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Himmel, der Pimmel

Die Erektionskurve bleibt hoch. Obwohl es völlig gaga ist.

ZACKBUM-Redaktor René Zeyer gesteht, dass er mehr als zwei Frauen kennt. Mehr als zwei Frauen, die von Alter und Äusserem her männliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Im erweiterten weiblichen Bekanntenkreis, dem auch durchaus jüngere Damen angehören, machte ZACKBUM daher eine Umfrage.

Schlaffes Resultat: niemand. Keine. Nicht mal verlangt. Was?

Nun, das, was der ehemalige Stadtammann von Baden aus seinen Amtsräumen zu verschicken pflegte. Genau, ein Dickpic. Für weibliche (und auch männliche) Leser, die noch nie davon gehört haben: damit bezeichnet man die unerwünschte Zusendung des eigenen erregten (oder vielleicht sich auch in Ruhestellung befindlichen) Penis an ein weibliches Wesen.

Wie es diesbezüglich bei der LGBTIQA+-Community steht, ist leider nur ungenügend untersucht. Ebenso wenig wie die Frage, wie viele Männer schon unaufgefordert, aber lassen wir das.

Für einmal ist, das muss lobend erwähnt werden, der Titel des Tagi, der diesen Nonsens von der SZ übernommen hat, besser als das Original: «Form von sexualisierter Gewalt: «Das Dickpic funktioniert als Macht­demonstration – oder auch als Drohung»»

Da erregt sich Kerstin Lottriz nämlich: «Plötzlich ploppt ein Bild am Handy-Bildschirm auf. Ein nackter Penis. Fast jede zweite Frau im Alter von 16 bis 24 Jahren hat schon mindestens einmal ungefragt ein Nacktfoto erhalten.»

Die Redaktorin der Süddeutschen «plant als Chefin vom Dienst die aktuellen Themen im Bereich Kriminalität, Katastrophen, Kurioses und Promi-Klatsch für das Internet sowie die gedruckte und digitale Zeitung». Aber das ist ja auch keine Entschuldigung.

Immerhin, der Erkenntnis, dass das Dickpic «kein Austausch auf Augenhöhe» sei, der kann ZACKBUM noch zustimmen. Ausser, aber lassen wir diese Männerfantasie aussen vor.

Zu diesem ewig rezyklierbaren Thema interviewt Lottriz die Psychologin Sarah Koldehoff. Wer? Also bitte, die Autorin des neusten Buchs zum ewigen Aufregerthema mit dem eingängigen Titel «Dick Pics».

Dabei spricht die Psychologin harte Wahrheiten knallhart aus: «Relativ wenige Männer geben an, dass sie die Bilder aus bewusster Misogynie verschicken, ungefähr jeder Sechste. Der Grossteil gibt bei der Frage nach der Motivation an, dass sie etwas zurückbekommen wollten oder es sie erregt habe.»

Es mag nun durchaus männliche Geschlechtsgenossen geben, für die man sich schämen muss und die wie Geri Müller weiland tatsächlich Fotos des eigenen Gemächts verschicken und meinen, dass das bei der Empfängerin Lustgefühle auslöse.

Auf der anderen Seite: das sei schon fast jeder zweiten Frau im dafür empfänglichen Alter widerfahren?

Nun ist die ZACKBUM-Umfrage keinesfalls repräsentativ, auch wenn die Erweiterung der Frage, ob die Befragte vielleicht eine kenne, die eine kenne, die schon mal so ein Pimmelbild ungefragt bekommen habe, immer noch auf ein schlappes Nein stiess.

Also entweder muss sich ZACKBUM Gedanken über die Art seines weiblichen Bekanntenkreises machen – oder diese Behauptung ist blanker Unsinn. Auf der Ebene, dass der unkommentierte oder unverhüllte Anblick eines Mohrenkopfs (von seinem Verzehr ganz zu schweigen) Gefühle der Diskriminierung, des Rassismus oder des allgemeinen Unwohlseins auslösen könnte.

Leider ist ebenfalls nicht untersucht, was das Versenden (gefragt oder ungefragt) eines Dubler-Mohrenkopfs beim Empfangenden (wir wollen doch mal woke korrekt bleiben) auslöst.

Gibt es denn irgendwelche verlässlichen Untersuchungen, Umfragen oder was auch immer, die diese immer wieder kolportierte Behauptung stützen? Selbst eine auf Hochtouren arbeitende KI findet nicht mehr als eine englische Umfrage von 2018, bei der 41 Prozent der 2121 befragten Frauen behaupteten, sie hätten mindestens einmal und unaufgefordert ein Penisbild erhalten.

Und sonst? Nix, null, nada. Ausser einer unscharfen Schwemme von Umfragen über sogenannten «image-based sexual abuse», der aber alle Formen, beispielsweise auch das Weiterleiten von erhaltenen Nacktfotos, enthält. Hier ergab eine internationale Studie mit immerhin 16’000 Teilnehmern aus zehn Ländern, dass 22,6 Prozent damit Erfahrungen gemacht hätten. Wohlgemerkt mit irgend einer der vielen Formen.

Wodurch man zur Schlussfolgerung gelangen muss – auch wenn man sich dem Vorwurf aussetzt, ein alter, weisser Cis-Mann, Sexist und Sonst-noch-Was zu sein –, dass diese Behauptung kompletter Schwachsinn ist, auf dem sich aber immer wieder Autorinnen und Journalistinnen und Berufsopfer ihr Süppchen kochen.

Katzenjammer

Die Medien haben völlig Mass und Mitte verloren.

Selbst die NZZ versagt bei ihrer vornehmsten Aufgabe, Ereignisse einzuordnen und ihren Platz nach Wichtigkeit zu bemessen.

Dass das Boulevard-Imitat «Blick» – alter Wein in neuen Schläuchen – auf der Klaviatur der Erregungsbewirtschaftungs spielt, okay. Wenn ein «Aufreger» nicht mehr aufregt, dann kann die Redaktion wirklich nach Hause gehen.

In dieser Bewirtschaftung gelten seit Urzeiten die gleichen Spielregeln. Etwas passiert. Der Aufreger wird an die Öffentlichkeit gezerrt, die Journaille ist gespannt, ob das überhaupt jemanden interessiert oder ob kein Schwein schaut. Volltreffer, die Kommentatoren überschlagen und ballen sich, wunderbar.

Es wird nachgezogen, Reaktionen abgeholt, inquisitorische Fragen gestellt, der Untergang der Bachelorette der Politik hämisch begleitet und kommentiert, nach der Devise: recht geschieht’s ihr. Politiker und andere Meinungsträger drängen ins Scheinwerferlicht; auch sie wissen, dass man nur mit starken Sprüchen eine Chance hat, zitiert zu werden. Für Ausgewogenes ist kein Platz.

Recht mitleidlos wird der Untergang beschrieben, mildernde Umstände erwogen und verworfen. Die Entrüstung des Publikums wird gespiegelt und verstärkt. Die Volksseele kocht, der Kommentator wird zum Scharfrichter, mit einem Wort: die bewusste, absichtliche, eiskalt kalkulierte Provokation eines Politik-Pin-up-Girls gerät ausser Kontrolle.

Aber solche Strohfeuer lodern hell und schnell auf, um genauso schnell wieder in sich zusammenzufallen. Darauf folgt der übliche letzte Akt im ewig gleichen Spiel: die Katharsis. Die Reinigung, die Entäusserung. Die Rufe nach Mässigung, Innehalten, die kritischen Fragen, ob da nicht vielleicht etwas übertrieben worden sei, Grenzen überschritten. Lustigerweise wird dafür das genau gleiche überbordende Vokabular gewählt wie vorher beim Niedermachen und Kritisieren.

Auf niedrigster Ebene zeichnen sich dabei – wie üblich – zwei Organe aus. Der Tagi und die «Republik». Im Tagi sülzt der unerträgliche Philipp Loser zusammen mit Angela Barandum über «die Zerstörung der Sanija Ameti». Der gleiche Heuchler, der als Konzernjournalist einen Konkurrenten dermassen übel niedermachte, dass er sich dafür entschuldigen musste und der Artikel gelöscht wurde. Aber über seinen Versuch der Zerstörung Lebruments schreibt er keine Zeile.

«Was ist da gerade passiert? Was passiert da gerade?» Mit diesen beiden selten stupiden Fragen beginnt das Machwerk. Was passiert? Dass der Tagi wie alle anderen auch sich über Kommentare und durch die Decke gehende Klickraten freut, was denn sonst.

Dabei täte sich vor allem eine ideologische Richtung hervor, behaupten die zwei faktenfrei: «Rechtsextreme aus ganz Europa twitterten schäumend zum Fall, riefen zum Boykott dieser «widerlichen Person» auf». Und, natürlich, sei das Ganze mal wieder eine «Gender»-Frage. Die selbst immer wieder in Fettnäpfchen tretende Tamara Funiciello labert: «Verurteilte Stalker, Rassisten und Belästiger müssen selten Konsequenzen befürchten für ihre Taten. Wenn eine junge Frau mit Migrationshintergrund eine Dummheit macht, dann gibt es Morddrohungen.»

Und ein «Kommunikationsexperte» darf aufgeblasene Allgemeinplätze von sich geben, die ehrfurchtsvoll zitiert werden: ««Egal, wie gross die Dummheit ist, die man angestellt hat – dahinter steht immer noch ein Mensch.» Oder was nach einem solchen Shitstorm noch davon übrig ist.»

Dabei wird eine Lüge immer nochmal wiederholt: Ameti habe sich «sofort» entschuldigt und den Post gelöscht. In Wirklichkeit stand der zehn Stunden im Netz, und erst als sich die Anfragen, zuerst von ZACKBUM, häuften, ging Ameti zum kalkulierten zweiten Schritt über: löschen und halbgar entschuldigen. Erst mit dieser arroganten, völlig verunglückten Entschuldigung schaufelte sie sich dann ihr öffentliches Grab, nicht vorher.

Gesteigert wird das zuverlässig nur noch durch die «Republik». Mit der üblichen schnarchigen Verzögerung meldet sich hier ellenlang Elia Blülle zu Wort. Er verlässt sein Lieblingsthema «nachhaltige Ernährung» und dekretiert: «Das überhastete Vorgehen verrät erschreckend viel über die GLP. Und legt offen, wie anfällig die Schweizer Politik bis tief ins progressive Milieu für rechts­extreme Kampagnen ist.»

Dann zählt er tapfer verschiedene Äusserungen aus dem politisch konservativen bis rechten Lager auf. Hineingesprengselt immer wieder Bemerkungen, dass man natürlich schon nicht auf Maria und das Jesuskind schiessen sollte. Dann entrüstet er sich scheinheilig: «Aufgrund von Drohungen steht Ameti mittler­weile im Austausch mit der Polizei, die Schutz­massnahmen für sie prüft. Das bestätigt die Stadtpolizei Zürich auf Anfrage. Dass es so weit kommen musste, ist eine Schande.»

Das ist keine Schande, sondern leider heutzutage normal. Die Zahl von Persönlichkeiten, auch in der Schweiz, die zeitweise oder länger Polizeischutz brauchen, wird immer grösser. Denn Verpeilte, Amoks, anonyme Rabauken gibt es immer mehr, die unter dem Schutz der Anonymität im Internet übelste Drohungen ausstossen.

Dann dreht Blülle völlig ab:

«Aufstrebenden neofaschistischen Kräften in Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien gelingt es immer besser, mit rechten und menschen­feindlichen Framings die Debatten zu lenken und zu verderben. Antimuslimische Ressentiments florieren.»

Das nennt man mal eine Täter-Opfer-Umkehr, bis es dem Leser schwindlig wird. Sein Schluss ist dann ein echter Schenkelklopfer: «Wann hat das letzte Mal jemand in der Schweizer Politik so schnell, so bedingungslos und ohne Relativierung einen Fehler zugegeben? Den betroffenen Menschen ihre verletzten Gefühle vorbehaltlos zugestanden? In dieser Hinsicht hat Ameti nicht Ausschluss und Häme verdient. Sondern Respekt und Grossmut.» Der Flachdenker hat nicht einmal mitgekriegt, dass Ameti genau das nicht gemacht hat. Und hätte sie es, vielleicht wäre ihr der Absturz erspart geblieben.

Auch die NZZ lehnt sich nun wieder auf die andere Seite. Zuerst gehörte sie zu den grössten Fans von Ameti, veröffentlichte Lobhudeleien und wahre Modestrecken mit ihr. Dann wurde sie ganz böse, «ruiniert sie ihre Karriere», nun kommen Unterstützer zu Wort.

Eine lustige Schraube dreht wie immer der «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel. Was macht er? Richtig geraten, das Gegenteil. Wovon? Ist doch egal, Hauptsache Gegenteil. Er schreibt und lässt schreiben: «Finger weg von Ameti. Die Meinung- und Redefreiheit gilt auch für Andersdenkende». Das Argument ist allerdings schwachsinnig. Denn niemand will oder wollte Ameti zensieren. Im Gegenteil, sie hat gerade von diesem Recht Gebrauch gemacht. Nur heisst Meinungsfreiheit nicht, dass sie gratis sei.

Wer in ihrer Ausübung juristische Grenzen überschreitet, wird sanktioniert. Wer zu Unruhe und Umsturz auffordert, hat die Konsequenzen zu tragen. Wer primitiv provoziert, macht sich selbst unmöglich.

Dass eine PR-Agentur eine Mitarbeiterin entlässt, die sich selbst dermassen stigmatisiert hat – völlig verständlich. Wer möchte sich denn von so einer Versagerin kommunikativ beraten lassen? Dass sich eine Partei von einem Mitglied distanziert, dass deren Grundwerte in den Dreck gezogen hat – vernünftig. Dass niemand der Provokateurin ihre erste, überhebliche Pseudo-Entschuldigung abnahm, die die Empfänger zudem für dumm verkaufen wollte – logisch.

Dass die Elendsmedien Pirouetten drehen, zuerst dreinschlagen, dann vor Dreinschlagen warnen, das ist die übliche Halt- und Haltungslosiogkeit heutzutage. Dass Köppel gegen den Strom schwimmt, ist zwanghaft vorhersehbar. Dass sich Tagi und «Republik» in Schwachsinnigkeiten überbieten, ist auch nichts Neues.

Dass aber auch die NZZ Mass und Mitte verliert – und bis heute nicht wiedergefunden hat, das ist beunruhigend.

Dass eines fehlt, ist hingegen typisch für das sumpfige Elend, in dem der moderne Journalismus plantscht: jeder Hauch von Selbstkritik. Von Selbstreflexion. Selbst bei einem so einfachen Nicht-Ereignis wie dieser dummen, zu erfolgreichen Provokation ist nicht einmal die NZZ in der Lage, ihr eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen. Das schafft ungemein Vertrauen.

Wumms: Cédric Wermuth

Der SP-Co-Präsident hat die klare Ausrichtung einer Wetterfahne.

Wermuth ist ein strikter Gegner aller Flugbewegungen innerhalb Europas, oder wenn das Ziel weniger als acht Stunden mit der Bahn entfernt ist. Ausser, Wermuth muss mal schnell nach Berlin glühen, um eine unscharfe Fotografie mit Olaf Scholz zu knipsen. Oder er muss nach Brüssel glühen, um sich mit Alain Berset abzulichten, der irgendwas geworden ist, wo er einen Haufen Geld verdient und nichts zu tun hat.

Wermuth ist ein klarer Befürworter der Juso-Initiative, dass Vermögen über 50 Millionen mit einer Erbschaftssteuer von 50 Prozent belegt werden sollen. Er sonnte sich im Flair des Revolutionären, als die Initiative vorgestellt wurde. er ist im Initiativkomitee und hat auch schon höchstselbst Unterschriften gesammelt.

Denn «eat the rich», das ist doch die Lösung für alle Probleme. Die merken es doch gar nicht, wenn sie jeden Morgen wie Dagobert Duck in ihren Geldspeicher hopsen, wenn man unten etwas ablässt.

Nun hat seine Nachfolgerin bei den Jusos, die Amok-Kreische Mirjam Hostetmann, mal wieder einen rausgehauen. Es sei höchste Zeit, dass «steuerkriminelle Familienclans, wie der von Spuhler, nach den Regeln des Gesetzes spielen müssen». Weder Spuhler, noch sein Clan ist steuerkriminell, und nach den Regeln des Gesetzes spielen sie sowieso. Zudem hat Spuhler – ganz im Gegensatz zu den ewigen Studenten Hostetmann und Wermuth – doch den einen oder anderen Arbeitsplatz geschaffen und liefert jedes Jahr einige Millionen an Steuern ab.

Langsam dämmert es auch den (wenigen) intelligenten Politikern in der SP, dass man mit dieser Initiative zwar kräftig den Sozialneid schüren kann, aber vielleicht doch ein paar unliebsame Nebenwirkungen in Kauf nähme. Denn da reiche «Familienclans» in der Schweiz eben nicht wie Dagobert Duck im Geldspeicher baden, sondern ihr Geld in ihren Firmen investiert haben, würde die Annahme der Initiative bedeuten, dass ihre Erben diese Unternehmen zerschlagen und verkaufen müssten. Oder aber, dass die Erblasser zuvor ins Ausland abwandern würden. Absurd, selbst für SPler.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Verwendungszweck der so eingenommen Gelder völlig unscharf formuliert ist; irgendwas mit Klimaschutz. Ein richtiger Schrotthaufen, lediglich gemacht, um mediale Aufmerksamkeit zu erzielen.

Entsprechend gibt es innerhalb und ausserhalb der SP kräftig Gegenwind gegen diesen Schwachsinn. Der Moment, wo Wermuth aufrecht hinstehen müsste und aus seinem wohlgestutzten Bart heraus volltönende verbale Unterstützung einer Initiative zu trompeten hätte, in deren Komitee er schliesslich sitzt.

Aber Wermuth ist halt in erster Linie Opportunist und Wendehals. Ein Heuchler, der sein Mäntelchen immer in den Wind hängt. Und wenn es Gegenwind gibt, macht er das, was alle solche Typen machen: er schweigt.

Er hofft, dass sich der Sturm legt, dass er das aussitzen kann. Dass er sein linkes Image behalten kann, während es ihm in Wirklichkeit lediglich um seine eigene Karriere geht.

Das zeigte er auch schon, als er als verbal überzeugter Feminist den Salto schlagen musste, wieso er denn dann gegen eine Konkurrentin in der Partei antritt. Ganz einfach, weil er auf das Einkommen als Nationalrat angewiesen ist. Aber so konnte er das natürlich nicht formulieren.

Man kann nur froh sein, dass Helmut Hubacher diese Degeneration des Führungspersonals seiner Partei nicht mehr erleben muss. SPler sind eigentlich wie Journalisten: sie schaffen sich selbst ab.

Russenpolka

Wenn «Russia Today» den Bär tanzen lässt.

Propaganda will gekonnt sein. Dass der Westen auf diesem Gebiet Russland haushoch überlegen ist, hat ZACKBUM bereits dargestellt. Nun ein Beispiel, wie idiotisch dagegen russische Propaganda daherkommt.

Allerdings: immerhin kann man in der Schweiz die Webseite von «Russia Today» aufrufen; im EU-Raum wird sie – peinlich für unsere angebliche Meinungsfreiheit – zensiert. Obwohl es wirkungsvoller wäre, sie ungehindert ihren Nonsens verbreiten zu lassen.

Da wird um eine eher mit einer Holzhammer-KI erstellte Montage herum Unsinn behauptet:

Das entspricht zwar dem Gesetz von Le Bon, dass je dreister eine Lüge ist, desto eher werde sie geglaubt. Allerdings sollte eine solche Lüge auch den Hauch eines Belegs haben: «Es ist offiziell: Die pro-NATO und pro-Kiew Schweizer Regierung hat still und heimlich beschlossen, welche Zeitungen künftig gelesen werden dürfen und welche nicht.»

Vertrauenserweckender Autor ist «Szene isch Züri». Dieser Schwachkopf ist auch für Storys verantwortlich wie diese hier:

Der «Beweis»: «Diese Idee wurde von Priska Seiler Graf, der Präsidentin der schweizerischen Sicherheitspolitischen Kommission, initiiert. Es ist an der Zeit, Russland die militärische Stärke der Schweiz zu zeigen, meint die Zürcherin.»

Aber zurück zur Meinungszensur. Da geht’s im wilden Geholper weiter: «Offenbar haben ukrainische Propagandisten das Ruder übernommen: Im Namen des Demokratie-Schutzes plant die Schweiz rigorose Pressekontrollen und die Unterdrückung abweichender Meinungen.»

Anlass dieser wilden Behauptungen ist eine Medienmitteilung des Bundesrats über «Beeinflussungsaktivitäten und Desinformation». Hier werden einige Beispiele angeführt, am lustigsten ein Fake Inserat des Bundes, auf dem jedem Denunzianten eine Belohnung von 200 Franken versprochen wird, der meldet, wenn ein Nachbar seine Wohnung auf über 19 Grad heize. Immerhin 80 tapfere Eidgenossen riefen an …

Blöd für RT, dass es in diesem Bericht heisst: «Im Bereich Sanktionen hat die Schweiz namentlich diejenigen der EU vom 1. März 2022 gegen RT und Sputnik – wichtige staatsnahe russische Nachrichtenportale im Ausland – nicht übernommen. Auch wenn es sich bei diesen Kanälen um Werkzeuge der gezielten russischen Propaganda und Desinformation handelt, ist der Bundesrat der Meinung, dass es wirksamer sei, unwahren und schädlichen Äusserungen mit Fakten zu begegnen, anstatt sie zu verbieten. Die Reichweite dieser Medien in der Schweiz gilt als gering

Eigentlich zeigt diese Stellungnahme des Bundesrats das Gegenteil von dem, was RT behauptet: «Zurzeit existieren in der Schweiz keine Strukturen mit dem Ziel, umfassend systematische Beeinflussung
im Informationsraum zu erkennen, ihre Absicht und Urheberschaft zu ermitteln und gegebenenfalls da-
rauf zu reagieren.»

Reiner Schwachsinn steht tatsächlich auf RT: «Der Bundesrat empfiehlt dabei wärmstens nur noch SP- und Ukraine-freundliche Medien wie den Tages-Anzeiger und die Tagesschau des Schweizer Fernsehens.»

Damit nicht genug: «Auch Posts in sozialen Medien sollen ab dem 1. August entfernt werden, wenn sie der woken pro-NATO Regierung missfallen.»

Und weiter im wilden Verschwörungstaumel: «Die neueste Furzidee aus Bern ist, dass die Schweizer Regierung eine Fake-News-App auf deinem iPhone installieren will, die all deine Aktivitäten überwacht und mitliest, was du konsumierst – von Medien bis zu WhatsApp-Chats.»

Immerhin gefällt das selbst einem Kommentator auf RT nicht wirklich: «Der Artikel liest sich nicht nur grottenschlecht, er ist es auch inhaltlich. Gewöhnlich sind die fett geschriebenen Sätze Zitate. Hier werden Zitate suggeriert, die keine sind

Das beruhigt insofern, dass offenbar nicht alle RT-Leser über einen Hohlraum verfügen, wo bei anderen das Hirn sitzt.

Offensichtlich ist RT darüber erzürnt, dass die Schweizer Regierung zwar keinen Anlass für Zensur sieht, das aber auch damit begründet, dass RT und «Sputnik» nur geringe Reichweiten hätten. Das haben sich diese Kanäle allerdings selbst zuzuschreiben.

Eigentlich, in früheren Zeiten, wäre der Schmierfink hinter «Szene isch Züri» nach Moskau beordert worden, wo man ihm als westlichen Agenten einen Schauprozess gemacht hätte – mit anschliessendem bösem Ende. Denn es ist leider wahr: mit solchem Schwachsinn erweist sich die russische Propaganda einen Bärendienst. Selbst wenn dort gelegentlich bedenkenswerte Artikel erscheinen, werden die durch solchen Quatsch unglaubwürdig gemacht.

Und es ist für den «Tages-Anzeiger» ein Leichtes, sich darüber lustig zu machen. Obwohl das Blatt nicht nur in Gestalt ihres Auslandchefs ohne Ausland (Wagenknecht und Köppel als «willige Helfer Putins») schwere Schlagseite mitsamt Denunziantentum hat.

 

Werbung für Flatliner

Was mit Steuergeldern finanziert wird, ist Ausschuss.

Die Werbeagentur Scholz & Friends unternimmt den erfolgreichen Versuch, die schlechteste Werbekampagne der Schweiz zu toppen. Bislang auf Platz eins:

Keine Fake News: Dieses Schwachsinns-Sujet leistete seinen Beitrag dazu, dass das Medienpaket abgelehnt wurde. Denn Fakt ist: ein Wilhelm Tell mit einer unvollständigen Armbrust, der mit einer Zeitung (!) auf eine Mauer eindrischt, auf die «Fake News» gesprayt ist, kann schwer unterboten werden.

Fakt ist auch: geht doch.

Der Beweis:

Da wärmt jemand seine kalten Füsse an einem Heizkörper. Woran man merken soll, dass der 1 Grad zu warm eingestellt sei, wissen die Götter. Aber es geht noch sparsamer:

Wir sehen einen roten Heizkörper, darüber einen roten Strich. Woran man merken soll, dass der nicht freigehalten sei, wissen die Götter. Aber es geht noch sparsamer:

Wir erahnen einen Wasserhahn, aus dem eine rote Brühe quillt. Woran man merken soll, dass so Energie verschwendet werde, wissen die Götter. Aber die Werbekampagne ist auch nicht ganz gebacken:

Wir sehen einen Backofen mit offener Türe. Woran man merken soll, dass der vorgeheizt wurde, wissen die Götter. Was beim Entstehen dieser Nonsens-Kampagne fehlte, ist eindeutig das hier:

Wir sehen ein Fenster, möglicherweise im Rotlichtbezirk, das für Frischluftzufuhr sorgt und überhitzte Raumtemperatur entweichen lässt. Wieso das Energieverschwendung sei, wissen die Götter.

Der Bund hält sich etwas bedeckt, was diese Hirnschmalz-Sparmassnahme kostet. Klar ist: hätte man sich sparen können. Denn wenn Werber auf kreativer Sparflamme arbeiten, kommt meistens Flatlining heraus. Davon spricht man, wenn keine erkennbare Hirntätigkeit gemessen werden kann.

Im Vergleich zu dieser Kampagne wäre es geradezu genial gewesen, Wilhelm Tell zu rezyklieren. Der würde sich an einem Feuerchen wärmen, das er mit seiner Zeitung entfacht hat und das von seiner Armbrust gespeist wird. Wenn er dann noch seine nackten Unterschenkel bedeckt, wäre das Sparprogramm überdeutlich illustriert.

Der Slogan könnte lauten: wer Wärme statt Kälte will, sagt ja zum Lagerfeuer.

 

Es darf gelacht werden: «watson»

Wir hatten uns Abstinenz verordnet. Aber das Angebot ist mal wieder überwältigend.

Daher ein neuer Beitrag in unserer beliebten Serie: Fotoromanza. Bilder sagen mehr als tausend Worte, und «watsons» Worte sagen nix.

Grafiken aber auch nicht:

Nix Neues im Spital, aber wenn’s halt einen Artikel braucht, braucht’s auch eine Illu. Braucht’s das? Nein, aber hallo, das Internet hält’s aus.

«watson» ist bekanntlich der Meister des Listicals. Also der sinnlosen Zusammenstellung von sinnlosen Dingen. Kann man sinnlos eigentlich steigern? Der Versuch:

Zum Beispiel?

Der Leser muss es auf den Knien danken, dass ich ihm die übrigen 24 Dinge erspare.

Quiz ist immer gut, das weiss auch «watson». Also ein Englisch-Sprachquiz. Grausam originell? Stimmt, aber natürlich legt «watson» auch da noch einen drauf:

Geniale Idee: Wieso wird nicht alles auf «watson» rezykliert? Merkt keiner, fällt nicht auf, spart ungemein Stellen ein, «win win» nennt das der moderne Medienmanager.

Empfindsame Gemüter, weggeschaut. Das hier ist noch harmlos:

Wer hier noch «hä?» sagt, kriegt’s knüppeldick bei der Erklärung:

Wohl der passende Moment, darauf hinzuweisen, dass wir hier nichts erfinden. Es ist reine Realsatire. «Oder halt eben darum, die harte Nuss zu knacken.» Wer diesen Satz nicht versteht, hat den «watson»-Intelligenztest bestanden: er ist völlig unverständlich.

Aber nun werden wir ernst, versprochen. Es geht um ein ernstes Thema:

Wenn man erfährt, dass es sich um den Krachbum-Selbsttester Wenke von Wilmersdorff handelt, kommen einem erste Zweifel an der Ernsthaftigkeit. Hier werden sie bestätigt:

Die Resultate sind tatsächlich erschreckend, vor allem die Auswirkungen auf seine Hirntätigkeit. Aber ZACKBUM weiss, seine Leser warten schon ungeduldig auf den Höhepunkt jeder Berichterstattung über diese Schande des Journalismus. Bitte sehr, hier kommt sie, eine «Analyse» von Philipp Löpfe.

Asterix! Der Fischhändler und der Schmied! Geniale Idee. Aber Johnson ist kein Gallier? Macht doch nix. Er ist ja auch kein Schmied. Oder ist er Fischhändler? Aber wer ist dann Macron? Wo hängt der Hammer? Alle Antworten findet man sicher im ellenlangen Artikel Löpfes. Wir aber haben fertig.