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Schlagwortarchiv für: Stefan Bandera

René Zeyer

Die WoZ als Büttel der Zensursanktionen

13. Januar 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die Wochenschrift der linken Denkungsart macht sich mit rechten Schwätzern gemein.

Hätte man sich vorstellen können, dass die linke WoZ einmal die «Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift» (ASMZ) wohlwollend und zustimmend zitiert? Diesen Hort der kalten Krieger, ewiges Feindbild aller linken Militärabschaffer.

Aber in der aktuellen Orientierungslosigkeit eiert auch die «WochenZeitung» herum und torkelt wie betrunken durch die Wirklichkeit.

Denn auch sie musste sich natürlich zum Skandal äussern, dass eine Dunkelkammer der EU den ehemaligen Schweizer Geheimdienstler Jacques Baud als zweiten Schweizer sanktioniert hat – wegen angeblicher «Desinformation».

Als man in der WoZ noch das Hirn vor dem Schreiben einschaltete, wären solche Sätze von Tobias Müller und Kaspar Surber undenkbar gewesen:

«Baud verpasse analytische Positionen, die sich mit jenen des Kremls deckten, «das Siegel des westlichen Insiders»», zitieren sie zustimmend die völlig unbelegte Denunziation von Pascal Kohler in der ASMZ.

Auch HSG-Professor Ulrich Schmid kommt lobend erwähnt in diesem Artikel vor. Das ist der NZZ-Kommentator, der den Faschisten, Kriegsverbrecher und Helfer der Nazis beim Holocaust Stefan Bandera als «Nationalisten, ukrainischen Freiheitskämpfer und Exilpolitiker» bezeichnet. In Wirklichkeit war Bandera ein Mörder, ein übler Kollaborateur mit den Nazibesatzern während des Zweiten Weltkriegs. Seine politische Bewegung war massgeblich an Pogromen gegen Juden beteiligt, unter ihm als überzeugter Faschist.

Eines seiner Ziele war die «Säuberung» der Ukraine von Juden, Polen und Russen. Dafür wurde er in Abwesenheit in der Sowjetunion zum Tode verurteilt und floh 1946 nach München.

Kein Wunder, wird der angebliche Russland-Spezialist in Fachkreisen nicht wirklich ernst genommen. Aber in der WoZ darf auch er sich an Baud abarbeiten:

«Die Rolle von Baud für die russische Propaganda beschreibt Schmid anhand von dessen Auftritt in der RT-Sendung. Der Interviewer fragt Baud, wie er denn 2014 die Situation in der Ukraine «nach dem von den USA instrumentierten Coup» erlebt habe. Schmid: «Baud widerspricht dieser Bezeichnung des Volksaufstands auf dem Maidan nicht. Das heisst, er akzeptiert das russische Narrativ eines westlichen Putsches.»»

Das ist nicht nur ein «russisches Narrativ», sondern eine Ansicht, die auch von vielen ernstzunehmenden westlichen Analysten geteilt wird. Ob sie richtig oder falsch ist, sei dahingestellt. Aber wer sie wie Baud nicht bezweifelt, ist deswegen ein Verbreiter von Desinformationen?

Jemand, der gelegentlich in russischen Medien auftritt, ist durch Kontaktschuld ein Büttel Putins? Schmid kann noch fieser werden und vergleicht Baud mit dem «Verschwörungstheoretiker Ganser»: «Er schreibt nicht in Aussagesätzen, sondern stellt viele Fragen, die prorussische Narrative in den Vordergrund schieben.»

Der sogenannte «Kulturwissenschafter Schmid» kommt zum Fazit: «Mit Sicherheit kann man sagen, dass Jacques Baud Muster der Russlandpropaganda verbreitet und in diesem Sinne der russischen Destabilisierung in Europa in die Hände spielt.»

Nachdem die beiden Autoren diese beiden Denunzianten sozusagen die Drecksarbeit machen liessen, kommen sie zur vermeintlich offenen Frage, ob das alles, wenn es denn stimmen täte, eine Sanktion rechtfertigt, die Baud sämtliche finanzielle Mitteln vorenthält, ihm ein absurdes Ein- und Durchreiseverbot in die EU auferlegt, obwohl er in Brüssel lebt.

Da darf nochmal Schmid auf die rhetorische Frage, «ob die Sanktionierung durch die EU nicht einen eklatanten Eingriff in die Meinungsfreiheit darstelle», angeblich «trocken» antworten: «Es wurde ihm ja kein Maulkorb verpasst.»

Stimmt, allerdings ginge es nach der EU, könnte Baud ohne Maulkorb nicht mal einen Schluck Wasser trinken oder ein Stück Brot essen. Und das soll kein Skandal sein – ist das nicht schlimmer als ein Maulkorb?

Natürlich muss sich die WoZ auch noch an ihrem Lieblingsfeind Roger Köppel gehörig abarbeiten:

«Für Roger Köppel, der seit der russischen Vollinvasion in der Ukraine einen Putin-nahen Kurs verfolgt, scheint der Fall Baud denn auch mindestens so sehr Geschenk wie Skandal: «Jacques Baud ist die Schweiz», titelte er voller Pathos in der «Weltwoche».»

Hätten diese Sanktionen einen der WoZ ideologisch Nahestehenden getroffen – das Blatt hätte das Halszäpfchen beim protestierenden Gebrüll sehen lassen. Hätte alle Versuche, das zu rechtfertigen, mit entschiedenen Worten niedergemacht. Hätte so laut wie vergeblich die sofortige Aufhebung solch unmenschlicher Sanktionen gefordert.

Stattdessen legt sie sich nun mit der ASMZ und einem verpeilten Professor ins Meinungslotterbett. Eigentlich unvorstellbar, aber wenn in einer allgemeinen Orientierungslosigkeit alle Massstäbe verrutschen, keine Koordinatensysteme mehr zur Verfügung stehen, der Kompass abhanden gekommen ist, der Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung, dem gerade die Linke so oft zum Opfer fiel, nicht mehr geführt wird, wenn es einen vermeintlich Richtigen trifft: dann wird es aschgrau und geradezu widerlich.

Aber immerhin; einen Lachschlager hat die WoZ am Schluss noch auf Lager: «Für HSG-Professor Ulrich Schmid bleibt das wichtigste Mittel gegen Propaganda ein qualitativ hochstehender Journalismus».

Eine solche Schmiere und der Verrat aller Prinzipien der Linken, das kann er damit allerdings nicht gemeint haben. Oder anders formuliert: ein Artikel, in dem Schmid zustimmend zitiert wird, kann gar kein hochstehender Journalismus sein.

Neuerdings reimt sich WoZ offenbar auf kotz.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/01/Bildschirmfoto-2026-01-11-um-17.42.15.png 860 1546 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-01-13 05:00:402026-01-12 11:28:20Die WoZ als Büttel der Zensursanktionen
René Zeyer

Die Ukraine gedenkt

10. Mai 2022/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die Medien strotzen dabei vor Geschichtsvergessenheit.

Die jüngere Geschichte der Ukraine ist voller Widersprüche und Leiden. Sie wurde 1922 als Bestandteil der UdSSR gegründet. Anschliessend litt sie fürchterlich unter Stalin. Ein Grund, um die deutschen Faschisten als Befreier zu begrüssen, als die Wehrmacht 1941 die Sowjetunion überfiel.

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Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) kämpfte schon zuvor gegen die Sowjetunion, auch Pogrome gegen Juden begannen nicht erst nach der deutschen Invasion. Aber danach meldeten sich viele Ukrainer freiwillig als Hilfspolizisten und beteilgten sich am Massenmord an Juden.

Babyn Jar, wo der grösste Massenmord der Wehrmacht an Juden auf ukrainischem Gebiet stattfand, ist ein Tal in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Auch daran waren ukrainische Hilfspolizisten beteiligt.

Das Staatsgebiet der heutigen Ukraine wurde 1944 durch die Rote Armee von der deutschen Wehrmacht befreit. Viele ukrainische Kollaborateure flüchteten danach nach Deutschland oder allgemein in den Westen.

Als Symbolfigur für diese Beteiligung an Untaten des Naziregimes gilt bis heute Stepan Bandera. Wegen seiner Beteiligung an Massenerschiessungen und Pogromen wurde er in der Sowjetunion in Abwesenheit zum Tode verurteilt und 1959 von einem KGB-Agenten in seinem Exil in München getötet.

Gespaltene Ukraine

Der Osten der Ukraine, der keinesfalls so eng mit den Faschisten kollaborierte, führte einen Partisanenkrieg gegen die Nazis, dem sich andere Teile der Ukraine erst dann anschlossen, als es offenkundig wurde, dass die Herrschaft der Deutschen keinesfalls eine Befreiung von Stalins Joch darstellte, sondern seine Ersetzung durch ein neues Unrechtsregime.

Aber im Westen der Ukraine wird Bandera bis heute als Nationalheld mit Denkmälern geehrt.

Das alles macht den Überfall Russlands um keinen Deut besser und liefert keine Rechtfertigung dafür. Wer aber diesen Teil der Geschichte der Ukraine ausblendet, ebenso wie die Tatsache, dass die Feier des Sieges im Zweiten Weltkrieg über Hitler-Deutschland für Russland bedeutet, dass das von keinem anderen Land der Welt mit so grossen Opfern errungen wurde, der betreibt Geschichtsklitterung.

Natürlich ist der Slogan der Entnazifizierung der Ukraine reine Kriegspropaganda. Aber nicht völlig aus der Luft gegriffen, denn auch heute noch sympathisieren nicht nur militärische Hilfstruppen der Ukraine, sondern auch politische Parteien ideologisch eng mit dem Faschismus. Dass Selenskij seinerseits die russischen Truppen mit Faschisten gleichsetzt, ist nur propagandistisch zu verstehen.

Beflecktes Gedenken

Dieser übersteigerte Nationalismus und Patriotismus, gepaart mit Antisemitismus, widerspiegelt das Denken eines nicht geringen Prozentsatzes der ukrainischen Bevölkerung. Auch die Ukraine hat sich nicht aus eigenen Kräften vom Joch der Nazis befreit, sondern das erledigte die Rote Armee unter ungeheuerlichen Opfern.

Dass nun die Nachfolgeorganisation der Roten Armee als Invasor auftritt, ist beelendend. Das befleckt das Angedenken an die 25 Millionen Tote, die der Überfall Hitler-Deutschlands forderte – und die Rückeroberung der von den Deutschen besetzten und zerstörten Gebiete. Es war klar und unvermeidlich, dass die Rote Armee erst nach der Eroberung Berlins und der totalen Kapitulation Deutschlands den Krieg beendete.

Es war ebenfalls unvermeidlich, dass die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, nicht zuletzt in einer Konferenz, die auf der Krim stattfand, Nachkriegseuropa unter sich aufteilten. Sie vermieden damit eine Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs.

Nicht nur die Widerstandsgruppe um Graf Stauffenberg liebäugelte mit dem Gedanken, einen Separatfrieden mit dem Westen auszuhandeln – um dann mit gemeinsamen Kräften nochmals die UdSSR zu überfallen. Diesem Plan stand Hitler im Weg, deshalb sollte er beseitigt werden, nicht etwas als Ausdruck eines Protests gegen den Faschismus und seine Untaten, an denen Stauffenberg tatkräftig teilgenommen hatte.

Steinbruch Geschichte

Geschichte ist nichts Statisches oder Feststehendes. Sie wird immer wieder umgeschrieben, natürlich von den Siegern. Aber nicht nur die Ukraine zeigt, dass einseitiger Triumphalismus, gar das Ausrufen des Endes der Geschichte fatale Folgen haben kann. Wer geschichtliche Faktoren ausblendet, weil sie ihm nicht in sein Narrativ passen, lernt nichts aus der Geschichte und ist häufig dazu verurteilt, sie zu wiederholen.

Natürlich hat der ukrainische Präsident Selenskij alles Recht der Welt, sich mit allen Mitteln gegen die russische Invasion zu wehren, und propagandistisch erledigt er einen exzellenten Job, persönlicher Mut ist ihm auch nicht abzusprechen.

Dass er korrupt ist, über bedeutende Besitztümer im Ausland verfügt, wie man spätestens seit den Pandora Papers weiss, schmälert das nicht. Auch nicht, dass sein Wahlsieg von einem ukrainischen Oligarchen ermöglicht wurde, der damit Probleme löste, die ihn ins Exil ins Ausland gezwungen hatten. Auch nicht, dass in der Ukraine die gleiche Medienzensur herrscht wie in Russland.

Aber all das komplettiert die Beschreibung dieser Person. Genauso wie die erwähnten Aspekte der ukrainischen Geschichte hilft ein differenziertes Bild bei einer differenzierten Betrachtung. Beim Verständnis und beim Vermeiden von Irrtümern.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/05/RoteFAhne.jpeg 503 918 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-05-10 05:30:532022-05-09 11:38:30Die Ukraine gedenkt

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