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Schlagwortarchiv für: schädlich

René Zeyer

Anti-Antisemitismus

13. März 2024/22 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wer will gerne in ein Wespennest greifen?

Es gibt Antisemitismus-Kreischen. So wie es Schwinger der Nazikeule gibt. Oder routinierte Werfer von Ausdrücken wie Sexismus, exkludierend, diskriminierend, rassistisch, rechtsnational, linksradikal, populistisch. Und dann gibt es Sensibelchen, die sich so furchtbar schnell ganz unwohl mit irgend etwas fühlen. Wegen solchen Idioten wurden schon Konzerte abgebrochen. Und Träger von Rastalocken als postkolonialistische Aneigner fremden Kulturguts beschimpft. Vom Wort Mohrenkopf ganz zu schweigen.

All diese Kategorisierungen dienen häufig dazu, dass im Geiste einfache Menschen sich an untauglichen Hilfsbegriffen durch die komplizierte Realität hangeln können. Und sie damit zu verstehen meinen, obwohl sie in Wirklichkeit hinter solchen Verstellungen überhaupt nichts kapieren.

Andererseits braucht der Mensch Generalisierungen, er kann nicht ein paar Milliarden Mitmenschen als lauter Individuen begreifen. Also gibt es den Russen, den Deutschen, den Schweizer. Auch den Juden?

Da betreten wir ein Minenfeld, bei dem jeder Schritt zu einer Explosion führen kann, vor allem seit dem Hamas-Massaker und der israelischen Reaktion im Gazastreifen. Das ist noch schön unantastbar formuliert. Aber schon die Kritik, dass Israel im Gazastreifen Kriegsverbrechen begeht, die Tötung von über 30’000 Palästinensern mindestens so eine Schweinerei ist wie der feige Überfall der Hamas, führt in Teufels Küche. Beziehungsweise wird sofort mit dem Slogan «antisemitisch» gebrandmarkt.

Das kann dem besten Juden passieren. An der Berlinale sagte ein israelischer Filmemacher bei der Preisverleihung für seinen Dokumentarfilm über die (völkerrechtswidrige) israelische Siedlungspolitik: «Diese Situation der Apartheid zwischen uns – diese Ungleichheit – muss ein Ende haben.» Da nützte ihm seine Zugehörigkeit zum Judentum nichts mehr, «Antisemitismus» schallte ihm entgegen. Tapfer gab er zurück, dass das ein schrecklicher Missbrauch dieses Begriffs sei.

Der jüdische Regisseur Jonathan Glazer wurde für seinen beklemmenden Film über Auschwitz bei den Oscars ausgezeichnet. Er erklärte, dass sein Film zeigen wolle, wohin Entmenschlichung führe. Er wolle nicht darauf aufmerksam machen, was damals getan wurde, die Botschaft sei «schaut, was wir heute tun». Ihn ereilte, was fast noch schlimmer als der Antisemitismus-Vorwurf ist: er habe den Holocaust damit relativiert, verharmlost.

Schon dem deutschen Schriftsteller Martin Walser schlug eine gewaltige Kritik entgegen, als er bei der Entgegennahme des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels  von der «Moralkeule Auschwitz» sprach. In welchem Zusammenhang er den Begriff herleitete, was er genau damit meinte, egal. Der Shitstorm war gewaltig.

Aktuell wird von jüdischen Kreisen versucht, jede Kritik an Israel als antisemitisch zu denunzieren. Hier in der Schweiz gibt es einen Spezialisten dafür, der sensibler als ein Seismograph schlichtweg alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, als antisemitisch beschimpft.

All diese Besitzer eines vermeintlichen Totschlagarguments sind sich nicht bewusst, dass sie damit diese Waffe stumpf machen, missbrauchen, zweckentfremden. Jede Kritik an Israel unter den Generalverdacht des Antisemitismus zu stellen, jeden Kritiker der Kriegsführung im Gazastreifen als Antisemiten zu denunzieren, das erreicht das Gegenteil des Gewünschten.

Ganz abgesehen davon, dass eine israelkritische Position oder gar eine Ablehnung der Politik Israels antisemitisch motiviert sein kann, aber nicht muss. Antisemitismus bedeutet Judenhass oder Judenfeindlichkeit. Die Aussage «im Gazastreifen begeht Israel Kriegsverbrechen und schadet sich und seiner Sache mehr als der Hamas» ist diskussionswürdig, aber sicherlich nicht antisemitisch.

Diese Aussage als antisemitisch zu denunzieren, das hingegen kann man dialektisch als Ausdruck von Antisemitismus bezeichnen, weil es ihm mit dieser dümmlichen Verkürzung Vorschub leistet.

Viele Kommentatoren trauen sich deshalb schon mal gar nicht, dieses Minenfeld zu betreten. Was der Debatte und der Erkenntnis wie jedes Verbot schadet.

Auf der anderen Seite gibt es tatsächlich seit Jahrtausenden tiefverwurzelte Klischees über Juden, der «wandernde ewige Jude», der geldgierige Jude (obwohl sich das die Christen selbst einhandelten, mit dem idiotischen kirchlichen Zinsverbot), die Pogrome, die Ghettos, und schliesslich der industriell betriebene Massenmord der Hitler-Deutschen, bei dem sie – was sie nicht entschuldigt – in vielen Staaten, nicht zuletzt in der Ukraine, willige Helfer fanden.

Wer aber überzeugt ist, dass Israel im Gazastreifen Kriegsverbrechen begeht, damit keineswegs die Hamas-Massaker verniedlichen will, wer den israelischen Ministerpräsidenten als Grossversager sieht, der sich an die Macht klammert, weil er nur so einer Gefängnisstrafe wegen Korruption entgeht, der soll das auch sagen dürfen. Wer davon überzeugt ist, dass Israel mit dieser Politik seine Existenz mehr in Frage stellt als dass das die Hamas jemals könnte, muss diese Position vertreten dürfen.

Wer solche Äusserungen als antisemitisch brandmarkt, betreibt selber das verächtliche Geschäft des Antisemitismus. So vertrackt ist das nun mal.

Und pro-palästinensische Manifestationen, bei denen das Existenzrecht Israels bestritten wird oder gar die Hamas-Massaker bejubelt, das sind nicht in erster Linie antisemitische Ausschreitungen. Das sind schlichtweg dümmliche, menschenverachtende, Abscheu auslösende Verirrungen meist linker Menschen, die völlig den moralischen Kompass verloren haben. Sie finden ihr Gegenpart in Manifestanten, die jedem Palästinenser unterstellen, er sei ein religiös motivierter Wahnsinniger, der am liebsten alle Israelis umbringen möchte.

Mögen nun die Spiele der Kommentatoren beginnen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/03/Bildschirmfoto-2024-03-12-um-09.14.05.png 484 837 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-03-13 05:30:232024-03-12 09:23:35Anti-Antisemitismus
René Zeyer

Verweiblichung – Verweichlichung

23. Juli 2023/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Achtung, hier riecht’s streng nach Sexismus.

Man braucht keine grossen hellseherischen Fähigkeiten, um den Namen der nächsten Oberchefredaktorin der «Blick»-Gruppe zu prognostizieren. In Führungsetagen halten immer mehr Frauen Einzug. Leider nicht nur wegen des einzig entscheidenden Kriteriums Kompetenz.

Es wurde schon zu Genüge und völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass der Verwaltungsrat der elend gescheiterten Credit Suisse mehrheitlich aus Frauen bestand. Auch im Journalismus greift es immer mehr um sich, dass Frauen über ihre Kompetenzschwelle hinaus befördert werden.

Dass es manchmal jemanden wie Priska Amstutz aus der Kurve trägt, ist die bestätigende Ausnahme von der Regel. Was beispielsweise eine Kerstin Hasse in der Chefredaktion von Tamedia zu suchen hat, ist unerfindlich. Die gleiche Frage stellt sich auch bei Steffi Buchli im «Blick». Sobald etwas Politik in den Sport kommt, macht sie sich lächerlich, wie beim Skandal um den Tennisstar Djokovic.

Auch bei «20 Minuten» hat der Chefredaktor (männlich) seinen Posten geräumt, um in einem seltenen Stühlerücken seiner Stellvertreterin (weiblich) Platz zu machen, während er nun ihr Stellvertreter ist. Auch in den Verlagschefetagen kommen Frauen an die Macht. Bei der NZZ gibt es eine neue VR-Präsidentin, die fachfremd als ersten Fehlentscheid den NZZaS-Chefredaktor feuerte.

Selbstverständlich gibt es auch männliche Versager, und die nicht zu knapp. Selbstverständlich gab und gibt es Männerbünde, die zusammenhalten und Ihresgleichen protegieren. Selbstverständlich gibt es gläserne Decken, die Frauen oftmals nicht durchbrechen können, obwohl sie die nötigen Qualifikationen hätten.

Aber sie sind bei journalistischen Fehlleistungen überproportional vertreten. Sie haben mit Sexismus, Diskriminierung und struktureller Misogynie Wortwaffen geschmiedet, mit denen notfalls Männer gekeult werden. Man erinnert sich an das Protestschreiben von 78 erregten Tamedia-Frauen. Man erinnert sich an die über 60 anonymisierten angeblichen Beispiele für die unerträgliche Arbeitsatmosphäre. Man erinnert sich nicht, dass auch nur ein einziges verifiziert worden wäre.

Diese Aktion hat zudem unfähigen Journalistinnen wie Salome Müller einen Auftritt in den Medien und eine steile Karriere verschafft. An Bösartigkeit kaum zu überbieten ist der Rachefeldzug von Anuschka Roshani, die erfolgreich versuchte, ihren Chef aus dem Sessel zu mobben – aber dann zu ihrem grossen Schmerz nicht sein Nachfolger wurde.

Es sind bislang keine Fälle von Männern bekannt, die ebenfalls die Sexismuskeule schwingen, um sich Vorteile in der Karriere zu verschaffen. Im Gegenteil, seitdem Tamedia das Prinzip Quotenfrau bis ins Absurde gesteigert hat und verkündete, dass man einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent auf allen Hierarchiestufen wolle, fand ein Exodus von begabten Männern statt, die wussten, dass sie ihre Karriereziele vergessen können.

Selbstbewusste und moderne Frauen verwahren sich dagegen, qua Geschlecht befördert zu werden. Sie sehen das völlig zu Recht als eine negative Diskriminierung, als eine Geringschätzung ihrer fachlichen Kompetenzen.

Die Debatte über Vor- und Nachteile von Quotenregelungen hat inzwischen, wenn man das so sagen darf, so einen Bart. Alle Argumente sind gewechselt und werden nur noch repetitiv abgenudelt. Dabei ist völlig klar: Karriere über das Genital ist Unfug. Gleichförmige gleichmachende Gleichberechtigung ist Unrecht.

Schlimmer noch: sie ist kontraproduktiv. Wenn immer mehr Frauen oberhalb ihrer Fähigkeiten in Positionen kommen, in denen sie dann früher oder später krachend versagen, ist das keinesfalls ein Beitrag zur Emanzipation. Genauso wenig wie die lächerlichen Sprachverhunzungen durch Gender-Sternchen und ähnlichen Unfug. Dumme Scheindebatten, während Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Hilfe bei der Kinderbetreuung in den Hintergrund geraten, weil sie pickelharte Gewerkschaftsarbeit und nicht wohlfeiles Herumkeifen bedeuten würden.

Ist für ein Unternehmen wirklich etwas gewonnen, wenn sich der männliche Vorgesetzte nicht mehr traut, der weiblichen Untergebenen in aller Offenheit zu sagen, dass sie Schrott abgeliefert hat? Bringt’s der Firma etwas, wenn die weibliche Vorgesetzte den männlichen Untergebenen runterputzt, der sie vor einer Fehlentscheidung bewahren wollte? Weil sie weiss, dass sich niemand trauen wird, ihr das vorzuwerfen? Ist es gut für einen Konzern, wenn eine weibliche Vorgesetzte einen männlichen Untergebenen feuert, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken?

Im Journalismus ist die Anhäufung von Fehlleistungen von weiblichen Führungsfiguren besonders sichtbar, weil sie natürlich öffentlich exponiert sind. Bislang ist vor allem die NZZ noch fest in Männerhand, und mit der bedauerlichen Ausnahme der VR-Präsidentin scheint man dort auch nicht die Absicht zu haben, das krampfhaft zu ändern. Auch CH Media sieht diese Frage eher entspannt; dem Konzern geht’s ziemlich gut. Anders sieht das bei Tamedia aus, obwohl man der Gerechtigkeit halber sagen muss, dass Pietro Supino ein Mann ist.

Kompetente Frauen in Führungspositionen? Aber sicher, jederzeit, unbedingt, wäre dumm, fähige Personen nicht für das Wohl einer Firma einzusetzen. Frauen per Quote, durch den Besitz einer Vagina in Führungspositionen? Aus Gründen der Gerechtigkeit, im Kampf gegen Diskriminierung, Sexismus und eine männerbeherrschte Gesellschaft, im Kampf gegen das Patriarchat? Ganz falsch, fatal.

Jede Quotenfrau ist ein Schlag ins Gesicht für jede Frau, die durch überlegene Fähigkeiten Karriere macht. Jede Quotenfrau, die notwendigerweise versagt, ist ein Rückschlag für die Frauenbewegung. Schlimmer noch als ein sexistisch aufgeheiztes Arbeitsklima ist ein feministisch unerträglicher Geschlechterkampf am Arbeitsplatz.

Besonders abstrus wird es, wenn Feminismus mit Antirassismus geklont wird. Wie von dem inzwischen einschlägig bekannten «Café Révolution». Schlimmer als bei der Verleumdung gegen den Sänger der Punkrockband «Feine Sahne Fischfilet» kräht dieses Kollektiv, dass unerträgliche rassistische Diskriminierung das Einsammeln von Bechern und Tellern am Gurtenfestival unmöglich gemacht habe. Männliche Tiefflieger eilen zur Unterstützung.

Dabei handelt es sich um leere Behauptungen, nicht belegte Anschuldigungen. Auf Anfrage bekommt ZACKBUM keine Antwort, bzw. diese hier: «Antworten dauern in der Regel 10 Arbeitstage. Anfragen per Mail werden nicht beantwortet. Für Dein Verständnis bedanken wir uns. Liebe Grüsse, das Kollektiv café révolution».

Nein, für ein «Kollektiv», das 30’000 Franken per Crowdfunding gesammelt hat und das Blaue vom Himmel herunter dafür versprochen, ist diese Antwort inakzeptabel, dafür gibt es kein Verständnis. Auch auf die Gefahr hin, dass das wieder als diskriminierend-rassistisch «gelesen» wird.

Die Ergebnisse der Verweichlichung, Pardon, Verweiblichung (auch unser Korrekturprogramm ist ein Macho), kann jeder Leser täglich begutachten, wenn er die Namen der Autoren von besonders schlechten Artikeln liest. Sicher, einen weiblichen Relotius oder Tom Kummer hat’s bislang noch nicht gegeben. Autorinnen, die sich eine jüdische oder sonstige Biographie zulegten, das schon. Aber angesichts der allgemeinen Frauenförderung wird das schon noch kommen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Sonntag_Header.jpeg 313 683 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-07-23 05:00:452023-07-22 12:12:42Verweiblichung – Verweichlichung

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