Schlagwortarchiv für: Rehash

Sparen, bis es quietscht

Tagi testet wieder die Leidensfähigkeit seiner Konsumenten.

Wenn ein sogenanntes Qualitätsorgan überall spart, vor allem an der Qualität, dann hilft das sicherlich, die Leser-Blattbindung zu erhöhen.

Zum Beispiel mit dieser Story:

Die gehört allerdings sowieso in den höheren Klatschbereich, wäre also eher etwas für die «GlücksPost» oder die SI. Aber in der Not und im Sommerloch …

Also hackt Andreas FreiOnline-Sitemanager und Nachrichtenjournalist») ein Rehash aus längst Bekanntem und Veröffentlichtem zusammen. Offensichtlich beharken sich Elon Musk und sein Trans-Sohn öffentlich. Wahnsinn, die wichtigste News aus dem Hause Musk (Tesla, Starlink, SpaceX, KI).

Aber es wäre ja nicht der Tagi, wenn damit schon der Boden des Niveaus erreicht worden wäre. So ein Artikel macht ja nur richtig Sinn, wenn er auch bebildert ist.

Dafür haben Qualitätsmedien normalerweise eine Bildredaktion. Die umfasst immerhin sieben Nasen: Jost Fetzer, Leitung. Monica Foresti, Joel Hanhart, Urs Jaudas, Jason Kleeb, Rebecca Pfisterer, Julian Rüthi. Dann gibt es noch eine muntere Schar von Fotografen, Zuständigen für Infografik und für «Daten & Interaktiv». Also geballte Sachkompetenz, hohe Kunst, Qualität, Niveau, der Leser dankt.

Theoretisch oder vielleicht in der Selbstwahrnehmung. In der Realität ist es so, dass dieser auch inhaltlich herausragende Artikel von herausragenden Fotos begleitet wird. Besser gesagt von Screenshots, denn die haben den Vorteil, dass normalerweise kein Copyright anfällt. Also sieht das dann so aus:

Nein, das wurde nicht mit dem Weichzeichner behandelt, das ist ein «Screenshot Threads/vivllainous». Und wenn der Tagi schon spart, dann richtig:

Von Musk mit Familie gibt es nun unzählige Fotos. Aber auch hier ist ein körniger Screenshot doch einfach billiger, weil gratis. Und bekanntlich ist es so: was nichts kostet, ist auch nichts wert (Ausnahme: ZACKBUM).

Aber der Tagi will nicht aufhören, den Leser zu quälen:

Das Foto ist offensichtlich so alt, dass es eigentlich vergilben müsste, könnte höchstens als Beleg dienen: so sah Musk vor vielen Jahren mal aus. Aber, auch dieses Bild hat einen unbestreitbaren Vorteil. Genau, gratis. Reicht’s? Aber nein, es gibt noch Beweissicherung:

Was das ist? Das ist ein Screenshot von Threads, wo sich Musks Sohn/Tochter abfällig über seinen/ihren Vater äussert.

Wer bislang dachte, man könne nur schreiberisch ganz tief gründeln und den Leser muff machen, wird hier eines Schlechteren belehrt. Es geht auch mit Schreiben und mit Fotos.

Die Frage bleibt: ist dort niemandem nichts mehr peinlich?

Nachzug, komm heraus,

du bist umzingelt. Dieser hier ergab sich nach zähem Widerstand dem «Blick».

Eine der gefürchteten Fragen des Chefs im Newsroom ist: und, was haben wir als Nachzug? Da ducken sich alle, auch wenn das ein Chief Content Officer oder ein Head on and off oder welcher Häuptling mit merkwürdigem Kopfschmuck auch immer fragt.

Geschichte der Attentate?, meldet sich  der erste Kindersoldat des «Blick». Unwirsches Abwinken, haben wir schon. Sicherheitsexperte interviewen, wagt sich der Nächste aus der Deckung. Wegwerfende Handbewegung. Analyse, ob damit Trump die Wahlen gewonnen hat? Ist schon längst in der Mache.

Dann herrscht ein Weilchen tiefes Schweigen. Bis dann einer der wenigen überlebenden Altredaktoren sagt: Schweizer Aspekt. Aha, meint irgend ein Chief (oder Head), guter Ansatz, und wie weiter? Wieder tiefes Schweigen. Dann endlich die Erlösung: wie werden eigentlich unsere Bundesräte geschützt?, fragt einer. Irgend ein Chief weiss, was eine Gelegenheit ist: genau, wollte ich auch gerade vorschlagen, ich übernehme den Lead.

Allgemeines Aufatmen, Business as usual. Einige checken ihre Social Media Kanäle. Andere schnipseln Tickermeldungen zusammen. Dritte googeln irgendwas.

Dann rapportiert die eilig gebildete «Task Force». Allerdings wird das Gesicht des Heads (kann auch ein Chief sein)  immer grimmiger. Denn, nun ja, unsere Bundesräte laufen halt meistens einfach so herum. Keine Bodyguards, keine gepanzerten Limousinen, kein Secret Service, der jeden Gullydeckel aufschraubt. Keine Scharfschützen auf allen Dächern. Riesenmist. Da geht doch noch was, sagt der Headchief, ich will Resultate sehen, und zwar in einer Stunde.

Da werden dann alle Lappalien zusammengekratzt:

«An offiziellen Veranstaltungen, an denen ein Bundesrat angekündigt ist, seien automatisch Mitarbeiter des Bundesamts für Polizei (Fedpol) dabei, verriet Bundesrat Beat Jans (60) kürzlich in einem Interview.»

Hier erreicht der Kratzlöffel dann schon den Boden des Gefässes: «Das Fedpol will sich punkto Bundesratsschutz nicht in die Karten schauen lassen. Gegenüber Blick teilt das Amt mit: «Zu konkreten bestehenden oder möglichen Massnahmen äussern wir uns nicht, um diese in ihrer Wirkung nicht zu beeinflussen.»» Wow, das Fedpol sagt, dass es nichts sagt. Das ist doch vielsagend und muss vermeldet werden.

Dann gewaltiger Rehash, Berset während Corona. Sicherheitscheck bei alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz zu Hause. Moritz Leuenberger musste seine Blutgruppe angeben. Schnarch. Ist das alles, fragt der Chiefhead erschüttert.

Nun gut, dann noch der Sprengsatz an der Bundesfeier auf dem Rütli anno 2007. Die Bombe bei Rudolf Friedrich 1984. Und natürlich das Zuger Kantonsparlament 2001.

Aber ingesamt: tote Hose in der Schweiz. Blöd gelaufen. Nix los. Aber da kann nicht ein Headchief plus ein paar Indianer ein paar Stunden vergeblich durchs Archiv gerannt sein. Also schön mixen, Fragetitel drauf, Foto hintendran, und ab die Schneckenpost zur Leserlähmung.

Früher hätte man das in den Papierkorb geschmissen. Heute klatscht man es ins Internet. So ändern sich die Zeiten.

 

Rehash vom Rehash

Wenn Tamedia kopiert, was die «Süddeutsche Zeitung» kopiert …

Österreichische Medien kümmern sich natürlich hingebungsvoll um den Fall des Wunderwuzzi, der mit einem primitiven Ponzi-Schneeballsystem auch ansonsten zurechnungsfähige Anleger hereinlegte. Gerade hat die «Bild» saftige Details aus einem Enthüllungsbuch publiziert, dass der deutsche Milliardär Klaus-Michael Kühne dem Blender René Benko den Stecker zog.

Dafür liess er ihn nach Hamburg fliegen und in seinem Luxus-Restaurant Fontenay Platz nehmen. Nach zehn Minuten beendete Kühne das Gespräch und stand abrupt auf. Benko mailte ihm hektisch hinterher, worauf er von Kühne den Todesstoss erhielt: «Es tut mir leid – das Vertrauen ist zerstört, und ich habe Herrn Gernandt gebeten, Ihnen meinen Wunsch nach Rückabwicklung unserer Beteiligung an der Signa Prime Selection AG anzuzeigen.» So machen das die wirklichen Big Boys.

Das hat höheres Unterhaltungspotenzial – und wurde von «Inside Paradeplatz bereits am 23. April genüsslich ausgebreitet.

Medien wie die «Kronenzeitung» oder der «Standard» haben sich insbesondere in die Liechtenstein-Connection  von Benko verbissen, wo der ein paar Millionen an Notgroschen in Stiftungen verstaut hat und auch wahre Goldlager unter anderem in der Fürstenbank LGT bunkerte. Das alles ist längst bekannt und auch schon von der «Welt» beschrieben.

Kein Grund für die «Süddeutsche Zeitung», am 23. April nicht mit einem Rehash von all diesem Bekannten aufzuwarten, unter dem Titel «Wo René Benko sein Geld versteckt hat». Inhaltlich nix Neues, ausser einem grossartigen Quote eines ungenannten Liechtensteiners, der «einmal politische Verantwortung trug» und sagt: «Es wäre schön, wenn wir wenigstens einmal bei einem internationalen Finanzskandal aussen vor wären.»

Aber dafür sind nicht nur die Untreuhänder in der fürstlichen Räuberhöhle Liechtenstein zu geldgierig.

Es muss auch Geldgier sein, dass Tamedia seinen Lesern den lauwarmen Kaffee der SZ nochmals aufgewärmt zwei Tage später serviert:

Eigenleistung null. Pardon, die Spitzmarke «Signa-Pleite» wurde um «zieht Kreise» ergänzt. Da sieht man doch, es lohnt sich, eine eigene Auslandredaktion zu beschäftigen.

Immerhin wurde der Artikel nicht hinter der Bezahlschranke versteckt. Was ihn aber nicht weniger peinlich macht.

 

Ein Klaps für CH Media

ZACKBUM ist gerecht und kritisiert alle.

Durch das Fehlen eines Leitmediums gerät CH Media immer wieder etwas aus dem laserscharfen Fokus von ZACKBUM. Hoppla, das war ja ein Bild, das die CS verwendete, als sie noch plapperte. Aber item, wie schlägt sich denn der Konzern der Träger von weissen Socken und Lederkrawatten, also der Aargauer, in der CS-Krise? Es geht.

Oberchefredaktor Patrik Müller (der letzte Überlebende des einstigen Triumvirats Dorer, Rutishauser, Müller) kommentiert sehr originell: «Bankenbeben. Zu dieser Katastrophe hätte es nie kommen dürfen.» Kam es aber, was sagst du nun. Seine Wirtschaftschefin Florence Vuichard ergänzt mit dem nächsten Stehsatz-Titel: «Erst scheitern, dann kassieren: Auf das CS-Ende folgt die Boni-Malaise».

Es folgen im «Tagblatt» die «Wandertipps», dann «Essen & Trinken», denn das muss ja auch sein.

Weiter oben berichtet das CH Media-Imperium über die «Rolle der Saudis im CS-Drama». Das hört sich nach einer guten Idee an, bis man liest, dass sie von «watson» stammt. Die Berichterstattung des Listicals-, Katzenvideos- und Blödel-Blatts sieht insgesamt so aus:

Wenn Philipp Löpfe einen Ratschlag gibt, ist man gut beraten, genau das Gegenteil zu tun. «40’000 Jobs auf der Kippe: Panische CS-Banker fluten Personalvermittler», so lautet eine weitere Schlagzeile. Die halten sich offenbar nicht an den Ratschlag von Löpfe. Um auf diese Horror-Zahl zu kommen, zählt «watson» einfach die Stellen der UBS und der CS in der Schweiz zusammen – und rundet schwer auf. Befindet sich also mal wieder im weiteren Streubereich der Wahrheit. Oder eigentlich ausserhalb.

Aber was weiss denn die Praktikantin Lea Oetiker über die Scheichs? Nun, all das, was sie aus meist englischen Quellen brav abschreibt. Dass die Scheichs im Allgemeinen zu den Grossaktionären der CS gehörten, dass die Saudi National Bank bei der letzten Kapitalerhöhung der CS zuschlug und mit knapp 10 Prozent der grösste Aktionär wurde. Und dass deren Präsident den berühmten Ausspruch auf die Frage tätigte, ob er weiter Liquidität einschiessen würde: «Absolut nicht, und zwar aus vielen Gründen, abgesehen vom einfachsten Grund, der regulatorischer und gesetzlicher Natur ist.»

Soweit, so bekannt und gähn. Das nennt man im Journalismus Rehash; man hackt Bekanntes, mixt es neu zusammen und serviert es dem Leser als Aufgewärmtes.

Interessant wäre allerdings gewesen, zu erfahren, warum der Bankenpräsident das sagte. Denn anscheinend machte die gleiche Saudi-Bank in letzter Minute ein 5-Milliarden-Angebot, um die CS zu retten. Das wurde angeblich abgelehnt, weil die Saudis die gleichen Garantien forderten, die die UBS dann bekam.

Spinnt also der Scheich? Keineswegs, denn sein Hinweis auf regulatorische Bestimmungen war natürlich völlig richtig. Beim Überschreiten bestimmter Grenzen sind in der Schweiz bürokratische Formalien zu erledigen, es gibt sogenannte Aktienschwellen, deren Überschreiten Meldepflichten nach sich ziehen. Davon gibt es jede Menge: bei mehr als 3, 5, 10, 15, 20, 25, 33⅓, 50 oder 66⅔ Prozent der Aktien.

Offensichtlich wollte die saudische Bank die Schwelle von 10 Prozent nicht überschreiten, aus welchen Gründen auch immer. Und genauso offensichtlich war sich der Bankpräsident nicht bewusst, in welch wackliger Verfassung sich die Bank bei seiner Aussage befand. Er hatte den Behauptungen der Bank und der Schweizer Behörden vertraut – ein schwerer Fehler heutzutage.

Also hört die Story von «watson», gleich von den anderen Medien von CH Media übernommen, dort auf, wo es eigentlich interessant werden würde. Irgendwie typisch.

Die Null-Meldung

Neue Kategorie, neuer Spass. Alte Methode.

Man nennt es Rehash. Man nennt es Spaltenfüller. Früher nannte man es einen Spekulatius. Das Rezept ist einfach. Nimm einen berühmten Namen, nimm ein Geheimnis, zitiere fleissig Quellen, einmal umrühren, und fertig ist die Null-Meldung:

Das rauschte schon durch die Medien, nun hatte auch noch «20 Minuten» das Bedürfnis, diese Ente quaken zu lassen. Denn nur im Titel wagt man den Indikativ. Alle «Indizien», «Beweise» und Behauptungen sind aus zweiter Hand, Gerüchte, Werweiserei, heisse Luft.

Typischer Satz: laut dem und dem soll die und die dort und dort gelebt haben. Früher mal. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Oder so.

 

 

NebelGlücksSpalterPost

Nebelspalter.ch legt das Niveau tiefer. Sehr tief. Würde die GlüPo nie machen.

Im Fachjargon heisst das Rehash. Aus Verzweiflung wird ein Artikel publiziert, der nur aus einem durch den Häcksler gezogenen Inhalt besteht, der aus anderen Newsquellen zusammengestöpselt wurde.

«Putin versteckt seine Geliebte in der Schweiz» ist so ein Rehash, dazu noch ein toxisch-unbekömmlicher. Dominik Feusi, nur echt mit Fliege und Weinflasche auf dem Tisch, zeigt sich als Meister der Archivrecherche.

«Page Six», nau.ch, NZZ, «La Stampa», «Blick», seriöse und weniger seriöse Newsquellen nimmt Feusi zu Hilfe, um das angebliche «Versteck» einer Geliebten Putins in der Schweiz zu enthüllen. Im Tessin lebe die, samt «zwei Zwillingstöchtern und zwei Söhnen», die der Kreml-Herrscher mit ihr haben soll. Der Leser ist allerdings etwas verunsichert, ob das dann insgesamt sechs Bälger sind.

Auch sonst scheint Feusi über die Produktionszeiten von Nachwuchs nicht ganz auf dem Laufenden zu sein:

«2019 soll Kabaeva in Moskau zwei Söhne von Putin auf die Welt gebracht haben.»

Das wäre im Fall von Zwillingen, oder «zwei Zwillingen», wie das Feusi nennen würde, allenfalls möglich. Sonst eher nicht.

Eines der Kinder soll in einer namentlich genannten «Prominentenklinik Santa Anna» im Tessin geboren worden sein, alle kleinen Putins und auch Mama hätten zudem den Schweizer Pass. Die heisst zwar Sant’Anna, bietet ihre Dienstleistungen tatsächlich auch auf Russisch an. Fürchterlich luxuriös für Prominente wirkt sie allerdings nicht.

Wurde hier ein kleiner Putin geboren?

Allerdings verwirrt auch diese Geburtsangabe. Einmal Zwillinge, zwei Söhne in Moskau, macht vier. Dann aber noch eine Geburt im Tessin, kein Zwilling, das wären dann 5 Kinder. Oder 6. Oder 4. Oder wie auch immer, darunter zwei Frühgeburten in einem Jahr.

Peinlich, widersprüchlich, denunziatorisch

Die Mutter sei im Übrigen Olympiasiegerin und 19-fache Weltmeisterin, sei am Anfang dieses Jahrtausends wegen Doping gesperrt gewesen, stamme aus Usbekistan und sei zum Christentum konvertiert, was darauf hinzuweisen scheint, dass sie vorher einer anderen Glaubensrichtung angehörte. Man darf raten, welche das wohl war.

Es ist also ein zusammengenagelter, unsauber abgeschriebener, peinliche Widersprüche enthaltender Artikel. Rein fachlich betrachtet untere Schublade. Aber hinzu kommt, dass der Artikel toxisch ist.

Dass mit Putin ein Verbrecher im Kreml sitzt, bedarf keiner weiteren Diskussion. Auch ein Versager, der die Kosten einer Invasion der Ukraine völlig falsch eingeschätzt hat. Aber ist das Grund genug, voyeuristisch eine mögliche Geliebte mitsamt gemeinsamen Kindern in Wort und Bild vorzuführen? Nicht etwa aufgrund eigener Recherchen, sondern einfach als Zusammenschrieb aus vielen teilweise Jahre zurückliegenden Artikeln.

Name, Wohnkanton, Anzahl Kinder, inklusive Geburtsdatum und -ort, was soll das? Den Volkszorn auf diese Menschen lenken? Die Einleitung weist darauf hin:

«Während in der Ukraine Bomben und Raketen auf Wohnquartiere niederregnen, ist Putins Familie offenbar im Tessin in Sicherheit.»

Die «GlücksPost», sonst eher für People-Storys zuständig, würde so etwas nicht machen. Denn welcher Art auch die Beziehung sein mag, Sippenhaft sollte eigentlich seit zurückliegenden dunklen Zeiten abgeschafft sein. Sie wird heute noch ausschliesslich von Unrechtsstaaten und Diktaturen angewendet. In der Schweiz hat sie nichts zu suchen.

Der «Nebelspalter» sollte sich eins schämen, was er sicher nicht tun wird.

Wo ist denn der Rücktritt?

«Blick» ballert weiter gegen den CS-Präsidenten. Gut so.

Materiell hat das Boulevardblatt seine Munitionskiste offenbar geleert. Da gibt es nur noch Rehash. Rückkehr aus London im Privatjet, damals zehntätige Quarantäne als Folge, aber nur drei Tage später muss der der Jetsetter schon weiter.

Mit Zwischenstopp in Europa, dann nach New York. Wichtige Sitzung des Verwaltungsrats. An der nehmen zwar auch andere per Zuschaltung teil, aber António Horta-Osório liebt offenbar den Geruch nach Kerosin und Wichtigkeit. Und wenn man schon auf Firmenkosten wichtig durch die Welt düsen darf, wieso nicht.

Besonders animiert dürfte der Bankenlenker allerdings nicht im Flieger gesessen haben. Im Gegenteil, er hatte Zeit, den Schaden zu betrachten, den seine Kommunikationsberater bereits angerichtet haben.

«Verghona» auf Portugiesisch. Aber nicht im Wortschatz eines Bankers.

Zunächst die Lachnummer, dass er nicht gewusst habe, was Quarantäne bedeute. Also man dürfe zwar sein Haus nicht verlassen, aber echt jetzt, nicht mal einen Privatjet darf man besteigen? Das müsste einem ja extra gesagt werden, wirklich wahr.

Darüber konnte sich der «Blick» schon im Aufmacherartikel lustig machen. Die Rücktrittsforderung einer Arbeitsethikerin steht auch schon im Raum. Was macht man da als Nachzug?

Bum-Bum-«Blick» verbeisst sich in den CS-Boss.

Gleich drei Kräfte wirft der wiederbelebte «Blick» am nächsten Tag in die Schlacht. Deren Aufgabenverteilung war klar. Einer kaut die bekannten Tatsachen nochmal durch. Der zweite bauchpinselt den «Blick» mit einem Blick auf die internationale Resonanz, die die Story gefunden hat. Von der FAZ über Bloomberg, Reuters  bis zur «Financial Times»: überall schüttelt man den Kopf über das Verhalten des Wichtigbankers, natürlich mit Erwähnung des Blatts, das die ganze Affäre publik gemacht hat.

Wie hält man die Story am Köcheln?

Aber nach der Story ist vor der Story, Ablecken der Lorbeeren und Wiederholung des Bekannten ist das eine. What’s next, wie der Ami so richtig sagt, wie geht’s denn nun weiter?

Da zeigt Lukas Hässig von «Inside Paradeplatz», wie man klotzt, nicht kleckert:

Auch im Text ballert er aus allen Rohren. Man habe bei der CS auf eine Wende gehofft, auf einen Aufräumer, aber:

«Nun haben sie einen Luftibus im Haus, der nicht weiss, wie blöd er tun soll. Wärs keine Tragödie, wärs zum Schiessen. Ein Frauenheld, ein Jet-Setter, ein Bullshit-Erzähler, der von Walk the Talk spricht und sich selbst kein bischen im Griff hat.»

Das nennt man volles Rohr. Etwas, einiges dezenter hält’s der «Blick». Er verbeisst sich in die Frage, wieso Horta-Osório behauptet, er habe «unwissentlich» gegen die Quarantäne verstossen. Schlussfolgerung: «Hätte er dabei zugeben, dass er wissentlich gegen die Quarantäne verstossen hatte, hätte er die Einleitung eines Enforcement-Verfahrens riskiert. Um seinen Kopf zu retten, blieb ihm gar nichts anderes übrig, als Nichtwissen als Grund für den Verstoss anzugeben.»

Kann man Horta-Osório zurücktreten?

Damit bezieht sich der «Blick» darauf, dass wir im Prinzip eine Überwachungsbehörde für den Finanzplatz haben. Allerdings hat die FINMA noch nie einen Grossen ernsthaft geärgert. Alle Schweinereien, die die CS bislang anstellte, hatten noch nie Sanktionen zur Folge, persönliche Konsequenzen. Obwohl die FINMA die sogenannte Gewähr entziehen kann, also die Lizenz zum Banking in höheren Kreisen. Und ohne diese Gewähr muss der Banker zurücktreten.

Nun ist es aber mit dem Rücktritt so eine Sache. Während jedes Geschäftsleitungsmitglied vom Verwaltungsrat gefeuert werden kann, ist es bei seinen Mitgliedern schwieriger. Das entschied schon den Machtkampf zwischen Tidjane Thiam und Urs Rohner. Der konnte feuern, konnte aber nicht gefeuert werden.

Schöne Sammlung des «Blick».

Das kann bei einem VR nur das Gremium, das ihn gewählt hat. Also die Generalversammlung der Aktionäre. Das ist noch nie geschehen bei einer Grossbank, und es wäre auch äusserst unwahrscheinlich, dass eine ausserordentliche Versammlung mit einem Traktandum einberufen würde und dann erst noch eine Mehrheit für Abschuss zustande käme.

Also befindet sich die CS in der ungemütlichen Lage, dass der VR seinen Präsidenten höchstens beknien kann, für das Ganze, für den Ruf, angesichts der Umstände, unter Verdankung der geleisteten Dienste («wir werden dann auch ausdrücklich unseren Respekt bekunden, gell António») – freiwillig zurückzutreten.

Rücktritt oder klammern: beides ist fatal

Auch das ist kitzlig. Denn ob Horta-Osório diesem Ansinnen folgen würde oder nicht: Was ist von einer Bank zu halten, in der ihr Präsident zum Rücktritt gedrängt wird? Oder was ist von einer Bank zu halten, deren Präsident sich an seinem Stuhl festklammert?

Da hat Hässig schon recht, er formuliert, was sich der «Blick» noch aufspart:

«Horta-Osório hat CS maximalen Schaden zugefügt.»

Man darf gespannt sein, ob spätestens der SoBli nachlegt. Der versemmelte ja seine Berichterstattung über den Ex-VRP von Raiffeisen. Da wäre Wiedergutmachung gefragt. Und natürlich hofft jeder der wenigen verbliebenen Chefredaktoren in der Schweiz darauf, den Blattschuss ansetzen zu können.

Ach, und wieso hat eigentlich der CS-Boss diese Dummheit begangen? Dafür muss man kein Diplompsychologe sein. Weil er’s kann. Weil er sich zu wichtig nimmt. Weil er annahm, dass das sowieso nicht rauskommt. Weil er den möglichen Schaden völlig falsch einschätzte.

Oder ganz einfach: weil er ein Banker ist.