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Somnambule SoZ

Ein Grund für einen Winterschlaf.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

ZACKBUM hat vielleicht in letzter Zeit das Schaffen zweier Sonntagsblätter etwas vernachlässigt. Beim «SonntagsBlick» wollen wir diese schöne Tradition auch fortsetzen. Gewisse minimale Anforderungen an Informationsvermittlung, Sprachbeherrschung und Durchdringung eines Themas sind Voraussetzung, um hier gewürdigt zu werden.

Schliesslich greifen wir auch nur in höchster Not zu «watson» oder der «Republik».

Also die SoZ. Sie macht’s einem aber auch nicht leicht:

Wer will hier schon aufblättern, wenn er nicht muss? Wir müssen, das ist unsere Berichterstatterpflicht. Eine Meldung auf der Front erregte allerdings unsere besondere Aufmerksamkeit: «Studierende können nicht mehr richtig Deutsch», klagt hier die SoZ. Wie wahr, denn das gilt in verschärftem Mass auch für Journalisten. Nur schon dieser Titel enthält einen gravierenden Fehler. Journalisten sind sozusagen Fehlende …

Die nächste Doppelseite hat die SoZ einem Thema gewidmet, dass wohl nicht einmal ihr Leserpublikum wirklich interessiert. Die Frage, welche Frauen denn nun die SP ins Rennen um den Bundesratssitz schickt, und was Irène Kälin dazu zu sagen hat. Nein, die Nationalratspräsidentin strebt nicht nach dem Amt einer Bundesrätin, sie will aber ein wenig die Wahlen aufmischen. Oder wie die SoZ formulieren würde, sie ist eine Aufmischende.

Aber immerhin, wir wollen gerecht sein, lasst uns gerecht Seiende sein, der entsprechende Artikel ist dann sogar korrekt betitelt: «Jetzt können sogar Studenten nicht mehr richtig Deutsch». Was uns aber als Fragende zurücklässt, wieso das auf der Front nicht auch möglich war. Wahrscheinlich hat diesen Titel hier einer der wenig zu korrektem Deutsch Fähigen gesetzt, während vorne ein politisch Korrekter am Werk war, sozusagen ein Verschlimmbessernder.

Aber auch hier kommt der Text nicht ohne Schäden davon. So ist von wieder von «Studierenden» und «Dozierenden» die Rede. Offenbar hat sich dieser falsche Gebrauch des Partizips Präsens mittels Gewohnheitsrecht Zugang zur normalen Schreibe verschafft.

Daher nochmal zum Mitschreiben. Auf Deutsch bezeichnet das eigentlich eher selten angewendete Partizip Präsens einen Zustand. Zum Beispiel das weinende Kind oder die liebende Mutter. Aber das Weinende oder die Liebende würde jemanden bezeichnen, der stetig in diesem Zustand verharrt.

Studierend ist jemand, während er studiert. Sollte er aber schlafen, dann ist es ein Schlafender, nicht mehr ein Studierender. Also ist diese Verwendung des substantivierten Partizips unsinnig. Falsch. Unpassend. Eine Quälerei, um dem nervigen «die Studenten und die Studentinnen» auszuweichen. Was ja dann alle non-binären und sich anderweitig sexuell Definierenden (!) ausschliessen würde.

Wohl oder übel, daran vergreift sich die Autorin nicht, zitiert sie eine Schulleiterin (immerhin keine Schulleitende) mit «Schülerinnen und Schüler». Aber, wieso ist es denn so weit gekommen? Da vermutet die Journalistin:

«Als Grund für das Deutschdebakel wird unter anderem die Verbreitung der sozialen Medien vermutet.»

Man kann hier allerdings auch eine gewisse Unsicherheit vermuten, wann es richtig wäre, Grund, wann Ursache zu verwenden …

Aber jetzt kommen wir – endlich – zu einem wichtigen, dramatischen, besorgniserregenden Thema. Ist es der Klimawandel? Nein. Der Ukrainekrieg? Nein. Die aufsteigende Weltmacht China? Nein, näher und schlimmer:

Furchtbar. Der Artikel folgt dem klassischen Aufbau. Ein Beispiel, der aufgelöste «Glarnerverein Basel». Ob die Welt dadurch schlechter wird, ob den Baslern und den Glarnern nun etwas Wichtiges fehlt, wir lassen es dahingestellt. Es bleiben nur noch Erinnerungen wie die, dass auch der «inzwischen verstorbene Alt-Bundesrat mit Glarner Wurzeln, Hans-Peter Tschudi, regelmässiger Teilnehmer des Glarner Kalberwurstessens im Mai war, einem Höhepunkt im Vereinsleben». Nun ist Tschudi vor doch schon 20 Jahren verstorben, also musste dieser Höhepunkt schon länger ohne ihn stattfinden.

Nach dem Beispiel folgt natürlich der Aufschwung ins Allgemeine, so seien auch «Hunderte Samaritervereine eingegangen». Schliesslich kommt noch der Fachmann zu Wort: «Soziologe Adrian Fischer forscht zum Thema freiwilliges Engagement.» Dazu gehören natürlich auch ein trauriges Bild und ein paar Kurven:

Blöd nur: es gibt weiterhin rund 100’000 Vereine in der Schweiz. Rund 40 Prozent aller Schweizer sind in der einen oder anderen Art Vereinsmeier (und -meierinnen, selbstverständlich). Natürlich war Corona dem geselligen Beisammensein nicht gerade förderlich, was wohl logisch ist.

Aber es geht nichts über den alten Dreisprung im Journalismus, wenn man sonst keine Themen hat. Ein Beispiel, dann eine Welle, der Experte ordnet ein, und tschüss.

Apropos, von einer besonderen Erfahrung des Jodlerclubs Walzenhausen berichtet die SoZ auch. Zu afrikanischen Klängen hatte sich ein Jodler das Gesicht schwarz geschminkt und trat im Baströckchen auf. Logisch, bleibt so etwas heutzutage nicht ungefilmt und unbemerkt, also entwickelte sich daraus flugs «Blackfacing – Jodlerverein sorgt für Rassismus-Eklat». So titelte das sonst zurechnungsfähige «20 Minuten», die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Solche zugegebenermassen etwas unsensible und geschmacklose Aktionen setzen natürlich auch kein Zeichen gegen das Vereinssterben.

Ein kurzer, seltener, aber sehr erheiternder Lichtblick ist aber wie fast immer Peter Schneider:

Dann wird’s allerdings wieder düster, wenn die berüchtigten «Investigativjournalisten» von Tamedia ihre mit vielen Konjunktiven, anonymen Quellen und Vermutungen gespickten Märchenstunden abhalten.

Auch hier ist der Aufbau eigentlich immer der gleiche. Zuerst ein kleiner Kracher, dann schwer nachlassen. Der Kracher: ««Hören Sie, es ist sehr gefährlich, darüber zu reden … physisch gefährlich», sagt der Mann. «Vielleicht nicht hier in der Schweiz, aber in anderen Ländern.» Dann legt er auf.»

Nach diesem rasanten Einstieg, bei dem man bewundern muss, wie todesmutig sich Sylvain Besson und Oliver Zihlmann in die gefährlichen, lebensbedrohenden Abgründe russischer Oligarchen und von Putins Umfeld begeben, lässt es aber wie bei einem schlechten Bond-Film dramatisch nach.

Denn nun regiert der Konjunktiv, der Vermutungs-, Behauptungs- und Schmierenjournalismus, mit diesem raunenden Sound, dass alles eigentlich ganz abgründig und schlimm ist. Sei. Sein könnte.

Nun stapeln sich die «In den USA und in Europa laufen inzwischen die Ermittlungen, … leicht sind die Nachforschungen nicht … Recherchen der SonntagsZeitung zeigen nun … 2016 wurde Chudainatow offenbar Kunde bei … deshalb wird im Westen und von russischen Oppositionellen vermutet … so soll die Scheherazade ein Geschenk einflussreicher Oligarchen an Wladimir Putin sein … auch deutsche Ermittler bringen die Yacht mit dem russischen Präsidenten in Verbindung … der Zusammenschluss internationaler investigativer Journalisten OCCRP sieht wiederum … wird in Verbindung gebracht … Boris F. hat einen Bruder in Monaco …»

Selbst die manchmal etwas fahrlässige Dokumentation des «Spiegel» würde bei einer solchen Anhäufung von Geschwurbel, Vermutungen, Behauptungen, Räuberpistolen und Mutmassungen sagen: ein John Le Carré schrieb zwar fiktive Spionagekrimis, aber so einen Schwachsinn hätte der sich nie getraut zu veröffentlichen.

Die ganze Story profitiert von zwei Dingen. Erstens, Oligarch, Luxusjacht, Putin. Sonst noch Fragen? Und zweitens: alles Geraune spielt sich im gegendarstellungsfreien Raum ab.

Und als Absackerchen noch diese merkwürdige Behauptung:

Man frag sich schon, was für Freundinnen Tina Huber hat.

Aber gut, ZACKBUM ist mal wieder dringend auf milde Gaben angewiesen. Oder müssen wir uns die Flaschen wirklich aus dem eigenen Sack bezahlen, die wir nach diesem Martyrium zur Wiederherstellung brauchen?

 

 

 

Hilfe, mein Papagei onaniert: die SoZ

Wir nehmen uns eine einzige Sonntagszeitung vor. ZACKBUM ist auch nur ein Mensch.

Das gibt’s für Fr. 6.40:

Die grosse Aufmacherstory, wie zu erwarten:

Vielleicht hätte man eher so titeln sollen: Jetzt verkleben sie sich schon den Kopf. Aber natürlich ist auch die SoZ hin und hergerissen, ob sie die Klebe-Aktionen toll, fragwürdig oder bescheuert finden soll.

Gleich zwei Redaktoren braucht die Abfassung einer Nonsens-Meldung:

Die Dame hat inzwischen gleichviel Chancen wie Christoph Blocher, die Nachfolge Maurers anzutreten …

Aber nun die positive Meldung der Woche, ein Lösungsansatz für die Energiekrise:

Mehr solche Gesetzesbrecher, mehr Windräder, und wir können dann doch die AKW stilllegen.

Was soll man über den neuen britischen Premier schreiben, wenn man nichts über ihn zu schreiben weiss? Einfache Sache, meint die SoZ.

Da machen wir doch copy/paste eines Artikels des Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung» Arne Perras. Der von Singapur aus einen tiefen Einblick in indische Angelegenheiten hat. Er ist immerhin näher dran als Christof Münger, der Auslandchef ohne Ausland von Tamedia.

Weiter unaufhaltsam auf dem Weg nach unten ist das Gefäss «Fokus». Diesmal nicht nur ein Interview als Aufmacher, sondern auch ein Beitrag zur Rubrik «was macht eigentlich ...»:

In ihrer Schludrigkeit ist die SoZ nicht einmal in der Lage, dem Leser im Lead die Information zu gönnen, von wem denn eigentlich das Zitat ist. Rudolf Strahm heisst der Politik-Rentner.

So lobt man sich den «Wissenschaftsjournalisten»:

Felix Straumanns launiger Beitrag ist mindestens so sachlich, faktenorientiert und wissenschaftlich wie diese Karikatur.

Nun kommen wir zum nächsten Beitrag zum Thema «Leser dürfen zuschauen, wie Journis ihren Bauchnabel betrachten».

Ein halbseitiges Symbobild, ein schnarchlangweiliger «Erfahrungsbericht», fertig ist eine weitere Seite Leserverarschung.

Nun aber der IQ-Test für ZACKBUM-Leser. Worüber schreibt man, wenn die Skisaison näherrückt, aber noch nicht wirklich da ist? Na? Richtig, Gratulation, natürlich über das Thema Kunstschnee.

Und was bietet die «Wirtschaft»? Einen Knaller, der Nik Walter sicherlich gefällt:

Denn bleibt dort die Küche kalt, wird weniger geschmatzt, geschlürft und gekaut.

Nein, lieber Leser, das ist kein bezahltes Inserat. Es ist schlimmer, es ist ein unbezahltes Inserat. Ausser, ein solches Gerät steht nun beim zuständigen Journi rum:

Ist das hier ein bezahltes Inserat?

Aber nein. «Der 340 PS leistende Handschalter» mit «Fahrspasssituationen», der als «3,0-Liter-Modell ab 64’900 Franken startet», wurde von der Redaktion nach ökologischen, energiesparenden und Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt.

Was bekommt man für Fr. 6.40? Kleingeld, Trinkgeld, schmales Münz. Rezykliertes, Langweiliges und Rechthaberisches. Nabelschau, absurde Reise- und Autotipps. Schnarchinterviews, während Recherche, elegante Schreibe, geistige Anregung Pause macht.

Pause? Oder endgültig eingespart.

SonntagsZeitung am Abgrund

Die aktuelle Ausgabe hat gute Chancen, als schlechteste aller Zeiten in die Geschichte einzugehen.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Es fängt schwach an, um dann stark nachzulassen:

Das sind die Schlagzeilen, auf die die Schweiz am Sonntag gewartet hat. Rösti ist der chancenreichste Kandidat für die Nachfolge von Ueli Maurer? Ein Primeur. Ein Brüller. Der Oberhammer. Damit war die SoZ sicherlich an vielen Orten ausverkauft.

Weil sich damit aber die nächsten zwei Seiten doch nicht restlos füllen lassen, werden dennoch die weiteren Kandidaten einem «Check» unterzogen. Ganze drei SVPler zieht das Blatt aus dem Hut, deren Wahlchancen: «mittel» bis «eher tief». Deren Eignung als Bundesrat: «genügend bis gut», «knapp genügend», «ungenügend». Aber schön, hatte es neben einem aussagelosen Riesenfoto auf der Seite noch Platz für diese wertvollen Informationen.

Dann eine Story über die Fraumünster-Posträuber (gähn) und ihre möglichen Verbindungen zur Mafia (doppelgähn). Eine Chance für Anwalt Valentin Landmann (nur noch gähn), etwas zur Verteidigung seines Mandanten zu sagen (schnarch).

Nachdem die NZZ den Publikumsschwund im Zürcher Schauspielhaus thematisierte und dafür ein zuschauerfeindliches Woke-Theater mit Verballhornungen von klassischen Theaterstücken verantwortlich machte, reicht die SoZ noch Mobbing-Vorwürfe nach. Abgeschrieben aus «Theater heute», wo ein Festangestellter über ein namentlich nicht genanntes Theater abblästert. Na ja.

Ein weiterer Höhepunkt als Tiefpunkt folgt auf Seite 15. Aufmacher: die Explosion auf der Verbindungsbrücke zur Krim. Mangels neuer Erkenntnisse ein Gähn-Stück. Aber nicht nur das. Der Autor Sebastian Gierke verdient sein Brot bei der «Süddeutschen Zeitung». SoZ-Eigenleistung: null. Daneben eine Meldung über das AKW in Saporischschja. Von der Agentur AFP. Eigenleistung null. Darunter eine Meldung über den Stillstand bei der Deutschen Bahn. Von der Agentur SDA. Eigenleistung null. Und dafür Geld verlangen?

«Endlich perfekt sehen auf nah und fern», verkündet ein redaktionell aufgemachter Artikel auf Seite 17. Nur: Das ist ein «Paid Post», ein «Commercial Publishing», zur Erlärung: «Commercial Publishing ist die Unit für Content Marketing». Für unsere reader, die des Englischen nicht so mächtig sind, you know: das ist ein bezahltes Inserat, das mit Hilfe von Tamedia möglichst ähnlich wie ein redaktioneller Artikel daherkommt.

Seite 17 beinhaltet eine echte Eigenleistung. Also die billigste Form des Journalismus: ein Interview. Mit «Christo Grotzev, Chefermittler von Bellincat». Nichts gegen dessen persönlichen Mut und seine investigativen Fähigkeiten. Aber kann er wirklich auch in die Zukunft schauen: «Wenn es so weitergeht, wird Putin innert eines Jahres stürzen». Wir merken mal den 9. Oktober 2023 vor …

Der Marianengraben im Pazifischen Ozean gilt mit knapp 12’000 Meter unter Meeresspiegel als tiefster Punkt der Erdoberfläche. Er wird neu konkurrenziert von Seite 20 der SoZ. «Keine Angst vor dem Älterwerden». Unter diesem Titel wird das Buch «Jetzt erst recht. Älterwerden für Anfängerinnen 2.0» rezensiert. Verfasserin ist die Tamedia-Redaktorin Silvia Aeschbacher. Lead: «Lebenshilfe. Sechs Jahre nach ihrem Bestseller «Älterwerden für Anfängerinnen» zeigt unsere Autorin in ihrem neuen Buch …»

Es ist inzwischen leider nicht unüblich, dass Bücher von Redaktoren im eigenen Blatt – überraschungsfrei wohlwollend – rezensiert werden. Hier allerdings wurde das in einer Art tiefergelegt, die den Marianengraben als seichte Pfütze erscheinen lässt. Denn die Rezensentin des Buchs von Aeschbacher ist – Aeschbacher selbst. Die schreibt dann über ihr Buch, also über sich selbst: «Ich selbst empfinde meinen Alltag nicht mehr wie früher ..

Sie schreibt aber nicht über Schamgrenzen, Peinlichkeiten, über Lächerlichkeit und den Versuch, jeden Anspruch auf ernsthafte Leserunterhaltung oder -belehrung aufzugeben. Da ihr selbst (und auch niemandem sonst in diesem Qualitätsmedium) auffällt, wie schräg, schreiend unkomisch als Leserverarschung das daherkommt, bleibt nur noch Fremdschämen. Redaktoren schreiben über sich selbst, ihren Bauchnabel, ihre Befindlichkeiten, ihre persönlichen Ergebnisse, ihre Haustiere, ihre Leseerlebnisse, ihre Filmeindrücke, ihre liebsten Kochrezepte und Lokale. Jetzt auch noch über ihre eigenen Bücher? Gut, wenn die Literaturchefin Nora Zukker heisst, ist das vielleicht besser so. Aber gut ist’s nicht.

Das alles ist so grottenschlecht, dass wir als kleinen Lichtblick «Die andere Sicht von Peter Schneider» zeigen müssen; immerhin lustig:

Als wäre das der SoZ auch unangenehm aufgefallen, will dieser Lichtblick von einem Gemäkel der sonst nicht schlechten Bettina Weber ergänzt: «Der Fluch der weissen Turnschuhe». Eher der Fluch: mir ist auch gar nichts eingefallen, aber ich bin dran. Nebendran führt Historiker Markus Somm seine historischen Kenntnisse spazieren, womit Schneider genügend eingenordet wäre.

ZACKBUM hat schon öfter bemängelt, dass einem auch inhaltlich immer dünnerem Textanteil immer grössere und meist aussagelose Fotos beigestellt werden. Aber das hier schlägt alles bislang Dagewesene:

Das Foto der Fairtrade-Chefin füllt Vierfünftel der Seite aus, daneben bleibt nur noch Platz für eine Textspalte. Wurde hier ein Artikel aufgeblasen, musste eine Doppelseite gefüllt werden? Jammert die SoZ nicht sonst über schrumpfende Umfänge? Ist auch das peinlich.

Schliesslich rezensiert im Gesellschaft-Bund Michèle Binswanger ihr eigenes Buch über die Zuger Spiess-Hegglin-Affäre. Wir erfahren endlich, was sich in der Captain’s Lounge wirklich abspielte, als die beiden Politiker in den dunklen Raum taumelten, um …

Nein, Scherz, sie rezensiert das neuste Buch von Richard David Precht. Der einstige Medienliebling wird in Deutschland in der Luft zerrissen, weil er zusammen mit dem Sozialpsychologen Harald Welzer zunehmendes Blasendenken und Gesinnungsterror in den Mainstream-Medien kritisiert.

Immerhin mit der nötigen Distanz, die man hat, wenn man das Buch nicht selbst geschrieben hat …

Bis in kleine Details macht sich die SoZ lächerlich. So preist sie die «kniehohen Gummistiefel des dänischen It-Labels Ganni» an. Die Gummierten sorgten für trockene Füsse, allerdings auch für feuchte Augen, wenn man den Preis hört, den die SoZ wohlweislich verschweigt: 270 Franken für ein wenig Gummi. Will man’s aus Leder (und noch hässlicher), dann ist man mit 420 Franken dabei.

Wir wollen, wir müssen noch das TV-Programm lobend erwähnen. Ein Lichtblick in der SoZ von konzisem, genauem und informativem Journalismus.

 

Glotzen statt lesen

Wir blättern das Sonntags-Bilderbuch auf.

Es ist die Bilderpest. Nicht nur, dass die Umfänge der Sonntagsblätter seit Langem unter Schwindsucht leiden. Längst vorbei die Zeiten, als die «SonntagsZeitung» sogar Inserate und Beilagen ablehnen musste, weil sie sonst nicht mehr durch den Schlitz der Ausgabebox gepasst hätte. Vorbei. Die Dicke und die Box.

Nun könnte man sich bemühen, den geschrumpften Platz mit mehr Inhalt zu füllen. Also mehr Buchstaben, mehr Denke, mehr Analyse, mehr Schreibstärke. Aber das alles, vor allem die Denke, ist rationiert in den Medienhäusern. Krankgeschrumpft. Nehmen wir zuerst den Trendsetter für alles, was schlechter wird im Journalismus.

Ein SoZ-Interview mit dem wiederauferstandenen deutschen Impfpapst Drosten. Hier sagt er nochmal, was er gerade auf allen Kanälen sagt. Wieso dazu ein halbseitengrosses Ganzkörperfoto gestellt werden muss, das ungefähr so aussagekräftig ist wie das Interview? Zwei Platzhalter, wo früher der Platz mit Inhalt gefüllt wurde.

Geht’s noch schlimmer? Immer. Die Pest ist auch das sogenannte Symbolfoto. Es gibt keine reale Abbildung zur Bebilderung, also greift man in den extra dafür von Bildagenturen aufgebauten Fundus. Schon wieder eine halbe Seite gefüllt, und der Inhalt des darunterstehenden Textes ist bereits im Titel und Lead vollständig und ausreichend wiedergegeben. Statt eine Seite zu verschwenden, hätte es auch eine Kurzmeldung getan.

Auch reale Fotos können zu einem Symbolbild degenerieren. Statt den üblichen Panzer und einen länglichen Artikel hätte die SoZ auch eine knackige Kurzmeldung draus machen können. Schon wieder eine Seite für Wichtigeres freigemacht. Aber wenn das halt fehlt …

Wir kehren zum reinen, völlig überflüssigen Symbolbild zurück, mitsamt einer Frage, die sonst der absoluten Newsflaute vorbehalten ist.

Zwar ausnahmsweise ein echter Mensch auf echtem Foto, aber wieder zusammen mit dem ausreichend erklärenden Titel und Lead getretener Quark, der bekanntlich nur breit wird, nicht stark (Goethe, kann man googeln).

Und als krönender Abschluss noch das faszinierende Foto, wie Kartoffelmilch in ein Glas gegossen wird, ein Prozess, dem man noch nie so gebannt und von nahe beiwohnen durfte. Plus der ernüchternde Text: in der Schweiz kann man höchstens das Bild anglotzen, den Inhalt gibt’s gar nicht.

Wir freuten uns schon, eine neue Kampfgenossin gewonnen zu haben:

Allerdings hatten wir schon nach der ersten Folge leichte Zweifel, ob das was wird. Nun sind wir sicher: wird nix. Immerhin, Badran schreibt über sich selbst: «Meinung ohne Wissen». Oh, Pardon, natürlich nicht, denn beim Wissen hapert es zwar, aber Rechthaberei ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Beginnt mit der kühnen Behauptung, gute Medienleute und Politiker hätten gemeinsam: «Sie sind der Wahrhaftigkeit verpflichtet.» Was meint also die nicht gute Politikerin und Medienkritikerin? Sie vergleicht munter Pensionskassen mit der AHV. Kapitalbildungsverfahren gegen Umlageverfahren? Äpfel, Birnen? Ach, ist doch egal. Es ist auch nicht einfach, der doch etwas sprunghaften Badran zu folgen, die mit einer kleinen Medienschelte beginnt, sich dann in den Untiefen des BVG und der AHV verliert, da und dort wäffelt, um dann in die Zielgerade zu biegen: «Es ist unser Job, für möglichst viele Menschen möglichst hohe Renten zum günstigsten Preis zu schaffen.» Renten zum günstigen Preis? Discount-Renten? Hohe Rente, aber billig? Schon wieder eine Kolumne, die man nicht lesen muss.

Leider macht auch die NZZaS den Trend mit: halber Text zum ganzen Preis. Möglichst hohe Informationsdichte im günstigen Angebot? Leider nein:

Fünf Profile, eine älterwerdende Frau, eine kühne Behauptung. Schon ist die Front (fast) gefüllt. Und der Leser not amused.

Eigentlich sollte auch in der Sonntagspresse bekannt sein, dass ein Interview mit dem Dampfplauderer Balthasar Glättli reine Platzverschwendung ist. Genau wie das Riesenfoto, auf dem er aus seinem Fundus mal wieder den Gestus «ich fasse mir wichtig an die Brille» hervorzieht. Peinlich.

Auch die NZZaS frönt der neuen Mode: Grosses Ganzkörperfoto zu heisser Luft nebendran. Warum nicht dem abgehalfterten Sergio Ermotti Gelegenheit geben, seine Nachfolger mit Ratschlägen zu nerven.

Selbst in die Hallen der Kultur dringt fotografischer Sauglattismus. Sagt eine überlebensgrosse Wiedergabe des Klingelschilds von Gurlitt irgend etwas aus? Ausser: verdammt, wir brauchen hier noch ein Foto?

Aber, die NZZaS weiss dann doch da und dort zu versöhnen: Während in der SoZ Badran das Gefäss Medienkritik ähnlich malträtiert wie in der NZZaS Aline Wanner und der schreibende Pensionär, gibt dann immerhin ein kenntnisreicher Essay etwas Stoff:

Zwar ebenfalls so massiv wie überflüssig illustriert, aber daneben hat es Denkstoff.

Das Stichwort für die denkstofffreie Zone am Sonntag:

Das ist eine Schlagzeile, die an Einfalt, Dummheit und Belanglosigkeit, zudem bar jedes Informationswerts, entweder einem durch Inzucht völlig degenerierten Adligen – oder dem «SonntagsBlick» einfallen kann. Er walzt dann das Thema, um das auch die übrigen Sonntagsblätter sehr dankbar waren, auf sagenhaften 15 Seiten aus.

Darunter ist allerdings ein Kuriosum, über das noch lange schallend gelacht werden kann:

Wir haben hier etwas wahrhaft Historisches. Frank A. Meyer verzichtet auf sein Foto (wir erinnern uns mit Schaudern: ein viel jüngerer Meyer mit dunkler Brille vor dem Brandenburger Tor, das nur mühsam Haltung bewahrt angesichts seines fliederfarbenen Jackets, während die Säulen deshalb nicht brechen, weil sie das undefinierbar bunte Pochettli nicht sehen müssen).

Meyer verzichtet auf sein Foto, stattdessen hat er eine Kinderkrakelzeichnung einer Figur hineingestellt, die auf den Strich geht – oder im Begriff ist, über ihn zu stolpern. Sie ist gesichtslos, aber Hut und Handtasche scheinen darauf hinzuweisen, dass es sich wohl um die Queen handeln soll. Die würde es ob dieser Verballhornung wohl bei einem «oh, really?» bewenden lassen, denn sie hat eigentlich alles mit Fassung getragen. Allerdings ist sie noch nicht unter der Erde, da sollte man ihr vielleicht noch mit Respekt begegnen.

Wer hat denn diesen hingezitterten und nachkolorierten Klecks zu verantworten? Ah, da steht der Name der Künstlerin, Lilith Frey. Was, der Name ist Ihnen unbekannt? Das ist DIE Lilith Frey. Ehemalige Moderedaktorin bei der «Schweizer Illustrierte». Dann die erste, letzte und einzige «Feuilleton-Chefin». Beim Blatt für die gebildeten Stände und lesenden Lastwagenfahrer, beim «Blick». Vor allem aber war und ist sie die Lebensgefährtin von Frank A. Meyer.

Nein, lieber Leser, das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass diese, nun ja, diese Illustration das Porträt Meyers ersetzte. Hier zählt einzig der künstlerische Ausdruck, die malerische Bedeutung des Werks. Sagt da etwa jemand, die Körperproportionen stimmten dann auch nicht? Also bitte, der Arm des Jünglings mit der roten Weste von Cézanne ist auch viel zu lang, meckert doch auch keiner. Höchstens darüber, von wem und wo der ausgestellt ist. Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

Wir halten aber abschliessend fest: was ist noch schlimmer als eine Meyer-Kolumne mit einem Meyer-Foto? Wir konnten uns nichts vorstellen. Bis zu diesem Sonntag.

Es darf nicht gelacht werden: Publikums-Verarschung

Was die Sonntagspresse diesmal bietet, ist bodenlos.

Die «SonntagsZeitung» versucht, dem Publikum etwas Angst einzujagen:

Oben die «Büezer Buben», links etwas Gebibber, rechts ein Blick auf die Schönen und Reichen und ganz schön Reichen in der Schweiz. Alles lauwarm, alles seicht, alles gähn.

Damit man den Mund kaum mehr zuklappen kann, kommt dann noch das:

Wahnsinn, wer hätte das gedacht? Online-Bewertungen sind mit Vorsicht zu geniessen. Da wäre ja ein Artikel über den Gender-Stern noch aufregender gewesen, und das will etwas heissen.

Aber wir kommen noch zur Bankrotterklärung:

Unfassbar, aber in ihrer Not greift die SoZ sogar aufs Monster in Loch Ness zurück. Damit dürfte der absolute Nullpunkt erreicht sein. Nichts Positives zu vermelden? Doch, das hier ist die mit Abstand informativste Doppelseite in der aktuellen SoZ.

Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt, daher wagen wir einen Blick auf das Cover des «SonntagsBlick». Eine rennt schneller als die anderen, das ist natürlich eine Erwähnung wert. Aber sonst? Eine Bildergalerie von «Putins Opfern» echt jetzt?

Aber dann, fast versteckt, leicht zu übersehen. Die SoZ jubiliert noch über die Mammut-Konzerte in Zürich, aber Ringier hat halt bessere Beziehungen:

Manche werden das als gute Nachricht verbuchen. Aber dann? Was dann kommt, ist besser als Schäfchenzählen. Aber auch teurer. Nein, zu berichten gibt es über die Berichte nichts. Ausser, wir wollten Frank A. Meyer – aber wir sehen schon, ein Wald von abwehrenden Händen erhebt sich. Also lassen wir Gnade walten.

Daher ruhen mal wieder alle Hoffnung hierauf:

Aber die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, doch sie stirbt auch. Ein Lebenszeichen von Widmer-Schlumpf, ein launig illustrierter Bericht übers Schulegeben, und auch ein wenig bibbern: nur geht hier nicht Strom und Heizung aus, sondern die Medikamente. Wir werden uns also bald einmal ohne Hustensirup in der dunklen Wohnung den Hintern abfrieren. Schöne Aussichten.

Ansonsten frönt auch die NZZaS immer mehr der Unsitte, dass riesige Fotos im wahrsten Sinne des Wortes Platzhalter sind. Weil dem Autor offenbar die Luft ausging, und wenn man halt eine Seite einplant:

Wenn’s dann gleich eine Doppelseite ist, bläht sich das Foto zu Postergrösse auf:

Ohne das abstossende Riesenfoto wäre das Interview problemlos auf einer Seite abgehandelt. Womit im knappen Platz der Schrumpfblätter eine Seite für etwas anderes frei geworden wäre. Aber vielleicht fiel der Schrumpf-Redaktion nichts ein.

Noch ein Beispiel gefällig? Bitte sehr:

Das ist fast die halbe Seite. Ein Foto zu einem Beitrag über Tunnelbau? Ach was, es geht hier um Wasserkraft, wie man doch unschwer erkennen kann.

Und ein Absackerchen. Auch fast eine halbe Seite, ein völlig überflüssiges Symbolbild, über das sich zudem sicherlich eine Firma furchtbar freuen wird:

Bevor wir auch hier aufgeben, dieses Symbol-Foto widerspiegelt immerhin den Gemütszustand des Lesers:

Wenn man bedenkt, was man statt dieser Platzverschwendung für stolze 6.80 dem Leser, der ja nicht Schauer ist, hätte liefern können …

Shit Parade

Was wummernde Bässe und nz, nz, nz bei der Sonntagspresse auslösen.

Es ist natürlich blöd, wenn man ein Sonntagsblatt zusammennageln muss, während vor dem Glasholzhaus an der Werdstrasse Bässe wummern, die Wiederholung des Ewiggleichen gute Laune macht und mehr oder minder rhythmische Zuckungen auslöst. Draussen auf der Strasse, wo das Leben lebt und feste gefeiert wird. Da kann man sich schon mal vergreifen:

Wir wollen keinem und keiner der hier Aufgeführten zu nahe treten. Aber das sollen alles kluge Köpfe sein? Abgesehen davon, der Blattmacher rief mal wieder in die Runde: Ukraine? Wir brauchen was zur Ukraine. Unbedingt! Und das bekam er dann:

Da soll noch einer sagen, dass der Krieg nicht auch seine guten Seiten habe. Die Bewährungsprobe für alle Diversen und Non-Binären.

Sparmassnahmen und die Übernahme von immer mehr Inhalten aus München hat allerdings eigentlich nur schlechte Seiten; zum Beispiel diese hier:

Denn was interessiert den Schweizer Leser ein Interview mit dem deutschen Wendehals-Wirtschaftsminister Habeck, der von Wirtschaft ungefähr so viel versteht wie eine Kuh von Foxtrott? Die beiden Interviewer von der «Süddeutschen Zeitung» gehen mit ihm deutsche Themen durch, die für deutsche Leser der SZ sicherlich interessant sein mögen.

Auf Seite 9 wird’s dann einen Moment lang schwierig-schmierig:

Völlig zu Recht erregen sich hier zwei Autoren der SZ darüber, dass der feige Mordanschlag auf den Schriftsteller von iranischen Medien bejubelt wird. Sie können ja nicht wissen, dass der Schmierenjournalist Andreas Tobler im «Tages-Anzeiger» den Mordaufruf «Tötet Roger Köppel!» als «Theatermord» verharmloste und ihn als «Reaktion» auf Auftritte von Köppel im deutschen Fernsehen «verstanden werden» wollte, es sei halt «eine Künstleraktion» im Sinne von Schlingensief, meinte der Kunstkenner feinsinnig. Blöd halt, wenn man auch solche Inhalte aus dem Ausland kopiert, wo man diese abscheuliche Unterscheidung zwischen fundamentalistischen und künstlerischen Mordaufrufen nicht kennt.

Zu den wenigen sicheren Werten der SoZ gehört allerdings Peter Schneider, das muss man immer wieder sagen:

Bislang fehlt aber ein Standard in der SoZ. Welcher? Ah ja, Prügel für die SVP. Et voilà:

So wummert es dumpf dahin in der SoZ, und ZACKBUM wollte bereits gähnend aufgeben, als wir plötzlich hellwach, erregt und feministisch entrüstet diese Schlagzeile lesen mussten:

Ein Loblied auf den Tanga? Die Fortsetzung des Arschgeweihs mit wenig Stoff? Die Reduzierung der Frau auf die lüsterne männliche Sicht, Sexobjekt, Diskriminierung, wir fassen es nicht. Das wäre bei Salomé Müller nicht passiert. Wo bleibt Aleksandra Hiltmann? Wo bleiben Andreas Tobler und Philipp Loser und all die anderen Genderpäpste? Das muss Folgen haben.

Solche Bilder wollen wir nie mehr in der SoZ sehen:

Erschwerend kommt noch hinzu, dass das Foto von Christina Aguliera aus dem Jahr 2000 stammen soll …

Wir mussten hier die Lektüre entrüstet abbrechen, weil wir uns unwohl in dieser frauenfeindlichen Umgebung fühlten. Zum Ausgleich lasen wir wieder mal «Angst vorm Fliegen» von Erica Jong.

Und sagen pfui, pfui, pfui zu solchen Fotos, die wir wohl demnächst auch in der SoZ abdecken müssen:

Wir wollten uns auf diesen Schock in der Gazette für die gehobenen Stände, im Zentralorgan der intellektuellen Überlegenheit, im Blatt für Brainfood erholen.

Hurra, die ganze Frontseite ist ukrainefrei! Da nehmen wir sogar – echt jetzt? – eine Aufmacherstory über vegetarische Hunde in Kauf, obwohl das für uns an Tierquälerei grenzt. Verschlimmert wird es dadurch, dass dieser vierbeinige Freund offenbar auch noch zum Barbesuch animiert wurde.

Einen wummernden Tiefpunkt erreicht die NZZaS bereits auf Seite 3. Da lässt sich Peer Teuwsen über den Mordanschlag auf Salman Rushdie aus. Es gelingt ihm dabei, den Leser gleich mit den ersten Sätzen zu vergrätzen, zu verstimmen, ihn sich angewidert abwenden zu lassen. Denn wie peinlich ist es, wenn ein Autor den Überlebenskampf des Schriftstellers als Einleitung zu dieser eitlen Selbstbespiegelung nimmt:

«In diesen Stunden, in denen Salman Rushdie in einem Krankenhaus in Erie, Pennsylvania, liegt, künstlich beatmet, unfähig zu sprechen, erinnert man sich gerne an ein Abendessen mit dem Schriftsteller zu Beginn der 2000er Jahre in der Zürcher «Kronenhalle».»

Erinnert man sich gerne? Da kommt einem ja das Frühstück, das Mittag- und das Abendessen hoch, ob dieser bodenlosen Geschmacklosigkeit. Aber der Adabei ist noch nicht fertig mit seiner Erinnerung:

«Er war auf Lesereise in Europa, in Begleitung seiner vierten Frau, der Amerikanerin Padma Lakshmi, die als Schauspielerin, Model und Fernsehmoderatorin tätig ist. Der Auftritt des Ehepaares versetzte das Publikum im edlen Zürcher Traditionsrestaurant in hörbare Aufregung, was an diesem Ort, wo sich die Prominenz die Klinke in die Hand gibt, eine Seltenheit darstellt.»

Die Aufregung, in die diese Zeilen den Leser versetzen, wollen wir aus juristischen Gründen nicht hörbar machen. Ein Pfuiteufel soll genügen.

Anschliessend wird’s auch nicht viel besser:

Denn was macht der vorsichtige Journalist, wenn er nichts Neues zu berichten hat und deshalb einen Blick in die Glaskugel wagt? Genau, er entwickelt «vier Szenarien», wie’s weitergehen könnte. Hat er Schwein, trifft eines davon ein, hat er Pech, vertraut er aufs Vergessen des Lesers.

Ständiger Grund zur Aufregung ist die Medienspalte, also das, was von der einstmals kompetenten Medienbeobachtung auf einer eigenen Medienseite übrig geblieben ist. Neben einem schreibenden Rentner meldet sich hier die «Redaktionsleiterin Folio» regelmässig zu Wort. Diesmal hat Aline Wanner einen bunten Strauss von Tipps für «Arbeitgeber, die konkurrenzfähig bleiben möchten». Da gibt es zwei Möglichkeiten. Sie zielt damit subversiv auf das eigene Haus, insbesondere auf die NZZaS, die doch eine gewisse Fluktuation zu verzeichnen hatte. Oder aber, sie will der Konkurrenz unter die Arme greifen. In beiden Fällen sind ihre Tipps aber nz, nz, nz. Eine lachhaft-gähnlangweilige Wiederholung von Gemeinplätzen, wie sie jeder Unternehmensberater aus dem Stehsatz holt. Bevor ihm die Tür gewiesen wird:

«Wer gute Leute will, muss eine Idee haben und aktiv auf sie zugehen. Eine Marke zu sein, reicht nicht, marktkonforme Löhne hingegen helfen. Machtmissbrauch, Mikromanagement und Mobbing kommen nicht gut an, besser ist es, grosszügig und transparent zu sein, Freiheiten zu bieten, in eine moderne Führung zu investieren. Viel Erfolg!»

Wann bekommen wir eine Beschreibung der Umsetzung im «Folio»?

Uns sonst? Weitere Synkopen, Musikfetzen, Loops, Schleifen, welche Sprach-DJs bespassen den Leser weiter? Da kann man leider nur Shakespeare zitieren. Mit der Ausnahme eines interessanten Artikels über eine merkwürdige Sprache: the rest is silence

Das gilt übrigens auch für den «SonntagsBlick». Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz. Nz, nz, nz, nz.

Sommer-Rubrik: GÄHN

Nichts eignet sich besser für eine Fortsetzung als die Sonntagspresse.

Woran merkt man, dass dem B-Team im Hitzestau wirklich nichts eingefallen ist? An einem solchen Cover:

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Elefant tot, Pille out, hübsche Frau, Hitzestau.

Immerhin gibt der Chefredaktor auf Seite zwei dann gleich kontra, was sicherlich von ein paar Hitzköpfen als neue Querelen in der Redaktion interpretieren wird:

Aber es ist heiss genug, sie als Titelgeschichte zu verbraten.

Das hier hingegen ist endlich mal nicht-gähn, aber keine redaktionelle Leistung, sondern eine clevere Werbung:

Aber sogleich wird es wieder Doppelter-Ristretto-Gähn, wenn Felix Gähn Müller nun wirklich überhaupt nichts einfällt, womit er seine Medienkolumne füllen könnte. Aber was muss, das muss:

 

Als mildernden Umstand könnte man höchstens anführen, dass er sich im Niveau der Kolumne der sogenannten Kabarettistin Patti Basler anpassen wollte. Denn schlimmer als flach scherzen ist höchstens, pseudogelehrt scherzen: «Lasst uns mit emporgerecktem Kopf  die Troposphäre zurückerobern, als sei es das natürliche Habitat des Homo volans.» Hä? Kein Stress, einfach gähnen.

Was die NZZaS kann, kann der «SonntagsBlick» schon lange:

FDP-Chef sagt was, abgehalfterter Moderator sagt was, Pfadi macht was.

Geht noch mehr gähn? Oh ja, der stellvertretende Chefredaktor Reza Rafi sagt was; sein Chef hat hitzefrei, also darf er sich am Editorial vergreifen: «James Schwarzenbach machte Fremdenfeindlichkeit salonfähig, die Linken wollten den Staat entwaffnen, Christoph Blocher erfand das Feindbild Europa. Anti-Mainstream garantiert Aufmerksamkeit ebenso wie Aufschreie.» Was will uns Rafi damit sagen? Nichts, ausser eine Doppelspalte Einleitung zu diesem dünnen Schluss: «Im Vergleich dazu wirkt es eher harmlos, wenn der Schweizer FDP-Präsident Thierry Burkart sich im SonntagsBlick-Interview dafür ausspricht, dass der Bund alles tun soll, um die heimischen AKW möglichst lange – und sicher – am Leben zu lassen.»

Wir schleppen uns auch hier ins Ziel. Frank A. Meyer (nein lieber Leser, da müssen wir durch) hat wie immer mit seinem Kommentar die Hand am Puls der Zeit. Da gab es doch mal so eine Flugaffäre mit unserer Knutschkugel BR Berset. Dazu gibt es ein witziges Inserat und einen späten, wohl durch Hitzestau bedingten Nachruf von Meyer. Wir erwarten stehenden Applaus des Lesers, weil wir uns durch den ganzen Text gekämpft haben und nur die Schlusspointe gähnen lassen:

«Alain Berset fliegt hoch, fliegt auf die Nase – fliegt dem Kleingeist davon.»

Hä? Nicht grübeln, wer’s nicht versteht, ist ein Kleingeist.

Allerdings, ganz versteckt und wie nebenbei könnte der SoBli einen Knaller enthalten. Zu diesem Foto muss man wissen, dass beide Herren inzwischen Single sind und mehr oder minder zusammen wohnen; mehr sagen wir nicht, schliesslich ist das deren Privatangelegenheit:

Sieht nach echter Männerfreundschaft aus.

Kann die SoZ noch einen drauflegen im Gähnbereich? Zumindest das Bemühen ist erkennbar:

Bier wird teurer. Seit es Bier und Zeitungen gibt, der Sommerheuler.

Die SoZ schafft aber auch einen ärgerlichen Gähn. Am 20. Juli berichtete «Inside Paradeplatz»: «Leveraged Buyouts krachen – und die CS ist mitten drin».  Am 24. Juli vermeldet die SoZ: «Auf die Credit Suisse kommt ein neuer grosser Verlust zu. Tiefe Zinsen liessen das Geschäft der Banken mit fremdfinanzierten Firmenübernahmen florieren». Deutsch für Leveraged Buyouts. Immerhin wird IP so im Vorbeilaufen im SoZ-Artikel erwähnt. Dass man aber einfach umständlicher, ausführlicher und langweiliger nochmal über das gleiche Thema berichtet – lassen wir das und gähnen einfach ausgiebig.

Wenn man die Preiserhöhung beim Bier schon verballert hat, was kann man dann noch tun, um den Leser am Gähnen zu halten? Richtig, das war nun kein IQ-Test:

Wir holen den grossen Eistee-Test aus dem Kühlschrank und passen einfach auf, dass wir den Stehsatz vom letzten Jahr gut durchschütteln und eiskalt nochmal servieren.

Für alle tapferen Leser, die bis hierher durchgehalten haben: nächstes Wochenende ist dann noch 1. August zu allem Elend. Also wird das ein gesteigertes Gähn-Festival werden …

Hilfe, mein Papagei onaniert

Wir können nichts dafür. Wir beginnen mit einem Lob.

Normalerweise ist die Sonntagspresse reicher Quell für Spass und Tollerei. So war auch ZACKBUM gestimmt, als wir das Cover der NZZaS sahen:

Clever, sehr clever. Während der «Blick» Corona wieder hochzieht, wenn das mit der Ukraine mal nicht mehr Monothema ist, wählt die NZZaS Sommer, Hitze, Wasser, Stromknappheit, furchtbar. Kann man machen, muss man nicht machen.

Aber dann kam das:

Eine Philippika gegen den offenbar hitzegeschädigten Zürcher Stadtrat. Der will ja nicht nur die Verwendung von Biersigneten bei der Aussenwerbung von Restaurants verbieten, nun hat er auch noch ein ellenlanges Reglement erlassen, das im Wesentlichen sagt: «verwenden Sie den Genderstern.» Was für Aussenstehende lachhaft erscheint, ist für städtische Beamte Pflicht.

Das Femininum sei nur noch in Ausnahmefällen zu verwenden, zum Beispiel hier: «Schweizerinnen erhielten das Frauenstimmrecht 50 Jahre später als die Schweizer.» Redaktor Urs Bühler möchte man ganz politisch unkorrekt dafür knutschen, wie er diesen Satz auseinandernimmt:

«Als hätte das Frauenstimmrecht schon für Männer gegolten. Übersteigertes Gendern verwirrt halt den Geist.»

Schön ist auch: «Was der Stadtrat, Pardon, die Stadtratte, im Reglementierwahn anordnet, geht auf keine Kuh- und auch auf keine Stierhaut.» Ein klares Wort, ein Bundesgenosse im Kampf von ZACKBUM gegen Genderwahn und Verunstaltung der deutschen Sprache. Das Merkwürdige daran ist: dass jede Form von Gendern schlichtweg schwachsinnig ist und mehr Probleme schafft als löst, ist schon tausendmal beschrieben, nachgewiesen, erklärt, sinnhaft gemacht worden. Aber die Fraktion Genderwahnsinn macht einfach weiter, als wäre da nix.

Sprache als Therapieanstalt für angeblich diskriminierte, exkludierte, nicht berücksichtigte Gender. Eine unglaubliche Fortsetzungsgeschichte.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. «Gefährlicher Rüpel» titelt die NZZaS über einem Porträt von Jean-Luc Mélonchon, der sei ein «polternder Polemiker», resümiert der Artikel. Dazwischen bemüht sich Autorin Christine Longin damit ab, hinwegzuerklären, wieso diesen polternden und gefährlichen Rüpel und seine Linksallianz ganze 28 Prozent der Franzosen wählen wollen. Nicht weniger als das Lager von Präsident Macron, auf den bei den Parlamentswahlen eine Klatsche zukommen dürfte.

Noch schlimmer: «Besonders gut kommt der Linkspopulist bei den 18- bis 24-Jährigen an. Ein Mehrheit von ihnen will bei den Parlamentswahlen Nunes (der Linksallianz, Red.) die Stimme geben.» Warum? Das habe mit der «Unzufriedenheit mit dem politischen System zu tun», fällt einem Mitarbeiter des «Deutsch-Französischen Instituts» ein; für Longin offenbar die einzig greifbare Expertenmeinung – als ganz dünne Suppe.

Polemik und Beschimpfung auf der einen Seite, platte und magere Erklärung, wieso denn so viele Franzosen einen solch gefährlichen Mann wählen wollen. Die Unfähigkeit einer wirklichkeitsnahen Beschreibung erinnert fatal an die Porträts über Donald Trump vor seiner Wahl …

Auch Fotos können demagogisch sein: kein Ruhmesblatt für die NZZaS.

Wir wollen aber wieder ein Lob dranhängen:

Denn Kate Bush ist erst 63 Jahre alt. Damit senkt die NZZaS nach ihren Lobes-Interviews mit Mick Jagger oder Elton John das Alter des angepriesenen Musikers gewaltig. Es fehlt nicht mehr viel, dann ist sie bei kontemporären Stars angelangt. Ausser natürlich, sie hängt der Meinung an, dass Elvis lebt. Ein Film über ihn wird immerhin schon mal rezensiert …

Wer Wert auf Dynamik legt, muss nach der NZZaS den «SonntagsBlick» anschauen. Der hat mal wieder einen Knaller auf dem Cover:

Das ist natürlich furchtbar. Nur hat der Knaller eine nasse Zündschnur: bis zu den Sanktionen nach dem Einmarsch in die Ukraine war der Export solcher Chips völlig legal.

War’s das schon vom SoBli? Ja, oder wollen wir uns noch die Gedanken von Frank A. Meyer antun? Eben.

Hin und her gerissen ist aber die «SonntagsZeitung». Das hier ist sozusagen Pflichtstoff:

Das aber die SoZ diesem Thema gleich die Seiten zwei und drei widmet, ist erstaunlich:

Da möchte man gerne Mäuschen bei der Redaktionskonferenz gewesen sein. Was, das sind doch nur wenige Einzelfälle. Das ist doch völlig kontraproduktiv. Damit schürt man doch Xenophobie. Ein Bärendienst für flüchtende Ukrainer. Wollen wir wirklich der SVP Wasser auf ihre Mühlen lenken? Sind wir hier neuerdings bei der «Weltwoche»? Da müssen wir unbedingt positive Beispiele dagegenstellen.

So und ähnlich dürfte dort gepoltert worden sein.

Ansonsten stellt die SoZ Fragen, die sich sonst keiner traut:

Schliesslich geht Nora Zukker, die schon mal gerne ein Autorengespräch auf dem Friedhof mit einem Flascherl Schampus führt, einer weiteren wichtigen Problemstellung nach:

Wollen wir wissen, welche Worte Zukker mit der Autorin eines Buchs wechselt? Falls es tatsächlich ein paar Leser geben sollte, die sicherlich unter Drogeneinfluss ja sagen, wir lassen es bei diesem Absackerchen bewenden:

Es geht doch eigentlich nichts über weibliche Bekenntnisliteratur, in der ein persönliches, recht überschaubares Problem zum grossen Beichtbuch aufgeblasen wird.

 

Geistvolle Sonntagsblätter

Diesmal legen wir in der Auswahl nur ein Kriterium an: geistvoll.

Zugegeben, beim «Sonntagsblick» wird das schnell schwierig. Denn schon auf dem Cover überraschte das Pfingstblatt mit dieser Erkenntnis:

Eine nobelpreisverdächtige Prognose.

Aber Bundesrat und SoBli können noch einen drauflegen:

Dann muss der SoBli allerdings alleine weitermachen:

Und als Absackerchen noch das Wort zum Pfingstsonntag des intellektuellen Schwergewichts Frank A. Meyer: «Das bedrängte Land braucht Raketen, Flugzeuge, Panzer und Munition. Jetzt!» Ob wir Meyer noch beim Beladen von Munitionszügen beobachten dürfen?

ZACKBUM räumt ein: diesmal war’s bei der «SonntagsZeitung» eine Mission impossible. Geistreich? Schwierig, aber dem Ingeniör ist nichts zu schwör:

Alles ist relativ, und dann ist das geistreich. Wie das hier auch:

Und das:

Schliesslich das:

Gut, das unterscheidet Schimpansen noch nicht von Journalisten.

Eigentlich müsste hier nun noch eine Würdigung der NZZaS kommen. Aber was eigentlich nie passieren kann, ist hier geschehen. ZACKBUM hat es (fast) die Sprache verschlagen.

Das ist wohl auch besser so, denn unterhalb von diskussionslos mit Strafen belegten Verbalinjurien könnte man dieses Stück nicht beschreiben. Wer meint, Journalismus hätte alle Barrieren nach unten, ins Geschmacklose, Unanständige, Widerwärtige schon längst durchbrochen, wir hier eines Schlechteren belehrt. «watson» rüpelt mit dem Wort «Geschichtsporno» in Serie. Wir überlassen es der Fantasie des Lesers, für dies hier den richtigen Begriff zu finden.

Hilfe, mein Papagei onaniert: Hitzestau

Reden wir über das Wetter.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Wenn’s mal heiss wird in der Schweiz, haben die Sonntagsblätter ihr Thema gefunden.

Wenn alle vom Wetter reden, wieso dann nicht einen Riesenartikel übers Wetter machen? Dazu das Reizwort «Klimawandel», ein Wetterfrosch runzelt bedenklich die Stirne, und schon ist eine Doppelseite plus Cover gefüllt.

Fehlt noch was? Natürlich, ein Frauenthema. Wie kann man das mit dem kleinsten Aufwand ins Blatt heben? Richtig, man macht ein Interview.

Auch der ansonsten sehr geschätzte Armin Müller kann mal danebenliegen: «Bei Bitcoin & Co. handelt es sich um Nullsummenspiele, der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen. Es entsteht kein Mehrwert.» Bei Bitcoin & Co. handelt es sich um Währungen. Die sind immer Nullsummenspiele. Oder käme jemand auf die Idee, bei einer Kursänderung des Schweizerfrankens gegenüber dem Dollar von Gewinn und Verlust zu sprechen? Oder sich darüber zu beschweren, dass aus einer Währung kein Mehrwert entsteht? Vielleicht nochmal zum Thema Geldtheorie etwas nachlesen.

Denn weder ist die Kryptogemeinde gescheitert, noch ändert der letzte Kurssturz (in einer langen Reihe) etwas daran, dass Kryptowährungen den ersten ernsthaften Versuch darstellen, das Geldmonopol der staatlichen Notenbanken in Frage zu stellen. Deshalb werden sie auch so kritisch beharkt. Als Facebook ernsthaft mit dem Gedanken spielte, auch eine eigene Kryptowährung ins Leben zu rufen, klingelten in der Politik (und somit auch in den Medien) überall die Alarmsirenen. Und der Versuch wurde (vorläufig) abgewürgt. Alles, weil auf Blockchain aufgebaute Zahlungsmittel die Zukunft sind.

Vom ernst Falschen zum unernst Lächerlichen. Dass Daniel Craig sich in ein rosa Samtjackett zwängte, konnte man nur als Stinkefinger in Richtung seiner Rolle als James Bond interpretieren. Er hatte wohl Angst, dass man ihn trotz Todesfall wiederbeleben könnte. Aber ein Bond in einem rosa Anzug? Niemals. Der einzige Grund, als Mann rosa zu tragen, ist: ich will zeigen, dass ich Mut zur Lächerlichkeit habe.

Hier geht’s wenigstens noch schön männlich zu. Auch wenn so ein Töff, mit dem Mann über Stock und Stein brettern kann, so ziemlich allem widerspricht, wofür Tamedia ideologisch steht. Aber Gesinnung ist das eine, Inserateeinnahmen ist das andere, Wichtigere.

Alle reden vom Wetter, natürlich die NZZaS auch. Plus eine extra Öko-Beilage, grossflächig beworben auf der Front. Braucht das Thema wirklich die halbe Seite vorne? Nun ja, wenn es sonst nicht viel zu berichten gibt …

Im Blatt wird die Allerweltsexpertin Anne Applebaum interviewt. Das tut so ziemlich jeder, und sie sagt auch zu ziemlich jedem so ziemlich das Gleiche. Wieso auch noch die NZZaS ihr eine Plattform gibt, damit sie Altbekanntes wiederholt?

Aber offenbar wollte man eine Reihe «wir interviewen oder porträtieren altbackene Menschen» machen. Dazu passt auch ein Porträt von Andreas Gross. Genau, der Gross, der vor vielen, vielen, vielen Jahren mal mit der Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee Furore machte. Und anschliessend eigentlich nur noch durch seine üppigen Reisespesen auffiel.

Zu guter letzt setzt Peer Teuwsen seine Reihe fort: Ich interviewe scheintote Rockstars. Nach Mick Jagger nun auch noch Elton John. Ja, meine lieben jungen Leser, das ist so ähnlich wie mit den Sissi-Filmen. Umso mehr sich der Leser altersmässig gegen unten von Teuwsen unterscheidet, desto mehr fragt er sich: Jagger? Wer ist Jagger? Elton John? Wer ist denn das? Macht der vielleicht Werbung für Fielmann?

Aber, sonst wäre es nicht die NZZaS und man müsste nur meckern, dann kommt noch eine grosse Reportage über Äthiopien. Äthiopien? War da mal was? Gab es da nicht mal einen Friedensnobelpreisträger? Und gibt es ausserhalb der Ukraine tatsächlich noch eine Welt? Immerhin, diese Fragen beantwortet die NZZaS, und dafür sei sie am Schluss hier versöhnlich gelobt.

Und der SoBli? Ach nö, auch ZACKBUM braucht manchmal eine Verschnaufpause.