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20 Minuten Quatsch

Papierlos, warum nicht. Aber auch hirnlos?

Gut, «Watson» spielt in einer noch tieferen Liga. Aber auch «20 Minuten» bemüht sich klickgetrieben, jeden beliebigen Unfug ins Netz zu stellen. Gerne auch vom sogenannten «Leserreporter»:

Wobei, der heisst moderndeutsch nun «News-Scout». Beides Euphemismen für normale Mitmenschen, die mit einer Handykamera und Zugang zum Internet ausgerüstet und in der Lage sind, ein Video aufzunehmen. Das wird dann von der «Praktikantin» Michelle Brazerol online gestellt. In Befolgung ihres Lebensmottos: «Es ist ihr sehr wichtig, die journalistischen Werte von 20 Minuten zu vertreten, wie sie in den publizistischen Leitlinien festgehalten sind: verlässliche und ideologiefreie Berichterstattung in verständlicher Sprache.»

Die Vorlieben des Publikums des Gratisblatts, Pardon, der Gratis-Plattform, sprechen auch für sich:

Das erinnert irgendwie an den Spruch: Fresst Scheisse. Millionen von Fliegen können nicht irren.

Gerne wird auch hier dem Fachmann, sogar der Fachfrau, Raum für Selbstdarstellung eingeräumt:

Hier darf «Stadtpsychologin» Alice Hollensteinist Gründerin von Urban Psychology. Mit Ihrer Tätigkeit möchte sie Menschen einen würdigen Lebensraum ermöglichen, der eine achtsame Interaktion zwischen ihnen und der Umwelt fördert») Werbung für sich selbst und in eigener Sache machen. Gelegenheit dazu bietet ihr Daniel Graf, seines Zeichens «Leiter des Ressorts News, Wirtschaft & Videoreportagen und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung». Dafür braucht wohl auch er die extrabreite Visitenkarte.

Allerdings, um gratis Dienstleistung anzubieten (wobei die Frage offen ist, ob das tatsächlich etwas wert ist), braucht es natürlich Inserate. Besonders schmuck ist dieses hier:

Manchmal müsste man auch den Werbekunden beraten und vor sich selbst schützen.

Dann weitere Breaking News von «News-Scouts»:

Es ist allerdings vorläufig ungeklärt, ob Frosch oder Schlange etwas mit dem Stromausfall zu tun haben. Aber «20 Minuten» bleibt sicher dran.

Wenn es etwas gibt, was garantiert Klicks generiert, dann dieses Thema:

Allerdings: wie genau sie das geschafft haben soll, verrät der Artikel nicht. Dafür, dass hier gegenseitige Beschuldigungen aufeinander prallen. Das senkt die Erregungskurve des Lesers ungemein.

Dafür sind viele der Artikel mit einem hohen Nutzwertfaktor versehen:

Erschütternde Verbrechen weltweit geben die eine oder andere Schlagzeile her:

Auch hier darf der Leser mitspielen:

Dann gleich zwei Dramen unterschiedlicher Schwere nebeneinander:

Ein Beitrag zu «Jugendliche werden auch immer blöder»:

Das gilt allerdings auch für Erwachsene:

Als Absackerchen noch die News von gestern, brandheiss serviert:

Das alles ist natürlich nicht (nur) die Schuld der Redaktion. Sie versucht ja nur, die Wünsche ihres Publikums zu befriedigen. Während der kleine Bruder Tamedia sich darum bemüht, seine Leser ständig zu erziehen, zu bevormunden und zu schurigeln, verzichtet «20 Minuten» vollständig auf Meinung und Kommentare. Das ist gut.

Der Inhalt hingegen, au weia. Wenn man bedenkt, dass «20 Minuten» mit «blick.ch» darum wetteifert, welches die meistangeklickte News-Plattform der Schweiz ist …