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Gewaltverherrlichung? Kein Problem

Feine Sahne Fischfilet. «Knüppel in die Fresse!»: kein Problem. Anonyme Anschuldigungen: grosses Problem.

Die ostdeutsche Punkband mit dem schrägen Namen «Feine Sahne Fischfilet» ist seit vielen Jahren bei einer echt solidarisch-linken Konzertveranstaltung nicht wegzudenken. Ständig auf Tour, Vorgruppe der «Toten Hosen», im Juli zum Beispiel am OpenAir St. Gallen zu hören. Schlapper Ticketpreis fürs Open-air: 195 bis 475 Franken. Aber in der Schweiz hat man’s ja.

Vor einem Jahr konnte man ein anbiederndes Interview mit dem Sänger der Band im «Tages-Anzeiger» lesen.  Das war natürlich aus der «Süddeutschen Zeitung» übernommen, was es allerdings nicht besser machte. Es ging um die Gewichtsprobleme von «Monchi», wie der Fettklos liebevoll genannt wird. Duftmarke:

«Unter meine Titten habe ich mir so kleine Jägermeisterflaschen geklemmt und so getan, als käme der aus meinen Brustwarzen. Die Leute haben das gefeiert, und ich fand das lustig

Über seine Gesangeskünste macht sich Monchi keine Illusionen: «Wenn die anderen auf der Bühne den Ton perfekt treffen wollen, grunze ich rum

Statt über seine Gewichtsprobleme hätte man allerdings besser über seine Probleme mit Gewalt gesprochen. Denn er grunzt unter anderem solche Texte:

Die Bullenhelme, die sollen fliegen
Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein!

Denn mit der Staatsgewalt hat es Monchi nicht so:

Helme warten auf Kommando
Knüppel schlagen Köpfe ein
Wasser peitscht sie durch die Straßen
Niemand muss Bulle sein!

Dafür hat er aber auch gleich ein paar Ratschläge zur Hand:

Die nächste Bullenwache ist nur einen Steinwurf entfernt
Komm und schlagt zurück!

Das fanden die deutschen Bullen, Pardon, Polizisten, nicht so lustig, der Verfassungsschutz ebenfalls nicht. Aber so etwas gilt natürlich unter linken Feuilletonisten als künstlerische Metaphorik, die man dann nicht so eng sehen sollte.

Kein Grund, die Krawallband mit grunzendem Sänger nicht bei jedem Happening auftreten zu lassen. Aber nun das:

«Feine Sahne Fischfilet streitet sexualisierte Gewalt ab».

In einem Interview mit dem «Spiegel» nimmt die Band um Grunzsänger Jan Gorkow Stellung: «Es gibt und gab keine Fälle sexualisierter Gewalt, die von uns ausgingen.» Darüber hinaus: «Schon länger arbeiten die Musiker mit einer Expertin für Diskriminierung und Awareness zusammen, bei der sich mutmaßlich Betroffene melden könnten

Quelle der Anschuldigungen ist ein anonymer Blog, der sich auf anonyme Denunziationen bezieht: «Fünf Betroffene sexualisierter Gewalt haben uns dazu veranlasst, Jan Gorkow als Täter zu outen. Sechs weitere Personen haben sich seither bei uns gemeldet – Das sind elf Menschen!», behauptet der anonyme Hetzer in diesem Blog. Seit diesem Eintrag im August 2022 herrscht dort Funkstille.

Wer dahintersteckt, ist nicht eruierbar; als Urheber gibt sich niemand zu erkennen:

«Wir sind eine Gruppe von Supporter*innen und arbeiten eng mit Betroffenen von Jan Gorkow zusammen. Wir wissen daher von seinen sexuellen Übergriffen und es haben sich seit der Veröffentlichung bereits noch weitere Betroffene bei uns gemeldet

In normalen Zeiten wäre das einfach eine unappetitliche Randnotiz der Möglichkeiten im Internet, anonym gegen jeden und jede einen Shitstorm loszutreten und feige üble Anschuldigungen zu erheben, ohne sich juristischen Konsequenzen stellen zu müssen.

Das Vorgehen ist inzwischen bekannt. Meistens sind es anonyme Denunzianten, manchmal outen sie sich mit Namen, identifizieren aber den angeblichen «Täter» nicht. Zudem liegen die behaupteten Taten eine unbekannte Zeitspanne, meistens Jahre, zurück. Sind also verjährt, und vor einer Klage wegen Ehrverletzung und Rufschädigung schützt, dass die Ankläger keine Namen nennen.

Aber im Fall «Feine Sahne Fischfilet» bekommt die Sache noch einen speziellen Dreh. Gewaltverherrlichende Texte waren für keinen Veranstalter ein Grund, deren Auftritt abzusagen oder zumindest zu problematisieren. Seit aber diese anonyme Anschuldigung herumgeistert, die schon längst gerichtlich als üble Verleumdung qualifiziert wurde, passiert es der Band immer mal wieder, dass bereits vereinbarte Auftritte abgesagt werden.

Also identifizierbare Aufrufe zur Gewalt – kein Problem. Anonyme Denunziation wegen angeblicher, nicht einmal genauer beschriebener «sexualisierter Gewalt» – Riesenproblem.

Selten kann man die Absurdität der aktuellen Woke-Debatte besser auf den Punkt bringen.