Schlagwortarchiv für: Simon Bärtschi

Durch den Bauchnabel

Die Berichterstattung über Crans-Montana ist am Ende.

Das merkt man daran, dass Alexandra Kedves über das schreibt, was die Journalisten am besten kennen und was ihnen am wichtigsten ist: der eigene Bauchnabel.

Oben auf der Meinungsseite von Tamedia verbreitert sich Nina Fargahi darüber, dass die Schweiz angeblich «zu ihren Werten zurückfinden» müsse. Denn es sei «höchste Zeit, die diplomatischen Bemühungen aufzugeben – und sich hinter die Protestierenden im Iran zu stellen».

Ach, da sind die Werte abgeblieben.

Wie stellt sich die Dame das vor? Wird sie Mitglied einer werteschweren Schweizer Delegation, die sich bei den Protestierenden einreiht? Schliesslich müsse, was den sonst, «ein klares Zeichen gesetzt» werden. Immer, wenn dieser Ausdruck vorkommt, weiss man, dass Schreibtäter mutig tun, während sie feige sind und sich selbst nicht meinen.

Darunter tut Kedves alles, um das Niveau weiter zu senken. Nicht ganz einfach, aber sie schafft es: «Was kostet denn jetzt so ein Feuerlöscher

Sie ist die Spezialistin fürs Banale und Triviale, so den Grad der Nacktheit der Frau von Kanye West. Aber wer meint, damit habe sie die Untiefen der Seichtgebiete ausgelotet, irrt. Denn Crans-Montana, da ist beim besten Willen nichts mehr herauszusaugen. Das Leid der Verletzten, der Angehörigen, die Behörden, das Wallis, das Leid der Helfer, das Image der Schweiz, der Brandschutz, die Gerüche.

Unter Einsatz des Wortes «unfassbar» bis zum Brechreiz ist alles gesagt und geschrieben. Ausser von Kedves natürlich. Die beginnt mit einer Binsenweisheit, die in ihrer klebrigen Second-hand-Betroffenheit unübertroffen ist: «Die Tragödie von Crans-Montana hat alle erschüttert.» Das musste endlich mal gesagt sein.

Das ist der erste und einzige Satz, der über den eigenen Lebenskreis hinausgeht. Denn schon kommt ihr jüngster Sohn zu Wort, der gefragt haben soll: «Wieso haben wir eigentlich keine Rauchmelder

Huch, das erinnert Kedves daran, dass mal vor Jahren über die Anschaffung eines Feuerlöschers nachgedacht wurde, doch «irgendwie geriet das Projekt wieder in Vergessenheit». Nicht ganz, jetzt wird es mit allen gequälten Tamedia-Lesern geteilt.

Sie kann auch noch Unappetitliches aus dem Familienleben berichten: das berüchtigte Schuhregal vor der Wohnungstüre, der Gipfel der Geschmacklosigkeit.

Nicht nur das: «Wie gefährlich ist es wohl wirklich im unwahrscheinlichen Brandfall? Fangen die Filzpantoffeln blitzschnell Feuer und wirken als Brandbeschleuniger? Stolpert man in der Hektik allenfalls tatsächlich über das kleine Ding? Das Treppenhaus ist der Fluchtweg und gilt für Feuerwehr, Sanität und Polizei auch als Rettungsweg

Aber der Platz ist, Gutenberg sei Dank, beschränkt, sie muss zum Ende mit der Bauchnabelschau kommen: «Die Sorglosigkeit, die man in beschwingteren Momenten als antibünzliges Bohèmetum zelebriert hat, bekommt den Anstrich von, let’s face it, unverantwortlicher Bequemlichkeit.»

Let’s face it: die Verwendung von englischen Wendungen in einem deutschen (na ja) Text, das geht gar nicht. So wenig wie die Verwendung des Pleonasmus «antibünzliges Bohèmetum». Das sich in einem Schuhregal von zweifelhaftem Anblick und unangenehmer Ausdünstung äusserte?

Zudem verhindert die Fixierung auf sich selbst das Vermeiden einer journalistischen Todsünde. Was kostet denn nun so ein Feuerlöscher? Da kann ZACKBUM helfen. Auf einschlägigen Plattformen gibt es handliche Modelle ab 19.30. Für Fortgeschrittene mit Schuhregal vor der Türe empfiehlt sich das Modell Gloria, ein Kohlendioxidfeuerlöscher für Fr. 345.-.

Wir sind gespannt auf den Selbstversuch. Der Familienvater ruft übungshalber «Fürio», das Schuhregal fliegt aus dem Fenster, die Kinder werden in Löschdecken gehüllt, die Gebrauchsanweisung fieberhaft gesucht.

Dagegen, die Leser in Wallungen zu bringen, dagegen hilft aber bei Tamedia weder ein Feuerlöscher, noch ein Tagesleiter, noch die Chefredaktion und Qualitätspapst Simon Bärtschi erst recht nicht.

Leserverarsche, Part II

Tamedia als Leserforum.

Ob das Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar), ob das Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten, ob das Pietro Supino, der profitorientierte Oberboss, lustig finden?

Ihnen allen geht es doch um nichts anderes, als die Qualität des Angebots von Tamedia hochzuhalten und mit allen Mitteln (vor allem mit Sparmassnahmen und Rausschmissen) zu verteidigen.

Besonders wichtig ist dabei natürlich auch die Reaktion des Publikums. Denn obwohl das die vielen Rechthaber und Oberlehrer und Besserwisser in der Redaktion nicht wahrhaben wollen: eigentlich sollten sie ein Produkt herstellen, dass der Konsument ihnen deswegen abkauft, weil er darin einen Mehrwert sieht, einen Return on Investment.

Nun scheinen aber diese Tamedia-Macher der Auffassung zu sein, dass die Mehrheit ihres zahlenden Publikums aus Masochisten besteht. Also aus Menschen, die sogar etwas dafür zahlen, dass man sie quält.

Mit Leiden an sich selbst, Bauchnabelbetrachtungen, wokem Sternchenjournalismus, Mohrenkopf-Denunziationen, damit, einer übergriffigen und frechen ukrainischen Botschafterin mit zweifelhafter Vergangenheit eine Plattform zu bieten. Als Höhepunkt des Qualitätsjournalismus dann noch das:

Die Qualitäts-Bildredaktion weiss nicht mal, wie Anna Netrebko aussieht? Würde ZACKBUM dazu seine Meinung schreiben, würde die garantiert nicht publiziert.

Zum Versuch, den schönen Schein zu polieren, gehört die Behauptung, dass Tamedia die Lesermeinung überaus wichtig sei. Allerdings gibt es keinen öffentlich zugänglichen Leitfaden, nach welchen Kriterien Kommentare veröffentlicht oder abgelehnt werden.

Immer mal wieder bekommt ein Kommentarschreiber das hier als Antwort:

«Guten Tag
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass Ihr Kommentar nicht veröffentlich werden kann.
Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehört die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken. Ebenso persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer sowie Dritte oder auch ein grundsätzlicher Ton «unter der Gürtellinie». Als beleidigend gelten auch Verunstaltungen von Namen, entweder von anderen Diskussionsteilnehmern, aber auch von dritten Personen oder Einrichtungen.»

Es gibt auch diese Variante:
«Guten Tag
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass Ihr Kommentar nicht veröffentlicht werden kann.
Um anderen Lesern und Leserinnen das Verständnis Ihrer Beiträge zu erleichtern, schreiben Sie bitte Hochdeutsch und achten Sie auf eine korrekte Rechtschreibung. Vermeiden Sie dabei Ausrufezeichen und das Schreiben ganzer Wörter in GROSSBUCHSTABEN.»

Es ist natürlich löblich, dass sich Massenmedien wie Tamedia-Produkte darum bemühen, die Kommentarspalte nicht zur Kloake verkommen zu lassen. Ganz abgesehen davon, dass ein Medienorgan (im Gegensatz zu Social Media) auch für den Inhalt publizierter Kommentare verantwortlich und haftbar ist.

Welche polemischen oder beleidigenden Ausdrücke wurden hier wohl verwendet? Wie vergriff man sich im Ton? Gab es persönliche Angriffe? Formulierungen «unter der Gürtellinie»? Verunstaltung von Namen? Verstösse gegen die deutsche Rechtschreibung, gar das Verwenden von Ausrufezeichen oder wurden Wörter in GROSSBUCHSTABEN geschrieben?

Nichts von alledem. Der abgelehnte Kommentar war noch schlimmer. Er war unerträglich. Ungeheuerlich. Gemein, hinterlistig, bösartig, einen Blutrausch auslösend.

Denn ein solcher Kommentar geht nun einfach gar nicht:

Ich lese jeweils die Zusammenfassung des täglichen Tagi-Outputs auf Zackbum.”

Daraus dürfen wir schliessen, dass das Wort ZACKBUM auch in Kleinbuchstaben auf der absoluten Shitlist bei der Kommentarzensur steht. Da muss nicht mal ein schlechtbezahlter Moderator irgendwo auf der Welt eingreifen. Da läuft bereits der Zensuralgorithmus rot an, kriegt einen digitalen Schluckauf. Braucht zusätzliche Kühlung und schüttelt sich vor Abscheu.

Recht so. Denn alles andere wäre ja ein Widerspruch zu dem, was ZACKBUM seit Jahren an diesem Elendsjournalismus aus dem Hause Supino kritisiert.

TX Group weiter auf Clan-Gewinnkurs

Der Börsengang von Swiss Marketplace Group (SMG). Nun ein Aktienrückkauf. Den Coninx-Clan freut’s.

Investitionen in Journalismus dagegen: nada. Dafür dort sparen bis aufs Skelett.

Grandioser Börsengang, Ausgabepreis von 46 Franken pro SMG-Aktie, das entspricht schon mal einer Marktkapitalisierung von 4,5 Milliarden Franken. Davon gehören der TX Group (die Holding oberhalb von Tamedia & Co.) 30,7 Prozent. 1,38 Milliarden.

Das ist obendrauf auf die Marktkapitalisierung der TX Group von rund 2,17 Milliarden.  Daran hält der Coninx-Clan rund 69 Prozent aller Aktien.

Also eigentlich sollte das doch für ihre rund 50 Mitglieder reichen, um ihren Hobbys nachzugehen, Yachten, Villen und Kunstsammlungen zu unterhalten. Sowie sich jeden Tag ein Kotelett mit satt Kaviar drauf zu leisten.

Auf der anderen Seite wird Tamedia bis auf die Knochen runtergehobelt. Entlassungswellen, Schliessung von Druckereien, Sparziel 70 Millionen. Nur Traumtänzer wie die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi können das als Qualitätssteigerung schönschwatzen.

Redaktionen wurden zusammengelegt, verwirrliche Zahlen von geplanten Rausschmissen verkündet. Die überlebenden Redaktoren, vor allem die Ü-50, haben Schiss, wen es als nächsten treffen wird.

Dementsprechend herrscht eine Bombenstimmung in der Käfigtierhaltung der Zentralredaktion. Einziger Zugang in letzter Zeit: Anuschka Roshani. Nun ja.

Eher kleine Schlagzeilen machte dagegen eine weitere Massnahme zur Profit- und Besitzsteigerung der Coninx-Aktionäre (und den versprengten übrigen).

Unter «Investor Relations» verkündete die TX Group, bezugnehmend auf eine Medienmitteilung, dass sie «über einen Zeitraum von maximal drei Jahren bis zu 662’000 Namensaktien zurückkaufen» werde, was bis zu 6,25 Prozent des Aktienkapitals entspricht.

Oder einem Wert von rund 128 Millionen Franken.

Ein Aktienrückkauf hat angenehme Auswirkungen – für die Aktionäre. Gleicher Gewinn des Unternehmens, weniger Aktien, höherer Profit pro Aktie. Wer seine Aktien verkauft, bekommt Kohle auf die Hand. Wer sie behält, profitiert längerfristig.

Schon nach der Gründung der SMG klingelte eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken in den Kassen der Aktionäre, wenn alle rund 10 Millionen Aktien anspruchsberechtigt waren.

Durch diesen Aktienrückkauf steigt der Anteil des Coninx-Clans am Aktienwert von TX auf rund 73,5 Prozent.

Das sind rund Dreiviertel von Fantastilliarden. Nun können die Mitglieder des Coninx-Clans zwar nicht wie Dagobert Duck ein erfrischendes Bad im Geldspeicher nehmen.

Aber eigentlich haben sie in letzter Zeit doch das Problem: wohin mit all der Kohle? Big Boss Pietro Supino kann schlecht auf die Villa noch eine Villa stellen. Die Zeiten von noch grösseren Yachten oder Fliegern sind auch etwas vorbei.

Und mehr als ein Rolls-Royce Droptail für rund 32 Millionen Dollar geht auf vier Rädern auch nicht.

Ach, vielleicht könnte man sich darauf besinnen, wodurch eigentlich der Grundstein dieses Vermögens gelegt wurde?

Mit Journalismus.

Mit Otto Coninx fing’s an,  schliesslich Urenkel Pietro Supino, seit 2007 auf dem Thron. Was von der Tradition übrig geblieben ist, sind grosse Worte über die Bedeutung der Vierten Gewalt, von Qualitätsjournalismus, Kontrolle und wenn nötig Korrektur des Handelns der Mächtigen im Lande.

Aber statt für knapp 130 Millionen Franken einen eigentlich völlig überflüssigen Aktienrückkauf finanzieren, wieso nicht in einen Aus- statt Abbau von Tamedia investieren?

Tamedia machte im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatz von 191,5 Millionen Franken. Da würde eine Finanzspritze von 130 Millionen Franken über die nächste drei Jahre Wunder wirken.

Träume würden wahr. Journalisten könnten tatsächlich Tage oder sogar Wochen auf Recherchen verwenden. Und müssten nicht länger irgendwelche Hehlerware in «Papers» oder «Secrets» verwandeln.

Journalisten könnten wieder Dossiers aufbauen und Themen vertieft begleiten. Und wer weiss, vielleicht gelänge ihnen auch ab und an ein Artikel von der Tiefe einer «Financial Times», «The Atlantic» oder gar des «New Yorker».

Die übrigens alle beweisen, dass sich Qualitätsjournalismus auch finanziell lohnt. Allerdings nur, wenn man ihn auch finanziert.

Also, liebe Grossfamilie Coninx, wie wäre es mit etwas staatsbürgerlichem Bewusstsein?

Der Gesellschaft etwas zurückgeben. Verantwortung, Haltung, Verpflichtung.

_______

Der Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».

After-Journalismus

Wenn der Wunsch weiter die Feder führt.

Peter Burghardt, diesmal unterstützt von Boris Herrmann, kriegt sich in seinem Trump-Hass mal wieder nicht ein. Nachdem seine düstere Vorhersage «so stirbt die Demokratie» nicht eingetroffen ist, belästigt er seine Leser weiterhin mit seinen aus dem Bauchgefühl gespeisten Absurditäten.

Dass das die Abonnenten der «Süddeutschen Zeitung» aushalten müssen, wo beide in Lohn und Brot stehen, ist eine Sache. Dass die Qualitäts-Auslandredaktion von Tamedia seinen Stuss übernimmt und ihn kostenpflichtig serviert, ist die andere. Im Sommerloch gehen alle Massstäbe verloren, und ZACKBUM wird sich nicht schon wieder ein Tiefenlot kaufen.

«Das Geheimnis einer Freundschaft», titelt die SZ vorsichtig. «Maga-Bewegung erschüttert: «Wunderbares Geheimnis»: Trumps Nachricht an Jeffrey Epstein bringt ihn in Erklärungsnot», legt Tamedia einen drauf.

Schon im Titel wird etwas im Indikativ behauptet, was lediglich eine Meldung des «Wall Street Journal» ist. Donald Trump, beweisbar im Freundeskreis um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, soll ihm zum 50. Geburtstag  in einer Gratulationssammlung einen anzüglichen Glückwunsch geschickt haben. Die Skizze einer nackten Frau, in deren Intimbereich die Unterschrift Donald.

Der US-Präsident dementiert kategorisch und verklagt das WSJ, die Muttergesellschaft Dow Jones und den Besitzer Rupert Murdoch persönlich auf ein paar Fantastilliarden.

Das Duo Burghardt/Herrmann verwendet flugs den Indikativ: diese Nachricht «belegt die langjährige Freundschaft der beiden.» Diese Freundschaft wird nicht einmal von Trump bestritten, die bislang als unbewiesene Behauptung dastehende Berichterstattung des WSJ «belegt» überhaupt nichts.

Richtig ist, dass Trump in seiner gewohnt ruppige Art reagiert. Dass seine Justizministerin Pam Bondi nicht gerade eine gute Figur machte, als sie zuerst ankündigte, dass alles auf ihrem Schreibtisch liege und veröffentlicht werde. Um dann hektisch zurückzurudern.

Aber selbst Burgardt/Herrmann müssen einräumen: «Bislang gibt es keinerlei öffentlich bekannte Beweise dafür, dass Donald Trump sich im Zusammenhang mit der Causa Epstein etwas hat zuschulden kommen lassen

Also können sie nur nach über 11’000 A Platz- und Zeitverschwendung schliessen, dass nun doch noch mehr Akten freigegeben werden sollen: «Wie das geht, was da drinsteht und wie vollständig diese Dokumente sind, das ist das nächste Mysterium.»

Nein, das einzige Mysterium ist: Wie ist es möglich, dass im sogenannten Qualitätsjournalismus ein solcher Haufen Müll durch alle Kontrollinstanzen rutscht und sowohl die Leser der SZ wie auch des Kopfblattsalats von Tamedia anstinkt?

Nicht einmal Qualitätspapst Simon Bärtschi hat eingegriffen, obwohl das Meinungsstück die absolute Obergrenze für Artikellängen deutlich nach oben überschreitet.

Ob Präsident Trump oder die amerikanische Öffentlichkeit sich vom kläglichen Zwischenruf beeindrucken lassen? Es steht zu befürchten, dass die Länge seine Aufmerksamkeitsspanne deutlich überschreitet.

Bei Meinungsumfragen über Trumps Beliebtheit hat man die freie Wahl unter Dutzenden Angeboten. Nehmen wir das der «New York Times», die nicht gerade als Trump-freundlich gilt. Da haben die Ankündigungen seiner TACO-Zollpolitik für einen deutlichen Einbruch gesorgt. Aber das Thema Epstein lässt sie recht unverändert. Aktuell knapp 44 Prozent Zustimmung, 53,5 Prozent Ablehnung.

Und wenn Burghardt in Washington und Herrmann in New York herumfragen, welchen Impact ihre Suada in den USA gehabt hat, wird ihnen ein verständnisloses: «What the heck are you talking about?» entgegenschallen.

 

Tiefenlot für den Tagi

ZACKBUM muss technologisch aufrüsten.

Mal im Ernst, liebe knollige Tagi-Knilche und Knilch*Innen** (Pardon, liebe Qualitätsjournalisten). Wisst Ihr eigentlich, was die Anschaffung eines anständigen Tiefenlots kostet, das man für die Messung Eures kostenpflichtigen Schaffens braucht?

Fast 700 Franken. Okay, das ist immer noch billiger als ein «Classic Plus»-Abo. Das kostet 838 Franken. Für Masochisten, die gerne etwas dafür zahlen, damit sie gequält werden.

Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi sorgt mit der Ankündigung neuer, normierter Textlängen für Aufruhr in der Redaktion.

Die unterstützt derweil absurde Forderungen der Grünen nach «Recht auf Schatten» und Warnungen vor unerträglicher Hitze. Bei kühlenden Regenschauern und angenehmen Temperaturen tagsüber.

Daher kann sie nicht einmal einen Hitzschlag als mildernden Umstand für solchen Output anführen:

Kann man als mutigen Vorstoss in ein Tabuthema schönreden. Oder: wir stopfen einen Tampon (oder eine Binde) ins Sommerloch.

Oder mit einem Ausflug in die ferne Zukunft:

Unsere Hoffnung, dass das schon früher geschehen möge, begleitet ihn.

Eine herbe Niederlage musste allerdings die Feministenfraktion in der Redaktion einstecken. Das Interview mit dem Gaga-Politikwissenschaftler Francis FukuyamaEnde der Geschichte») war zuerst so betitelt:

Dann wurde es geändert:

Wetten, dass es nicht funktioniert, wenn Fukuyama das prognostiziert? Aber die Hellseherei erfahren nur die wahren Masochisten – Aboschranke.

Nicht nur für Ornithologen, sondern für alle wird über ein «Wunder» vom anderen Ende der Welt berichtet:

Was so weit weg passiert, kann nicht mit eigenen Kräften berichtet werden. Eine DPA-Meldung, behandelt von einer «anna». ZACKBUM schliesst sich einer Lesermeinung an: ««Der Experte entnahm dem Tier ein paar winzige Federn» Wie würde es ihm gefallen, wenn man ihm ein paar Haarbüschel rausreisst

Sex darf natürlich nie fehlen. Zuerst eine den Erektionswinkel senkende, schlechte Nachricht für den Hauptharst der Tamedia-Leser:

Könnte man die Altersschranke auch so definieren: wenn man ab sechzig immer noch den Tagi abonniert hat?

Eine Meldung vom anderen Ende, bzw. Anfang der menschlichen Entwicklung:

Wobei grössere Köpfe nicht unbedingt auf mehr Intelligenz schliessen lassen.

Das hier geht nun alle Sexisten, Machos, Patriarchen und überhaupt Männer an, die nur das Eine wollen:

 

Auch hier ist eine gewisse Verunsicherung des wohl männlichen Redaktors, der für die Titelei zuständig ist, zu verspüren. Zuerst lautete er:

Nicht gerade aufklärerisch, dass Tamedia dieses Interview von der «Süddeutschen Zeitung» übernimmt und nur zahlenden Lesern serviert. Die erfahren Erstaunliches: «Jungs haben ihren Penis schon in der Hand, bevor sie sprechen können.» Da sind sie aber noch keine Jungs; ansonsten ist mann sprachlos.

Etwas gewagt erscheint allerdings die im Symbolbild transportierte These, dass nur Tätowierte guten Sex haben:

Screenshot Tamedia. 

Überhaupt kriegen Männer beim Tagi eins übergebraten:

Der männliche ZACKBUM-Redaktor verwahrt sich in aller Form gegen diese generalisierte Unterstellung mit hohem Sexismusfaktor. Die Autorin Lisa Füllemann würde öffentlich laute Geräusche von sich geben, wenn es ein Mann wagte zu meinen: «Frauen – euer ständiges Quieken (nein, wo hast du denn diese Schuhe gekauft?) nervt».

Eine ganz schlechte Nachricht (diese Veröffentlichung muss interne Folgen haben) gegen Schluss für alle, die für ein Recht auf Schatten sind:

Was fällt dem Sommer nur ein, diesem Schlingel. ZACKBUM fordert das Recht auf ein stabiles Hoch. Sonst muss der Staat Schadenersatz zahlen.

Als Absackerchen noch die Aktion billiger Jakob. Jetzt zugreifen, nur noch wenige Tage, einmaliges Sonderangebot, der Countdown läuft. Masochismus muss nicht teuer sein:

Neues vom Qualitätspapst Bärtschi

Tamedias publizistische Leiter nach unten hat wieder zugeschlagen.

Im Bullshit Bingo ist Simon Bärtschi ganz gross. Mehr Qualität mit weniger Journalisten, das war ein einsamer Höhepunkt. Wenn man ihn quatschen lässt, kennt er keine Grenzen:

«Setzen künftig auf mehr publizistische Kraft … zielgerichteter für die digitalen Kanäle … nahtlose Abläufe auf der Redaktion … kann diesen Verlust nachvollziehen … Teil der neuen Strategie … sehe Potenzial … auf rund 55 Vollzeitstellen reduzieren können … ist und bleibt auch weiterhin eine ganz wichtige Aufgabe … für die Herausforderungen der Zukunft gut aufzustellen … die weniger zur Verfügung stehenden Ressourcen zielgerichteter … geplanten Personalmassnahmen in den Redaktionen sollten in einem gesunden Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit … gute Geschichten sollen dort ausgespielt werden, wo sie ihr Publikum finden … jede Sparrunde ist schmerzhaft …»

In konsequenter Verfolgung all dieser Ziele setzt er nun noch einen drauf. Die «Republik» verfügt über gute Beziehungen zu den vielen frustrierten Tamedia-Journalisten. Rund 180 von ihnen sollen ein Protestschreiben gegen Bärtschis neusten Furz unterzeichnet haben.

Per Mail und mit viertägigem Vorlauf informierte Bärtschi laut «Republik» die Redaktionen darüber, dass zur Qualitätssteigerung eine neue Artikellänge eingeführt werde: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert.

Das soll dazu dienen, diese Textbausteine besser herumschieben zu können und die Abläufe im Kopfblattsalat von Tamedia zu optimieren. Dazu also noch Wurstsalat aus Buchstaben.

Nun könnte man das, wenn man könnte, vielleicht so einschenken, dass nicht gleich ein Grossteil der Redaktion aufheult:

«Das neue, starre Modell steht im Wider­spruch zu allem, was das Unternehmen den Redaktorinnen und Redaktoren in den letzten Jahren eingetrichtert hat. Digitales Storytelling, Online First, keine Gedanken an den Print: Das alles gilt offenbar nicht mehr.»

Mutig, denn auch bei Tamedia gilt: nach der letzten Sparrunde ist vor dem nächsten grossen Rausschmeissen.

Wer wie Bärtschi das letzte grosse Abräumen als «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» verkaufen will, ist völlig schmerzfrei.

Lustig auch die von der «Republik» eingeholte Stellungnahme von Tamedia: «Unsere Umfragen zeigen, dass der überwiegende Teil der Mitarbeitenden den eingeschlagenen Kurs grundsätzlich unterstützt

Das mag wohl unter dem Titel Arbeitsplatzsicherung oberflächlich betracht so sein. Bevor der Journalist, vielmehr der Textschnitzer, der Handwerker mit unbedingtem Willen zur Qualitätssteigerung, überhaupt ans Gerät geht, muss er sich überlegen, in welche Textlänge eigentlich sein geplantes Stück passt. Setzt er bescheiden bei S (2500 A) an und merkt, dass das nicht reicht und er schon um mehr als 150 A überschrieben hat, darf er nun sein Werk auf 4000 A aufblasen.

Dieser Text hat bis hierher 2746 A. Würde ZACKBUM wie Tamedia arbeiten, müssten wir nun das Stück auf 4000 A aufpumpen. Aber so etwas macht man im Qualitätsjournalismus natürlich nicht.

Man muss schon ein Kommunikationsgenie sein, wenn man mit einem kurzen Mail gleich einen geharnischten Protest von rund 180 Mitarbeitern einfängt, obwohl die unter dem Damoklesschwert der nächsten Kündigungswelle sitzen.

Überhaupt kommt es knüppeldick für den normierten Wurstscheibenjournalismus (was nicht passt, wird passend gemacht) bei Tamedia. Wie der «Schweizer Journalist» berichtet, seien die Reichweiten der Tamedia-Produkte letzthin um über 30 Prozent eingebrochen. Stimmt nicht, widerspricht Tamedia.

Unverkennbar ist allerdings, dass immer mehr Seichtes und Banales Einzug hält, People-Storys, dümmliche Tipps und Ratgeber, Belangloses aus Zürich und aus München, von wo grosse Teile der Berichterstattung übernommen werden.

Wenn man dann noch eine publizistische Leiter wie Bärtschi hat, ergänzt durch Jessica Peppel-Schulz samt plapperndem Avatar, dann kann man bei Regen statt Sonnenschein nur sagen: auch das noch.

Schreiben wir über Hängepopos

Tamedia mit Hitzschlag. Die Temperaturen steigen, das Niveau sinkt ins Bodenlose.

Wer einen solchen Meinungsartikel hinter der Bezahlschranke anbietet und zuoberst auf die Homepage stellt, ist leider nur mit juristisch angreifbaren Adjektiven zu beschreiben.

Dem masochistischen Leser (er zahlt dafür, gequält zu werden) wird Hochgestochenes geboten: «Selbstschädigende Reflexionsschleifen trotz Body-Positivity». Aber immerhin, spätestens hier ergreift er die Flucht mit einem matten «hä?».

Hinter dem Geflimmer von Billiger-Jakob-Selbstanzeigen geht es munter weiter:

Wie orientierungslos und hitzegeschädigt muss eine Redaktion eines angeblichen Qualitätsorgans sein, um solche Verzweiflungstaten hinzuschmieren? Wurde im Glashaus an der Werdstrasse die Klimaanlage heruntergeschraubt? Herrschte an der Redaktionskonferenz Tamedia Einigkeit: heute verarschen wir den Leser aber mal richtig?

Wo bleibt Simon Bärtschi, der unermüdliche Qualitäts-Kontrolleur? Ist er schon in den wohlverdienten Ferien? Wie Raphaela Birrer? Liest wenigstens Oberboss Pietro Supino den Schrott, der in seinem Haus publiziert wird? Oder ist er gerade bei der Hochzeitsfeier von Jeff Bezos? Oder sauer, weil er nicht eingeladen wurde, obwohl er doch mit der Coninx-Yacht hätte vorfahren können?

Tamedia widmet sich auch weiteren drängenden Fragen der Menschheit:

Die Antwort auf diese Frage erfährt nur der zahlende Leser, alle anderen werden nie wissen, was das mit dem Baby macht. Obwohl «die Folgen weitreichender sein könnten als bisher angenommen». Vielleicht wird aus dem Baby so ein Digital Native.

Immerhin, diese Tipps sind für alle da:

Sie kennen den Japankäfer nicht? Schwere Wissenslücke:

Was Kunden gegen diesen Ärger tun können, erfahren aber wieder nur zahlende Gäste von Tamedia, die noch nicht die Flucht ergriffen haben:

Hier gratis zu enthüllen, was Kunden dagegen tun können, wäre vielleicht geschäftsschädigend. So einen Quatsch hinter der Bezahlschranke zu verstecken, ist es allerdings auch.

Gibt es denn gar nichts Relevantes, Politisches? Doch:

So kann man es auch sehen. Aber was soll daran denkwürdig sein, wenn das Parteiestablishment eine alle woken Kriterien erfüllende Frau abklatscht? Während der Reporter schwitzte und massenhaft Bier gesoffen wurde.

Es gibt noch mehr Fragen, deren Antworten kostenpflichtig sind, obwohl man sie sich problemlos im Internet oder bei einer KI gratis abholen kann:

Ebenfalls zur Abteilung «das muss ich wissen» gehört dieser Beitrag über einen Tag im Leben eines Fahrers in Äthiopien:

Vielleicht könnte man den Titel adaptieren: «Stuss lesen ist Teil meines Jobs. Es bringt nichts, sich darüber aufzuregen.»

Allerdings setzt auch den «Magazin»-Kolumnisten die Hitze schwer zu:

Und dann gäbe es noch Philipp Loser, aber den verträgt man nicht mal mit einem Hitzschlag, deshalb bleibt er auf der Shitlist.

Als Absackerchen noch eine Meinung, die etwa so intelligent ist, wie ein 110-Volt-Gerät in eine 220-Volt-Steckdose zu stöpseln:

Was sagt denn Chat-GPT zu diesem Kurzschluss? «Die Aussage „Wer Chat-GPT nutzt, muss auch für Windräder sein“ ist in ihrer Pauschalität problematisch und lässt sich so nicht logisch begründen.»

Blöd gelaufen, gell, Mischa Aebi.

ZACKBUM braucht nun selbst Abkühlung (aber nicht unter einem Windrad) und hat ein Einsehen mit dem um Gnade winselnden Leser. Immerhin: hier muss er nix bezahlen.

Ach, Supino

Der Tx-Boss macht sich wieder lächerlich.

Es ist noch nicht so lange her, dass Pietro Supino unter strikter Beachtung der Trennung von Verlag und redaktionellem Inhalt im Tamedia-Kopfblattsalat das Wort ergriff und für die Ablehnung des Referendums weibelte, das den Verlegerclans die schon sicher geglaubte Steuersubventionsmilliarde vor der Nase wegzog.

Dass Tx fast gleichzeitig eine Sonderdividende ausschüttete und den milliardenschweren Zusammenschluss seiner Handelsplattformen mit Ringier bekannt gab, hatte dabei sehr geholfen.

Nun hält er in den gleichen Organen ein 17’000 A schweres «Plädoyer für eine aufgeklärte Medienpolitik». Nicht zu vergessen, dass er damals den Untergang der kontrollierenden Vierten Gewalt an die Wand malte, sollte sie keine Staatssubventionen in Milliardenhöhe kriegen. Der Mann kennt kein Schamgefühl.

Denn jetzt schreibt er: «Die Aufgaben der SRG … liessen sich mit 200 Franken Gebühren pro Haushalt erfüllen.» Er ist also für die Halbierungs-Initiative. Bis er zu diesem Schluss kommt, eiert er Tausende von Buchstaben lang um die Bedeutung der Medien für die Demokratie herum, als habe er eine Schnupperlehre bei der «Republik» absolviert.

Er holt bis ins 19. Jahrhundert aus, erklärt nochmal Banalitäten wie die veränderten technologischen Möglichkeiten der Newsdistribution. Und bläst in die grosse Trompete: «Unabhängige Medien sind wichtig für das Funktionieren des demokratischen Gemeinwesens.» Im Gestus tiefsinniger Bedeutung Flachheiten absondern, das ist sonst nur Politikern eigen.

Er versteigt sich sogar dazu, Thomas Jefferson zu zitieren, und den englischen Verleger Lord Northcliff. Hübsch versteckt in diesem Brimborium ist sein Kernsatz:

«Angesichts dieser Realität ist der vom Parlament beschlossene Ausbau der indirekten Presseförderung von existenzieller Bedeutung für die Zukunft der gedruckten Zeitung

Kleiner hat er es dabei nicht: «Es stehen die Errungenschaften der Aufklärung auf dem Spiel.» Wenn es nicht neuerlich Staatsknete gibt, obwohl der erste Versuch abgeschmettert wurde. Nun fürchtet er bei der Wiederholung eine neuerliche Klatsche.

Dann schreibt er sich noch in eigener Sache um Kopf und Kragen: «Die Forderung, dass der damit erzielte Gewinn zur Querfinanzierung rückläufiger oder gar unrentabler Aktivitäten eingesetzt werden sollte, ist nicht überzeugend.»

Im Gegenteil. Es ist nicht überzeugend, dass Supino seinem Stammblatt die Einnahmequellen der Stellen- und anderes -anzeiger wegnahm, die nur durch den Tagi gross geworden sind, dazu «20 Minuten» in ein eigenes Profitcenter auslagerte, weil es immer noch  ertragreich ist. Und die restlichen Medien ins Elend stiess, denn auch Tagi & Co. müssen seine sportlichen Renditevorstellungen erfüllen.

Das geht nur mit runtersparen, rausschmeissen, grosse Teile des Inhalts aus München übernehmen. Mit dem Verkauf von Blättern, die für mehr Geld weniger Content liefern. Dafür hat er sich mit dem Quartet Jessica Peppel-Schulz, ihrem plappernden Avatar, dem Kommunikationsgenie Simon Bärtschi und der farblosen Raphaela Birrer eine Mannschaft geholt, die das Ziel, Aufgabe der Printherstellung, sicher erreichen wird.

Das ist die Realität, alles andere ist Nonsens.

Aber er hat noch mehr Gejammer auf Lager: «Die globalen marktmächtigen Plattformen betreiben ihr Geschäft mit journalistischen Inhalten, die sie von regionalen und nationalen Medienanbietern übernehmen, ohne dafür zu bezahlen.»

Das tun sie deswegen, weil die Verlage zu blöd sind, dafür ein ausreichendes Entgelt zu verlangen. Sie träumen von grösseren Reichweiten, haben aber keine Erklärung, was ihnen das bringen soll. Sie sind insbesondere in der Schweiz so blöd, sich über 80 Prozent der Erträge des Online-Marketings von den Plattformen Google, Facebook und Amazon wegnehmen zu lassen.

Statt sich mit Google-Ads vollklatschen zu lassen und dafür ein Trinkgeld zu kassieren, hätten Verlagsführer wie Supino so in den letzten 15 Jahren vielleicht mal eine Idee haben können, wie man das ändert. Den Middle Man ausschaltet, der sich in der normalen Distributionskette von Herstellung zum Konsumenten vielleicht maximal 10 Prozent abschneidet. Aber sicher nicht 80.

In seinem «Fazit» sorgt Supino nochmals für grosse Heiterkeit: «Die Medienbranche ist mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Sie wird sich weiter fundamental ändern, aber aus Nutzersicht besteht kein grundlegendes Angebotsproblem.»

Aus Nutzersicht der zahlenden Konsumenten der papierdünnen Inhalte seines Hauses besteht allerdings ein grundlegendes Problem. Wieso sollen sie für diesen Dünnpfiff immer mehr bezahlen? Was ist die geldwerte Leistung? Selbst die Migros, in schweren Turbulenzen, käme nie auf die Idee, ein halbes Gipfeli für mehr Geld als zuvor ein ganzes anzubieten. Und das mit «Fokussierung, Qualitätssteigerung, noch näher an den Bedürfnissen des Konsumenten» schönzuschwatzen.

Statt wenigstens eine brauchbare Digitalstrategie zu entwickeln, wurden Bruchpiloten wie Mathias Müller von Blumencron geholt, der nach einer abgekupferten Flop-Idee und viel heisser Luft wieder das Weite suchte. Genau wie der AD, der das verunglückte Redesign des Internet-Auftritts verbrach.

Supino selbst profitiert davon, dass er als Mitglied des Coninx-Clans unkaputtbar ist. Und sich seine vor dem nächsten Rausschmeissen fürchtende Redaktionen nicht trauen, ihm zu sagen, dass er seinen Stuss doch bitte wenn schon als bezahltes Inserat unter die Leute bringen soll. Denn selbstverständlich dürfe auch der Big Boss eine Meinung haben und die auch so länglich absondern, wie es ihm drum ist. Aber Geld genug hätte Supino, sich dafür ein Inserat zu leisten.

Im Tagi kostet eine Doppelseite schlappe 43’560 Franken. Bei einem Jahreseinkommen (inkl. Bonus) von 7,5 Millionen wären das aufgerundet 7 Prozent eines Monatsgehalts. So viel sollte ihm seine Meinung doch noch wert sein. Dazu käme noch, dass er seinen Organen einen Reputationsschaden ersparte, wenn sie nicht einfach «his master’s voice» publizieren müssten.

Der Treppenwitz dabei: einen Tag, bevor der Deutschschweizer Verlegerverband eine Einigung mit der SRG bekannt gab und offiziell verkündete, dass er gegen die Halbierungsinitiative sei, veröffentlichte Supino sein Pamphlet, dass er dafür sei. Um diese Einigung wissend. Das nennt man einen veritablen Blattschuss. Dabei ist Tx Mitglied bei «Schweizer Medien». Noch. Das nennt man kompetente Vereinspolitik. Oder einfach: wie blöd ist das denn.

Aber immerhin wurden damit nicht die schlappen 32 Seiten des Print-«Tages-Anzeiger» gefüllt, für die das Blatt stolze Fr. 4.60 heuschen will. Was immer weniger Leser zu zahlen bereit sind, wie die Auflage beweist …

Tx steht wohl für «täglich ein X für ein U vormachen.» U wie unfähig.

«Blick»-Mitarbeiter, fürchtet Euch

CEO Marc Walder übt sich im Doublespeak nach Orwell.

Der Umsatz schrumpfte um 13 Prozent auf nur noch 800 Millionen. Der Digital-Anteil am Geschäft ging von zwar beeindruckenden 83 auf 82 Prozent zurück. Walder: «Der Online-Werbemarkt ist nicht mehr gewachsen.» Dabei wächst er weltweit mit zweistelligen Raten, letztes Jahr um über 15 Prozent.

2024 wurden 500 Mitarbeiter entsorgt. Walder verkündete nur den «operativen Gewinn», was davon als eigentlicher Profit übrigbleibt, ist Geschäftsgeheimnis. Auch das kann er knapp schönreden: das Ergebnis sei «gut und zufriedenstellend». Jubel hört sich anders an.

Es habe halt «Portfolio-Bereinigungen» gegeben, Doublespeak für die Schliessung der letzten Druckerei und den Abschied vom Flop «meindeal». Der Zusammenschluss mit Tx bei den Verkaufs- und Handelsplattformen spülte einen noch nicht realisierten Gewinn bei einem möglichen Börsengang in die Kasse. Ob und wann der stattfindet?

Sobald die Platzhirsche Google, Facebook und Amazon ernsthaft in der Schweiz in diesen Markt eindringen, wird das wie Eis an der Sonne schmelzen. Die kassieren bereits heute mehr als 80 Prozent vom Online-Werbekuchen. Dank eines jahrelangen Versagens der Verlagsmanager. Und wer sucht, geht immer auf die grösste Plattform, nicht auf die kleinen Brüder und Schwestern.

Apropos, wer meint, mit dem Trio Ladina Heimgartner, Marc Walder und einem «wie heisst er doch gleich»-«Blick»-Oberofficer für die Zukunft gut aufgestellt zu sein: viel Glück!

Knüppeldick kommt es aber mal wieder für die vermeintlich so glückliche «Blick»-Familie. Das Bezahlmodell «Blick+» plusst überhaupt nicht. Nach einer völlig verunglückten Werbekampagne, die immerhin für Heiterkeit sorgte. Rund 25’000 Abonnenten werden eingestanden, mehr als ein «Ok-Wert» fällt dazu selbst Walder nicht ein.

Dabei ist es nicht klar, wie viele Schnupper-, Gratis- und Kurzzeit-Abos mitgezählt werden.

Dann kommen wir zum Spassfaktor. «Über die vergangenen Jahre sind mehrere Hundert Millionen an klassischem Medienumsatz weggebrochen», jammert Walder, als sei ihm diese Erkenntnis erst neulich gekommen. Aber Ringier bekenne sich sich weiterhin zu einem «qualitativ hochwertigen Journalismus». Auch VR-Präsident Michael Ringier, der trotz fortgeschrittenen Alters (76) sich nicht traut, Walder als seinen Nachfolger zu inthronisieren, behauptet: «Wir sehen einen steigenden Bedarf an gutem Journalismus als Chance

Der Bedarf ist tatsächlich da. Die Ausnützung dieser Chance zeigt die «Blick»-Familie auf allen Kanälen täglich und wöchentlich. Ein enteierter Boulevard, der weiblicher und runder werden will. Was allerdings nur zu einem Regenrohr in den verunstalteten neuen Kasten-Logos geführt hat. Wie viel Schnauf Ringier da hat, zeigte sich auch im Flop «Blick TV».

Das regelmässige Feuern des «Chief Content Officer» und der Aufbau einer amüsanten Riege von Officers, Chiefs, Heads of und Heads off, bei denen niemand mehr weiss, wer wofür zuständig ist, trägt auch nicht zur qualitativen Verbesserung bei. Das Fehlen eines Chefredaktors wie Christian Dorer, der ganz übel entsorgt wurde (und seither gibt es seinen Titel nicht mehr), ein gravierender Fehler.

Nun soll ausgerechnet mit dem Einsatz von KI «mehr Tiefe im Journalismus» erreicht werden. Kleiner Denkfehler: chatgpt und Co. kann inzwischen fast jeder selbst bedienen. Der Unterschied zu dem, was ein Kindersoldat im Newsroom in seiner Verrichtungsbox daraus macht, ist nicht sichtbar.

Grosser Fehler: «Blick» & Co. haben keine USP mehr, kein übergreifendes Konzept, keine Richtung, keine erkennbare Position, keine Mission. Was sich nicht zuletzt in einem Niedergang der Zahl der online-User niederschlägt. Kam der «Blick» mal auf Augenhöhe mit «20 Minuten», ist er inzwischen wieder abgeschlagen.

Und die Print-Auflage beträgt laut letzten Zahlen kümmerliche 73’869 Exemplare. Wie viele davon tatsächlich verkauft werden, ist ebenfalls Betriebsgeheimnis.

Online 25’000 wie auch immer geartete Abos seit dem Start 2023. Bei 800’000 täglichen Nutzern sind das aufgerundet 3,13 Prozent. Darauf kann man eine solide Zukunft bauen. Ganz abgesehen davon, dass alle Leser sauer gemacht werden, die einen «Blick+»-Artikel mangels Abo nicht zu sehen kriegen.

Also in einem Satz: Blickler, fürchtet Euch. Oder eher: ihr 6000 übrig gebliebenen Ringier-Mitarbeiter, fürchtet Euch. Viele werden es nicht zur ersehnten Frühpensionierung schaffen. Und wohin dann?

Oder in Umformulierung des bescheuerten Slogans «Ich bin dabei»: «Ich war dabei.»

Plappern mit Peppel-Schulz

Tamedia-Mitarbeiter, fürchtet euch!

Dass es dem obersten Tx-Boss nur um eines geht, ist bekannt. Pietro «Rendite» Supino ist allerdings nicht sonderlich geschickt darin, mit Medien Geld zu verdienen. Aber als Mitglied des Coninx-Clans ist er unkaputtbar.

Dann hätten wir noch den Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz. Dass sie sich nach kurzer Karriere in einem Modemedienhaus aus einem längeren Sabbatical aufgerafft hat, um als Quotenfrau bei Tamedia einzusteigen, ist für die Belegschaft keine gute Nachricht.

ZACKBUM hat ihr Wirken, gesteigert noch durch Teamarbeit mit dem Brachial-Kommunikator Simon Bärtschi (Qualitätssteigerung durch Rausschmiss), von Anfang an verfolgt. Sie dachte zunächst einmal ein Jahr lang über eine «neue Digitalstrategie» nach. Als diese präsentiert wurde, blieb dem Publikum die Spucke weg. Peinlich war noch einer der höflicheren Qualifikationen für das, was das Trio infernal Peppel-Schulz, ihr Avatar und Bärtschi (als himself) präsentierten.

Nun ist wieder einige Zeit ins Land gegangen, Tamedia lebt weiter nach dem Prinzip «nach dem Rausschmeissen ist vor dem Rausschmeissen», und persoenlich.com führte eines seiner Watteweich-Interviews mit der Dame.

Da spielt sie Bullshit-Bingo in seiner schlimmsten Form. Es gibt keine Manager-Worthülse, mit der sie nicht um sich wirft.

«Unsere Stärken sind die tiefe Verankerung im Markt … unsere Geschäftsmodelle in der Schweiz erfolgreich weiterentwickeln … die Transformation ist grösser als gedacht … wir müssen digital schnell wachsen, weshalb wir eine neue Strategie entwickelt haben … Die Welt verändert sich rasant. Auch Tamedia muss diese Veränderungen adaptieren … Wir müssen uns auf unser Geschäft konzentrieren … denn wir können nur gemeinsam diese Veränderungen stemmen … leider mussten wir auch viele schmerzhafte Entscheidungen treffen …»

Gut, ZACKBUM hat wieder ein Einsehen mit dem gequälten Leser, der um Gnade winselt. Aber er sollte sich vorstellen, dass die armen Tamedia-Mitarbeiter sich diesen Schrott ständig anhören müssen und dazu ein freundliches Gesicht machen. Das geht vielleicht auf die Leber.

Man fragt sich allerdings, ob Matthias Ackeret hier einen schlecht gelaunten und noch schlechter programmierten Avatar von Peppel-Schulz interviewt hat. Apropos, dass die NZZ diesen Gag in der Luft zerrissen hat, ist bei Peppel-Schulz ganz schlecht angekommen:

«Hier haben einige Wettbewerber eine fortschrittliche Lösung im Sinne der Mitarbeitenden bewusst falsch interpretiert.» Ts, ts, ganz schlimm war aber die alte Tante: «Die Kritik am Avatar war schlichtweg falsch dargestellt. Kritik sollte auch möglich sein, aber eben professionell und richtig recherchiert. Das muss man von der NZZ erwarten können. … Wenn die Konkurrenz eine solche Innovationskultur ohne Not schlechtmacht, schadet das am Ende nur dem Journalismus.»

Nun, noch mehr schadet dem Journalismus und dem Ansehen von Peppel-Schulz, wenn sie holprig formulierte unbelegte Behauptungen in den Raum stellt. Was war denn an der Kritik «falsch dargestellt»? Meint sie vielleicht, die Kritik habe den Einsatz des Avatars falsch dargestellt? Wenn ja, wieso sagt sie das dann nicht? Und wenn sie es so sagen würde, womit belegte sie diese kühne Behauptung?

Diese Avatar-Nummer sorgte innerhalb von Tamedia immerhin für dringend nötige Unterhaltung und Lacher. Aber ihn als «Innovationskultur» hochzuplappern, also wirklich. Lachkultur, das ginge noch.

Hat Peppel-Schulz der Welt und dem Leser noch etwas mitzugeben? Eher nicht: «Wir müssen gemeinsam mit den Institutionen Wege finden, um junge Menschen auch künftig zu erreichen

Gibt es wenigstens eine gute Nachricht in diesem Interview für die noch nicht rausgeschmissenen Tamedia-Mitarbeiter? Eher nicht: «Ich habe nicht vor, zu gehen, denn jetzt beginnt erst der spannende Teil: unser Wachstum. Dafür bin ich gekommen, und ich schaue nur nach vorne.»

Ob sie dafür wohl den Rückspiegel benützt?