Beiträge

Keine Medien, keine Kritik

Die «Medienwoche» gibt auf.

Medienkritik ist nötiger denn je. Unabhängige Medienkritik ist nur ausserhalb der Eingeweide der grossen Platzhirsche möglich. Wer bei Tamedia im Brot steht, ist im Verdacht des Konzernjournalismus, wenn er CH Media kritisiert. Nur indolente Lohnschreiber wie Philipp Loser bellen im Auftrag ihres Herrn Konkurrenzprodukte an.

Die NZZ trennte sich zuerst von ihrem langjährigen Medienbeobachter, dann stellte sie die Medienseite ein. Ringier kennt das gar nicht, bei CH Media und Tamedia kommt es auch nur alle Schaltjahre mal vor.

Dann gibt’s noch (dem Vernehmen nach, wir haben aufs Gratis-Abo verzichtet) den «Schweizer Journalist» (oder wie immer der sich inzwischen schreiben mag). Zum Skelett niedergespart, uninteressant, Listicals und Übernahmen aus Schwesterblättern ist der dünne Inhalt.

Persönlich.com pflegt den pfleglichen Umgang mit eigentlich allen und ist der Weichspüler unter den Branchenorganen. «Edito» ist inzwischen der Schatten eines Schattens seiner selbst. Und dann gab es noch die «Medienwoche».

Der Niedergang des «Schweizer Journalist» – und der «Medienwoche» – spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung von ZACKBUM. Wo konnte man noch kritische, auch angriffige, kein Rücksichten nehmende Medienkritik betreiben? Eben.

Schon länger röchelte die «Medienwoche» aus den letzten Löchern. Bubble-Journalismus, Anfänger-Gefäss; wenn der Tiefflieger Marco Kovic regelmässig zu Wort kommt, weiss man, dass da ein Medium steil auf dem Weg nach unten ist.

Auch Nick Lüthi liess immer mehr raushängen, dass auch er, einer der profundesten Medienkenner der Schweiz, nicht mehr wirklich etwas reissen will. Wahrscheinlich wusste er schon länger, dass sein Herausgeber und Besitzer nicht mehr gewillt ist, sich dieses Hobby zu leisten.

Wie sülzt Thomas Paszti zum Abschied: «Die Quersubventionierung von Journalismus aus dem Rubrikengeschäft, im Fall der MEDIENWOCHE aus dem Ertrag der Stellenanzeigen auf medienjobs.ch und ictjobs.ch, hat in der heutigen Medienwelt mehr mit Idealismus und dem Glauben an unabhängigen Journalismus zu tun, als mit der gängigen verlegerischen Praxis.»

Somit ist Paszti weniger idealistisch geworden und in seinem Glauben an unabhängigen Journalismus erschüttert. Lüthi hingegen sah sich wohl mehr als Schreiber, wo die Kohle für ihn und seine Mitarbeiter herkommt, das interessierte ihn herzlich wenig.

Geradezu Slapstick ist, dass der Abschiedstext des Besitzers damit untermalt wird:

Summa summarum: da bleibt nur noch eine einzige, wirklich unabhängige und mit Energie, Spass und Nachdruck betriebene medienkritische Plattform übrig.

Wir pflegen hier kurze Amtswege, also kann ZACKBUM frohgemut verkünden: Der Besitzer ist sich mit dem Herausgeber, dem Verleger, dem Chefredaktor und dem Redaktor einig, dass es ZACKBUM weiterhin geben wird. Ohne Quersubventionierung, werbefrei und in Fronarbeit hergestellt, sowie gratis angeboten.

Niemals war ZACKBUM so wichtig wie heute. Und alle die, die kein Gönnerabo bei der «Medienwoche» abschliessen wollen, denen sei hier ein dezenter Hinweis unverbindlich unterbreitet:

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Schweizer Journalist:ex

:in kann man streichen. Die Chefredaktorinnen gehen von Bord.

Es ist eine fortgesetzte Tragödie. Umso wichtiger Medienkritik wird, desto weniger Medienkritiker gibt es. Auf desto weniger Plattformen können sie sich äussern.

Die NZZ spülte ihren langjährigen Medienredaktor und anschliessend auch gleich die regelmässige Medienseite. Tamedia und CH Media widmen sich dem Thema nur sehr sporadisch, Ringier eigentlich überhaupt nicht.

Dann gibt es noch das sehr konfliktscheue persoenlich.com, die früher einmal professionell gemachte «Medienwoche», schliesslich den «Schweizer Journalist» und – last, but not least – ZACKBUM natürlich.

In den Mainstreammedien besteht das Problem, dass es innerhalb von Tamedia genauso wenig eine gute Idee ist, eigene Produkte zu kritisieren, wie das bei CH Media auch der Fall ist, ebenso in der NZZ. Dort rempeln in der NZZaS zwei Autoren regelmässig andere Medien an – natürlich niemals die eigenen.

Den steilsten Weg nach unten hat allerdings der «Schweizer Journalist» zurückgelegt. Markus Wiegand hebelte ihn auf die Landkarte und überzeugte zehn lange Jahre mit Sachkompetenz, einer spitzen Feder und guten Ideen wie die Preisverleihung des Journalisten des Jahres. Dann schwirrte er zu höheren Aufgaben Anfang 2016 zum «Kressreport» ab. Kurt W. Zimmermann übernahm und behielt Drive und Kantigkeit bei*.

Nicht zum Wohlgefallen des Besitzers und Herausgebers, der ihn nicht wegen Erfolglosigkeit, sondern wegen inhaltlicher Differenzen durch Pfarrer Sieber, Pardon, David Sieber, ersetzte. Der lieferte dann wunschgemäss Schaumteppiche und Zuckerwatte ab, gestaltete die Preisverleihung zu einem Gender-Event um und tat auch sonst alles, allen gefällig zu sein. Aber auch ihm reichte es dann mal, bzw. er war nicht mehr bereit, für ein ständig schrumpfendes Honorar weiterzuarbeiten.

Auftritt Samantha Zaugg und Charlotte Theile, die sich erst noch ins Minihonorar teilten. Verständlich, dass der genderdeutsch umbenannte «Schweizer Journalist:in» gleich mal Werbung für das «Storytellingkollektiv Elephant Stories» machte. Gründerin: Charlotte Theile.

Ansonsten fiel auf, dass nichts mehr auffiel. ZACKBUM trennte sich sogar von seinem Gratis-Abo, verschwendete Lebenszeit. Nach knapp einem Jahr werfen nun die beiden auch den Bettel hin. Grund? «Auffassungsunterschiede über die redaktionelle Weiterentwicklung des Hefts». Weiterentwicklung ist ein kühnes Wort in diesem Zusammenhang, denn aus Spargründen wurden immer mehr Artikel aus den Schwesterblättern in Deutschland und Österreich übernommen.

Wie schon bei Sieber dürfte es etwas gerumpelt haben, denn ein(e) oder mehrere Nachfolger:Innen stehen offenbar noch nicht fest. Normalerweise ergänzt man ja den Abgang der Leitung unter Verdankung geleisteter Dienste mit der Ankündigung der Nachfolge. Des Nachfolgenden. Des oder der Nachfolgenden. Der oder die natürlich auch zur Sammelgruppe «divers» gehören darf. Obwohl nicht zuletzt die Konzentration auf solchen Pipifax, der mangelnde Schweiz-Bezug und das völlige Fehlen von kritischen Artikeln die mangelnde Relevanz des SJ verstärkte.

*Packungsbeilage: René Zeyer publizierte regelmässig in der Amtszeit von Zimi.

Qual der Wahl

So sad, würde Trump sagen. Wenn er die Kandidaten des «Schweizer Journalist» sehen könnte.

Pardon, der «Schweizer Journalist:in» natürlich. Wir von !ZACK:BUM* (nur echt mit Knacklaut) sind zwar empört. Dieser fehlgeleitete Doppelpunkt plus die Endung diskriminiert mindestens 162 der bislang aufgefundenen 164 Gender-Orientierungen. Insbesondere alles Non-Binäre, alle Transmenschen spüren den Schmerz.

Aber gut, darum soll es hier nicht gehen. Denn dieses Produkt, auf dessen Gratis-Zustellung wir bereits verzichtet haben, ruft zur Wahl der «Journalist:in» des Jahres. In vielen wunderbaren Kategorien.

Die Elendsverwalterinnen, Pardon, Sparmassnahminnen, Äxgüsi, die «Chefredaktorinnen» (wo bleibt hier der Doppelpunkt?) sind schon ganz aufgeregt:

«Wir haben in den letzten Wochen viele grossartige Nominiationen erhalten – es ist uns nicht leicht gefallen, uns auf 5 Kandidat:innen pro Kategorie zu beschränken.»

Gleichzeitig zeigen sie klare Kante: «Wir haben uns daher entschieden, dass jeder und jede nur in einer Kategorie nominiert sein kann – wer zum Beispiel als Journalist des Jahres nominiert ist, kann nicht auch noch Reporter des Jahres werden.»

Finden wir schade, ist irgendwie auch diskriminierend, ausgrenzend, diesem Ansatz fehlt es an Inklusion. Und überhaupt: wo bleibt hier die korrekte Falschschreibung? Müsste es nicht «Journalist:in», «Reporter:in» heissen? Ja, bitte? Wir erwarten Antworten! Aber gut, auf welche Kandidat:innen*!+ hat man sich denn beschränkt?

Schon die Auswahl stellt einen vor Qualen

Ach, wir wissen gar nicht, wen wir bei dieser Auswahl speziell erwähnen sollen. Es sind insgesamt 70 Nas*Innen, da wird die Personaldecke im links-alternativen Feuchtgebiet dünn.

Nun, die wichtigste Kategorie, wenn wir so vorprellen dürfen, ist wohl die des Journalisten des Jahres. Aber nicht nur hier werden eigentlich alle vorherigen Preisträger indirekt aufgefordert, ihre Auszeichnung zurückzugeben. Denn wer möchte sie schon mit Salome Müller (also bitte, DIE Müller, Verfasserin des Tagi-NL, Schönschreiberin von Schulaufsätzen und vor allem Initiatorin des Tamedia-Frauen-Protest-Aufschreis) teilen. Oder mit Larissa Rhyn (also bitte, DIE Rhyn, seit September 2021 TV-Bundeshausredaktorin von SRF, schon 2018 Praktikantin bei der «Tagesschau», anschliessend Volontärin bei der NZZ).

Das waren noch Zeiten, das waren noch Journalisten, das war noch eine Feier.

Noch schwieriger wird die Wahl des Chefredaktors des Jahres. Sollte es das «Kollektiv (Megafon)» werden, sind wir gespannt, wer den Preis entgegennähme – und ob die geschmackvolle Kopf-ab-Karikatur speziell gewürdigt würde. Andrea Fopp (also bitte, DIE Fopp, allen paar Dutzend Lesern von «bajour» bekannt) oder Jacqueline Krause-Blouin (also bitte, DIE Krause von der «Annabelle») wären natürlich auch valable Kandidaten und sogar Kandidatinnen. Wir könnten uns aber auch Mario Stäuble und Priska Amstutz vorstellen (also bitte, DIE ins dritte Glied zurückbeförderten Co-Chefredaktoren des Tagi).

Weiter im Panoptikum der Nicht-mal-Adabeis

Oder dann Naomi Gregoris, Lena Oppong oder Katja Fischer de Santi (also bitte, ZACKBUM hat auch noch nie von denen gehört) als Gesellschaftsjournalist des Jahres. Oder wie wär’s mit dem Autor eines Konzern-Konkurrenz-Niedermachartikels Philipp Loser als «Kolumne des Jahres»; er könnte Hanspeter Lebrument als Laudator einladen. Oder vielleicht Ina Bullwinkel, was aber den Laudator vor grössere Herausforderungen stellen würde: Ina who? Aber eigentlich sind das ja auch nicht Kolumnen, sondern Kolumnisten, aber das ist natürlich schon ein schwieriges Wort.

Schliesslich noch Andreas Tobler, der Freund von Theatermorden, als Kulturjournalist des Jahres oder Jürg Steiner als Lokaljournalist (Premiere, von der «Hauptstadt», die es noch gar nicht gibt). Aber Obama hat ja auch präventiv den Friedensnobelpreis gekriegt, wieso nicht.

Immerhin, Roger Schawinski könnte «Audiojournalist des Jahres» werden. Vorausgesetzt, er würde noch für «SRF» arbeiten, was er aber nicht tut.

Nun senken wir die Stimme zu einem konspirativen Flüstern, halten die Hand vor den Mund und mit der anderen die Nase zu. Denn wie um aller Göttinnen willen kommt DER auf die Liste der Politjournalisten des Jahres? Bevor wir seinen Namen aussprechen, versprechen wir, den Mund anschliessend mit Bimsstein zu reinigen und mit aufdringlichem Raumduft den Schwefelgeruch zu bekämpfen:

Wer seinen Augen nicht traut: ja, er ist’s, the one and only Christoph Mörgeli.

Es tut aber weh, dass es tatsächlich möglich ist, den schon letztes Jahr völlig abgewrackten Preis noch weiter ins Unterholz zu schlagen.

Zufälle gab’s aber auch; ob das an der Jury lag?

Schon damals hatten alle Wahlen Schlagseite

Schon die Wahl der Nachlassverwalterinnen des gescheiterten David Sieber hatte ein Geschmäckle.

Rückfragen nur bis zum Rücktritt.

ZACKBUM war schon beim letzten Mal so irritiert von der Kandidatenauswahl, dass wir ein eigenes Ranking durchführten und – was vom Preisträger geschätzt und vom Publikum applaudiert wurde, Roger Schawinski zum Journalisten des Jahres wählten.

Der wohl erfolgreichste Journalist der Schweiz mit einer beeindruckten Lebensleistung von Taten war nämlich noch nie gewürdigt worden. Aber gut, nun hat er die Chance, als «Audiojournalist» (für längst vergangenen TV-Journalismus, sähen, nicht hären) in die Kränze zu kommen.

Ist das peinlich, aber peinlich, oberpeinlich 

Ist das vielleicht peinlich. Schmerzlich peinlich, denn der Preis bedeutete früher mal was. Er wurde vom ersten Chefredaktor des «Schweizer Journalist», als auch der noch was war, auf die Landkarte gestemmt und zur Trademark gemacht. Aber was hochkommt, fällt auch wieder runter. Nicht von alleine, das macht es dann auch noch ärgerlich.

Heutzutage muss nur schon die Nominierung ein Gefühl auslösen, als würde man in ein nasses Handtuch beissen, während die Kreide über eine Wandtafel quietscht.

Wer etwas Anstand und Ehre im Leib hat, muss diese Preisfarce boykottieren.

Wir verleihen aber einen Trostpreis an den einzigen Journalisten, der sich sicherlich grämt, wieso er nirgends nominiert wurde. Komm her, Hansi Voigt, wir organisieren Ihnen Pascal Hollenstein als Laudator, und Jolanda Spiess-Hegglin wird Ihnen den Preis als unsäglichsten Heuchler und Hetzer des Jahres überreichen.

Noch ein kleiner Tipp für Ego-Shooter: wer den Link zur Wahl bekommen hat und keine Scham kennt, kann beliebig oft für sich selbst abstimmen …

Kurzmeldung der Woche

Wir haben den «Schweizer journalist:in» bekommen. Das ist zu viel.

Die Nummer 04/2021 umfasst 82 Seiten. Im Editorial fragen die beiden Chefredaktorinnen: «Warum kaufen Sie dieses Heft?» Tun wir nicht, wir bekommen es gratis zugestellt.

Das hat wohl damit zu tun, dass wir mal für den «Schweizer Journalist» geschrieben haben. Als es noch etwas zu schreiben gab und auch die Grundregeln der deutschen Sprache respektiert wurden.

Wir haben die 82 Seiten lustlos durchgeblättert und sind nirgends hängen geblieben. Beiträge über Schweizer Themen? Gähn. Aus den anderen deutschsprachigen Ausgaben übernommen? Schnarch.

Die «SRF-Moderatorin Angélique Beldner beleuchtet Rassismus im Schweizer Journalismus», barmt die Titelzeile. Luxusprobleme einer gut bezahlten TV-Frau. Die Chefredaktorinnen wollen ein Zeichen setzen und und dem «Süssigkeitfabrikanten aus dem Aargau» eine reinwürgen. Roland Dubler wagte es doch, Kritiken am traditionsreichen Namen seines Produkts zu entgegnen: «Im Zusammenhang, wie ich das Wort benutze ist es positiv. Der M*kopf ist qualitativ hochstehend». Das  Urteil der beiden Scharfrichterinnen:

«Das steht beispielhaft für den Schweizer Rassismus.»

Beispielhafter Schweizer Rassist? Nein, bodenloses Dummschwätzen.

Nein, die Verhunzung eines Wortes mit einem Sternchen und diese unqualifizierte, unbegründete Schmähkritik steht beispielhaft für den Niedergang der Medienkritik im Allgemeinen und des «Schweizer journalist:in» im Speziellen.

Leider stimmt es: was gratis ist, ist nichts wert. Deshalb hat ZACKBUM die weitere Belieferung abbestellt. Dafür ist das Leben dann doch zu kurz.

Kleine Ehre für ZACKBUM

Es gibt ja noch ein anderes Medienmagazin. Der/die/das/divers «Schweizer Journalist:in».

Eigentlich wollten wir über ein Organ, das von Eugendorf (Österreich) aus über die Schweizer Medienszene berichtet, nichts mehr sagen. Auch nichts über die beiden neuen Spar-Chefredaktorinnen, das wäre uns sicher wieder als frauenfeindlich ausgelegt worden.

Schon alleine Cover und Rückseite passen für einmal zusammen. Vorne «Neustart radikal», also Rakete gezündet und ab nach unten, hinten «Haltung zeigen, watson lesen», also mit einem Strich im Gesicht zeigen, dass man furzdoof ist.

Der schwache Mann gesteht’s, einer Provokation hätte er noch widerstehen können. Aber zwei, drei, viele? Das ist zu viel. Die erste: die «Diversity-Expertin Esther-Mirjam de Boer» hat eine originelle Idee.

Wir geben sie in den Worten des Qualitätsjournalisten Jeremias Schulthess wider:

«De Boer glaubt, dass in diesen Situationen eine «kulturelle Sanierung» nötig sei. Die Quellen des Gifts müssten erkannt und sanktioniert werden. Das heisst zum Beispiel: Führungskräfte, die seit Jahren Unfrieden schüren, Ungleichheiten pflegen und Neuerungen blockieren, müssen das Unternehmen verlassen. Erst dann seien echte Veränderungen möglich.»

Das ist eine interessante Auffassung. Quellen des Gifts samt Sanierung, das nannte man im Kommunismus die Säuberung von Konterrevolutionären, im Faschismus die Ausmerzung von jüdischen Verunreinigungen im arischen Volkskörper.

Toxische Mischung im «Schweizer Journalist»

Im «Schweizer Journalist» hingegen, wir halten gerne an einer deutschen und verständlichen Bezeichnung fest, entsteht nun aber eine toxische Mischung, wenn der «Fairmedia»-Geschäftsführer und journalistische Bruchpilot Schulthess zusammen mit de Boer Schweinejournalismus vorführt.

Der Geschäftsführer dieser Gurkentruppe Schulthess ist unseren Lesern einschlägig bekannt; aber wer ist de Boer? Sie sei eine «Diversity-Expertin», ein Titel, der so wenig geschützt und nichtssagend ist wie Kuchen-Expertin. Sie gründete und leitet das «Beratungsunternehmen UR Management» über das wenig in Erfahrung zu bringen ist, da es sich nicht mal eine Webseite leistet. Ganz anders die «GetDiversity GmbH». Hier surft de Boer auf der Genderwelle und vermittelt Verwältungsrätinnen. Damit nicht ausgelastet, führt de Boer auch noch eine eigene Webseite, auf der sie sich anpreist und gleich eine ganze Latte von «mögliche Arten der Zusammenarbeit mit Esther-Mirjam de Boer» aufzählt.

Also halt eine Vermittlerin und Selbstvermarkterin mit USP Diversity. Ist nichts Schlimmes, ist aber auch keinerlei Qualifikation, um die Entsorgung von angeblich «toxischen Personen» zu empfehlen. Was steht sonst noch in der Coverstory? Nicht Nennenswertes; ausser, dass der Autor angeblich mit «17 Journalisten und Branchenkennern» gesprochen habe. Verflixt auch eins, alle natürlich nur anonym zitierbar. Eben, Schweinejournalismus à la «Republik».

Wahre Diversity strahlt auch der übrige Heftinhalt aus. Ein grosses Interview mit Anja Reschke. Anja who? Also bitte, die Chefin «Dokumentation und Kultur» beim NDR (der nördliche Ableger der ARD) und Moderatorin von «Panorama». Damit sei sie «zum Gesicht von Haltung und Moral» geworden, schmachtet die neue Hälfte der Chefreaktion des SJ.

Dummerweise einen Riesenfälschungsskandal an der Backe

Dummerweise hat Reschke gerade ihren eigenen Relotius-Skandal im Haus. Der vom NDR finanzierte «Dokumentarfilm Lovemobil» über Prostitution stellte sich als Fake heraus. Prostituierte waren Schauspielerinnen, ein besonders schlimmer Zuhälter in Wirklichkeit Hausmeister. Peinlich. Rückgabe von Preisen, Löschung des Films aus den Archiven. Kritikfähigkeit beim «Gesicht» Reschke? Null. Wenn nun alle so schlau sein wollten und fänden, man hätte das sehen müssen, typische Besserwisser im Nachhinein.

Eine Nachfrage beim «Zuhälter» eines Alternativmediums genügte, um den als harmlosen Hausmeister zu enttarnen? «Ich möchte jetzt nicht allen Autoren mit Misstrauen begegnen.»

Das erstaunte Gesicht von Haltung und Moral …

Sonst noch was? Ach ja, ein Streichel-Interview mit der sich schon kräftig lächerlich gemacht habenden Leiterin der «Tamedia-Literaturredaktion».

Also Gesinnungs- und Haltungsjournalismus der übelsten (und schlechtesten) Sorte, allen gegenteiligen Beteuerungen der neuen Chefredaktorinnen zum Trotz. Das reisst dann ein launiger Bericht über ZACKBUM auch nicht raus. «Nur noch einer zerreisst sich das Maul», ist er betitelt. Man könnte hier schon den Verdacht haben: es geht ausnahmsweise um einen Mann. Stimmt. Die Autorin hatte – Überraschung – eine These, die sie sich auch durch noch so langes und gutes Zureden nicht austreiben liess.

 

Das Therapieorgan für Männer mit Frauenproblemen

ZACKBUM scheine «nur noch einen Zweck» zu haben: «Frauen zu beleidigen. Ob Zeyer hier ein tiefer liegendes Problem hat?» Als Beleg dafür führt die Autorin die leicht obsessive Verfolgung von Patrizia Laeri auf ZACKBUM an. Dummerweise ist dafür aber einer der beiden abgesprungenen Autoren verantwortlich, nicht Zeyer. Aber der sei in Schlagzeilen wie dieser «ausgeartet»: «Manche Frauen haben nicht nur beim Parkieren Mühe». Mea culpa, Ironie ist nie eine gute Idee.

Selbst auf die Gefahr hin, hier ein tiefergelegtes Problem mit Frauen zu outen: Ich glaube nicht, dass sich insgesamt 826 Artikel, davon 468 von Zeyer, so korrekt zusammenfassen lassen. Zumal ich im Gespräch mit der Autorin auch eine ganze Reihe von männlichen Journalisten namentlich nannte, die nicht gerade in Feierlaune geraten, wenn sie sich an Artikel über sie auf ZACKBUM erinnern.

Dazu Primeurs, Recherchen, immer und ausschliesslich faktenbasierte Kritiken, ein wohltuender Unterschied zu belegfreien Behauptungen wie: «ZACKBUM hat sich auf die Fahne geschrieben, alles in der Medienbranche durchzuhecheln, was nicht so tickt wie seine Autoren.» Was nun, mit Verlaub, reiner Schwachsinn und mit vielen Lobesartikeln oder Nachrufen widerlegt werden könnte. Sagen wir mal so: eine solche dünne Suppe, voreingenommen und verzweifelt bemüht, eine These durchzukämpfen, hätte Bettina Zanni bei «20 Minuten» niemals ins Blatt schütten dürfen.

Aber macht nix, man kann ja noch dazulernen. Beim SJ scheint das allerdings hoffnungslos zu sein. Deshalb haben wir eine gute Nachricht ganz am Schluss: Es ist selbst aus Berichterstatterpflicht nicht mehr einsichtig, wieso wir auf zukünftige Ausgaben, wenn es die denn geben wird, eingegangen werden sollte. Das Leben ist dafür zu kurz, und es gibt genügend Dinge und Lesestoff, die entschieden mehr Spass machen.

Lausig gelayoutet, mit Verlaub.

Theile hetzt gegen Burka-Gegner

Junge Deutsche will Schweiz erziehen.

Das Magazin «Schweizer Journalist:in» versteht sich als «unabhängiges Branchenmagazin», das als «professioneller Begleiter» über aktuelle Themen berichtet. Charlotte Theile ist eine der zwei neuen Co-Chefredaktorinnen. Sie ist Deutsche und schreibt gerne über «Verbrechen, Politik, Feminismus und Gesellschaftsthemen», wie sie auf ihrer Homepage schreibt.

Die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» erfüllte in ihren Augen wahrscheinlich gleich alle vier Steckenpferde: Verbrechen, Politik, Feminismus und Gesellschaftsthema. Für den Spiegel schrieb sie einen Artikel, der ihre Meinung nicht verheimlichen konnte: Theile war gegen die Initiative.

Nach der Annahme der Initiative brach es aus ihr heraus: Gewonnen habe nicht die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer, sondern die Ignoranten, wie sie auf Twitter schrieb.

Viele Journalisten, ich zähle mich dazu, nehmen an keinen Abstimmungen teil. Noch mehr Journalisten stimmen ab, äussern sich aber nicht dazu. Zum Glück gibt es nur ganz wenige Journalisten, die nicht abstimmen dürfen, aber Andersdenkende verunglimpfen. Theile gehört dazu.

Exklusiv: Die Antworten von Eric Gujer

Achtung Satire. Zackbum beantwortet für NZZ-Chef Eric Gujer die Fragen des «Schweizer Journalisten».

Das ist ein gefundenes Fressen fürs ZACKBUM-Ressort Satire. Entscheidungsträgern Worte in den Mund legen, weil sie auf diverse Fragen nicht antworten wollten. Das Ressort haben wir schon länger eingeführt, vor Markus Somm mit seinem Nebelspalter und vor der Republik. Vielleser erinnern sich: Die Republik brachte uns in Zusammenhang mit der Recherche rund die TX Group und den ungeliebten CEO Pietro Supino darauf. Im eben erschienenen Branchenblatt «Schweizer Journalist» nun wird «NZZ»-Chefredaktor ziemlich kritisiert. Bezeichnenderweise aber von Markus Wiegand, einem Journalisten, der seine Brötchen nicht in der Schweiz verdient. Immerhin aber war Wiegand von 2005 (Gründung des Hefts) bis 2016 Chefredaktor des SJ. Trotz der Distanz wollte das Gespräch zwischen Wiegand und Gujer aber nicht ins Rollen kommen. Wir helfen nach – die Fragen sind original, die Antworten nicht.

Herr Gujer, aktuelle und ehemalige Mitarbeiter kritisieren Ihren Führungsstil als ungewöhnlich autoritär. Wie charakterisieren Sie Ihr Führungsverhalten?

Ja wäre antiautoritär besser? So wie beim Tages-Anzeiger, wo jegliche Eckpfeiler zerfallen? Für einmal halte ich es wie die SRF-Chefin Nathalie Wappler. Sie sagte kürzlich in meinem Blatt: «Jetzt bewegt sich etwas, und es ist auch nicht recht». Die Frau gefällt mir – auch als Mensch.

Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter geben an, dass sie sich vor Ihrer teils scharfen Kritik fürchten oder gefürchtet haben. Wie erklären Sie das?

Vielleicht hat das mit der Erziehung gewisser Mitarbeiter zu tun. Berechtigte Kritik hat noch niemandem geschadet. Für mich gilt bei der Mitarbeiterführung Christoph Blochers Führungsprinzip: «Du sollst Deine Mitarbeiter lieben wie Dich selbst, dann kannst Du von diesen auch viel verlangen – so viel wie von Dir selbst.»

Ehemalige Mitarbeiter geben an, dass sie die NZZ wegen Ihres Führungsstils verlassen haben. Wie gehen Sie damit um?

Auch da halte ich mich an Christoph Blocher und seine Führungsprinzipien: «Du sollst wissen – gerade in Zeiten, in denen Teamgeist in aller Leute Mund ist -, dass Verantwortung unteilbar ist». Wer das nicht teilen kann, dem lege ich keine Steine in den Weg. Oder anders gesagt: Reisende soll, ja kann und darf man nicht aufhalten.

Sehen Sie einen Anlass, Ihr Führungsverhalten gegenüber Mitarbeitern künftig zu ändern?

Hüst und Hott in einer 241-jährigen Institution? (wechselt auf Mundart) «Das isch NZZ! Rekordmeister! Was meinsch eigentlich, wer du bisch, he? Rekordmeister! Rekordmeister! Dir isch gar nöd bewusst, um was es gaht da! Das isch Super League vom Rekordmeister! Än Institution, hey! Hey, chli Konzentration, he! Mir gähnd alles für dä Klub und du … läck du mir hey! Chli Respekt!» (beruhigt sich wieder)

Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter geben an, dass Ihre Ehefrau Claudia Schwartz Einfluss auf die Gestaltung der NZZ nimmt, die über ihre Position als Redaktorin hinausgeht. Sie haben dies in der Vergangenheit mehrfach bestritten. Wie erklären Sie sich, dass diese Kritik von aktuellen und ehemaligen Redaktoren beständig wiederholt wird?

Ich empfinde diese Frage als frauenfeindlich und respektlos. Im übrigen verletzen Sie eine journalistische, ja zwischenmenschliche Grundregel. Nie über jemanden reden, der nicht da ist. Oder anders gesagt, fragen Sie meine Gattin doch selber.

Zum Schluss: Sie waren zwei Wochen für eine Fastenkur in Österreich. Sie haben dem Hotel ein Interview gegeben, das zu Werbezwecken auf der Website und in einem Corporate-Publishing -Magazin eingesetzt wird. Wie ist das mit den Compliance-Regeln der NZZ vereinbar?

Zuerst einmal: Saubere Recherche, vom ZACKBUM.ch. Oder von wo wissen Sie sonst davon? Aber egal. Sie haben die Sache nicht verstanden. Der Clou war, dass in meiner Samstagausgabe vom 13. Februar ein ganzseitiges Interview mit dem «Kurarzt Wolfgang Moosburger» erschien. Einigermassen stolz bin ich, dass die Interviewerin meine geliebte Gattin war. Dass sie auch die vorherige Seite füllte, war das Sahnehäubchen. Der Bericht «Viel mehr als nichts essen» hätte in jedes Weltblatt gepasst, Compliance-Regeln hin oder her.

*****************************************************************************************************

Fairerweise hier noch die Originalantwort der «NZZ» an den «Schweizer Journalisten»: «Von einem Interview möchten wir absehen. Es handelt sich vor allem um Fragen, die in den letzten Jahren wiederholt von der NZZ beantwortet wurden. Insofern ist dem nichts Neues hinzuzufügen. Gerne nehmen wir aber noch einmal und zusammenfassend zum Fragenkomplex wie folgt Stellung. Um unseren Nutzerinnen und Nutzern rund um die Uhr hochwertigen Qualitätsjournalismus anbieten zu können, sind seitens der Chefredaktion das Wahrnehmen der umfassenden Verantwortung und Führung mit klaren Zielsetzungen gefragt. Gefragt ist zudem eine offene Feedbackkultur in beide Richtungen. Dass diese im Unternehmen gelebt wird, bestätigt eine aktuelle Umfrage bei den Führungskräften der NZZ. Gemäss dieser Umfrage nimmt zudem ein Grossteil der Führungskräfte die Unternehmenskultur bei der NZZ als wertschätzend wahr. Als Redaktorin nimmt Frau Schwartz in der Tat Einfluss auf die Gestaltung der NZZ – so, wie das alle NZZ-Redaktorinnen und -Redaktoren im Rahmen ihrer Arbeit tun. Was das Interview betrifft, das Eric Gujer für ein Fastenkur-Hotel gegeben hat: Die Frage nach Compliance stellt sich insofern nicht, als Herr Gujer dieses Interview während seiner (selbst bezahlten) Ferien und auf Anfrage der Hotelleitung gegeben hat – dies im Rahmen einer Serie für das hauseigene Magazin, wo Persönlichkeiten, die in Jobs mit hohem Stressfaktor tätig sind, zu ihrem Umgang damit befragt werden.»

«Schweizer Journalist:in»: Promoartikel für die Neue

Magazin rollt schon mal den Werbeteppich aus.

Das höchste Gut im Journalismus ist – wer weiss es? Richtig, Glaubwürdigkeit. Die neue Co-Chefredaktorin des «Schweizer Journalists» heisst Charlotte Theile. Gleich mit der ersten Ausgabe des Jahres ist ihre Glaubwürdigkeit angekratzt.

Theile ist nämlich Gründerin des Storytelling-Kollektivs «Elephant Stories». Ihr Unternehmen ist noch jung – und braucht etwas Werbung. Sagen wir es mal so: In der Schweiz gibt es mehr Storytelling-Ideen als Elefanten in Afrika.  Im «Schweizer Journalist», oder wie man/sie/es jetzt schreiben muss: «Schweizer Journalist:in», wird «Elephant Stories» trotzdem gross vorgestellt. Sogar mit Anriss auf der Frontseite.

Ist das nicht etwas heikel, Frau Chefredaktorin Theile? «Elephant Stories habe ich im vergangenen Jahr gegründet und Anfang Februar öffentlich gemacht», schreibt sie zurück. Gemäss Informationen von ZACKBUM waren Theile und Samantha Zaugg aber bereits zu diesem Zeitpunkt zu den Nachfolgerinnen des gescheiterten David Sieber ernannt worden.

Sie habe das aktuelle Heft inhaltlich nicht verantwortet, schreibt Theile weiter. Das macht es nicht besser. Aber es zeigt einmal mehr auf, wie ihr Vorgänger arbeitete.

«Schweizer Journalist» jetzt mit Taylor-Swift-Poster!

«Bravo Girls» übernehmen früheres Fachmagazin.

Eigentlich ist es ja nur eine Personalie. Okay, Samantha Zaugg und Charlotte Theile werden zusammen ab 1. März den «Schweizer Journalisten» leiten, zumindest die Schweizer Abteilung. Zwei junge Frauen, zwei engagierte Journalistinnen.

Die Zeitschrift heisst dann «Schweizer Journalist:In». Prophetische Veranlagungen helfen im Alltag. Manchmal geht’s es aber auch ohne: Der SJ wird in den kommenden Ausgaben die Lohnungerechtigkeit zwischen Frau und Mann thematisieren, die sexuellen Übergriffen auf den Redaktionen erwähnen und in jeder Nummer die Frage aufgreifen, warum der Frauenanteil im oberen Kader nur bei soundso Prozent liegt. Mutige Journalistinnen werden porträtiert und Patrizia Laeri erhält hoffentlich eine Kolumne, die sich ebenfalls der Lohnungerechtigkeit und den unsittlichen Berührungen widmet.

Die zentrale Frage wird aber folgende sein: Können Zaugg und Theile auch noch mehr? Ein Blick in ihr Oeuvre lässt daran zweifeln. Beginnen wir mit Charlotte Theile. In der «Annabelle» hat sie bisher drei Artikel über die Popsängerin Taylor Swift geschrieben: «Deshalb treffen ihre Lockdown-Alben den Zeitgeist», «Darum liebe ich Taylor Swifts neues Album», «Warum ich auch mit 32 noch ein Taylor-Swift-Fan bin».

Für die «Süddeutschen Zeitung» berichtete sie von 2014 bis 2018 als Korrespondentin aus der Schweiz. Die Texte sind okay. Bei komplizierter Materie, oder wenn es schnell gehen musste, erhielt sie Unterstützung von Tamedia, zum Beispiel von Philipp Loser oder Mario Stäuble.  Seit drei Jahren ist Theile nicht mehr im Tagesjournalismus. Sie versucht, sich als Freischaffende über Wasser zu halten. Theile bittet ernsthaft darum, sie mit 1,50 Euro pro Monat zu unterstützen.

In der Branche wird gemunkelt, Johann Oberauer, der Verleger, habe verzweifelt herumgefragt, wer am besten ins gewünschte Profil passe. Nämlich: weiblich, jung und billig.

Oberauer sagte zu ZACKBUM, dass er in der Ausmarchung «komplett offen» mit allen geredet habe: Männer, Frauen, Alte, Junge. Und was ist mit den billigen Arbeitskräften? «Wir bezahlen nun relativ sogar mehr, absolut jedoch weniger, weil wir mit der neuen DACH-Organisation die Stellenprozente je Land reduziert haben.»

Auch die andere Co-Leiterin, Samantha Zaugg, besitzt die gleiche Lochkarte. Zaugg ist natürlich ebenfalls Freischaffende. Ein paar Jahre auf einer grossen Redaktion? Irgendwelche Führungserfahrungen? Error 404. Zauggs Texte sind dafür süss: «Die Schwestern Ruth und Maja Weiss haben ihr ganzes Leben in Hegi verbracht. Sie erlebten die Entwicklung vom Bauerndorf zum Industriestandort und nun zur neuen Wohnzone. Wie gefällt es ihnen?»

Zaugg reagiert wütend auf Zackbum.ch: «Die Aussage, ich hätte keine Erfahrung im Tagesjournalismus und ich würde den hektischen Alltag nur vom Hörensagen kennen, ist schlicht falsch. Ich war vier Jahre Videojournalistin für die tagesaktuelle News Sendung beim Regionalsender Tele Top.» Und: «Gerade diesen Sommer habe ich mehrere Monate bei einer regionalen Tageszeitung gearbeitet, Tagesgeschäft kann ich also immer noch.» Ob das reicht?

Nach dem unspektakulären und gescheiterten David Sieber nun zwei unerfahrene Journalistinnen ohne Seilschaften. Alpinist Oberauer siehts gelassen: «In Seilen kann man sich auch verfangen. Frei klettern hat grosse Vorzüge. Ich habe da grosses Vertrauen.»

Der Verleger macht sich immerhin keine Illusionen: «Die nächsten zwei, drei Jahren werden vermutlich auch nicht einfach.» Und wenn die zwei Freien es vermutlich nicht packen? Was kommt dann als Nächstes? Ein binärer und metrosexueller Praktikant?

Neue Chefredaktoren gesucht

Gleich bei zwei Branchenmagazinen braucht’s neue Chefs.

Der Schweizer Journalist muss künftig ohne CR David Sieber auskommen und auch beim Gewerkschaftsheft Edito ist Nina Fargahi nicht mehr dabei. Während Sieber schon seit einigen «SJ»-Ausgaben angezählt wirkte, kam die Kündigung von Fargahi doch eher überraschend.  Gegenüber dem Onlineportal persoenlich.com sagte sie: «Nach über drei Jahren ist die Zeit für mich gekommen, Neues zu wagen.» Sie jubiliert ähnlich wie ein Fussballtrainer, der ein besseres Angebot bekommen hat. Als Grund des Wechsels gibt sie an: «CH Media hat eine grossartige Publizistik und ich freue mich auf die Berichterstattung aus Bundesbern sowie auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen.» Das tönt nicht unbedingt nach einer unabhängig-versierten Medienkritikerin. Aber die Abstecher ins Metier der Medienkritik ist nun ja vorderhand auch Geschichte. Damit zur grossen Frage, wer die Nachfolge antritt. Beide Verlage wollen in Kürze informieren.

Zeit für ein wenig Werweissen

Kronfavorit für den Schweizer Journalisten ist ohne Zweifel Dennis Bühler.  Der talentierte und kritische Schreiber ist zwar erst 34-Jährig. Er hat aber einen eindrucksvollen Werdegang hinter sich. Taktisch klug hat er regelmässig die Stelle gewechselt und kennt sich somit hervorragend in der Medienwelt aus. Seit 2018 berichtet er für das unabhängige Magazin Republik aus Bundesbern. Wie bei Nina Fargahi wäre nun ein Karrieresprung angezeigt. Positiv für die Ausgewogenheit des Schweizer Journalisten wäre zudem, dass Dennis Bühler seit April 2016 Mitglied der 1. Kammer des Schweizer Presserats ist.

In die engere Auswahl kommt – und ja, warum nicht – Nina Fargahi. Sie hat nämlich nur einen befristeten Vertrag bis Ende Jahr bei CH Media. Nach der Männerdominanz beim Schweizer Journalisten wäre sie eine durchaus starke Antwort. Denn vor David Sieber war Kurt W. Zimmermann am Ruder, er folgte auf Markus Wiegand, der das Blatt 2005 fulminant in bisher unerreichte Höhen führte. Weitere herumgereichte Namen: Rafaela Roth (33), die bei der NZZaS ein wenig zu versauern scheint, sowie Adrienne Fiechter, welche dem online angestaubten Branchenblatt neuen Schub verleihen könnte.

Bleibt die Frage, was mit dem Edito, dem Gewerkschaftsheft, geschehen soll. Man muss es offen sagen: In der heutigen Form hat das Magazin keine Zukunft. Die Papierausgabe hinkt enorm hinter dem aktuellen Geschehen hintennach. Die Recherchetexte wiederum riechen zu stark nach gewerkschaftlichen Gefälligkeiten. Das ist darum stossend, weil die Journalistengewerkschaften keinen Stich haben, wenn es ums Eingemachte geht. Siehe die Fusion von CH Media, siehe das Trauerspiel bei Tamedia. Dass ZACKBUM das Edito übernimmt und es vom Gewerkschaftsmief befreit, ist übrigens nicht mehr als ein Gerücht. Und diese werden nicht kommentiert, wie die Pressestelle von ZACKBUM zu sagen pflegt.

Frage an die ZACKBUM-Leserschaft: Wer ist für Dennis Bühler? Wer für …. ? Und was soll mit dem Edito geschehen?