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Schlagwortarchiv für: Scorsese

René Zeyer

Lest das!

13. März 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Gerade in haltlosen Zeiten tröstet, dass es Entdeckungen gibt.

Nach den Klassikern schrieb Andrew Vachss die schwärzesten Krimis (Blue Belle, Strega). James Ellroy die brutalsten und am aufwendigsten recherchierten (L.A. Confidential, Underworld-Trilogie). Und wer verstehen will, wie die Kartelle in Mexiko funktionieren, muss die Trilogie von Don Winslow lesen, atemberaubend.

Aber ZACKBUM gesteht leicht errötend, dass selbst die kongeniale Verfilmung von «Shutter Island» durch Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio und Ben Kingsley und der grossartige Film «Mystik River» von Clint Eastwood mit Sean Penn, Tim Robbins und Kevin Bacon nicht ausreichten, um mal einen Blick in die Bücher des Autors Dennis Lehane zu werfen.

Das wurde nachgeholt.

Messerscharfe Dialoge, wie ausgestanzt wirkende Charaktere, was als Ermittlung zweier US-Marshalls beginnt, die eine verwahrte Kindsmörderin aufspüren sollen, die entflohen ist, entwickelt sich zu einer Höllenfahrt. Ein Sturm kommt auf, und alles wirbelt durcheinander, Wirklichkeit und Wahn, nichts ist, wie es scheint, und alles ist schlimmer als gedacht. Nichts für schwache Nerven.

Der Vorteil der Ignoranz: es gibt zurzeit 16 Bücher von Lehane, die in deutscher Übersetzung verfügbar sind.

Geradezu lieblich ist dagegen die sanfte Dystopie von Ian McEwan: «Was wir wissen können».

Verdient das Präsdikat literarisch hochstehend. In einer ferneren Zukunft widmet sich ein Forscher der Entschlüsselung eines literarischen Abends, in dessen Zentrum ein inzwischen verschollenes Gedicht steht. Aus Tagebucheintragungen, Mails und anderen schriftlichen Überlieferungen wird kunstvoll der Abend rekonstruiert, wie in einem Kaleidoskop aus verschiedenen Perspektiven die gleichen Ereignisse geschildert. Ian McEwan erweist sich dabei als virtuoser Meister seines Fachs.

Das alles in einer Welt, in der die Klimaveränderung zu grossen Überschwemmungen und Kriege zu Verheerungen geführt haben. Dieser etwas überstark warnende Zeigefinger im Werk vermag aber nicht das Lesevergnügen zu stark zu beeinträchtigen. Vor allem, da auch das Schreiben selbst, der Versuch, die Wirklichkeit abzubilden, die Unterstellung, dass Nachgeborene natürlich mehr wissen als wir Heutigen, durchaus unterhaltsam ist.

Schliesslich eine überfällige Auseinandersetzung mit dem wohl bekanntesten Heroen des Altertums.

Sohn des Jupiter und der Alkmene, kein reiner Held, im Gegenteil. Gebrochen, zu Verbrechen und Heldentaten fähig, um am Schluss elendiglich zu sterben, aber in den Olymp aufzusteigen. Mit übermenschlichen Kräften ausgestattet, aber dennoch immer wieder an seine Grenzen gelangend.

Kein Wunder, dass seit über 2500 Jahren sich Dichter, Stückeschreiber, Bildhauer und Maler mit Herkules befassen. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben ihm eine Ausstellung gewidmet und dazu einen Katalog mit überwiegend klugen Essays plus reicher Bebilderung gestaltet.

Wie er Prometheus befreite, die zehn herkulischen Aufgaben bewältigte, Gutes und Schlechtes tat, endlich kein strahlend schöner Held, sondern ein Übermensch mit Schwächen, der sich selbst immer im Weg stand, aber Heroisches leistete. Ein Sterblicher auch er, der aber Götterfunken aus der Wirklichkeit schlug.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-07-um-23.52.03.png 783 1296 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-03-13 05:00:302026-03-10 11:09:30Lest das!
René Zeyer

Robert de Niro ist 80

18. August 2023/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Genial und geschrumpft. Was für eine Tragödie.

Robert de Niro war sicherlich einer der begabtesten Schauspieler unserer Zeit. Mit Al Pacino duellierte er sich darum, wer besessener in die Figur hineinkriechen kann, die er spielt.

In «Der Pate Teil II» machte er zum ersten Mal auf sich aufmerksam, indem er in die grossen Fussstapfen von Marlon Brando stieg und den jugendlichen Vito Corleone spielte. 1976 dann «Taxi Driver», mit dem de Niro endgültig in den Olymp der Schauspielkunst aufstieg. «Are you Talkin‘ to me?», sein leer-verzweifelter Blick, grandios.

Schon immer bereitete sich de Niro akribisch auf jede Rolle vor. Als er in einem seiner ersten Theaterauftritte mit einem Karateschlag ein Brett zertrümmern musste, lernte er wochenlang Karate. Für «Taxi Driver« fuhr er in New York Taxi. In «New York, New York» ist de Niro ein Saxophonspieler, natürlich lernte er das Instrument.

Als Boxer Jake LaMotta absolvierte er ein einjähriges Boxtrainig, nach den Kampfszenen frass sich de Niro 30 Kilo an, um den verfetteten LaMotta spielen zu können.

Aber nicht nur solche Exzesse machten seine Schauspielkunst aus. In «Es war einmal in Amerika» von Sergio Leone spielt er eine Szene, in der er als junger Mann in einen Spiegel schaut, und als er sich umdreht, ist er ein alter Mann. Fast ohne Schminke wird er das, einfach die Haltung, wie er geht, die Augen, die Last auf seinen Schultern, ein Meisterstück auf engstem Raum.

Aber spätestens seit «GoodFellas» von Martin Scorsese war de Niro auf die ewige Rolle des Mafioso* abonniert. Von da an ging’s bergab. Denn nun kamen echte Klamotten von Filmen, seichte Komödien («Meine Braut, ihr Vater und ich»), in denen de Niro mehr und mehr zu einer Karikatur seiner selbst wurde.

Entweder brillierte er nochmals wie in «Heat» als Gangster, oder aber er verschwendete sein Talent auf drittklassige Filme.

Er hätte ein Gigant werden können. Er war ein Gigant, der sich dann verzwergte.

 

*Nach Leserhinweis korrigiert.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/08/Bildschirmfoto-2023-08-17-um-21.39.38.png 506 757 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-08-18 06:00:052023-08-18 08:28:25Robert de Niro ist 80

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