Schlagwortarchiv für: René Benko

Eat the Rich!

Diesem Motto hat sich offenbar Tamedia verschrieben.

Eva Novak ist – wie viele Journalisten – der Auffassung, dass Sachkenntnis nicht unbedingt stört. Aber fehlt sie, kann man sie problemlos durch Ideologie ersetzen, indem man die Narrative der eigenen Gesinnungsblase bedient.

Wunschgemäss schäumt auch der Kommentarschreiber unter ihrem Artikel. Denn es ist natürlich eine Steilvorlage. Bürgerliche Parlamentsmehrheit. Superreiche. Stiftungen. Vermögen weitergeben.

Muss man da noch etwas dazu sagen? Superreiche wollen sicherlich steuerfrei mit ihrem Vermögen machen, was sie wollen. Das ist unverschämt und müsste eigentlich verboten werden. Oder wie holpert ein Kommentarschreiber so schön: «Ich würde eine Eigentums Obergrenze von 10 Millionen sofort unterschreiben.» Es steht zu vermuten, dass er selbst unter dieser Grenze fliegt, wahrscheinlich dürfte der Arme nicht mal eine Million sein eigen nennen.

Aber gut, das ist mehr das Thema «arm im Geist». Diesem Motto frönen auch die ungezählten Kommentatoren, die diese Stiftungsfrage damit verknüpfen, dass nun unbedingt ja zur 13. AHV-Rente gestimmt werden müsse. Nach der Devise: wenn Reiche Stiftungen benützen wollen, dann dürfen wir wenigstens die AHV ruinieren.

Worum geht es eigentlich? Um Superreiche. Da ist der Kartenhausbauer Wunderwuzzi immer ein guter Einstieg: «Der gestrauchelte österreichische Immobilienkönig René Benko hat sein Privatvermögen in einer Familienstiftung parkiert. Mit dem Nebeneffekt, dass es wohl dem Zugriff der Gläubiger entzogen ist. In der Schweiz könnte er das nicht. Hier sind Stiftungen, die der Weitergabe des Familienvermögens dienen, verboten.»

Aha, da sieht man es doch sofort: eine Familienstiftung ist eigentlich immer eine üble Sache. Eine böse Sache. Irgendwie so eine Sache für Reiche, mit der sie irgendwelche Schweinereien machen, die eigentlich verboten gehören.

Zustimmend fährt Novak fort:

«Eine linke Minderheit geisselte das «massgeschneiderte Instrument für einige sehr wenige Familien, die Reichtümer in einer Höhe konzentrieren, wie es sie in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben hat». Angeführt vom Genfer Sozialdemokraten Christian Dandrès wehrte sie sich gegen die Wiederauferstehung des «Steueroptimierungsvehikels aus dem Ancien Régime», wie sie es nannte.»

Nun ist hier schon mal ein Wort verräterisch: Steueroptimierung. Dandrès ist offenbar der Auffassung, dass jeder Staatsbürger, der nicht so viele Steuern wie möglich zahlt, sondern legale Möglichkeiten ausnützt, weniger zu zahlen, irgendwie eine Schweinebacke sei. Selbst dem ehemaligen Bundesrat Schneider-Ammann wurde ja um die Ohren geschlagen, dass sein Firmenkonglomerat nicht etwa so viel Steuern wie nur überhaupt möglich zahlt, sondern legale Möglichkeiten benutzt, das nicht zu tun.

Wie das alle Firmen machen, bei denen der CFO noch alle Tassen im Schrank hat – und nicht wegen Unfähigkeit entlassen werden will. Denn eine Firma, die nicht wie alle anderen Steuern spart, wo’s geht und legal ist, produziert teurer als die Konkurrenz – und ist dann mal weg vom Fenster. Worauf wieder der Verlust vieler Arbeitsplätze beklagt wird.

Eine Stiftung ist, wie ein Bankkonto, ein Trust, eine Holding, eine AG, eine GmbH, einfach mal ein juristisches Gefäß, das es erlaubt, gewisse Bedürfnisse in einem legalen Rahmen abzuhandeln. Dazu gehören beispielsweise komplexe Familienverhältnisse mit verschiedenen Ansprüchen und Mitgliedern, die in verschiedenen Jurisdiktionen unter verschiedenen Steuerregimes leben. Eine Stiftung ist ein Instrument, mit dem der Stifter über seinen Tod hinaus festlegen kann, was mit seinem Vermögen und dessen Erträgen geschehen soll.

Schon die Weiterführung einer KMU ist manchmal eine kitzlige Sache, wenn die Erben nicht über Sachverstand verfügen. Auch da kann eine Stiftung hilfreich sein, um beispielsweise Arbeitsplätze zu retten. Aber damit verlassen wir natürlich das Narrativ von Dandrès und Novak.

Wie jedes Finanzkonstrukt kann auch eine Stiftung missbraucht werden. Für die Leser, die es immer noch nicht kapiert haben sollten, wiederholt Novak: Seitdem 1907 solche «Unterhaltsstiftungen» in der Schweiz verboten wurden, «müssen reiche Familien, die ihren Angehörigen über eine Stiftung den Lebensunterhalt finanzieren und gleichzeitig die Steuern optimieren wollen, ins Ausland ausweichen – namentlich nach Liechtenstein.»

Das ist im Prinzip richtig, wobei Steueroptimierung immer noch nichts Schlechtes ist. Steuerhinterziehung via Stiftung im Ländle hat sich aber spätestens mit dem AIA, dem Automatischen Informationsaustausch, erledigt, daher ist die Zahl solcher Stiftungen im Ländle auch dramatisch geschrumpft.

Dass jemand, der Vermögen besitzt, darüber verfügen möchte, ist für die Gefolgsleute von Dandrès hingegen ein ««zutiefst reaktionäres Konzept». Eine Familienstiftung diene dazu, den nachfolgenden Generationen die Wünsche des Gründerpatriarchen aufzuzwingen.» So eine Unverschämtheit aber auch.

Nun hat aber das Parlament zum Ingrimm von Dandrès und auch Novak die Motion des FDP-Parteipräsidenten Thierry Burkart angenommen, der Bundesrat muss ein entsprechendes Gesetz ausarbeiten.

Vielleicht sollte sich Novak mal vorsichtig erkundigen, wie viele Mitglieder des Coninx-Clans eine Stiftung in Liechtenstein unterhalten – aber dazu reicht der Mut dann doch nicht.

Es wäre doch wunderbar, wenn das Haus der Qualitätsmedien zunächst einmal banale Tatsachen darstellen würde, um dann anschliessend  nach Lust und Laune zu kommentieren. Aber das würde statt Meinung Sachkenntnis voraussetzen. An Meinung ist bei Tamedia kein Mangel …

Arbeitsbiene Rutishauser

Der Chefredaktor der SoZ leistet alleine so viel wie 50 Nasen der «Republik» zusammen.

Verdient aber entschieden weniger als die. Legt man den angeblichen Einheitslohn von 8500 Franken brutto zugrunde, kommen die Republikaner auf locker über 400’000 Franken im Monat. Das kassiert Arthur Rutishauser im Jahr nicht.

Dennoch hat er gerade mal wieder ein Editorial und drei Artikel in der neusten SoZ rausgehauen. «Der Rohrkrepierer von Economiesuisse», in seinem Kommentar spiesst er die völlig missglückte Intervention von vier ehemaligen Bundesräten gegen die 13. AHV-Rente auf. Sein Verdikt:

«Dass so ein Aufruf beim Volk schlecht ankommt, wäre eigentlich voraussehbar gewesen. Um glaubwürdig zu wirken, hätten die Ex-Magistraten schon während ihrer Amtszeit überlegen müssen, ob es wirklich noch zeitgemäss ist, wenn ein Regierungsmitglied eine Rente bekommen soll – selbst wenn sie oder er mit unter 50 Jahren abtritt oder abgewählt wird.»

Dann vermeldet er, dass die UBS eine teilweise Schwärzung des WEKO-Berichts verlangt. Zum Hintergrund: Die UBS hat bekanntlich 2023 nur deswegen einen Riesengewinn gemacht, weil sie die CS zum Schnäppchenpreis nachgeworfen bekam. Sonst läuft das Geschäft schlecht.

Nun prüfte die zahnlose Bankenaufsicht Finma diesen Notverkauf. Und prüft und prüft und prüft. Dabei hat die Wettbewerbskommission WEKO ihren Bericht bereits im Oktober letzten Jahres eingereicht, Aber der darf erst dann veröffentlicht werden, wenn die Finma zu Potte gekommen ist. Das lässt aber auf sich warten; Rutishausers Bilanz: «im Resultat führt das dazu, dass die UBS bald ein Jahr nach der Fusion ihre Marktmacht ausspielen und Fakten schaffen kann».

Dann hat Rutishauser offensichtlich ein Hörrohr in der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK), die sich ebenfalls mit dieser Affäre CS – UBS befasst. Seine bittere Zusammenfassung, was bislang geschah: «Jahrelanges Versagen und übertriebener Formalismus der Aufsicht, aber keiner ist schuld. Das ist das Zwischenfazit der parlamentarischen Untersuchungskommission.» Insbesondere habe die Finma einen geplanten Verkauf des US-Geschäfts der schlingernden Bank durch übergrossen Formalismus verhindert. Und damit einen Beitrag zum Untergang geleistet.

Und schliesslich nimmt sich Rutishauser nochmals den Präsidenten der Bank Bär zur Brust. Der hat bekanntlich seinen CEO geopfert und hält sich selbst krampfhaft an seinem Sessel fest. Obwohl Romeo Lacher unter anderem im Risikoausschuss sass, der alle inzwischen geplatzten Kredite an den österreichischen Hasardeur René Benko durchwinkte.

Noch schlimmer sei aber das Wirken von Lacher als VR-Präsident der Schweizer Börse Six. Dort habe er sogar einen doppelt so grossen Verlust als die über 600 Millionen bei der Bank Bär zu verantworten. Einmal ein lausiger Verkauf des Kreditkartengeschäfts an die französische Worldline. Dafür erhielt Six deren Aktien «und diese verloren im letzten Jahr 70 Prozent ihres Werts». Und dann noch der versemmelte und viel zu teure Einstieg bei der spanischen Börse, der zu einem gewaltigen Goodwill-Abschreiber führte, aus dem letztes Jahr ein Verlust von 340 Millionen resultierte. Also alles in allem weit mehr als das Doppelte im Vergleich zu Bär.

Rutishauser resümiert: «Ausbaden muss die gescheiterte Strategie nun sein Nachfolger Thomas WellauerDer ehemalige McKinsey-Mann «versuchte um die Jahrtausendwende, die Winterthur-Versicherung mit der Vermögensverwaltung der CS zusammenzubringen. Damals scheiterte er.»

Was wieder die Frage aufwirft, wie gigantisch man eigentlich in der Finanzwelt versagen muss, um vom Präsidentenstuhl abmontiert zu werden.

Aber im Journalismus leben ja diverse Leichen auch immer noch, und durchaus komfortabel, von links bis rechts. Von der «Republik» über «bajour» bis zum «Nebelspalter».

Tagi banal

Platz für ein Winsel-Interview mit dem Versagerrat von Julius Bär.

Ist ein richtiges Schlamassel passiert, halten sich zunächst alle Verantwortungsträger krampfhaft an ihrem Sessel fest und wollen Teil der Lösung sein. Wenn ein Riesenschlamassel wie bei der Bank Julius Bär passiert und über 600 Millionen Franken zum Fenster rausgeschmissen wurden, dann klammern sich alle an ihr Pöstchen und sagen «ich war’s nicht».

Dabei ist es völlig unerklärlich, wie gestandene Banker einem Hochstapler und österreichischen Strizzi wie René Benko diesen gigantischen Betrag leihen konnten – auf windige Sicherheiten hin, die das Papier nicht wert sind, auf das sie geschmiert wurden.

Das Loch ist dermassen gigantisch, dass dann doch Köpfe rollen mussten. Verantwortlich für ein solches Desaster ist in erster Linie der Verwaltungsratspräsident, insbesondere, wenn er wie bei Bär auch noch im sogenannten Risk Committee sitzt, also in dem Organ, das die Risiken der Geschäfte beurteilen sollte – und alle Kredite durchwinkte.

Aber hier hat der VRP gegenüber dem CEO einen entscheidenden Vorteil. Er kann den CEO feuern, umgekehrt geht nicht. Der VRP könnte höchstens durch eine ausserordentliche Aktionärs-GV gekübelt werden, und das findet praktisch nie statt. Also durfte sich Versager Philipp Rickenbacher selbst verabschieden, mit dem üblichen Blabla: «it has been an honour for me … I am immensely grateful for all that». Damit hat er allerdings recht. Für sein viereinhalbjähriges Wirken kassierte er happige 27 Millionen.

Eigentlich Peanuts, so gerechnet. Bloss 4,5 Prozent von 600 Millionen Miese, aber genauso rausgeschmissenes Geld. VRP Romeo Lacher kassierte in der gleichen Zeit läppische 4 Millionen, rechnet «Inside Paradeplatz» vor.

Nun hat Lacher, wie weiland Versager-VRP Urs Rohner den Versager Tidjane Thiam feuerte, sich seines CEO entledigt. Rettet das seinen eigenen Kopf? In solchen Fällen muss man für gut Wetter sorgen. Am besten in Form eines Interviews. Dafür kommt am ehesten die NZZ in Frage. Will die nicht, oder würde die zu kritische Fragen stellen, geht’s die Leiter runter. Dann halt der «Tages-Anzeiger». im schlimmsten Fall «Blick» oder «SonntagsBlick», die ehemaligen Hoforgane des gefallenen Bankerstars Pierin Vincenz. Hier ist’s nun der Tagi.

Solche Interviews haben nichts mehr mit Frage und Antwort in freier Rede zu tun. Jedem angelsächsischen Journalisten würde es dabei den Magen umdrehen, aber hier müssen die Fragen zuvor genehmigt werden, unpassende werden aussortiert. Dann hat Corporate Communication den VRP entweder bis aufs i-Tüpfelchen gebrieft, was er sagen soll, oder es wird beim Autorisieren noch nachgeschliffen. Heraus kommt dann gebackene Luft.

Reines Gesäusel: «Wir mussten eine ganze Reihe von Abklärungen treffen … Wir haben sofort veranlasst … wir die volle Verantwortung übernehmen …» Das sieht dann so aus: «Mit Philipp Rickenbacher haben wir uns im gegenseitigen Einvernehmen darauf geeinigt, dass er zurücktritt.» Zum Totlachen.

Nun stellt Beatrice Bösiger die knallharte Frage, ob denn der VRP als oberster Verantwortungsträger nicht auch hätte zurücktreten müssen. In solchen Fällen erfolgt die Antwort aus dem bewährten Stehsatz für solche Fälle und Fragen: «... selbstverständlich auch meine Funktion diskutiert … Entschluss, dass es keinen Sinn macht … die Stabilität der Bank sicherstellen müssen … alles daranzusetzen, dass wir wieder zurück auf den richtigen Weg kommen.» Auch zum Totlachen. Wie es der Stabilität der Bank geschadet hätte, wenn der oberste Verantwortliche für das Schlamassel die Verantwortung übernommen hätte, keine Nachfrage.

Habe die Bankenaufsicht Finma etwas mit dem Abgang des CEO zu tun (natürlich hat sie das, aber): «Wir haben diese Entscheide gefällt, und sie sind nicht auf Druck der Finma gefällt worden.» Keine Nachfrage, ob Lacher das wirklich erzählen könne, ohne rot zu werden.

Wie kann es eigentlich sein, dass Bär auf wertlose Luftnummern, Luftschlösser Multimillionenkredite schüttete? «Wir werden über die unterliegenden Werte der Kredite keine öffentliche Auskunft geben.» Keine Nachfrage.

Aber immerhin, einen wohldosierten Hauch einer Selbstkritik  räumt Lacher ein: «Wir müssen eingestehen, dass wir eine Fehleinschätzung gemacht haben. Das ist nicht gut.Wir nehmen das sehr ernst und übernehmen als Verwaltungsrat und Geschäftsleitung die Verantwortung dafür.» Wie sich das im Verwaltungsrat äussert? Keine Nachfrage.

Das ist nun nicht die Schuld von Bösiger. Es ist aber so, dass der Tagi wohl eher auf dieses Weichspüler-Interview hätte verzichten sollen, da kritische Nachfragen offensichtlich nicht erlaubt waren. Aber immerhin, Bösiger lässt ihrem Frust freien Lauf, indem sie in einem Kommentar nachtritt: «Jetzt sollte auch der Präsident zurücktreten». Denn schliesslich bestimme der die Regeln der Kreditvergabe, habe hier ein gewaltiges Klumpenrisiko zugelassen und sitze schliesslich im Risikoausschuss.

Das ist nun für Lacher blöd gelaufen. Da wollte er sich mit einem glattgefönten Interview salvieren, und dann wird ihm nebendran der Rücktritt empfohlen. Künstlerpech.

Wie meistens eleganter löste das die NZZ. Die sprach auch mit Lacher, fand dessen Aussagen aber offensichtlich so inhaltsleer, dass sie einen Lauftext mit wenigen Quotes von ihm bastelte. So macht man das.