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Zahlenzauber bei der SRG

Rechnen mit Susanne Wille.

Nicht nur im Studio Leutschenbach vernimmt man ein neues Geräusch, wenn man genau hinhört: zähneklappern.

Denn nachdem der Zwangsbezahlsender über Jahre nur behauptet hat, jetzt dann mal kräftig sparen zu wollen (während die Payroll sich stetig aufpumpte), muss nun geholzt werden.

Sinkende Einnahmen, Absenkung der Zwangsgebühren auf 300 Franken, und dann noch die 200-Franken-sind-genug-Initiative, da rumpelt es nun doch im Karton.

Mit betroffen-tapferer und mutig in die Zukunft schauender Miene gab Generaldirektorin Wille den Abbau von 900 Vollzeitstellen bekannt. Denn es müssten bis 2029 rund 700 Millionen Franken eingespart werden. Also rund 230 Millionen pro Jahr, bei einem Jahresbudget von 1,56 Milliarden Franken.

«Eine weitere Schwächung würde sich mit Sicherheit negativ auf die Qualität der Programmleistungen auswirken, und zwar in allen Regionen. Zum Nachteil des Publikums», hatte der damalige Generaldirektor noch Ende 2023 gejammert – bevor er zurücktrat.

Ansonsten hatte sich die SRG darauf verlassen, mit dunklen Ankündigungen, dass die Existenz der Schweiz auf dem Spiel stehe, sollte an diesem Riesenbudget zu sehr gesäbelt werden, Schlimmeres verhindern zu können.

Nun ist das Ende also nahe. Oder nicht? Man rechne. Der Durchschnittslohn bei der SRG beträgt rund 110’000 Franken. Plus Arbeitgeberbeiträge, Weiterbildung, Sessel zum Furzen, Kantine und Blüblü. Sagen wir also 150’000 Franken, mindestens.

Spart man 900 weg, fallen dadurch maximal 135 Millionen weg. Noch nicht mal auf einen Schlag, denn natürlich soll dieser Abbau in Stufen erfolgen.

Dann blieben im besten Fall noch 565 Millionen zum Einsparen übrig. Äh.

Dazu hat die Generaldirektorin eigentlich nichts gesagt. Und die Journaille hat auch nicht nachgefragt. Oder sich mit solchen luftigen Antworten zufrieden gegeben: «Wir spannen dort, wo es möglich ist, bei Strukturen, Prozessen und Systemen, schweizweit zusammen.»

Aber natürlich darf und muss Wille bei dieser Gelegenheit wieder den grossen Popanz spazierenführen:

«Die Halbierungsinitiative ist so radikal, dass sie das Ende der SRG, wie wir sie kennen, des heutigen medialen Service public, bedeuten würde»,

jammert sie persoenlich.com ins Hemd.

Der kleine Denkfehler dabei: sollte die Initiative angenommen werden, dann wäre es ja offensichtlich so, dass eine Mehrheit der Stimmbürger genau dieses Ende der SRG, wie sie sich heute präsentiert, wollen.

Weil sie mit dem Angebot, der nur noch rudimentär mit Service public zu tun hat, nicht mehr zufrieden sind. Eine Sitcom in Amateurliga, unverkennbarer Linksdrall bei den Mitarbeitern, wenig Innovation, viel Beharrlichkeit und Behaglichkeit, für jeden journalistisch Schaffenden gibt es zwei Sesselfurzer, das kann es ja wirklich nicht sein.

Aber man wird sehen, ob diese geschickt gesetzte Ankündigung ihre gewünschte Wirkung haben wird. Denn die Botschaft lautet ganz klar: schaut her, was alleine die Absenkung auf 300 Franken alles auslöst. Furchtbar, Katastrophe. Aber das wäre erst das Vorspiel zum Volldesaster, sollte die Initiative angenommen werden.

Manchmal hüllen sich erwachsene Menschen in ein Bettlaken, sagen huhu und erschrecken damit kleine Kinder. Ob das auch beim Stimmbürger funktioniert?

SRG – Sender ruht gut

Hörerschwund im Radio. Na und?

SRF 1, SRF 2 Kultur, SRF 3: täglich eine halbe Million weniger Zuhörer. Insgesamt in allen Landessprachen ein Verlust von fast einem Viertel der Hörerschaft.

Das ist eine Katastrophe – und hausgemacht. Durch die vorgezogene Abschaltung von UKW seit Anfang Jahr. Bei jedem Privatradio würde das für rote Köpfe sorgen – und für Köpferollen.

Aber doch nicht beim Gebührenfunk SRG. Der vermeldet die Zahlen trocken und weist nicht mal darauf hin, dass natürlich die Privaten gewaltig davon profitieren. 188’400 mehr Zuhörer, täglich. Dafür bedankt sich vor allem CH Media, denen inzwischen die meisten Privatstationen gehören. Und auch Ringier freut sich. Endlich mal positive Zahlen bei der Einschaltquote. Die «Blick»-Familie wird ganz neidisch.

Gleichzeitig kündigt SRG mit grossem Trara angeblich gewaltige Einsparungen an. Mitsamt Entlassungen. Dabei sind die Sparmassnahmen in der Höhe von ein paar Millionen lächerlich – im Vergleich zum Jahresbudget von rund 1,5 Milliarden.

Die eigentliche Absicht ist klar: schon die Gebührenreduktion zwingt uns zu schmerzlichen Einschnitten. Stellt euch nur vor, wie schlimm das wird, sollte die 200-Franken-Initiative angenommen werden. Ja nicht.

Für einen Betrieb, der von Kommunikation lebt, ein Trauerspiel. Die ehemalige Nachrichtensprecherin und Kulturredaktorin Susanne Wille zeigt: sie kann’s genauso wenig wie ihr Vorgänger. Es scheint niemand im Haus in der Lage zu sein, eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln,

So sad, würde Trump sagen. Der zwar im zweiten Satz häufig das Gegenteil vom ersten behauptet, aber damit bislang durchkommt.

Die Auftritte und Erklärungsversuche von Wille in den Medien waren zum Fremdschämen. Etwas Manager-Bullshit-Bingo, nicht einmal ein Erklärungsversuch, wieso trotz eisernem Sparwillen mitsamt Stellenabbau die Work Force letztes Jahr fröhlich zugenommen hat.

Keine Erklärung, wieso nicht am Unfug sparen, dass auf jeden journalistisch Arbeitenden bei der SRG zwei Sesselfurzer kommen, die verwalten, administrieren und Akten ablegen.

Kein klares Wort dazu, ob es nun scheibchenweise weitergehen soll – oder vielleicht ein Plan dahinterstecken könnte.

Genau die Methode, mit der man die Belegschaft verunsichert und demotiviert. Zudem: sollte es tatsächlich dann mal zu Massenentlassungen kommen (die einzige Möglichkeit, den grössten Budgetposten abzubauen), was machen dann die Arbeitslosen?

Wer sich nicht in die Frühpensionierung retten kann, wird auf dem RAV und anschliessend in der Sozialhilfe enden. Also nicht mehr dem Gebühren-, sondern dem Steuerzahler zur Last fallen.

Dass Wille für diese lausige Leistung mit über 500’000 Franken im Jahr mehr als ein Bundesrat verdient: nun, es braucht halt attraktive Gehälter, um die Besten zu finden.

Falsche Entscheidung mit katastrophalen Folgen, falsch kommuniziert, anschliessend die Behäbigkeit eines Zwangsgebührenapparats, dem Erfolg am Markt eigentlich schnurz ist.

Roger Schawinski, der alte Pirat, hatte lautstark, mit guten Argumenten und auf allen Kanälen davor gewarnt, UKW abzuschalten. Während die Privatradios, Buebetrickli, durchaus wohlwollend gefasst auf diese Fehlentscheidung reagierten. Denn sie wussten natürlich, dass ihnen das ungeahnte Mengen von Hörern zutreiben wird. Je mehr Hörer, desto höhere Werbeeinnahmen, so einfach ist das.

Also muss man an der meist lausigen Qualität der Inhalte vieler Dudelfunks nicht verbessern. Im Gegenteil, auch hier kann noch durch Zusammenlegungen und Ausdünnung gespart werden. Wenn einem der Platzhirsch ein solches Geschenk macht.

Es ist wohl in der ganzen Radiogeschichte einmalig, dass sich ein Sender freiwillig und ohne Not einfach mal so von einem Viertel seiner Zuhörer verabschiedet. Und ihnen empfiehlt, doch auf DAB+ umzusteigen. Was teuer und letztlich sinnlos ist, weil sich auch dieses Übertragungsmodell dann einmal verabschieden wird.

In den vielen Tunnels der Schweiz gibt es kein UKW mehr. Und am Ende des Tunnels ist kein Licht erkennbar, sondern es bleibt zappenduster.

Muss man mal hinkriegen. Vorausgesetzt, man gehört nicht zu den erbitterten Gegnern des Zwangsgebührenfunks. Die Devise scheint zu sein: wenn wir uns schon verzwergen, dann aber richtig falsch.

Wo eine Wille ist …

… ist auch ein Weg. Zur neuen SRG. Der Spar Radikal Gesellschaft.

270 Millionen Franken will die neue Generaldirektorin bis 2029 einsparen. Das ist selbst bei einem Gesamtbudget von 1,5 Milliarden kein Pappenstiel.

Dieser Betrag würde dem Verzicht auf rund 1000 Vollzeitstellen entsprechen. Das sind allerdings nur 17 Prozent der aktuellen Belegschaft. Da laut Kurt W. Zimmermann bei der SRG auf einen journalistisch Tätigen zwei Sesselfurzer kommen, die sich mit administrativem Kram beschäftigen, wäre das Sparpotenzial wohl noch bedeutend höher.

Die Belegschaft sei erschrocken und ernüchtert, weiss der «Tages-Anzeiger». Was wiederum an ihrer Intelligenz zweifeln lässt, denn nicht zuletzt angesichts der durchaus erfolgsversprechenden «200 Franken sind genug»-Initiative ist es völlig klar, dass Susanne Wille etwas unternehmen muss. Was über die kosmetischen Ankündigungen ihres Vorgängers hinausgeht, der jeweils auch Sparmassnahmen und Stellenabbau versprach – während zusätzliche Stellen geschaffen wurden.

Im Tessin ist die SRG die grösste Arbeitgeberin, wer den Riesenbau des rätoromanischen Ablegers in Chur anschaut, weiss: hier gibt es massig Sparpotenzial. Ein immer monströser werdender Internetauftritt, trotz viel Personal nachlassende Qualität in den News-Sendungen, schon wieder Schlagseite bei der Berichterstattung über die US-Wahlen, immer weniger ernst zu nehmende Dokumentationen, dafür jede Menge Blödel- und Quatsch- und Quizsendungen: Sparpotenzial.

Stammelnde Korrespondenten im Ausland, die nichts Neues kundtun, ein ins Nichts sendender «Club», eine völlig kastrierte «Arena», eine Laues-Lüftchen-Talkshow mit Urs Gredig, Sparpotenzial.

Da wird nun viel von «Service Publique», vier Sprachen, Gleichberechtigung der Landessprachen, Informationsauftrag und Blabla Blüblü die Rede sein, während sich faulenzend verwöhnte Mitarbeiter zum ersten Mal in ihrer Karriere fragen müssen, ob das sanfte Gleiten in die Pensionierung möglicherweise abrupt beendet wird. Und dann wird es ganz bitter: denn wer will schon einen Mitarbeiter der SRG einstellen? Ausser, der ist ein bekanntes Gesicht aus der Glotze, dann eignet er sich als Moderator für Firmenanlässe oder Verkaufsveranstaltungen.

 

 

«Republik» erhöht die Schlagzahl

Kommt halt davon, wenn man auch im Rothaus ZACKBUM liest.

Kaum äussern wir uns kritisch zum verpeilten Blasenorgan der vorbildlichen Lebensart, steigert man dort die Quengelfrequenz und haut dem NL gleich noch einen weiteren hinterher.

Wären wir empfindlich, sensibel, woke, könnten wir uns unwohl fühlen; belästigt, zudringlich umworben, gar gestalkt.

Nun stellt gleich die gesamte «Republik»-Mannschaft unbewiesene Behauptungen auf : «Sie können sicher sein, dass die Republik unabhängig bleibt.» Warum? Weil sie keine Werbung enthalte. Das macht unabhängig? Also sind NZZ, Tagi, Blick und CH Media abhängig? Während Millionärserben als Sugar Daddys der «Republik», ohne deren Millionen es das Blatt nicht gäbe, überhaupt nix zu sagen haben?

Selten so gelacht.

«Die Republik finanziert sich ausschliesslich durch ihre rund 27’000 Abonnentinnen.» Und durch die milden Gaben der Gebrüder Meili, aber so weit reicht dann die Transparenz doch nicht. Auch nicht beim Thema Überschuldung, by the way.

Schliesslich wollen die Republikaner, diese Retter der Demokratie, den geneigten Leser des Bettelmails «Warum wir Ihnen ein Abo verkaufen wollen …» Schritt für Schritt durch seinen Denkprozess führen:

«Sie werden sich aufgrund unserer Avancen fragen: Ist mir der Journalismus der Republik ein Abo wert? Passt dieser Betrag in mein Budget

Das fragt sich der Leser zwar nicht unbedingt, sondern eher, wieso er für diesen Gesinnungsmief überhaupt etwas ausgeben soll, insbesondere, da er ihn zurzeit gratis lesen kann (wenn er denn will). Aber nun kommt sicherlich ein Knaller, ein träfer Spruch, ein Intelligenzbrummer. Nun ja:

«Lassen Sie uns dazu einen (zugegeben) nicht sehr originellen Vergleich anstellen: Eine Tasse Kaffee kostet Sie etwa 5 Franken

Wohl wahr, aber dafür ist der Inhalt auch (meistens) bekömmlich und muntermachend. Im Gegensatz zur «Republik».

Ach, und dann schon wieder ein «reduziertes Einstiegsangebot». Schlappe 222 Franken im ersten Jahr. Statt 240! 12 Franken gespart. Mehr als zwei Kaffees! Also nix mehr «zahl, was du magst»? Nix mehr «schau dir alles gratis an»?

Dann noch etwas rechnen mit «Republik». «Ist Ihnen eine unabhängige Berichterstattung frei von Fake News, Clickbait und Boulevard diese eine Tasse Kaffee pro Woche wert

Dazu liesse sich auch inhaltlich einiges sagen. Stattdessen etwas Arithmetik.  Eine Tasse à 5 Franken pro Woche macht jährlich, Moment, grübel, rechen, kopfkratz, also 260 Franken im Jahr. Das reduzierte Angebot sind aber nur 222 Franken. Kann man dann für 38 Franken Gratis-Kaffee saufen im Rothaus? Will man das?

Und vertraut man den Buchhaltungskünsten einer Redaktion, die nicht mal einfache Multiplikationen beherrscht? Schon mit Selbstmord drohte? Einnahmen und Ausgaben noch nie im Griff hatte?

Dem Kopfsalat am Schluss kann man entnehmen, dass es zurzeit 46 Nasen auf der Payroll geben sollte. Ohne Overhead, versteht sich. Ohne VR. Und vor allem ohne die teuren Berater, die sich das Organ leistet.

Machen wir doch eine andere, einfache Rechnung auf. Würde jeder – angesichts der angeblich weiterhin prekären Lage – auf 1000 Franken seines üppigen Monatsgehalts verzichten, dann kämen pro Jahr, Moment, wo ist der Taschenrechner, mehr als eine halbe Millionen zusammen, genauer 552’000 Franken. Würde man (und frau and everybody beyond) gar auf 2000 Franken verzichten, wäre das erste Budgetziel von einer Million schlagartig erreicht. Zwar nicht durch Einnahmen, aber durch Einsparungen.

«Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!», verabschiedet sich die Redaktion. Bitte sehr, gern geschehen.

 

Sag niemals nie

Auch das Fallbeil vom Leutschenbach kümmert sich nicht um ihr Geschwätz von gestern.

Die Nervosität vor der Halbierungsinitiative steigt. Einerseits fällt SRF durch Fehlleistungen, einseitige Berichterstattung und richtige Kracher ins Aus auf – wie beim hochgezwirbelten Fall eines angeblichen Übergriffs eines Schaffhauser Anwalts.

Andererseits ist der Moloch so ausgewachsen, dass pro journalistisch tätigen Mitarbeiter zwei Sesselfurzer beschäftigt werden. Und dritterseits hat es SRF bislang geschafft, sich jede nationale Privat-TV-Konkurrenz vom Leib zu halten. Selbst Roger Schawinski scheiterte mit seinem «Tele 24».

Nun hat es SRF bislang geschafft, jede Ankündigung von Sparmassnahmen oder Stellenreduktion Lügen zu strafen. Die neuste lautet, dass 75 Vollzeitstellen gestrichen werden. Damit dürften schätzungsweise 10 Millionen Franken eingespart werden.

Allerdings sucht SRF gleichzeitig Dutzende von neuen Mitarbeitern für die Ausrichtung des ESC in Basel. Aber gut, wieso widerspruchsfrei bleiben.

Damit auch der Zuschauer merkt, dass hier gespart wird, bis es quietscht, werden Informationssendungen zusammengestrichen. «Tagesschau» am Mittag und um 18 Uhr: neu «Newsflashs», verfilmtes Radio. Aber natürlich bleibe die Information ein Kernbereich von SRF, widerspricht sich Nathalie Wappler selbst.

Dann wird die Sommerpause ausgeweitet. Auch der «Club» macht neu Pause, nachdem er von Moderatorin Barbara Lüthi ins Zuschauerelend moderiert wurde. Zuschauerdurchschnitt 2020 125’000. 2021 noch 101’000. 2022 klägliche 87’000. Ein Schwund von fast einem Drittel. Das führt nur beim Schweizer Farbfernsehen (oder beim «Blick») nicht zu dramatischen Konsequenzen. Kontroverse Themen werden so behandelt, dass zu kantige Kritiker gar nicht erst eingeladen werden, könnte zu viel Stress für die schnell hektisch werdende Lüthi geben. Aber als Partnerin des Chefs ist sie halt unkaputtbar, wie ZACKBUM enthüllte.

Im Sinne von straffen und schrumpfen hat Wappler auch eine interessante Entscheidung bekannt gegeben: die getrennten Chefredaktionen von Video und audio/Digital werden zusammengelegt. Das ist insofern interessant, als Wappler noch vor fünf Jahren tönte, unter ihr als Direktorin «werde es immer zwei getrennte Chefredaktionen für Radio und Fernsehen geben», wie sie persoenlich.com genüsslich zitiert. Und Nick Lüthi fragte nach, ob Wappler daher als Chefredaktorin zurücktreten werde. Das sei nicht der Fall, knirschte die Medienstelle.

Obwohl sich die SRG eines jährlichen Zustupfes von über einer Milliarde Zwangsgebühren erfreut, dazu noch selbst Werbung generiert, quasi eine nationale Monopolstellung besitzt, ist das Gelieferte oft so amateurhaft und uninteressant, dass auch hier gespart werden muss.

Man könnte sich nun bemühen, mit den üppig vorhandenen Moneten schlichtweg ein interessanteres Fernsehen zu machen. Zum Beispiel Diskussion- und Talksendungen, bei denen der Zuschauer nicht regelmässig wegschnarcht. Wer aber auf Gredig statt Schawinski setzt, eine Lüthi fuhrwerken lässt, keine anständige Late Night Show hinkriegt, eine gelinde gesagt befremdliche Auswahl bei Newsthemen pflegt, in unglaublich aufwendigen Reportagestücken äussert fragwürdigen Thesenjournalismus betreibt und rechthaberisch verteidigt, der muss sich halt über Zuschauerschwund nicht wundern.

Auch hier gilt das Gleiche wie bei Tamedia und CH Media: wenn angeblich die gleiche Qualität und das gleiche Angebot, nur besser, mit viel weniger Mitarbeitern möglich sein soll, dann waren die ja völlig überflüssig vorher. Im Gegenteil, sie standen einer Qualitätssteigerung im Weg.

Also kann man aufatmend feststellen, dass der mündige Staatsbürger zukünftig noch besser, noch nachhaltiger, noch qualitativ hochstehender informiert werden wird. Das garantieren Nathalie Wappler und Simon Bärtschi und Steffi Bucheli. Ehrenwort.

Wunder an der Werdstrasse

Mit weniger Nasen mehr Qualität schaffen. Das soll funktionieren.

ZACKBUM wird sicherlich wieder diffamiert werden von den Damen an der Spitze des einstmals gloriosen Medienhauses Tamedia. Oder «Tages-Anzeiger». Oder TX. Oder was auch immer.

Aber es braucht schon die geballte Inkompetenz von drei Damen, um einen neuerlichen Kahlschlag auszulösen. CEO Jessica Peppel-Schulz, die sich kommunikativ von einem Avatar vertreten lässt, der immerhin über KI verfügt, hat als erste öffentliche Amtshandlung bekannt gegeben, dass rund 300 Mitarbeiter rausgeschmissen werden. 200 in den beiden zu schliessenden Druckereien, 90 in den Redaktionen.

Ein geschäftliches Desaster. Raphaela Birrer und Kerstin Hasse, zusammen mit zwei Hansln, haben ein inhaltliches Desaster zu verantworten. Und sollen nun das Wunder vollbringen, mit weniger Fachkräften die gleiche Qualität wie vorher zu halten. Das ist inzwischen nicht mehr allzu schwierig, grenzt aber dennoch an ein Wunder. Denn 90 Leute entlassen, das würde bei gleichbeliebendem Niveau bedeuten, dass die vorher völlig überflüssig waren.

Psychologisch einfühlsam schwärmt Hasse auf Instagram, dass sie bald einmal im Kaufleuten einen Podcast über «Frauenfreundschaften» machen werde. Während die Mannschaft darüber informiert wird, dass schon wieder ein grosses Rausschmeissen angesagt ist. Das sind echte Führungsqualitäten.

Dabei wäre alleine die Entlassung von Peppel-Schulz, Birrer und Hasse, die ersatz- und folgenlos eingespart werden könnten, eine Budgetentlastung, die den Rausschmiss von mindestens 8 Indianern verhindern würde.

Aber bevor ZACKBUM wieder als frauenfeindlich verschrien wird: der Verursacher des nächsten Flops ist ein Mann. Denn der Digital-Crack, der ehemalige «Beirat für Digitalisierung» Mathias Müller von Blumencron hatte  mit grossem Trara als Dampfplauderer den «Verkehrsmonitor» aus der Taufe gehoben und in die Traufe befördert. ZACKBUM schrieb schon zur Begrüssung im August 2023: «Tamedia will mit einem «Verkehrsmonitor» auf die Schnauze fallen.»

Es war ein angekündigter Tod: Was ist denn das? Das ist ein B2B-Portal. Das «Go-to-market» und «Brand-Design» wurde mit der Agentur Wirz entwickelt, auch so ein Heissluftfön. «Datengetriebenes Kampagnensetup, laufende Optimierung, Zusammenspiel mehrerer Disziplinen und mit Fokus auf Impact», und Blabla und Blüblü.

Sechsköpfiges Redaktionsteam, stolze 195 Franken im Monat Abogebühr. Die Idee war zudem geklaut, beim deutschen «Tagesspiegel», wo Müller (wir gestatten uns die Kurzform) mal Co-Chefredakteur hätte werden sollen. Das war dann nix; inzwischen ist Müller auch bei Tamedia wieder weg, was die Überlebens-Chancen des Verlags deutlich erhöht. Allerdings überlebt ihn der «Verkehrsmonitor» auch nur kurz, er wird nach wenigen Monaten wieder eingestellt.

Natürlich gilt im Geschäftsleben «try and error», man sollte mal was probieren. Aber es gibt Projekte, bei denen von Anfang an klar ist: Fehlgeburt, Fehlkonstruktion, funktioniert nie, kostet bloss. Das ist dann peinlich.

Aber peinlich ist das neue Must bei Tamedia. Wer nicht peinlich ist, hat keine Karrierechancen. Daher kümmern sich sagenhafte 52 Häuptlinge um das Werkeln von 170 Indianern; jede Führungskraft hat die Verantwortung für etwas mehr als drei Untergebene.

Da würde das Prinzip Ueli Maurer schon mal Wunder wirken. Der ging als Bundesrat gegen die Überregulierung in seinem Departement vor. Er stellte 72 Verordnungen auf den Prüfstand und verlangte bis Ende Jahr eine Begründung für deren Existenz. Ganze fünf wurden geliefert. Bei Tamedia wäre das: die 52 Häuptlinge müssen bis Ende Jahr begründen, was sie eigentlich führen, wofür sie verantwortlich sind, wie man ihre Leistung messen kann. Auch hier dürften so um die fünf verständliche Begründungen eingeliefert werden; der Rest kann dann weg.

Aber wetten, dass natürlich wieder im Maschinenraum gespart wird, bloss ein paar Häuptlingen, die Widerworte gegen die inkompetente Redaktionsleitung wagten, werden auch einen Kopf kürzer gemacht.

Es ist ein Trauerspiel, eine hausgemachte Katastrophe. Hier ist kaum etwas den Umständen, dem Umfeld, dem neuen Konsumverhalten, der digitalisierten Welt – oder wie die Manager-Bullshitphrasen alle heissen – geschuldet. Hier haben die Versager, die Schuldigen Anschrift, Name und Gesicht.

Rund 600 Stellen weniger bei Tamedia, Ringier, NZZ und CH Media seit Anfang 2023. Daher viel weniger Leistung, Content, für gleich viel oder sogar mehr Geld. Ein idiotischeres Geschäftsmodell hat die Welt noch nicht gesehen.

Wieso Oberboss Pietro Supino ungerührt zuschaut, wie sein Medienhaus medial zuschanden geritten wird – unglaublich, unvorstellbar, unverständlich.

Die Avatarin

Jessica Peppel-Schulz fällt durch eine spezielle Kommunikation auf.

Ihr Leistungsausweis im Journalismus ist überschaubar. Sie war mal kurz CEO bei Condé Nast Deutschland, der Massenzeitschriften wie «Vogue» oder «GQ» herausgibt. Und einen Umsatz von stolzen 50 Millionen im Jahr macht. Dort sparte sie ein wenig ein, bis sie selbst nach 28 Monaten eingespart wurde.

Fast ebenso lang war sie dann in einem Sabbatical, nämlich für 22 Monate. Bis Pietro Supino wieder sein sicheres Händchen für Personalentscheidungen auf höchster Ebene bewies – und sie als neuen CEO von Tamedia berief. Man kann also sagen, dass sie rudimentäre Medienkenntnisse in Deutschland und keine in der Schweiz hat.

Dafür hat sie viel Ahnung von Manager-Bullshit-Talk. «Empowerment», «Customer Journey», «Digital Transformation». Das sind Worthülsen, die schlichtweg überhaupt nichts sagen. So wie «Resilienz» oder «Purpose», wovon ihre Kolleginnen Ladina Heimgartner von Ringer und Isabelle Welton (NZZ-VR-Präsidentin) schwabbeln.

Obwohl Peppel-Schulz vor über einem Jahr ihren neuen Job sehr ausgeruht antrat, hörte man eigentlich nix weiter von ihr. Auch mit ihren Untergebenen pflegt sie eine spezielle Form der Kommunikation. Dafür verwendet sie nämlich einen Avatar, der dann flüssig Deutsch und auch Französisch parliert. Der wurde mit KI geschaffen; was er absondert, wirkt allerdings nicht wirklich intelligent.

Und so richtig fassbar wird sie damit im Hause auch nicht. Allerdings werkelte sie vielleicht in dieser ganzen Zeit an einem neuen Masterplan. Denn wenn im Hause TX (oder «Tages-Anzeiger», man weiss vor lauter Namensänderungen nicht mehr ein und aus) etwas sicher ist, dann das: nach der Sparrunde ist vor der Sparrunde. Und da ist die Verkündung der Halbjahreszahlen am Dienstag immer eine gute Gelegenheit, mal wieder eine neue Strategie vorzustellen.

Bei der man allerdings, bedauerlich auch, nicht alle Mitarbeiter mitnehmen kann. Auch nicht die Druckereien, so sad. Denn was Ringier kann, kann doch Tamedia auch. Es ist zu vermuten, dass an der für heute Abend angesagten Mitarbeiterinformation nicht der Avatar, sondern Peppel-Schulz leibhaftig auftreten wird. Also virtuell, per Videoschalte natürlich.

Wie wichtig ihr das Digitale ist, sieht man an der zunehmenden Verluderung des Online-Auftritts von Tagi & Co. «Online first», das Schlagwort ist schon so abgenutzt, dass es wohl nicht einmal von Peppel-Schulz mehr verwendet wird.

Kann man ihr aber wirklich zutrauen, dass sie eine zündende Idee hat, wie Tamedia künftig verhindern kann, dass Google, Facebook und Co. rund 80 Prozent des Online-Werbemarkts absahnen, während für die grossartigen medialen Contentprovider nur Peanuts bleiben, wie das ein Manager formulieren würde?

Nun, Wunder gibt es immer wieder. Darauf müssen die rund 1800 Tamedia-Mitarbeiter ganz fest hoffen. Während sie sich gegenseitig anschauen und denken: hoffentlich trifft es dich, und nicht mich.

TX: So kann gespart werden

Der Fisch stinkt vom Kopf …

Sparen à la Pietro Supino heisst: Jungs (und Mädels), rudert schneller, der Käpt’n will Wasserski fahren. Sparen in den sorgfältig separierten Profitcentern innerhalb der TX Group heisst: Mitarbeiter rausschmeissen, Budgets kürzen, die Leser für dumm verkaufen, dass es bei gleichen oder höheren Preisen weniger Ware gibt, das aber als qualitative Verbesserung umgelogen wird.

Dabei gäbe es so viele Sparmassnahmen, die auf der Hand liegen und nicht nur dem Content zugute kämen, sondern finanzielle Mittel für Sinnvolles freimachen würden. Gleichzeitig würde der Konsument nur Positives davon merken. Blöd wäre das nur für einige Amtsträger, aber damit müssten die leben.

Schliesslich hat TX schon den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht, indem es die überflüssigen Verwaltungsräte der einzelnen Bestandteile der glücklichen Medienfamilie abgeschafft hat.

Allerdings herrscht auf der Chefetage immer noch Wildwuchs, können Lücken geschaffen werden, die den bisherigen Amtsinhaber völlig ausfüllen und ersetzen. Niemand merkt’s. Garantiert.

Fangen wir im Verwaltungsrat an. Da hätten wir Pascale Bruderer. Medienkompetenz null, unternehmerische Fähigkeiten null, strategische Kenntnisse null. Tripple-Null, verdient aber 112’000 Franken im Jahr. Money for nothing.

Dann Stephanie Caspar. Die deutsche Managerin baute einen Schuh-Onlineshop für Otto auf. War mal vier Jahre im Vorstand von Axel Springer. Meckerte über angebliche patriarchalische Strukturen und heuerte bei einer Investmentfirma an. Kenntnisse des Schweizer Medienmarkts null. Kassiert dennoch 80’000 Franken im Jahr als VR der TX Group. Money for nothing.

Oder Claudia Coninx-Kaczynski. Studium der Rechtswissenschaften und Spezialistin im Gesundheitswesen. Mediale Kenntnisse null. Mitglied des Familienclans. Verdient 85’000 im Jahr. Money for nothing.

Der gesamte VR von TX kassiert im Jahr rund 2,4 Millionen Franken. Schwergewicht Supino räumt alleine 1,71 Millionen ab. Dafür hat er die Subventions-Milliarde in den Sand gesetzt. In der Roshani-Affäre und beim Brandbrief von 72 erregten Tamedia-Frauen eine ganz schlechte Falle gemacht. Ist durch ruppige Interventionen in den Redaktionsalltag aufgefallen. Hat null Vision, aber 100 Prozent Sparwillen und Profitstreben. Money for nothing.

Dazu kommen noch die Einnahmen der «Gruppenleitung». Da hätten wir mal Ursula Nötzli. Sie ist CCO und – ganz wichtig – für Sustainability zuständig. Die war mal bei ABB, bei der Credit Suisse und der GAM Holding. Allesamt Erfolgsmodelle der Schweizer Wirtschaft. Mit Sustainability hat sie ungefähr so viel zu tun wie ein Elektriker mit Quantenphysik. Money for nothing.

Oder nehmen wir Jessica Peppel-Schulz, Geschäftsführerin von Tamedia. Hat das Betriebsergebnis (Ebit) mal kurz halbiert. Zwischen ihren «Sabbaticals» war sie CEO bei Condé Nast. Umsatz schlappe 50 Millionen im Jahr. Zuvor arbeitete sie bei einer Digitalagentur, die Umsätze im niedrigen zweistelligen Bereich machte, bevor sie aufgekauft wurde. Beste Voraussetzungen, in einem Milliardenkonzern erfolgreich die Weichen zu stellen. Daran arbeitet sie. Und arbeitet. Und arbeitet. Resultat? Ähnlich wie beim Digital-Crack Müller. Pardon, Müller von Blumencron. Der war bislang der grösste Windmacher im Bereich Digitalstrategie. Zog unter Hinterlassung eines Müllerbergs von Managersprachhülsen von dannen.

Da ist Peppel-Schulz noch dran. Messbare Ergebnisse ihres Wirkens? Ausser Minuszahlen: null. Aber nix ist immerhin besser als unter Null. Ob es einen Zusammenhang zwischen aufgeplusterten Allerweltsnamen und dieser Performance gibt?

Ein ganz anderes Kaliber (namensmässig) ist hingegen Tanja zu Waldeck. Pardon, Dr. zu Waldeck. Pardon, Tanja Dr. Prinzessin zu Waldeck, wie sie sich bescheiden auf LinkedIn anpreist. Die Prinzessin war ein paar Jährchen bei McKinsey, dann gründete sie die Webseite NetMoms, von da hopste sie in die Position des COO der BurdaForward GmbH. Nach weniger als einem Jahr dann der nächste Hopser: sie hat am 1. Juli als COO bei der TX Group angefangen. Bei dem Leistungsausweis als siebenmonatige COO bei einer Unterdivision von Burda kann da nichts schiefgehen.

Schon seit mehr als einem Jahr veredelt Ihro Durchlaucht den Verwaltungsrat der Goldbach Group. Das war so erfolgreich, dass «20 Minuten» beschlossen hat, die Inserateverwaltung wieder in die eigene Hand zu nehmen. Tamedia wird wohl folgen.

Aber nun eine COO-Prinzessin, ein «Bindeglied», wie sie so schön genannt wird. Offensichtlich soll auch sie technologische Transformationen voranbringen. Wie weiland Müller, Pardon Müller von Blumencron. Wie aktuell Schulz, Pardon, Peppel-Schulz. ZACKBUM wagt die Prognose, dass das ein lustiger Weiberkampf wird. Mit an den Haaren ziehen, giftigen Bemerkungen und Untergriffen. Prinzessin gegen Bürgerliche. Historisch gesehen müsste die Blaublüterin verlieren. Auf der anderen Seite ist sie hierarchisch übergeordnet.

Wer auch immer gewinnt, ein Verlierer steht bereits fest: die digitale Transformation.

Aber mal im Ernst. Mit den hier vorgeschlagenen Sparmassnahmen (gern geschehen) würde TX wirklich aufblühen. Ach so, den dämlichen Namen könnte man dann auch rückgängig machen, auch wenn schon wieder ein neues Logo ans Glashaus gepappt werden müsste.

Supino müsste sich nur an den Wahlspruch von Georges Danton halten; gefragt, was einen Revolutionär ausmache, sagte der: Mut, Mut und nochmals Mut. Und keine Angst, heute endet keiner mehr wie Danton. Erst recht nicht ein Mitglied des Coninx-Clans.

Korrekt beknackt

Es darf gelacht werden, wenn der Tagi korrigiert.

Fehler sind menschlich, wo gehobelt wird, es kann alles passieren. Der Sprüche im Journalismus sind genug. Auch ZACKBUM bekennt sich zu einer bedauerlichen Schwäche, Namen im ersten Anlauf richtig zu schreiben. Von ärgerlichen Vertippern ganz zu schweigen.

Aber ZACKBUM vereinigt Verleger, Chefredaktor, Herausgeber, Bildredaktor, Textchef, Produzent, Autor, Faktenchecker  und einiges mehr – in einer Person. Aber leider haben wir kein Korrektorat.

Im Rahmen der Sparmassnahmen zur Qualitätsverbesserung hat Tamedia auch beim Korrektorat schwer abgeholzt. Das führt dann aktuell zu einer Häufung von brutal komischen Korrekturen, unter dem Titel «Korrekt».

Da hätten wir vom vergangenen Freitag diesen hier:

Der Zürcher Tagi weiss nicht im ersten Anlauf, dass der nicht unbekannte Politiker Jositsch für Zürich im Ständerat sitzt? Au weia. Hoffentlich verwechselt die Redaktion nicht nächstens Zwingli mit Calvin.

Am Mittwoch zuvor wusste der Tagi nicht, dass der berühmte Zürcher Künstler Mario Comensoli 1922 geboren wurde. Die Redaktion vermutete, es sei 1943 gewesen. Und vielleicht lebt Picasso noch, sicher aber Elvis.

Auch wenn es um den sensiblen Schneeflocken auf der Redaktion unliebsame Themen geht, schludert der Tagi. So musste er am 17. Juni einräumen:

Darunter, weil dieses Korrigendum auf der «Debatte»-Seite erschien, fordert das Blatt seine Leser auf: «Schreiben Sie Ihre Meinung». Für ein «uns» war dann leider kein Platz auf der Zeile. Was sich der Tagi wohl damit für einen Shitstorm einhandelte?

Lässt sich das noch steigern? Kaum, aber der Tagi macht auch Unmögliches möglich:

Lottozahlen ist nun eine echt heikle Sache. Denn es passiert gelegentlich, dass Lottospieler die Korken knallen lassen, weil sie meinen, den Jackpot geknackt zu haben. Dabei wurden sie nur Opfer einer schludrigen Redaktion.

Dieses «Korrekt» erschien ebenfalls letzten Freitag; auf der «Kehrseite», in sicherer Distanz zur Richtigstellung bezüglich Jositsch. Lässt sich das noch steigern?

Das ist nun eigentlich unmöglich, aber der Tagi …

Denn auch die korrigierten Zahlen, nun, das glaubt selbst einem seriösen Organ wie ZACKBUM keiner, daher der Beweis:

Wer findet den Unterschied? Richtig, die 8 hat sich beim Tagi in eine 6 verwandelt. Das dürfte nun weltrekordverdächtig sein. In einer peinlichen Korrektur der Lottozahlen nochmals eine falsche Zahl angeben, Wahnsinn.

Das ist nun Leserverarsche mit Anlauf. Damit hat sich der Tagi Häme kübelweise eingebrockt. Statt sich um Gendersternchen, inkludierende Sprache, die Abschaffung von Diskriminierungen aller Art, also um Themen zu kümmern, die der überwältigenden Mehrheit der Tagi-Leser so was von egal sind, könnte es die Redaktion vielleicht mit vereinten Kräften schaffen, die Lottozahlen beim ersten Mal, spätestens beim zweiten Mal richtig abzuschreiben. Es heisst doch «Die Zahl», «die Lotterie», «die Ziehung», also kann das doch gendertechnisch keine Probleme geben. Und es heisst «die Korrektur». Es heisst sogar die Korrektur der Korrektur, wobei hier das «der» keinesfalls ein männlicher Artikel ist, liebe Tagi-Schneeflocken …

 

Tagi als Zensor

Unglaubliche Zustände im angeblichen Forumsblatt.

Tamedia bestreicht die Hälfte der Deutschschweiz, die nicht fest im Griff von CH Media ist. Bei jeder neuen Akquisition versicherte der Konzern, dass er sich selbstverständlich seiner Verantwortung als Duopolist bewusst sei und daher offen für widerstreitende Meinungen und verschiedenartige Positionen.

Das hat sich längst als lächerliche Behauptung erwiesen, der in keiner Form nachgelebt wird. Aber was sich Tamedia gerade geleistet hat, ist dann doch ein starkes Stück.

Das gesamte Team der Kolumnisten wurde ausgetauscht. Das ist in den meisten Fällen keine schlechte Idee gewesen, auch wenn die Nachfolgecrew noch fürchterlicher ist. Mit einer Ausnahme: Rudolf Strahm. Darüber drückte ZACKBUM sein Bedauern aus.

Was der kompetente und streitbare Publizist inzwischen auf seiner eigenen Webseite bekannt macht: sein letzter Beitrag, seine letzte Kolumne wurde zensiert. Der ganze Schlussabsatz wurde «in den Print-Versionen im Tages-Anzeiger und im Bund gegen meinem Willen gänzlich weggelassen». Noch schlimmer, auch in der Online-Version «um den fett gedruckten Abschnitt ohne Voranmeldung gekürzt».

Strahm liefert dann die von Tamedia gekürzte und zensierte Version in der Originalform nach:

«Das ist nach vierzehn Jahren meine letzte Kolumne. Sie endet nicht freiwillig. Die neue Chefredaktion des Tages-Anzeigers will die Beiträge neu ausrichten. Ich habe mit meinen Kolumnen gern zur Einordnung der Politik beigetragen. Mit Analysen aus einer gewissen Distanz, Unabhängigkeit und Weitsicht habe ich mich an jene Generation gewandt, die noch Zeitung liest und politisch reflektiert. Dabei habe ich versucht, dem Motto «Audiatur et altera pars» – Höre auch den andern – gerecht zu werden. Allen Leserinnen und Lesern danke ich für das Interesse an meinen Beiträgen.»

Ist das eine Art, einen verdienten Kolumnisten zu verabschieden? Schämt sich auf dieser Redaktion überhaupt niemand mehr für nix? Vielleicht hat Strahm mit dem letzten Absatz den Platz im Print überschrieben. Aber wäre es nicht eine Geste gewesen, bei seiner letzten Kolumne ein Auge zuzudrücken?

Insbesondere, wenn der Autor offensichtlich forderte, dass auch dieser Absatz im Print erscheint. Pfeif drauf, sagte Tamedia. Der Gipfel ist aber, dass in der Online-Version einfach ein entscheidender Satz ohne Einverständnis des Kolumnisten zensiert wurde.

Das ist doch kein anständiges, korrektes, verantwortliches Verhalten mehr. Das ist respektlos, arrogant und indolent.

Es scheint immer mehr, dass mit den Sparmassnahmen bei Tamedia auch die letzten Reste von journalistischen Ethos verlorengegangen sind. Ein Kolumnist muss auf seiner eigenen Webseite seine vollständige Kolumne veröffentlichen, weil Tamedia dazu nicht in der Lage ist. Wie peinlich ist das denn.