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Geschützte Werkstatt

Schon mal swissinfo gehört? Nein? Nun gut, vielleicht kein Auslandschweizer.

So macht das Informieren Spass. 2020 betrug der Gesamtaufwand von swissinfo genau 18,354 Millionen Franken. Der Gesamtertrag 18,354 Millionen. Das ergibt ein Unternehmensergebnis von 0.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Davon auf einen Inhalt von 0 zu schliessen, das wäre natürlich nassforsch. Swissinfo wurde 1935 als «Schweizer Radio International» gegründet, angeflanscht an die Schweizerische Rundspruchgesellschaft SRG. Zweifache Aufgabe: Auslandschweizer über ihre Heimat informieren und Schweizer Präsenz im Ausland markieren.

2005 hatte swissinfo ein Nahtoderlebnis. Der Dienst hätte schwer gestutzt werden sollen. Angebot nur mehr auf Englisch und in den Landessprachen, je ein zuständiger Redaktor. Schlank und rank aufgestellt, mit allen Synergien hätte man das Angebot für eine halbe Kiste jährlich schaukeln können.

Warum schlank und billig, wenn’s auch dick und teuer geht?

Aber so geht es in Staatsmedien ja nicht. Pardon, in staatsunabhängigen, aber zwangsfinanzierten Medien. Pardon, in völlig unabhängig-objektiven Gebührensendern. Also blieb swissinfo dick und gefrässig und baute das Angebot aus; heutzutage wird in zehn  Sprachen gesendet.

Die Kosten dafür teilen sich die SRG und der Bund fast 50 zu 50. Schöner Vorteil für swissinfo: wer zwei Herren hat, kann eigentlich machen, was er will.

Bei swissinfo werkeln total 106 Mitarbeiter (wir verwenden weiterhin das generische Maskulinum, wenn’s recht ist). Das sind immerhin doppelt so viele wie bei der «Republik». 11 davon bilden das «Kader». Denn so ein Tanker braucht Führungskräfte. Qualifizierte Führungskräfte. Angeführt von der Direktorin Larissa M. Bieler.

Chefredaktion, Direktion, Qualifikation: Bieler.

Wir sind für Frauenförderung, absolut. Wir bewundern eine Flight Attendant, die nach dem Swissair-Grounding umsattelte, als freie Journalistin begann und ihr Studium mit einer Dissertation zum Thema «Verhältnis von Sinneswahrnehmung und sprachlichem Ausdruck im Geschmacksdiskurs» abschloss. 2013 kletterte sie auf den Chefsessel des «Bündner Tagblatt» (damals 8140 verkaufte Exemplare). Schon 2015 gab sie diese Funktion im Zentrum der medialen Landschaft ab und wurde im Januar 2016 Chefredaktorin von Swissinfo.

Alles qualifizierte Fachkräfte an Entscheidungspositionen

Hier wird sie von vier weiteren ausgewiesenen Fachkräften aus der Resteverwertungsanstalt des Journalismus unterstützt, das gab ihr die freien Valenzen, um ab 2018 auch noch die Direktion zu übernehmen. Der Kontakt zu den Hörern wird übrigens durch einen «Publikumsrat» sichergestellt. Auch von dem haben Sie sicherlich schon viel gehört; seine Mitglieder:

  • Marcel Stutz (Präsident) 
    Ehemaliger Schweizer Botschafter
    Muttersprache: Deutsch
  • Marina Karlin (Vizepräsidentin) 
    Direktorin des Monatsmagazins «Russian Switzerland»
    Herausgeberin und Journalistin
    Muttersprache: Russisch
  • Chok Woo
    Ingenieur und Manager
    Muttersprache: Chinesisch
  • Cinzia Dal Zotto
    Professorin an der Universität Neuenburg
    Muttersprache: Italienisch
  • Rose Wettstein 
    Englisch-, Medien- und Informatik-Lehrerin an der Sekundarschule
    Muttersprache: Englisch

Wenn man dann noch weiss, dass Silvia Egli von Matt die Ombudsfrau von swissinfo ist, bleiben eigentlich keine Fragen offen.

Zahlen und Namen sind das eine, was ist mit dem Inhalt?

Corona hatte für swissinfo segensreiche Auswirkungen. Die Zahl der Unique Clients verdoppelte sich von 2019 auf 2020 fast und stieg auf 2,1 Millionen pro Monat (zum Vergleich NZZ 8,8 Millionen).

Gut, das sind alles Zahlen und Rahmenbedingungen. Was liefern denn nun die rund 100 Kostenverursacher an Inhalt, denn darauf kommt’s ja irgendwie an. Oder auch nicht, wenn man null von der Einschaltquote, dem Markt, dem Generieren von Einnahmen abhängig ist.

Nehmen wir mal eine Aufforderung zur Debatte. Heisses Thema: «Was halten Sie vom Entscheid der Migros, den Verkauf von Alkohol zu prüfen?» Das müsste ja eigentlich unter Aufreger laufen und ein Quotenrenner werden, zumal der Beitrag dreisprachig existiert. Nur: Nach einigen Tagen haben sich ganze 17 Kommentatoren («ich bin dagegen») eingefunden.

Was bewegt denn die Schweizer im In- und Ausland, was will die Welt wissen? Nun ja:

Es geht aber noch besser; dieses Ereignis hat von Indien bis Neuseeland, von Bolivien bis Russland – und in ganz China – Anteilnahme und Mitgefühl ausgelöst:

Gut, schauen wir mal, was in einer der meistverwendeten Sprachen der Welt los ist:

Auf Spanisch können wir feststellen, dass Aktualität nicht wirklich ernst gemeint wird. Und der grossartige Aufmacherartikel? Worum geht’s da eigentlich, was soll der Auslandschweizer und der Spanischsprechende überall auf der Welt von der Schweiz mitnehmen? Das hier:

«Die Corona-Pandemie trifft fast alle Demokratien hart. Für Diversitäts-Beraterin Estefania Cuero aber sind diese Auswirkungen gerade in der Schweiz Ausdruck von grundlegenden, bereits seit langem bestehenden Problemen. Sie und andere Expert:innen fordern mehr Inklusion und stellen die Machtfrage.»

Das ist mal wieder der richtige Moment, um festzuhalten: nein, das ist keine Satire und das Beispiel ist nicht ausgedacht. Aber vielleicht gibt es ein anderes Thema in der Weltsprache Nummer eins (abgesehen von Chinesisch)?

Sir, no Sir, wie man da auf Macho-Englisch sagen muss. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die rund 100 Swissinfo-Mitarbeiter und -Kader die Last der Newsherstellung nicht etwa alleine auf ihren schmalen Schultern tragen müssen. Sie können die SDA und natürlich alles vom breiten Angebot der SRG verwursten.

Auch den Chinesen wird das Thema Diversität und Inklusion, sowie die Gefährdung der Demokratie, nähergebracht:

Warum nicht zurück zur Entscheidung von 2005?

Es ist nicht so, dass die SRG noch nie eine Sendequelle hätte versiegen lassen. Radio Beromünster gibt’s nicht mehr, SPlus/Schweiz 4 hat das Zeitliche gesegnet, auch der Telefonrundspruch gehört der Vergangenheit an. Das «World Radio Switzerland» wurde verkauft.

Swissinfo lebt. Hier dürfen Redaktoren noch ihre Hobbys pflegen. Losgelöst von Aktualitätsdruck vor sich hinwerkeln. In den grossen Topf vorhandener Angebote greifen. Qualitätskontrolle, Ansprüche, Niveau? Nun, sagen wir so: Was für das «Bündner Tagblatt» gut war, kann doch für einen staatlichen Gebührensender nicht falsch sein. Schliesslich ist Bieler nicht die einzige Medienmanagerin mit Graubündner Wurzeln, die Karriere gemacht hat.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Zu den zehn Sprachen, in denen Swissinfo sendet, gehört Rätoromanisch – nicht. Das ist traurig, trist, trest und truli.

Buebetrickli mit UKW?

Radiopionier Roger Schawinski feierte einen Etappensieg. Aber jetzt schlägt die Staatsbürokratie zurück.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Man soll einen alten Piraten nie unterschätzen. Im Alleingang brachte er eine Petition mit über 60’000 Unterschriften auf den Weg. Damit kippte Roger Schawinski die Absicht, in der Schweiz die Ausstrahlung per UKW demnächst abzustellen.

Das hatten die Beteiligten, also SRG, BAKOM und die Vereinigung der Privatradios, so untereinander abgekartet. Die Privatradios stimmten zu, weil ihnen dafür als Zückerchen erlassen wurde, sich nochmals um ihre Konzessionen bewerben zu müssen. Nur einer verweigerte damals sein Einverständnis. Na und, sagten sich die übrigen Privatradios, Schawinski lebt halt in der Vergangenheit, wir in der Zukunft.

Seither sangen sie das Hohelied der Abschaltung, die DAB-Technologie sei ein prima Ersatz dafür, zudem koste die Fortführung der UKW-Ausstrahlung ein Gewehr oder sogar zwei; der Präsident der Privatradiovereinigung sprach sogar von einem «mehrstelligen Millionenbetrag», der eingespart werden könnte.

Auf Nachfrage von ZACKBUM, wie er denn auf diese Zahl komme, drückte er aber auf die Räuspertaste und ging spontan in eine Sendepause. Unhöflich und inkompetent, auf eine Bitte um Stellungnahme nicht einmal mit einem «rauch’s dir» zu reagieren.

Viele gute Kräfte sind gegen eine UKW-Abschaltung

Die beiden ehemaligen Medienminister Moritz Leuenberger und Doris Leuthard, unter deren Regie die Abschaltung beschlossen worden war, schlugen sich hingegen auf die Seite Schawinskis und verlangten einen Marschhalt.

Denn Tatsache ist: DAB oder DAB+ ist kein sinnvoller Ersatz. Für diese Technologie spricht lediglich, dass sie mit Dutzenden von Steuermillionen gepusht wurde. Die bittere Wahrheit ist aber: UKW wird dereinst vom Internet-Empfang abgelöst werden. DAB+-Empfangsgeräte werden dann genauso zu Elektroschrott wie zuvor die DAB-Empfänger.

Nun schaffte es Schawinski, die beschlossene Abschaltung zumindest aufzuschieben. Ein Triumph, aber so schnell geben sich Beamte natürlich nicht geschlagen. Schliesslich hat das für Konzessionen zuständige Bakom jahrelang in Abstimmung mit der SRG diese DAB-Technologie promotet – inzwischen in ganz Europa alleine auf weiter Flur.

Nun versucht es das Bakom offenbar mit einem Buebetrickli. Wie Schawinski auffiel, fehlt in der Vernehmlassung für das neue Konzessions-Konzept für Privatradios ein entscheidender Punkt: die Erwähnung der Verbreitungstechnologien.

Immer noch im Kämpfermodus: Roger Schawinski.

Auf Deutsch und auf Nachfrage räumt das Bakom ein, dass es neuerdings ab Anfang 2025 UKW nicht mehr geben soll. Punkt. Warum? Darum.

Obwohl kaum die Hälfte aller Autos in der Schweiz mit DAB-Empfängern ausgerüstet sind, obwohl es noch mindestens sieben Jahre dauern wird, bis für die Verkehrssicherheit nötige 90 Prozent DAB empfangen könnten.

Es gibt einen peinlichen Grund für dieses Verhalten

Der einzige Grund für dieses Buebetrickli liegt auf der Hand. Würde das Bakom, wie es vernünftig wäre, die Abschaltung von UKW flexibel so handhaben, dass sie erst erfolgt, wenn eine allgemein verwendete Ersatztechnologie vorhanden ist, dann würde das bedeuten, dass diese via 5G und VoIP erfolgt. Nicht mehr über DAB+.

Das wiederum würde bedeuten, dass zum zweiten Mal alle Käufer solcher Empfangsgeräte Elektroschrott entsorgen dürften. Und das wiederum würde offenkundig machen, dass sich das Bakom, zusammen mit der SRG, einen multimillionenteuren Flop geleistet hat.

Obwohl dafür kein einziger Sesselfurzer persönlich zur Verantwortung gezogen würde: das mag der Beamte nicht. Das würde an seiner Selbsteinschätzung kratzen, dass er vielleicht nicht der Schnellste und Hellste ist, aber dafür korrekt, akkurat und verantwortungsvoll. Keinesfalls ein Verschwender von Steuergeldern und keinesfalls der Schuldige dafür, dass Millionen von Empfangsgeräten entsorgt werden müssen.

Nach der gewonnenen Schlacht ist vor der nächsten

Schawinski muss schon wieder zur Attacke blasen, denn: «Eine inhaltliche Begründung» für die Abschaltung 2025 lieferte das Bakom nicht.

«Damit aber will sich das zuständige Bundesamt schon wieder in die Büsche schlagen. Zuerst taten sie das mit dem Hinweis auf eine «Branchenvereinbarung», die dann grandios kollabierte. Jetzt im Hinblick auf die Neukonzessionierungen.»

«Dagegen gilt es nochmals anzutreten», ruft Schawinski auf persoenlich.com zum neuerlichen Gefecht.

Wofür sind die Mainstream-Medien eigentlich noch gut?

Immer fragwürdiger wird hier die Informationspolitik der grossen Verlegerclans. Vor allem Wanners CH Media verfügt über eine nette Kollektion privater Radio-Stationen. Nach einer eher unglücklichen Intervention von Wanner Junior herrscht hier Schweigen. Schawinski, Petition, Verschiebung des ursprünglich beschlossenen Termins zur Abschaltung?  Ach, war da was?

Schlimmer noch: Das Referendum gegen das verabschiedete Mediengesetz ist zustande gekommen.

Die Agentur SDA waltete ihres Amtes und machte eine Meldung daraus. Alle grossen Medienkonzerne der Schweiz beziehen ihre Artikel von der SDA. Hier handelt es sich zudem um ein Thema, das sie unmittelbar betrifft. Schliesslich sollen ihnen eine Milliarde Steuerfranken zugehalten werden. Darüber muss nun im Februar 2022 abgestimmt werden. Aber: Schweigen im Blätterwald. Vierte Gewalt, Informationsauftrag, wichtig, seriös, Qualität? Pipifax.

UKW als Nostalgie-Funk. Hätte CH Media gerne.

 

Der Stuka-Semit

Wo Antisemitismus sein hässliches Haupt erhebt, da ist David Klein. Und verstärkt ihn.

«Da muss man nicht lange werweissen, was der kleine Adolf in der Familie Muschg über Juden zu hören bekam. Und mal ganz ehrlich: Wer tauft seinen Sohn 1934 noch auf den Namen Adolf?»

Wer sich zum Thema Israel oder Juden äussert, bekommt es früher oder später mit David Klein zu tun. Ausgerüstet mit ausgeliehener Opferrolle («2 meiner Urgrosseltern wurden in Auschwitz ermordet, 2 begingen Selbstmord, weil sie nach Auschwitz deportiert werden sollten»), ist Klein immer dann zur Stelle, wenn es gilt, mit masslosen, geifernden, meistens faktenfreien Verleumdungen und Rüpeleien angebliche Antisemiten zur Strecke zu bringen.

Wer Antisemit ist und wie sich das äussert, das entscheidet auf der ganzen Welt nur einer: David Klein. Sein Urteil kann nicht appelliert werden, als rächender Stuka-Semit muss er es auch nicht begründen. Davor salvieren ihn seine Urgrosseltern. Was für eine unanständige Gebrauchsleihe eines Schicksals, das Kleins Argumente weder besser, noch schlechter macht.

Was mit meinen Urgrosseltern geschah, was meine Eltern taten oder nicht taten, kann sicherlich Thema einer Betrachtung sein. Was aber garantiert überhaupt keinen Zusammenhang damit hat: ob meine Diskussionsbeiträge, Überlegungen damit richtiger, wichtiger, unbestreitbarer werden. Natürlich werden sie das nicht.

Am liebsten pinkelt er weit entfernte Ziele an

Am liebsten macht er sich über Organisationen oder Personen her, die weit genug weg sind, um ihn gar nicht zur Kenntnis zu nehmen. Zu seinen grossen Feinden gehört die UNRWA, das Hilfswerk der UNO für Palästina-Flüchtlinge. Das unterstütze die «Indoktrination von Kindern zu Hass auf Juden». Schlimmer noch: die UNRWA werde «mit 600 Millionen CH-Steuerfranken durch das EDA finanziert».

Obwohl der UNRWA «struktureller Antisemitismus nachgewiesen» werde, «UNRWA-Lehrer leugneten den Holocaust und zelebrierten Adolf Hitler». Das gehört zu Kleins Standard-Repertoire, immer mal wieder variiert und neu dargeboten, wo man ihn lässt. Zurzeit lässt man ihn im «Nebelspalter». Dessen Chefredaktor Markus Somm glänzt neuerdings selbst mit absurden Theorien zu den Ursachen der neusten kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Die jüngste Offensive habe die Hamas deswegen starten können, weil US-Päsident Biden den Würgegriff seines Vorgängers Trump um den Iran gelockert habe. Klein begleitete Somm auch schon in dessen Zeiten als Chefredaktor der BaZ. Allerdings variierte Klein damals seine Anschuldigung so: Er warf dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (Heks) vor, es habe Spendengelder veruntreut, indem es antisemitische Aktionen fördere. Das Hilfswerk «unterstützt Antisemitismus», holzte Klein.

Das war faktenfreier Unsinn. Nachdem sich die BaZ unter Somm weigerte, eine Richtigstellung abzudrucken, klagte das Heks – und bekam auf ganzer Linie recht.

Diese Niederlage hat Klein bis heute nicht verwunden; mit immer massloseren Schmähungen zeigt er das:

«Freisler, Himmler oder Hitler haben den Holocaust nicht durchgeführt, sondern die Millionen deutscher Christen, die in den KZs, in der SS und Wehrmacht Dienst taten, ihre Nachbarn denunzierten etc. Und heute führt das HEKS und viele andere diese Ideologie fort.»

Das ist nun nicht einfach mehr masslos, bodenlos, haltlos. Heks führe die «Ideologie» des Nazi-Scharfrichters Freisler, des Organisators des Holocaust Himmler und des Jahrhundertverbrechers Hitler fort? Ich habe zwar einen Doktor, bin aber kein Arzt.

Klein wütend gegen jeden (und jede)

Kleins immer unbändigere Hass richtet sich nicht nur gegen Institutionen, sondern natürlich auch gegen jeden, der es wagen sollte, an Juden oder Israel Kritik zu üben. Dagegen hat Klein den Straftatbestand Judenlästerung erfunden. Er selbst ist dabei Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person. Wobei das Urteil von vornherein feststeht: Antisemit. Judenhasser.

Alles Judenhasser, von links bis rechts. «Obsessive Israelkritik der WoZ überschreitet regelmässig die Grenze zum Antisemitismus», Res Strehle «diffamiert in der WoZ Juden, im Dienste des Grosskapitals zu sein». SP-Nationalrat Carlos Sommaruga «hasst Israel», nau.ch lässt ihn «unwidersprochen behaupten, Gaza sei ein Gefängnis». «Die «nazifreien» linken Antisemiten und Israelhasser von @baselnazifrei demonstrieren für antisemitische Palästinenser». Hamas hasst die Juden, «so wie SRF offensichtlich auch. Anders ist diese Hetze gegen Israel nicht erklärbar».

Auch «20 Minuten» zieht immer wieder den Zorn des Antisemitismus-Detektors Klein auf sich: «Nochmals, @GaudenzLooser: so geht das nicht.» Schon im nahen Ausland ist man vor Kleins Schlammbädern nicht sicher. Die stv. Chefredaktorin der «Süddeutschen Zeitung», die «Nachfolgezeitung des NS-Hetzblatts «der Stürmer», die kein Wort Hebräisch» spreche, schwafle von Israelis, die «mit Stiefeln über Gebetsteppiche stampfen».

Wer versucht, sich mit Klein auf eine Debatte einzulassen, könnte genauso gut mit einem Blinden und Tauben über die farbige Aufführung einer Wagner-Oper debattieren.

So fragt die Autorin einer NZZ-Reportage nach, wieso ihr Klein «Lügen» und «Verbreiten von Gerüchten» vorwerfe. Er solle doch sagen, was er damit meine, dann könne sie ihm antworten. Sonst sei das kein Beitrag zur «Diskussionskultur». So aber nicht mit Klein, da schäumt er: «Zur «Diskussionskultur» trägt vor allem die Verbreitung von Lügen und Gerüchten über Juden und Israel nichts bei, ausser das Schüren von Antisemitismus. Das praktizieren Sie seit Jahren, wie seinerzeit der Israelhasser Martin Woker. Ich hatte gehofft, das wäre bei der NZZ vorbei.»

Das sind seine Kurzrülpser auf Twitter, wenn man ihm Platz für längere Stücke gibt (was nicht einmal mehr Audiatur gerne tut), dann wird er noch massloser. Muschg? Ist «doch ganz einfach: Adolf Muschg hat ein Problem mit Juden. Hatte er immer schon.» Deshalb eilte er Martin Walser «nach seinen unsäglichen antijüdischen Ausfälligkeiten zu Hilfe und stand Waffen-SS-Mitglied Günter Grass bei.» Solchen Stuss darf Klein im «Nebelspalter» absondern.

Schweizer Steuerzahler unterstützen islamistischen Terrorismus

Und immer wieder die angebliche Finanzierung von Terrororganisationen gegen Israel mit Schweizer Steuergeldern, obwohl Klein nach seiner Erfahrung mit HEKS da gerne etwas allgemeiner bleibt. Verbündete hat Klein eigentliche keine. Der Schweizerisch Israelitische Gemeindebund hat «mutlose Funktionäre», die «mit ihrer weinerlichen Entschuldigungsforderung als Ritter der besonders traurigen Gestalt daher» kämen. Das deswegen, weil die offenbar nicht drakonische Bestrafungen von Muschg und allen Beteiligten fordern, die ihn das Wort «Auschwitz» in den Mund nehmen liessen, ohne ihn ultimativ und sofort zu Abbitte, Reue und Kniefall aufzufordern.

Das verweigert auch die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, die Klein schon mal den «Amtskollegen Hitler» an die Seite stellte. Das traut er sich nicht mehr zu wiederholen, aber diese Schmähung an Merkel schon, die bewege sich «alljährlich auf den braunen Hügel zu Bayreuth, um bei Judenhasser Wagner auf dem Roten Teppich zu tänzeln, kichernd wie ein Backfisch.» Das sei «staatlich vorgelebte Relativierung von Antisemitismus». Nicht nur deshalb schrieb Jürg Altwegg im Feuilleton der FAZ völlig richtig über Klein: «Der Mann ist als Rassist bekannt.»

Nicht alles, aber das meiste, was Klein öffentlich äussert, ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Oftmals wagen seine Opfer keine Gegenwehr, weil sie sich nicht auf eine eskalierende Schlammschlacht einlassen wollen, bei der Stuka-Semit Klein sich beliebig steigert bis zum Diskant. Er profitiert davon, dass bis heute in Deutschland – und weniger stark in der Schweiz – das Etikett Antisemit, Judenhasser peinlich vermieden werden will.

Klein, und seinen weniger radikalen Gesinnungsgenossen, die bei jedem von ihnen als Judenlästerung empfundenen Wort sofort eine geistige Nähe zu SS-Schergen an der Rampe von Auschwitz denunzieren, die Solidarität mit tatsächlichen Judenhassern, die Unterstützung von Terrororganisationen wie der Hamas unterstellen, wollen jede Debatte über israelische Politik unterbinden.

Wer dabei einen solchen Header bei Twitter verwendet:

 

der ist nicht nur geschmacklos, unappetitlich, sondern vor allem selbst Vertreter einer Cancel Culture, die Muschg völlig zu Recht als Vorläufer einer Entwicklung, die mit Auschwitz enden kann, kritisierte. Dass Klein dieser schreiende, geradezu aberwitzige Widerspruch nicht auffällt, ist bedenklich. Mit Methoden, die aus dem gleichen Schoss krochen, aus dem diese Naziverbrecher entsprangen, will er deren moderne Wiedergänger denunzieren. Um damit eine Wiederholung zu verhindern.

Dass er selbst damit als Jude Antisemitismus Vorschub leistet, wie es kaum ein rechtsradikaler Schreihals kann, ist die unerkannte, aber tiefe Tragödie seines Lebens. Es stünde auch Markus Somm gut an, Klein endlich vor sich selbst zu schützen. Das gehört zu den Aufgaben eines verantwortungsbewussten Chefredaktors.

Schamlose SRG

Ein Elefant lässt sich nicht so schnell aus dem Tritt bringen. Die SRG ist ein Elefant.

Medienwandel, Spardruck, auch bei der SRG gibt’s Entlassungen? Das «Fallbeil vom Leutschenbach» macht ihrem Übernamen alle Ehre? Der Generaldirektor Gilles Marchand hat die Affäre beim welschen Ableger der SRG, dessen Chef er war, nur knapp überlebt?

Na und? Kein Grund, im Geschäftsbericht für 2020 keine Jubelarien anzustimmen. Schön gemacht, bunt, viele bunte Bilder, Grafiken, Illustrationen. 215 Seiten, alles wunderbar im Staate SRG.

Höchstwahrscheinlich wurde auch die Anzahl weiblicher Mitarbeiter im Foto mit den männlichen korreliert und ins Verhältnis eins zu eins gesetzt. Man könnte höchstens meckern, wieso die anderen ca. 164 offiziellen Geschlechter nicht genügend berücksichtigt wurden.

Ist jemand in einer Gesprächssituation mit anderen fotografiert und trägt keine Maske, dann wird vorsorglich darauf hingewiesen, dass diese Aufnahme vor Corona gemacht wurde. Also korrekter, transparenter und ausgewogener kann so ein GB nicht erstellt werden.

Ab Seite 114 widmet sich der SRG-GB den «Mitarbeitenden», genauer «unserer Verantwortung für die Mitarbeitenden». Frauenförderung, prozentuale Vertretung weiblicher Mitarbeiter, Lohnspanne (unter 1 zu 10!), alles transparent, alles paletti.

Irgendwann geht es um Kohle, natürlich

So robbt man sich auf Seite 130 vor; «Vergütung Verwaltungsrat SRG» und Vergütung der Geschäftsleitung. Auch hier herrscht Transparenz. Die Total Compensation wird aufgeführt, man muss nicht wie bei Banken auf den 650 Seiten noch alle versteckten Incentiv- und Bonus-Programme finden und dazuzählen.

Der VR-Präsident verdiente 2020 für ein 50-Prozent-Pensum 153’300 Franken, ein VR für ein 20-Prozent-Pensum 45’428 im Schnitt. Medienprofis wie die Leser hier können sicherlich alle Namen ohne zu stocken aufsagen, nicht wahr?

Der Generaldirektor Gilles Machand kassierte 532’857 Franken, die übrigen GL-Mitglieder rund 390’000 Franken im Schnitt. In den Geschäftsleitungen der Unternehmenseinheiten waren es rund 260’000 im Schnitt. Ist das viel, ist das wenig, ist das zu viel?

Es ist auf jeden Fall elefantös. Denn in dieser Einkommensklasse hat die Höhe des Salärs nur mehr sehr wenig mit der Leistung zu tun. Genauso wenig wie in der Führungsetage von Banken. Es geht hier auch um Statussymbol, um das Signal: wir sind das auch wert. Allerdings: wie bei Banken ist es natürlich so, dass es Gebrüll gibt, wenn das Ergebnis schlecht ausfiel, gespart und entlassen wird, während auf der Teppichetage jede Menge Flops geboren und gesäugt werden.

Wieso sollen Elefanten sensibel reagieren?

Da könnten sich Mitarbeiter, Öffentlichkeit und Politik eine etwas sensiblere Reaktion vorstellen als: Ich, Lohnverzicht? Gohts no? Schliesslich habe auch jeder Mitarbeiter grosszügig eine Extra-Geschenk von 200 Franken erhalten. Richtig, fürs grosse Engagement, und macht Euch eine schöne Woche damit. Nun ja, einen schönen Tag. Oder vielleicht halt eine schöne Stunde.

Vorbild? Selbst weisse Weste Urs Rohner verzichtete bei der Credit Suisse auf seinen Bonus? Na und, wir sind hier doch bei einem Staatsbetrieb. Pardon, bei einem gebührenfinanzierten, staatsunabhängigen Sender. Da ist der Geschäftsgang doch sowieso nicht dermassen wichtig. Gewinn, Verlust, was soll’s. Also muss doch auch bei den Gehältern ganz oben gelten: was soll’s.

Das ist letztlich so wie früher bei einer GV einer Grossbank. Die vorne anwesenden Mitglieder der GL und des VR wussten: das kann ein langer Tag werden, bis sich der letzte Kleinaktionär ausgeschimpft hat. Trotz Redezeitbeschränkung und allem. Aber: einmal im Jahr, normalerweise, es geht vorbei. Und dann kann man sich wieder darum kümmern, wie man all das viele Geld, dass man zwar nicht verdient, aber kassiert, ausgibt.

Und bei der SRG? Falsches Signal, Leistung muss sich lohnen, Sozialneid, verdient ist verdient? Mag alles sein. Nur: so als Geste 10 Prozent des dann immer noch üppigen Einkommens, ach, damit die Kaviarbüchsen nicht kleiner werden müssen, 5 Prozent des Jahreslohns in einen Solidaritäts-Irgendwas-Fonds? Nützt nix, bringt nix, Symbolpolitik? Auch das mag alles sein.

Aber es würde dem Image, Renommee, dem Vertrauen und vielen anderen positiven Dingen sehr gut tun. Aber Elefanten nehmen solche Mückenstiche nicht einmal wahr. Genauso wenig, wenn sie mit dem Hintern das wieder einreissen, was sie mit dem Rüssel aufzubauen versuchen.

Im Gegensatz zu Elefanten haben aber alle Mitglieder der obersten Führung die Befähigung zur Selbstreflexion. Sie können ihre Wirkung analysieren. Sogar, wirklich wahr, selbstkritisch werden. Einsicht zeigen (nicht heucheln). Können, könnten, sollen, sollten. Hätte, hätte, Fahradkette, wie Nathalie Wappler sicher in Deutschland gelernt hat. Und Scham gehört nicht zu den Kernkompetenzen von Menschen, die sich bis nach oben durchgeboxt haben.

 

 

Wappler und das Papperlapapp

Was kann Natalie Wappler? Falsche Frage. Was ist Wappler? Richtige Antwort: eine Frau. Sonst noch Fragen?

Der Genderwahn macht vor nichts Halt. Als Natalie Wappler im März 2019 ihre Stelle als neue Direktorin von SRF antrat, seit 2020 zudem als stellvertretende Generaldirektorin SRG, waren die Medien des Lobes voll. Frau, Führung, Erfahrung, strategische Kompetenz, genau das Richtige in Zeiten des Wandels.

Rainer Stadler, damals noch amtierender Medienredaktor der NZZ und als unkaputtbar geltend, verteidigte Wappler sofort, als ihre Aussage, der Schweizer Gebührensender solle «keinen Meinungsjournalismus machen», für Aufregung unter den meinungsstarken Mitarbeitern sorgte.

Im August 2020 kommentierte Stadler noch das «Transformationsprojekt», das Wappler enthüllt hatte. Mehr Digitales, weniger Lineares, war ihr Schlachtruf. Stadler legte noch den Finger auf das grosse Problem: umso digitaler SRF wird, desto mehr kommt der milliardenschwere Koloss ins Gehege mit den privaten Verlegern, da er sie immer deutlicher konkurrenziert.

Friede, Freude, aber kein Eierkuchen

Danach passierte Stadler das, was auch immer mehr SRG-Mitarbeiter zu fürchten begannen: Er war Geschichte, abserviert, Ende Medienkritik. Heute zur Lachnummer verkommen, wenn der Pensionär Felix E. Müller, die schreibende Sparmassnahme, sich selber widerspricht.

Verbirgt sich hinter diesem Lächeln das «Fallbeil vom Leutschenbach», wie Wappler genannt wird? (Screenshot SRF)

Es blieb einigermassen friedlich, bis Wappler die übliche Leier anstimmte: Umbau geht nicht ohne Abbau, alte, ans Lineare gewöhnte (und üppig bezahlte) Mitarbeiter können sich vom ruhigen Arbeiten in der geschützten Werkstatt bis zur Pensionierung verabschieden. Dieser Angriff auf fast verbeamtete Mitarbeiter sorgte für ersten Unmut.

Dabei hielt Kurt. W. Zimmermann völlig richtig fest: «Jeder Journalist wird bei der SRG von genau 1,97 Mitarbeitern aus dem Backoffice betreut.» Da gäbe es gewaltig Sparpotenzial. Aber nicht mit Wappler; sie weiss, dass man die Maschine nicht verärgern darf, wenn man sicher auf dem Stuhl sitzenbleiben will.

Nach der Abstimmung Kreide gefressen, inzwischen vergessen

Nach der historisch knappen Annahme des neuen Radio- und TV-Gesetzes mit 50,08 Prozent, gab sich die SRG noch einsichtig, schliesslich sei sie ja die «idée suisse» und sollte tun, was die Privaten nicht tun. Zum Beispiel gut gemachte Regionaljourrnale. Aber Wappler will die Konzentration auf Prime Time und Rückeroberung jüngerer Konsumenten durchs Digitale.

Schwächung, Abbau, Konzentration

Also werden die Regionaljournale geschwächt, Nischenthemen wie Philosophie, Religion, Literatur zusammengeholzt; in Randzeiten will das teure TV billig Radiosendungen einfach abfilmen. Die neue Alternative zum Testbild. Eher wahllos oder nach Belieben, sicher nicht aus finanziellen Motiven, wurden oder werden Sendungen wie «Schawinski», «Eco», «Sportaktuell» oder «Einstein spezial» gekippt.

Bei Roger Schawinskis Talkshows scheiden sich die Geister. Für die einen – auch für mich – eine muntere Balgerei, bei der (fast) alles erlaubt ist, um das Wort zu erobern, für andere eine unerträgliche Selbstdarstellung. Aber eigentlich alle sind sich einig, dass «Gredig direkt» peinlich direkt ins weichgespülte Nichts führt.

Der Stellenabbau bei SRF ist dabei eher ein Stellenaufbau, wie ZACKBUM bereits durchgerechnet hat. Dennoch glänzt SRF weiterhin mit Sendungen, die schlichtweg eine Einschaltquote von null haben. Das schaffte sonst nur CNN Money Switzerland, dass vor und hinter den Kameras mehr Zuschauer vorhanden waren als draussen im Lande. Schliesslich verheddert sich Wappler noch im neuen Kerngebiet. Play Suisse zeigt bedenkliche Schwächen beim Datenschutz, was das eigentlich völlig überflüssige Login betrifft.

Weg mit alten Zöpfen, aber wo wachsen neue Haare?

Nun könnte man sagen, dass es halt bei Umwälzungen immer etwas rumpelt, wenn eingefahrene Strukturen, Pfründe, Gewohnheiten aufgebrochen werden. Das mag so sein, aber: weg mit dem Alten ist ein guter Schlachtruf, allein, wo bleibt das Neue?

Multimedial und Multichannel, dieser Schlachtruf hat schon einen längeren Bart als der Weihnachtsmann. Aber alles Gequatsche von «Konsument dort abholen, wo er ist», «Sendungen anbieten, wenn er Bock darauf hat», und natürlich unvermeidlich: «das muss man heute einfach so machen», das ist das eine.

Das andere: wo bleibt das Innovative? Der neue Content? Der Inhalt für «idée suisse», die sorgfältig gemachte Reportage (nein, nicht zusammen mit anderen und abgekupfert), die hintergründig aufgearbeitete Erklärung von brennenden Themen? Die grossartige Synergie zwischen verschiedenen Kanälen, so oberhalb von «Näheres finden Sie auf srf.ch oder unserer App»?

Ist Wappler wirklich «die Medienmanagerin des Jahres»?

Die Umbenennung von «Glanz & Gloria» in «Gesichter & Geschichten» (da musste man dann kein neues Logo basteln) reisst es auch nicht raus. Vor allem, weil SRF auf diesem Gebiet weiterhin das Niveau einer Amateurliga ausstrahlt. Durch eine verfilmte, etwas rustikale Provokation des Mäzens und Kunst- sowie Frauenliebhabers Peter Buser verlor der HC Davos eine Spende von 12 Millionen Franken. Bereits überwiesene 3 Millionen will Buser nun zurückhaben,  ausserdem fordert er von SRF das gesamte Filmmaterial heraus.

Die verkürzte Darstellung aus 40 Minuten Material verfälsche seine Aussagen und stelle ihn als «menschenverachtende Person» dar. Inzwischen freut sich der Gebührenzahler darüber, dass SRF Anwälte mit der Sache befassen muss. Ein Detail? Nun, ein Gesamtbild besteht immer aus vielen Details. Und hier ergibt sich daraus kein schönes TV-Bild.

SRG zahlt 250 Franken pro Mitglied

Rezept gegen Mitgliederschwund.

Am Ende ist die SRG SSR nur ein Verein. Aber mit stolzen 22‘500 Mitgliedern. Und die fördern angeblich «den öffentlichen Dialog über die audiovisuelle Zukunft der Schweiz und engagieren sich für einen unabhängigen medialen Service public.»  22‘500 ist eine stolze Zahl. Und eine politische. Denn ohne Mitglieder werden die Statuten der SRG nicht erfüllt. Die Frage ist: Warum wollen 22‘500 Menschen nebst den Gebühren auch noch Vereinsgebühren für die SRG bezahlen?

Die Antwort: Weil die meisten ausser einer einmaligen Gebühr jahrzehntelang nichts bezahlen müssen. In anderen Worten: weil sie Karteileichen sind.

Beispiel Zürich Schaffhausen: Mitglieder zahlen nur einmal im Leben, und zwar 50 Franken. In den Jahren 2014-2019 stieg die Mitgliedszahl der grössten Sektion folglich von 5261 auf 5419.

In der Sektion Zentralschweiz hingegen sank die Zahl von 3927 Mitgliedern (2015) auf 2675 (2019). Ein Mitgliederschwund von über 1000 in knapp vier Jahren? Nun, die Mitglieder müssen hier eben jedes Jahr bezahlen.

Aber welchen Gegenwert kriegen die SRG-Mitglieder für  ihr Engagement für einen «unabhängigen medialen Service public»? Bitte angurten: Das Heft «Link», welches online frei verfügbar ist und Betriebsführungen. Der Schreibende erinnert sich nicht so gerne an die vielen Besuchergruppen, die in die Redaktionsräume eindrangen und dumme Fragen stellten.

Seltsamerweise finanzierte die SRG die Sektion Zürich Schaffhausen 2019 mit 110‘000 Franken. Die Sektion Ostschweiz mit fast fünfmal weniger Mitgliedern (1118) aber kriegte 285‘000 Franken.  In anderen Worten: Die SRG finanzierte jedes Mitglied aus der Ostschweiz mit über 250 Franken. Da lag dann auch ein Reisli nach Bundesbern drin.

 

 

Das «Päckli» von Gilles Marchand und Nathalie Wappler

Die SRG schweigt Sexismusdebatte im eigenen Magazin tot.

«link» heisst das Mitarbeiter- und Mitgliedermagazin von der SRG Deutschschweiz. Der Namen ist wohl abgeleitet vom englischen «link» für Verknüpfung. Oder «Das Glied einer Kette». In der aktuellen Dezemberausgabe ist das «Glied» – um diese zugegebenermassen mittel originelle Brücke zu schlagen – aber in keinerlei Hinsicht ein Thema. Obwohl die SRG-Führung wegen dem Star-Moderator Darius Rochebin vom Westschweizer Fernsehen (RTS) und seinen im Raum stehenden sexuellen Übergriffen arg unter Druck steht. Was viele SRG-Mitarbeitende beschäftigt, wird totgeschwiegen. Doch der Reihe nach.

«Keine Kenntnis gehabt»

Rochebin soll seine berufliche Stellung und sein Ansehen ausgenutzt haben, um zu Sex zu kommen. Ein weiterer Kadermitarbeiter sei ebenfalls übergriffig geworden, und «alle hätten davon gewusst». Darum forderten 550 Mitarbeitende von RTS, immerhin gut ein Drittel der ganzen Belegschaft, in einer Petition die Absetzung der beiden Kaderleute und eine externe Untersuchung. Und was hat das mit der SRG zu tun? Der heutige SRG-Generaldirektor Gilles Marchand war von 2001 bis 2017 RTS-Direktor. Gegenüber watson.ch sagte die SRG-Medienstelle, Marchand habe von den falschen Facebook-Profilen Rochebins, nicht jedoch den Vorwürfen der sexuellen Belästigung Kenntnis gehabt. Sein Nachfolger als RTS-Direktor habe im Herbst 2017 «Massnahmen gegen Rochebin bezüglich der Einhaltung der Berufsregeln» ergriffen, über die Marchand informiert worden sei. Nun fordern kritische SRG-Angestellte und Mediengewerkschaften gar den Rücktritt von Marchand.

Ladina Heimgartner als Nachfolgerin?

Felix E. Müller gab kürzlich in der NZZaS noch einen drauf und brachte Ladina Heimgartner als Nachfolgerin ins Spiel. Sie ist seit gut einem Jahr bei Ringier, vorher arbeitet sie lange bei der SRG. Sie hat einige Vorteile gegenüber Marchand. Sie ist eine Frau, sie ist in der rätoromanischen Schweiz aufgewachsen. Und sie ist erst 40-jährig. Das ideale Alter, um den angestrebten «Transformationsprozess» der SRG auch durchzuziehen. Sprich, mehr digital, weniger Gewicht auf linear ausgestrahlte Sendungen.

«Lassen Sie mich das erklären»

Aber was hat das nun mit dem SRG-Heftli zu tun? Viel und nichts. Denn das Thema Rochebin-Sex-Marchand ist auch in Leutschenbach allgegenwärtig. Viele Mitarbeitende sind sauer, wie die SRG und demzufolge auch SRF das Problem angehen. Man bekommt den Eindruck, wie wenn die Chefs einander decken wollten. Aussitzen lautet die Devise. Dass in den nächsten Wochen Kündigungen anstehen, spielt dem Kader sicher in die Karten. Wer will schon aufmucken, wenn seine Stelle in Gefahr ist? In diese Strategie des Schweigens und Aussitzens passt nun eben die neuste Ausgabe von «link». Kein Wort über das Rochebin-Thema. Kein Wort. Dafür schreibt SRF-Direktorin in salbungsvollen Worten viel und doch wenig Konkretes über das «Transformationsprojekt SRF 2024». «Lasen Sie mich das Prinzip der Transformation am Beispiel der Volksmusik erklären», schreibt die Chefin etwa. Gestelzter geht fast nicht. Und das in einem Mitarbeiterheft, einem internen Produkt von und für Mitarbeitende. Theoretisch. Immerhin erfährt der Laie nebenbei, dass bei SRF heute weniger als 10 Prozent «unserer Mittel ins Onlineangebot fliessen, in einem Jahr sollen es etwa 20 Prozent sein.» Der Verlegerverband wird sich freuen.

Wie eine Programmzeitschrift

Was bleibt sonst vom «link»? Das Heft wirkt wie eine Programmzeitschrift. Der Text «Play Suisse» könnte auch im «Tele» stehen. Ebenso wie die Rubrik «Neu im Programm». Dafür kommen porträtierte Mitarbeiter eher zu kurz. Das Heft wirkt ziemlich unpersönlich, ja fernab von der Basis. Da ist das von zackbum.ch auch schon kritisierte Ringier-Blatt Domo noch um einiges menschlicher. Doch hier wie dort zeigt sich, dass die Chefs das letzte Wort haben. Darum ist im «link» kein Wort zum Thema Sexismus und Darius Rochebin zu finden.

In einer ersten Version wurde «link» als Mitarbeitermagazin bezeichnet. Das stimmt nicht ganz. Es richtet sich neben den Mitarbeiteiterinnen und Mitarbeitern auch an die Mitglieder der SRG. Die Auflage beträgt gut 16000 Exemplare.

Die Morgengeschichte und das Testbild

SRF baut ausgerechnet bei regional gefärbten Gefässen ab. Dafür will es künftig Radiosendungen abfilmen.

Tröpfchenweise dringen die Sparmassnahmen von SRF an die Öffentlichkeit. Dabei ist erstaunlich, wie resolut Chefin Nathalie Wappler an der Sendesubstanz schrauben will. Von Sparmassnahmen bei der Verwaltung oder bei gemieteten Bauten, etwa im teuren Meret-Oppenheim-Hochhaus in Basel für die Kulturabteilung, ist nichts bekannt. Der Medienkritiker Kurt W. Zimmermann bringt das Thema Personal treffend auf den Punkt: «Jeder Journalist wird von genau 1,97 Mitarbeitern aus dem Backoffice betreut. Bei der SRG arbeiten, auf Vollstellen umgerechnet, 1850 Journalisten. In der Bürokratie und in der Technik hingegen arbeiten 3650 Köpfe.» Für Zimmermann ist in seinem Weltwoche-Artikel klar: «Das ist Bürokratie aus dem Bilderbuch.»

Fokussierung auf Hauptsendezeiten

Nathalie Wappler, seit März 2019 SRF-Direktorin und seit diesem Jahr auch noch stellvertretende Generaldirektorin SRG, will erstens die Fokussierung auf die Primetime, also die Sendezeit mit den meisten Zuschauern. Denn diese ist bezüglich Werbeerträge am attraktivsten. Und zweitens das Zusammenstreichen der Angebote bei Nischenthemen wie Religion, Literatur oder Philosophie. Diese seien zwar häufig ein Alleinstellungsmerkmal von SRF, erreichten aber nicht unbedingt ein breites Publikum.

Nicht nur Nischenprodukte fallen weg

Bei Thema Literatur trifft es nicht nur Nischensendungen wie «52 beste Bücher», sondern auch die «Morgengeschichte» beim Radio-Flaggschiff SRF 1. Die tägliche Kurzgeschichte von wenigen Minuten Dauer ist oft lustig, manchmal regt sie zum Nachdenken an, teilweise ist sie so schräg, dass man mit einem Lächeln im Gesicht in den Tag startet. Als Autoren, die die eigenen Geschichten auch vorlesen, treten Leute auf wie Linard Bardill, Guy Krneta, Julia Weber, Ferrucio Cainero oder Hugo Rendler. Charakteristisch sind die verschiedenen Dialekte, die einen in den Schwarzwald, ins Tessin oder nach Graubünden versetzen. Schade, wird dieses verbindende Sendegefäss mit jeweils bis zu 500’000 Hörerinnen und Hörern abgeschafft.

Die Schlappe an der Urne von 2015

Die frühere nationale «idée suisse» von SRG scheint vergessen. Auch das 2015 historisch knapp erzielte Ja zum Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) scheint weit weg. Das Stimmvolk hatte das neue Gebührensystem mit lediglich 50,08 Prozent Ja-Stimmen-Anteil angenommen. «Die Forderung ist ja, dass wir das tun, was Private nicht tun können», gab sich der damalige SRG-Direktor Ruedi Matter einsichtig. Fünf Jahre später gilt das offensichtlich nicht mehr.

Regionaljournale mit weniger Präsenz

Interessanterweise zieht sich SRF auch aus der digitalen regionalen Berichterstattung zurück. Bisher konnten die einzelnen Regionaljournale ihre Meldungen, oft bemerkenswerte Recherchierprimeure, in schriftlicher Version im Netz verbreiten. Dies ist nun mehrheitlich vorbei. «Mit dem neuen Konzept verändern wir den Fokus von regionalen Geschichten im Web», lässt sich Stefan Eiholzer in einer Mitteilung zitieren Der Leiter der SRF-Regionalredaktionen: «Wir konzentrieren uns auf weniger, dafür exemplarische Themen.» Durch diese Reduktion sei es möglich, dass Userinnen und User mehr Analysen, Recherchen und Hintergrundberichte als bisher erhalten. «Damit wollen wir den Stellenwert von regionalen Geschichten erhöhen.»

Das Gegenteil wird der Fall sein. Die Regionaljournale werden geschwächt, was immerhin die Lokalzeitungen freuen wird. Denn für einmal baut SRF im Online-Nachrichtenteil nicht aus, sondern ab.

Radiosendungen abfilmen

Eine spezielle Idee verfolgt SRF laut der NZZ bei kostengünstigen Bespielen des linearen Fernsehprogramms in Randzeiten. Man will vermehrt auf das sogenannte «Visual Radio» setzen. Also Radiosendungen oder Podcasts, die gefilmt werden. Von der Radiosendung «Persönlich», einer seit 44 Jahren andauernden Erfolgsstory auf SRF 1, existiert laut Wappler schon eine entsprechende Pilotausgabe. In Frage kommen dazu zum Beispiel auch der Talk «Focus», jeden Montagabend auf SRF 3, oder «Musik für einen Gast» auf SRF 2. Überlegungen gibt’s laut der «NZZ» auch im Informationsbereich oder bei Quizformaten.

(Foto: blog.nationalmuseum.ch)

Im Fernsehen auf SRF zwei gibt’s die Sendung «3 auf zwei» schon heute – jeweils von Montag bis Freitag von 5.55 bis 8.50 Uhr und neu auch von 12.13 bis 14.59 Uhr. Doch wer nicht gerade ein ausgesprochener Fan von statischen Bildern ist mit einem Moderatoren mittendrin, findet das Format eher überflüssig.

Da sehnt man sich fast das gute alte Testbild zurück.

Dieses sendeten TV-Anstalten zu Zeiten, als das Programm noch ausschliesslich zur Primetime gesendet wurde.