Beiträge

Die Quittung

Anteil Nein zum Mediengesetz legt «überraschend» kräftig zu.

Ein tapferer Edgar Schuler, sonst der Tamedia-Lautsprecher für ein kräftiges Ja, musste durch schlechte Nachrichten schreiben.

Das hat er – immerhin – recht objektiv hingekriegt, ohne ausfällig, weinerlich oder polemisch zu werden. Die Botschaft, die er zu verkünden hat, ist bitter genug:

«Die Ablehnung liegt jetzt bei 57 Prozent, 6 Prozentpunkte höher als in der ersten Umfragewelle.»

Einzig bei dem den Artikel begleitenden Foto konnte es sich die Bildredaktion nicht verkneifen,  Trychler in den Fokus zu rücken.

Allerdings umfährt Schuler – verständlich – die Ursachen für diese dramatische Entwicklung weiträumig. Er zitiert stattdessen, dass die Veranstalter der Umfrage mal wieder «überrascht» sind. So wie Meinungsumfrageinstitute allgemein, die häufiger bei engen Ergebnissen daneben liegen als richtig.

Das ist aber ein Nebenschauplatz, die grosse Frage, die Schuler nicht beantwortet, lautet natürlich: warum? Alleine die drei grossen Medienclans beschallen mit Tamedia, CH Media und Ringier über 80 Prozent des Tageszeitungsmarkts. Dort füllen sie aus zwei Küchen den gleichen Einheitsbrei in 36 Kopfblätter ab.

Man kann da von einem Fast-Medienmonopol sprechen; der Zwangsgebührensender SRG ist selbstverständlich in aller Staatsferne ebenfalls ausgesprochen für die Annahme des Medienpakets.

Ursache: Unfähigkeit in aller Öffentlichkeit

Nur: unfähiger, schwächer, blöder ist selten eine Abstimmungskampagne geführt worden wie die der Befürworter der Zusatzmilliarde für angeblich notleidende Medien. Ein verstolperter und unterirdischer Webauftritt des Ja-Komitees. Ein Plakatsujet, das so peinlich ist, dass es schnell wieder in der Versenkung verschwand. Eine «Club»-Sendung, in der eine völlig überforderte Moderatorin nicht verhindern konnte, dass drei Teilnehmer sich gegenseitig niederzubrüllen versuchten.

Falsch gewählte Kampfbegriffe (Meinungsfreiheit, Demokratie stärken), dann noch eine mehr als unglückliche Aussage eines Clanmitglieds über Weisungen an Redaktionen. Schliesslich der typische Beziehungssumpf; eine grüne Nationalrätin weibelt mit Hochdruuck für die Annahme, lobt vor allem die Förderung von Online-Medien – während ihr Gatte zufällig genau ein solches aus dem Boden stampft und finanziell so positioniert, dass es jede Menge Zusatzbatzeli geben könnte. «Hauptstadt» heisst das Teil.

Ursache: grobe Leserverarschung

Das alles sind aber noch Peanuts gegen das eigentliche Problem: die Leserverarschung. Man kann das leider nicht gewählter ausdrücken. Denn die Medienkonzerne haben den Irrwitz veranstaltet, dass für weniger Angebot mehr verlangt wird. Trotz allen beschönigenden Geräuschen fällt es jedem Zeitungskonsumenten auf, dass ihm sowohl vom Umfang wie vom Inhalt her eine dünnere Suppe in kleineren Teller serviert wird.

Zudem kann der Leser der «Basler Zeitung» feststellen, dass in der «Berner Zeitung» oder im «Tages-Anzeiger» die gleiche Brühe serviert wird. Das bemerkt auch der Leser des «Tagblatts», wenn er einen Blick in die «Aargauer Zeitung» oder die «Luzerner Zeitung» wirft.

 

Das kann man nicht als Beitrag zum Meinungspluralismus verkaufen. Das kann man nicht als Ausnützen von qualitätssteigernden Synergien verkaufen. Besonders peinlich ist das im Falle Tamedia, die immer grössere Brocken von der «Süddeutschen Zeitung» bezieht, bis hin zu Katzentexten eines ehemaligen Münchner Bürgermeisters.

Dass man da das deutsche ß durch ss ersetzt, parken durch parkieren, schweizert die deutsche Sauce auch nicht genügend ein. Wie der Teutone die USA, Putin oder China sieht, deckt sich meistens auch nicht unbedingt mit Schweizer Blickwinkeln. Von der EU ganz zu schweigen.

Also muss man zusammenfassend sagen, dass das Resultat wohlverdient und keinesfalls «überraschend» ist.

Fake News aus dem Bundesrat

Eine unglückliche Figur macht auch die zuständige Bundesrätin. Medienministerin Simonetta Sommaruga verkündet Mal um Mal, dass 75 Prozent der zustätzlichen Steuerfranken kleineren und lokalen Medien zugute käme. Ihr Bakom behauptet, dass in den letzten Jahren 70 Zeitungstitel eingegangen seien. Solche Fake News machen es den Gegnern einfach, den Sinn der Milliarde in Frage zu stellen.

Zu allem Unglück werfen sich dann noch Figuren wie Hansi Voigt für ein Ja in die Bresche. Selbst von einer reichen Pharma-Erbin ausgehalten, kritisiert er Milliardäre, die sich Medien halten würden. Selber eine Spur der Verwüstung hinterlassend, behauptet er, exorbitante Gewinne durch Artikel im Internet ausrechnen zu können. Und schliesslich beschimpft er die Befürworter des Referendums als «Freunde des Faschismus», auch wenn er dann zurückrudert.

Das ist sowieso der letzte verzweifelte Versuch, das Steuer noch rumzuwerfen. Auch die WoZ ist sich nicht zu schade, eine Verschwörungstheorie auszubreiten, dass rechte Verleger und Mitglieder des Refrendumskomitees beispielsweise das St. Galler «Tagblatt» kaufen wollten. Obwohl es nicht zum Verkauf steht, aber als Schreckgespenst muss es herhalten.

War wohl nix.

Die Medienclans müssten sich selbstkritisch fragen, welche Pfeifen denn in ihren Teppichetagen sitzen, die nicht mal in der Lage sind, die geballte Medienmacht für eine knackige Ja-Kampagne auszunützen. Die nicht mal in der Lage sind, viel Geld sinnvoll auszugeben.

Unabhängig davon, ob es ein Ja oder ein Nein absetzt: mit dieser Management-Crew sieht es dunkelschwarz oder blutrot aus für die Zukunft der Medienkonzerne in der Schweiz.

 

Kleine Medien-Show

Man gönnt sich ja nix: Wie reagieren die Medien auf die Walder-Bombe?

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Eine grosse Münze in der Journalistenwährung ist der sogenannte Primeur. Schlichtweg: ich hab’s zuerst publiziert. Die neue Haarfarbe eines Popsternchens, das erste Foto eines neuen Autos – oder eine wirkliche Bombe.

Die Reaktion der Kollegen ist immer die gleiche: mit langen Zähnen und knirschend nachziehen. Aber zuerst abwarten, ob das wirklich die Runde macht.

Das war so, als die «Weltwoche» eine aussereheliche Affäre unseres Gesundheitsministers publik machte. Da herrschte zunächst tiefes Schweigen, bis dann die meisten Medien eine SDA-Meldung übernahmen. Versehen mit kritischen Kommentaren; Parteipolitik, Privatleben, unanständig, typisch Mörgeli halt.

Nun hat es einen viel näheren Einschlag gegeben. Ringier-CEO Marc Walder hat sich auf Video aufnehmen lassen, während er klarstellt, dass auf seinen Befehl hin Ringier-Medien weltweit die jeweiligen Regierungen bei ihrer Corona-Bekämpfung unterstützten.

Das ist im Fall Ungarns beispielsweise ausgesprochen putzig. Nun ist hier der Enthüller ein ehemaliger WeWo-Mann, federführend im Komitee gegen das Mediensubventionsgesetz, über das in etwas mehr als einem Monat abgestimmt wird.

Zudem hat er eine Kommunikationsagentur, arbeitet aber weiterhin als Journalist. Das sind natürlich alles kleine Hebelchen, um zwar über den Skandal berichten zu müssen, aber durchaus an Bote und Botschaft herumzumeckern.

Das tut beispielsweise der ehemalige NZZ-Medienjournalist Rainer Stadler: «Philipp Gut, der für den «Nebelspalter» und lokale Websites Marc Walders Aussagen skandalisierte, tritt als Journalist auf und betreibt gleichzeitigen Kommunikationsagentur. Er ist zudem Geschäftsführer eines Abstimmungskomitees gegen das Medienpaket. Der «Nebelspalter» verschweigt das. Solche Doppel- und Mehrfachrollen passen nicht zu einem unabhängigen Journalismus. Zumindest müssten sie offengelegt werden.»

Auch Tamedia setzt einen schrägen Ton

Das nennt man fokussieren auf das Wichtige. Tamedia setzt den Ton so: «Geleaktes Video: Ringier-Chef trimmte seine Medien auf Regierungskurs». Auch das befindet sich im Streubereich der Wahrheit. Das Video ist laut Aussage von Philipp Gut nicht geleakt, sondern war im Internet auffindbar. «Der Knaller ist ein Spätzünder», fährt Thomas Knellwolf fort, damit insinuierend, dass es bewusst kurz vor der Abstimmung über das Milliardensubventionspaket lanciert wurde.

Auch Knellwolf beschreibt weitere Zusammenhänge: «Nun beginnt die heisse Phase im Abstimmungskampf. Gut ist Geschäftsführer des Nein-Komitees. Zu den Mitgliedern des Komitees, das gegen mehr staatliche Unterstützung für die Verlage ist, gehören die Herausgeber von «Nebelspalter» und «Die Ostschweiz». Sie haben Guts Text in identischer Form wie auf der Komitee-Webseite veröffentlicht.»

Na und, kann man da nur sagen, na und? Knellwolf arbeitet für einen Konzern, der das Medienpaket lauthals unterstützt, weil er davon profitieren würde. Sein Text erschien in identischer Form in allen Tamedia-Kopfblättern.

«20 Minuten» referiert tapfer den Inhalt des Videos, um dann – Überraschung – Fachleute zu befragen. Zum Beispiel den «stellvertretenden Forschungsleiter am Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich». Hinter dem umständlichen Titel verbirgt sich ein Institut mit schwerer politischer Schlagseite.

Daher sagt der Stellvertreter auch: «Das Video alleine reiche als Beweis für einen solchen Eingriff jedoch nicht aus. Dafür müsste man etwa abklären, ob die angebliche Weisung Walders Einfluss auf die Chefredaktion und den redaktionellen Alltag gehabt habe.»

Dann stellt er noch eine kühne Vermutung in den Raum:

«Wenn kurz vor der Abstimmung zum Mediengesetz ein solches Video geleakt wird, könnte es sich auch um Abstimmungspropaganda handeln.»

Na und, kann man auch hier nur sagen.

Nau.ch schreibt hingegen ganz auf der vorsichtigen Seite: «Das Video hat bereits nach drei Tagen mit Abstand die meisten «Views» auf dem YouTube-Kanal des Referendumskomitees. Geschäftsführer des Komitees ist der Kommunikationsberater und Journalist Philipp Gut, der gemäss «Tagesanzeiger» das Video veröffentlicht haben soll.»

Nun, Gut hat als Autor in seinen Beiträgen das Video tatsächlich veröffentlicht, das ist kein Ergebnis einer tiefen Recherche von Tamedia.

Was machen CH Media und NZZ, die zwei anderen letzten Mitspieler im Tageszeitungsgeschäft? Nichts. Einfach mal nichts.* Die zumindest bestfinanzierte Mediengruppe in der Schweiz? Auch SRF schweigt.

Nur «Inside Paradeplatz», obwohl das ja nicht das zentrale Thema ist, nimmt kein Blatt vor den Mund:

«Die Medien nicht als Gegengewicht und letzte Kontrollinstanz der Befehlshaber einer Gesellschaft, sondern als Assistenten und Ermöglicher – so Walders Interpretation seiner Rolle.»

Dass die mediale Behandlung des Mediensubventionsgesetzes schwierig würde, weil sich ausser der NZZ-Redaktion alle grossen Medienhäuser dafür ausgesprochen haben und davon profitieren würden, war klar.

Aber was hier in der Berichterstattung über den Walder-Skandal passiert, übertrifft die kühnsten Befürchtungen.

Ist diese verhaltene, teilweise fiese Reaktion einfach auf Futterneid zurückzuführen? Ist es denkbar, dass so zurückhaltend und kritisch berichtet wird, weil CH Media und Tamedia klare Befürworter der zusätzlichen Milliardensubvention sind?

Oder aber, das könnte es sein, man hat in diesen Verlagshäusern Schiss, dass auch mal ein Video auftauchen könnte, auf dem Tamedia-Boss Pietro Supino oder CH-Media-Clanchef Peter Wanner in aller Deutlichkeit sagen würden, dass es gar nicht gelitten wäre, wenn in ihrem Einflussbereich kritisch über die Steuermilliarde berichtet würde.

Diese Videos sind nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Bislang. Für den Fall: ZACKBUM ist auch in der Lage, Bewegtbilder in seine Webseite einzubinden

 

*Die NZZ hat inzwischen zum Zweihänder gegriffen auch CH Media und SRF berichteten. ZACKBUM liefert nach …

CEO Marc Walder gibt Ringier-Medien den Kurs vor

Von Philipp Gut*

Geheimvideo: Ringier-Boss Walder hat den Redaktionen die Regierungstreue verordnet.

In der Schweiz ist es längst bekannt: Die Ringier-Medien, allen voran die «Blick»-Gruppe, sind das Megafon des Staates, wenn es um die amtliche Corona-Politik geht. Zwischen der Zürcher Dufourstrasse, wo Ringier zu Hause ist, und Gesundheitsminister Alain Berset im Berner Bundeshaus scheint eine Standleitung zu bestehen. Regelmässig berichten die Ringier-Medien vorab, was Berset in der Bundesratssitzung des kommenden Tages einbringen wird. Kritik am staatlichen Handeln – und zu kritischer Berichterstattung gäbe es wahrlich Anlass genug – sucht man in den Ringier-Medien vergeblich. Der Eindruck beim Lesen: «Blick» & Co. sind regierungstreu bis zum Abwinken. Statt objektiv und kritisch zu berichten, wie es dem Selbstverständnis eines ernstzunehmenden Journalismus entspricht, betätigen sich die Ringier-Medien lieber als verlängerter PR-Arm von Berset und seines Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Wichtige unter sich: Walder, Berset. SBB-Meyer.

Wer steuert die Redaktionen?

Auch in anderen Ländern, wo Ringier tätig ist – von Osteuropa bis Ostasien – fällt auf, dass die Ringier-Medien das knallharte Boulevard-Geschäft aufgeben, sobald es um offizielle Covid-Massnahmen geht.

Leserinnen und Leser fragen sich natürlich, warum das so ist. Liegt es einfach daran, dass die Journalistinnen und Journalisten freiwillig mit dem Strom schwimmen? Oder werden die Redaktionen von irgendwoher gesteuert?

Ich muss gestehen, dass ich – und auf dieses Thema werde ich als Journalist oft angesprochen – bisher immer die erste These vertreten habe. Die zweite – nennen wir sie die Marionettenthese – klang für mich nach Verschwörungstheorie. Irgendwelche mächtigen Männer im Hintergrund sollen den Journalisten vorschreiben, wie sie zu berichten haben? Ich hielt das für abwegig. Ganz besonders in einer liberalen und aufgeklärten Demokratie wie der Schweiz.

Doch jetzt kommt aus: Zumindest im Falle von Ringier habe ich mich getäuscht. Denn unsere Recherchen zeigen: In einem Video, das im kleinen Kreis aufgenommen wurde und auch dort bleiben sollte, spricht Marc Walder, CEO und Managing Partner der Ringier AG, das für unmöglich Gehaltene aus. Er sagt in dem Filmausschnitt sinngemäss, dass er seine Redaktionen weltweit angewiesen hat, auf jegliche Kritik an der offiziellen Corona-Politik zu verzichten und stattdessen strammen Regierungskurs zu halten.

«Wir wollen die Regierung unterstützen»

Die entsprechenden Aussagen machte Walder am 3. Februar 2021 im Rahmen der Gesprächsreihe «Inspirational Talk» der Schweizerischen Management Gesellschaft. Thema: «Digitale Transformation @Ringier». Das virtuelle Gespräch dauert 1:05:18 und wurde vollständig aufgezeichnet. Die entscheidenden Sätze sagt Walder nach Minute 49. «Wo sehen Sie grundsätzlich die Aufgabe der Medien in der Pandemie?», wollte ein Teilnehmer wissen.

Darauf Walder:

«Wir hatten in allen Ländern, wo wir tätig sind – und da wäre ich froh, wenn das in diesem Kreis bleibt – auf meine Initiative hin gesagt: ‹Wir wollen die Regierung unterstützen durch unsere mediale Berichterstattung, dass wir alle gut durch die Krise kommen.›»

Walder ist offenbar bewusst, dass dieses Bekenntnis seines Eingriffs in die Redaktionsfreiheit Sprengstoff birgt («da wäre ich froh, wenn das in diesem Kreis bleibt») und erklärungsbedürftig ist, denn er fährt fort: «Das mag Sie jetzt überraschen, aber ich will es an einem Beispiel festmachen.» Walder nennt als Musterbeispiel einer Redaktion, die seinen Appell zur Regierungstreue brav umsetzt, die Blick-Gruppe. O-Ton Walder: «Auch die Blick-Gruppe, die jetzt in der Schweiz sehr prägend ist in der Covid-Berichterstattung, könnte deutlich härter – und vielleicht sagen einige von Ihnen: ‹Ja, macht’s doch bitte, die schlafen alle, die packen’s nicht› – sein.» Tun die Blick-Titel aber eben nicht. Im Gegensatz zu ihrem Pendant in Deutschland, der Bild-Zeitung, welche die Regierung «unglaublich hart» und «wahnsinnig hart» angegangen sei.

PR statt Journalismus

Walders Devise ist eine ganz andere: «Meine These ist, um auf diese Frage zurückzukommen: Das nützt im Moment niemandem etwas. Wir müssen versuchen, dass die Politik, ob sie jetzt genug schnell, genug hart, zu wenig hart usw. agiert, das Volk nicht verliert. Und hier dürfen die Medien nicht einen Keil treiben zwischen der Gesellschaft und der Regierung.» Die Medien hätten in der Corona-Krise «eine zusätzliche Dimension an Verantwortung, so würde ich das framen».

Walder framt mal vor sich hin.

Als Journalist, aber auch als Bürger eines demokratischen Staates mit seiner kritischen medialen Öffentlichkeit läuft es mir bei diesen Sätzen kalt den Rücken runter. Solch unverfrorene Komplizenschaft zwischen Staats- und Medienmacht kennt man sonst nur aus autoritären Regimes, um es vorsichtig auszudrücken. Verblüfft nehmen wir zur Kenntnis: Der Traditionsmedienkonzern Ringier schafft sich selbst als unabhängige und kritische Instanz ab und macht statt Journalismus erklärtermassen PR für die Regierung, allen voran für SP-Bundesrat Berset, der längst den Status eines Ringier-Hausfreundes erlangt hat.

Ringier sieht Redaktionsfreiheit nicht gefährdet

Wir haben Walder mit seinen Aussagen und insbesondere mit seiner Direktive, die Ringier-Journalisten müssten die Regierung unterstützen, konfrontiert. Die Frage, ob diese inhaltliche Vorgabe des Managements an die Redaktionen nicht deren journalistischer Freiheit widerspreche, lässt Walder durch eine Ringier-Sprecherin mit «Nein» beantworten. «Zwischen Marc Walder und vielen Chefredaktorinnen und Chefredaktoren der Ringier-Gruppe findet seit vielen Jahren ein konstanter und konstruktiver Dialog statt.» So kann man das auch nennen.

Ausserdem wollten wir von Walder wissen, ob es im Hause Ringier üblich sei, dass den Redaktionen vom Management beziehungsweise vom Verlag vorgeschrieben wird, wie sie über bestimmte politische Themen zu schreiben haben. Antwort Ringier: «Die Redaktionen und Mitglieder der Konzernleitung, insbesondere CEO Marc Walder, Ladina Heimgartner als globale Leiterin Medien und Alexander Theobald als CEO von Ringier Axel Springer Schweiz, tauschen sich konstant aus. Die Verantwortung und Hoheit der publizistischen Berichterstattung liegt stets bei den Redaktionen.»

Schliesslich stellten wir Walder die staatspolitische Grundfrage: Wie sollen die Medien ihre Aufgabe als kritische vierte Macht im Staat wahrnehmen, wenn sie die Regierung in zentralen Politikbereichen nicht kritisieren dürfen, sondern unterstützen müssen? Und wie soll man die Medien dann noch als glaubwürdig und unabhängig wahrnehmen? Darauf gehen Walder und Ringier nicht ein. Sie behaupten stattdessenn in einer 180-Grad-Wende, dass die Ringier-Gruppe «die Massnahmen der Regierung – gerade während dieser Pandemie – stets kritisch hinterfragt» habe.

Neues Mediengesetz: Anreiz für kritischen Journalismus schwindet

Zusätzliche Brisanz erhält der Befehl von Walder an seine Redaktionen vor dem Hintergrund der Volksabstimmung über ein «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» vom 13. Februar 2022. Das neue Mediengesetz sieht eine Vervielfachung der Subventionen an private Medien von heute 53 auf 178 Millionen Franken jährlich vor und bindet die Medien damit noch enger an den Staat. Ringier würde zu den Hauptprofiteuren zählen, denn rund 70 Prozent der neuen Subventionen gehen an die Grossverlage. Der Anreiz, staatsunabhängigen und kritischen Journalismus zu machen, dürfte damit gegen Null tendieren. Die Medien, die Ephraim Kishon einst als bellende Wachhunde der Demokratie bezeichnete, würden zu Schosshündchen an der Leine der Politiker schrumpfen.

*Der Text erschien zuerst auf «Die Ostschweiz». Publikation mit freundlicher Erlaubnis des Autors.

Kühne Konstruktion

Die Wächtermedien hängen in den Seilen. Brauchen Staatsinfusion. Wieso eigentlich?

Die Beherrscher des Tageszeitungsmarkts in der Schweiz führen ein marktwirtschaftliches Wunderwerk vor. Sie verlangen für entschieden weniger Content gleich viel Geld von ihren Kunden. Das ist so, wie wenn ein Detailhändler für einen halben Liter Milch gleichviel wie für früher einen ganzen verlangte. Sorry, aber diese Milch schmeckt viel konzentrierter.

Geschrumpfte Umfänge, gefeuerte Journalisten, zusammengestrichene Budgets, zusammengelegte Redaktionen: eine Agonie, ein Trauerspiel.

Erschwerend kommt hinzu, dass die (noch) überlebenden Mitarbeiter ihren Bedeutungsverlust mit lautstarker Kommentierung der Weltläufe kompensieren. Plus liebedienerische Übernahme der offiziellen Positionen in der Bekämpfung der Pandemie.

Damit ist das Elend noch nicht ausreichend beschrieben. Denn inzwischen sind Tamedia, CH Media und Ringier von Medienhäusern zu Gemischtwarenhändlern denaturiert. Verkaufsplattformen, Eventveranstalter, Betreiber von TV- und Radiostationen, Anbieter von Handelsplattformen, Internetaktivitäten allgemeiner Art, usw.

Ein moderner Medienkonzern.

Nur die NZZ setzt tapfer auf ihr Kerngeschäft: journalistischer Inhalt, möglichst hochstehend.

Wie jammern, ohne zu leiden?

Nun stecken die drei Grossverlage etwas in der Bredouille, wie sie denn eigentlich nachvollziehbar um weitere Staatsknete jammern können. Durch die gegenseitige Abhängigkeit unterstützt, ist es ihnen gelungen, ein zusätzliches Hilfspaket von einer satten Milliarde Steuergelder durchs Parlament zu bugsieren.

Dagegen wurde aber, dumm gelaufen, das Referendum ergriffen. Nach anfänglich überheblichem Ignorieren nehmen die Verlage nun Anlauf, Stimmung für ihr Anliegen zu machen: wir brauchen die Kohle, um weiterhin unsere Wächterfunktion in der Demokratie ausüben zu können. Denn Medien sind ja keine Joghurts; sie haben staatstragende Aufgaben, wird getrötet.

Das sei dahingestellt. Aber wieso sollte eigentlich der Steuerzahler eine ganze Milliarde locker machen, wo sich die grossen Medienhäuser in den letzten zehn Jahren im Milliardenbereich dumm und krumm verdient haben? Wo sie doch auch in der fürchterlichen und angeblich existenzbedrohenden Pandemie fröhlich Gewinne einfuhren?

Wo doch alleine durch die Ankündigung der Fusion der Handelsplattformen von Tamedia und Ringier der Aktienkurs zur Freude des Coninx-Clans durch die Decke schoss und alleine das neue Konglomerat locker einen Wert von über 3 Milliarden Franken hat?

Besonders bei diesen Plattformen ist es klar, dass ihr Erfolg im Print begann. Der «Stellenanzeiger» von Tamedia war legendär dick. Ebenso die Immobilien-, Auto- und sonstigen Anzeigenplantagen. Da musste kaum gewässert oder gedüngt werden, nur die Banknoten von den in den Himmel spriessenden Bäumen gepflückt.

Die Zauberformel gefunden?

Das marschierte alles ins Internet ab. Schliesslich krallte sich Tamedia den einzigen erfolgreichen Versuch eines Gratisblatts. Man hatte sogar als Drohkulisse die Lancierung eines eigenen Konkurrenzprodukts vorangetrieben, bis die Mannschaft kurz vor der ersten Publikation erfuhr, dass der Stecker rausgezogen wurde. Ziel erreicht, «20 Minuten» gehörte nun Tamedia.

Seither ist das Pendlerblatt weiterhin erfolgreich und profitabel. Kann aber bei den Subventionen nicht berücksichtigt werden. Das alles ist also etwas kompliziert. Jedoch nicht für Pietro Supino. Der hat nicht nur für Beschäftigung bei den Herstellern von Aussenbeschriftungen gesorgt. Sondern den Tamedia-Konzern so umgebaut, dass das mit der Steuermilliarde klappen sollte.

Kühne Konstruktionen.

Unabhängige Profitcenter ohne Quersubventionen, heisst die Zauberformel. Ringier sieht das übrigens ähnlich. Dass dem Profitcenter Tamedia die Einnahmen der Anzeiger fehlen, die mit den Printausgaben überhaupt erst gross wurden? Schon, na und?

Dass «20 Minuten» immer noch nett Kohle verdient, so what? Gehört nicht zu Tamedia, sondern ist ein eigenes Profitcenter. Und obwohl redaktionell und auch sonst durchaus Synergien genützt werden, für Tamedias Zentralredaktion und die am Hungertuch nagenden Ruinen der Redaktionen der Kopfblätter heisst es: Finger ab de Röschti.

Etwas sauberer aufgestellt ist das Wanner-Imperium. Der Geldschlucker «watson» wurde nicht in das Joint Venture mit der NZZ aufgenommen. Wahrscheinlich, weil die NZZ das nicht geduldet hätte.

Nicht nur Papier kann man aus Holz machen.

Keine Konzessionen, keine Finanzspritzen aus eigenem Sack

Ringier macht bei der «Blick»-Familie oder bei den überlebenden Medienprodukten auch keine grossen Konzessionen, was Finanzspritzen aus einkommensstärkeren Konzernbereichen betrifft. Selbst beim Lieblingsprojekt «Interview by Ringier» zählt man mehr auf «eine Partnerschaft mit Credit Suisse (Schweiz), IWC Schaffhausen und Volvo Car Switzerland» als auf völlige Unabhängigkeit.

Das alles macht die kühne Behauptung: wir brauchen Steuerkohle, sonst geht der Ofen aus, recht zweifelhaft. Nach einem Fehlstart darf man gespannt sein, was da den versammelten Schreibkräften und Schönschreibern und Konzernjournalisten so alles einfällt, um die Position ihrer Verlage zu verteidigen: Wir verdienen zwar super, aber jammern kann man immer.

Auch so kann ein Mediacenter aussehen. In Peking.

 

Wie great ist Ringier?

Ringier hat ein Zertifikat gekriegt. «Great Place to Work®». Echt jetzt?

Herausragend, weit über dem Durchschnitt, gehört zu den besten Arbeitgebern der Schweiz. Die himmlischen Chöre könnten nicht heller klingen, lauter juchzen.

Die Rate der «Zufriedenheit» liege bei sagenhaften 87 Prozent bei Ringier. Zum Verständnis: Wenn beispielsweise 100 Kindersoldaten in ihren Verrichtungsboxen im Newsroom eine klickträchtige Story nach der anderen raushauen müssen und dabei merken, dass sie sich Journalismus vielleicht etwas anders vorgestellt hatten, sind 87 Prozent dennoch zufrieden. Bloss 13 Querulanten, Meckerer und Unzufriedene hat’s.

Dass auch viele Ringier-Journis zu den Hunderten von Journalisten gehören, die in den letzten Jahren in der Schweiz abgebaut, eingespart, synergiesiert, zusammengelegt, abgelegt wurden, na und? Die sind zwar nicht zufrieden, aber auch nicht Bestandteil der Umfrage, he, he.

Da ist für einmal die «Republik» wirklich nicht schlecht mit ihrer «Chronologie der Schweizer Medienkonzentration». Ein Bild des Grauens. Aber schön, dass Ringier-Mitarbeiter so fröhlich und zufrieden bleiben.

Sind sie das?

Wir haben nicht das Geld und die Möglichkeiten von «Great Place to Work®». Aber wir haben ein repräsentatives Leser-Publikum in Journalistenkreisen. Natürlich auch bei Ringier. Da starten wir doch eine alternative, nicht repräsentative, völlig unwissenschaftliche, aber sicher aussagekräftige Gegenumfrage.

Mit einer ganz einfach zu beantwortenden Frage:

Sie sind Mitarbeiter bei Ringier (alle anderen bitte beiseite stehen).

 

Wie würden Sie Ihre Zufriedenheit mit Ringier bewerten? Ganz allgemein:

  • 6: völlig zufrieden, alles paletti
  • 4: geht so, könnte schlimmer sein
  • 2: grauenhaft, aber wo soll ich sonst hin

ZACKBUM verspricht und garantiert völlige Anonymität. Die Einsender können die Anonymous Box benützen oder ein Mail schreiben; mit Hotmail-Adresse oder wie auch immer. Eines ist dabei klar: ZACKBUM hält sich eisern an den Quellenschutz.

Erzählen Sie es herum; umso mehr mitmachen, desto wuchtiger und gewichtiger wird das Resultat.

Also, kann doch nicht so schwierig sein; kurz überlegt, nach links und rechts geschaut, und eine Zahl in den Betreff setzen und ab an

zeyer@zackbum.ch.

Auf Wunsch machen wir auch Telefonseelsorge.

 

Ringier! THE Place to be!

Journalismus in der Krise? Ach was. Zumindest Ringier ist ein «Great Place to Work®». Gibt’s denn Doppelgänger?

Endlich konnte Corporate Communication richtig in die Harfe greifen: Die Ringier AG sei «für ihre Arbeitsplatzkultur als Great Place to Work® ausgezeichnet. Mit diesem Resultat gehört die Ringier AG zu den besten Arbeitgeberinnen der Schweiz.»

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Let’s dance, let’s work together, we can do it! Stimmungsbild von Ringier.

Alle sind glücklich. Der Mitbesitzer der Zertifizierungsbude: «Insgesamt sehen wir Ringier auf dem Niveau der besten Arbeitgeberinnen in der Schweiz! Damit hat Ringier eine beeindruckende Entwicklung bei der Zufriedenheit seiner Mitarbeitenden in den letzten Jahren vollzogen. Die Bewertungen des Vertrauens untereinander und der erlebten Fairness liegen weit über dem Durchschnitt vergleichbarer Schweizer Unternehmen.» Tatä.

CEO Marc Walder ist auch glücklich: «Die Zufriedenheit und Akzeptanz unserer Mitarbeitenden ist für uns von zentraler Bedeutung. Wir haben hart gearbeitet, viel unternommen und angepasst, um diese zu steigern.» Tatö.

Natürlich ist auch der «Chief People Officer» glücklich: «Unsere Unternehmenskultur ist stark von einem persönlichen Miteinander geprägt – und das möchten wir aufrechterhalten.» Tatä, tatö.

Die Mitarbeiter sind sowieso glücklich.

«Zufriedenheit 87 Prozent, Trust-Index 76 Prozent.»

Das ergab die «anonyme Befragung» in erster Linie unter den Angestellten von Ringier Schweiz. Da soll noch einer sagen, Journalisten würden leiden. Die haben offenbar gelernt, einfach lautstark zu klagen. Dabei geht’s doch super. Spitze. Denn ab 65 Prozent beim «Trust-Index» gibt’s schon die «Zertifizierung Great Place to Work®».

Da müssen an Dufourstrasse wieder mal die Champagnerkorken geknallt haben; der Verkehr musste umgeleitet werden, weil zu viele glückliche, aber beschwipste Mitarbeiter auf der Strasse torkelten und tanzten.

Das hat sicherlich alle davon abgehalten, die Sache mal näher anzuschauen. Ein Zertifikat ist ja immer so gut wie sein Herausgeber. Das ist hier, Überraschung, die Firma «Great Place to Work». Auf ihrer Webseite wirft sie mit dem üblichen Geblubber um sich. «Ihre Arbeitskultur ist unsere Mission». Wunderbar. Als Medienschaffender wendet man sich für weitere Auskünfte natürlich an die Medienstelle.

Aber kein Great Place für Medienanfragen.

Zunächst wundert man sich, wieso die letzte PM von Anfang April stammt – 2019. Die Erklärung bekommt man sofort: der angegebene Medienkontakt «arbeitet nicht mehr für» die Bude, «Ihre Mail wird nicht weitergeleitet». Ob Ben Seiler den «Great Place to Work» doch nicht so great fand? Man weiss es nicht, aber immerhin wird eine Ersatzperson angeboten. Die arbeitet tatsächlich noch und antwortet sehr abstrakt auf konkrete Fragen.

Konkrete Fragen, sehr flauschige Antworten

Zum Beispiel:

«Es gibt wahrlich immer viel zu pflegen auf den Webseiten und wir werden den Kontakt für zukünftige Medienanfragen gerne aktualisieren.» Ach, nach 2,5 Jahren?

Frage: Ringier liege «weit über dem Durchschnitt vergleichbarer Schweizer Unternehmen», welchen?

«Wir nutzen bei Great Place to Work® eine über Jahrzehnte entwickelte Methodik, um die Arbeitsplatzkultur und das Vertrauen in einer Organisation zu erfassen.» Gut zu wissen, war aber nicht die Frage. Ah, aber vielleicht so: Die Rückmeldung der Mitarbeiter liege «weit über einem repräsentativen Benchmark für die Schweiz (Per Markforschung erhoben, repräsentativ für die Bevölkerung über verschiedene Branchen)». Mark- und Beinforschung?

Aha; aber ein Medienunternehmen sollte wohl mit anderen Medienunternehmen «vergleichbar» sein, die fehlen aber in den Listen von der Great-Firma. Na und, da die Firma «pro Jahr mehrere Millionen Arbeitnehmende» befrage, weiss sie: «eine gute Arbeitsplatzkultur ist demnach keine Frage der Branche. Und die Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in einem Medienhaus sind nicht grundsätzlich verschieden als in anderen Organisationen mit vergleichbarer Grösse.» Allerdings:

«In der Schweiz haben wir bisher tatsächlich kein anderes Medienhaus zerfitifiziert.» Ohä, wohl auch nicht zertifiziert.

Aber macht ja nix, nächste Frage: Ringier hat die «Certification only»-Untersuchung in Auftrag gegeben. Laut Eigenbeschreibung eignet sie sich «für Organisationen, die hauptsächlich an der schnellen Auszeichnung zum Great Place to Work® interessiert sind, nur wenige und oberflächliche Einblicke in ihre Arbeitsplatzkultur möchten». Wollte Ringier also nur wenige und oberflächliche Einblicke sowie eine schnelle Auszeichnung?

Aber nein, nein, natürlich nicht. «Der Erhalt einer Zertifizierung macht jedoch im Umkehrschluss keine Aussage dazu, in welchem Umfang wir mit einer Organisation zusammenarbeiten. Ringier möchte mit der Mitarbeitendenbefragung und Analyse einen umfangreichen Einblick und Ergebnisse für Teams und Einheiten erhalten um mit diesen Erkenntnissen weiterzuarbeiten – die Zertifizierung als Great Place to Work ist ein «Sahnehäubchen».»

Alles unklar? Wunderbar. Aber was genau untersucht wurde und was das gekostet hat? Da solle man sich doch an Ringier wenden.

Ringier antwortet noch flauschiger

Nur: leider verzichtet das Unternehmen auf die Beantwortung von 9 konkreten Fragen. Dafür gibt’s eine Kurzzusammenfassung der Jubel-PM, als ob man nur solche blöden Fragen stellen könnte, wenn man die nicht kapiert habe.

Auf jeden Fall sei das eine Super-Sache gewesen: «Das Group Executive Board hat gemeinsam mit HR unternehmensübergreifend Handlungsfelder definiert, die gemeinsam mit interessierten Mitarbeitenden in der nächsten Zeit schwerpunktmässig bearbeitet werden. Zudem setzt sich jeder einzelne Bereich mit seinem individuellen Befragungsergebnis auseinander.»

Wollten wir zwar alles nicht wissen, dafür schon, was denn bezahlt wurde, wie tiefschürfend denn die Befragung war, und dass die Medienseite der Zertifizierungs-Bude in einem jämmerlichen Zustand ist, das bewegt das Medienhaus Ringier auch zu keiner Bemerkung.

Ohne weder oberflächliche noch tiefschürfende Untersuchungen angestellt zu haben, muss ZACKBUM allerdings sagen:

  • «Great Place to Work»: Zertifikat zweifelhaft.
  • Ringier: Zertifikat fragwürdig.
  • ZACKBUM: nicht zerfitifiziert, aber great

Wenn das viel besser als der Benchmark in der Schweiz sein soll, obwohl man nicht weiss, wie der bei «vergleichbaren» Buden erstellt wird, muss es ja grauenhaft zu und hergehen. Ausserhalb von der Insel der Glücklichen, die bei Ringier arbeiten dürfen. Wenn wir das nächste Mal beim Pressehaus vorbeifahren, werden wir darauf achten, wie laut die Jubelchöre sind.

Oh Herr, lass Hirn …

… vom Himmel regnen. Oder schenke der Schweiz Wirtschaftsjournalisten.

Klaus Stöhlker ist entschuldigt. Er hat von wenig eine Ahnung, aber zu vielem eine Meinung. So schreibt er zum Zusammenschluss der Marktplätze von Ringier, TX Group und Mobiliar: «Gesichert ist jetzt schon, dass damit die Medienprodukte von Ringier und TX (Tages-Anzeiger ff.) demnächst teurer werden. Die beiden Verlegerfamilien ziehen sich aus der Querfinanzierung der Redaktionen zurück.»

Gesichert ist damit schon: eine Holdingstruktur oder das Wort Profitcenter, böhmische Dörfer für den Alt-Kommunikator. Oder auf Deutsch: falsch, genau diese Querfinanzierung wird schon lange verweigert, was das zunehmende Elend der Newsplattformen wie «Tages-Anzeiger» verursacht, denen die gleiche Profitabilität wie von Handelsplattformen abverlangt wird.

Die können aber nicht skalieren (erklären wir ein andermal), auch strukturell kaum sparen, nur rausschmeissen und behaupten, das habe null Einfluss auf Quantität und Qualität des Gebotenen.

Wie Stöhlker sich auch mokiert: «Als Teil von TX Group verzichtet «Finanz und Wirtschaft» auf eine Einordnung der Transaktion und der Halbjahresresultate sowie auf eine Bewertung der Aktie.» Schlussfolgerung: «Es ist immerhin klargestellt, dass die Unabhängigkeit der Berichterstattung in beiden Verlagshäusern nicht mehr gesichert ist.»

So fabuliert er auf «Inside Paradeplatz», wo auch der ZACKBUM-Autor präsent ist.

Homer Simpson ist überall.

Dass ausgerechnet ein alter Fuchs wie Stöhlker auf naiv macht und erstaunt sein will, dass weder bei Tamedia noch bei Ringier Artikel erscheinen wie: «Unsere Verlegerclans sind geldgierige Säcke» – oder bei CH Media «Wanners sollten in ihrem Schloss eingemauert werden».

Überall männliche Primadonnen

Auch Eric Gujer reagiert dem Vernehmen nach sehr angepisst, Pardon, angefasst, wenn die Feriengestaltung seiner Majestät durch den Kakao gezogen wird. Nur Roger Köppel ist da die strahlende Ausnahme: der lädt sogar dazu ein, dass man ihn in seinem eigenen Blatt beschimpft. Argumentativ natürlich.

Aber in der fehlenden Unabhängigkeit der Redaktionen von zwei Grosskonzernen in der Schweiz liegt gar nicht das Problem. Es gibt ja noch CH Media und die NZZ  – und die «Weltwoche». Dort waltet der Medienkritiker Kurt W. Zimmermann schon seit Jahren seines Amtes.

Dabei hofft er auf die Gnade des Vergessens, was seine eigene Schneise der Zerstörung betrifft, die er bei von ihm verantworteten Ausflügen in elektronische und digitale Medien hinterliess, Stichwort TV 3.

Aber es gilt ja Verjährung und Resozialisierung, immer wieder mischt er mit knackigen Betrachtungen die lethargische Branche auf. Allerdings ist Ökonomie bis heute nicht seine starke Seite. Denn er behauptet, der Zusammenschluss der Marktplätze sei so ziemlich das grösste Ding in der Schweizer Medienlandschaft seit Gründung der NZZ. In seinen Worten:

«Die zwei Verlagshäuser haben ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das heute schon drei Milliarden Franken wert ist. In ein paar Jahren werden es sechs Milliarden sein. Dann werden Ringier und TX Group so gewaltig Kasse machen, wie noch nie jemand Kasse machte in unserer Medienbranche.»

Hört sich nach einer Wahnsinnsanalyse an, der Knaller, der Brüller, der Aufdecker. Leider: völliger Quark. Beide Zahlen sind Humbug. Zurzeit ist der Zusammenschluss nämlich schlichtweg null wert. Weil er erst angekündigt ist, gar noch nicht existiert. Auf die 3 Milliarden kommt Zimmi, indem er den Einkaufspreis des US-Finanzinvestors hochrechnet. Der soll 300 Millionen für seine 10 Prozent bezahlen.

Wirtschaftskunde, schwere Sache

Allerdings hat er sich nebenbei auch 25 Prozent der Stimmrechte gegriffen, umsonst? Bedeutet das, dass das Joint Venture nun 3 Milliarden wert ist? Natürlich nicht, es bedeutet, dass General Atlantic annimmt, hofft, vermutet, no risk, no fun, dass es mal 3 Milliarden wert sein könnte. Oder glaubt jemand im Ernst, ausser vielleicht Zimmermann, dass General seinen Anteil zurzeit für 300 Millionen verkaufen könnte?

Wo kein Markt ist, ist auch kein Preis, aber wenn Zimmi das jemals gewusst hätte, hätte er nicht so viel fremdes Geld verröstet.

Aber wenn schon grosse Zahlen, dann richtig. Es sei ja ein Börsengang geplant, dabei gelte: «Ziel ist es, den Unternehmenswert in den nächsten drei bis vier Jahren zu verdoppeln.»

Werden also sagenhafte 6 Milliarden beim IPO erlöst, «ernten TX Group, Ringier und die Mobiliar dann jeweils rund 1,8 Milliarden Franken. Der Equity-Investor von General Atlantic geht mit 600 Millionen davon».

Solch blühender Blödsinn stand das letzte Mal in Anlageprospekten für Derivategebastel, bis die Blase platzte. Denn was Zimmi leider nicht einplant: dieser Zusammenschluss ist nicht aus Profitgier und wegen der tollen Zukunftsaussichten erfolgt. Sondern aus Not und Verzweiflung als letzte Gegenwehr. Bevor die grossen Player, die bereits über 90 Prozent des Online-Marketingkuchens in der Schweiz abfrühstücken, auch noch mit ihren eigenen Handelsplattformen die Schweizer Zwerge plattmachen.

Ein letztes Aufbäumen aus Verzweiflung

Ob das gelingen wird, dieser Zwergenaufstand gegen Amazon, Google, Facebook & Co., ist sehr zweifelhaft. Gegen diese kühnen Zukunftsträume von Zimmi ist das Managergeblubbel von Pietro Supino im Interview mit persoenlich.com geradezu eng der Wirklichkeit verhaftet:

«Wir stärken unsere Marktplätze, indem wir die Relevanz für ihre Nutzerinnen und Nutzer und die Effizienz für die Anbieter erhöhen. Das wird uns erlauben, die Produktentwicklung und die Attraktivität als Arbeitgeberin auszubauen. So können wir eine digitale Perspektive für den Standort Schweiz aufzeigen und im internationalen Wettbewerb bestehen.»

Ist Schönsprech für: nachdem wir immer alles verschnarcht haben, pumpen wir uns gemeinsam auf.

Zuvor hatten sich bereits Tamedia, Ringier, CH Media und die NZZ zum Thema blamiert. Nur gut, dass keiner dieser Windmacher unternehmerische Verantwortung trägt.

Öhm, Supino trägt aber …

 

Intransparenz herrscht

Die Verleger-Clans lassen über Privates, Intimes und Persönliches berichten. Aber sie selbst bleiben im Schatten.

Der Ringier-Verlag hat den Schweizer People-Journalismus erfunden und gewährt bis heute Einblicke in Privates und Intimes von Cervelat- und anderer Prominenz. Badewanne, Sofa, Wohn- und Schlafzimmer, immer gut ausgeleuchtet und sympathisch fotografiert, dazu einfühlsame bis liebedienerische Texte.

Das ist eines der Hauptfelder der Berichterstattung. Nur gibt es da einen blinden Fleck. Alles, was mit dem Ringier-Clan zu tun hat, bleibt aussen vor. Wie leben die Ringiers? Wie verstehen sich die Familienmitglieder? Wie sieht ein lustiger Abend mit Marc Walder aus? Trägt Frank A. Meyer auch zu Besuch ein Jackett mit Poschettli, dazu Hosen in unmöglichen Farben?

Der Ringier-Clan für ein Mal vereint.

Welches Aston Martin-Modell fährt Michael Ringier aktuell? War der deutsche Ex-Bundeskanzler Schröder jemals in seinem Büro an der Dufourstrasse? Und wenn ja, bekam er dort eine Currywurst? Das sind vielleicht nicht weltbewegende Fragen, aber so investigativ der Ringier-Verlag bei anderen ist, all das ist absolute Tabuzone.

Auch die anderen Clans leben verschlossen wie eine Auster

Auch Tamedia, T oder die Tx Group hat bei allen Namenwechseln eine Konstante. Der Coninx-Clan besitzt die Aktienmehrheit des börsenkotierten Konzerns und hat ihn fest im Griff. Aber so ausführlich über das Privat- und Intimleben eines Pierin Vincenz, eines Tidjane Thiam und von vielen anderen berichtet wird: die weit verzweigte Familie Coninx ist Tabu. Wie geht es bei einem Familientreffen zu? Wie lang ist die Yacht? Über wie viele Villen, Häuser, Feriendomizile verfügt sie? Schweigen im Blätterwald.

Das gilt genauso für den Wanner-Clan oder den Hersant-Clan in der Westschweiz. Das Intimlebens eines ehemaligen Badener Stadtammanns wird seziert und detailliert ausgebreitet. Aber wie steht es denn bei den Wanners selbst? Wie geht’s auf deren Schloss zu, wenn die Champagnerkorken knallen? Tabuzone, nichts weiss man.

Nun sind wir ja alle dafür, dass die Intimzone, das Private privat bleiben sollte, geschützt werden muss, keine billige Neugier befriedigt, kein Schlüsselloch-Journalismus betrieben wird.

Wohin fliessen 400 Millionen Steuerfranken genau?

Nur: Wenn der Steuerzahler schon rund 400 Millionen pro Jahr aufwerfen soll, um diesen Verlagshäusern unter die Arme zu greifen, wäre es da nicht an der Zeit, etwas mehr über die Lebensumstände der Besitzer zu erfahren? Selbst der Chefredaktor der diskreten NZZ hatte keine Mühe damit, dass seine Frau über das Wellness-Hotel in der NZZ Loblieder sang, in dem das Ehepaar Ferien verbracht hatte; er selbst liess ich zu einem Interview in der Hauspostille herab.

Wie verbringen denn Ringiers, Wanners, Coninx’ oder Hersants ihre Ferien? Golf, Polo, Himalaya-Expedition? Schnorcheln auf den Malediven, Städtetrip nach Hongkong, Test des neusten Sushi-Schuppens in Tokio? Möchte man doch gerne wissen, denn dieser Lebensstil wird ja zu einem gewissen Teil von unseren Steuergeldern finanziert.

Wäre da gelegentlich eine Postkarte mit fröhlichen Feriengrüssen an die lieben Schweizer Steuerzahler nicht angebracht? Muss gar nichts Intimes sein, eine fröhliche Runde in Harry’s Bar in Venedig, ein Diner im Pariser Ritz, ein High Tea im Peninsula, mehr möchte man doch nicht sehen.

Aussen unscheinbar, innen voller Geschichte.

Oder, das zeichnet ja zumindest Ringier und Coninx aus, der Besitzerstolz beim Ankauf eines neuen Kunstwerks, da möchte man doch dabei sein. Denn die meisten der in ihren Gazetten dargestellten oder vorgeführten Personen beziehen keine Subventionen vom Staat.

Wir wollen endlich die Homestorys lesen und sehen

In einem Satz: Wann kommt die Homestory? Wie sieht die Badewanne bei Ringiers zu Hause aus? Auf welchem Sofa entspannt Coninx? Steht Supino auch mal in seiner Küche? Haben Wanners einen Split-TV zu Hause, auf dem zeitgleich alle ihre Privat-TV-Stationen laufen? Wie unterhält man sich bei Hersants? Gibt’s dort eine Bibliothek oder eine Sammlung von Fabergé-Eiern?

ZACKBUM weiss, unser Beitrag zu den 400 Millionen Staatsknete ist überschaubar. Aber nicht null. Dafür hätten wir es doch verdient, dass dieser Vorhang ein klitzekleines Bisschen gehoben wird. Vielleicht zum Anfang nur einen Blick in die Garagen der Hauptwohnsitze. Bitte, das kann doch nicht zu viel verlangt sein.

Sieht’s so aus wie bei Jay Leno zu Hause?

Yachten, Villen, Sportwagen

Sollen arme Milliardäre mit Steuergeldern unterstützt werden?

Nehmen wir an, vier Fabriken stellen Dampflokomotiven her. Das sei eine bewährte Technologie, inzwischen auch sehr umweltfreundlich und fast abgasfrei.

Zudem sei die Herstellung von Dampflokomotiven systemrelevant, denn nur mit ihnen könne der nötige Transport von Gütern und Menschen sichergestellt werden. Unverständlicherweise sei es aber so, dass es mit dem Verkauf von Dampfloks immer mehr hapert. Es drängen Mitbewerber auf den Markt, die so neumodisches Zeugs wie Elektroloks, wasserstoffbetriebene Busse oder gar Drohnen anbieten.

Aber nur Dampfloks garantieren die notwenigen Transporte, darauf bestehen die Hersteller. Zudem bestehe die Gefahr, dass viel billigere Triebwagen aus dem Ausland auf den Schweizer Markt drängen könnten; vor allem aus den USA und aus China. Das gefährde das einzige Zusatzgeschäft, das den Dampflokherstellern eingefallen ist.

Sie betreiben nämlich neben dem Kerngeschäft viele Handelsplattformen und basteln ganze Verwertungsketten mit Produzenten zusammen. Aber diese Geschäfte drohen auch obsolet zu werden, weil Giganten wie Amazon, Facebook und Google den Markt aufrollen. Bevor die vom Übergiganten Alibaba aufgerollt werden.

Verlegerclan-Traum.

Den wohlbezahlten Managern der Dampflok-Remisen sind in den Jahren seit Bestehen des Internets eigentlich nur zwei Massnahmen eingefallen, um den Auswirkungen einer neuen Technologie zu begegnen. Sparen, bis es quietscht, aber eine skelettierte Dampflok weiterhin zu Preisen verkaufen, als wäre es eine vollständig ausgestattete Maschine wie in früheren Zeiten.

Staatlich subventionierte Unfähigkeit

Und jammern. Jammern in allen Tonlagen und Tonhöhen. Sie seien unverzichtbar, ohne Dampfloks gehe der Schweiz der Dampf aus, Dampfloks seien notwendig für die Demokratie, die Gesellschaft, den Zusammenhalt, die Kontrolle.

Zudem könne man doch nichts dafür, dass das Internet so plötzlich und unerwartet und eigentlich erst vorgestern aus dem Gebüsch gesprungen sei. Damit seien für sicher geglaubte Einnahmen abgeschwirrt, auf Nimmerwiedersehen. Dann noch Corona mit all den Lockdowns und Unsicherheiten, damit sei dann eine lebensbedrohende Krise ausgebrochen.

Völlig klar und logisch, dass hier der Staat einspringen muss. Also genauer der Steuerzahler. Denn die vier grossen Verlagshäuser der Schweiz nagen bereits am Hungertuch. Ihre Besitzer machen sich ernsthafte Sorgen, wie sie den Unterhalt von Yachten, Villen, Feriendomizilen, Wagenparks, ihre Kunstsammlungen, Hobbys und Weltreisen weiter finanzieren können.

Alleine der Unterhalt …

Gerüchteweise hört man, dass die Familien Ringier, Coninx-Supino, Wanner und Hersant, also die grossen Verlegerclans, an eine Demo denken. Sie lassen sich bereits bei Gucci und Versace Lumpenkleider nähen, haben Emissäre zu Flohmärkten ausgesandt, um möglichst abgetragene Turnschuhe und zerfranste Käppis zu kaufen, um das Outfit zu vervollständigen. So wollen sie dann auf dem Bundesplatz zu Bern in bester Tradition der Klimajugend ein Sit-in veranstalten. Erst spätnachts, wenn die hauseigenen und die wenigen fremden Medien verschwunden sind, wird das Catering mit Kaviar, Krug und weiteren Köstlichkeiten aufgefahren werden.

Noch mehr Geld für obsolete Geschäftsmodelle

Die Verlegerclans sind sich ziemlich sicher, dass sie die Öffentlichkeit weiterhin für dumm verkaufen können. Denn sie bringen zusammen ein Privatvermögen von rund 4 Milliarden Franken auf die Waage. Alleine die vier grossen Verlage haben im Jahr 2020, trotz Corona und furchtbar, einen operativen Gewinn von über einer Viertelmilliarde erwirtschaftet.

Keiner der jammernden Manager oder Besitzer wäre auch nur im Traum auf die Idee gekommen, aus dem eigenen Sack mal etwas draufzulegen, um weitere Sparmassnahmen, Zusammenlegungen, Entlassungen, Zusammenstreichungen zu verhindern.

Zudem ist es ihnen gelungen, das «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» schlank durchs Parlament zu bugsieren. Knapp 130 Millionen zusätzliche Staatsknete, Steuergelder. Zusammen mit weiteren Subventionen, reduziertem MWST-Satz usw. kassieren die Medienhäuser satte 400 Millionen Franken im Jahr.

Damit sie ihr obsoletes Geschäftsmodell weiterführen können und den Eintritt von Mitbewerbern möglichst verhindern. Denn der Löwenanteil dieser 400 Millionen fliesst in die Kassen der vier grossen Verlegerclans der Schweiz; neue Gratisangebote gehen leer aus.

Wer zahlt, soll wenigstens abstimmen dürfen

Das kann doch alles nicht sein, meint das Referendumskomitee «Staatsmedien nein» und sammelt fleissig Unterschriften dafür, dass die Steuerzahler wenigstens darüber abstimmen können, ob sie mit dieser Subvention mit allen schädlichen Folgen einverstanden sind oder nicht.

Bislang strafen die Verlegerclans das Unterfangen mit finsterem Schweigen. Sobald die 50’000 Unterschriften zusammen sind, was bis 1. Oktober der Fall sein wird, geht’s dann los dem der Gegenwehr. Da wird dann vollmundig von Vierter Gewalt, Systemrelevanz, unabdingbar für das Funktionieren der Demokratie usw. getönt werden.

Wer hat die Längste?

Als ob es für die Demokratie oder Gesellschaft unabdingbar wäre, dass die reichen Verlegerclans mit ihren Bentleys, Aston Martins, Rolls-Royces oder Jaguars von der Villa zur Yacht und zurück fahren können.

Und Managerhorden unterhalten, denen seit 25 Jahren zu einer inzwischen nicht mehr so neuen Technologie nichts anderes einfällt als: ist nicht schön, dass Google und Facebook 90 Prozent des Online-Marktes abräumen; finden wir gar nicht gut.

 

Bibber, schlotter, schimpf

Gegen das sogenannte Mediengesetz wird das Referendum ergriffen. Die Verleger sind überhaupt nicht amused.

In diesen Tagen gab es eine echte Strafaufgabe für die bis hierher überlebenden Journis in den Medienkonzernen. Wer kriegt die Arschkarte und muss über das Referendumskomitee berichten? Welches? Na, das Komitee, das Unterschriften für ein Referendum gegen die zunehmende Staatsfinanzierung von Privat-Clans sammelt.

Wohin das führt, sieht man beim Staatsfunk; Pardon, bei der zwangsgebührenfinanzierten, aber ansonsten völlig unabhängigen und objektiven SRG. Die mit aller nötigen Distanz über die Pandemie-Bekämpfung des Bundesrats, über den Anschluss an die EU, über Umweltgesetze, über Ex-Präsident Trump und über auch sonst alles auf der Welt berichtet.

Aber bei der SRG wird das Geld immerhin nur so sinnlos verröstet, indem zwei Sesselfurzer auf einen tatsächlich medial Arbeitenden kommen. Indem von Nathalie Wappler abwärts und aufwärts kein Kader den geringsten Zusammenhang zwischen der Höhe seines exorbitanten Gehalts und seiner Leistung sehen will. Der oberste Chef steht in der Affäre um den ehemaligen Romandie-News-Star mehr als jämmerlich da? Na und, eine halbe Million ist das alleweil wert. Wappler wappelt von einem Flop zum nächsten? Pah, so viel wie ein Bundesrat verdient, das verdient sie locker.

Das Ende vieler Bemühungen.

Susanne Wille, die noch nie durch besondere Affinität zur Kultur auffiel (und auch noch nie irgend einen Erwachsenen als Vorgesetzte geführt hat), kassiert als Mitglied der Geschäftsleitung knapp 400’000 Franken, während ihr armer Gatte als Aushängeschild von SRF in der «Tagesschau» auf vielleicht 130’000 kommt? Na und?

Noch schlimmer ist es bei den Privat-Clans, die die Schweizer Medienszene beherrschen. Da fliessen weiterhin hübsche Gewinne in den Unterhalt des Lebensstils der Coninx, Ringiers, Wanners und Lebruments. Das war schon immer so, das soll auch so bleiben.

Aber eben, Referendum, Komitee, muntere Versammlung von aktiven Mitarbeitern, könnte sogar klappen, dass die 50’000 Unterschriften zusammenkriegen. Totschweigen geht nun schlecht, aber was tun? Viele haben sich natürlich in die Ticker-Meldung der SDA geflüchtet. Berichterstatterpflicht erfüllt, kann keiner Zensur krähen, uff.

Im Wanner-Imperium CH Media mussten Otmar von Matt und Dennis Frasch ans Gerät. Bei dem schönen Wetter. Scheiss-Idee von Arschlöchern, das können die natürlich nicht schreiben. Also umschreiben sie es:

Das Komitee bestehe aus «zwanzig Unternehmern und Verlegern. Sie sind fast alle parteiungebunden, gehören aber dem rechtsbürgerlichen Milieu an – und verfügen über beträchtliche finanzielle Potenz». Hübsche demagogische Spitze Nummer eins. Von Matt ist zwar Lohnabhängiger von Wanners Gnaden, aber ansonsten ganz parteiungebunden. Selten so gelacht. Über beträchtliche finanzielle Potenz verfügt er eher nicht, sondern muss sich als Mietmaul verdingen.

Also, rechtsbürgerlich, Haufen Kohle. Federführend scheinen ein gewisser Philipp Gut (ehemals stellvertretender Chefredaktor der WeWo) und Bruno Hug, ein «schillernder Verleger aus der Ostschweiz», zu sein. Am Schluss schwant von Matt Übles: «Damit rollt eine Politlawine auf die Medienkonzerne zu.»

Gut, dass er einen Lawinenmelder auf Mann hat. (Noch) gewohnt neutral berichtet die NZZ: «Widerstand gegen mehr Bundesgeld für Medien: Komitee will Referendum lancieren»

Tamedia hingegen ist noch in Schockstarre und – berichtet nichts. Ist ja auch so viel los wieder, «die Rache der Landschweiz» bei den Abstimmungen, Frauenstreiktag, man (und frau) kommt ja zu nichts. Ausserdem konnte Supino vielleicht nicht auf der Coninx-Yacht erreicht werden; der Handyempfang in der Karibik ist halt so eine Sache.

Ringier, «Blick»? Ach, das Organ mit dem Regenrohr vermeldet auch Wichtigeres, als Start oben: «Heute landet der US-Präsident in der Schweiz». Wahnsinn, gut, dass wir das wissen. Und heiss werden soll es auch, wie wär’s da mit einem Mini-Klimagerät?

Also bleibt dem geneigten Leser von ZACKBUM.ch im Moment nur, sich hiermit schlau zu machen:

Zweimal «Blick», zwei Blicke in die seriöse Zukunft.

Denn keine Bange, wenn geklärt ist, wer den Büttel spielen muss und gegen das Referendum wäffeln, kommt dann schon noch Stimmung auf. Garantiert.