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Hilfe, mein Papagei onaniert: Hitzestau

Reden wir über das Wetter.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Wenn’s mal heiss wird in der Schweiz, haben die Sonntagsblätter ihr Thema gefunden.

Wenn alle vom Wetter reden, wieso dann nicht einen Riesenartikel übers Wetter machen? Dazu das Reizwort «Klimawandel», ein Wetterfrosch runzelt bedenklich die Stirne, und schon ist eine Doppelseite plus Cover gefüllt.

Fehlt noch was? Natürlich, ein Frauenthema. Wie kann man das mit dem kleinsten Aufwand ins Blatt heben? Richtig, man macht ein Interview.

Auch der ansonsten sehr geschätzte Armin Müller kann mal danebenliegen: «Bei Bitcoin & Co. handelt es sich um Nullsummenspiele, der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen. Es entsteht kein Mehrwert.» Bei Bitcoin & Co. handelt es sich um Währungen. Die sind immer Nullsummenspiele. Oder käme jemand auf die Idee, bei einer Kursänderung des Schweizerfrankens gegenüber dem Dollar von Gewinn und Verlust zu sprechen? Oder sich darüber zu beschweren, dass aus einer Währung kein Mehrwert entsteht? Vielleicht nochmal zum Thema Geldtheorie etwas nachlesen.

Denn weder ist die Kryptogemeinde gescheitert, noch ändert der letzte Kurssturz (in einer langen Reihe) etwas daran, dass Kryptowährungen den ersten ernsthaften Versuch darstellen, das Geldmonopol der staatlichen Notenbanken in Frage zu stellen. Deshalb werden sie auch so kritisch beharkt. Als Facebook ernsthaft mit dem Gedanken spielte, auch eine eigene Kryptowährung ins Leben zu rufen, klingelten in der Politik (und somit auch in den Medien) überall die Alarmsirenen. Und der Versuch wurde (vorläufig) abgewürgt. Alles, weil auf Blockchain aufgebaute Zahlungsmittel die Zukunft sind.

Vom ernst Falschen zum unernst Lächerlichen. Dass Daniel Craig sich in ein rosa Samtjackett zwängte, konnte man nur als Stinkefinger in Richtung seiner Rolle als James Bond interpretieren. Er hatte wohl Angst, dass man ihn trotz Todesfall wiederbeleben könnte. Aber ein Bond in einem rosa Anzug? Niemals. Der einzige Grund, als Mann rosa zu tragen, ist: ich will zeigen, dass ich Mut zur Lächerlichkeit habe.

Hier geht’s wenigstens noch schön männlich zu. Auch wenn so ein Töff, mit dem Mann über Stock und Stein brettern kann, so ziemlich allem widerspricht, wofür Tamedia ideologisch steht. Aber Gesinnung ist das eine, Inserateeinnahmen ist das andere, Wichtigere.

Alle reden vom Wetter, natürlich die NZZaS auch. Plus eine extra Öko-Beilage, grossflächig beworben auf der Front. Braucht das Thema wirklich die halbe Seite vorne? Nun ja, wenn es sonst nicht viel zu berichten gibt …

Im Blatt wird die Allerweltsexpertin Anne Applebaum interviewt. Das tut so ziemlich jeder, und sie sagt auch zu ziemlich jedem so ziemlich das Gleiche. Wieso auch noch die NZZaS ihr eine Plattform gibt, damit sie Altbekanntes wiederholt?

Aber offenbar wollte man eine Reihe «wir interviewen oder porträtieren altbackene Menschen» machen. Dazu passt auch ein Porträt von Andreas Gross. Genau, der Gross, der vor vielen, vielen, vielen Jahren mal mit der Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee Furore machte. Und anschliessend eigentlich nur noch durch seine üppigen Reisespesen auffiel.

Zu guter letzt setzt Peer Teuwsen seine Reihe fort: Ich interviewe scheintote Rockstars. Nach Mick Jagger nun auch noch Elton John. Ja, meine lieben jungen Leser, das ist so ähnlich wie mit den Sissi-Filmen. Umso mehr sich der Leser altersmässig gegen unten von Teuwsen unterscheidet, desto mehr fragt er sich: Jagger? Wer ist Jagger? Elton John? Wer ist denn das? Macht der vielleicht Werbung für Fielmann?

Aber, sonst wäre es nicht die NZZaS und man müsste nur meckern, dann kommt noch eine grosse Reportage über Äthiopien. Äthiopien? War da mal was? Gab es da nicht mal einen Friedensnobelpreisträger? Und gibt es ausserhalb der Ukraine tatsächlich noch eine Welt? Immerhin, diese Fragen beantwortet die NZZaS, und dafür sei sie am Schluss hier versöhnlich gelobt.

Und der SoBli? Ach nö, auch ZACKBUM braucht manchmal eine Verschnaufpause.

Hilfe, mein Papagei onaniert: Faule Eier

In der zeitlichen Distanz wirkt die Ostersonntags-Presse noch abgestandener.

Ostern ist medial gesehen blöd. Drei Feiertage, ausgerechnet am Samstag muss für die Sonntagspresse gearbeitet werden, los ist meist auch nicht viel. Man kann es sich nun ganz einfach machen wie die «Berner Zeitung/ Der Bund», die im Rahmen der Sparmassnahmen zur Qualitätsverbesserung im Hause Tamedia über Ostern einfach Artikel rezykliert.

So verzweifelt ist die Sonntagspresse noch nicht, aber fast.

Der SoBli probiert’s mit der ältesten Nummer überhaupt. Wenn nix los ist, mach eine Umfrage. Und ein Quiz. Da kann nix schiefgehen:

Gegen den erhöhten Gähn-Faktor dann noch ein Interview mit dem aalglatten Grünen-Chef Balthasar Glättli. Der lässt sonst keine Gelegenheit aus, in die Medien zu kommen, hier hätte er sicher lieber gekniffen. Denn seine Grünen sind rechte Militärköpfe geworden und wollen unbedingt in die NATO. Was ist denn mit dem grünen Pazifismus, will der SoBli wissen. Glättli gerät auch beim schriftlich geführten Interview ins Eiern: «Mich erstaunt die NATO-Positionierung sehr.» Schliesslich stünde in der Wahlplattform «das Gegenteil». Nämlich «stärkeres Engagement der Schweiz für die Friedensförderung in der Uno und der OSZE statt in der NATO-Partnership for Peace».

Da fragt der SoBli frech, ob diese Postion nicht überdacht werden müsse. Worauf Glättli 15 Zeilen Geschwurbel ablässt, um die Frage in Watte zu packen und zu entsorgen. Jämmerlich gut.

Aber die ersten zehn Seiten des Blatts sind mit dem Thema Ukraine abgefüllt, man meint den Seufzer der Erleichterung zu hören. Nun Platz für das «Oster-Lexikon», eine taufrische, originelle, neue Idee.

Dann folgen weitere Artikel, so über den «Drang nach Süden», die mehr oder minder streng nach eingeschlafenen Füssen in roten Wandersocken riechen. Die Präsidentschaftskandidaten Marie Le Pen wird schnell zur «gefährlichsten Frau Europas» ernannt, womit sie offenbar vor Figuren wie von der Leyen oder Lagarde läge.

Einen weiteren Höhepunkt erreicht der SoBli mit diesem Interview:

Merke, wer eine solche Null-Aussage als Titelquote verbraten muss, will damit sagen: lies mich nicht, weiterblättern.

So landet man dann hier:

Ei, ei, ei, was für Fragen. «Was wird an Ostern gefeiertZACKBUM treibt seine Leser an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und serviert folgende Antwortmöglichkeiten (nein, die sind original, bevor jemand Satire sagt):

– Ende des Winters
– Auferstehung von Jesus
– Geburt von Jesus
– Beginn des Frühlings

Wir sind verwirrt, denn wir vermissen die richtige Antwort: Die Eier des Osterhasen.

Und was macht das Blatt für die halbgebildeten Stände? Da hat leider das Geld für eine Meinungsumfrage nicht gereicht, also muss man so fahren:

Dann würde «watson» von einem Sozialporno sprechen, denn unter dem erschütternden Titel «Meine Füsse bluten» wird über Fluchten aus der Ukraine berichtet. Ach, nein, so geht’s im Gastgewerbe zu und her, «Betroffene berichten». Dann frönt die SoZ ihrer Unsitte, Artikel mit Riesenfotos aufzublasen, die allerdings so inhaltsleer wie der Bericht selbst sind:

Das nächste Mal spürt man die Tamedia-Sparmassnahmen im «Fokus»-Bund. Der besteht aus heisser Luft und dem gesprochenen Wort. Wenn Bundesrätin Sommaruga interviewt wird, dann weiss man, dass die Redaktion schon am Samstag dringend Ostereier verstecken wollte und es ihr dabei egal ist, ob sich der Leser durch Watte arbeiten muss.

Man beachte auch bei diesem Interview das Verhältnis Fotos – Text. Eins zu eins, würden wir sagen. Etwas Farbe ins Ostergrau bringt einzig Michèle Binswanger, die sich an ein Interview mit Alice Schwarzer traut. Die grosse alte Dame der deutschen Frauenbewegung ist bekanntlich in feministischen Kreisen in der Schweiz untendurch, weil sie es doch wagte, den Vollkörperschleier nicht als Ausdruck des Selbstbestimmungsrecht emanzipierter islamischer Frauen zu sehen (wie Frauenversteher Daniel Binswanger), sondern als Käfig, als Gefängnis, weswegen Schwarzer natürlich für das Burka-Verbot war. Nun nimm sie die «Transsexualität» unter die Lupe und erklärt sie für «in Wahrheit rückschrittlich». Wie immer mit intelligenten Argumenten. Aber das wird ihr hierzulande nix nützen.

 

Die NZZaS hingegen hat ein echtes Generationsproblem. Woran merkt man das?

Richtig, wenn ein Blatt ein Jugendfoto des 78-jährigen Mick Jagger (das ist so ein Überlebender der «Rolling Stones», das ist so eine Band, die vor vielen Jahren ihr letztes Album rausbrachte) riesig aufs Cover nimmt, dann bedeutet das, dass die U-50 eher schwach in der Redaktion vertreten sind. Denn die sagen mehrheitlich: Mick who? Natürlich ist es ein biologisches Wunder, dass der immer noch ohne Krückstock über die Bühne hupft und auch Keith Richards, der nun seit vielen Jahren so alt aussieht, wie er niemals werden kann, hält sich noch an seiner Gitarre fest. Ansonsten stirbt aber ein Mitglied nach dem anderen weg.

Anlass des Riesenfotos ist, dass es dem Kulturchef doch tatsächlich gelungen ist, ein Interview mit Jagger zu ergattern. Das ist natürlich toll für einen Fan, aber ausser, dass sich Peer Teuwsen darüber wundert, dass Jagger den Begriff «Tautologie» kennt, ist’s nun ungefähr so originell wie «I can’t get no satisfaction» .

Und sonst? Ukraine, Ukraine, Vincenz, Vincenz, schliesslich The Man:

So sah Jagger vielleicht vor der Erfindung der Farbfotografie aus, heute eher so:

 

 

 

 

 

Trost findet Jagger höchstens hier:

Saufen und rauchen hat Keith Richards übrigens aufgegeben.

Freie Presse

Kommentar? Kommentar fast überflüssig. Die neue Rubrik.

«Oder ob die Bevölkerung endgültig genug hat von Putins wichtigstem Trojaner im Westen.»
Wolfgang Rössler in der NZZaS über Ungarns Präsident Viktor Orban.

«Ich möchte, dass Sie Ukrainer sind
Wolodimir Selenskyj zu Demonstranten in Bern. Es gab Applaus.

«Die Politik kommt nicht umhin, bei der Förderung der Erneuerbaren ein paar Gänge höher zu schalten.»
SoBli-Chefredaktor Gieri Cavelty mit einer wunderbaren Auto-Metapher in seinem Editorial über «Blochers bizarre Neutralitätsdebatte».

«Der Westen kann den neuen Kalten Krieg gewinnen».
Der heisse Krieger Martin Suter in der «SonntagsZeitung».

«Die Historikerin Anne Morelli hat zehn eherne Regeln der Kriegspropaganda definiert.»
Daniel Friedli in der NZZaS. Man stelle sich vor, welches Gebrüll erschallen würde, hätte Friedli Arthur Ponsonby als geistigen Urheber dieser zehn Regeln bezeichnet, während es in Wirklichkeit Morelli gewesen wäre. Aber da es umgekehrt ist …

«Insbesondere gilt es, jene Kräfte zu bekämpfen, die jetzt auf Putins Logik einsteigen und seinem chauvinistischen Grössenwahn geradezu defätistisch mehr Nationalismus, Protektionismus und Aufrüstung entgegensetzen wollen. Angesagt ist vielmehr ein entschlossenes Vorantreiben multilateraler Lösungsansätze auf globaler Ebene, eine Stärkung der Uno, das Zur-Rechenschaft-Ziehen von Kriegsverbrechern und eine internationale Abrüstung, die Ressourcen freisetzen kann, die anderswo dringend gebraucht werden.»
Der emeritierte Professor für Geschichte Jakob Tanner im SoBli. Das haben wohl nicht nur die Leser dort nicht verstanden.

«Was sollen die USA tun, um den Ukrainern zu helfen? Eine Flugsverbotszone errichten und wirksame Waffen liefern. Die Nato vielleicht sogar Truppen. Was soll die Schweiz tun, um der Ukraine zu helfen? Den Rohstoffhandel stoppen, der zu 80 Prozent über unser Land läuft. Und natürlich das Geld von Putin, seiner Entourage und seinen Helfern, den russischen Oligarchen, sperren, das sind 180 Milliarden Franken, die bei uns vermutet werden.»
Arthur Rutishauser, der Oberchefredaktor bei Tamedia, in seinem Editorial in der «SonntagsZeitung». Er möchte also gerne den Dritten Weltkrieg ausrufen und nebenbei noch den Rechtsstaat Schweiz zu Kleinholz verarbeiten.

«Das 700 PS Finale. Auf dem Weg ins E-Zeitalter lässt es der britische Hersteller Aston Martin nochmals krachen: Der Vantage feiert sein letztes Comeback als V12».
Autor spx. In der «SonntagsZeitung» über zeitgemässe Automobiltechnik.

 

 

Putin, der Wahnsinnige

Dämonisierung des Gegners: aus dem Handbuch der Demagogie.

Wir hatten Iwan der Schreckliche. Katharina die Grosse. Stalin der rote Diktator. Und nun Putin der Wahnsinnige. So zumindest die Ferndiagnose der «SonntagsZeitung». Die ist allerdings nicht auf deren Mist gewachsen, sondern von den deutschen Schreikräften Silke Bigalke und Frank Nienhuysen übernommen.

Denn eine eigene Auslandberichterstattung ist im Hause der Qualitätsmedien dem Rotstift zum Opfer gefallen. Sonst könnte der Coninx-Supino-Clan sich keine Sonderdividende leisten, und das wollen wir alle nicht.

Auch das Sturmgeschütz der Demokratie ballert aus allen Rohren nach Osten:

«Alle, die seit vielen Jahren sagen, dass der Mann ein unberechenbarer, soziopathischer Egomane ist, der Verhandlungen als Show aufführt, lügt, betrügt, manipuliert und bei Bedarf tötet, hatten Recht.»

So holzt der «Kognitions-Psychologe» Christian Stöcker im «Spiegel» und lässt Zweifel aufkommen, ob es diese Fachrichtung überhaupt braucht.

«Schämen Sie sich, Herr Scholz», tritt Maximilian Pop dem deutschen Bundeskanzler auf den Schlips. Aber auch Schweizer Schreibtischgenerale gehen streng mit ihrer Regierung ins Gericht: «Eigentlich müsste es ja eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir uns der freien Welt anschliessen und den russischen Präsidenten Putin samt seinem korruptem Umfeld von unserem Finanzplatz verbannen.» Man wundert sich nicht nur bei Tamedia-Oberchefredaktor Arthur Rutishauser, wieso das Autorenfoto ohne Stahlhelm auskommt.

Schreiben hinter der Schiessscharte

Das gilt verschärft auch für den «SonntagsBlick». Der sitzt bereits im Zivilschutzbunker mit Notvorrat und japst: «Ein Angriff auf uns alle». Natürlich ist Gieri Cavelty immer zur Stelle, wenn es darum geht, der wohlfeilen Polemik die Krone aufzusetzen: «Wladimir Putin, einst KGB-Mann in der DDR, ist Kopf der Bande.» Die Schweiz sei keineswegs neutral, sie sei «brutal loyal gegenüber dem Aggressor Wladimir Putin».

Man bedauert wieder einmal, dass für das Lenken eines Autos ein Führerschein nötig ist. Für das Beschallen der Bevölkerung mit Nonsens hingegen nicht. Wenn der Unterschied zwischen der Regierungsform in Russland und der in der Schweiz darin besteht, dass hier Rechtstaatlichkeit und das Prinzip der bewaffneten Neutralität herrschen, dann ist es zwar erlaubt, dass staatsbürgerliche Leichtmatrosen wie Cavelty das beschimpfen. Das ist aber kein Grund, von diesen Prinzipien abzuweichen, nur weil ein paar publizistische Krakeeler das fordern.

Ein Wahnsinniger mit Atombomben

Um etwas Ausgewogenheit bemüht sich immerhin die NZZaS, die einen ETH-Professor für Konfliktforschung sich fragen lässt: «Verrückter Despot oder rationaler Nationalist?» Wer allerdings eine Abwägung erwartet, wird schnell enttäuscht: «Das Krankhafte in Putins Entscheidungsfindung hat seit seiner pandemiebedingten Isolation offensichtlich zugenommen.»

 

Helden in Turnschuhen …

Man ist sich allgemein einig: Wir haben es hier mit einem Wahnsinnigen zu tun. Einem soziopathischen Egomanen. Der Mann ist krank, hat aber Atombomben. Der freie Westen muss mal wieder gegen den russischen Bären zu Felde ziehen.

Ist das so? Einzig unbestreitbar ist: die militärische Intervention in der Ukraine ist ein klarer Bruch des Völkerrechts und aller Abmachungen und Versprechungen, die Russland gegenüber der Ukraine abgegeben hat. Rückgabe des Atomwaffenarsenals nach dem Zusammenbruch der UdSSR gegen die Garantie der territorialen Integrität. Daran gibt es nichts zu deuteln oder zu rütteln.

Nun ist es seit Urzeiten so, dass bei Kriegsgeschehen möglichst akkurate Berichterstattung durch Propagandagedöns ersetzt wird. Dass das bei den direkt involvierten Parteien so ist, verständlich. Natürlich überschlägt sich die russische Presse mit regierungshöriger Berichterstattung, keilen die ukrainischen Medien nach Kräften zurück.

Wieso versagen die Schweizer Medien wieder so kläglich?

Wieso ist aber auch in der angeblich so neutralen Schweiz die Berichterstattung der Mainstreammedien dermassen einseitig? Wieso wird nicht einmal der Versuch unternommen, den Begründungen und Behauptungen der russischen Regierung nachzugehen, wieso eine militärische Intervention nötig gewesen sei?

In der NZZaS wird der kühne Vergleich mit der verunglückten Intervention des Westens während des Zerfalls von Jugoslawien gezogen. Da habe die serbische Regierung doch behauptet, in Kroatien gäbe es postfaschistische Bewegungen wie die Ustascha und ethnische Säuberungen gegen Serben. Der galoppierenden Geschichtsvergessenheit ist zuzuschreiben, dass in den Medien längst vergessen ist, dass es in Kroatien zu Zeiten des Hitler-Faschismus das KZ Jasenovac gab. Das einzige Vernichtungslager, das nicht von den Deutschen selbst betrieben wurde und in dem nicht in erster Linie Juden, sondern Serben umgebracht wurden.

Der im Westen der Ukraine mit Denkmälern geehrte Faschist, Nazi-Kollaborateur und Antisemit Stepan Bandera ist eine Symbolfigur für die faschistische Vergangenheit der Ukraine. Bis weit in die Geschichte zurück reicht das komplizierte Verhältnis zwischen Russen und den Bewohnern der heutigen Ukraine, die lange Zeit ganz anders hiessen.

Völlig verdrängte Geschichte 

Hinzu kommt, dass Russland nach leidvoller Erfahrung blutiger Überfälle aus dem Westen, erinnert sei nur an Napoleon und Hitler, nicht nur rational auf den Eindruck reagiert, nach dem Zusammenbruch des eigenen Militärbündnisses durch die Osterweiterung der NATO eingekreist zu werden.

Natürlich sind Vergleiche mit dem Vertrag von Versailles oder dummem Gequatsche von Wilhelm Zwo vor dem Ersten Weltkrieg völlig unangebracht. Natürlich ist der militärische Überfall auf die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen. Das gesagt, müsste es doch Aufgabe einer Qualitätspresse, die diesen Namen verdient, sein, Beurteilungskompetenz zu schaffen.

Stattdessen wird geschimpft und gefordert, verbal aufgerüstet, so getan, als ob auch die Schweiz ihren Beitrag dazu leisten könne und müsse, Russland mit wirtschaftlichen Sanktionen in die Knie oder zumindest zum Rückzug aus der Ukraine zu zwingen.

Dafür werden akkurat Listen von «Putin-Verstehern» geführt, die Firmensitze mit Adresse und im Bild vorgestellt, wo Geschäfte von oder mit Russland getätigt werden. Bislang, so ist das halt in einem Rechtsstaat, völlig legal.

Wenn sich die Nebel des Kriegs gelegt haben werden, wenn aus einiger Distanz ein Rückblick möglich sein wird, dann werden die Schweizer Massenmedien ein selten jämmerliches Bild abgeben. Einmal mehr, nach der Pandemie, daran gescheitert, ihren Lesern und Zuschauern und Zuhörern ein differenziertes, analytisches Bild der Ereignisse zu liefern. Einmal mehr stellt sich die Frage: Wenn sie das nicht wollen oder können, wozu braucht es sie dann eigentlich noch? Dann reicht doch eigentlich «Russia Today» oder die Sicht der «Süddeutschen Zeitung» oder der restlichen deutschen Kampfpresse.

 

 

Hilfe, mein Papagei onaniert

Die Sonntagspresse. Immer ein Quell der Erbauung.

Wir lassen diesmal den «SonntagsBlick» aussen vor. Auf den ersten Blick hat es keine Stellungsnahme von Walder, Ringier oder Heimgarten drin. Also langweilig.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Auf den zweiten Blick rezykliert der SoBli Dinge, die bereits im «Magazin» von Tamedia erschienen sind, also halten wir uns doch lieber ans Original.

Das ist nun leider nicht wahnsinnig originell, muss man gleich einschränkend sagen. Man kommt doch recht schnell ins Blättern, wenn man sich noch eines der letzten Exemplare der «SonntagsZeitung» im Print erstanden hat. Denn das muss ja nun alles wohl leider eingestellt werden, wenn all die düsteren Ankündigungen eintreffen, was passiert, sollte die Medienmilliarde nicht in den Taschen der Verlegerclans landen.

Drei Seiten Gemurmel über die Ukraine. Blätter. Ein Artikel über die immer noch demonstrierenden «Corona-Massnahmen-Gegner», bei dem das Bild doppelt so viel Platz wie der Text einnimmt und auch viel aussagekräftiger ist.

Ein Artikel über den schwarzen Uni-Professor John McWorther, der gegen die Anti-Rassismus-Bewegung rempelt, sie sei «eine ideologische Schreckensherrschaft». Das beweist, dass es in der Zentralredaktion von Tamedia noch mindestens ein NZZ-Abonnement gibt. Denn dort wurde dieser Professor erst vor Kurzem (und natürlich viel tiefsinniger) porträtiert. Aber was der SoZ-Leser vielleicht nicht weiss, macht ihn nicht heiss.

Und weiss man denn, wie viele Leser der NZZ Alzheimer haben und die gleiche Nachricht beliebig häufig lesen und als neu empfinden können? Dann ein Interview mit einem «Experten für Rassismus und Gewaltverbrechen sowie Leiter des Amts für Justizvollzug und Wiedereingliederung beim Kanton Zürich und Professor für Forensische Psychologie an der Uni Konstanz».

Trotz des ellenlangen Titels sind seine Gedankengänge doch so kurzatmig, dass man sich Sorgen um den Justizvollzug und seine Studenten macht. Denn der Professor zeigt in einem Satz, dass er eigentlich wenig Ahnung von nichts hat: «Prävention ist kein Argument gegen Verbote. Hier macht der Bundesrat einen Überlegungsfehler.» Indem er bekanntlich den Hitlergruss oder Nazisymbole nicht verbieten will.

Den Überlegungsfehler, das Hochhalten der Meinungsfreiheit wie in den USA als implizites Billigen dieser Symbole misszuverstehen, unterläuft aber diesem Jérôme Endrass. Wir haben hier schon versucht, das ganz langsam zu erklären

Bei der NZZaS, nun ja, ist der Blätterreflex nicht weniger ausgeprägt. Rasant schnell ist man auf S. 53, wo Peer Teuwsen damit angibt, dass er einem Bündner Baunersohn nach Island folgen durfte, wo der zum Schriftsteller wurde. Das wär’s dann auch schon fast im Kulturbund, der stolze 6 Seiten umfasst.

Aber, wer sucht, der findet, immerhin gibt es einen halbseitigen Bericht über die abseitige Tatsache, dass Benito Mussolini seit 1937 Ehrendoktor der Uni Lausanne ist. Richtig, bis heute.

Bei Adolf Hitler war es dann in Deutschland (und anderswo) schöner Brauch, dem Jahrhundertverbrecher diese Würde posthum abzuerkennen. Wieso hält denn dann die Uni Lausanne daran fest, den Duce weiterhin als Dr. h.c. zu führen? Mit einer Aberkennung «würde die Sache aus der öffentlichen Debatte verschwinden», wird der Rektor der Uni zitiert. «So einfach dürfen wir es uns nicht machen

Die Uni macht’s sich sowieso nicht leicht, «2021 wurden ausschliesslich Frauen mit dem Ehrendoktor der Universität Lausanne geehrt», weiss die NZZaS.

Das lässt den Leser eher ratlos zurück. Den Fehler wieder gutzumachen, dem italienischen Faschisten 1937 den Ehrendoktor verliehen zu haben, würde doch schlicht und einfach bedeuten, dem Diktator den Titel einige Jährchen nach dessen Tod abzuerkennen. Ab so einfach will es sich die Uni nicht machen. Diesem Gedankengang kann man wohl nur folgen, wenn man mindestens zwei Doktortitel hat.

Als weitere Wiedergutmachung und als Abbitte für den Männerüberhang unter Ehrendoktoren wurden nun letzte Jahr nur Doktorinnen geehrt. Dass darin eine negative Diskriminierung enthalten ist (wieso soll es in diesem Jahr plötzlich keinen einzigen auszeichnungswürdigen Mann gegeben haben), fällt weder der Uni, noch dem Autor des Artikels auf.

Also eine nette Trouvaille, gnadenlos versemmelt.

 

Ach, und in der Wirtschaft wird in der Sonntagspresse ein alter Zopf neu geknüpft. Den Recherchierjournalisten ist nämlich aufgefallen, dass eine Aktie in diesem Jahr an der Schweizer Börse am besten performt hat. Und zwar mit Abstand. Um fast 50 Prozent hat ihr Kurs zugelegt. Das nennt man mal eine Gewinnsträhne für all die, die rechtzeitig drauf gesetzt haben.

Wem gehört nun diese Wunderaktie? Der Credit Suisse? Der UBS? Der ZKB? Scherz beiseite, es ist natürlich unsere Schweizerische Nationalbank. Könnte das etwas damit zu tun haben, dass sie mal wieder nur mit grösster Not die Gelspeicher schliessen kann, so quellen dort Eigenkapital, Gewinne und Bilanzsumme heraus.

Aber nein, wissen die Finanzkoryphäen, «hinter der Kurshausse stecken offenbar wie schon in früheren Fällen deutsche Börsenbriefe, die die Unwissenheit ihres Publikums ausnützen». Wie denn das? «Weil normalerweise weniger als 100 Aktien pro Tag gehandelt werden, kann der Kurs leicht bewegt werden.»

Das ist nun ein Satz zum Abschmecken. Er impliziert, dass der Kurs manipuliert wird. Also auf einem engen Markt mit Kauforders der Preis hinaufgetrieben wird. Das ist nun ein so schwerer Vorwurf, dass er unbedingt mit dem Hauch eines Belegs versehen werden müsste. Aber doch nicht in der SoZ, das würde ja noch zu einer Recherche ausarten.

Interessant ist auch: wenn das so wäre, würde der Aktienkurs unserer SNB hinauf- und vielleicht auch wieder hinunterspekuliert werden. Echt jetzt? Und alle schauen zu? Wieso soll eigentlich die angebliche Unwissenheit des Publikums ausgenützt worden sein? Wenn jemand Anfang Januar investierte, dann hat er locker 50 Prozent Profit gemacht. Ist doch super, so unwissend zu sein.

Und schliesslich: Bei rund 8000 Franken pro Aktie hat die SNB einen Börsenwert von 800 Millionen Franken. Völlig lachhaft, angesichts des Eigenkapitals und ihrer besonderen Funktion. Das Hundertfache wäre eigentlich immer noch ein Schnäppchen. Solchem Fragen nachzugehen, das würde ja zu Denkarbeit ausarten. Aber doch nicht in der SoZ.

Wumms: Rafaela Roth

Vielleicht wieder zurück zu «watson»?

Sie ist eine Allzweckwaffe. Medien, Bundesräte, Schriftstellerinnen, Crystal Meth, Afghanistan, Spielbankenkommission, Zocker: kein Thema zu klein, nicht beschrieben zu sein. Nicht immer sehr akkurat, nicht immer ausgewogen.

Schon im Oktober 2020 warnte ZACKBUM vor ihren Recherchierkünsten, als Rafaela Roth unfiltriert sich die recht einseitige Sichtweise eines Zockers zu eigen machte:

«Wie ein solcher Unfug von Rafaela Roth durch alle Kontrollinstanzen flutschte und üppig illustriert den Leser auf einer Doppelseite angähnt – unverständlich und beunruhigend.»

In letzter Zeit häufen sich die Flops von Roth. Ein lobhudelndes Porträt über eine umtriebige Medienanwältin, bei der nur Positives vorkommt und alles Negative sorgfältig ausgeblendet wurde.

Wäre das ein bezahltes Inserat, Pardon, ein «Sponsored Content» gewesen, hätte es Sinn gemacht – und die NZZaS hätte wenigstens etwas daran verdient, sich den Ruf zu bekleckern.

Ziemlich dreist ist allerdings, dem NZZaS-Leser auf einer Doppelseite ein Interview zu servieren, das inhaltlich verblüffend ähnlich mit der gleichen Psychiaterin genau drei Monate vorher in der «SonntagsZeitung» erschien.

Das Thema ist beide Male – feine Ironie – Dummheit. Hier muss man allerdings Roth in Schutz nehmen. Sie macht einfach ihren Weg, von «watson» über «Tages-Anzeiger» zum «Hintergrund» der NZZaS. Dumm, wer sich ein Interview mit der gleichen Person zum gleichen Thema drei Monate später als die Konkurrenz aufschwatzen lässt.

Die Lektüre von ZACKBUM hätte genügt, diese Doublette zu vermeiden. Wir kritisierten schon damals die Plattitüden, die Heidi Kastner in ihrem Buch und in Interviews von sich gibt. Wie sagte sie damals so richtig: «Die Dummheit hat aufgehört, sich zu schämen.»

Ob der Leiter «Hintergrund» geistig schon schamfrei bei seinem neuen Arbeitgeber weilt?

Dass Kastner gerne und ohne Aufwand doppelte PR für ihr neues Werk («Dummheit») macht – wer wollte ihr das vorwerfen. Aber vielleicht hätte sich Michael Furger wenigstens eine Plattitüde aus dem Roth-Interview zu Herzen nehmen sollen: «Wie merken wir, dass wir etwas Dummes tun?» – «Nachdenken ist immer gut.»

 

Sonntag, 26. Dezember

Die Höchststrafe für Sonntagsblätter.

Am 25. Dezember das Blatt für den 26. Dezember vorbereiten müssen, mit Informationslage 24. Dezember, das ist nun echt hart. Da könnte man sich etwas einfallen lassen – oder daran scheitern. Wenn das die Wahl ist, weiss der Schweizer Journalismus, was zu tun ist.

Der Dreizack der mehr oder minder gepflegten Langeweile sah so aus:

 

Früher hatte «Frontseite» noch eine gewisse Bedeutung.

Ein Zusammenhang zwischen Artikel und Inserat wäre rein zufällig.

Zum Glück gibt’s den Rückblick. Sonst müsste man noch Peach Weber interviewen. Oh, das tat man.

Der SoBli hätte auch titeln können: Uns ist alles ins Abflussrohr gegurgelt.

Immerhin: Frank A. Meyer zerlegt gekonnt Philipp Loser von Tamedia. Ist aber auch keine Kunst.

So sieht eine Seite aus, wenn man nicht schreiben will: Die Alternative wäre ein Katzenfoto gewesen.

Auch die NZZaS begibt sich in die Niederungen des Sauglatttismus.

Ein Loblied auf Queen Elizabeth II.: Das wollte man unbedingt schon mal in der NZZaS lesen. Aber eher vor 50 Jahren.

Aber wir haben noch ein Absackerchen. ZACKBUM warnt schon lange, dass die Auswirkungen des Virus auf die Hirntätigkeit dringend genauer untersucht werden müssten. Felix E. Müller beweist das aufs Erschreckendste.

Schon im Titel seiner Medienkolumne hat er danebengegriffen. Aber der Reihe nach. Er sieht zwei Herangehensweisen an die Corona-Berichterstattung. Die Medien hätten versuchen können, «mit sachlicher Information den Wissensstand zu verbessern». Leider fällt ihm kein Beispiel dafür ein. Oder er ist zu bescheiden, die NZZaS zu erwähnen.

Aber da gab es auch die dunkle Seite der Macht, der sowohl die Linken wie auch die Rechten anheim fielen, nämlich die «Erregungsbewirtschaftung»: «In der linken Ausprägung hiess dies, Weltuntergangsstimmung zu verbreiten oder extreme Prognosen zu Opferzahlen als wahrscheinliche Entwicklung darzustellen. Das rechte Lager dagegen hämmerte dem Publikum ein, sämtliche Prognosen seien falsch und alle Massnahmen der Behörden absurd.»

Das ist schon eine gewagte Vereinfachung, mit der sich Müller den gar nicht NZZ-liken Titel «terrible simplificateur» einhandelt. Aber nun wird’s leicht absurd:

«Diese Berichterstattung hat längst das leninistische Kommunikationsmodell der Agitprop übernommen, mit dem die Kommunisten den Boden für die Revolution vorzubereiten suchten.»

Im Sinne eines Rosta-Fensters des grossen Revolutionsdichters.

Echt jetzt? Linke wie Rechte frönen dem Agitprop? Majakowski lässt grüssen? Kann Müller einen negativen Corona-Test vorweisen? Ist er geboostert? Wenn nein, warum nicht?

Seine Spalte kommt zum Ende, er muss leider schliessen. Das geht natürlich nur mit einer conclusio, wie der ehemalige Gymilehrer gerne sagen würde: «Der Unterschied zwischen den beiden journalistischen Prinzipien macht den Unterschied zwischen einem verantwortungsvollen und einem verantwortungslosen Journalismus aus.»

Der Unterschied macht den Unterschied aus? Hallo? Brennt da im Oberstübchen noch ein Licht? Will niemand den schreibenden Rentner vor sich selbst schützen, vor weiteren Beschädigungen?

Es darf gelacht werden: Sohohonntag in den Medien

Die beliebte Quizfrage: würden Sie hierfür Fr. 17.40 ausgeben?

Das müsste nämlich der Leser hinlegen, der unsere drei Sonntagsblätter am Kiosk käuflich erwirbt.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Die «SonntagsZeitung» macht das, was man halt so tut, wenn ein Thema so ausgelutscht ist, dass inhaltlich eigentlich nichts mehr geht. Impfen? Schnarch. Triage? Gähn. Bundesrat? Dös. Himmel hilf, da braucht es den uralten Trick, die Ebene zu wecheln. Statt die x-te Corona-Koryphäe nun ein anderer Fachmann:

Der Psychiater über die Covid-Wut. So wie bei Jugendfragen unausweichlich die Allzweckwaffe Allan Guggenbühl zum Einsatz kommt, warnt hier Frank Urbaniok «vor den Folgen».  Fehlt noch etwas zum Leserglück? Natürlich, der unvermeidliche Cédric Wermuth. Der SP-Co-Chef weiss, dass man im Kampf um Aufmerksamkeit zuerst ziehen muss, schnell etwas äussern, und «provokativ» muss das auch sein.

Daher, gähn, zieht der Kämpfer gegen den Kontrollstaat ein Impfobligatorium in Betracht. Oder in der Originalformulierung: er fordert «rasch eine offene Debatte über Massnahmen wie G2 oder eine Impfpflicht». Das heisst nun genau nichts, aber Foto und Quote sind ihm sicher, was will er mehr.

Dann folgt ein Beitrag zum Thema «Paid Post». Laut der aktuellen Untersuchung der ZHAW sind bis zu 60 Prozent der Leser nicht in der Lage zu erkennen, dass die nächste Doppelseite ein bezahltes Inserat ist.

Zum Thema Ausland hat die SoZ einen besonderen Leckerbissen parat:

«Neukaledonien stimmt über seine Unabhängigkeit ab».

Himmel hilf, was interessiert das wohl den Schweizer Leser? Er ahnt aber: Autor Maximilian von Klenze ist ein Jungredaktor der «Süddeutschen Zeitung», von wo der Artikel stammt. Und die Teutonen sind immer noch etwas nachtragend, dass Frankreich bis heute so etwas wie ein Kolonialreich hat, während das Volk ohne Raum, das auch zur Sonne strebte, seine Kolonien im Versailler Vertrag weggenommen kriegte*.

Dass auch Symbolbilder Glücksache sind, zeigt die SoZ hier:

Was der grossartige Film «Falling down» mit Michael Douglas über einen durchrastenden kleinen Angestellten mit Corona zu tun hat, erschliesst sich wohl niemandem.

So viel kriegt man für 6 Franken.

Neuerdings probiert’s die NZZaS mit Sauglattismus:

Hat aber das Hörrohr nahe am Leser und führt mit Trara den Bund «2050» zum Thema Klimawandel weiter. Auch die NZZaS ist langsam verzweifelt, was man zum Thema Corona denn noch machen könnte. Aber dem Ingeniör ist nichts zu schwör:

Da sagt der Fuchs schon mal gute Nacht.

Einen besonderen Tiefpunkt setzt mal wieder Aline Wanner in der langsam peinlichen Medienkolumne. Als hätte es einen Rainer Stadler nie gegeben. Sie kritisiert die Medienmarotte, es immer wieder mit Spekulationen über mögliche Corona-Massnahmen zu probieren. Das käme bei «Tages-Anzeiger», «Blick» und «20 Minuten» vor, dort würde «mit einer merkwürdigen Mischung aus Katastrophenlust und  Regelsehnsucht» gemutmasst. Harsches Urteil: «Spekulationen sind Zeitverschwendung, sie bringen nichts ausser Angst und Aufregung».

Diesem Urteil mag man zustimmen. Nur sei die Prognose gewagt, dass Scharfrichterin Wanner mindestens doppelt so glaubwürdig daherkäme, wenn sie auch Beispiele aus dem eigenen Hause erwähnen würde.

Weiter 6.50 sind ausgegeben.

Schliesslich noch der «SonntagsBlick», um die 17.40 komplett zu machen. Dröhnen auf dem Cover, so ist’s recht für den Boulevard.

Im Editorial dann geht Gieri Cavelty der Frage nach:

«Sind die Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht Nazis?» Echt jetzt?

Gerade im Boulevard wäre das ein Klassiker für die Antwort: «Nein.» Aber dann könnte Cavelty nicht zeigen, dass er sich Kenntnisse über das Verhältnis der Nazis zum Impfen angeeignet hat. Dabei half ihm – wir rufen bravo! – die Lektüre eines Buchs. Wir wollen die Spannung auf die Spitze treiben, zu welcher Antwort Cavelty nach mehr als 4000 Buchstaben kam – das sei hier nicht verraten.

Und sonst? Wer auf den folgenden Seiten des SoBli irgend etwas findet, das mit grösstem Wohlwollen nach Aktualität, Neuigkeit, Analyse oder Horizonterweiterung riecht, soll sich hier melden. Wir werden dann die nötigen Schritte einleiten.

Aber aufgepasst, auf Seite 38/39 lernen wir, dass Sarah und Jan «nachhaltig wohnen». Warum? «Wir wollen eine intakte Welt übergeben.» Das ist nett von ihnen, noch netter ist, dass das von «BKW präsentiert» wird. Genau, die vormalige Bernische Kraftwerke AG hat sich ein doppelseitiges Inserat gegönnt. Hinweis für die bis zu 60 Prozent SoBli-Leser, die das für den interessantesten redaktionellen Beitrag halten.

Ach, und das Gefälligkeitsinterview mit ZuccheroVielleicht war ich in einem früheren Leben Schweizer») ist kein Inserat. Also zumindest ist es nicht so gekennzeichnet. Hier mussten wir dann doch zu Seite 2 zurückblättern, weil wir schon vergessen hatten, ob die Befürworter der allgemeinen Impfpflicht nun Nazis sind oder nicht.

Während wir das herauszufinden versuchten, wir gestehen es errötend, sind wir dann allerdings weggeschnarcht.

 

*Red. Das geschah nicht scheibchenweise, wie hier ursprünglich stand. Nach einem Leserhinweis korrigiert.

Hilfe, mein Papagei onaniert: Drei mal drei

Wir versuchen es mit einem Sonntagsdreisprung. Anders lässt sich das nicht darstellen.

Drei Sonntagszeitungen, drei ausgewählte journalistische Papageienstücke. Wer dafür noch Geld ausgibt, ist selber schuld.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Erster Dreisprung: Die «SonntagsZeitung»

Wir beginnen mit dem Qualitätstitel aus dem Hause Tamedia. Aus dem ersten Bund haben wir die informativste Seite ausgewählt:

Guter Titel, knackiger Text, schön illustriert.

Oh, Pardon, ich werde gerade darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um ein Inserat handle. Na und? Alles andere kann man überblättern. Damit kommt man ohne Umwege zum zweiten Teil, dem «Fokus». Hier darf die «bekannte Psychiaterin Heidi Kastner» das Wort ergreifen und lange nicht mehr loslassen. Sie äussert sich zum durchaus spannenden Thema «Dummheit». Wahrlich eine Geissel der Menschheit. Was kann da aus berufenem Mund erklärt werden?

Wer ist Ihrer Meinung nach die dümmste Person der Weltgeschichte? «Da ist die Auswahl so gross, dass mir die Antwort schwerfällt. Aber Hitler wäre ein guter Kandidat.»

Echt jetzt; der Jahrhundertverbrecher Hitler war dumm wie Bohnenstroh? Eine kühne These. Dermassen disqualifiziert geht es im Sauseschritt zum eigentlichen Grund, wieso man der Fachkraft einen Auftritt schenkt. Richtig geraten? Natürlich, die Corona-Leugner kommen nun dran, zunächst mit ihrem dümmlichen Beharren auf Eigenverantwortung: «Ich schaue nur für mich selbst und nicht für die anderen. Das kann nur funktionieren, wenn ich als Eremit irgendwo völlig isoliert in einer Höhle lebe.»

Das ist zwar nicht unbedingt die Definition des Begriffs, aber was soll’s, noch ein Ausfallschritt, und wir sind am Ziel: «Aber sobald ich in einen grösseren sozialen Kontext eingebettet bin, ist dieses Unwort der Eigenverantwortung einfach ein völliger Blödsinn. Die Corona-Pandemie ist unglaublich ergiebig für das Thema Dummheit.»

Weil die SoZ der Intelligenz ihrer Leser auch nicht so traut, stochert sie nochmal nach:

Der Corona-Impfgegner ist also dumm? «Zu diesem Schluss muss man kommen. Es gibt Fakten und blöde Positionen, die die Fakten ignorieren. Die Dummheit hat aufgehört, sich zu schämen.»

Den letzten Satz könnte Interviewer und Interviewte durchaus auch mal auf sich selbst anwenden.

 

Markus Somm über ein Buch von Markus Somm. Mit Markus Somm.

Das sagen wir ohne Neid: Wer Kolumnist in der SoZ ist, geniesst gewisse Privilegien. Früher war es mal Brauch, dass ein Buch, gerade wenn es von einem Mitarbeiter stammt, fremdrezensiert wird. Um jeden Geruch der Parteilichkeit zu vermeiden. Aber wenn die Literaturchefin Nora Zukker heisst, geht das natürlich nicht. Also durfte Markus ein Buch von Somm vorstellen. Überraschungsfrei ist er zum Ergebnis gekommen, dass es sich um ein durchaus lesenswertes, interessantes und originelles Werk handelt.

Allerdings: um das zu behaupten, muss er die Existenz eines Standardwerks zu diesem Thema ausblenden: Joseph Jung hat mit «Das Laboratorium des Fortschritts» diese Frage bereits 2019 erschöpfend beantwortet. Mit einem 676 Seiten umfassenden Wälzer, erschienen bei NZZ Libro. Glänzend geschrieben, umfangreich illustriert, leserfreundlich in 5 voneinander unabhängig lesbare Kapitel aufgeteilt. Blöd gelaufen für den Historiker Somm. Aber was der SoZ-Leser nicht weiss, macht ihn nicht heiss. Oder sagen wir so: erzähl’s noch einmal, Somm.

Zweiter Dreisprung: der «Sonntagsblick»

Ganze sieben Seiten widmet der SoBli dem Thema, das seinen Lesern inzwischen aus allen Körperöffnungen hängt. Wie verzweifelt muss der Blattmacher sein, wenn er das zur Coverstory eines Boulevardblatts macht?

Die sogenannte Typolösung eines Bilderblatts.

Und was erzählt uns das Organ über Corona? Nein, wir nehmen hier noch Rücksicht auf unsere Leser. Bitte, gern geschehen.

Das gilt dann auch für die Seiten 12 bis 15:

Schmidt sprachlos: selten, aber kommt vor.

Wie schlimm es um die Corona-Krise bestellt ist, beweist indirekt auch der grosse Satiriker Harald Schmidt. Ausser, dass die Deutschen mit Maske besser aussähen, fällt selbst ihm kein lustiger Spruch mehr zu diesem Thema ein. Aber das ist ja nur die Einleitung zur letzten Seite des Interviews:

Auch hier: gute Illustration, knackiger Titel, informativ.

Ach nein, peinlich, schon wieder reingefallen, das ist ja ein Inserat. Also bezahlter Content, der nun überhaupt nichts mit dem unbezahlten, aber die gleiche Meinung vertretenden Content zu tun hat. Auf den sind natürlich die Redaktoren in aller staatlichen Unabhängigkeit selbst gekommen. Zufall auch, dass er mit der staatlichen Meinung übereinstimmt.

Das war noch kein Dreisprung, einer geht noch:

Partys, an denen Urs Rohner teilnimmt, sollte man meiden.

Hier gilt das Gleiche wie bei Somm über Somm: SoBli by Ringier findet «Interview by Ringier» fabulös.

Dritter Dreisprung: NZZaS

Während Ringier über Kunst redet, macht die alt-junge Sonntagstante Kunst:

Künstlerin und Werk: mal was Neues von der Falkenstrasse.

Wie sagte Karl Valentin so unsterblich wie richtig:

«Wenn’s einer kann, ist’s keine Kunst. Kann’s einer nicht, ist’s auch keine

Wir können uns schwer entscheiden, welche Aussage auf die NZZaS zutrifft.

Aber immerhin, der Inhalt bleibt von dieser Kunstaktion weitgehend unbeschädigt. Auch hier wird mutig Neuland betreten. Denn wann gönnt schon mal ein Organ dem Chef eines Konkurrenten den grossen Auftritt?

Davon träumt Frank A. Meyer sein Leben lang: grosses Interview mit Foto in der NZZaS.

Ach, und der Inhalt des Interviews mit Ringier-CEO Marc Walder? Wir wiederholen uns: das Befinden unserer Leser ist uns wichtig.

Schliesslich, wieso muss Kunst selbsterklärend sein, darf die Künstlerin erzählen, was sie uns mit ihrer Kunstaktion sagen will:

Diesen Forderungen können wir uns natürlich nur anschliessen, auch wenn wir uns keine Kunstaktion von Jenny Holzer leisten können. Aber wenn sie mal lustig ist: be our guest, we publish almost everything …

 

Wieder da!

Gute oder schlechte Nachricht? Zwei Wochen vergangen. Nichts passiert. Alles beim Alten.

Zugegeben, es ist die volle Härte, wenn der 1. August auf einen Sonntag fällt. Da ist guter Rat teuer, was die Sonntagspresse eigentlich machen kann. Zu teuer, denn es wird nun ganz, ganz peinlich:

Weiss die «Sonntagszeitung» am 1. August 2021.

Da zieht es der Cervelat beim Fremdschämen die Haut ab, aber was will man machen, wenn sowieso die zum Dienst verknurrte C-Mannschaft am Gerät ist?

Wir denken uns mal schnell in eine Erfindung zurück.

Echt witzig, das muss gelobt werden, wird die SoZ auch. Allerdings dürfte das hier ihrer Corona-Kreische Marc Brupbacher das Letzte abfordern:

Die kennen nix, um sich im Gespräch zu halten …

Geht noch einer? Wo Markus Somm ist, ist auch ein Weg:

Warum gibt es eigentlich diese Kolumne?

Nicht nur am 1. August müssen wir uns das fragen. Wir fassen uns an den Kopf und wenden uns daher dem Blatt für die gehobene Stände zu. Richtig, der NZZaS.

Man merkt, spürt, sieht den Niveau-Unterschied sofort:

Diese Illustration hat doch ein anderes Niveau.

Ach interviewtechnisch bewegt sich die NZZaS auf einem eigenen Niveau:

Alt Bundesrätin, altes Foto, alter Text.

Pardon, nein, der Text ist neu. Also genau gesehen, alt Bundesrätin Leuthard hat alte Buchstaben neu sortiert. Spricht gesalbte Worte über die Schweizer Wesensart der Besserwisserei, weiss es dann allerdings klimapolitisch auch besser als ihre Nachfolgerin, unsere Atom-Doris. Der Cervelat schämt sich schon bei der SoZ fremd, nehmen wir hier doch eine weisse Socke, das modische Signal, an dem man den Aargauer erkennt. Die rollt sich nämlich runter vor Fremdschämen bei diesem Interview.

Aber, wenn eigene Texte schon nichts taugen, freut sich der Leser über ein Inserat ungemein:

Da ist mehr Zündstoff drin als im ganzen Rest der NZZaS.

Mit einem ganzseitigen Inserat wehrt sich der Geschäftsführer einer Firma gegen einen Bericht des «Beobachter», der im Dezember über ihn erschienen ist:

Illegale Praktiken oder beweisfreie Behauptung?

Das Inserat in der NZZaS kommt sehr professionell daher. Kein Wunder, es wurde von Profis gestaltet; von der Werbebude Rod. Zumindest sehr speziell, dass sich ein Kritisierter Monate später mit einem ganzseitigen Inserat meldet – und zum Gegenangriff übergeht, in dem er alle Vorwürfe zurückweist und deutlich macht, dass er einen Zusammenhang mit seiner Herkunft sieht – er ist Schweizer mit Migrationshintergrund, wie man korrektdeutsch sagt. Auch sehr speziell, dass die NZZaS ein solches Inserat abdruckt, in dem einem Mitbewerber mit Anlauf eins über die Rübe gehauen wird. Man ist auf die Fortsetzung gespannt.

Der Rest der NZZaS vom 1. August? Wirkt dagegen wie ein Feuerwerk – bei dem die Lunte nass geworden ist.

Gibt’s da nicht noch einen dritten Eidgenossen im Bunde? Doch, richtig, der «SonntagsBlick» ist immer noch da. Wir wissen zwar heute am Sonntag nicht, welche seiner Storys am Montag von Ringier persönlich gekübelt, geteert, gefedert, für Unsinn erklärt werden, wofür man sich ausdrücklich entschuldigen wird, dabei versprechen, es nie mehr zu tun. Aber wir wagen mal eine Auswahl, bei der wir davon ausgehen, dass sie für die Ewigkeit gemacht ist. Zunächst das Cover, grandios:

Der Bundespräsident will mal was Markiges sagen, das Blatt was Banales.

And the winner is: eindeutig der SoBli.

Alle drei Sonntagblätter haben es mit grossen Illustrationen versucht, dem 1. August noch etwas abzugewinnen. Eindeutig die Nase vorne hat der SoBli mit diesem Wimmelbild zum Uralt-Thema, welche Eigenschaften denn den Eidgenossen ausmachen.

Auf Somms Spuren: Frank. A Meyer.

Der Ringier-Mann für die gehobene Flachdenke grübelt hier über der Frage, wie billig man eigentlich in die Schweiz einwandern könne. Bekanntlich machten noch vor kurzer Zeit Eidgenossen wie Wilhelm Tell Ausländern das Leben in der Schweiz eher schwer. Heute aber sei das ganz anders, seufzt Meyer. Der Mann ist wirklich völlig frei von Selbstironie. Denn er tut das als ausgewanderter Schweizer von Berlin aus, wo er seit Jahr und Tag vor dem Brandenburger Tor steht. In Farben gekleidet, die die Natur eigentlich verboten hat:

Würden Sie diesem Mann ein Jacket abkaufen – oder einen Gedanken?

Aber gut, es ist schön, wenn man nach zwei Wochen Abwesenheit feststellen darf, dass sich gar nichts, aber rein gar nichts geändert hat. Daher können auch wir sagen: