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Schlagwortarchiv für: Roger Köppel

René Zeyer

Schleimspur

11. Oktober 2026/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wolfgang Koydl unterbietet sich selbst. Schwierig, aber möglich.

Die russische Armee hat das Wiegenfest ihres Präsidenten scheint’s zum Anlass genommen, ein paar Wohnhäuser in Kiew mit Drohnen zu beschiessen.

Wolfgang Koydl nimmt den 74. zum Anlass, mit ein paar verbalen Blendgranaten um sich zu werfen. Wer dachte, mit der schmierigen Kolportage über die Lügen eines Gigolos, der eine Nacht mit der damaligen deutschen Aussenministerin Annalena Baerbock verbracht haben wollte, habe er den Tiefpunkt erreicht, sieht sich getäuscht.

Als Nachschreiber seines Vorschreibers Roger Köppel würdigt er mit «Lieber Herr Präsident Putin» jemanden, der angeblich «zur Unperson» erklärt worden sei. Und sich nicht etwa selbst dazu gemacht hat.

Er rutscht gleich mit einer Schleimspur rein: «Sicher sind Ihnen noch viele Jahre voller Gesundheit und Kraft beschieden – was vor allem für Ihr Land eine gute Nachricht ist.» Nein, das ist eine ziemlich schlechte Nachricht.

Koydl lässt es weiter triefen: «Denn Sie sind so ziemlich das Beste, was Russland passieren konnte.» Selbst im Nahvergleich mit Boris Jelzin kann man das nicht guten Gewissens behaupten. Aber Koydl lobhudelt weiter: «Seitdem haben Sie Russland stabilisiert, die Wirtschaft in Gang gebracht und vor allem das Selbstvertrauen Ihrer Nation wiederhergestellt.»

Komisch, es soll Kenner der Sachlage geben, die behaupten, dass Präsident Putin eine ungeheuerliche Korruption im Land zulässt, sich selbst geradezu widerwärtig bereichert, umgeben von einer Kamarilla, die von einem keinerlei demokratischer Kontrolle unterworfenen Despoten angeführt wird. Der sich beratungsresistent und in völliger Verkennung der Sachlage auf einen fatalen Krieg eingelassen hat.

Oder wie Koydl das sieht:

«Dennoch setzten Sie nicht auf Konfrontation. Stattdessen boten Sie immer wieder Kooperation an.  … Lange zeigten Sie Geduld, und selbst als die Drohung für Russland in der Ukraine existenziell wurde, erlegten Sie sich Zurückhaltung auf. Doch es nützte nichts.»

Also ein wahrer Friedensengel, der eigentlich noch vor Donald Trump endlich den Friedensnobelpreis verdient hätte. Vor allem, weil sich seine Zurückhaltung bezüglich Ukraine in einer klitzekleinen militärischen Spezialoperation äusserte. Dass Russland völkerrechtlich verbindlich die territoriale Integrität des Landes gegen die Rückgabe der sowjetischen Atomwaffen zugesichert hatte, was soll’s; will man halt nicht mit ihm kooperieren, dann braucht er Gewalt.

Zum Schluss seiner Lobeshymne, wie sie sich selbst Stalin nicht besser hätte wünschen können, erreicht Koydl den absoluten Nullpunkt: «Seit einem Vierteljahrhundert schon vollbringen Sie das Kunststück, dieses Land durch Höhen und Tiefen zu führen. Wir wünschen Ihnen weiterhin Klugheit und Stärke».

Weiterhin? Stalin begann am Anfang der deutschen Invasion der Sowjetunion als Versager, der sämtliche Warnungen davor als feindliche Propaganda in den Wind schlug. Aber dann gelang es ihm doch, unter ungeheuerlichen Opfern den Hitlerfaschismus zu besiegen.

Der völlige Versager Putin hat bislang schätzungsweise bis zu 500’000 russische Soldaten in seinem völlig missglückten Invasionsversuch verheizt; dazu kommen bis zu einer Million Verwundete und Vermisste. Zurzeit stehen rund 700’000 russische Soldaten an der Front und werden niedergemetzelt; auf der anderen Seite gibt es über eine halbe Million getöteter oder verwundeter Ukrainer.

Von den materiellen Schäden ganz zu schweigen.

Ganz zu schweigen davon, dass Putin Russland durch den Bruch eines internationalen Vertrags zum Paria gemacht hat, auf einer Stufe mit Nordkorea oder Israel. «Russland wurde zum globalen Player», fantasiert Koydl. In Wirklichkeit schrumpfte es zu einer Regionalmacht mit Atomwaffen, die nicht einmal mit einer ehemaligen Sowjetrepublik militärisch fertigwird. Zum Abhängigen von China und Indien, zum Rohstofflieferanten, der ausser Militärtechnologie nicht viel zu bieten hat. Nicht mal eigene Flugzeuge für den zivilen Luftverkehr.

Also Klugheit und Stärke? Putin ist ein skrupelloser Machtmensch, als ehemaliger kleiner Geheimagent misstrauisch gegen alles und jeden, der seine Gegner und Kritiker mundtot macht oder aus dem Weg räumt. Wie jeder Potentat in der ewigen Angst, dass man ihn nach all diesen Fehlanalysen, politischen und militärischen Fehlern selbst abmurkst.

Das ist kein Kunststück, das ist ein Schurkenstück, das die russische Bevölkerung – so wenig wie die ukrainische – nicht verdient hat. Und was Koydl hier abgeliefert hat, ist ein Schmierenstück, bei dem das neutralste Magazin der Schweiz schamrot anlaufen sollte.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-08-um-14.29.05.png 352 856 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-11 05:00:102026-10-09 16:50:40Schleimspur
René Zeyer

«Weltwoche» und Putin

5. Oktober 2026/15 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wenn schon Irrtum, dann richtig.

Die Unfähigkeit der «Weltwoche», den Kreml-Herrscher zu begreifen oder seine Absichten zu verstehen, hat eine lange Geschichte.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem Putin in die Ukraine einmarschieren liess, publizierte die «Weltwoche» die Titelstory «Der Missverstandene». So nach der Devise «er will doch nur spielen».

Das erinnerte fatal an «La crise n’existe pas», eine Jubelgeschichte über «UBS und CS wieder auf dem Vormarsch», publiziert ausgerechnet an dem Tag, als die UBS zu Kreuze kriechen und Staatshilfe erbetteln musste.

Neben dem Autor und regelmässigen Mitarbeiter von «Russia Today» Thomas Fasbender widmeten sich ganze sieben Artikel dem grossen Missverstandenen im Kreml. In einer «Kleinen Psychologie der Putin-Kritik» versteigt sich Hobby-Historiker Roger Köppel von einem schrägen historischen Vergleich zu einer Abrechnung zwischen «Tradition, Familie, Patriotismus, Krieg, Religion, Männlichkeit, Militär, Machtpolitik und nationale Interessen», verkörpert durch Putin.

Der sei eine «wandelnde Kriegserklärung an den Zeitgeist, an die «Woke»- und «Cancel-Culture», der unsere Intellektuellen und viele unserer Politiker so inbrünstig huldigen». Also kurz, er entlarve «den hohlen Moralismus seiner Gegner. Und die Dekadenz des Westens.» Der gesunde Naturbursche Putin, der sich gerne mit nacktem Oberkörper auf dem Pferd präsentiert, als Gegenbild zum verweichlichten westlichen Intellektuellen, der unter Bedenkenträgerei fast zusammenbricht.

Das war vielleicht peinlich. Wird aber konsequent weitergeführt. Auch nachdem die nur wenige Tage dauernde «militärische Spezialoperation» zu einem jahrelangen Abnützungskrieg mit Zehntausenden von Toten und immensen materiellen Schäden auf beiden Seiten geworden ist.

Aktuell warnt Köppel immer verzweifelter vor einem möglichen Krieg in Europa. Woran, wenn es denn stattfinden sollte, einer nicht schuld ist. Der Friedensfürst im Kreml.

Der wird wieder mal absichtlich missverstanden, dabei sagt er doch glasklar, laut WeWo:

«Viele Menschen in Europa, so Putin, sagten inzwischen, sie erwarteten einen Angriff Russlands und müssten sich deshalb auf Kampfhandlungen und einen Krieg mit Russland vorbereiten. Genau dieser Darstellung widersprach der russische Präsident ausdrücklich.

«Ich möchte noch einmal betonen, dass wir uns nicht auf Kampfhandlungen mit Europa vorbereiten», sagte Putin. «Wir haben keine derartigen Pläne, keine Gründe dafür und vor allem keine wirklichen Motive, die Lage mit Europa zu verschärfen – unabhängig davon, was gesagt wird, auch von den baltischen Staaten.»»

Das entlarvt natürlich alle gegenteiligen Befürchtungen als typische Propagandalüge, ja Kriegshetze des Westens.

Denn niemals nicht macht die ehrliche Haut in Moskau das Gegenteil von dem, was er sagt. Das beweisen seine treuherzigen Ankündigungen vor seiner Invasion der Ukraine.

Noch im Dezember 2021 behauptete er, «wir bedrohen niemanden». Noch am 15. Februar 2022, neun Tage vor dem Angriff, antwortete er auf die Frage, ob es Krieg geben würde: «Wollen wir einen Krieg oder nicht? Natürlich nicht.»

Am 20. Februar 2022, vier Tage vor Kriegsbeginn, sagte der russische Botschafter in Washington Anatoli Antonow: «Es gibt keine Invasion, und es gibt auch keine solchen Pläne.»

Bei solch tiefer Wahrheitsliebe ist es völlig klar, dass man auch heute seine Beteuerungen, dass keine Mauer gebaut werde, Pardon, dass sich Russland auf keine Kampfhandlungen gegen Europa vorbereite, unbedingt Glauben schenken sollte.

All die kleineren oder grösseren Provokationen, die Behauptung Deutschlands, Russland stecke hinter dem missglückten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig, das sind westliche Propagandalügen, gegen die sich der grosse Missverstandene zu wehren versucht.

Schön, dass es wenigstens ein Organ gibt, das ihm Gerechtigkeit widerfahren lässt. Eigentlich sollte die WeWo all diese unzähligen Gegen-den-Strom-Geschichten mit einer Unterzeile versehen:

Statt «Proletarier aller Länder, vereinigt euch», sollte es heissen: Wahrheitsliebende aller Länder.

Denn inzwischen hatte Köppel seine Sternstunde. Präsident Putin höchstpersönlich geruhte, ihm ein paar nichtssagende Antworten zu geben, was die Journaille in der Schweiz in Schnappatmung versetzte.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-30-um-09.18.36.png 235 994 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-05 05:00:382026-10-04 12:11:45«Weltwoche» und Putin
René Zeyer

Sergei Gerasimov, der grosse Warner

26. September 2026/18 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der ukrainische Schriftsteller darf sich in der NZZ austoben.

Mit seinem «Kriegstagebuch aus Charkiw» und weiteren Stücken schafft er es seit Februar 2022 auf rund 540 Meinungsartikel in der alten Tante.

Dass er nicht ganz objektiv in seinen Beschreibungen ist, versteht sich von selbst. Dass sich aber sein hemmungsloses Geschimpfe immer wieder unkommentiert über den Leser ergiesst, ist für ein Qualitätsorgan wie die NZZ unverständlich.

Schon im Juli 2022 schrieb er, es gebe «nur einen Weg», Russland müsse militärisch besiegt werden, Putin und seine «Vasallen» müssten vor Gericht gestellt werden. Selenskyj hingegen sei eine Lichtgestalt, «ehrlich, selbstlos, freundlich, tapfer, leidenschaftlich» und selbstverständlich «nicht korrupt». 2025 legte er noch nach, dass der ehemalige Schauspieler inzwischen ein Krieger geworden sei, er allein könne Putin besiegen.

Im Oktober 2025 sah er bereits «die Konturen eines ukrainischen Sieges Gestalt annehmen», neuen Raketen und Drohnen habe «Russland schlichtweg nichts entgegenzusetzen».

Da erhebt sich doch die Frage, wieso die NZZ dermassen häufig einen ukrainischen Propagandisten umfangreich das Wort erteilt, der zwar sicher als Augenzeuge und Schriftsteller seine Meriten, aber als politischer oder gar militärischer Analytiker nicht mal das Format eines Georg Häsler hat.

In seinem neusten Stück echot er eine neue Angstthese, der interessanterweise auch Roger Köppel auf seine Art anhängt: «Werden die Russen bald auch Europa angreifen? Das weiss niemand, doch einiges spricht dafür».

Mit sehr viel schriftstellerischer Fantasie zieht er eine Parallele zwischen drei Ereignissen. Nie fehlen darf da der Molotov-Ribbentrop-Pakt von 1939, mit dem sich Hitler-Deutschland und die UdSSR Polen und andere osteuropäische Länder untereinander aufteilten.

Dann eine kleine Zeitreise zum Besuch des ehemaligen CIA-Direktors William Burns Anfang November 2021 nach Moskau. Da sei die Kriegsgefahr schon unübersehbar gewesen, dazu ein schriftstellerisches Bild:

«Derweil vegetierten wir wie sanftmütige pflanzenfressende Dinosaurier vor uns hin, ohne zu ahnen oder zu realisieren, dass eine Apokalypse im Begriff war, über uns hereinzubrechen.»

Und nun reiste der CIA-Chef John Ratcliffe zu Gesprächen mit Putin nach Moskau. Schlussfolgerung Gerasimov: «Es gibt dieses unablässige schleichende Gefühl, dass etwas Böses auf uns zukommt. Dieses Gefühl überkommt mich immer, wenn jemand seine Absicht bekundet, mit Putin zu verhandeln.»

Das beschleicht einen besonders dann, wenn man Koinzidenz mit Kausalität verwechselt.

Putin sei obsessiv von der Idee beherrscht, als sein Vermächtnis unbedingt die Ukraine erobern zu müssen. Und dann wird Gerasimov zur Kassandra: «Es sei denn, er entfacht noch einen weit grösseren Krieg gegen Europa. Dabei werden ihn kurze Besuche von CIA-Direktoren nicht aufhalten.»

Anschliessend wird er wieder literarisch: «Der Mann glaubt wirklich an seine eigene Mythologie und trägt seine Ideen so, wie Maxim Gorkis Danko sein brennendes Herz trug.» Eine der absurderen Geschichten des grossen sowjetischen Schriftstellers über einen Helden, der im dunklen Wald sein eigenes Herz aus der Brust riss, um seinen Leuten mit seinem Leuchten den Weg hinaus zu weisen. Anschliessend stirbt Danko. Das hat natürlich grosse Ähnlichkeiten mit Putin.

Damals, will uns der Dichter sagen, grasten die Ukrainer friedlich wie Dinosaurier, während sich der Meteor Putin bereits näherte. Und heute? «Friedliche europäische Dinosaurier blicken mit einem vagen und zerstreuten Unbehagen zum Himmel hinauf und senken dann ihre langen Hälse, um weiter zu grasen.»

Das ist alles von überschaubarer analytischer und literarischer Qualität, so als Dinosaurier beurteilt. Aber aus unerfindlichen Gründen hat die NZZ einen Narren an Gerasimov gefressen. Die Frage ist nur, wer da der Narr ist.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-25-um-12.57.32.png 421 1037 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-26 05:00:292026-09-25 15:15:58Sergei Gerasimov, der grosse Warner
René Zeyer

«Arschloch» Mike Müller

21. September 2026/19 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Einzige, der Dick und Doof als Solist spielen kann.

Der Komiker kann nicht zählen. Auf Elon Musks Plattform X poltert er:

«Was ich nicht so verstehe, warum der Kanzler eines achtzig Mio.-Landes wegen einer knappen Million Nazis in einem gescheiterten Gliedstaat zurücktreten soll.»

Eigentlich versteht er gar nichts. In Sachsen-Anhalt haben insgesamt 1,3 Millionen gewählt. Davon 576’000 die AfD. Aber weder sie, noch die Wähler der SPD, CDU oder der Grünen sind Nazis. Und Sachsen-Anhalt ist kein Gliedstaat, sondern ein Bundesland, das nicht weiss, dass es gescheitert sein soll. An was auch, an Mike Müller etwa?

Der Komiker kann nicht lesen. «Der Weltwoche-Autor René Zeyer stellt fest, gewisse Begriffe im AfD-Programm seien «deutlich angebräunt». Fun fact: es stört ihn nicht.»

Der Komiker ist auch hier nicht komisch. Der Autor schrieb, dass der Begriff «Verzicht auf kulturfremde Fachkräfte» deutlich angebräunt sei. Wie der Staatshumorist daraus schliessen kann, dass ihn das nicht störe, versteht keiner.

Anschliessend zeigte er durch einen Vergleich mit den Wahlprogrammen der CDU, der SPD und des BSW, wie austauschbar sie sind. Aber das war offensichtlich zu hoch für Müller.

Sein primitives Gepolter gegen die meisten Wahlbeteiligten in Sachsen-Anhalt brachte ihm eine Strafanzeige von Peter Müller ein. Er ist der Sohn des Milliardärs Theo Müller («Alles Müller, oder was?») und lebt in der Schweiz.

Er hat seinen Namensvetter wegen Verleumdung, übler Nachrede und Beschimpfung angezeigt. Gegenüber dem «Blick» sagt er: «Ich finde es schockierend, wie Mike Müller die Wähler einer demokratischen Partei pauschal mit den schlimmsten Verbrechern der deutschen Geschichte gleichsetzt.»

Hat Dick und Doof wenigstens ein wenig Einsehen? «Es ist Wasser auf die Mühlen der SVP, wenn es Ausländer gibt, die sich schlecht benehmen», will er wieder komisch sein. Und noch ein Brüller: «Ich würde nie Milch trinken, die so heisst wie ich.»

Eigentlich heisst er Michael Müller, aber das war ihm offensichtlich nicht komisch genug, also liess er sich im Handelsregister als «Michael genannt Mike Müller» eintragen.

Schon während den Corona-Zeiten fiel er durch Brachial-Beleidigungen auf und beschimpfte einen Impfskeptiker als «ungeimpftes Arschloch».

Gegen Christoph Mörgeli rülpste er diese Geschmacklosigkeit: «Und Sie? Fahren Sie zusammen mit Roger Köppel zu einer Gruppenvergewaltigung im Donbass?» Überhaupt haben es ihm SVP-Politiker angetan. Über Andreas Glarner: «Übelste Denkfaulheit. Rechtsextreme Gosse.» Über die SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann: «Solange sich Profis nicht inszenieren wie rassistische SVP-Nationalrätinnen, müssen wir uns keine Sorgen machen.»

Muss man sich über den Komiker, der nicht komisch ist, Sorgen machen? Eigentlich nicht, denn schliesslich darf sich jeder öffentlich zum Deppen machen. Und schliesslich ist Müller oder wie oder was der lebende Beweis für die Pisa-Studie. Rechenschwäche, Leseschwäche, Denkschwäche und Ernährungsschwäche, die zu Adipositas geführt hat.

Wahrscheinlich Frustfressen, weil ihn keiner komisch findet.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-20-um-12.41.28.png 606 1060 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-21 05:00:202026-09-20 15:50:34«Arschloch» Mike Müller
René Zeyer

Wumms: Björn Höcke

13. September 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Ist wenigstens er «gesichert rechtsextrem»?

Roger Köppel hat mal wieder eines seiner bis zur Ohrenlähmung langatmigen Interviews mit dem «AfD-Strategen» Höcke geführt. Hier gibt sich die führende Stimme der Partei als Elder Statesmen. Er plädiert für «menschliche Empathie», beschwört den «Normalzustand, miteinander zu reden», spricht sich für «Meinungspluralismus» aus, fordert ein Ende der «Meinungsmanipulation» und auch der EU.

Ist er hier Wolf im Schafspelz, der sich vor einem Stichwortgeber und einverständig nickenden Köppel aufspreizen kann? Oder ist er halt doch ein angebräunter Extremist?

Zunächst einmal: schon bei diesen Begrifflichkeiten fängt die Meinungsmanipulation an. Denn «gesichert rechtsextremistisch» ist kein gesetzlich definierter Rechtsbegriff. Sondern der deutsche Verfassungsschutz unterscheidet zwischen einem «Prüffall», einem «Verdachtsfall» und einer «erwiesen rechtsextremistischen Bestrebung». Das wird dann in den Medien knackig zu «gesichert rechtsextrem» verkürzt und umformuliert.

Aber unabhängig davon, verwendet Höcke ein Vokabular, das ihn ideologisch im braunen Sumpf verortet? Da wäre mal das «Denkmal der Schande». So bezeichnete Höcke in einer Rede von 2017 das Berliner Holocaust-Denkmal. Als das Gegenwind gab, versuchte er eine Umdeutung, dass nicht das Denkmal selbst eine Schande sei.

Allerdings verlangte er auch eine «erinnerungspolitische Wende um 180 Grad», also eine Abkehr von der Erinnerung an die bis heute identitätsstiftenden Schuld durch die ungeheuerlichen Verbrechen von Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

In Verteidigung des AfD-Projekts einer «Remigration» sprach Höcke von einer «Politik der wahltemperierten Grausamkeit. Das heisst, dass sich menschliche Härten und unschöne Szenen nicht immer vermeiden lassen werden.»

Er setzt noch einen drauf:

«Auch wenn wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind», sich der von ihm behaupteten «Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung» zu widersetzen. Danach erwartet er, dass noch genügend Angehörige «unseres Volkes» übrig seien, um ein neues Kapitel deutscher Geschichte aufzuschlagen.

Ziemlich übel ist auch: «Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutschen keine halben Sachen.»

Da gäbe es halt einen «Aderlass»; um einen «Volkstod durch Bevölkerungsaustausch» zu vermeiden, müsse man sich von «brandigen Gliedern trennen».

Diese Vorstellung von einem gesunden deutschen (oder arischen) Volkskörper, der von Schädlingen befreit werden muss, ist eindeutig ein Echo rassischer Wahnvorstellungen von Hitler-Nazis.

Es wäre sicherlich hilfreich, wenn Köppel in seinen immer wieder stattfindenden Akklamations-Interviews Höcke dazu bringen würde, die Verwendung dieser Begrifflichkeit zu erklären – oder sich allenfalls davon zu distanzieren.

In Deutschland herrscht – im Rahmen der Schuld-Kultur, wie die AfD sagen würde – tatsächlich eine ausgesprochen hohe Sensibilität gegenüber Formulierungen, die nicht nur in den Alpträumen von Linken wie ein Echo aus tiefbrauner Vergangenheit tönen.

Nicht nur Höcke verursacht da grosses Gebrüll. Unvergessen die Paulskirchenrede des Schriftstellers Martin Walser. Anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels sagte der angesehene Autor:

«Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung.»

Er sprach von einer «Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken». Seine Kritik am damals erst geplanten Holocaust-Denkmal war ebenfalls scharf: Er bezeichnete es als «fussballfeldgrossen Alptraum» und sprach von einer «Monumentalisierung der Schande».

Natürlich gab das strengen Gegenwind. Ignatz Bubis, der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, erhob den schweren Vorwurf, Walsers Rede sei «geistige Brandstiftung». Dieser Begriff wurde seit 1849 in der politischen Debatte verwendet, natürlich auch von den Nationalsozialisten.

Ist also Höcke, vielleicht in der Tradition von Walser, ein geistiger Brandstifter, gegen den und gegen seine Partei zu Recht eine Brandmauer errichtet werden muss?

Oder holzschnittartig, ist Höcke ein Faschist, faschistoid, ein Vertreter des Ungeists dunkelbrauner Zeiten, ist sein Denken angebräunt, völkisch-nationalistisch, rückwärtsgewandt, träumt er von einem gesunden Volkskörper, der von rassenfremden Elementen befreit werden müsse?

Da er zweifellos nicht blöd ist, zündelt er zumindest ganz bewusst mit diesen Begrifflichkeit. 2021 beendete er eine Wahlkampfrede in Sachsen-Anhalt mit dem Ausruf: «Alles für unsere Heimat, alles für Sachsen-Anhalt, alles für Deutschland.»

«Alles für Deutschland» war eine Losung der SA; sie war auf ihren Dolchen eingraviert. Obwohl Höcke als ehemaliger Geschichtslehrer behauptete, ihm sei die Herkunft des Begriffs nicht bekannt, wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil in Deutschland auch die Verwendung von Parolen verfassungswidriger Organisation verboten ist.

Im Dezember 2023 – das Strafverfahren war bereits eingeleitet –, endete er bei einer Rede mit «Alles für …» und animierte das Publikum, den Satz mit «Deutschland» zu vollenden. Für diese Provokation kassierte er eine zweite Geldstrafe. Beide Verurteilungen sind inzwischen rechtskräftig.

Die Wiederholung der Verwendung einer SA-Parole belegt zumindest, dass Höcke tatsächlich ein Biedermann und Brandstifter ist.

Zumindest gäbe es Erklärungsbedarf, ob er mit solchem Nazi-Vokabular einfach den braunen rechten Rand der AfD bei Laune halten will – oder selbst in dieser Ideologie verhaftet ist.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-13 05:00:032026-09-12 08:25:07Wumms: Björn Höcke
René Zeyer

Wumms: Mike Müller

8. September 2026/23 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der gar nicht komische Brachial-Komiker hat wieder zugeschlagen.

Der Bestatter jeglichen Humors ist schon mehrfach verhaltensauffällig geworden. So beschimpfte Müller schon mal ein «ungeimpftes Arschloch», als die Covid-Hysterie ihren Höhepunkt erreichte.

«Oh je, Sybille», keifte er paternalistisch, als seine vermeintliche Bundesgenossin Sybille Berg es wagte, sich gegen das Covid-Gesetz auszusprechen.

Schwer zu unterbieten ist seine Geschmacklosigkeit gegen Christoph Mörgeli: «Und Sie? Fahren Sie zusammen mit Roger Köppel zu einer Gruppenvergewaltigung im Dombas?»

Nach kurzer Sprachlosigkeit über das Wahlresultat in Sachsen-Anhalt bemüht sich Müller, alle Vorurteile über einen ausgebrannten Humoristen zu bestätigen, dem ständig die Galle hochkommt.

Das muss man im Original anschauen, sonst glaubt man’s vielleicht nicht:

Weil man das Gestammel nicht auf Anhieb versteht, ein paar Erläuterungsversuche. Das 80-Mio-Land soll offenbar die BRD sein, die allerdings 83,5 Millionen Einwohner hat.

Der gescheiterte Gliedstaat soll offenbar das Bundesland Sachsen-Anhalt sein, dem allerdings nicht bekannt ist, dass es in irgend einer Form so gescheitert ist wie Müller.

Während auch nicht unbedingt des Rechtsradikalismus verdächtigte Blätter wie der «Spiegel» meinen, dass Bundeskanzler Merz der falsche Mann am falschen Platz sei (so der Leitartikel des Chefredaktors), will Müller nicht verstehen, wieso der zurücktreten solle.

Aber das alles verblasst neben dem absoluten Gefrierpunkt einer verpeilten Unverschämtheit.

In diesem Bundesland gebe es laut Müller «eine knappe Million Nazis». Allerdings haben insgesamt bloss etwas mehr als 1,3 Millionen Staatsbürger abgestimmt. Von denen haben 582’000 mit ihrer Erststimme die AfD gewählt. Die übrigen 418’000 dürften konsterniert und befremdet zur Kenntnis nehmen, dass ein amoklaufender dicker Schweizer sie ebenfalls als Nazis beschimpft, obwohl sie CDU, SPD, Grüne oder andere Parteien gewählt haben.

Noch absurder ist die darin enthaltene Behauptung, jeder, der die AfD wähle, sei ein Nazi.

Das ist ein weiterer unsäglicher Missbrauch des Begriffs, geäussert von einem, der offensichtlich keine Ahnung hat, was ein Nazi war oder ist. Der einfach nach einer billigen Alternative zu seinem Lieblingsschimpfwort Arschloch gesucht hat.

Physische Inkontinenz äussert sich farblich in Gelb- oder Brauntönen. Müllers geistige Inkontinenz ebenfalls.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-08 05:00:522026-09-08 09:07:52Wumms: Mike Müller
René Zeyer

Nehmt das, Ihr Unschweizer von der SVP

8. August 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Auf eine solche Idee kann nur Georg Häsler kommen. Aber nur nach einem Hitzschlag.

Man kann der SVP vieles vorwerfen. Aber dass sie, mitsamt ihrem Vordenker Christoph Blocher, nicht urschweizerisch, sondern unschweizerisch und russlandfreundlich sei, das hat bislang noch niemand behauptet.

Der Bundesrat hat gerade seine Befehle von der Kriegsgurgel aus Bern bekommen, also muss sich Häsler anderen Kriegsschauplätzen zuwenden. Denn neben der echten Kriegsgefahr, dass Russland (oder der Iran!) die Schweiz bombardieren, weil sie damit die Energieversorgung Westeuropas zerstören wollen, gibt es auch noch das:

«Moskau unterstützt offen die Neutralitätsinitiative der SVP. Dieser Beeinflussungsversuch ist Teil der hybriden Kriegsführung des Putin-Regimes.»

Sapperlot, das ist ja wieder ein Ding, und nur einer hat’s gemerkt. In der Aufregung verrutschen dem Armen mal wieder die Sprachbilder. Die Sprecherin des russischen Aussenministers setze «den Ton der russischen Staatspropaganda: den Generalbass der hybriden Kriegsführung gegen den Westen». Muss die Dame vielleicht eine tiefe Stimme haben. Wahrscheinlich halt ein russisches Mannsweib, ein weiblicher Iwan Rebroff.

Was tut die? Sie nimmt sich die Schweiz vor, «in einer beispiellosen Unverfrorenheit». Wie das? «Russland unterstützt expressis verbis das Vorhaben der SVP, die Neutralität immerwährend, bewaffnet und integral in der Verfassung zu verankern.»

Ha, damit ist die SVP als Fünfte Kolonne Moskaus entlarvt. Für Blocher muss gelten: Moskau einfach!

Wobei, ist das nicht genau die offizielle Definition seit Menschengedenken, halt nur nicht so in der Verfassung?

Nun, die russische Bärin unterfüttert das mit typisch absurden Argumenten. Die Sprecherin «behauptet, die Schweiz sei kein neutrales Land mehr, weil der Bundesrat seit dem russischen Grossangriff auf die Ukraine 2022 die EU-Sanktionen gegen Russland übernehme». Unverschämtheit, auch das weiss Häsler besser: «Der Bundesrat handelt im Rahmen seiner neutralitätspolitischen Möglichkeiten.» Nimm das, du Generalbass.

Der spielt wilder auf als ein Kasatschok: «Angstmacherei … gezielte Kampagne … europäische Unterstützer der Ukraine buchstäblich zu neutralisieren … überragender Sieg der russlandtreuen AfD vorausgesagt …»

AfD, russlandtreu? Und was hat die AfD mit der SVP und der Abstimmung in der Schweiz zu tun?

Wie auch immer, es geht noch weiter: «Ein wichtiger Einflüsterer der SVP-Führung pflegt einen regelmässigen Austausch mit dem Putin-Regime.» Wahnsinn, nur traut sich der Kalte Krieger nicht einmal einen Namen zu nennen. Vielleicht befürchtet er, damit auf die Todesliste Putins zu geraten. Wenn wir einmal raten dürfen: er meint Roger Köppel.

Aber vielleicht reicht dafür bereits seine Entlarvung dieser hybriden Kriegsführung: «Die Gegner der Vorlage sprechen von einer Putin-Initiative. Moskau gibt ihnen nun recht.» Der Beweis: «Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die Kreml-Propaganda semantisch auffällig ähnlich klingt wie Werbung für die Neutralitätsinitiative.»

Daher hat Semantiker Häsler hier seine Befehlsausgabe für die SVP-Mitglieder parat: «Die Patrioten in der Partei müssen sich fragen, ob sie den russlandfreundlichen Kurs ihrer Spitze mittragen wollen – oder doch die Freiheit und die Souveränität der Schweiz höher gewichten.» Immerhin, er gesteht damit ein, dass es neben der moskauhörigen Fünften Kolonne doch noch senkrechte Schweizer in der SVP gibt.

Aber am Schluss blitzt etwas Optimismus in Häslers düsterer Welt auf: «Tatsächlich dürfte sich der Kreml am Abstimmungssonntag wundern, wie schlecht die Schweizerinnen und Schweizer auf fremde Vögte reagieren.» Auch auf dieses schiefe Bild muss man mal kommen: Putin als Gessler, der Schweizer Patrioten dazu zwingen will, sich vor seiner Uschanka zu verbeugen.

Aber nicht nur die Patrioten in der SVP, überhaupt alle Eidgenossen, die noch etwas Ehrgefühl im Leib haben, sind dazu aufgefordert:

«Wer zur Schweiz steht, wendet sich klar gegen die Einmischung Russlands in den schweizerischen Abstimmungskampf.»

Es ist eigentlich zum Totlachen, dass nun der SVP etwas passiert, was im Kalten Krieg regelmässig den Linken reingewürgt wurde: ihr seid doch nur nützliche Idioten, Helfershelfer Moskaus, Wegbereiter der roten Gefahr. Und daher keine echten Schweizer, sondern Vaterlandsverräter.

Auf so eine irre Idee kann nur einer kommen …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-14.21.15.png 453 1082 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-08 05:00:132026-08-05 15:26:59Nehmt das, Ihr Unschweizer von der SVP
René Zeyer

Bis über die Schmerzgrenze

11. Juni 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Muss man als Chefredaktor schreiben können?

Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus. Von Raphaela Birrer (Tamedia) hört man ein klares Nein. Patrik Müller von CH Media gibt die Teflon-Version. Beat Balzli (NZZaS) pflegt das Sonderliche bis Absonderliche.

Reza Rafi und Rolf Cavalli (glückliche «Blick»-Familie) können’s, ebenso Arthur Rutishauser («SonntagsZeitung»). Eric Gujer hat sicherlich die eleganteste Klinge, Roger Köppel bewegt seine am häufigsten. Auch wenn er manchmal mit seinen «Republik»-artigen Längen langweilt.

Apropos, da gäbe es noch Daniel Binswanger. Ja, unsere schreibende Schmachtlocke, die im Roshani-Skandal feige schwieg, auch zu allem Mobbing innerhalb der «Republik» – und so still und leise auf die Position des Co-Chefredaktors kletterte.

Dort (und schon vorher) quält er sowohl seine kleiner werdende Gesinnungsblase wie auch alle übrigen Leser seit Jahren regelmässig. Wie heisst es so vollmundig wie falsch:

«Daniel Binswangers Kommentare verbinden das Klein-Klein der Tagespolitik mit den grossen Fragen, den grundlegenden Werten, den umfassenden Theorien.»

Selten so gelacht. Genau an diesem Gestus scheitert der Möchtegern-Weltendenker und -lenker regelmässig, auch und gerade im Klein-Klein.

Gerade haben gleich zwei ehemaligen Genossen seinen Zorn auf sich gezogen. Da wäre zum einen, welch ein genialischer Sprachscherz, der «Unsicherheitsdirektor Fehr». Der betreibe «konfuse Propaganda».

Auch Binswanger kommt nicht umhin, seine Erschütterung über den Messerangriff von Winterthur zu behaupten. Aber das ist nur die Einleitung: «Der irrlichternde parteilose Regierungsrat, der es mit Law-and-Order-Politik und einem auf krude Abschreckung und maximale Härte ausgerichteten Asylwesen zum beliebtesten Politiker der kantonalen Exekutive brachte, übertraf sich nun noch einmal selbst.»

Bei Binswanger könnte man höchstens sagen, dass er regelmässig und erfolgreich versucht, sich selbst zu unterbieten. Denn was hat hier seinen Furor erregt? «Der Sicherheitsdirektor beging eine massive Tabuverletzung und nannte ein paar Stunden nach der Tat den vollen Namen des mutmasslichen Attentäters – ein erratischer Bruch mit den Gepflogenheiten des Schweizer Rechtsstaates.»

Der Westentaschen-Intellektuelle Binswanger hatte schon häufiger Probleme mit Fremdwörtern, hier kommt ihm «erratisch» in die Quere – und überlebt den Zusammenstoss nicht. So wie zuvor «konfus».

Aber die schreibende Schmachtlocke kann noch einen drauflegen; anschliessend wurde es auch noch «trumpesk», genauer «einigermassen». Also doch nicht wirklich. So labert es sich dann über 9600 A dahin, bis auch der letzte Fan ermattet aufgibt.

Da kommt schon der zweite Abweichler von der wahren, linken Linie daher: «Wer hat Daniel Jositsch gecancelt?» Der nicht mit den grundlegenden Werten und umfassenden Theorien vertraute Leser könnte meinen: die Trottel der SP-Delegiertenversammlung. Aber weit gefehlt.

Zunächst konzediert Binswanger, dass Jositsch ein «gewiefter Kommunikator» sei. Immerhin erkennt er einen, wenn er ihn sieht, was ihm beim Betrachten seines Spiegelbilds hoffentlich nicht in den Sinn kommt.

Jositsch hingegen wolle das «Narrativ» beherrschen (wo bleibt Framing, muss man da fragen). «Ein Narrativ zu seinen Gunsten, das lauten muss: Jositsch ist das Opfer. Der Aggressor hingegen ist eine ideologisch immer engstirnigere, intolerantere, linksradikale, von Jusos und Ex-Jusos beherrschte SP.»

Das werde «an verblüffend vielen Stellen in den Schweizer Medien vollkommen kritiklos verbreitet». Verblüffend, wie ein dermassen holpriger Satz von niemandem geglättet wird. Verblüffender, dass es Binswanger nicht auffällt, dass es genauso ist. Aber neben dieser verblüffenden Kritiklosigkeit gibt es einen, der den Durchblick behält: «Mit den Fakten stimmt diese Geschichte nicht überein.»

Denn die lauten in der Wirklichkeit von Binswanger so: «Wenn einer Daniel Jositsch gecancelt hat – dann war es Daniel Jositsch.» Denn: «Er wollte das Bundesratsamt um jeden Preis – wenn es sein muss halt gegen die eigene Partei.»

Kleine Lektion in Demokratie für den Demokratie-Retter Binswanger: jeder Schweizer Bürger kann sich für dieses Amt bewerben, der stimm- und wahlberechtigt ist. Mitgliedschaft in einer Partei oder im Parlament ist keine Voraussetzung.

Statt sich an Fakten zu halten, wird’s nun aschgrau, wir wechseln in den Bereich der üblen Nachrede und der nebulösen Behauptungen: «Die Republik hat mehrere Quellen, die unabhängig voneinander bestätigen, dass Jositsch bereits Anfang 2024, also im Nachgang zu seiner gescheiterten Bundesratswahl vom Dezember 2023, Gespräche mit der FDP aufnahm.»

Ach ja, die berüchtigten voneinander unabhängigen Quellen, natürlich anonym und daher faktisch nicht überprüfbar. Dass der angebliche Gesprächspartner Jositsch das selbst und öffentlich bestreitet, je nun. Ebenso Filippo Leutenegger? Na, dann hat man halt hinterlistig ein Gerücht in die Welt gesetzt und lässt es einfach dort stehen. Das ist Schmierenjournalismus.

Hier dauert es sogar 11’143 A, bis es sich ausgeschmiert hat.

Im Höchstfall dürfte es aber selbst bei den verbliebenen «Republik»-Lesern höchstens eine knappe Mehrheit geben, die das Absägen eines erfolgreichen Ständerats, der normalerweise mit Akklamation für die nächste Kandidatur nominiert wird und sein Ersatz durch die rabiate Heckenschützin Jacqueline Badran als durch Jositsch selbstverschuldet ansehen.

Lustige Volte im Klein-Klein: der Mann wurde nicht gemeuchelt, er hat sich selbst entleibt als SP-Ständeratskandidat.

ZACKBUM hat mehrere Quellen, die anonym, aber unabhängig voneinander bestätigen, dass man selbst auf der «Republik»-Redaktion über solche Ergüsse den Kopf schüttelt und bereits am Stuhl der Schmachtlocke sägt. Soll mal einer kommen und uns das Gegenteil beweisen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-06-um-09.59.28.png 561 1180 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-11 05:00:182026-06-10 12:45:26Bis über die Schmerzgrenze
René Zeyer

Ensemble für ein Schmierentheater

2. Juni 2026/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Es folgt die Mannschaft in alphabetischer Reihenfolge.

Jean-Martin Büttner, Fabian Eberhard, Dominik Feusi, Markus Somm und als Special Guest Star Roger Köppel.

Was wird genau aufgeführt? Ein Ein-Personen-Stück und eine gemeinsame Leistung, bzw. Schmiere. Der Prolog stammt vom Ein-Mann-Recherchierteam Fabian Eberhard. Das ist der stellvertretende Chefredaktor des «SonntagsBlick», der nicht mal die Büroräumlichkeiten des Internetradios Kontrafunk findet. Daraus aber eine grosse Fake-Enthüllungsstory bastelte.

Das ist der Denunziant, der titelt «Russland nutzt «Weltwoche» für Propaganda-Operation». Und ausholt: «Tatsächlich verbreitet das Blatt von Roger Köppel seit Russlands Angriff auf die Ukraine immer wieder plumpe Putin-Propaganda.» Um aber im Lead zurückzukrebsen: «Der Bayerische Verfassungsschutz stellte die Zeitung deshalb an den Pranger – nun muss er zurückkrebsen».

ZACKBUM nannte diese Methode «Ich sage nicht, Sie sind ein Arschloch». Nun hat Eberhard einen neuen «Scoop» gelandet:

Das hat dem zweiten Kopf neben Markus Somm beim «Nebelspalter» die ersehnte neue Stelle in der Wirtschaftsredaktion der NZZ gekostet. Es wäre tatsächlich die Frage gewesen, was der Mann von Wirtschaft versteht. Wenn man sich die Zahlen des «Nebelspalter» anschaut: nichts. Nach diversen Sparmassnahmen musste Feusi dort so ziemlich alles machen, während sein Chef Somm auch auf allen Kanälen wenig Sinniges und viel Unsinniges verzapft («die Israeli sind die Guten, man sollte Moskau bombardieren»).

Was tun, wenn das Hirn leer, aber der Internetauftritt noch leerer ist? In der Not greift der Journalist zum Plagiat. In diesem Fall schrieb Feusi fast eins zu eins eine Schwachsinns-Meinung des britischen «Telegraph« ab. Immerhin hat Eberhard hier recherchiert und kommt zum Ergebnis: «Eine Analyse von Blick zeigt, dass rund 90 Prozent des Textes von Feusi nahezu eins zu eins vom britischen Original übernommen wurden.» Das untermauert er sogar in seinem Artikel.

Die Untat geschah schon im Herbst 2024. Und sei damals einem Redaktor der alten Tante aufgefallen: «Das Blatt aber sah schliesslich davon ab, das Plagiat publik zu machen. Warum, ist unklar.*» Das Sternchen hat sich Eberhard eingebrockt, weil er was behauptete, was er nicht belegen konnte: «* Hinweis: In einer früheren Version stand, Markus Somm hätte laut Insidern bei der «NZZ» interveniert. Laut Somm stimmt das nicht. Der eine Satz wurde deshalb entfernt.»

Geht doch nichts über eine versuchte Anpinkelei nach der Devise «ich sagen nicht, dass Sie …». Auf jeden Fall hat nun die NZZ herausgefunden, «dass dieser Sachverhalt mit ihren publizistischen Grundsätzen nicht vereinbar ist». Und bevor Feusi am 1. Juli seine Stelle hätte antreten können, ist er schon weg. Erinnert etwas an Patrizia Laeri, aber das wäre wieder eine andere Story.

Während Somm das macht, was man halt so macht, wenn etwas sehr Peinliches passiert ist – abwiegeln –, tritt Eberhard fröhlich nach: «Bevor Gujer 2015 die Chefredaktion übernahm, scheiterte ein Versuch rechtsbürgerlicher Kreise, Markus Somm an die Spitze der «NZZ» zu hieven, am Widerstand der Redaktion. Nun scheitert auch der Transfer von Somms Schützling Feusi.»

Schützling, Transfer? Feusi wollte offensichtlich seine Arbeitsplatzsicherheit erhöhen und nicht länger im roten Bereich Storys liefern müssen. Einen, wie heisst’s so schön, «rechtsbürgerlichen» Journalisten abschiessen wegen eines Uralt-Plagiats, die feine Art ist anders. Das ist die hämisch-schäbige Art, wobei Eberhard offensichtlich aus der NZZ angefüttert wurde.

Allerdings muss man Feusi tatsächlich vorwerfen, dass vor und während den Zeiten von KI es doch das Mindeste ist, einen plagiierten Text wenigstens neu zu mixen und kräftig durchzuschütteln. Aber daran sind auch schon viele Doktoranden gescheitert.

Eberhard hat das Problem des Plagiats weniger. Denn was er selbst erfindet, hat er ja exklusiv und muss dafür auch nichts direkt abschreiben.

Zwei grosse Koryphäen des Metiers.

Ach, dann wäre da noch Jean-Martin Büttner. Seit er den Sparmassnahmen bei Tamedia zum Opfer fiel, eiert er zwischen seinem ehemaligen Blatt Tagi, der «Weltwoche» und anderen Organen herum. Und tut im «Magazin» etwas, wofür selbst ZACKBUM die Worte fehlen:

Daraus macht das «Magazin», inzwischen völlig schamfrei, seine Titelstory:

Acht Seiten, schonungslos bebildert, schonungslos entblösst, wie dem Journalisten die Finger seiner linken Hand abhanden kamen. Und was das für ihn bedeutet. Früher hätte man den Mann vor sich selbst geschützt und ihm nahegelegt, das seinem intimen Tagebuch anzuvertrauen. Heutzutage hilft man ihm bei der Selbstentblössung. Unsäglich, schändlich.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-01-um-17.10.59.png 560 1135 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-02 05:00:392026-06-01 20:55:52Ensemble für ein Schmierentheater
René Zeyer

Patrik Müller wird Chef von allem

1. April 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Exklusiv und nur hier: der Rettungsplan des Verlegerverbandes.

Die Tageszeitungen darben, das ist kein Geheimnis. Den überbezahlten und unterqualifizierten Medienmanagern der grossen Verlagshäuser fällt nichts ein, wie das geändert werden könnte.

Ausser, nach Subventionen, nach Steuergeldern zu krähen. Schliesslich seien sie die Vierte Gewalt im Staat, unverzichtbar für das Funktionieren der Demokratie. Oder für ihre Rettung, wenn man die Welt wie die «Republik» sieht.

Besondere Situationen brauchen besondere Massnahmen. In strikter Geheimhaltung wurde daher eine unternehmensübergreifende Rettungsmassnahme beschlossen. Denn der grösste Kostenfaktor ist weiterhin die Payroll der Angestellten. Wobei hier gilt: je höher in der Hierarchie, desto teurer.

Bereits bis anhin gibt es vier Oberchefredaktoren in den vier grossen Verlagen. Eric Gujer bei der NZZ, Raphaela Birrer bei Tamedia (oder Simon Bärtschi oder Jessica Peppel-Schulz, das ist nicht so ganz klar), Rolf Cavalli (oder Sandro Inguscio oder Ladina Heimgartner, das ist auch nicht so klar) beim «Blick», und Patrik Müller bei CH Media.

Daneben gibt es noch Roger Köppel, das Maschinengewehr mit Mission, der Verleger, Herausgeber, Besitzer und Chefredaktor der «Weltwoche». Aber der läuft für sich.

Die acht Nasen bei den grossen Verlagen verdienen zusammen geschätzte 2,5 Millionen Franken im Jahr. Die Teppichetage obendrüber noch viel mehr, aber das ist natürlich unantastbar.

Wie ZACKBUM aus sicheren, voneinander unabhängigen, aber ungenannt bleiben wollenden Quellen erfahren hat, wird hier ab heute, am 1. April, eine Sparmassnahme umgesetzt, wie sie die Schweizer Medienlandschaft noch nicht gesehen hat. Die Verlagshäuser einigten sich auf einen einzigen Oberchefredaktor für sämtliche Tageszeitungen. Erkoren wurde Patrik Müller, der bislang skandalfrei und behaftbar wie eine Teflonpfanne den Wannerclan glücklich machte.

Alle übrigen Führungskräfte wurden in die Frühpensionierung geschickt oder dürfen sich mit dem neuen Titel «besondere Aufgaben» schmücken.

Gleichzeitig werden auch die Redaktionen zusammengelegt, wobei jedes Verlagshaus seine Stärken ausspielt und das jeweilige Ressort beherbergen wird. Also der Sport kommt integral zum «Blick», das Regionale zu CH Media, Ausland und Wirtschaft natürlich zur NZZ, während das Inland weiterhin aufgesplittert bleibt. Bei Tamedia, die sonst leer ausginge, wird Feuilleton und Kultur angesiedelt, allerdings mangels eigenen Kräften durch Zugänge aus den anderen Verlagen.

Gleichzeitig wird ein Gefäss deutlich beschnitten. Pro Organ und Tag darf es maximal einen einzigen Kommentar geben. Nabelschau und Selbstbespiegelung sind dabei verboten.

Mit diesen Massnahmen wollen die Verlage die Weiterexistenz ihrer Tageszeitungen garantieren.

«Ich fühle mich geehrt, danke für das Vertrauen und schaue der neuen Aufgabe optimistisch, aber auch mit Respekt entgegen», wird Müller in der Pressemitteilung zitiert, die später am Tag publiziert wird.

Auf jeden Fall ein gewagtes Experiment, man wird sehen, ob es von Erfolg gekrönt ist oder im völligen Chaos endet.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-27-um-15.57.48.png 764 1277 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-01 05:00:432026-03-31 16:29:51Patrik Müller wird Chef von allem
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