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Denksport-Aufgabe

Wer meint, ein Sudoku sei schwierig: Wie gewinnen die Medien die Abstimmung?

Die Schweizer Mainstream-Medien haben ein Problem. Nur eins? Gut, hier ist von nur einem die Rede.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Am 13. Februar findet die Abstimmung über das Medienpaket statt. Sie ist nötig geworden, weil gegen den Parlamentsbeschluss das Referendum ergriffen wurde. Seither führen die Medien das auf, was sie immer besser können: Dilettantenstadl.

Als sich ein Referendumskomitee bildete und mit dem Unterschriftensammeln begann, herrschte Einhelligkeit in der Presse: gar nicht erst ignorieren. Oder wenn nicht: lachhaft, kriegen die nie zusammen.

Als innert kurzer Zeit die Hürde von 50’000 Unterschriften locker übersprungen war, kam wieder Haltung eins zum Tragen: gar nicht erst ignorieren. Eine kleine Ticker-Meldung der SDA, damit niemand vorwerfen kann, man vermelde das nicht.

Aber regnet es morgen, was macht Roger Federers Knie, wer trennt sich und warum nicht? Es gab so viel Wichtigeres.

Dann zeigten erste Meinungsumfragen, dass es durchaus sein könnte, dass eine Mehrheit gewillt wäre, das Ausschütten einer Steuermilliarde an reiche Medienclans abzulehnen. Die schliesslich lieber Geld in den eigenen Sack scheffelten, als sinnvolle Investitionen in Zukunftstechnologien und das Internet zu tätigen.

Langsames und ausgiebiges Kopfkratzen

Als sich nicht verhindern liess, dass sich herumsprach, dass die Medienkonzerne auch während oder gerade wegen Corona durchaus nette Gewinne erzielt hatten, begann langsam das Kopfkratzen in den Chefetagen.

Als Tx (Mutterkonzern von Tamedia) und Ringier bekanntgaben, dass sie ihre Internet-Handelsplattformen zusammenlegen würden, schossen die Tamedia-Aktien durch die Decke; angesichts der Besitzverhältnisse und des Einkaufs eines Partners kann man davon ausgehen, dass dieser Zusammenschluss zusätzlichen Firmenwert in Milliardenhöhe schafft.

Nun wurde das Kopfkratzen so stark, dass sich Marc Walder mangels Haaren abmelden musste. Aber Pietro Supino begann, sich mit eher durchwachsenen Bemerkungen in die Schlacht zu werfen.

Zudem wurde ein Pro-Komitee gegründet, dessen Webseite und Auftreten an Lächerlichkeit kaum zu überbieten ist.

Wer sich so eine Webseite basteln lässt, ist verloren.

Schliesslich wurde mit grossem Trara das Werbesujet vorgestellt, mit dem die Befürworter in die Schlacht ziehen wollen. Ein mit einer Zeitung bewaffneter Tell haut darauf eine Mauer zu Klump. Versteht keiner, hat keine verständliche Aussage, aber he, die gleiche Agentur, die die Werbekampagne fürs Impfen in den Sand setzt, war da auch dran. Das musste doch klappen.

Wer sich so ein Werbesujet basteln lässt …

Als wäre die Pechsträhne nicht gross genug, wird Ringier-CEO Marc Walder dann mit einer sehr unglücklichen Aussage zitiert. Die ist auf Video und daher unbestreitbar. Dass sie fast ein Jahr alt sei, aus dem Zusammenhang gerissen, nicht so gemeint, Entschuldigung auch, das alles nutzt nix.

Dagegen arbeitet das Referendumskomitee – trotz kleinen Ressourcen – effektiv und aktiv und mit Argumenten.

Kein Fehler wird ausgelassen

Nun begehen die Medien noch den letzten Fehler, der ihnen noch nicht unterlaufen ist. Es gibt Sachen, die sollte man einfach schweigend übergehen. Wer Scheisse geredet hat, schweigt darüber. Kann er das nicht, entschuldigt er sich ein Mal, und dann wird das Thema gewechselt.

Aber nein; die Konkurrenz echauffiert sich, der Verleger höchstselbst greift in die Harfe, dann die gesammelte Chefredaktion, Riesentrara.

Der Autor des Knallers wird madig gemacht, der sei doch im Referendumskomitee aktiv, und überhaupt. Als ob das an der Brisanz des Fundes etwas ändern würde. Das sei zudem uralt und absichtlich erst jetzt lanciert worden. Na und?

Wem es echt beschissen läuft, dem fehlt nur noch eines: Hansi Voigt taucht an seiner Seite auf. Der kräht was von «Freunde des Faschismus» seien alle Parlamentarier und Stimmberechtigten, die das Referendum unterstützen. Rechtsnationale und reaktionäre Milliardäre seien gegen die Steuermilliarde.

Sagte der selbst von einer Milliardärin ausgehaltene Voigt. Und rudert dann wie meist halbwegs zurück.

Blöder kann’s kaum kommen

Also blöder kann’s eigentlich nicht laufen. Das Problem dabei ist: wenn jemand etwas von Kommunikation, Publikation, Meinungsführerschaft, Eroberung des Luftraums über den Stammtischen, Themensetzung, Platzierung von Kernaussagen verstehen sollte, dann doch die grossen Medienkonzerne.

Zudem geht’s ja nicht um Peanuts. Selbst in Milliardärskreisen ist eine Milliarde nicht nix.

Die besoldeten Journalisten tun ja, was sie können. Und trommeln auf allen Batterien für das Gesetz. Aber schon ihre Häuptlinge versagen mit lächerlichen «Stellungnahmen». Ganz schlimm sieht’s aber auf der Verlagsetage aus.

All diese hochbezahlten Medienmanager bei Tamedia, Ringier, CH Media, all diese Wichtigtuer, Sitzungsmarathonläufer, aufgeblasene Wichte: die haben nicht nur das Schlamassel mitverschuldet durch Unfähigkeit zu gewinnorientierter Strategie in sich wandelnden Zeiten. Sie haben jahrelang mit offenen Mündern zugeschaut, wie US-Konzerne ihnen die Butter vom Brot nehmen und dann sogar nur noch Krumen lassen. Interessanterweise mit einer Ausnahme: Marc Walder.

Und jetzt tun sie eigentlich alles dafür, um diese Abstimmung zu verlieren.

Der Verleger-Alptraum könnte wahr werden.

Bibber, schlotter

Könnte das Undenkbare passieren? Ein Referendum angenommen werden? Jaul.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Zuerst war Geschimpfe gegen Covid-Leugner, Massnahmen-Skeptiker und andere Idioten. Antidemokraten wie der SoZ-Politchef Denis von Burg forderten beherztes Durchgreifen und Zwangsmassnahmen gegen Impfverweigerer, diese fahrlässigen Gesellen.

Dann gab’s Geheul, als ein Harvard-Professor mit grösserem wissenschaftlichen Aufwand belegte, dass es keine signifikante Korrelation zwischen Anzahl Geimpfter und Neuinfektionen gibt. Also viele Geimpfte bedeutet überhaupt nicht wenig Neuansteckungen.

Aber inzwischen werden die Kommentatoren etwas bleich um die Nasenspitze. Könnte es denn etwa sein, dass das Referendum gegen das Covid-Gesetz am 28. November angenommen wird?

Patrik Müller, Oberchefredaktor bei CH Media, macht sich ernsthaft Sorgen:

«Zertifikats-Befürworter unterschätzen den Widerstand: Wenn sie nicht aufwachen, droht ein Volks-Nein»

«Weckruf, in Sicherheit wiegen, Wirtschaftsverbände schlafen weiter», Müllers Blick ist düster umwölkt. Denn: «Die Demonstration am Samstag in Bern war grösser als vermutet, und es marschierten nicht nur Trychler und die erwartbaren Skeptikergruppen mit, sondern auch Linke.»

«Erwartbare Skeptikergruppen», was für eine gewundene Umschreibung von «übliche Idioten». Sollten sich hier wohl wieder rechte und linke Fäuste vereinen und die von der SRG gemessene Zustimmung von über 60 Prozent zum Gesetz kurz und klein schlagen?

Über diese Seufzerbrücke musst du gehen.

Mit liberaler Gelassenheits sieht’s (noch) die NZZ: «Pflegeinitiative und Covid-19-Gesetz sind auf Ja-Kurs». Allerdings erteilt das Forumsblatt auch einem Professor für öffentliches Recht an der Uni Zürich als Gastkommentator das Wort:

Verfassungswidriges Vorhaben: starker Tobak vom Professor.

Aber eigentlich schlottert die Medienbranche aus einem ganz anderen Grund. Es gibt da noch ein zweites Referendum, das ihr viel mehr Kopfschmerzen verursacht als die Möglichkeit, dass das Covid-Gesetz bachab geschickt wird. Ausser für ein paar Corona-Kreischen ist das eigentlich nicht so das Thema. Denn auch die Medien verfolgen hier das Geschehen eher schlapp. Hoffen natürlich auf einen Inserateschub durch zahlungskräftige Befürworter des Gesetzes. Das ist der tiefere Grund fürs Gejammer.

Zur Sache geht es beim Referendum gegen die Steuermilliarde für Medienclans

Aber das Halszäpfchen beim Jammern sieht man, wenn’s um das Referendum gegen die zusätzliche Steuermilliarde für reiche Verlegerclans geht. Auch da sieht Müller inzwischen dunkelgrau:

««Jetzt haben wir den Salat»: Alle bürgerlichen Parteichefs bekämpfen das Mediengesetz»

Hoppla. Auch hier ist die Lage parteipolitisch unübersichtlich: «Ausgerechnet SP-Co-Präsident Cédric Wermuth, der die privaten Verlage gern kritisiert, weibelt für ein Ja. Kann das gutgehen?»

Nun, wenn Wermuth weibelt, geht’s meistens nicht gut, das weiss auch Müller. Er setzt mal auf Pfeifen im Wald, gegen die Angst: «Die Verleger sagen, sie würden an ein Volks-Ja glauben.»

Das Problem der Befürworter, muss Müller einräumen, ist ein gravierendes: «In der Sendung «Medientalk» von Radio SRF warben Andrea Fopp von Bajour.ch, Urs P. Gasche von Infosperber.ch und Beat Glogger von Higgs.ch für das Medienpaket, nicht ohne wiederholt zu betonen, dass sie sich daran stören, dass die grossen Verlage am meisten Geld erhalten würden, «die dann wie Supino auch noch Dividenden ausschüttet», wie Fopp sagte. Auch sie sprach von Wesen eines Kompromisses und «vielen Nachteilen»».

Publizisten im Sold von Multimillionären wäffeln gegen Multimillionäre

Damit aber nicht genug. Tiefflieger wie Hansi Voigt sind auch für die Medienmilliarde; er beschimpfte die Gegner schon mal als «Freund:innen des Faschismus». Um dann zurückzurudern, er sei absichtlich missverstanden worden, er habe nicht alle gemeint, dann löschte er vorsichtshalber seine Rüpelei. Wer solche Kampfgefährten hat, braucht eigentlich keine Feinde.

In der gleichen Flughöhe bewegt sich Andrea Fopp von «bajour.ch»: «Wenn wir aus diesen Gründen Nein sagen, dann haben wir am Ende gar keine Lokalmedien mehr. Oder nur noch solche, die von irgendwelchen Milliardären bezahlt werden.»

Genau wie bei den 50 Nasen der «Republik» ist das Problem, dass sich Fopp selbst von einer Milliardärin aushalten lässt. Beim Rettungsblatt der Demokratie handelt es sich immerhin nur um Mulitmillionäre, das ist dann was anderes.

Schwache Befürworter, starke Gegner

Das Mediengesetz hat also eine ganze Phalanx von Gegnern. Einen bedeutenden Teil der Bevölkerung, der nicht einsieht, wieso man Versäumnisse der Medienhäuser, die lieber ihre Eigentümer mit Geld zuschütteten, als dringend nötige Investitionen in Digitalisierung und Content zu machen, nun mit Steuergeldern diese «Transformation» schenken soll.

Alle, die das Todeslied über Lokalmedien singen, sollten die nicht Staatsknete kriegen, singen dran vorbei, dass – genau deshalb nicht genau ausgewiesen – wohl über 70 Prozent in den Taschen der grossen Drei landen würden; für Lokalblättchen blieben dann nur noch Krumen übrig.

Inzwischen sind sämtliche bürgerlichen Parteien – aus durchaus unterschiedlichen Gründen – gegen das Gesetz, dem sie zuvor zustimmten.

Schliesslich hat die Medienmilliarde eine ganze Reihe von Befürwortern, die sich die Gegner nicht schöner schnitzen oder wünschen könnten. Vehemente Kritiker von Monopolmedien wie Wermuth werden plötzlich zu deren besten Freunden; Vollpfosten krähen gegen die angebliche Finanzierung von Lokalblättern durch – natürlich rechte –Milliardäre. Damit meinen sie immer nur einen, den Gottseibeiuns aus Herrliberg.

Richtig putzig wird das, wenn diese Schreihälse selber vom Portemonnaie von reichen Mäzenen leben. Der Gipfel an Blödheit ist wohl hier erreicht:

«Rechtspopulisten und ihre Financiers greifen nach der politischen Macht. Nicht nur in den USA, wo Trump und Foxnews die Demokratie fast zum Einsturz gebracht haben. Auch in der Schweiz geben vermögende Freunde des Populismus inzwischen verschiedentlich Medien heraus, die aber grösstenteils gar nicht erst versuchen, nach journalistischen Kriterien zu berichten.»

Das ist allerdings sehr wahr, wenn man sich «bajour», «Republik», «Saiten», «Megafon» und Konsorten anschaut, die – gesponsort von Multimillionären oder nicht – nur gelegentlich versuchen, journalistischen Kriterien zu genügen – wie beispielsweise einem Angepinkelten Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

Der Stimmbürger ist vielleicht nicht der Hellste, aber …

Was all diese Tiefflieger übersehen: Die Bevölkerung ist vielleicht nicht die Hellste und auch nicht bis ins Detail über Medienförderung informiert. Aber solche Dummheiten lösen immer den gleichen Reflex aus: die Antwort ist nein. Was war schon wieder die Frage?

Voigt läuft ausser Konkurrenz, aber wie SP-Co-Chef Wermuth seinen Genossen erklären will, dass er plötzlich für milde Gaben Richtung Coninx-Supino, Wanner und Ringier ist, damit die genügend Sprit für Privatjets, Yachten und Wagenflotten haben, wir sind gespannt.

Wieso Steuergelder in Konzerne geschüttet werden sollen, die trotz Riesengejammer auch in Coronazeiten nette operative Gewinne machten? Wieso die schon gesprochenen Sondersubventionen nicht ausreichen? Wieso staatsabhängige Medien staatskritisch bleiben könnten? Alles Fragen ohne gute Anworten.

«Blick»: Augen fest zusammengekniffen

Informieren, gewichten, analysieren. So könnte es sein. Aber doch nicht beim «Blick».

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Das Organ der gehobenen Belanglosigkeit hat sich zum Ziel gesetzt, die Führungscrew der Credit Suisse der Lächerlichkeit preiszugeben. Nein, das ist natürlich Fake News; «Blick» würdigt das Teamwork und die herausragenden Leistungen der CS-Spitze. Denn weder der VR-Präsident noch der CEO haben es verdient, dass man wegen ein paar Milliarden Miese oder dem im tiefen Keller dümpelnden Aktienkurs an ihren Fähigkeiten zweifelt.

Diese Lobeshymnen binden ganz schön Kräfte, und so viele Kindersoldaten hat’s dann auch nicht im Newsroom, dass man viel Zusätzliches abdecken könnte. Aber, so viel Nutzwert muss sein, die erfahrene Polit-Journalistin Lea Hartmann informiert über die kommende Abstimmung zum Covid-Gesetz.

Entscheidungsoffene Frage. Bloss: fehlt das Ja …

Objektiv, entscheidungsoffen, wie man so schön sagt. Es gibt ja bei solchen Abstimmungen verblüffenderweise zwei Möglichkeiten. Ein Ja oder ein Nein. Ja ist eigentlich gesetzt, erwartet, nötig, zu begrüssen. Also muss darüber nicht gross berichtet werden. Hingegen ein mögliches Nein, das wäre fatal. Aber dem kann abgeholfen werden, mit einer ganz neutralen Auflistung der möglichen Folgen.

Die würden sich zunächst im Portemonnaie bemerkbar machen, warnt Hartmann. Ausweitung der Härtefallhilfen, Kurzarbeitsentschädigung, Hilfsgelder für Künstler, alles futsch. So nebenbei auch: «Unterstützung von Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen.» Aber das hindert einen unterstützten Konzern nicht daran, objektiv zu berichten.

Den richtigen Knaller hat sich Hartmann noch aufgespart:

«Es dürften keine Zertifikate mehr ausgestellt und kontrolliert werden.»

Zwar nicht per sofort, aber im März 2022, ein Jahr nach dem Inkraftreten des Gesetzes. Im Fall, dass es an der Urne durchfallen würde.

Kein Zertifikat mehr, das Leben wäre ein anderes

Ja was heisst denn das? Nun, die ganze schöne Zertifikats-Übung wäre für die Katz. Kein Zertifikat, keine Kontrolle, furchtbar. Noch schlimmer natürlich: «Das Wegfallen des Schweizer Corona-Passes könnte für Reisende zu «erheblichen Problemen» führen, warnt das Innendepartement.»

Also man könnte schon noch ins Ausland, aber schwierig, und Restaurants sowie Hotels oder kulturelle Einrichtungen würden dem zertifikatslosen Schweizer verschlossen bleiben. Schluchz. So nebenbei: das würde auch für Bundesräte gelten und auch für den Besuch eines Liebesnests in Freiburg im Breisgau.

Also wäre das menschlich schwer erträglich. Nun könnte der Laie meinen, dass das mit dem Zertifikat doch nicht so ein Ding sein wird; sollte es so nötig bleiben, könnte man doch eine neue gesetzliczhe Grundlage dafür schaffen. Oder nicht?

Im Prinzip nein, sagt da der zuständige Bundesrat Alain Berset. Das ordentliche Gesetzesverfahren würde viel zu lange dauern: «Es wäre damit ausgeschlossen, dass eine gesetzliche Grundlage schon 2022 bereitstehen würde».

Wenn alles so klar ist, wieso dann ein Referendum?

Also spricht doch eigentlich alles gegen dieses Referendum. Warum wurde es dann überhaupt eingereicht? Zwängerei, verantwortungslose Nein-Sager, ist den Initianten eigentlich die Volksgesundheit in der Schweiz egal?

Was habe die überhaupt für Argumente? Ach, das würde offenbar für Hartmann zu weit führen: «Die Corona-Krise lässt sich nicht per Volksabstimmung beenden. Einige der von Bundesrat und Parlament beschlossenen Corona-Bestimmungen allerdings schon.»

Aber warum denn? «Federführend sind die «Freunde der Verfassung». Das Covid-Gesetz sei unnötig und extrem, finden sie. Die Corona-Massnahmen stellen aus ihrer Sicht eine Diskriminierung der Ungeimpften dar und führten in Kombination mit der Zertifikatspflicht zu einem indirekten Impfzwang.»

Ach was, mehr haben die nicht auf Lager? Im Prinzip schon, denn vor allem wird auf die desaströsen wirtschaftlichen Folgen verwiesen, verursacht durch die Pandemie-Bekämpfung mit (fast) allen Mitteln.

Dem setzt nun «Blick» ganz objektiv und völlig unbeeinflusst davon, dass die «Freunde der Verfassung» auch das Referendum gegen ein Gesetz unterstützen, das die Verteilung von zusätzlich einer Milliarde Franken an notleidende Medienclans enthält, klare Worte entgegen.

Denn all das kann doch ein der Objektivität und aufrichtigen Recherche verschriebenes Blatt wie den «Blick» überhaupt nicht in seinem Urteil beeinflussen. Niemals. Auf keinen Fall. So liebe Kinder, dann geht’s ins Bettchen, und morgen erzählen wir Euch ein anderes Märchen.

Berichterstatterpflicht?

Das Referendum gegen Staatsknete für Medien ist zustande gekommen. Schweigen im Blätterwald.

Das Referendumskomitee gibt bekannt: am 7. September wurde die Grenze der nötigen 50’000 Unterschriften überschritten.

Damit kann die Schweizer Bevölkerung voraussichtlich im Februar 2022 darüber abstimmen, ob es wirklich nötig ist, die reichen Verlegerclans der Schweiz mit über einer Milliarde Steuerfranken zu unterstützen.

Das sieht das Subventionsgesetz vor, das mit grosser Lobbyarbeit durchs Parlament bugsiert wurde. Die anfängliche Überheblichkeit der Befürworter und Profiteure «wer sollte dagegen schon das Referendum ergreifen?» ist verkniffenem Schweigen gewichen.

Normalerweise ist das Zustandekommen eines Referendums zumindest eine Nachricht wert; Berichterstatterpflicht der Qualitätsmedien, die ja genau deswegen die unverzichtbare Vierte Gewalt sind und unbedingt Subventionen brauchen.

Referendum? Was für ein Referendum?

Aber hier macht man gerne eine Ausnahme und sagt keinen Ton. Lediglich die schreibende Sparmassnahme der NZZaS sah schon letztes Wochenende schwarz: «Das war’s dann wohl für das Mediengesetz».  Am 31. August «wurde wohl der Sargdeckel darüber» zugenagelt, orakelte Felix E. Müller.

Damit hat er wohl recht. Denn an diesem Tag wurde der grosse Zusammenschluss der Internet-Plattformen von Tamedia, Ringier und Mobiliar bekannt gegeben, was allen Beteiligten einen Wertzuwachs in Multimillionenhöhe bescherte.

Ob diese neue Plattform für Handel und Austausch wirklich erfolgreich wird und gegen die Big Boys Google, Facebook & Co. bestehen kann, wird sich weisen. Aber es ist tatsächlich wohl nicht mehr vermittelbar, wieso die Familienclans, die auch während Corona hübsch Gewinne machen, mit über einer Milliarde Steuerfranken dabei unterstützt werden sollten, sich neue Yachten, Schlösser und Privatjets zu kaufen.

Zumal damit angeblich die Transition ins Digitale unterstützt werden soll. Die haben die Verlage tatsächlich verschnarcht, aber nun ja nachgeholt. Zudem kann es wohl kaum die Aufgabe des Staates sein, Versagern am Gerät mit Steuerfränkli unter die Arme zu greifen.

Verdienen mit und an Corona auf allen Kanälen

Apropos Corona, da hat «Inside Paradeplatz» gerade einen interessanten Bericht veröffentlicht.  Nette 2,5 Millionen Franken hat das BAG bislang in diesem Jahr in Werbung im Zusammenhang mit Corona gesteckt.

Davon «entfällt rund ein Drittel, nämlich 800’000 Franken, auf TV-Spots; sprich das Geld landet in den Büchern von SRF und deren Vermarkterin Admeira, die Ringier gehört, sowie in der TX Group, welche mit ihrer Tochter Goldbach Medien im Fernsehmarkt vorne mitspielt.

Auf knapp 800’000 Franken vom BAG und damit Platz 2 im Ranking kommt die Kategorie „Print“, dort erneut mit Ringier-Admeira und Goldbach als Haupt-Profiteure, gefolgt von CH Media und NZZ.»

Also Kohle satt aus allen Quellen; die digitale Transformation läuft auch von alleine, Gewinne sprudeln weiterhin, obwohl das publizistische Angebot am Hungertuch nagt, die eigentliche Newsvermittlung, Recherche, Analyse nur noch von Kindersoldaten, Schattenkriegern und demotivierten Journalisten in ihren Verrichtungsboxen in der Hölle des Newsrooms erbracht wird.

Wes Brot ich ess›, des Lied ich publizier›

Sozusagen im voreilenden Gehorsam wird seit Ausbruch der Pandemie im Wesentlichen Staatstragendes publiziert; anfänglich noch gelegentlich kritische Berichte verschwanden immer mehr zugunsten von «Regierende, wir loben euch»-Jubelartikel, von Corona-Kreischen wurden höchstens noch strengere Massnahmen, noch mehr Lockdown, noch mehr Abwürgen von Wirtschaft und Gesellschaft gefordert.

Und jeder, der ein kritisches Wort dazu wagt, wird als Corona-Leugner, unverantwortlicher Mitmensch, also als Idiot abgestempelt.

Aber nun ist es amtlich: die Verlage müssen aus der Komfortzone heraus. Sie müssen sich gegen den Vorwurf wehren, von denjenigen gekauft zu sein, denen sie eigentlich auf die Finger schauen sollten. Zurzeit herrscht noch betroffenes, verkniffenes Schweigen.

Allerdings ist die Hoffnung verschwunden, dass dieser Kelch doch bitte schön einfach vorbeiginge. Wir sind gespannt, welche Mietmäuler zum Einsatz gebracht werden; schliesslich geht es um eine runde Milliarde, dafür lohnt es sich schon, Kohle in die Hand zu nehmen.

Feige Republikaner

Auch die letzten Benimmregeln werden bei der «Republik» über Bord geworfen.

Der Journalist hat das Recht, Fragen zu stellen. Er ist sogar dazu verpflichtet. Vor allem dann, wenn er angriffig Personen oder Organisationen in die Pfanne haut.

Natürlich lässt sich dieses Werk einfacher verrichten, wenn man den Angerempelten keine Gelegenheit zur Stellungnahme gibt. Da lässt es sich ungehemmt vom Leder ziehen, schimpfen, niedermachen.

Gäbe es Widerworte, gar Richtigstellungen, würde es sich im blödesten Fall herausstellen, dass die so schön geschäumte Vorwürfe zwar vernichtend wären, aber leider falsch, dann würde ja das ganze Schreibwerk keinen Spass mehr machen.

Recht auf Gehör? Nicht bei der «Republik»

Dass es eigentlich zu den wenigen von allen eingehaltenen Regeln des Presserats gehört, dass man vor allem bei schwerwiegenden Vorwürfen dem Kritisierten Gehör einräumen muss, was soll’s. Wenn es darum geht, den Feldzug einiger «Republik»-Redaktoren gegen Tamedia fortzusetzen, dann wird gehobelt, geholzt, beschuldigt und diskreditiert, dass es eine Unart hat. Ohne dass auch nur eine einzige der hier niedergemachten Personen die Gelegenheit zur Stellungnahme bekam.

Damit ist man eigentlich  auf der untersten Stufe des Journalismus angelangt, der Schmiere. Dass sich auch ein für seine sorgfältigen Recherchen bekannter Journalist wie Daniel Ryser dafür hergibt, erstaunt. Vielleicht ist das Klima in der «Republik» ansteckend, denn alle angeblichen Riesenskandale, die bei näherer Betrachtung zu Skandalen der Berichterstattung schrumpften, wurden ebenfalls mit blumigen Begründungen enthüllt, ohne das die skandalisierten Personen oder Firmen Stellung nehmen konnten.

Ryser selbst bekam diese Möglichkeit selbstverständlich eingeräumt, bevor sein Machwerk hier kritisiert wurde. Er reagierte nicht auf einen Fragenkatalog.

Gerne wird in der Schmiere auch mit angeblichen Zeugen gearbeitet, mit «voneinander unabhängigen Quellen», die zwar das gleiche sagten, aber natürlich aus Schutz vor Repressionen nicht namentlich genannt werden könnten.

Nach aussen lustig, innen trübe.

Das funktioniert allerdings nur dann, wenn die Reputation des Organs, das diese Methode verwendet, noch einigermassen intakt ist. Also nicht bei der «Republik».

Bei anderen beklagen, selber aber schweigen

Wenn man journalistischen Anstand und das Einhalten primitivster Regeln noch mehr desavouieren will, dann macht man etwas, was man sonst bei anderen lauthals beklagt: man antwortet nicht auf höfliche Anfragen.

Selbst Fabian Molina bequemt sich – zwar murrend («In der Tat habe ich auch noch anderes zu tun, als auf Ihre unqualifizierten Gehässigkeiten zu reagieren») – zu Antworten auf Fragen, die er als Majestätsbeleidigung empfindet.

Bei der «Republik» stinkt der Fisch allerdings vom Kopf. Vielleicht liegt es daran, dass man selber eher selten Gelegenheit zur Stellungnahme gibt, dass die Teppichetage der Republikaner es nicht für nötig hält, auf eine Anfrage zu antworten.

Gerichtet war sie an Christof Moser, seines Zeichens Chefredaktor, und an Miriam Walther Kohn, die Geschäftsführerin. Von der gab es immerhin eine Antwort, allerdings nur die, dass sie in den Ferien weile, ihre Mails nicht beantworte und bei dringenden Anliegen auf ihre Stellvertreterin Katharina Hemmer verweise.

Aber leider folgte die dem schlechten Beispiel von Moser – und blieb stumm. Dabei wäre es nur eine einfache Story gewesen. Es geht um das Referendum gegen das Mediensubventionsgesetz. Die Anfrage lautete:

«Einem Kommentar des Mitglieds des Referendumskomitees Bruno Hug entnehme ich:

«Das linksgerichtete Online-Portal «Republik» teilte dem Referendums-Komitee mit, es wolle über das Referendum nicht mehr informiert werden.»

Dazu habe ich folgende Fragen:

  1. Trifft das zu?
  2. Wenn ja, aus welchem Grund will die «Republik» nicht mehr Informationen des Komitees (ich nehme an in Form von PM oder NL) bekommen?
  3. Hält die «Republik» eine Debatte über diese Staatssubventionen für überflüssig?
  4. Ist die Redaktionsleitung der «Republik» nicht der Auffassung, dass eine möglichst vollständige Information die Grundlage für seriöse journalistische Einordnung ist?

Ich danke für die Beantwortung bis morgen, Freitag, 27. August 2021 um 12.00 Uhr im Voraus.»

Ist nun nicht wirklich eine Einmischung in innere Angelegenheiten oder der Versuch einer Verletzung des Redaktionsgeheimnisses, will es ZACKBUM deuchen.

Ich bin dann mal weg; das gilt auch fürs Personal.

Immerhin, wir haben’s probiert, bevor wir nun ungeniert polemisieren können: was für eine feige Bande von Angstbeissern, die sich schon auf Steuerbatzeli als Subventionen freuen und sich dieses Gefühl nicht von Spielverderbern kaputt machen lassen.

Auch auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen: Wer sich immer noch stolz Verleger von diesem Organ nennt, dem ist nicht mehr zu helfen.

 

 

 

 

Sind die Medien weitsichtig?

Zumindest sehen sie das Naheliegende weniger, wenn es sie selbst betrifft.

Es gibt zwei Schlachtfelder, auf denen es ums medial Eingemachte geht. Da wäre zum einen die drohende Abschaltung der UKW-Ausstrahlung von Schweizer Radiostationen.

Zitieren wir das Blatt der vertieften Analyse, das Organ mit dem Abflussrohr im Titel, den «Blick»:

«Schawinski setzt sich in Bundesbern durch

Etappensieg für Roger Schawinski: Die Nationalratskommission fordert nach einem Treffen mit dem Zürcher Radiopionier, dass die Verwaltung bei der Abschaltung des UKW-Radios einen Marschhalt macht. Spätestens Ende 2023 will der Bundesrat komplett auf DAB+ umstellen und die UKW-Sender abstellen. Die Kommission fordert nun vom Bund, dass er vertieft prüft, welche Folgen es hätte, wenn man auf eine Abschaltung verzichten würde.»

Das nennt man der Berichterstatterpflicht nachkommen. Worum geht’s eigentlich, wieso darf Schawinski überhaupt bei einer Kommission des NR vorsprechen? War da nicht auch noch der Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios geladen? Jürg Bachmann gab sich im Vorfeld noch siegesgewiss:

«Wir werden den Parlamentarierinnen und Parlamentariern darlegen, dass auch die Radios ganz digital werden wollen.»

Das scheint ihm nicht wirklich gelungen zu sein. Als grosser Schweiger profiliert sich zudem die SRG. Sie wäre von einer Abschaltung der UKW-Frequenzen am stärksten betroffen, mochte sich aber an diesem Hearing nicht äussern.

Aufgeflogenes Gemauschel

Genauso wenig wie der grösste private Betreiber von Radiostationen; CH Media bzw. die Familie Wanner (Vater ist Besitzer vom Ganzen, Sohn ist zuständig für den Radiobereich) hüllt sich in Schweigen, nachdem sich Wanner Junior damit lächerlich machte, dass er sich darüber mokierte, dass der alte und in der Vergangenheit steckengebliebene ewige Pirat Schawinski zu seinem Abgang noch ein letztes Gefecht führen wolle.

Seitdem es Schawinski gelungen ist, im Alleingang und ohne Unterstützung und lediglich mit seinem «Radio 1» als treuem Begleiter über 60’000 Unterschriften für eine Petition gegen die Abschaltung zu generieren, herrscht nun Ernüchterung auf der Gegenseite.

Verstärkt wird die dadurch, dass die beiden ehemaligen Medienminister, Moritz Leuenberger und Doris Leuthard, sich inzwischen auch klar gegen die bevorstehende Abschaltung ausgesprochen haben.

Der Hintergrund ist ein typisch Schweizer Gemischel und Gemurkse. Man will die Erde darüber festklopfen, dass die mit Millionenaufwand betriebene Umstellung auf DAB und DAB+ ein Riesenflop ist. In einer Zangenbewegung erkauften sich Staat und SRG die Zustimmung der Privatradios zur UKW-Abschaltung. Die Privatradios mussten nicht wie üblich ein neues Gesuch um die Verlängerung ihrer Lizenz einreichen, dafür erklärten sie sich mit dem Abschalten einverstanden.

Ausser einem. Der wurde sträflich unterschätzt, nun gerät der ganze schöne Plan ins Rutschen. Warum? Weil dieser eine eben mit Herzblut dabei ist. Ein Radiomann ist. Kein Manager, der Kekse, Autoversicherungen oder Radiostationen verwalten könnte, ohne irgend einen Unterschied in der Tätigkeit zu sehen. UKW-Empfänger zu Elektroschrott machen, Autofahrer zum Umstieg auf DAB+ zwingen, dabei steht das Internet-Radio mit 5G bereits vor den Türen? Na und, sagen diese Manager, ist halt so.

400 Millionen jährliche Staatssubventionen  für die Verlegerclans?

Noch tieferes Schweigen herrscht zurzeit zum Thema «Referendumskomitee Staatsmedien nein». Eigentlich dachten die Verlegerclans, dass der Mist geführt sei. Die zusätzlichen Milliarden an Staatssubventionen eingefahren, durchs Parlament geschleust. Abgehakt, erledigt.

Fünffaches Grauen der Medienclans: das Komitee.

Reiche private Medienkonzerne, die auch in Corona-Zeiten satte Gewinne einfuhren, sollen mit zusätzlichen rund 180 Millionen Steuergeld subventioniert werden? Plus 81 Millionen als Stillehaltegeld aus den SRG-Gebühren. Mit allem Drum und Dran und gesenkter Mehrwertsteuer und verbilligten Zustellgebühren sind das 400 Millionen im Jahr.

Plus SRG-Gebühren sind das satte 1,7 Milliarden im Jahr. Nachdem der Angriff auf die Zwangsgebühren nur ganz knapp abgewehrt wurde, geht’s nun recht ungeniert weiter. Corona, Vierte Gewalt, unverzichtbar, Kontrolle und Transparenz, Korrektiv zur Staatsmacht.

Gemurkst und Gemauschel, Part II

Wirklich wahr? Finanziert vom Staat kritisch gegen den Staat? Ins Elend geschrumpftes Angebot, aber gleichhohe Preise und mehr Subventionen dafür? Gratis-Zeitungen und kostenlose Online-Medien sind ganz bewusst von diesen Subventionen ausgeschlossen.

Beispielsweise «Die Ostschweiz», eine erfolgreiche Alternative zum CH-Media-Einheitsbrei in der Ostschweiz. Oder auch, schnief, ZACKBUM, die letzte kritische Medienplattform.

Das ist hier die Ausgangslage, nun will das Komitee bis 1. Oktober die nötigen 50’000 Unterschriften sammeln, damit das Referendum zustande kommt und darüber abgestimmt werden muss. Auch hier befinden sich die Verlegerclans zurzeit in einer Schockstarre. Nachdem es den diskreditierten Coronapolitik-Kritikern spielend gelungen ist, eine neuerliche Abstimmung über die Corona-Gesetzgebung zu erzwingen, will man dieses Komitee keinesfalls weglächeln.

Aber man will es totschweigen, so gut es geht. In der Hoffnung, dass die 50’000 Unterschriften doch nicht zustande kommen. Sollte es wider Erwarten doch gelingen, dann ist eine Prognose wohlfeil: in aller gebotenen staatstragenden Haltung werden die Medien des Duopols Tamedia und CH Media darüber herfallen. Sich darin überbieten, wie dringend nötig diese Subventionen doch sind, wie verheerend es wäre, würden sie ausbleiben. Dem wird sich Ringier wohl anschliessen, während nur die NZZ vornehm abseits bleibt.

Es wird der Untergang der sogenannten freien Presse an die Wand gemalt werden, ohne vierte Gewalt gäbe es keine funktionierende Demokratie mehr, wird behauptet werden. Mal schauen, ob der Stimmbürger so dumm ist, sich davon einseifen zu lassen.

Neue Mächte in der Schweiz?

Recherchieren könnte helfen, muss aber nicht; schliesslich schreibt sich’s besser aus dem hohlen Bauch.

Ein Thema rauscht mal wieder durch den Blätterwald. Also durch die wenigen Blätter, die es da noch gibt und die im Wesentlichen zwei Medienkonzernen gehören.

Fangen wir mit der Ausnahme an: «Erst viermal wurden in der Geschichte der Schweiz mehr als 187 000 beglaubigte Unterschriften für ein Referendum eingereicht. Einige dieser Abstimmungen liegen mehr als hundert Jahre zurück», weiss die NZZ.

Da gab es doch mal die GSoA und ihren absoluten Weltrekord in der Schweiz: über 500’000 Unterschriften gegen den Kauf des F/A-18 Militärfliegers. Liegt nicht mehr als knapp 30 Jahre zurück. Ist aber irgendwie peinlich als Erwähnung, will es scheinen. Immerhin, Markus Somm weist darauf in seiner Kolumne in der SoZ darauf hin.

Damit er sich dennoch ungehemmt lobend über die 187’000 Unterschriften äussern kann, beckmessert er. Die «Freunde der Verfassung»  hätten nur 27 Tage dafür gebraucht, die GSoA dagegen 32, ätsch.

Die NZZ ist leicht schockiert:

«Mächtiger als Parteien und Verbände? Wie die Gegner des Covid-Gesetzes in nur drei Wochen fast 190 000 Unterschriften gesammelt haben»,

titelt sie. Blöd auch, wo doch die FDP gelegentlich baden geht, wenn sie Unterschriften für eine Initiative oder ein Referendum sammeln will.

Ansonsten hält sich die Berichterstattung aber in engen Grenzen.

 

Nix verstehen, aber trotzdem drüber schreiben: «watson» at its best.

Man ist sich allgemein nicht so klar, wie man diese Verfassungsfreunde genau verorten soll, wie man neudeutsch so schön sagt. Sind das finstere Rechtsradikale, Hetzer, ein U-Boot der SVP, gar finanziert vom Herrgöttli von Herrliberg? Man weiss nichts Genaues, kriegt auch nix journalistisch gebacken, also halt einfach Vorsicht in den Duopolmedien.

Klein, kleiner, am kleinsten: die Berichterstattung über diesen Sammelrekord.

Wie berichten die Medien über sich selbst, bzw. ihre Kohle?

Noch heikler ist natürlich das Thema Staatssubventionen nein. Da sammelt der «Verein NEIN zu staatlich finanzierten Medien» ebenfalls Unterschriften, um das gerade beschlossene, zusätzlich Medienpaket zu Fall zu bringen.

Das gab am Anfang etwas Hallo, in der Sonntagspresse war sogar ein grosses Porträt von Kurt Weigelt, neben Philipp Gut und dem Verleger Bruno Hug ein wichtiger Kopf im Referendumskomitee. Aber hier gleicht die Berichterstattung natürlich der Aussendung eines Reporters in ein Minenfeld. Ohne Schutzweste oder Minenaufspürgerät.

Denn mit viel Lobbyarbeit haben es die Grossverlage geschafft, zusätzlich zu den bestehenden Subventionen eine weitere Milliarde Steuergelder in den nächsten Jahren über sich regnen zu lassen. Als bittere Pille mussten sie nur schlucken, dass der Zwangsgebührensender SRG sein Internet-Angebot nicht einschränken muss – womit er im Newsbereich natürlich die Privatverlage konkurrenziert. Aber für nicht oder alternativ finanzierte digitale Angebote gibt es keine Batzeli; nur für die «Republik» wurde eine Ausnahme gemacht. Aber die rettet bekanntlich auch die Demokratie.

Alles in trockenen Tüchern, die Verlagsmanager freuten sich schon darauf, etwas Sommerpause zu geniessen. Auf der Yacht, im Rolls, beim Golfspielen. Und dann das. Wie aus dem Hinterhalt meldete sich das Referendumskomitee zu Wort und ist sehr optimistisch, bis Anfang Oktober ebenfalls die Hürde von 50’000 Unterschriften zu überspringen. Worauf über das Füllhorn aus Steuergeldern abgestimmt werden müsste.

Die Chefetage der Privatmedien muss sich erst mal sortieren

Die verschreckten Empfänger dieser Subventionen sortieren sich gerade noch. Da sie nicht mit einer solchen Gegenwehr rechneten, haben sie etwas Mühe zu erklären, wieso der Steuerzahler das Luxusleben der Medienclans unterstützen soll. Pardon, die grossen Verlage dringend nötige Unterstützung bei ihrer Aufgabe bekommen, die vierte Gewalt zu spielen.

Dabei taten sie so, als würde der schreiende Widerspruch niemandem auffallen. Die privaten Medienhäuser spielen sich als Kontrollinstanz auf, unverzichtbar in einer Demokratie. Dass es Beisshemmung auslösen könnte, den Staat, seine Ämter, seine Entscheidungen zu kritisieren, wo man doch von ihm immer abhängiger wird? Aber nein, das beeinflusst die tapfer-mutige Berichterstattung keinesfalls. So wie auch ein kritischer Bericht nach dem anderen über neue Automodelle erscheint. Klamotten, Modetrends, Kosmetika, Reisen und vieles mehr unerbittlich neutral abgehandelt wird.

Denn dass der Berichterstatter eingeladen wurde, die Autoimporteure zu den letzten treuen Inserenten gehören, Klamotten und Kosmetika in den Gebrauch der Journalisten übergehen, das spielt doch nun wirklich keine Rolle.

Dieser Unsinn wird nun auf den Prüfstand gestellt, auch diese 50’000 Unterschriften werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesammelt werden. Und wenn sich dann noch dieses Komitee mit den «Verfassungsfreunden» zusammenfindet, dann wackelt aber die Luxusyacht im Meer, auf der sich der Coninx-Clan gerne erholt. Dann bleibt der Aston Martin in der Garage, mit dem im Hause Ringier gerne herumgekurvt wird.

Blöd gelaufen. Die Meinungsoberhoheit haben die Massenmedien schon längst verloren. Mögen sie auch noch so sehr darüber schimpfen, dass Populisten wie Donald Trump das Gleiche machen wie Lichtgestalten in der Liga Barack Obama: mittels anderer Kanäle direkt Kontakt mit der Öffentlichkeit aufnehmen.

Druckmaschinen sind schon längst keine Gelddruckmaschinen mehr, und digitale Geldquellen anzuzapfen, damit tun sich die Privatverlage weiterhin schwer. Sollten auch noch die Staatssubventionen nicht so munter sprudeln wie erhofft, muss Pietro Supino vielleicht den Grossumbau seiner Grossvilla auf einem Grossgrundstück in Zürich unterbrechen. Das können wir doch nicht wollen, der arme Mann wird ja auch nicht jünger.

Bibber, schlotter, schimpf

Gegen das sogenannte Mediengesetz wird das Referendum ergriffen. Die Verleger sind überhaupt nicht amused.

In diesen Tagen gab es eine echte Strafaufgabe für die bis hierher überlebenden Journis in den Medienkonzernen. Wer kriegt die Arschkarte und muss über das Referendumskomitee berichten? Welches? Na, das Komitee, das Unterschriften für ein Referendum gegen die zunehmende Staatsfinanzierung von Privat-Clans sammelt.

Wohin das führt, sieht man beim Staatsfunk; Pardon, bei der zwangsgebührenfinanzierten, aber ansonsten völlig unabhängigen und objektiven SRG. Die mit aller nötigen Distanz über die Pandemie-Bekämpfung des Bundesrats, über den Anschluss an die EU, über Umweltgesetze, über Ex-Präsident Trump und über auch sonst alles auf der Welt berichtet.

Aber bei der SRG wird das Geld immerhin nur so sinnlos verröstet, indem zwei Sesselfurzer auf einen tatsächlich medial Arbeitenden kommen. Indem von Nathalie Wappler abwärts und aufwärts kein Kader den geringsten Zusammenhang zwischen der Höhe seines exorbitanten Gehalts und seiner Leistung sehen will. Der oberste Chef steht in der Affäre um den ehemaligen Romandie-News-Star mehr als jämmerlich da? Na und, eine halbe Million ist das alleweil wert. Wappler wappelt von einem Flop zum nächsten? Pah, so viel wie ein Bundesrat verdient, das verdient sie locker.

Das Ende vieler Bemühungen.

Susanne Wille, die noch nie durch besondere Affinität zur Kultur auffiel (und auch noch nie irgend einen Erwachsenen als Vorgesetzte geführt hat), kassiert als Mitglied der Geschäftsleitung knapp 400’000 Franken, während ihr armer Gatte als Aushängeschild von SRF in der «Tagesschau» auf vielleicht 130’000 kommt? Na und?

Noch schlimmer ist es bei den Privat-Clans, die die Schweizer Medienszene beherrschen. Da fliessen weiterhin hübsche Gewinne in den Unterhalt des Lebensstils der Coninx, Ringiers, Wanners und Lebruments. Das war schon immer so, das soll auch so bleiben.

Aber eben, Referendum, Komitee, muntere Versammlung von aktiven Mitarbeitern, könnte sogar klappen, dass die 50’000 Unterschriften zusammenkriegen. Totschweigen geht nun schlecht, aber was tun? Viele haben sich natürlich in die Ticker-Meldung der SDA geflüchtet. Berichterstatterpflicht erfüllt, kann keiner Zensur krähen, uff.

Im Wanner-Imperium CH Media mussten Otmar von Matt und Dennis Frasch ans Gerät. Bei dem schönen Wetter. Scheiss-Idee von Arschlöchern, das können die natürlich nicht schreiben. Also umschreiben sie es:

Das Komitee bestehe aus «zwanzig Unternehmern und Verlegern. Sie sind fast alle parteiungebunden, gehören aber dem rechtsbürgerlichen Milieu an – und verfügen über beträchtliche finanzielle Potenz». Hübsche demagogische Spitze Nummer eins. Von Matt ist zwar Lohnabhängiger von Wanners Gnaden, aber ansonsten ganz parteiungebunden. Selten so gelacht. Über beträchtliche finanzielle Potenz verfügt er eher nicht, sondern muss sich als Mietmaul verdingen.

Also, rechtsbürgerlich, Haufen Kohle. Federführend scheinen ein gewisser Philipp Gut (ehemals stellvertretender Chefredaktor der WeWo) und Bruno Hug, ein «schillernder Verleger aus der Ostschweiz», zu sein. Am Schluss schwant von Matt Übles: «Damit rollt eine Politlawine auf die Medienkonzerne zu.»

Gut, dass er einen Lawinenmelder auf Mann hat. (Noch) gewohnt neutral berichtet die NZZ: «Widerstand gegen mehr Bundesgeld für Medien: Komitee will Referendum lancieren»

Tamedia hingegen ist noch in Schockstarre und – berichtet nichts. Ist ja auch so viel los wieder, «die Rache der Landschweiz» bei den Abstimmungen, Frauenstreiktag, man (und frau) kommt ja zu nichts. Ausserdem konnte Supino vielleicht nicht auf der Coninx-Yacht erreicht werden; der Handyempfang in der Karibik ist halt so eine Sache.

Ringier, «Blick»? Ach, das Organ mit dem Regenrohr vermeldet auch Wichtigeres, als Start oben: «Heute landet der US-Präsident in der Schweiz». Wahnsinn, gut, dass wir das wissen. Und heiss werden soll es auch, wie wär’s da mit einem Mini-Klimagerät?

Also bleibt dem geneigten Leser von ZACKBUM.ch im Moment nur, sich hiermit schlau zu machen:

Zweimal «Blick», zwei Blicke in die seriöse Zukunft.

Denn keine Bange, wenn geklärt ist, wer den Büttel spielen muss und gegen das Referendum wäffeln, kommt dann schon noch Stimmung auf. Garantiert.

 

Den Verleger-Clans in die Suppe gespuckt

Sah alles gut aus, das neue «Mediengesetz», also der Zustupf für milliardenschwere Verlegerclans, ist soweit durch. Aber …

Pietro Supino äusserte sich schon Jackett- und staatstragend zu weiteren Hindernissen für eine verantwortungsbewusste, vertrauenserweckende, nötige, unabdingbare freie Presse. Denn das Subventionszusatzpaket ist soweit im Parlament durch.

Über die nächsten Jahre hinweg Hunderte von Millionen zusätzlich als Staatssubventionen für darbende Medien. Gebeutelt vom Zusammenbruch des klassischen Print-Werbemarkts, dann noch Corona, Sparmassnahmen, Entlassungen, furchtbar.

Hilfe, die Vierte Gewalt ist vor dem Abgrund, wo bleibt die dringend nötige Kontrollinstanz einer freien Gesellschaft? Aufklärung, Analyse, Einordnung, Orientierung. Blabla. Wir verlumpfen, rufen die Lebruments, Wanners, Coninx, Ringiers im Chor. Von überall her. Von der Yacht, aus dem Aston Martin, aus der Villa, aus dem Rolls, vom Golfclub, vom Feriendomizil in New York, Spanien, Italien, Thailand.

Das Füllhorn wurde gefüllt und eigentlich übers Ziel getragen

Wir brauche Hilfe, wird herzerweichend gejammert, unser Lebensstil ist dann auch nicht umsonst, und wenn der eine schon wieder eine längere Yacht gekauft hat, kann der andere doch nicht hintanstehen. Dazu liebedienerische Unterstützung der Corona-Bekämpfung der Regierung, mitsamt dem Mitfahren aller Slaloms und Schlangenlinien. Und Lobbying, was ja auch keine Quantenphysik war: liebe Politiker, ihr braucht uns doch als Multiplikatoren, Wahlkampfhelfer, ohne die Medien seid ihr doch nix. Also benehmt euch.

Alles super, alles gut. Gut? Nein, nun will ein kleiner Haufen Wildentschlossener in die Harmoniesuppe spucken. Das Kernteam besteht aus Peter Weigelt, Bruno Hug, Thomas Minder, Philipp Gut, Muriel Frei und noch ein paar Nasen mehr. Sie haben das Referendumskomitte «Nein zu staatlich finanzierten Medien» ins Leben gerufen. Und sind finster entschlossen, die 50’000 nötigen Unterschriften zusammenzukriegen, denn:

«nein zu Steuermilliarden für Medien-Millionäre».

Wohl so ähnlich wie bei Roger Schawinskis Kampf gegen die Abschaltung der UKW-Frequenzen herrscht zurzeit konsterniertes Schweigen in Verlegerkreisen. Aber sicherlich werden demnächst Lohnschreiber, Kommunikationsfuzzis und ganze Redaktionen in Bewegung gesetzt, die sich gegen diesen Anschlag auf die Pressefreiheit zur Wehr setzen werden.

Wobei das Komitee natürlich völlig recht hat. Es ist unglaublich, dass milliardenschwere Medienclans auf arme Schlucker machen und dringlich Staatsknete einfordern, damit dem angeblich so überlebenswichtigem Auftrag der freien Presse weiter nachgelebt werden könne. Diesem edlen Ansinnen moralisches Gewicht zu verleihen, indem die steinreichen Clans vielleicht mal eine Million oder zwei selbst reinbuttern, aber wirklich, was für eine absurde Idee.

Unfähig, aber einkommensstark

Dass sie die Managerkaste feuern, der über Jahre hinweg keine vernünftige Antwort dazu eingefallen ist, dass es doch nicht sein kann, dass Google, Facebook und Co. 90 Prozent der Online-Marketingeinnahmen absahnen – aber nein, dann würde ja auch Supino & Co. verlumpen, das geht natürlich auch nicht. Dass die Subventionen massgeschneidert in erster Linie von den Elefanten auf dem Medienmarkt abgesaugt werden, na und? Dass Gratis-Organe wie «Die Ostschweiz» (oder ZACKBUM) vom Geldregen abgeschirmt werden und leer ausgehen, Künstlerpech.

Nun, jetzt kommt sicher schnell Stimmung in den Laden, und man darf jetzt schon gespannt sein, wie lachhaft die Versuche ausfallen werden, mit denen die Grossverlage ihre Schreibknechte dazu anhalten werden, ganz, ganz objektiv und unparteiisch, eben als Vierte Gewalt, über dieses Referendum zu berichten. Da kann es natürlich nur zwei Varianten geben. Herrscht die Meinung vor, dass das Referendum nicht zustande kommt oder chancenlos ist, wird in aller souveränen Objektivität berichtet werden.

Besteht aber die Gefahr, dass es eingereicht wird und bei der Abstimmung durchaus Chancen hat, dann wird auf giftige Schlammspritzerei umgeschaltet werden. Wetten, dass ..?