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Zahlenzauber bei der SRG

Rechnen mit Susanne Wille.

Nicht nur im Studio Leutschenbach vernimmt man ein neues Geräusch, wenn man genau hinhört: zähneklappern.

Denn nachdem der Zwangsbezahlsender über Jahre nur behauptet hat, jetzt dann mal kräftig sparen zu wollen (während die Payroll sich stetig aufpumpte), muss nun geholzt werden.

Sinkende Einnahmen, Absenkung der Zwangsgebühren auf 300 Franken, und dann noch die 200-Franken-sind-genug-Initiative, da rumpelt es nun doch im Karton.

Mit betroffen-tapferer und mutig in die Zukunft schauender Miene gab Generaldirektorin Wille den Abbau von 900 Vollzeitstellen bekannt. Denn es müssten bis 2029 rund 700 Millionen Franken eingespart werden. Also rund 230 Millionen pro Jahr, bei einem Jahresbudget von 1,56 Milliarden Franken.

«Eine weitere Schwächung würde sich mit Sicherheit negativ auf die Qualität der Programmleistungen auswirken, und zwar in allen Regionen. Zum Nachteil des Publikums», hatte der damalige Generaldirektor noch Ende 2023 gejammert – bevor er zurücktrat.

Ansonsten hatte sich die SRG darauf verlassen, mit dunklen Ankündigungen, dass die Existenz der Schweiz auf dem Spiel stehe, sollte an diesem Riesenbudget zu sehr gesäbelt werden, Schlimmeres verhindern zu können.

Nun ist das Ende also nahe. Oder nicht? Man rechne. Der Durchschnittslohn bei der SRG beträgt rund 110’000 Franken. Plus Arbeitgeberbeiträge, Weiterbildung, Sessel zum Furzen, Kantine und Blüblü. Sagen wir also 150’000 Franken, mindestens.

Spart man 900 weg, fallen dadurch maximal 135 Millionen weg. Noch nicht mal auf einen Schlag, denn natürlich soll dieser Abbau in Stufen erfolgen.

Dann blieben im besten Fall noch 565 Millionen zum Einsparen übrig. Äh.

Dazu hat die Generaldirektorin eigentlich nichts gesagt. Und die Journaille hat auch nicht nachgefragt. Oder sich mit solchen luftigen Antworten zufrieden gegeben: «Wir spannen dort, wo es möglich ist, bei Strukturen, Prozessen und Systemen, schweizweit zusammen.»

Aber natürlich darf und muss Wille bei dieser Gelegenheit wieder den grossen Popanz spazierenführen:

«Die Halbierungsinitiative ist so radikal, dass sie das Ende der SRG, wie wir sie kennen, des heutigen medialen Service public, bedeuten würde»,

jammert sie persoenlich.com ins Hemd.

Der kleine Denkfehler dabei: sollte die Initiative angenommen werden, dann wäre es ja offensichtlich so, dass eine Mehrheit der Stimmbürger genau dieses Ende der SRG, wie sie sich heute präsentiert, wollen.

Weil sie mit dem Angebot, der nur noch rudimentär mit Service public zu tun hat, nicht mehr zufrieden sind. Eine Sitcom in Amateurliga, unverkennbarer Linksdrall bei den Mitarbeitern, wenig Innovation, viel Beharrlichkeit und Behaglichkeit, für jeden journalistisch Schaffenden gibt es zwei Sesselfurzer, das kann es ja wirklich nicht sein.

Aber man wird sehen, ob diese geschickt gesetzte Ankündigung ihre gewünschte Wirkung haben wird. Denn die Botschaft lautet ganz klar: schaut her, was alleine die Absenkung auf 300 Franken alles auslöst. Furchtbar, Katastrophe. Aber das wäre erst das Vorspiel zum Volldesaster, sollte die Initiative angenommen werden.

Manchmal hüllen sich erwachsene Menschen in ein Bettlaken, sagen huhu und erschrecken damit kleine Kinder. Ob das auch beim Stimmbürger funktioniert?

SRG – Sender ruht gut

Hörerschwund im Radio. Na und?

SRF 1, SRF 2 Kultur, SRF 3: täglich eine halbe Million weniger Zuhörer. Insgesamt in allen Landessprachen ein Verlust von fast einem Viertel der Hörerschaft.

Das ist eine Katastrophe – und hausgemacht. Durch die vorgezogene Abschaltung von UKW seit Anfang Jahr. Bei jedem Privatradio würde das für rote Köpfe sorgen – und für Köpferollen.

Aber doch nicht beim Gebührenfunk SRG. Der vermeldet die Zahlen trocken und weist nicht mal darauf hin, dass natürlich die Privaten gewaltig davon profitieren. 188’400 mehr Zuhörer, täglich. Dafür bedankt sich vor allem CH Media, denen inzwischen die meisten Privatstationen gehören. Und auch Ringier freut sich. Endlich mal positive Zahlen bei der Einschaltquote. Die «Blick»-Familie wird ganz neidisch.

Gleichzeitig kündigt SRG mit grossem Trara angeblich gewaltige Einsparungen an. Mitsamt Entlassungen. Dabei sind die Sparmassnahmen in der Höhe von ein paar Millionen lächerlich – im Vergleich zum Jahresbudget von rund 1,5 Milliarden.

Die eigentliche Absicht ist klar: schon die Gebührenreduktion zwingt uns zu schmerzlichen Einschnitten. Stellt euch nur vor, wie schlimm das wird, sollte die 200-Franken-Initiative angenommen werden. Ja nicht.

Für einen Betrieb, der von Kommunikation lebt, ein Trauerspiel. Die ehemalige Nachrichtensprecherin und Kulturredaktorin Susanne Wille zeigt: sie kann’s genauso wenig wie ihr Vorgänger. Es scheint niemand im Haus in der Lage zu sein, eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln,

So sad, würde Trump sagen. Der zwar im zweiten Satz häufig das Gegenteil vom ersten behauptet, aber damit bislang durchkommt.

Die Auftritte und Erklärungsversuche von Wille in den Medien waren zum Fremdschämen. Etwas Manager-Bullshit-Bingo, nicht einmal ein Erklärungsversuch, wieso trotz eisernem Sparwillen mitsamt Stellenabbau die Work Force letztes Jahr fröhlich zugenommen hat.

Keine Erklärung, wieso nicht am Unfug sparen, dass auf jeden journalistisch Arbeitenden bei der SRG zwei Sesselfurzer kommen, die verwalten, administrieren und Akten ablegen.

Kein klares Wort dazu, ob es nun scheibchenweise weitergehen soll – oder vielleicht ein Plan dahinterstecken könnte.

Genau die Methode, mit der man die Belegschaft verunsichert und demotiviert. Zudem: sollte es tatsächlich dann mal zu Massenentlassungen kommen (die einzige Möglichkeit, den grössten Budgetposten abzubauen), was machen dann die Arbeitslosen?

Wer sich nicht in die Frühpensionierung retten kann, wird auf dem RAV und anschliessend in der Sozialhilfe enden. Also nicht mehr dem Gebühren-, sondern dem Steuerzahler zur Last fallen.

Dass Wille für diese lausige Leistung mit über 500’000 Franken im Jahr mehr als ein Bundesrat verdient: nun, es braucht halt attraktive Gehälter, um die Besten zu finden.

Falsche Entscheidung mit katastrophalen Folgen, falsch kommuniziert, anschliessend die Behäbigkeit eines Zwangsgebührenapparats, dem Erfolg am Markt eigentlich schnurz ist.

Roger Schawinski, der alte Pirat, hatte lautstark, mit guten Argumenten und auf allen Kanälen davor gewarnt, UKW abzuschalten. Während die Privatradios, Buebetrickli, durchaus wohlwollend gefasst auf diese Fehlentscheidung reagierten. Denn sie wussten natürlich, dass ihnen das ungeahnte Mengen von Hörern zutreiben wird. Je mehr Hörer, desto höhere Werbeeinnahmen, so einfach ist das.

Also muss man an der meist lausigen Qualität der Inhalte vieler Dudelfunks nicht verbessern. Im Gegenteil, auch hier kann noch durch Zusammenlegungen und Ausdünnung gespart werden. Wenn einem der Platzhirsch ein solches Geschenk macht.

Es ist wohl in der ganzen Radiogeschichte einmalig, dass sich ein Sender freiwillig und ohne Not einfach mal so von einem Viertel seiner Zuhörer verabschiedet. Und ihnen empfiehlt, doch auf DAB+ umzusteigen. Was teuer und letztlich sinnlos ist, weil sich auch dieses Übertragungsmodell dann einmal verabschieden wird.

In den vielen Tunnels der Schweiz gibt es kein UKW mehr. Und am Ende des Tunnels ist kein Licht erkennbar, sondern es bleibt zappenduster.

Muss man mal hinkriegen. Vorausgesetzt, man gehört nicht zu den erbitterten Gegnern des Zwangsgebührenfunks. Die Devise scheint zu sein: wenn wir uns schon verzwergen, dann aber richtig falsch.

SRG-Vereinbarung: gekauftes Nein

Die ganze Vereinbarung enthüllt Bedenkliches.

Nick Lüthi von persoenlich.com ist es gelungen, sich Einblick in die bislang unveröffentlichte, vollständige Fassung der Vereinbarung zwischen SRG und Verlegerverband (VSM) zu verschaffen.

Es stellt sich heraus, dass der VSM sich sein Nein zur 200-Franken-Initiative der Zwangsgebühren sehr teuer abkaufen liess. Abgesehen davon, dass Tx als gewichtigstes Mitglied ausscherte und für diese Beschränkung ist.

Zunächst ist die SRG bereit, dem VSM beizutreten. Eigentlich absurd, würde aber 180’000 Franken Mitgliederbeitrag pro Jahr in die Kasse spülen.

Um den bislang nicht sehr erfolgreichen Versuch, ein gemeinsames Log-in für alle Schweizer Medien zu installieren, zu promoten, stellt die SRG «der Login-Allianz für die Bewerbung des Logins einmalig ein unentgeltliches TV-Werbekontingent in der Höhe von CHF 500’000 zur Verfügung». Also Gebührengelder für etwas, von dem vor allem die privaten Medienhäuser profitieren würden.

Auch nicht schlecht, so Lüthi:

«Wie Mitte Mai kommuniziert, wird die SRG «den Grossteil ihrer Online-Marketingmittel bei privaten Schweizer Medienhäusern» investieren. Im Text der «Grundsatzvereinbarung» ist dieser Anteil mit 60 Prozent beziffert. Was bisher nicht bekannt war: Auch von den übrigen 40 Prozent profitieren die Verlage. Diesen Anteil der Marketingausgaben für das Online-Angebot, respektive für Social-Media-Angebote, verpflichtet sich die SRG über die Vermarkter der Verlage zu buchen, also via Goldbach, Audienzz oder Admeira.»

Zudem soll die SRG den Privaten Inhalte liefern, die die dann kostenpflichtig auf ihren Plattformen anbieten dürfen. Dann wird halbe halbe gemacht.

Also gebührenfinanzierter Content wird nochmals verwendet und abkassiert.

Schliesslich verpflichtet sich die SRG, wieder Online-Nutzungszahlen auszuweisen. Damit die Verleger meckern können, wenn sich die SRG trotz neuer Einschränkungen (Artikellänge max. 2400 Zeichen online) zu gut entwickelt.

Da hat der VSM-Präsident Andrea Masüger entgegen der ersten Annahme von ZACKBUM doch einiges rausgeholt und sich das Nein recht teuer abkaufen lassen.

Das bedeutet zum einen, dass die SRG echt Schiss vor dieser Initiative hat. Ihre klägliche Veranstaltung beim grossen Bergsturz und andere Flops tragen auch nicht dazu bei, das Portemonnaie des Stimmbürgers zu öffnen, wenn er dann mal nächstes Jahr über diese Initiative abstimmt.

Wie die SRG den Eiertanz absolvieren will, in ihren Sendungen ausgewogen darüber zu berichten, das wird lustig.

Fatal ist es allerdings für die Redaktionen im VSM. Der VSM sagt nein, einzelne Verlage sagen ja. Ist das karrierefördernd, wenn im Neinsager-Club ein Redaktor auf die kühne Idee käme, etwas Gutes an dieser Initiative zu entdecken? Oder bei den Jasagern mutig für eine Ablehnung einzutreten?

Schon der Big Boss von Tx hat auf die angeblich strikte Trennung von Verlag und Redaktion gepfiffen. Einen Tag vor dieser Vereinbarung veröffentlichte Pietro Supino auf Tamedia einen ellenlangen Artikel, dass er für die Initiative sei. Aber dennoch natürlich die 1,4 Milliarden Subventionen, die neu geplant sind, abgreifen möchte.

Er hatte das schon beim ersten Anlauf getan, als die schon sicher geglaubte Steuergeldmilliarde durch ein Referendum in Gefahr geriet. Nicht zuletzt durch die Zusammenlegung der Handelsplattformen von Ringier und Tx und die dadurch entstehende Sonderdividende half er dann mit, dem Referendum den Sieg zu schenken; die Milliarde war weg. Trotz Supinos Brandrede gegen das Referendum in seinen Zeitungen.

Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit, Vertrauen. Der ewige Dreiklang, wieso das Publikum weiterhin für den Elendsjournalismus in den privaten Massenmedien zahlen soll.

Nur wer dieses Publikum für einfältig hält, hofft darauf, dass die Entscheidung des VSM, deutlich nein zur Initiative zu sagen, das nicht beschädigt.

Wenn ein sonstiger Branchenverband etwas zu einer Initiative meint, dann macht er eine Medienmitteilung. Und damit hat sich’s. Hier aber geht es um die tägliche Berichterstattung in Massenmedien, die zusammen rund 4 Millionen Leser täglich beschallen.

Es gibt noch keine aktuellen Meinungsumfragen dazu, aber es ist davon auszugehen, dass ein bedeutender Prozentsatz der Stimmbürger für diese Initiative ist. Wenn die dann ihr Leibblatt lesen müssen, das sie harsch ablehnt, was passiert wohl dann? Oder umgekehrt, ein grosser Anteil der Konsumenten eines Mediums ist dagegen, das trommelt aber für eine Annahme.

Also muss man zu Masüger sagen: finanziell gewonnen, aber durch hohe Reputationskosten dennoch verloren.

Verlegerverband: die Lachnummer

Die Schweizer Medien sprechen mit gespaltener Zunge.

Am Donnerstag verkündeten Susanne Wille (Generaldirektorin SRG) und Andreas Masüger (Präsident Verband Schweizer Medien, VSM) einträchtig eine neue friedliche Koexistenz.

Die SRG fährt die Publikation von Tickermeldungen im Internet runter, dafür spricht sich der VSM gegen die Reduktion der Zwangsgebühren auf 200 Franken aus.

Am Mittwoch veröffentlichte der ehemalige Präsident des VSM unter Berücksichtigung der strikten Trennung zwischen Verlag und redaktionellem Inhalt im Kopfblattsalat von Tamedia eine ellenlange Stellungnahme. Wer nicht beim Lesen weggeschnarcht ist, bekam mit, dass Pietro Supino, Bigboss von Tx, ein unbedingter Befürworter des neuerlichen Versuchs ist, den Velegerclans diesmal sogar 1,4 Milliarden Franken an Steuergeldern – über die nächsten Jahre verteilt – reinzuschieben.

Nachdem Supino einen wesentlichen Anteil daran hatte, dass der erste Versuch, eine Milliarde abzukassieren, durch ein Referendum verhindert wurde.

Zudem plädiert er für die Annahme der Initiative, die Zwangsgebühren deutlich zu senken.

2015 war der Ringier-Verlag unter Getöse aus dem VSM ausgetreten, um 2022 zurückzukehren. Alleine CH Media verhält sich relativ ruhig und hofft, mit seinem Sammelsurium an Radio- und TV-Stationen weiterhin genügend Staatsknete zu erhalten, um diese kühne Strategie finanziell abpolstern zu können.

Das nennt man mit einer Stimme sprechen.

Eigentlich sollte ein Verband, der stolz verkündet: «Der Verlegerverband vereinigt über 100 Medienunternehmen, die zusammen rund 300 Publikationen herausgeben und zahlreiche digitale Newsplattformen sowie über 30 Radio- und TV-Sender betreiben», in der Lage sein, die Gesamtinteressen der privaten Schweizer Anbieter von Medienprodukten zu vertreten.

Aber stattdessen herrschen Krach und Zwietracht und man haut sich öffentlich gegenseitig eins über die Rübe. Natürlich wusste Supino, was am Donnerstag verkündet werden wird. Also zündete er am Mittwoch seine Bombe, allerdings mit überlanger Zündschnur.

Masüger, der auch noch Verwaltungsrat von Somedia ist, die gerade in höchster Not mithilfe des Bundesverwaltungsgerichts Staatsgelder für sein Privatradio vom ewigen Piraten Roger Schawinski zurückerobert hat, ist auf diese Kohle angewiesen.

Tamedia hingegen hat sich von seiner gescheiterten Multi-Channel-Strategie verabschiedet. Nachdem der Verlag mit TV3 und dem Ankauf des Radio 24-Imperiums von Schawinski zwei Stiefel voll rausgezogen hatte.

Die vier Verlage, Ringier, Tamedia, CH Media und Somedia eint einzig, dass sie keinerlei erkennbare Strategie haben, wie sie die Talfahrt ihrer Medien abbremsen könnten. Allerdings unternehmen sie untaugliche Versuche unterschiedlicher Art.

Ach, und zudem ein fataler Denkfehler. Sie wollen alle auf KI setzen, als sei das die Rettung des geldwerten Qualitätsjournalismus. Dabei kann sich inzwischen fast jeder mit chatgpt & Co. selbst schlau machen, wenn er eine präzise Frage stellt. Und dadurch erkennt, dass er für die gleichen Antworten nicht noch etwas bezahlen muss.

Ringier setzt auf Digitales und das Joint Venture mit Tamedia bei den Handels- und Verkaufsplattformen. Tamedia setzt auf Profitcenter und lässt das publizistische Standbein verkümmern. Der Wanner-Clan von CH Media setzt wieder auf Multi-Channel (TV, Radio und Kopfsalatblätter), Somedia auf die Verteidigung seines Monopols in der Südostschweiz.

Alle vier Strategien haben eins gemeinsam: das wird nicht mittelfristig funktionieren. Aber aus ihnen entstehen natürlich ganz verschiedene Interessenlagen. Nachdem Ringier mit «Blick TV» baden gegangen ist, bleiben ihm noch die Beteiligungen an den «Energy»-Dudelfunkanstalten und an «Radio 32». Das wohl im Namen die Anzahl der Hörer abbilden möchte (Pardon, es sollen täglich 90’000 sein).

CH Media wäre der Hauptinteressent, dass es eine friedliche Koexistenz mit der SRG gibt, damit möglichst viel Content (und Programmfenster innerhalb der SRG) die Bemühungen der Schrumpfredaktionen aufpeppen.

Somedia hat im Wesentlichen die bayerische Mentalität übernommen: mir san mir und uns kann keiner in unserem Einzugsgebiet.

Der vierte im Bunde glänzt mit einer völligen Abwesenheit einer Medienstrategie. Ausser pompösen Worten («Es stehen die Errungenschaften der Aufklärung auf dem Spiel») hat Supino nichts zu bieten. Ach, doch: Profitmarge, Dividende für den weltverzweigten Coninx-Clan und sportliche Gewinnvorgaben für die Bestandteile der Tx-Holding, die Tamedia nur durch ein Runtersparen aufs Skelett erreichen kann.

Ringier lehnt die Reduktion der Zwangsgebühren ab. CH Media und Tamedia befürworten sie, Somedia merkwürdigerweise ebenfalls.

Die Aufgabe eines kompetenten Verbandspräsidiums wäre es, wenigstens öffentlich einen Konsens innerhalb des Verbands zu präsentieren.

Stattdessen krähen die grossen Verlage herum wie auf einem Hühnerhof. Der aktuelle Präsident sagt so, der ehemalige Präsident sagt das Gegenteil.

Und die SRG lacht sich tot, dass sie mit so einfachen Mitteln und kleinen Zückerchen Präsident Masüger dazu bewegen konnte, sich im Namen des Verbands gegen die Initiative auszusprechen. Die sein Vorgänger befürwortet.

Ein weiterer Beweis für die alte und richtige These von ZACKBUM:

Am Elend der Medien sind nicht in erster Linie die Arglist der Zeit, das Internet oder Google & Co. schuld.

Sondern die schreiende Unfähigkeit der Verlagsmanager und ihrer Anführer. Im Vergleich dazu, was hier aufgeführt wird, ist die Migros ein blitzsauberes und zukunftsträchtig aufgestelltes Unternehmen.

Ein radiotechnisches Desaster mit Ansage

Wegen der UKW-Abschaltung verliert die SRG Hunderttausende Radiohörer. Den privaten Radios droht noch Schlimmeres.

Von Roger Schawinski*

Es ist die wohl grösste Kundenvertreibung der Schweizer Mediengeschichte. Am 31. Dezember 2024 um Punkt Mitternacht hat die SRG alle ihre 2000 UKW-Sender abgeschaltet – und damit auf einen Schlag Hunderttausende Radiohörer verloren. Diese Tendenz zeichnete sich schon Mitte Januar ab, als erste konkrete Zahlen veröffentlicht wurden. Damals wies die SRG diese empört zurück. Solche Daten seien nicht belastbar und damit unseriös. Erst nach drei Monaten könne man festhalten, wie sich der Verzicht auf UKW auswirken werde.

Doch die nun für das erste Quartal vorgelegten offiziellen Zahlen zeigen genau dasselbe Bild wie im angeblich so aussageschwachen Januar. So hat Radio SRF 1 von seinen früheren 1 090 000 Hörern pro Tag rund 240 000 verloren, also über 22 Prozent. Noch heftiger hat es SRF 3 erwischt, wo der Rückgang gar bei 25,6 Prozent liegt. Einigermassen gut hielt sich hingegen SRF 2 mit einem Verlust von 5,9 Prozent. Dies allerdings auf sehr tiefem Niveau von nur 133 000 täglichen Hörern.

Insgesamt verzeichnen die drei grossen SRF-Sender also jeden Tag 470 000 Hörer weniger als vor der Abschaltung der UKW-Sender. Noch grösser ist der Rückgang in den anderen Sprachregionen: In der Westschweiz beträgt er 25 Prozent, im Tessin gar 29 Prozent. Der Kommentar der SRG lautet diesmal: Man gehe «weiterhin davon aus, dass sich die Nutzungszahlen mit der fortschreitenden Digitalisierung erholen werden».

Ausländische Sender profitieren

Doch das ist Wunschdenken. Denn parallel zu den SRG-Verlusten sind nicht nur die Hörerzahlen der privaten Schweizer Sender massiv angestiegen. Ähnlich viele der SRG-Vertriebenen haben auf ausländische Stationen gewechselt. Auch deshalb, weil diese nach der mutwilligen Freigabe der international koordinierten Schweizer UKW-Frequenzen überall um einiges besser empfangbar sind als je zuvor.

In einer Zeit, in der alle Medien gegen Aufmerksamkeitsverluste kämpfen, ist der Verzicht der SRG auf UKW umso fragwürdiger. Man könne Kosten sparen, lässt man von dort verlauten, pro Jahr seien es 15 Millionen Franken. Diese Zahl wurde jedoch nie detailliert belegt. Zudem hat die SRG-Chefetage einen internen Plan verworfen, der vorsah, rund 90 Prozent der Bevölkerung mit einigen Höhenstandorten weiterhin mit UKW zu versorgen, zu viel tieferen Kosten.

Entscheidend ist: Seit Jahrzehnten war die SRG gemeinsam mit dem Bundesamt für Kommunikation Hauptpromotor von DAB+. Einer Übertragungstechnologie, die die angestrebten Ziele nie auch nur annäherungsweise erreicht hat. Nun versucht man im Nachhinein, diesen teuren Fehlentscheid zu rechtfertigen, indem man UKW abschaltet – und macht damit einen zweiten, noch grösseren Fehler.

Opfer der eigenen «Fake News»

Womöglich ist man das Opfer der eigenen «Fake News» geworden. So hat die SRG im Vorfeld immer wieder behauptet, der «ausschliessliche UKW-Konsum» liege nur noch bei 10 Prozent. UKW sei damit ein unbedeutendes Auslaufmodell. Aber diese Zahl über die «ausschliessliche Nutzung» war irreführend. Entscheidend ist die gesamte UKW-Nutzung, die immer noch bei 25 Prozent liegt. Im Auto haben sogar 40 Prozent der Radiohörer keinen DAB+-Empfänger.

Dass die SRG ohne Not Hunderttausende von Gebührenzahlern ausschliesst oder dazu zwingt, neue Radiogeräte zu kaufen, um selbst ein paar Millionen Franken zu sparen, hat auch eine politische Dimension. Als Service-public-Anstalt hat die SRG gemäss Konzession nicht nur die Pflicht zu senden. Sie muss auch dafür sorgen, dass ihre Programme empfangen werden können. Wenn sie diese Aufgabe vernachlässigt, beschädigt sie ihre Raison d’être als Gebührenmonopolistin. Im politisch zunehmend aufgeheizten Klima um die Halbierungsinitiative liefert sie ihren Gegnern zusätzliche Argumente.

Die SRG hat mehrfach behauptet, die frühzeitige Abschaltung von UKW per Ende 2024 sei von der gesamten Radiobranche beschlossen worden. Das ist unwahr. Es war die SRG-Chefetage, die dies im Alleingang verfügt hat. Bisher hat kein einziger Privatsender UKW abgeschaltet – und sie sind froh darüber. Die Entwicklung der letzten Monate mit massiven Hörer­gewinnen von etwa 20 Prozent zeigt, dass man richtig gelegen ist.

Doch Ende 2026 soll UKW gemäss aktueller Planung in der ganzen Schweiz verboten werden – als einzigem Land in Mitteleuropa. Nach den jüngsten Erfahrungen würde dies zu massiven Hörerverlusten auch bei den privaten Sendern führen, von denen die meisten – anders als die SRG – allein von der Reichweite und der Radiowerbung leben. Dies würde die ganze Branche in Schieflage bringen. Besonders dramatisch wäre die Situation in der Westschweiz und im Tessin, wo sich die ausländischen Stationen im leergefegten Frequenzband noch weiter ausbreiten könnten als heute.

Bewährte Technologie

All dies wäre wohl kaum im Interesse einer sinnvollen Schweizer Medienpolitik, die ja nur wenige Möglichkeiten besitzt, um die Schwächung der wichtigsten einheimischen Medienunternehmen abzufedern. UKW ist keine Droge, die man verbieten muss, sondern eine bewährte, qualitativ hochstehende Radiotechnologie, die weltweit am meisten genutzt wird.

Wenn die SRG-Führung Kosten sparen will, so sei ihr dies unbenommen. Wenn aber die Privaten bereit sind, ihre UKW-Sender weiter zu betreiben und zu finanzieren, sollte ihnen dies nicht verboten werden. Dies ist im Interesse ihres Mediums und ihrer Hörer. Diese wollen nicht Millionen von tadellos funktionierenden Radioempfängern als Elektroschrott ausmustern.

*Roger Schawinski hat in der Schweiz den ersten privaten Sender Radio 24 gegründet. Heute ist er Geschäftsführer von Radio 1.

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Der Text erschien zuerst in der «Neue Zürcher Zeitung» vom 28. April 2025. Mit freundlicher Genehmigung.

Wo eine Wille ist …

… ist auch ein Weg. Zur neuen SRG. Der Spar Radikal Gesellschaft.

270 Millionen Franken will die neue Generaldirektorin bis 2029 einsparen. Das ist selbst bei einem Gesamtbudget von 1,5 Milliarden kein Pappenstiel.

Dieser Betrag würde dem Verzicht auf rund 1000 Vollzeitstellen entsprechen. Das sind allerdings nur 17 Prozent der aktuellen Belegschaft. Da laut Kurt W. Zimmermann bei der SRG auf einen journalistisch Tätigen zwei Sesselfurzer kommen, die sich mit administrativem Kram beschäftigen, wäre das Sparpotenzial wohl noch bedeutend höher.

Die Belegschaft sei erschrocken und ernüchtert, weiss der «Tages-Anzeiger». Was wiederum an ihrer Intelligenz zweifeln lässt, denn nicht zuletzt angesichts der durchaus erfolgsversprechenden «200 Franken sind genug»-Initiative ist es völlig klar, dass Susanne Wille etwas unternehmen muss. Was über die kosmetischen Ankündigungen ihres Vorgängers hinausgeht, der jeweils auch Sparmassnahmen und Stellenabbau versprach – während zusätzliche Stellen geschaffen wurden.

Im Tessin ist die SRG die grösste Arbeitgeberin, wer den Riesenbau des rätoromanischen Ablegers in Chur anschaut, weiss: hier gibt es massig Sparpotenzial. Ein immer monströser werdender Internetauftritt, trotz viel Personal nachlassende Qualität in den News-Sendungen, schon wieder Schlagseite bei der Berichterstattung über die US-Wahlen, immer weniger ernst zu nehmende Dokumentationen, dafür jede Menge Blödel- und Quatsch- und Quizsendungen: Sparpotenzial.

Stammelnde Korrespondenten im Ausland, die nichts Neues kundtun, ein ins Nichts sendender «Club», eine völlig kastrierte «Arena», eine Laues-Lüftchen-Talkshow mit Urs Gredig, Sparpotenzial.

Da wird nun viel von «Service Publique», vier Sprachen, Gleichberechtigung der Landessprachen, Informationsauftrag und Blabla Blüblü die Rede sein, während sich faulenzend verwöhnte Mitarbeiter zum ersten Mal in ihrer Karriere fragen müssen, ob das sanfte Gleiten in die Pensionierung möglicherweise abrupt beendet wird. Und dann wird es ganz bitter: denn wer will schon einen Mitarbeiter der SRG einstellen? Ausser, der ist ein bekanntes Gesicht aus der Glotze, dann eignet er sich als Moderator für Firmenanlässe oder Verkaufsveranstaltungen.

 

 

Wumms: Elmar Thevessen

Beim Namen Trump drehen die meisten Journis durch.

6,3 Milliarden Euro kassiert in Deutschland die ARD; damit ist sie der grösste nicht-kommerzielle Programmanbieter weltweit. Das ZDF nimmt immerhin noch 2,5 Milliarden Euro ein. Eine Etage tiefer, aber nicht viel, fliegt die SRG mit 1,54 Milliarden Franken. Für um den Faktor zehn weniger Zuschauer und Zuhörer, notabene.

Eine ganze Stange Geld; da muss die Oma eine Weile für stricken, wie man im Norden sagt. Aber auch diese wohldotierten Anstalten verfallen in Schnappatmung, wenn ein Name im Raum steht. Der gehört zu einer Figur, die sicherlich einige sehr unsympathische Eigenschaften hat. Aber offensichtlich genug Anziehungskraft, damit diesmal sogar eine Mehrheit aller US-Stimmbürger ihn gewählt hat.

Da es sich nicht schickt, diese Amerikaner direkt zu beschimpfen – denn das wäre ja undemokratisch – wird halt der Mann beschimpft, den sie gewählt haben. Einen notorischen Lügner, einen Geschäftsmann mit mehreren Pleiten hinter sich, einen verurteilten Kriminellen – und jemanden, der verklausuliert zum Sturm auf das Capitol aufrief und bis heute behauptet, dass ihm der Wahlsieg 2020 gestohlen worden sei.

Aber Schwamm drüber, nun hat er ja gewonnen.

Allerdings, das vertragen nicht alle US-Kenner und Koryphäen. Die deutsche «Bild» hat sich mal den Leiter des ZDF-Studios in Washington vorgeknöpft. Das bestreicht übrigens nicht nur die USA, sondern auch «u.a. El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Jamaika, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama».

Vielleicht liegt es daran, dass der Leiter Elmar Thevessen nicht ganz sattelfest ist. Obwohl er Mitglied der Atlantik-Brücke ist, aber das wäre ein anderes Thema. Gewohnt direkt prügelt «Bild» auf ihn ein:

In den sozialen Medien regnet es Spott und Häme: «Man darf Hafermilch nicht Milch nennen, aber Elmar Thevessen darf man US-Experte nennen.»

Eingehandelt hat der sich das durch tatsächlich krachende Fehleinschätzungen. So sagte er im ZDF, dass Joe Biden «ein Stückchen fester im Sattel sitzt». Drei Tage vor dessen Rücktritt als Präsidentschaftskandidat.

Noch Anfang Jahr hatte der Experte verkündet: «Joe Biden ist zwar gebrechlich, aber geistig topfit und hält die Fäden seiner Partei in der Hand.» Ist ja schon erstaunlich, wie schnell so ein Zerfall gehen kann. From hero to zero, wie der Ami sagt.

Ob das auch sein Problem ist? Noch in der Wahlnacht, als selbst die «New York Times» die Wahlchancen von Trump bei «über 90 Prozent» sah und Fox-News ihn bereits als nächsten Präsidenten verkündete, sagte Thevessen stoisch im ZDF: «Wir sehen zwar ein paar Warnzeichen», so führte er aus, aber «es kann immer noch gut sein, dass sie (Harris, Anm. d. Red.) gewinnt.»

Auch am Mittwoch wird das satirisch kommentiert in den Sozialen Medien: «Elmar Theveßen rechnet wahrscheinlich immer noch nach, ob Kamala nicht doch noch eine Chance hat.»

Würde man sich die Mühe machen, fände man ähnliche oder deckungsgleiche Fehleinschätzungen in den meisten Schweizer Massenmedien, inklusive SRG.

Es kann nun viele Gründe geben, aus denen man Trump für einen unerträglichen Kotzbrocken hält, der weder einmal und schon gar nicht zweimal US-Präsident werden sollte. Diese persönliche Meinung sollten aber Newsredaktoren, vor allem, wenn sie von Gebührengeldern von allen bezahlt werden, für sich behalten. Oder höchstens einmal in Form eines persönlichen Kommentars Dampf ablassen.

Aber ansonsten wäre es ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dem Gebührenzahler, dem Abonnenten die Fakten darzubieten, Erklärungen zu liefern, Analysen und Einordnungen. Denn dafür werden sie bezahlt.

Wer aber – wie zuvorderst der Amok-Auslandchef von Tamedia – den nächsten Präsidenten der USA stattdessen wüst und hemmungslos beschimpft und damit die Mehrheit der US-Wähler zu Volltrotteln erklärt, ist seiner Aufgabe nicht gewachsen. Er versagt dabei, zu erklären statt zu meinen.

Es interessiert die Mehrheit der Tamedia-Leser so wenig wie die Mehrheit der ZDF-Gucker, in welchem Gemütszustand sich die wohlbezahlten sogenannten Experten befinden. Es interessiert auch nicht, dass sie sich in Wunschgebiete flüchten, statt die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Zuerst Biden, dann Harris als die grosse Chance heraufjubeln, diesen Gottseibeiuns noch zu stoppen. Und als das nicht gelingt, den Mann hemmungs- und masslos niederzumachen.

Ihm wieder und wieder sein Strafregister vorzuhalten. Als ob das auch nur im Ansatz erklären könnte, wieso er einen dramatischen Sieg eingefahren hat. Er hat seine Konkurrentin deklassiert, das war kein Kopf-an-Kopf-Rennen, sondern ein Kantersieg.

Und da wird behauptet, nur übelwollende Rechtspopulisten möchten die Medien zurechtstutzen, weil sie deren aufklärerische Macht fürchten. Auch da muss man Englisch sprechen: what a bullshit.

Verbots-Unkultur

Wir leben im meinungsfreien Westen. Na ja.

Alles ist relativ im Leben. Im Vergleich zu Nordkorea existiert in der Schweiz Meinungsfreiheit. Auch im Vergleich zu den Zensurstaaten Ukraine und Russland. Saudi-Arabien zerlegt Oppositionelle sogar buchstäblich in Einzelteile, wenn die den Fehler machen, eine Botschaft des fundamentalistischen Wahhabiten-Staats zu betreten. Solch ruppige Methoden führen im freien Westen nicht sonderlich zu Protesten, genauso wenig wie der verbrecherische Krieg Saudi-Arabiens im Jemen. Denn die Scheichs dort sind doch unsere Freunde und Verbündete und Abnehmer von Kriegsmaterial im Multimilliardenpack.

Will man dem Index der «Reporter ohne Grenzen» folgen (der nun auch nicht über jeden Zweifel erhaben ist), hat Norwegen die höchste Pressefreiheit, gefolgt von Dänemark und Schweden.

Die Schweiz steht auf Platz neun, vor Deutschland. Auch Osttimor gehöre zu den 20 Ländern mit der höchsten Pressefreiheit. Lassen wir das einmal dahingestellt und schauen uns die Schweiz genauer an.

Meinungsfreiheit ist ein enger Verwandter der Pressefreiheit, weil die Meinung im stillen Kämmerlein nun nicht wirklich Ausdruck von Freiheit ist. Erst im öffentlichen Widerstreit lässt sich Meinungsfreiheit messen.

Um die ist es in der Schweiz allerdings nicht allzu rosig bestellt. Das fängt schon damit an, dass drei Familienclans die Medienlandschaft unter sich aufgeteilt haben. Coninx, Ringier und Wanner, so heissen die Besitzer der meisten Printmedien, der Privatradios und -TV-Stationen. Daneben gibt es noch den Zwangsgebühren-Moloch SRG, der nur auf dem Papier um Ausgewogenheit bemüht ist. Wer’s nicht glaubt, schaue sich nur mal ein Weilchen die ausgewogene Berichterstattung über die SVP, den Corona-Skandal oder über die deutsche AfD an.

Wer es sich mit einem (oder gar zwei) dieser vier Meinungsmach-Maschinen verscherzt hat, hat schon gröbere Mühe, seine freie Meinung auch öffentlich zu sagen. Der abserbelnde Tamedia-Block innerhalb von TX arbeitet mit Schreibverbot. CH Media nimmt kaum bis keine Fremdbeiträge mehr, darin der NZZ nicht unähnlich, die immerhin ansonsten als einsamer Leuchtturm noch Journalismus betreibt.

Während der Pandemie zeigten die Schweizer Massenmedien, was sie von Meinungsfreiheit oder kritischer Berichterstattung über das Handeln der Herrschenden halten. Nämlich nichts. Das ist seither nicht besser geworden. Der Ukrainekrieg, der Krieg im Nahen Osten, die Berichterstattung über China, über Donald Trump, über Russland und die Ukraine. Da ist von Meinungsfreiheit, vom Wettstreit verschiedener Meinungen nichts zu lesen, zu hören oder zu sehen.

Da es in Deutschland (oder in Österreich) nicht viel besser ist, muss man sich in den angelsächsischen Sprachraum begeben, wenn man gelebte Meinungsfreiheit haben will. «Der Spiegel», zum woken Blödelblatt denaturiert. Der Tagi, als Skelett kräht er aus dem Brei-Newsroom seine links-grüne Einheitsmeinung heraus. Der «Blick» hat als Volkes Stimme abgedankt, zuschanden geritten zum weiblich-sensiblen Boulevard ohne Ecken und Kanten. CH Media gleitet teflonartig durch die Welt und tut das immerhin skandalfrei.

Aber Meinungsfreiheit? Nun mag man einwenden, dass sich doch jeder aus der wilden Kakophonie des Internets die Meinungen zusammensuchen kann, die er anregend findet. Das widerspricht aber der durchschnittlichen Aufnahmefähigkeit des interessierten Staatsbürgers. Obwohl er sich massenhaft von den Massenmedien abwendet.

Meinungsfreiheit braucht Plätze und Plattformen, braucht Debatte, Widerstreit und argumentative Auseinandersetzung. Meinungsfreiheit heisst auch, dass sensibel und gleichzeitig massiv auf Zensur reagiert wird. Der Skandal am Zurich Zensur Festival ist ein ganz schlechtes Omen.

Meinungsfreiheit gibt es nicht gratis. Auch derjenige, der seine freie Meinung äussern will, muss dafür meistens einen Preis bezahlen. So er das darf. So man ihn lässt. Oder versuchen wir uns vorzustellen, bei CH Media erschiene ein Text, der um Verständnis für die Hamas wirbt. Bei Tamedia eine einfühlsame Meinung zu Putins Aussenpolitik. Im «Blick» ein Stück über israelische Kriegsverbrechen. Und in der NZZ eine vernichtende Kritik an der NATO als Kriegstreiber.

Dass man sich das alles nicht vorstellen kann, belegt, dass es mit der Meinungsfreiheit in der Schweiz nicht mehr weit her ist. Da nützt auch ein Vergleich mit Nordkorea nichts.

Sag niemals nie

Auch das Fallbeil vom Leutschenbach kümmert sich nicht um ihr Geschwätz von gestern.

Die Nervosität vor der Halbierungsinitiative steigt. Einerseits fällt SRF durch Fehlleistungen, einseitige Berichterstattung und richtige Kracher ins Aus auf – wie beim hochgezwirbelten Fall eines angeblichen Übergriffs eines Schaffhauser Anwalts.

Andererseits ist der Moloch so ausgewachsen, dass pro journalistisch tätigen Mitarbeiter zwei Sesselfurzer beschäftigt werden. Und dritterseits hat es SRF bislang geschafft, sich jede nationale Privat-TV-Konkurrenz vom Leib zu halten. Selbst Roger Schawinski scheiterte mit seinem «Tele 24».

Nun hat es SRF bislang geschafft, jede Ankündigung von Sparmassnahmen oder Stellenreduktion Lügen zu strafen. Die neuste lautet, dass 75 Vollzeitstellen gestrichen werden. Damit dürften schätzungsweise 10 Millionen Franken eingespart werden.

Allerdings sucht SRF gleichzeitig Dutzende von neuen Mitarbeitern für die Ausrichtung des ESC in Basel. Aber gut, wieso widerspruchsfrei bleiben.

Damit auch der Zuschauer merkt, dass hier gespart wird, bis es quietscht, werden Informationssendungen zusammengestrichen. «Tagesschau» am Mittag und um 18 Uhr: neu «Newsflashs», verfilmtes Radio. Aber natürlich bleibe die Information ein Kernbereich von SRF, widerspricht sich Nathalie Wappler selbst.

Dann wird die Sommerpause ausgeweitet. Auch der «Club» macht neu Pause, nachdem er von Moderatorin Barbara Lüthi ins Zuschauerelend moderiert wurde. Zuschauerdurchschnitt 2020 125’000. 2021 noch 101’000. 2022 klägliche 87’000. Ein Schwund von fast einem Drittel. Das führt nur beim Schweizer Farbfernsehen (oder beim «Blick») nicht zu dramatischen Konsequenzen. Kontroverse Themen werden so behandelt, dass zu kantige Kritiker gar nicht erst eingeladen werden, könnte zu viel Stress für die schnell hektisch werdende Lüthi geben. Aber als Partnerin des Chefs ist sie halt unkaputtbar, wie ZACKBUM enthüllte.

Im Sinne von straffen und schrumpfen hat Wappler auch eine interessante Entscheidung bekannt gegeben: die getrennten Chefredaktionen von Video und audio/Digital werden zusammengelegt. Das ist insofern interessant, als Wappler noch vor fünf Jahren tönte, unter ihr als Direktorin «werde es immer zwei getrennte Chefredaktionen für Radio und Fernsehen geben», wie sie persoenlich.com genüsslich zitiert. Und Nick Lüthi fragte nach, ob Wappler daher als Chefredaktorin zurücktreten werde. Das sei nicht der Fall, knirschte die Medienstelle.

Obwohl sich die SRG eines jährlichen Zustupfes von über einer Milliarde Zwangsgebühren erfreut, dazu noch selbst Werbung generiert, quasi eine nationale Monopolstellung besitzt, ist das Gelieferte oft so amateurhaft und uninteressant, dass auch hier gespart werden muss.

Man könnte sich nun bemühen, mit den üppig vorhandenen Moneten schlichtweg ein interessanteres Fernsehen zu machen. Zum Beispiel Diskussion- und Talksendungen, bei denen der Zuschauer nicht regelmässig wegschnarcht. Wer aber auf Gredig statt Schawinski setzt, eine Lüthi fuhrwerken lässt, keine anständige Late Night Show hinkriegt, eine gelinde gesagt befremdliche Auswahl bei Newsthemen pflegt, in unglaublich aufwendigen Reportagestücken äussert fragwürdigen Thesenjournalismus betreibt und rechthaberisch verteidigt, der muss sich halt über Zuschauerschwund nicht wundern.

Auch hier gilt das Gleiche wie bei Tamedia und CH Media: wenn angeblich die gleiche Qualität und das gleiche Angebot, nur besser, mit viel weniger Mitarbeitern möglich sein soll, dann waren die ja völlig überflüssig vorher. Im Gegenteil, sie standen einer Qualitätssteigerung im Weg.

Also kann man aufatmend feststellen, dass der mündige Staatsbürger zukünftig noch besser, noch nachhaltiger, noch qualitativ hochstehender informiert werden wird. Das garantieren Nathalie Wappler und Simon Bärtschi und Steffi Bucheli. Ehrenwort.

Ach, NZZaS

Quo vadis, wie der Lateiner im Denkerblatt sagen würde.

Selbst der eher sanftmütige Peter Rothenbühler hat die Nase voll. Das Blatt verlottere zusehends, und Chedredaktor Beat Balzli möge doch bitte, bitte, keine Editorials mehr schreiben, bei denen einem die Füsse und das Hirn einschlafen.
Sagt ZACKBUM schon länger.

Auch die neuste Ausgabe will das – leider – beweisen.

Das Editorial trägt den Titel «Der Dichtestress ist das kleinere Übel als …» Offenbar geht Balzli zu recht davon aus, dass sowieso keiner weiterliest. Wer’s aber dennoch tut, wird mit einer Anekdote aus dem deutschen Trash-TV über Auswanderer bestraft.

Apropos eingeschlafenes Gesicht, das hier soll Kaufreiz auslösen?

Die (gähn) 10-Millionen-Schweiz, Trump und die Nahrungsmittel (schnarch), Machtmissbrauch der UBS (nun auch die NZZaS), «Tödlicher Sex» (huch), und als Duftnote: «Röstis Bruder spritzt Gülle auf geschützte Wiese» (Sippenhaft).

Auch die grafische Gestaltung des Blatts setzt Massstäbe – nach unten:

Sowas wäre selbst Verwendern von CoralDRAW zu peinlich. Apropos, «Rapper vs. Swift», die musikalische Auseinandersetzung im US-Wahlkampf, ein ganz zentraler Aspekt wird hier von Andreas Mink aufgegriffen. Ist halt auch blöd, wenn man sich ständig etwas aus den Fingern saugen muss – statt einfach mal pausieren.

Aber immerhin, kleine Lichtblicke gibt es auch:

Die NZZaS kümmert sich auch um Wichtigeres als eine misslungene Provokation eines Politik-Pin-up, nämlich um das Massaker, die Tragödie, den Menschheitsskandal im Sudan. Wo die Welt zuschaut, wegschaut. Falsche Gegend, falsche Hautfarbe.

Apropos 10-Millionen-Schweiz, ob das subversive Absicht ist?

Grossbritannien sei einstmals Vorbild bei der Integration von Ausländern gewesen (wann?). Aber nun nähmen Muslime immer mehr «Raum in der Gesellschaft ein. Und die Politik tut rein gar nichts», gesteht Bettina Schulz.

Dann bricht wieder das grosse Gähnen aus:

Wenn es ein Thema gibt, über das alle alles gesagt haben, das von oben, unten, links und rechts beäugt wurde, dann das. Deshalb ist ZACKBUM ein Ameti-freier Raum – und wird das auch bleiben.

Wie schön wäre es, wenn die NZZaS eine Patti-Basler-freie Zone würde. Denn wenn die sich über Satire Gedanken macht, dann kann man das nicht einmal als Realsatire nehmen. Hier schlafen nicht die Füsse ein, aber die Zehennägel rollen sich nach oben vor peinlicher Berührtheit.

Dass Peter Hossli, zufällig Leiter der Ringier-Journalistenschule, über die «Journalistenschule als Geschenk für die Schweiz» salbadern darf – die Ergebnisse ihrer hochkarätigen Ausbildung kann man täglich im «Blick» bewundern –, ist selbst als Kollegensolidarität einem ehemaligen Mitarbeiter gegenüber hochnotpeinlich.

Der Aufmacher der «Wirtschaft» zeigt, dass der AD sich weiterhin austoben darf. Rohes Fleisch mit einem Text, der kaum lesbar ist, wieso steht da nicht besser schwarz auf weiss (oder weiss auf schwarz): Überblätter mich!

Wer zusehen will, wie einer Kolumnistin die Luft und die Themen ausgehen, sollte sich die einstmals grossartige Kolumne «Geld & Geist» reinziehen:

Auch auf die Gefahr hin, wieder als misogyn abgestempelt zu werden: eine Kolumne, die so beginnt, bettelt darum, nicht gelesen zu werden: «Vor kurzem hörte ich einem Gespräch über Emotionen zu.» ZACKBUM ist zu höflich, um die Emotionen zu beschreiben, die den Leser überkommen.

Aber ZACKBUM ist auch furchtlos; wir haben quer weitergelesen. Und sind über diese Perlen gestolpert:

«Fakt ist: Jeder Mensch hat Gefühle … ein Gefühlsvokabular aufbauen … am allerwichtigsten ist jedoch, Gefässe für den Austausch von Gefühlen zu schaffen».

Hier braucht es ein ganz, ganz grosses Gefäss, um Dampf abzulassen, dass man mit solchem Flachsinn belästigt wird. Dass es für diese Geistlosigkeit noch Geld gibt …

Jetzt aber, Männer, aufgepasst, ihr könnt mit dem Geschlechtsakt zu Mördern werden. Ungelogen: «Sex kann Auslöser allergischer Reaktionen sein. Männer übertragen mit ihrem Sperma Stoffe, die sie Stunden zuvor zu sich genommen haben – das Liebesspiel endet so gelegentlich tödlich».

Wahnsinn. Männer, verwendet Kondome. Aber sicherheitshalber auf nüchternen Magen.

Dann kommt Serie, Teil zwei. Nachdem in der letzten NZZaS einige Schweizer Kunstschaffende abserviert wurden, nun die vorhersehbare Fortsetzung: «Jung, unkonventionell und mit Mut zum Risiko». Neue, junge Künstler, hereinspaziert; NZZaS-Autoren zeigen ihre subjektive, nicht wirklich interessante Auswahl.

Schliesslich hat sich Linus Schöpfer das «City Bid Book» besorgt; die Gebrauchsanweisung, wie der ESC zu organisieren sei. Das wurde von der SRG an interessierte Städte verteilt, sollte aber geheim bleiben. «Ätsch, Öffentlichkeitsgesetz» sagte Schöpfer. Nicht schlecht, sozusagen ein leise versöhnlicher Ausklang.

Aber: Jonas Projer wurde von der eigenen Redaktion weggemobbt, weil er zu sehr gegen deren Schrebergärten, Hobbys und Überheblichkeiten anging. Dass sich damit die Redaktion selbst ins Knie schoss und nun zu grössten Teilen der NZZ angeschlossen ist, Künstlerpech.

Balzli lässt alle machen, inklusive ein unterirdisches Layout. Da er selbst nicht mal ein interessantes Editorial hinkriegt, dürfen sich alle Schreiber austoben, wie es ihnen drum ist. Oder anders gesagt: wer ein Aufmacher-Meinungsstück über ein verglühtes Politik-Sternchen zulässt, hat die Kontrolle über sein Blatt verloren.

Wenn Eric Gujer gerade mal nicht mit Weltenlenken beschäftigt ist, wird er etwas unternehmen. Aber wahrscheinlich rettet Balzli vorläufig noch, dass man nicht wieder so ein Schlamassel wie bei der Nachfolge von Projer anrichten möchte. Nur: welches Schlamassel ist letztlich grösser, das im Blatt oder das einer rumpeligen Nachfolge?