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Lustiges Verrechnen mit Badran

Selbst in eigener Sache ist die Verbal-Ramme nicht sattelfest.

Die NZZaS war so nett, einen Artikel über Jacqueline Badran zu veröffentlichen. Mit einem liebevollen Titel:

Bei genauerer Betrachtung ist er dann doch nicht so nett. Denn Autorin Ladina Triaca hat sich zwar ihre Sporen bei der «Blick»-Bundeshausredaktion abverdient, aber Wirtschaft ist nicht so ganz ihr Beritt.

Sie erläutert das Unternehmen der Unternehmerin: «Heute zählt die Firma Zeix 36 Mitarbeitende und entwickelt Websites und Software, die für die Benutzer möglichst einfach bedienbar sein sollen.»

Laut Webseite sind es 39 Mitarbeiter, aber macht ja nix. Dann wird Triaca ein wenig fies: «Badrans Firma hat auch zahlreiche öffentliche Auftraggeber: Bundesämter, Stadt und Kanton Zürich, Post, SBB, Hochschulen.»

Anschliessend zählt sie auf, was für Einnahmen die linke Nationalrätin damit erzielte: «Zwischen 2010 und 2024 flossen gemäss Angaben des Bundes 7,9 Millionen Franken aus der gesamten Bundesverwaltung an die Firma Zeix. Das heisst: durchschnittlich eine halbe Million Franken pro Jahr. Die SBB haben dem Unternehmen im selben Zeitraum rund 900 000 Franken für Dienstleistungen bezahlt. Und die Stadt Zürich hat für ein Projekt einen Auftrag in der Höhe von 177 000 Franken an Zeix vergeben.»

Das wären also insgesamt rund 9 Millionen Franken in 15 Jahren. Also schlappe 600’000 pro Jahr. Dann zitiert Triaca die wie immer zahlensichere Kämpferin für Gerechtigkeit für alle:

«Badran sagt, die Firma Zeix erhalte etwa die Hälfte der Aufträge von der öffentlichen Hand und die andere Hälfte von privaten Firmen wie Grossbanken, Versicherungen oder Pharmafirmen.»

Wäre das so, hätte die Firma also insgesamt 1,2 Millionen Franken Umsatz gemacht pro Jahr. Zudem behauptet Badran, für ihr schmuckes Headquarter beim Stauffacher zahle sie 30 Prozent mehr als die marktübliche Miete, zudem habe sie doch «800’000 Franken in das Haus investiert».

Allerdings weigert sich die grosse Kämpferin für Transparenz und Mietgerechtigkeit, bekannt zu geben, wie viel sie dann genau bezahle, und wieso um Marx willen 30 Prozent über der Marktmiete. Auch die Stadt Zürich als Vermieterin kneift und gibt keine Auskunft.

Lassen wir das als merkwürdigen Widerspruch stehen, auf ihre üppigen privaten Wohnverhältnisse lässt sich Badran auch nur sehr ungern ansprechen.

Aber tun wir das, was Triaca unterlassen hat. Wie jeder wissen sollte, braucht man für eine Agentur dieser Grösse einen Jahresumsatz von mindestens 6, vielleicht auch bis zu 12 Millionen Franken, wenn man so viele Nasen beschäftigt. Selbst wenn man annimmt, dass noch weitere 600’000 Staatsaufträge und somit zusätzliche 600’000 Einnahmen aus dem privaten Sektor dazukämen, wären wir auch erst bei 2,4 Millionen Jahresumsatz.

So könnte man linkes Unternehmertum eigentlich nur erklären, wenn Badran zudem Subventionen oder weiteren Zustupf unbekannter Herkunft erhält.

Schliesslich gesteht Badran ohne Not ein, dass die Hälfte ihres Umsatzes aus Staatsknete besteht. Es ist wieder einmal peinlich, wie wenig selbst bei der NZZaS Hausaufgaben gemacht werden oder Aussagen auf ihre Plausibilität überprüft.

Dabei sollte man doch wissen, dass gerade bei Badran Zahlenangaben mit höchster Vorsicht betrachtet werden müssen; ihre Trefferquote ist nicht berauschend. Aber was ist auch von einer Finanzspezialistin und grossen Volkswirtschaftskoryphäe zu erwarten, die von einem «UBS Fond» spricht. Was ihr das Schwesterblatt «SonntagsZeitung» auch unkorrigiert durchgehen lässt, obwohl es inakzeptabel ist. Ohne zu fragen, ob Badran damit Kalbs- oder Gemüsefond meinte. Oder vielleicht den Fond einer Limousine.

Ist das alles aschgrau.

Wirkung wie eine Stubenfliege

Jacqueline Badran will die grosse Mieterkämpferin sein. Es darf gelacht werden.

Die Heckenschützin und mögliche Ständeratskandidatin der SP Zürich trompetet immer und überall, dass sie die grosse Verteidigerin der Rechte der Mieter sei. Unermüdlich im Kampf gegen Miethaie, ausbeuterische Vermieter, die sich auf Kosten des Menschenrechts Wohnen dumm und krumm verdienen.

So zieht Badran in ihrem neusten «#Korrigendum» in der «SonntagsZeitung» mal wieder zu ihrem Lieblingsthema vom Leder. Also eigentlich hat sie zwei. Mieten – und sich selbst. Das ergänzt sich hier:

««Ihr seid kein Einzelfall», erzählte ich – traurig und verärgert gleichzeitig – vorgestern an einem Solidaritätsfest vor leergekündigten Bewohnerinnen in Witikon (UBS-Fond).»

Dass sie selbst den SVP-Vorschlag, die UBS mehr an die Kandare zu nehmen, abgeschossen hat, das erwähnt sie lieber nicht. Genauso wenig, dass man ständig versuchen muss, ihr «Korrigendum» zu korrigieren.

Sie hat eine neue Variante in ihrem ewig gleiche Gezeter entdeckt: «Leerkündigungen haben epidemische Ausmasse angenommen, und zwar in der ganzen Schweiz.»

Leider muss man hier ihre beiden Lieblingsworte verwenden: inakzeptabel und falsch. Im Kanton Zürich lagen die Zahlen von 2022 und 2023 sogar unter denen des Vorjahrs. Und Basel-Stadt, nicht gerade im Verdacht, vermieterfreundlich zu sein, hält ausdrücklich auch fest: «In den Jahren 2022 und 2023 sind Leerkündigungen zurückgegangen.»

Was zugenommen hat, ist die mediale Beachtung. Und da es Badran im Prinzip auch genau darum geht, poltert sie halt mal wieder los. Und plaudert und schnaubt ohne Rücksichten auf Fakten oder Zahlen.

Mitten im Geplapper lässt sie noch zwei weitere Zahlen auf den Leser regnen, die sie irgendwo aufgeschnappt – und nicht verstanden hat:

«Die Wohneigentumsquote ist von 42 auf 36 Prozent gesunken.»

Inakzeptabel, falsch und Quatsch. Einer hat das mal genau angeschaut und auseinandergenommen, besten Dank dafür:

Diese Aussage ist falsch und beruht auf einem offensichtlichen Unverständnis der Materie der Autorin.
Der Unterschied zwischen der Wohneigentumsquote des Bundesamts für Statistik (BFS) (etwa 36 %) und der von Eurostat (rund 42 %) in der Schweiz liegt an der unterschiedlichen Bezugsgrösse der Statistik.
BFS: Rechnet auf Haushaltsebene. Rund 36 % aller dauerhaft bewohnten Privathaushalte in der Schweiz leben im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung.
Eurostat: Rechnet auf Personenebene. Rund 42 % der Bevölkerung leben in Wohneigentum.
Gemäss BfS lag sie 2010 bei 36.8% und 2024 bei 35.7%, was sich vor allem durch die Zuwanderung erklären lässt, da diese hauptsächlich Mieter sind.
Gegen Schluss kommt allerdings ein Satz von Badran, den ZACKBUM mit beiden Händen unterschreiben kann: «Wir können uns wohl alle darauf einigen: Das ist inakzeptabel und schädigt die Volkswirtschaft.»
Richtig. Eine lautstarke Vertreterin der Interessen der Mieter, die sich ständig lächerlich macht, indem sie Zahlen falsch verwendet, falsch interpretiert, falsche Schlussfolgerungen daraus zieht, schadet schlussendlich den Mietern und schädigt damit auch die Volkswirtschaft.
Erschwerend kommt hinzu, dass so jemand offensichtlich in den Ständerat strebt, wo man sich viel mehr als im Nationalrat darum bemüht, sinnvolle Kompromisse zu finden. Allerdings basieren die auf einer kompetenten Analyse von richtigen Zahlen. Stiesse da jemand dazu, der solchen Stuss schreibt, dann wäre dessen Wirkung ungefähr gleich gross wie die einer Stubenfliege.

Wer deckte den Herz-Skandal auf?

Raphaela Birrer lehnt sich zu weit aus dem Fenster.

Wie begossene Pudel stehen all die Politiker (und einige Journalisten) da, die den Skandal an der Herzklinik der Uni Zürich den Medien in die Schuhe schieben wollten – oder ihn kleinreden und vernütigen.

Mindestens 70 tote Patienten zu viel, schwere Verfehlungen, ein geldgieriger Chefarzt, der ungehemmt walten und wüten konnte, versagende Aufsichtsorgane bis in die Regierung: es ist ein veritabler Skandal, dessen Aufarbeitung viel zu lange gedauert hat. Inzwischen dreschen natürlich alle auf den Ex-Klinikchef Francesco Maisano ein.

Viel zu leise wird aber der Whistleblower André Plass gelobt, der unermüdlich und ungehört auf die unerträglichen Zustände hinwies – und das mit dem Verlust seiner Stelle bezahlen musste. Und der Herzchirurg Paul Vogt, der unerschrocken und öffentlich darauf hinwies, dass es unter seinem Vorgänger viel zu viele Tote gab – was ihm eine Anzeige und einen Freispruch auf ganzer Linie einbrachte.

Unerschrocken meldete sich auch Tamedia-Oberchefredaktorin Raphaela Birrer mit einem ihrer gefürchteten Kommentare zu Wort:

Die Zeit der Götter in Weiss ist schon längst vorbei – nur nicht am Unispital Zürich. Und ob sie dort vorbei ist, ist angesichts weiterer Skandale doch sehr die Frage.

Auf jeden Fall stapelt Birrer die üblichen Betroffenheit-Vokabeln aufeinander: «… noch schlimmere Missstände … Ausmass der Verfehlungen ist schockierend … komplett versagt … Zahl der Todesfälle erschütternd … für die Opfer zu spät …»

Um mit dem üblichen Blabla zu enden: «Immerhin scheinen mit dieser umfassenden Ausleuchtung die Weichen dafür gestellt, dass sich ein derart weitreichendes und tödliches Systemversagen nicht wiederholt.»

Ach ja? Mit vielen Jahren Verspätung? Im zweiten Anlauf? Wobei am Unispital nach dem Skandal vor dem Skandal ist. Stichwort Urologie, allgemeine Governance-Schwächen, Defizite in Führung und Kontrolle, ungehemmte Bereicherung auf der Chefetage.

Allerdings nimmt man es auch bei Tamedia mit der Wahrheit nicht allzu genau. So behauptet Birrer kühn:

«Der «Tages-Anzeiger» hatte die Missstände im Mai 2020 erstmals publik gemacht.»

Das liegt nun höchstens noch knapp im Streubereich der Wahrheit. Denn bei diesem Artikel ging es lediglich um mögliche Beschönigungen der Anwendung dieses Cardiobands, mit dessen Erfindung sich der Klinikchef eine goldene Nase verdiente, wobei es vom Käufer heute nicht mehr hergestellt wird – untauglich.

In diesem Artikel ging es in keinem Wort um erhöhte Mortalität, es war mehr so ein Einzelschuss ins Blaue.

Denn der erste Artikel war eine breite Recherche der deutschen «Welt am Sonntag», die am 2. Juli 2023 erschien. Intern waren die Probleme schon seit 2019 bekannt – ohne dass etwas unternommen wurde.

Am Tag darauf zog Tamedia online nach. Dabei wurde der Konzern aber vom Finanzblog «Inside Paradeplatz» abgetrocknet, der schneller war. Die richtige Aufarbeitung erfolgte dann erst am 9. Juli in der «SonntagsZeitung».

Und anschliessend räumte Lukas Hässig auf IP den beiden Exponenten Plass und Vogt immer wieder breiten Raum ein, ihre vernichtende Kritik zu äussern – wobei das Unispital und die politisch Verantwortlichen erbitterte Gegenwehr entfalteten. Auch ZACKBUM beteiligte sich an der Debatte und übernahm auch immer wieder Beiträge aus IP.

Ende Juni 2024 legte die WamS dann nach. Unter dem Titel «Ein Gewinn fürs Herz», rollte sie nochmals den Skandal an der Herzklinik des Unispitals Zürich auf. Auf 35’000 A sezierte das deutsche Blatt die unglaublichen Zustände in Zürich und das Versagen bei der Aufarbeitung. Regierungsrätin Rickli verlangte damals übrigens eine «Richtigstellung» von der WamS – die sie natürlich nicht bekam, weil die Recherche wasserdicht war.

Also herrscht nun allerorten echte oder geheuchelte Betroffenheit – und ein rette sich, wer kann, aus der Verantwortung.

Tamedias Birrer legt noch ein Scheit drauf und brüstet sich mit Lorbeeren und Meriten, die ihrem Medienhaus sicher nicht zustehen.

Somm, der Exhibitionist

Zeigen was man nicht hat. Die Spezialität des nebulösen Chefredaktors.

Es gibt Menschen, die verspüren den merkwürdigen Drang, sich vor anderen öffentlich zu entblössen. Dabei empfinden sie Erregung oder Befriedigung.

Markus Somm, der schon viele Millionen mit seinem Steckenpferd «Nebelspalter» verbraten hat, bei dem er so ziemlich alles falsch machte, was man falsch machen kann, pflegt eine Kolumne in der «SonntagsZeitung». Keiner weiss, wieso eigentlich. Denn er will sich ständig mit Fehlprognosen selbst übertreffen. Oder mit absurden Aussagen (die Israelis sind die Guten, man sollte Moskau bombardieren).

Das scheint ihm auf Dauer langweilig geworden zu sein, neu versucht er sich in Exhibitionismus. Er entblösst sich öffentlich, indem er zeigt, dass er von Banken, Bankenregulierung und der Gefahr, die von der Monsterbank UBS ausgeht, nicht den blassesten Schimmer hat, nackt und unbeleckt von jeglicher Kenntnis dasteht.

Die NZZ lässt einen «Bankenexperten» Andreas Uta zu Wort kommen, der gegen die Vorschläge des Bundesrats zur Eigenkapitalausstattung der monströsen Bank vom Leder zieht. Der ist allerdings Experte, weil es bis 2019 UBS-Direktor war, wie der «Infosperber» enthüllt. Und ist weiterhin Bankberater und VR einer Regionalbank. Also alles andere als unabhängig oder neutral.

Wieso sich Somm ohne Not zu einem Thema äussert, von dem er noch weniger Ahnung hat als von Geschäftsführung, ist hingegen schleierhaft. Auf jeden Fall macht er sich wieder zur Lachnummer.

«Nun will unsere Regierung die letzte verbliebene Grossbank zur Strecke bringen. O. k., nicht deren Ruin wird betrieben, aber doch in Kauf genommen, dass die UBS ins Ausland zieht, da sich die Rahmenbedingungen für ihr Geschäft in der Schweiz irreversibel verschlechtert haben.» Daran stimmt nun schlichtweg nichts.

Gaga-Begründung: Die Forderung nach einer vollständigen Unterlegung ausländischer Töchter mit Eigenkapital sei «erstens teuer, und zweitens erhält die Schweiz damit die wohl humorlosesten, da härtesten Eigenmittelvorschriften des Westens – was die UBS im internationalen Wettbewerb zu einem Invaliden macht, der den übrigen Banken nachhumpelt, als hätte er sich selbst in die Knie geschossen».

Humorlos? Ist Bankenregulierung eine Spassveranstaltung? Wieso sollte die UBS ins Ausland ziehen, wo sie in der Schweiz doch eine implizite Staatsgarantie geniesst, für die sie nichts zahlt? Und harte Eigenkapitalvorschriften, das ist nun eine humoristische Bemerkung. Bei einer Bilanz, die grösser ist als das BIP der Schweiz (mit Abstand Weltrekord), müsste das EK noch viel höher sein als die lausigen paar Prozent vor und nach einer Erhöhung. Und dass mehr EK mehr Vertrauen gibt und damit einen Marktvorteil, wer bringt das Somm bei?

Wenn er mehr Geld für seine Dilettantenveranstaltung braucht, muss er seine Investoren anbetteln, nachzuschiessen. Wenn die UBS mehr EK braucht, kann sie einfach Aktien ausgeben. Das Einzige, was dagegenspricht: das verwässert ein wenig den Bonus der geldgierigen Bankenlenker.

Anderswo sei man flexibler. Wieso? Die Erklärung zum Tränenlachen: «Weil niemand so besinnungslos den eigenen Finanzplatz ruiniert wie die schweizerische Regierung.» Wenn der Dinosaurier UBS schon wieder ins Straucheln geraten würde, dann hinterliesse sein Fall einen Krater, der nicht viel kleiner als die Schweiz wäre. Und dass Bankenlenker besinnungslos zocken und bonusgetrieben sind, haben sie wohl zur Genüge unter Beweis gestellt.

Neuerdings mit Investments in Schattenbanken (soll Somm mal einer erklären, was das ist), mit dem die UBS letzthin den Kleckerbetrag von 500 Millionen in den Sand setzte.

Weiter im Fantasieland Somm: «Gewiss, 2008 musste die UBS vom Staat gerettet werden». Was er unterschlägt: zweimal. Das erste Mal, weil sie sich verzockt hatte. Und das zweite Mal musste der Staat das Bankgeheimnis schleifen, weil die UBS schon wieder am Abgrund stand. «Genauso wenig kostete es den Staat 2023 etwas, als die UBS auf Drängen des gleichen Staates die CS übernahm.» So etwas wie 16 Milliarden Tier 1 Bonds sind für Somm offenbar Peanuts, die gar nicht erwähnenswert sind. Oder er weiss nicht, was das ist.

Und dann noch, obwohl das Zwerchfell schon schmerzt, der Schlussgag: «Politiker haben den Steuerzahler bisher sehr viel mehr gekostet als alle Bankenkrisen zusammen.» Nun, es ist die Aufgabe von Politikern, Steuergelder auszugeben. Das ist allerdings nicht die Aufgabe der Banken, was man Somm behutsam näherbringen sollte.

Und Politiker haben in den letzten Jahrzehnten einiges in den Sand gesetzt, aber das gesamte, weltweite Finanzsystem fast gegen die Wand klatschen, das haben nur Banker geschafft. Die dann weltweit mit Multimultimillarden gerettet werden mussten.

Also lieber Markus Somm: versuch doch einmal über etwas zu schreiben, von dem Du den Hauch einer Ahnung hast. Kindererziehung vielleicht. Oder das Leben Blochers.

Mal wieder die SoZ

Ein Artikel ragt aus allem heraus.

Spontan war unsere Aufmerksamkeit auf hundert:

Denn natürlich hatte ZACKBUM den spontanen Geistesblitz, ganz ohne Stromschlag: Wäre das nicht eine sinnvolle Behandlung für Journalisten? Ewige Bauchnabelbetrachtung, den Leser unter der eigenen, völlig unerheblichen Meinung leiden lassen, ungefragt und ungehört Ratschläge erteilen, schamlos die eigene Familiengeschichte ausbreiten.

Sieht man das richtig, also als potenziell pathologisches, auffälliges Verhalten, wäre es doch einen Versuch wert, das mit Elektrokonvulsionstherapie zu behandeln. Schliesslich zucken die Leser immer häufiger konvulsivisch, wenn sie durch die Seichtgebiete modernen journalistischen Gehampels waten müssen.

Beispiele aus der aktuellen «SonntagsZeitung»? Bitte sehr. Für einmal lehnt sich Arthur Rutishauser zu weit aus dem Fenster. Er fordert die Eidgenossen mal wieder auf, sich von fremden Händeln fern zu halten. So weit, so gut. Aber leider war die Deadline halt Samstagabend, so dass der Leser am Sonntag erstaunt liest, dass es Friedensgespräche in Islamabad geben soll. Dabei weiss er, dass die stattgefunden haben und gescheitert sind.

Das könnte man mit etwas Trump-Kenntnis vorausahnen. Eine nette Seitenlinie zieht dann allerdings Fabian Fellmann: «Islamabad statt Genf: Welche Stellung hat die Schweiz noch auf internationaler Bühne?» Die Antwort wäre einfach: je mehr sie die Position strikter Neutralität verlässt, desto kleiner ist sie.

Dafür braucht es dann allerdings kein Riesenfoto und eine ganze Seite Text.

Dann darf Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard mit der üblichen Rabulistik auf Rudolf Strahm eindreschen, kaum gebremst durch kritische Fragen, um dem Abwesenden wenigstens etwas Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. In den Fragen werden zwar einzelne Aussagen Strahms kurz erwähnt, wenn Maillard dann aber in seinen Antworten herumschwurbelt, gibt es keine einzige kritische Nachfrage.

Dann, lang lebe die Frauensolidarität, interviewt Nadja Pastega Chantal Galladé. Chantal who? Nun, der Anlass ist, dass sie anscheinend nach 30 Jahren aufhört zu politisieren. Während dieser Zeit führte sie ihr Weg von der SP zur GLP. Und wirklich Bedeutendes hat man von ihr in den letzten Jahren auch nicht gehört. Wirklich ein Anlass, eine Doppelseite mit einem Riesenbild und einem Wohlfühl-Interview zu füllen?

In der Wirtschaft, das muss ja eine Saure-Gurken-Woche gewesen sein, gibt Hans-Jürgen Maurus Geografieunterricht und belehrt den Leser, dass es im weltweiten Güterverkehr vier Nadelöhre gebe. Mindestens drei davon (wohl nicht alle kämen auf die Strasse von Malakka) kennen eigentlich alle Leser, die dafür nicht auf einer Seite aufgerüstet werden müssten.

Und eigentlich sind es acht, aber wenn man halt keine Zeit zum richtig Googeln hat …

Dann ein Beitrag zu: es geht nichts über eine knackige Ansage. Ob die eintrifft oder nicht, das interessiert in einer Woche keinen mehr. Diesmal: Der «Netzaktivist» Cory Doctorow «ist überzeugt, dass die Techgiganten das Internet ruinieren. Und dass die Milliardenblase um KI bald platzen wird». Na dann, benützen wir das Internet, solange es nicht ruiniert ist.

Neben wilden Prognosen sind neue Wellen der zweite Notnagel für händeringend nach Storyideen suchende Journalisten. Diesmal neu: die «digitale Ausgrenzung». Das ist eine Riesenwelle: «Über 20 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz stossen dabei an ihre Grenzen.» Quelle? Der «Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben». Wahnsinn. Dann muss man der abstrakten Zahl nur noch ein Gesicht geben: «Drei Betroffene erzählen». Grosse Leistung: drei Menschen zu finden, die sich in der Abwägung, sich öffentlich zum Deppen zu machen und andererseits in die Zeitung zu kommen, für den kurzen Ruhm entschieden haben.

Zum Thema Kulinarik ist auch niemandem nichts eingefallen: «Diese Küchenhelfer sind unentbehrlich». Schnarch, gähn.

Dann hat «Tennessee Tourism» seines Amtes gewaltet: «Warum es immer noch gute Gründe gibt, in die Vereinigten Staaten zu fahren». Nun, einer ist den Lesern leider nicht zugänglich: man kriegt die Reise bezahlt.

Tja, und dann eben das Lob der Stromschläge als Therapie. ZACKBUM ist völlig vom Nutzen überzeugt.

PS: Und bevor einer vorwurfsvoll auf den Kalender schaut: ja, ist ein Weilchen her seit der letzten SoZ. Aber wenn so viel passiert …

Nützliche Idioten

So soll Lenin Leute bezeichnet haben, die instrumentalisiert werden, ohne es zu merken.

Die «SonntagsZeitung» titelt: «Schweizer Trychler läuten in Moskau für «Freundschaft mit Russland». Das muss natürlich sofort «eingeordnet» werden, meinen die bewährten Fachkräfte Jan Bolliger und Benno Tuchschmid. Und dafür gibt es die Allzweckwaffe Marko Kovic (bitte mit k am Schluss aussprechen).

Der weiss schon im Lead: ««Absurde Aktion». Der Forscher Marko Kovic spricht von «nützlichen Naiven», die dem Kreml als Propagandamaterial dienen».

Nützliche Idioten traute er sich nicht zu sagen. Knapp berichten die Tagi-Journalisten, worum es geht. Rund 30 Schweizer reisten nach Moskau und erstaunten die Bevölkerung mit einem Umzug mit Glockengeläute, der sie zur Schweizer Botschaft führte, wo sie empfangen wurden.

Das war’s dann schon mit der Berichterstattung. «Einordnung» Nummer eins: «Sehen kann man das in einem Videobeitrag auf «Russia Today» (RT), einer vom russischen Staat finanzierten Medienplattform. In der EU ist RT seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gesperrt, unter anderem weil der Sender Desinformation verbreite. Aus der Schweiz heraus ist die Seite jedoch erreichbar. Die Journalisten des Senders bezeichnen den Umzug als «wichtige Botschaft» an die Schweizer Regierung.»

Wenn das vom im freien Europa gesperrten Desinformationssender RT verbreitet wird, muss es ja falsch sein. Dann wird der Organisator zitiert, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass der auch «gegen den «masslosen Ausbau des Mobilfunks»» kämpfe. Dann folgt der grosse Auftritt des «unter anderem Politik- und Kommunikationswissenschaftlers an der Hochschule Luzern» Kovic. Der forsche zu «Propaganda und Desinformation».

Allerdings ist der HSLU ein solcher Mitarbeiter nicht bekannt:

Der Mann ist schon häufig auffällig geworden, indem er mit unwissenschaftlichem Geschwurbel Aufsehen erregte. Er ist Kopist des Begriffs «Intellectual Dark Web» (IDW) und denunziert gerne ad personam: «Personen wie Milosz Matuschek, Gunnar Kaiser, Roger Köppel, Milena Preradovic, Tamara Wernli, Daniel Stricker, Henryk Broder und Plattformen wie «Die Achse des Guten», der «Nebelspalter», «Die Weltwoche», der «Schweizer Monat» bilden prominente Knotenpunkte im deutschsprachigen IDW.»

Selbst die NZZ ist für ihn lediglich eine «quasi-journalistische Meinungspublikation». Obwohl er dort selbst gelegentlich seine Meinung publiziert. Aber Widerspruchsfreiheit war noch nie das Ziel von Schwulstschwätzern.

Er selbst bildet hingegen einen Knotenpunkt im Liefern von erwünschten Echokammer-Resonanztönen: «Es kann gut sein, dass die Trychler wirklich nur das Beste wollen. Aber für den Kreml sind sie vor allem nützliche Naive», behauptet er im Tagi.

Der rundet seine Berichterstattung über diese Aktion mit folgendem Absatz ab: «In der Nacht vor der Trychler-Aktion in Moskau griffen russische Kräfte laut dem Institute for the Study of War ukrainische Städte mit 138 Drohnen an. Die ukrainische Armee beschoss russische Ölraffinerien. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine sind fast 2 Millionen Soldaten getötet oder verwundet worden

Mit anderen Worten: und mit solchen Unter-, Pardon, Unmenschen wollen diese Trychler befreundet sein?

Was dem Tagi recht ist, kann der Resteverwertungsanstalt Nau.ch nur billig sein. Sie zitiert die SoZ und natürlich den «Wissenschaftler» Kovic.

Der holzte dort schon zuvor gegen den «ideologischen Wahn der SRG-Halbierungsinitiative». Nach einem Ausflug nach Deutschland (AfD!) und in die USA (Trump!) kommt er zum «Sinn öffentlicher Medien». Der sei «eine garantierte Informationsinfrastruktur bereitzustellen, die der Gesellschaft als Ganzer zugute kommt». Hä? Versteht wohl nur ein Wissenschaftler, aber auch der vielleicht nicht wirklich.

In seinem 11’000 A langen Gelaber, das glücklicherweise kaum jemand zu Ende liest, kommt er nach Luftsprüngen und Umwegen zum Kern seiner Kritik:

«Es geht in erster Linie um ideologiegetriebene Versuche, unliebsame öffentliche Medien einzuschränken oder abzuschaffen, weil sie nicht so berichten, wie man es will.»

Schlimmer noch: «Der ideologische Kampf gegen öffentliche Medien im Allgemeinen und gegen die SRG im Besonderen ist ausgesprochen irrational und enthemmt

Hier ist Kovic lediglich «Gesellschaftskritiker». Als solcher aber ideologiegetrieben und ziemlich enthemmt. Dafür aber weder naiv, noch nützlich.

 

Überblättertes

Selber schuld: ZACKBUM wollte gerecht diesmal «SonntagsZeitung» drannehmen.

Die guten Nachrichten zuerst. Sie ist billiger als die «NZZamSonntag». Fr. 6.40 gegen 7.50. Und sie hat kein Editorial von Beat Balzli. Dann hat sie aus der Schreckenskammer Crans-Montana ein neues Stück Wahnsinn zutage gefördert.

Unglaublich. Mehrere IT-Plattformen des Wallis wurden von einem psychisch labilen externen IT-Techniker gewartet. Der schliesslich in der Klapsmühle endete, worauf diese Software ausser Betrieb genommen wurde und der Sicherheitschef der Gemeinde keine Informationen über durchgeführte Brandinspektionen mehr hatte. Ein Stück wirklich aus dem Tollhaus.

Plus ein Interview mit dem Ökonom Reiner Eichenberger, der wie immer interessante Ideen und Ansichten zur Halbierungsinitiative hat: «Wir brauchen Vielfalt ohne einen überfütterten Dominator.» Nicht schlecht.

Allerdings sülzt daneben die SRG-Ombudsfrau Esther Girsberger in aller Unabhängigkeit zum Wort «Linksdrall» bei der SRG: «Diese Pauschalisieren ärgert mich.» Dabei hat sie gerade einer Beschwerde grösstenteils recht gegeben. Die Deutschland-Korrepondentin Alexandra Gubser zeigte mal wieder einen ganz deutlichen Linksdrall.

Schon auf Seite 19 überfällt dann die Brachial-Kolumnistin Gülsha Adilji (da sehnt man sich sogar nach Balzli) den unvorbereiteten Leser mit der Mitteilung: «Ich habe mich vor sieben Fremden nackt ausgezogen.» Das will man sich wirklich nicht vorstellen.

Der Rest des ersten Bundes ist allerdings Aufgewärmtes und Aufgekochtes.

Gähn.

Schön, dass ihr die SoZ für diesen internen Knatsch eine ganze Seite einräumt, mit dem journalistischen Ansatz: was wollten Sie zu diesem Thema schon immer mal sagen? Und wann waren Sie das letzte Mal so gross im Bild?

Und dann kann man lesen, wie es ist, wenn die ewige Frage des Chefredaktors «und welchen Nachzug haben wir sonst noch zu Crans-Montana» mit einem Sozialporno beantwortet wird:

Auch Martin Suter hat nicht immer Sternstunden und nimmt, mangels anderer Themen, schon ganz, ganz früh Anlauf für den nächsten US-Präsidentschaftswahlkampf:

Themenmangel beherrscht auch die «Wirtschaft»:

Diese Frag dräut unheilschwer über uns, seit es Arbeit gibt. Wie wäre es aber mal mit einer Untersuchung, ob das Lesen der SoZ krank macht?

Michèle Binswanger sorgt dann gegen Schluss noch für etwas Pep am Sonntag:

Und schliesslich noch eine Erkenntnis, die wir schon immer geahnt haben:

Und schliesslich eine Erkenntnis, die … oder sagten wir das schon:

Wenn man diese vier Artikel auf die SoZ anzuwenden versucht, kommt man zu interessanten Resultaten.

Es ist allerdings die Frage, wie viele Leser bis zur Seite 62 durchhalten, ohne sich Streichhölzer in die Augenlider zu klemmen.

Früher, ja früher war der Sonntag der gegendarstellungsfreie Raum. Unter der Woche wurde recherchiert, dann wurde der Betroffene am Samstagnachmittag zur Stellungnahme aufgefordert, in der Hoffnung, dass er überrumpelt nichts sagt. Oder vergeblich versucht, seinen Anwalt oder einen Richter zu erreichen, der eine Superprovisorische erlassen würde.

Und schon hatte man einen hübschen Kracher, der manchmal sogar länger als bis am Montagmorgen vorhielt.

Aber heute? Heute ist Überblättern angesagt, kurz reinbeissen und mit einem schalen Geschmack im Mund zurückbleiben. Wie lange das noch gutgeht? CH Media hat sich bereits vom Sonntag verabschiedet …

 

 

Neue Stufe von Gaga

Tamedia kennt sich nicht mehr.

Achtung, der folgende Text kann für regelmässige Leser der Produkte von Tamedia belastend sein. Sie könnten sich verarscht, verhohnepiepelt, auf den Arm genommen, für blöd verkauft vorkommen.

Denn im normalen, althergebrachten Journalismus ist es so: wenn Schönes passiert auf der Welt, das von Bedeutung ist, wird darüber berichtet.

Wenn etwas zugedeckt, unterdrückt, verschwiegen wird, dann wird aufgedeckt, aufgeklärt, furchtlos berichtet.

Wenn etwas Schreckliches passiert auf der Welt, das berichtenswert ist, dann wird schonungslos beschrieben, worum es sich handelt.

Das ist eine Selbstverständlichkeit. Das war eine Selbstverständlichkeit.

Seit letzten Sonntag hat die «SonntagsZeitung» diese Selbstverständlichkeit in die Tonne getreten. Ein Text von Sylvain Besson, Christian Brönnimann und Arielle Peterhans wird mit einer «Triggerwarnung» eingeleitet:

«In diesem Text berichtet ein Überlebender des Brandes in der Bar Le Constellation über Details, die für Leserinnen und Leser belastend sein können. Sie sind aber wichtig, um den Ablauf des Unglücks zu verstehen und daraus Lehren ziehen zu können

Dazu gibt es einiges zu sagen.

Zunächst: ist der Chefredaktor, der Blattmacher, die ganze Redaktion mit dem Klammerbeutel gepudert? Nicht alle Latten am Zaun? Sprung in der Schüssel?

Dann: wenn über das unsägliche Elend der Menschheitsverbrechen im Sudan, in Äthiopien, in Somalia, in Eritrea berichtet wird, was selten genug vorkommt, fehlt eine solche «Triggerwarnung». Die Beschreibung des Elends von Negern in Afrika kann offensichtlich für den Leser nicht belastend sein.

Ebenso fehlt eine solche Warnung bei jeglicher Berichterstattung über Präsident Trump.

Man vermisst sie ebenfalls, wenn einer der Tamedia– oder SZ-Mitarbeiter seinen Bauchnabel betrachtet, seinem Weltschmerz Ausdruck verleiht, sinnlose und ungehörte Ratschläge erteilt, Handlungsanweisungen gibt, das Setzen von Zeichen einfordert.

Ein blutiges Massaker ist ein blutiges Massaker. Wenn Berichterstattung auch nur einen Hauch von Sinn machen soll, dann muss sie für den Leser belastend sein. Was denn sonst.

Im Rahmen der ungeheuerlichen Sensibilität, Achtsamkeit, Inklusion, Diskriminierungsferne, der Rücksichtnahme auf empfindsame Schneeflocken, der schon der leise Verdacht einer kulturellen Aneignung Bauchgrimmen verursacht. Im Rahmen der Auslöschung von Unwörtern wie Mohr oder Zigeuner, in Zeiten postfaschistischer Sprachreinigung soll nun auch der Leser davor gewarnt werden, dass Lesen belastend sein kann.

Die einzige Alternative, naheliegend: nicht lesen.

Und was ist denn eigentlich so verstörend an diesem Text? Verstörend ist, dass die Redaktion den Augenzeugenbericht als zu verstörend für den Leser zensiert:

«Die Szenen, die Meldin von der Flucht aus der Bar beschreibt, sind verstörend. Nicht alles soll hier wiedergegeben werden.»

Verstörend ist, dass man hier dem Journalismus zuschauen darf, wie er sich selbst kastriert. Ohne Betäubung, bei vollem Bewusstsein.

Und seine völlige Unfähigkeit eingesteht, Verstörendes so zu beschreiben, dass die Aufklärung des Lesers allfällige Verstörung überstrahlt. Das würde voraussetzen, dass man schreiben kann. Aber das können im Journalismus immer weniger. Alle anderen sind problemlos durch eine KI ersetzbar.

ZACKBUMs Triggerwarnung: wer Produkte von Tamedia liest, ist selber schuld und verstört.

 

Muss das wirklich sein?

Die NZZaS lässt es knallen – als Wiederholungstäter.

Kommt bekannt vor: ein visueller und inhaltlicher Kracher auf der Frontseite, dann auf Seite 2/3 links Sprachnotstand im Editorial, daneben intellektueller und visueller Notstand.

Alleine die Headlines und die Ausstattung der Stücke rufen dem Leser zu: lies mich nicht, sonst wirst du die Verschwendung deiner Lebenszeit bereuen. Chefredaktor Beat Balzli verwirrt mit dem Titel «Heute macht der Säbelzahntiger mal Pause». Daneben walzen Alain Zucker und Peer Teuwsen eine Denkpause auf vielen Zeilen aus: «Die Sippenhaftung ist zurück», behaupten sie. Boykottaufrufe träfen «die Falschen», Israel sei «kein Apartheitstaat». Schludrige Formulierungen zeugen von schludrigem Schreiben:

Auf welchem Niveau wird hier geholzt?

«Als die Bewegung mit Wirtschaftsboykotten nicht weiterkam, hat sie sich zunehmend auf die Kultur kapriziert. Die Szene ist ein wildes Amalgam aus antisemitischen Kapitalismusgegnern, Russlandapologeten, Postkolonialisten und Mitläufern, die in holzschnittartigen Tiktok-Videos politisiert wurden und seither in moralischer Selbstzufriedenheit alles Israelische böse und alles Palästinensische gut finden

Das ist, mit Verlaub, gerüttelter Schwachsinn auf einem Argumentationsniveau, wie es Trump oder Vance auch nicht schlechter hinkriegten. Zudem wünschte man sich, dass die NZZaS mit dem gleichen Furor gegen die Ausformungen des Boykotts von russischen Künstlern vom Leder ziehen würde.

Beim Iwan hingegen darf der kalte Krieger Markus Bernath seine Betriebstemperatur hochschrauben: «Man darf sich nichts vormachen: Europa steht bereits in einem militärischen Konflikt mit Russland.» Man kann sich nichts vormachen: der Mann ist ein Kriegstreiber erster Güte.

Ein trauriges Kapitel ist die Gewichtung in dieser Ausgabe der NZZaS. Eine Seite nostalgische Verklärung von Robert Redford. Seine «Persönlichkeit war einzigartig». Nichts dagegen einzuwenden, er gehört auch zu den Lieblingen von ZACKBUM. Aber dafür ein paar lumpige Zeilen zum Tod von Fredi Heer? Das ist mehr als schäbig.

Dafür als Aufmacher auf der Seite «Nachrufe» die Nacherzählung des Lebens eines Überläufers aus Nordkorea, den nun wirklich niemand kennt. Das ist geradezu unverschämt.

«So sad», würde Trump zu dieser Ausgabe sagen. Dabei hätte er den Schnarch-Aufmacher der «SonntagsZeitung» noch gar nicht gesehen:

Und Zufälle gibt’s; auch auf Seite eins der SoZ:

Aber immerhin, der Tod von Fredi Heer schafft es hier auch auf Seite eins.

Auf Seite zwei lebt der ansonsten zurechnungsfähige und kompetente Arthur Rutishauser in seinem Editorial den Traum «wenn Wünschen helfen würde» aus. Und fantasiert: «Kurzfristige Interessen von Aktionären, die auf die schnelle Rendite aus sind, sollte man ignorieren. Die haben mit dieser Denke schon die CS und die Swissair ruiniert.»

Da aber diese Aktionäre Mehrheitseigner sind, lässt sich das schlecht ignorieren. Und CS oder Swissair wurden in erster Linie durch ein inkompetentes Management ruiniert.

Unwillkürlich an die Werbung «für ä tüüfä gsundä Schlaaf»® erinnert fühlt man sich beim Aufmacher von «Leben & Kultur». Als gälte es, eine Kriegsberichterstattung anzukündigen, hämmert der Lead:

«Philippe Zweifel hat sich für Sie durch Möbelhäuser, Testbetten und Rückenschmerzen gekämpft».

ZACKBUM hofft, dass dadurch kein neuer IV-Fall entstanden ist.

Die Clownin

Grock, Charlie Rivel, rückt beiseite: wir lachen mit Agota Lavoyer.

Im Niedergang der «#metoo»-Denunziationswelle müssen die Wellenreiterinnen immer verzweifelter nach Aufmerksamkeit haschen. Lavoyer hat eine Marktlücke entdeckt und mit dem Begriff «Rape Culture» besetzt.

Sie nennt sich «Expertin für sexualisierte Gewalt und Opferberatung». Expertin ist immer gut, nur wofür genau? Für den Kampf gegen die selbst erfundene «Rape Culture», denn wir leben angeblich «in sozialen Milieus oder Gesellschaften, in denen Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt verbreitet sind und weitgehend toleriert oder geduldet werden».

Diesen Quatsch verbreitet Lavoyer unermüdlich, aber mit nachlassendem Erfolg. Selbst Tamedia rollt ihr seltener den roten Teppich aus, damit sie ihren wirkliche Frauenprobleme diskreditierenden Unsinn verbreiten kann.

Das treibt sie zu einer Verzweiflungstat, mit der sie immerhin in die «SonntagsZeitung» kommt. Da entdeckt Autor Simon Angelo Meier die weite Welt des Fantasie-Feminismus. Die fängt schon beim Titel an:

«Löst Diskussion aus»? Für eine Diskussion braucht es mindestens zwei Teilnehmer. Hier handelt es sich einzig um einen Monolog von Lavoyer, die verzweifelt, aber erfolgreich versucht, als Clownin in die Schlagzeilen zu kommen.

Denn sie hat Ruchloses, Übergriffiges, Sexistisches nirgendwo anders als in der Nummer eines Clowns beim Zirkus Knie entdeckt. Seine Nummer ist, dass er als Musikclown vergeblich versucht, bei einer Saxofonistin zu landen. Über den künstlerischem Wert der Aufführung lässt sich streiten.

Aber Lavoyer hat etwas ganz anderes enthüllt, Meier berichtet über ihre Lachnummer: «Die wiederholten, hartnäckigen Annäherungsversuche des Clowns gegenüber der Saxofonistin sorgen neben Lachern aus dem Publikum aber auch für Unmut. Agota Lavoyer, Autorin und Expertin für sexualisierte Gewalt, äusserte ihre Kritik an der Nummer in einer Instagram-Story.»

Findet sie den Clown nicht lustig? Nein, sie ist entsetzt, «weil das übergriffige Verhalten in einer humorvollen Verpackung präsentiert und so einem jungen Publikum präsentiert werde, wie sie auf Instagram schreibt: «Wenn ihr euch fragt, wieso die Rape Culture nicht ausstirbt? […] Weil wir im Jahr 2025 immer noch darüber lachen, wenn Frauen sexuell belästigt werden. Das ist ja so lustig. Not.»»

Muss die Geschichte des Slapsticks umgeschrieben werden? All die übergriffigen Szenen von Dick und Doof, Charlie Chaplin, der ja auch privat ein Schwerenöter war, Buster Keaton, es gibt genug Material für ein neues Buch von Lavoyer: «Kein Lachen mehr über Rape Culture».

Allerdings hat Lavoyer neben ihrem Verschwinden in die Bedeutungslosigkeit noch ein zweites Problem: die Dame ist (Achtung, Sexismus-Gefahr) ungebildet. Sonst wüsste sie, dass es zu den Klassikern der Commedia dell’arte gehört, dass Harlekin um Colombina wirbt, während ein Weissclown dabei stört. Die Saxofon-Nummer ist lediglich eine Variante davon. Also eigentlich «Rape Culture» mit uralter Tradition.

Lavoyer und Meier haben ein drittes Problem: ausser ihr findet niemand etwas Anstössiges an der Nummer des Clowns. Publikum, der Zirkus selbst, alle scheinen blind gegenüber der «Rape Culture» zu sein. Da muss Clownin Lavoyer krampfhaft nachlegen:

«Sexuelle Belästigung werde so als romantisches Begehren verschleiert. Dass eine Zirkuseinlage eines Clowns das dürfe, weil es sich um Unterhaltung handle, lässt Lavoyer nicht gelten: «Comedy darf nicht alles, schon gar nicht, sich über gewaltvolle Situationen lustig machen. Denn am Ende trägt genau das zur Normalisierung der Gewalt bei.»»

Damit dieser Vorwurf nicht auch gegen ZACKBUM erhoben werden kann, schliessen wir mit der Schlusspointe der SoZ. Nicht ohne den Hinweis, dass Weissraum eine valable Alternative für diesen Ausflug in den absurden Humor einer Weissclownin (und Meier wäre dann …) gewesen wäre:

«Lavoyer hat derweil die Zuschriften von Lesenden, die sich über Instagram bei ihr gemeldet haben, veröffentlicht: Sie reichen von Beleidigungen über Unverständnis bis hin zum Vorwurf, sich über die Behandlung des Themas profilieren zu wollen.»

Was heisst da Vorwurf …