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Orbans Schatten

Wie nahe darf ein Journalist einem Politiker kommen?

Roger Köppel ist gerne Fan. Das hat etwas Jugendliches, manchmal auch ein wenig Infantiles. Und manchmal wird es echt gefährlich für ihn und sein Blatt.

In jüngster Zeit fant Köppel für den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Der sei schlichtweg «ein Held». Dafür darf Köppel ihn ausführlich interviewen. Mit ihm zu Selenskyj nach Kiew reisen. Mit ihm nach Moskau zu Putin reisen. Leider musste Köppel aber bei Orbáns Reise nach Peking und nach Washington zu Hause bleiben.

Aber das tut der Bewunderung keinen Abbruch. Auch Philipp Gut, der Mann fürs grobe Nachbearbeiten, darf nacheifern: «Orbán als Vorbild für die Schweiz und die EU».

Dass Köppel reflexartig Russland verteidigt, wohlan. «Russland dementiert Angriff auf Kinderspital», vermeldet er in seinem «Weltwoche daily». Beweis, Beleg, Begründung? Wozu auch.

Bei Orbán gerät Köppel richtig ins jugendliche Schwärmen: «Eine schwarze Wagenkolonne, zwei Dutzend schwerbewaffnete Elitesoldaten und zwanzig Stunden Fahrt durch die Landschaften der Ukraine: Meine Reise mit Europas neuem Ratspräsidenten Viktor Orban zu Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Kiew.» Wow, und er durfte mitfahren, Wahnsinn. Mit dem «Glücksfall für Europa». Mit der «Alternative für Europa». Mit der Alternative für alternativen Journalismus, wo der animierte Chefredaktor mit bübischen Grinsen aus dem Innern des Kreml berichten darf, nachdem er zuvor die blitzblanken Strassen Moskaus gelobt hat, soweit er das aus der Limousine beobachten konnte.

Lohn der Mühe: «Viktor Orbán in Moskau: Das erste Interview nach dem Putin-Gipfel». Denn Köppel durfte nicht nur in der schwarzen Wagenkolonne mitfahren, er durfte auch neben dem Ministerpräsidenten im Flieger sitzen.

Der Ministerpräsident kann sicher sein, dass er mit keiner kritischen Frage belästigt wird. Dieses Privileg genoss auch schon Wladimir Solowjow. Der «Superstar des russischen Politfernsehens» durfte in der WeWo ungebremst einen Unsinn nach dem anderen raushauen:

«Ich bin die reinste Form eines Journalisten … Ihr (Europäer, Red.) tut uns leid … Europa führt wieder einmal Krieg gegen Russland, zum dritten Mal seit Napoleon und Hitler … Wir sagten Selenskyj, er solle aufhören, Menschen zu töten. Dann begannen wir unsere begrenzte militärische Operation … Gemäss den Verträgen, die wir unterzeichnet haben, war das zu 100 Prozent legal … Alles, was wir tun, tun wir auf der Grundlage des Völkerrechts, auf der Grundlage von Verträgen … Es spielt keine Rolle, wie lange es dauert. Wir werden gewinnen.»

All das hat bei Köppel leider Tradition. Genau in der Woche, als Präsident Putin seinen Überfall auf die Ukraine begann, liess ihn Köppel als den «missverstandenen» Friedensengel abfeiern.

Nun ist die einseitige und voreingenommene Berichterstattung der Mainstreammedien über Putin und Orbán auch kein Ruhmesblatt für den angeblich so freien westlichen Journalismus. Dagegen anzuschreiben, wieso nicht.

Natürlich reisen auch andere Journalisten im Tross von Regierenden mit (eingeladen, im heutigen Elendsjournalismus würde das keine Redaktion selbst bezahlen). Und sicher wird man nicht mehr eingeladen, wenn man zu kritisch über den grosszügigen Regierenden berichtet.

Aber gleich eine ganze Serie? Zuerst einige liebedienerische Interviews mit und Beschreibungen von Orbán. Dann die Belohnung, Köppel in Kiew. Dann die nächste Belohnung, Köppel im Kreml.

Damit schadet der Tausendsassa seinem Blatt, sich selbst und auch der von ihm vertretenen Sache ungemein. Denn die Berichte von Groupies liest man vielleicht bei Taylor Swift gerne (wenn man Fan von ihr ist). Aber mal im Ernst, Orbán als Lichtgestalt, die unermüdlich um die Welt glüht, um endlich Frieden in der Ukraine zu erreichen? Termine mit Händeschütteln mit den Wichtigen und Mächtigen, und im Hintergrund murmelt Köppel Wichtigkeiten in sein Handy, da ist die Grenze zwischen Realität und Realsatire deutlich überschritten.

Nachdem die WeWo schon stolzgeschwellt vermeldete, dass Köppel nach seinem «was wollten Sie schon immer mal sagen?»-Interview mit dem serbischen Ministerpräsidenten in der serbischen Presse wohwollend bemerkt wurde, kommt nun noch das Gleiche aus Ungarn:

«Schweizer Renaissance-Mann». Massierst du mir meinen, massier ich dir deinen. Ist das peinlich.

Wumms: Stefan Schmid

Der Reserve-Chefredaktor des St. Galler «Tagblatt» kümmert sich um Kleines und Grosses.

Als Chef eines Blatts, das früher einmal zum Reich der NZZ gehörte und heute im Wesentlichen die Einheitssauce von CH Media aus Aarau in der Ostschweiz verteilen darf, ist man nicht ganz ausgelastet.

Also kann sich Schmid um das Kleine kümmern:

Da muss Schmid ganz streng werden: «Littering ist eine Form von Rücksichtslosigkeit gegenüber der Gesellschaft, die unter dem Schutz der Anonymität meist folgenlos bleibt.» Nun ist es Schmids Adlerauge nicht entgangen, dass der Kanton Thurgau die Busse für das Wegschmeissen eines Zigarettenstummels auf 300 Franken angehoben hat. Daran stört Schmid: «eine SVP-Mitte-Grüne-EDU-Mehrheit» habe das beschlossen, und da SVP an Bord ist, kann das ja nicht gut sein.

Zudem, schliesst Schmid messerscharf, Bussen gibt es nur, wenn der Übeltäter in flagranti ertappt wird. Und das sei sowieso fast nie der Fall. Schliesslich solle man sich mal in Frankreich oder Italien umschauen, dann merke man: «Wir jammern auf hohem Niveau». Weiser Ratschlag: «Das Littering-Problem sollte nicht grösser gemacht werden, als es tatsächlich ist

Schon am Samstag widmete sich Schmid aber den grossen Fragen:

Allerdings bräuchte es für grosse Fragen auch einen grossen Rucksack an Kenntnissen, sonst entsteht so etwas wie Buchstaben-Littering. Und da reist Schmid mit leichtem Gepäck:

«Die USA verstanden sich als Schutzmacht der freien Welt und waren bereit, diese Ordnung wenn nötig auch mit Gewalt zu verteidigen.»

Das kann man so sagen. Ob dem Vietnam, Afghanistan, Chile, Panama, der Irak, Syrien, Libyen und andere Staaten zustimmen würden, überhaupt alle Opfer von über 400 illegalen US-Einmischungen in fremde Angelegenheiten seit dem Zweiten Weltkrieg?

Das fällt nun auch Schmid auf: «Die westliche Ordnung hat sich angesichts zahlreicher, tatsächlich sehr fragwürdiger militärischer Abenteuer der USA – etwa gegen Saddam Hussein im Irak – schon zuvor bei Teilen der Weltbevölkerung diskreditiert

Aber was interessieren uns Teile der Weltbevölkerung, also zum Beispiel die über 170 Staaten, die keinerlei Sanktionen gegen Russland unterstützen. Hier geht es um das europäische Haus: «Antiamerikanische Gefühle sind freilich auch im westlichen, der Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie verpflichteten Lager, verbreitet.»

Gefühle? Ach was: In Ungarn und der Slowakei seien «Regierungen am Ruder, die als Putins fünfte Kolonne agieren, um weiterhin von russischem Gas zu profitieren». Gut, das ist Ausland. Aber wehe, wehe, auch in der Schweiz sollte man wieder den Ruf «Moskau einfach» erschallen lassen.

Denn Schmid sieht Schlimmeres als weggeworfene Zigarettenstummel: «Links- und rechtsaussen werden unter dem Deckmantel einer rigid ausgelegten Neutralität pazifistische Lieder angestimmt, deren Ziel darin besteht, die Schweiz auf Äquidistanz zu den Machtblöcken zu halten. Das ist eine gefährliche, den Interessen eines kleinen, auf die Respektierung des Völkerrechts angewiesenen Landes kaum dienende Grundhaltung.»

Deckmantel, pazifistische Lieder, gefährliche Haltung, der Mann kann Demagogie. Ist aber gerade so schön in Fahrt, dass ein Aspekt nicht fehlen darf. Der intelligente ZACKBUM-Leser ahnt es schon: «Neu ist hingegen die schwammige Haltung der SVP. An deren rechtem Rand kommen im Umfeld von alt Nationalrat Roger Köppel offen prorussische und reaktionäre Anwandlungen an die Oberfläche, die mitunter an der demokratischen Gesinnung zweifeln lassen

Schmid zweifelt an der demokratischen Gesinnung des Umfelds von Köppel, oder gar an dessen eigener? Ziemlich unverschämt von diesem Kläffer aus der geistigen Provinz, aber er steigert sich am Schluss noch zum Diskant:

«Im Nationalrat sind die als Pazifisten und Neutralisten verkleideten Anti-Amerikaner in der Mehrheit. Sie torpedieren die Solidarität mit der Ukraine und verhindern eine längst angezeigte Zusammenarbeit der Schweiz mit der Nato. Beides kann nicht im Interesse eines Kleinstaates sein …»

Aha. Unter dem Deckmäntelchen kommt der Gottseibeiuns, Pardon, der «Anti-Amerikaner» zum Vorschein. Wer nicht mit der Unterstützung des Stellvertreterkriegs auf Kosten der ukrainischen Bevölkerung einverstanden ist, wer geltende Rüstungsexportgesetze einhalten will, wer als Nicht-NATO-Mitglied nicht mit der NATO militärische Übungen abhalten will, wer gar gegen die rechtsstaatswidrige Enteignung von reichen Russen ist, der ist ein «Anti-Amerikaner»? Der vertritt nicht die Interessen des Kleinstaats Schweiz?

Wie man das richtig macht, weiss nur Kleingeist Schmid? Der vertritt nicht einmal die Interessen des Rechtsstaats Schweiz. Man muss diesem Schreiberling empfehlen, statt Buchstabenlittering zu betreiben, sich um Probleme in der Grösse von weggeworfenen Kippen zu kümmern. Denn im Kleinen liegen vielleicht seine grossen Stärken.

 

Zwischen Genie und Wahnsinn

Wir legen mal wieder eine Ausgabe der «Weltwoche» unters Messer.

Zunächst muss ZACKBUM zwei Dinge vorausschicken. René Zeyer schreibt gelegentlich für das Blatt. Und im Gegensatz zu Tamedia darf man hier sogar den Chefredaktor in seinem eigenen Blatt kritisieren. Der steckt das weg, im Gegensatz zu den Mädels im Leitungsgremium von Tamedia.

Aber zur Sache.

Roger Köppel erreicht in seinem «Editorial» schnell Betriebstemperatur, auch wenn er eigentlich Wohlbekanntes nachklappert. Die Ukraine durfte bestimmen, wer auf den Birkenstock kommen darf und wer nicht. Gähn.

Dann kommt die Abteilung «hau den Cassis»: «Der Aussenminister ist seinem Amt augenscheinlich nicht gewachsen … dass diese Konferenz der Einseitigkeit eine unglückselige Übung zu werden droht, eine Art Marignano der schweizerischen Aussenpolitik … der taumelnde Irrlauf des Tessiners … Cassis’ Marignano heisst Bürgenstock

Aber wenn schon, kriegen gleich alle ihr Fett ab: «Schlafwandler, Verblendete des Kriegs: Alle relevanten Parteien des Landes wirken wie Gefangene der westlichen Propaganda.» Tja, seit Köppel nicht mehr im Nationalrat nach dem Rechten schauen kann (die Male, wo er anwesend war) …

Auf der anderen Seite muss man mal wieder sagen, dass der Mann ameisenfleissig ist. Der haut alleine in einer Woche mehr raus als ein «Republik»-Redaktor in Monaten (oder in einem halben Jahr, wenn man den völlig verstummten Constantin Seibt nimmt). Ein Interview mit dem Opfer der Messer-Attacke von Mannheim. Das Editorial. Ein Kommentar zu den Europawahlen. Und noch ein Interview mit dem serbischen Präsidenten Aleksander Vucic.

Allerdings: das Teil ist sechs Seiten lang und hätte wie immer bei Köppel auf die Hälfte oder ein Drittel eingedampft werden müssen. Damit wäre es nicht schlechter, sondern besser geworden. Denn über 34’000 A, das haben normalerweise nur Texte der «Republik» und die liest doch auch keiner wirklich.

Und der Inhalt? Das Titelzitat sagt ja schon alles, in der vollständigen Version: «In einem kurzen Zeitraum, ja, da bin ich mir ziemlich sicher, werden wir eine echte Katastrophe erleben.» Das ist eine interessante Prognose, leicht hysterisch, aber interessant. Dass Köppel aber so Sachen stehenlässt wie «Ich danke Ihnen für diese Frage … Es ist leicht, lieber Freund, dies zu sehen.» Lieber Freund? So viel zur Distanz zwischen Journalist und Interviewtem. Und Köppel bemüht sich nach Kräften, ein «lieber Freund» zu sein:

«An Ihrem Land wird oft herumkritisiert. Sagen Sie uns: Was sind die grössten Qualitäten Serbiens? Worauf sind Sie stolz?» Noch besser: «Was ist das Wichtigste im Leben eines Mannes

Dann darf Vucic seine Doomsday-Fantasien ausleben: «Ich kann nicht von einem dritten Weltkrieg sprechen, aber von einer grossen Konfrontation. Wie weit wir sind? Ich glaube, dass wir davon nicht mehr weit entfernt sind. Nicht länger als drei oder vier Monate. Und es besteht die Gefahr, dass dies schon vorher geschieht.»

Wir halten fest: Anfang November kracht’s. Und wenn nicht? Macht nix.

Und neben den Köppel-Festspielen, was bietet die WeWo noch? Nun, Christoph Mörgeli ist immer für eine saftige Hau-drauf-Geschichte gut. Denn er hat ein elefantöses Gedächtnis. Und so erinnert er anlässlich des golden Fallschirms in der Höhe von exorbitanten 340’000 Franken für die zurückgetretene Chefin des Bundesamts für Polizei an ihre tatsächlich klägliche Rolle, die sie 2007 bei der Affäre um den Privatbankier Oskar Hollenweger im Jahre 2007 spielte. Das ist aber nur ein dunkler Fleck in der Karriere von Nicoletta della Valle, neben vielen anderen.

Der zweite Besitzer eines Zweihänders nimmt sich Daniel Jositsch vor: «Mit markigen Worten will der SP-Ständerat den fremden Richtern «Grenzen setzen». Bis gestern sagte der Rechtsgelehrte noch, ebenso markig, das Gegenteil.»

Dafür haut Philipp Gut ihm Zitate aus dem Abstimmungskampf um die SVP-Selbstbestimmungsinitiative um die Ohren. Dort habe Jositsch noch getönt: ««Wenn die Staaten nicht in ein vertragliches Korsett eingebunden sind, gewinnt das Recht des Stärkeren.» Die Profiteure des Völkerrechts seien Kleinstaaten wie die Schweiz.»

Man ist schon fast daran gewöhnt (und hofft, dass auch dieser Spleen des Chefs mal sein Ende findet), wer könnte wohl der Mitautor eines siebenseitigen Streifens sein? Richtig, natürlich Daniel Ryser. Diesmal berichtet er über Cass Pennant. Cass who? Na, einer der «Gründerväter des Hooliganismus». Also eine weitere Fortsetzung der Ryserschen Freakshow.

Und sonst? Sonst ach ja. Es kann ja nicht jede Nummer ein Kracher sein. Aber ein paar Knaller hat’s schon drin, während bei den Mainstreammedien die Knallfrösche meistens eine nasse Zündschnur haben.

 

Der Neumarkt-Schwank

Schwankende Gutmenschen gefangen in ihrem Labyrinth.

Michèle Binswanger macht eine wahre Lachnummer im «Tages-Anzeiger» publik. Kurzfassung: das überwoke und mit Millionen aus dem Steuersäckel subventionierte Theater am Neumarkt hat eine Klage am Hals. Wegen Verletzung der Antirassismus-Strafnorm.

Das ist zum Totlachen, aber kein Witz. Das Theater fiel schon mehrfach durch mehr als schräge Nummern auf. So dem Auftritt einer deutschen Randaletruppe, die angeblich den «Stürmer»-Streicher aus Roger Köppel austreiben wollte. Oder mit einer Solidaritätswebseite für den Schläger Brian K.

Nun ist dem sensiblen, solidarischen, antirassistischen, linksgrünen, gegen Hetze, Rechtspopulismus und die SVP ankämpfenden Ensemble aber die Höchststrafe passiert. Man (und frau und everybody beyond) ist in die eigene Grube der Überkorrektheit gefallen.

Die Ausgangslage war aber auch echt scheisse, wenn man das so sagen darf. Also echt scheisse für Gutmenschen. Denn es trug sich zu, dass das Neumarkt  den Schauspieler Yan Balistoy beschäftigte. Der ist Schweizer mit israelischer Herkunft. Und es beschäftigt eine Schauspielerin aus dem Libanon. Na und, ist doch echt multikulti.

Leider nein. Denn im Libanon herrscht auch die fundamental-religiöse Terrortruppe Hizbollah. Und diese Hetzbolla ist für die Durchsetzung eines Gesetzes aus dem Jahre 1948 besorgt, das es libanesischen Staatsangehörigen verbiete, mit Israelis Kontakt zu pflegen oder gar öffentlich aufzutreten.

Das gelte selbstverständlich nicht in der Schweiz, wurde argumentiert, aber die im Libanon lebende Familie der Schauspielerin könnte Repressionen ausgesetzt werden. Und was tat der Gutmenschentrottelhaufen vom Neumarkt? Er wog und wägte, räsonierte ohne Räson  – und gab dem Ansinnen der Schauspielerin statt, dass sie leider nicht mit dem Kollegen mit israelischem Migrationshintergrund auftreten könne.

Damit der israelische Kollege richtig in Wallungen käme, verlängerte die Direktion dann auch seinen Vertrag nicht. Putzige Begründung: zu wenig Einsatzmöglichkeiten.

Nun will der Mann Rache und überzieht das Theater mit einer Strafanzeige gegen «den Verwaltungsratspräsidenten, die drei Direktorinnen und den Hausdramaturgen», schreibt Tamedia, der diese Anzeige offensichtlich zugespielt wurde.

In der Anzeige wird feinsinnig argumentiert, es «sei fraglich, ob die Angaben der libanesischen Schauspielerin überhaupt zutreffen, dass es ihr aufgrund des Gesetzes verboten sei, mit Balistoy aufzutreten. Dieses regle nämlich «gemäss seinem Wortlaut (und nach Verständnis der Unterzeichneten und des Anzeigers) primär die Einreise und den Warenverkehr zwischen Israel und dem Libanon»». Auch eine Gefährdung der im Libanon lebenden Familie der Schauspielerin könne ihm nicht entnommen werden.

Nachdem diese Vorwürfe im Dezember letzten Jahres publik wurden, salbaderte das Theater weihevoll das Übliche, es sei ein

«Haus der Vielheit und Offenheit. Anti-israelisches und anti-jüdisches Gedankengut haben bei uns keinen Platz».

Das mag ja durchaus so sein, dass hier keine Sprechchöre «From the River to the Sea» erklingen. Das ändert aber nichts daran, dass sich ein Schweizer Theater den Behauptungen einer ausländischen Schauspielerin beugte, sie nicht weiter nachprüfte und somit indirekt libanesische Gagagesetzgebung in die Schweiz immigrierte.

Zum Bild unbelehrbarer Gutmenschen gehört auch, dass sie für Steuergelder eine «externe Untersuchung» in Auftrag gaben. Die ergab überraschungsfrei: alles super, alles paletti im Haus, selbst Haustiere und Ratten gendern korrekt, neben dem Stuhl gibt es auch eine Stühlin, und wie viele hybride WCs es gibt, wollen wir gar nicht wissen. Die Untersuchung klammerte aber wohlweislich den Fall aus, weswegen sie angestossen wurde.

Dada und Gaga auf der Bühne ist immer willkommen. Um sie herum, aufgeführt von wohlbezahlten Verwaltungsräten, Direktorinnen und Hausdramaturgen: Vorhang, Buhrufe, Abtritte.

Sehr peinlich ist, nebenbei, auch der Auftritt des VR-Präsidenten Thomas Busin, der CH Media im April ein Exklusiv-Interview gab, nachdem er monatelang geschwiegen hatte. Darin kann er keinen Fehler bei sich erkennen, es sei halt eine komplizierte Welt, und jeder, der eine bessere Lösung als die vom Theater gewählte wisse, solle das doch bekanntgeben. Und: «Wir sind der Überzeugung, dass unsere Lösung die bestmögliche war.»

Angesichts des anhaltenden öffentlichen Aufruhrs kann man sagen, dass Busin ein Interview mit einem Bühnenschwank verwechselt. Ein letzter Lacher zum Abschluss: «Wir haben uns gegenüber den Arbeitnehmenden, dem Haus und dem Subventionsgeber korrekt verhalten.» Wenn er das sagt …

Wenn wir das Ende der Groteske vorwegnehmen dürfen: Busin (oder ein Bauernopfer) tritt zurück, um «weiteren Schaden von der Institution abzuwenden». Tut ihm auch nicht weh; der ehemalige Tischtennisspieler betreibt noch das «Liongym Fitness», war Chef der Migros Clubschule, ist Delegierter des VR von «Molino-Pizzerien», im Vorstand von Swiss Golf, im VR von Kieser Training, Axino Solutions und bei der Fraxiness GmbH.

Allerdings scheint dabei das Hirntraining etwas vernachlässigt zu werden.

Reinigendes Schlammbad

Daran versucht sich leider wieder die «Weltwoche».

«Einmal mehr verglüht ein Konservativer in der Lavahitze der deutschen Geschichtspolitik.» So nennt Roger Köppel das, wenn ein rechter Brandstifter mal wieder versucht, Grenzen auszutesten und im braunen Schlamm zu baden.

Dem begabten Rhetoriker steht mal wieder sein zwar mit Bücherwissen randvoll gepackter, aber historisch korrekter Einschätzungen ermangelnder Rucksack im Weg. «Der AfD-Spitzenkandidat Maximilian Krah verweigerte sich in einem Interview mit einer linken italienischen Tageszeitung dem Vorwurf, die Deutschen sollten sich aufgrund des Zweiten Weltkriegs pauschal ihrer Vorfahren schämen. Der Jurist beharrte auf einer strengen Einzelfallprüfung, auf Nachfrage auch im Zusammenhang mit der Terrortruppe SS.»

Und überhaupt, schliesslich sei doch auch Günter Grass Mitglied gewesen. Aus welchen Gründen der Literaturnobelpreisträger viele Jahre später aus eigenem Antrieb eingestand, mit 17 gegen Kriegsende zur Waffen-SS gekommen zu sein, das hätte – statt wohlfeile Provokation – einer strengen Einzelfallprüfung bedurft.

Diese wunderbare Differenzierung wünschte man sich auch (nicht), wenn es um die Mitgliedschaft anderer Terror- oder Verbrecherorganisationen ginge. Schliesslich muss man doch auch bei Mitgliedern der Hamas eine Einzelfallprüfung vornehmen, nicht jeder, der im Schwarzen Block krawalliert, ist böse. Auch bei Mitgliedern oder Anhängern der roten Terrortruppe RAF gab es durchaus wohlmeinende Humanisten.

ZACKBUM empfiehlt Köppel, sich zunächst einmal darüber zu informieren, was die Waffen-SS war und was sie gemacht hat. Natürlich retteten sich viele Deutsche nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg in Entschuldigungen wie die, dass sie nichts gewusst hätten, was selbst Anwohner von KZs behaupteten. Keiner hatte eine Ahnung, wohin denn all die Juden verschwunden waren, während sie deren Wohnungen plünderten. Und der deutsche Landser im Osten wusste selbstverständlich auch nicht, dass das ein Vernichtungsfeldzug war, bei dem der Bevölkerung in den eroberten Gebieten nur zugedacht war, sofort zu verrecken oder schnell durch Ausbeutung.

All diese Debatten sind schon bis zum Überdruss von Geschichtsrevisionisten geführt worden, die auch immer wieder versuchen, Hitlerdeutschlands Überfall auf die Sowjetunion in einen Präventivschlag umzulügen.

«Im Anschluss an Krahs historisch und inhaltlich wohl unbezweifelbare Aussagen, dies geben sogar seine Kritiker zu, erhob sich ein Donnergrollen der Entrüstung», bleibt Köppel seiner Lava-Metapher treu. Ist sie «wohl unbezweifelbar»? Krahs Aussagen sind sowohl historisch wie inhaltlich unbezweifelbar falsch, dazu für einen Spitzenpolitiker im Wahlkampf selten dümmlich.

«Es gab gewiss einen hohen Prozentsatz an Kriegsverbrechern unter ihnen, aber nicht alle. Ich werde nie sagen, dass jeder, der eine SS-Uniform trug, automatisch ein Krimineller war.»

Was soll der Quatsch? War so gesehen Adolf Eichmann auch kein Krimineller? Wo soll es anfangen? War der Polizist, der einen Juden zur Sammelstelle führte, kein Krimineller? Der Lokführer, der die Viehwaggons nach Auschwitz oder Sobibor lenkte? Der Koch in der Kantine der SS-Wächter? Ist neuerdings das Mitglied einer Verbrecherorganisation wie der Waffen-SS kein Verbrecher mehr? Verheimlichte nicht Heinrich Himmler dem Führer Adolf Hitler viel Schreckliches in den KZs? Stimmt es denn nicht, dass es keinen Führerbefehl gibt, der die Vernichtung der europäischen Juden anordnet?

War Claus Schenk Graf von Stauffenberg kein Verbrecher? Nur weil er – nach der Teilnahme an unzähligen Kriegsverbrechen – 1944 einsah, dass der Krieg mit Hitler an der Spitze verloren gehen werde, weshalb Hitler wegmusste, damit man sich mit den westlichen Alliierten nochmals gen Osten aufmachen konnte?

Die Vergangenheit ist wahrlich nicht tot. Sie ist nicht mal vergangen. Die rechte Oppositionspartei sei «eine Bereicherung für Deutschland», behauptet Köppel. Korrekter wäre wohl die Beschreibung, dass die AfD unter ständigen Häutungen und einem beachtlichen Verschleiss an Führungspersonal (erinnert sich noch jemand an Lucke, Petry oder Meuthen, die sich mit Abscheu abgewendet haben?) Leerstellen ausfüllt, die von den abgewirtschafteten Altparteien geschaffen wurden.

Mit einer vor Opportunismus strotzenden grünen Partei, einer kompasslosen FDP, einer Banal-SPD oder einer Post-Merkel-CDU ist wahrlich kein Staat zu machen. Aber will man wirklich, dass dieser gärige Haufen, wie sie von ihrem Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland auch schon genannt wurde, Regierungsverantwortung übernimmt?

Krah ist ein dummer Zeusler, Höcke ist ein vergleichsweise intelligenter Brandstifter, beide machen die AfD für weite Kreise unwählbar. Wie bescheuert und dumm deren Provokationen in der politischen Auseinandersetzung sind, haben sogar Bruderparteien in Frankreich oder Italien gemerkt. Und sich mit Getöse gleich von der ganzen AfD distanziert.

Natürlich kann man darüber jammern, dass eine Verurteilung im Wahlkampf für den Ausdruck «Alles für Deutschland» Ausdruck einer politisierten Justiz sei. Aber Höecke hat ein langes Strafregister von tiefbraunen Aussagen, die er dann jeweils mit dem Gestus «was, gab es einmal ein tausendjähriges Reich? Habe ich nicht gewusst» und Unschuldsmiene relativiert und verniedlicht.

Natürlich müsste sich die AfD von solch unappetitlichen Gestalten trennen, ihnen nicht nur – wie im Fall Krah – Wahlkampfauftritte verbieten. Damit verlöre die Partei sicherlich Stimmen am rechten, angebräunten Rand, würde aber viel mehr auf der anderen Seite dazugewinnen.

Das müsste, wenn schon, Köppel kritisieren und fordern. Aber der Mann ist, bei aller Brillanz, auf vielen Gebieten beratungsresistent und setzt seine unbestreitbar entwickelten rhetorischen Fähigkeiten an untauglichen Objekten ein. Putin wäre dann noch ein anderes Thema …

 

 

So sollte es sein

Leider ist die «Weltwoche» die einzige Podiums-Zeitschrift.

Philipp Gut nahm mal wieder den Morgenstern hervor: «Klimapropaganda an Kantonsschule Baden: Wer stoppt die ideologische Verschleuderung unserer Steuergelder

Das Urteil zugunsten der «Klimaseniorinnen» sei auch im Aargau abgefeiert worden: «Dazu führt die Kantonsschule Baden eine Veranstaltung durch, an der ausschliesslich Vertreter und Befürworter einer Partei, der Gegenpartei zur Schweiz im Klimaprozess vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, zu Wort kommen: eine Vertreterin der Klimaseniorinnen, die von Greenpeace montiert wurden, eine grüne Richterin und eine Universitätsjuristin, die sich bereits im Vorfeld des Strassburger Prozesses gegen die Schweiz positioniert hatte.» Soweit Gut, der schon mit seiner Autorenmarke sehr patriotisch daherkommt:

Zwischenschritt: als der Wanner-Clan und der Coninx-Clan die letzten unabhängigen Schweizer Tageszeitungen zusammenkauften, sodass nun von Basel über Bern bis nach Zürich, über Aarau bis nach Luzern und St. Gallen aus zwei Zentralredaktionen die Einheitssauce verteilt wird, gab es grosse Schwüre und Ankündigungen: niemals werde darunter die Meinungsvielfalt leiden, das seien dann «Forumszeitungen» im Fall, natürlich kämen auch divergierende Meinungen zu Wort, man sei sich da seiner staatsbürgerlichen Pflicht bewusst.

Leere Versprechen, so in der Tradition der Ankündigung von Pietro Supino, dass man niemals nicht die Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Bund» zusammenlegen werde.

Denn statt diesem Pluralismus gibt es auch Meinungseinheitsbrei. Wie sagte ein aufrechter Redaktor aus dem Hause Tamedia zum ZACKBUM-Redaktor René Zeyer mal so schön, als der einen Artikel einreichte: wunderbar geschrieben. Aber das kann ich nicht mal an der Redaktionskonferenz vorschlagen, keine Chance.

Ansonsten werden auch an den Haaren herbeigezogene Vorwände benützt, um die Leser in ihrer vermuteten Gesinnungsblase nicht aufzuschrecken. Nach der Devise: lieber stattdessen Leser zu Tode langweilen und mit mediokrem Geholper vergraulen.

(Fast) alle einig sind sich hingegen, dass die «Weltwoche» ein ganz übles rechtspopulistisches Blatt von Putin-Verstehern von Gnaden Blochers sei, wo ein  allmächtiger Besitzer, Verleger, Herausgeber und Chefredaktor mit harter Hand eine Meinungsdiktatur durchsetze.

Es ist zwar richtig, dass hier etwas Checks and Balances fehlen. Aber der gleiche ZACKBUM-Redaktor kann bezeugen, dass Roger Köppel der einzige Chefredaktor im deutschen Sprachraum ist, der sich im eigenen Blatt massiv kritisieren lässt.

Weiter im Text. Nach diesem Keulenschlag von Gut darf eine Teilnehmerin an dieser «ideologischen Verschleuderung unserer Steuergelder» zurückkeulen:

Die ehemalige Bundesrichterin Brigitte Pfiffner stellt richtig: «Schon 2011 habe ich in der Fachzeitschrift Iusletter ausführlich und kritisch von «ausufernder Rechtsprechung» des EGMR gesprochen. Auch der Titel meines Referats an der Kantonsschule Baden trug diesen Titel – ohne Fragezeichen. Ich vertrete die Auffassung, dass der EGMR zunehmend ins Gebiet der Politik hineinfunkt; das ist nicht seine Aufgabe.»

Das exemplifiziert sie sehr kritisch an mehreren Urteilen von Strassburg, um zum Schluss zu gelangen:

«Aus verschiedenen – hier aus Platzgründen nicht auszuführenden Überlegungen – bin ich der Meinung, dass das neueste Urteil dem Gericht schadet – und dem Klimaschutz nicht nützt. Dem Ministerrat, dem die Aufgabe zukommt, den Vollzug der EGMR-Urteile zu überwachen, wird die Schweiz erläutern können, was sie zur Verbesserung des Klimas bereits schon vor dem Urteil auf die Wege gebracht hatte. Und damit hat sich’s.
So bleibt vom Klimaseniorinnen-Urteil des EGMR Schall und Rauch zurück. Und vom einseitigen Artikel zur Veranstaltung an der Kantonsschule Baden von Philipp Gut nur ein Schluss: Der Schuss ging daneben.»

Der WeWo-Kommentator ist teilweise von so viel Meinungsfreiheit überfordert. Aber das ist ein herausragendes Beispiel, wie Forumsmedien funktionieren sollten. Rede und Widerrede, so sollte es sein. Rechthaberei im luftleeren und widerspruchsfreien Raum bringt meistens einen Erkenntnisgewinn von null. Ohne Widerpart wird auch der mediokre Gesinnungsjournalist zum King im Ring, weil niemand das Mittelmass von Gedanken und Formulierungen denunzieren darf.

CH Media ist auf diesem unheilvollen Weg unterwegs, Tamedia hat bereits das Zielband gerissen. Und auch die NZZ schwächelt vor allem beim Thema Ukraine bedenklich. Den «Blick» kann man als Meinungsträger nicht mehr ernst nehmen. Und sonst gibt es nur Randgruppenprogramme. Bleibt noch die WeWo.

Dass der ZACKBUM-Redaktor dort gelegentlich publiziert, macht diese Analyse in keiner Form obsolet.

Labbriger Text über einen besoffenen Kokser

Schlimmer als dass Daniel Ryser in der WeWo schreibt, ist, was er schreibt.

Man sieht das bübische Grinsen, als Roger Köppel im fernen Vietnam in die Tasten haute: «Wir freuen uns sehr, Daniel Ryser im Kreis unserer Autoren begrüssen zu dürfen.» Das Vergnügen dürfte von nicht allzu vielen Lesern geteilt werden.

Denn die Texte von Tom Kummer sind unlesbar, weil man bei ihm nie weiss, ob er etwas Wirkliches beschreibt oder mal wieder flunkert. Der Text von Ryser ist unlesbar, weil man einen solchen Charakter nicht ernst nehmen kann.

Wer sich die Seiten 55 bis 66 der aktuellen «Weltwoche» dennoch antut, erfährt im Wesentlichen, was in einem besoffenen Ami vorgeht, der sich den letzten Rest von Verstand weggekokst hat und – geschützt von der umfassenden Meinungsfreiheit der USA – einen Schwachsinn nach dem anderen raushaut. Aufgeschrieben wird das von einem ebenfalls besoffenen Journalisten, der furchtbar gerne ein Wiedergänger von Hunter S. Thompson wäre, den er ausgiebig lobhudelt, obwohl das überhaupt nichts zur Sache tut.

Wenn ein Möchtegern den Sound von Thompson nachahmen will, ergibt das dann eine Schlusspointe, die so unappetitlich ist wie die Ansichten von Gavin McInnes. Der ist entschuldigt, er will krampfhaft eine originelle Saftwurzel sein («Wenn ihr einen Pädophilen auf der Strasse seht, erschiesst ihr ihn nicht?»), Ryser ist nicht entschuldigt, der kann nur widerlich sein: «Mein Fotograf textet … Ich war gerade unter der Dusche am Masturbieren. Fucking hell. Gott hat uns für das bestraft, was wir gestern getan haben! … Was für eine verdammte Scheisse.»

Das könnte ein versteckter Hinweis darauf sein, dass Ryser der WeWo schon unterstellte, sie führe einen extremen Kulturkampf und es tummelten sich «Verschwörungsideologen» in ihr, während Köppel als Marionette Bannons die Schweiz mit Scheisse fluten wolle.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass nun Ryser die WeWo mit der verschwörungsideologischen Scheisse von McInnes füllt.

Es lohnt nicht, die wirren, widersprüchlichen und markigen Sprüche des Gründers der «Proud Boys» wiederzugeben, einer gewalttätigen rechtsradikalen Spinnertruppe, deren Anführer (und Nachfolger von McInnes) die nächsten 22 Jahre im Knast sitzt, weil er einer der Rädelsführer des Sturms auf das Kapitol war, weil Loser Trump nicht akzeptieren wollte, dass er wieder mal verloren hatte.

McInnes weiss, was er seinem Image schuldig ist und spielt seine Rolle, so wie der angebräunte Björn Höcke seine Rolle als verfolgende Unschuld spielt, wenn er wieder mal einen Nazi-Spruch rausgehauen hat. Ryser hingegen möchte eigentlich nicht nur Thompson sein, sondern gleich auch noch Bukowski und Burroughs in Personalunion. Damit überhebt er sich aber gleich dreifach. Trotz angeblich 20 Bieren und jeder Menge Whisky hat Ryser einmal einen klaren Moment: «Sie, liebe Leserschaft, mögen sich fragen: Wen interessiert denn bitte ein Geschichte über solch einen Rüpel?»

Das hätte sich auch Köppel fragen sollen, anstatt 12 reichlich bebilderte Seiten auf den Leser loszulassen. Denn so repetitiv wie der Text sind auch die Fotos. Ein Irrer mit Gewehr (3 mal), ein Irrer auf Töff (2 mal), ein Irrer mit tätowiertem nackten Oberkörper (2 mal), ein Irrer mit Krawatte im TV (2 mal), furchtbar lustige Stilleben (6 mal).

Ob Geschäftsmann Köppel dachte, die Kosten, einen Ryser nach New York zu schicken und einen Fotografen aus Las Vegas einfliegen zu lassen, die müssen auf 12 Seiten verteilt werden? Wie bei Köppel-Interviews ist auch hier wieder schmerzlich bemerkbar: wenn der Chef einen Spleen hat, dann kann den Besitzer, Herausgeber, Verleger und Chefredaktor keiner bremsen. Der muss lernen: Aufmerksamkeit erregen und der Branche sagen «ätsch di bätsch», das ist lustig. Es um den Preis eines Ryser-Texts zu tun, das ist unlustig.

Es wäre problemlos möglich gewesen (wie bei den meisten Texten von Thompson auch), den Erguss auf ein Drittel einzudampfen. Dadurch wäre der Inhalt nicht weniger schwachsinnig geworden. Aber kürzer.

Neues aus Absurdistan

Putin ist eigentlich ganz anders. Er kommt nur so selten dazu.

So könnte man eine gute Zeile von Udo Lindenberg anwenden, wenn man das neuste Friedensgedöns in der «Weltwoche» liest. Da behauptet doch Wolfgang Koydl: «Dokumente belegen: Russland wollte keinen Krieg, sondern Frieden und Stabilität in Europa. Doch der Westen lehnte ab.»

Schon fatal, dass also der kriegslüsterne Westen den friedensliebenden Präsidenten Putin sozusagen dazu zwang, die Ukraine zu überfallen. Pardon, zu entnazifizieren. Nein, eine zeitlich begrenzte Spezialoperation durchzuführen.

Seine kühne Behauptung stützt Koydl auf «Dokumente» die schon lange bekannt sind. Sie wurden im Dezember 2021 den USA und der NATO vorgelegt. Darin waren russische Vorschläge für zwei Verträge enthalten.

Sie umfassten Forderungen wie: «Alle Mitgliedstaaten der Nordatlantikvertrags-Organisation verpflichten sich, von jeder weiteren Erweiterung der Nato abzusehen, einschliesslich der Ukraine und anderer Staaten.»

Oder: «Die Vertragsparteien verzichten auf die Stationierung von Kernwaffen ausserhalb ihrer nationalen Hoheitsgebiete und bringen solche Waffen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Vertrags bereits ausserhalb ihres Hoheitsgebiets stationiert sind, in ihr nationales Hoheitsgebiet zurück. Die Vertragsparteien beseitigen alle bestehenden Infrastrukturen für die Stationierung von Kernwaffen in ihren nationalen Hoheitsgebieten.»

Der NATO sollte es also verboten werden, weitere Beitrittsgesuche wie beispielsweise von nordischen Staaten entgegenzunehmen. Die USA sollten einseitig alle ihre Atomwaffen aus Europa abziehen und beide Seiten sollten sie einmotten. Zur Freude der übrigen Atommächte wie China, Indien, Frankreich, England oder Israel.

Das sind Forderungen, die nicht wirklich als ernsthaftes Verhandlungsangebot betrachtet werden können. Sie sind so absurd, wie wenn Selenskyj heute einen bedingungslosen Abzug aller russischen Truppen und die Einsetzung eines Kriegsverbrechtertribunals ausschliesslich zur Aburteilung russischer Straftaten verlangt – als Voraussetzung für Verhandlungen.

Das als «Beleg» aufzuhübschen, dass Russland keinen Krieg, sondern «Frieden und Stabilität» gewollt hätte, ist ungefähr so glaubwürdig wie Präsident Putin, der noch kurz vor Beginn der Invasion behauptete, dass Truppenzusammenzüge an der ukrainischen Grenze lediglich für Manöver vorgenommen würden.

Selbst unterstellt, Russland habe das gewollt. Selbst unterstellt, es gab Provokationen in der Ukraine, selbst unterstellt, es gab zumindest mündliche Zusicherungen nach der Wiedervereinigung Deutschlands, dass es keine NATO-Osterweiterung geben werde: das alles ändert nichts an dem Fakt, dass Putin unter Bruch internationaler Verträge und der versprochenen Unantastbarkeit des ukrainischen Staatsterritoriums zuerst die Krim annektierte und schliesslich militärisch in die Ukraine einfiel.

In der gescheiterten Absicht, durch eine schnelle Eroberung der Hauptstadt und der Sicherstellung von Versorgungslinien diese Spezialoperation in wenigen Tagen zu beenden. Selten ist ein Invasionsplan kläglicher gescheitert, und die USA sind Meister in gescheiterten Invasionsplänen.

In der Geschichte will offiziell nie jemand einen Krieg. Es wird ausschliesslich verteidigt, zurückgeschossen, allenfalls auf eine Provokation reagiert. Natürlich wird auch immer auf Hilferufe reagiert, werden Massenvernichtungswaffen gesucht, muss ein grausamer Diktator, ein faschistisches Regime beseitigt werden.

Selbstverständlich haben die USA bei ihren unzähligen Militärinterventionen seit dem Zweiten Weltkrieg immer nur Freiheit und Demokratie verteidigt. So wie die UdSSR und später Russland andere hehre Werte in Ungarn, der Tschechoslowakei, Afghanistan, Georgien und schliesslich in der Ukraine.

Das ist das übliche Propagandagedöns. Wir wollten Frieden. Wir kamen in Frieden, aber natürlich bewaffnet, um den Frieden zu verteidigen.

Dabei geht es hier ausschliesslich um imperiale Politik. Um Grossmächte zu bändigen, gibt es nur Verträge und die Hoffnung auf ihre Einhaltung. Die Ukraine hatte so einen Vertrag, sein Bruch macht Russland zum Paria unter den Staaten und Putin zu einem noch grösseren Lügner als Trump.

Das ist so lachhaft und durchschaubar, dass man sich mal wieder wundert, wieso die «Weltwoche» ihre Spalten für eine solch billige, durchschaubare Propaganda hergibt.

Ach, und Roger Köppel verkündet ungefragt, warum er Trump wählen würde. Weil er auf einen notorischen Lügner, einen Betrüger, einen grossmäuligen Narzissten und Versager, einen gescheiterten Geschäftsmann und überführten Kriminellen steht? Wir wollen es gar nicht wissen. ZACKBUM ist nur froh, dass weder Köppel noch wir in den USA wählen dürfen. Denn die Wahl zwischen dem kleineren Biden und dem grösseren Trump, zwischen einem senilen Greis und einem Amok-Greis, ist wirklich nicht einfach.

Assange!

Was geht beim «Nawalny des Westens»?

Überhöhungen hüben und drüben sind einer Qualitätsberichterstattung abträglich. Die geradezu hymnische Heiligsprechung von Nikolai Nawalny als Märtyrer, als neues Idol, nach dem zukünftig Plätze und Strassen benannt, für ihn Denkmäler errichtet würden, wie ein völlig entfesselter Kommentator in der NZZ schreibt, ist natürlich Humbug, zumindest jetzt nicht zu prognostizieren. Denn schon mancher Held des Moments war im nächsten Moment vergessen.

Oder erinnern wir uns nur an den letzten gefallenen Superstar aller Gutmeinenden und sittlich Bewegten: möchten sie noch an ihre Lobhudeleien auf die junge Mutter Theresa, auf die neue Jeanne d’Arc des Umweltschutzes, auf Greta Thunberg erinnert werden? Eben.

Auf die sicherlich vorhandenen dunklen Seiten von Nawalny hinzuweisen, wilde Theorien aufzustellen, dass doch sein Tod ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt Präsident Putin ungelegen komme, ihn von Schuld und Verantwortung freizusprechen, das ist genauso unsinnig wie Vorverurteilungen und Mutmassungen über seine direkte Beteiligung am elenden Tod Nawalnys. Richtig ist einzig, dass Putin als Autokrat für alles Verantwortung trägt in seinem Staat, also auch dafür.

Richtig ist zudem, dass sich Putin auch hier als Versager erweist, dem kein Stein aus der Krone gefallen wäre, wenn er Nawalny mustergültig hätte behandeln lassen und propagandistisch wertvoll darauf hinweisen können, wie brutal der Westen mit den Gefangenen im rechtsfreien Raum Guantánamo oder mit Julian Assange umgehe.

Roger Köppel in seinem «Daily», das er offenbar im holzgetäferten Alpenreduit aufgenommen hat, behauptet hingegen tatsachenwidrig, dass «kaum eine Zeile über die Assange-Anhörung» erschienen sei; in seiner Verteidigungssuada, dass man auch anders und wider den Mainstream über Russland berichten müsse und solle. Zumindest damit hat er halbrecht, denn auch das sollte es nicht rechtfertigen, schlichtweg Unsinn zu publizieren.

Auch bei Assange täuscht sich der Vordenker der WeWo, vielleicht hat er auf der Alp keinen Zugang zur SMD. Die verzeichnet in der letzten Woche immerhin 206 Treffer für den Begriff «Assange». Das ist doch etwas mehr als «kaum eine Zeile».

Es ist hingegen richtig, dass das ein Klacks gegen fast 1600 Treffer für Nawalny ist. Natürlich spielt da westliche Propaganda eine Rolle, natürlich ist das kein Ruhmesblatt für die angeblich so freien und ausgewogenen westlichen Medien, die das immer mehr nur behaupten.

Noch wilder treibt es wie meist sein Nachkläffer Wolfgang Koydl. Über den Gerichtstermin von Assange habe man eigentlich kaum etwas gehört, für die meisten Medien sei das «nicht der Rede wert». Hysterisches Fazit: «Umso gleissender werden Scheinheiligkeit, Verlogenheit, und Doppelstandards des «Wertewestens» erhellt.» Überbeissen macht jede im Ansatz sinnvolle Kritik sinnentleert.

Nimmt man als Zeitraum die letzten vier Jahre, gibt es für Assange 5000 Treffer, etwas mehr als «nicht der Rede wert». Für Nawalny sind es allerdings 22’000.

Unabhängig vom Ausgang der Anhörung: der jahrelange Leidensweg Aassanges, die jahrelange Haft in einem englischen Hochsicheerheitsknast, das ist ein Skandal, der dadurch nicht kleiner wird, dass der Häftling noch lebt.

Das ist auch der richtige Ort, um auf die verdienstvolle Zusammenstellung eines ZACKBUM-Kommentators hinzuweisen, die wir ohne vertiefte Prüfung als plausibel erachten; dazu ist jeder weitere Kommentar überflüssig.

Ausser diesem: Hier hat ZACKBUM alle Prügel verdient, die ihm von Kommentatoren versetzt wurde. Schon eine oberflächliche Prüfung der Liste hätte ergeben müssen, dass man Selenskyj schlecht für Todesfälle verantwortlich machen kann, die vor seiner Amtszeit stattfanden.

Mea culpa. Der Besitzer von ZACKBUM hat extra seine Ferien auf der Yacht in der Karibik unterbrochen und per Satellitentelefon folgende Erklärung abgegeben: «Ich schäme mich für diesen Text. Er ist inakzeptabel.» Vom zuständigen Redaktor fehlt seither jede Spur; er soll in einem nordkoreanischen Umerziehungslager gesehen worden sein. Was von Felix Abt aber dementiert wird.

SoZ verkehrt, NZZaS funkelt

Der Titel ist ein Hilferuf, das Editorial ein Schrei bei der SoZ.

Woran merkt man, wenn einer Sonntagszeitung mal wieder überhaupt kein Aufreger, kein Primeur, kein aufgedeckter Skandal eingefallen ist?

Ganz einfach, aus der Mottenkiste des Stehsatzes wird eines von drei Themen herausgezogen: Meinungsumfrage, Ratgeber oder Sex.

Ene, mene, muh, getroffen hat es den Sex. Nur: Himmels willen, was soll man über dieses Thema denn noch zu einer Titelgeschichte hochzwirbeln? Nun, man nehme ein bescheuertes Symbobild und hole den Titel aus der Abstellkammer, kurz den Staub wegpusten, et voilà:

Welweit hätten die Menschen immer weniger Sex, weiss die «SonntagsZeitung». Ob das an der Genderdebatte und Aufklärungskampagnen über «Catcalling» liegt? Egal, das ist nicht lustig: «Es geht ja nicht nur um Spass, sondern letztlich um nichts weniger als das Überleben der Menschheit.» Also bitte etwas mehr Ernst. Allerdings gibt es da doch eine Erklärung, die zu denken geben sollte: «Die zunehmende weibliche Selbstbestimmung führt dazu, dass Frauen öfter und entschiedener Nein sagen.» Aha. Ist dann die Lösung, es geht ja um das Überleben der Menschheit, doch wieder ein Nein als ein Ja zu nehmen? Rät das etwa die SoZ? Wir sind erschüttert.

Arthur Rutishauser, der zurückgestutzte Chefredaktor der SoZ, ist es auch. Es kommt hier im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Gipfeltreffen:

Ui. ZACKBUM wusste, dass es eher einsam um Präsident Putin steht, aber nur noch Roger Köppel ist sein Freund? Ob das beide wissen?

Rutishauser muss offensichtlich einen Kreischkobold gefrühstückt haben, denn er holzt los wie eigentlich noch nie zuvor:

«Einerseits gibt es auf der linken Seite ein paar Wirrköpfe, die nach wie vor nach Moskau schielen. Andererseits fallen die AfD in Deutschland und ein Teil der SVP in der Schweiz völlig aus der Rolle. Angeführt werden die russophilen SVPler von Roger Köppel, der seine «Weltwoche» zum Propagandablatt umgebaut hat.»

«Der Missverstandene» auf dem Titel, pfuibäh, dann sei die Todesursache von Nawalny noch unklar, schreibe Köppel, dabei weiss doch jeder, zumindest Rutishauser, dass ihn Putin höchstpersönlich umgebracht hat. Natürlich gibt es sicherlich einen kausalen Zusammenhang zwischen der jahrelangen Quälerei in Straflagern, aber nichtsdestotrotz ist die Todesursache tatsächlich noch ungeklärt, was einem Qualitätsjournalisten wie Rustishauser auch auffallen müsste, wären ihm nicht alle Sicherungen durchgebrannt.

Die SVP «inszeniert sich» gerne als «Verteidigerin der Schweiz». Inszeniert, wohlgemerkt, denn ernsthaft tut sie das doch wohl nicht. Nun aber:

«Aber von Putin, da distanziert man sich nicht. Im Gegenteil und mit Verlaub, so Moskauhörig wie Köppel, der noch vor einem halben Jahr für die SVP im Nationalrat sass, waren im Kalten Krieg nicht einmal die Kommunisten Westeuropas. Und das ist sicher nicht im Interesse der Schweiz.»

Moskauhörig, in der Erregung falsch geschrieben, hörten wir das nicht zum letzten Mal im Kalten Krieg, «Moskau einfach», «rote Gefahr», Fünfte Kolonne», «wehret den Anfängen», «die Kommunisten wollen eine rote Schweiz», sie haben nicht die Interessen der Schweiz im Sinn, daher sind sie «Landesverräter».

All das Gequatsche gab es, nun plappert Rutishauser das im Ernst nach? Ist das eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt der «Weltwoche»? Oder soll das einfach eine Schmähkritik sein, ein Rülpser nach schlechter Verdauung?

Die «NZZamSonntag» hat auch nach durchwachter Nacht keine Idee für eine Titelgeschichte gehabt. Sex, das wäre für sie aber doch zu niveaulos. Dann halt so:

Ui. Ist es soweit? Nun ja Theodor Winkler muss in seinem doppelseitigen Rehash aller bekannten Konfliktherde tief Luft holen:

«Schuld an der gegenwärtig prekären Lage tragen Russland, China, Iran und Nordkorea. Unter ihren machtbesessenen nationalistischen Diktatoren bilden diese aggressiven Länder zunehmend einen Bündnisblock. Alle vier ersticken jede Opposition und versuchen, ihren Machtbereich gewaltsam auszudehnen. Alle haben schon vor Jahren gezielt aufzurüsten begonnen – ohne dass der Westen aufgewacht wäre und die Gefahr erkannt Das Resultat ist eine militärische Überlegenheit der Diktaturen, die bis etwa 2035 anhalten dürfte.»

Wie bitte? Militärbudget USA: 877 Milliarden US-Dollar. China: 292 Milliarden, Russland 86,4 Milliarden, alles Zahlen von 2022.

Oder in anderen Worten: das Militärbudget der USA ist grösser als die Militärausgaben der nächsten zehn Staaten zusammengenommen. Wobei Iran oder gar Nordkorea in dieser Statistik gar nicht auftauchen. Wie man da auf eine «militärische Überlegenheit der Diktaturen» kommen kann? Was für Zeugs mag Winkler wohl geraucht haben?

Wohl das Gleiche wie die Bildredaktion:

Eine halbe Seite Gaga-Symbolbild, über einem mässig originellen Titel? Na ja.

Aber. An diesem Wochenende verziehen wir der NZZaS (fast) alles. Nicht wegen dem Inhalt des Stammblattes, der ist mässig. Aber wegen dem «NZZ am Sonntag Magazin». Doch. Das spinnt zwar wie üblich:

Das sei ein «Design von Daunenjacken jenseits der wuchtigen Steppmäntel». Muss haben, lallt der Leser. Wenn er das Gleiche geraucht hat wie alle hier.

Aber:

Das Interview mit der Psychoanalytikerin Erika Freeman ist fantastisch. Nicht unbedingt wegen der erst 22-jährigen Maja Goertz, die sie interviewt hat. Sondern wegen den Antworten der 96-jährigen Erika Freeman, die häufig im Wiener «Imperial» absteigt. Warum? «Es ist meine Rache an Adolf Hitler, dass ich hier bin. Er hat einmal im «Imperial» übernachtet.»

Ob sie mutig sei, bei diesem Lebenslauf? «Ich habe getan, was getan werden musste. Ist es mutig, keine Angst zu haben? Oder ist es mutig, seine Angst zu überwinden? Ich denke, es ist beides.» Was für eine Frau, was für altersweise, abgeklärte, dennoch messerscharfe Einsichten, ein seltener Hochgenuss, dringend empfohlen.