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Das weisse Rauschen

UKW, SRG: kein Sender unter dieser Frequenz.

Bis zu 1200 Franken kann es kosten, sein Auto auf DAB+ umrüsten zu lassen. Ein Bombengeschäft, da bis zu 40 Prozent aller Autos nur UKW empfangen können. Und wer weiterhin SRG-Sendungen hören möchte, braucht DAB+ oder hört in die Röhre.

Die Abschaltung der Sender auf UKW ist eine typisch Schweizer Leidensgeschichte. Bevor per 31. Dezember 2024 die SRG den Stecker zog, war zunächst geplant gewesen, UKW bis Anfang 2020 zu stoppen. Dann zeigte sich, dass die Umrüstung auf DAB und dann auf DAB+ keineswegs so schnell erfolgte wie ursprünglich vorgesehen. Also wurde der Termin laufend verschoben, nun soll es 2026 soweit sein.

Die SRG preschte nun mit dem Argument vor, dass damit satte 15 Millionen Franken pro Jahr eingespart werden könnten. Das hält nicht nur der lautstärkste Gegner der Abschaltung für einen PR-Stunt, bei Einnahmen von jährlich über 1,5 Milliarden Franken. Der NZZ sagt Roger Schawinski, dass er notfalls gegen das UKW-Verbot in der Schweiz klagen werde, nachdem er bereits eine Petition mit Zehntausenden von Unterschriften lanciert hatte.

Es ist tatsächlich so, dass auch im Um- und Ausland die Abschaltung der UKW-Frequenzen weit in die Zukunft verschoben wurde. In Frankreich soll das erst 2033 frühestens der Fall sein, in Bayern 2035. Erschwerend kommt noch hinzu, dass DAB+ ja nur ein Zwischenschritt zum Empfang via Internet ist.

Selbst die damalige Medienministerin Doris Leuthard, unter deren Ägide das Aus für UKW beschlossen wurde, sagte später, darauf angesprochen, dass dadurch Tausende von Radioempfängern nutzlos würden: ««Wir würden Volksvermögen vernichten, weil die Radios ja niemand mehr brauchen kann, und das will ja niemand.» Es sei doch in Ordnung, «wenn man das rausschiebt», bis Radio nur noch im Internet gehört werde.»

Die NZZ fügt hinzu: «Das Interview mit Leuthard führte Roger Schawinski

In all diesem Schlamassel ist es tatsächlich merkwürdig, dass die SRG als Erste und weit vor dem Endtermin UKW abschaltet. Darüber freuen können sich natürlich die Privatradios, die weiterhin auf Ultrakurzwelle senden und denen diese Entscheidung mehr Zuhörer beschert.

Dass eine auch nicht fundiert untermauerte Einsparung von vergleichsweise lächerlichen 15 Millionen (die UKW-Infrastruktur ist schon längs amortisiert) Grund genug für die SRG sein soll, UKW zu verlassen, ist mehr als zweifelhaft. Vielleicht handelt es sich lediglich um eine Trotzreaktion auf Schawinski. Dessen Weibeln für den Erhalt von UKW wurde auch vom Verband der Privatradios zuerst müde belächelt. Dann nahm man verblüfft zur Kenntnis, dass der alte Radiopionier immer noch die Massen bewegen kann und begann, sein Vorhaben ernsthaft zu bekämpfen.

Während selbst der Termin Schluss 2026 nicht in Stein gemeisselt ist, zeigt die SRG mal wieder, was eine verfehlte PR-Massnahme ist. Auf die allerdings bis heute keinen «Shitstorm, wie sie ihn noch nie erlebt hat» (Schawinski), erfolgte. Aber was nicht ist, kann noch werden.

Armutszeugnis

Polemik als Ersatz für Argumente greift um sich.

Helmut Herzfeld war ein mutiger Mann. Der Erfinder der politischen Fotomontage änderte seinen Namen in John Heartfield. Im Jahre 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, als «Gott strafe England» zum geflügelten Wort im deutschen Kaiserreich geworden war.

Damals gab es noch keine Shitstorms, wo anonyme Feiglinge öffentlich ihr Mütchen kühlen können. Dass Heartfield betagt 1968 in Ost-Berlin starb, ist ein kleines Wunder. Sein umfangreiches Werk belegt, wie sich ein Künstler mit all seiner Macht gegen den Weltkrieg, den Hitlerfaschismus und all die Kriegsgurgeln wehrte, die plötzlich ihr patriotisches Herz entdeckten und tolle Kurzgedichte machten wie «Jeder Schuss ein Russ, jeder Stoss ein Franzos. Jeder Tritt ein Britt, jeder Klaps ein Japs».

Als er 1932 in der Arbeiter Illustrierten Zeitung diese doppelseitige Fotomontage von Heartfield erschien («Krieg und Leichen – die letzte Hoffnung der Reichen»), wurde diese Ausgabe der AIZ beschlagnahmt. Nicht zuletzt deswegen, weil er aus dem höchsten preussischen Kriegsorden «pour le mérite» in seiner Montage «pour le profit» gemacht hatte. Aber all sein Wirken gegen die Dummheit der Massen, der Verführbaren, der Anhänger einfacher Denkschablonen war vergebens. So wie heute.

Schon damals gab es Kriegsgurgeln, schon damals benützten viele mangels Argumenten billige Polemik. Wie sich die Zeiten wiederholen.

Natürlich hat sich das Vokabular leicht verändert; patriotisches Gedöns ist nicht mehr so gefragt. Aber einiges ist doch fatal ähnlich geblieben. Die Verteufelung des Gegners, der von Grund auf schlecht ist, Slave halt, der Iwan, eigentlich ein asiatischer Untermensch, gefühllos, brutal, tierähnlich, wird von unfähigen Heeresführern sinnlos verheizt.

Dagegen der edle westliche Held, gut geschauspielert von einem Schauspieler, der korrupt sein kann, Millionär, der sich seine Präsidentschaft kaufen liess und dafür den Käufer von Multimillionenklagen amnestierte, das alles tut seinem propagierten Image keinen Abbruch.

Fatal gleichgeblieben ist auch, dass fehlende Gegenargumente mit immer den gleichen demagogischen Blödsprüchen ersetzt werden. Bezahlter Agent Moskaus, auf der Payroll des Kreml, gar Nordkoreas. Zumindest ein Putinversteher (wie der Versuch, jemanden verstehen wollen, zum Schimpfwort denaturieren konnte, unfassbar). Noch schlimmer ist höchstens, dass einer angeblich unwissentlich das Geschäft des russischen Autokraten verrichtet, westliche Werte verrät, auf die primitive Propaganda des unbezweifelbar Bösen hereingefallen ist.

Ausläufer dieser intellektuell tiefergelegten Schimpftiraden branden auch in die Kommentarspalten von ZACKBUM. Da meint so mancher, sein München kühlen zu wollen und mit Verbalinjurien um sich werfen zu müssen. All diese Kläffer merken lustigerweise nicht mal, wie lächerlich sie sich damit machen.

Ein paar erbärmliche Muster:

«Ist Abt immer noch im Sold von Radio Pjöngjang und Russkoe Radio? Er soll für die Weltwoche schreiben vielleicht wurde er dort von der Familie des dicken Diktators einer Gehirnwäsche unterzogen. Auftragsschreiber und Freiheitsverächter Felix Abt macht Zackbum Zeyer zu einem nützlichen Idioten und Stiefellecker des putinschen Systems.»

Wieso ist es so einfach, die Hirne von ansonsten zurechnungsfähigen Zeitgenossen dermassen zu vernebeln? Bei ihnen pavlovsche Reflexe auszulösen, kaum hören sie eine Position, die von ihrer Gesinnungsblase abweicht? Da stapelt einer – unwidersprochen – Beispiele für die braunen Flecke auf Selenskys olivgrüner Weste aufeinander und weist zurecht darauf hin, dass bis heute existierende Denkmäler und Heldenverehrung für den Kriegsverbrecher, Antisemiten und tiefbraunen Nazi Stepan Bandera einige Argumente für Putins Behauptung liefern, dass die Ukraine von Nazis gesäubert werden müsse.

Nun kann mit gutem Recht anderer Meinung sein, dieser Position lauthals und durchaus auch polemisch widersprechen. Aber so ein Argument oder zwei wäre dann schon nicht schlecht. Oder eine Widerlegung dessen, was den Kommentarschreiber in Wallungen bringt.

Eine abweichende Meinung als entweder gekauft oder irrig-blöd abzuqualifizieren, soll das irgend einen Erkenntnisgewinn in die Debatte bringen? Merken diese Dummschwätzer nicht, wenn sie mehr oder minder verklausuliert fordern, dass eine Stimme, deren Äusserungen ihnen nicht passen, zensiert, unterdrückt, nicht publiziert werden sollte, dass sie keinen Deut besser argumentieren oder denken als die Herrschenden in den Zensurstaaten Ukraine und Russland?

Selbstverständlich widerspricht die Annexion der Krim und der Überfall auf die Ukraine nur schon der mit Eiden beschworenen Unantastbarkeit der ukrainischen Grenzen. Und wer Staatsverträge bricht, wird zum internationalen Paria. Schlimmer noch: was als wenige Tage dauernde militärische Spezialoperation angekündigt wurde, ist seit mehr als 1000 Tagen ein veritabler Krieg mit dramatischen Verlusten auf beiden Seiten.

Dass Selensky keineswegs die Lichtgestalt ist, als die ihn die westliche Propaganda hinstellen will, das weiss jeder, der nicht mit Scheuklappen durch die Welt läuft. Er ähnelt in einigen Eigenschaften fatal seinem Widersacher. Dass der Westen, dass die USA die Ukrainer ins Feuer schicken, sie abschlachten lassen, damit Russland als Hegemon lächerlich gemacht wird und Putins Regime ein möglichst grosser Schaden zugefügt wird, triviale Erkenntnis.

Aber zu viele glauben das Märchen der Verteidigung des Wertewestens am Hindukusch, Pardon, bei Kursk, wo das der treudoofe deutsche Landser und auch Panzermänner schon mal versuchten.

Über all das kann man geteilter Meinung sein. Aber ein Meinungsaustausch ist keine Kneipenschlägerei. Das wird es auf ZACKBUM zukünftig nicht mehr geben. Und all die anonymen Schmierfinken sollen sich die Energie sparen, von angeblicher Zensur und Unterdrückung missliebiger Meinungen zu faseln.

Zudem wird es einen Zusammenhang zwischen dem erlaubten Grad der Polemik und der Selbstverständlichkeit geben, dass sich der Autor outet. Umso anonymer, desto pöbelnder? Das lassen wir zukünftig.

Mit Argumenten unterfütterte Polemik ist jederzeit willkommen. Aus Mangel an Argumenten hochgekochte Polemik muss zukünftig andere Gefässe suchen.

Alleine Regeln der Hygiene fordern das. Und falls immer noch einer meckern sollte: hier gilt Hausrecht. basta.

«Analyse», bis es wehtut

Einordnen, analysieren, kontextualisieren. Drei Wörter zum Davonlaufen.

Was früher «ich mein‘ ja bloss, habe aber auch keine Ahnung» hiess, heisst heute grosskotzig «Analyse». Tamedia benennt sogar Kommentarstücke aus der «Süddeutschen Zeitung» so um.

Aber manchmal ist das Medienhaus der Qualitätsblätter auch selbst zu solcher Tollerei fähig. Da gibt es zum Beispiel eine «Analyse zu Bella Hadid und Adidas», nachdem eine einschlägig voreingenommene SZ-Redaktorin dem Model bereits Antisemitismus unterstellen durfte.

Wieso muss dann Martin Fischer, seines Zeichens «Redaktor und Content Manager im Ressort Leben», nachjapsen? Dafür gibt es nur eine griffige Erklärung: Sommerloch.

Intellektuell auf Flughöhe Bordsteinkante hebt Fischer mit seiner «Analyse» an, es gebe nur eine mögliche Erklärung: «Adidas hat bei der Planung der jüngsten Kampagne schlicht nicht auf dem Schirm, dass die Verpflichtung von Model Bella Hadid problematisch ist.»

Wie denn das? Adidas habe «das US-amerikanische, dezidiert israelkritische Model gebucht». Um einen Turnschuh zu bewerben, der im Retrolook an die Olympischen Spiele von 1972 in München erinnern soll. Da hat sich Fischer dann richtig schlau gemacht: «Dort kam es, so viel Geschichtsbewusstsein muss sein, zu einem Anschlag einer propalästinensischen Terrorgruppe, 17 Menschen starben.»

Vielleicht ist es allerdings der Aufmerksamkeit von Fischer entgangen, dass Hadid 1996 in Washington geboren wurde. Also 24 Jahre und knapp 7000 km von diesen Ereignissen entfernt.

Es ist hingegen richtig, dass Hadid, mit palästinensischen Wurzeln, Kritik an der Militärinvasion Israels im Gazastreifen übt. Oder wie das Analytiker Fischer formuliert: «Denn dass Hadid sich für einen freien Staat Palästina ausspricht, ist unübersehbar.»

Sie nahm doch tatsächlich beispielsweise an einem Protestmarsch in New York teil und erzählt ungefragt aus ihrer Familiengeschichte: Ihre Familie «wurde 1948 aus ihren Häusern in Palästina vertrieben und  zu Flüchtlingen in Syrien, dann im Libanon, dann in Tunesien». Aber damit nicht genug: «Ich stehe an der Seite meiner palästinensischen Brüder und Schwestern. Ich werde euch beschützen und unterstützen, so gut ich kann

Wohl noch schlimmer:

«Ich liebe euch. Ich fühle mit euch. Und ich weine um euch. Ich wünschte, ich könnte euch euren Schmerz nehmen. Den Schmerz eines Vaters, der seine Frau und seine Kinder nicht mehr umarmen kann.»

Das tropft geradezu vor Antisemitismus. Versuchen wir, den Analytiker zu verstehen. In München fand 1972 ein palästinensischer Terroranschlag statt. Adidas hat in einer Retroreihe einen Turnschuh lanciert, der an diese Olympischen Spiele, sicher nicht an den Anschlag, erinnern soll. Dafür hat die Firma eines der bekanntesten und einflussreichsten Models der Welt engagiert. Das bislang nicht als Unterstützerin dieses Terroranschlags, als Befürworterin von fundamentalistischen Massakern oder durch das Äussern antisemitischer Sprüche aufgefallen ist.

Daraufhin erhob sich dennoch vor allem in israelischen Kreisen ein Riesengeschrei, das eine Verbindung zwischen dieser Werbung, dem Model und dem Münchner Massaker herstellen wollte. Wobei Hadid sofort die Keule «Antisemitin» übergebraten wurde. Wie eigentlich jedem, der zwar nicht antisemitisch ist, aber die aktuelle Regierungspolitik Israels kritisiert, sich kritisch über die Kriegsverbrechen im Gazastreifen äussert.

Aktuell haben die Beteiligten einen Überfall militanter israelischer Siedler überlebt, obwohl sich diese Bilder nicht für eine Werbekampagne eignen, als Vermummte auch die Begleiter von Palästinensern attackieren und verletzen, die eigentlich die Einheimischen dabei beschützen wollten, zu ihren Anpflanzungen zu gelangen. Ein paar hundert Palästinenser im Westjordanland hatten nicht so viel Glück und starben bei solchen Angriffen.

Dazu fällt dem Analytiker ein: «Dass ein Schuh, der an die Olympischen Spiele von 1972 erinnern soll, auch mit dem Terrorangriff verknüpft werden würde, hat Adidas übersehen.» Aber noch schlimmer: «Der französische Fussballer Jules Koundé ist ebenfalls Teil der Werbeaktion. Koundé hat sich auch schon pro-Palästina positioniert.»

Will uns der Analytiker damit sagen, dass sich jedes Model, jeder Sportler, der sich «pro-Palästina positioniert», als Werbeträger disqualifiziert? Nur für diesen Adidas-Schuh oder ganz allgemein? Und wie ist es dann mit Sportlern oder Models, die zwar das barbarische Massaker der Hamas kritisieren, aber das barbarische Wüten Israels im Gazastreifen und die ständigen Verbrechen illegaler israelischer Siedler in der Westbank befürworten?

Nun hat Hadid offenbar einen laufenden Vertrag mit Adidas und klagt folgerichtig auf Erfüllung, plus Rufschädigung. Die hat zwar nicht Adidas begangen, aber die Firma ist vor diesem Shitstorm eingeknickt und hat das Model gecancelt.

Was schliesst der Analytiker Fischer messerscharf daraus?

«Auf Instagram entschuldigt sich die Firma bei Bella Hadid und den weiteren prominenten Gesichtern, die bei der Kampagne eingespannt sind. Das zeigt: die Angelegenheit ist grösser geworden, als den Verantwortlichen lieb sein kann. Auf die reine Provokation, auf den kalkulierten Shitstorm kann es Adidas kaum angelegt haben.»

Was will uns das Analysegenie denn damit sagen? Unverständliches Gemurmel, wobei das Motiv zu sein scheint: Fischer will sich weder auf die Seite derjenigen schlagen, die hier «Antisemitin» krähen, noch will er Habib in Schutz nehmen, und erst recht nicht will er Adidas verteidigen.

Das ist mal eine windelweiche Schaumgummi-Analyse, zu der jeder verantwortungsbewusste Tagesleiter hätte sagen müssen: ein wunderbares Stück, eine Zierde jedes Papierkorbs. Denn das wollen wir dem Leser wirklich ersparen.

Die bösen Guten

Wer erinnert sich noch an den Sammelband «Oh Boy»? Sollte man aber.

Es sollte eine Debatte über Männlichkeit werden. Einschlägig schwurbelnde Autoren wie Kim der Horizontlose verliehen dem Buch Aufmerksamkeit. Das Feuilleton überschlug sich, endlich werden «Opfer sexualisierter Gewalt» thematisiert, ein Täter gar bekennt sich zur Tat und seiner Schuld. Typischer Diskussionsstoff für die queer-feministische Bubble, die sich wie Quallen überall ausbreitet (ui, gibt das schon Ärger mit den Quallen?).

Aber, so ist das halt bei haltlosen Menschen, plötzlich schlägt die Stimmung um. Gegen den sich outenden Täter wird plötzlich ein gewaltiger Shitstorm losgetreten. Sofort reagiert das sensible Feuilleton. Interviews werden abgesagt, Artikel in den Papierkorb geschmissen, Dichterlesungen finden nicht mehr statt. Vom Shitstorm zur Hetze ist es nie weit.

Schnell wird’s persönlich, wie Nadine A. Brügger in ihrer ausgezeichneten Spurensuche eines stalinistisch anmutenden Schauprozesses in der NZZ nachzeichnet. Es fehlen einzig die Todesurteile am Schluss, zumindest berufliche Existenzvernichtung wird betrieben.

«Im Zuge der Kampagne gegen «Oh Boy» wird die Privatadresse der Eltern von Mitherausgeber Donat Blum publiziert und nicht nur gegen das Buch, sondern auch wiederholt gegen Einzelpersonen Stimmung gemacht.»

Denn die nächste Eskalationsstufe in der Hetze gegen einen Einzelnen ist die Aufforderung, dass sich alle um ihn herum von ihm zu distanzieren haben. Schnell knickt der Buchverlag ein, auch diverse Autoren «distanzieren» sich plötzlich vom Buchinhalt, das Werk wird aus dem Buchhandel genommen.

Die meisten der Mitautoren (erinnert an den Fall «Rundschau») geben nun eine gemeinsame Erklärung ab, wie furchtbar sie plötzlich das Werk finden, an dem sie teilgenommen haben. Aber schlimmer noch:

«Wer das Statement nicht unterschrieben hat, wird am Internationalen Literaturfestival Berlin (ILB) an den Pranger gestellt: Vor grossem Publikum und mit Live-Übertragung im Internet verlesen Unterstützerinnen des Opfers eine schwarze Liste mit Autorennamen.»

Kritisiert und gehetzt wird natürlich – wie eigentlich immer – anonym. Geradezu lachhaft wird es, als nun auch noch das «Opfer» Einzelheiten des «sexuellen Übergriffs» bekanntgibt. Er bestand darin, dass der «Täter» auf der Tanzfläche eines Berliner Clubs bei einer Dame kurz Hand auflegte. Dann unterscheiden sich die Beschreibungen, sie behauptet, «ich habe versucht, seine Hand wegzuziehen, bin aber total auf Widerstand gestossen.»

Er stellt dagegen: «Ich habe ihr nonverbales Nein sofort akzeptiert und meine Hand zurückgezogen. Es gab weder Zwang noch Gewalt.»

Einmal anfassen beim Tanzen, echt jetzt? Der zweite Teil des Vorwurfs des «Opfers» wird schnell kommentarlos gelöscht; offensichtlich, weil es Unsinn ist: «Er hat erst von mir abgelassen, als er seine Befriedigung bekommen hat.»

Ein Mann versucht, beim Tanzen mangels verbalen Kommunikationsmöglichkeiten eine Frau anzubaggern, indem er sie anfasst. Sie reagiert abweisend, er zieht zurück. Was für ein unglaublicher Skandal, ein Paradebeispiel von Rape Culture, sexualisierter Gewalt, sollte verboten und bestraft werden.

Der «Täter» legt noch eine weitere Erklärung nach, er habe gedacht,  «weil dem Ereignis eine kurze intime Beziehung vorausgegangen war, wäre es irgendwie okay». Es war also eine Handlung zwischen zwei erwachsenen Menschen, die sich bereits intim kannten?

Schadensbilanz: Der «Täter» und Autor hat sich aus dem Buchgeschäft zurückgezogen. Der feige Verleger verweigerte das Gespräch mit der NZZ. Der mutige Herausgeber Donat Blum, der nicht einknickte, wird bis heute boykottiert. Brügger führt weiter aus:

«Die Kritiker im Internet hatten nie etwas zu befürchten: Juristisch gesehen sind anonyme Profile kein echtes Gegenüber. Wer weder einen Namen noch ein Gesicht hat, kann für Grenzüberschreitungen im Netz kaum belangt werden. Die zahlreichen Mitläufer verschwinden in der digitalen Masse. Donat Blum kämpft noch immer gegen aktiven Widerstand für das Weiterbestehen im Literaturbetrieb. «Josy»  (Pseudonym des «Opfers», Red.) hat sich gegen ein Gespräch für diesen Artikel entschieden. «Meine Stimme wurde gehört. Andere haben mich verteidigt», schreibt sie in ihrer Absage.»

Toleranz, gewaltfreier Umgang, Debattenkultur? Gerade die Vertreter solcher Behauptungen zeigen wieder und wieder: wenn es darauf ankommt, verwandeln sie sich in gnadenlose Inquisitoren, befeuert von der falschen Überzeugung, das Gute und Richtige mit Löffeln gefressen zu haben und einen heiligen Kampf gegen das Böse und Falsche führen zu müssen.

Ein widerwärtiger Anblick.

Gut gebrüllt, alter Löwe

Die NZZ gibt Roger Schawinski die Möglichkeit, die neuerlich angekündigte UKW-Abschaltung in der Luft zu zerreissen.

Wie ZACKBUM bereits feststellte: einen so aufgelegten Ball verwandelt Schawinski im Schlaf. Überhaupt nicht schläfrig wirkt er, wenn er auf knapp 8000 Anschlägen eine dramatische Fehlentscheidung des Gebührensenders SRG zerlegt, zerschneidet, seziert und sorgfältig ein Trümmelargument nach dem anderen ins Reich des Unsinns verweist.

Mit gemessener Ironie und nur Spurenelementen von Sarkasmus fasst er die ärmlichen Argumente der SRG mit spitzen Fingern an, beäugt sie – und wirft sie in hohem Bogen in den Abfalleimer.

  1. «UKW sei eine «alte» Technologie.» Richtig, aber nicht veraltet. DAB+ ist neuer, aber schlechter. Ein Fachgremium habe neulich befunden, dass DAB+ «keine wirtschaftliche Rettung» sei, da wenn schon alles ins Internet abwandere.
  2. «Bereits im Jahr 2001 hatte deshalb der Radiotechnik-Experte Markus Ruoss eine ernüchternde Analyse von DAB unter dem Titel «Wie prügelt man ein totes Pferd durchs Ziel?» vorgelegt. Für die zu wählende Strategie brauche es nicht nur laufend höhere Subventionen und teure Werbekampagnen.»
  3. «Als ich 2021 eine Petition gegen die unmittelbar bevorstehende UKW-Schliessung lancierte, unterschrieb auch Doris Leuthard» (die zuvor als Uvek-Chefin grünes Licht für die Abschaltung gegeben hatte).
  4. Nicht mickrige acht Prozent nutzen heutzutage UKW, sondern ein Drittel aller Haushalte, natürlich nicht auschliesslich. «Noch tiefer ist die DAB-Abstinenz bei deutschen oder niederländischen Touristen, die das Transitland Schweiz durchfahren. Verkehrs- oder Katastrophenmeldungen werden auch sie in Zukunft nicht mehr erreichen.»
  5. Dass damit massig gespart werden könne, sei «grober Unfug». Denn: «Alle UKW-Sender sind seit langem abgeschrieben, es fallen nur Betriebskosten an. Zudem könnte die SRG die meisten ihrer 2000 (!) UKW-Sender stilllegen
  6. Dass der Verband Schweizer Privatradios den Entscheid begrüsst, bedeute: «Toll, dass die SRG den grossen Abschalt-Shitstorm allein erleben wird. Und wir freuen uns auf zusätzliche Hörer, die von der SRG nicht mehr bedient werden

Vernichtendes Fazit: «Vor allem in einer Zeit, in der die SRG auf den Goodwill von möglichst vielen Schweizerinnen und Schweizern angewiesen ist, kann ich nicht verstehen, weshalb man aus teils falschen, teils fadenscheinigen Gründen solche Entscheide fällt. Wer sich so verhält, soll sich hinterher nicht über den Schaden beklagen.»

Bleibt nachzutragen, dass das bereits der zweite Versuch der SRG ist, die UKW-Übertragung auszuknipsen. Der erste scheiterte, als Schawinski dagegen innert kürzester Zeit 60’000 Unterschriften für eine Petition sammelte, für die er einzig in seinem nicht gerade übergrossen Radio 1 Werbung machen konnte.

Damals wurde gesichtswahrend eine «Übergangsphase» bis 2026 beschlossen. Wer nun für diesen neuerlichen Rückzieher vom Rückzieher verantwortlich ist, sollte wegen erwiesener Unfähigkeit entlassen werden. Ist aber beim Sesselfurzerverein SRG ausgeschlossen.

 

UKW ade?

Roger Schawinski prognostiziert Riesen-Shitstorm.

Es scheint so, als ob im Radiobereich allgemeiner Infantilismus ausgebrochen ist. In der Südostschweiz tobt der Lebrumentclan dagegen, dass der alte und ewig junge Radiopirat Schawinski ihnen die Sendekonzession weggeschnappt hat. Zu sicher fühlten sich die Quasi-Monopolisten, dass ihre Radiolizenz bestätigt wird, ein entsprechend schlappes Konzessionsgesuch reichten sie ein. In der sicheren Erwartung, dass der Steuerrubel weiterhin rollen werde.

Ätsch, sagte da Schawinski, wer hat’s besser gemacht? Zur Weissglut trieb er dann die zweite Lebrument-Generation damit (normalerweise setzt es erst die dritte in den Sand), dass er nicht nur die alten Senderäume von «Radio Grischa» anmietete. Sondern auch noch gleich den Namen kaperte. Genauer gesagt, er machte sich zunutze, dass ein Markenrecht erlischt, wenn es fünf Jahre lang nicht mehr benutzt wird. Damit soll verhindert werden, dass Mitbewerber einfach Namen auf Vorrat blockieren.

Nun wird getobt und geklagt, als hätte Schawinski den Lebruments Schäufelchen und Eimerchen weggenommen. Das wäre wirklich lustig, wenn diese Sabotageaktionen lediglich aussichtslos und ärgerlich wären. Aber sie kosten Geld, und diese Schädigung ist die einzige Absicht dahinter.

Aber was Lebruments recht ist, kann der SRG nicht unrecht sein. In einem ersten Anlauf‘ wollte der Gebührensender die Ausstrahlung seiner Radioprogramme auf UKW schon mal beenden. Auch dagegen protestierte Schawinski und sammelte in kurzer Zeit über 60’000 Unterschriften für eine Petition. Abschaltung per 2022 gebodigt.

Der Verband der Privatradios (und die Vertreter der zweiten Generation Wanner, wo ein ähnliches Problem wie bei Lebruments existiert) stellte sich damals schon hinter den Entscheid der SRG – und ging zusammen mit dem Gebührensender baden. Wie höhnte damals Florian Wanner, von Beruf Sohn, daher Leiter Radio von CH Media: «Ich musste schmunzeln und war nicht überrascht. Es ist eine schöne Geschichte für ihn. Er war der Erste unter den Privaten – und möchte offensichtlich auch der Letzte sein.»

Im Gegensatz zu Wanner Junior hat sich Schawinski aber nicht in ein gemachtes Bett gelegt – und hat mit 79 noch mehr Pfupf als alle Wanners der zweiten Generation gemeinsam.

Auch diesmal ist der Verband Schweizer Privatradios (Lernkurve flach, sehr flach) auf dem falschen Dampfer: «Für den VSP ist der Entscheid der SRG, auf Ende 2024 aus UKW komplett auszusteigen, ein mutiger, aber wichtiger Schritt auf dem Weg in die rein digitale Radioverbreitung.»

Dabei ist es doch banal trivial: DAB+ hat sich nie richtig durchgesetzt. wer den Umstieg darauf propagiert, verursacht nur unnötige Unkosten. UKW ist als Übertragungsmedium noch lange nicht vorbei; richtig lustig würde es, wenn ausländische Autofahrer in der Schweiz keinen Verkehrsfunk empfangen könnten. Abgesehen von den 30 Prozent der Radiohörer, die eben auch UKW verwenden.

Dass die SRG davon spricht, dass schliesslich lediglich 10 Prozent ausschliesslich UKW hören, grenzt schon an Rosstäuscherei.

Dass die SRG das zwar abstreitet, aber die Abschaltung als Ausdruck ihres unerbittlichen Sparwillens verstanden haben will, macht das Desaster komplett. Solche aufgelegten Schüsse ins Schwarze verwandelt Schawinski heute noch im Schlaf, das wird ihm einen weiteren Vitalisierungsschub verschaffen.

Unwohl

Neues aus Absurdistan der politischen Korrektheit.

Die spanische Klamottenfabrik Zara macht eine Werbekampagne mit künstlerischem Anspruch. Idee: wieso nicht ein Model in ein Künstleratelier stellen, in dem unfertige Skulpturen herumstehen.

Damit soll das Handwerkliche und das Künstlerische in der Massenproduktion des Kleidermultis betont werden. Also etwa so, wie die dicke italienische Mamma in ihrer altmodischen Küche im Sugo rührt, während die Pampe in Wirklichkeit in riesigen Bottichen mit Rührwerken hergestellt wird.

Der Transfer von Produkten in höhere Sphären als Kaufanreiz, uralte Masche, immer wieder gut. Ein Dauerbrenner, so wie das Verwenden von Prominenten, die eine bestimmte Uhr am Handgelenk tragen oder einen bestimmten Kaffee schlürfen. Als ob das dem Produkt eine besondere Wertigkeit gäbe. Aber solange es funktioniert …

Nun kann man über Idee und Ausführung des Niveautransfers von Zara durchaus geteilter Meinung sein. Aber in den heutigen Zeiten von Schneeflocken und multipel Verletzten, Betroffenen, sich unwohl Fühlenden kommt man so schnell wie unerwartet in Teufels Küche.

In den asozialen Medien meldeten sich alsbald Nutzer, die nicht einfach wegschauen konnten, sondern diese Werbekampagne als geschmacklos kritisierten. Protestierten, zu Boykott aufriefen. Sich nicht mehr einkriegten. Warum? Auf diese kranke Idee muss man erst mal kommen: die verhüllten Skulpturen erinnerten an Körper in Leichentüchern, wie man sie bei der Berichterstattung über den Krieg im Nahen Osten zu sehen kriege.

Statt ambulante oder stationäre psychologische Behandlung zu empfehlen, kroch Zara zu Kreuze; wies diese Assoziation weit von sich, unterstrich das Offenkundige, dass diese Kampagne lange vor dem Hamas-Massaker konzipiert und fotografiert worden sei – und zog sie zurück.

Das erinnert an den Aufschrei Hypersensibler, als die Zürcher VBZ darauf hinwies, dass es untersagt ist, in Tram und Bus die Passagiere mit dem Vortragen von Gesangskunst, begleitet von einem Instrument, zu belästigen. Als Piktogramm für Analphabeten hatten die Verkehrsbetriebe aber ein Symbolmännchen mit Sombrero gewählt. Dass es nur ein männliches Exemplar gab, erregte komischerweise nicht den Unmut der Überkorrekten, die offenbar den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben, als stellvertretend für andere nach Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus und Schlimmerem Ausschau zu halten.

Nein, sie bemängelten, dass der Sombrero eine bestimmte Völkergruppe herausgreife und stigmatisiere. Flugs ersetzten die VBZ das Männchen mit Sombrero durch eines ohne.

Falsch.

Richtig.

Aber kann das die Lösung sein? Das Männchen ist schwarz (!). Scheint männlich zu sein. Spielt Gitarre (und keine Laute, keine Flöte, keine Trompete, usw.). Steht, hat zwei Beine und zwei Arme, ist Rechtshänder. Da bleibt noch viel Erregungspotenzial ungenutzt.

Das Absurde an all diesen Herumturnereien ist, dass jede Differenzierung immer eine Stigmatisierung enthält, was völlig normal und keinesfalls diskriminierend oder ausgrenzend ist. Oder sollte es in Frauen-WCs auch Urinoirs haben, weil es die bei den Männern gibt? Überhaupt ist auch die Toilettenfrage ein gutes Beispiel für diesen Wahnsinn. Wie viele sollen es denn sein? Männlein, Weiblein, schon. Aber die Diversen? Die rund 164 verschiedenen Gender, bei jedem neuen genderspezifischen Klo bleiben Dutzende von Gendern aussen vor, sind diskriminiert und ausgegrenzt.

Nachdem der Sprachwahnsinn unvorstellbare Formen annahm und vor allem von Tamedia als weiteres Mittel, die Leser zu vergraulen, fleissig angewendet wurde, gibt es hier endlich massive Gegenwehr. Verschiedene Medien und Amtsstellen verbieten schlichtweg die Verhunzung der deutschen Wörter durch Sprachverbrechen wie den Gender-Stern, Binnengrossschreibung oder das Setzen von Ausrufezeichen an Stellen, wo sie nichts zu suchen haben.

All diesen Pseudobetroffenen, die behaupten, körperlich und geistig zu leiden, wenn sie am Wort Mohr oder an der Zeichnung eines Mohren vorbeilaufen, haben drei Eigenschaften gemein. Sie leiden stellvertretend für andere, usurpieren schlichtweg das Leiden. Sie werfen sich auf das Einfache, den Kampf gegen Begriffe. Weil sie zu faul sind, das Schwierige, den Kampf gegen dahinterstehende Verhaltensweisen wie Rassismus, anzugehen. Und sie sind schlichtweg bescheuert.

Wumms: Fabian Molina

Viel schwatzen, wenig denken. Üble Mischung.

Der SP-Nationalrat Fabian Molina hatte angekündigt, während der Sommerpause darüber nachzudenken, ob er als Bundesrat kandidieren wolle. Haben wir gelacht. Leider hat er es verabsäumt, uns über das Ergebnis der Selbsterforschung zu informieren.

Molina ist der Archetyp des Jungspunds, der kein Mikrophon und kein Fettnäpfchen auslässt. Zusammen mit seinem Parteichef Cédric Wermuth ist er dafür, innereuropäische Flüge zu verbieten, wenn man das Ziel auch mit der Eisenbahn unter zehn Stunden erreichen kann. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, mit seinem Chef zusammen nach Berlin zu fliegen, um dem damaligen Wahlsieger Olaf Scholz zu gratulieren.

Gilt es, angebliche demokratische Fortschritte im Mafiastaat Kosovo zu loben, dessen erster Präsident inzwischen als Angeklagter vor dem Internationaler Strafgerichtshof steht, ist er immer vorne dabei. Geht es darum, Zürich «stabil Nazifrei» (Originalrechtschreibung) zu halten, lässt er sich gerne in modischem Schwarz im Schwarzen Block fotografieren. Um sich anschliessend scheinheilig von Gewalt zu distanzieren.

Bei der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan forderte er flugs die Aufnahme von 10’000 Afghanen in der Schweiz. Auf die Frage, ob er vielleicht auch ein, zwei beherbergen würde, regierte er genervt, dass er bekanntlich kein Staat sei und deshalb kein Asyl gewähren könne. Sein Appell, weltweit sämtliche Kriegshandlungen einzustellen, um die Pandemie besser zu bekämpfen, verhallte genauso ungehört wie seine Aufforderung, die NATO aufzulösen. Die er nach dem Beginn des Ukrainekriegs auch nicht mehr wiederholte.

Seinen neusten Höhepunkt des Dummschwätzen erreicht er bei der Beurteilung der verbrecherischen Attacke der fundamentalistischen Hamas auf zivile Ziele in Israel. Da meinte er, einen schön staatstragenden Tweet abgesetzt zu haben:

«Die SP-Schweiz und mich schockiert das Leid, das die Gewalteskalation bei der Zivilbevölkerung in Israel und Palästina auslöst. Unsere Gedanken sind bei den Opfern.»

Für diesen Unsinn, insbesondere für das Wort «Gewalteskalation», erntete er einen Shitstorm. Aalglatt legte er nach: «Israel wurde Opfer eines terroristischen Angriffs.» Dabei habe die Hamas brutale, widerwärtige Kriegsverbrechen gegen Zivilpersonen begangen. «Nichts kann das entschuldigen

Die Hamas ist für ihn allerdings entschuldigt. So stimmte Molina noch letztes Jahr – mit der Parlamentsmehrheit – gegen ein Verbot der Terrororganisation in der Schweiz. Das müsse man nun «überdenken», rudert er auch hier zurück. Denn inzwischen ist sie für ihn «eine verbrecherische Organisation und ein korrupter Haufen». Nach dem schönen Politikerwort: was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an.

Allerdings ist Molina auch tapferes Mitglied der Parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz – Palästina. Ihr gehören übrigens auch die Genossen Barara Gysi und Carlo Sommaruga an. Der Hamas-Freund Geri Müller hingegen hat inzwischen seine Homepage abgeschaltet, sicher ist sicher.

Da wird es mit einem Parlamentarier-Reisli in den Nahen Osten, einer der Lieblingsbeschäftigungen von Molina, wohl nichts. Aber er kann sich trösten, schliesslich ist er auch Co-Präsident der Freundschaftsgruppe Schweiz – Taiwan, und in dieser Eigenschaft gönnte sich Molina kürzlich den Flug nach Taipeh; sind ja auch nur 9500 km, one way.

Neben all diesen Aktivitäten findet Molina  auch noch Zeit, Co-Präsident der Entwicklungshilfeorganisation Swissaid zu sein. Die feiert dieses Jahr ihr 75. Jubiläum, das findet allerdings ohne Beteiligung des Präsidenten statt. Auf die Frage, wie er sich denn da einbringe für sein Gehalt, mochte er nicht antworten.

Stapo Zürich zwitschert

Mit dem Vogel twittert sie sich ins Elend.

Polizei ist selten lustig. Ausser, sie twittert. Damit hat es die Stadtpolizei Zürich zu einiger Aufmerksamkeit gebracht. Oder um es mit den launigen Worten der «Limmattaler Zeitung» zu sagen:

«Anstatt am sicheren Hafen des Schweigens anzulegen, segelt das Social-Media-Team der Stapo offensiv in das Auge des Shitstorms. Eher selten sieht man eine derart ausdauernde Kommunikationsarbeit. Für keine Antwort ist sich die Stapo zu schade, selbst auf Nachrichten wie «F*** dich!» wartet Spaltenstein mit einem müden «Nein» auf.»

Christian Spaltenstein gehört zum «Social-Media-Team» der Stadtpolizei. Die benützt Twitter normalerweise, um gähnlangweilige Mitteilungen abzusetzen. Seit dem Frauenstreik, Pardon, dem feministischen Streiktag, ist das alles anders.

Anlass des wilden Gezwitschers ist ein Vorfall auf dem Paradeplatz Zürich. Der wurde von streikenden Frauen blockiert. Als die Stapo dem Tramverkehr wieder freie Fahrt verschaffen wollte, kam es zu einem Nahkampf, der auf einem Video festgehalten wurde.

Eine Frau wurde niedergerungen, sie soll zuvor einem Polizisten gegen das Knie getreten haben. Es kam zum Einsatz von Pfefferspray. Nach dem Gerangel gibt’s auf Twitter los, und Stadtpolizist Spaltenstein liess nichts anbrennen:

«Unterlassen Sie das Verwenden unseres Logos und unseres Namens! Ihr Profil ist irreführend und ist entsprechend an Twitter gemeldet worden. Wenn Sie sich als Polizei ausgeben, machen Sie sich zudem der Amtsanmassung strafbar.»

Unvermeidbar: die Politik schaltete sich ein. Der einschlägig bekannte AL-Gemeinderat David Garcia Nuñez behauptete, die Stapo schüchtere andere Twitterer ein. Auch hier fetzte die Stapo zurück, Nuñez wisse nicht, wovon er spreche.

Schweigen ist Gold, sagt sich derweil die oberste Chefin der Stapo, die Grüne Stadträtin Karin Rykart. Inzwischen hat sich auch der Shitstorm – wie alle seine Vorgänger – gelegt, und es herrscht wieder gelangweilte Ruhe mit den üblichen Warnhinweisen der Polizei. Die NZZ will allerdings mehr Action sehen:

«Das ist einigen Twitter-Usern offenbar zu viel der Harmonie. Und so provoziert einer mit der Frage, wann denn auf dem Account der Stadtpolizei wieder der «wilde Polizist» wüte. Bisher hat die Stadtpolizei diese Frage unbeantwortet gelassen.»

Immerhin, so kann man das Sommerloch amüsant füllen.

 

Lieber Leser

Machen wir Dich zum Betroffenen.

Natürlich, wer will’s bestreiten, bedient die Berichterstattung über Rammstein alle niederen Instinkte. Sänger, Macho, Provokateur, sieht irgendwie auf der Bühne so aus, als könnte man ihm alles zutrauen, inklusive Kinderschändung.

Hat doch offensichtlich mit germanischer Effizienz das Groupie-Wesen durchorganisiert. Statt – wie das alle Bands machen – per Zufall Groupies in die Garderobe und zu den After-Partys zu lotsen, werden sie vorselektioniert, inklusive Hinweise zur Kleiderordnung. Dafür war offenbar eine Casting-Managerin zuständig. Bislang hat noch niemand behauptet, er – vielmehr sie – sei gegen ihren Willen in die «Row Zero» gezwungen oder anschliessend mit Gewalt an Partys geschleppt worden.

Aber tut nichts, wer solche Texte singt, sich so schminkt, so den Tabubruch, die Provokation zelebriert wie Till Lindemann, der muss ein Schweineigel sein. Dass sich Groupies hier auf seine Kosten ihre 15 Minuten Ruhm abholen wollen, unterstützt von von «#metoo»-besoffenen Medien – ausgeschlossen.

Persönliche Betroffenheit kann heilsam wirken. Nehmen wir an, der Leser (sorry, nur Männer diesmal) war in einem Club. Das Übliche. Es wurde spät, es gab Alkohol, auch das eine oder andere Strässchen wurde geschnupft, um den Durchhaltewillen zu steigern. Nebenwirkung: am nächsten Morgen musste sich der Partygänger eingestehen, dass es da schon ein paar Filmrisse gab.

Aber macht ja nix. Denkt der Leser, bis er darauf aufmerksam gemacht wird, dass in den Asozialen Medien ein Shitstorm gegen ihn tobt. Eine Clubgängerin behauptet offenbar, er sei zu- und aufdringlich geworden, habe sie auf die Toilette verfolgt, ihr hier- und dorthin gegriffen. Als Beleg filmt sie ein paar blaue Flecken auf ihrem Körper ab.

Sie wolle weiter nichts behaupten, nur: auf der Toilette habe sie einen Filmriss gehabt, sei mit dem Slip an den Knöcheln auf der Kloschüssel wieder aufgewacht. Aber ein Drogentext und ein Abstrich habe kein Resultat gezeigt. Nichtsdestotrotz wolle sie alle Girls vor dem Leser warnen, der sei ein Sexmonster.

Aus dieser einzelnen Meldung, wie’s halt so Brauch ist, entsteht eine Welle. Andere Betroffene melden sich, berichten von ähnlichen Erlebnissen. Der Leser ist fassungslos, er sei in Clubs gewesen, die er noch nie besuchte, zu Zeiten, an denen er brav im Bett lag. Er habe Frauen angemacht, die er noch nie im Leben gesehen hat.

Auf der anderen Seite sagt sich der Leser: also ehrlich, ich hatte in dieser Nacht auch einen Filmriss, das stimmt schon. Aber alles andere stimmt nicht.

Frage: was macht der Leser? Ja, bitte? Abgesehen davon, dass seine Lebensgefährtin mit Abbruch der Beziehung droht, sein Arbeitgeber mit Beendigung der Anstellung? Sein Freundes- und Bekanntenkreis sich schlagartig ausdünnt, viele, die er zwecks Alibi anrufen will, nicht mal das Telefon abnehmen. Abgesehen davon, dass eine Eltern und seine Geschwister ihn mit dem Blick anschauen: also das hätten wir niemals von dir gedacht.

Was macht er? Klagen? Wogegen genau? Niemand bezichtigt ihn einer Straftat, alle berufen sich darauf, dass ihre Schilderungen dem persönlichen, subjektiven Erleben entsprächen. Wenn er nun richtig Pech hat (oder ein wenig prominent ist), bekommen die Medien von diesem neuerlichen #metoo-Skandal Wind. Und giessen kübelweise Unrat über ihn, zitieren weitere Opfer, die natürlich nur im Schutz der Anonymität aussagen. Und vergessen nie, «es gilt die Unschuldsvermutung» in den Text zu streuen.

Was macht der Leser? Da ist guter Rat teuer. Auswandern, den Namen ändern, ein neues Leben anfangen. Wenn er kann …