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Sonntagszeitungen ade?

Fällt noch eine, ist die Distribution futsch.

Auf Englisch gibt es ein grossartiges, wenn auch etwas rustikales Erfolgsprinzip im Detailhandel: get the shit on the shelves. Hau das Zeugs in die Regale. Denn nur was in der Auslage liegt, kann verkauft werden.

Bei den drei verbleibenden Deutschschweizer Sonntagszeitungen heisst das: hau das Zeugs in die Briefkästen. Früher gab es noch die Zeitungsboxen, alleine der SonntagsBlick unterhielt über 3000. Weg, rentierte sich nicht mehr.

Die gesamte Auflage ist in den letzten 15 Jahren um bis zu 60 Prozent eingebrochen, auf rund 400’000 Exemplare (Print plus E-Paper). Der SoBli verkauft noch knapp 100’000 Exemplare, die NZZaS rund 90’000 und die SoZ um die 80’000.

CH Media eierte eine Zeitlang auch im Sonntagsmarkt herum. Zuerst mit «Der Sonntag», dann ab 2013 mit der «Schweiz am Sonntag», die dann im Februar 2017 eingestellt und durch die «Schweiz am Wochenende» ersetzt wurde. Die erscheint kostengünstiger am Samstag. und ist mit einer Auflage von rund 380’000 der Platzhirsch am Wochenende.

Denn Sonntag ist in erster Linie teurer als Wochentage. Die Redaktion muss am Samstag arbeiten, was vielen verweichlichten Familienvätern kräftig auf den Zeiger geht. Die Druckerei muss Samstagnacht arbeiten, und schliesslich muss in aller Herrgottsfrühe die Verteilung in die Briefkästen und an die Kioske klappen, die sonntags geöffnet haben.

Dabei greift der Staatsbetrieb Post den Verlegern kräftig unter die Arme. Diese Zustellung gehört zur universellen Dienstleistungspflicht oder Grundversorgung. Dabei liegen die verrechneten Preise deutlich unter den tatsächlichen Kosten. Diese Subvention läppert sich auf insgesamt bis zu 100 Millionen Franken im Jahr.

Für die frühmorgendliche Zustellung (wochentags und am Sonntag) ist die Presto-Presse-Vertriebs AG zuständig. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der Schweizerischen Post AG und beschäftigt ungefähr 8000 Zusteller. Daneben gibt es noch die Somedia Distribution AG, die sich um die Zustellung von Tages- und Sonntagszeitungen in Graubünden und Teilen der Ostschweiz kümmert. Auch die TX Group (das Mutterhaus von Tamedia) beschäftigt noch ein paar eigene, kleine Zustelldienste.

Im Elendstal der Printdistribution sind die Sonntagsblätter besonders gefährdet. Ihr mögliches Ende würde durch ein Bündel von Faktoren beschleunigt:

– die Auflage sinkt unter eine kritische Schwelle, die keinen Deckungsbeitrag mehr erwirtschaftet
– die Inserate im Print nehmen weiter ab
– Druck- und Papierkosten steigen weiter
– das Frühzustellungsnetz reisst
– die zahlende Leserschaft, die nur noch digital konsumiert, überschreitet die Schwelle von 75 Prozent, während die Print-Abos weiter überaltern
– Die Preissteigerungen erreichen ein Level, bei dem die Zusatzeinnahmen die Abgänge nicht mehr kompensieren

Es kein Naturgesetz, dass wochentags um 6.30 Uhr und sonntags um 7.30 Uhr ein Druckexemplar im Briefkasten des Abonnenten liegt. Nicht allzu selten ist der Inhalt bereits online überholt worden und altert auch durch den Tag relativ schnell.

Gegen eine Einstellung spricht, dass die Sonntagszeitung hohe Reichweitenmultiplikatoren haben und werbliche Pluspunkte (Lesezeit, Freizeit, ergänzende Hochglanzbeilagen) sammeln.

Sollte allerdings eine der drei verbleibenden Deutschschweizer Sonntagsblätter auch noch das Handtuch werfen (am ehesten wohl die «SonntagsZeitung», gell Herr Supino?), dürfte die Distributionsinfrastruktur in Frage gestellt werden.

Daher ist zu vermuten, dass sich Ringier, Tamedia und NZZ belauern, ob einer der Drei plant, den Sonntag im Print aufzugeben. Nachdem Tamedia bereits bei «20 Minuten» diesen Schritt vollzogen hat, würde ZACKBUM Wetten in nicht unbegrenzter Höhe halten, dass sich dieses Jahr hier was bewegen wird.

Dafür spricht auch, dass bereits die Integration der früher unabhängigen Sonntagszeitungsredaktionen in die Stammredaktion weitgehend stattgefunden hat. Vorbei die lustigen Zeiten, als eine Sonntagszeitung einen raushaute, worauf ihr vom eigenen Verlag am Montag selbst eine reingehauen wurde.

Totalversagen

Wenn die Journalisten-Schneeflocken schweigen.

Bei kleinster Kritik durch ZACKBUM reagieren sie mit verkniffenem Schweigen – oder gar mit rechtlichen Schritten. Sie sind beleidigt, verleumdet, in ihrer Persönlichkeit verletzt.

Dazu demnächst mehr.

Wird ihnen der Zugang zu Informationen verweigert oder wird ihnen mit Klagen gedroht, krähen sie schnell Zensur, Angriff auf die Medienfreiheit.

Aber trifft es den ihrer Meinung nach Richtigen, dann verstummen sie, als hätten sie kollektiv ein Schweigegelöbnis abgelegt.

Da gibt es den Fall des Mohrenkopf-Professors Carlos Schär. Der fühlte sich von ZACKBUM-Redaktor René Zeyer hier und in der «Weltwoche» furchtbar beleidigt. Und strengte Klagen an. Die endeten mit krachenden Niederlagen.

Allerdings war das mit Anwaltskosten für die «Weltwoche» und für ZACKBUM verbunden. Auch dazu hier bald mehr.

Der wahre Skandal besteht aber darin, dass der beleidigte Professor, statt über seine wissenschaftliche Inkompetenz nachzudenken, per Anwältin fordern liess, dass nicht nur alle Artikel gesamthaft gelöscht werden sollten, sondern dass es dem hier Schreibenden zu verbieten sei, über diese Klage gegen ihn zu berichten.

In Form einer Superprovisorischen gekleidet, wurde damit eine Reaktion der Berner Richterin verlangt, ohne dass die Betroffenen Gelegenheit gehabt hätten, dazu Stellung zu nehmen. Und das Unglaubliche passierte: Dem Maulkorb der Extraklasse, unter Androhung einer Busse von 10’000 Franken sollte darüber etwas an die Öffentlichkeit dringen, wurde stattgegeben.

Mittels Verfügung vom 30. September letzten Jahres wurde Zeyer und der «Weltwoche» verboten, über diese Klage auch nur ein Wörtchen zu verlieren. Darüber berichtete alleine auf weiter Flur «Inside Paradeplatz».

Neben der Qualifikation eines Professors, der das Objekt seiner wissenschaftlichen Untersuchung nur als M*** bezeichnen mag, kam hier ein in der jüngeren Schweizer Mediengeschichte einmaliger Skandal zum Vorschein.

Nach energischer Intervention der Betroffenen kam das Regionalgericht Bern Mittelland erst am 25. November 2025 zur Einsicht, dass dieses Gesuch, nachdem die Superprovisorische zwei Monate zuvor angenommen worden war, abzuweisen sei.

Alle weiteren Behauptungen und Forderungen Schärs, dass hier eine Rufmordkampagne gegen ihn geführt werde, die auch sein berufliches Weiterkommen gefährde, weswegen auch nicht über seine Klage berichtet werden dürfe, sowie alle diese Artikel samt Kommentaren integral zu löschen seien, wurden aus dem Recht gewiesen.

Ebenfalls seine Forderung, dass WeWo und Zeyer zu verpflichten seien, «keine neuen Artikel über den Gesuchsteller (Schär, Red.) zu publizieren». Also sozusagen ein präventiver, in die Zukunft gerichteter Maulkorb.

Damit hat dieses trübe Kapitel der Mohrenforschung hoffentlich sein Ende gefunden.

Was bleibt: das Schweigen der Belämmerten. Das Schweigen der übrigen Journaille. Ein Maulkorb, dass ein Journalist nicht über einen Prozess gegen ihn selbst berichten darf? Ein unglaublicher Skandal. Der keiner wurde. Weil die versammelten Sensibelchen unisono fanden: ist vielleicht nicht gut, aber recht geschieht’s der Schweinebacke Zeyer.

Weil ZACKBUM das nicht glauben konnte, wandten wir uns schriftlich an die Chefredaktoren der wichtigsten Schweizer Massenmedien. Fragten CH Media, Tamedia, Ringier und NZZ, was sie von diesem Maulkorb hielten. Reaktion: keine Reaktion. Nichts, null, nada.

Die NZZ, die mit einem kritischen Artikel von Rico Bandle vorgelegt hatte, zog sogar den Schwanz ein und veröffentlichte eine absurde Gegendarstellung des Professors, sogar ohne Redaktionsschwanz, dass sie an ihrer Darstellung festhalte. Offenbar aus Angst vor juristischen Kosten. Während das kleine ZACKBUM mutig in die Schlacht zog.

Wir wandten uns auch an die (wenigen) verbliebenen Sympathisanten in der Medienszene. Die berichteten zerknirscht, dass sie das thematisieren wollten, weil es natürlich ein Anschlag auf die Medienfreiheit und eine Bedrohung für alle Journalisten sei. Sie wurden aber in den Themenkonferenzen abgeklatscht, das sei nun wirklich kein Thema.

Damit schlägt die Journaille einen weiteren Sargnagel für ihr bevorstehendes Begräbnis ein. Geheimjustiz gegen einen Journalisten, das müsste unabhängig von seinen Sympathiewerten zu einem Aufschrei führen. Neben einer kurzen Erwähnung im «Schweizer Journalist» gab’s nicht mal ein Winseln.

Das ist erbärmlich. Oder sagten wir das schon.

Das Elend der Elendsmedien

Maulkorb für einen Journalisten? Na und?

Die Gerichtspräsidentin des Regionalgerichts Bern-Mittelland betrat juristisches Neuland. Sie gab dem Antrag auf Erlass einer Superprovisorischen statt, die der «Weltwoche» und René Zeyer untersagte, über die Klage des Mohrenkopf-Professor Bernhard Carlos Schär zu berichten.

Er witterte ihn vier Artikeln Persönlichkeitsverletzungen, Rufmord und Gefährdung seiner weiteren Karriere.

Absurde Begründung für die Superprovisorische: andernfalls würde die Rufschädigung gegen den Gaga-Professor fortgesetzt, der eine Studie zum Thema Mohr verfasste und dabei das Pfui-Wort konsequent als M*** verhunzte.

Also durften die beiden keinen Laut zu einer gegen sie gerichteten Klage geben. Ist eines Rechtsstaats unwürdig. Ein Skandal.

Das ist ein Anschlag auf die Medienfreiheit, ein Maulkorb-Erlass.

Wie bei einer Superprovisorischen üblich, erfolgte er ohne Anhörung der Betroffenen. Die sich sofort und umfangreich dagegen zur Wehr setzten.

Normalerweise wird in solchen Fällen eher rasch entschieden, ob eine Superprovisorische aufrecht erhalten oder kassiert wird. Aber doch nicht in Bern. Obwohl sogar das Anlass – Verhinderung von Berichterstattung – weggefallen war, machte die zuständige Richterin keinen Wank. Fast zwei Monate lang. Was man nur als rechtsmissbräuchlich bezeichnen kann.

Schliesslich verlangte sie als Feigenblatt die Streichung von drei Wörtern in den beklagten Artikeln (statt deren vollständige Löschung plus das Versprechen, nie mehr über den Professor zu berichten, wie dessen Anwältin verlangt hatte) und liess erkennen, dass die Superprovisorische hinfällig geworden sei.

Das alles ist ungeheuerlich.

Aber den Mainstream-Medien keine Zeile wert. Lediglich die Journalistengewerkschaft impressum runzelte die Stirn und wackelte etwas mit dem Zeigefinger.

Tamedia, CH Media, Ringier, NZZ? Zuständige Redaktoren, die Chefredaktionen und weitere Entscheidungsträger wurden von ZACKBUM angefragt, wieso sie ein Schweigegelübde in diesem Fall abgelegt hätten.

Reaktion? Keine Reaktion, keine Antwort, nichts.

Das gleiche Verhalten wie beim Professor, der niemals auf Angebote zur Stellungnahme reagiert oder sich inhaltlich gegen happige Vorwürfe und Zweifel an seiner Kompetenz wehren würde.

In welcher Parallelwelt er lebt, beweist er zudem mit einem Kommentar auf persoenlich.com zu seiner krachenden Niederlage, was ihm happige Kosten verursacht, weil er die Honorare seiner Anwältin, der Gegenanwälte und die Gerichtskosten übernehmen muss:

«Ich nehme den Gerichtsentscheid mit Genugtuung zur Kenntnis», behauptet Schär, „es bekräftigt den Grundsatz, dass haltlose Anschuldigungen und Ehrverletzungen im professionellen Journalismus keinen Platz haben sollen. Ich betrachte die Angelegenheit damit als erledigt.»

Haltlose Anschuldigungen? Genugtuung, dass statt vier Artikel drei Wörter gestrichen werden müssen, alles andere Bestand hat? Dass nun über diese Klage und auch weiterhin über diesen Professor auf ZACKBUM publiziert werden darf, obwohl das doch angeblich Rufmord sei und seine weitere Karriere gefährde?

Absonderlich.

Er mag sich die krachende Niederlage schönreden, wieso nicht.

Dass aber die grossen Medienhäuser angesichts dieser Bedrohung für alle Medienschaffenden stumm bleiben, es ihnen schnurzegal ist, dass ein solcher Maulkorb-Erlass auch mal einen ihrer Mitarbeiter treffen könnte – ist das peinlich. Erbärmlich.

Recht geschieht’s dem Zeyer, uns geht das nichts an? Dieses Schweigen ist ein öffentliches Bekenntnis zur Dummheit.

Kein Markt für die SMG?

Hat Pietro Supino schon wieder einen Fehler gemacht?

Eine solche Kursentwicklung der mit grossem Trara gestarteten Swiss Marketplace Group (SMG) sieht kein Aktionär gerne:

IPO, gestartet mit knapp 50 Franken an der Börse, 4,5 Milliarden Gesamtwert der Ansammlung von Handelsplattformen wie Homegate, Autoscout, Tutti, usw. Das grosse Joint Venture von Tx Group und Ringier.

Die neue Geldquelle, die Zukunft, nachdem Tamedia langsam aber sicher der Schnauf ausgeht. Daher gab es schon zum Start der SMG eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken für die Tx-Aktionäre, also in erster Linie den Coninx-Clan. Dann in Champagnerlaune ein grosses Aktienrückkaufprogramm.

Während die SMG-Mitbesitzer Ringier und Mobiliar vom Höchstkurs profitierten und Cash machten, meinte Big Boss Supino, dass er keine einzige Aktie hergeben wolle. Denn das Teil würde doch sicher weiter fliegen, the sky is the limit und so.

Tja. Stattdessen innert nur acht Wochen seit Börsengang ein Absturz um 30 Prozent, von 48.25 auf um die 33 Franken. 1,4 Milliarden haben sich in Luft aufgelöst.

Nach dem IPO-Hype ein Taucher, dann geht’s sicher wieder aufwärts? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber es gibt viele Faktoren, die dagegen sprechen.

Der Immobilien- und Onlinemarkt kühlt sich ab. Investitionen in Technologie und Kosten der Zusammenlegungen belasten das Ergebnis. Die Integration kostet halt Zeit und Geld. Wichtiger noch: der Markt ist hoch kompetitiv, und bislang sind die grossen Player wie Google & Co. noch gar nicht richtig eingestiegen.

Sollte das passieren, gilt im Internet immer: the biggest is the winner and takes it all. Niemand geht auf die zweit- oder drittgrösste Plattform …

Als wären das nicht schon genug schlechte Nachrichten: welche Bedeutung KI auf diesem Gebiet gewinnen wird, ist zurzeit unabsehbar. Als persönlicher Agent eines Suchenden oder Anbietenden. Womit der Marktplatz, der Vermittler, knallhart ausgeschaltet würde.

Zudem haben die happigen Preissteigerungen auf den Marktplätzen der SMG auch nicht viele neue Freunde gemacht. Newhome und andere Anbieter profitieren davon.

Die P/S Ratio, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, liegt momentan bei 11. Stagniert der Gesamtumsatz (statt erwarteter Steigerungsraten von bis zu 10 Prozent), fällt die Gewinnmarge von 35 auf 25 Prozent, dann fällt die P/S Ratio dadurch auf 5 bis 6. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von maximal 1,8 Milliarden Franken. Und einem Aktienkurs von rund 20 Franken …

Schliesslich gibt es noch einen Soft Factor, der gar nicht so soft ist. Was ist von einem wohlbezahlten Management zu halten, das sich seit Jahren in der Online-Werbung von Google & Co. die Butter vom Brot nehmen lässt – ohne dass ihm eine Gegenstrategie einfällt? Die meisten Herren (und wenigen Damen) in der obersten Führungsetage sind zudem nicht gerade Digital Natives.

Oder einfacher gesagt: sie kapieren bis heute das Internet nicht.

Wenn also der vermeintliche Goldesel SMG Verstopfung kriegt und keine Dukaten mehr scheisst, woher sollen dann noch die Gewinne kommen, um den Coninx-Clan bei Laune zu halten? Von Tamedia sicher nicht, das wilde Zusammenkaufen eines Kopfblattsalats hat sich nicht rentiert und erinnert etwas an die Hunter-Strategie der Swissair.

Goldbach ist auch nicht gerade ein ewigwährender Strom von Profit.

Was bleibt dann noch? Als letzte Option der Verkauf des ganzen Ladens, solange man noch genügend Geld verlangen kann.

Auf die Schnauze gefallen

Guter Sieg des «Beobachter».

Keine Firma mag es, wenn sie medial kritisiert wird. Grosse Firmen beschäftigen Heerscharen von PR-Schnitzern und juristischen Fachkräften. Die Medien in die Zange nehmen, mit Geschwurbel und Schönsprech zuschütten und drohend darauf hinweisen, dass ein Rechtsstreit dann verdammt teuer werden könnte.

Diesmal hat es ein Nicht-so-Grosser versucht – und ist krachend gescheitert.

Ende 2020 veröffentlichte der «Beobachter» einen sorgfältig recherchierten Artikel «Mit Fake-Unterschrift zum Kassenwechsel».

Darin machte die Zeitschrift schwere Vorwürfe gegen den Krankenkassenvermittler Swiss Home Finance und dessen Inhaber Bernard Duzhmani: Mitarbeitende des Unternehmens sollen demnach Kundenunterschriften nachgezeichnet haben, wenn die Originalunterschrift fehlte. Der Beobachter stützte sich dabei u. a. auf Aussagen ehemaliger Mitarbeitender, interne Dokumente und – zentral – auf ein Video.

Duzhmani ging in die Gegenoffensive. Vom Groben. Zivilklage wegen Persönlichkeitsverletzung, er forderte Unterlassung und Schadenersatz. Dafür mietete er die umtriebige Medienanwältin Rena Zulauf. Nicht unbedingt eine gute Idee.

Gleichzeitig beauftragte Duzhami die PR-Bude Rod Kommunikation, ihren Gründungspartner David Schärer, eine Medienkampagne loszutreten. Auch keine gute Idee.

Unter dem Hashtag «#SecondoAugust» wurden ganzseitige Inserate (so in der «NZZamSonntag» oder in «20 Minuten») geschaltet. Mit allen Schikanen aus der Küche der Spindoctors.

«Unser Klient wurde Opfer einer Intrige», bollerte der Aufmacher-Slogan, und dann ging’s richtig zur Sache:

  • Der Artikel des «Beobachters» sei falsch und habe ihn und seine Firma «Swiss Home Finance» existenziell geschädigt.

  • Die Vorwürfe seien durch «Feinde» oder «Intriganten» konstruiert worden.

  • Der «Beobachter» habe angeblich nicht sauber recherchiert und sei voreingenommen gewesen.

Auch die Rassismuskarte wurde gespielt: hier habe es ein Secondo geschafft, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, und nun mache man ihn zu Unrecht fertig.

Immerhin, ein paar Medien fielen auf diese geradezu trumpsche Wirklichkeitsverzerrung rein und übernahmen das Narrativ.

Allerdings hatte sich Duzhami zwar teure, aber vielleicht nicht die besten Hilfstruppen ausgesucht. Denn letztlich verrauchte die teure Medienkurzoffensive ohne grosse Auswirkungen.

Und RA Zulauf erlebte einen weiteren Déjà-vu-Moment: im Mai 2024 schmetterte das Zürcher Handelsgericht die Klage ab. Der Beobachter-Artikel sei, so das Handelsgericht, nicht eine blosse Racheaktion oder Diffamierung gewesen, sondern eine fundierte Recherche. Die vorhandenen Beweise – insbesondere das Video – hätten einen substantiellen Beitrag zur Wahrheitsfindung geleistet.

Trotzdem gelangten Duzhami/Zulauf ans Bundesgericht. Und kassierten eine zweite schallende Ohrfeige. Die Beschwerde sei unbegründet.

Das Bundesgericht hält fest, dass der Wahrheitsbeweis für einen Teil der Vorwürfe – nämlich das Nachzeichnen von Unterschriften – als erbracht gilt. Insbesondere das Video bilde einen «Hauptbeweis», der belege, dass in den Büros von Swiss Home Finance Unterschriften nachgezeichnet wurden.

Darüber hinaus erkannte das Gericht den öffentlichen Interessensbezug an: Die Geschäftspraktiken von Vermittlern im Gesundheits- und Versicherungsbereich berühren eine breite Öffentlichkeit. Daher sei die Berichterstattung, trotz schwerwiegender Vorwürfe, gerechtfertigt.

Das Bundesgericht wies Duzhmanis Argumente zurück, wonach es sich bei den Quellen um Intrigen oder aktenunklaren Aussagen handle. Die Vorinstanzen hätten sorgfältig geprüft, ob die Quellen glaubwürdig seien, und es lägen zusätzliche Unterstützungsbelege vor (z. B. Angaben von Kunden).

Also ausser teuren, sehr teuren Spesen nichts gewesen. Immerhin ein Lichtblick im journalistischen Elend der zum Skelett runtergesparten Medien, dass es sich wenigstens der «Beobachter» noch leisten konnte, seine Position bis vors Bundesgericht zu verteidigen.

Und ohne dass er oder der Ringier-Verlag unter der PR-Kampagne einknickten und kostensparend in einen Vergleich eingewilligt hätten. Was natürlich die Absicht der ganzen Kampagne war.

Der bei dem Urteil des Handelsgerichts eigentlich aussichtslose Gang ans Bundesgericht sollte offensichtlich einerseits bis heute die Rechtskraft des Urteils herauszögen. Und andererseits wurden damit hübsche Honorarnoten generiert, allerdings money for nothing.

Rod hingegen liess es bei einem kleinen Feuerwerk um den 1. August 2021 bewenden.

Von der Publikation des Artikels im Dezember 2020 bis zum letztinstanzlichen Gerichtsentscheid vergingen fast fünf Jahre.

Einem solchen Druck (und solchen Kosten) hält nur ein grösseres Medienhaus stand.

Gerade bei Klagen wegen angeblicher Ruf- oder Geschäftsschädigung geht es vielen Klägern in erster Linie darum, dem beklagten Organ möglichst hohe Verteidigungskosten zu verursachen. In der Hoffnung, dass dem irgendwann mal die Luft ausgeht. Wer am Schluss gewinnt, ist eigentlich egal, die Sache soll mit einem Vergleich weggeräumt werden.

Hier hat’s nicht geklappt. Ein Fünkchen Hoffnung in der Düsternis.

SRG – Sender ruht gut

Hörerschwund im Radio. Na und?

SRF 1, SRF 2 Kultur, SRF 3: täglich eine halbe Million weniger Zuhörer. Insgesamt in allen Landessprachen ein Verlust von fast einem Viertel der Hörerschaft.

Das ist eine Katastrophe – und hausgemacht. Durch die vorgezogene Abschaltung von UKW seit Anfang Jahr. Bei jedem Privatradio würde das für rote Köpfe sorgen – und für Köpferollen.

Aber doch nicht beim Gebührenfunk SRG. Der vermeldet die Zahlen trocken und weist nicht mal darauf hin, dass natürlich die Privaten gewaltig davon profitieren. 188’400 mehr Zuhörer, täglich. Dafür bedankt sich vor allem CH Media, denen inzwischen die meisten Privatstationen gehören. Und auch Ringier freut sich. Endlich mal positive Zahlen bei der Einschaltquote. Die «Blick»-Familie wird ganz neidisch.

Gleichzeitig kündigt SRG mit grossem Trara angeblich gewaltige Einsparungen an. Mitsamt Entlassungen. Dabei sind die Sparmassnahmen in der Höhe von ein paar Millionen lächerlich – im Vergleich zum Jahresbudget von rund 1,5 Milliarden.

Die eigentliche Absicht ist klar: schon die Gebührenreduktion zwingt uns zu schmerzlichen Einschnitten. Stellt euch nur vor, wie schlimm das wird, sollte die 200-Franken-Initiative angenommen werden. Ja nicht.

Für einen Betrieb, der von Kommunikation lebt, ein Trauerspiel. Die ehemalige Nachrichtensprecherin und Kulturredaktorin Susanne Wille zeigt: sie kann’s genauso wenig wie ihr Vorgänger. Es scheint niemand im Haus in der Lage zu sein, eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln,

So sad, würde Trump sagen. Der zwar im zweiten Satz häufig das Gegenteil vom ersten behauptet, aber damit bislang durchkommt.

Die Auftritte und Erklärungsversuche von Wille in den Medien waren zum Fremdschämen. Etwas Manager-Bullshit-Bingo, nicht einmal ein Erklärungsversuch, wieso trotz eisernem Sparwillen mitsamt Stellenabbau die Work Force letztes Jahr fröhlich zugenommen hat.

Keine Erklärung, wieso nicht am Unfug sparen, dass auf jeden journalistisch Arbeitenden bei der SRG zwei Sesselfurzer kommen, die verwalten, administrieren und Akten ablegen.

Kein klares Wort dazu, ob es nun scheibchenweise weitergehen soll – oder vielleicht ein Plan dahinterstecken könnte.

Genau die Methode, mit der man die Belegschaft verunsichert und demotiviert. Zudem: sollte es tatsächlich dann mal zu Massenentlassungen kommen (die einzige Möglichkeit, den grössten Budgetposten abzubauen), was machen dann die Arbeitslosen?

Wer sich nicht in die Frühpensionierung retten kann, wird auf dem RAV und anschliessend in der Sozialhilfe enden. Also nicht mehr dem Gebühren-, sondern dem Steuerzahler zur Last fallen.

Dass Wille für diese lausige Leistung mit über 500’000 Franken im Jahr mehr als ein Bundesrat verdient: nun, es braucht halt attraktive Gehälter, um die Besten zu finden.

Falsche Entscheidung mit katastrophalen Folgen, falsch kommuniziert, anschliessend die Behäbigkeit eines Zwangsgebührenapparats, dem Erfolg am Markt eigentlich schnurz ist.

Roger Schawinski, der alte Pirat, hatte lautstark, mit guten Argumenten und auf allen Kanälen davor gewarnt, UKW abzuschalten. Während die Privatradios, Buebetrickli, durchaus wohlwollend gefasst auf diese Fehlentscheidung reagierten. Denn sie wussten natürlich, dass ihnen das ungeahnte Mengen von Hörern zutreiben wird. Je mehr Hörer, desto höhere Werbeeinnahmen, so einfach ist das.

Also muss man an der meist lausigen Qualität der Inhalte vieler Dudelfunks nicht verbessern. Im Gegenteil, auch hier kann noch durch Zusammenlegungen und Ausdünnung gespart werden. Wenn einem der Platzhirsch ein solches Geschenk macht.

Es ist wohl in der ganzen Radiogeschichte einmalig, dass sich ein Sender freiwillig und ohne Not einfach mal so von einem Viertel seiner Zuhörer verabschiedet. Und ihnen empfiehlt, doch auf DAB+ umzusteigen. Was teuer und letztlich sinnlos ist, weil sich auch dieses Übertragungsmodell dann einmal verabschieden wird.

In den vielen Tunnels der Schweiz gibt es kein UKW mehr. Und am Ende des Tunnels ist kein Licht erkennbar, sondern es bleibt zappenduster.

Muss man mal hinkriegen. Vorausgesetzt, man gehört nicht zu den erbitterten Gegnern des Zwangsgebührenfunks. Die Devise scheint zu sein: wenn wir uns schon verzwergen, dann aber richtig falsch.

Immoplattform will plattmachen

SMG zeigt, was Marktmacht eines Quasi-Monopolisten ist.

Zur Swiss Marketplace Group (SMG) gehören Homegate, Autoscout, Ricardo, Tutti, die wichtigsten Online-Marktplätze der Schweiz.

SMG selbst gehört Tx, Ringier, der Mobiliar und einer US-Bude. Zur Marktmacht kommt noch mediale Macht – und viel Geld.

Das merkt der Konsument. So kostet ein Wohnungsinserat auf Homegate eine «Grundgebühr» von Fr. 125. Dazu kommen die eigentlichen Insertionskosten von Fr. 2.50 pro Tag (ein Objekt mit max. 13 Bildern). Mindestlaufzeit ist 15 Tage. Projektdokumentationen, ein Formular oder ein Video kosten extra.

Zusätzliche Schikane: «Das Inserat hat keine fixe Laufzeit. Sie müssen es also immer selber online löschen. Notieren Sie deshalb unbedingt Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort!»

Das läppert sich auf mindestens Fr. 162.50. Immer vorausgesetzt, der Inserent hat sein Passwort oder das Löschen des Inserats nicht vergessen.

Vor einem Jahr kostete eine Wochenpauschale noch 125 Franken. Ohne Verpflichtung, für mindestens 15 Tage inserieren zu müssen. Was angesichts der Marktlage bei Wohnungen völlig überflüssig ist, wenn sich die Miete in einem hohen, aber noch normalen Rahmen bewegt. Bereits am ersten Tag stapeln sich die Bewerbungen.

Noch haariger wurde es für professionelle Inserenten. Die zahlten pro Monat bis März 2024 pauschal rund 450 Franken. Ab April stieg das auf sagenhafte bis zu 4000 Franken.

Der Konkurrent Newhome bietet 15 Tage für Fr. 139. Ohne automatische Verlängerung. Und für Mieter, die einen Nachmieter suchen, ist das Inserat für 7 Tage gratis.

Homegate und immoscout24 verzeichnen zusammen schätzungsweise über 9 Millionen Visits pro Monat, newhome 1,3 Millionen.

Bricht man das auf Search-Visits (organischer Traffic) herunter, sind es bei den Plattformen von SMG rund 2 Millionen Zugriffe, bei newhome 126’000. Die Angaben beruhen auf Schätzungen von SimilarWeb und ähnlichen Analysetools.

So wie die meisten Google als Suchmaschine benützen, neigt auch der Inserent dazu, den grössten Marktplatz zu aufzusuchen.

Wie «Inside Paradeplatz» enthüllte, reagiert SMG zudem sehr empfindlich auf Kritik. Der Besitzer der Pfannenstil Immobilien AG hatte es gewagt, auf LinkedIn zu posten: «Fair inserieren statt teuer dominieren».

Das brachte ihm ein geharnischtes Schreiben einer der führenden Wirtschaftskanzleien von Zürich ein. Deren Partner drohte: Das sei ein «Boykottaufruf» und dazu «unnötig verletzend und unlauter». Umgehend löschen, wobei der Partner von Schellenberg Widmer noch erwähnte, dass «unlautere Handlungen (…) auch strafrechtlich relevant» seien. «Dies gilt auch für Ehrverletzungen.»

Der Kleine maulte zurück, dass er nur von seiner Meinungsfreiheit gebraucht gemacht habe und sein Post weder ein Boykottaufruf, noch ehrverletzend sei. Und knickte ein, indem er ihn löschte.

ZACKBUM wird sich nun hüten, die Preise der Immobilienportale von SMG als «überhöht» oder gar «unfair hoch» zu bezeichnen. Im Gegenteil, wir halten eine Preissteigerung von 400 Franken auf bis zu 4000 für fair, angemessen und geradezu ein Schnäppchen.

Es ist doch bekannt, dass das Betreiben eines Online-Portals mit ungeheuerlichen Kosten verbunden ist, die zudem – da ist die Technologie halt stehengeblieben – gewaltig gestiegen sind.

So kostete die Miete eines ein Terabyte Speicherplatzes vor einem Jahr nach AWS S3 Standard 24 Dollar im Monat. Und heute 23. Ups. Mit den Google Cloud-Preisen verhält es sich ähnlich.

Aber das Personal. Wobei, Zusammenlegungen wie im Schulterschluss von Tx und Ringier führen normalerweise nicht zu einem Ausbau der Work Force, sondern zu einem Abbau.

Womit begründet SMG dann diese wirklich moderaten Preissteigerungen? Na, mit «mehr Reichweite und besserer Performance». Sonst noch Fragen?

Ach, und mit dem geplanten Börsengang von SMG (Bewertung von bis zu 5 Milliarden US-Dollar), der Hunderte von Millionen in die Taschen des Coninx- und Ringier-Clans spülen soll, hat das überhaupt nichts zu tun. Bevor da noch einer frech kommt.

Das wird aber in den Blättern von Tamedia oder Ringier garantiert nicht der Fall sein. Nur die NZZ wagte es, die Frage zu stellen: «Ricardo, Homegate, Autoscout24: Schröpfen die Portale ihre Kunden?» Um sie mit einem klaren Jein zu beantworten.

Verlegerverband: die Lachnummer

Die Schweizer Medien sprechen mit gespaltener Zunge.

Am Donnerstag verkündeten Susanne Wille (Generaldirektorin SRG) und Andreas Masüger (Präsident Verband Schweizer Medien, VSM) einträchtig eine neue friedliche Koexistenz.

Die SRG fährt die Publikation von Tickermeldungen im Internet runter, dafür spricht sich der VSM gegen die Reduktion der Zwangsgebühren auf 200 Franken aus.

Am Mittwoch veröffentlichte der ehemalige Präsident des VSM unter Berücksichtigung der strikten Trennung zwischen Verlag und redaktionellem Inhalt im Kopfblattsalat von Tamedia eine ellenlange Stellungnahme. Wer nicht beim Lesen weggeschnarcht ist, bekam mit, dass Pietro Supino, Bigboss von Tx, ein unbedingter Befürworter des neuerlichen Versuchs ist, den Velegerclans diesmal sogar 1,4 Milliarden Franken an Steuergeldern – über die nächsten Jahre verteilt – reinzuschieben.

Nachdem Supino einen wesentlichen Anteil daran hatte, dass der erste Versuch, eine Milliarde abzukassieren, durch ein Referendum verhindert wurde.

Zudem plädiert er für die Annahme der Initiative, die Zwangsgebühren deutlich zu senken.

2015 war der Ringier-Verlag unter Getöse aus dem VSM ausgetreten, um 2022 zurückzukehren. Alleine CH Media verhält sich relativ ruhig und hofft, mit seinem Sammelsurium an Radio- und TV-Stationen weiterhin genügend Staatsknete zu erhalten, um diese kühne Strategie finanziell abpolstern zu können.

Das nennt man mit einer Stimme sprechen.

Eigentlich sollte ein Verband, der stolz verkündet: «Der Verlegerverband vereinigt über 100 Medienunternehmen, die zusammen rund 300 Publikationen herausgeben und zahlreiche digitale Newsplattformen sowie über 30 Radio- und TV-Sender betreiben», in der Lage sein, die Gesamtinteressen der privaten Schweizer Anbieter von Medienprodukten zu vertreten.

Aber stattdessen herrschen Krach und Zwietracht und man haut sich öffentlich gegenseitig eins über die Rübe. Natürlich wusste Supino, was am Donnerstag verkündet werden wird. Also zündete er am Mittwoch seine Bombe, allerdings mit überlanger Zündschnur.

Masüger, der auch noch Verwaltungsrat von Somedia ist, die gerade in höchster Not mithilfe des Bundesverwaltungsgerichts Staatsgelder für sein Privatradio vom ewigen Piraten Roger Schawinski zurückerobert hat, ist auf diese Kohle angewiesen.

Tamedia hingegen hat sich von seiner gescheiterten Multi-Channel-Strategie verabschiedet. Nachdem der Verlag mit TV3 und dem Ankauf des Radio 24-Imperiums von Schawinski zwei Stiefel voll rausgezogen hatte.

Die vier Verlage, Ringier, Tamedia, CH Media und Somedia eint einzig, dass sie keinerlei erkennbare Strategie haben, wie sie die Talfahrt ihrer Medien abbremsen könnten. Allerdings unternehmen sie untaugliche Versuche unterschiedlicher Art.

Ach, und zudem ein fataler Denkfehler. Sie wollen alle auf KI setzen, als sei das die Rettung des geldwerten Qualitätsjournalismus. Dabei kann sich inzwischen fast jeder mit chatgpt & Co. selbst schlau machen, wenn er eine präzise Frage stellt. Und dadurch erkennt, dass er für die gleichen Antworten nicht noch etwas bezahlen muss.

Ringier setzt auf Digitales und das Joint Venture mit Tamedia bei den Handels- und Verkaufsplattformen. Tamedia setzt auf Profitcenter und lässt das publizistische Standbein verkümmern. Der Wanner-Clan von CH Media setzt wieder auf Multi-Channel (TV, Radio und Kopfsalatblätter), Somedia auf die Verteidigung seines Monopols in der Südostschweiz.

Alle vier Strategien haben eins gemeinsam: das wird nicht mittelfristig funktionieren. Aber aus ihnen entstehen natürlich ganz verschiedene Interessenlagen. Nachdem Ringier mit «Blick TV» baden gegangen ist, bleiben ihm noch die Beteiligungen an den «Energy»-Dudelfunkanstalten und an «Radio 32». Das wohl im Namen die Anzahl der Hörer abbilden möchte (Pardon, es sollen täglich 90’000 sein).

CH Media wäre der Hauptinteressent, dass es eine friedliche Koexistenz mit der SRG gibt, damit möglichst viel Content (und Programmfenster innerhalb der SRG) die Bemühungen der Schrumpfredaktionen aufpeppen.

Somedia hat im Wesentlichen die bayerische Mentalität übernommen: mir san mir und uns kann keiner in unserem Einzugsgebiet.

Der vierte im Bunde glänzt mit einer völligen Abwesenheit einer Medienstrategie. Ausser pompösen Worten («Es stehen die Errungenschaften der Aufklärung auf dem Spiel») hat Supino nichts zu bieten. Ach, doch: Profitmarge, Dividende für den weltverzweigten Coninx-Clan und sportliche Gewinnvorgaben für die Bestandteile der Tx-Holding, die Tamedia nur durch ein Runtersparen aufs Skelett erreichen kann.

Ringier lehnt die Reduktion der Zwangsgebühren ab. CH Media und Tamedia befürworten sie, Somedia merkwürdigerweise ebenfalls.

Die Aufgabe eines kompetenten Verbandspräsidiums wäre es, wenigstens öffentlich einen Konsens innerhalb des Verbands zu präsentieren.

Stattdessen krähen die grossen Verlage herum wie auf einem Hühnerhof. Der aktuelle Präsident sagt so, der ehemalige Präsident sagt das Gegenteil.

Und die SRG lacht sich tot, dass sie mit so einfachen Mitteln und kleinen Zückerchen Präsident Masüger dazu bewegen konnte, sich im Namen des Verbands gegen die Initiative auszusprechen. Die sein Vorgänger befürwortet.

Ein weiterer Beweis für die alte und richtige These von ZACKBUM:

Am Elend der Medien sind nicht in erster Linie die Arglist der Zeit, das Internet oder Google & Co. schuld.

Sondern die schreiende Unfähigkeit der Verlagsmanager und ihrer Anführer. Im Vergleich dazu, was hier aufgeführt wird, ist die Migros ein blitzsauberes und zukunftsträchtig aufgestelltes Unternehmen.

«Militärexperte» Keupp: Rohrkrepierer

Der «Militärökonom» an der ETH ist ein kriegsuntauglicher Diversant.

Die Schweizer Armee hat einige Probleme. Eines davon ist leicht zu identifizieren und heisst Marcus Keupp. Der Deutsche ist die Fehlbesetzung auf einem verlorenen Posten. Oder aber, schrecklicher Verdacht: er ist vom Feind bezahlt oder gesteuert.

Wikipedia weiss über ihn: «Als Dozent an der Militärakademie der ETH Zürich unterrichtet er angehende Berufsoffiziere der Schweizer Armee und beschäftigt sich in seiner Forschung insbesondere mit militärischer Logistik.»

Deshalb hat die Schweizer Armee offensichtlich ein Führungsproblem …

Keupp wusste: «Russland wird den Krieg im Oktober verloren haben.» Zu dieser schneidenden Prognose kam er «aufgrund mathematischer Berechnungen». Wahrscheinlich hantierte er mit Fantastillionen, dividiert durch null. Blöd nur: er meinte den Oktober 2023. Blöd nur: das haben die Russen bis heute nicht eingesehen.

Wikipedia weiss auch: «Im April 2024 hielt Keupp an seiner im März 2023 geäußerten Einschätzung fest, dass Russland den Krieg bereits im Herbst 2023 „strategisch verloren“ habe.»

Als Militärökonom erlaubt er sich auch Prognosen allgemeiner Art: «Der Kollaps des russischen Finanzsystems ist nur noch eine Frage von Tagen.» Aber diese Tage verstrichen ohne Kollaps – im März 2022.

Das kann doch einen Wissenschaftler wie Keupp nicht erschüttern. Wenn man ihm ein Mikrophon hinhält, ist er sofort bereit, seinem Lebensmotto zu frönen: nach der Fehlprognose ist vor der Fehlprognose.

«Wenn es so weitergeht, wird Russland den Krieg verlieren.» Mit diesem militärischen Fehlschlag überrascht Keupp aktuell die Welt im «Blick». Das Organ für gehobene Stände hat leider ein kurzes Gedächtnis – oder ist zu höflich, dem Quatschprognostiker seine Fehlprognosen von früher um die Ohren zu hauen.

Kriegsgurgel Keupp hat noch weitere ungebetene Ratschläge auf Lager: «Mit Putin darf man nicht verhandeln. Wer jetzt Verhandlungen mit Russland fordert, ist ein Pseudohumanist.» Dass Keupp ein Pseudomilitärwissenschaftler ist, liegt aber entschieden näher an der Wahrheit. Denn Kriege werden bekanntlich entweder durch die Kapitulation einer Partei – oder durch Verhandlungen beendet.

Dann nimmt der Irrwisch des Krieges noch die ganz grosse Keule hervor: «Es gab damals und gibt heute noch immer so einen Typ Mensch, der denkt, dass Hitler oder Putin gar nicht so falschliegen, dass die doch auch gedemütigt worden seien, dass die sich doch auch wehren dürften. Wer das sagt, ist moralisch verrottet.»

Moralisch verrottet, das Werturteil muss man sich als Berufsrohrkrepierer erst mal trauen. Und was passiert, wenn so moralisch verrottete Menschen, also all diese Putinversteher, die deswegen auch Hitlerversteher waren, die Meinungsführerschaft übernähmen?

«Ja, auch neutrale Staaten wie die Schweiz könnte das jederzeit treffen. All jene, die jetzt poltern, es zähle ja eh heute schon nur das Recht des Stärkeren, die dürften sich noch wundern, was mit ihnen passiert, wenn das regelbasierte System erst mal ausser Kraft gesetzt ist.»

Zunächst muss man sich allerdings Sorgen machen, was eigentlich passiert, wenn eine solche Fehlbesetzung einen wissenschaftlichen Lehrstuhl verunziert und auf Kosten des Steuerzahlers noch grösseren Unsinn als «Russia Today» verzapft. Wobei Keupp offenbar noch nicht mitbekommen hat, dass das «regelbasierte System» tatsächlich ausser Kraft gesetzt wurde.

Mal mit einer Prognose danebenliegen, das kann ja passieren, sollte aber nicht vorkommen, wenn man sich Wissenschaftler schimpft. Aber ständig und ausnahmslos und immer wieder danebenhauen, da muss man schon von einem Systemversagen bei Keupp sprechen.

Wieso ihm der «Blick» allerdings die Spalten öffnet, um sich nochmals lächerlich zu machen, das gehört wiederum zu den Geheimnissen des Qualitätsjournalismus aus dem Hause Ringier.

 

 

Rezyklieren à la Ringier

Das Haus der Qualitätsmedien spart, wo es nur kann.

Wer findet den Unterschied? Der Artikel «Dort leben, wo die Sonne scheint und die Steuern tief sind», erschien ursprünglich in der «Bilanz». Wurde dann in der «Handelszeitung» rezykliert. Und landete schliesslich auch noch im «Blick».

Immerhin überall hinter der Bezahlschranke; also könnte der unaufmerksame Leser gleich dreimal für den gleichen Content zur Kasse gebeten werden.

Das ist mal Sparmassnahme eins. Dann hätten wir die aufdringliche Werbung, zum Beispiel im «Blick»:

Links ist der Wetterbericht, geschrieben von einer «Praktikantin News-Desk». Nun, jeder und jede hat mal klein angefangen. Daneben etwas Politik, aber lediglich in einem «News-Ticker», ein Euphemismus dafür, dass Agenturmeldungen zusammengeschnipselt und aneinandergeklebt werden. Schliesslich rechts reine Werbung, unten drunter reine Werbung, verkleidet mit einem «Präsentiert von …».

Dann nach dünnem Inhalt:

Diesmal nicht «präsentiert von», sondern «Promotion mit …». Macht den ganzen Unterschied. Da geht doch noch einer:

Der gute, alte Wettbewerb. Wer nun meint, das hier sei wenigstens eine Eigenleistung,

irrt, ist einfach eine Meldung der SDA, womöglich etwas zusammengeholzt. Dann hätten wir noch diese Variante:

Eigenleistung? I wo, «Inhalt von Sunrise starzone». Ach, und erwähnten wir schon, dass der «Blick» selbst eigene Artikel auf seiner Homepage mehrfach rezykliert? Doch, tut er.

Nehmen wir als Absackerchen noch den «Green Circle»:

Im grossen Artikel kommt gnadenlos nur nach Qualität ausgesuchte Kosmetik vor. Die drei rechts machen um ihr Sponsoring kein Hehl, entweder ein «Artikel von …» oder wieder das beliebte «Präsentiert von ..

Was aber mit dem nach streng journalistischen Kriterien erstellten Content der Artikel überhaupt nichts zu tun hat, keinerlei Einfluss hat.

Ach, und natürlich werden auch immer wieder Artikel aus der «Schweizer Illustrieret» oder «SI Style» rezykliert. Denn wie soll man sonst mit immer weniger Indianern, aber immer mehr Häuptlingen überhaupt Content ins Internet und auf Papier blasen?

Bloss: was einen Preis hat, sollte auch einen Wert haben. Dann nennt man es preiswert. Verlang man für Wertloses, Rezykliertes oder Abgeschiednes Geld, dann ist das nicht preiswert. Sondern reine Leserverarsche.

Vielleicht die passende Gelegenheit, ein Gedicht von Kurt Tucholsky zu rezyklieren. Liebe Kindersoldaten, einfach mal den Namen googeln, das hilft schon. Und hier wäre das Gedicht von 1931, heute so frisch wie damals:

An das Publikum

O hochverehrtes Publikum,
sag mal: bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: «Das Publikum will es so!»
Jeder Filmfritze sagt: «Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!»
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
«Gute Bücher gehn eben nicht!»
Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?

So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung drohn?
Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte…
Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?

Ja, dann…
Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmäßigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Grießbrei-Fresser –?
Ja, dann…
Ja, dann verdienst dus nicht besser.