Ach, die WoZ
Das Blatt hat seine Stärken. Und Schwächen.
Wenn der Fluss der medialen Berieselung verelendet, versiegt, vertrocknet, kommen Kieselsteine im Flussbett zum Vorschein, die man gemeinhin übersieht. Zum Beispiel die WoZ.
Sie hat ihre bedauerlichen Schwächen. Wenn ausgerechnet im Organ, wo Mitarbeiter sich noch durchaus daran erinnern können, dass man ihnen «Moskau einfach» zurief, die existenzbedrohenden Sanktionen gegen Jacques Baud («russische Desinformation») applaudiert werden, dann spinnt nicht die Welt, sondern die WoZ.
Wenn nostalgisch «Internationalismus ist ein Überlebensmechanismus» vorgebetet wird, wider alle Realität und Wahrscheinlichkeit, dann löst das nur Bedauern aus. Wenn «Superschurken in Davos» getitelt wird, kann man sich die Lektüre sparen.
Wenn WoZ-Redaktorin Sarah Schmalz über den «Mord in Minneapolis» auf der Frontseite vom Leder zieht, gerät sie dermassen ins Hyperventilieren, dass sie sich gleich zweimal korrigieren (lassen) muss. Ein lässlicher Fehler im Eifer des Gefechts: sie unterschiebt ein Zitat dem «Tages-Anzeiger». In Wirklichkeit stand in der «SonntagsZeitung»:
«Wenn Horden maskierter Beamter in Kampfmontur aufmarschieren und zum Widerstand ausgebildete Bürgerrechtler sie konfrontieren, wird Gewalt unausweichlich.»
An dieser Feststellung ist eigentlich nichts zu meckern. Vielleicht etwas empathielos, vor allem im Licht der zweiten Tötung durch ICE-Beamte, aber das konnte der SoZ-Korrespondent Martin Suter damals nicht wissen.
Dann gibt Schmalz aber Vollgas: «Während in den USA am Wochenende Zehntausende Menschen gegen die Tötung der Frau protestierten, versagen die hiesigen Leitmedien bei der Einordnung der Ereignisse komplett.» Tschakata.
In der Online-Ausgabe des gleichen Kommentars heisst es dann: «... versagt ein Teil der hiesigen Leitmedien bei der Einordnung der Ereignisse komplett». Hoppla.
Nun könnte man meinen, in einem transparenten Blatt wie der WoZ wird eine solche Meinungsänderung transparent ausgewiesen. Nun ja: «** Korrigenda vom 15. Januar 2026: Wir haben in diesem Satz eine Präzisierung vorgenommen.» Präzisierung? Nun, welche hiesigen Leitmedien haben denn zum Beispiel nicht versagt?
Nun aber zu den Sonnenseiten. Präsident Trump eskaliert auch den Konflikt mit Mexiko. Grossraumanalysen allenthalben. Die WoZ schreibt: «Das Ungleichgewicht zwischen den USA und Mexiko hat sich seit Donald Trumps aggressiver Politik verschärft. Die Folgen für die Menschen zeigen sich in der Grenzstadt Ciudad Juárez.» Reporter Anne Haas hat schlichtweg die Grenzstadt Ciudad Juárez besucht. Hingehen, hinschauen, aufschreiben. So ging mal Journalismus.
Mali? Mali? Ist das eines der Shitholes in Afrika, von denen Trump gelegentlich spricht und die es nur ganz, ganz selten in die Spalten der Leitmedien schaffen? Denn in Mali gibt es nicht mal einen Völkermord wie im Sudan oder wie in Äthiopien, also was soll’s. Die WoZ schreibt: «Islamistische Terroristen bedrohen Mali und versuchen, die Hauptstadt Bamako durch eine Benzinblockade lahmzulegen. Viele prophezeiten schon den Zusammenbruch des Landes. Doch sie unterschätzten den Mut der Tankwagenfahrer.»
Reporter Isso Ehrich ist hingegangen und berichtet aus der belagerten Hauptstadt. Hingehen, hinschauen, aufschreiben. So ging mal Journalismus.
Die WoZ schreibt: «Eigentlich sollte das Zusammenleben in Aleppo Vertrauen zwischen der Regierung und den Kurd:innen schaffen. Stattdessen kam es zu schweren Kämpfen, Vertreibungen und gezielten Angriffen auf Wohnviertel. Nun wächst die Sorge, dass der fragile Frieden ganz kippt.» Reporter Anna-Theresa Bachmann berichtet vor Ort. Hingehen, hinschauen, oder sagten wir das schon.
Selbst der Cartoon in der aktuellen Ausgabe ist ziemlich lustig, was man nicht immer von ihm behaupten kann:

WoZ, 22. Januar 2026
ZACKBUM stimmt daher in den Chor der Rechthaber und Verteiler von wohlmeinenden Ratschlägen ein: mehr Reportagen, weniger Meinung. Zuerst Hirn einschalten, dann losschreiben. Und eine Spur mehr Selbstkritik: so ein Artikel wie über Baud geht gar nicht. Aber Mexiko, Mali, Syrien: das ist die richtige Richtung.
Ach, und an der aktuellen Werbekampagne könnte man auch noch etwas arbeiten, die hat viel Luft nach oben …













