Der weibliche Bärfuss
Au weia, ist das vielleicht sexistisch gegen Katja Brunner.
Aber der gequälte Kopfblattsalat-Leser von Tamedias Gnaden fragt sich mal wieder: muss denn das sein? Und Hand aufs Herz; binär, nonbinär, mit Sternchen oder ohne: ist dieser Gesichtsausdruck nicht typenähnlich mit dem ewig grimmigen Gesicht des Sprachverhunzers Lukas Bärfuss? Und muss man nicht zu verbaler Notwehr greifen, wenn man dem ausgesetzt wird?


Bei Geburt getrennt? Bildzitate «Tages-Anzeiger».
Damit haben die Ähnlichkeiten noch kein Ende gefunden. Nora Zukker dient als Souffleuse und Stichwortgeberin und verhunzt das, was man früher mal Interview nannte. Stattdessen gibt es hier kübelweise Geschwurbeltes, Aufgeblasenes, Soziologengequatsche, Gedöns und die immer gleiche Leier.
Auch die ZACKBUM-Leser sollen an der Qual teilhaben:
«In meinem Text wird Gewalt als «hauswirtschaftliches Problem» verharmlost, das die Betroffene gefälligst diskret selbst zu lösen hat. Die patriarchale Struktur wird nicht frontal durchbrochen, sondern radikal überbejaht, bis sie sich selbst entlarvt. Mich interessieren Formen der systemkritischen Intervention, wie man es aus tendenziell repressiven Systemen kennt.»
Nix verstan? Macht nix, das ist je nach Blickwinkel ein Anzeichen geistiger Gesundheit oder üblem, männlichem Chauvinismus. Aber nicht nur die Antworten rollen einem die Socken hoch, auch die Fragen:
«Sie zeigen, wie sich Täterstrukturen durch Sprache immunisieren. Machtmissbrauch tarnt sich also im Gewand von Fürsorge oder vermeintlicher «Normalität»?»
Nein, das ist allenfalls eine Immunisierung des Lesers durch Sprachfolter.
Das sind weitere Instrumente, die gnadenlos zum Einsatz kommen:
«Sprache ist tief normierend und erzieherisch. Solche «Dressuren» möchte ich in «Die Kunst der Wunde» sprachskeptisch verhandeln … Im Spätkapitalismus sind wir darauf getrimmt, Schmerz wegzumoderieren oder ihn zu kapitalisieren … Daher neigt unsere Gesellschaft auch dazu, strukturelle Gewalt gegen Frauen sofort ins Private zu verdrängen … Aber für marginalisierte oder verletzte Körper ist der Staat eine Instanz, die Wunden verwaltet, versteckt oder im schlimmsten Fall sogar wirtschaftlich ausnutzt.»
Ist ja gut, der Schmerz, den dieses Gestammel auslöst, lässt sich nicht wegmoderieren. Hier geht es mehr um die Nicht-Kunst, verbal Wunden zu schlagen. Und niemals, einfach nie darf die Binse «strukturelle Gewalt» fehlen. Bevor ZACKBUM wegen Folter eingeklagt wird, hören wir schon auf. Nur noch ein kleiner Blick in die Schreibwerkstatt der Autorin:
«Eigentlich raufe ich mich fortwährend mit der Sprache. Mit diesem Buch möchte ich vor allem Beschönigungen kenntlich machen und sie biegen, manchmal brechen, wenn sie sich als sehr unbeugsam erweisen.» Sie lässt noch tiefer blicken: «Ich liebe es, wenn ich im Theater in Bratislava sitze und kein einziges Wort verstehe. Ich versuche dann, den kulturellen Transfer nachzuvollziehen.»
Hier wird nichts beschönigt, alles gebrochen.Das Empfinden der Autorin in Bratislava kann der Leser, Pardon, der/die/das LeserIn** (womit weitere 162 Gender inkludiert sind), voll nachempfinden. Er/sie/es, nein, besser, die Lesenden verstehen auch kein Wort.
Aber, eine letzte erschütternde Erfahrung der Autorin müssen wir, tut uns Leid, dem ZACKBUM-Leser noch mitgeben. Als Zukker das Stichwort Austausch «mit Theaterschaffenden in Mexiko über Erscheinungsformen patriarchalischer Gewalt» liefert, steuert Brunner diese Anekdote bei: «Ich werde nie vergessen, wie eine Theatermacherin sagte: «Immer wenn ich das Haus verlasse, richte ich unsere Wohnung so ordentlich her, dass meine Kinder einige Tage durchkommen, falls ich nicht zurückkomme.» Wenn das, was ich schreibe, eine solidarische Verständigung mit ermöglicht, ist das für mich der Kern meiner Arbeit.»
Solidarische Verständigung? Nein, hier ist keine Verständigung möglich. Nur der Seufzer aus tiefster Seele: hört ein solcher pseudo-femininistischer Schwulst denn nie auf? Und warum ist es frau nie möglich, ein anständig-kritisches Interview mit frau zu führen?
