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Kunst kommt von Können

Also wird’s etwas schwierig für Tamedia.

Redaktor Christoph Heim dekretiert: «Sammlung Bührle»: Was darf bleiben, was muss weg?» Der Mann hat schon seit der Eröffnung des Neubaus diese Attraktion Zürichs mit Häme und Geschimpfe verfolgt. Duftmarke: «Mit der Sammlung Bührle wird das Museum zum Schaufenster privater Sammler. Das ist ein Rückschritt in feudalistische Zeiten.»

Auch zur Nachfolge an der Spitze der Kunsthausgesellschaft hatte Heim eine klare Meinung: «So geht das nicht.» Jetzt übertrifft er sich aber selbst. Er hat nochmals den Provenienzbericht der Bührle-Stiftung «vom Dezember 2021 auf Hinweise durchsucht, welche Bilder auf der Kippe stehen und – vorbehaltlich genauerer Untersuchungen – wahrscheinlich zurückgegeben werden müssen».

Das tut er im Vorgriff auf die Überprüfung dieser Ergebnisse durch den Historiker Raphael Gross, deren Ergebnisse erst in einem Jahr zu erwarten sind. Zunächst macht sich Heim mal wieder lächerlich. Im Pluralis Majestatis schreibt er: «Wir haben exklusiv» diesen Bericht «durchsucht». Was soll an der Lektüre eines seit Jahren öffentlich einsehbaren Berichts «exklusiv» sein?

Oder würde Heim auch schreiben, wenn er einen Blick auf den SBB-Fahrplan geworfen hat, er habe den «exklusiv durchsucht»? Und vielleicht eine bisher unbekannte Verbindung gefunden? Wir wischen uns mal wieder die Lachtränen ab.

Wer übrigens auch ganz exklusiv diesen Bericht durchsuchen will: bitte sehr.

Das Ergebnis dieser Untersuchung war übrigens – wie ZACKBUM hier exklusiv enthüllt – folgendes:

«Nach Auffassung der Sammlung Emil Bührle können heute von den 203 Werken im Bestand 113 Werke der Kategorie A (lückenlos erforschte, unproblematische Provenienz) zugordnet werden. 90 können der Kategorie B (nicht lückenlos erforschte Provenienz, aber ohne Hinweis auf problematische Zusammenhänge) zugeordnet werden.
Werke der Kategorie C (nicht lückenlos erforschte Provenienz und Hinweis auf möglicherweise problematische Zusammenhänge) sind nach heutigem Kenntnisstand keine im Bestand, Werke der Kategorie D (eindeutig problematisch) gibt es seit 1948 keine mehr in der Sammlung Emil Bührle.»

Der Bericht hält zudem fest:

«Heute kann festgestellt werden, dass die als Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich gezeigte Sammlung Emil Bührle keine Fälle von ungeregelter Raubkunst enthält. Nach derzeitigem Wissen fallen fünf Werke im Bestand unter die Kategorie sogenannter Fluchtkunst, also Werke, die nach 1933 von ihren NS-verfolgten Eigentümern in die Schweiz transferiert und hier dem Kunsthandel übergeben wurden. Die Stiftung hat deren Erwerbsgeschichte detailliert analysiert und kann davon ausgehen, dass diese Werke unter Wahrung der Interessen ihrer früheren Eigentümer über den Schweizer Kunsthandel in den Besitz von Emil Bührle gelangt sind.»

Das lässt nun an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. Aber nicht für den Exklusiv-Forscher Heim. Er stapelt nochmals schon längst bekannten und abgetischten Unsinn aufeinander. Nehmen wir dafür sein erstes Beispiel. Gustave Courbet: «Portrait du sculptuteur Louis-Joseph Leboeuf». Heim zeichnete dessen Handänderungen nach und behauptet dann faktenfrei: «Wenn die Ullstein-Erbin aus Not verkauft haben sollte, dann gehört dieses Porträt zu den ersten Bildern, für die von der Bührle-Stiftung aktiv nach Erbberechtigten gesucht werden müsste.»

Im von Heim «exklusiv» durchforschten Bericht heisst es zu diesem Bild, es falle unter die Kategorie «A 5». Das bedeutet: Kategorie A steht für «lückenlos geklärt, unproblematisch», und Kriterium 5 bedeutet, dass das Werkt «als «Fluchtgut» nach der im Belgier-Bericht gegebenen Definition in die Schweiz gebracht und hier nachweislich unter Wahrung der Interessen ihrer Eigentümer verkauft wurde».

Nun kann man natürlich an der jahrelangen und unter Beizug international anerkannter Koryphäen erstellten Provenienz-Forschung der Bührle-Stiftung herummäkeln. Man kann sie als Gefälligkeitsgutachten, als überholt, als neueren Erkenntnissen oder Definitionen nicht mehr entsprechend kritisieren.

Aber auch das nächste von Heim als problematisch aufgeführte Werk, «Le Jardin de Monet à Giverny» wird laut der Bührle-Stiftung unter A 5 eingeordnet.

Völlig abstrus werden die Beispiele, an deren Verkauf der Kunsthändler Walter Feilchenfeldt beteiligt war. Dessen Sohn hat schon mehrfach öffentlich klargestellt, dass sein Vater Bührle ausgesprochen dankbar war, dass er ihn korrekt mit den Käufen von Kunstwerken unterstützte und dass sein Vater bis zu seinem seligen Ende nur in den höchsten und respektvollen Tönen über Bührle sprach, Wie man daraus eine Problematik nachträglich erfinden will, braucht schon eine gewisse Bösartigkeit.

Nachdem Heim diesen kalten Kaffee nochmals aufgewärmt und als exklusive Mischung angepriesen hat, kommt er zu absurden Schlussfolgerungen:

«Es ist also davon auszugehen, dass schon im Jahr 2024, wenn die Resultate der von Raphael Gross geleiteten Provenienzforschung der Bührle-Stiftung vorliegen, einige der hier besprochenen Werke aus der Ausstellung entfernt werden müssen.» Wieso sollte davon auszugehen sein? Weil Heim das behauptet?

Aber er geht noch einen Schritt weiter zur angeblichen Millionenfrage: Schliesslich stellt sich die alles dominierende Frage: Wer bezahlt die Millionenbeträge, wenn die Stiftung Bührle als Eigentümerin nicht einfach Bilder restituiert, sondern im Sinne einer fairen und gerechten Lösung mit den Erben einen Vergleich anstrebt, sodass die Bilder im Museum bleiben können

Wieso sollte die Bührle-Stiftung denn das tun, wenn es reine Spekulation ist, dass der rechtmässige Besitz an diesen Kunstwerken, die bereits unzählige Male auf ihre Provenienz untersucht wurden, angezweifelt werden sollte?

Zu diesem Thema hat sich auch schon die schreibende Schmachtlocke von der «Republik» unsterblich lächerlich gemacht. Daniel Binswanger kroch kritiklos einem Nachfahren eines einstmals wohlhabenden Exilanten in der Schweiz auf den Leim und blamierte sich ungeheuerlich.

Heim schreibt einfach ein weiteres Kapitel im unendlichen Fortsetzungsroman: Bührle, Waffenhändler, Raubkunst, Schweinerei. Diese Mischung ist natürlich auf den ersten Blick verführerisch. Ein Waffenhändler wird mit Geschäften mit Nazi-Deutschland reich und kauft damit verfolgten Juden auf der Flucht für Butterbrote ihre Kunstwerke ab.

Das passt schön ins Bilderbuch der Demagogie. Aber leider, leider: die Realität gibt’s nicht her.

Also erhebt sich doch bei Redaktor Heim die Frage: Darf er bleiben – oder muss er weg?

Zwei Arten von Journalismus

Schmiere von Tamedia, Porträt von der «Weltwoche».

«Ein Insider rechnet mit dem Schweizer Fernsehen ab», so der Titel eines «Weltwoche»-Artikels vom 28. Juli 2022. Er thematisiert das Buch von Martin Hasler, der nach jahrzehntelanger Tätigkeit für die SRG im Bundeshaus im Herbst 2021 ausstieg. Die Berichterstattung über Corona hatte ihn zweifeln, dann verzweifeln lassen.

WeWo-Mitarbeiter Stefan Millius beschreibt den entscheidenden Moment: «Nie in fast vier Jahrzehnten habe er (Hasler, Red.) das Bedürfnis verspürt, sich in den journalistischen Bereich einzumischen. Aber als Daniel Koch, der damalige «Mister Corona» im Bundesamt für Gesundheit, ein düsteres Bild der Lage in den Intensivstationen zeichnete, konnte Hasler nicht mehr anders.»

Er begann Fragen zu stellen, zu zweifeln, er konstatierte Einseitigkeit und Betriebsblindheit – und stieg aus, bzw. liess sich frühpensionieren. Inzwischen widmet er sich der Auslieferung seines im Eigenverlag erschienenen Buchs, das zu einer kleinen Erfolgsgeschichte geworden ist. All das beschreibt Millius mit der nötigen Distanz und der Genauigkeit, die entsteht, wenn man sich auf einen Menschen einlässt, ihm Raum gibt, ihn verstehen, nicht aburteilen will. Ohne deswegen seine Meinungen übernehmen zu wollen.

Am 10. August greift die Allzweckwaffe von Tamedia in die Tasten:

«Buch begeistert Service-Public-Gegner: Der SRG-Insider der «Weltwoche» ist Verschwörungstheorien verfallen»,

so betitelt Andreas Tobler seinen Verriss über den gleichen Autor und das gleiche Buch. Schon in der Unterzeile macht er alles klar: «Ein früherer Mitarbeiter wirft dem Schweizer Fernsehen in einem Buch Manipulation vor. Wer es liest, kommt zu einem anderen Schluss.»

Jeder, der das Buch liest? Nein, einer. Aber Tobler arbeitet in der Rechthaber- und Gesinnungsjournalismusbranche, wo man die Weisheit und Wahrheit mit Löffeln gefressen hat und es keineswegs als Aufgabe sieht, dem Leser Denkanstösse zu vermitteln. Sondern die Aufgabe ist, im Sinne des Wahren und Guten Grossinquisitor zu spielen, auch wenn man dafür das intellektuelle Rüstzeug nicht hat. Meinung ersetzt Kenntnis, Polemik Recherche, Demagogie eine der Wirklichkeit verpflichtete Darstellung.

Nach einer kurzen, unvollständigen Zusammenfassung des Inhalts wird eingeordnet. Nicht etwa die Aussagen des Buchs. Es wird vielmehr durch seine Resonanz verortet: «Neben der «Weltwoche» sieht auch das neue Internetradio Kontrafunk in Haslers Buch einen Beleg dafür, dass öffentlich-rechtliche Medien als «Instrument zur Indoktrination und Ablenkung» gelten können.» Devise: Was WeWo und «Kontrafunk»* gut finden, muss schlecht sein.

Was ist denn nur mit diesem Hasler los? Dafür hat Tobler eine einfache Erklärung parat: «Anfang 2021 suchte Martin Hasler einen Psychiater auf: Als «Sklave der Hintermänner» habe er die «seelische Vergewaltigung» während der Arbeit für die SRG nicht mehr ausgehalten, schreibt Hasler in seinem Buch.» Es hat eine lange, aber unselige Tradition, Abweichler vom Mainstream, wie man das heute nennt, als psychisch angeschlagen abzuqualifizieren.

Logisch, dass Tobler zu einem vernichtenden Urteil kommt: ««Im Hexenkessel» ist also nicht der Enthüllungsbericht eines Insiders. Sondern letztlich das Dokument eines langjährigen Mitarbeiters, der Verschwörungstheorien verfiel und damit aneckte

Immerhin gibt Tobler gegen Ende Hasler kurz Gelegenheit, sich gegen solche Diffamierungen zu wehren: «Als Verschwörungstheoretiker möchte Hasler nicht bezeichnet werden. «Verschwörungstheoretiker ist ein Diffamierungsbegriff, der von jemandem verwendet wird, der nicht bereit ist, alle Fakten auf den Tisch zu bringen und zu diskutieren», sagt Hasler.»

Es gibt allerdings einen bezeichnenden Unterschied zwischen Tobler und Hasler. Der angeblich Verschwörungstheorien Verfallene war bereit, mit Tobler zu sprechen und auf dessen Fragen zu antworten. Das ist allerdings meistens ein Fehler, wie schon der Chefredaktor der NZZaS feststellen musste. Diesen Fehler will Tobler selbst nicht begehen. Er antwortet prinzipiell nicht auf journalistische Anfragen. Ob man sich daher um seinen Geisteszustand Sorgen machen sollte?

*Packungsbeilage: Der Autor schreibt gelegentlich für die «Weltwoche», «Die Ostschweiz» und spricht im «Kontrafunk».

Laferi Loser

Schreiben, ohne rot zu werden. Die neue Tamedia-Disziplin.

Philipp Loser beklagt sich darüber, dass das Image der Journalisten stark gelitten habe. Es sei dabei sehr schwierig, «den Moment zu bestimmen, in dem das Verunglimpfen von Medienschaffenden aus einer dunklen Ecke der Gesellschaft bis in den Mainstream rückte».

Wohl wahr, aber im Fall Loser ist das mit Datum und allem haargenau feststellbar. Seinen eigenen Ruf ruinierte er sich nachhaltig, als er das wohl übelste Stück Konzernjournalismus ablieferte, das die jüngere Schweizer Mediengeschichte erleben musste.

Am Ostersamstag des Jahres 2018 erschien unter dem Titel «Der Alte vom Berg» im «Tages-Anzeiger» eine Seite Geschmiere über den Konkurrenten Hanspeter Lebrument.

Loser hofft offenbar auf das Kurzzeitgedächtnis der Tamedia-Leser, dabei wurde ihm sein Unrat auch auf ZACKBUM um die Ohren gehauen:

Über dem «Alten vom Berg» sollen «Geier kreisen», aus dem «Palast Lebrument» sei ein «MausoLöum» geworden, kalauerte Loser, dass es dem Leser die Fussnägel hochrollte. Ein hübsches Stück Rufmord und Kreditschädigung am Somedia-Verleger und Patriarch Hanspeter Lebrument. «Auf der Strecke bleibt: Lebrument und seine Somedia.» Sie sei zu klein, um eine entscheidende Rolle zu spielen. Ob Loser mit dem Titel auf den auch so genannten mittelalterlichen Assassinenführer anspielen wollte, oder auf den Beatles Song «The Fool on the Hill»? Wahrscheinlich nicht, das gibt sein Bildungsniveau nicht her.

Dem Qualitätsjournalisten Loser war es nicht mal gelungen, dem Angepinkelten die Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Sei in den Ferien gewesen. Offenbar auch die gesamte Führungsetage von Somedia.

Das Stück Kloake wurde gelöscht

Es geschah, was geschehen musste. Das Stück wurde auf Anweisung von ganz oben gelöscht, Loser musste beim Alten zu Kreuze kriechen und sich entschuldigen. Loser wurde nun selbst durch den Sprecher von Tamedia ans Kreuz geschlagen:

«Der Artikel entspricht nicht unseren Vorstellungen über Qualität im Journalismus, weil er weitgehend auf anonymen Quellen basiert, der Porträtierte nicht zu Wort kommt und verschiedene, negative Werturteile nicht belegt sind.»

Es wurde dann, wie im Fall der 78 erregten Tamedia-Frauen, eine «interne Aufarbeitung» angekündigt – und vergessen. Seither darf Loser weiterhin rempeln, rülpsen und rumpeln. Die Burka-Initiative? «Ein Witz», die Schweizer Klassenjustiz sei «gnädig gegen rechts, hart gegen links» – immer, wenn es darum geht, das Niveau noch tiefer zu legen, das Image des Journalismus noch mehr zu versauen – Loser ist zur Stelle.

Also übt er doch sicher Selbstkritik, wenn er sich über den unterirdischen Ruf vieler Journalisten beklagt. Ein Journi wie Loser und Selbstkritik? Genau, da lachen die Hühner: «Konservative von Washington bis Bachenbülach haben Journalistinnen und Journalisten und ihre Medienhäuser systematisch diffamiert und mit jener «Elite» gleichgesetzt, die angeblich gegen die eigene Bevölkerung arbeitet.»

Ich bin Opfer, kräht der Täter. Ich werde diffamiert, jammert der Amateur des Infamen. Wer soll denn Journalismus noch ernst nehmen, bei solchen Mängelexemplaren?

Anständigen Beruf lernen

Am Schluss seiner Selbstbemitleidung und Selbstbeweihräucherung schwingt er sich dann zu diesem Statement auf: «In seinen besten Momenten ist Journalismus immer noch ein Pfeiler der Aufklärung, Garant für unser demokratisches System, oft genug sogar ziemlich aufregend. Und jene, die das Tag für Tag mit ihrer Arbeit möglich machen: immer noch Heldinnen und Helden.»

Auch das mag sein. Aber Loser ist ganz sicher keiner davon. Im Gegenteil. Sein wertvollster Beitrag zur Imagesteigerung würde darin bestehen, sich einen anständigen Beruf zu suchen. Der aber bitte nichts mit Buchstaben zu tun haben darf.

 

 

 

 

 

Reza Rafi: ein Büttel am Werk

Wenn Journalisten zu Mietmäulern werden, ersäuft der Beruf in der Schmiere der verborgenen Parteilichkeit.

Erfolg der Falschen ist irritierend. Zurzeit demonstrieren Tausende von Massnahmen-Skeptikern. In Bern, Winterthur, Chur und anderswo.

Abgesehen von einer Handvoll Chaoten friedlich und im Rahmen ihrer demokratischen Rechte. Mit erlaubten, aber auch mit nicht erlaubten Umzügen. Meistens vorne dabei: die «Freiheitstrychler».

Eine Gruppe, die sich innert weniger Wochen von völlig unbekannt zu präsent auf allen Kanälen gemausert hat. Kein Wunder, dass die Mainstream-Medien sich Gedanken machen, woher die denn kommen und wer die sind.

Gutes Merchandising ist alles heutzutage.

Früher, viel früher, gab es mal so etwas wie eine entscheidungsoffene Recherche und Reportage. Die Schönheit des Berufs bestand darin: man kann überall hingehen, an Türen klopfen, in fremde Leben eintreten – und beschreiben, was man da antrifft. Prallt man an der Realität ab, kann passieren, dann schob man’s in den Rundordner und widmete sich einem anderen Thema.

Zuerst die These, dann die Bestätigung

Diese Zeiten sind vorbei. Heute wird zuerst eine These gebastelt, daran wird dann die Story nacherzählt. Der alte Taschenspielertrick ohne den geringsten Erkenntnisgewinn. Der Reporter weiss schon von Vornherein, wie’s ist. Dann schreitet er mutig in die Wirklichkeit und kommt von seiner Expedition mit der grandiosen Erkenntnis zurück: sagte ich doch, es ist so.

Auch wenn der Reporter nicht wirklich sehr tief in die Wirklichkeit eingedrungen ist. Früher hätte spätestens der Produzent an dieser Stelle gesagt: Wand dusse, so kann man doch nicht anfangen. Aber auch der Produzent wurde weggespart, also darf Reporter Reza Rafi beschreiben, wie er scheiterte:

«Die Fenster sind verriegelt. Auf dem schmucklosen Balkon im Erdgeschoss steht ein Tisch. Darauf ein Bierkarton der Marke Eidgenoss, der von zwei Corona-Flaschen flankiert wird. Die Symbolik muss der Hausherr bewusst kreiert haben. Der Name des Spassvogels: Andreas «Andy» Benz. Wir stehen vor einem mehrstöckigen Gebäude in der Anlage «Seepark» in Altendorf SZ.»

Mangels anderer Ergebnisse legt Rafi das Stethoskop an die Wohnung und diagnostiziert: «Hier schlägt das Herz einer Bewegung», die der «Freiheitstrychler». Aber oh Graus, «am Donnerstag führten sie einen Marsch durch Bern an, der in Randale vor dem Bundeshaus mündete». Erwähnen, dass auf dem Weg dorthin laut Medienberichten einem Mitmarschierer von gewaltbereiten Antifa-Chaoten die Zähne ausgeschlagen wurden? Ach, was, das passt doch nicht in diese Wirklichkeit.

Grossmäulige Ankündigung, aber nix dahinter.

Wir merken uns den Namen eines Reporters, der ohne rot zu werden bekannt gibt, dass er an einer Wohnungstüre geklingelt hat. Aber niemand machte auf. Zur Strafe tritt Rafi noch nach, denn dieser Benz ist «der Initiator dieser losen Gruppierung», und an der Klingel stehe «Holz & Bauen Consulting». Aber, da war der Rechercheur gnadenlos, «diesen Titel sucht man im Handelsregister oder im Altendorfer Firmenverzeichnis vergeblich».

Genauso wie eine Aussage des «Herzens» der Bewegung in diesem Artikel. Aber was sich von der Verrrichtungsbox im Newsroom aus recherchieren lässt, das tut Rafi natürlich. Denn die «Freiheitstrychler» verfügen doch tatsächlich über eine eigene Webseite, und die stammt von Hilweb, und diese Firma gehört Markus Hilfiker. Der wiederum haust in Glattfelden und schuf «ein Konglomerat von Internetseiten, das um das Portal patriot.ch herum entstanden ist und mit der Covid-Pandemie eine Renaissance erlebt. Womit die 4000-Seelen-Gemeinde Glattfelden gewissermassen den heimlichen Knotenpunkt des neuen rechten Anti-Establishments bildet».

Gewissermassen. Leider ist Rafi auch an Hilfiker nicht herangekommen, deshalb muss er sich mit diesem Anschwärzen begnügen: «Vor einigen Jahren geriet der Zürcher in den Fokus von Szenebeobachtern, als seine Firma der rechtsextremen Seite swissdefenceleague.ch eine Weile lang den Server zur Verfügung stellte.»

Dass die Webseite nicht mehr existiert und der Name nicht mehr registriert ist, was soll’s, irgendwann hört’s auch mal auf mit Nachforschungen.

Eine Medienmitteilung recherchieren? I wo.

Dennoch von so viel Recherche völlig erschöpft, kommt es Rafi nicht mal in den Sinn, sich eine «Medienmitteilung» anzuschauen, die auf der Webseite der Treichler für Recherchierjournalisten und Laien problemlos einsehbar ist.

Stellungnahme zu Übergriffen: interessiert doch keinen Büttel.

Hier schreiben die Treichler unter anderem: «Der Sicherheitsdienst wurde angegriffen und ein Teammitglied erlitt mittelschwere Verletzungen. Die Täter sind flüchtig.» Dann wird die Vermutung geäussert, dass es sich bei den paar Chaoten, die am Absperrgitter vor dem Bundeshaus rüttelten, um «Agents Provocateurs» handelte. Dieser Behauptung hätte ein umsichtiger Reporter nachgehen können. Aber doch nicht Rafi.

Auch dieses Foto aus der Medienmitteilung sah man nirgends.

Aber damit der knallharten Recherche nicht genug. Der Name «Freiheitstrychler» ist doch tatsächlich beim Amt für geistiges Eigentum eingetragen, von Andy Benz. Hängig sei noch ein zweites Gesuch, auch das Logo zu schützen. Dahinter stehe wiederum Benz, zusammen mit, oha, Markus Hilfiker.

Als Journalismus noch gewissen Minimalanforderungen genügen musste, hätte nach all diesen Erkenntnissen spätestens der Ressortleiter gesagt: bis hierher eine Nullnummer, spülen.

Aber doch nicht mehr heute, und nach all diesen Karikaturen einer Recherche gibt Rafi Vollgas. Denn das «Netzwerk» dieser dunklen Gestalten ist natürlich noch viel umfassender. Schliesslich habe der Rapperswiler Bruno Hug vor Jahren Benz «publizistisch begleitet und unterstützt», als der «sich einen bizarren Streit mit den Altendorfer Behörden lieferte, die seine Eigentumswohnung zu einem Bastelraum herabstufen wollten».

Alle bizarr, streitlustig und vernetzt

Ja und? Ha, dieser Hug mache als «Komiteegründer gegen das Mediengesetz Furore». Noch entlarvender: «Hugs Kompagnon, der Autor Philipp Gut (49), trat am Samstag als Redner am Trychler-Protest in Winterthur auf

Abgründe tun sich da auf, denn: «Dass der Kreis der Trychler und Patrioten anderen Massnahmen-Gegnern wie Nicolas A. Rimoldis Verein Mass-Voll oder den Freunden der Verfassung nahesteht – geschenkt.»

Geschenkt? Geschenkt wie billig, wie nichts wert? Aber es fehlt noch etwas.

«Nationalräte der SVP überbieten sich gegenseitig mit Trychler-Huldigungen. Der grösste Fan ist und bleibt indes Finanzminister Ueli Maurer.»

Und fertig ist die Schmiere. Ist ein Artikel, der behauptet, das angeblich «stille Netzwerk» der «Freiheitstrychler» zu enttarnen. Gut, dass die beiden Hauptnetzwerker «Anfragen von SonntagsBlick unbeantwortet» liessen.

Das macht die Arbeit des des Medienbüttels viel einfacher. Aber nicht besser. Treichler, SVP, Ueli Maurer, Rechtsradikale, Verschwörungstheoretiker – und das Komitee gegen das Mediengesetz. Alles eine Sauce. Das will Rafi insinuieren.

Früher gab es auch mal ein Korrektorat bei Zeitungsredaktionen.

Eigene Interessen wenigstens ausweisen? I wo.

Ohne darauf hinzuweisen, dass dieses Komitee den Verlegern kräftig in die Subventionssuppe gespuckt hat. Die schaukelten bekanntlich einen Raubzug auf das Portemonnaie des Steuerzahlers durchs Parlament. Eine Milliarde zusätzlich, damit die Verlegerclans nicht verlumpen.

Kaum waren die Champagnerflaschen nach der erfolgreichen Gesetzgebung geleert, kam doch tatsächlich ein Referendum dagegen zustande. Nun kann die Bevölkerung im Februar nächsten Jahres darüber abstimmen, ob sie wirklich Yachten, Schlösser und Kunstsammlungen von Multimillionären subventionieren will.

Das hingegen ist kein übles Geraune wie das von Rafi. Sondern einfach die Wahrheit. Dagegen: Ein Redaktor als Alarmglocke läutet Sturm gegen Randalierer und vernetzte Gesellen. Ein Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung, aber das Totenglöcklein für anständigen Journalismus.

Ach, zwei weitere Eigenschaften sind im modernen Spar- und Elendsjournalismus verloren gegangen: Scham und Selbstachtung.

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