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Zahlenzauber bei der SRG

Rechnen mit Susanne Wille.

Nicht nur im Studio Leutschenbach vernimmt man ein neues Geräusch, wenn man genau hinhört: zähneklappern.

Denn nachdem der Zwangsbezahlsender über Jahre nur behauptet hat, jetzt dann mal kräftig sparen zu wollen (während die Payroll sich stetig aufpumpte), muss nun geholzt werden.

Sinkende Einnahmen, Absenkung der Zwangsgebühren auf 300 Franken, und dann noch die 200-Franken-sind-genug-Initiative, da rumpelt es nun doch im Karton.

Mit betroffen-tapferer und mutig in die Zukunft schauender Miene gab Generaldirektorin Wille den Abbau von 900 Vollzeitstellen bekannt. Denn es müssten bis 2029 rund 700 Millionen Franken eingespart werden. Also rund 230 Millionen pro Jahr, bei einem Jahresbudget von 1,56 Milliarden Franken.

«Eine weitere Schwächung würde sich mit Sicherheit negativ auf die Qualität der Programmleistungen auswirken, und zwar in allen Regionen. Zum Nachteil des Publikums», hatte der damalige Generaldirektor noch Ende 2023 gejammert – bevor er zurücktrat.

Ansonsten hatte sich die SRG darauf verlassen, mit dunklen Ankündigungen, dass die Existenz der Schweiz auf dem Spiel stehe, sollte an diesem Riesenbudget zu sehr gesäbelt werden, Schlimmeres verhindern zu können.

Nun ist das Ende also nahe. Oder nicht? Man rechne. Der Durchschnittslohn bei der SRG beträgt rund 110’000 Franken. Plus Arbeitgeberbeiträge, Weiterbildung, Sessel zum Furzen, Kantine und Blüblü. Sagen wir also 150’000 Franken, mindestens.

Spart man 900 weg, fallen dadurch maximal 135 Millionen weg. Noch nicht mal auf einen Schlag, denn natürlich soll dieser Abbau in Stufen erfolgen.

Dann blieben im besten Fall noch 565 Millionen zum Einsparen übrig. Äh.

Dazu hat die Generaldirektorin eigentlich nichts gesagt. Und die Journaille hat auch nicht nachgefragt. Oder sich mit solchen luftigen Antworten zufrieden gegeben: «Wir spannen dort, wo es möglich ist, bei Strukturen, Prozessen und Systemen, schweizweit zusammen.»

Aber natürlich darf und muss Wille bei dieser Gelegenheit wieder den grossen Popanz spazierenführen:

«Die Halbierungsinitiative ist so radikal, dass sie das Ende der SRG, wie wir sie kennen, des heutigen medialen Service public, bedeuten würde»,

jammert sie persoenlich.com ins Hemd.

Der kleine Denkfehler dabei: sollte die Initiative angenommen werden, dann wäre es ja offensichtlich so, dass eine Mehrheit der Stimmbürger genau dieses Ende der SRG, wie sie sich heute präsentiert, wollen.

Weil sie mit dem Angebot, der nur noch rudimentär mit Service public zu tun hat, nicht mehr zufrieden sind. Eine Sitcom in Amateurliga, unverkennbarer Linksdrall bei den Mitarbeitern, wenig Innovation, viel Beharrlichkeit und Behaglichkeit, für jeden journalistisch Schaffenden gibt es zwei Sesselfurzer, das kann es ja wirklich nicht sein.

Aber man wird sehen, ob diese geschickt gesetzte Ankündigung ihre gewünschte Wirkung haben wird. Denn die Botschaft lautet ganz klar: schaut her, was alleine die Absenkung auf 300 Franken alles auslöst. Furchtbar, Katastrophe. Aber das wäre erst das Vorspiel zum Volldesaster, sollte die Initiative angenommen werden.

Manchmal hüllen sich erwachsene Menschen in ein Bettlaken, sagen huhu und erschrecken damit kleine Kinder. Ob das auch beim Stimmbürger funktioniert?

Unerhört

SRF 4 News: Eine Fortsetzung der Serie: Radiostationen, die niemand hört.

Zugegeben, der Sender «toxic.fm» mit einem Marktanteil (MA) von 0,01 Prozent und einer Nettoreichweite von 4780 Zuhörern liegt noch etwas unterhalb von SRF 4.

Denn der Staatsfunk, Pardon, der Gebührensender, also der Service Publique SRF 4 News bringt es immerhin auf einen MA von 0,98 Prozent und versammelt rund 141’000 Hörer um sich.

Laut Mediapuls ist SRF 4 damit immer noch viel beliebter als «SRF Virus» (MA 0,1 Prozent) oder «Radio Swiss Jazz» (MA 0,33).

Zum Vergleich ist die Radiostation SRF 1 mit MA von 28,34 zwar auch nicht mehr das Lagerfeuer der Nation, aber absoluter Platzhirsch. Kein einziges Privatradio schafft mehr als 3 Prozent, was natürlich auch daran liegt, dass keines die ganze Schweiz beschallen darf.

Es geht noch teurer und exklusiver

Es lauschen pro Tag rund 141’000 Menschen an ihren Volksempfängern den Sendungen von Radio SRF 4 News. Gut, dem Radio RTR hören 31’000 des Rätoromanischen Mächtige zu, dafür werkeln immerhin 172 Mitarbeiter (inkl. Televisiun Rumantscha) und verbraten schlappe 25 Millionen Franken. So viel muss uns unsere vierte Landessprache doch wert sein.

Bei SRF 4 arbeiten unter der Leitung von Helen Hürlimann 22 Redaktoren/Moderatoren. Dazu kommt dann noch das Team von «Info 3» unter Karin Brütsch und das Team der «Nachrichtenredaktion», ebenfalls unter Brütsch. Das im 24-Stunden-Takt, natürlich mit vielen Wiederholungsschleifen. Aber immerhin, ein reines Talk Radio. Kein Gedudel, auch keine pseudoaufgekratzte Morgenmoderatoren und auch keine «was goht ab?»-Ranschmeisser.

Vieles wird natürlich aus dem grossen Topf des Radioangebots von SRF gefischt. Will man kritisch sein, könnte man fragen, wozu es eigentlich 23 Nasen braucht, wo es doch im Wesentlichen darum geht, andernorts Gefertigtes auszustrahlen.

Aber worin besteht eigentlich das Programm von SRF 4, mit dem die Zuhörer begeistert werden sollen?

Das wiederholungsgeschlaufte Programm

Nehmen wir mal die nicht unwichtige Mittagsschiene, also die Sendungen von 12 bis 14 Uhr. Immerhin findet sich hier mit dem «4 x 4 Podcast» sogar eine Eigenproduktion. Die Eigenproduktion. Offenbar ist man so stolz darauf, dass man sie gleich zweimal als Programmgefäss serviert. Der ganze Rest ist «me too», aber nicht im Sinne eines Frauenprotests. Sondern im Sinne von «wir strahlen’s auch aus».

Nun ist ja nichts gegen die Investition von Gebührengeldern in ein reines Sprachradio einzuwenden, das 24 Stunden am Tag Informationssendungen ausstrahlt. Aber ähnlich wie beim Versuch, swissinfo zu verschlanken (der natürlich scheiterte), sollte die Frage erlaubt sein, ob man sich hier eine weitere Insel von geschützter Werkstatt halten will, wo eigentlich nur eines sicher ist: spätestens am 28. ist das Salär auf dem Konto, und natürlich kommt auch der 13. pünktlich.

Vorausgesetzt, der Lohnempfänger ist nicht vorher an Langeweile gestorben.