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Balla, balla

Langsam gehen uns die Titelvarianten aus. Aber Spass muss sein in dieser trüben Welt.

ZACKBUM ist inzwischen überzeugt: die glückliche «Blick»-Familie mit einer unübersehbaren Anzahl von Häuptlingen (wie geht da eigentlich die weibliche Form davon?) hat einen disruptiven Kurswechsel vorgenommen. Keine nackten Frauen mehr, kein Sexratgeber mehr, keine Busen mehr, dafür viel Büsis und höchstens einen Sprutz Blut, das sind nur oberflächliche Korrekturen.

Auch absurde Ratgeber wie das richtige Verhalten gegenüber der Klobrille oder beim Eierschälen: alles Oberflächenphänomene. Dahinter steht eine tiefere Absicht, ein neuer Ansatz, ein Geheimplan, der hier weltexklusiv enthüllt wird.

«Blick» in all seinen Ausformungen soll eine reine Leser-Bespassungsveranstaltung werden. Wir führen den Beweis und beginnen gleich mit dem stärksten Indiz. Was gibt es im Moment in der Schweiz Traurigeres als die Toten im Wallis? Da ist es gar nicht so einfach, dieser Tragödie Komik abzugewinnen. Aber «Blick» hat diese fast übermenschliche Aufgabe gemeistert:

Sechs grob verpixelte Porträts, dasjenige der noch Vermissten pietätvoll vergrössert, das Ganze um das Schneeloch drapiert, in dem fünf der Toten verzweifelt Unterschlupf suchten. Menschen mit schwächeren Nerven mögen das für pietätlos halten, aber die meisten erkennen doch wohl die satirische Qualität dieser Darstellung.

Hingegen fragt man sich bei dieser Bebilderung, ob man weinen oder lachen soll:

Gut jedenfalls, dass der «Blick» hier noch für mehr Unterhaltung sorgen will:

Gibt’s da eigentlich ernsthaft Beratungsbedarf? Aber immer:

Wobei: die erklärenden Worte der «Paar-Therapeutin» Margareta Hofmann werden nur Plussern bei «Blick+» zuteil. Schnief; da mischt sich ein trauriges Tränchen in die Lachtränen. Wobei, Hofmann ist sozusagen die Allzweckwaffe im Paartherapie-Bereich. Ob eine «junge Ehe schon ein Therapiefall» ist, ob es eine «zweite Chance für die Liebe» gibt: Paartherapeutin Hofmann erklärt und rät, manchmal mit Bindestrich, manchmal ohne.

Jetzt aber mal kurz eine ernste Warnung:

Überdosis Muskatnuss? Soll uns denn der Kartoffelstock verleidet werden? Aber nein, nachdem vor der Todesnuss gewarnt wurde, gibt «Blick» Entwarnung. Bislang seien weltweit erst zwei Todesfälle durch eine Überdosis Muskatnuss bekannt. Prust.

Ach, und hier muss man von einer eigentlichen Serie sprechen; nach dem Grosserfolg weiter oben versucht’s der «Blick» nochmal im Kleinen:

Eigentlich spricht man im Journalismus in solchen Fällen von einer Bild-Text-Schere. Der «Blick» serviert das dem Leser aber sicherlich zur Unterhaltung:

Was guckst du? Was guckst du grimmig bei Jubelerfolg? Aber immerhin, der Mann ist nicht verpixelt.

Das hier ist nun ein ziemlich komplexer Scherz für Insider:

Dieses Interview hat der in den USA fremdgehende «Leiter Journalistenschule» Peter Hossli geführt. Selbstverständlich gehen wir davon aus, dass es echt ist. Allerdings brach genau dieses Thema dem «Spiegel»-Fake-News-Autor Claas Relotius das Genick. In einer Reportage über Bürgerwehren an der Grenze zwischen den USA und Mexiko wollte es Relotius gelungen sein, mit einigen Exponenten dieser sehr verschlossenen Gruppen zu sprechen. Wie Nachrecherchen ergaben: es war geflunkert. Erfunden. Hatte nie stattgefunden.

Das konnte Hossli nun mit seinem Interview des Präsidenten der «Patriots for America» nicht passieren. Die haben eine Webseite, sind stolz auf ihre vielfältigen Medienkontakte, und gerade erst hatte Samuel Hall in «Newsweek» länglich seine Ansichten ausbreiten dürfen. Also passt hier zumindest das amerikanische «it’s ironic», dass ihn Hossli nochmals das Gleiche sagen lässt, was er schon «Newsweek» erzählte.

Wir kommen bereits wieder zum Absackerchen:

Früher war eine Reiseexpertin noch eine Reiseexpertin, heute ist sie die Pressetante von Hotelplan. Wobei der Insiderwitz ist, dass Migros das von Dutti gegründete Reisebüro loswerden will. Vielleicht deshalb gibt es solche Tipps:

Zum Beispiel mit dem Zug nach München. Wunderbare Sache. Nur: der Zug hat notorisch Verspätung. Oder auch nicht; wenn gestreikt wird, fällt er ganz aus. Da die Lufthansa auch streikt, bleibt dann eigentlich nur noch der Mietwagen für den Rückweg. Oder vielleicht eine Wanderung durchs Allgäu?