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Nix audiatur

Die jüdische Lobby-Postille pfeift auf ihren Namen.

Die von Kastastrophen-Sacha Wigdorovitz gegründete und lange Zeit finanzierte Online-Plattform «Audiatur» hat edles Latein im Namen: «audiatur et altera pars», man höre auch die andere Seite.

Die andere Seite ist hier die israelische Sichtweise der Dinge. Natürlich völlig unkritisch, einseitig und parteiisch. Über die Kriegsverbrechen, die die israelische Armee im Gazastreifen verübt, wird grosszügig hinweggesehen.

Dass sich die Zivilbevölkerung von Gaza City gerade verpissen soll, denn die israelischen Streitkräfte möchten auch diese Stadt dem Erdboden gleichmachen – nun ja, wo gehobelt wird …

Dafür wird bejubelt und kritisiert, was der Meinung der Redaktion nach der israelischen Regierung nützt:

Besonders empfindlich reagiert die Redaktion, wenn es um angeblich «weltweit synchronisierte anti-israelische Beiträge» geht. Es handle sich hier um «eine international orchestrierte Medienkampagne». Der Artikel strotzt nur so von Polemik und unbelegten Behauptungen.

Wer wie Avaaz oder Reporter ohne Grenzen es wagt, die gezielte Liquidierung von Journalisten im Gazastreifen zu kritisieren, wird selbst mit Kritik überzogen.

Da die Plattform angeblich dafür ist, dass auch die andere Seite gehört wird, wollte ihr ZACKBUM gerne Gelegenheit geben, ihre Sicht der Dinge vertieft darzulegen.

Dafür bekam die Redaktion einen umfangreichen Fragenkatalog vorgesetzt:

In dem Artikel «Globale Medienkampagne gegen Israel» behaupten Sie, es gäbe «eine globale Medienkampagne gegen Israel», an der auch Schweizer Medien beteiligt seien.
Als Beleg führen Sie ein «Strategiepaper» von Avaaz an. Dabei unterstellen Sie der anerkannten Organisation, sie verbreite «weltweit synchronisierte anti-israelische Beiträge».
“Das Ziel besteht darin, Israel pauschal zu beschuldigen, es würde Journalisten in Gaza systematisch angreifen und die Pressefreiheit unterdrücken.”
In diesem öffentlich zugänglichen Papier heisst es hingegen:
«For 23 months, the Israeli authorities have refused to grant journalists outside of Gaza independent access to the Palestinian territory – a situation that is without precedent in modern warfare.»
Und weiter: «To date, at least 210 journalists have been killed by the Israeli military. Many more have been injured and face constant threats to their lives for doing their jobs: bearing witness.»
Gegen diese tatsächlich beispiellose Aktion gegen journalistische Berichterstattung setzen Avaaz und Reporter ohne Grenzen einen medialen Aktionstag, an dem gefordert wird, dass Israel die Grenzen zum Gazastreifen für internationale Journalisten öffnet und journalistische Tätigkeiten im Gazastreifen schützt.
Diese Tatsache und diese Zahl werden nicht nur von Avaar oder RSF verbreitet; auch europäische Regierungen kritisieren die israelische Regierung dafür scharf.
Sie schreiben dagegen: 
«In mehreren Fällen handelte es sich um Personen, die zwar als „Journalisten“ geführt wurden, jedoch aktive Mitglieder terroristischer Organisationen waren. So wurde etwa Anas al-Sharif, Reporter bei Al Jazeera, laut Angaben des israelischen Militärs als Hamas-Kämpfer identifiziert. Auch Abdullah Al-Jamal vom Palestine Chronicle entpuppte sich als Hamas-Terrorist, in dessen Haus drei israelische Geiseln festgehalten wurden.»
Dazu habe ich folgende Fragen:
1. Trifft es zu oder nicht, dass Israel internationalen Journalisten den Zugang zum Gazastreifen verweigert?
2. Wieso unterstellen Sie Avaar und RSF, mit ihrer Aktion für freie Berichterstattung aus diesem Kriegsgebiet betrieben diese NGOs eine «globale Medienkampagne gegen Israel»? 
3. Was ist daran «antiisraelisch», wenn Grundrechte der freien Berichterstattung auch aus Kriegsgebieten eingefordert werden?
4. Auch diverse europäische Regierungen und die EU kritisieren dieses Vorgehen Israels scharf. Sind die ebenfalls «antiisraelisch»?
5. Sie behaupten, mehrere der getöteten Journalisten seien «aktive Mitglieder terroristischer Organisationen» gewesen. Sie stützen das auf Angaben des israelischen Militärs. Diese werden von unabhängigen Beobachtern als nicht stichhaltig oder beweiskräftig kritisiert. Wieso unterschlagen Sie diese Einschränkung?
6. Sie publizieren als «Beweis» längst bekannte Fotos des gezielt getöteten Journalisten Anas al-Sharif mit dem Terroristen Yahya Sinwar. Was soll das – ausser einer Kontaktschuld – beweisen?
7. Wie steht es um die zusammen mit al-Sharif getöteten Journalisten und Mitarbeiter? Waren das auch mutmassliche Terroristen? Und wie steht es um die beim terrorristischen Zweitschlag auf ein Spital getöteten Journalisten? Ebenfalls Terrorverdächtige?
8. Aufgrund von einzelnen Aussagen von Avaaz-Mitarbeitern behaupten Sie, die Organisation sei «auf die konsequente Delegitimierung des jüdischen Staates aus». Wollen Sie damit Avaar unterstellen, dass die NGO das Existenzrecht Israels bestreitet?
Diese Fragen wurden der Redaktion am Dienstag letzter Woche gemailt. Als keine Reaktion erfolgte, wurde am Donnerstag nochmal nachgefasst und eine Nachfrist zur Beantwortung gewährt.
Die Redaktion blieb stumm.
Wie soll man die andere Seite hören, wenn sie verkniffen schweigt? Wenn sie gross im Austeilen und Kritisieren ist, aber ganz klein wird, wenn sie sich selbst kritischen Fragen stellen sollte?
Oder könnte es sein, dass die Redaktion von «Audiatur» selbst weiss, dass ihre Behauptungen in diesem Artikel aus der Luft gegriffen sind, damit ein Rohrkrepierer?

Afghanischer Journalist bittet um Hilfe!

Ismael Shahamat war viele Jahre BBC-Korrespondent in Kabul. Er braucht Hilfe.

Shahamat lebt seit drei Jahren in der Schweiz ohne Anerkennung als Flüchtling. Mit dem folgenden Schreiben hat er sich an die «Reporter ohne Grenzen» gewandt, die zumindest behaupten, sie würden sich für Journalisten in Not einsetzen. Da er bislang keine Antwort erhielt, bat er mich, in seinem Namen bei der Organisation nachzuhaken und sein Schreiben hier auf Deutsch zu veröffentlichen.

Das tue ich gerne. Wer sich mit ihm in Kontakt setzen will, kann sich bei ZACKBUM melden; solche Anfragen werden an ihn weitergeleitet. Benützen Sie dazu zeyer@zackbum.ch.

 

Ismael Shahamat ist unverdrossen weiterhin als Journalist tätig.

Hilferuf an «Reporter ohne Grenzen»

«Ich bin ein afghanischer Journalist, der in der Schweiz Asyl beantragt. Meine ganze Familie lebt jedoch in diesen schwierigen Zeiten des Taliban-Aufstiegs, der Massenmorde an Zivilisten, die für die Regierung/NGOs arbeiteten, Journalisten, Zivilaktivisten und Soldaten, die sich ihnen ergeben haben, in Afghanistan.
Ich habe 15 Jahre für nationale und internationale Medien in Afghanistan gearbeitet. Die meiste Zeit arbeitete ich für BBC World Service und vor meiner Flucht aus Afghanistan arbeitete ich als Leiter von BBC Persian in Kabul; das bedeutet, ein großes Team aus TV, Radio, Online und Social Media zu leiten und für alle in Afghanistan produzierten Berichte und Inhalte verantwortlich zu sein. Aufgrund der ernsthaften Bedrohungen meines Lebens musste ich jedoch im November 2018 aus Afghanistan fliehen und habe noch im selben Jahr Asyl in der Schweiz beantragt.

Mein Fall:
Ich entkam zwei Entführungsversuchen in Kabul durch unbekannte Männer und erhielt viele Drohungen von Taliban und anderen extremistischen Gruppen in Afghanistan. Natürlich habe ich auch Berichte veröffentlicht, die auch die afghanische Regierung ins Visier genommen haben.
Darüber hinaus stand ich aufgrund der Art meiner Arbeit und meiner Verantwortung unter ständigem Druck und Drohungen von Taliban. Als leitender Korrespondent der BBC für Persien trat ich mehr als jeder meiner Kollegen auf der Leinwand auf und auch aufgrund meiner Online-Beiträge und -Berichte erhielt ich eine beträchtliche Popularität bei Journalisten, Politikern und unserem Publikum.
Wenn Sie meinen Namen speziell in Farsi googeln, finden Sie eine riesige Menge von Berichten von mir. In den meisten Berichten geht es um den Kampf gegen Terrorgruppen, darunter die Taliban.

In der Schweiz:
Ich mache weiterhin meinen Job als Journalist, der über internationale Konferenzen in Genf und Brüssel berichtet und mit afghanischen Fernsehsendern über die aktuelle Situation in Afghanistan, die Situation von Migranten in Griechenland und den europäischen Ländern spricht.
Außerdem wurde mein eigenes Facebook und Twitter zu einer Plattform für die neuesten Nachrichten über Afghanistan und die Brutalitäten der Taliban.
Wie oben erwähnt, habe ich aufgrund der ernsthaften Bedrohung meines Lebens Afghanistan verlassen und in der Schweiz Asyl beantragt. Es ist jedoch fast drei Jahre her, dass ich in Unsicherheit von meinen Kindern und meiner Frau getrennt lebe.

Meine familiäre Situation:
In diesen fast drei Jahren haben meine Frau und meine Kinder sehr gelitten. Sie können sich nicht vorstellen, wie sie diese schwierigen Zeiten mit Ängsten und Alpträumen überstanden haben! Aufgrund der Sicherheitsbedrohungen mussten sie ihre Adresse von Zeit zu Zeit ändern, nicht von einer Ecke der Stadt in eine andere, sondern von Kabul nach Ghazni und zurück. Ghazni ist meine Heimatstadt.
Meine Frau hat bereits ihre Gesundheit verloren. Mein Sohn und der Rest der Kinder leiden an psychologischen Problemen. Sie sind schwer depressiv und isoliert, weil ihnen der normale Kontakt zu den Kindern ihres Alters lange Zeit vorenthalten wurde und sie kein normales Leben wie andere führen.

Aktuelle Bedrohungen:
Da die Taliban die volle Kontrolle über die Hauptstadt Kabul haben, sind die Ängste vor Vergeltungsmaßnahmen und Tötungen der Menschen, die gegen sie gekämpft haben, besonders bei Journalisten so groß, dass Ängste, Chaos und Panik entstanden sind. Es hat jedem meiner Kinder den Schlaf geraubt. Jeder Moment ist ein Albtraum für mich und meine Familie. Ich habe Informationen erhalten, dass sie anfangen, nach Leuten zu suchen, die für die Medien und Regierungsbeamte arbeiten.
Ich befürchte, dass sie zu meiner Familie kommen und sie unter Druck setzen, mich nach Kabul zurückzubringen, wie sie es bei den Familien einiger Militärkommandeure getan haben, um sie zu zwingen, ihre Waffen niederzulegen und sich den Taliban zu ergeben. Zusammen mit meiner Frau leben drei meiner Töchter über jeweils 12, was sie der Gefahr einer Zwangsheirat aussetzt, die als «Jihad u Nikah» bezeichnet wird! Meine Töchter haben solche Angst und rufen mich an, etwas für sie zu tun.

Es hat mir das Herz gebrochen, sie um Hilfe schreien zu hören …

Ich bin Journalist und habe mich in den letzten 20 Jahren der Förderung von Menschenrechten, Freiheit und anderen Werten verschrieben, die von den Taliban und anderen extremistischen Gruppen als westliche Werte angesehen werden!

Bitte helfen Sie mir, etwas für meine Familie zu tun, bevor es zu spät ist!»

Bleibt nur hinzuzufügen: Wieso unterstützt sonst niemand aus der Schweizer Journaille diesen Mann? Wieso hilft keiner der linken Maulhelden von Molina abwärts und aufwärts?