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Wumms: Christian Brönnimann

Der Tamedia-Redaktor pfeift auf den Rechtsstaat.

Brönnimann versteht sich als Recherchierjournalist. Darunter musste schon der Autor dieser Zeilen leiden, aber das war nichts gegen das Schicksal eines angolanisch-schweizerischen Geschäftsmanns.

Aufgrund gestohlener Geschäftsunterlagen trat Brönnimann eine ganze Kampagne gegen ihn los. Er habe sich am Elend eines afrikanischen Landes bereichert, wohl krumme Geschäfte gemacht, vielleicht Steuern hinterzogen, und überhaupt. Wer einen milliardenschweren Staatsfonds verwalte, der müsse ja Dreck am Stecken haben.

Das führte dazu, dass das Geschäftsimperium des Mannes zusammenbrach, viele Mitarbeiter ihre Stelle verloren und der Geschäftsmann einige Zeit in einem Höllenknast in Angola verbringen musste.

Brönnimann vermeldete triumphierend, wo überall Strafuntersuchungen aufgrund seiner Artikel aufgenommen, Gerichtsverfahren anhängig gemacht wurden. Er vermeldete dann sehr, sehr klein oder überhaupt nicht, dass alle, restlose alle diese Verfahren eingestellt wurden – oder dem Geschäftsmann bestätigt wurde, dass er völlig korrekt gehandelt hatte.

Auf unsere Frage, ob Brönnimann da nicht eine Mitverantwortung für dieses Debakel trage, erwiderte er kühl, dass er doch nichts dafür könne, wenn staatliche Behörden tätig werden.

Nun nimmt er sich in einem Kommentar unseres Rechtsstaats an; der sei angeblich in einem «Dilemma». Wieso, hat Brönnimann schon wieder zugeschlagen? Nein, es geht um die Verwendung der beschlagnahmten «Oligarchen-Milliarden».

Brönnimann hebt mit einer Verurteilung des ehemaligen US-Präsidenten Bush Junior an: «Ein Staatspräsident führt einen brutalen Angriffskrieg, in dem Tausende sterben, Millionen vertrieben und ganze Städte zerbombt werden. Milliardenschwere Geschäftsmänner haben jahrelang von ihrer Nähe zum Kriegstreiber profitiert und distanzieren sich nun nicht von dessen Verbrechen.»

Mutig, den völkerrechtswidrigen Einmarsch in den Irak und die dort begangenen Kriegsverbrechen zu kritisieren. Oh, hoppla: «Es wäre nichts als recht, wenn der Wiederaufbau der Ukraine dereinst zuerst mit den Milliarden aus dem Oligarchen-Zirkel rund um Wladimir Putin bezahlt würde und erst dann mit öffentlichen Geldern.»

Aber da gibt es ein blödes Hindernis: «Unsere Gesetze sehen die Möglichkeit nicht vor, dass der Staat jemandem seinen Besitz wegnehmen kann ohne rechtskräftige Verurteilung wegen eines schweren Delikts

Was tun? Kreativ werden mit Brönnimann:

«Die rechtsstaatlichen Grundsätze sind für Friedenszeiten geschrieben. Es ist nun an der Politik, einen Weg zu suchen, um dieses Korsett so zu lockern, dass am Schluss nicht Milliarden in den Einflussbereich Putins zurückfliessen.»

Stehen rechtsstaatliche Grundsätze einem Wunsch von Brönnimann entgegen, dann behauptet er frech, dass die doch nur in Friedenszeiten gelten. Daher müsse das «Korsett gelockert werden». Ein Euphemismus für: den Rechtsstaat in die Tonne treten. Ein Euphemismus für staatlichen Diebstahl.

Dass ein solcher perfider Anschlag auf Grundprinzipien unseres Rechtsstaats bei Tamedia erscheinen darf, ist ein Skandal. Dass das unwidersprochen bleibt, ist ein Skandal. Dass Brönnimann nicht öffentlich dafür sanktioniert wird, ist ein Skandal.

Also ist es einfach ein übliches Stück aus dem Tollhaus des modernen Qualitätsjournalismus.

 

 

 

 

Ein Wunder: «Blick» wird kritisch

Will das Blatt beweisen, dass es keinen Befehlen von oben folgt? Egal, bravo.

Der Hammer: Wie eine «Blick»-Recherche belegt: Die herumgebotene Zahl der wegen Corona Hospitalisierten ist falsch. Sie ist rund doppelt so hoch wie in Wirklichkeit. Damit fällt die Grundlage für Corona-Kreischen weg.

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In all dem Zahlenschlamassel wird immer auf einen Wert gestarrt: wie viele Hospitalisierungen gibt es wegen der Pandemie? Wird Omikron nun unser Gesundheitssystem zum Zusammenbruch treiben? Wie es schon unzählige Male angekündigt wurde – aber noch nie passierte?

Als Basis für alle Spekulationen, Warnungen, Hinweise, Impfaufrufe gilt immer die Zahl der ins Spital neu eingelieferten Patienten – die mit Covid-19 infiziert sind. Steigen die, ist Alarmstimmung, naht der Untergang.

Wie ZACKBUM enthüllte, sind diese Zahlen aber mehr als dubios. Weitgehend unbeachtet erklärte das Bundesamt für Statistik (BfS):

«Angesichts der internationalen ICD-Diagnoseerfassungsregeln sind Covid-19-Erkrankungen immer als Nebendiagnose codiert. Damit ist es nicht möglich zu identifizieren, ob die Hospitalisierung «wegen» Covid-19 oder nur «mit» einer Covid-19-Infektion erfolgte.»

Aber damit nicht genug; der «Blick» legt nun noch einen drauf, aufgrund eigener Recherchen: «In mehreren Kantonen werden etwa die Hälfte der Patienten aus anderen Gründen eingeliefert und erst später positiv getestet.»

Beinbruch, Herzinfarkt, alt und gebrechlich: die Gründe für eine Spitaleinweisung sind vielfältig. Nur: wird der Patient bei der Aufnahme oder später getestet und ist positiv auf Covid-19, dann wird er automatisch zum «wegen» Covid Hospitalisierten.

Stichproben belegen den Verdacht

Der «Blick» führt mehrere Stichproben an, darunter die grossen Universitätsspitäler von Genf und Zürich.

Bei beiden ist erwiesen: rund die Hälfte aller «stationär behandelten Corona-Patienten seien nicht wegen des Virus eingeliefert worden, sondern primär wegen anderer Symptome».

Das Unispital Zürich wird so zitiert:

«50 Prozent der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Personen im USZ sind wegen Covid-19 hospitalisiert, die anderen 50 Prozent werden wegen einer anderen Krankheit behandelt und haben als Nebendiagnose eine Corona-Infektion.»

Noch gravierender: «Der Labornachweis kann vor oder nach dem Spitaleintritt erfolgt sein.» Das heisst im Klartext: ein wegen jeder beliebigen anderen Erkrankung hospitalisierter Patient wird sogar im Nachhinein zum Corona-Patienten.

Dennoch werden immer wieder Hiobsbotschaften verkündet, so wie zuletzt vom Kantonsspital Luzern. Von Triage war die Rede, also von der bevorstehenden Entscheidung, welche Patienten Überlebenschancen hätten und auf die Intensivstation kämen – und welche nicht. Lebenswichtige Operationen müssten bereits verschoben werden. All das wegen der rasant steigenden Hospitalisierungen wegen der neuen Corona-Mutation.

Die Wahrheit ist: damals waren die Luzerner Intensivstationen mit Covid-Patienten ausgelastet – allerdings nur zu 19 Prozent.

«Blick» beisst zu – aus welchen Motiven auch immer

Es ist aufrecht vom «Blick», einer ersten Meldung von «lémanbleu» nachgegangen und mit eigenen Recherchen ergänzt zu haben. Denn normalerweise unterstützt der Ringier Verlag den Gesundheitsminister Alain Berset und ruft unermüdlich nach schärferen Massnahmen und einer vollständigen Durchimpfung der Gesellschaft, inklusive Kinder.

Das tut auch Tamedia mit Getöse und Gekreische und üblen Schimpftiraden gegen «Impfverweigerer».

Es ist einfach ein Skandal

Es gibt in jeder Statistik Unschärfen und Definitionsprobleme. Es gibt immer Streubereiche, Grauzonen, die zu wilden Spekulationen und Interpretationen Anlass geben können. Hier aber muss man aus drei Gründen von einem veritablen Skandal sprechen.

Von einem Desaster, weil auf dieser Zahl die gesamte Corona-Politik beruht. Lockdowns, Quarantäne, schwerste gesellschaftliche und wirtschaftliche Einschränkungen, Milliardenverluste – alles damit gerechtfertigt, dass eine Überlastung des Gesundheitssystems um jeden Preis vermieden werden müsse.

Dabei ist bewiesen und  richtig:

  1. Es kann nicht zwischen Hospitalisierungen «mit» oder «wegen» Corona statistisch unterschieden werden. Sagt das BfS.
  2. Rund die Hälfte aller als Covid-19-Patient ausgegeben Fälle sind Etikettenschwindel. Sie wurden wegen ganz anderer Symptome eingeliefert, zum Teil erst danach positiv getestet.
  3. Die Gesamtzahl aller wegen Covid-19 Hospitalisierten macht 3 Prozent aller stationär Behandelten im Jahr 2021 aus.

Das ist kein Anlass für gegenteiliges Gekreische, kein Futter für Verschwörungstheoretiker. Aber eines ist sicher: angesichts der fundamentalen Bedeutung dieser Zahl muss man dringend über die Bücher. Alleine schon als vertrauensbildende Massnahme.

Weil: falsche Zahlen führen zu falscher Politik, zu falschen Massnahmen. Im Kampf gegen die Pandemie muss aber alles so weit wie möglich richtig gemacht werden.

Eunuchen sollten werben

Citroen ist sexistisch. In Ägypten. Nicht zu fassen.

Ich kann kein Arabisch. Ich wusste auch nicht, dass Amt Diab ein grosser ägyptischer Popstar ist.

Aber ich fahre Citroen, also gibt es eine persönliche Betroffenheit, und die ist heutzutage entscheidend im Journalismus.

Aber kein Sozialneid, ich hätte auch lieber den hier:

Wie auch immer, Diab setzte sich ans Steuer eines vergleichsweise popeligen C4. Bremst für eine schöne Frau, die – typisch – ihm vors Auto läuft. Fotografiert sie, dann fährt man gemeinsam mit dem Citroen in den Sonnenuntergang. Nicht sehr originell, und die Musik muss man mögen.

Am 3. Dezember postete das Diab stolz:

Dauerte ein Weilchen, aber nun das:

So referiert persoenlich.com eine SDA-Meldung.

Denn hier sieht man, was Belästigung heisst:

Wobei die Frage eigentlich ungeklärt ist, ob sie ihn oder er sie belästigt. Oder keiner von beiden den anderen. Aber hier sieht man’s in flagranti:

Balzen wird immer schwieriger, auch in Ägypten. Aber dort gibt es wenigstens die Tradition des Harems-Eunuchen seit dem osmanischen Reich.

Faule «Republik»

Wie schaut’s aus, wenn nicht gebettelt und gedroht werden muss? Flau.

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Das Jahr geht, die «Republik» bleibt. Diesmal sogar ohne Selbstmorddrohungen. Ohne Bettelei. Ohne die ultimative Forderung, nach vielen Millionen noch ein paar Extra-Millionen zur Rettung der Demokratie auszugeben.

Das bedeutet auch, dass die «Republik» zum ersten Mal keinen Pseudo-Skandal erfinden muss, um sich ins Gespräch zu bringen. Im sicheren Wissen, dass das Kurzzeitgedächtnis der Leserschaft verlässlich vergisst.

Oder fällt jemandem noch spontan der grosse «Globe Garden»-Skandal, der ETH-Skandal, der beliebige Riesenskandal ein, der jeweils aufgepumpt wurde, um dann so sicher wie das Amen im Weihnachtsgottesdienst winselnd zu verröcheln?

Das sind mal gute Nachrichten, für Kopf und Portemonnaie. Auf der anderen Seite muss man schon sagen, dass sich die «Republik» schwer zurücklehnt, wenn sie nicht jammern muss.

Wenn man sich den Ausstoss von 50 wohlbezahlten Nasen vom 21. bis 28. Dezember anschaut, ist man erschüttert. 27 Resultate verzeichnet die Mediendatenbank SMD für diesen Zeitraum. Das ist nicht nix. Aber wenn man alles Beigemüse, alle Briefings, Hinweise, Fülltexte weglässt, bleibt ein harter Kern von ganzen 7 Schriftwerken.

Wenig, dafür lang und länger

Pro Tag eines. Das ist schon mal ärmlich. Dann widerspiegelt sich hier der ungebrochene Hang der «Republik», Artikel so lang zu machen, dass der Leser das nur mit einer Überdosis Koffein bis zum Ende schafft. Ein gutes Beispiel dafür ist die Serie «Rot regiert». Über 21’000 Anschläge hat «Teil 3». Der besteht aus einem Interview einer Mitarbeiterin mit dem bedeutenden Politik­wissenschaftler Tarik Abou-Chadi.

Zu dem gibt es neben der Aufzählung seiner akademischen Würden noch zu vermelden, er lege «Wert auf inklusive Sprache, daher macht er, wenn er etwa von Wähler-innen spricht, im Wort eine kleine Pause, die andere Medien und Institutionen mit Sternchen oder Doppel­punkten kennzeichnen würden.»

Spätestens hier kann man die Lektüre ohne kleine Pause abbrechen.

Der Rest im Schnelldurchlauf: ein Riesenstück über einen verspielten Corona-Kredit, wie viel Geld schmeisst Google für Schweizer Verlage auf (Serie, Teil 1), Betrachtungen zu Schweizer Landwirten, über den Geruchsinn, über Hervé, ein eingekauftes Stück über den längst vergessenen US-Relotius Stephen Glass.

Für Insider, von Insidern. Aktualitätsgehalt nahe null, aber immerhin, die schreibende Schmachtlocke macht Pause, das muss auch gelobt werden.

Abo als Ablasshandel

So sieht der karge Gabentisch der rastlosen Schaffer an der Langstrasse in Zürich (oder im Home Office) aus. Pro zehn Nasen ein popeliges Stückchen. Dazu Aufgewärmtes und Eingekauftes.

Dafür auch noch Geld bezahlen, das kann man nur als Ablasshandel für eine gute Gesinnung bezeichnen. Mit 240 Franken erkauft man sich ein gutes Gewissen und die Möglichkeit, nichts aus diesem Heissluftballon lesen zu müssen.

Der, nicht zuletzt mangels aufgeblasenem Skandalbericht, völlig aus der medialen Öffentlichkeit verschwunden ist. Weil er nichts zu sagen hat. Weil über ihn eigentlich nichts zu sagen ist.

Hoppla, das ist ja nun eine Selbstkritik, die sich ZACKBUM zu Herzen nehmen will. Jetzt aber auf zum doppelten Ristretto.

 

 

Statistik skandalös

Wieso nehmen das die Medien nicht auf? Ein merkwürdiges Schweigen im Blätterwald.

Das Bundesamt für Statistik bietet die Zahlen an, aufgrund deren fundamental wichtige Entscheidungen getroffen werden. Nur: wie sind die richtig zu verstehen? Es ist – ein Datenskandal. Zurückhaltend formuliert.

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Manchmal kommt eine Bombe harmlos verkleidet daher. Hier heisst sie «Methodische Erläuterungen» zur Erfassung der «Covid-19-Fälle in der medizinischen Statistik der Krankenhäuser». Herausgegeben vom Bundesamt (BFS) zur Veröffentlichung der Jahresstatistiken der Spitalbetriebe für 2020.

Dauerte ein Weilchen, all die Daten zu erheben, zusammenzubüscheln und zu publizieren. Aber am 19. November war’s dann so weit. Die Bombe platzte – und keiner schaut hin. Auf Seite vier steht in trockenem Beamtenton:

«Angesichts der internationalen ICD-Diagnoseerfassungsregeln sind Covid-19-Erkrankungen immer als Nebendiagnose codiert. Damit ist es nicht möglich zu identifizieren, ob die Hospitalisierung «wegen» Covid-19 oder nur «mit» einer Covid-19-Infektion erfolgte. Personen, die «mit» und nicht «wegen» Covid-19 hospitalisiert wurden oder sich während dem Spitalaufenthalt angesteckt haben, sind in dieser Statistik ebenfalls enthalten.»

Als ob es den Bundesbeamten bewusst geworden sei, was sie da schreiben, verdeutlichen sie die Aussage nochmals unter Punkt 4, Diagnose:

«Personen, die «nur» wegen Covid-19 hospitalisiert wurden, sind nicht eindeutig identifizierbar, weder in der BFS- noch in der BAG-Erhebung. Die BFS-Meldungen enthalten auch Personen, die mit Covid-19 als Nebendiagnose hospitalisiert wurden und/oder sich während dem Spitalaufenthalt angesteckt haben.»

Etwas umfangreicher ist die Dezember-Ausgabe von «BFS aktuell»: «Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Gesundheitsversorgung im Jahr 2020».

Auch hier finden sich Knalleraussagen:

«2020 wurden 40 871 Hospitalisierungen mit einer Covid-19-Diag­nose registriert. Sie betrafen 34 817 Personen. Diese Hospitalisierungen machten 3% der insge­samt 1 344 468 stationären, von 977 597 Personen in Anspruch genommenen Spitalaufenthalte im Jahr 2020 aus.»

3 Prozent.

Dann noch zwei Aussagen zur einzigen Hochrisikogruppe in der Bevölkerung:

«Ältere Personen sind bei den Hospitalisierungen mit Covid- 19-Diagnose in der Überzahl. Bei Spitaleinweisungen mit Covid-19 beträgt das Medianalter 72 Jahre, ohne Covid-19 liegt es bei 58 Jahren.»

«Die Pandemie hatte auch auf die Alters- und Pflegeheime und die von ihnen betreuten Personen gravierende Folgen. Sie verzeichneten eine markante Übersterblichkeit von rund 5000 Todesfällen und die Belegung nahm kontinuierlich ab. Zudem verschlechterte sich die finanzielle Situation zahlreicher Al­ters- und Pflegeheime.»

Alle diese Bomben wurden in den Medien entschärft, entsorgt, ignoriert, nicht kommentiert. Daher holen wir das kurz nach:

  • Laut BFS ist es NICHT möglich, zwischen Hospitalisierungen «wegen» oder «mit» Corona zu unterscheiden
  • Alle Hospitalisierungen mit einer Covid-19-Diagnose machten im Jahr 2020 insgesamt 3 Prozent der stationären Spitalaufenthalte aus.

Dann kommt noch hinzu, dass sich die erhobenen Zahlen von BAG und BFS dramatisch unterscheiden:

«Für das Jahr 2020 zählt das BFS 31’230 Patienten mit laborbestätigten Covid-19-Erkrankungen, wohingegen das BAG-Dashboard-Meldesystem 19’952 Hospitalisierungen ausweist (Stand 29. 10. 2021).»

Bei solchen Informationen, Zahlen, Differenzen erübrigt sich jeder weitere Kommentar. Ausser: wer erklärt diesen Skandal?

Besser: wieso ist es kein Skandal?

Schelte vom Hausgespenst

Lasst endlich Bürger Horta-Osório in Ruhe.

Das nennt man Pech. Nun hat die «Blick»-Familie endlich mal wieder einen hübschen Skandal ausgegraben. Alles drin, was auf dem Boulevard Spass macht. Ein im wahrsten Sinne des Wortes abgehobener Bankenlenker, Privatjets, Wichtigkeit, pfeift auf Quarantäneregeln, hält sich wohl für etwas Besseres.

Es sieht zwar so aus, als gelänge es nicht, Antonio Horta-Osório damit vom bequemen Sessel des VR-Präsidenten der angeschlagenen Credit Suisse zu lupfen. Aber ein guter Versuch war’s. Ist’s noch, denn es wird weiterhin leise nachgemopst.

Das findet aber allerhöchstes Missfallen im Hause Ringier. Besserwisser Frank A. Meyer benützt seine SoBli-Kolumne, um den eigenen Leuten die Kappe zu waschen. «Ein fehlbarer Bürger», überschreibt er milde gestimmt seine Verteidigungsrede.

Ein Bankmanager habe sich angeblich unmoralisch verhalten, es werde sein Rücktritt gefordert, beobachtet Meyer übellaunig. Und was macht sein Hausorgan daraus:

«Es gehört zur moralingetränkten Medienmentalität, dass jedes fehlerhafte oder gar unanständige Verhalten einer irgendwie herausgehobenen Person eilfertig zum Sündenfall hochstilisiert wird.»

Hui, nehmt das, ihr moralingeschwängerten Medienmentalen. So geht das ja nicht, donnert Meyer: «Die Überhöhung des Managertums ist grotesk

Was soll denn der «Blick» machen? Denn von Meyer lernen, heisst bekanntlich siegen lernen und Erfolg haben. Schliesslich hat er schon höchstpersönlich gigantische Zeichen im Journalismus gesetzt. Zum Beispiel … öhm, also zum Beispiel, hüstel, na, räusper, hm, da waren ja nur Flops auf seinem langen Lebensweg bei Ringier.

Nun gut, aber man kann dennoch Ratschläge erteilen:

«Der Bürger António Horta-Osório soll sich in Zukunft benehmen wie andere Bürger: möglichst anständig – und ein wenig bescheidener. Das genügt. Mehr moralische Aufmerksamkeit gebührt seinem Alltagsverhalten nicht.»

Schreib Dir das hinter die Ohren, Christian Dorer. Denn es ist wohl immer noch nicht ratsam, im Hause Ringier bei Meyer in Ungnade zu fallen. Gerade vor Weihnachten.

Dorer, lass das, wird von höherer Warte dekretiert.

 

 

 

Umfrage oder Dummfrage?

Wie leicht lassen sich Online-Umfragen manipulieren? Kinderleicht.

 

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SRF fühlt immer wieder den Puls des Publikums. Mit Umfragen. Beispiel: «Die Coronazahlen steigen in der Schweiz. Sind Sie für schärfere Massnahmen zur Eindämmung des Virus?»

Hier könnte man zunächst an der Formulierung mäkeln; was sind schärfere Massnahmen, und wieso sollen die das Virus garantiert eindämmen?

Aber darum geht es nicht. Das Abstimmungsresultat pendelte nach rund 10’000 Votes um 62 Prozent dafür, 38 Prozent dagegen. Das dürfte, wenn man den feuchten Finger in die Luft hält, auch ungefähr der Stimmungslage in der Bevölkerung entsprechen, nimmt man die 40 Prozent, die gegen das Covid-Gesetz gestimmt haben.

Und dann kam die Wende …

Insgesamt wurden bei diesem Online-Voting laut Zähler 54’033 Stimmen abgegeben. Also eine recht repräsentative Abstimmung. Allerdings veränderte sich das anfängliche Resultat bedeutend. Am Schluss stand es immer noch 62 zu 38. Nun aber waren 62 Prozent GEGEN schärfere Massnahmen.

Das konnte ja wohl nicht mit rechten Dingen zu und hergehen. Tat es auch nicht. Dieses Resultat wurde von einem IT-Fachmann manipuliert. Um zu zeigen, wie einfach das geht, wenn man über Programmierkenntnisse verfügt und einen Bot basteln kann. Mit etwas Gelenkigkeit kann man auch Zutrittsbeschränkungen wie ein Captcha ausbremsen.

Natürlich entscheidet sich niemand bei einer Abstimmung aufgrund einer solchen Umfrage für ein Ja oder ein Nein. Aber die Masse einer Mehrheit lässt auch niemanden wirklich kalt. Daher ist dieses Experiment erschreckend. Nicht nur, wie leicht eine solche Manipulation ist. Sondern auch in den Folgen.

Die Manipulation ist beunruhigend, die Folgen auch

Zunächst handelt es sich ja nicht um ein Gaga-Voting für den «Journalisten des Jahres» usw., wo man ebenfalls beliebig oft seine Stimme abgeben konnte. Sondern die Veranstalter sind hier das SRF, Tamedia und ähnliche Player.

Die ganze Sause beschreibt der Autor umfangreich bis länglich auf «Inside Paradeplatz». Die Frage: wieso denn auf einem Finanzblog, lässt sich leider leicht beantworten. Weil sonst niemand davon Notiz nehmen wollte.

Das stimmt allerdings nicht ganz. SRF selbst nahm durchaus vom Resultat Notiz und schrieb einen Kommentar dazu. Peinlich, beunruhigend.

Fordert das die Community oder ein Manipulator?

Noch beunruhigender ist aber, dass der IT-Fachmann dieses sichtbare Resultat seiner Manipulation, inklusive der verwendeten Methode, bei SRF und bei verschiedenen Medien zur Kenntnis brachte. Reaktion? Null. Inzwischen raffte man sich zu einem fadenscheinigen Dementi auf.

«Satte Mehrheit lehnt weitere Verschärfungen ab …»

Dabei schreibt er auf IP: «Letztlich ist es einfach so, dass bei Online-Befragungen, bei jeder Arbeit am Computer, niemand feststellen kann, ob die Eingaben durch einen Menschen oder durch ein Programm erfolgen.» Noch schlimmer ist eigentlich, dass er sich gar keine grosse Mühe zur Verschleierung machte. So stammten alle von seinen Progrämmchen abgegebenen Votes von der gleiche IP-Adresse.

Ist es tatsächlich so einfach?

Das müsste eigentlich jedes anständige Voting-Programm misstrauisch machen und ausflaggen. Worauf dann ein Mensch draufschauen und sagen müsste: hallo, das stimmt doch was nicht. Allerdings liesse sich auch das ohne grosse Mühe vermeiden, indem eine Unzahl verschiedener IP-Adressen generiert wird, als ob die Stimmen aus ganz verschiedenen Gegenden der Schweiz von völlig verschiedenen Computern aus abgegeben würden.

Wie schreibt der Autor:

«Epilog: Ist es wirklich so einfach? Ja, es ist in der Tat sehr einfach.

Mit den hier angeführten Informationen kann jede/r, der einigermassen computergewandt ist, mit einem einzelnen Gerät pro Tag (je nach Länge der Umfrage) zwischen einigen wenigen Tausend bis hinauf in einen sechsstelligen Bereich für oder gegen etwas „abstimmen“.»

Bedenklich ist eben auch, dass bedingt durch die Verelendung des Journalismus, den Todessparmassnahmen und eine atemlos-klickgetriebene Abfüllmentalität vertiefte Recherchen, sinnvolle Reportagen, bei denen der Puls der Bevölkerung genommen wird, immer seltener werden. Oder überhaupt eingespart worden sind.

Stattdessen kommt so eine Umfrage immer repräsentativ und interessant daher, oft schafft es das veranstaltende Organ, damit auch in den Medien zitiert zu werden. Das Zitat «wie eine Umfrage im Auftrag von Tamedia ergab» zum Beispiel, rentiert die Ausgabe schon, wenn es auf SRF in der «Tagesschau» verwendet wird; die Wiedergabe in Konkurrenzmedien ist dann noch das Sahnehäubchen.

Anschliessend werden tiefschürfende Analysen und Kommentare dazu abgegeben. Obwohl das Datenfundament überhaupt nichts mit der Meinung in der Öffentlichkeit zu tun hat. Und Bots, kleine Programme, haben keinerlei eigene Meinung.

Kanne leer

Das grosse Medienergiessen über eine leere Walliser Beiz. Gehört zum «service public».

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Wenn die Newsschleudern besonders demütig erscheinen wollen, sprechen sie vom «öffentlichen Dienst», den sie verrichten. Eine nötige Serviceleistung wie die Müllabfuhr, der Strassenunterhalt oder der ÖV.

Damit auf der Welt immer nur so viel passiert, wie in einer gedruckten Ausgabe oder neuerdings auf der Webseite Platz hat, besteht der Dienst am Kunden auch aus der Auswahl und Gewichtung der Nachrichten. Da wird gnadenlos Wichtiges von Belanglosem getrennt, und je nach Bedeutung mehr oder weniger viel Platz eingeräumt.

Exemplarisch kann man das Funktionieren dieses gut geölten Räderwerks, dieses Wunderwerks am Beispiel «Walliserkanne» verfolgen. Das Stichwort bringt es auf satte 330 Treffer in der Mediendatenbank, wenn man die Falschschreibung «Walliser Kanne» ebenfalls berücksichtigt. Aber Korrektorat war gestern.

Nun könnte man meinen, dass diese weltbewegende Staatsaffäre mit der Schliessung des Lokals, der Verhaftung – und Freilassung – der Wirte ihr Ende gefunden hätte. Noch etwas Aufarbeitung – war der Polizeieinsatz verhältnismässig, spinnt die Walliser Staatsanwaltschaft, die einen Monat U-Haft beantragte –, und gut ist.

Abstimmungspropaganda auf die unfeine Art

Dem wäre vielleicht so, wenn nicht am 28. November über das Referendum zum verschärften Corona-Gesetz abgestimmt würde. Nachdem in dem Mainstream-Medien inzwischen leichte Panik herrscht, ob dieses Referendum doch nicht nur von Verpeilten, Verwirrten, Verantwortungslosen und Verschwörungstheoretikern unterstützt wird, muss jedes Beispiel für solches Verhalten breiter als eine sechsspurige Autobahn ausgefahren werden.

Aber natürlich nicht dem Blöd-«Blick».

Die Devise lautet: seht her, solche Spinner rebellieren gegen verantwortungsbewusste staatliche Vorschriften. Wer das Corona-Kontrollgesetz ablehnt, unterstützt solch verwerfliches Tun.

Nun ist aber die Walliserkanne eigentlich bis auf den Grund geleert. Das Lokal ist geschlossen, die Übeltäter laufen frei herum, wie kann man da noch letzte Tropfen heraussaugen?

Blöd-«Blick» hat’s gefilmt, aber nicht gecheckt.

Peinlich, aber einfach. Denn «Blick TV», der Qualitätssender aus dem Hause Ringier, war vor Ort und hat gefilmt. Geglotzt, aber eine lustige Inschrift nicht verstanden. Dafür haben wir doch die übrigen Qualitätsmedien. Genauer das «Megafon». Richtig, das anonyme Hetzorgan aus der Küche der Berner «Reitschule», das schon durch einschlägigen Kopf-ab-Humor bekannt wurde.

Die geheimen Abgründe hinter der «Walliserkanne»

Das «Kollektiv» entdeckte auf dem Video von «Blick TV» Schreckliches, was allen anderen entging.

Inzwischen erledigt schon das «Megafon» Basisrecherchen für die Qualitätsmedien.

Seht Ihr’s? Da steht doch «WWG1WGA». Nur dem oberflächlichen Blick des Betrachters entgeht der unheimliche Hintergrund. Das ist nämlich die Abkürzung für «Where we go one we go all». Und das wiederum ist ein Slogan der QAnon-Verschwörungswelt. Die wiederum ist das Werk von Spinnern, die vor allem in den USA Zuspruch fanden. Nachdem allerdings alle «Vorhersagen» Flops waren, absurde Behauptungen wie die, dass die demokratische Partei unter Beteiligung von Hillary Clinton ein Pädophilennetzwerk unterhalte, als völliger Schwachsinn verlacht wurden, trotz mehreren Ankündigungen Donald Trump doch nicht als neuer Präsident inauguriert wurde, hat der Blödsinn schwer an Wirkung verloren.

«Wo einer hingeht, gehen alle hin». QAnon-Geschwurbel mit geklautem Logo.

Selbst ein Irrwisch wie Steve Bannon behauptet inzwischen, QAnon sei in Wirklichkeit ein «Psyop» des FBI. Also eine psychologische Kriegsführungsoperation, um die Opposition gegen den amtierenden Präsidenten der USA zu diskreditieren.

Die Original-Flagge von Gadsden.

Also eine Verschwörungstheorie verschwört sich sozusagen gegen sich selbst. Gut geeignet, eine Glosse über die Verführbarkeit der Menschen und über Massenhysterie zu verfassen. Nichts ist, sagt sich Tamedia, das Heim der qualitativ hochstehenden Berichterstattung.

Vom «Megafon» kopiert, von der SDA abgeschrieben. Qualität aus dem Hause Tamedia.

Fast 8000 Anschläge verschwendet das Organ auf die Ausleuchtung der schrecklichen Hintergründe der «Corona-Verschwörer in Zermatt». Mit diesem Graffiti entlarven sich die Wirte nämlich als QAnon-Anhänger, mit Aussagen als Vertreter der Ideologie von «Reichsbürgern».

Es ist schlimm, es ist schlimmer

Aber es ist ja alles noch schlimmer: Laut «Megafon» sind die Wirte auch schon vor Corona aufgefallen. Dazu postete die Zeitung auf Twitter ein Screenshot eines Kommentars auf Tripadvisor. «Darin erwähnt ein Gast ein Handgemenge («Dies vor einem Kleinkind») und beschwert sich über das aggressive Verhalten des Inhabers. Offenbar kein Einzelfall.»

Ein geschlossenes Lokal kann im «Walliser Bote» Schlagzeilen machen.

Was lernt der schreckensbleiche Leser daraus? Wer gegen das verschärfte Corona-Gesetz ist, spinnt. Wer sich gegen sinnvolle staatliche Massnahmen wehrt, spinnt. Wer als verantwortlicher Staats- und Stimmbürger handelt, muss dem Referendum eine Abfuhr erteilen. Sonst greift das Verhalten von ein paar Verpeilten Walliser Granitgrinden wie eine Epidemie um sich in der Schweiz.

Auch CH Media berichtet lang und breit über Pipifax.

Denn dann bricht das Chaos aus, der Bürgerkrieg, müssen überall Betonblöcke vor Lokaleingänge gewuchtet werden, füllen sich die Gefängnisse mit renitenten Wirten, während sich die Beizen in Brutstätten des Killervirus verwandeln. Da ist’s dann nicht weit bis zum Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung.

Befeuert wird das nur von ein paar Querschlägern:

WeWo-Hubi will auch mitspielen im Gruselkabinett des Lachhaften.

Da kann man nur in leichter Abwandlung von Asterix sagen: Die spinnen, die Walliser. Und die Medien.

Ahnengalerie des Grauens

Einmal ist Zufall. Zweimal ist Pech. Ab dreimal ist’s ein Trend.

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Es hatte so gut angefangen, wie vieles. 1856 gründete Alfred Escher, der grosse Schweizer Wirtschaftspionier, die Schweizerische Kreditanstalt. Er war dann fast ein Vierteljahrhundert lang ihr erster Verwaltungsratspräsident. Skandalfrei.

Soll weg, fordern manche Verpeilte: Denkmal für Alfred Escher.

1977 machte die SKA mit dem «Fiasko von Chiasso» («Der Spiegel») von sich reden. Die SKAndalbank (Roger Schawinski hat’s erfunden) hatte nicht nur wie damals üblich italienische Schwarzgelder beherbergt, sondern auch noch über eine Viertelmilliarde davon verjuxt. Peinlich, was der damalige Generaldirektor Heinz Wuffli eingestehen musste. Ein paar seiner damals noch 9000 Angestellten hätten sich einer «massiven Verletzung» von «Sorgfaltspflichten und Kompetenzen» schuldig gemacht.

Das konnte die CS dann in den Stehsatz nehmen, nachdem Wuffli zurückgetreten war. Anschliessend kamen so Leuchten wie Robert A. Jeker und Rainer* E. Gut an den Steuerknüppel. Natürlich darf auch Josef «Joe» Ackermann nicht fehlen, von 1993 bis 1996 Präsident der Generaldirektion, bis er die Deutsche Bank ins Elend wirtschaftete.

Dann kam auch noch Mühlemann

Von 1997 bis 2001 versuchte das bei der Credit Suisse Lukas Mühlemann mit seiner Allfinanz-Strategie. Banking, Versicherungen, alles aus einer Hand. Als dann auch noch die Swissair in den Boden flog, wovon er als deren VR nichts mitgekriegt hatte, reichte es: Rücktritt.

Hans-Ulrich Doerig hingegen (2009 bis 2011) kann man nicht viel vorwerfen; er war auch nur als Sesselwärmer für die nächste grosse Pfeife vorgesehen: Urs Rohner. Unter ihm als VR-Präsident ging die CS in einen kontinuierlichen Sinkflug über. Nach dem Muster: geht’s noch schlimmer? Natürlich, die CS zeigt’s immer allen. Die grösste Busse im Steuerstreit, die meisten Bussen überhaupt, kein Skandal in den vergangenen zehn Jahren, in den die CS nicht mehr oder minder verwickelt war.

Im Jahr von Rohners Abgang ein neuer Rekord: der Viererschlag. Zuerst zweimal Milliardenverluste mit luschen Investitionen, dann eins über die Rübe von der FINMA wegen des Beschattungsskandals, und als Sahnehäubchen noch eine halbe Milliarde Bussen für die Verwicklung in einen luschen Milliardenkredit an Mosambik. Von den finanziellen Folgen, Mosambik musste Staatsbankrott erklären, Multimillionenklagen gegen die CS sind noch hängig, ganz zu schweigen.

War das der Tiefpunkt oder geht’s noch schlimmer?

Ach ja, dann gab’s noch Brady Dougan am Steuer, berühmt für den grössten Bonus aller Zeiten in der Schweiz, während der Aktienkurs nur eine Richtung kannte: nach unten. Gefolgt von Tidjane Thiam, der diese Politik erfolgreich, aber viel kürzer fortsetzte.

Wenn der wüsste …

Als einzige Ausnahme ist Oswald «Ossi» Grübel zu erwähnen. Der hatte zwar das Glück des rechtzeitigen Abgangs; das Hyposchrott-Schlamassel und den Steuerkrieg mit den USA musste er nicht mehr verantworten. Aber er zeigte als einziger Banker, der sowohl Boss der CS wie dann der UBS war, was Haltung ist. Als unter seiner Verantwortung ein UBS-Mitarbeiter in London einen Milliardenverlust verursachte, versteckte sich Ossi nicht hinter einem «hab’ nix gewusst, ist nicht meine Verantwortung, habe eine weisse Weste».

Einer wusste noch, was Verantwortung heisst

Wie erzählte er selbst so schön: er sei aus dem Flieger gestiegen, habe sein Handy eingeschaltet und drei Nachrichten seines CFO vorgefunden. «Das ist nie gut», meinte Grübel trocken. Also habe er angerufen und gefragt: «Ist es schlimm?» Als das bejaht wurde, nachgefragt: «Mehr als eine Milliarde?» Als das auch bejaht wurde habe er gewusst: das war’s.

So macht man das, immerhin. Inzwischen sind mal wieder zwei neue Nasen am Gerät, wie heissen die schon wieder?

Das staunte sogar das «Wall Street Journal».

Ach ja, und wieso wäffeln die Medien in der Schweiz (mit ganz wenigen Ausnahmen) erst im Nachhinein über die CS? Weil sie auf das Sponsoring der Bank angewiesen sind? Auf die Inserate? Weil sie ihren Finanzhaushalt bei der Bank regulieren? Weil es Männerfreundschaften gibt? Weil nicht nur die «Weltwoche» immer mal wieder Jubelarien auf den grossartigen Urs Rohner und seine nicht minder grossartige CEOs angestimmt hat?

Oder ganz einfach: weil die drei grossen Medienclans in der Schweiz entweder die UBS oder die CS als Hausbank haben. So einfach ist das dann.

*Die Redaktion bedauert, Arthur Zeyer nicht genauer auf die Finger geschaut zu haben. Dafür kriegt er nun mit dem Lineal eins übergezogen.

Tut das eine seriöse Bank?

Dieser Artikel von René Zeyer konnte noch am 14. Januar 2019 in der «Basler Zeitung» erscheinen.

Obwohl keine dafür verlangten Bedingungen erfüllt wurde, bekam Moçambique einen Milliardenkredit von der Credit Suisse. Dieser Entschluss hat ihr wieder mal Ärger mit der US-Justiz eingehandelt.

Moçambique ist eines der ärmsten Länder der Welt. Spät in die Unabhängigkeit entlassen, zerfleischte es sich in einem jahrelangen Bürgerkrieg, bis die marxistische Frelimo im Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West siegte. Erst Mitte der 1990er-Jahre konnte mit dem Wiederaufbau der Infrastruktur begonnen werden.

Die Frelimo sagte sich zwar vom Marxismus los, regiert das Land aber bis heute. So korrupt wie das Regime in Angola, nur mit weniger Rohstoffen ausgestattet. Von einem funktionierenden Rechtsstaat zu sprechen, wäre ein schlechter Scherz. Die Staatsverschuldung liegt bei fast 90 Prozent des Bruttoinlandprodukts; seit 2016 ist das Land zahlungsunfähig, der IWF hat seine Zusammenarbeit eingestellt. Ursache dafür ist ein Riesenkredit, der dem Land versteckt gegeben wurde.

Korrupte Regierung in einem bettelarmen Land ohne Rechtsstaatlichkeit und dem Militär als eigentlicher Herrscher: Ist das ein Land, dem die Credit Suisse einen Milliardenkredit geben sollte? Ist das ein Land, dem die CS einen Kredit geben sollte, obwohl keine der dafür verlangten Bedingungen erfüllt wurde? Aber sicher, sagte die Credit Suisse, und das hat ihr wieder mal Ärger mit der US-Justiz eingehandelt. Aber der Reihe nach.

Im Jahre 2013 sprach die Credit Suisse London zusammen mit der russischen Bank VTB einen gigantischen Kredit von 2,07 Milliarden Dollar an Moçambique. Schon vorher war das Land mit über zehn Milliarden im Ausland verschuldet, der jährliche Zinsdienst betrug 405 Millionen Dollar, ein Sechstel der gesamten Staatseinnahmen. Dieser Kredit wurde zudem direkt vom damaligen Präsidenten organisiert und über drei staatlich kontrollierte und neu installierte Firmen – unter Leitung der Staatssicherheit – abgewickelt. Die Nationalbank, die Regierung, das Parlament, der IWF oder die Weltbank: Niemand wurde informiert.

Ein Fall für Kroll

Offiziell sollte der gigantische Kredit für den Bau einer Fischereiflotte dienen, für die Aufrüstung der Küstenwache und die Infrastruktur für künftige Erdgasgeschäfte. Als Sicherheit diente eine moçambiqueanische Staatsgarantie, die aber inzwischen für verfassungswidrig erklärt wurde, da bei einem solchen Betrag das Parlament hätte zustimmen müssen. Bis 2015 funktionierte die Geheimhaltung einigermassen. Vorher war behauptet worden, dass es im Wesentlichen um einen Kredit von 80 Millionen Dollar für die Fischereiflotte ginge. Dann flog auf, dass es sich in Wirklichkeit um 850 Millionen handelte, zusammen mit zwei weiteren Kredittranchen um eben 2,07 Milliarden.

Daraufhin stoppten der IWF und Geberländer ihre Zusammenarbeit mit Moçambique, das Land geriet in Schwierigkeiten und erklärte Ende 2016 seine Zahlungsunfähigkeit. Im November 2016 musste die Regierung von Moçambique auf Druck des IWF eine unabhängige Untersuchungskommission akzeptieren, die international angesehene Firma Kroll übernahm. Trotz erheblicher Widerstände aufseiten des Regimes veröffentlichte die Audit-Firma ihren «Kroll-Report» Ende Juni 2017.

Diese 60-seitige Zusammenfassung beschreibt ein Desaster. Vertragsdokumente sind unvollständig, es liess sich nicht eruieren, wohin die Kredite genau geflossen sind, es ist unklar, nach welchen Kriterien Moçambique die Privatfirma Privinvest als ihre Vertragsfirma für die Abwicklung bestimmte. An diese Firma wurden 1,8 Milliarden ausbezahlt, minus 200 Millionen Bankgebühren, wie Kroll auflistet. Die CS widerspricht: Ihre Gebühren hätten «nur 23 Millionen betragen».

Laut Webseite ist das Tätigkeitsgebiet von Privinvest ausschliesslich der Bau von Marineschiffen und Superyachten. Das Audit ergab, dass der Verbleib von mindestens 500 Millionen Dollar nicht aufgeklärt werden konnte. Dazu kommen überteuerte Preise im Gesamtwert von über 700 Millionen und Preisdifferenzen verschiedener Firmen für gleichwertige Produkte in der Höhe von 440 Millionen.

Zur gleichen Zeit sickerte durch, dass Millionenbeträge des Kredits für Waffengeschäfte ausgegeben wurden, die ein Sohn des damaligen Präsidenten überwachte. Weiter förderte der Kroll-Bericht die Namen weiterer Beteiligter an diesem Riesenskandal zutage. Privinvest und ihre Chefs, das libanesisch-französische Brüderpaar Iskandar und Akar Safa, werden merkwürdigerweise im Kroll-Bericht nicht erwähnt, obwohl diese Firma der finanzielle Dreh- und Angelpunkt der Verteilung der zwei Milliarden war.

Massives Ausfallrisiko

In erster Linie die federführende CS hat ein weiteres, gröberes Problem. Indem die Staatsgarantie für verfassungswidrig erklärt wurde, hat sie ein massives Ausfallrisiko durch den sowieso zahlungsunfähigen Staat.

Darüber hinaus hatte die CS drei Bedingungen für die Auszahlung der Kredittranchen gestellt: Sie sollten von der Nationalbank bewilligt, vom Verwaltungsgericht überprüft und dem IWF gemeldet werden. Nichts davon geschah; das Geld wurde trotzdem an Privinvest überwiesen. Womöglich auf Nimmerwiedersehen.

Weder die CS noch das moçambiqueanische Regime sind lebhaft daran interessiert, den Verbleib der zwei Milliarden aufzuklären. Aber inzwischen mischt sich wieder einmal die US-Justiz ein.

Vor einem Federal Court in New York wurden drei ehemalige CS-Mitarbeiter angeklagt, sie seien an einem Betrugsfall von über zwei Milliarden Dollar beteiligt. Da es sich um US-Dollar handelt, sieht sich die amerikanische Strafverfolgungsbehörde als zuständig. Die drei Ex-Mitarbeiter wurden in London verhaftet; die USA verlangen ihre Auslieferung, sie sind zurzeit gegen Kaution auf freiem Fuss.

Einer von ihnen, der hochrangige, ehemalige Managing Director Andrew P.*, wechselte später von der CS zu einer Finanzfirma, die an diesen Kreditdeals beteiligt war.

Firmen als Fassade

Die Strafverfolger führen in ihrer Anklageschrift weiter aus, dass mindestens 200 Millionen Dollar direkt an die Angeklagten abgezweigt wurden. Die offenbar als Fassade errichteten drei Firmen in Moçambique erklärten 2016 und 2017 Bankrott, nachdem sie die Rückzahlung einer Kredittranche von 700 Millionen Dollar nicht leisten konnten, heisst es weiter in der Anklageschrift.

Aufgrund der Untersuchung von Kroll ist zudem klar, dass diese drei Firmen weder über die operationellen, noch über die strukturellen Voraussetzungen verfügten, sie produzierten nie einen Ertrag und wurden von aussen alimentiert.

Bereits vor einigen Tagen wurde auch auf Betreiben der USA der ehemalige Finanzminister von Moçambique, Manuel Chang, in Südafrika verhaftet und erwartet ebenfalls die Auslieferung an die USA. Chang hatte im Kroll-Audit zugegeben, dass er sich vom Sicherheitsdienst zu Unterschriften habe überreden lassen, mit denen er die Verfassung brach.

Ob der Skandal im bitterarmen Moçambique aufgeklärt wird, steht in den Sternen. Es kommt erschwerend hinzu, dass die staatliche Kontrollstelle von Abgaben durch im Land tätige internationale Konzerne «völlig überfordert ist», sagt Fátima Mimbire, Mitarbeiterin der NGO «Centro de Integridade Público», «dadurch gehen dem moçambiqueanischen Staat Einnahmen in Millionenhöhe verloren. Korruption und Misswirtschaft und generell schwache Regierungsführung verschlimmern die Situation extrem.»

Reicht die übliche Erklärung?

Die Credit Suisse sagt: «In der Anklageschrift wird behauptet, die ehemaligen Angestellten hätten die internen Kontrollen der Bank überwunden, aus persönlichem Profit motiviert, und versucht, diese Aktivitäten vor der Bank zu verbergen.» Die CS arbeite weiter mit den Behörden zusammen, «gegen die CS sind keine Schritte unternommen worden.» Ob die Bank mit der üblichen Erklärung hier durchkommt, Untergebene hätten interne Kontrollen ausgehebelt und ohne Wissen der Bank aus Profitgier gehandelt, ist allerdings sehr die Frage.

Während aber die Schweizer Behörden mit aller Amtsgewalt gegen den Schweizer Geschäftsmann Jean-Claude Bastos vorgehen, und belegfrei behaupten, er könnte Steuern hinterzogen haben und deswegen die Konten seiner Firmen in der Schweiz arrestierten, sagt die Finma lediglich, dass sie seit längerer Zeit mit der CS bezüglich Moçambique in Kontakt stünde und abkläre, «ob die CS-Gruppe in diesem Kontext schweizerische aufsichtsrechtliche Bestimmungen eingehalten hat».

Vielleicht gibt es in Zukunft eine gerunzelte Augenbraue als Bestrafung. Das ist mal wieder der Unterschied zwischen einem KMU-Geschäftsmann und einer Grossbank, die immer «too big to fail» ist, deshalb auch «too big to jail». Deshalb sitzt Bastos in einem Höllenknast in Angola, aber der VR der CS hat zum Jahreswechsel sicher rauschende Feste gefeiert.

Verwaltungsrat in Verantwortung

Der Finanzblog «Inside-Paradeplatz» weist darauf hin, dass bei einem Kredit in dieser Höhe das oberste Risk Committee zuständig – und letztlich der Verwaltungsrat in der Verantwortung ist. Wie konnte er diesen Kredit abnicken, obwohl das mausarme und hochverschuldete Land nicht einmal die daran verknüpften Bedingungen erfüllte?

Der ehemalige Finanzminister und die ehemaligen CS-Mitarbeiter sind sehr motiviert, gegen Strafminderung einen Deal mit der US-Staatsanwaltschaft abzuschliessen. Informationen sind ihre Währung. Ausserdem: Die CS hat diese Kredite nicht in ihren Büchern behalten, sondern an Investoren weiterverkauft – die aktuell auch nicht gerade gut auf die Bank zu sprechen sind.

Ob auch diesmal die Weste des VR-Präsidenten der Credit Suisse, Urs Rohner, blütenweiss sauber bleibt? Auf einen längeren Fragenkatalog verweigerte allerdings die Bank jede spezifische Auskunft.

*Name der Redaktion bekannt.

Stellungnahme der Credit Suisse Group AG:

«Die in diesem Text beschriebenen Transaktionen, die relevanten Genehmigungsverfahren sowie die Rolle des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung der Credit Suisse Group AG (CSG) werden falsch dargestellt.

Innerhalb der Credit Suisse sind die Genehmigungsprozesse für verschiedene Arten von Transaktionen klar geregelt. In Übereinstimmung mit diesen Richtlinien wurden diese Transaktionen von den britischen Banktöchtern Credit Suisse International (CSi) und Credit Suisse Securities Europe Limited (CSSEL) durchgeführt und von den zuständigen Mitarbeitern in Grossbritannien genehmigt.»

Der Autor hält an seiner Darstellung fest. (Basler Zeitung)