für Rechtsextreme und nationalistische Populisten in Deutschland, Frankreich und Italien, und mit Stimmungsmache in «alternativen» Onlinemedien und sozialen Netzwerken wird der Putinismus noch aggressiver nach Westeuropa exportiert.»

Diversanten, Fünfte Kolonne, nützliche Idioten, Söldlinge im Dienste Moskaus, wussten wir nicht, dass Putin-Versteher abends ihre Rubel zählen, die überwiesen wurden?

Aber es gibt doch leichte Entwarnung. Vielleicht kümmert sich Putin zuerst um Kasachstan, Georgien oder Moldau.

Aber wie auch immer, konkludiert Scholl, «um einen seiner hybriden oder offen militärischen Feldzüge zu wagen, ist Putin gezwungen, zuvor die Ukraine als militärisches Subjekt zu beseitigen. Ob dies gelingt

Man muss auch Nachsicht mit dem Mann haben. der schreibt oder schrieb für die «Salzburger Nachrichten», für «Brand eins», für «Internationale Politik», für «Geo spezial», für «Vanity Fair», für «Merian», für das «SZ Magazin», für die «Frankfurter Rundschau», für die «Südwest Presse», für die «Berliner Zeitung», für die «Aachener Nachrichten» – und für die NZZaS.

Zu seinem Geplauder kann man sagen: viel Buchstabenlärm um nichts. Papier- und Platzverschwendung, nur um einen Anreisser auf dem Cover zu haben. Liebe NZZaS, und das Niveau?

 

 

Ist nicht lustig

Die NZZaS macht Gähn-Journalismus.

Neuer Chefredaktor, das verheisst eigentlich immer Neues. Neuer Auftritt, neuer Elan, neue Schwerpunkte. Neuer Auftritt, das ist Beat Balzli immerhin gelungen. Die Frontseite ist nun nicht mehr der Furz eines AD, sondern eine modernem Journalismus entsprechende Seite eins.

Aber sonst?

Büchertipps als Aufmacher, Nicole Althaus darf sich schon wieder ihrem Lieblingsthema, der Menopause, widmen. Ein parteipolitischer Schuss vor den Bug des SP-Kandidaten Beat Jans. Der Wolf. Die Armee. Gähn.

Ein Editorial als ordnungspolitischer Zwischenruf gegen Demokratiemüdigkeit. Schnarch. Kriegsgegurgel, die «prahlenden Russen» gegen die «kriegsmüden Europäer»: Stefan Scholl und Markus Bernath dürfen ihre Steckenpferde zu Schanden reiten. Wieder und wieder. Man reiche das Riechsalz.

Blätter, blätter. «Die Hälfte der Menschheit muss durch die Wechseljahre». Und das, seit es die Menstruation gibt. Aber muss das die andere Hälfte der Menschheit, dazu die Hälfte der Frauen, die es noch vor sich haben, die dritte Hälfte, die es hinter sich hat, wirklich lesen? Man reiche Streichhölzer für die Augenlider.

Bis Seite 22 durfte man hoffen, dass die Seite mit der Gastkolumne der «Scherz, du bist umzingelt»-Komikerin Patti Basler, dem leider immer noch nicht vollständig pensionierten Felix E. Müller und dem Rezyklier-Monster Rolf Dobelli gespült wurde. Aber nein, hier sind diese Schlafwandler.

Dann aber der Aufreger: «Eine gut getarnte Geldvernichtung», so fährt die NZZaS der Verteidigungsministerin Viola Amherd an den Panzer. Ob sie das auch täte, wenn die in der FDP wäre?

Zoé Baches und Jürg Meier machen den Sargdeckel über der Credit Suisse nochmal auf. Tapfer, aber völlig sinnlos. Neu-Kolumnistin Nicole Kopp hat herausgefunden, dass Smartphone, asoziale Medien und der E-Mail-Posteingang von der Arbeit ablenken. Ratschlag: «Hauptsache, die Konzentration kehrt zurück.» Oder das Schlafbedürfnis. Um diese uralte Erkenntnis lauwarm zu servieren, dafür sollte sie eigentlich gecancelt werden. Aber sie ist eine Frau, also wird das nicht geschehen.

Ach, und dann gibt es Ilja Trojanow immer noch. Gut zu wissen, gut für ihn. Schlecht für den Leser.

Apropos: «Die Summe aller Frauen, Teil 41». Zum Einschlafen noch ein Alptraum. Super.