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Unvergessen, unverzeihlich

Einer zeigt Grösse, die anderen bleiben so, wie sie waren und sind.

Der bekannte englische TV-Moderator Piers Morgan hat sich bei Novak Djokovic entschuldigt. Während der damaligen Covid-Hysterie hatte er den Weltklasse-Tennisspieler beschimpft, weil der sich weigerte, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

Trotz gegenteiliger Zusicherung durfte Djokovic 2022 nicht an den Australien Open teilnehmen und verbrachte sogar ein paar Tage in Auslieferungsarrest. Die Erkenntnis, dass diese Impfung keinesfalls vor Ansteckung schützt, brachte Morgan spät, aber nicht zu spät dazu, sich für seine damalige harsche Verurteilung zu entschuldigen.

Djokovic nahm das gelassen entgegen, meinte aber, dass ihn die damaligen Ereignisse weiterhin belasten.

«Der Weltranglistenerste ist zum Symbol der Egozentrik, der Uneinsichtigkeit, der Ungleichheit und zu einem weltweiten Anführer der Impfgegner geworden», 

keifte damals der ehemalige Tamedia-Qualitätsjournalist René Stauffer. Als ein australischer Richter Djokovic freiliess, sei das «wie ein Schlag ins Gesicht» gewesen.

Schlimmer noch: das Urteil sei «brandgefährlich für Melbourne und Australien. In der Stadt drohen nun Tumulte … Sollte er tatsächlich als Spieler in die Rod Laver Arena schreiten, ist ein Aufruhr garantiert», fantasierte er völlig von der Rolle.

Das blieb der Welt dann erspart. Aber nicht weitere Schludrigkeiten und Rempeleien Schweizer Medien. Der Mann renne in ein «Fiasko», behauptete die SoZ, samt eines Fotos, das übel denunziatorischer nicht sein könnte.

Er spielt «Russisches Roulett» (CH Media). Die damalige «Chefredaktorin Sport» des «Blick» wusste: «Die Pointe in der Aussie-Open-Geschichte ist, dass Djokovic am Flughafen festsass und offenbar das Land wieder verlassen muss.» So Steffi Buchli, die als Chefredaktorin später scheiterte, aber angeblich von Sport etwas verstand.

«Und täglich grüsst der Drama-King», verballhornte die «Blick»-Fachkraft den Titel eines schönen Films, der das nicht verdient hätte.

Ein Vollpfosten aus dem Hause Tamedia sah schon den «tiefen Fall eines grandiosen Tennisspielers» voraus, eines «Schwurblers» auch, der eine «grosse Narrenfreiheit» geniesse. Und die Serben? «Wer in diesen Tagen die serbische Krawallpresse liest, der wähnt sich kurz vor einem Weltkrieg.»

Typisch für diese -itsch. Unzivilisiert, unrasiert, aggressiv, grössenwahnsinnig, gefährlich halt.

Da gäbe es von Stauffer abwärts genügend Gründe, sich nicht nur zu schämen, sondern auch zu entschuldigen. Das gilt natürlich auch für die Corona-Kreische Marc Brupbacher, der inzwischen zur Klima-Kreische mutiert ist.

Aber all diese Journis kämen nicht im Traum auf diese Idee. Sie waren und sind Symbole «der Egozentrik, der Uneinsichtigkeit».

Auch Simon Graf diagnostizierte: «Djokovic geht im Herbst seiner Karriere immer mehr auf in seiner Rolle als Aussenseiter.» Ein langer Herbst fürwahr.

Hatz auf einen Serben mit rassistischen Ober- und Untertönen. Unqualifiziertes Gekeife, nachplappern, was damals Mainstream war, wo jeder Impfgegner befürchten musste, als potenzieller Massenmörder beschimpft zu werden, wo der damalige Bundeshaus-Chef Denis von Burg von Tamedia sich nicht entblödete, vom Bundesrat Durchgreifen und Zwangsimpfen zu fordern.

Inzwischen hoffen all diese damals Ausgerasteten, dass sich niemand mehr an ihre damaligen Peinlichkeiten erinnert. Diesen Gefallen kann ihnen ZACKBUM nicht tun.

Auf die Idee, dass vielleicht auch hier Entschuldigungen fällig wären, kommt natürlich keiner von ihnen. Morgan hat immerhin diese Grösse. Sie bleiben, was sie immer waren: klein und hässlich. Disqualifiziert, unglaubwürdig, ohne Rückgrat oder Anstand.

 

 

Wumms: Simon Graf

Langweilig vorhersehbar: drescht Djokovic.

Vielleicht war Graf gerade damit beschäftigt, sein x-tes Buch über Roger Federer zu schreiben. Auf jeden Fall brauchte er einen Tag, um sich Novak Djokovic vorzunehmen.

Welch ein Kontrast zu Federer. Der ist nämlich «Weltsportler», «Wohltäter», «Idol», «Stiftungsgründer» und «Ehrendoktor». Djokovic hingegen ist «eine kontroverse Figur», sorgt «schon wieder für einen Eklat». Früher einmal bedeutete das einen glanzvollen Auftritt, aber das weiss Graf sicherlich nicht.

Dafür schimpft Graf, der Tennisspieler habe «mit dieser Provokation bei serbischen Nationalisten Punkte gesammelt», aber «auf internationaler Bühne erntet er damit Kopfschütteln». Zumindest Graf schüttelt stellvertretend den Kopf. Denn Djokovic hat laut Graf ein langes Sündenregister. So sei er 2020 disqualifiziert worden, weil er «versehentlich eine Linienrichterin mit dem Ball abgeschossen» habe. Typisch Serbe halt. Schlimmer noch: «Seine Einreisesaga am Australian Open 2022 als Ungeimpfter hielt die Tenniswelt in Atem.»

Das ist leicht untertrieben, so japste Tamedia damals: «tiefer Fall eines Tennisspielers», gar eines «Schwurblers», der Tagi veranstaltete eine Hinrichtung: «Der Weltranglistenerste ist zum Symbol der Egozentrik, der Uneinsichtigkeit, der Ungleichheit und zu einem weltweiten Anführer der Impfgegner geworden», keifte René Stauffer.

Nun hat Djokovic nicht etwa eine ukrainische Fahne geschwenkt oder sich wie die deutsche Fussball-Nationalmannschaft den Mund zugehalten. Sondern er hat ein Ende der Gewalt im Kosovo gefordert. Unverschämt, dafür müsste er streng bestraft werden. Doch was tun die Franzosen? «Das French Open reagierte nun 24 Stunden nach dessen Botschaft mit einem nichtssagenden Statement.»

Dabei ist der Tennisspieler weiterhin auf dem Weg nach unten, zumindest ins Out: «Djokovic geht im Herbst seiner Karriere immer mehr auf in seiner Rolle als Aussenseiter.»

Aber immerhin, das muss man Graf im Gegensatz zum Kläffer Stauffer lassen, er zitiert am Schluss einen hübschen Satz von Djokovic: «Angesprochen auf eine jüngst erschienene Studie, gemäss der er auf den sozialen Medien prozentual die meisten negativen Reaktionen auslöse, sagte er: «Überrascht Sie das? Ich wäre überrascht gewesen, wäre es anders gewesen. Wie Kobe (Bryant) zu sagen pflegte: Gehasst zu werden ist ein gutes Problem. Niemand hasst die Guten, gehasst werden nur die Grossartigen.»»

Der heilige Wohltäter und sein Chronist

Sind Sportjournalisten verkappte Heldensänger?

An der Talmudhochschule hatten wir einen schönen Brauch. Am Samstagnachmittag gab es Gebäck und Hering. Ein Schüler stand auf und pries Gott in allen Seinen Facetten. Nach drei Minuten wurde es langweilig und wir sangen «Dajenu, dajenu, dajenu, dajenu». Das ist Hebräisch. Die deutsche Übersetzung lautet wie folgt: «Genug, genug, genug, genug».

Ich möchte allen Journalisten, die ein Buchprojekt über Roger Federer planen, zurufen: «Genug, genug, genug, genug.» Ganz speziell habe ich aber Simon Graf im Sinn. Graf ist nämlich stv. Sportchef bei Tamedia  und hat wieder einmal ein Buch über Federer geschrieben.

Graf wäre ein guter Talmudschüler, wenn Gott für einmal «Roger Federer» hiesse. Der unbestechliche Journalist nennt ihn nämlich «Weltsportler», «Wohltäter», «Idol», «Stiftungsgründer» und «Ehrendoktor». Das sind mindestens zwei Attribute mehr, als Gott zugeschrieben werden. Gott ist viel, aber definitiv kein Weltsportler oder Ehrendoktor.

Warum schon wieder ein Buch über den Wohltäter Federer? Gibt es nicht schon tausende davon? Törichte Frage! Die Bibel wird ja auch immer wieder nachgedruckt. «Aus Federers Biografie können wir alle viel für unser Leben mitnehmen», schreibt Graf. Haben Ähnliches nicht auch die Jünger Jesus‘ gesagt? Zu hoffen ist, dass Graf besser verhandelt hat und mehr als die üblichen 8 Prozent vom Nettoladenpreis mitnehmen darf. So richtig eingeschlagen hat das Buch aber noch nicht. Es dümpelt auf Amazon (Stand 25. Oktober, Abend) auf dem 67’625. Rang. Immerhin, in der Sparte «Religiöse Biographien & Erinnerungen» steht es auf dem 223. Platz, aber immer noch weit hinter Büchern wie «Das letzte Geheimnis von Fatima».

Und, natürlich, Graf weiss, wovon er schreibt. Wenn ihn Leute fragen: «Ist er (also, Sancte Roger) wirklich so nett?», antwortet er: «Gute Frage». Und Graf fällt dann auch gleich eine Anekdote ein: «Würde er sich sonst, wenn er mit seiner Familie die Badeanstalt besucht, Zeit nehmen, um mit jedem ein Selfie zu schiessen?»

Nein, so etwas machen wirklich nur nette Wohltäter. Die andere gute Frage lautet: «Wie häufig geht denn Herr Ehrendoktor in öffentliche Badeanstalten?» Mehr als einmal im Leben? In einem älteren Interview  sagt Graf, dass Federer nur «hier und da ein Selfie» zulässt.

Ist ja egal. Bei Weltstars und Sportjournalisten gelten andere Regeln. Sollte der Stiftungsgründer aber beim Sprungbrett dereinst von nervenden Jüngern aufgehalten werden, empfehlen wir dem Sunrise-Sänger, laut «Dajenu, dajenu, dajenu, dajenu» zu trällern. Auch zu Simon Graf.