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Wumms: Marcus Keupp

Quatsch erzählen? Na und, einfach weiter Quatsch erzählen.

Beim «Militärexperten» und Dozenten an der Militärakademie der ETH Zürich stellen sich ernsthaft zwei Fragen:

  1. Ist er ein Rohrkrepierer?
  2. Ist er ein von Moskau bezahlter Diversant?

Denn sein öffentliches Wirken begleitet eine Spur von Fehleinschätzungen, Fehlprognosen und unbeirrter Rechthaberei.

So meinte der grosse deutsche Stratege: «Russland wird den Krieg im Oktober verloren haben.» Zu dieser schneidenden Prognose kam er «aufgrund mathematischer Berechnungen». Wahrscheinlich hantierte er mit Fantastillionen, dividiert durch null. Blöd nur: er meinte den Oktober 2023. Blöd nur: das haben die Russen bis heute nicht eingesehen.

Auf die Anfrage, was er denn im Nachhinein zu diesem Schlag ins Kontor sage, reagierte er nicht.

Das hielt ihn nicht davon ab, auch im April 2024 an seiner im März 2023 geäusserten Prognose festzuhalten, dass Russland den Krieg im Oktober 2023 verloren habe. Allerdings nur «strategisch».

Als Militärökonom erlaubt er sich auch Prognosen allgemeiner Art: «Der Kollaps des russischen Finanzsystems ist nur noch eine Frage von Tagen.» Aber diese Tage verstrichen ohne Kollaps – im März 2022.

Unbeschadet solcher Quatschaussagen findet der «Blick» immer wieder Gelegenheit, den Fehlprognostiker zu interviewen, der unbeirrt behauptet: «Wenn es so weitergeht, wird Russland den Krieg verlieren.»

Die grosse Keule hat er für alle parat, die versuchen, ohne das zu billigen, die Motive Putins zu ergründen. Diese Menschen seien «moralisch verrottet».

Nun ist Weihnachten bekanntlich Saure-Gurken-Zeit im Journalismus. Da sind Redaktionen zu Verzweiflungstaten bereit. Zum Beispiel der «Blick» zu dieser:

Nein, das ist nicht der Stehsatz von 2022, 2023, 2024 oder Anfang 2025. Das ist alt und neu zugleich.

Das Interview beginnt mit einer ganz kritischen Frage von Ausland-Reporter Samuel Schumacher:

«Herr Keupp, im April sagten Sie, Russland verliere den Krieg, wenn es so weitergeht. Bleiben Sie dabei?
Marcus Keupp: Wenn die westliche Waffenhilfe weitergeht und Russland weiterhin so viel Personal und Material durchbrennt, dann ja. Russland lebt von seinen Reserven. Und diese Reserven gehen aus.»

Dass Russland laut Keupp eigentlich schon mehrfach verloren habe und ausserdem sein Finanzsystem kollabiert sei, diese Erinnerung erspart Schumacher allerdings dem Fantasten.

Dafür lässt Keupp neue Ratschläge auf den wehrlosen Leser herabregnen. Gefragt, was das denn kosten würde, meint der «Militärökonom» knapp: «Das weiss ich nicht.» Muss ihn als wohlbezahlten ETH-Professor auch nicht weiter kümmern, würde ja der Steuerzahler der EU berappen.

Allerdings ist er nach einigen bitteren Erfahrungen mit Prognosen der Niederlage Russlands vorsichtiger geworden: «Der Krieg wird auch 2026 weitergehen.» Obwohl er doch schon mehrfach verloren wurde.

Auch der Kollaps steht nicht mehr unmittelbar bevor: «Aber die Fantasie, Russland sei ein Märchenland mit unbegrenzten Ressourcen, fängt langsam an zu bröckeln.»

Vom Zusammenbruch zum Bröckeln und zurück. Das Einzige, was hier bröckelt, ist die Sinnhaftigkeit dieser wilden Behauptungen.

Das hier nennt man militärisch eine Ausweichstrategie, eine Frontbegradigung, ein Ablenkungsmanöver, das Zünden von Nebelgranaten: «Russlands Krieg gegen uns ist bereits im vollen Gang. Man muss schon sehr tief schlafen, um das nicht zu merken.» Natürlich sei das ein «hybrider Krieg», denn: «Das Einzige, was derzeit noch fehlt, sind mechanisierte Mittel: Panzer und dergleichen.»

Aber Vorsicht, wenn wir alle innehalten beim Singen von Weihnachtsliedern und aus dem Tiefschlaf erwachen, hören wir da nicht leise und fern, nein, nicht das Rieseln von Schnee, aber das Rasseln von Panzerketten?

Keupp entlässt uns ganz unfriedlich ins Fest: «Für Russland ist Krieg besser als Frieden

Was er nicht erwähnt: für ihn ist ein Interview besser als kein Interview. Denn: «Dieses Jahr ist Marcus Keupps neues Buch «Spurwechsel – die Welt nach Russlands Krieg» erschienen.» Und wer will ihn denn noch interviewen.

Übrigens: Amazon-Bestsellerrang 3870 …

Pfeifen im Wald

Das kann Samuel Schumacher.

Der Amok fordert schon mal im «Blick», dass Schweizer Reisläufer, die sich in der Armee der Ukraine verdingen, nicht bestraft, wie es den Schweizer Gesetzen entspricht, sondern mit Denkmälern geehrt werden.

Genau vor einem Jahr fantasierte er: «Ohne Impfung gegen die Tyrannei wird die Pandemie des Bösen auch in diesem Jahr weiter wüten.»

Die Pandemie, der Iwan, der slawische Untermensch, wütet weiter. Und Schumacher ist am WEF und versucht, aus der allgemeinen Bedeutungslosigkeit dieses Anlasses Aufreger zu saugen: «Amerika schaut weg. Europa ist gespalten.» Und Selenskyi ist zwar der «Stargast», aber seine ewige Bettelei nach mehr Waffen findet immer weniger Gehör: «Wir müssen uns als starken, unabhängigen Player etablieren, ohne die ganze Zeit nach Washington zu schielen.»

Dabei gibt es doch in Davos das Popo-up «Ukraine House», unterhalten von der Victor Pinchuk Stiftung. Das ist ein ukrainischer Oligarch, der wie viele seiner russischen Kollegen sein Milliardenvermögen mit zwielichtigen Geschäften gemacht hat. Aber he, er ist aus der Ukraine, daher ein Guter. Und wer die Bösen sind, ist doch klar: «Auf einem Panel im oberen Stock erzählen ukrainische Soldaten von der Brutalität der Russen, die Mädchen vergewaltigten und Gefangene köpften

Und was macht die Schweiz? Sie «beschränkt ihr Engagement für die Ukraine weiterhin auf humanitäre Hilfe und diplomatische Floskeln». Statt endlich die Neutralität über Bord zu werfen, Waffen zu liefern und offiziell Soldaten zu schicken.

Aber so bleibt es wohl dabei: Überschattet von der Inauguration des US-Präsidenten welkt das WEF vor sich hin. Riecht immer strenger nach aufgeblasener Wichtigkeit, grossem Gehabe, gepanzerten Limousinen im Stau – und sonst nichts. Blöd für Selenskyi, dass er nicht nach Washington eingeladen wurde, sondern hier mit B-Prominenz vorlieb nehmen muss. Und mit B-Journalisten wie Schumacher, denen nun auch nicht wirklich was einfällt.

Nicht mal am Schluss:

««Und noch einen Grund gäbe es, optimistisch zu bleiben, sagt der schwedische Russland-Kenner  (72) in Davos zu Blick: «Trump hat die Ukraine bei seiner Antrittsrede nicht erwähnt. Das ist ein gutes Zeichen.» Es zeige, dass er vielleicht gar nicht so entschlossen sei, die amerikanische Militärhilfe für die Ukraine zurückzufahren. Überraschungen bleiben möglich. Sie wären bitternötig, damit die Ukraine am nächsten WEF nicht wieder verzweifelt dagegen ankämpfen muss, in Vergessenheit zu geraten.»

ZACKBUM versucht, den verschlungenen Pfaden Schumachers zu folgen. Da gibt es also einen schwedischen «Russland-Kenner», von dem noch nicht so viele gehört haben. Aber hier ist in seiner Funktion als Trump-Kenner gefragt. In dieser Eigenschaft sagt er etwas Absurdes: dass Trump kein Wort über die Ukraine verloren habe, sei ein gutes Zeichen. Hä? Und dann brauche es «Überraschungen» für die Ukraine? Also 840 Treffer in den letzten zwei Tagen für «Ukraine» zeugt nicht gerade davon, dass sie in Vergessenheit gerät, wie Schumacher befürchtet.

Aber eigentlich schreibt er ja selbst gegen das Vergessen an – wer kümmert sich ausser ZACKBUM denn noch um ihn?

«Blick» spinnt, reloaded

Kreisch, heul, jammer. Boulevard mit anderen Mitteln.

Simplifizieren und dann einen Wumms drauf. Das ist das Rezept für Billig-Boulevard. Kann man machen, wenn man’s kann. Denn es ist ein schmaler Grat, eine feine rote Linie zwischen erlaubten Krachern und demagogischer Hetze.

Die überschreitet «Blick» in jüngster Zeit mehrfach. Zuerst das unsägliche Meinungsstück von «Ausland-Reporter» Samuel Schumacher. Er behauptet, zur «Verteidigung unserer Werte» in der Ukraine sollten Gesetzesbrecher, die sich dort als Reisläufer betätigen, nicht bestraft, sondern dekoriert und mit Denkmälern geehrt werden. Denn dort rümpfe man «ob des helvetischen Abseitsstehens ohnehin schon die vom dreijährigen brutalen Angriffskrieg zertrümmerte Nase». Wenn die Gedanken entgleisen, fährt die Sprache ins Unterholz. Und wird die Neutralität als unnützer Ballast über Bord geworfen.

Neu legt der «Redaktor News» Daniel Jung noch einen drauf. Der zeigt schon im Titel, was primitive Polemik ist: «In den Klauen der Populisten: Wie Europa «vertrumpt»». Ein übles Stück Hetze, abgezeichnet aus dem Bilderbuch der Demagogie. Alle für solche Zwecke geeigneten Triggerwörter sind vorhanden:

«Klauen, Rechtspopulisten, rechtspopulistische Kanzler, Rechtspopulisten, gefährden, Postfaschistin, rechtsextremistischer Verdachtsfall, einer der ältesten rechtspopulistischen Parteien Europas, europäische Rechtspopulisten, Spaltung verschärft, Rechtspopulisten vorerst noch stärker werden».

 

Immerhin gab’s dann einen Anfall von Scham: Aus den Klauen wurde «Populisten an der Macht». Aber immer noch ein Sammelsurium von billigen Schlagwörtern, die repetitiv dem Leser eingehämmert werden. Auffällig auch die völlige Absenz von Logik und innerem Zusammenhang. Wie Europa nun «vertrumpt» (und was das sein soll): hinter dem dummen Spruch gähnende Leere. Was «Rechtspopulisten» eigentlich sein sollen, Sendepause. Ob so unterschiedliche Figuren wie Meloni, Weidel, Orban oder Kickl über den gleichen Kamm geschert werden können: blankes Nichts als Antwort.

Immerhin leiht sich Jung, mangels eigener Fähigkeit, die einzige Erklärung für dieses angebliche Phänomen vom «Wall Street Journal»: «Der Rechtsruck wird durch die Ängste der Arbeiterklasse in Bezug auf die Wirtschaft und die Einwanderung angeheizt – sowie durch die zunehmende Ermüdung bei Themen wie Klimawandel und Identitätspolitik.»

Ängste der Arbeiterklasse? Lustig, dass das Hoforgan des modernen Kapitalismus einen altmodischen Ausdruck des marxistischen Vokabulars bemüht. Was allerdings richtig ist: wenn die regierenden Parteien immer mehr die Interessen breiterer Schichten der Bevölkerung nicht vertreten, eine verpeilte Energie- und Umweltpolitik beispielsweise in Deutschland zum industriellen Niedergang und nicht zuletzt zur Existenzkrise der Automobilindustrie führt, dann ist es doch kein Wunder, dass der Wähler ranzig wird und nach Alternativen Ausschau hält.

Es ist ja nicht so, dass die Amis Trump gewählt haben, weil sie blöd sind oder ihn ganz toll fänden. Sie haben Trump gewählt, weil die Alternative, ein seniler Biden oder eine unbeliebte und blasse Harris noch schlimmer waren. Sie wählen in Deutschland auch nicht Alice Weidel und die AfD, weil die Partei so überzeugende Lösungen anbietet. Sondern weil das zerbrochene Trio Scholz/Habeck/Lindner krachend versagt hat.

Wer einen Kinderbuchautor über Jahre als Wirtschaftsminister wüten lässt (bitte nicht einklagen), der muss sich doch nicht wundern, wenn ihm die Wähler weglaufen. Wer als grüne Partei sämtliche Prinzipien verrät, nach einer gescheiterten Energiewende wieder auf Gas und Kohle setzt, als ehemalige pazifistische Partei zur Ansammlung von Kriegsgurgeln verkommt, der muss sich auch nicht wundern, dass er unwählbar wird.

Während Jung all diese Wählerreaktionen, die ihm nicht passen, als «vertrumpen» denunziert, mangels Argumenten das Wort «rechtspopulistisch» bis zum Erbrechen wiederholt, demaskiert er sich selbst als etwas Übles: als Antidemokrat, dem die Ergebnisse freier Wahlen einfach nicht in den Kram passen. Er wäre doch niemals auf die Idee gekommen, nach der Regierungsbildung von Roten und Grünen mit freundlicher Hilfe der FDP in Deutschland zu schreiben, dass sich das Land nun in den «Klauen» dieser Parteien befände; in den Klauen von Scholz und Habeck und Baerbock.

Eine Klaue ist ein scharfer, normalerweise schmaler und gebogener Nagel an der Zehe eines Tieres. Krallen können zum Kratzen, Greifen, Graben oder Klettern geeignet sein.

Was ist von einem Schreibtischtäter zu halten, der Politiker, die von beachtlichen Prozentzahlen von Wählern an die Regierung gebracht werden, mit Klauen versieht? Sie also vertiert. Wer das mit Menschen tut, früher war auch gerne das Bild von Ratten im Schwang, bräuchte mindestens einen Sensibilisierungskurs. Oder eher eine Abmahnung. Oder einen Tritt in den Hintern für diese Sittenverluderung. Stattdessen suhlt er sich in seinem Gesinnungssumpf und findet sich ganz toll.

«Blick» spinnt

Oder sagten wir das schon? Aber es gibt neue Beweise.

Zum einen erklimmt die Abteilung Service und Ratgeber, laut der leitenden Dame mit extrabreiter Visitenkarte eine der beiden grossen Stärken des enteierten Boulevardblatts, neue Gipfel der Lächerlichkeit:

Noch nicht geschnallt? Dann hilft vielleicht dieses anmächelige Video:

Einer geht noch? Immer:

Aber zuerst musst «du» Geld zum Fenster rausschmeissen, um «Blick+» lesen zu dürfen …

Das ist alles saukomisch, das hier dann nicht mehr:

«Wer in der Ukraine unsere Werte verteidigt, verdient einen anderen Umgang», irrlichtert «Ausland-Reporter» Samuel Schumacher. Das Einhalten von Recht und Gesetz in der Schweiz scheint allerdings nicht zu diesen Werten zu gehören. Da gibt es zum Beispiel den Artikel 94 des Militärstrafgesetzes.

Sicherlich kann auch Schumacher lesen:

«Der Schweizer, der ohne Erlaubnis des Bundesrates in fremden Militärdienst eintritt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.»

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, gegen diesen Artikel zu verstossen. Indem man sich an Kämpfen der PKK beteiligt. Sich fundamentalistischen Wahnsinnigen anschliesst. Oder einer linksradikalen Narco-Guerilla. Oder der Fremdenlegion. Oder in früheren Zeiten von seiner eigenen Obrigkeit als Reisläufer vermietet wurde. Was nicht ehrenvoll, sondern schändlich war.

Allerdings nicht in der verschoben-verschrobenen Weltsicht Schumachers: «Einst ehrte die Schweiz ihre Freiheitskämpfer mit protzigen Statuen. Heute schickt sie ihnen Strafbefehle.» Welche Freiheitskämpfer er da wohl meint? Gar eine Tell-Statue?

Vielleicht braucht er ein wenig Geschichtsunterricht. Tell verdingte sich nicht als Söldner in fremden Diensten. Oder die Schweizer Geschichte muss umgeschrieben werden.

Ein Strafbefehl, die logische Folge eines Gesetzesverstosses, ist für den Amok «falsch und obendrein rufschädigend». Die Schweiz schädigt ihren Ruf, indem sie die Einhaltung geltender Gesetze durchsetzt? In seinem Lauf hält ihn weder Ochs noch Esel auf: «In der Ukraine rümpft man ob des helvetischen Abseitsstehens ohnehin schon die vom dreijährigen brutalen Angriffskrieg zertrümmerte Nase.»

Eine zertrümmerte Nase wird gerümpft? Das wollen wir sehen. Und in der Verfassung definierte Neutralität als «Abseitsstehen» misszuverstehen, das muss man erst mal bringen. Ob da verbotene Substanzen im Spiel waren?

Als gälte es, das hohe Lied des Söldnerwesens zu singen, galoppiert Schumacher weiter nach Absurdistan: «Mutige Einzelmasken wie Neidhart und die zwölf anderen Ukraine-Söldner, die den Schweizer Behörden bekannt sind, zeigen: Nicht jedermann lässt sich von der offiziellen Lethargie anstecken

Nicht lächerlich, sondern bedenklich wird es, wenn wieder einmal ein Journalist meint, nicht der Rechtsstaat, sondern er selbst dürfe entscheiden, was richtig ist und was falsch. Was erlaubt, was verboten. Was lethargisch und was tatkräftig. Dass er damit nicht alleine steht, macht die Sache nicht besser: «Die Amnestie für Ukraine-Kämpfer, die der Bündner SP-Nationalrat Jon Pult mit seinem Vorstoss einfordert, wäre ein Anfang.»

Schumacher ist wahrscheinlich zu ungebildet und in der Geschichte zu wenig bewandert, als dass er sich an das Schicksal der Schweizer Spanienkämpfer erinnern würde. Die eilten nicht einem korrupten Regime zu Hilfe, das sich gegen den Überfall eines anderen korrupten Regimes wehrt. Sondern rund 900 mutige Eidgenossen setzten für die gewählte Regierung Spaniens in ihrem Kampf gegen den von den Faschisten unterstützten Putschisten Franco ihr Leben aufs Spiel. Das war zwischen 1936 bis 1939; bekanntlich endet das mit dem Sieg Francos und einer jahrzehntelangen brutalen Diktatur.

Selbstverständlich wurden diese Schweizer, wenn sie den Einsatz überlebten, nach ihrer Rückkehr bestraft – und gesellschaftlich geächtet. 420 von ihnen wurden wegen «Eintritt in fremde Kriegsdienste» zu Gefängnisstrafen verurteilt. Sie wurden nie rehabilitiert, erst 70 (!) Jahre später wurden lauwarm die damaligen Urteile aufgehoben. Natürlich ohne Entschädigungen oder Genugtuungsleistungen.

Das hätten die Spanienkämpfer auch nicht erwartet. Sie wussten, was sie sich mit ihrem Eintreten für die spanische Republik einhandelten. Viele von ihnen wurden selbständig, da sie so gebrandmarkt keine Anstellung mehr fanden. Wer das Privileg hat, einige von ihnen gekannt zu haben, findet alleine deswegen diese Irrfahrt von Schumacher übelkeitserregend.

Flieg, Schumi, flieg!

Überflieger im Journalismus sind meist Bruchpiloten.

Von Thomas Baumann
ÜberfliegerSamuel Schumacher, Auslandsredaktor «Blick» mit beeindruckendem Lebenslauf, beglückte die Welt unlängst wieder mit einer seiner beeindruckend schrecklichen «Analysen».
Und das kam so: Vor fünf Wochen lag ein Exemplar des «Blick» im Briefkasten. Weder bestellt noch abonniert. Daher auch erst jetzt gelesen. Aber der Inhalt ist es trotzdem wert, selbst mit Verspätung hier rapportiert zu werden.
Das Stück hiess im Print: «Nur ein neuer Rütlischwur kann den Bürgenflop verhindern». Online noch etwas knalliger: «Letzte Chance für die Schweiz: So wird die Bürgenstock-Konferenz zum Wendepunkt im Ukraine-Krieg».
Für Thesenjournalismus sind Fakten entweder a) unbedeutend oder b) lästig. Entsprechend ist Überflieger Schumacher bei diesen etwa so sattelfest wie ein Rodeo-Reiter kurz vor dem Abflug. Oder vielleicht orientiert er sich ja eher an Goethe: Sind die Fakten nicht willig, so brauch ich Gewalt!
So schrieb er: «Gewichtige Stimmen wie die Türkei, […] Südafrika oder Saudi-Arabien fehlen am runden Tisch hoch über dem Vierwaldstättersee.» Faktencheck: Dreimal falsch.
An demselben Abend, an dem Samuel Schumacher die Tasten seines Computers malträtierte, gab der Präsident der Jungen SVP, Nils Fiechter, dem russischen Sender RT ein Live-Interview. Darin behauptete er, dass Indien, Brasilien und Indonesien nicht an der Konferenz teilnähmen. Ebenfalls dreimal falsch.
Der Unterscheid: Während die Tamedia-Blätter Fiechter umgehend «Fake News» vorwarfen, gab es zu Schumacher keinen Pieps.
OK, das sind, wie der Presserat so schön zu sagen pflegt, «handwerkliche Fehler». Ganz so, als wäre Journalismus kein Handwerk. Doch damit hat es sich natürlich noch längst nicht. Die Passage, wo einem glatt die Spucke wegbleibt, im Folgenden integral und unkommentiert (die Schreibe spricht für sich selbst):
«Jetzt [wäre] der perfekte Zeitpunkt, um sich das Wirken der helvetischen Ahnen in Erinnerung zu rufen. Unweit des Bürgenstocks auf einer steilen Wiese am Urnersee kamen die Eidgenossen schon einmal zu einer Friedenskonferenz zusammen und schworen sich ‹im Hinblick auf die Arglist der Zeit … Beistand, Rat und Förderung mit Leib und Gut … mit ihrem ganzen Vermögen gegen alle und jeden, die ihnen Gewalt oder Unrecht antun› — und zwar explizit ‹innerhalb ihrer Täler und ausserhalb›.
1291 war das. 2024 ist die ‹Arglist der Zeit› nicht weniger geworden. Ein neuer Rütlischwur täte not. Die Sicherheit unserer Talschaften wird vom russischen Regime mit seinem kaltblütigem Meucheln im Osten und seinen unermüdlichen Vernichtungsdrohungen gegen den Westen massiv gefährdet. Den ukrainischen Kämpfern, die für uns die Drecksarbeit übernehmen, gebührt mehr Ehre als ein lahmes Communiqué, verlesen im Presseraum des Luxusressorts.
Die Schweiz müsste die Zäsur wagen und vor versammelter internationaler Gästeschar auf dem Bürgenstock die Abkehr von der starren Neutralität verkünden. Indirekte Waffenlieferungen und eine Aufstockung der wirtschaftlichen Hilfe (etwa durch den Einsatz von hierzulande eingefrorenen Russenvermögen) wären ein guter Start. Wagt die Schweiz den Schritt und legt den Schalter um, dann bleibt der Bürgenstock-Gipfel womöglich für immer als Wendepunkt im Ukraine-Krieg in Erinnerung.»
Amen! Ein Fakt doch noch: Während die EU-Staaten bestenfalls die Kapitalerträge russischer Vermögen für die Hilfe an die Ukraine verwenden, will der wackere «Blick»-Reporter dafür offenbar auch das Kapital antasten.
Natürlich erkennt man in dieser Passage unschwer auch die typisch helvetische Selbstüberschätzung: Wir brauchen bloss «den Schalter» umzulegen, und alle Probleme der Welt sind gelöst — Klimawandel, Ukraine-Krieg, you name it… Die Welt nimmt’s zur Kenntnis und lacht.
Um ‹Überflieger› Samuel Schumacher jedenfalls braucht man sich angesichts solcher Artikel keine Sorgen zu machen: Der ist so aufgeblasen, dass er von selbst fliegt.
Und was das Blatt betrifft, für das er schreibt: Vor langer Zeit diente es einst auf Baustellen-WCs als informelles Toilettenpapier. Die Zeiten haben sich geändert: Dank solcher Artikel steht heute im Blatt, was früher  …

«Blick» in die USA

Man kann die Berichterstattung wirklich nicht mehr ernst nehmen.

Von Tamedia hat sich ZACKBUM diesbezüglich schon verabschiedet. Nun sagen wir auch leise Servus zum einzigen Organ mit Regenrohr im Logo. Denn da gluckert nur verdünntes Wasser durch. Wie das geht? Keine Ahnung, aber es geht.

Da hätten wir den einschlägig bekannten «USA-Kenner» Peter Hossli. Der vernachlässigt seine Pflichten als Leiter der Ringier Journalistenschule und gurkt auf Redaktionskosten durch die USA. Und beglückt den Leser mit Erkenntnissen wie: «Der Verlierer der republikanischen Vorwahlen am Super Tuesday heisst: Joe Biden (81). Dabei stand der Präsident bei den Republikanern gar nicht zur Wahl.» Ist’s auch gaga, so hat’s doch Methode. Aber glücklicherweise schützt die Bezahlschrank fast alle «Blick»-Leser davor, damit belästigt zu werden.

Aber die News von gestern ist von heute aus gesehen schon längst versickert. Denn nun gilt:

Warum? Weil der Mann so schrecklich geliftet ist, dass er wie eine Mumie auf Urlaub aussieht? Auch hinter der Bezahlschranke verborgen, räsoniert Samuel Schumacher: «Der US-Präsident legte in seiner Rede zur Lage der Nation einen brillanten Auftritt hin.» Da fragt man sich zunächst: was erlauben sich Schumacher? Der ist kein Head, kein Chief, kein Leiter, kein Chef, der ist einfacher «Ausland-Reporter» mit einem Auslauf, der ungefähr so gross ist wie sein Desk in der Hölle des Newsrooms.

Was hat denn Joe Biden gewuppt? «Eine Stunde und sieben Minuten lang sprach, ja rief Biden seine Rede mit ganz wenigen Versprechern in den Saal, zeigte sich kämpferisch und witzig, gut gelaunt und zuversichtlich.»

Wahnsinn. Gibt es auch Wermutstropfen? Ach, kleine, ganz kleine:

«Klar: Biden musste sich hie und da räuspern (eine Folge seines Säurereflux, unter dem etwa jeder fünfte Erwachsene leidet). Klar: Hie und da verhaspelte sich der auffällig schnell sprechende Präsident. Aber: Biden war witzig.»

Säurereflux, hat fast jeder, kein Problem, sagt Dr. med. Schumacher. In Rücksichtnahme auf den angenommenen IQ des «Blick+»-Lesers (Devise: wie kann man nur so blöd sein, dafür Geld auszugeben), macht Schumacher immer schön ein Fazit: «Stark! Trump wird schäumen! Biden ergreift im Nahen Osten die Initiative.»

Wunderbar, der Mann ist in einen Gesundbrunnen gefallen und hat Rejuvenierungspritzen gekriegt. Oder doch nicht? «Über weite Strecken hielt sich der US-Präsident an die sorgfältig ausgearbeiteten Sätze seiner Rede.» Aber dann, oh je: «Sobald er improvisieren muss, wird’s rasch schwierig für Biden. Und: In den drei bereits festgelegten Debatten gegen Donald Trump im Herbst wird er keine Teleprompter haben

Da machen wir doch auch mal ein Fazit, dem «Blick»-Niveau angepasst. Der 81-jährige Präsident ist noch in der Lage, einen Text weitgehend stotterfrei vom Teleprompter abzulesen, den ihm die besten Wortschnitzer der USA gebastelt haben. Super Leistung. Weicht er einmal davon ab, kommt er ins Haspeln und Stolpern. Beunruhigend.

Fazit: Hossli und Schumacher sollten sich mal ins Vernehmen setzen. Fazit: ist ein geliftetes, weisse Gesicht unter schütterem und schlecht drapiertem Haar abschreckender oder ein mit zu viel Bräuner zugeklatschtes Gesicht unter einer hellorangenen Fantasiefrisur, auf die Kim der Dickere eifersüchtig ist?

Schwierige Frage. Aber nicht einmal darauf antwortet der «Blick». Thema erledigt.

«Blick» in die Glaskugel

Auch das noch. Das Organ mit dem Regenrohr im Logo schaut in die Zukunft.

Das kann eigentlich nicht gutgehen. Tut es auch nicht, diese gesicherte Prognose kann gewagt werden. Dabei ist immerhin ein Dreierteam am Gerät. Chiara Schlenz, Guido Felder und Samuel Schumacher. An deren Qualifikation kann es nicht liegen. Schlenz war zuvor «Video- und Newsjournalistin» für Nau.ch und arbeitet nun Teilzeit für den «Blick». «Ausland-Redaktor» Felder stellt sich so vor: «Gibts einen cooleren Job? Er sagt: No. 💪» Schumacher schliesslich ist «Ausland-Reporter» und war zuvor «Ressortleiter Ausland» bei CH Media. Das war der Job eines Häuptlings ohne Indianer.

Dieses Dreamteam eröffnet nun den «US-Wahlbeobachter» vom «Blick». Oder den «US-Wahlmonitor»; wie das Ding heisst, da ist man sich noch nicht so sicher. Anfangsschwierigkeiten, kann’s doch geben. Schlenz beantwortet gleich am Anfang eine Frage, die niemand gestellt hat. Ob das nicht ein wenig früh sei. Aber nein, «bei diesen Wahlen geht es um nichts Geringeres als das Überleben der ältesten Demokratie der Welt». Hoppla, das ist ja die Tonlage von Schwulstschwätzer Kornelius in der SZ und im Tagi. Aber gemach, Schlenz weist das schnell als Zitat von Joe Biden aus. Der diesen Satz immerhin stolperfrei über die Lippen brachte.

Also gut, Wahlbeobachter (oder Monitor oder so). Der muss natürlich mit einem Knaller beginnen. Nur: woher nehmen und nicht stehlen?

Nun, da probieren es die Drei mal mit einem Knallertitel:

Hui, bahnt sich da eine Sensation an, verliert Trump seinen Vorsprung, ist die Entscheidung wieder offen, wer für die Republikaner gegen Joe Biden antritt? Nicht wirklich:

Wie dieser Screenshot aus dem Wahlbeobachter (oder Monitor, aber lassen wir das) beweist, tendiert die Spannung gegen null. Die drei noch im Rennen verbliebenen Konkurrenten kommen zusammen auf etwa ein Drittel der Stimmen, die Trump alleine für sich einheimst, nach Umfragen. Das sieht im nächsten Caucus in Iowa nicht anders aus. Absolute Mehrheit für Trump, DeSantis krebst bei 17 Prozent herum, die vom Sterndeuter und Vermutungsjournalist Peter Hossli hochgeschriebene Nikki Haley gar bei unter 16 Prozent.

Also gibt es keinen Grund, einen solchen blödsinnigen Titel drüberzusetzen. Das sieht auch die Autorin des ersten «Livetickers» ein, der zudem überhaupt nicht live ist:

«Eigentlich sind die republikanischen Vorwahlen in Iowa wie ein Blick in eine trübe Kristallkugel. Und sie zeigen: Vergangene Wahl- oder Teilsiege sind in der US-Politik ungefähr so wertvoll wie gestern gekaufte Lottoscheine. Und es gibt nur eine Gewissheit im Rennen um das Weisse Haus: Alles ist ungewiss. Das macht es aber gerade so spannend. Ich packe schon mal das Popcorn aus.»

Das ist nun schon mal rein sprachlich, von den Gedankengängen ganz zu schweigen, mehrfach peinlich versemmelt. Ein Blick in eine Kristallkugel, selbst eine trübe, bezieht sich auf die Zukunft. Schlenz bezieht sich aber auf vergangene Wahlsiege. Wieso die so wertvoll – also wertlos – wie gestern gekaufte Lottoscheine sein sollen? Wenn die Ziehung morgen ist, können die durchaus den Hauptgewinn abräumen. Dann der Uraltkalauer, dass nur gewiss sei, dass alles ungewiss sei. Gähn. Das mache es spannend? Doppelgähn. Popcorn, schnarch.

ZACKBUM wagt nun selbst einen Blick in die Zukunft, bzw. hat ihn sich hier anfertigen lassen:

Die Illustration stammt übrigens, wie schon einige zuvor, von einer KI. Die ist nun entschieden intelligenter als dieses Trio Infernal vom «Blick», also ist die Prognose absolut sicher: Der «US-Wahlbeobachter» startet mit einem Flop, ist ein Flop und wird ein Flop bleiben.

Auch auf die Gefahr hin, als sexistischer Frauenunterdrücker gekreuzigt zu werden: vielleicht hätte man nicht – «Ladies first» – einer Teilzeitjournalistin den Start überlassen sollen.

Aber es gibt eine gute Nachricht: da er hinter der Bezahlschranke von «Blick+» stattfindet, wird er nur ganz wenige Leser quälen.

Kriegshetzer Schumacher

Hoffentlich werden diese traurigen Gestalten zur Verantwortung gezogen.

Mit markiger Stimme schliesst sich der «Ausland-Reporter» Samuel Schumacher dem Chor der Kriegsgurgeln an.

Der Schreibtischgeneral weiss:

Es ist offenbar langsam eine Massenbewegung unter Journalisten entstanden, auf so Peanuts wie Gesetze oder Rechtsstaatlichkeit zu scheissen.

In holprigen und schrägen Sätzen schnattert Schumacher Halbgares und ganz Falsches: «Die Wirkungsstätten der Zögerlichkeit in Berlin und Bern seien deshalb zu gleichen Teilen daran erinnert: Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie kommt und bleibt nicht einfach so, wie das der US-Politologe Francis Fukuyama (70) einst prophezeit hatte.»

Das hatte der zwar nicht «einfach so prophezeit», aber für die Flughöhe eines «Blick»-Journalisten kann ein Blick in «Wikipedia» durchaus zu dieser Verkürzung führen.

«Demokratie ist kein Selbstläufer», welch ein Satz von erhabener Inhaltsleere, ungefähr so intelligent wie der Satz: «Schumacher ist kein Überflieger.» Und kein Sprachgenie: «Die Demokratie muss sich mit Waffengewalt gegen alles verteidigen können, was nach ihr trachtet.» Vielleicht erklärt ihm mal jemand ganz langsam, was «nach etwas trachten» bedeutet. Denn dagegen muss sich die Demokratie garantiert nicht verteidigen. Höchstens gegen Sprachvergewaltiger.

Aber es geht weiter im wilden Gestolper; die Ukraine sei in einer «mühsamen Metamorphose vom post-sowjetischen Korruptionshub zur westlich gesinnten Freiheitsnation». Ausser Schumacher hat diese Metamorphose aber noch niemand so richtig mitbekommen, vor allem das mit der Freiheitsnation.

Dann türmt Schumacher weiter Schräges auf Schräges: «Ohne Drohkulisse und massive Schutzvorkehrungen kann sich auch das moralische Richtige und Schöne nicht gegen die Hässlichkeiten dieser Welt durchsetzen. Selbst die Mona Lisa verschanzt sich hinter Panzerglas. Und der Papst liess die Schweizergarde gerade erst um 25 Spaliersteher auf ein Soll von 135 aufstocken.»

Die Mona Lisa und der Papst seien das «moralisch Richtige und Schöne»? Wobei die Mona Lisa ein Panzerglas bestellte, wohl mit ihrem unergründlichen Lächeln?

Wem’s schon schwindlig ist, der soll bitte den fulminanten Schlussquatsch ja nicht lesen, oder höchstens auf nüchternen Magen:

«Doch Panzerglas oder traditionell gewandete Hünen tun den Dienst für die Ukraine nicht. Sie braucht Kampfpanzer und Munition. Sie sind die «Impfung gegen die Tyrannei», wie Wolodimir Selenski (44) jüngst gesagt hat. Ohne sie wird die Pandemie des Bösen auch in diesem Jahr weiter wüten.»

Es gibt Unterschiede zwischen der Mona Lisa, dem Papst und Selenskyj. Das russische Regime lässt also die «Pandemie des Bösen» auf die Welt los, ganz so wie zu anderen Zeiten ein Volk bezichtigt wurde, die Pest und alles Schlimme über die Welt zu bringen. Während Selenskyj dann wohl das moralisch Richtige und Schöne sein soll. Obwohl sein Regime nicht weniger autokratisch und korrupt ist als das in Moskau.

Man fragt sich wieder einmal, wo eigentlich noch Qualitätskontrolle im Journalismus stattfindet. Die Lieferung von Waffen und Panzern von den «Wirkungsstätten der Zögerlichkeit» zu fordern, ist das eine, antidemokratische und rechtsstaatverachtende. Das mit ins Unverständliche ragenden, kruden Sätzen unter Misshandlung des Deutschen zu tun, das ist das andere.

Beides zusammen ist unerträglich.

Wahnsinniger Putin

Die Auslandchefs von CH Media und Tamedia: zwei traurige Gestalten.

Samuel Schumacher ist Ressortleiter Ausland bei CH Media. Der zweitgrösste Vertreiber von Tageszeitungen in der Schweiz leistet sich was. Nämlich eine Auslandredaktion, die aus zwei Nasen besteht. Also ein Häuptling und ein Indianer.

Die Welt ist ziemlich gross und bunt und kompliziert. Daher ist es sehr gut, dass sich die Aufmerksamkeit meistens auf ein, zwei Orte konzentriert. Genau, Stichwort Ukraine. Das hat wiederum den Nachteil, dass nach ein paar Wochen intensiv-oberflächlicher Berichterstattung so ziemlich alles gesagt ist, oder kommt jemand der Satz «die Lage spitzt sich dramatisch zu» unbekannt vor?

Da ist es erfrischend, wenn Schumacher Neuland betritt: «Wahnsinniger Putin». Das ist originell. Ex-KGB, Machtmensch, Diktator, aggressiv, Provokateur, das hatte wir alles schon. Aber «wahnsinnig», ergänzt durch «gefährliche Hetzrede», damit betritt Schumacher endgültig das weite Feld der verantwortungslos-bescheuerten Berichterstattung.

Da will Christof Münger von Tamedia nicht nachstehen.

Dieser Weltstratege weiss über die NATO: «Die Militärallianz bedroht Russland nicht», plus: «Auch hinter der sogenannten Osterweiterung der NATO steckte keine offensive Strategie.» Eine defensive Ausdehnung nach Osten, gegen alle Zusicherungen bei der deutschen Wiedervereinigung. Für wie blöd hält der Mann seine Leser?

Münger ist auch um Ratschläge nicht verlegen: «Auch die Regierung in Bern sollte die neue Realität anerkennen.» Wer sagt das? Ein «promovierter Historiker», den «Reportagereisen in den Irak, nach Haiti oder in den Kongo führten». Fantastische Voraussetzungen, um den Ukrainekonflikt zu analysieren.

Was macht der Mann sonst noch? «Zusammen mit seinem Team plant und produziert er den Auslandteil.» Das liegt etwa so nahe an der Wahrheit, wie wenn man den Truppenaufmarsch um die Ukraine als Frühlingserwachen bezeichnen würde. Münger nimmt alle Germanismen aus den von München angelieferten Ausland-Artikeln raus (wenn nicht ein Euro oder ein Parken stehenbleiben) und füllt sie unter neuen Titeln (meist schlechter als im Original) ab.

Als sein Beitrag zur verantwortungslos-bescheuerten Berichterstattung.

 

Tag der Abrechnung

Heute ist Judgement Day für Donald Trump. Terminator Arnold Schwarzenegger hatte in einem Video schon vorgelegt.

Vier Jahre lang haben die Mainstream-Medien auf diesen Tag gebangt. Gehofft, ihn herbeigesehnt. Manche, wie der «Spiegel», wollten Trump sogar aus dem Amt schreiben. Mit allen Mitteln. Das hat ihm nicht gross geschadet, der Glaubwürdigkeit des «Spiegel» allerdings gewaltig.

Seine vorher hochgelobte Dokumentationsabteilung, die angeblich den Namen jedes Baumes nachprüft, der in einem Artikel erwähnt wird, sah vor lauter Bäumen den Lügenwald des Starreporters Claas Relotius nicht.

Auch in der Schweiz ist es an der Zeit, dem scheidenden Präsidenten noch hämische Worte nachzurufen. «Beim letzten Abflug blickt Trump auf Trümmer», versucht Tamedia etwas holprig zu alliterieren. Zu einem Nachtfoto des Platzes vor dem Kapitol, bei dem eine Illuminierung auffällt, die von Leni Riefenstahl stammen könnte, fällt dem USA-Korrespondenten nur auf, dass «eine friedliche Machtübergabe» anders aussehe.

Da hat selbst der Muskelprotz Arnold Schwarzenegger, der auf seine alten Tage sein Hirn wiederentdeckt, eine stimmigere und unterhaltsame Abrechnung vorgelegt. Der ehemalige Gouverneur von Kalifornien erinnert sich an seine Kindheit und an die Kristallnacht, während er Trump als «den schlechtesten Präsidenten aller Zeiten» fertigmacht.

Schönes Bild gefunden, um Verachtung auszudrücken

Als Schlusspointe erwähnt der tiefblickende Analytiker Alan Cassidy von Tamedia, dass das Weisse Haus tiefengereinigt wird, für eine halbe Million Dollar. Biden habe ja den Kampf gegen die Pandemie zur obersten Priorität erklärt: «Ein sauberes Weisses Haus wäre da ein guter Anfang.» Ein abtretender Präsident, von fast der Hälfte der Stimmbürger beinahe wiedergewählt, als Virus, Schmutzfink?

Der «Blick» fiel schon vorher durch die geistig tiefergelegten «Analysen» seines USA-Korrespondenten auf. Aber man will ja von einem 25-Jährigen, der von seiner Wohngemeinschaft in San Diego aus den Überblick zu bewahren versucht, nicht viel mehr erwarten. Nicht viel mehr als ein donnerndes «Nie wieder!».

Nicola Imfeld räumt zwar ein, dass 74 Millionen US-Stimmbürger Trump wiederwählen wollten. Trotz dieser «überraschend hohen Zahl» ist es nun aber so, dass nun «endlich!» Joe Biden seine Nachfolge antritt; «die grosse Mehrheit der Amerikaner wird erleichtert aufatmen», weiss Imfeld. Wohl die berühmte schweigende Mehrheit.

Und ob es bis nach San Diego vorgedrungen ist, dass sein Oberchefredaktor Christian Dorer sich nicht einkriegen konnte, als er am letzten WEF in Davos dem «dear Mr. President» eine Unterschrift auf der Titelschlagzeile «Welcome to Switzerland» abnötigte? Leider konnte ihm Dorer nicht mehr als ein «cool! I like it» entlocken, aber man merkte ihm an, dass er vor Bedeutung fast platzte: Der US-Präsident hat mit mir gesprochen! Er kennt mich! Vielleicht nimmt er ab, wenn ich das Weisse Haus anrufe.

Tropfend vor Häme

Auch die Allzweckwaffe von CH Media, Samuel Schumacher, tropft vor Häme: «Er geht als Karikatur seiner selbst: Donald Trump fliegt heute einer sehr ungewissen Zukunft entgegen.» Das muss Schumacher irgendwie bekannt vorkommen, denn als Auslandchef mit einem einzigen Mitarbeiter muss er ein Überflieger sein, der rastlos zwischen Washington und Peking, Moskau, Tokio, Paris, London, Berlin, Singapur, Südafrika, Lateinamerika hin und her hopst

Das Urteil der «Experten» über Trump sei verheerend, weiss er. Wahrscheinlich die gleichen Experten, die eine Wahl Trumps 2016 für absolut ausgeschlossen erklärten. Bis tief in die Wahlnacht hinein. Immerhin gesteht ihm Schumacher zu: «In seinen vier Jahren an der Macht hat er nicht alles komplett falsch gemacht.» Man spürt, wie er diesen Satz mit Mundschutz schreibt.

Erfolge, Misserfolge, dunkle Wolken

Dann folgt immerhin eine Auflistung einiger Erfolge. Als Einleitung zur Abrechnung mit all seinen Misserfolgen. In deren Fortsetzung natürlich nach dem Verlust der Immunität als Präsident dunkle Wolken über dem giftgelben Haupthaar auftauchen. Nicht nur ein weiter mögliches Impeachment, es könnte sogar sein, raunt Schumacher, dass Trump als erster US-Präsident in den Knast wandert.

Wie es sich für die NZZ gehört, sieht sie die Sache differenziert: «Der feuerspeiende Drache Trump tritt ab – die Ursachen für seinen Erfolg bleiben». Ein etwas gewagtes Bild, der Ritt der Depravierten, des «baskets of deplorables», wie Hillary Clinton selbst die Hauptursache für ihre Niederlage bezeichnete, lange vor dem Wahltag.

Ein souveräner Rückblick der NZZ

Es ist dann ein souveräner Ritt durch vier Jahre Trump-Regierung, mit ihren Erfolgen und Niederlagen, inklusive Beschreibung der «Charakterschwächen» dieses Präsidenten, sein «Flirt mit Sumpfblüten am rechten Rand der Gesellschaft». Aber auch der richtige Hinweis von Peter Winkler, dass die Frage nicht war: «Wie könnt ihr bloss so einen wählen», sondern: «Wie gross muss das Leiden und die Wut sein, dass Millionen von vernünftigen Männern und Frauen einen derart unvernünftigen Präsidenten in Kauf nehmen?»

An der Beantwortung genau dieser Frage scheiterten fast alle deutschsprachigen Medien in erbärmlicher Weise. Die einäugigen «Kenner» der Süddeutschen, von der sich Tamedia fast die gesamte Auslandberichterstattung ausleiht, raunten nur immer wieder, dass die Gefahr einer Diktatur drohe, dass das Ende der Demokratie vielleicht gekommen sei, dass Trump nicht freiwillig das Weisse Haus verlassen werde.

Von Anfang bis Ende falsch gelegen

Also von Anfang «wird niemals gewählt» bis zum Ende «droht ein Putsch, ein Bürgerkrieg?» falsch gelegen. Mit ganz wenigen löblichen Ausnahmen. Nur die NZZ – und die WoZ – sehen die wirkliche Gefahr in der Zukunft: Trump verschwindet, seine Wähler nicht. «Ein fähiger Nachahmer könnte wirklich gefährlich werden», warnt die NZZ.

Die verbohrte Unfähigkeit, statt Gesinnungsjournalismus endlich wieder Versuche zu starten, die Wirklichkeit abzubilden und zu analysieren, gefährdet die Glaubwürdigkeit der Medien schon lange nicht mehr. Die liegt bereits im Koma.