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Tagi am peinlichsten

Pascal Blum erklimmt den Gipfel der Beknacktheit.

Der Redaktor bei Tamedia ruinierte seinen Ruf schon durch unappetitliches Nachtreten gegen Kevin Spacey. Nachdem der grossartige Schauspieler von allen Anschuldigungen freigesprochen worden war, versuchten noch ein paar Nachzügler, sich ihre 15 Minuten Ruhm zu holen. Was Blum zu einem widerlichen Artikel mit einem widerlichen Titel animierte: «Neue Vorwürfe gegen Kevin Spacey: Wie kann man zu «Saving Private Ryan» masturbieren

Inzwischen ist Blum der König der Schneeflocken, der King der Achtsamkeit geworden, niemand kann ihn beim Thema woker Wahnsinn übertreffen. Zunächst legt ZACKBUM Wert auf die Feststellung, dass das keine Satire ist, höchstens Realsatire:

Hier verabschieden wir uns von unseren nicht-schweizerischen Lesern, denn: «Ungeniertes Anschauen im öffentlichen Raum scheint typisch schweizerisch zu sein. Betroffene erzählen, wie sich der Blick anfühlt – und was er über unsere Gesellschaft verrät.»

Vergesst sexistische Sprüche, vergesst Catcalling, vergesst übergriffiges Verhalten, vergesst frauenfeindliche Bemerkungen, vergesst Populismus, Rassismus und Diskriminierung. Jetzt reden Betroffene über eine bislang unbekannte Form der, nun ja, wovon eigentlich? Virtuellen Vergewaltigung? Nein, das ist eine andere Erfindung. Belästigung? Im Prinzip ja.

Denn es soll den sogenannten «Swiss Stare» geben. Hat den Vorteil, dass es alliteriert, was bei einem sinnentleerten Begriff schon mal gut ist. Woher der kommt? «Im Netz finden sich zahlreiche Beiträge über diese nationale Eigenheit: Wir starren andere Menschen im öffentlichen Raum unaufhörlich an

Ganz schlimm: «Reisende warnen einander in Onlineforen.» Aber auch hier Lebende leiden darunter: «Nelson* erlebt die starrenden Schweizerinnen und Schweizer jeden Tag.» Allerdings traut er sich nicht, mit seinem richtigen Namen zu dieser Behauptung zu stehen. Aber er weiss: «Besonders interessant finde ich den Blick, den ich bekomme, wenn ich im Anzug zur Arbeit gehe oder generell gut gekleidet bin. Da schwingt oft Selbstgefälligkeit mit, aber auch eine Bewunderung für etwas Niedliches – fast so, wie man einen Schimpansen im Smoking anstarren würde

Blum schiebt des Rätsels Lösung nach: «Nelson ist schwarz und lebt und arbeitet in der Schweiz.» Und fühlt sich als Schimpanse im Smoking angestarrt. Hoffentlich braucht er keine therapeutische Unterstützung.

Nach diesem putzigen Beispiel kommt unweigerlich waseliwas? Richtig gestarrt, äh, geraten, die «Psychologieprofessorin Anne Böckler-Raetting an der Universität Würzburg» freut sich, in die Medien zu kommen. Und sei es auch nur in die unterste Schublade beim Tagi. Allerdings sagt sie nichts Nennenswertes, so dass Blum gleich wieder auf «Onlineposts» zurückgreifen muss.

Da kommt es aber knüppeldick:

«Der intensive Blick dringe in die Privatsphäre ein und sei vergleichbar mit einer unerwünschten Berührung.»

Seit Blums Kollege Beat Metzler den Blick-o-Meter erfunden hat, ohne ihn so zu nennen, wurde der übergriffige Gehalt von Blicken nie mehr so brutal entlarvt wie durch diese Schneeflocke. Bei Metzler war’s noch ein Beitrag zu Männer sind Schweine: «Dabei würden viele Männer den Blick, den sie Frauen zumuten, selber gar nicht ertragen.»

Man stelle sich vor, was passiert, wenn sich Männer mit diesem Blick im Spiegel anschauen. Das wäre für sie unerträglich, sie würden ohnmächtig zu Boden sinken oder zu Stein erstarren. Männer als Medusa, auf die Idee muss man mal kommen.

Bei Blum ist das Starren aber geschlechtsunspezifisch, sondern wird am Schweizertum festgemacht. Das hat nun allerdings übel riechendes Rassistisches, ein ganzes Volk pauschal zu Starrern zu erklären.

Diese eidgenössische Unsitte ist gegenüber Nachpfeifen auf der Strasse und solchen Schweinereien noch viel gefährlicher: «Der «Swiss Stare» geht aber weit über alltagssexistische oder -rassistische Muster hinaus. Schweizerinnen und Schweizer starren sich auch gegenseitig an

Für einmal sind nicht nur Frauen (and everybody beyond) Opfer: «Auf den Strassen und Trottoirs wird der ungenierte Blick derweil zum Teil eines Machtkampfs, nicht selten zwischen Männern: Wer als Erstes ausweicht, hat verloren

Vielleicht, aber nur vielleicht, war neben Morgenstern und Hellebarde dieses Starren die Geheimwaffe der alten Eidgenossen, mit der sie die Gegner in die Knie zwangen.

In diese Richtung denkt auch eine weitere anonyme Angestarrte: «Kali hat ein fast poetisches Verständnis von den Situationen gewonnen, in denen sie angestarrt wird. Manchmal komme es ihr vor, als würden die Vorfahren der Schweizerinnen und Schweizer sie bei den Blicken mitbeobachten, sagt sie. Und dann frage sie sich, ob das in den Blicken auch mitschwingt: Vielleicht ist es ja ein Gruss dieser Ahnen an ihre eigenen Vorfahren

Nein, auf diesen Absatz kann man noch so lange starren, er ist und bleibt unverständlich. Schweizer Ahnen starren über die Jahrhunderte hinweg die Ahnen dieser Kali an? Irr.

Nach diesem Starrkrampf von Artikel gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Sie betreffen wie geschrieben nur Schweizer Leser, denn wir sind hier in Rassenkunde unterwegs.

Also, guter Ratschlag: hört endlich auf, unangenehm und übergriffig andere Menschen anzustarren. Denn ihr wollt doch sicher nicht selber angestarrt werden.

Oder aber, wenn ihr das Pech habt, dem Autor dieses Schwachsinns zu begegnen, dann starrt ihn in Grund und Boden. Auf dass er erstarre und einen Schreibkrampf erleide. Bevor seine Leser einen Schreikrampf kriegen.

 

Tagi goes gaga 

Ein grosser Intellektueller beglückt uns.

Von Thomas Baumann

Als stünde es um den Tamedia-Kopfblattsalat nicht schon schlimm genug, gibt er auch noch regelmässig dem umstrittenen Professor Bernhard C. Schär eine Plattform.
So äusserte sich dieser beispielsweise im Juli dieses Jahres zur Frage, ob eine Lehrerin an der Volksschule ein Kopftuch tragen dürfe.
Dabei schrieb er unter anderen: «Eine Studie der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus zeigte 2023: Fast alle Lehrmaterialien vermitteln mehr oder weniger subtil das Bild einer europäischen ‹weissen› oder christlichen Überlegenheit. Das heisst: Europäische Mitverantwortung für Armut im ‹Süden› wird meist ausgeblendet.»
Die Frage sei erlaubt: Wie kann die westliche Welt für die Armut im globalen Süden «verantwortlich» sein, wenn sie nicht irgendwie ‹überlegen› ist?
Oder gemäss der Machtdefinition von Max Weber: «Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.» Also faktische Überlegenheit.
Vor einigen Tagen liess sich Professor Schär wieder über ein anderes Thema aus: Der Besuch einer schweizerischen Wirtschaftsdelegation bei Donald Trump und das Verhältnis der Schweiz zu den USA.
Wohl nicht zu Unrecht sagt er (Prof. Schär) eine Verschiebung des globalen Machtzentrums in Richtung Peking voraus. Und hebt an:
«Das Ende der alten Ordnung bedeutet nicht das Verschwinden ihres kolonialen Erbes. Trumps Massendeportationen und Zolltarife, seine Attacken auf Rechts- und Sozialstaat, Wissenschaft und Entwicklungszusammenarbeit versprechen, alte weisse, männliche Privilegien ‹great again› zu machen. Faktisch dürfte er das Ende westlicher Dominanz eher beschleunigen, worunter weder eher er noch seine Vasallen, sondern die Schwächsten weltweit am meisten leiden.»
Oder anders gesagt: Der (westliche) Kolonialismus ist an allem Elend auf der Welt schuld. Bricht er (endlich) zusammen, führt das zu noch mehr Elend.
Daraus soll mal einer klug werden.

Sexy ist fascho

Sexy ist Nazi. Sydney Sweeney ist das hässliche Gesicht des Faschismus. Plus seine Verkörperung.

Oder nicht? An ihr ist ein neues Phänomen und ein inzwischen etwas ausgelaugtes zu beobachten. Als sie sich lasziv auf der Rückbank eines Mercedes Cabrio räkelte, während die alternden Rolling Stones nur noch juvenil auf Plakatwänden dazu «Angry» spielten, wurde gekreischt.

Nicht nur von Fans der scheinbar unkaputtbaren Glimmer Twins. Sondern von der schnell erregten Benimmfront: das sei sexistisch, schrecklich, Rollenbild, Sexobjekt, Projektionsfläche hässlicher Männerfantasien:

Sweeney, eine Schauspielerin, die durchaus auch anspruchsvolle Rolle auswählt, hat allerdings kein Problem damit, dass sie – soweit bekannt, ohne künstliche Hilfe – über die Masse 90-60-90 verfügt. Und dazu blonde Haare und blaue Augen hat. Wer auf so einen Typ steht, sagt wow. Andere nehmen es gelassener.

Wer verkniffen-verklemmt ist, sagt pfui. Und läuft bei der nächsten Provokation zu blankem Entsetzen auf. Die zuvor eher unbekannte Marke American Eagle landete mit diesem Werbespruch einen Volltreffer: «Sydney Sweeney hat grossartige Jeans». Ein Wortspiel mit dem Gleichklang auf Englisch von Jeans und «genes», Gene.

Ha, wurde losgekeift. Rassistisch, gar moderne Nazi-Propaganda, hier werde die Überlegenheit weisser Gene propagiert. Und eben, dazu blonde Haare und blaue Augen, gebärfreudiges Becken, ausreichende Ausrüstung obendurch, Lebensborn reloaded. Gut, dazu müssten die Moralinversauerten wissen, was das war.

In Zeiten, in denen bei keiner Werbung Multikulti, verschiedene Hautfarben, Behinderungen und Dicke fehlen dürfen, eine bewusste und gelungene Provokation. Keine Inklusion, keine Rücksicht auf sensibles Unwohlsein.

Es erfolgte die üblichen Reaktion. Die Kollektion war schnell ausverkauft, die Aktie der Firma stieg. Soweit Business as usual. Aber dann etwas Neues. Bei vergleichbaren kleinen Provokationen hatten zuvor Firmen, sobald sich Gegenwind von der pervertierten Kampffeministen- und Antirassistenfront erhob, schnell, Pardon, den Schwanz eingezogen. Und die Werbung mit bedauernden Geräuschen und tiefer Entschuldigung zurückgezogen.

Als H&M vor ein paar Jahren ihre Billiglinie mit einem schwarzen Jungen bewarb, der einen grünen Hoodie mit dem Aufdruck «Coolest monkey in the jungle» trug, zwang der Aufschrei der Gutmenschen das Modehaus in die Knie. ´tschuldigung, Fehler, unsensibel, tut uns das Leid. Ob es rassistisch gewesen wäre, hätte im Pulli ein Weisser gesteckt? Mit blauen Augen faschistisch?

Aber American Eagle macht etwas Neues: auf Instagram stellte die Firma klar, dass sie weiterhin hinter dieser Werbekampagne steht. Mit der trockenen Feststellung: «grossartige Jeans sehen grossartig bei allen aus». Unabhängig davon, ob jemand blaue Augen und blonde Haare hat oder nicht. Die einen stehen drauf, plus auf üppige Oberweite. Andere auf anderes.

Das wahre Probleme ist: wer  durch diesen Scherz Rassismus, Faschismus und die Propagierung weisser Überlegenheit assoziiert, sollte sich mal um den kleinen Faschisten in sich selbst kümmern.

Wer als Mann (oder als Frau) eine solche etwas provokative, aber keinesfalls pornographische Verwendung weiblicher Reize als abstossenden Missbrauch eines Frauenköpers empfindet, sollte sich fragen, was mit seiner eigenen Erotik falsch läuft.

Der schuldige Mohr

Sprachreinigung in der Tradition der Nazi-Ideologie.

Es ist müssig, den verpeilten Vergewaltigern der deutschen Sprache mit logischen Argumenten beikommen zu wollen. Es ist aussichtslos, ihre klaffenden historischen Wissenslücken zu schliessen. Es ist sinnlos, ihnen zu erklären zu versuchen, dass die Abschaffung oder «Kontextualisierung» historischer Begriffe weder etwas an der Geschichte ändert, noch einen Beitrag zur Verbesserung der Menschheit leistet.

Ob man Schwarzer, pigmentös Herausgeforderter oder Afroirgendwas sagt, ob man Neger durch «N-Wort» ersetzt, ob man Zigeunerschnitzel nicht mehr Zigeunerschnitzel nennt: dadurch gibt es weder weniger, noch mehr Rassismus in der Welt.

Man erkennt einen Rassisten nicht daran, dass er ein «Zigeunerschnitzel» bestellt. Man erkennt einen Antirassisten nicht daran, dass er stattdessen Paprikaschnitzel oder vornehm «à la zingara» ordert. Und nicht jeder, der ein «Balkanschnitzel» bestellt, ist kein Rassist. Wenn das so einfach wäre.

Das ist genauso bescheuert wie die Turnübungen der «Tagesschau», das nach einem uralten Fluss benannte Land Niger als «Nischee» auszusprechen. Der Name wurde ihm von den Tuareg gegeben, was in ihrer Sprache «grosser Fluss» bedeutet. Aber vielleicht waren auch sie schon Rassisten.

Besonders absurd ist dieser Kampf um die angebliche Reinheit der Sprache – ein zutiefst nazistisches und rassistisches Verlangen – beim Wort Mohr. Seine etymologische Herleitung, seine durchaus positive Konnotation: diese Flachköpfe und FlachköpfInnen sind zu faul oder zu unfähig, sich mit den Wurzeln des Rassismus zu beschäftigen. Sie meinen, mit einer sprachlichen Oberflächenreinigung hätten sie ein gutes Werk vollbracht.

Sie sollten mal einen Kubaner davon abhalten wollen, «moros y cristianos» zu essen. Abgesehen davon, dass das Regime schon dafür besorgt ist.

Besonders stossend wird das, wenn sich die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch nicht entblödet, die Entfernung oder mindestens Überdeckung der Hausinschriften «Zum Mohrenkopf» und «Zum Mohrentanz» zu beschliessen. Weil sich dadurch, wie soll man das formulieren, pigmentös Andersartige in ihrer schwarzen Seele (Pardon) verletzt fühlen könnten.

So nebenbei, lieber Tamedia-Qualitätsjournalist Beat Metzler: Das Bundesgericht gab überhaupt niemandem Recht. Es trat schlichtweg auf eine Beschwerde nicht ein.

Die Staatsaktion geschah 2021 auf eine Anregung des Kollektivs «Vo Da» hin. Eine Ansammlung von prinzipiell Betroffenen und Diskriminierten. Bemerkungen über deren intellektuelle Flughöhe würden sicher Rassismusverdacht auslösen, also verkneift sich das ZACKBUM.

Der Heimatschutz erhob gegen diese Verschandelung Einspruch. Weil es den Steuerzahler brennend interessiert, wie dieser Kampf um ein Zeichen gegen Rassismus ausgeht, prozessierte man die Sache bis ans Bundesgericht. Vergeblich, aber nicht kostenfrei.

Also bleibt’s beim Entscheid des Verwaltungsgerichts: Mauch darf. Besser und entlarvender als «Vo Do» kann man diesen Schwachsinn nicht kommentieren:

«Die Entfernung rassistischer Begriffe und Symbole aus dem öffentlichen Raum ist ein Bekenntnis zu einer Gesellschaft, in der alle Menschen gleichermassen dazugehören.»

Nein, Nichtschwimmer sollten zum Beispiel bei der Züriseeüberquerung nicht dazugehören und dieses Recht auch nicht einfordern dürfen.

ZACKBUM sieht hier allerdings ein Bekenntnis zu Sprachhygiene in der Tradition der NSDAP. Und fordert in diesem Sinne den Ersatz des Wortes Vierzylinderexplosionsmotor durch Viertopf-Zerknalltreibling.

Woker Wahnsinn

Die SoZ hofft, dass der fanatische Korrektsprech seinen Zenith überschritten hat. Vergeblich.

Man liest und ist fassungslos:

Otto Mueller war der Idylliker unter den deutschen Expressionisten. Er gehörte der berühmten Künstlerbewegung «Die Brücke» an und malte Bilder von zeitloser Schönheit und zarter Eleganz. Zu seinem 150. Geburtstag bekommt er eine Jubiläumsausstellung in Münster. Das hätte man besser gelassen, denn Philipp Meier berichtet in der NZZ:

«Absurde Vorwürfe: Er habe den falschen Blick auf Frauen, nämlich einen männlichen, und sympathisiere mit den falschen Menschen: den Sinti und Roma»

Man liest und liest es nochmals. Ist das wirklich wahr, kann jemand so verpeilt sein? Aber ja, das Vokabular der Selbstermächtigung zum Abkanzeln ist ja längst jedem Trottel geläufig. Hier kommt es wieder zur Anwendung. Denn in Münster «gilt Mueller nun als Problemfall». Warum?

«Grund dafür ist einerseits die Nacktheit der Frauen, die er gemalt hat. Anderseits wirft man ihm vor, dass viele Frauen, die er malte, einer Minderheit angehörten. Bekannt geworden ist Mueller nicht nur für seine Gemälde und Zeichnungen von Badenden, sondern auch für solche mit Zigeuner-Motiven. Diese zählen zu seinen berühmtesten Werken. In Münster spricht man nun vom «Z-Wort». In den Bildtiteln ist es in Anführungszeichen gesetzt, manchmal auch gut sichtbar durchgestrichen oder einfach überdeckt.
Im Katalog heisst es an einer Stelle sogar, Kunst, wie sie Otto Mueller geschaffen habe, sei Ausdruck von «ethisch fragwürdigen Haltungen, sozialer sowie wirtschaftlicher Ausbeutung, sexueller Gewalt, rassischer Dominanz und Überlegenheit».»

Man liest und ist anhaltend fassungslos, was verpeilten Sprach- und Kunstreinigern, Proto-Faschisten, so alles einfällt:

«Die Szenerien wirken sinnlich. Nie aber erotisiert, was Körperstellungen und Haltungen der Dargestellten betrifft. Dennoch stehen sie jetzt unter dem Verdacht des «männlichen Blicks». Insbesondere bei Betrachterinnen sollen sie heute beklemmende Gefühle hervorrufen, wie in einem Katalogbeitrag der Münsteraner Ausstellung analysiert wird. Dort heisst es, aus feministischer Perspektive würden in Muellers Bildern männlich-patriarchale Sichtweisen auf den Frauenkörper reproduziert: Ein «male gaze» ziehe sich durch die «voyeuristischen» Szenen und spiegle «eine hierarchische Geschlechterordnung, in der die nackte Frau einmal mehr zum sexuell verfügbaren Objekt wird»

Geht es noch wahnsinniger? Aber sicher. Mueller vermutete, seine Mutter sei eine Zigeunerin, Pardon, eine Roma oder Sinti, Pardon, eine Fahrende gewesen. Deshalb malte er häufig und gerne, wagen wir das Z-Wort, Zigeuner. Aber das rettet ihn in den Augen durchgedrehter Kunstreiniger nicht, im Gegenteil:

«Nicht zuletzt aufgrund dieses Bezugs galt Mueller den Nationalsozialisten als «entarteter» Künstler. Das hülle ihn «in eine vermeintliche, jedoch falsche Unschuld», argumentieren nun die Kuratorinnen in Münster. Mit seinen Darstellungen, die «rassistische Denkmuster reproduzieren», habe Mueller die Ideologie der Nationalsozialisten letztlich bestätigt. Seine Bilder seien Ausdruck eines stigmatisierenden Fremdbilds und damit desselben Rassismus, der zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Roma und Sinti führte.»

Man liest und ist fassungslos. Das ist der Katalog eines staatlichen deutschen Kunstmuseums? Können so viele Menschen gleichzeitig spinnen?

Das Team …

Oder ist es nur der Direktor Dr. Hermann Arnhold? Oder die stellvertretende Museumsdirektorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall, verantwortlich für «Ausstellungen, Forschung und Projekte»? Man weiss es nicht. Man will es auch gar nicht wissen. Man blättert dann auch lieber in Bildbänden über die Werke von Mueller und der «Brücke». Ohne sich seinen Kunstgenuss durch solchen geschwurbelten Stuss verderben zu lassen.

Die Sprachpolizei ist auch dabei

Büne Huber ist ein auch bei Linken gern gehörter Sänger. Eigentlich.

Patent Ochsner ist mal wieder auf Tour. Johannes Reichen schleicht sich heimtückisch an: «Wo immer Huber auftritt, fliegen ihm die Herzen der Fans zu.» So schwärmt der «Journalist», der «arbeitet bei der Regionalredaktion von Berner Zeitung und Bund».

Das lastet ihn aber nicht ganz aus, im Nebenberuf ist er Sprachpolizist. Und in dieser Funktion muss er energisch einschreiten: «Eher nicht ins Bild passt da eine Episode, die sich jetzt allabendlich auf der Bühne zuträgt. Den Anlass gibt der neue Song «Mama Be», den die Band im Oktober als erste Single des kommenden Albums veröffentlicht hat und nun live vorträgt.»

Die Band trägt bei Konzerten Songs live vor? Wahnsinn. Aber dann wird’s ganz schlimm.

«Begleitet von dumpfen Pianoklängen, spult Huber die Zeit zurück und erzählt von Madagaskar. «Wir haben dort sechs Konzerte gegeben, in Fussballstadien, 40’000, 50’000 Zuschauer jeden Abend», spricht Huber ins Mikrofon. «Man hat von diesen aber nicht wahnsinnig viel gesehen, das Stadion war dunkel, die Lichtmaschine eher schwach, die erste Reihe bestenfalls.» Dann setzt Huber zur Pointe an: «Und von denen auch nur die Zähne.» Anschwellendes Gelächter im Publikum. Der Scherz zündet.»

Bis hierher noch alles normal, wobei man bereits dunkel (ui) ahnt, dass sich schwarze (ui ui) Gewitterwolken über Huber zusammenbrauen. Zunächst aber hat Reichen gnadenlos recherchiert: «Diese Zeitung hat mit mehreren Menschen gesprochen, die an vorangegangenen Auftritten anwesend waren. Aus ihren Aussagen wird deutlich, dass der Witz zu Hubers neuem Standardrepertoire gehört.»

Dann die Publikumsbefragung. «Das ist mir auch aufgefallen. Ich fand es seltsam … Meine Kollegin sagte zu mir, das sei aber rassistisch … Das war nicht sehr feinfühlig … Ja, die weissen Zähne. Ich fands lustig, es ist ja wirklich so

Aber damit lässt es Reichen nicht bewenden. Er hat sogar den Journalisten ausgegraben, der 1995 (!) die Band nach Madagaskar begleitete. Der erinnert sich, «dass die Stadien nicht so ausgeleuchtet gewesen seien, «wie wir das hier kennen». Dass man nichts ausser den Zähnen gesehen habe, sei falsch, «aber diese künstlerische Freiheit möchte ich niemandem absprechen»».

Dann verzweifelt Reichen fast: «Negative Reaktionen hat die Band bis jetzt keine erhalten.» Aber da kommt Reichen. Schlimmer noch, Huber selbst zeige keinerlei Unrechtsbewusstsein: «Als Person, die in der Öffentlichkeit stehe, müsse er sich mit der «wachsenden Empörungskultur» abfinden. Huber findet, hier werde der Versuch unternommen, «eine Geschichte aufzublasen, die vor allem eines ist: selbstironisch»». Wo Huber recht hat, hat er recht. Aber Reichen in seinem Lauf hält keiner auf.

Was tun im Kampf um eine rassismusfreie Sprache? Einen Mohrenkopf essen? Niemals, Reichen bleibt am Ball: «Seit ein paar Jahren wird auch in der Öffentlichkeit über das koloniale Erbe der Schweiz diskutiert. In Bern löste etwa ein Wandbild im Schulhaus Wylergut, das als rassistisch und «toxisch» erkannt wurde, eine intensive Debatte aus.»

Da sucht Reichen Hilfe bei Fachleuten. Bei der «Beratungsstelle gegen Gewalt und Rassismus» (den Spruch «empfänden manche Menschen als rassistisch», Huber selbst sei das aber nicht). Und eine GLP-Grossrätin ergreift die Gelegenheit für ein paar antirassistische Schlagzeilen: «Sie findet den Scherz «äusserst plump»». Schlimmer noch: «Witze über Körpermerkmale von anderen sind ganz selten lustig». Aber immerhin, Huber sei «kein Rassist aus Überzeugung»».

Es ist doch wunderbar, dass Tamedia, neben allen Sparmassnahmen, einem Mitarbeiter Gelegenheit gibt, einen solchen Pipifax zum Elefanten (zu einem weissen, selbstverständlich) aufzublasen. What a bullshit, würde Trump sagen, und recht hätte er.

Im eher schläfrigen Lied «Mama Be» singt Huber: «Morn tuet’s üs nümm gliich fescht weh». Hätte sich Reichen zu Herzen nehmen können. Man fragt sich allerdings, ob BZ neuerdings für «Blöde Zeitung» steht.

Darf man nun weisse Hautfarbe nicht mehr als käsig bleich bezeichnen? Oder gelten solche Sensibilitäten und Wortverbote nur für, nun, für PoC, People of Color? Da kann ZACKBUM aus eigener Erfahrung auch einen Sprutz Rassismus beitragen.

Wenn einem auf stockdunkler Strasse auf der falschen Strassenseite auf dunklem Velo ohne Licht ein, nun ja, pigmentös Herausgeforderter, also auf Deutsch ein Schwarzer entgegenradelt, ist man als Autofahrer sehr froh, wenn er dabei freundlich lächelt … Das kann Leben retten.

Elend in Zahlen

Kann man das Sumpfgebiet Journalismus ausmessen?

Schwierig, aber man kann’s versuchen. Indem man einfach gewisse Wörter in der Mediendatenbank sucht und ihre Häufigkeit feststellt. Nehmen wir als Beobachtungszeitraum ein Jahr.

Zunächst schauen wir mal auf den Bauchnabel. Das ist auch der Lieblingsblick der modernen Journaille. Nicht nur Ursina Haller, so viele, allzu viele Journalisten meinen, ihre Meinung sei dermassen rasend interessant, dass sie sie der Welt nicht vorenthalten können. Obwohl die Welt eine bessere wäre ohne. Oder auch nicht, aber auf jeden Fall ist es völlig überflüssig.

Dennoch kommen die beiden Formulierungen «meine Sicht» und «meine Meinung» in diesem Jahr insgesamt fast 90’000 mal vor. Natürlich können das auch Interviewpartner oder zitierte Protagonisten sagen. Also ziehen wir grosszügig zwei Drittel ab. Dann bleiben aber immer noch 30’000, also jeden Tag rund 80 mal.

Ganz in der Nähe liegt die Journalistenfloskel «wäre gut beraten». Diese Formulierung für einen Befehl hat sich aus dem Norden in die Schweiz geschlichen; natürlich verwenden die Schreiber der «Süddeutschen Zeitung» diese Sprachhülse gerne und häufig, wodurch es in Tamedia diffundiert. Über 1000 mal wurde das im letzten Jahr gebraucht.

Kommen wir gleich zum absoluten Kernbegriff im Journalismus, zum Wort «ich». Ganze 670’000 mal wurde das verwendet. Ziehen wir auch hier grosszügig zwei Drittel als Fremdgebrauch ab, bleiben dennoch rund 220’000 Ichs übrig. In seinem Schlepptau segelt das Wort «Befindlichkeit». Eigene oder fremde, 3268 mal wurde der Begriff gebraucht. Sicherlich meistens als Selbst-, nicht als Fremdbeschreibung.

Nun schauen wir mal, wie häufig in der Gesinngsblase gerne und zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verwendete Begriffe vorkommen. Spitzenreiter ist hier «Rassismus», fast 15’000 Verwendungen. Dicht gefolgt wird er von «Diskriminierung», knapp 13’000 mal. Abgeschlagen sind Sexismus (3316) und «faschistisch» (3300) auf den Plätzen.

Immerhin über 4000 mal wurde der Begriff «rechtsradikal» gebraucht. Sein Zwillingsbruder «linksradikal» dagegen nur 980 mal. Ähnlich verhält es sich auch mit «Rechtspopulist». Das Wort wurde 1617 mal verwendet, sein Pendant «Linkspopulist» hingegen nur schlappe 329 mal.

Man kann hier eine leichte Einseitigkeit konstatieren, eine Schlagseite. Dafür wurden die etwas dümmlichen Begriffe Framing und Narrativ erfunden. Das findet vor allem bei umstrittenen Persönlichkeiten seine Anwendung. Es ist eher selten, dass mit Donald Trump oder Wladimir Putin Adjektive wie nachdenklich, besonnen, fürsorglich, überlegen verwendet werden. Es ist eher häufig, dass mit beiden Wortfelder um Verbrecher, Irrer, unkontrolliert, widersprüchlich, brutal usw. verwendet werden.

Der Vorteil von Framing und Narrativen liegt auf der Hand. Sie sind selbstverstärkend; schreibt es einer, schreiben viele ihm ab. Sie erhöhen den Wiedererkennungswert. Zudem sparen sie viel überflüssige Denkarbeit. Wie verhält sich Putin? Klar, wie ein Verrückter, Krimineller; brutal, rücksichtslos, gefährlich. Das hat er mit Trump durchaus gemeinsam.

Wer sich hingegen in Worten wie besonnen, verständnisvoll, ausgleichend, staatsmännisch sonnen kann, gehört eindeutig zu den Guten und Netten.

All das drückt eine schreckliche Verarmung des Journalismus aus. Es ist tatsächlich verrückt. Gerade bei schrumpfenden Mannschaften wäre es doch so einfach, dass sich die überlebenden Redaktoren halt mit mehr Grips und Gedankenschläue dem Leser nähern. Der könnte dann sagen: okay, vom Umfang her nur noch die Hälfte wie früher, aber dafür ist der Inhalt viel konzentrierter und anspruchsvoller.

Aber in Wirklichkeit schmieren Losers, Hallers, Toblers, Häslers und Heerscharen mehr die Blätter voll. Egozentrisch, flach, unintelligent, unanimierend. Die dünnen Gedanken werden meist zudem mit rumpelnden Worten ausgedrückt, denn elegante Scheiber, die spritzig sind, den Leser zum Lachen und Nachdenken bringen, die sind noch an den Fingern einer Hand abzuzählen. Allerdings der Hand eines Metzgers oder Sägemeisters nach einigen Jahren Berufserfahrung, der ein paar Finger zum Opfer fielen.

Ist das die Schuld von Supino oder Walder? Oder vom Wannerclan, von den Lebruments? Zum Teil auch, denn wie heisst es so richtig: sind Würstchen an der Macht, wird der Senf rationiert.

Aber eigentlich hindert niemand die verbliebenen Schreibkräfte, interessant, animierend, mitreissend, leserfreundlich zu schreiben. Wieso tun sie’s dann nicht?

Leider liegt der Grund auf der Hand. Weil sie’s nicht können.

Verschlimmbessert

Die «Berner Zeitung» klappert nach.

Nachdem eine «erfahrene» Journalistin unbelegte Vorwürfe über Diskriminierung und Rassismus am Gurtenfestival kolportiert hat, wofür sie vom Kommentarschreiber kräftig kritisiert wurde, will sich die «Berner Zeitung» weiter lächerlich machen.

Die Kommentarfunktion klemmte sie zunächst kommentarlos ab und spülte auch alle bereits publizierten Meinungsäusserungen der Leser. Das sei leider «aus technischen Gründen» nicht anders möglich. Aber immerhin wurde versprochen, dass man dem Thema Rassismusvorwürfe weiter nachgehe. Da denkt der Leser an eine Recherche, an den Versuch, endlich den Mitgliedern des Kollektivs «Café Révolution» eine Aussage zu entlocken, was denn genau passiert sei.

Auch ZACKBUM hat sich mit dieser Frage an die dort versammelten Frauen gewendet – keine Antwort. Beim erfolgreichen Crowdfunding über 30’000 Franken hatte das Kollektiv noch getönt: «Ist die letzte Etappe erreicht, können wir Dir im café révolution ein umfangreiches kulturelles Programm anbieten: Lesungen, Schreibworkshops, Yogasessions, Filmabende, Konzerte, Kunstaustellungen – the sky is the limit! Die Events sollen sozialkritische Themen aufgreifen und das Bewusstsein für diese Themen schärfen. Damit kommen wir unserer gesellschaftlichen Verpflichtung nach und bauen Brücken.»

Ein Blick auf die angepriesenen «Events» ist aber ernüchternd; es herrscht weitgehend – wenn der Begriff nicht rassistisch konnotiert gelesen werden kann – tote Hose:

Aber die BZ macht’s noch schlimmer, denn Ane Hebeisen ergreift dort das Wort. Pardon, er schreibt ein «Essay». Auch so ein Begriff, der völlig verludert ist. Das war mal ein brillanter Versuch, intellektuell hochstehend zu einem bedeutenden Thema etwas Wichtiges, Erkenntnisförderndes zu sagen.

Heute ist ein Essay in der BZ ein «ich mein‘ halt auch mal was und holpere das schriftlich vor mich hin». Hebeisen ist einschlägig bekannt, er rumpelte schon gegen das Rammstein-Konzert in Bern: «Die kruden Fakten zuerst: Die beiden Rammstein-Konzerte in Bern am Samstag, 17., und Sonntag, 18. Juni, werden – Stand heute – stattfinden … Aber auch auf ganz praktische Fragen gibt es bislang keine Antwort. Etwa auf jene, ob man sich sein Ticket zurückerstatten lassen kann, wenn man jetzt keine Lust mehr auf ein solches Konzert hat.»

Aber nun gar ein «Essay». Woran überhebt sich Hebeisen? Zunächst beschreibt er liebevoll die Tätigkeit dieses Kollektivs: «Die Einnahmen dieser Spenden kamen heuer dem Café Révolution zu, einem Begegnungsraum, in dem sich People of Color zum Thema Rassismus austauschen können, wo Lesungen oder Diskussionen stattfinden.»

Aber auch ihm wollte das Kollektiv nicht mal «auf mehrmaliges Nachfragen weitere Erklärungen abgeben». Es bleibt also dabei: leere Behauptungen von Diskriminierungen und Rassismus. Ein Hohn für alle wirklichen Opfer, die es natürlich gibt. Aber statt ein Essay über diesen eklatanten Missbrauch zu schreiben, behauptet Hebeisen: «Aus dessen Umfeld war später zu erfahren, dass wiederholt das N-Wort gefallen sei, dass Becher vor die Füsse der Einsammlerinnen geworfen wurden, mit der Aufforderung, sie sollten sich die Spende verdienen. Es sind Teller gegen den Stand geflogen, und mindestens eine Person soll angespuckt worden sein.»

Beweise, Belege, Videos gebe es allerdings nicht. räumt der Essayist ein. Keine Videos an einem Musikfestival, wo es mindestens so viele Handys wie Besucher gibt? Aus dieser Nicht-Tatsache macht Hebeisen dann flugs ihr Gegenteil: «Tatsache ist: Es muss eine Stimmung geherrscht haben, welche die Frauen dazu bewog, lieber auf Einnahmen des Standes zu verzichten, als länger an diesem Festival zu bleiben.»

Das ist keine Tatsache, sondern eine Beschreibung der unverständlichen und unbegründeten Reaktion des Kollektivs. Dass sie auf die Einnahmen verzichteten, stimmt auch nicht, sie mussten nur nicht mehr selbst sammeln.

Dann macht Hebeisen genau das Gleiche wie das Kollektiv. Er behauptet. Er behauptet, in der Kommentarspalte habe «die Stimmung begonnen hochzukochen». Leider kann das der Leser nicht nachprüfen, und auch Hebeisen – in bester Tradition – bringt keinen Beleg. Er behauptet: «Der Grundtenor in der Diskussion: Gegen Rassismus zu sein, sei eine linksextreme, politische Einstellung. Das seien alles Mimosen. Rassismus gäbe es bei uns nicht. Und wenn doch, seien die Betroffenen selber daran schuld

Das mag vielleicht eine fragwürdige, sogar falsche Ansicht sein, angesichts der haltlosen Vorwürfe zudem verständlich, aber Hochgekochtes ist hier nicht zu erkennen. Dennoch behauptet Hebeiesen weiterhin belegfrei: «Herrschte auf der Redaktion zunächst die Haltung, das Café Révolution schade sich selber, wenn es seine Vorwürfe nicht weiter ausführe, kippte die Stimmung bald. In einem derartig feindlichen, gehässigen und polemischen Umfeld würden selbst wir niemandem raten, sich mit Gesicht und Namen zu exponieren

Mit Gesicht und Namen exponieren? Wieso das? Es wurde doch nur verlangt, dass das Kollektiv ein paar Beispiele für seine Behauptung liefere; niemand verlangt, dass das mit «Gesicht und Namen» zu erfolgen habe.

Aber nun wird’s fatal, denn Hebeisen legt sich in die Kurve zu seinem eigentlich Anliegen: «In der Summe gibt es aber eine Ahnung davon, in welch unangenehmem Kraftfeld man sich als Person anderer Hautfarbe in diesem Land immer noch bewegt. In einem Land notabene, in dem die grösste politische Partei gerade beschlossen hat, die Migration als Quell allen Übels zu definieren, und damit zusätzlich einer ausländerskeptischen Enthemmung Bahn brechen dürfte

Enthemmung? Was heisst hier Enthemmung Bahn brechen? Natürlich muss man nicht lange auf das abgelutschte Allerheilwort warten: «struktureller Rassismus». Aber dann will Hebeisen «Klartext» schreiben: «Ja, die Schweiz hat ein Rassismusproblem, weil hier Menschen wegen ihrer Herkunft, wegen ihres Aussehens oder auch schon nur wegen ihres Namens nicht nur von vielen als «störend» empfunden werden, sondern auch tagtäglich Nachteile erfahren

Das mag nun so sein, aber was hat das mit dem Problem zu tun, dass hier ein Kollektiv für medialen Aufruhr sorgt, indem es wilde Behauptungen ausstösst und bislang den wirklichen Opfern von Rassismus damit einen Bärendienst erweist?

Dann wird’s noch einen Moment persönlich-peinlich: «Ich bin seit bald 20 Jahren mit einer afrobrasilianischen Frau verheiratet, die kein grosser Fan ist von sogenannten Safer Spaces für People of Color.»

Den langen Rest des Essays macht sich Hebeisen noch Gedanken, wo denn nun Rassismus beginne, wie man ihm begegnen könne und was es für Lösungsmöglichkeiten gäbe. Auf welchem Niveau? Na, auf dem hier: «Ich zitiere wieder meine Gemahlin: Schwingen wir nicht gleich bei jedem Anfangsverdacht die Rassismus-Keule

Da ist der Leser dann wirklich erschlagen. Ist das in der Gesamtwirkung peinlich. Kommentar kann Tamedia nicht. Reportage auch nicht. Essay ebenfalls nicht. Wofür will dann das Medienhaus überhaupt noch Geld verlangen? Für einkopierte Artikel aus München?

Rassismus ohne Inhalt

Das Gurtenfestival hat’s nun auch erwischt.

Es gab in den Berner Tamedia-Gazetten Schreckliches zu vermelden:

Diese Behauptung machte schon die Runde, auch der «Blick» kolportierte diesen neuerlichen Ausbruch von Diskriminierung und Rassenhass. Worum geht es eigentlich?

«Kollektiv schliesst Stand. Das Ausmass an Diskriminierung, mit dem er konfrontiert war, sei nicht zumutbar gewesen, sagt der Verein Café Révolution». Und berichtet Jessica King, «Redaktorin im Ressort Kultur&Gesellschaft». Sie sei «Journalistin mit langjähriger redaktioneller Erfahrung», behauptet sie auf LinkedIn.

Das erstaunt sehr. Denn eine solche Erfahrung sollte sie eigentlich davon abhalten, unbelegte, unspezifische und dadurch unglaubwürdige Behauptungen einfach zu publizieren. Stattdessen schreibt King: «So berichtet das Kollektiv von Café Révolution von Rassismus und Gewalterfahrungen am Festival, die die Grenze des Zumutbaren überschritten hätten.»

Das habe den Verein dazu veranlasst, seinen Stand bereits nach der Hälfte des Festivals zu räumen. Damit verzichtete das Kollektiv theoretisch auf weitere Einnahmen durch das Depot auf Bechern und Geschirr, das die Besucher ihnen überlassen konnten. Eine nette Geste der Veranstalter.

Das abrupte Ende der Geldsammlung erstaunt etwas an einem Festival, dass sich «Respect, Diversity, Love» auf die Fahnen geschrieben hat. Was ist denn passiert, was das Kollektiv zu dieser bitteren Aussage verleitete: Es habe schon mit übergriffigem und diskriminierendem Verhalten gerechnet, aber: «Wir können es nicht mit gutem Gewissen verantworten, ein Team von schwarzen und schwarz gelesenen Menschen dem auszusetzen, und haben uns deshalb entschieden, keinen Stand mehr zu haben.»

Wem oder was auszusetzen? Was genau ist denn passiert? Da scheiterte die erfahrene Lokaljournalistin King: «Mehr zu den Vorfällen wollen auf Anfrage weder das Kollektiv noch das Gurtenfestival sagen.» Sie kriegte nur noch heraus: «Bei der Kantonspolizei Bern seien bisher im Zusammenhang mit dem Gurtenfestival keine Meldungen zu mutmasslichen rassistischen Vorkommnissen eingegangen, so die Medienstelle.»

Es gibt also null, nix und nada an konkreten Vorfällen zu berichten. Wie heute üblich, windet sich und winselt die Organisation: «Die Geschehnisse hätten das Gurtenfestival-Team «zutiefst» erschüttert. «Wir müssen feststellen, dass wir als Gesellschaft nicht dort sind, wo wir sein sollten»», berichtet King anteilnehmend.

Das mag ja alles sein, nur: WELCHE Geschehnisse? Imaginierte, erfundene, reale? Wer solch schwere Anschuldigungen erhebt, sollte doch vielleicht ein einziges konkretes Beispiel nennen können, oder nicht? Tut er das nicht, müsste er (oder auch sie oder wie immer man das «lesen» will) sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er (oder sie oder es) fahrlässig mit gravierenden Vorwürfen hantiert und wirkliche Opfer von Rassismus damit desavouiert.

Es geht aber in der Absurdität noch weiter, wie die erfahrene Journalistin schreibt: «Zwei Menschen haben die mutmasslichen Übergriffe am Gurtenfestival bereits «Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus» (Gggfon) im Kanton Bern gemeldet – das Informationsund Beratungsangebot führt unter anderem eine Meldestelle für rassistische Vorfälle. Mehr darüber, was geschehen ist, weiss auch Leiter Giorgio Andreoli nicht.» Ob sich zwei Schneeflocken hier irgendwie «unwohl» gefühlt haben? Wer waren die «zwei Menschen»? Mitglieder des Kollektivs? Zeugen, die nicht eingegriffen haben?

Bislang war es zumindest Brauch, nicht nur Rassismus zu krähen, sondern dafür wenigstens ein konkretes Beispiel zu benennen. Scheint nicht mehr nötig zu sein, irritiert die Autorin keinesfalls. Ihre Schlusspointe ist dann an Peinlichkeit (für das Café Révolution) nicht zu überbieten: «Bis zum Schluss des Festivals konnte weiterhin bei den offiziellen Rücknahmestellen Becher und Geschirr für Café Revolution gespendet werden.»

Ist man Rassist, wenn man sagt, dass sich dieses feine Kollektiv damit die Mühe gespart hat, Becher und Geschirr höchstpersönlich entgegenzunehmen?

Aber es geht ja noch weiter, sonst wäre es nicht Tamedia. Unter dem Artikel sammelten sich schnell ein paar Dutzend Kommentare an, in denen durchaus kritische Fragen zum Verhalten des Kollektivs und des Organisations-Teams gestellt wurden und man gerne gewusst hätte, was denn genau vorgefallen sei. Aber oh Wunder: schon am Nachmittag waren alle gelöscht, die Kommentarfunktion geschlossen.

Auf Nachfrage eines Abonnenten erklärt Chefredaktor Simon Bärtschi: «Die Kommentarfunktion abschalten ist nie gut. Aber in diesem Fall die bessere Option. Artikel über Rassismus lösen immer problematische weitere Kommentare aus, die der Einordnung nicht dienlich sind. Die Redaktion ist für sämtliche Kommentare zuständig und kann belangt werden, deshalb ist dieser Schritt manchmal nötig.»

Die «Chefredaktorin Bund» fügte noch hinzu: «Doch spätabends artete die Diskussion dann leider aus. Unser Newsdesker entschied sich deshalb, die Kommentarfunktion auszuschalten. Leider ging unsere Best Practice vergessen, in einer Fussnote den Notstop zu begründen.» Zudem wäre es toll, bereits publizierte Kommentare stehenlassen zu können. «Leider ist das aus technischen Gründen nicht möglich

ZACKBUM fasst zusammen. Richtig ist, dass das Publikationsorgan (auch ZACKBUM) für den Inhalt von Kommentaren haftbar ist. Daher werden sie heutzutage (auch bei ZACKBUM) vor dem Freischalten kontrolliert. Dass es bei Tamedia nicht möglich ist, auch spätabends gegen Gesetzesnormen verstossende Kommentare auszuscheiden, akzeptable hingegen zu publizieren, ist ein weiteres Armutszeugnis.

Dann geht was vergessen, und aus «technischen Gründen» sei es nicht möglich, bereits publizierte Kommentare stehen zu lassen, wenn man einen «Notstop» macht? Ja was ist das denn für ein Spar-CMS? Verwendet Tamedia etwa eine Gratis-Lösung aus dem Internet, die nur beschränkte Möglichkeiten bietet? Wird tatsächlich nicht nur an Umfang, Inhalt, Work Force und Redaktionsbudget gespart, bis es quietscht, sondern auch an der Infrastruktur?

Das ist kein Armutszeugnis mehr, das ist zutiefst beunruhigend. Die «Berner Zeitung» kostet happige 555 Franken im Jahr, der «Bund» gar 579 Franken. Bei weitgehend identischem, von der Zentralredaktion in Zürich übernommenem und grösstenteils in München hergestelltem Inhalt.

Und dafür soll es zwei Zeitungsredaktionen in Bern, soll es den zentralen Diensten in Zürich nicht möglich sein, Kommentare zu moderieren? Kann man sich kein CMS leisten, dass es erlauben würde, alle publizierten Kommentare stehenzulassen?

Ein oberflächlicher, unvollständiger, mehr Fragen als Antworten liefernder Artikel. Als es kritische Kommentare prasselt, ein Notstop. Mit erst am nächsten Tag nachgeschobener, dürftiger Erklärung. Die erst auf Nachfrage etwas ausführlicher ausfällt. Und dafür wollt Ihr ernsthaft noch Geld?

 

 

Fotoromanza!

Das beliebte Gefäss von ZACKBUM feiert Wiederauferstehung.

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Besonders, wenn sie aus einem Bilderblatt mit Textbeilage stammen. Also her mit der Homepage des «Blick». Die reiche Beute:

Gut, das ist ein Inserat, aber der Beweis: Leichen leben länger.

Gut, das ist auch ein Inserat, aber – nun muss ZACKBUM auf Eiern gehen – der Werbeträger sollte vielleicht einen gewissen Sympathiewert ausstrahlen und nicht unbedingt Zweifel erwecken, ob er wirklich Besitzer des Vehikels ist.

Gut, das ist ein Text, aber auch brüllend komisch. Wer dieses «Kollektiv» nicht kennt: «Wir sind ein Kollektiv von Schwarzen und Schwarzgelesenen Frauen und Femmes.»

Die Café-Revolutionäre klagen nun, ««Das Ausmass der Gewalt und des Rassismus, mit dem wir konfrontiert wurden, überstieg jedoch, was wir unserem Team und uns zumuten wollen», schreibt der Verein.» Also Klappe zu statt Spenden sammeln. Was um Himmels willen ist denn passiert? «Auf Fragen zu den konkreten Vorfällen, zur Form der Gewalt und zu den möglichen Tätern machten die Organisatoren keine genaueren Angaben.»

Gut, das ist ein Bild mit Text. Leider ist ZACKBUM nicht mehr länger «B+»-Abonnent, also bleibt uns die Antwort verborgen, schluchz. Daher geben wir sie selber: 3 Meter Distanz, erklärt Dr. Google …

 

Gut, das ist ein Foto, sogar mit Romanze. Aber wollen wir das sehen?

Gut, das ist ein Foto mit einer enorm wichtigen Information. Es gibt doch mehr Ähnlichkeiten zwischen Kühen und Menschen, als man gemeinhin meint.

Hier noch ein Beitrag des «Blick» für alle umweltbewussten Menschen mit Flugscham, besonders geeignet für Klimakleber.

Aber, zum Abschluss der Fotoromanza, hier wäre ZACKBUM fast schwach geworden und hätte sich ein neues Abo überlegt:

Nein, ein Scherz. Ausserdem, Glück gehabt, ZACKBUM sind gelbe Flecken auf dem Kissen so fremd wie anderswo … Ausser in der Corporate Colour, wie wir Marketingsfuzzis das nennen.