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Bä- Bä- lästigung

Männer sind Schweine. Aber das wussten wir doch schon.

Bereits 2021 wusste Kampffeminist David Sarasin: «In Zürich werden neun von zehn jungen Frauen belästigt». Er zitierte dazu aus einer Gaga-Studie. Wahrscheinlich aus der gleichen Firma, die auch schon behauptete, dass jede zweite Frau bereits unverlangt ein Dick Pic zugeschickt bekommen habe.

Üble Schmiere jeder Art ist Sarasins Spezialität.

So konnte das auf jeden Fall nicht weitergehen. Also wurde für teures Steuerzahlergeld das Tool «Zürich schaut hin» (nicht zu verwechseln mit glotzen, bitte) entwickelt.

Ein «Traum für Trolle», meinte die NZZ völlig richtig. Die anonyme Denunziationsplattform ist für Analphabeten geeignet. Mittels Piktogrammen kann man den zutreffenden Übergriff melden:

Dann kommt die nächste Qual der Wahl:

Und weiter:

Also zum Beispiel: ich, anonym, wurde angestarrt. Durch eine Einzelperson, höchstwahrscheinlich non-binär, wobei mir der/die/das Täter*in unbekannt war. Die Belästigung zielte meiner Meinung nach auf «Anderes», bzw. «weiss nicht» ab.

Dadaismus, wie er leibt und lebt. Hätte Raoul Hausmann ungemein gefallen.

Seit 2021 wurden hier doch tatsächlich 2593 «Übergriffe» gemeldet.

Nun vermeldet Nina Fargahi auf Tamedia: «Die Stadt Zürich führt ihr anonymes Meldetool gegen Sexismus trotz Kritik weiter fort.»

Im Einzelnen wurden solche Schweinereien denunziert: «Bei 29 Prozent der Meldungen handelt es sich um Belästigung mit Worten, bei 15 Prozent geht es ums Anstarren

Männer (das gilt auch für Frauen, Non-Binäre and everybody beyond), hört endlich mal auf zu glotzen. Oder blöde Sprüche zu machen wie «glaubst Du an Liebe auf den ersten Blick oder muss ich nochmal vorbeikommen?». Seit Existenz des Tools werden doch tatsächlich täglich 1,5 solcher Vorfälle gemeldet.

Dagegen muss natürlich die Stadt Zürich energisch einschreiten. Aber, oh Schreck:

«Eine repräsentative Befragung der Universität Bern zeigte letztes Jahr, wie verbreitet Belästigungen und übergriffiges Verhalten in der Stadtverwaltung sind: Von rund 10’000 teilnehmenden Mitarbeiterinnen berichteten etwa 1500 von diskriminierenden Erfahrungen, besonders im Zusammenhang mit Menstruationsbeschwerden. Viele Frauen gaben an, sexistische Sprüche gehört zu haben; auch Vorgesetzte hätten abfällige Kommentare gemacht. 41 Prozent der Befragten empfanden das Arbeitsklima als «nicht offen»».

Aber auch der öffentliche Raum  ist sexistisch geschwängert. Pardon, aufgeladen. So verliest Stadtpräsidentin Corine Mauch einige schreckliche Beispiele, die hier gemeldet wurden. Wir greifen nur eines heraus, mehr verträgt der sensible ZACKBUM-Leser nicht: «Ein Mann macht Kussgeräusche gegenüber einer Frau auf der Strasse

Hoffentlich erreichte die Frau noch rechtzeitig einen Safe Room, sicherlich übernimmt die Krankenkasse die Kosten der nötigen psychologischen Betreuung.

Unbestritten, dass es sexuelle Belästigung in jeder Form gibt.

Aber auf die Gefahr hin, wieder mal als sexistischer Denunziationsspassverderber dargestellt zu werden: ein Mann, der auf der Strasse einer ihm unbekannten Frau Kussgeräusche macht, hat nicht mehr alle Latten am Zaun und ist zu bedauern. Eine Frau, die das anonym und folgenlos auf dieser Gaga-Plattform meldet, hat einen Sprung in der Schüssel und ist zu bedauern.

 

Bilderblatt Tages-Anzeiger

Viele bunte Bilder, wenig grauer Text.

Der Tagi macht sich Sorgen. SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer nimmt eine Auszeit. Das erwecke «viel Verständnis». Verständlich. Aber:

So sah die Front des Tagi vom 2. Dezember aus. Dem Leser, der ja kein Bildbetrachter ist, fehlt das Verständnis dafür, wieso rund ein Drittel der ersten Seite für ein Porträtfoto der durchaus bekannten Politikerin verbraucht wird. Informationsgehalt, oberhalb von «das ist Meyer»: null.

Nun meint aber offenbar der Tagi, was bei der Alterstruktur seiner Leser nicht ganz abwegig ist, dass deren Kurzzeitgedächtnis nicht mehr das beste ist. Also kommt hier Seite 4:

Hier nimmt das Foto (immerhin nicht das gleiche wie auf der Front) knapp die Hälfte des bedruckten Raumes ein. Eine zusätzliche Information im Vergleich zur Fotografie auf Seite eins ist nicht erkennbar; sozusagen eine Doppelnull.

Aber immerhin, eine gewisse Konsequenz ist dem Tagi nicht abzusprechen. Das Prinzip «viel informationsleeres Bild, umrahmt von trüben Texten», wird im ganzen Blatt auf allen schütteren 30 Seiten dieser Ausgabe durchgezogen:

Im Symbolbild: Waffen. Wahnsinn.

Oder der hier:

Symbolbild: Schülerin mit Kopftuch von hinten. Wahnsinn.

Umfasst der Artikel nicht die ganze Seite, wird das Symbolbild sogar etwas geschrumpft; seine Aussage liegt weiterhin bei null:

Im Bild: Schnellboot, schnell unterwegs. Wahnsinn.

Das mit Abstand blödeste Symbolbild kommt aber erst noch:

Attraktive Frau betrachtet mit lasziv geöffnetem Mund einen Ich-Erzähler. Immerhin ein Bild mit Aussage: leichter Sexismus-Verdacht kommt auf.

Gibt es och eine Steigerung von Gaga-Symbolbild? Aber sicher, Gaga-Symbolbild plus Gaga-Text. Et voilà, wir blättern einen Tag weiter zu diesem Kommentar:

Zuerst der Bild-Gag: die NZZaS als Altpapier, der Brüller.

Der «ehemalige Molkereifachmann» Marco Maurer hat einen unseligen Hang zu abstrusen Texten. Der hier löst ernste Besorgnis aus:

«Ich bin an deutschen Mülltonnen ein freier Mensch. In Zürich dagegen herrscht ein Entsorgungsregime.»

Hä? Nun, es wird noch bedenklicher, er melkt seine Story zu Tode: «Dennoch bin ich im Grunde auch ein Abfalltourist. Mir ist die Schweiz einfach zu akkurat. Ich scheitere an der Integration. Drei Fragen beschäftigen mich daher. Erstens: Warum gibt es in Zürich keine Papiertonnen? Zweitens: Warum darf ich in Deutschland Papier und Karton zusammen entsorgen? Drittens: Wo ist, beim Altpapier und Altkarton, der berühmte Schweizer Liberalismus geblieben

Karton, Papier, wo ist der Unterschied? Hauptsache Müll, meint Maurer. Der erbitterten Widerstand gegen den Zwang zum Verschnüren von Altpapier leistet: «Ich wehre mich dagegen. Mit einer Tüte voller Altpapier. Das ist höchstpeinlich, ja. Mein kleiner Akt der Rebellion – gegen Schnurzwang und geordnete Haufen – macht mich aber glücklich

Es ist natürlich schön, dass ihn das glücklich macht. Das soll auch der Sinn dieses Gaga-Gefässes sein: «In dieser Kolumne denken unsere Autorinnen und Autoren jede Woche über das gute Leben nach.» Im Ernst jetzt?

Für Maurer besteht also gutes Leben darin, mit einer Mülltüte voll Altpapier und Karton nach München zu reisen und es dort zu entsorgen.

Auch auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen:

Knick in der Fichte, Wand draussen, einen an der Waffel, komplett Banane, Sprung in der Schüssel, im Oberstübchen zieht’s, alle Schrauben locker, ins Hirn geniesst oder was.

Und für diese lediglich therapeutisch interessanten Ergüsse noch Geld verlangen?

Birrers Leidartikel

Wenn die Chefredaktorin von Tamedia in die Tasten greift, muss Mann in Deckung gehen.

Prostitution ist bekanntlich das älteste Gewerbe der Welt. Es existiert auch im Geschäftsleben und im Journalismus. Es wird von Frauen und Männern ausgeübt, und wohl auch von allen weiteren Genders, die es heutzutage geben soll.

Schon aus Mesopotamien (ca. 3000 v.u.Z) gibt es Überlieferungen, auch aus dem alten Ägypten (ca. 2000 v.u.Z.), und in Griechenland (ca. 800 v.u.Z.) gab es Hetären, die hochangesehen ihrem Gewerbe nachgingen, wobei viele Männer auch der Knabenliebe frönten.

Es ist ein Aufregerthema, und obwohl die Debatte über ein Verbot nicht ganz taufrisch ist, generiert man (und auch frau) damit fleissig Klicks und Kommentare. Das nennt man dann, eine Leserdebatte angestossen zu haben.

Raphaela Birrer hat eine dezidierte Ansicht: «Frauen für Sex zu kaufen, gehört verboten». Nur ist sie nicht ganz sattelfest, wenn man diesen Ausdruck verwenden darf: «Prostitution zementiert ein frauenverachtendes System. Nur eine Bestrafung der Freier führt zu einem Umdenken in der Gesellschaft

Aufgepasst, ihr Männer und everybody beyond, wie das die «Republik» nennt: wir leben in einem frauenverachtenden System, in dem Prostitution der Zement ist.

Zunächst einmal werden keine Frauen «gekauft», sondern es werden sexuelle Dienstleistungen bezahlt. Von der gehobenen Form der Escort-Services bis zu den Niederungen der Strassenprostitution, wo häufig Zwangsprostituierte zum Anschaffen gezwungen werden. Wer sich hier bedient, ist ein verachtenswertes Subjekt. Dass Frauen, meist aus Osteuropa oder aus Drittweltländern, übel ausgebeutet werden, ist strafbar und verboten.

Bei der Durchsetzung solcher Sanktionen ist noch viel Luft nach oben.

Birrer legt sich zunächst mit den «Linken» an, die lieber von «Sexarbeiterinnen» sprechen und diese Tätigkeit als Ausdruck von Selbstbestimmung sehen. Dabei zeigt sie ein lustiges Frauenbild:

«Mit dem Begriff wird eine in vielen Fällen traumatisierende Tätigkeit normalisiert. Fragen Sie die vermeintlichen «Arbeiterinnen» doch einmal, ob es sich wie kochen, putzen oder pflegen anfühlt, wenn sie ihren Körper verkaufen.»

Frauen kochen, putzen oder pflegen? Offenbar sind sie für Birrer sonst nur für einfachere Tätigkeiten zu gebrauchen. Das riecht streng nach Sexismus.

Auch mit ihren historischen Kenntnissen steht sie auf wackeligem Boden: «Die ersten Prostituierten waren nicht etwa Geschäftsfrauen, sondern Sklavinnen», behauptet sie belegfrei.

Dann wiederholt sie ihre These: «Nur ein Verbot, Sex zu kaufen, schützt die Frauen effektiv.» Dabei ist es offenkundig,  ähnlich wie bei Drogen, dass solche Verbote in erster Linie bewirken, das dieser Handel weiter in die unkontrollierte Illegalität getrieben wird, wo Schwerkriminelle Reibach machen, weil mehr Risiko immer höhere Preise bewirkt.

Dann widerspricht sie sich gleich selbst: «Schon heute spielt sich der Sexmarkt meist im Verborgenen ab.» Und ein Verbot sollte das Treiben dann ans Tageslicht befördern und ihm Einhalt gebieten?

Schliesslich schwingt sie sich zu einem Satz auf, an dem sie sicherlich lange gearbeitet hat: «Die Unfreiheit der Gezwungenen muss höher gewichtet werden als die Freiheit der Freiwilligen.» Kann man locker variieren: Die Gezwungenheit der Unfreien muss man höher gewichten als die Freiwilligkeit der Freien. Oder: Die Ungezwungenheit der Freiwilligen muss man niedriger gewichten als die Unfreiheit der Unfreiwilligen. Macht dann genauso wenig Sinn, hört sich aber alles irgendwie nach tiefer Denke an.

In ihrem Bedürfnis, einen schönen Aufreger als Leidartikel, Pardon, Leitartikel, zu produzieren, ist ihr leider ein fundamentaler Fehler unterlaufen, der ihrem ganzen Argumentationsversuch einen schalen Beigeschmack gibt. Sie schreibt von Misogynie, sie beklagt das Schicksal der Frauen, sie fordert, dass der «Kauf» von Frauen verboten gehört.

Aber wie steht es denn mit den Männern? Mit Strichern, Callboys, Gigolos, Escorts? Von all den vielen weiteren Genders ganz zu schweigen. Soll das dann nicht verboten werden? Gibt es hier keine Zwangsprostitution, keine kriminellen Zuhälter? Wird hier niemand gezwungen, wird hier kein Profit aus Elend oder Drogenabhängigkeit geschlagen?

Wenn ZACKBUM Birrer richtig versteht, und das ist gar nicht so einfach, gehört Männer «für Sex zu kaufen», nicht verboten. Weil Männer Schweine sind? Oder weil ihr das – nun wird es frauenfeindlich – gar nicht in den Sinn kam, als sie ihren Kommentar absonderte? Auf jeden Fall ist das dann Misandrie, aber das ist dann schon ein Fremdwort. Vielleicht auch für Birrer.

Wie auch immer: ist das peinlich.

 

Andere Länder, andere Sitten? 

Grüsse aus dem Patriarchat

Von Thomas Baumann*

Enver Robelli, Journalist mit Migrationshintergrund aus Kosovo, war beim Tages-Anzeiger die letzten fünfzehn Jahre für die Berichterstattung aus Südosteuropa — konkret: dem Balkan — zuständig. Daneben schreibt er auch regelmässig für die kosovarische Tageszeitung Koha Ditore.
So schaffte, dank ihm, die in der hiesigen Medienlandschaft bis zum Überdruss durchgekaute Geschichte um die schiesswütige Sanija Ameti es auch in die kosovarische Presse.
Martialisch der Titel in der deutschsprachigen Übersetzung seines Beitrags: «Hinrichtung von Sanija Ameti». Oder im albanischsprachigen Original: «Ekzekutimi i Sanija Ametit».
Wortreich beklagt er darin eine «rassistische und sexistische Kampagne» und versteigt sich zur Behauptung: «So schnell wurde auf der politischen Bühne der Schweiz niemand demontiert. […] Noch nie hat jemand so plötzlich seinen Job verloren.» Offenbar hat der Journalist noch nie etwas von fristlosen Entlassungen gehört. Dabei wurde Ameti noch nicht einmal fristlos entlassen.
Unbeirrt doziert er weiter: «Obwohl Ameti keine albanische Abstammung hat, wurde sie von einigen serbischen und schweizerischen Manipulatoren ‹albanisch gemacht›, um noch mehr gehasst zu werden. Der Schaum des Hasses strömt stärker, wenn der ‹Feind› als Albaner dargestellt werden kann.»
Den Widerspruch vermag allerdings auch er nicht aufzulösen: Wenn Ameti doch Bosnierin und nicht Albanerin ist — warum berichtet dann ausgerechnet eine kosovarische Zeitung über den Fall?
Gänzlich die Beherrschung verliert er, als er sich über seine Berufskolleginnen auslässt: «Auch Eifersucht scheint bei der Abneigung gegen Sanija Ameti eine Rolle gespielt zu haben — selbst bei einigen frustrierten Frauen in den Medien, denn im Gegensatz zu ihnen ist Sanija Ameti mit einem attraktiven Aussehen gesegnet.»
«Sexismus» beklagen und dann eine solche Aussage? In kosovarischen Medien offenbar kein Problem. Und dass ein renommierter und scheinbar bestens integrierter schweizerischer Journalist mit Migrationshintergrund derart unbeschwert den Macho gibt, kaum fühlt er sich in südosteuropäischen Gefilden gänzlich unbeobachtet, lässt ebenfalls tief blicken.
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*Der Beitrag erschien zuerst in der «Walliser Zeitung». Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Entspannt euch

Das Qualitätsorgan Tagi hat ein Riesenproblem entdeckt: Männerblicke.

Tina Fassbind hat den Blick fürs Wesentliche. Während ihr Kollege Beat Metzler sich nach getaner Arbeit entspannt, nimmt sie die Fackel auf und führt den Kampf weiter. Der Glotzologe verfeinert derweil seinen Spann-o-Meter, mit dem gemessen werden kann, ab wann männliches Schauen in Glotzen übergeht und schliesslich im Spannen denaturiert.

«Sie liegt so zentral wie kein anderes Sommerbad in Zürich – und genau das wurde vor einigen Tagen zum Problem: In der Frauenbadi beim Zürcher Stadhausquai klagte eine Besucherin über Spanner.»

Wohlgemerkt: eine (in Zahlen 1). Die Dame hat einen Adlerblick: «Sie beobachtete zwei Männer dabei, wie sie aus etwa 30 Meter Entfernung auf den Steg starrten, auf dem sich viele Frauen oben ohne sonnten.» Wohlgemerkt glotzte sie nicht etwa, sondern beobachtete. Und konnte – womöglich mit Feldstecher – über diese Distanz die männlichen Blicke als starren enttarnen.

Nun hat Fassbind hier die Grenzen des Rechtsstaats ausgelotet: «Ein Vergehen liegt allerdings nicht vor. «Schauen ist auf öffentlichem Grund nicht verboten», sagt Marc Surber, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei.» Hier ist für den Gesetzgeber dringlicher Handlungsbedarf vorhanden, oder will er etwa einfach zuschauen, wie auf öffentlichem Grund hemmungslos geschaut wird?

Auch im Flussbad oberer Letten ist die Lage zwar nicht kritisch, aber angespannt, wie der von Fassbind befragte Betriebsleiter kundtut: «Laut Dubs gab es in der aktuellen Saison zwar keine Klagen über Spanner. In der Vergangenheit kam es aber vor, dass von einer Anhöhe auf der gegenüberliegenden Flussseite Personen auf das Sonnendeck der Frauen geblickt haben.» Da muss dieser Dubs aber harthörig sein, wenn er keine Klagen vernommen haben will. Ist er wirklich seiner Aufgabe gewachsen?

Die Recherchierjournalistin in ihrem Lauf hält nichts auf, nicht einmal die Vergangenheit: «Drei Vorfälle seien es in den elf Jahren gewesen, als er noch Betriebsleiter am Oberen Letten war, sagt Adrian Kehl.»

Alle Schaltjahre ein Vorfall, ein von Fassbind aufgedeckter, viel zu lange unterdrückter Skandal, ohne Frage. Wo bleiben die Gegenmassnahmen? Muss sich erst in drei Jahren wieder eine Frau durch Männerblicke belästigt fühlen, damit endlich etwas passiert? Zeigt sich hier nicht typisch männliche Gleichgültigkeit, der tägliche Sexismus, dem Frauen überall im öffentlichen Raum ausgesetzt sind, vor allem in der Frauenbadi?

Auch hier hat Fassbind unerbittlich nachgehakt: «Ob es bald auch in der Frauenbadi am Stadthausquai einen Vorhang geben wird, der die Gäste vor Einblicken schützt, wird gegenwärtig geprüft. Dabei müssten nicht nur funktionale, sondern auch denkmalpflegerische Aspekte berücksichtigt werden, teilt Hermann Schumacher, stellvertretender Direktor der Zürcher Sportanlagen, auf Anfrage mit.»

Typisch Mann, kann denn Denkmalschutz wichtiger sein als der Schutz der Frau? Werden Mohrenköpfe geschützt, Frauenkörper aber nicht? Das kann sich mann eben nicht vorstellen, wie es ist, wenn ein Männerblick auf einem Frauenkörper ruht, ihn betastet, die Besitzerin des Körpers auf ein Sexualobjekt reduziert. Das kann Traumata auslösen, die erst durch fachmännische, Pardon, fachfrauliche Betreuung, Therapie und Gruppensitzungen mit Händchenhalten wieder geheilt werden können.

Und diese Kosten muss ja auch wieder die Allgemeinheit via Krankenkasse tragen. Dagegen ist doch die Installation eines Vorhangs ein Klacks. Oder wollen wir zusehen (räusper), wie sich Frauen nicht mehr anders zu helfen wissen als einen Ganzkörperpräservativ, auch bekannt als Burka, zu tragen? In der Frauenbadi?

Aber damit nicht genug; wie Glotzologe Metzler schon richtig bemerkte, fühlen sich auch Männer unwohl, wenn sie von Männern angeglotzt werden. Dieses Thema allerdings vernachlässigt Fassbind in ihrem Nachzug. Oder spart es sich für ein Andermal auf. Allerdings blicken beide Koryphäen weg, wenn es um einen weiteren Aspekt geht: wenn Frauen Männer anglotzen. Oder gar Frauen Frauen. Da gibt es noch so viel aufzudecken und mit dem gnadenlosen Blick des Recherchierjournalisten zu sezieren. Ein Fall für Brönnimann.

Und ein weiterer Hinweis zwecks Tiefenrecherche: wie ist es eigentlich, wenn ein Nonbinärer, ein Genderfluider glotzt? Also wenn Nemo eine Frau, nun ja, anschaut. Kann er dann ein Spanner sein? Oder wenn er es bei einem Mann tut? Bei einer Tunte? Fragen über Fragen. Wir wollen Antworten.

Tagi, bleib dran, dieses Thema darf nicht aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwinden. Gerade wir männlichen Leser wünschen uns unbedingt mehr davon, denn wir wissen doch: Männer sind Schweine.

Was bleibt von der SoZ?

Gebastelt am Samstag, publiziert am Sonntag. Und am Dienstag?

Die Aufmacherstory «Ein Coach für alle Fälle» schweisselt deutlich nach heissem Sommerloch. Wieso die Woke-Fraktion eine Bebilderung durchgelassen hat, wo mal wieder eine Frau ein paar Knöpfe zu viel offen hat? Sexismus findet offenbar nur ausserhalb von Tamedia statt. Neuerdings.

Dann kommt das Blatt aber deutlich hinten hoch. Ein Oxford-Professor erklärt, wieso das Narrativ, in Grossbritannien wüteten Rechtsextreme und Rassisten, falsch ist. Ein Interview, das auch noch am Dienstag Sinn macht.

Eher zeitlos, geistlos und überflüssig ist dann die Seite über Coachs. Auch hier beweist die Bildredaktion mal wieder ihre Überflüssigkeit, fast eine halbe Seite für ein Stockphoto von Getty?

Nachdem schon auf dem Cover ein Weiblein prangte, hätte hier die «ich fühle mich unwohl»-Fraktion doch unbedingt ein Männlein durchsetzen müssen, statt neuerlich eine aufgeknöpfte Bluse zuzulassen.

Dann sägen Adrian Schmid und Arthur Rutishauser zweihändig am Stuhl des Amtsdirektors Stéphane Rossini, der das AHV-Zähldebakel zu verantworten hat. Fies, aber gut.

Dann, das nervt wirklich, wird die durchaus gute Story über vermeintliche Handwerker, die systematisch Menschen abzocken, mit einem Riesensymbolbild verunstaltet:

«Symbolfoto Shutterstock». Was soll das? Damit macht sich die Bildredaktion überflüssig, oder sagten wir das schon.

Allerdings müssen wir es nochmal sagen:

Ladendetektive haben es nunmal so an sich, dass sie gerne unerkannt bleiben möchten, gehört zu ihrem Beruf. Wieso dann ein Kunstfoto gebastelt werden muss, das wieder ungeheuer Platz mit einer Nullaussage verbraucht? Die SoZ sollte dringend über ihr Bildkonzept nachdenken; da gibt es ungemein Sparpotenzial.

Dann hofft man, dass der Sommer endlich zu Ende gehe. Denn was dem Magazin der NZZaS seine Glace ist, ist der SoZ das «Fokus»-Interview – mit einem Bademeister. Man hätte stattdessen auch Auszüge aus Hugo Loetschers wunderleichtem Roman «Saison» abdrucken können, das hätte wenigstens Niveau gehabt. Aber wer weiss denn noch, wer Loetscher war.

Auch hier, ceterum censeo, beweist die Bebilderung, dass dringlicher Handlungsbedarf besteht. Muss man auch bei der obligaten Bildstrecke zur Love Parade sagen:

Wer für diese Schrottbild-Auswahl verantwortlich ist, sollte sich eins schämen und das Leben als Taxifahrer fortsetzen. Bitte.

Dann geht es mit dem Sommerloch weiter. Mitte August vielleicht ein wenig spät, aber Nutzwert, Nutzwert, Nutzwert, murmelte die Redaktion, als vielleicht einer die freche Frage stellte, ob das Thema nicht schon etwas vorbei sei und ob die SoZ meine, ihre Leser rissen die Seite raus und nähmen sie mit ins Wasser:

Apropos Nutzwert, das ist dann wieder ein Artikel voll auf die Zwölf, mit einer Halbwertszeit über den Dienstag hinaus:

Nichts falsch gemacht, ausser:

Seufz.

Dann die Sozialneidstory, gut eingeschenkt. Man fragt sich immer mehr, welche verantwortungslose Pfeifen auf die Idee kamen, so einen zum Chef der Credit Suisse zu machen. Da begann der Untergang …

Was für ein Charakter.

Was für eine Bildredaktion:

Und nun noch der Hammer als Absackerchen:

ZACKBUM fasst zusammen. Nicht vieles überlebt den Sonntag. Aber doch einiges. Allerdings könnte die SoZ doppelt so gehaltvoll und halb so ärgerlich sein, wenn sie die Marotte mit übergrossen Symbolbildern aus Fotoarchiven sein liesse.

 

Sonntag, Leidenstag

Am 7. Tag ruhte der Herr. Das merkt man.

Eigentlich ist das Cover der SonntagsZeitung durchaus vielversprechend. Eine attraktive «Wein-Weise», ein launiger Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz als Einstimmung auf das Spiel, und Gelegenheit für den den Migros-Chef, aufmunternde Worte zu der Krise in seinem Haus zu sagen.

Allerdings ist dann leider nicht alles Gold, was glänzt. Zum Thema Migros muss Chef Arthur Rutishauser in seinem Editorial die grossen Linien ziehen und erklären, wieso der orange Riese wankt. Schlichtweg wegen hausgemachten Problemen grössenwahnsinniger Manager, die Milliarden in den Sand setzten.

Das Interview von Edith Hollenstein und Christopher Gilb verläuft dann aber leider nach dem Motto: was wollten Sie schon immer mal unwidersprochen sagen, und das erst noch glattgestreichelt von der Corporate Communication, denn Christian Dorer versteht natürlich sein Handwerk.

Daraus entstehen dann wunderprächtige Antworten auf vermeintlich kritische Fragen: «Ich habe keine schlaflosen Nächte, denn ich zweifle nicht am eingeschlagenen Weg. Es belastet mich jedoch, dass unsere Entscheidungen das Schicksal vieler Menschen beeinflussen. Insbesondere weil diejenigen, die nun die Migros verlassen müssen, nicht schuld sind an der aktuell schwierigen Situation.» Und er als neuer Boss natürlich auch nicht …

Woran erkennt man ein grottenschlechtes Interview, nebenbei? An solchen Fragen: «Was heisst das? … Und was leiten Sie daraus ab? … Will die Migros zu einem Discounter werden? … Warum?» Ein Vorschlag zur Güte: wieso lässt die SoZ so ein Interview nicht von einer KI machen? Die würde das genauso, wenn nicht besser hinkriegen, und alle Beteiligten hätten viel Zeit gespart.

Immerhin ist Rutishauser mal wieder für einen (kleinen) Knaller gut. Nachdem «Inside Paradeplatz» darüber berichtet hatte, dass die kantonale Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh ihren Chefbeamten nicht nur hochkant entsorgt hatte, sondern auch noch eine Strafanzeige nachschob, rätselte man: warum denn das? Rutishauser weiss mehr: er «soll Löhne unterschlagen haben». Also Einnahmen aus seiner Vorgesetzten bekannten Nebenjobs. Sieht eigentlich verdächtig nach Nachtreten und Rache aus.

Dann erreicht der «Fokus» einen neuen Tiefpunkt. «Wir müssen platonisch splitternackt sein». Wer will bei einem solchen Titelzitat dann noch das Gähn-Interview mit einer Psychologin über das Allerweltsthema Freundschaften lesen? ZACKBUM nicht. Die Bebilderung hilft übrigens auch nicht.

Und eine Seite mit Markus Somm und Jacqueline Badran ist auch nur was für ganz starke Nerven.

Das gross auf der Front angepriesen «Duell» erweist sich dann als müde halbe Seite. Die mal wieder beweist: Humor will gekonnt sein. «Bratwurst vs. Currywurst … Heidi vs. Winnetou … Deutsche Bahn vs. SBB … Aromat vs. Liegestuhl» usw. Ist das vielleicht komisch. Gleich sechs Geistesriesen der SoZ haben sich hier bemüht. Dafür kann es nur eine Antwort geben: rote Karte!

Dass sich Klaus-Michael Kühne öffentlich ins Hemd heulen darf «Ich habe mich von Herrn Benko einlullen lassen», nun ja, auch Milliardäre spüren den Schmerz, wenn ihnen ein paar Dutzend Millionen abhanden kommen.

Problemlos zum Millionär wird man hingegen, wenn man die Anlagetipps des Geldonkels Martin Spieler beherzigt: «Bei Investieren in Private die Risiken nicht ausblenden». Hätte doch Kühne nur auf ihn gehört.

Anschliessend begibt sich die SoZ aber auf ganz dünnes Eis:

ZACKBUM enthüllt die Antwort: einen «eiskalten Chablis». Das beweist aber mal wieder, dass Frauen halt doch nicht so viel von Wein verstehen. Denn erstens kommt das darauf an, zweitens sollte man einen Grand Cru bei 12 bis 14 Grad zum Mund führen.

Aber das Hauptproblem hier ist doch, dass der Titel samt Foto schwer nach Sexismus riecht, schmeckt, kantig im Abgang ist und im Oberton nach Altherrenschweiss müffelt.

Völlig gaga ist diesmal die Autoseite. Immerhin wird kein Zwölfzylinder für 250’000 angepriesen. Denn es geht noch absurder:

Kommt halt davon, wenn man den Artikel sparsam aus der «Automobil-Revue» übernimmt, wo die Schmonzette über ein Unikat neben anderen Autostorys mit Nutzwert sicher Sinn macht.

Wenig Sinn macht dann die abschliessende Werbestory über «Korfus kleine Schwester». Objektiv, kritisch, unabhängig. Obwohl: «Diese Reise wurde unterstützt von Edelweiss und Visit Greece». Besonders launig ist hier der Ess-Tipp: «In der Taverne … wird nicht bestellt, sondern gegessen, was auf den Tisch kommt. Eine frühzeitige Reservierung ist erforderlich.» Also absolut ein Must für alle Hungrigen. Auswahl null, dafür früh reservieren. Und nicht nur der Flug, auch der Aufenthalt ist gesponsert. Unglaublich.

 

Gibt Tamedia die Kultur auf?

Es ist Wüste. Und es gibt kein Leben dort.

ZACKBUM hat vor Kurzem die Kulturlosigkeit der unzähligen Tamedia-Kopfblätter kritisiert. Das hat gewirkt. Inzwischen verzichten die immerhin sieben Kulturschaffenden völlig auf eigene Beiträge. Man muss vermuten, dass sie in einen Streik getreten sind:

Das schämt sich auf der Homepage von Tamedia nicht, unter der Rubrik «Kultur» zu erscheinen. Im «Magazin» wurde ein Autor zu einem Kinoerlebnis befragt. Journalisten interviewen Journalisten, das ist immer das Begräbnis der Berichterstattung.

Weil nun wirklich nichts, einfach nichts produziert wurde, kommt sogar eine Kolumne aus dem «Magazin» zum Handkuss und wird unter «Kultur» aufgereiht. Die Kolumnisten werden sich sicherlich fragen, wie sie denn zu dieser zweifelhaften Ehre kommen. Nun, sie dürfen sich von jetzt an Kulturschaffende nennen, was sicherlich zu Lachsalven im Publikum führen wird.

Dann wird am «News-Ticker Kultur» weitergetickert. Hier überrascht uns die Kulturredaktion mit der Nachricht, dass der US-Schauspieler Danny (who the fuck) Masterson zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden sei. Denn er habe vor 20 Jahren zwei Frauen vergewaltigt. Aber die Berichterstattung ist nicht einmal eine Eigenleistung, sondern einfach von der SDA übernommen.

Und wenn sie sich schon mal bei der SDA eingetickert hatten, übernahmen sie auch gleich noch den epochalen Bericht über die neusten Entwicklungen im «Missbrauchsskandal». Wo, wie, was, haben wir etwas verpasst, wer wird denn in der Schweiz oder in Deutschland ans Kreuz genagelt? Aber nein, es geht um «Geständnisse in Japans Entertainment-Branche». Auch auf die Gefahr hin, als Sexist beschimpft zu werden: sowohl dieser Skandal wie auch seine Geständnisse im fernen Japan gehen uns so was von an einem bestimmten Körperteil vorbei, das lässt sich gar nicht in Worte fassen.

Aber zum grossen Leidwesen der Tamedia-Kulturredaktion bestehen diese Rubriken jeweils aus vier Ankündigungen. Da wurde aber Grosses geleistet. Denn die «Streaming-Tipps» für den Monat August wurden tatsächlich durch die Tipps für den Monat September ersetzt. Nach dieser herkulischen Anstrengung herrscht da aber wenigstens bis Oktober Ruhe.

Aber, manchmal gibt es Gedankenübertragung, beim Schreiben dieses Artikels tat sich plötzlich was in der Tamedia-Kulturwüste:

 

Wer bemerkt den Unterschied? Richtig, der «Kulturticker» ist weg. Dafür gibt es einen neuen Beitrag. Na also, geht doch. Geht nicht, denn das würde nun aber der Zentralredaktion zu viel abfordern. Also greift sie auf den Autor der «Süddeutschen Zeitung» zurück. Immerhin hat Willi Winkler das richtige Alter, um den neusten Streich der Altherrencombo «Rolling Stones» zu würdigen. Hat man zwar überall schon gelesen und gehört, aber halt noch nicht hier. Die haben ein neues Studio-Album aufgenommen. Wow. Nach 18 Jahren. Sagenhaft. Was soll man denn  dazu sagen? Da greift Winkler zum Kunstmittel, die Ankündigung in einem einzigen Bandwurmsatz abzuhandeln. Genial, originell, ungefähr so Neuland wie das erste Stück aus dem neuen Album.

Sehr beunruhigend dabei: dass die alten Säcke zur alten Nummer «wir sind ganz böse Jungs» ein leicht geschürztes Busenwunder sich auf einem roten Mercedes-Cabrio räkeln lassen, das muss sich noch unbedingt einen scharfen Verweis der Gender-Fraktion einfangen. Wo bleiben Tobler und Loser (hops, den Namen wollten wir ja nie mehr nennen), wo bleibt Hiltmann, ja wo bleibt Birrer, wenn man sie mal braucht?

Des Rätsels Lösung dürfte sein: alle sind so beschäftigt, dass sie keine Hand mehr frei haben, um sich über diesen neusten Sexismus-Skandal zu erregen:

 

Verweiblichung – Verweichlichung

Achtung, hier riecht’s streng nach Sexismus.

Man braucht keine grossen hellseherischen Fähigkeiten, um den Namen der nächsten Oberchefredaktorin der «Blick»-Gruppe zu prognostizieren. In Führungsetagen halten immer mehr Frauen Einzug. Leider nicht nur wegen des einzig entscheidenden Kriteriums Kompetenz.

Es wurde schon zu Genüge und völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass der Verwaltungsrat der elend gescheiterten Credit Suisse mehrheitlich aus Frauen bestand. Auch im Journalismus greift es immer mehr um sich, dass Frauen über ihre Kompetenzschwelle hinaus befördert werden.

Dass es manchmal jemanden wie Priska Amstutz aus der Kurve trägt, ist die bestätigende Ausnahme von der Regel. Was beispielsweise eine Kerstin Hasse in der Chefredaktion von Tamedia zu suchen hat, ist unerfindlich. Die gleiche Frage stellt sich auch bei Steffi Buchli im «Blick». Sobald etwas Politik in den Sport kommt, macht sie sich lächerlich, wie beim Skandal um den Tennisstar Djokovic.

Auch bei «20 Minuten» hat der Chefredaktor (männlich) seinen Posten geräumt, um in einem seltenen Stühlerücken seiner Stellvertreterin (weiblich) Platz zu machen, während er nun ihr Stellvertreter ist. Auch in den Verlagschefetagen kommen Frauen an die Macht. Bei der NZZ gibt es eine neue VR-Präsidentin, die fachfremd als ersten Fehlentscheid den NZZaS-Chefredaktor feuerte.

Selbstverständlich gibt es auch männliche Versager, und die nicht zu knapp. Selbstverständlich gab und gibt es Männerbünde, die zusammenhalten und Ihresgleichen protegieren. Selbstverständlich gibt es gläserne Decken, die Frauen oftmals nicht durchbrechen können, obwohl sie die nötigen Qualifikationen hätten.

Aber sie sind bei journalistischen Fehlleistungen überproportional vertreten. Sie haben mit Sexismus, Diskriminierung und struktureller Misogynie Wortwaffen geschmiedet, mit denen notfalls Männer gekeult werden. Man erinnert sich an das Protestschreiben von 78 erregten Tamedia-Frauen. Man erinnert sich an die über 60 anonymisierten angeblichen Beispiele für die unerträgliche Arbeitsatmosphäre. Man erinnert sich nicht, dass auch nur ein einziges verifiziert worden wäre.

Diese Aktion hat zudem unfähigen Journalistinnen wie Salome Müller einen Auftritt in den Medien und eine steile Karriere verschafft. An Bösartigkeit kaum zu überbieten ist der Rachefeldzug von Anuschka Roshani, die erfolgreich versuchte, ihren Chef aus dem Sessel zu mobben – aber dann zu ihrem grossen Schmerz nicht sein Nachfolger wurde.

Es sind bislang keine Fälle von Männern bekannt, die ebenfalls die Sexismuskeule schwingen, um sich Vorteile in der Karriere zu verschaffen. Im Gegenteil, seitdem Tamedia das Prinzip Quotenfrau bis ins Absurde gesteigert hat und verkündete, dass man einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent auf allen Hierarchiestufen wolle, fand ein Exodus von begabten Männern statt, die wussten, dass sie ihre Karriereziele vergessen können.

Selbstbewusste und moderne Frauen verwahren sich dagegen, qua Geschlecht befördert zu werden. Sie sehen das völlig zu Recht als eine negative Diskriminierung, als eine Geringschätzung ihrer fachlichen Kompetenzen.

Die Debatte über Vor- und Nachteile von Quotenregelungen hat inzwischen, wenn man das so sagen darf, so einen Bart. Alle Argumente sind gewechselt und werden nur noch repetitiv abgenudelt. Dabei ist völlig klar: Karriere über das Genital ist Unfug. Gleichförmige gleichmachende Gleichberechtigung ist Unrecht.

Schlimmer noch: sie ist kontraproduktiv. Wenn immer mehr Frauen oberhalb ihrer Fähigkeiten in Positionen kommen, in denen sie dann früher oder später krachend versagen, ist das keinesfalls ein Beitrag zur Emanzipation. Genauso wenig wie die lächerlichen Sprachverhunzungen durch Gender-Sternchen und ähnlichen Unfug. Dumme Scheindebatten, während Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Hilfe bei der Kinderbetreuung in den Hintergrund geraten, weil sie pickelharte Gewerkschaftsarbeit und nicht wohlfeiles Herumkeifen bedeuten würden.

Ist für ein Unternehmen wirklich etwas gewonnen, wenn sich der männliche Vorgesetzte nicht mehr traut, der weiblichen Untergebenen in aller Offenheit zu sagen, dass sie Schrott abgeliefert hat? Bringt’s der Firma etwas, wenn die weibliche Vorgesetzte den männlichen Untergebenen runterputzt, der sie vor einer Fehlentscheidung bewahren wollte? Weil sie weiss, dass sich niemand trauen wird, ihr das vorzuwerfen? Ist es gut für einen Konzern, wenn eine weibliche Vorgesetzte einen männlichen Untergebenen feuert, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken?

Im Journalismus ist die Anhäufung von Fehlleistungen von weiblichen Führungsfiguren besonders sichtbar, weil sie natürlich öffentlich exponiert sind. Bislang ist vor allem die NZZ noch fest in Männerhand, und mit der bedauerlichen Ausnahme der VR-Präsidentin scheint man dort auch nicht die Absicht zu haben, das krampfhaft zu ändern. Auch CH Media sieht diese Frage eher entspannt; dem Konzern geht’s ziemlich gut. Anders sieht das bei Tamedia aus, obwohl man der Gerechtigkeit halber sagen muss, dass Pietro Supino ein Mann ist.

Kompetente Frauen in Führungspositionen? Aber sicher, jederzeit, unbedingt, wäre dumm, fähige Personen nicht für das Wohl einer Firma einzusetzen. Frauen per Quote, durch den Besitz einer Vagina in Führungspositionen? Aus Gründen der Gerechtigkeit, im Kampf gegen Diskriminierung, Sexismus und eine männerbeherrschte Gesellschaft, im Kampf gegen das Patriarchat? Ganz falsch, fatal.

Jede Quotenfrau ist ein Schlag ins Gesicht für jede Frau, die durch überlegene Fähigkeiten Karriere macht. Jede Quotenfrau, die notwendigerweise versagt, ist ein Rückschlag für die Frauenbewegung. Schlimmer noch als ein sexistisch aufgeheiztes Arbeitsklima ist ein feministisch unerträglicher Geschlechterkampf am Arbeitsplatz.

Besonders abstrus wird es, wenn Feminismus mit Antirassismus geklont wird. Wie von dem inzwischen einschlägig bekannten «Café Révolution». Schlimmer als bei der Verleumdung gegen den Sänger der Punkrockband «Feine Sahne Fischfilet» kräht dieses Kollektiv, dass unerträgliche rassistische Diskriminierung das Einsammeln von Bechern und Tellern am Gurtenfestival unmöglich gemacht habe. Männliche Tiefflieger eilen zur Unterstützung.

Dabei handelt es sich um leere Behauptungen, nicht belegte Anschuldigungen. Auf Anfrage bekommt ZACKBUM keine Antwort, bzw. diese hier: «Antworten dauern in der Regel 10 Arbeitstage. Anfragen per Mail werden nicht beantwortet. Für Dein Verständnis bedanken wir uns. Liebe Grüsse, das Kollektiv café révolution».

Nein, für ein «Kollektiv», das 30’000 Franken per Crowdfunding gesammelt hat und das Blaue vom Himmel herunter dafür versprochen, ist diese Antwort inakzeptabel, dafür gibt es kein Verständnis. Auch auf die Gefahr hin, dass das wieder als diskriminierend-rassistisch «gelesen» wird.

Die Ergebnisse der Verweichlichung, Pardon, Verweiblichung (auch unser Korrekturprogramm ist ein Macho), kann jeder Leser täglich begutachten, wenn er die Namen der Autoren von besonders schlechten Artikeln liest. Sicher, einen weiblichen Relotius oder Tom Kummer hat’s bislang noch nicht gegeben. Autorinnen, die sich eine jüdische oder sonstige Biographie zulegten, das schon. Aber angesichts der allgemeinen Frauenförderung wird das schon noch kommen.

Die Leihmeinung

Tamedia meint immer seltener selbst.

Aber immerhin, Ronen Steinke von der «Süddeutschen Zeitung» hat doch die Lösung aller Probleme gefunden: «machen wir Schluss mit Sexismus». Und wenn wir schon dabei sind, Kriege sind auch ganz schlecht, Hunger gehört abgeschafft, und machen wir endlich Schluss mit der Klitorisbeschneidung.

Da nun bereits so ziemlich alle so ziemlich alles repetitiv zum Rammelstein-Vorfall gesagt haben, muss Steinke tief Luft holen, um nicht nur Wiederholungen beizutragen: «Eine Debatte um frauenfeindliche Rollenbilder ist notwendig

Hoppla, diese Forderung wurde nun allerdings schon bis zum Gehtnichtmehr erhoben.

Auch anschliessend bewegt sich Steinken auf ausgetretenen Pfaden:

««Ich schlafe gerne mit dir, wenn du schläfst», hat der Sänger 2020 in einem Gedicht geschrieben. «Etwas Rohypnol im Wein (etwas Rohypnol ins Glas). Kannst dich gar nicht mehr bewegen. Und du schläfst, es ist ein Segen», so liest man da, heute noch angewiderter als damals.»

Wieso «noch angewiderter»? Na, «der Vorwurf, den Frauen gegen Lindemann erhoben haben – und den er bestreitet –, ist die Überwältigung mit K.-o.-Tropfen».

Okay, ganz langsam. So wie kein Krimiautor Mordgelüste hat, so wie Edgar Allen Poe zwar ausgeklügelte Mordmaschinen erfand und sogar einen sonderlichen Mörder, so wie Stevenson weder Jekyll noch Hyde war, so wenig haben literarische Fantasien normalerweise mit den Autoren zu tun. Diese Liedzeilen angewidert oder nicht so zu zitieren, zeugt von Flachdenken.

Nun geht Steinke detektivisch dem Verdacht nach, dass hier K.o.-Tropfen zum Einsatz kamen. Aber leider: «K.-o.-Tropfen sind nur für wenige Stunden im Blut nachweisbar.» Dann geht er ins Detail: «da helfen auch die klarsten Paragrafen traurigerweise nichts, wenn die Betroffenen nicht rasch zur Polizei gelangen und dort – wichtig – ebenso rasch von der Polizei ernst genommen werden. Eine gynäkologische Spurensicherung funktioniert unter Umständen zwar noch etwas länger. Aber das hilft in einer Rockstar-Fan-Konstellation auch nicht, wenn nicht gleichzeitig die K.-o.-Tropfen nachgewiesen werden können. Weil sonst der Beschuldigte sagen kann: Das war einvernehmlich.»

Am Schluss stehe Aussage gegen Aussage. Zudem gebe es Zweifel: «Den Frauen drohen dann oft Unterstellungen, die von Beratungsstellen als «Vergewaltigungsmythen» bezeichnet werden. Wie etwa: Frauen würden sich Vorteile davon versprechen, sich als Opfer zu inszenieren. Oft ist das sexistisch und abstrus. Wer in der notwendigen, durch den Fall Rammstein angestossenen gesellschaftlichen Debatte erst auf das Strafrecht wartet, wartet am Ende vielleicht vergeblich.»

Damit unterstellt Steinke etwas gewundener, was schon andere Denunzianten getan haben: Till Lindemann ist doch wohl schuldig, nur kann man es ihm halt leider nicht beweisen. Während Frauen per Definition Opfer sind, wird Lindemann als Täter inszeniert.

Das ist nun noch knapp einen halben Schritt vor der Selbstjustiz. Denn wenn das Recht nicht greift, obwohl für Steinke die Sache eigentlich klar ist, dann muss man doch das Recht in die eigenen Hände nehmen. So wie das auch anderweitig im Tagi gefordert wird; es könne doch nicht sein, dass die beiden Konzerte in Bern einfach stattfänden. Zunächst müssten doch die «schwersten Vorwürfe» untersucht werden, aber selbstverständlich gälte die Unschuldsvermutung.

Aber eben, wer auf da Strafrecht warte, «wartet am Ende vergeblich», behauptet Steinke. Nun sind zwar die ersten Strafuntersuchungen angestossen worden. Aber Steinke weiss schon jetzt, wie sie ausgehen werden. Also was tun? Den Abbruch der Konzerttournee fordern ist das eine. Aber wie machen wir denn nun «Schluss mit Sexismus»? Wohl am besten, indem wir ein Exempel statuieren. Den Sänger unermüdlich ans mediale Kreuz nageln. Mit Andeutungen, Unterstellungen, Behauptungen, anonymen Aussagen.

Ist doch immer noch besser, als ihn gleich zu lynchen, was dieser Triebtäter doch eigentlich verdient hätte.