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Totalversagen

Wenn die Journalisten-Schneeflocken schweigen.

Bei kleinster Kritik durch ZACKBUM reagieren sie mit verkniffenem Schweigen – oder gar mit rechtlichen Schritten. Sie sind beleidigt, verleumdet, in ihrer Persönlichkeit verletzt.

Dazu demnächst mehr.

Wird ihnen der Zugang zu Informationen verweigert oder wird ihnen mit Klagen gedroht, krähen sie schnell Zensur, Angriff auf die Medienfreiheit.

Aber trifft es den ihrer Meinung nach Richtigen, dann verstummen sie, als hätten sie kollektiv ein Schweigegelöbnis abgelegt.

Da gibt es den Fall des Mohrenkopf-Professors Carlos Schär. Der fühlte sich von ZACKBUM-Redaktor René Zeyer hier und in der «Weltwoche» furchtbar beleidigt. Und strengte Klagen an. Die endeten mit krachenden Niederlagen.

Allerdings war das mit Anwaltskosten für die «Weltwoche» und für ZACKBUM verbunden. Auch dazu hier bald mehr.

Der wahre Skandal besteht aber darin, dass der beleidigte Professor, statt über seine wissenschaftliche Inkompetenz nachzudenken, per Anwältin fordern liess, dass nicht nur alle Artikel gesamthaft gelöscht werden sollten, sondern dass es dem hier Schreibenden zu verbieten sei, über diese Klage gegen ihn zu berichten.

In Form einer Superprovisorischen gekleidet, wurde damit eine Reaktion der Berner Richterin verlangt, ohne dass die Betroffenen Gelegenheit gehabt hätten, dazu Stellung zu nehmen. Und das Unglaubliche passierte: Dem Maulkorb der Extraklasse, unter Androhung einer Busse von 10’000 Franken sollte darüber etwas an die Öffentlichkeit dringen, wurde stattgegeben.

Mittels Verfügung vom 30. September letzten Jahres wurde Zeyer und der «Weltwoche» verboten, über diese Klage auch nur ein Wörtchen zu verlieren. Darüber berichtete alleine auf weiter Flur «Inside Paradeplatz».

Neben der Qualifikation eines Professors, der das Objekt seiner wissenschaftlichen Untersuchung nur als M*** bezeichnen mag, kam hier ein in der jüngeren Schweizer Mediengeschichte einmaliger Skandal zum Vorschein.

Nach energischer Intervention der Betroffenen kam das Regionalgericht Bern Mittelland erst am 25. November 2025 zur Einsicht, dass dieses Gesuch, nachdem die Superprovisorische zwei Monate zuvor angenommen worden war, abzuweisen sei.

Alle weiteren Behauptungen und Forderungen Schärs, dass hier eine Rufmordkampagne gegen ihn geführt werde, die auch sein berufliches Weiterkommen gefährde, weswegen auch nicht über seine Klage berichtet werden dürfe, sowie alle diese Artikel samt Kommentaren integral zu löschen seien, wurden aus dem Recht gewiesen.

Ebenfalls seine Forderung, dass WeWo und Zeyer zu verpflichten seien, «keine neuen Artikel über den Gesuchsteller (Schär, Red.) zu publizieren». Also sozusagen ein präventiver, in die Zukunft gerichteter Maulkorb.

Damit hat dieses trübe Kapitel der Mohrenforschung hoffentlich sein Ende gefunden.

Was bleibt: das Schweigen der Belämmerten. Das Schweigen der übrigen Journaille. Ein Maulkorb, dass ein Journalist nicht über einen Prozess gegen ihn selbst berichten darf? Ein unglaublicher Skandal. Der keiner wurde. Weil die versammelten Sensibelchen unisono fanden: ist vielleicht nicht gut, aber recht geschieht’s der Schweinebacke Zeyer.

Weil ZACKBUM das nicht glauben konnte, wandten wir uns schriftlich an die Chefredaktoren der wichtigsten Schweizer Massenmedien. Fragten CH Media, Tamedia, Ringier und NZZ, was sie von diesem Maulkorb hielten. Reaktion: keine Reaktion. Nichts, null, nada.

Die NZZ, die mit einem kritischen Artikel von Rico Bandle vorgelegt hatte, zog sogar den Schwanz ein und veröffentlichte eine absurde Gegendarstellung des Professors, sogar ohne Redaktionsschwanz, dass sie an ihrer Darstellung festhalte. Offenbar aus Angst vor juristischen Kosten. Während das kleine ZACKBUM mutig in die Schlacht zog.

Wir wandten uns auch an die (wenigen) verbliebenen Sympathisanten in der Medienszene. Die berichteten zerknirscht, dass sie das thematisieren wollten, weil es natürlich ein Anschlag auf die Medienfreiheit und eine Bedrohung für alle Journalisten sei. Sie wurden aber in den Themenkonferenzen abgeklatscht, das sei nun wirklich kein Thema.

Damit schlägt die Journaille einen weiteren Sargnagel für ihr bevorstehendes Begräbnis ein. Geheimjustiz gegen einen Journalisten, das müsste unabhängig von seinen Sympathiewerten zu einem Aufschrei führen. Neben einer kurzen Erwähnung im «Schweizer Journalist» gab’s nicht mal ein Winseln.

Das ist erbärmlich. Oder sagten wir das schon.

Neues vom Qualitätspapst Bärtschi

Tamedias publizistische Leiter nach unten hat wieder zugeschlagen.

Im Bullshit Bingo ist Simon Bärtschi ganz gross. Mehr Qualität mit weniger Journalisten, das war ein einsamer Höhepunkt. Wenn man ihn quatschen lässt, kennt er keine Grenzen:

«Setzen künftig auf mehr publizistische Kraft … zielgerichteter für die digitalen Kanäle … nahtlose Abläufe auf der Redaktion … kann diesen Verlust nachvollziehen … Teil der neuen Strategie … sehe Potenzial … auf rund 55 Vollzeitstellen reduzieren können … ist und bleibt auch weiterhin eine ganz wichtige Aufgabe … für die Herausforderungen der Zukunft gut aufzustellen … die weniger zur Verfügung stehenden Ressourcen zielgerichteter … geplanten Personalmassnahmen in den Redaktionen sollten in einem gesunden Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit … gute Geschichten sollen dort ausgespielt werden, wo sie ihr Publikum finden … jede Sparrunde ist schmerzhaft …»

In konsequenter Verfolgung all dieser Ziele setzt er nun noch einen drauf. Die «Republik» verfügt über gute Beziehungen zu den vielen frustrierten Tamedia-Journalisten. Rund 180 von ihnen sollen ein Protestschreiben gegen Bärtschis neusten Furz unterzeichnet haben.

Per Mail und mit viertägigem Vorlauf informierte Bärtschi laut «Republik» die Redaktionen darüber, dass zur Qualitätssteigerung eine neue Artikellänge eingeführt werde: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert.

Das soll dazu dienen, diese Textbausteine besser herumschieben zu können und die Abläufe im Kopfblattsalat von Tamedia zu optimieren. Dazu also noch Wurstsalat aus Buchstaben.

Nun könnte man das, wenn man könnte, vielleicht so einschenken, dass nicht gleich ein Grossteil der Redaktion aufheult:

«Das neue, starre Modell steht im Wider­spruch zu allem, was das Unternehmen den Redaktorinnen und Redaktoren in den letzten Jahren eingetrichtert hat. Digitales Storytelling, Online First, keine Gedanken an den Print: Das alles gilt offenbar nicht mehr.»

Mutig, denn auch bei Tamedia gilt: nach der letzten Sparrunde ist vor dem nächsten grossen Rausschmeissen.

Wer wie Bärtschi das letzte grosse Abräumen als «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» verkaufen will, ist völlig schmerzfrei.

Lustig auch die von der «Republik» eingeholte Stellungnahme von Tamedia: «Unsere Umfragen zeigen, dass der überwiegende Teil der Mitarbeitenden den eingeschlagenen Kurs grundsätzlich unterstützt

Das mag wohl unter dem Titel Arbeitsplatzsicherung oberflächlich betracht so sein. Bevor der Journalist, vielmehr der Textschnitzer, der Handwerker mit unbedingtem Willen zur Qualitätssteigerung, überhaupt ans Gerät geht, muss er sich überlegen, in welche Textlänge eigentlich sein geplantes Stück passt. Setzt er bescheiden bei S (2500 A) an und merkt, dass das nicht reicht und er schon um mehr als 150 A überschrieben hat, darf er nun sein Werk auf 4000 A aufblasen.

Dieser Text hat bis hierher 2746 A. Würde ZACKBUM wie Tamedia arbeiten, müssten wir nun das Stück auf 4000 A aufpumpen. Aber so etwas macht man im Qualitätsjournalismus natürlich nicht.

Man muss schon ein Kommunikationsgenie sein, wenn man mit einem kurzen Mail gleich einen geharnischten Protest von rund 180 Mitarbeitern einfängt, obwohl die unter dem Damoklesschwert der nächsten Kündigungswelle sitzen.

Überhaupt kommt es knüppeldick für den normierten Wurstscheibenjournalismus (was nicht passt, wird passend gemacht) bei Tamedia. Wie der «Schweizer Journalist» berichtet, seien die Reichweiten der Tamedia-Produkte letzthin um über 30 Prozent eingebrochen. Stimmt nicht, widerspricht Tamedia.

Unverkennbar ist allerdings, dass immer mehr Seichtes und Banales Einzug hält, People-Storys, dümmliche Tipps und Ratgeber, Belangloses aus Zürich und aus München, von wo grosse Teile der Berichterstattung übernommen werden.

Wenn man dann noch eine publizistische Leiter wie Bärtschi hat, ergänzt durch Jessica Peppel-Schulz samt plapperndem Avatar, dann kann man bei Regen statt Sonnenschein nur sagen: auch das noch.

Haben wir gelacht

Die grosse Preisverleihung des «Schweizer Journalist»: wie sich die Branche lächerlich macht.

Die Auslandchefin von Radio SRF Susanne Brunner ist zur «Journalistin  des Jahres» gewählt worden. Das ist grossartig, weil gerade die Auslandberichterstattung – und nicht nur sie – des Zwangsgebührenfunks schwer in der Kritik steht. Parteilich, einseitig. Naher Osten, Trump, Ukrainekrieg, au weia. Als Nahost-Korrespondentin bekam die Journalistin des Jahres schwer Prügel wegen ihrer antiisraelischen und propalästinensischen Schlagseite in der Berichterstattung. Wirklich die richtige Preisträgerin?

Sie tritt damit in die flachen Fussstapfen von Fabian Eberhard, das Ein-Mann-Investigativteam des SoBli, der nicht mal in einem Bürogebäude die Räumlichkeiten des Internetradios Kontrafunk findet.

Dann gäbe es einen, der den Preis fürs Lebenswerk schon überfällig lange verdient hätte. Nein, Roger de Weck ist es nicht; der hat ihn zwar gekriegt, aber verdient hätte ihn Roger Schawinski. Der bekam ihn schon mal von ZACKBUM, aber sonst …

Aber richtig lustig wird es bei einigen Kategoriensiegern. Da gab es schon eine Reihe von schlimmen Ausrutschern, aber diesmal wälzt man sich am Boden vor lachen.

In der Kategorie «Politik» wurde jemand ausgezeichnet, dessen Namen wir hier eigentlich schon aus hygienischen Gründen nie mehr nennen wollten. Wir machen eine einzige Ausnahme, damit wir richtig losprusten können: Philipp Loser. Dieser linksradikale Amok («Faschist Trump»), diese publizistische Witzfigur, die nur seine kleiner werdende Gesinnungsblase noch ernst nimmt? Man reiche uns ein neues Pack Taschentücher.

Aber damit nicht genug der Lachnummern. In der Kategorie Gesellschaft siegte Mona Vetsch, das Betroffenheitstussi von SRF. Kategorie Kolumne Anna Rosenwasser, wozu man höchsten sagen kann, es gäbe noch Schlimmere. Aber wieder ein neuerlicher Höhepunkt, ein echter Angriff aufs Zwerchfell, Kategorie Kultur Simone Meier. Obwohl die mit Kultur («Juden canceln») so viel zu tun hat wie eine Kuh mit Quantenphysik.

Einzig etwas Gnade walten lassen wir bei der Redaktion des Jahres. Da kann man die WoZ durchaus nehmen. Keine Entlassungswelle, keine Bettelaktion, kein grosser Flop, neben Gesinnungs- auch brauchbarer Journalismus, warum nicht.

Aber eine Jury, die ernsthaft Loser oder Meier auszeichnet, plus das übrige Fussvolk, die will wohl einfach zeigen, dass Journalisten wirklich völlig abgehoben von der Wirklichkeit in einer eigenen Blase leben. Aus der allerdings immer mehr unsanft rausfallen. Denn inzwischen wissen alle: nach der Entlassungswelle ist vor der Entlassungswelle.

Daher hat ZACKBUM natürlich auch dieses Jahr in der Kategorie «Journalist des Jahres» drei klare Favoriten. Erster Platz: Pietro Supino. Zweiter Platz: Michael Wanner. Dritter Platz: Marc Walder. Und den Preis fürs Lebenswerk hätte natürlich Frank A. Meyer verdient.

Allerdings: wer diesen Preis noch annimmt, ist selber schuld. Das disqualifiziert ja eher, als dass es ehrt. Und nach diesen Preisträgern wird’s ganz und gar unmöglich.

Wer einmal lügt …

Weitere Faktenchecks zu Roshanis Behauptungen im «Spiegel».

«Das Mobbing mir gegenüber aber ging weiter: Ohne Anlass nutzte Canonica auch den neuen Redaktionsalltag für meine Diskreditierung; machte gern schlüpfrige Bemerkungen, wie beim Weihnachtsessen 2019, als er, zu einem journalistischen Selbstversuch von mir, grinsend bemerkte, dass LSD sicher geil mache. Einem Reporter sagte er – ich war in Hörweite –, dieser dürfe mir nichts glauben, ich würde generell ‚Bullshit‘ von mir geben.»

Das ist eine Textstelle aus dem vierseitigen Pamphlet, das Anuschka Roshani Anfang Februar im «Spiegel» veröffentlichte. Darin beklagte sie sich über Mobbing, Entwürdigung, sexuelle Anspielungen und überhaupt ein unerträgliches Verhalten des ehemaligen «Magazin»-Chefredaktors Finn Canonica. Der habe sie sowohl unter vier Augen wir auch coram publico auf das Übelste verbal angegangen.

Dem «Spiegel» gab es dabei nicht zu denken, dass es sich hier um die Rache einer Entlassenen handeln könnte, die vorher vergeblich versucht hatte, den Stuhl ihres damals amtierenden Chefredaktors zu besteigen und ihn intern nach Strich und Faden gemobbt hatte.

ZACKBUM hat bereits die im Artikel aufgestellten Behauptungen einem Faktencheck unterzogen, soweit das aufgrund vorliegender Dokumente wie dem Untersuchungsbericht von Tamedia oder Aussagen anderer Beteiligter möglich war.

Dabei verwendete ZACKBUM fünf einfache Kriterien zur Bewertung der Tatsachenbehauptungen von Roshani:

  1. Was ist reine Rhetorik und Demagogie?
  2. Welche Anschuldigung stimmt?
  3. Welche stimmt nicht?
  4. Welche beruht auf Hörensagen?
  5. Welche kann nicht beurteilt werden?

Das Ergebnis ist ernüchternd: von 33 überprüften Behauptungen fallen 8 unter Rhetorik und Demagogie, 9 sind Hörensagen, 3 können nicht beurteilt werden, 24 halten einer Überprüfung nicht stand, und nur 2 treffen zu.

Die oben zitierte Behauptung von Roshani wurde bereits zurückgewiesen, da sich das Geschilderte nicht im Redaktionsalltag abspielte und wohl kaum als Beispiel für Mobbing herhalten könnte.

Laut Roshani hätten diese Aussagen, dass LSD sicher geil mache und die Bemerkung gegenüber einem Reporter, Roshani erzähle «generell «Bullshit»», am Weihnachtsessen 2019 stattgefunden.

Das kann nun schlichtweg nicht sein. Nicht deswegen, weil Canonica diese beiden Aussagen bestreitet. Nicht deswegen, weil es für beide keine Zeugen gibt (der Name des «Reporters» wird nicht genannt, beim LSD-Spruch steht Aussage gegen Aussage, wobei Canonica nicht beweisen müsste, was er laut ihm NICHT gesagt hat).

Das kann er aber beweisen. Denn es gab 2019 gar kein Weihnachtsessen. Weder vor noch nach Weihnachten. Das muss Roshani entfallen sein. Aber ohne Weihnachtsessen auch keine Bemerkungen von Canonica. Also ist diese Darstellung frei erfunden.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Behauptungen von Roshani, die über die schon widerlegten hinaus beweisbar falsch sind. Einfache Aussagen wie «Ich war die Einzige, die übrig war aus dem alten Team …»; das ist leicht mit der Realität zu widerlegen; es ist unverständlich, wieso Roshani diese Falschbehauptung aufstellt.

Schwerwiegender ist diese Unwahrheit: «Eine Kollegin entließ er ohne Vorwarnung.» Auch das ist nachweislich falsch, wenn man den Namen der Kollegin kennt und auch weiss, wie sich diese Entlassung in Wirklichkeit abgespielt hat.

Dann gibt es noch einen besonders widerwärtigen Vorwurf, weil der sich nicht auf Roshani selbst bezieht: «Nicht mal Canonicas Affäre mit einer Untergebenen und den damit verbundenen Machtmissbrauch fand das Unternehmen als Vorwurf erheblich genug: Erst bevorzugte Canonica seine Geliebte, ohne daraus einen Hehl zu machen, ging mit ihr auf Dienstreisen, dann, nach dem Ende des Verhältnisses, verbot er uns, mit ihr zu kommunizieren.»

Es kann als erstellt betrachtet werden, dass es eine solche Affäre nie gab, Canonica daher auch seine angebliche Untergebene und Geliebte nicht bevorzugt behandelt oder auf Dienstreisen mitgenommen haben kann, geschweige denn der Redaktion nach Beendigung des Verhältnisses die Kommunikation mit der Nicht-Genannten verboten habe.

Wer solche zutiefst verstörenden und ehrverletzenden Behauptungen aufstellt, die einer Überprüfung allesamt nicht standhalten, hat nicht nur straf- und zivilrechtliche Konsequenzen zu gegenwärtigen.

Was hier – unter Mithilfe des «Spiegel» – passiert ist, ist schlichtweg Rufmord. Dass die anderen Medien, angefangen von CH Media über Ringier und sogar NZZ und «Die Zeit», mit angeblichen anonymen Zeugenaussagen weiterhetzten, ist schlichtweg widerwärtig. Dass kein einziges Medium – ausser ZACKBUM – sich die Mühe machte, die Behauptungen von Roshani einer Überprüfung zu unterziehen, ist beelendend. Dass keiner der zahlreichen angeblichen Zeugen bislang den Mut hatte, nicht nur anonym im «Schweizer Journalist», sondern auch mit Namen zur Aussage zu stehen, dass die Behauptungen von Roshani, soweit sie von anderen Redaktionsmitgliedern überprüfbar sind, allesamt falsch seien, ist ein Ausdruck von unglaublicher Feigheit.

Wer bei der Preisverleihung für den «Journalist des Jahres» miterleben musste, wie der Preisträger Christof Gertsch als Mitarbeiter des «Magazins» sich wand und herumdruckste, als er gefragt wurde, was er denn zum Skandal ums «Magazin» zu sagen habe, der wusste wieder einmal, was fremdschämen bedeutet. Nach einem peinlich langen Schweigen quetschte Gertsch heraus, dass er dazu «aus tausenderlei Gründen» nichts sagen wolle. Dabei gibt es nur einen Grund: mangelnde Zivilcourage.

Während aber ein Vorwurf nach dem anderen von Roshani in sich zusammenfällt, schweigen nun die Medien, die zuvor Canonica hemmungslos verurteilten. Die NZZ drosch noch auf die liebe Konkurrenz und auf Roger Schawinski ein, der als Einziger Recherchierarbeit geleistet hatte und Canonica Gelegenheit zur Stellungnahme gab. Das eigene Fehlverhalten würdigte die NZZ aber keines Wortes.

Nun ist tiefes Schweigen ausgebrochen, ausser der kurzen Meldung, dass Canonica rechtliche Schritte eingeleitet habe. Aber selbst wenn er damit vor Gericht triumphiert: sein Name bleibt beschmutzt, er ist als Journalist tot, er ist toxisch und wird grosse Schwierigkeiten haben, jemals wieder eine adäquate Anstellung zu finden. Gibt es wenigstens Sanktionen gegen Redakteure wie Salome Müller, die in der «Zeit» Behauptungen von Roshani im Indikativ als feststehende Tatsachen schilderte? Nein. Die «Zeit» antwortet nicht einmal mehr auf wiederholte Anfragen.

Gibt es Entschuldigungen oder wenigstens Richtigstellungen in all den Medien, die mitgehechelt und mitgehetzt haben, das Narrativ von Roshani im #metoo-Wahn ungeprüft übernahmen? Nein.

Ist das alles verzeihlich? Nein.

Die verdienstlosen Preisträger

Der «Schweizer Journalist» verlieh die Journalistenpreise. Welch unwürdiges Schauspiel.

Es war ein Anlass von Insidern über Insider mit Insidern. Aber dennoch fürs Publikum lehrreich. Der «Schweizer Journalist» verlieh Montagabend die Journalistenpreise in gefühlten 27 Kategorien. Ausgewählt wurden die Preisträger per Abstimmung, die Shortlist wurde von einer Jury erstellt.

Die Preisträger repräsentieren idealtypisch das Elend des Schweizer Journalismus. Als «Kulturjournalistin des Jahres» wurde Simone Meier ausgezeichnet. Was Meier mit Kultur zu tun hat? Ungefähr so viel wie «watson» mit Journalismus. Seit sie launig schrieb, dass Hitler Juden «gecancelt» habe, halten wir uns die Nase zu, wenn ihr Name genannt wird.

Hinter einem WoZ-Trio belegte Maurice Thiriet, der Chefredaktor von «watson», in dieser Kategorie den zweiten Platz. Als «Reporterin des Jahres» wurde Luzia Tschirky ausgezeichnet. Wohl dafür, dass sie es konsequent schafft, zur falschen Zeit am falschen Platz zu sein und sich eine schusssichere Weste überzustreifen, wenn die grösste Gefahr vom Strassenverkehr hinter ihr ausgeht. Der Preis «Wirtschaftsjournalistin des Jahres» ging an Patrizia Laeri. Verständlich, dass Lukas Hässig als Zweitplatzierter hinter ihr der peinlichen Ehrung fernblieb. Bei ihr darf die Frage erlaubt sein, was sie mit Wirtschaft und was sie mit Journalismus zu tun hat. Wahrscheinlich so viel wie «ElleXX» mit feministischer Geldanlage.

Es geht aber noch besser. «Recherchierjournalist des Jahres» wurde Fabian Eberhard. Wohl dafür, dass er bei einer seiner Recherchen nicht mal das Büro des Internetradios «Kontrafunk» aufspüren konnte. Und wenn Daniel Ryser von der «Republik» der «Gesellschaftsjournalist des Jahres» ist, dann ist Daniel Binswanger keine schreibende Schmachtlocke, sondern eine moralische Instanz. Konsequenterweise wurde die humorlose Brachialkomikerin Patti Basler «Kolumnistin des Jahres».

Das alles ist schwer zu toppen, aber es gelang. Denn die Laudatio auf den «Journalist des Jahres» Christof Gertsch vom «Magazin» hielt Mikael Krogerus, ebenfalls «Das Magazin». Anwesend waren im Weiteren Philipp Loser vom «Magazin» und Daniel Binswanger, Ex-«Magazin» und Chefredaktor a.i. der «Republik».

Nun wurde Gertsch vom Chefredaktor des «Schweizer Journalist», der zudem eine entlarvende Recherche zu den Vorgängen ums «Magazin» publiziert hatte, dezent gefragt, wie es denn so sei, wenn man selbst mal im Rampenlicht der Medien stünde. Da verstummte Gertsch, stammelte dann Unverständliches, um sich schliesslich zum Satz aufzuraffen, dass er dazu «aus tausenderlei Gründen» nichts sagen wolle. Die sanft-hartnäckige Nachfrage beantwortete er mit einem verdrucktsten «nein».

Aber immerhin sagte er damit einige Worte mehr als alle anderen Memmen vom «Magazin», die weiterhin eisern an ihrem Schweigegelöbnis festhalten und sogar den Augenkontakt mit dem anwesenden ZACKBUM-Redaktor tunlichst vermieden.

Wenn man zu einer Feier eingeladen ist, sollte man aus Respekt vor dem Gastgeber darauf verzichten, seinen Gefühlen zu ungehemmt Ausdruck zu verleihen. Aber diesen gebauchpinselten charakterlichen Mängelexemplaren zuschauen zu müssen, wie sie Preise abholten, wichtig taten und es gleichzeitig an einem Funken Zivilcourage vermissen liessen, das forderte schon einiges an Selbstbeherrschung ab, um ihnen nicht vor die Füsse zu spucken.

Inhaltlich hat der «Schweizer Journalist» dank neuem Chefredaktor durchaus an Format gewonnen. An würdigen Preisträgern muss noch schwer gearbeitet werden.

 

Gegendarstellungsfrei

Die Schweiz schweigt. München berichtet.

«Um den Fall Roshani/Canonica werden sich demnächst die Gerichte kümmern. … Am Mittwoch wurde mehr aus dem angeblich 100 Seiten langen Untersuchungsbericht bekannt, den Tamedia-Verleger Pietro Supino bei einer Anwaltkanzlei Ende 2021 in Auftrag gegeben hatte.»

So berichtet die «Süddeutsche Zeitung» am Freitag über Innerschweizer Angelegenheiten. In den Schweizer Tageszeitungen wurde breit vermeldet, dass die ehemalige «Magazin»-Redaktorin Anuschka Roshani im «Spiegel» eine Breitseite gegen den ehemaligen Chefredaktor Finn Canonica und ihren ehemaligen Arbeitgeber Tamedia abgefeuert hatte.

Sexismus, Mobbing, toxische Atmosphäre, frauenfeindliche Sprüche. Das Narrativ entspricht dem Zeitgeist, bis hinunter zur «Republik» wurde wiedergekäut, gewäffelt und verurteilt. Dass Canonica die Vorwürfe als grösstenteils erlogen scharf zurückwies, dass Tamedia eine Zusammenfassung eines Untersuchungsberichts veröffentlichte, der die Sache in einem ganz anderen Licht erscheinen liess: kurze Randbemerkung.

Am Mittwoch veröffentlichte Roger Schawinski auf seinem Radio 1 neue, brisante Auszüge aus diesem Bericht. Danach verdichtet sich der Verdacht, dass Roshani, teilweise in Abstimmung mit dem ehemaligen «Magazin»-Redaktor Mathias Ninck oder Michèle Roten, aufgebauscht und erfunden habe.

Zudem veröffentlichte der «Schweizer Journalist» eine akkurate Recherche zur Frage, ob es wirklich so war, wie Roshani darstellt. Resultat: laut Aussagen von 8 aktuellen und ehemaligen «Magazin»-Mitarbeitern: nein.

Über diese neuen Enthüllungen, die nicht so in den Zeitgeist passen, berichtete ansatzweise persönlich.com und ausführlich ZACKBUM.

Und sonst niemand.

Schweigen im Blätterwald. All die Gazetten in der Schweiz – und sogar die deutsche «Zeit» – die aufgrund anonymer Heckenschützen sich darin überschlugen, dass es alles noch viel schlimmer gewesen sei, schweigen verkniffen. Die NZZ, der «Blick», CH Media, die sogar schon eine Entschuldigung in Richtung Tamedia-Boss Pietro Supino rausquetschen mussten – alle halten die Füsse still.

Vielleicht wäre mal eine Entschuldigung Richtung Canonica fällig. Aber das werden wir nicht erleben, dass das freiwillig geschieht.

Welch ein Elendsjournalismus, aufgrund ausschliesslich anonymer Frustrierter loszugaloppieren. Die «Zeit» verwendete sogar den Indikativ, als sei es erwiesen, dass die Behauptungen von Roshani zuträfen.

Nach der wilden Hatz aufgrund trüber Quellen muss man nun in der SZ lesen, was eigentlich in der Schweiz überall erscheinen müsste:

«Der Bericht ergebe ein «ein überraschendes Bild, das radikal von dem abweicht«, das Roshani im Spiegel gezeichnet hatte. Er entlaste Canonica in vielen Punkten. Auch das Branchenmagazin Schweizer Journalist:in hat sich gerade mit dem Fall befasst und in der Redaktion von Das Magazin recherchiert. Die Story zeichnet kein gutes Bild von Finn Canonica als Führungspersönlichkeit. Sie findet aber auch keine Zeugen für ein toxisches Klima in der Redaktion.»

Nur die amtierenden Mitarbeiter – oder der langjährige Kolumnist Daniel Binswanger, inzwischen Chefredaktor a.i. des Gutmenschenblatts «Republik» – haben ein Schweigegelübde abgelegt.

Normalerweise übernimmt ja Tamedia – bis hin zu Katzengeschichten eines ehemaligen Münchner Bürgermeisters – fast alles, was aus der bayerischen Hauptstadt kommt, ausser vielleicht das Kinoprogramm. Wetten, dass dieser Artikel nicht dazugehören wird?

PS: Der Gerechtigkeit halber sei angemerkt, dass immerhin «20 Minuten» die neuen Enthüllungen aufnimmt. Immerhin, weil das Gratisblatt auch zu Tamedia gehört.

Pein, peinlich, Roshani

Ein Desaster für den Lemminge-Journalismus. Ein Scheissspiel.

«Unseren Informationen aus der «Magazin»-Redaktion zufolge weiss niemand von einer «Spiegel»-Recherche.» Das schreibt der «Schweizer Journalist» (SJ) in seiner Titelstory über die Roshani-Affäre. Das Branchenblatt, von ZACKBUM bereits abgeschrieben, glänzt mit einer Top-Recherche über die Hintergründe der Vorwürfe gegen den ehemaligen «Magazin»-Chefredaktor Finn Canonica.

Es tun  sich Abgründe auf.

Abgrund eins:

«Uns liegen Aussagen sowohl ehemaliger sowie aktueller Mitglieder des «Magazin»-Teams vor, die die Beschreibungen von Anuschka Roshani stützen», behauptet dem gegenüber die «Spiegel»-Pressestelle. In seiner Untersuchung hat der SJ mit «vier Frauen und vier Männern» gesprochen, «alle entweder noch oder bis vor Kurzem noch auf der «Magazin»-Redaktion tätig. Auch sie waren nicht bereit, mit Namen hinter ihre Aussagen zu stehen». Aber es ist doch bemerkenswert, dass alle unisono eine  Tätigkeit unter Canonica im «Magazin» als empfehlenswert bezeichnen. Noch deutlicher:

«Alle Gesprächspartner verneinen unabhängig voneinander und mit unterschiedlichsten Darstellungen, dass sie selbst die Atmosphäre in den vergangenen Jahren als belastend, sexistisch oder toxisch empfunden hätten.»

Es ist theoretisch denkbar, dass der Autor Marcus Hebein ausgerechnet und ausschliesslich mit einer Fraktion gesprochen hat, die das so sieht, während andere Mitarbeiter, die nicht mit ihm sprechen wollten, die Behauptungen von Roshani stützen würden. Aber wahrscheinlich ist das nicht.

Auch die «Zeit», deren Autorin Salome Müller im Indikativ behauptet, dass Roshani Opfer der sexistischen Machokultur im Journalismus geworden sei, sieht auf Anfrage von ZACKBUM auch im Licht der von Roger Schawinski publizierten Ergebnisse des Untersuchungsberichts keinen Anlass, diese journalistische Fehlleistung zu korrigieren: «Wir verfolgen die Berichte natürlich aufmerksam, sehen aber derzeit keinen Anlass für Berichtigungen oder Ähnliches.»

Selbst renommierte Presseorgane wie «Spiegel» oder «Zeit» sind offensichtlich ohne Hintergrundrecherchen oder aufgrund vorgefasster Narrative auf die Darstellung von Roshani reingefallen. Und bislang nicht bereit, diese Fehlleistung einzugestehen.

Abgrund zwei:

Auch der renommierte «Beobachter» illustriert seinen Bericht über die Affäre «Magazin» mit einer männlichen Hand auf einem weiblichen Oberschenkel. Denn angeblich soll Canonica Praktikantinnen gegenüber besonders anzüglich gewesen sein. Dazu Redaktionsmitglieder im SJ: «Absoluter Bullshit», «kam nie vor», «ganz im Gegenteil. Canonica pflegte ein eher gutes und eher professionelles Verhältnis zu Praktikantinnen». Von denen wurden im Verlauf der Untersuchung durch eine externe Kanzlei sogar «Entlastungsschreiben» verfasst und an die Unternehmensleitung geschickt. Abgrund zwei: wie ist es möglich, dass renommierte Organe dermassen einseitig, einäugig und ohne banalste Grundlagen der Recherche anzuwenden, dem Narrativ auf den Leim krochen, dass hier wieder einmal eine Frau sexistisch misshandelt, gemobbt und unterdrückt worden sei? Wohl deswegen, weil Narrative, Haltungen, Voreingenommenheit, lemmingeartiges Nachplappern und Abschreiben wichtiger geworden ist als das journalistische Handwerk.

Abgrund drei:

«Nach dieser Erfahrung glaube ich Berichten in den Schweizer Medien kein Wort mehr, solange ich sie nicht selbst geschrieben und recherchiert habe.

Das sagt nicht etwa eine Verschwörungstheoretikerin, sondern eine langjährige, erfahrene «Magazin»-Journalistin, die ob der Berichterstattung der vergangenen Wochen verzweifelte», schreibt der «Schweizer Journalist». Abgrund drei: Wenn die Journalisten der Schweizer Medien bei einer solch vergleichsweise einfachen Aufgabe – herausfinden, ob die Behauptungen von Roshani der Wahrheit entsprechen oder nicht – dermassen versagen, welches Vertrauen darf man dann noch in ihre Fähigkeit haben, komplexe oder weltumspannende Zusammenhänge zu durchdringen?

Abgrund vier:

«Aber irgendwie habe ich das Gefühl, da ist mehr mangelnde Erfahrung mit Recherchierjournalismus als Böswilligkeit der Autoren.» Das twittert Benjamin von Wyl, der noch nie in seinem Leben mit einer Recherche aufgefallen wäre. Er twittert es deswegen, weil die Recherche des SJ nicht in sein Weltbild passt. Und wenn etwas da nicht hineinpasst, dann ist’s natürlich falsch. «Wer diesen Grad an Paranoia erlangt, sollte sich wohl aus den «Schweizer Medien» zurückziehen», holpert von Wyl noch über den Stossseufzer einer erfahrenen «Magazin«-Journalistin. Von Wyl ist ein kleines Würstchen, aber mit seiner Haltung repräsentativ für ach so viele seiner Kollegen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: wenn solche Frettchen wie von Wyl den Beruf wechseln würden, ginge es den Schweizer Medien ein Mü besser. Die «Republik» trompetet: «Am vergangenen Samstag berichtete die Republik ausführlich über strukturelle Probleme mit Mobbing und Sexismus beim Medien­verlag Tamedia und beleuchtete dabei erstmals die Rolle des «Super-Chef­redaktors» Arthur Rutishauser. Nun wird der 57-Jährige degradiert.»

Als ob das Gewäffel der abserbelnden «Republik» damit etwas zu tun hätte. Als ob die «Republik» nicht besser erklären würde, wieso ihr Chefredaktor a.i. Daniel Binswanger, der jahrelang beim «Magazin» arbeitete und eng mit Canonica war, noch kein Sterbenswörtchen zur Affäre Roshani gesagt hat. Abgrund vier: auch hier zeigt sich, dass Selbstbespiegelung, die Pflege von Narrativen und die Betonung der eigenen Wichtigkeit vielen Journalisten wichtiger ist als die Ausübung ihrer eigentlichen Tätigkeit: schreiben, was ist.

Abgrund fünf:

Eine besonders zwielichtige Rolle spielt der ehemalige «Magazin»-Redaktor Mathias Ninck. Schon 2014 erwiesen sich Behauptungen von ihm aufgrund einer externen Untersuchungen als haltlos und aus der Luft gegriffen. Diesmal warf er als inzwischen enttarnte «anonyme» Quelle in die Runde, dass Canonica bei Einstellungsgesprächen anzüglich mit einer weiblichen Brust aus Plastik gespielt haben solle, die auf seinem Schreibtisch gelegen habe. Diese Schmiere wurde von Roshani aufgegriffen.

Wie die von Schawinski veröffentlichte Untersuchung belegt, ist das frei erfunden und widerlegt. Inzwischen ist Ninck aus dem Journalismus ausgestiegen, was eine gute Nachricht ist. Schon in seinen Zeiten vor dem «Magazin», zum Beispiel beim «Blick», fiel er nicht gerade durch aufrichtige Wahrheitsliebe auf. Inzwischen ist er aber Kommunikationsleiter im Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich. Nicht gerade eine Idealbesetzung bei dieser Vorgeschichte.

Er ist immerhin namentlich enttarnt. Wie steht es aber mit all den anonymen Quellen, die von Ringier, sogar der NZZ, CH Media, «Der Zeit» und dem «Spiegel» zitiert werden, die mutig aus dem Hinterhalt behaupteten, es sei alles noch viel schlimmer gewesen als von Roshani dargestellt, es habe ein wahrer «Psycho-Terror» geherrscht? Abgrund fünf: noch nie hat sich das Elend des modernen Journalismus, mit für den Leser nicht überprüfbaren anonymen Quellen zu arbeiten, deutlicher gezeigt als hier. Wer sind sie, wie vertrauenswürdig sind sie, existieren sie überhaupt oder wurden sie schlichtweg erfunden?

Wir erinnern uns: kein einziger der anonymisierten Vorwürfe der erregten 78 Tamedia-Mitarbeiterinnen in ihrem Protestbrief konnte bis heute verifiziert werden. Natürlich arbeitet auch der SJ mit anonymen Zeugen. Aber entweder heben sich dann die Aussagen auf – oder alle von den Mainstream-Medien angeführten Quellen lügen. Das ist bei den im SJ wiedergegebenen Aussagen unwahrscheinlich, weil sie sich mit den Ergebnissen der externen Untersuchung decken.

Abgrund sechs:

Wieso geht niemand den wirklich interessanten Hintergründen und Zusammenhängen nach? Die ranken sich um einen Namen, der bislang nur nebenbei erwähnt wurde: Peter Haag. Er ist einerseits Ehemann von Anuschka Roshani. Andererseits Gründer und Besitzer der Aktienmehrheit des Verlags «Kein & Aber». Und? Nun, wenn man sich die Autorenliste des Verlags anschaut, findet man beispielsweise Mikael Krogerus. Genau, «Magazin»-Redaktor und Partner der «feministischen Aktivistin» Franziska Schutzbach, die die Vorgänge um Roshani ganz furchtbar findet. Oder Nina Kunz, Kolumnistin des «Magazin». Oder Max Küng, ewiger Kolumnist des «Magazin». Oder Konstantin Richter.

Die interessante Story hier: Haag hat bekanntlich die «Dokumentation» über angeblich erlittenes Unrecht seiner Frau an die Verwaltungsrätin Pascale Bruderer der Tx Group übergeben, die die SP-Genossin dann dort einreichte, worauf eine neuerliche Untersuchung der Vorfälle angeleiert wurde. Das ist die eine Version. Aber auch Konstantin Richter ist Mitglied des VR der Tx Group, als Vertreter der Coninx-Sippe. Und zudem nicht wirklich erfolgreicher Autor bei Haag. Es könnte also auch sein, dass Verleger Haag seinem Autoren Richter die Klageschrift in die Hand drückte, nachdem alles Geklage seiner Gattin bei Tamedia nichts nutzte.

Dass dann «Magazin»-Redaktoren, die ihre Schriftwerke bei Haag veröffentlichen dürfen, nicht wirklich motiviert sind, öffentlich und mit Namen bekannt zu geben, dass Roshanis Behauptungen im Wesentlichen ihrer Fantasie entspringen: menschlich verständlich, charakterlich zweifelhaft. Abgrund sechs: keiner der famosen Recherchierjournalisten weist auf solche naheliegenden Zusammenhänge hin.

Abgrund sieben:

Die Hinweise verdichten sich, dass der «Spiegel» einer ehemaligen Mitarbeiterin eine Plattform geboten hat, aus naheliegenden Gründen über ihren ehemaligen Chef und ihren ehemaligen Arbeitgeber herzuziehen. Die Massivität ihrer Vorwürfe und die Reichweite des «Spiegel» hätten es unabdingbar gemacht, diesen Vorwürfen nicht nur als Behauptung, sondern real und recherchierend nachzugehen.

Vor allem, da ihre Motive mehr als zweifelhaft sein könnten: ihre Blindbewerbung als Chefredaktorin, als noch Canonica dieses Amt ausübte, nutzte nichts. Es gelang ihr zwar, ihn zu erledigen, aber auch ihr wurde gekündigt.

Aufgrund der Erkenntnisse in der umfangreichen Untersuchung der Anwaltskanzlei, aufgrund der Recherchen des «Schweizer Journalist» erhält die Version des ehemaligen Chefredaktors Canonica zunehmend Plausibilität, dass es sich bei Roshanis Vorwürfen grösstenteils um Lügen und Unterstellungen und Übertreibungen handle.

Natürlich steht bei allem, was sich zwischen den beiden unter vier Ohren abspielte, Aussage gegen Aussage. Aber hier zeigt sich wieder einmal die Grundproblematik der modernen Definition von Sexismus: er ist nicht dann gegeben, wenn objektive Kriterien erfüllt sind, sondern wenn eine betroffene Person ein Verhalten oder eine Bemerkung so empfunden haben will. Das öffnet diesem Opfergestus Tür und Tor. Der eine sagt, ich habe das doch nicht sexistisch gemeint, der andere sagt: ich habe das aber so empfunden. Der Empfindende gewinnt. Scheissspiel.

Aber neben subjektiven und nicht überprüfbaren Vorkommnissen gibt es hier offensichtlich eine ganze Reihe von Behauptungen Roshanis, die von niemandem bestätigt werden. Ausser von in Konkurrenzorganen zitierten anonymen Quellen, denen der Untersuchungsbericht und die Quellen des SJ gegenüberstehen. Abgrund sieben: mangelhafte Recherche, unausgewogene und einseitige Berichterstattung, Gesinnungsjournalismus, Vorverurteilung, Missachtung der Unschuldsvermutung, schlichtweg Unfähigkeit bei der Berufsausübung. Ein Trauerspiel.

Schlussfolgerung:

Wenn diese Affäre repräsentativ für die handwerkliche Qualität von Organen wie «Spiegel» «Zeit» ist – und allen, die darunter liegen –, dann Gnade Gott der Zukunft des Journalismus.

Schlussbemerkungen:

Fast 300 Treffer ergibt die Suche nach dem Stichwort Roshani im Medienarchiv. Die Enthüllung von Schawinski wurde bislang von persönlich.com – und von ZACKBUM aufgenommen. Sonst herrscht verkniffenes Schweigen bei allen, die Selbstkritik üben müssten.

Eigentlich müsste Tx Group den «Spiegel» und Roshani und Ninck und einige andere einklagen. Auf der anderen Seite ist Tamedia mit dem «Spiegel» in Recherchiergemeinschaft verbunden und verbandelt. Das bedeutet, dass höchstwahrscheinlich alle Beteiligten an einem Rufmord, einer Geschäftsschädigung, einer Ehrverletzung, einer öffentlichen Hinrichtung haftungsfrei davonkommen werden. Scheissspiel.

 

Go down with a smile

Zum Ende der «Medienwoche».

Es ist bezeichnend für den Zustand der Medienkritik in der Schweiz, dass nach 12 Jahren die «Medienwoche» eingestellt wird.

Es ist bezeichnend für den Zustand der «Medienwoche», dass gegen den Schluss nur noch zweitklassige und drittrangige Autoren dort publizierten. Wo ein Marko Kovic zu den ständigen Artikelschreibern gehört, ist es mit der Qualität nicht weit her.

Nun hat die Redaktion die letzte Folge ihrer Serie «The Good, The Bad and The Ugly» veröffentlicht. Eine Anspielung auf den grossartigen Western von Sergio Leone. Daher antwortet ZACKBUM mit einem Zitat von Joker aus «Batman».

Nick Lüthi war der Mastermind hinter der «Medienwoche», einer der wenigen verbleibenden Medienjournalisten der Schweiz. Immerhin hat die «Medienwoche» das Ableben der regelmässigen Medienseite (samt Entlassung des zuständigen Redaktors) bei der NZZ überlebt. Und den Niedergang des einstmals rührigen Magazins «Schweizer Journalist». Vom kläglichen «Edito» soll hier gar nicht die Rede sein.

Ausgerechnet in einer kriselnden Branche, die Plattformen für regen Meinungsaustausch, Reflexion, Analyse und Kritik bräuchte, gibt es nur noch wenig Gelegenheitsschreiber über Medien und – ohne Überheblichkeit sei’s konstatiert – ZACKBUM als Instanz und Medienkontrolle.

Immerhin, denn ZACKBUM entstand nicht zuletzt als Reaktion auf den sich abzeichnenden Niedergang der anderen Medienorgane.

Etwas merkwürdig mutet die Begründung der Einstellung an; weiterwursteln sei keine Option gewesen: «Kommt dazu, dass die Finanzierung in der bisherigen Form sowieso nur noch drei bis fünf Jahre gesichert gewesen wäre. So spontan wie die MEDIENWOCHE vor zwölf Jahren aufgetaucht war, so überraschend verschwindet sie nun auch.»

ZACKBUM wäre begeistert, wenn seine Finanzierung für die nächsten bis zu fünf Jahre gesichert wäre. Offenbar macht es am Schluss den Unterschied aus, ob man mit Herzblut oder als Lohnschreiber zur Sache geht.

Keine Medien, keine Kritik

Die «Medienwoche» gibt auf.

Medienkritik ist nötiger denn je. Unabhängige Medienkritik ist nur ausserhalb der Eingeweide der grossen Platzhirsche möglich. Wer bei Tamedia im Brot steht, ist im Verdacht des Konzernjournalismus, wenn er CH Media kritisiert. Nur indolente Lohnschreiber wie Philipp Loser bellen im Auftrag ihres Herrn Konkurrenzprodukte an.

Die NZZ trennte sich zuerst von ihrem langjährigen Medienbeobachter, dann stellte sie die Medienseite ein. Ringier kennt das gar nicht, bei CH Media und Tamedia kommt es auch nur alle Schaltjahre mal vor.

Dann gibt’s noch (dem Vernehmen nach, wir haben aufs Gratis-Abo verzichtet) den «Schweizer Journalist» (oder wie immer der sich inzwischen schreiben mag). Zum Skelett niedergespart, uninteressant, Listicals und Übernahmen aus Schwesterblättern ist der dünne Inhalt.

Persönlich.com pflegt den pfleglichen Umgang mit eigentlich allen und ist der Weichspüler unter den Branchenorganen. «Edito» ist inzwischen der Schatten eines Schattens seiner selbst. Und dann gab es noch die «Medienwoche».

Der Niedergang des «Schweizer Journalist» – und der «Medienwoche» – spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung von ZACKBUM. Wo konnte man noch kritische, auch angriffige, kein Rücksichten nehmende Medienkritik betreiben? Eben.

Schon länger röchelte die «Medienwoche» aus den letzten Löchern. Bubble-Journalismus, Anfänger-Gefäss; wenn der Tiefflieger Marco Kovic regelmässig zu Wort kommt, weiss man, dass da ein Medium steil auf dem Weg nach unten ist.

Auch Nick Lüthi liess immer mehr raushängen, dass auch er, einer der profundesten Medienkenner der Schweiz, nicht mehr wirklich etwas reissen will. Wahrscheinlich wusste er schon länger, dass sein Herausgeber und Besitzer nicht mehr gewillt ist, sich dieses Hobby zu leisten.

Wie sülzt Thomas Paszti zum Abschied: «Die Quersubventionierung von Journalismus aus dem Rubrikengeschäft, im Fall der MEDIENWOCHE aus dem Ertrag der Stellenanzeigen auf medienjobs.ch und ictjobs.ch, hat in der heutigen Medienwelt mehr mit Idealismus und dem Glauben an unabhängigen Journalismus zu tun, als mit der gängigen verlegerischen Praxis.»

Somit ist Paszti weniger idealistisch geworden und in seinem Glauben an unabhängigen Journalismus erschüttert. Lüthi hingegen sah sich wohl mehr als Schreiber, wo die Kohle für ihn und seine Mitarbeiter herkommt, das interessierte ihn herzlich wenig.

Geradezu Slapstick ist, dass der Abschiedstext des Besitzers damit untermalt wird:

Summa summarum: da bleibt nur noch eine einzige, wirklich unabhängige und mit Energie, Spass und Nachdruck betriebene medienkritische Plattform übrig.

Wir pflegen hier kurze Amtswege, also kann ZACKBUM frohgemut verkünden: Der Besitzer ist sich mit dem Herausgeber, dem Verleger, dem Chefredaktor und dem Redaktor einig, dass es ZACKBUM weiterhin geben wird. Ohne Quersubventionierung, werbefrei und in Fronarbeit hergestellt, sowie gratis angeboten.

Niemals war ZACKBUM so wichtig wie heute. Und alle die, die kein Gönnerabo bei der «Medienwoche» abschliessen wollen, denen sei hier ein dezenter Hinweis unverbindlich unterbreitet:

Schweizer Journalist:ex

:in kann man streichen. Die Chefredaktorinnen gehen von Bord.

Es ist eine fortgesetzte Tragödie. Umso wichtiger Medienkritik wird, desto weniger Medienkritiker gibt es. Auf desto weniger Plattformen können sie sich äussern.

Die NZZ spülte ihren langjährigen Medienredaktor und anschliessend auch gleich die regelmässige Medienseite. Tamedia und CH Media widmen sich dem Thema nur sehr sporadisch, Ringier eigentlich überhaupt nicht.

Dann gibt es noch das sehr konfliktscheue persoenlich.com, die früher einmal professionell gemachte «Medienwoche», schliesslich den «Schweizer Journalist» und – last, but not least – ZACKBUM natürlich.

In den Mainstreammedien besteht das Problem, dass es innerhalb von Tamedia genauso wenig eine gute Idee ist, eigene Produkte zu kritisieren, wie das bei CH Media auch der Fall ist, ebenso in der NZZ. Dort rempeln in der NZZaS zwei Autoren regelmässig andere Medien an – natürlich niemals die eigenen.

Den steilsten Weg nach unten hat allerdings der «Schweizer Journalist» zurückgelegt. Markus Wiegand hebelte ihn auf die Landkarte und überzeugte zehn lange Jahre mit Sachkompetenz, einer spitzen Feder und guten Ideen wie die Preisverleihung des Journalisten des Jahres. Dann schwirrte er zu höheren Aufgaben Anfang 2016 zum «Kressreport» ab. Kurt W. Zimmermann übernahm und behielt Drive und Kantigkeit bei*.

Nicht zum Wohlgefallen des Besitzers und Herausgebers, der ihn nicht wegen Erfolglosigkeit, sondern wegen inhaltlicher Differenzen durch Pfarrer Sieber, Pardon, David Sieber, ersetzte. Der lieferte dann wunschgemäss Schaumteppiche und Zuckerwatte ab, gestaltete die Preisverleihung zu einem Gender-Event um und tat auch sonst alles, allen gefällig zu sein. Aber auch ihm reichte es dann mal, bzw. er war nicht mehr bereit, für ein ständig schrumpfendes Honorar weiterzuarbeiten.

Auftritt Samantha Zaugg und Charlotte Theile, die sich erst noch ins Minihonorar teilten. Verständlich, dass der genderdeutsch umbenannte «Schweizer Journalist:in» gleich mal Werbung für das «Storytellingkollektiv Elephant Stories» machte. Gründerin: Charlotte Theile.

Ansonsten fiel auf, dass nichts mehr auffiel. ZACKBUM trennte sich sogar von seinem Gratis-Abo, verschwendete Lebenszeit. Nach knapp einem Jahr werfen nun die beiden auch den Bettel hin. Grund? «Auffassungsunterschiede über die redaktionelle Weiterentwicklung des Hefts». Weiterentwicklung ist ein kühnes Wort in diesem Zusammenhang, denn aus Spargründen wurden immer mehr Artikel aus den Schwesterblättern in Deutschland und Österreich übernommen.

Wie schon bei Sieber dürfte es etwas gerumpelt haben, denn ein(e) oder mehrere Nachfolger:Innen stehen offenbar noch nicht fest. Normalerweise ergänzt man ja den Abgang der Leitung unter Verdankung geleisteter Dienste mit der Ankündigung der Nachfolge. Des Nachfolgenden. Des oder der Nachfolgenden. Der oder die natürlich auch zur Sammelgruppe «divers» gehören darf. Obwohl nicht zuletzt die Konzentration auf solchen Pipifax, der mangelnde Schweiz-Bezug und das völlige Fehlen von kritischen Artikeln die mangelnde Relevanz des SJ verstärkte.

*Packungsbeilage: René Zeyer publizierte regelmässig in der Amtszeit von Zimi.