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Patrik Müller wird Chef von allem

Exklusiv und nur hier: der Rettungsplan des Verlegerverbandes.

Die Tageszeitungen darben, das ist kein Geheimnis. Den überbezahlten und unterqualifizierten Medienmanagern der grossen Verlagshäuser fällt nichts ein, wie das geändert werden könnte.

Ausser, nach Subventionen, nach Steuergeldern zu krähen. Schliesslich seien sie die Vierte Gewalt im Staat, unverzichtbar für das Funktionieren der Demokratie. Oder für ihre Rettung, wenn man die Welt wie die «Republik» sieht.

Besondere Situationen brauchen besondere Massnahmen. In strikter Geheimhaltung wurde daher eine unternehmensübergreifende Rettungsmassnahme beschlossen. Denn der grösste Kostenfaktor ist weiterhin die Payroll der Angestellten. Wobei hier gilt: je höher in der Hierarchie, desto teurer.

Bereits bis anhin gibt es vier Oberchefredaktoren in den vier grossen Verlagen. Eric Gujer bei der NZZ, Raphaela Birrer bei Tamedia (oder Simon Bärtschi oder Jessica Peppel-Schulz, das ist nicht so ganz klar), Rolf Cavalli (oder Sandro Inguscio oder Ladina Heimgartner, das ist auch nicht so klar) beim «Blick», und Patrik Müller bei CH Media.

Daneben gibt es noch Roger Köppel, das Maschinengewehr mit Mission, der Verleger, Herausgeber, Besitzer und Chefredaktor der «Weltwoche». Aber der läuft für sich.

Die acht Nasen bei den grossen Verlagen verdienen zusammen geschätzte 2,5 Millionen Franken im Jahr. Die Teppichetage obendrüber noch viel mehr, aber das ist natürlich unantastbar.

Wie ZACKBUM aus sicheren, voneinander unabhängigen, aber ungenannt bleiben wollenden Quellen erfahren hat, wird hier ab heute, am 1. April, eine Sparmassnahme umgesetzt, wie sie die Schweizer Medienlandschaft noch nicht gesehen hat. Die Verlagshäuser einigten sich auf einen einzigen Oberchefredaktor für sämtliche Tageszeitungen. Erkoren wurde Patrik Müller, der bislang skandalfrei und behaftbar wie eine Teflonpfanne den Wannerclan glücklich machte.

Alle übrigen Führungskräfte wurden in die Frühpensionierung geschickt oder dürfen sich mit dem neuen Titel «besondere Aufgaben» schmücken.

Gleichzeitig werden auch die Redaktionen zusammengelegt, wobei jedes Verlagshaus seine Stärken ausspielt und das jeweilige Ressort beherbergen wird. Also der Sport kommt integral zum «Blick», das Regionale zu CH Media, Ausland und Wirtschaft natürlich zur NZZ, während das Inland weiterhin aufgesplittert bleibt. Bei Tamedia, die sonst leer ausginge, wird Feuilleton und Kultur angesiedelt, allerdings mangels eigenen Kräften durch Zugänge aus den anderen Verlagen.

Gleichzeitig wird ein Gefäss deutlich beschnitten. Pro Organ und Tag darf es maximal einen einzigen Kommentar geben. Nabelschau und Selbstbespiegelung sind dabei verboten.

Mit diesen Massnahmen wollen die Verlage die Weiterexistenz ihrer Tageszeitungen garantieren.

«Ich fühle mich geehrt, danke für das Vertrauen und schaue der neuen Aufgabe optimistisch, aber auch mit Respekt entgegen», wird Müller in der Pressemitteilung zitiert, die später am Tag publiziert wird.

Auf jeden Fall ein gewagtes Experiment, man wird sehen, ob es von Erfolg gekrönt ist oder im völligen Chaos endet.

Bli-Blü-Blick

Die Zwischenbilanz ist durchzogen.

Unbestreitbar hat die nicht immer so glückliche «Blick»-Familie seit dem Antritt von Rolf Cavalli und Reza Rafi an Biss und Bedeutung gewonnen. Das lässt beinahe vergessen, wie übel Christian Dorer abserviert wurde. Offenbar ist der Einfluss der Dame mit der extrabreiten Visitenkarte inzwischen etwas geschrumpft.

Verschwunden ist auch das Regenrohr im Logo, das Bauklötzchen-Visual und die Schnapsidee, die Boulevardblätter weiblicher zu machen, sie zu enteiern. Das kostete alles Unsummen und viele Leser.

Nun geht’s also gelegentlich wieder munter zur Sache. Allerdings hat die Mannschaft in der Hölle des Newsrooms mit vielen Häuptlingen und nicht so vielen Indianern doch immer noch gelegentlich Schwächeanfälle.

Die äussern sich in solchen Meldungen:

Abgesehen von «who cares», wie Schawi sagen würde: hier handelt es sich um eine Bild-Text-Schere. Denn auf dem Foto sieht man nicht den neuen, sondern einen alten Look …

Hier fragt man sich, wie viele Gratis-Essen es dafür gab:

«Blick» als Immobilienanzeiger, wieso nicht.

Nun kommen wir zum Thema Sex. Der beliebte regelmässige Sex-Ratgeber fiel ja auch der Verweichlichung, Pardon, der Verweiblichung zum Opfer. Also wird nun nur noch ab und an beraten. Hier nimmt sich «Blick» eines Themas an, das den meisten Schweizern auf den Nägeln brennt:

Um alle Leser zu beruhigen, die ihre Cousine oder ihren Cousin schon mal begehrlich anblickten: keine Sorge, der Sex selbst ist völlig ungefährlich. Höchstens bei möglichen Folgen könnte es genetisch bedingt ein leicht erhöhtes Risiko für Erkrankungen der Leibesfrucht geben. Und nebenbei: aha, Sex mit der Cousine, typische Männerperspektive, ihr alten Sexisten.

Aber der «Blick» hat auch Inhaltsschwangeres:

Nur gibt es hier drei Anmerkungen zu machen. Zum einen ist es hinter der Bezahlschranke «Blick+» verstaut. Auch so eine Idee, die nicht funktioniert, aber nicht aufgegeben wird, weil das auch von der Dame mit der extrabreiten Visitenkarte verantwortet wird. Und zweitens ist die Story von Holger Alich, und der arbeitet für die «Handelszeitung», von wo das Stück übernommen wurde.

Und drittens dürften knapp 11’000 A darüber, ob es den Anwälten der Angeschuldigten gelingt, die Staatsanwaltschaft für befangen erklären zu lassen, den normalen «Blick»-Leser sowohl thematisch wie inhaltlich überfordern.

Dann ein Beitrag zum Thema «fällt dir gar nichts ein, hau dem Andy eine rein»:

Dann ein Ausflug in die weite Welt des Dramas und des Wahnsinns:

Eine Polin stirbt auf Bali an Mangelernährung. Das muss auch in der Schweiz wie eine Bombe einschlagen.

Und das hier in Grindelwald:

Aber, schluchz, auch diese Bombenstory steckt hinter der Bezahlschranke. Also erfahren nur sehr wenige Leser, wieso Peter Roth nicht wirklich geliebt wird: «Peter Roth (60) ist der vielleicht meistgehasste Mann von Grindelwald BE. Und er ist stolz darauf. Seit Jahrzehnten geht er gegen Behörden und Bauherren vor, die beim Umbau ihrer Ställe und Maiensässe zu weit gehen.»

Aber zurück zur leichten Muse, zur ganz leichten, zur seichten:

Ein Beitrag zu: war die nicht mal, und diese Stimme wie eine Kreissäge, und seither ist eigentlich nichts mehr.

Und das hier sollte Schoggi gratis bis zum Abwinken geben:

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht für die Besitzer von fetten oder grossen Hunden:

Also, meine Herren, erste Schritte sind gemacht, aber es bleibt noch einiges zu tun. Vor allem sollten weitere Umbauarbeiten hier anfangen:

Dagegen war selbst das Baukästchen-Logo mit Regenrohr noch einigermassen schick … Oder wieso nicht gleich back to the roots:

Oder, das meint die KI nach kurzem Nachdenken, das wäre doch auch ein Knaller:

Nur so als Idee, gern geschehen. Bevor wieder ein Haufen Geld für einen überschätzten AD ausgegeben wird …

Was wollten Sie immer schon sagen?

CH Media rollt für Cédric Wermuth den roten Sprachteppich aus.

Der Co-Präsident der SP Schweiz und Mitglied des Hobbyflieger-Clubs der Sozialdemokraten hat ein Problem. Trotz seines zarten Altes von 36 Jahren sitzt Wermuth bald einmal seit 12 Jahren im Nationalrat. Um Sesselkleber zu verhindern, hat seine Partei eine Amtszeitbegrenzung beschlossen. Aber es wäre keine sozialdemokratische Position, wenn sie nicht ein «im Prinzip, aber …» enthalten würde.

Im Prinzip ist Wermuth, wie auch der andere Vielschwätzer Fabian Molina, wie wohl auch deren Bundesrat Alain Berset, gegen unnötige Fliegerei. Aber so im Privaten oder für einen schnellen Besuch bei Genosse Scholz in Berlin …

Auf jeden Fall muss sich Wermuth nun einer Abstimmung der Delegierten der SP Aargau stellen, wo er eine Zweidrittelmehrheit braucht, um den Nordmann machen zu können. Also nochmal vier Jahre dranhängen, sollte er wiedergewählt werden. Das ist für ihn ziemlich existenziell, denn der Familienvater und Zeuger zweier Kinder hat sonst nicht viel gelernt im Leben, ausser Politik.

2005 machte er an der Kantonsschule Wohlen die Matur, zehn Jahre später wurde er «lic. phil./MA in Politikwissenschaft, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Philosophie an den Universitäten Zürich und Bern.» Jobmässig ist’s eine typische Funktionärskarriere. Zentralsekretär Juso Bern, Mitarbeiter eines SP-Parlamentariers, «Mitarbeiter Kampagnen und Kommunikation», «Beratung Kommunikation und Strategie», Juso-Präsident Schweiz, Vize-Parteipräsident, Co-Parteipräsident.

Sollte er seine Einkommensquelle Nationalrat verlieren, wäre er wohl ein Fall fürs RAV. Aber so weit will er es nicht kommen lassen, also frisst er in CH Media öffentlich Kreide. Dabei hilft ihm Rolf Cavalli mit Fragen nach dem Muster: dazu wollten Sie doch immer schon etwas sagen.

Wie steht es denn nun mit dieser Amtszeitbegrenzung? «Gut, dass wir das klären können – denn es ist eigentlich nicht so kompliziert: Nach 12 Jahren braucht man 2/3 der Stimmen, um nochmals antreten zu können.»

Ach so, das hat also Tradition bei den Genossen: «Es ist kein Zufall, dass die grossen Figuren in der Sozialdemokratie lange Amtszeiten haben: Helmut Hubacher war 34 Jahre im Parlament, Susanne Leutenegger Oberholzer auch 30 Jahre. 80 Prozent der Politik ist Erfahrung.»

Und welche Auswirkungen hat dann diese Erfahrung, diese zunehmende Reife, wie war Wermuth früher?

«Ich war wie die meisten jungen Männer: oft arrogant, oft ein Macho. Ich habe viele Menschen mit dieser Art auch brüskiert und verletzt, gerade auch Frauen. Das sehe ich heute klarer.»

Das ist mal eine Selbstkritik, wie man sie auch im Sozialismus nicht besser hinkriegte. War denn der Anfänger Wermuth gar überfordert? «Ja, und ich war ungeduldig. Es ging mir alles zu langsam. Ich fragte mich: Was soll ich da? Aber ich kam zum Schluss: Nein, du kannst nicht nach nur einer Legislatur wieder aufhören. Ich habe mich dann in die Details der Arbeit in der Finanzkommission reingekniet. Da habe ich enorm viel gelernt.»

Wermuth weiss, warum er sich als geläuterten Macho outet. Denn was naheliegend wäre, sich Cavalli aber nicht zu fragen traute: da gab es doch die hässlich Episode, als Frauenversteher und Feminist Wermuth 2019 den Ständeratssitz von Pascale Bruderer erobern wollte – und sich damit gegen die Mitbewerberin Yvonne Feri stellte. Da eierte er dann wirklich belustigend herum: «Ich greife keine Frau an, wir beide bieten der Partei eine Auswahl.» – «Was mich an der aktuellen Debatte stört, ist, dass nur noch die biologische Frage interessiert.» Und nach dem Sieg über seine Konkurrentin:«Ich muss jetzt beweisen, dass ich feministische Themen im Wahlkampf einbringen kann.»

Was sagt der reifere, erfahrenere Wermuth zu Kritikern, die ihm vorwerfen einfach eine grosse Klappe zu haben und noch nie etwas Anständiges gearbeitet? «Ich bin glücklicher Vater zweier Töchter und bis zur Wahl als SP-Co-Präsident habe ich neben dem Mandat als Nationalrat auch in anderen Jobs gearbeitet. Mit 36 vertrete ich heute einen Teil der Bevölkerung, der im Parlament sonst kaum noch abgebildet wird: eine junge Familie, die in einer normalen Wohnung in einem Block in einer Schweizer Kleinstadt wohnt.»

Also der nette Nachbar von nebenan, Familienvater, Blockbewohner, trägt sicher den Abfall selber runter, nachdem er beim Abwasch geholfen hat. Natürlich nur dann, wenn ihn seine zahlreichen Ämter und Ämtchen dafür Zeit lassen. Denn das läppert sich:

 – Mitgründer und Co-Präsident des Komitees «Bahnanschluss Mittelland»
– Organisationskomitee «Fest der Solidarität» im Arbeiterstrandbad Tennwil
– Stiftungsrat Arbeiterstrandbad Tennwil
– Stiftungsrat Solifonds für die SP Schweiz
– Vorstand des Unterstützungsvereins der «Archive der Aargauer Arbeiterbewegung»
– Siedlungskomitee der Wohnbaugenossenschaft Trilogie, Zofingen
– Co-Präsident der Parlamentarischen Gruppen Schweiz-Kosovo (mit Nationalrätin Doris Fiala, FDP und Nationalrat Alfred Heer, SVP) und Schweiz-Suryoye (mit Nationalrat Lukas Reimann, SVP)

– Diverse Patronats- und Unterstützungskomitees, darunter: Swiss Comittee on Reparations for Slavery SCORES; Verein «Doppeltür – lebendig vermittelte Schauplätze jüdisch-christlichen Zusammenlebens in der Schweiz», etc.
– Moderation einer eigenen Radiosendung auf Kanal K «Wermuth fragt»

Also, liebe SP-Delegierte: habt ein Einsehen, ihr wollt doch nicht etwa dieser glücklichen Durchschnittsfamilie schnöde die Existenzgrundlage entziehen?