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Welchen Kontakt hat Koydl zur Realität?

Es muss sich um einen Wackelkontakt handeln. Oder wie er selbst sagt: «shit happens».

Wolfgang Koydls Kurzartikel in der «Weltwoche» online fängt schon mal gut, also falsch an: «Seit die Römer den „gerechten Krieg“ erfanden, werden Kriege für hohe, hehre, heilige Ziele geführt.»

Nein, Koydl, Geschichte ungenügend, setzen. Nicht nur die alten Griechen (Platon und so) machten sich schon Gedanken über gerechtfertigte Kriege. Da gäbe es noch den Codex Hammurabi der Babylonier, die ägyptischen Pharaonen oder Perser wie Xerxes.

Aber zu viel Bildung kann ja auch hinderlich für kurze Sätze sein.

Das war aber nur die Vorspeise. Zum mageren Hauptgericht:

«Welche Kontakte haben von der Leyen und Strack-Zimmermann zur Rüstungsindustrie? Eine Antwort gibt es nicht. Was die Frage eigentlich beantwortet».

Offenbar haben die beiden Damen auf entsprechende Anfrage nicht oder nur patzig geantwortet. Antworten darauf gibt es allerdings durchaus.

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen war bekanntlich vorher deutsche Verteidigungsministerin. Mangelnde Transparenz bei der Beschaffung von Waffen, Lobbyinteressen, Einbindung externer Berater, enge Beziehungen zur Rüstungsindustrie, liegt alles auf der Hand und offen.

Noch klarer ist es bei der Kriegsgurgel und deutschen FDP-Politikern Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Bis Mai 2023 war sie Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT), einem Verband mit Nähe zur Rüstungsindustrie. Bis November 2023 war sie im Präsidium des Förderkreis Deutsches Heer aktiv, ebenfalls ein rüstungsnaher Verein. Begriffe wie «Waffenlobbyistin» oder «Beraterin der Rüstungsindustrie» liegen auf der Hand und werden offen ausgesprochen.

Was die Frage eigentlich beantwortet, ob Koydl ein Qualitätsjournalist oder ein Dampfplauderer ist. Die schon mit anderen Machwerken aus seiner Feder beantwortet wurde.

Kriegs-Kreische

Der Mann kann sich noch steigern. Leider.

Auch die NZZ ist weitgehend beratungsresistent. Sonst würde sie es ihrem obersten Oberst und Sandkastenstrategen nicht mehr durchgehen lassen, dass er immer finsterer zukünftige Kriege vorhersagt, die Unke.

Neben der dringend nötigen Neuauflage des Zivilverteidigungsbüchleins, was gehört denn sonst zur «ernsthaften» Vorbereitung der Schweiz? Diesmal ist Georg Häsler um die Zukunft der Schweizer Rüstungsindustrie besorgt. Denn: «Ihr Überleben ist spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine ernsthaft infrage gestellt. Die Kunden mussten feststellen, dass die Schweiz kein zuverlässiger Partner mehr ist.»

«Kein zuverlässiger Partner», weil sich der Rechtsstaat Schweiz – im Gegensatz zu Deutschland und anderen Staaten – an seine eigenen Exportgesetze hält? Da wird Häsler in seinem Furor auch noch zum militanten Gegner des letzten Walls gegen Willkür und Barbarei. Unglaublich, für die NZZ.

Plus Wehrwille, plus Rüstungsindustrie.

Denn, so urteilt Scharfrichter Häsler: «Die Zeitenwende kommt allmählich auch im Bundesrat an. Das weltfremde KMG (Kriegsmaterialgesetz, Red.) hat den Realitätstest nicht bestanden – im GegenteilHier verhaspelt sich Häsler in seinem Sturmangriff sogar. Denn wenn das KMG «im Gegenteil nicht bestanden» hätte, dann hätte es doch bestanden. Aber Kriegsgurgel und Logik, das sind Todfeinde.

Dabei geht es ihm um Fundamentales: «Es geht um die Bereitschaft, die Demokratie auch wirklich zu schützenKlare Sache: Wer nicht mit Häsler übereinstimmt, schützt nicht die Demokratie – oder im Gegenteil oder so. Er ist vielmehr ein Defätist, ein Diversant oder wie die schönen Ausdrücke heissen, die Häsler sich nicht in den Mund zu nehmen getraut.

Dabei geht es hier um alles, wie Constantin Seibt sabbern würde. In der Version Häsler:

«Die Landesverteidigung ist in letzter Konsequenz eine Frage von Leben und Tod; nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, ihren Militärdienst zu leisten.»

Ja, so ist das mit den letzten Fragen, zu denen man bei der Landesverteidigung in einem kühnen Vorstoss dringt und drängt und zwängt. Denn die Lage ist nicht nur ernst, sondern fast hoffnungslos: «Wie gesagt: Pessimistische Analysen innerhalb der Nato rechnen mit einer Eskalation bereits in drei Jahren. Die Schweiz muss sich ernsthaft auf einen grösseren Krieg in Europa vorbereiten.» Himmels willen, wo soll denn dieser grössere Krieg herkommen? Blöde Frage: «Am Ende des Jahrzehnts könnte Russland auch einen Nato-Staat angreifen», behaupte der deutsche Verteidigungsminister.  Ohne sich der Ironie bewusst zu sein, dass das letzte Mal Deutschland Russland angegriffen hat. «Pessimistischere Szenarien rechnen mit drei Jahren, bis sich der Ukraine-Krieg ausweitet», raunt Häsler hinterher.

Die Schweizer Rüstungsindustrie wird’s freuen, dass sie hier einen strammen Verbündeten hat. Ob der Grossstratege Häsler allerdings ernsthaft davon ausgeht, dass ein aufgerüsteter Schweizer Wehrwille, die Beantwortung der Frage «von Leben und Tod», den russischen Bären davon abhalten würde, die NATO anzugreifen? Vielleicht ist es seiner Aufmerksamkeit entgangen, dass die NATO unter dem atomaren Schutzschirm der USA steht und mit Frankreich und Grossbritannien zwei weitere Atommächte als Mitglieder hat.

Natürlich ist es möglich, dass Präsident Putin suizidal veranlagt ist. Aber wahrscheinlich ist das nicht. Ernsthafter sollte allerdings die Frage beantwortet werden, wie lange die NZZ sich mit solchen Kommentaren noch lächerlich machen will.