Schlagwortarchiv für: Staatsterrorismus

Oops! … They did it again

Offenbar ist es dem israelischen Militär gelungen, neuerlich vier bis fünf als Journalisten verkleidete Terroristen zu töten. Mit den üblichen Kollateralschäden.

Man darf sich vom äusseren Schein nicht blenden lassen. Der sieht so aus, dass die israelische Luftwaffe einen Angriff auf den Nasser-Krankenhauskomplex in Khan Younis geflogen hat. Genauer gesagt zwei Angriffe.

Dabei sollen mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter Hussam al-Masri (Reuters-Mitarbeiter), Moaz Abu Taha (Freier für Reuters), Mariam Dagga (Freelancerin für AP) und Mohammed Salama (Al Jazeera).

In Wirklichkeit war das sicherlich gerechtfertigt im Rahmen der überlebensnotwendigen Selbstverteidigung Israels.

Dass die seit dem 7. Oktober 2023 im Gazastreifen das Leben von mehr Journalisten gefordert hat als in jedem anderen modernen Konflikt seit dem Ersten Weltkrieg zusammen – nun, es gibt halt viele Terroristen im Gazastreifen, die sich als Journalisten ausgeben.

Wobei Israels Armee von Terroristen durchaus gelernt hat. Deren fiese Methode ist es zum Beispiel, einen Anschlag zu verüben. Es gibt Zerstörung, Verletzte und Tote. Menschen eilen herbei, um erste Hilfe zu leisten. In diesem Moment erfolgt der zweite Anschlag.

Laut Augenzeugenberichten ist das hier genauso geschehen. Tun das Terroristen gegen Zivilisten, ist es abscheulich. Tut das die israelische Armee, ist es abscheulicher Staatsterrorismus.

Der zweite Angriff soll sich ereignet haben, nachdem Rettungskräfte, Journalisten und andere Personen nach der ersten Attacke zum Krankenhaus geeilt waren.

Das Nasser-Krankenhaus ist eines der beiden letzten noch teilweise funktionsfähigen Spitäler im Gazastreifen.

Es wurde durch vorherige Angriffe der israelischen Armee bereits schwer beschädigt. Als Begründung führte die israelische Regierung mehrfach an, dass dort von der Hamas Geiseln festgehalten werden könnten.

Oder sich eine Hamas-Kommandozentrale dort befunden habe oder Hamas-Mitglieder von dort aus Raketen abgefeuert haben sollen. Meistens räumte die israelische Armee nach Attacken ein, dass man keine konkreten Beweise liefern könne.

Unabhängige Beobachter bezweifeln all diese Behauptungen.

Erst am 10. August war der Al-Jazeera-Korrespondent Anas Al-Sharif zusammen mit vier Kollegen durch einen gezielten israelischen Angriff liquidiert worden.

Für die Tötung der vier weiteren Journalisten führte Israels Regierung keine Begründung an. Al-Sharif hingegen sei in Wirklichkeit ein Mitarbeiter der Hamas gewesen, aktiv verantwortlich für terroristische Anschläge.

Aber ausser Fotos, die ihn mit Hamas-Führern zeigen, und die, wenn sie authentisch sind, lediglich Kontaktschuld unterstellen, ausser einigen Messages fragwürdigen Inhalts, die auch nicht schlimmer sind als das, was israelische Regierungsmitglieder oder hohe Militärs kundtun, hat Israel bis heute keinen einzigen Beweis für terroristische Handlungen des Journalisten vorgelegt.

Im aktuellen Fall gibt es ausser der Äusserung von Bedauern und der üblichen leeren Behauptung, der Vorfall werde untersucht (noch nie sind die Resultate solcher Untersuchungen bekannt gegeben worden), keine Stellungnahme.

Unabhängige Zählungen gehen davon aus, dass bereits über 230 Journalisten seit Beginn der israelischen Invasion im Gazastreifen getötet wurden. Häufig gezielt.

Waren das alles Terroristen? Und wenn ja, wo sind die Beweise? Die nötigen Beweise, um einen Menschen, einen Nicht-Kombattanten, einfach zu töten? Insbesondere, wenn es sich um einen Journalisten handelt.

Es ist bedrückend, dass sich in der Schweiz weiterhin keine Journalistenorganisation dazu aufrafft, diesen israelischen Staatsterrorismus klar zu verurteilen.

Wie abgestumpft, ja verroht müssen Menschen sein, die eine Kritik an diesem israelischen Vorgehen als Hamas-Propaganda abtun? Die behaupten, diese Journalisten und weitere Zivilisten hätten halt den Tod verdient, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren.

Die durch ihre blosse Anwesenheit daran schuldig würden, die Hamas zu unterstützen.

Hätten halt lieber an Krankheiten oder Verwundungen sonst wo krepieren sollen, statt sich zu einem Spital zu begeben.

Oder sich am besten gleich in Luft auflösen sollen, statt ihr Leben für billige Hamas-Propaganda zu opfern und die israelische Armee schlecht dastehen zu lassen.

Wenn die Hamas dieses Spital für militärische Zwecke missbraucht oder missbraucht hat, ist das eine elende Schweinerei. Dieses Spital mehrfach anzugreifen, weitgehend zu zerstören und aktuell sogar die terroristische Methode des Erst- und Zweitschlags anzuwenden, das ist durch nichts zu rechtfertigender Staatsterrorismus.

Wer Terroristen bekämpft und dabei selbst zum Terroristen wird, worin genau besteht dann der Unterschied zwischen den beiden Kämpfern?

Der Artikel erschien zuerst bei «Inside Paradeplatz».

5 ermordete Journalisten …

… sind Grund genug, die Pause zu unterbrechen.

Sie heissen Anas al-Sharif und Mohammed Qreiqeh. Dazu die Kameramänner Ibrahim Zaher, Mohammed Noufal  und Moamen Aliwa. Sie sassen in einem Zelt gegenüber dem zerstörten Al-Shifa Spital.

Dort wurden sie durch einen gezielten Luftangriff getötet.

Sie waren für den News-Sender Al Jazeera im Gazastreifen tätig. Unter ständiger Lebensgefahr. Schon Dutzende palästinensische und ausländische Journalisten sind dort getötet worden. Israel hat den Zugang internationaler Medien fast vollständig unterbunden.

Daher gibt es einerseits die israelische Kriegspropaganda, andererseits die kaum überprüfbaren Angaben der Hamas-Behörden vor Ort.

Sicher ist nur, dass über 80 Prozent der gesamten Infrastruktur zerstört sind, Israels Premierminister Netanyahu den Gazastreifen völlig unter militärische Kontrolle bekommen möchte und sogar der ehemalige israelische Ministerpräsident Olmert von Kriegsverbrechen spricht, die die israelische Armee (IDF) begeht.

Andere – auch israelische – Kriegsgegner sprechen von Völkermord durch Aushungern und kritisieren den Plan, die überlebende Bevölkerung in ein Konzentrationslager zu sperren, aus dem nur die Ausreise in ein anderes Land erlaubt sein soll.

Bei der ungenügenden Verteilung von Lebensmitteln soll es nach Zeugenaussagen von israelischen Militärangehörigen regelmässig zu gezielten Todesschüssen auf Hungernde kommen.

Vor diesem Hintergrund nun die gezielte Ermordung dieser fünf Journalisten.

Die israelische Armee hat das Verbrechen eingeräumt. Sie behauptet, Anas al-Sharif sei nicht nur als Journalist tätig gewesen, sondern hätte in enger Verbindung mit der Hamas gestanden. IDF beziehen sich dabei auf «Beweise» wie Trainingslisten oder Telefonverzeichnisse.

Am 11. August, dem Tag der Ermordung, behaupteten die IDF zudem, al-Sharif sei der Kopf einer Hamas-Zelle gewesen, die Raketenagriffe auf Israel «vorangetrieben» habe.

Keines dieser Dokumente konnte bislang von unabhängigen Stellen überprüft werden. Der Arbeitgeber Al Jazeera weist die Anschuldigungen kategorisch zurück.

Es ist nicht das erste Mal, dass Israel Journalisten oder deutlich als Sanitäter gekennzeichnete Personen im Gazastreifen gezielt tötet.

Ein Presseausweis sei kein «Schutzschild für Terrorismus», sagen die IDF. Das ist unbestreitbar richtig. Die Liquidierung von fünf Journalisten in einem Gebiet, zu dem die IDF den Zugang unabhängiger Medien unterbinden, ist Staatsterrorismus.

Ein offensichtlicher Versuch, jede lokale Berichterstattung, die nicht von der israelischen Armee kontrolliert wird, zu verhindern. Koste es, was es wolle.

Es ist dem israelischen Kriegskabinett inzwischen egal, welchen weltweiten Imageschaden es seinem Land zufügt. Augen zu und durch, scheint die Devise zu sein.

Sollten verifizierte Beweise auftauchen, dass der ermordete Al-Jazeeria-Korrespondent tatsächlich solche Verbindungen zur Terrortruppe Hamas unterhielt, dann handelte es sich dennoch um eine gezielte Liquidation, die ebenfalls vom Kriegsrecht nicht gedeckt ist.

Wobei die vier weiteren getöteten Journalisten dann halt Pech gehabt hatten und zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Gibt es diese Beweise nicht, ist es ein besonders widerliches Verbrechen, ein Anschlag auf den Journalismus, der aufs schärfste verurteilt werden müsste.

Während Amnesty International oder internationale Journalistenorganisationen dieses Anschlag verurteilen  herrscht in der Schweiz – Schweigen.