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Im Herbst fallen die Blätter

Im Elendsjournalismus heisst das: das nächste grosse Rausschmeissen.

Im Kopfblattsalat von der Werdstrasse herrscht das grosse Zittern. Einerseits fuchteln all die Besserwisser und Zurechtweiser weiterhin mit dem Zeigefinger in alle Richtungen.

Erklären der Welt und dem Leser, wie sie zu sein hätten. Schrecken auch vor übelster Demagogie und Fake News nicht zurück. Verspielen so die letzten Reste an Glaubwürdigkeit.

Es gibt ein Datum, auf das alle gebannt starren: der 1. Oktober 2026. Denn dann wird das nächste Fallbeil niedersausen. Denn dann endet die 2024 vereinbarte Beschäftigungsgarantie bei Tamedia.

Einen Vorgeschmack auf das kommende Massaker gab CEO Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar) bereits mit einem Interview im März dieses Jahres. Während ihr Terminator, die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi, sicherlich zur Qualitätssteigerung mal kurz die bewährte Produktionschefin Viviane Joyce feuerte.

Seither ist gegangen, wer konnte. Die Starschreiberin Michèle Binswanger. Bewährte Schreibkräfte wie Edgar Schuler. Auch Flachzangen wie Christian Brönnimann. Der geht ausgerechnet zur Trümmel-Behörde Bundesanwaltschaft. Und noch viele mehr.

Wer nicht kann, hält sich verzweifelt an seinem Schreibtisch im Glashaus fest, wo er unter Umständen arbeiten muss, die den Tierschutz auf die Barrikaden triebe, wenn es sich um Nutztiere handelte.

Noch rund 600 Kostenstellen umfasst das, was einstmals eine stolze Redaktion war. Wo es noch ein Feuilleton gab, während es heute nur noch Nora Zukker gibt. Wo es noch ernstzunehmende politische Analysen gab, wo es heute nur noch einen Adrian Schmid gibt.Wo ein Leitartikel kein Leid auslöste, während es heute nur noch eine Raphaela Birrer gibt.

2024 hatte nach langem Nachdenken Peppel-Schulz den unvermeidlichen Abbau von 90 Vollzeitstellen angekündigt, während sich Bärtschi damit lächerlich machte, das als Beitrag zur Steigerung des Qualitätsjournalismus zu verkaufen. Am Schluss waren es dann lediglich 17. So sorgt man für Stimmung in der Belegschaft.

In diesem Herbst dürften es einige mehr werden. Wie hiess es noch im Juni so schön: «Aktuell sind keine weiteren Massnahmen geplant.» Aktueller wird das dann am 1. Oktober.

Denn bei Tamedia sieht es nach den neusten Halbjahreszahlen noch schütterer aus als bei der TX Group. 8,6 Prozent Umsatzrückgang, minus 27,1 Prozent EBIT, bei Print-Abos und im Einzelverkauf um 10,9 Millionen geschrumpfter Umsatz. Das sei «deutlich höher als erwartet».

Und was kann man von dieser Führungsriege schon erwarten. Die EBIT-Marge beträgt schlappe 2,7 Prozent, das auch wieder von Peppel-Schulz verkündete Ziel von 8 bis 10 Prozent liegt in weiter Ferne, wenn der Umsatz gleichzeitig um 8,6 Prozent fällt.

Also was tun?

Dumme Frage. Dumme Antwort: weiter runterholzen. Weil einem sonst nichts einfällt. Noch mehr KI, noch mehr Übernahme von der «Süddeutschen» aus München, da ist die Schmerzgrenze längst überschritten.

Also weiter im Todesmarsch. Mit dem Irrwitz-Geschäftsmodell, dem Konsumenten immer weniger für immer mehr Geld zu bieten. Begleitet vom untauglichen Versuch, ihn für dumm zu verkaufen, indem man das als angebliche Qualitätssteigerung anpreist.

Mehr bieten, um mehr Einnahmen zu generieren? So ginge es eigentlich im normalen Geschäftsleben zu und her. Aber doch nicht bei TX, doch nicht bei Tamedia.

Da wird viel einfacher gerechnet. Jeder gefeuerte Journalist spart mit allem Drum und Dran 200’000 Franken im Jahr. Sind bei zehn Nasen bereits 2 Millionen. Bei 60, das wären dann zehn Prozent, bereits 12 Millionen.

Von der neuerlichen Qualitätssteigerung ganz zu schweigen. Denn viele würden eine Lücke hinterlassen, die sie vollständig ersetzt.

Allerdings ist es auch eine Negativauslese. Zurück bleiben nur die Schleimer, die Angepassten, die Mietmäuler, die Opportunisten, die es problemlos schaffen, ein freundliches Gesicht aufzusetzen, wenn die Totengräber in der Chefetage vorbeihuschen.

 

Lauter Lämpels

Tamedia ist voll von Oberlehrern. Angeführt von einer Plappertante.

Ehre, wem keine gebührt, oder zumindest Ladies first: Jessica Peppel-Schulz (oder ihr Avatar oder eine Sprechpuppe) hat dem österreichischen «Standard» ein Interview gegeben. Zwei Jahre Sabbatical, dann seit zwei Jahren CEO von Tamedia. Mancher fragt sich: wieso dieser Aufstieg? Das lässt sich nur damit erklären, dass der unkaputtbare Big Boss Pietro Supino keine Kompetenz-Konkurrenz möchte. Und da liegt die Latte ziemlich tief.

Die Frage hingegen, wo genau der Unterschied zwischen Sabbatical und Leitungsfunktion sei, zeugt von abgrundtiefem Sexismus und Misogynie, was ZACKBUM aufs schärfste verurteilt.

Peppel-Schulz verschmäht ihre eigenen Blätter und weicht nach Wien aus. Zum Einstieg versucht sie, witzig zu sein. So auf der Ebene von Arrigoni: «Als gefühlte Schweizerin tröstet mich immerhin: Wir sind bei der Fußball-WM weiter gekommen als andere. Aber im Ernst …» Im Ernst gesteht sie unbekümmert ihr Versagen: «Von vier Schweizer Franken Werbespendings gehen drei an die großen Tech-Plattformen.» So ein knackiges englisches Wort, wofür es problemlos auch ein deutsches gäbe – das macht das Bullshit Bingo des Managergequatsches aus.

Dazu gehört auch, Fake News zu verbreiten: «Unser digitales Werbegeschäft ist 2025 um 30 Prozent gewachsen – in einem Markt, der insgesamt schrumpft.» Display-Werbung ist in der Schweiz 2025 um 0,6 Prozent – gewachsen. Das hat auch damit zu tun, dass Google Änderungen an der Erfassung von Search-Werbung vorgenommen hat, sonst wäre das gemessene Wachstum noch stärker.

Das ist nur die Einleitung zum richtigen Hammer: «Aber strategisch zählt für uns nur eines: das Abonnement.» Ergänzt mit: «Wir hängen noch zu mehr als 85 Prozent von Print-Einnahmen ab.» Bei Tamedia. Bei TX stammen inzwischen zwei Drittel des Konzernumsatzes aus digitalen Geschäften.

Bei Ringier sieht es so aus, dass inzwischen 83 Prozent des operativen Gewinns aus dem Digitalgeschäft stammen. Werbung insgesamt (digital und Print) machen 82,5 Millionen des Gesamtumsatzes aus, «digitale Aktivitäten» insgesamt dagegen 459,4 Millionen. Print-Abos dürften noch für rund 130 Millionen Franken zuständig sein. Tendenz abnehmend.

Tagianer, fürchtet euch, oder sagten wir das schon? Im September läuft die Beschäftigungsgarantie für die überlebenden Journalisten ab. Und wie soll’s denn in die Zukunft gehen, mit dem einzigen Zähler Abo? Da läuft das Bullshit Bingo zu Höchstformen auf:

«Journalismus muss serviceorientierter, alltagstauglicher sein. Er muss unterschiedliche Perspektiven anbieten – «vielstimmig statt eintönig» ist der Claim unserer aktuellen Werbekampagne. Wir müssen Lokaljournalismus neu denken. Denn wenn wir die regionale, die lokale Geschichte nicht erzählen, erzählt sie niemand.»

Toll, also mehr Power ins Regionale? Jein, also eigentlich nein, aber dann doch irgendwie ja:

«Das heißt jetzt nicht, dass wir neue Regionalredaktionen eröffnen. Wir können nicht mehr in Büros denken und investieren, wir investieren in Reichweite vor Ort. Nähe zu den Menschen, das schafft Vertrauen – ergänzt um Hyperlokalität mithilfe von KI, die uns hilft, auch kleinste Gemeinden abzudecken, die wir mit klassischen Redaktionsstrukturen nie erreicht hätten.» Hä?

Und wie wirkt sich die nächste Qualitätssteigerung durch Rausschmeissen aus, wie das die journalistische Leiter nach unten Simon Bärtschi formulieren würde? «Das Medienunternehmen verändert sich dynamisch weiter. Und wer das ehrlich sagt, kann keine absoluten Garantien über die Zukunft geben. Was ich aber versprechen kann: Unser Fokus liegt klar auf Wachstum mit wirtschaftlich nachhaltigem, unabhängigem Journalismus», plappert Peppel-Schulz.

In Wirklichkeit liegt der Fokus auf penetranter Belehrung und eintöniger Rechthaberei, übernommen zu grossen Teilen aus München. Aber auch die wenigen Wortmeldungen aus dem Glashaus an der Werdstrasse kommen im Lehrer-Lämpel-Gestus daher. So schurigelt «Sportjournalist» Thomas Schifferle: «Infantino wird immer dreister – Europa muss ihn endlich stoppen». Los, marsch, Europa, tu endlich was. Damit sich Schifferle befriedigt zurücklehnen kann:

«Ach!“ spricht er, „die größte Freud
Ist doch die Zufriedenheit!“
Wilhelm Busch

Ganz anders gestimmt ist die SZ-Unke Hubert Wetzel. Er tut wieder  das Unglaubliche: «Trump tut im Ukrainekrieg doch noch das Richtige». Da wird Trump aber aufatmen und ZACKBUM fragt sich, ob das auch mit der Hitze zu tun haben könnte. Allerdings, da der Irre im Weissen Haus seine Positionen schneller wechselt als seine Bräunungscreme, kann es wieder passieren, dass Wetzel diesen hier macht:

Wer soll nun für Lämpel leiten
Seine Amtestätigkeiten
Wilhelm Busch

Die Wirklichkeit wäre dann sozusagen Max & Moritz, und die spielt Arrigoni, Supino, Peppel-Schulz, Bärtschi, Schiferle und Wetzel ständig böse Streiche. Das Sextett eint dabei eines: sie tun ihr Mögliches, den Journalismus aus dem Hause Tamedia abzuschaffen.

Ach, Münger

Der Auslandchef ohne Ausland und ohne Verstand.

Er ist der Meister der Fehlanalyse. «Umso wichtiger scheint, dass das Trump-Comeback verhindert wird», orakelte er ein Jahr vor den letzten US-Wahlen. «Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte», behauptete er. Als der aussichtsreichste Kandidat dann wegen erwiesener Senilität zurückgetreten wurde, wiederholte sich Christof Münger: «Es geht bei diesem Wahlkampf nicht um politische Programme, sondern darum, das Comeback von Donald Trump im Weissen Haus zu verhindern. Wie man zu Kamala Harris steht, wird zur Nebensache.»

Aber wieso in der Vergangenheit schwelgen, auch der aktuelle Münger vermag zu erheitern. Muss auch frustrierend sein, sich «Leitung Ausland» zu nennen und unter sich einen verpeilten Enver Robelli als Stellvertreter zu haben. Die beiden Führungskräfte leiten ganze drei Auslandredaktoren. Bitter.

Aber da bleibt die Flucht in die grosse, weite Welt. Zumindest bis nach Ungarn: «Trump verliert seinen Best Buddy in Europa». So kann man das sehen. Interessiert nur keinen.

Richtig peinlich wird’s allerdings, wenn zwischen Redaktionsschluss und Publikation die Welt Münger nicht den Gefallen tut, stehenzubleiben: «Öffnung von Hormuz: Eine wirtschaftliche Verschnaufpause, aber noch nicht das Ende des Kriegs», wusste der Weltenlenker am 17. April. «Nun bietet sich die Chance, den Konflikt beizulegen», orakelte er weise. Dabei sollte er doch wissen, dass der Mad Man im Weissen Haus noch unberechenbarer als die Zahl Pi ist. Und was am 17. geschrieben wird, am 18. bereits obsolet geworden ist.

«Die Interessenlage auf beiden Seiten ermöglichte offenbar eine teilweise Einigung der Regierung Trump mit dem iranischen Regime», will der Kenner der Sachlage wissen. Tja, bessere Kenner der Sachlage würden sich nicht trauen, Aussagen darüber zu treffen, ob die Strasse von Hormus nun offen, zu, halboffen, halbzu oder überhaupt ist. Tanker kehren um, Trump wendet auf dem Absatz, Iran droht, Trump sagt, es gebe ein Abkommen «in ein oder zwei Tagen». Oder es werde wieder bombardiert, oder so. Trump sagt, die USA würden das angereicherte Uran Irans übernehmen. «Irans angereichertes Uran wird nirgendwohin transferiert», sagt der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Vielleicht verwechselt Trump Uran und Iran, kann doch passieren.

Also in einem Wort: Kuddelmuddel. Chaos. Widerspruch im Widerspruch. Wer nicht weiss, dass eine Aussage von Trump schon nicht mehr zutreffen kann, bevor er den Satz zu Ende gebrabbelt hat, disqualifiziert sich als Analyst und Kommentator.

Vielleicht sollte sich die Rumpf-Auslandsredaktion von Tamedia darauf beschränken, schlechtere Titel und Leads über die Korrespondentenberichte der «Süddeutschen Zeitung» zu setzen und sie fürs Korsett der Artikellängen im Verschiebebahnhof des Tamedia-Kopfsalats zurechtzuschnitzen.

Denn wie verkündete die publizistische Leiter nach unten: Zur Qualitätssteigerung werde eine neue Artikellänge eingeführt: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert. Eine neue «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» à la Simon Bärtschi. Mit seiner Schmerzfreiheit könnte er problemlos Pressesprecher von Trump werden.

Dem armen Münger bleibt nur ein einziger wahrer Satz am Ende seiner regelwidrig auf 5000 A gebastelten «Meinung», die gar eine «Analyse» sein soll:

«Deshalb ist noch unklar, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgeht.»

Klar ist: alles ist unklar. Klar ist: bei Trump weiss man nie. Klar ist: Münger weiss es auch nicht. Unklar ist einzig: wieso hält er dann nicht die Klappe?

Völlig unklar ist: wieso soll jemand für diesen Schrott bezahlen? Oder sagten wir das schon in aller Klarheit?

 

Tamedianer, fürchtet euch

Denn Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar) hat ein Interview gegeben.

Eigentlich braucht es Mitgefühl. Wie soll das ein aufrechter Journalist, von denen gibt es noch ein paar wenige, nur aushalten? Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi übt sich als Terminator. Laut «Schweizer Journalist» feuert er mal so die bewährte Produktionschefin Viviane Joyce mit der Begründung, es brauche frischen Wind.

Den sollte ihr Stellvertreter, zufällig ein guter Freund von Bärtschi, dann bringen. Der kündigt stattdessen selbst. So geht gutes Management. Zudem scheint Bärtschi immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Kündigungsstopp dann im September auslaufe. Auch das nächste Rausschmeissen wird der völlig schmerzfreie Mann mit dem verkniffenen Blick sicher als Qualitätssteigerung anpreisen.

Als wäre das nicht schwer genug zu ertragen, gibt seine Chefin Jessica Peppel-Schulz (die mit der grossen Leitungserfahrung als CEO) persoenlich.com ein Interview. Ihr, die ihr das lest, lasst alle Hoffnung fahren, wenn ihr für Tamedia arbeitet. Noch.

Erste nahtliegende Frage an die Quotenfrau: wenn die Gewinnmarge 2025 bei schlappen 3 Prozent lag, wie soll dann das Ziel von 8 bis 10 Prozent für 2026 erreicht werden? Denn wenn nicht, wird Pietro Supino sehr sauer.

Margenfreie Antwort: «Das Ziel ist ambitioniert, ich weiss – es ist aber bewusst so gesetzt, um uns zu zwingen, alte Strukturen loszulassen, auch wenn das schmerzhaft sein kann.»

Alte Strukturen loslassen, grandioser Schönsprech für: weil meine Strategie bislang nicht geklappt hat, muss halt noch mehr weggespitzt werden.

Oder gäbe es andere Möglichkeiten?

«Unsere Hebel sind klar: Erstens unsere qualitativen Inhalte, zweitens wollen wir mutige und moderne Produkte entwickeln, und drittens legen wir den Fokus auf sehr gute Beziehungen zu unseren Abonnenten. Wenn wir diese drei Hebel konsequent umsetzen, ist das Ziel erreichbar – aber nur mit grossem Engagement und klarem Fokus.»

Klare Hebel, alles klar? Nur: wo sind denn die qualitativen Inhalte, wenn selbst die «Weltwoche» online den Tagi bei den Single Visitors abtrocknet? Und wo sind denn die mutigen Produkte? Schliesslich: ist Leserverarsche mit Gaga-Interviews, Bauchnabelbetrachtungen und realitätsfernem linksgrünem Gedöns Ausdruck von guten Beziehungen?

Aber Nick Lüthi führt halt auch gerne Wohlfühlinterviews und verzichtet auf kritische Nachfragen. Also kommt noch jede Menge Gedöns hinterher:

«Diese Fokussierung auf unsere Kernmarken bedeutet nicht, dass unsere weiteren Titel weniger wichtig wären – im Gegenteil.» Kicher. «Unsere Strategie ist es, diese Stärken gezielt weiter auszubauen.» Gröl. «Wir befinden uns in einer Phase der Transformation», schenkelklopf.

Noch ein Heuler: «Unser Fokus liegt dabei klar darauf, unsere publizistische Leistungsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig effizienter zu werden.» Und dann Breaking News: «Dieses Geschäftsmodell verschiebt sich gerade fundamental – weg von Print, hin zu Digital.» Wer das ohne rot zu werden noch im März 2026 sagt, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Und bevor der ZACKBUM-Leser abklopft und um Gnade winselt, nur noch einen Abschiedsschwurbel zum Schönsaufen: «Alles, was uns publizistisch unterscheidet – also Recherche, Einordnung, lokale Nähe, starke Persönlichkeiten – das stärken wir gezielt.»

Denn völlig verfehlt wäre die Strategie, das gezielt zu schwächen. Durch demotivierendes ständiges Rausschmeissen zum Beispiel.

Nein, der hier muss noch sein, auch wenn’s weh tut: «Mein Ziel ist es – und das sage ich jetzt auch als Mutter von drei Kindern –, dass wir als Tamedia eine führende Rolle in dieser grossen Transformation einnehmen können.»

ZACKBUMs Ziel wäre, dass sich diese Mutter mehr um ihre drei Kinder und weniger um Tamedia kümmern würde. Das wäre eine Wohltat für alle.

So, dann hoch die Flaschen, anders ist das Leben im Glashaus an der Werdstrasse nicht mehr zu ertragen.

Tamedia im Tiefschlaf

Angriff Israels und der USA auf den Iran: ist da was?

Die NZZ, der «Blick», «20Minuten», CH Media, «blue news», auch «nau.ch» vermelden am frühen Samstagmorgen: «Israel greift Iran an». Das ist möglicherweise der Anfang eines neuen Krieges.

Für den Qualitätsblattkopfsalat Tamedia kein Grund, aus dem wohlverdienten Tiefschlaf zu erwachen. So sah die Homepage noch vor 8.06 h aus:

Eine dreiteilige Serie, gut abgehangen, damit machen die Blätter an der Werdstrasse auf. Am Samstag ruht die normale Redaktion; da arbeitet nur die Rumpfmannschaft der «SonntagsZeitung», insofern das Blatt nicht schon im Verlauf der Woche vorproduziert wurde.

Aber dann, lass niemals eine breaking news ein stolzes, selbstgebasteltes Stück verdrängen, hängt auch Tamedia um 8.07 h die Neuigkeit rein, belässt die Serie aber weiterhin zuoberst:

Tamedia schreibt – wie die anderen auch – Tickermeldungen von DPA, Reuters, AFP und so weiter ab. CNN hat schon längst Live-Aufnahmen auf seiner Webseite, natürlich auch die grossen angelsächsischen Zeitungen.

Sogar die alte Tante nimmt eine Sonderfarbe aus dem Regal und traut sich für ihre Verhältnisse ein Riesenbild zuoberst:

 

Nun ist «Der Arzt, der sich zu Tode arbeitete» ein Rührstück, auf das Catherine Boss und Thomas Knellwolf offensichtlich furchtbar stolz sind.

Allerdings ist der Angriff wieder mal ein Ereignis, das die gestern Nacht abgeschlossenen Printausgaben alt aussehen lässt, wenn sie noch druckfrisch in den Briefkästen lagern.

So sieht zum Beispiel das aus, das der Kopfblattsalat seinen Print-Lesern am Samstagmorgen servierte:

Die Studie über Instagram-Werbung staubt so richtig vor sich hin, und das angeblich künstlerisch bearbeitete Patina-Foto des Arztes verleiht der Frontpage den Groove von alter Möbelpolitur.

Dafür kann natürlich keiner was, das ist halt die Tragik einer eigentlich obsolet gewordenen Methode, Nachrichten zu distribuieren.

Die NZZ hingegen landet einen Glückstreffer, denn selbst God Almighty Eric Gujer konnte nicht ahnen, als er seinen grossen Welterklärungskommentar schrieb, dass er mit seiner Prognose genau richtig liegt:

Die NZZ nimmt sogar den sich anbahnenden Krieg zwischen Pakistan und den Taliban gross mit, womit die These widerlegt wäre, dass Zeitungen normalerweise nur einen Kriegs aufs Mal auf die Reihe kriegen.

Da hat es schon etwas Verschmocktes, wenn der Tagi unerschütterlich an seiner Eigenproduktion festhält; nochmals in aller Schönheit:

Allerdings bedient auch die «Berner Zeitung» aus dem gleichen Hause einige Vorurteile, die man gegen die Bewohner dieses Kantons hat:

 

Und natürlich, der Fluch des Verschiebebahnhofs einer Zentralredaktion, wo Artikel wie Legosteine zusammengestöpselt werden, muss auch die «Basler Zeitung» zuoberst etwas Lokales abfeiern:

Während aber ansonsten CH Media dem Lokalen frönt, hat man hier die Bedeutung des Ereignisses richtig eingeschätzt:

Wahrscheinlich war Qualitätspapst Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten bei Tamedia, nach seiner Qualitätssteigerung bei der Behandlung der SRG-Initiative so erschöpft, dass er hier nicht schon wieder eingreifen konnte. Dass dieser Konzern immer noch ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Meinungsbildung ist, Zürich, Bern und Basel beschallt, dabei immer deutlicher zu erkennen gibt, dass ihm journalistische Professionalität schnurzegal ist, ein Trauerspiel. Oder sagten wir das schon.

Scheiss drauf

Ohne Rückgrat schreibt und lebt es sich bei Tamedia einfacher.

Wenn Oberboss Pietro Supino seine Meinung äussern will, dann tut er das. Trennung von Verlag und Redaktion? Scheiss drauf. So weibelte er für die Ablehnung des Referendums, das den Verlegerclans die schon sicher geglaubte Steuersubventionsmilliarde vor der Nase wegzog.

Trennung von Verlag und Redaktion? Aber doch nicht, wenn Supino 17’000 A verwendet, um zu erklären, dass die SRG auch mit 200 Franken ihre Aufgaben erfüllen könne. Hingegen sei der «Ausbau der indirekten Presseförderung von existenzieller Bedeutung für die Zukunft der gedruckten Zeitung».

Nachtigall, ick hör dir trapsen, sagt da der Berliner; welche Uneigennützigkeit. So hat Tamedia auch als einziger Grossverlag das Abkommen des Schweizer Verlegerverbands mit der SRG nicht unterzeichnet. Ein Schmierentück; klare Ablehnung der Initiative gegen minimale Zugeständnisse der SRG. Wobei natürlich die angeschlossenen Redaktionen völlig frei in ihrer Meinungsbildung sind.

Es darf gelacht werden.

Tamedia hingegen hat klare Prozesse, wie es mit einer Positionierung bei politischen Abstimmungen abzulaufen hat. Dem ist Nick Lüthi auf persoenlich.com nachgegangen. Denn nicht nur ihm fiel auf, dass der Tagi zur SRG-Initiative ein «Pro & Kontra» veröffentlichte. Das passiert normalerweise, wenn in der Redaktionen geteilte Meinung herrscht.

Laut Lüthi ergab aber die interne Abstimmung, dass die Redaktion in diesem «demokratischen Verfahren» mit 20 zu 2 Stimmen gegen die Initiative ist. Was ja bei der Linkslastigkeit keine Überraschung ist.

Die besteht aus etwas ganz anderem, wie Lüthi schreibt: «Das wäre ein klarer Fall für einen Nein-Kommentar gewesen. Doch Chefredaktorin Raphaela Birrer ergriff daraufhin das Veto und übersteuerte kraft ihres Amtes das übliche Vorgehen.»

Scheiss drauf, oder vornehmer formuliert: Birrer wolle «der speziellen Rolle als Branchenmitbewerberin gerecht werden». Was immer dieses Geschwurbel bedeuten mag. Birrer selbst verfasste übrigens den Kontra-Initiative-Kommentar, Kollege Andreas Kunz durfte sich dafür ins Zeug legen.

Damit aber nicht genug. In ihrem Beritt darf Birrer das. Und die Reaktion kuscht natürlich, Arbeitsplatzsicherung statt Haltung. Der erhobene Zeigefinger der moralischen Forderungen wackelt nur gegen aussen.

Aber erstaunlicherweise entschied sich auch die «Basler Zeitung», die «Berner Zeitung» und der «Bund», dieses Pro & Kontra zu bringen. Eben nach der Devise: scheiss drauf, wenn auch deren Redaktionen das anders sehen.

Das taten die Blätter selbstverständlich völlig freiwillig und in der Wahrnehmung ihrer speziellen Rolle oder so. Lüthi behauptet aber: «Angestellte der Berner Redaktion berichten gegenüber persoenlich.com von Druck des publizistischen Leiters. Simon Bärtschi habe gefordert, nicht nur einen Nein-Kommentar zur Halbierungsinitiative zu publizieren, sondern auch eine befürwortende Stimme. Bärtschi verfügt anders als Raphaela Birrer über Weisungsbefugnisse gegenüber den regionalen Tamedia-Redaktionen

Das war dann sicherlich ein weiterer Beitrag zur Qualitätssicherung dieser publizistischen Leiter nach unten.

Trifft das alles zu, dann sieht es mit der demokratischen Mitbestimmung bei Tamedia so aus: die Redaktion darf gerne demokratisch abstimmen. Das Resultat wird selbstverständlich respektiert. Wenn es mit der Meinung des Big Boss Supino übereinstimmt. Sonst gilt: scheiss drauf.

Während aber Tamedia-Redaktoren (und Redaktorinnen und everybody beyond) nicht müde werden, allen und jedem von überlegen rechthaberischer Warte aus die Einhaltung von Benimm- und anderer Regeln einzufordern und unablässig der ganzen Welt Zensuren zu erteilen, notfalls Besserung zu verlangen und sich über Fehlverhalten zu echauffieren, herrscht hier ängstliches Schweigen.

Einzig sichtbarer Protest war das Ansteigen des Alkoholkonsums in der Helvti und anderen Lokalen rund ums Glashaus an der Werdstrasse. Sowie in den einschlägigen Beizen in Basel und Bern.

Tamedia antwortete auf einige präzise Fragen von ZACKBUM mit einem allgemeinen Statement:

«Publizistische Leitung und Chefredaktoren tauschen sich regelmässig zu inhaltlichen Themen aus. Insbesondere im Vorfeld solch relevanter Abstimmungen mit derlei Tragweite für die ganze Medienbranche. 
Die Tamedia-Titel stehen für eine ausgewogene Berichterstattung mithilfe derer sich unsere Leserschaft ihre eigene Meinung bilden kann.
Der Tages-Anzeiger ist mit den überregionalen Themen unsere Mantelredaktion für die anderen Deutschschweizer Titel. Den Titeln steht es frei, diese Inhalte zu übernehmen oder nicht. Im Zusammenhang mit der Halbierungsinitiative hat sich die publizistische Leitung für die Übernahme des Formats «Pro & Kontra» ausgesprochen. Verleger und VRP-Präsident Pietro Supino war in dieser Diskussion nicht mit involviert.»

 

Der weibliche Häsler

Auch Tamedias Clara Lipkowski kann gurgeln.

Als ob die völkerrechtswidrige Invasion der Ukraine nicht schon widerlich genug wäre: dazu gibt’s noch journalistische Schützenhilfe obendrauf.

Lipkowski wandelt auf Georg Häslers kriegerischen Spuren im Sandkasten und weiss: «Russland blufft – es ist besiegbar». Wenn der Wunsch der Vater des Gedankens ist …

Sie beginnt etwas elegisch, während Häsler jeweils gleich losbombt: «Verhalten zwar, aber doch spürbar steigen die Temperaturen, kehrt die Wärme in die Häuser der Menschen zurück, deren Heizung ausfiel, weil Russland Kraftwerke in einem beispiellosen Krieg der Kälte zerbombt hatte.»

Lipkowski blickt tief in ihre Seelen: «Die Menschen in der Ukraine sehnen den Frühling herbei, sind aber gleichzeitig müde.» Das nennt man bekanntlich Frühjahrsmüdigkeit.

Genauso behende kennt sie sich in Russland aus: «Moskau macht unbeirrt weiter, baut Druck auf, droht – aber blufft. Denn Russland ist nicht übermächtig, nicht unbesiegbar.»

Es soll Militärstrategen geben, zum Beispiel an der ETH Zürich, die die Niederlage Russlands schon klar vorhersahen. Für den Herbst 2022. Da ist Lipkowski doch etwas vorsichtiger.

Dafür ist sie mit einer Befehlsausgabe für den Westen offensiv zur Hand: «Europa, einschliesslich der Schweiz, muss die Sanktionen präziser gestalten und ausweiten. Drittstaaten, die noch mit Russland Geschäfte machen, müssen stärker sanktioniert werden.»

Sonst noch was? Aber ja: «Sanktionsumgehungen, durch die westliche Elektronik in russischen Drohnen landet, müssen viel härter geahndet werden. Die russische Schattenflotte muss konsequent verfolgt, Schiffe festgesetzt, deren Fracht konfisziert werden

Oder in einem Satz:

«Russland muss in die Knie gezwungen werden, damit die Ukraine überleben kann.»

Der ist nun von einer unbesiegbaren Dummheit, die es verdient, genauer angeschaut zu werden. Russland in die Knie zwingen? Echt jetzt? Die grösste Atom- und die drittgrösste Militärmacht der Welt?

Die könnte in die Knie gezwungen werden, ohne dass die Welt explodiert? Interessanter Gedankengang. Aber auch der zweite Teil ist nicht minder bescheuert. Nur unter dieser Voraussetzung könne die Ukraine überleben? Gelänge das also nicht, stirbt das Land? Welch absonderlicher Irrwitz.

Der Letzte, der versuchte, Russland in die Knie zu zwingen, war bekanntlich Adolf Hitler. Ist ihm nicht so recht gelungen, wie man mit rudimentären Geschichtskenntnissen weiss. Die Schweiz verharrte damals in einer sicherlich nicht über jeden Zweifel erhabenen Neutralität, um sich unbeschädigt durchzuschlängeln. Das sollte diesmal völlig aufgeben und sich an noch «präziseren» Sanktionen beteiligen.

Aber Lipkowski geht noch einen Schritt nach unten weiter: «Und für wen das Solidaritätsargument mit der Ukraine nicht reicht: auch damit unser Leben in Europa, wie wir es kennen, bleibt, wie es ist.» Also nur, wenn Russland auf die Knie gezwungen wird, können «wir unser» Leben weiterführen. Und wenn nicht? Zwingt dann der russische Bär uns Westler in die Knie? Was früher die rote Gefahr war, ist jetzt die neue russische Gefahr?

Als ob die unbesehene Übernahme aller Sanktionen der EU und der USA nicht schon ausreichen würden, das Image der Schweiz als neutraler Staat und Vermittler schwer zu beschädigen.

Natürlich darf in der Schweiz – im Gegensatz zu Russland, im Gegensatz zur Ukraine – jeder mehr oder minder frei seine Meinung äussern. Auch frei von des Gedankens Blässe. Qualifikationen sind nicht gefragt, der Zugang zu einem Lautsprecher wie dem Kopfblattsalat von Tamedia reicht.

Qualitätskontrolle, das Aufrechterhalten eines Mindeststandards an Kompetenz, Analysefähigkeit, die Kontrolle vor Veröffentlichung auf Widerspruchsfreiheit und Realitätsnähe: im modernen Qualitätsjournalismus à la Simon Bärtschi sind das unbekannte Begriffe.

 

Le rire est bon pour la santé

Wussten Sie, dass es «Umweltpsychologen» gibt? Lesen und lachen.

Das ist Gabriella Alvarez-Hummel:

Sie ist Journalistin. Sagt sie. Für den Kopfblattsalat aus dem Hause Tamedia interviewte sie Nicole Haiderer von «Psychologists for Future Schweiz». Das sind die hier:

Aber genug der Bilder, lasst Worte sprechen. Interviews sind immer dann besonders spannend, wenn sich die Gesprächspartner dabei in den Armen liegen. Das kann auch unfreiwillig komisch sein:

«Klimaangst ist eine berechtigte Angst. Eine adäquate Reaktion auf einen bedrohlichen Zustand. Unsere Klimacafés schaffen einen Raum, in dem Menschen ganzheitlich mit ihren Gefühlen und Erfahrungen Platz haben und sich austauschen können.»

Also, liebe Leser, Leser*Innen** and everybody beyond: haben Sie Klimaangst? Hier wird Ihnen geholfen: «Was wir auch anbieten, sind Erstgespräche für Privatpersonen, die wir dann an klimasensitive Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen in unserem Netzwerk weitervermitteln

Was für Erkenntnisse kann man dabei gewinnen? «Menschen reagieren unterschiedlich auf die Klimakrise. Sie flüchten oder kämpfen. Oder sie gehen in Aktion und ändern etwas. Menschen handeln aber nur, wenn sie wissen, was sie tun sollen. Deswegen ist es so wichtig, Lösungen zu präsentieren.»

Was man auch tun sollte: «Einfach mal fragen: «Wie geht es dir eigentlich mit der Klimakrise?» Wenn wir diese Gespräche führen, dann merken wir, dass wir nicht allein sind mit unseren Sorgen. Und dass die meisten Menschen für Klimaschutz sind.»

Jawoll, auch ZACKBUM bekennt sich ohne Wenn und Aber zum Klimaschutz und fordert freien Schneefall bis in die Wohnungen.

Aber was kann denn der Einzelne nun tun, ausser Petflaschen zurückbringen und immer schön das Licht ausmachen in Räumen, die nicht benutzt werden?

«Nehmen wir an, Sie betreten ein Gebäude. Sie können den Lift oder die Treppe nehmen. Beim Eintreten sehen Sie Spuren, die zu den Treppen führen. Das kann Sie dazu bringen, die Treppen zu nehmen, was Ihnen guttut und zudem Strom spart.»

Super Idee, nie mehr Lift. Noch mehr? Aber ja: «sich für den Folgetag das Velo bereitstellen». Wow. Aber auch Firmen haben Möglichkeiten: «Etwa, indem sie im Personalrestaurant das vegane oder vegetarische Gericht attraktiv machen und das auch noch preislich günstiger ist.» Da hört’s dann leider bei ZACKBUM auf, keine vegane Mangelernährung, bitte.

Apropos vegan, damit kriegt man das sicher auch weg: «Gewohnheiten sind sehr schwer zu verändern. Der innere Schweinehund, das sind eigentlich unsere Gewohnheiten. Da muss man mit ganz vielen Mitteln dagegen ankämpfen, das kostet Energie. Aber wenn man es schafft, die Dinge so einzurichten, dass man sie automatisch anders macht, dann hilft das sehr..»

Aber es gibt sogar Tagi-Leser, die diesen inneren Schweinehund immer noch an der langen Leine spazieren führen und kommentieren: «Ich halte es für problematisch, dass in solch einem Interview tatsächlich nicht mal Platz war für EINE kritische Gegenfrage

ZACKBUM würde da noch einen Schritt weitergehen. Wir halten es nicht für problematisch, sondern für reine Leserverarschung, ein solches «auf welche Stichworte wollten Sie schon immer mal antworten?»-Interview zu publizieren. Wo bleibt da Qualitätspapst Simon Bärtschi? Wo bleibt auch nur der Ansatz des Bemühens, dem Leser etwas Lesenswertes zu servieren?

Aber es gibt Trost. Selten so gelacht.

 

Was für ein Schwätzer

Der Fall Wermuth als Versagen der SP.

Seine Co-Präsidentin hat vorübergehend das Handtuch geworfen. Also muss der «Strategieberater» und Heuchler Cédric Wermuth (anderen will er das Fliegen verbieten, selbst war er mit Familie in einer zweimonatigen Auszeit in Asien unterwegs) alleine die Bälle in der Luft halten.

Das erreicht er vor allem mit öffentlichen und öffentlichkeitswirksamen Auftritten. In den letzten sechs Monaten gibt es 371 Treffer im Medienarchiv SMD. Fabian Molina, der andere Krakeeler, schafft es nur auf 209; Mattea Meyer ist mit 14 abgetaucht.

Also trötet Wermuth in jeden Lautsprecher, den man ihm hinhält. Da für Tamedia Qualität, intellektuelle Flughöhe oder stringente Argumentation völlig egal sind, findet er dort ein Plätzchen für seine unausgegorenen Gedanken. Der arme Helmut Hubacher würde sich im Grab drehen, müsste er einen solchen Stuss lesen.

Wermuth beginnt großspurig mit einem Zitat eines «der Väter der Wirtschaftswissenschaften» – und Mussolini-Sympathisanten – Vilfredo Pareto: «Die Geschichte sei ein Friedhof der Eliten». Hört sich irgendwie geschwollen-gut an, ist aber nur heisse Luft. Dann arbeitet sich auch Wermuth am hinlänglich bekannten Verbrecher Jeffrey Epstein ab. Bringt aber immerhin einen originellen Aspekt ein.

Oft werde sein Verhalten (und das seiner Entourage) als «individualpsychologische Störungen der Täter» abgetan. Ganz falsch, weiss Hobbyanalytiker Wermuth, diese «Gewaltorgien» (hä?) «spiegeln die Realität der neoliberalen Ordnung». Ach was.

Vom Einzelfall zum Generalverdacht: «Eine Welt, geprägt von Ungleichheit, Rücksichtslosigkeit und Frauenverachtung, wird von Eliten beherrscht, die diese Werte exzessiv leben.» Nicht nur Männer, besonders reiche Männer sind Schweine. Allesamt. Selbst Warren Buffett. Oder Noam Chomsky. Ups, der ist ja gar kein versauter Reicher, sondern eine Galionsfigur für Linke wie Wermuth. War gerne Gast bei Epstein und riet seinem Freund, schlechte Presse wegen dessen Verurteilung als Zuhälter einfach zu ignorieren.

Puff, schon ist die Luft draussen aus diesem Ballon voll pseudoklassenkämpferischem Gedöns.

Offenbar fand wohl auch die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi, dass solcher Unfug nicht einfach stehengelassen werden konnte. Also durfte Michèle Binswanger eine Replik schreiben. Der Missbrauch von Frauen als Ausdruck neoliberaler Denke? Der Missbrauch von Tausenden von Frauen durch pakistanische Banden in Großbritannien, stellt sie dagegen. «Auch dort gab es Whistleblower, die aber unter anderem von linken Behörden und Politikern ignoriert wurden, aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen.»

Bill Cosby, die frauenfeindliche Ideologie des Islam, die hohe Ausländerquote bei Femiziden in der Schweiz, gehören all die «auch zu den «neoliberalen Eliten», die glauben, für sie gelten andere Regeln», fragt Binswanger rhetorisch.

Das auszublenden sei «Zynismus», endet sie eher sanft, angesichts dieser ungeheuerlich-blöden Instrumentalisierung des Epstein-Skandals für klassenkämpferische Zwecke.

Denn welche Lösungen hat Wermuth anzubieten?

«Wer zukünftige Epsteins verhindern will, muss die Straflosigkeit beenden und Privilegien abbauen: durch Begrenzung von Millionengehältern, Einschränkung extremer Vermögen und verbindliche Menschen-, Frauen- und Umweltstandards auch für Konzerne und ihre CEOs.»

Hat der Mann noch alle Latten am Zaun? Genitalverstümmelung, die Frau als Mensch zweiter Klasse in islamischen Staaten, Wegschauen, wenn der Täter die falsche Hautfarbe oder Rasse hat, das wären wohl Themen, die man angehen sollte. Wenn schon. Aber «Einschränkung extremer Vermögen» und «verbindliche Umweltstandards» würde weitere Epsteins verhindern?

Ganz abgesehen von der Frage, wie das denn gehen sollte: wie kann ein Co-Präsident der SP nach solchen Äusserungen noch darauf hoffen, ernst genommen zu werden?

Ach, und wo war denn eigentlich der Kampffeminist und Frauenrechtler Wermuth, als er sich knallhart bei der parteiinternen Nominierung für den Ständerat gegen seine Kollegin Yvonne Feri durchsetzte? Obwohl er eine Profi-Agentur für seinen Wahlkampf engagierte, endete er dann als dritter Sieger bei den Wahlen …

Die Frage ist allerdings, wer in der SP diesem Verbal-Berserker Einhalt gebieten kann. Zum Schutz und Besseren für alle.

 

Hü und hott und holterdiepolter

Tamedia ist weiter ausser Rand und Band.

Leser ohne Alzheimer erinnern sich noch: Im August 2024 wurde mit grossem Trara angekündigt, dass Tamedia Digital und Print zusammenführt, zusammenlegt. Gemeinsamer Digital und Print Desk, natürlich «Synergien, Leserverhalten, Cross Channel» und das übliche Blabla.

Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi wollte den damit einhergehenden Stellenabbau als «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» verkaufen. Das war der bisher unerreichte Gipfel der Peinlichkeit. Und seine Vorgesetzte Jessica Peppel-Schulz samt plapperndem Avatar verkündete eine «neue Strategie».

Das war zwar eine alte Strategie des gescheiterten Mathias Müller von Blumencron. Aber was soll’s, neue oder alte Strategien sind immer willkommener Anlass für ausführliches Bullshit Bingo.

Aber he, neues Jahr, neues Spiel. Was ist besser als eine neue-alte Strategie? Genau, eine neu-neue Strategie. Allerdings sind die strategischen Möglichkeiten beschränkt (ebenso wie die Fähigkeiten). Was kann man also machen, nachdem man Digital und Print näher zusammengeführt hat?

Kopfkratz, nachdenk, Workshop, PPP, Task Force, wichtiges Geschnaufe, Papers, Executive Summary, Blüblü. Heraus kommt: «Strategische Trennung von Print und Digital». Das Publikum klopft sich auf die Schenkel vor Lachen. Zusammennähen, auftrennen, hü und hott, hin und her, so macht Strategie im Sandkasten richtig Spass.

Allerdings gibt es eine Konstante bei all diesen wunderbaren neuen Strategien: den Stellenabbau. Weitere «25 bis 30 Vollzeitstellen» müssen über die Klinge springen.

Warum? Nun, CEO Peppel-Schulz ist zu bahnbrechend neuen Erkenntnissen gelangt: «Die Mediennutzung und der Werbemarkt haben sich grundlegend verändert. Diese Realität gilt es zu akzeptieren und sich danach auszurichten

Dann vergiesst sie ein paar Krokodilstränen:

«Der damit verbundene Stellenabbau schmerzt, jede verlorene Kollegin schmerzt, jeder verlorene Kollege schmerzt. Besonders belastend ist es natürlich für die Betroffenen selbst, aber auch für die Teams und für das gesamte Tamedia Management ist das sehr schwierig

Meine Güte, hoffentlich stehen genügend Kleenex-Boxen bereit, ist für psychologische Betreuung des Managements gesorgt, das dieses Rausschmeissen eigentlich mehr schmerzt als die Betroffenen. Die gefälligst Mitleid mit den geschundenen Führungskräften haben sollten.

Natürlich wäre zuerst zusammennähen, dann wieder auftrennen selbst für diese Fachkräfte etwas peinlich. Also wird ein drittes Segment dazugeschnallt.

Also, zum einen: «Print und Digital werden organisatorisch voneinander getrennt und in zwei eigenständigen Geschäftsbereichen geführt: Premium Digital sowie Premium Print & E-Paper.» Zum anderen: «die entsprechenden Bereiche werden zur Einheit AI & Data unter der Leitung von Nadia Kohler zusammengefasst».

Das kommt sicher gut, denn «der Bereich ist direkt der CEO unterstellt». Ob ihr höchstpersönlich oder ihrem Avatar, das geht aus der Medienmitteilung nicht hervor. Vielleicht sollte mal jemand dem Avatar schonend beibringen, dass E-Paper irgendwie auch digital ist.

Man kann das Chaos auch noch anders organisieren: «Die neue Organisationsstruktur umfasst somit den Bereich Publizistik (Leitung Simon Bärtschi), die beiden Geschäftsbereiche Premium Digital (Leitung Marc Isler) und Premium Print & E-Paper (Leitung Jürg Mosimann) sowie Technology (Leitung Marcel Holdener). Die Organisation der Redaktionen bleibt unverändert und die Kernmarken sind vom Personalabbau nicht betroffen.»

Ähm. Wie diese ingesamt fünf Bereiche wohl ineinander verzahnt sind? Geht das noch mit einem Schnittmengendiagramm oder braucht es schon eine Quanten-Matrix?

Nehmen wir mal an, es ist eine Entscheidung für ein Problem nötig, das die Bereiche Digital, AI & Data unter dem Dach der Publizistik mit einem Abstecher zu Technology umfasst. Ist da die Entscheidungsfindung unterhalb einer Task Force überhaupt möglich?

Muss Peppel-Schulz auch begrüsst werden oder nur ihr Avatar? Und wer hält es aus, wenn Bärtschi sein Bullshit Bingo zur Aufführung bringt?

Die Geschassten sind zu bedauern. Die verbleibenden Mitarbeiter allerdings auch.