Beiträge

Oh Herr, lass Hirn …

… vom Himmel regnen. Oder schenke der Schweiz Wirtschaftsjournalisten.

Klaus Stöhlker ist entschuldigt. Er hat von wenig eine Ahnung, aber zu vielem eine Meinung. So schreibt er zum Zusammenschluss der Marktplätze von Ringier, TX Group und Mobiliar: «Gesichert ist jetzt schon, dass damit die Medienprodukte von Ringier und TX (Tages-Anzeiger ff.) demnächst teurer werden. Die beiden Verlegerfamilien ziehen sich aus der Querfinanzierung der Redaktionen zurück.»

Gesichert ist damit schon: eine Holdingstruktur oder das Wort Profitcenter, böhmische Dörfer für den Alt-Kommunikator. Oder auf Deutsch: falsch, genau diese Querfinanzierung wird schon lange verweigert, was das zunehmende Elend der Newsplattformen wie «Tages-Anzeiger» verursacht, denen die gleiche Profitabilität wie von Handelsplattformen abverlangt wird.

Die können aber nicht skalieren (erklären wir ein andermal), auch strukturell kaum sparen, nur rausschmeissen und behaupten, das habe null Einfluss auf Quantität und Qualität des Gebotenen.

Wie Stöhlker sich auch mokiert: «Als Teil von TX Group verzichtet «Finanz und Wirtschaft» auf eine Einordnung der Transaktion und der Halbjahresresultate sowie auf eine Bewertung der Aktie.» Schlussfolgerung: «Es ist immerhin klargestellt, dass die Unabhängigkeit der Berichterstattung in beiden Verlagshäusern nicht mehr gesichert ist.»

So fabuliert er auf «Inside Paradeplatz», wo auch der ZACKBUM-Autor präsent ist.

Homer Simpson ist überall.

Dass ausgerechnet ein alter Fuchs wie Stöhlker auf naiv macht und erstaunt sein will, dass weder bei Tamedia noch bei Ringier Artikel erscheinen wie: «Unsere Verlegerclans sind geldgierige Säcke» – oder bei CH Media «Wanners sollten in ihrem Schloss eingemauert werden».

Überall männliche Primadonnen

Auch Eric Gujer reagiert dem Vernehmen nach sehr angepisst, Pardon, angefasst, wenn die Feriengestaltung seiner Majestät durch den Kakao gezogen wird. Nur Roger Köppel ist da die strahlende Ausnahme: der lädt sogar dazu ein, dass man ihn in seinem eigenen Blatt beschimpft. Argumentativ natürlich.

Aber in der fehlenden Unabhängigkeit der Redaktionen von zwei Grosskonzernen in der Schweiz liegt gar nicht das Problem. Es gibt ja noch CH Media und die NZZ  – und die «Weltwoche». Dort waltet der Medienkritiker Kurt W. Zimmermann schon seit Jahren seines Amtes.

Dabei hofft er auf die Gnade des Vergessens, was seine eigene Schneise der Zerstörung betrifft, die er bei von ihm verantworteten Ausflügen in elektronische und digitale Medien hinterliess, Stichwort TV 3.

Aber es gilt ja Verjährung und Resozialisierung, immer wieder mischt er mit knackigen Betrachtungen die lethargische Branche auf. Allerdings ist Ökonomie bis heute nicht seine starke Seite. Denn er behauptet, der Zusammenschluss der Marktplätze sei so ziemlich das grösste Ding in der Schweizer Medienlandschaft seit Gründung der NZZ. In seinen Worten:

«Die zwei Verlagshäuser haben ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das heute schon drei Milliarden Franken wert ist. In ein paar Jahren werden es sechs Milliarden sein. Dann werden Ringier und TX Group so gewaltig Kasse machen, wie noch nie jemand Kasse machte in unserer Medienbranche.»

Hört sich nach einer Wahnsinnsanalyse an, der Knaller, der Brüller, der Aufdecker. Leider: völliger Quark. Beide Zahlen sind Humbug. Zurzeit ist der Zusammenschluss nämlich schlichtweg null wert. Weil er erst angekündigt ist, gar noch nicht existiert. Auf die 3 Milliarden kommt Zimmi, indem er den Einkaufspreis des US-Finanzinvestors hochrechnet. Der soll 300 Millionen für seine 10 Prozent bezahlen.

Wirtschaftskunde, schwere Sache

Allerdings hat er sich nebenbei auch 25 Prozent der Stimmrechte gegriffen, umsonst? Bedeutet das, dass das Joint Venture nun 3 Milliarden wert ist? Natürlich nicht, es bedeutet, dass General Atlantic annimmt, hofft, vermutet, no risk, no fun, dass es mal 3 Milliarden wert sein könnte. Oder glaubt jemand im Ernst, ausser vielleicht Zimmermann, dass General seinen Anteil zurzeit für 300 Millionen verkaufen könnte?

Wo kein Markt ist, ist auch kein Preis, aber wenn Zimmi das jemals gewusst hätte, hätte er nicht so viel fremdes Geld verröstet.

Aber wenn schon grosse Zahlen, dann richtig. Es sei ja ein Börsengang geplant, dabei gelte: «Ziel ist es, den Unternehmenswert in den nächsten drei bis vier Jahren zu verdoppeln.»

Werden also sagenhafte 6 Milliarden beim IPO erlöst, «ernten TX Group, Ringier und die Mobiliar dann jeweils rund 1,8 Milliarden Franken. Der Equity-Investor von General Atlantic geht mit 600 Millionen davon».

Solch blühender Blödsinn stand das letzte Mal in Anlageprospekten für Derivategebastel, bis die Blase platzte. Denn was Zimmi leider nicht einplant: dieser Zusammenschluss ist nicht aus Profitgier und wegen der tollen Zukunftsaussichten erfolgt. Sondern aus Not und Verzweiflung als letzte Gegenwehr. Bevor die grossen Player, die bereits über 90 Prozent des Online-Marketingkuchens in der Schweiz abfrühstücken, auch noch mit ihren eigenen Handelsplattformen die Schweizer Zwerge plattmachen.

Ein letztes Aufbäumen aus Verzweiflung

Ob das gelingen wird, dieser Zwergenaufstand gegen Amazon, Google, Facebook & Co., ist sehr zweifelhaft. Gegen diese kühnen Zukunftsträume von Zimmi ist das Managergeblubbel von Pietro Supino im Interview mit persoenlich.com geradezu eng der Wirklichkeit verhaftet:

«Wir stärken unsere Marktplätze, indem wir die Relevanz für ihre Nutzerinnen und Nutzer und die Effizienz für die Anbieter erhöhen. Das wird uns erlauben, die Produktentwicklung und die Attraktivität als Arbeitgeberin auszubauen. So können wir eine digitale Perspektive für den Standort Schweiz aufzeigen und im internationalen Wettbewerb bestehen.»

Ist Schönsprech für: nachdem wir immer alles verschnarcht haben, pumpen wir uns gemeinsam auf.

Zuvor hatten sich bereits Tamedia, Ringier, CH Media und die NZZ zum Thema blamiert. Nur gut, dass keiner dieser Windmacher unternehmerische Verantwortung trägt.

Öhm, Supino trägt aber …

 

Intransparenz herrscht

Die Verleger-Clans lassen über Privates, Intimes und Persönliches berichten. Aber sie selbst bleiben im Schatten.

Der Ringier-Verlag hat den Schweizer People-Journalismus erfunden und gewährt bis heute Einblicke in Privates und Intimes von Cervelat- und anderer Prominenz. Badewanne, Sofa, Wohn- und Schlafzimmer, immer gut ausgeleuchtet und sympathisch fotografiert, dazu einfühlsame bis liebedienerische Texte.

Das ist eines der Hauptfelder der Berichterstattung. Nur gibt es da einen blinden Fleck. Alles, was mit dem Ringier-Clan zu tun hat, bleibt aussen vor. Wie leben die Ringiers? Wie verstehen sich die Familienmitglieder? Wie sieht ein lustiger Abend mit Marc Walder aus? Trägt Frank A. Meyer auch zu Besuch ein Jackett mit Poschettli, dazu Hosen in unmöglichen Farben?

Der Ringier-Clan für ein Mal vereint.

Welches Aston Martin-Modell fährt Michael Ringier aktuell? War der deutsche Ex-Bundeskanzler Schröder jemals in seinem Büro an der Dufourstrasse? Und wenn ja, bekam er dort eine Currywurst? Das sind vielleicht nicht weltbewegende Fragen, aber so investigativ der Ringier-Verlag bei anderen ist, all das ist absolute Tabuzone.

Auch die anderen Clans leben verschlossen wie eine Auster

Auch Tamedia, T oder die Tx Group hat bei allen Namenwechseln eine Konstante. Der Coninx-Clan besitzt die Aktienmehrheit des börsenkotierten Konzerns und hat ihn fest im Griff. Aber so ausführlich über das Privat- und Intimleben eines Pierin Vincenz, eines Tidjane Thiam und von vielen anderen berichtet wird: die weit verzweigte Familie Coninx ist Tabu. Wie geht es bei einem Familientreffen zu? Wie lang ist die Yacht? Über wie viele Villen, Häuser, Feriendomizile verfügt sie? Schweigen im Blätterwald.

Das gilt genauso für den Wanner-Clan oder den Hersant-Clan in der Westschweiz. Das Intimlebens eines ehemaligen Badener Stadtammanns wird seziert und detailliert ausgebreitet. Aber wie steht es denn bei den Wanners selbst? Wie geht’s auf deren Schloss zu, wenn die Champagnerkorken knallen? Tabuzone, nichts weiss man.

Nun sind wir ja alle dafür, dass die Intimzone, das Private privat bleiben sollte, geschützt werden muss, keine billige Neugier befriedigt, kein Schlüsselloch-Journalismus betrieben wird.

Wohin fliessen 400 Millionen Steuerfranken genau?

Nur: Wenn der Steuerzahler schon rund 400 Millionen pro Jahr aufwerfen soll, um diesen Verlagshäusern unter die Arme zu greifen, wäre es da nicht an der Zeit, etwas mehr über die Lebensumstände der Besitzer zu erfahren? Selbst der Chefredaktor der diskreten NZZ hatte keine Mühe damit, dass seine Frau über das Wellness-Hotel in der NZZ Loblieder sang, in dem das Ehepaar Ferien verbracht hatte; er selbst liess ich zu einem Interview in der Hauspostille herab.

Wie verbringen denn Ringiers, Wanners, Coninx’ oder Hersants ihre Ferien? Golf, Polo, Himalaya-Expedition? Schnorcheln auf den Malediven, Städtetrip nach Hongkong, Test des neusten Sushi-Schuppens in Tokio? Möchte man doch gerne wissen, denn dieser Lebensstil wird ja zu einem gewissen Teil von unseren Steuergeldern finanziert.

Wäre da gelegentlich eine Postkarte mit fröhlichen Feriengrüssen an die lieben Schweizer Steuerzahler nicht angebracht? Muss gar nichts Intimes sein, eine fröhliche Runde in Harry’s Bar in Venedig, ein Diner im Pariser Ritz, ein High Tea im Peninsula, mehr möchte man doch nicht sehen.

Aussen unscheinbar, innen voller Geschichte.

Oder, das zeichnet ja zumindest Ringier und Coninx aus, der Besitzerstolz beim Ankauf eines neuen Kunstwerks, da möchte man doch dabei sein. Denn die meisten der in ihren Gazetten dargestellten oder vorgeführten Personen beziehen keine Subventionen vom Staat.

Wir wollen endlich die Homestorys lesen und sehen

In einem Satz: Wann kommt die Homestory? Wie sieht die Badewanne bei Ringiers zu Hause aus? Auf welchem Sofa entspannt Coninx? Steht Supino auch mal in seiner Küche? Haben Wanners einen Split-TV zu Hause, auf dem zeitgleich alle ihre Privat-TV-Stationen laufen? Wie unterhält man sich bei Hersants? Gibt’s dort eine Bibliothek oder eine Sammlung von Fabergé-Eiern?

ZACKBUM weiss, unser Beitrag zu den 400 Millionen Staatsknete ist überschaubar. Aber nicht null. Dafür hätten wir es doch verdient, dass dieser Vorhang ein klitzekleines Bisschen gehoben wird. Vielleicht zum Anfang nur einen Blick in die Garagen der Hauptwohnsitze. Bitte, das kann doch nicht zu viel verlangt sein.

Sieht’s so aus wie bei Jay Leno zu Hause?

Yachten, Villen, Sportwagen

Sollen arme Milliardäre mit Steuergeldern unterstützt werden?

Nehmen wir an, vier Fabriken stellen Dampflokomotiven her. Das sei eine bewährte Technologie, inzwischen auch sehr umweltfreundlich und fast abgasfrei.

Zudem sei die Herstellung von Dampflokomotiven systemrelevant, denn nur mit ihnen könne der nötige Transport von Gütern und Menschen sichergestellt werden. Unverständlicherweise sei es aber so, dass es mit dem Verkauf von Dampfloks immer mehr hapert. Es drängen Mitbewerber auf den Markt, die so neumodisches Zeugs wie Elektroloks, wasserstoffbetriebene Busse oder gar Drohnen anbieten.

Aber nur Dampfloks garantieren die notwenigen Transporte, darauf bestehen die Hersteller. Zudem bestehe die Gefahr, dass viel billigere Triebwagen aus dem Ausland auf den Schweizer Markt drängen könnten; vor allem aus den USA und aus China. Das gefährde das einzige Zusatzgeschäft, das den Dampflokherstellern eingefallen ist.

Sie betreiben nämlich neben dem Kerngeschäft viele Handelsplattformen und basteln ganze Verwertungsketten mit Produzenten zusammen. Aber diese Geschäfte drohen auch obsolet zu werden, weil Giganten wie Amazon, Facebook und Google den Markt aufrollen. Bevor die vom Übergiganten Alibaba aufgerollt werden.

Verlegerclan-Traum.

Den wohlbezahlten Managern der Dampflok-Remisen sind in den Jahren seit Bestehen des Internets eigentlich nur zwei Massnahmen eingefallen, um den Auswirkungen einer neuen Technologie zu begegnen. Sparen, bis es quietscht, aber eine skelettierte Dampflok weiterhin zu Preisen verkaufen, als wäre es eine vollständig ausgestattete Maschine wie in früheren Zeiten.

Staatlich subventionierte Unfähigkeit

Und jammern. Jammern in allen Tonlagen und Tonhöhen. Sie seien unverzichtbar, ohne Dampfloks gehe der Schweiz der Dampf aus, Dampfloks seien notwendig für die Demokratie, die Gesellschaft, den Zusammenhalt, die Kontrolle.

Zudem könne man doch nichts dafür, dass das Internet so plötzlich und unerwartet und eigentlich erst vorgestern aus dem Gebüsch gesprungen sei. Damit seien für sicher geglaubte Einnahmen abgeschwirrt, auf Nimmerwiedersehen. Dann noch Corona mit all den Lockdowns und Unsicherheiten, damit sei dann eine lebensbedrohende Krise ausgebrochen.

Völlig klar und logisch, dass hier der Staat einspringen muss. Also genauer der Steuerzahler. Denn die vier grossen Verlagshäuser der Schweiz nagen bereits am Hungertuch. Ihre Besitzer machen sich ernsthafte Sorgen, wie sie den Unterhalt von Yachten, Villen, Feriendomizilen, Wagenparks, ihre Kunstsammlungen, Hobbys und Weltreisen weiter finanzieren können.

Alleine der Unterhalt …

Gerüchteweise hört man, dass die Familien Ringier, Coninx-Supino, Wanner und Hersant, also die grossen Verlegerclans, an eine Demo denken. Sie lassen sich bereits bei Gucci und Versace Lumpenkleider nähen, haben Emissäre zu Flohmärkten ausgesandt, um möglichst abgetragene Turnschuhe und zerfranste Käppis zu kaufen, um das Outfit zu vervollständigen. So wollen sie dann auf dem Bundesplatz zu Bern in bester Tradition der Klimajugend ein Sit-in veranstalten. Erst spätnachts, wenn die hauseigenen und die wenigen fremden Medien verschwunden sind, wird das Catering mit Kaviar, Krug und weiteren Köstlichkeiten aufgefahren werden.

Noch mehr Geld für obsolete Geschäftsmodelle

Die Verlegerclans sind sich ziemlich sicher, dass sie die Öffentlichkeit weiterhin für dumm verkaufen können. Denn sie bringen zusammen ein Privatvermögen von rund 4 Milliarden Franken auf die Waage. Alleine die vier grossen Verlage haben im Jahr 2020, trotz Corona und furchtbar, einen operativen Gewinn von über einer Viertelmilliarde erwirtschaftet.

Keiner der jammernden Manager oder Besitzer wäre auch nur im Traum auf die Idee gekommen, aus dem eigenen Sack mal etwas draufzulegen, um weitere Sparmassnahmen, Zusammenlegungen, Entlassungen, Zusammenstreichungen zu verhindern.

Zudem ist es ihnen gelungen, das «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» schlank durchs Parlament zu bugsieren. Knapp 130 Millionen zusätzliche Staatsknete, Steuergelder. Zusammen mit weiteren Subventionen, reduziertem MWST-Satz usw. kassieren die Medienhäuser satte 400 Millionen Franken im Jahr.

Damit sie ihr obsoletes Geschäftsmodell weiterführen können und den Eintritt von Mitbewerbern möglichst verhindern. Denn der Löwenanteil dieser 400 Millionen fliesst in die Kassen der vier grossen Verlegerclans der Schweiz; neue Gratisangebote gehen leer aus.

Wer zahlt, soll wenigstens abstimmen dürfen

Das kann doch alles nicht sein, meint das Referendumskomitee «Staatsmedien nein» und sammelt fleissig Unterschriften dafür, dass die Steuerzahler wenigstens darüber abstimmen können, ob sie mit dieser Subvention mit allen schädlichen Folgen einverstanden sind oder nicht.

Bislang strafen die Verlegerclans das Unterfangen mit finsterem Schweigen. Sobald die 50’000 Unterschriften zusammen sind, was bis 1. Oktober der Fall sein wird, geht’s dann los dem der Gegenwehr. Da wird dann vollmundig von Vierter Gewalt, Systemrelevanz, unabdingbar für das Funktionieren der Demokratie usw. getönt werden.

Wer hat die Längste?

Als ob es für die Demokratie oder Gesellschaft unabdingbar wäre, dass die reichen Verlegerclans mit ihren Bentleys, Aston Martins, Rolls-Royces oder Jaguars von der Villa zur Yacht und zurück fahren können.

Und Managerhorden unterhalten, denen seit 25 Jahren zu einer inzwischen nicht mehr so neuen Technologie nichts anderes einfällt als: ist nicht schön, dass Google und Facebook 90 Prozent des Online-Marktes abräumen; finden wir gar nicht gut.

 

Bibber, schlotter, schimpf

Gegen das sogenannte Mediengesetz wird das Referendum ergriffen. Die Verleger sind überhaupt nicht amused.

In diesen Tagen gab es eine echte Strafaufgabe für die bis hierher überlebenden Journis in den Medienkonzernen. Wer kriegt die Arschkarte und muss über das Referendumskomitee berichten? Welches? Na, das Komitee, das Unterschriften für ein Referendum gegen die zunehmende Staatsfinanzierung von Privat-Clans sammelt.

Wohin das führt, sieht man beim Staatsfunk; Pardon, bei der zwangsgebührenfinanzierten, aber ansonsten völlig unabhängigen und objektiven SRG. Die mit aller nötigen Distanz über die Pandemie-Bekämpfung des Bundesrats, über den Anschluss an die EU, über Umweltgesetze, über Ex-Präsident Trump und über auch sonst alles auf der Welt berichtet.

Aber bei der SRG wird das Geld immerhin nur so sinnlos verröstet, indem zwei Sesselfurzer auf einen tatsächlich medial Arbeitenden kommen. Indem von Nathalie Wappler abwärts und aufwärts kein Kader den geringsten Zusammenhang zwischen der Höhe seines exorbitanten Gehalts und seiner Leistung sehen will. Der oberste Chef steht in der Affäre um den ehemaligen Romandie-News-Star mehr als jämmerlich da? Na und, eine halbe Million ist das alleweil wert. Wappler wappelt von einem Flop zum nächsten? Pah, so viel wie ein Bundesrat verdient, das verdient sie locker.

Das Ende vieler Bemühungen.

Susanne Wille, die noch nie durch besondere Affinität zur Kultur auffiel (und auch noch nie irgend einen Erwachsenen als Vorgesetzte geführt hat), kassiert als Mitglied der Geschäftsleitung knapp 400’000 Franken, während ihr armer Gatte als Aushängeschild von SRF in der «Tagesschau» auf vielleicht 130’000 kommt? Na und?

Noch schlimmer ist es bei den Privat-Clans, die die Schweizer Medienszene beherrschen. Da fliessen weiterhin hübsche Gewinne in den Unterhalt des Lebensstils der Coninx, Ringiers, Wanners und Lebruments. Das war schon immer so, das soll auch so bleiben.

Aber eben, Referendum, Komitee, muntere Versammlung von aktiven Mitarbeitern, könnte sogar klappen, dass die 50’000 Unterschriften zusammenkriegen. Totschweigen geht nun schlecht, aber was tun? Viele haben sich natürlich in die Ticker-Meldung der SDA geflüchtet. Berichterstatterpflicht erfüllt, kann keiner Zensur krähen, uff.

Im Wanner-Imperium CH Media mussten Otmar von Matt und Dennis Frasch ans Gerät. Bei dem schönen Wetter. Scheiss-Idee von Arschlöchern, das können die natürlich nicht schreiben. Also umschreiben sie es:

Das Komitee bestehe aus «zwanzig Unternehmern und Verlegern. Sie sind fast alle parteiungebunden, gehören aber dem rechtsbürgerlichen Milieu an – und verfügen über beträchtliche finanzielle Potenz». Hübsche demagogische Spitze Nummer eins. Von Matt ist zwar Lohnabhängiger von Wanners Gnaden, aber ansonsten ganz parteiungebunden. Selten so gelacht. Über beträchtliche finanzielle Potenz verfügt er eher nicht, sondern muss sich als Mietmaul verdingen.

Also, rechtsbürgerlich, Haufen Kohle. Federführend scheinen ein gewisser Philipp Gut (ehemals stellvertretender Chefredaktor der WeWo) und Bruno Hug, ein «schillernder Verleger aus der Ostschweiz», zu sein. Am Schluss schwant von Matt Übles: «Damit rollt eine Politlawine auf die Medienkonzerne zu.»

Gut, dass er einen Lawinenmelder auf Mann hat. (Noch) gewohnt neutral berichtet die NZZ: «Widerstand gegen mehr Bundesgeld für Medien: Komitee will Referendum lancieren»

Tamedia hingegen ist noch in Schockstarre und – berichtet nichts. Ist ja auch so viel los wieder, «die Rache der Landschweiz» bei den Abstimmungen, Frauenstreiktag, man (und frau) kommt ja zu nichts. Ausserdem konnte Supino vielleicht nicht auf der Coninx-Yacht erreicht werden; der Handyempfang in der Karibik ist halt so eine Sache.

Ringier, «Blick»? Ach, das Organ mit dem Regenrohr vermeldet auch Wichtigeres, als Start oben: «Heute landet der US-Präsident in der Schweiz». Wahnsinn, gut, dass wir das wissen. Und heiss werden soll es auch, wie wär’s da mit einem Mini-Klimagerät?

Also bleibt dem geneigten Leser von ZACKBUM.ch im Moment nur, sich hiermit schlau zu machen:

Zweimal «Blick», zwei Blicke in die seriöse Zukunft.

Denn keine Bange, wenn geklärt ist, wer den Büttel spielen muss und gegen das Referendum wäffeln, kommt dann schon noch Stimmung auf. Garantiert.

 

Den Verleger-Clans in die Suppe gespuckt

Sah alles gut aus, das neue «Mediengesetz», also der Zustupf für milliardenschwere Verlegerclans, ist soweit durch. Aber …

Pietro Supino äusserte sich schon Jackett- und staatstragend zu weiteren Hindernissen für eine verantwortungsbewusste, vertrauenserweckende, nötige, unabdingbare freie Presse. Denn das Subventionszusatzpaket ist soweit im Parlament durch.

Über die nächsten Jahre hinweg Hunderte von Millionen zusätzlich als Staatssubventionen für darbende Medien. Gebeutelt vom Zusammenbruch des klassischen Print-Werbemarkts, dann noch Corona, Sparmassnahmen, Entlassungen, furchtbar.

Hilfe, die Vierte Gewalt ist vor dem Abgrund, wo bleibt die dringend nötige Kontrollinstanz einer freien Gesellschaft? Aufklärung, Analyse, Einordnung, Orientierung. Blabla. Wir verlumpfen, rufen die Lebruments, Wanners, Coninx, Ringiers im Chor. Von überall her. Von der Yacht, aus dem Aston Martin, aus der Villa, aus dem Rolls, vom Golfclub, vom Feriendomizil in New York, Spanien, Italien, Thailand.

Das Füllhorn wurde gefüllt und eigentlich übers Ziel getragen

Wir brauche Hilfe, wird herzerweichend gejammert, unser Lebensstil ist dann auch nicht umsonst, und wenn der eine schon wieder eine längere Yacht gekauft hat, kann der andere doch nicht hintanstehen. Dazu liebedienerische Unterstützung der Corona-Bekämpfung der Regierung, mitsamt dem Mitfahren aller Slaloms und Schlangenlinien. Und Lobbying, was ja auch keine Quantenphysik war: liebe Politiker, ihr braucht uns doch als Multiplikatoren, Wahlkampfhelfer, ohne die Medien seid ihr doch nix. Also benehmt euch.

Alles super, alles gut. Gut? Nein, nun will ein kleiner Haufen Wildentschlossener in die Harmoniesuppe spucken. Das Kernteam besteht aus Peter Weigelt, Bruno Hug, Thomas Minder, Philipp Gut, Muriel Frei und noch ein paar Nasen mehr. Sie haben das Referendumskomitte «Nein zu staatlich finanzierten Medien» ins Leben gerufen. Und sind finster entschlossen, die 50’000 nötigen Unterschriften zusammenzukriegen, denn:

«nein zu Steuermilliarden für Medien-Millionäre».

Wohl so ähnlich wie bei Roger Schawinskis Kampf gegen die Abschaltung der UKW-Frequenzen herrscht zurzeit konsterniertes Schweigen in Verlegerkreisen. Aber sicherlich werden demnächst Lohnschreiber, Kommunikationsfuzzis und ganze Redaktionen in Bewegung gesetzt, die sich gegen diesen Anschlag auf die Pressefreiheit zur Wehr setzen werden.

Wobei das Komitee natürlich völlig recht hat. Es ist unglaublich, dass milliardenschwere Medienclans auf arme Schlucker machen und dringlich Staatsknete einfordern, damit dem angeblich so überlebenswichtigem Auftrag der freien Presse weiter nachgelebt werden könne. Diesem edlen Ansinnen moralisches Gewicht zu verleihen, indem die steinreichen Clans vielleicht mal eine Million oder zwei selbst reinbuttern, aber wirklich, was für eine absurde Idee.

Unfähig, aber einkommensstark

Dass sie die Managerkaste feuern, der über Jahre hinweg keine vernünftige Antwort dazu eingefallen ist, dass es doch nicht sein kann, dass Google, Facebook und Co. 90 Prozent der Online-Marketingeinnahmen absahnen – aber nein, dann würde ja auch Supino & Co. verlumpen, das geht natürlich auch nicht. Dass die Subventionen massgeschneidert in erster Linie von den Elefanten auf dem Medienmarkt abgesaugt werden, na und? Dass Gratis-Organe wie «Die Ostschweiz» (oder ZACKBUM) vom Geldregen abgeschirmt werden und leer ausgehen, Künstlerpech.

Nun, jetzt kommt sicher schnell Stimmung in den Laden, und man darf jetzt schon gespannt sein, wie lachhaft die Versuche ausfallen werden, mit denen die Grossverlage ihre Schreibknechte dazu anhalten werden, ganz, ganz objektiv und unparteiisch, eben als Vierte Gewalt, über dieses Referendum zu berichten. Da kann es natürlich nur zwei Varianten geben. Herrscht die Meinung vor, dass das Referendum nicht zustande kommt oder chancenlos ist, wird in aller souveränen Objektivität berichtet werden.

Besteht aber die Gefahr, dass es eingereicht wird und bei der Abstimmung durchaus Chancen hat, dann wird auf giftige Schlammspritzerei umgeschaltet werden. Wetten, dass ..?

Keule Kurzarbeit: falsch abgebogen

Wenn Medien an mehr als einem Staatstropf hängen, wird’s ganz düster.

Mit lautem Gejammer und Gequengel, mit der Verwandlung in sehr obrigkeitshörige Verlautbarungsorgane kassieren die Schweizer Medien immer mehr Staatsknete. In Form von Subventionierung – und in Form von Kurzarbeitsunterstützung.

Wieso beispielsweise der Gebührenfunk SRG nebst obligatorischen Abgaben auch noch Kurzarbeitsgelder erhält, gehört zu den befremdlicheren Massnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Natürlich bekommen auch die grossen privaten Medienkonzerne Kurzarbeitsgelder.

So mutig sie sonst immer für Transparenz in allen Lebenslagen sind; ausser ZACKBUM hat sich kein anderes Medium gross dafür interessiert, wer wie viel und warum abkassiert. Bei aller Konkurrenz zwischen den überlebenden Vier, weder das Wanner-Imperium, noch Tamedia, weder Ringier noch NZZ haben grosse Lust, auf diesem Gebiet dem anderen an den Karren zu fahren.

Wie geht das mit Kurzarbeit im Journalismus?

Denn gerade im Journalismus ist Kurzarbeit so eine Sache. Das Prinzip ist zwar klar. Wenn ein mit einem Pensum von 40 Wochenstunden angestellter Redaktor auf 80 Prozent Kurzarbeit runtergestuhlt wird, muss er nach 5 Arbeitsstunden den Griffel fallen lassen und nach Hause gehen.

Das mag in der Erbsenzählerei und anderen eher eintönigen Berufen kein Problem darstellen. Wobei natürlich überall die latente Gefahr lauert, dass der Arbeitgeber mit seinem Mitarbeiter eine bilaterale Vereinbarung trifft. Offiziell ist nach 5 Stunden Schluss, inoffiziell wird ganz normal weitergearbeitet. Das ist reiner Beschiss und strafbar. Aber wie nachweisbar?

Im Journalismus kommt noch erschwerend hinzu, dass normalerweise kein Stückgut abgeliefert wird. Es ist vielfach unvorhersehbar, wann eine Recherche zum Abschluss kommt. Es ist kaum vorstellbar, dass der Redaktor fast am Ziel ist, auf die Uhr schaut und sagt: oh, blöd, bin schon fünf Minuten über meinem Pensum, da geht’s dann erst nächste Woche weiter.

Andererseits ist es in der so klatschsüchtigen Branche fast unmöglich, flächendeckend solche Betrugsmodelle durchzuziehen. Wie genau allerdings die Abgrenzung zwischen erlaubter Arbeitszeit und zumindest einer Grauzone funktioniert, nun ja. Deshalb sind auch die Fälle eher selten, dass ein Medium einem anderen in die Suppe spucken will und es die Konkurrenz mit Missbrauchsvorwürfen attackiert.

Wenn es einen Flop zu landen gilt, ist die «Republik» zur Stelle

Die Ausnahme von der Regel ist natürlich die «Republik». Die pinkelte in einer ihrer grossen «Recherchen» das Newsportal nau.ch an. Das war im Juli 2020, das Verleumdungsportal unterstellte dem ganz nach vorne vorstossenden neuen News-Portal, es habe zu «mutmasslich unerlaubte Handlungen motiviert». Was man halt so schreibt, damit der Hausanwalt zwar mit dem Kopf wackelt, die – Überraschung – nur durch anonyme Denunzianten belegte Behauptung aber durchwinkt. Die «Republik» warf nau.ch vor, dass es seine Mitarbeiter dazu «motivierte», als Komplizen bei einem Beschiss bezüglich Kurzarbeit mitzumachen. Aber, sonst wär’s ja nicht die «Republik», auch dieser «Skandal» implodierte. Verröchelte. Wie immer erwiesen sich die Behauptungen ehemaliger Mitarbeiter, die nicht friedlich geschieden waren, als völlig haltlos. Wieso es den Verlegern der «Republik» noch nicht aufgefallen ist, dass bis heute alle, ausnahmslos alle dieser «Skandale» implodierten? Niemals mehr als ein weiterer verzweifelter Versuch waren, nach Aufmerksamkeit zu gieren, um dann auf das schnelle Vergessen zu hoffen?

Jetzt auch noch «Inside Paradeplatz»?

Überraschenderweise macht neuerdings auch «Inside Paradeplatz» bei diesem Dreckwerfen mit. Ein noch nie in Erscheinung getretener Lukas Elser, Redaktor bei den «Zürcher Oberland Medien», packt den Zweihänder gegen «20 Minuten» aus:

«Die Medienriesen machen gerne die Hand auf, wenn es um staatliche Subventionen geht. Dabei ist zweifelhaft, ob man sich in Sachen Kurzarbeit korrekt verhält.»

Eher peinlich ist dann, dass Elser nicht so sicher ist, mit welcher Prozentzahl da Aktionariat wann einer Dividendenausschüttung zugestimmt habe. Schon kurz nach Publikation dieses Sammelsuriums von Behauptungen, Unterstellungen und Andeutungen musste IP nach kräftigem Räuspern des Geschäftsführeres von «20 Minuten» recht Federn lassen und die meisten der Behauptungen abtemperieren, korrigieren oder windelweich umformulieren.

In schlechtester «Republik»-Manier arbeitet auch Elser mit einem «Insider»: «Die erlaubte Arbeitszeit wurde regelmässig überschritten. Zahlreiche Teams arbeiteten deutlich mehr, teilweise 100 Prozent oder sogar darüber, weil Corona Stoff zuhauf lieferte», behauptet der. Was halt eine anonyme Quelle so plappert. Nicht nachprüfbar, aber mal rufschädigend. In solchen Fällen könnte es ungemein helfen, einen Verantwortlichen um Stellung zu bitten. Das unterlässt der wohl noch die Grundlagen des Artikelschreibens üben müssende Redaktor wohlweisslich. Er gibt Marcel Kohler zwar Gelegenheit, ein dem in den Mund gelegtes Quote zu bestreiten.

Thesenjournalismus mit Scheuklappen

Aber der Geschäftsführer von «20 Minuten» hätte sicher auch gerne einiges Weitere richtiggestellt – wenn das dem Thesenjournalismus von Elser nicht um Wege gestanden wäre. Deshalb geben wir Kohler hier gerne Gelegenheit, auf unsere Fragen zu replizieren.

«Der Artikel, der heute auf Inside Paradeplatz publiziert wurde, enthält offensichtliche Fehler.

Im Jahr 2020 (April bis Dezember) hat das Unternehmen insgesamt, also Verlag und Redaktion zusammen, rund 20 Prozent Kurzarbeitsentschädigung bezogen. Die Redaktion lag durchschnittlich deutlich tiefer, weil es aufgrund von Corona ein hohes Informationsbedürfnis bei unseren Nutzer*innen gab. Die Kurzarbeit wurde gestaffelt organisiert, dh. es gab einen prozentual höheren Anteil Kurzarbeit im Verlag sowie bei den Ressorts, bei denen es aufgrund der Corona-Massnahmen weniger zu berichten gab, wie beispielsweise den Lokalressorts oder bei der Eventberichterstattung. Während der ganzen Phase der Kurzarbeit hat 20 Minuten den Lohn aller Mitarbeitenden auf 100 Prozent ausgeglichen.»

Damit wäre der Mist geführt. Es kommt noch hinzu, dass es sicherlich nicht gelungen wäre, flächendeckend bei der Kurzarbeit zu bescheissen. Der nächste im Unfrieden gegangene Redaktor würde dann das Gleiche herumtrompeten wie dieser anonyme Denunziant. Nur wäre das dann auch belegbar.

Richtig schmutzig wird aber das Geschäft von Elser mit dieser Fiesigkeit: «Als die «Republik» im Sommer über Kurzarbeits-Verletzungen beim Nachrichtenportal Nau.ch berichtet habe, sei bei den Verantwortlichen von 20 Minuten Nervosität ausgebrochen», soll der «Insider» behauptet haben.

Mit Scheuklappen und Untergriffen

Wenn Elser ihn nicht erfunden hat, mag das so sein. Allerdings wäre es redlich gewesen, wenn Elser darauf hingewiesen hätte, dass die «Republik» damals, genau wie Elser, lediglich anonyme Denunziationen kolportiert hatte, keinesfalls über laut Elser «Kurzarbeits-Verletzungen berichtete». Denn es gab sie nicht.

Aber Elser will nicht lockerlassen: «Der Fall von Nau.ch soll derweil vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) untersucht worden sein.» Das ist nun wieder echter Schweinejournalismus, leider ausserhalb der «Republik» und auf IP. Der widerliche Gebrauch des Modalverbs «soll», die Behauptung einer Untersuchung, die als Indiz für unrechtmässiges Verhalten dienen soll. Ob sie stattgefunden hat oder nicht, ist nicht bekannt.

Bekannt wäre aber geworden, wenn das Seco tatsächlich auf Missstände gestossen wäre. In einem anständigen Journalismus ginge so etwas nicht. Das ist Schmiere; das ist wie: Ein «Insider» wirft Lukas Hässig vor, dass der beschissen haben soll. Anscheinend habe sogar das Seco eine Untersuchung durchgeführt. Resultat noch offen, aber wo Rauch ist, ist sicher auch Feuer.

Was Elser dazu motiviert hat, diese unbelegten Verleumdungen rauszupusten, der Gerechtigkeit halber noch ergänzt mit einem ähnlichen Anwurf Richtung Ringier? Man weiss es nicht, man will es angesichts dieser kläglichen Leistung auch gar nicht wissen.

Aber lieber Lukas Hässig, lass dir von solchen Tieffliegern nicht das Renommee deiner Plattform beschädigen. Dafür hast du zu lange und zu hart gearbeitet.

 

 

Geld her, oder ich fall um

Lausige Qualität ist das eine. Geldgier das andere. Wie die Privat-Medien am Staatstropf hängen.

Ist es eigentlich eine gute Idee, dass die sogenannte Vierte Gewalt, die Kontrollinstanz der demokratischen Gesellschaft, die Aufdecker, Kritiker, unabhängig, nur ihrem journalistischen Gewissen verpflichtet, immer mehr am Staatstropf hängt?

Ist es überhaupt eine gute Idee, dass das, was reintropft, nach Abzug des Aufwands, in privaten Taschen landet? In den tiefen Taschen von vier Clans. Da wäre der Ringier-Clan, der Coninx-Clan, der Wanner-Clan und der Lebrument-Clan. Dann hätten wir noch den Sonderfall NZZ, und das war’s dann schon mit der pluralistischen Meinungsbildung im Bereich Tageszeitungen.

Wie formuliert da Bruno Hug, Präsident Verband Schweizer Onlinmedien (VSOM):

«Die Verleger werden zu Schosshündchen der Politik.»

Und die Journalisten sind schon längst zu Zierleisten geworden, die sich geschmeidig in die Richtung biegen, die dem Besitzer-Clan zusagt.

Der Gebührensender ist nicht wirklich ein Gegengewicht

Natürlich, es gibt als Informationsquelle noch die gesammelten Gebührensender von SRG, aber sind die wirklich ein valables Gegengewicht? Seitdem auch hier immer mehr die Bauchnabelbetrachtung Einzug gehalten hat, ist das noch mehr zu bezweifeln. Sandro Brotz, als Beispiel, sollte sich als Chef im Ring der «Arena» besonderer Zurückhaltung befleissigen in öffentlichen Meinungsbekundungen.

Nun beschimpft er Demonstranten gegen die Corona-Massnahmen der Regierung als «Flacherdler», also als Idioten. Kaum entfacht er damit einen Shitstorm, zieht er sich beleidigt zurück und darf sich dann in einer Sendung «Journalisten therapieren Journalisten» ausheulen.

Zurück zu den Steuergeldern, die in diese privaten Verlagshäuser ins Portemonnaie geworfen werden. Da gäbe es die Zustellungssubventionierung. 50 Millionen im Jahr. Plus rund 80 Millionen Corona-Hilfe. Plus, plus, plus, das läppert sich am Schluss ganz schön. Ein ganz dicker Brocken sind die zusätzlich-zusätzlichen Hilfen und Guetzli. Hier noch 20 Millionen drauf, und wenn wir schon in Fahrt sind, machen wir doch gleich 172 Millionen Corona-Hilfen. Für die nächsten zehn Jahre, versteht sich. Manche kriegen aus schierer Grösse nochmal speziell etwas obendrauf.

Geld schiesst aus allen Rohren in die Privat-Medien

Ticker-Meldungen von Keystone-SDA: geschenkt. Damit füllen viele Organe schon die Hälfte ihrer News-Seiten. Kurzarbeit? Natürlich geht das, gibt’s auch dafür noch Guetzli, wieso denn nicht.  Da freut sich der Steuerzahler. Unschlagbares Geschäftsmodell:

der Käufer liest in seiner Zeitung das, was er vorher subventioniert hat.

Gleichzeitig dünnt sich der Inhalt immer mehr aus, kassieren einige Medienhäuser (nicht alle) Kurzarbeitsgeld, auch mit freundlichen Grüssen des Steuerzahlers. Der dann natürlich nochmal abdrücken muss, und zwar happig, wenn er den blamabel-banalen Inhalt der Tageszeitung morgen im Briefkasten haben will. Oder ihn im Internet abrufen möchte.

Wer sich zuvorderst bei den Geldtöpfen anstellen darf? Das führte natürlich zu ein paar unschönen Szenen, bei denen gerempelt, getreten und gebissen wurde. Gesamtergebnis: der Steuerzahler drückt immer mehr an Mitleid erheischende Medienkonzerne ab. Bezahlt doppelt und dreifach für das Produkt.

Die Tageszeitungskonzerne wissen natürlich, wo ihr Platz ist. Um gut Wetter für die letzte Subventionsrunde zu machen, lobten sie die Massnahmen des Bundesrats über den roten Klee. Den sie vorher noch harsch kritisiert hatten. Inzwischen sind sie alle auf Linie. Coronamassnahmen-Skeptiker? Alles Corona-Leugner, brandgefährlich. Jede Art von Gegenwehr gegen staatliche Zwangsmassnahmen und den Verlust fundamentaler Freiheitsrechte? Alles verkappte Rechtsnationale, Hetzer, mit üblen Hintergedanken.

Was sind die wahren Ursachen für den blamablen Zustand?

Und wodurch ist diese Misere überhaupt erst entstanden? Durch Corona? Nicht wirklich. Sie ist daraus entstanden, dass die Clans über viele Jahre hinweg neben den Zeitungsdruckmaschinen eigentlich auch Gelddruckmaschinen hätten aufstellen können. Sie verdienten sich ganze Berge goldener Nasen. Dafür gaben sie das Geld natürlich nicht aus.  Aber für Villen, Yachten, Feriendomizile, Kunstsammlungen, schicke Autos, was man halt so alles braucht.

Kaum einen Rappen gaben sie für etwas mindestens so Wichtiges aus: wie soll’s denn weitergehen, nach Internet und seiner Gratiskultur? Ach, wird doch von selbst wieder verschwinden, dachten die Clans, davon lassen wir uns doch nicht vom Geldzählen abhalten.

Zukunftsperspektiven? Neue Spielregeln, neues Spiel? Wie bringt man Internet, elektronische Medien und Print sinnvoll unter einen Hut? Was haben eigentlich die ganzen Jahre die hochbezahlten Manager gemacht, die doch sonst gerne und ungefragt ihren Latz überall reinhalten? Und von der staatstragenden Aufgabe der Medien salbaderen?

Die Zeitungsbünde wurden immer dünner, die Redaktionen immer menschenleerer, die Eigenleistung immer kläglicher. Meinungskommentare, Fachleute interviewen, Hehlerei mit der Beute von Geschäftsgeheimnissen betreiben. Die Beine weit, aber ganz weit spreizen, wenn es um die Verwischung des Unterschieds zwischen redaktionellem Teil und bezahlter Werbung geht. Eigenleistung? Überschaubar, bescheiden, ärmlich.

Einmaliges Geschäftsprinzip: weniger Leistung, dafür teurer

Das hindert aber selbst die Kopfblätter nicht daran, die Abopreise immer wieder zu erhöhen. Kapitalismus absurd: mehr Geld für weniger Leistung. Da laufen die Direktzahler scharenweise davon. Lösung: mehr Staatskohle, noch weniger Content, Bezahlschranke hoch, runter, hoch und runter.

Wohin soll die Reise gehen? Könnte es sein, aus welchen Gründen auch immer, dass jeglicher zukunftsfähiger Ansatz fehlt? Bei allen? Da wüssten wir was: «Neues Deutschland» und «Prawda» gibt es heute noch. Beide nicht mehr im Besitz des sozialistischen Staates. So rum geht’s also. Wieso nicht die «Neue Schweiz» und «Die Wahrheit»? Die Unterschiede zwischen einem Tamedia-Kopfblatt und einem von CH Media sind ja heute schon nur schwer auszumachen.

Da kann gewaltig gespart werden. Die Konzerne werden verstaatlicht, die Clans bekommen ein letztes Mal einen Riesenbatzen Geld, und niemand muss mehr das verlogene Lied der staatsunabhängigen Vierten Gewalt singen.

Der geheime Aufschrei der Ringier-Frauen

Vergeblich versuchten die Bosse, dieses Dokument zu unterdrücken. Aber nach Tamedia melden sich nun Ringier-Frauen zum Protest.

Die ganze Branche wunderte sich. Im Streichelzoo Tamedia beschweren sich Dutzende von Mitarbeiterinnen über «strukturellen Sexismus», legen Zeugnis ab von unerträglichen Arbeitsbedingungen, von Unterdrückung, Missachtung, Übergriffen, Diskriminierung.

Aber bei Ringier, wo immer noch der Boulevard-Journalismus zu Hause ist? Lautstark erzählte Zoten, Blondinen- und andere Herrenwitze, anzügliche Blicke, Gesten, dumme Sprüche wie «der Rock könnte kürzer sein, aber der Artikel länger» oder gar «willst du mal mit was anderem als einem Bleistift spielen», das ist doch weiter an der Tagesordnung.

Zudem wird die Atmosphäre täglich durch Crime- und Sex-Storys aufgeheizt, über unvorstellbare Perversionen und als Ratgeber verkleidet über hemmungsloses Ausleben der Sexualität geschrieben. Doch mehr als drei Wochen nach dem Protestbrief aus dem Hause Tamedia herrschte an der Dufourstrasse (und an den anderen Standorten des Konzerns) Grabesstille unter den Frauen.

Werden bei Ringier die Frauen wirklich besser behandelt als bei Tamedia?

Könnte es wirklich sein, dass an der Werdstrasse ein testosteronbefeuerter Sündenpfuhl herrscht, während bei Ringier Frauen ausschliesslich mit Respekt, Anstand und Höflichkeit begegnet wird? Frauen zudem die gleichen Aufstiegschancen wie Männer bekommen? Als Gender-Vorbild gilt hier Ladina Heimgartner.

Raketengleich ihr Aufstieg. 2020 an Bord gekommen, als Leiterin Corporate Services. Kaum hatte sie die Kommandobrücke betreten, wurde sie schon nach oben weiterbefördert, CEO der Blick-Gruppe. Dann auch noch «Head of Global Media und Mitglied des Group Executive Board von Ringier». Davon könnten sich die protestierenden Tagi-Frauen eine Scheibe abschneiden.

Umso irritierender, was ZACKBUM hier enthüllt. Es gibt nämlich das Pendant zur Protestnote bei Tamedia. Wie es zum Stil des Hauses passt, ist das Schreiben der Ringier-Frauen durchaus knalliger abgefasst. Hier der Ausriss des Anfangs.

Der Anfang des Protestschreibens bei Ringier. Es folgt eine weitere Seite.

Die Vorwürfe gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Sexistische Sprüche, Machogehabe, Gelächter und Naserümpfen bei sogenannten Frauenthemen, unsägliche Abqualifizierungen wie «geh doch menstruieren, du hysterische Kampflesbe» oder «deine einzige Chance hier wäre, dich hochzuschlafen. Aber dafür bist du viel zu hässlich». Oder: «Dein Artikel liest sich, als hätte ihn ein Hamster geschrieben. Dreht sich und dreht sich, kommt aber nicht voran.»

Laut Briefkopf ist das Schreiben am 8. März verfasst worden, also passend zum internationalen «Tag der Frau». Aber wieso ist es bis heute nicht in Umlauf oder an die Öffentlichkeit gekommen? Auch da offenbaren sich Unterschiede zu Tamedia. Denn bei Ringier gibt es keine Liste von Unterzeichneten. Nur eine einzige Frau wagt es, sich hinzustellen; sie unterzeichnet mit «Im Namen der Mehrheit der Ringier-Mitarbeiterinnen». Und Ihr Name ist –Ladina Heimgartner.

Mutige Frau: Ladina Heimgartner (Foto: Ringier) 

Wir konnten ein kurzes Gespräch mit ihr führen, um mehr über die Hintergründe zu erfahren.

ZACKBUM: Sie haben im Namen von weiteren Frauen bei Ringier unterzeichnet. Wie viele sind es?

Heimgartner: Wie ich schreibe, es ist die Mehrheit der weiblichen Ringier-Angestellten. Die Zahl können Sie aus dem Geschäftsbericht entnehmen.

Befürchten Sie keine Repressionen, keinen Unterbruch Ihrer beeindruckenden Karriere?

Kurz geantwortet: nein. Die längere Version: Natürlich habe ich es mir lange und sorgfältig überlegt, ob ich mich so exponieren will. Aber: wenn nicht ich, wer dann? Ich bin ja sozusagen die ranghöchste Frau im Haus, mal abgesehen von Ellen Ringier natürlich.

Sind denn die Zustände bei Ringier so schlimm?

Sie sind noch schlimmer. Ich wollte es längere Zeit gar nicht glauben, da ich mir vom SRF her einen ganz anderen Umgang gewohnt war. Aber nachdem hier im Hause immer mehr Mitarbeiterinnen Vertrauen fassten und mir unfassbare Geschichten erzählten, teilweise mit identischen Inhalt und mit den gleichen Tätern, musste ich umdenken.

Beschreiben Sie, nennen Sie doch Namen.

Auf keinen Fall. Ich finde es sehr bedauerlich, dass dieses Schreiben nun auch den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Denn es ist völlig klar: ein solcher Protest ist am wirkungsvollsten, wenn er intern erfolgt. So muss niemand das Gesicht verlieren, man kann sich ernsthaft zusammensetzen, um Lösungen zu suchen.

Die Vorwürfe sind deutlich massiver als bei den Kollegen von Tamedia.

Das mag daran liegen, dass wir hier im Hause vielleicht eine andere Art von Journalismus betreiben. Vielleicht sind wir direkter, schneller unterwegs zum Ziel, müssen angesichts der Textlängen möglichst ohne Umwege zum Kern vorstossen. Das beeinflusst sicherlich das verbale Klima.

Reden wir noch über die Forderungen. Was erwarten Sie von der Geschäftsleitung, von der Besitzerfamilie?

Unser Ansprechpartner ist Marc Walder, CEO, Mitbesitzer und Vertrauter der Familie Ringier. Wir können es gut miteinander, er hat sofort Hand zum Dialog geboten.

Leider war es aus Zeitgründen nicht möglich, dieses Interview von Heimgartner autorisieren zu lassen. Aber wir sind uns sicher, dass sie damit einverstanden ist.

 

 

Tamedia hat Krise

Mitgefühl ist eine schöne menschliche Eigenschaft. Ergiessen wir es über Machomedia.

Dumm gelaufen, anders kann man das kaum bezeichnen. Höchstens als: when the shit hits the fan. Das ist ein so wunderbares wie schicklich nicht zu übersetzendes Sprachbild in den USA. Trifft voll ins, na ja, Braune bei Tamedia.

Da war die ganze Rumpfzentralredaktion mitsamt stellvertretenden Zweit-Co-Chefredaktoren so schön feministisch unterwegs. Nein zur Burka-Initiative. Falscher Absender, und überhaupt, wollen wir Frauen verbieten, wie sie sich anziehen wollen? Freiwilligkeit durch Zwang ersetzen? Niemals. Ach, die grosse alte Dame des Feminismus ist dafür? Na, da kann Alice Schwarzer ja noch einiges von den Tagi-Zwergen lernen.

Leider ging dann die Abstimmung verloren, so uneinsichtig ist der Stimmbürger, der dumpfe Macho. Schön, dass wenigstens bei Tamedia geschützte Werkstatt herrscht. Meldestellen für jede Form von Übergriffen, Belästigungen, Mobbing. Ein männlicher Vorgesetzter, der zur schwangeren Untergebenen sagt: «Unter Mühen sollst du Kinder gebären», kann sich nicht hinter dem Bibel-Zitat verstecken und steht schon vor einer Abmahnung.

Schon vor Jahren wurde das Problem erkannt

Nicht zu vergessen das übliche Blabla beim Thema Corporate Responsibility. Vor fast zwei Jahren veröffentlichte Tamedia die Ergebnisse einer erschreckenden Umfrage. Fassungslos kommentierte Simone Rau: «In einer Onlineumfrage des Recherchedesks und des Datenteams von Tamedia berichten 244 weibliche und 34 männliche Medienschaffende, dass sie sexuelle Übergriffe und Belästigungen bei der Arbeit erlebt haben. Das sind 53 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer, die teilgenommen haben.»

Titel des Kommentars:

«Was sexuelle Belästigung ist, sagen die Betroffenen.»

Hier ist auf engstem Raum das ganze Elend dieser Position enthalten. Tamedia hat rund 1800 Mitarbeiter. 244 der weiblichen Teilnehmer wollen Belästigungen am Arbeitsplatz erlebt haben. Geschützt durch Anonymität.

Unterstützt von der absurden Behauptung, dass angeblich Betroffene die Meinungshoheit haben, was Belästigung sei und was nicht. Der Täter kann so weder seine Unschuld beweisen, noch überhaupt mitreden. Schuldig durch Anschuldigung, seit den Zeiten der Inquisition gab es einen solchen Unsinn nicht mehr.

Belästigung oder Lebensrettung? Der Betroffene (liegend) entscheidet.

Aber leider scheint sich in dieser Zeit nicht viel geändert zu haben. Denn Simone Rau gehört zu den 78 Erst-Unterzeichnern eines Protestschreibens voller ausschliesslich anonymer Klagen über Belästigungen ausschliesslich von Frauen. An die Öffentlichkeit ausgerechnet von Jolanda Spiess-Hegglin gebracht, ohne dass alle Unterzeichner damit einverstanden waren.

Männer werden wohl nicht mehr belästigt

Aber immerhin: damals beklagten sich noch 34 Männer über Belästigungen, diese Unart scheinen die Tamedia-Frauen (und -männer) abgelegt zu haben. Merkwürdigerweise konnten aber die betriebsinternen Meldestellen im Jahr 2020 keine einzige Beschwerde über Belästigung am Arbeitsplatz verzeichnen. Keine. Null. Nada. Aber vielleicht fanden ja alle anonymen Beispiele vor Ende 2019 statt.

Soweit, so Sündenpfuhl. Wie reagierte nun die Führungsspitze von Tamedia? Wie es sich für wohlbezahlte und kompetente Manager gehört? Wie es sich für erfahrene Journalisten in der Chefredaktion gehört? Was hätte sich denn gehört? Kostenloser Ratschlag Nummer eins:

  1. Wir haben von den Anschuldigungen Kenntnis genommen.

  2. Wir bedauern, dass der Weg in die Öffentlichkeit gesucht wurde, statt die dafür vorgesehenen internen Meldestellen zu benützen.

  3. Wir nehmen die Vorwürfe ernst und werden sie sorgfältig prüfen. Vor dem Ergebnis werden wir keine Stellungnahme abgeben.

Auch eiserne Regeln von Tamedia sind dazu da, um sie zu brechen …

So hätte es sein sollen, wenn führende Manager und natürlich Chefredaktoren nicht völlig beratungsresistent wären und alles selber besserwissen. Wollen. Also konstatierte der Oberchefredaktor verschreckt «ein Problem», als sei das neu für ihn. Dann machte er sich ohne Not lächerlich, indem er sich präventiv für angeblich unakzeptable Verhaltensweisen entschuldigte. Ohne den Hauch eines Belegs in der Hand zu haben.

Mit einer solchen Einstellung würde der Oberchefredaktor jeden hoffnungsvollen Anfänger hochkant aus der Probezeit feuern; begleitet von ein paar unfreundlichen Bemerkungen über völlige Inkompetenz. Das kann aber Arthur Rutishauser nicht passieren, weil auch der oberste Boss von Tamedia Pietro Supino in Betroffenheitsgesülze ausbrach, liebedienerisch anmerkte, dass auch er diese Vorwürfe sehr ernst nehme.

Da hilft nur eins …

Kostenloser Ratschlag Nummer zwei:

Das war kreuzfalsch, bescheuert. Hinter die Nummer kommt nun die Führungscrew schwer wieder zurück. Da hilft nur eins. Das gleiche Prinzip, wie wenn der Gast bemerkt, dass er sich beim Löffeln der Tomatensuppe Krawatte und Hemd bekleckert hat. Einfach so tun, als wär’ nichts und weitermachen.

Aber damit noch nicht genug des Elends. Eine Mitunterzeichnerin des Protestschreibens wird damit beauftragt, die Substanz der Vorwürfe zu überprüfen. Das ist ungefähr so, wie wenn man Donald Trump die Überprüfung der Vorwürfe gegen ihn überlassen würde. Nur umgekehrt. Denn entweder ist Claudia Blumer ein U-Boot der Verlagsleitung in der Frauengruppe, oder aber sie ist völlig ungeeignet, diese Untersuchung durchzuführen.

Ratschlag Nummer drei:

Das macht man so, wie’s jeder macht, der ernst genommen werden will. Das macht man so wie der Kita-Betreiber Globe Garden, der von der «Republik» mit anonymen Verleumdungen eingedeckt worden war. Das macht man so wie die «Bild»-Zeitung, deren Chefredaktor mit weiblichen Vorwürfen konfrontiert wurde. Man beauftragt eine externe Untersuchung einer renommierten Firma, deren Reputation über jeden Zweifel erhaben ist.

Die Herausforderung für Tamedia: wie weiter?

Wie soll’s nun weitergehen? Sozusagen als verdächtige Umstände ist zu konstatieren: weder bei CH Media, noch bei Ringier, auch nicht bei der NZZ und noch nicht einmal bei der «Weltwoche» gab es ähnliche Protestbewegungen. Auch nicht beim Schweizer Farbfernsehen. Daraus sind ja nur zwei Schlussfolgerungen möglich. Entweder ist Tamedia der Sündenpfuhl, die Hölle auf Erden für weibliche Mitarbeiter, als Alleinstellungsmerkmal laufen nur dort männliche Neandertaler rum, keulenschwingend und immer für einen Übergriff zu haben.

Oder aber, das «strukturelle Problem», das die 72 Erstunterzeichner sehen wollen, existiert nur in ihrer Einbildung. Dient den Initiantinnen nur dazu, sich Kündigungsschutz zu verschaffen, weil sie journalistisch keine Bäume ausreissen. Dafür spricht auch, dass der Brief als interne Beschwerde angepriesen wurde, um dann kaltlächelnd an die Öffentlichkeit durchgereicht zu werden.

Letzter kostenlose Ratschlag:

Will die Führungscrew von Tamedia nicht völlig die Kontrolle über Teile der Belegschaft und das Arbeitsklima verlieren, muss sie sich zu mannhaften Entscheidungen aufraffen. Die Initiantinnen werden per sofort bis zum Ende der Untersuchung freigestellt. Sollte sich erweisen, dass die überwiegende Mehrheit der Vorwürfe nicht verifizierbar ist, erfunden wurde oder aus dem letzten Jahrtausend stammt, dann müssen sie fristlos entlassen werden. Üble Nachrede, Geschäftsschädigung, Verstoss gegen Treu und Glauben, kein Arbeitsgericht würde das bestreiten wollen.

Die übrigen Unterzeichner hätten als nächstes eine öffentliche Entschuldigung zu unterzeichnen, so kämen sie mit einer strengen Abmahnung davon. Wer das nicht tut, dem wird ordentlich gekündigt.

Wir sind gespannt. Aber ab hier wären Ratschläge kostenpflichtig.

Eine Medienkritik und ihre Geschichte

Dritte Lieferung. Hier werden Fundstücke obduziert, um ihre Todesursache zu finden. Heute die Medienkritik in der «Weltwoche».

Medienkritik hat sich zu einem Gefäss für gelegentliche Ausfälle denaturiert. Gilt es, einen neuen, ungeliebten Konkurrenten fertigzumachen, okay. Aber sonst? Traut sich keiner, will keiner, kann keiner.

Logisch, ausser ZA … nein, kein Eigenlob. Sondern: sozusagen der letzte Mohikaner der regelmässigen Medienkritik ist Kurt. W. Zimmermann. Inzwischen viel länger bei der «Weltwoche» unterwegs als beim «Schweizer Journalist» (SJ).

Sympathisch macht ihn, dass er ohne Rücksichten auf Verluste oder eigene Flops gegen alle und alles austeilt. Dabei liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Frank A. Meyer, wer von beiden mehr Millionen verröstet hat. Der eine bei Tamedia, der andere bei Ringier.

Eine weitere Ähnlichkeit ist: beide neigen dazu, aus eigenem Antrieb oder auch aus fremdem Fertigmacherjournalismus zu betreiben. Frank A. Meyer musste nach der Borer-Affäre wegen übertriebener Härte kurzzeitig auf die Strafbank.

Die Hintergründe zum Wechsel Projers, brühwarm serviert

Das ist Zimmermann noch nie passiert. Aktuell – logisch – nimmt er sich natürlich auch DER News im Medienkuchen an. Wie kann es nur sein, dass Jonas Projer von Blick-TV direkt in den Olymp der Chefredaktion der NZZaS einzieht?

Wofür sogar der dort amtierende und nichtsahnende Chefredaktor weggeräumt werden musste? Ideal für Zimmi, seine Muskeln spielen zu lassen und den bösartigen Insider zu geben. Allerdings mit Hygienemaske vor dem Mund, damit ihm keiner was kann. Weil’s durchaus raffiniert gemacht ist, eine kurze Obduktion.

Steht Zimi mehr auf Michael Mann und Al Pacino?

Der Einstieg muss schon alles klar machen. Projer habe sich mit seinem ersten Auftritt in einer Videobotschaft lächerlich gemacht. Er müsse noch viel lernen, habe er gesagt, seither werde er auf der NZZaS-Redaktion als Dilettant verspottet. Weiss Zimmermann. Weiss dort aber keiner. Ist halt immer so eine Sache mit anonymen Quellen.

Aber schliesslich stimme das auch, wetzt Zimmi das Messer. Projer habe in seinen 15 Jahren Journalismus keine Sekunde auf einer Zeitungsredaktion gearbeitet. Stimmt zwar nicht ganz, hört sich aber gut an.

Erste Zwischenbilanz: das sei so, wie wenn man einen Mann ins Cockpit setze, der vorher als Buschauffeur gearbeitet habe. Abgesehen davon, dass Christian Dorer immer noch als Buschauffeur arbeitet: diese Welten trennen die NZZaS von allen anderen Medien? Wow.

Nun noch die Frage: wieso denn eigentlich dieser Wechsel?

Also, Pfeife am Gerät. Nun zur Frage: warum bloss? Da war Zimmi offenbar das Mäuschen bei Gipfeltreffen in den Häusern NZZ und Ringier. Denn er weiss: die NZZ war angepisst, weil sich unter Luzi Bernet das Blatt immer mehr in ein «bunt-rot-grünes-Jekami» verwandelt habe. Weiss Zimmi, aber auch nur er.

Oder auf Gene Hackman und Francis Ford Coppola?

Auf diesem einsamen Weg geht er weiter durchs «soll doch einer das Gegenteil beweisen»-Gebüsch. Zunächst habe die NZZ Patrik Müller von CH Media und Christian Dorer vom «Blick» die Chefredaktion der NZZaS angeboten. Komisch, dass die beiden davon nichts wissen, und Dorer nun wirklich nicht in Frage gekommen wäre.

Jetzt kommt ein raffinierter Doppelschlag. Wieso hätten die beiden abgelehnt? Aus Loyalität zu ihren Verlagshäusern. Projer, als «zweite Wahl», habe hingegen «kein Problem mit Illoyalität».

Eine interessante, neue Definition dieses Begriffs. Wer bleibt, ist loyal. Wer selber kündigt, ist illoyal. Aha, und wie kann man dann das Verhalten des Ringier-Konzerns bezeichnen, der alleine in den letzten 20 Jahren eine beeindruckende Latte von «Blick»-Chefredaktoren verschlissen hat? Die haben loyal alle nicht gekündigt, die wurden – offenbar bei einem Konzern keinesfalls Ausdruck von Illoyalität – allesamt gefeuert.

Illoyal war das, aber was ist der tiefere Grund für die Kündigung?

Projer ist schlichtweg die erste Führungsfigur beim «Blick», die es gewagt hat, selber zu gehen. Obwohl doch Marc Walder Blick-TV als sein Herzensprojekt, als seinen Liebling bezeichnet. Da kann man dann nicht nur von Illoyalität, sondern geradezu von Liebesentzug reden. Aus der Sicht von Ringier.

Aber wieso ist nun Projer gegangen, er war ja (noch) nicht loyal gefeuert worden beim «Blick». Auch dazu hat Zimmermann eine steile These: er musste gehen, weil er sich «in einer charakterlichen Sackgasse» befunden habe.

Was ist denn das? Nun, Zimmi habe bei Ringier mit Krethi und Plethi geredet; das Urteil sei «so einhellig negativ, dass einiges daran sein muss». Woran? «Egozentrische Drama-Queen», beratungsresistenter «permanenter Besserwisser». Kein Wunder, kam es «regelmässig zum Knall». Bis zum bitteren Ende: «Am Schluss war der nicht teamfähige Projer im Newsroom des «Blick» völlig isoliert.»

Meiner Treu, was man aus Gesprächen mit einem einzigen Informanten, der auch mir ganz heissen Scheiss gegen Projer anbot, herausmelken kann. Ich lehnte ab, weil ich keine ausschliesslich auf anonymen Beschimpfungen basierende Artikel schreibe. Zimmi ist da offenbar schmerzfrei.

Und in welcher Sackgasse befindet sich Zimmermann?

Bleibt nur die Frage, in welche charakterliche Sackgasse sich Zimmermann selbst manövriert hat. Als ehemaliger Angestellter findet er es tatsächlich illoyal, wenn jemand kündigt, weil er etwas Besseres in Aussicht hat? Loyal hingegen sei, solange auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, bis die Führungsetage der Besitzer beschliesst, dass da mal wieder eine Rübe runtermuss? Also wurde auch Zimmi loyal beim SJ gefeuert?

Was würde Zimmermann davon halten, wenn man über ihn eine solche Kloake aus nur anonymen Quellen geschöpft giessen würde? Wenn ich Zeit für so einen Quatsch hätte, könnte ich das locker zusammenfantasieren. Ich halte aber nichts von solchem Hinrichtungsstil. Weder bei Zimmermann, noch bei den erregten Tagi-Frauen, die schärfste Anschuldigungen öffentlich herumbieten – mit ausschliesslich unbelegten, anonymen, nicht verifizierten Beispielen.

Briefe und anonyme Zitate, zwei neue Hobbys der Journalisten

Leider stösst auch Michèle Binswanger ins gleiche Horn. Sie hat sich zwar tapfer vom Protestschreiben der 78 Tamedia-Mitarbeiterinnen distanziert, nimmt aber ein anonymes Schreiben, das in der NZZ herumgeistern soll, zum Anlass, auf den designierten Chefredaktor der NZZaS einzuprügeln. Unter Verwendung genauso anonymer, genauso abwertender Meinungszitate von einem angeblichen Headhunter, der Projer für das Allerletzte hält.

Gesprächspartner, die sich sehr positiv über Projer äusserten, lässt Binswanger unter den Tisch fallen, auch sie kennt den guten Satz: Lass dir nie von der Wahrheit eine gute Geschichte kaputtmachen. Auch die Tatsache, dass sie gegenüber Projer nun wirklich befangen ist, hindert sie nicht daran, über ihn herzufallen. Nun, dass Tamedia kein Frauenproblem hat, aber ein Qualitäts- und Qualitätskontrollproblem, das war schon vor diesem Artikel bekannt.