Desinformation im Tagi
Wie ein Banause gegen die Neutralitätsinitiative Fake News publiziert.
Adrian Schmid hat einen Lauf. Während früher Linke dem Generalverdacht ausgesetzt waren, die Fünfte Kolonne Moskaus, die nützlichen Idioten des Kreml zu sein, wird das heute – so absurd dreht sich die Geschichte – ausgerechnet der SVP unterstellt.
Nach einem Denunziations-Artikel legt Schmid nach:

Die Russkis verbreiteten «Desinformation im Abstimmungkampf», behauptet Schmid. Ärger noch: der Staatssender Russia Today «kapert Blochers Initiative». Unglaublich. Da sieht man, was die Schweiz davon hat, dass sie – im Gegensatz zur EU – diesen Sender nicht verboten hat.
Allerdings sollte man etwas mehr Gepäck im historischen Rucksack haben, da Schmid Halbwahrheiten von RT mit eigenen Halbwahrheiten (oder geliehenen) begegnet.
Dazu nimmt er den längst pensionierten Historiker Marco Jorio zu Hilfe. Der hat unbestritten einen dicken Wälzer zur Geschichte der Schweizer Neutralität geschrieben. Ist aber, als ehemaliger CVP- und dann GLP-Politiker und ausgesprochener Gegner der Initiative, vielleicht nicht ganz wissenschaftlich neutral.
Wenn er vom Bundesrat fordert, der solle bei der Neutralität «historischen Ballast» abwerfen, verlässt er definitiv den wissenschaftlichen Bereich.
Wenn ihn also Schmid zitiert «Historiker Marco Jorio bezeichnet eine Darstellung zur Schweizer Neutralität und zur Rolle Russlands als «masslose Übertreibung»», dann ist das eine parteiische Meinung, keine wissenschaftliche Aussage.
Nun knöpft sich das Duo einzelne Aussagen von RT vor und will sie als Nonsens entlarven. Dabei fällt es aber selbst regelmässig und kräftig auf die Schnauze.
««Ohne die Unterstützung Russlands» wäre die internationale Anerkennung der Schweizer Neutralität am Wiener Kongress 1815 «kaum zustande gekommen», steht im RT-Artikel.» Falsch donnert Hobbyhistoriker Schmid, und nimmt Jorio zu Hilfe: «Der Zar sei zwar ein Freund der Schweiz gewesen, doch er habe sich 1815 am Wiener Kongress vor allem auf die Annexion Polens fokussiert.»
Peinlich, dass es unbestritten ist, dass der in russischen Diensten stehende Diplomat Ioannis Kapodistrias den Zaren beim Wiener Kongress vertrat. Das Schweizer EDA bezeichnet ihn ausdrücklich als eine Schlüsselfigur bei der institutionellen Neuordnung der Schweiz und bei der Anerkennung ihrer dauernden Neutralität. Peinliche Desinformation, das aussen vor zu lassen.
Dann nehmen sie sich die Sprecherin des russischen Aussenministeriums zur Brust: «Die Schweiz habe, so Sacharowa, von der deutschen Reichsbank Gold im Wert von 1,2 Milliarden Franken erworben und Deutschland bereits 1938 ersucht, die Pässe deutscher Juden mit dem Buchstaben J zu kennzeichnen. Zudem sei der St. Galler Polizeikommandant Paul Grüninger «verhaftet und entlassen» worden, weil er entgegen den Weisungen rund 3000 jüdische Flüchtlinge ins Land gelassen habe.»
Alles falsch oder höchstens halbrichtig, behauptet Schmid: «Gemäss Jorio ist diese Darstellung «fehlerhaft». Grüninger sei nie inhaftiert worden. Die Kennzeichnung der Pässe deutscher Juden sei von Deutschland vorgeschlagen und umgesetzt worden. Der Bundesrat habe das Vorgehen akzeptiert, sich gleichzeitig aber geweigert, die Pässe von Schweizer Juden zu markieren. Die Nationalbank habe Gold in ähnlichem Wert nicht nur von der deutschen Reichsbank, sondern auch von den Alliierten gekauft. «Von der Schweizer Neutralität haben eben beide Kriegsparteien profitiert.»»
Falsch oder höchstens halbrichtig, was sie selbst behaupten. Richtig ist, dass der St. Galler Polizeikommandant, der Hunderten Juden zur Nazizeit half, in die Schweiz zu flüchten und so das Leben rettete, nicht verhaftet wurde. Aber er wurde suspendiert, entlassen und wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Er starb in Armut und wurde erst 1995 posthum rehabilitiert.
Auch der Judenstempel kam nicht alleine durch deutsche Initiative in den Pass. Sondern es war ein Zusammenspiel schweizerischer Abschottung und deutscher Rassenpolitik. Die Schweiz erwog eine Visumspflicht für alle Deutschen. Darauf schlugen die vor, jüdische Pässe mit einem grossen, roten J zu stempeln, was vom Schweizer Fremdenpolizeichef Heinrich Rothmund akzeptiert wurde. Denn die Schweiz wollte jüdische Deutsche von nichtjüdischen unterscheiden können.
Geradezu lachhaft absurd ist die Feststellung, der Bundesrat habe sich «geweigert», in Schweizer Pässe von Schweizer Juden das J zu stempeln. Es ging hier ausschliesslich um deutsche Pässe.
Wie Schmid und Jorio das darstellen, auch die Goldfrage nach der Devise «na ja, einerseits, andererseits», das grenzt doch an Geschichtsklitterung.
Aber nicht nur in der Vergangenheit, auch in der Gegenwart biegt Schmid Fakten so um, dass sie ihm in den Anti-SVP-Kram passen.
Da berichtet RT:

Nun ja, eiert Schmid, «die in der Schweiz gegründete Rüstungsfirma beliefert die Ukraine. Es stimmt auch, dass Destinus einen Standort in Zürich hat». Aber, Fake News, donnert Schmid: «Militärdrohnen würden dort aber nicht hergestellt, betont das Unternehmen. Die Produktion erfolge im Ausland.» Ob er wirklich nicht merkt, wie er sich damit lächerlich macht?
Es ist ein Witz, aber nicht zum Lachen. Schmid wirft Russland eine Desinformationskampagne und eine Unterstützung der Neutralitätsinitiative vor. Er selbst fährt eine Desinformationskampagne als Gegner dieser Initiative. Unglaublich.



















