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Sie jassen gerne? Sie Sexist, Sie Rassist!

Sie hätten gedacht, vom Schweizer Nationalsport lassen Sexismus/Rassismus-Bekämpfer die Finger?

Da haben Sie auf das falsche Blatt gesetzt, die falsche Karte ausgespielt. Wenn Ihnen das selbst bislang nicht aufgefallen ist, sind Sie das Allerletzte.

Sorry, das sage nicht ich, das sagt die «deutsche Kulturwissenschaftlerin» Susan Arndt. Jawohl, DIE Arndt. Wikipedia belehrt uns, dass zu ihren «Arbeitsgebieten» die «westafrikanische Frauenliteratur» und «Kritische Weissseinsforschung» gehören.

Ist das hier gemeint?

Oder gar das hier?

Das ist mir jetzt echt peinlich, davon habe ich noch nie gehört. Beziehungsweise, ich dachte zuerst, es handle sich um Waschmittelreklame. Aber gut, diese und viele andere «Arbeitsgebiete» befähigen Arndt natürlich, ein paar abschliessende Worte über die Schweizer Jasskarten zu sagen.

Das tat sie vorher schon bei fatalen Namen für Glace in der Schweiz; sie wollte die Debatte über den Mohrenkopf mit einer Problematisierung der «Winnetou»-Glace erweitern. Vom phallischen Subcontext bei «Rakete» ganz zu schweigen. Aber der Sommer kommt erst, noch wird fleissig gejasst.

Das Problem des fehlenden Aufregers

Auch CH Media kennt das Problem: Morgen ist nicht nur Samstag, sondern auch noch 1. Mai. Womit füllen wir denn nur das Blatt? In solchen Situationen weiss der erfahrene Redaktor (und in jeder Zentralredaktion gibt es noch ein, zwei): Da muss ein Aufreger her. Dann hirnt man hirnerweichend über ein Thema, bis jemandem endlich einfällt: Erinnert ihr euch noch, Mohrenkopf, Interview mit dieser deutschen Tussi, Pardon, also die über weitere diskriminierende Namen geschimpft hat?

Lässt sich da vielleicht was machen?

Gut, sagt der Tagesleiter, aber nur, wenn sie da noch einen drauflegt; Mohrenkopf und so ist sowas von gestern. Also setzt der geschickte Reporter diese Anforderung um. Aber was kann Arndt denn an den Jasskarten sexistisch finden? Nun, stellt Euch nicht so begriffsstutzig an, ihr sexistischen, rassistischen Jasser, das ist doch sonnenklar wie ein Match: «Der König ist mehr wert als die Damen, so wie im Wort Herr die Idee von Herrschaft anklingt.»

Ich bin nun nicht so der Hirsch bei Jasskarten, aber es will mir doch scheinen, dass es bei den verwendeten deutschen Sets einen Under und einen Ober gibt, danach kommt der König. Dagegen könnte man höchstens einwenden: und wo bleibt die Frau? Zudem: beim Unde-Ufe ist doch die Dame mächtiger als der König, oder?

Sollte man vielleicht auch alte Gemälde modernisieren?

Das alles fällt aber dem lausig vorbereiteten Interviewer nicht ein, stattdessen versucht er es mit dem Argument, dass das doch einfach historische Spielkarten seien, ob man das nicht so lassen könne? Aber auch diese Rettung zerschellt an der eiskalten Logik von Arndt: «Natürlich darf man das. Doch wenn man sie als historisch akzeptiert und weiterhin damit spielt, muss man sich auch aktiv damit auseinandersetzen und sich fragen: Wofür steht diese Geschichte? Und finde ich das gut?»

Ich finde gut, dass Grossbritannien eine Queen hat, und ihr Gatte musste bis zu seinem seligen Ende immer ein Schritt hinter ihr gehen und überhaupt die zweite Geige spielen.

Aber Arndt erreicht langsam Betriebstemperatur und erklärt, für welche Geschichte diese Spielkarten ihrer Meinung nach stehen: «Für die Dominanz des weissen, heterosexuellen Mannes. In dessen Normsetzung sind Menschen anderer Geschlechter sowie People of Colour einfach ausgeblendet, nicht repräsentiert. Die royalen Hierarchiestufen widerspiegeln zudem einen extremen Klassismus, der sich mit antiquierten Begriffen wie «Bube» oder «Under» auch gegen Männer richtet.» Ach, dann sind wir also auch betroffen?

Nehmt das, Ihr Ignoranten, so muss man das sehen, anstatt «gschobe», «Drüblatt» zu sagen, einen Differenzler oder gleich einen Coiffeur zu spielen. Dass es keine Coiffeuse gibt, ist sicher auch noch nicht aufgefallen. Typisch.

«Wir sprechen hier bloss von Spielkarten», versucht es der Journalist schon leicht matt mit einer letzten Frage; müssen die denn unbedingt modernisiert werden?

Aber ganz sicher schon, donnert Arndt:

«Weil ihre Botschaft eben nicht harmlos ist. Und die lautet: Frauen haben weniger Wert, weniger Bedeutung in der Gesellschaft – und nicht-heterosexuelle Personen oder schwarze Menschen müssen gar nicht berücksichtigt werden. Solche Bilder verfestigen sich in unserem Unterbewusstsein. Und das hat Folgen bis in unseren Alltag hinein – bei der Unterrepräsentierung von Frauen in der Geschäftswelt, bei der Diskriminierung von People of Colour.» 

Jasskarten haben eine Botschaft, setzten Zeichen, wollen Machthierarchien bewahren

Endlich kapiert? Beim Jassen fängt’s an, bei Unterrepräsentierung und Diskriminierung endet’s. Was tun? Nun, es gibt natürlich erste Versuche von korrekten Spielkarten. Die sind allerdings noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Aber weitgehend diskriminierungsfrei, liebe Jasser.

Vielleicht sollte man sich als Zwischenschritt angewöhnen, kleine Zeichen zu setzen. Also zum Beipsiel statt «Stöck» sagt man «Dame, begleitet von einem untergebenen König». Statt «Match» sagt man «Mätchin». Statt «ufm Tisch müends verrecke» sagt man «dürfen wir die anwesenden Damen bitten, ihre Gespräche einzustellen und auszuspielen?»

Aber sobald sich durchgesetzt hat, dass die aktuell verwendeten Spielkarten in den Schredder gehören und nur noch mit korrekten, repräsentierenden Karten gespielt wird, dann wird sich das mit dem Rassismus und Sexismus spielend auflösen. Und kein Jasser wird es jemals wieder wagen, «Frölein, jetzt en Kafi Schnaps» zu rufen.

Alles eine Frage der Relevanz

Sexismus, Rassismus, Vergewaltigung, Genderstern, Sprachreinigung: furchtbar wichtig. Alles andere: nebensächlich.

So eher im Kleingedruckten konnte man zur Kenntnis nehmen: der Kinder- und Jugendpsychologische Dienst Zürichs hat eine Verdoppelung der Fälle von Suizidversuchen unter Jugendlichen festgestellt.

Eine Verdoppelung. Die Ursachen sind klar: mangelnde soziale Kontakte, keine Ablenkungen, zu Hause zusammenhocken, wenn die Eltern auch Homeoffice machen. Wegen des Lockdown.

Ganze Dienstleistungsbereiche werden dem Erdboden gleichgemacht. Reisebüros, Gastronomie, kleine Shops ohne grosse Reserven. Der Gang durch ein beliebiges Shoppingcenter genügt, um die Dimension des Problems zu erfassen.

Rund 400’000 Werktätige waren in Kurzarbeit, im Monat Januar. Tendenz wieder steigend, nach dem Rekordschock im März 2020; mehr als eine Million Kurzarbeiter. Was geschieht Ende Juni, wenn das Programm ausläuft?

Was ist relevant?

Verluste, Kosten im Multimilliardenbereich, hüst und hott, lockern, verschärfen, lockern, verschärfen, bis möglichst viele KMU aus dem letzten Loch pfeifen. Kein Thema. Ein wenig Geschimpfe über das Impfchaos, Stirnrunzeln, dass Deutschland bei ähnlichen Zahlen wie in der Schweiz wieder auf die Notbremse steigt, während hier gelockert wird.

Was für mittelfristige Auswirkungen kommen?

Was sind für mittelfristige Auswirkungen zu erwarten? Auf die Wirtschaft, auf die Gesellschaft, auf die Verschuldung, auf die Sozialversprechen wie Altersrente? Wie rechtsstaatlich sauber ist der Entzug dermassen vieler Freiheitsrechte? Wie hat die Gewaltenverteilung zwischen Regierung, Parlament, Ämtern, Wissenschaft funktioniert?

Welche Szenarien, welche Trigger, welche Weichenstellungen müssen diskutiert werden, um die Zeit nach der Pandemie möglichst gut aufzugleisen? Was kann die Schweiz als Kleinstaat selber tun, wobei ist sie von grösseren Mächten abhängig? Was bedeutet die Pandemie für das Kräfteverhältnis auf der Welt, für die globalen Handelsströme?

Worauf müssen wir uns in der Schweiz vorbereiten, wenn alle Formen der Corona-Hilfen auslaufen? Wie lässt sich das am besten bewerkstelligen, dass dadurch möglichst wenig Flurschaden entsteht?

Wie kann sich Kunst und Kultur erholen, was kann getan werden? Wie steht es um die Qualität der öffentlichen Debatte, welche Massnahmen wären geboten, um zu versuchen, auf einen allgemein zivilisierten Umgangston zurückzufinden? Wie kann man dem Misstrauen gegen Regierung, Massnahmen und Medien begegnen? Wie kann man den Gebührensender wieder so aufstellen, dass er seinem Verfassungauftrag nachkommt?

Viele Fragen – und die Antworten?

Ist es wirklich sinnvoll, private Medienkonzerne mit Kurzarbeitsunterstützung, Sonderkrediten und zusätzlichen Subventionen zu überschütten, auf dass die Besitzer sich an einer erquicklichen Dividende erfreuen können? Ist das bei der SRG sinnvoll?

Wer behaupten kann, die Schweizer Medien hätten ihm in den letzten Tagen oder Wochen auch nur eine dieser Fragen zufriedenstellend beantwortet oder zumindest einen Denkanstoss gegeben, der soll sich sofort hier melden.

So etwas müsste unbedingt mit allen Lesern geteilt werden. ZACKBUM befürchtet aber: Die Ausbeute wird bescheiden sein. Sehr bescheiden. Beängstigend bescheiden.

Der Berg der unbeantworteten Fragen.

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan …

Zürich soll mohrenfrei werden. Und das sei gut so, findet der Tagi. Immerhin mal kein Genderthema.

Thomas Morus hätte das nicht lustig gefunden. Hä? Nein, ein kleiner Scherz. Denn die Sache ist ernst. Etwa nicht gewusst? Im Zürcher Stadtbild tobt weiterhin der Rassismus. Es kann doch nicht sein, dass es gelungen ist, endlich den Mohrenkopf zu vertilgen (also den Namen, wobei, es gibt da noch Widerstandsnester). Aber dass andererseits noch Inschriften an Zürcher Häusern prangen wie «Zum Mohrentanz» oder gar schlichtweg «Mohr», das geht natürlich nicht.

Das ist zwar eine dumpfbackige Meinung, aber immerhin eine klare. Edgar Schuler vom «Tages-Anzeiger» muss sich mit Salome Müller den Dienst am Tagi-Newsletter teilen. Das entschuldigt aber nicht alles. Denn er mäandert sich durch dieses Minenfeld, als wäre er eine Schlange, die plötzlich ihren eigenen Schwanz vor sich sieht.

Er finde es gut, dass es harsche Reaktionen auf den Beschluss des Stadtrats gebe, solche Schweinereien zumindest an städtischen Liegenschaften nicht mehr zu tolerieren. Aber: «Gut, hat sich die Stadt zu diesem Schritt entschlossen». Es ist zwar nur ein Trippelschritt für Zürich, aber ein grosser Schritt für alle, die sich tatsächlich vom Wort Mohr diskriminiert fühlen.

Es wird wieder einmal ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt

Deshalb schreibt der Tagi, Überraschung, mal wieder von einem «Zeichen», das hier gesetzt werde. Ein Zeichen gegen und ein Zeichen für, logo. Der Sprachforscher Schuler weiss in seinem Kommentar:

«Aber der «Mohr» ist auch nicht mehr das unschuldige Wort, das es in den Ohren vieler einmal war. Der Begriff ist schlicht und einfach aus der Zeit gefallen. Er gilt heute zu Recht als rassistisch. Es gibt Betroffene, die sich zu Recht daran stören.»

Das war’s für dich, will Schuler gerne der sardischen Flagge sagen.

Allerdings: Mehr Unsinn kann man nicht in einen kurzen Absatz packen. Was soll am Wort «Mohr» jemals unschuldig gewesen sein? Es ist ein uraltes Wort, schon im Althochdeutschen, ja im Griechischen nachweisbar. Einfach für einen Bewohner Mauretaniens, Marokkos oder Äthiopiens.

Also für Mauren, wie die lateinisierte Form lautet. Für Spanier sind «los moros» die arabischen Eroberer Spaniens, unter deren Herrschaft ein gewaltiger kultureller Aufschwung erfolgte, bis sich das Leichentuch der christlichen Inquisition nach der Rückeroberung über das Land legte.

Auch die Sarden empfinden den Mohrenkopf in ihrem Wappen weder als aus der Zeit gefallen, noch rassistisch. So gelte er auch nur, schreibt Schuler vorsichtig, denn er hat wohl etwas gegoogelt und musste feststellen, dass diese heutzutage tödliche Anschuldigung keineswegs allgemein akzeptiert wird. Auch ausserhalb von rassistischen Kreisen nicht. Aber dieser Unsicherheit begegnet er mit einem doppelten «zu Recht». Die dümmste Leerformel einer Verstärkung.

Die einen stören sich an diesem, die anderen an jenem

Und wenn es Betroffene geben sollte, die sich daran stören: Wie steht es dann mit den Betroffenen, die sich daran stören, wenn dieser schöne, alte Begriff verschwindet? Es geht ja nicht darum, ein «Heil Hitler» von der Mauer zu kratzen. Oder sollte nicht auch die Plakette am Haus, in dem Lenin wohnte, ergänzt werden durch einige Hinweise auf die Auswirkungen seiner Revolution?

Noch übler treiben’s die Korsen mit ihrer Flagge.

Das ständige Umschreiben und Reinigen der Geschichte ist ein typisches Merkmal für totalitäre Staaten. Oder die Kirche. Nur solche Gebilde wollen nicht nur die Gegenwart und die Zukunft beherrschen, sondern auch die Vergangenheit. Die ist zwar leider vergangen, aber wie sie gesehen wird, das lässt sich doch wohl ändern.

Normalerweise tut das der Herrscher, der Diktator, die Partei, die Führungsspitze, unterstützt von den üblichen nützlichen Idioten, die selbst die absurdesten Begründungen erfinden, wieso ein Sieg plötzlich eine Niederlage war, ein wichtiger, aber in Ungnade gefallener Führer einfach aufhört zu existieren.

Das ist keine Geschichtsklitterung; so wurde der Mohrenkopf auch verwendet.

Hier in der Schweiz ist der Mohrenkopf zu einem Jekami geworden. Basler Gugge wie «Negro-Rhygass» oder alle, die irgendwie ein an Mohren erinnernde Sujets verwenden, wurden als ausgemachte Rassisten enttarnt. Von all den Lokalen, Orten, Gebäuden, die aus irgendwelchen teilweise längst vergessenen Gründen das Wort Mohr verwenden, ganz zu schweigen.

Mit «Rassismus!» erobert man locker die Meinungshoheit

In Zürich soll das «Kollektiv Vo Da» eine wichtige Rolle bei der «Sensibilisierung» gespielt haben: «Wir sind ein Kollektiv von Menschen vo da, die eines Tages beschlossen haben, sich zusammen zu tun,

um die Themen Diskriminierung und Rassismus gemeinsam öffentlich anzusprechen.»

Das ist lobenswert. Aber, mit Verlaub, soll man von solchen Meinungsträgern eines «Kollektivs», von einer völlig ahistorischen Stadtpräsidentin solche Eingriffe, Übergriffe einfach akzeptieren? Meinungsbildung durch öffentlichen Druck und unfundiertes Geschrei ohne geschichtliche Kenntnisse? Dem Zeitgeist geschuldet; wer weiss denn, welche Begriffe in 100 Jahren getilgt werden müssen?

Ich bin ein Berliner. Aber nicht so einer

Echt jetzt? Darf ich mich als gebürtiger Berliner nun auch dafür einsetzen, dass die Verwendung dieses stolzen Namens für eine zuckrige, mit Marmelade gefüllte, in Fett ausgebackene Kalorienbombe verboten werden muss?

Müsste klappen, denn wenn ich mich davon diskriminiert fühle, gilt das etwa weniger, nur weil ich ein älterer, weisser Mann bin? Es gibt schliesslich Ersatz; Krapfen zum Beispiel. Da ich keinen Zusammenhang zwischen mir und einem Krapfen sehe, kann man das mal machen. Vorläufig. Frau Stadtpräsidentin, kümmern Sie sich drum! Ich bin auch vo da und Stadtzürcher Bürger.

Wahnvorstellungen im Nebel

Eines hat der neue «Nebelspalter» schnell geschafft: dass seine Gegner sich lächerlich machen.

Über die Humorfähigkeit von Markus Somm und seiner Internetversion des «Nebelspalter» kann man geteilter Meinung sein. Der bisher einzig richtige Brüller passierte unbeabsichtigt, als der hochwohllöbliche VR-Präsident, grosse Bach-Liebhaber und ganz allgemein kultivierte Mensch aus Versehen in seinem Werbemail zu seinem ersten Artikel als Link auf eine Porno-Webseite verwies.

Die Gegnerschaft machte sich selbst schon zweimal lächerlich. Zum einen, als die «Republik» 55’000 Anschläge darauf verwendete, um zu zeigen, dass Constantin Seibts Sprachdurchfall immer pathologischer wird. Und die Allzweckwaffe aus dem Hause Tamedia lieferte auf Wunsch sein Spezialwerk ab: einen Verriss, völlig ohne Fakten, aber voll von Behauptungen, Unterstellungen und mieser Meinung. So kennt man Andreas Tobler oder seinen Bruder im Geist Philipp Loser. Ein Duo infernale, das das Niveau bei Tamedia noch mehr senkt, als es 78 aufgeregte Frauen können.

Aber das alles verblasst vor der neusten Schmonzette, vor dem nun restlos gelungenen Versuch, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Zum Vollidioten. Wie hat der «Nebelspalter» das geschafft? Eigentlich, das muss Markus Somm zugeben, unabsichtlich.

Langsam aufsteigender Antirassismus

Denn, es trug sich Folgendes zu. Der Print-«Nebelspalter» veröffentlichte in seiner Februar-Ausgabe die Karikatur eines bekannten deutschen Karikaturisten. Der arbeitet unter anderem für die taz (das ist die deutsche WoZ, nur täglich), oder für «Die Zeit». An seiner linksliberalen bis linken Haltung gab es bislang nicht den geringsten Zweifel. Bis Somm auf die Idee kam, auf der verzweifelten Suche nach Satire in seiner Ausgabe, diese Karikatur vom Print-Nebelspalter zu übernehmen.

Man muss noch hinzufügen, dass sie damals bei ihrer Veröffentlichung null kritische Reaktionen bewirkte. Null. Die Karikatur blieb die Gleiche, aber der Absender änderte:

Zum Unglück sind die Antirassisten denkscheu.

Was im Print-Nebelspalter ging, geht im Somm-Nebelspalter nicht. Denn plötzlich ist diese Karikatur «rassistisch», «menschenverachtend», «widerlich», in einem Wort, eine «Schande». Nun, schnell erregte Idioten im Internet sind eine unangenehme Begleiterscheinung der Möglichkeit, dass jeder Depp Multiplikatoren für seine Ansichten findet, und seien die noch so hirnlos.

Aber wenn es gegen rechts, gegen Rassismus, also in einem Wort gegen Somm geht, brechen alle Staudämme, die normalerweise nicht völlig verblödete Leute davon abhalten, sich selbstverschuldet in aller Öffentlichkeit so lächerlich zu machen, dass sie eigentlich in ein Sabbatical müssten, hätten sie etwas Ehre im Leib.

Den Shitstormtruppen höseln Intellektuelle hinterher

Das fehlt aber der schreibenden Schmachtlocke Daniel Binswanger ebenso wie ein Rückgrat. Also greift er in die unterste Schublade des Denunzianten und wendet sich an Operation Libero und deren Co-Präsidentin Laura Zimmermann. Die wagt es nämlich, mit Markus Somm vor laufender Kamera verbal die Klinge zu kreuzen. Früher nannte man das Debatte, heute nennt das Binswanger: «Willst Du wirklich widerlichen Rassismus legitimieren Laura?» Kommaschwach, aber meinungsstark behauptet die Fönfrisur, dass es «widerlichen Rassismus» im Nebi gäbe, was ihm aber in der Print-Ausgabe nicht aufgefallen ist.

Vielleicht war er da gerade beim Coiffeur. Und von der absurden Prämisse, einem linken «taz»-Karikaturisten «widerlichen Rassismus» vorzuwerfen, setzt er noch das Stück aus dem Tollhaus drauf, Laura Zimmermann zu unterstellen, sie legitimiere das.

Rapper Knackeboul, der auch vorher nicht durch intellektuelle Glanztaten auffiel, twittert, dass der Nebi jetzt von «Nazis geführt» werde. Wahrscheinlich spekuliert er zu Recht darauf, dass für ihn mildernde Umstände gelten und er deshalb weder für voll, noch ernst genommen wird.

Ein echter Professor Unrat wie von Heinrich Mann

Aber dann gibt es noch den Professor Ratlos Philipp Sarasin. Der hat mit Somm und überhaupt der rechten Presse noch ein persönliches Hühnchen zu rupfen, also zittert und twittert er sofort mit: «Das ist ja echt nicht zu fassen. Was für eine Schande.» Nein, lieber Professor Unrat, die Schande ist, dass ein Flachdenker wie Sie auf Kosten des Steuerzahlers harmlose Studenten mit seiner Unfähigkeit als Geschichtsprofessor quälen darf. Denn was können die von ihm lernen, wo er doch stur behauptet, dass weder die Position, noch die empörte Reaktion des Zeichners, dass das überhaupt nicht rassistisch sei, eine Rolle spiele, das als «nicht relevant» abtischt.

«Mir scheint, das ist eine komplette Schutzbehauptung des Zeichners», donnert er zu Tamedia vom Katheder. Meiner Treu, wenn er seinen Studenten den Beginn des Zweiten Weltkriegs erklären will, sagt er dann auch, «seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen» sei eine Schutzbehauptung gewesen?

Einmal ist keinmal, zweimal ist Rassismus

Ist das zu fassen? Eine Wiederholung einer Karikatur, die zuvor schon im «Nebelspalter» erschien, dessen Chefredaktor sich ebenfalls als Linker outet und keinerlei Rassismus in ihr erkannt hat (ebenso wie alle seine Leser), ist ebenfalls fassungslos über diesen Shitstorm.

Jedem Deppen ist es erlaubt, auch öffentlich zu zeigen, dass er ein Depp ist. Was ist aber davon zu halten, wenn sich gefönte Journalisten und gesalbte Professoren ebenfalls zum Deppen machen? Beim Journalisten müssen das die «Verleger» der «Republik» entscheiden. Bei Professor Sarasin ist es entschieden schwieriger, ihn davon zu überzeugen, dass das Gehalt seiner Lebensgefährtin doch auch für zwei reicht.

Ein Mann, ein Wort

In dieser mit allen Tricks und Untergriffen geführten Debatte braucht es eine klare Position.

Was 12 Prozent aller weiblichen Angestellten von Tamedia mit einem einzigen Schreiben hinkriegen: das Thema Frauendiskriminierung, Sexismus in den Medien ist mal wieder in aller Munde.

Worum geht es? Wohl jeder, ich auch, hat schon glaubhafte Beschwerden von weiblichen Angestellten gehört, dass ein Vorgesetzter unter Ausnützung seiner übergeordneten Stellung unsittliche Angebote gemacht hat. Das gemeinsame Abendessen zum «Kennenlernen». Bei Kerzenlicht. Der forsche körperliche Übergriff beim gemeinsamen Glotzen in den Bildschirm. Die anzügliche, nach Altherrenmief riechende Bemerkung.

Wir sind uns wohl einig, was widerlich und übergriffig ist

Oder noch übler: das Ankündigen einer Positionsverbesserung, vorausgesetzt, die Person im Abhängigkeitsverhältnis sei bereit, ihre Kenntnisse in Positionen vorzuführen, vielleicht in Nylons? Begleitet von anzüglichem Blick und schmierigem Lächeln. Wem es dabei nicht übel wird, ist wirklich ein Idiot.

Männerfantasie oder konsensuale Erotik.

Das alles ist widerlich, verachtenswürdig, muss sanktioniert, publiziert, denunziert werden. Dafür muss es entsprechende Strukturen geben, die allen Beteiligten die Möglichkeit zur Stellungnahme gibt, verifiziert oder falsifiziert und entsprechende Autorität zum Sanktionieren hat.

Handelt es sich möglicherweise um ein gröberes oder – wie man neudeutsch sagt – strukturelles Problem, dann hilft nur eine unabhängige Untersuchung von aussen. Wie zum Beispiel exemplarisch bei der deutschen «Bild», wo der Chefredaktor schwer in den Kugelhagel von diversen Vorwürfen geraten ist. Nun soll die renommierte Firma Freshfields Klärung bringen. Von aussen natürlich.

Das ist, ebenso wie bei Sexualdelikten in der Ehe oder allgemein mit nur zwei Teilnehmern, eine heikle und schwierige Angelegenheit. Genau wie das Opfer, meistens weiblich, aber nicht immer, die Opferrolle nur spielen kann, während der Täter in Wirklichkeit keiner ist, gibt es natürlich auch das Umgekehrte. Aber wie beiden Beteiligten gerecht werden?

Wer ist Täter, wer Opfer? Nicht das einzige Problem

Das ist ein Problem. Viel gravierender ist aber ein anderes. Sexuelle Belästigungen jeder Art, von wem auch immer, gegen wen auch immer, Diskriminierung aus welchen Gründen auch immer, das ist widerlich, ein Kampffeld, verdient Verachtung und Bestrafung.

Genauso aber auch, ein überhaupt nicht sinnvolles Kriterium anzuwenden, um Quotengleichheit, angebliche Gleichberechtigung und das Recht, jeden Zweifel an Anklagen als weiterer Ausdruck von Diskriminierung zu denunzieren, für sich in Anspruch zu nehmen.

Das ist schlichtweg Unsinn, negative Diskriminierung, eine Waffe im Kampf um bessere Positionen, mehr Geld, mehr Einfluss, mehr Macht.

Es ist das übliche rassistische Missverständnis, nur auf den Kopf gestellt.

Der da drüben ist blöd. Warum? Weil er dunkler Hautfarbe ist. Absolut bescheuerte Korrelation von zwei Eigenschaften, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Vor allem nicht im individuellen Fall.

Selbstverständlich gibt es auch Dunkelhäutige, die blöd sind. So wie es Blödis jeder Hautfarbe, in jeder gesellschaftlichen Stellung, in jedem Land, in jedem Alter – und bei jeder sexuellen Zuordnung oder Einordnung oder Selbstempfindung gibt.

Blöde gibt es überall, falsche Verknüpfungen aber auch

Es ist aber schlichtweg unlogisch, unhaltbar, eine contradictio in adjecto, ein Widerspruch in sich selbst, ein Junktim zu knüpfen nach dem Modell dunkelhäutig = dumm. Das Gleiche gilt für weiblich = diskriminiert. Das gilt noch mehr für weiblich = alleine berechtigt, sich als Opfer zu empfinden.

Das denaturiert und degeneriert zu diesen altbekannten Hilfskonstruktionen: hier wird nicht eine Tätigkeit oder ein Resultat kritisiert, sondern das Geschlecht der Tätigen ist ausschlaggebend. Der berühmte Satz zum männlichen Vorgesetzten: das kritisiert du nur, weil ich eine Frau bin. Oder der noch dümmere Satz: das kannst du als Mann gar nicht beurteilen.

Wenn nur gemeinsame, willkürlich gewählte Eigenschaften einen weitgehend herrschaftsfreien Diskurs zulassen würden, dann wäre Ende Gelände mit gesellschaftlicher Debatte zwecks Erkenntnisgewinn und Verbesserung der Welt.

Die Problematik der anonymen Beschwerde

Eine ganz üble Rolle spielt dabei die anonyme Anklage, die anonyme Beschreibung eines Übergriffs, einer Diskriminierung via Geschlecht. Greifen wir aus der jüngsten Auflistung ein Beispiel heraus: «Bis heute finden Kollegen es lustig, Sätze zu sagen wie:

«Da bei dir im Hintergrund schreit ein Kind, habe ich das mit dir gezeugt?»»

Gibt es solche Idioten wirklich bis heute? Im Plural? Wie heissen die? Gibt es mehr als eine Zeugin? Wieso wurde das nicht auf den vorhandenen Kanälen denunziert? Wurde das vielleicht nur deswegen aufgeführt, weil es das perfekte Titelquote abgibt, das dann auch prompt der «Spiegel» verwendete?

Wenn man diese Fragen stellt, wenn man das ganze Vorgehen für höchst problematisch hält, kann man dann auch guillotiniert werden, da man offenbar ein Sexist, Macho, Patriarch mit einem mittelalterlichen Frauenverständnis sei? Das kann ganz leicht passieren.

Gefangen im System

Und das ist dann die dritte und letzte Absurdität. No way out. Innerhalb dieses Systems kann man nur zustimmen. Oder schweigen. Aber Widerspruch welcher Art auch immer ist nicht möglich. Damit wären wir wieder völlig im Bereich des Glaubens, des Kanons, der unbezweifelbaren und nicht hinterfragbaren absoluten Wahrheiten angelangt.

Wohin das führt, wissen wir aus der Geschichte mehr als genügend. Hinzu kommen in diesem aktuellen Tamedia-Fall noch eine ganze Reihe von Ungereimtheiten, Merkwürdigkeiten, Gruppenzwängen, Wortführerinnen und Mitläuferinnen, die wir noch aufarbeiten werden.

Da hier der Besitz der einzig richtigen Wahrheit zu Hause ist? Aber nein. Im Gegenteil. Hier ist der Zweifel, das Hinterfragen, die Kritik an zu leicht Akzeptiertem zu Hause.

Weiss auf schwarz

Es darf gelacht werden. Wohin Antirassismus-Wahnsinn führt.

Der Mohrenkopf ist gegessen. Was solche aufwallende Erregung über angeblich ganz fürchterliche Manifestationen von Rassismus immer an sich haben: sie schäumen hoch wie dieses Schaumgebäck, und schluck, weg sind sie.

Höchste Zeit, aus gegebenem Anlass mal wieder an einige Höhepunkte (ich weiss, es gibt ein Meer mehr) solcher Anfälle zu erinnern. Obwohl die rassistische Verwicklung der Schweiz in Sklavenhandel und ideologischer Rechtfertigung dieses schlimmen Tuns noch nicht restlos aufgearbeitet ist. Aber auch da hat der Virus (welcher Rasse gehört der eigentlich an, wenn er maskulin ist, werden dadurch nicht weibliche Viren diskriminiert?) für Entspannung gesorgt. Aber Vorhang auf beim Panoptikum.

Prinzessin Tiana küsst Frosch. Na und?

Wer so reagiert, outet sich schon ganz am Anfang als unreflektierter Rassist. Dieser Disney-Film wurde nicht zuletzt nur mässig als neue Form des Blackfacing beschimpft, weil man vorsichtshalber Oprah Winfrey gebeten hatte, eine kleine Sprechrolle zu übernehmen. Und wenn Oprah damit dem Werk ihren Segen gibt, na gut. Da kann man nur noch hoffen, dass der Frosch kein Rassist ist.

Als Disney dann allerdings mit Pocahontas und Mulan weiter Inklusion und Diversität vorantreiben wollte, wurde der Konzern aber schwer beschimpft. Kulturimperialismus, unerlaubte Aneignung anderer Sitten und Gebräuche, Andersartige immer aus weisser Sicht, furchtbar.

Pfui, pfui, pfui. Dafür sollte sich der Globus heute noch schämen.

Uns fehlen die Worte, aber dieses Verhalten von Globi ist ja leider kein Einzelfall aus dunklen Zeiten:

Auch Asterix war Rassist. Leider.

Denn sonst hätte der Gallier eine solche Darstellung des Ausgucks auf dem Piratenschiff niemals akzeptiert.


Der Weisse am Steuer, der Hund aufmerksam, der Neger grinst.

Auch dieses düstere Struppi-Kapitel der belgischen Kolonialgeschichte ist noch nicht restlos aufgearbeitet.

Wer sieht hier die Anspielungen nicht?

Nichts harmloser (und hirnloser) als die Schlümpfe? Vorsicht, hier werden Kinderseelen ganz subtil rassistisch beschallt. Denn es ist doch offenkundig, wieso die Schlümpfe, mit einer Ausnahme, diese weissen Kappen tragen. Groschen noch nicht gefallen? Ku-Klux-Klan, Himmels willen. Erschwerend kommt noch hinzu: Werden die Schlümpfe krank, färben sie sich immer dunkler. Das ist doch unbestreitbar: damit wird dunkle Hautfarbe als Zeichen von Kranksein missbraucht.

Unerhört: das soll ein japanischer Cyborg sein?

Scarlett Johannson in «Ghost in a Shell». Etwas merkwürdig geschminkt, denkt da vielleicht der rücksichtslose Rassist, denn das sei doch eindeutig «modernes Blackfacing», erregten sich japanische Schauspieler. Blackfacing? Nun, so hiess der absurde Brauch, in «weissen» Clubs oder Bars, in denen in den USA keine Schwarzen auftreten durften, sie mit weissen Darstellern zu substituieren, die einfach schwarz angemalt wurden.

Wäre heute auch nicht mehr möglich: Orson Welles als Othello.

Nun gefiel es William Shakespeare (weiss, Mann), ein unsterbliches Theaterstück über den Mohren von Venedig zu schreiben. Dessen reales Vorbild war nun mal schwarz, also schminkten sich Schauspieler auch schwarz für die Rolle. Darunter auch mein absoluter Liebling Orson Welles, die herausragende Verkörperung der übergrossen Shakespeare-Figuren. Zudem war der Film ja noch schwarzweiss. Nein, mit einem solchen Kalauer käme heute weder er noch ich durch. Deshalb sind wir natürlich entrüstet.

Beschränkt sich diese beschränkte Suche nach Anzeichen von Rassismus nur auf Bilder und Filme? Aber nein. Es gibt einen aktuelle Anlass auf literarischem Gebiet. Also gut, literarisch wäre dann noch die Frage. Auf jeden Fall hat sich in den Niederlanden (und das wird überschwappen), ein Streit entwickelt, wer denn eigentlich dazu legitimiert ist, das Gedicht «The Hill we Climb» zu übersetzen. Für Kulturbanausen: Das trug Amanda Gorman bei der Inaugurationsfeier für Joe Biden vor.

Schwarz, jung, fantastisch gekleidet, klare Aussprache.

Ich würde ja sagen: jeder ist legitimiert, der es im Kopf aushält, sich mit diesem spätpubertären, aufgeblasenen Geraune zu befassen, bei dem man eine ganz grosse Portion Gesinnung drüberstreichen muss, will man es als Lyrik bezeichnen. Aber natürlich – der Leser ahnt es schon – geht die Debatte darum, ob jeder, der dazu qualifiziert ist, übersetzen darf. Auch ein Mann? Ein weisser Mann? Ein schwuler, weisser Mann? Oder ein schwarzer? Nicht besser eine schwarze Frau? Aber bitte nicht zu alt? Und überhaupt, schwarz ist doch nicht gleich schwarz, sollte es nicht jemand mit dem gleichen ethnischen Hintergrund sein? Wieso überhaupt? Na, sonst könnte es doch passieren, dass fürchterliche Dinge wie Kulturimperialismus, Aneignung, lyrisches Blackfacing, neuerliche Diskriminierung passieren könnten.

Aha. Wer dagegen einwendet, dass es keine schwarze oder weisse Mathematik gibt. Nur richtige oder falsche. Keine schwarze oder weisse Küche. Nur gelungene oder missratene. Keine schwarze oder weisse Lyrik. Nur solche, die dem Anspruch Hölderlins genügt: «Was bleibet aber, stiften die Dichter». Und solche wie die von Gorman, die dem nicht genügt: in jeder Hinsicht disqualifiziert. Schämen und ab in den Sensibilisierungskurs.

All das dürfte ich als älterer, weisser, privilegierter, dazu auch noch Bildung diskriminierend ausspielender Mann gar nicht sagen. Wobei ich noch errötend gestehen muss, dass ich zu allem zu heterosexuell bin, mich weder vegan, noch vegetarisch ernähre, ein Auto besitze (Diesel!), und mein E-Chopper reisst es da auch nicht mehr raus.

Neues aus Entenhausen

Was haben die Schweizer Medien damit zu tun? Na, alles, eigentlich.

Jung und Alt können sich bis heute an den lustigen Taschenbüchern mit Donald Duck, Daisy Duck, Dagobert Duck, den drei Neffen, Düsentrieb, den Panzerknackern, Gustav Gans und so weiter begeistern.

Warum? Weil man sich so schön zu Hause fühlt. Warum das? Weil alle Charaktere so heimelig gleich bleiben. Dagobert ist reich und geizig, Donald der ewige Verlierer, Gans der Glückspilz, usw. Jede Story muss sich an diese Rahmenbedingungen halten, einfach neue Varianten entwickeln, humorvoll sein, auch sprachlich herausragend, solange Dr. Erika Fuchs kongenial für die deutsche Übersetzung zuständig war.

Natürlich gibt es auch Zeitungen in Entenhausen, allerdings monopolartig in den Händen von Dagobert Duck oder Klaas Klever. Also eigentlich wie in der Schweiz.

Das passiert dem Schweizer Leser eher selten …

Aber humorvoll, sprachlich anspruchsvoll? Das kann man dem Schweizer Journalismus im Allgemeinen nicht vorwerfen. Varianten vom Ewigleichen, das schon. Nehmen wir nur ein Thema, das sich neben Corona einigermassen behauptet. Die Denunziation von Rassismus in jeder Form.

Scheisswetter verhindert den Kampf im Freien

Zugegeben, so wankelmütig ist der Mensch, die Zeiten, wo jeder Mohrenkopf mit Tod und Boykott bedroht wurde, ansonsten zurechnungsfähige Menschen niederknieten, zumindest den Kopf senkten, und «Black Lives Matter» grölten, um ihrem tiefen Schuldgefühl Ausdruck zu verleihen, sind vorbei. Ist ja auch ein Scheisswetter für den Kampf gegen Rassismus im Freien.

Aber, das geht, gut beheizt im coronafreien Home Office, da kann man seine Erbschuld, als Weisser (oder Weisse!) geboren zu sein, abtragen. Allerdings, wie meist, wenn sich Intellektuelle vertieft Gedanken machen, wird’s recht schnell kompliziert.

Denn, oh Graus, dürfen Weisse überhaupt über Rassismus gegen Schwarze schreiben? Oder reden? Eher nicht, sind Antirassisten überzeugt. Logisch, um Rassismus gegen Schwarze zu erfahren, muss man schwarz sein. Kann doch nicht so schwer sein.

Rassismus, struktureller Rassismus, positiver Rassismus

Zudem gibt es ja noch den strukturellen Rassismus. Was ist das? Nun, wenn ein Weisser sagt: «Alle Schwarzen sind blöd», dann ist das offensichtlich Rassismus. Allerdings von einem sehr einfältigen Rassisten. Es gibt aber auch raffinierte und ganz clevere. Denen kann man ihren Rassismus nicht so einfach aufspüren und denunzieren. Also handelt es sich hier einwandfrei um strukturellen oder institutionellen Rassismus.

1967 von Stokeley Carmichael und Charles V. Hamilton im Buch «Black Power» in die Debatte eingeführt. Aber wer weiss das heute schon noch. Deshalb verwendet man diesen Begriff nur noch für: «Ich kann’s nicht festmachen oder belegen, aber es ist einwandfrei Rassismus.»

Um all den oberschlauen Rassisten auch das letzte Schlupfloch zu stopfen, gibt es dann auch noch den «positiven Rassismus». Denn wenn einer positive Sachen über Schwarze sagt, dann kann das selbstverständlich auch rassistisch sein. Wie das? Nun, jetzt wird’s einen Moment kompliziert. Zum Beispiel die Aussage «Schwarze tanzen gut» könnte oberflächlich betrachtet ein Lob sein. Ganz falsch. Das ist diskriminierend, ausgrenzend, reduzierend. Das soll Assoziationen zu in Baströcken tanzenden Schwarzen auslösen, die – anstatt was Anständiges zu arbeiten – den lieben, langen Tag zu wildem Getrommel tanzen.

Keiner zu klein, Mikrogruppe zu sein

Mindestens so wichtig ist die Granulierung der Betroffenen. Damit ist gemeint, dass natürlich ein schwarzer Homosexueller ganz andere Diskriminierungen als ein weisser erlebt. Hier muss man weiter differenzieren, ob es sich um einen afrikanischen, in Europa lebenden, sozial prekären oder wohlhabenden schwulen Schwarzen handelt; nicht zu vergessen den Unterschied zwischen Stadt und Land.

Wir versuchen, zusammenzufassen. Es ist immer fragwürdig, wenn Weisse über Schwarze reden. Da die Rolle zwischen Herr und Knecht über Jahrhunderte verteilt war, ist es hingegen völlig okay, wenn Schwarze über Weisse reden. Allerdings wäre es wünschenswert, wenn nur städtische, schwule, schwarze Zahnärzte über die Probleme ihrer Leidensgenossen sprechen würden.

Wer darf denn über Diskriminierungen von Frauen sprechen?

Ganz verschärft (Pardon) gilt das natürlich für Geschlechterfragen. Es ist doch nur Ausdruck jahrtausendealter männlicher Unterdrückung der Frau, dass es bis heute Männer wagen, überhaupt über Frauendiskriminierung, Feminismus, gendergerechte Sprache und Ähnliches zu reden. Als ob sie sich in eine Frau hineindenken könnten. Auch hier gibt es alle Spielarten von struktureller oder positiver Diskrimination.

Richtig geraten, eine heterosexuelle, weisse Frau kann nicht über die Probleme von schwarzen, lesbischen Frauen sprechen, ohne kulturimperialistisch sich diese Fähigkeit anzumassen.

Eigentlich darf niemand über keinen reden

Genauer betrachtet gilt das eigentlich für alle. Dicke nicht über Dünne, Laien nicht über Fachleute, Ingenieure nicht über Köche, des Lesens Mächtige nicht über Analphabeten, Chinesen nicht über Indianer, Japaner nicht über Afrikaner, und Weisse sowieso eigentlich über nichts, vor allem, wenn es alte, privilegierte Weisse sind.

Damit ist zwar jeder Meinungsaustausch, jede Kommunikation verunmöglicht. Aber dafür ist endlich alles politisch korrekt. Da ich die ganze Zeit hier über Themen geschrieben habe, von denen ich nichts verstehe, ausser über die Erbschuld des privilegierten weissen Mannes, muss ich aus Respekt auch verstummen.

Das Z-Schnitzel aus Köln

Gleich zwei Fachkräfte kümmern sich um einen neuen Rassismus-Skandal. Aus dem fernen Norden, frisch im Tagi serviert.

Zugegeben, der Kulturszene in der Schweiz ging’s auch schon mal besser. Selbst der Kulturminister ist zurzeit mehr Gesundheitsminister.

Aber vielleicht wäre das doch die Gelegenheit für die zentrale Kulturredaktion des «Tages-Anzeiger», der «Berner Zeitung», der «Basler Zeitung», einheimischem Schaffen etwas Publizität zu verschaffen. Aber wie meint der Konzern? Gelegenheit? Wie können wir die versemmeln?

Ganz einfach. Patrick Wehner, hauptberuflich Chef vom Dienst beim Jugendmagazin «jetzt» der Münchner «Süddeutschen Zeitung», und Aleksandra Hiltmann, Balkan-Enthusiastin sowie Kulturredaktorin bei Tamedia, machen ihre Schweizer Leser auf einen neuerlichen, nun ja, Skandal aufmerksam.

Dünnhäutig berichten sie darüber, dass in «Die letzte Instanz» ungeheuerlich Weisshäutiges geschah. Himmels willen, was denn? Nun,

«fünf weisse, privilegierte Medienmenschen redeten im Fernsehen darüber, welche Begriffe rassistisch sind und welche nicht».

Diese Formulierung fischten die Autoren schon mal aus dem Shitstorm, der sich daraus entwickelte.

Das Überflüssigste, was ich seit Langem gelesen habe.

Ach so, Sie möchten zunächst wissen, was das für eine Sendung ist und welche privilegierten Weisse darüber diskutierten, ob man in Deutschland noch «Zigeunerschnitzel» sagen darf oder nicht? Nun, dank Kabel-TV haben Sie sicherlich schon mal vom WDR gehört. Ein Teil der ARD, gleichzeitig der Lokalsender für Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Köln.

Wiederholung einer Sendung ohne Maus

Von dort kommen Welterfolge wie «Die Sendung mit der Maus» – und eben die Talkshow «Die letzte Instanz». Beim ersten Mal ging das allen durch die Lappen, aber ihre Wiederholung am 29. Januar riss die Antirassisten zu energischen Reaktionen hin. Nein, für niederknien und «Black Lives matter» grölen ist das Wetter zu garstig. Ein Shitstürmchen auf Twitter tut’s da auch.

Sie fragen sich nun vielleicht, was das mit der Schweiz oder mit Kultur zu tun hat. Das, lieber Leser, ist eine gute Frage. Sie drängt sich noch stärker auf, weil Kulturschaffende wie Janine Kunze, Jürgen Milski oder Micky Beisenherz teilnahmen. Sagt Ihnen nix? Macht nix, mir auch nicht. Aber, immerhin, Thomas Gottschalk (ältere Leser erinnern sich) drängt es im fortgeschrittenen Alter wieder vor die Kamera, also auch hier.

In seiner gewohnt lockeren Art trug er das Bonmot vor, ob er denn aus politischer Korrektheit jetzt auch «die Salzstreuerin» sagen müsse. Bonmot? Keinesfalls, der «Comedian» Gianni Jovanovic, aus einer Roma-Familie stammend, macht auf seine persönliche und die Betroffenheit einer ganzen Ethnie aufmerksam: diese Sendung sei «einfach traumatisierend für die Menschen dieser Gruppe der Sinti und Roma und auch für mich persönlich sehr verletzend gewesen».

Es wäre sicher Ausdruck mangelnder Sensibilität – wenn nicht von Schlimmerem –, hier zu denken, dass sich ein wenig bekannter Comedian über seine Herkunft etwas ins Scheinwerferlicht stellen will.

Z****** oder Zigeuner?

Obwohl beide auch weiss, bringen die Autoren des Tagi-Artikels ihre Abscheu gegenüber dem «Z-Wort» zum Ausdruck, indem sie es nicht mal ausschreiben. Selbst in Zitaten, wenn in der Sendung gesagt wird, «bei Z******-Schnitzel habe ich doch nicht an Diskriminierung gedacht». Unvorstellbar, welche «Ignoranz» hier alle Beteiligten zeigten, gegenüber «allen, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe in Deutschland diskriminiert, misshandelt oder ermordet wurden und werden».

Endlich findet das einsame Gendersternchen viele Schwestern und Brüder. Gnadenlos dann das Fazit der beiden journalistischen Leichtmatrosen: Die Sendung habe sich «zwischen hartem Boomer-Cringe, viel Ignoranz von weissen Medienmenschen und Rassismus» bewegt. Leser über 20 müssen googeln, um alle Worte zu verstehen. Oder noch besser: einfach vergessen.

Nun hat doch die gleiche Kulturautorin noch vor wenigen Monaten ein Interview mit dem Grossneffen des grossen Django Reinhardt geführt. Der Geiger Markus Reinhardt durfte da doch – wo sind die Sternchen, wenn man sie braucht – unwidersprochen sagen: «Zigeuner ist die richtige Bezeichnung für mich.» Logische Begründung: «Es gibt viel mehr Stämme als die Sinti und Roma.» Und: «Auch ändert man bestimmte Dinge nicht, wenn man nur den Namen ändert.»

Wir Antirassisten sind fassungslos. Wie konnte die gleiche Autorin nur …

Wie konnte Hiltmann ihm das durchgehen lassen? Wieso wurde noch im September letzten Jahres das Z-Wort nicht dem Leser erspart? Hiltmann ist wahrscheinlich zu jung, um sich noch an Sergius Golowin und sein schönes Buch «Zigeuner-Magie im Alpenland» zu erinnern. Oder zu kulturlos. Auf jeden Fall: Wenn das «Comedian» Jovanovic hätte lesen müssen, wäre er so verletzt worden, dass er blutend ins Krankenhaus überführt werden müsste.

Kultur ist in «Leben» aufgegangen; aber lebt sie noch?

Wir fragen uns: Was interessiert den Schweizer kulturaffinen Leser eine idiotische deutsche Aufregung um eine drittklassige Talkshow im entfernten WDR? Geschrieben von einem einem Jugendheftli-Redaktor und einer sich selbst für bankrott erklärenden Kulturredaktorin? Oder noch einfacher: Wozu braucht Tamedia überhaupt noch eine Kulturredaktion? Wenn auch noch Meldungen des Kieler Radios NDR 1, Welle Nord, oder der Landeszeitung für die Lüneburger Heide von der Süddeutschen auf korrekte Sprachverwendung abgeklopft werden, füllen sich doch die Kultur-Spalten von Tamedia wie von selbst.

Die heilweisse Welt der Coopzeitung

Hat die Zeitung ein Problem mit Schwarzen?

Silvan Grütter ist im Chefredaktoren-Quartett der Schweiz nicht der Supertrumpf.  Aber in Sachen Auflage schlägt seine Coopzeitung alle anderen Mitspieler. Das Blatt hat nämlich eine gigantische Auflage von über 1,8 Millionen. Die Coopzeitung liegt aber nicht nur überall herum, sie mutiert manchmal auch zu einem Monster. Die Gratiszeitung wiegt mit den zusätzlichen Flatterbeilagen bis zu 600 Gramm.

Ich habe einmal bei der Medienstelle nachgefragt, ob meine Kalkulationen stimmen, dass nur schon die Heftklammern der knapp 100 Millionen Coopzeitungen pro Jahr ein Gewicht von 2 Tonnen ergeben. Die Medienleute antworteten mit:

Die Grössenordnung stimmt.

Entweder lag ich richtig oder die Fritzen waren zu faul, nachzurechnen. Wie auch immer, Silvan Grütter ist ein sympathischer Kerl, der auch schon überall war. Das Beste an der Zeitung sind natürlich die herrlichen Kochrezepte und die fantastischen Ausflugstipps. Mindestens so herrlichfantastisch sind aber die launigen Editorials von Grütter.

Die sind fast immer so erfrischend wie ein Betty Bossi Fairtrade Multifruchtsaft (in fast jeder Coop-Filiale für nur Fr. 3.80 erhältlich). Und gut ist, dass Grütter kein Rechtsradikaler oder Negerhasser ist. Der Chef aller Coop-Redaktoren schreibt zum Beispiel: «Meine Schweiz kennt keine Grenzen und keine Ausländer» (aus dem Editorial 5/2019)

Der lustige Moderator der legendären Realityshow «Expedition Robinson» kennt keine Ausländer? Ist das der Grund, warum er keine Ausländer auf das Cover der Coopzeitung setzt?

183 Chancen, 0 verwirklicht

Seit seinem Einstieg ( 15/2017) sind 183 unvergessliche Ausgaben der Coopzeitung erschienen. Helles Bier schafft es manchmal häufig auf Seite 1. Weisse Männer aber noch mehr (50 mal). Am liebsten hat Grütter aber weisse Frauen (87 mal). Schwarze sind in den 183 Ausgaben hingegen noch nie aufs Cover gehievt worden.

Grütter wollte die Fragen von Zackbum.ch nicht beantworten. Entweder lag ich wieder richtig oder der Herr Grütter war einfach zu faul, in seinem Epos nachzublättern. Würde ihm aber gut anstehen. Als Chefredaktor der grössten Zeitschrift nicht nur weisse fröhliche Schweizer auf Seite 1 abzubilden, sondern auch schwarze glückliche Schweizer.

Endlich! Edito!

Das «Schweizer Medienmagazin» schafft wieder Durchblick.

Immerhin die dritte Ausgabe in diesem Jahr, unterstützt von der «Stiftung für Medienvielfalt» und der «Oertli-Stiftung» und «zahlreiche Spenden» von begeisterten Lesern.

Natürlich, um dieses Argument gleich aus dem Weg zu räumen: wir sind neidisch. Wir schreiben uns hier einen Ast, haben mehr Leser als bajour oder Edito, und keiner zahlt was. Dabei haben wir in den knapp zwei Monaten unserer Existenz schon 165 Artikel veröffentlicht.

Aber genug des Gejammers, es soll gelobt werden. Das neue «Edito» ist mal wieder randvoll mit News, Anregungen, Einblicken und Durchblicken. Nun ja, was halt auf 16 A4-Seiten Platz hat. Aber dafür in Farbe.

Wir blättern kurz, sehr kurz um

Obwohl schon das Cover eher düster daherkommt, und wer versteht schon «Las vidas de la gente negra importan». Aber sei’s drum, auch auf so wenig Seiten kann man einen «Fokus» machen, überraschungsfrei natürlich zum Thema «Rassismus».

Da blättern wir doch kurz, sehr kurz um, und schon sind wir auf Seite 4 der Ausgabe. Hier präsentiert das Schweizer Medienmagazin zwei Tänzerinnen vor einem Denkmal des Generals Robert E. Lee in Richmond.

Ich begebe mich jetzt auf ganz dünnes Eis und behaupte, dass es sich um zwei ausnehmend hübsche Schwarze handelt. Pardon, um zwei Afro-Amerikanerinnen. Oder so. Ihre Attraktivität kontrastiert stark mit dem Hintergrund. Denn auf dem Denkmal hat sich die «Black lives matter»-Bewegung mit ein paar originellen Graffiti verewigt: «Fuck cops», «Fuck pigs», «black lives murder» oder schlichtweg «Fuck». Das ist mal eine Ansage, ein Angebot zum Dialog wahrscheinlich.

Interview mit einer ungeeigneten Person

Aber gut, noch viel interessanter ist auf Seite 5 das Interview mit der «Berliner Publizistin Ferda Ataman». Sie wird dem unschuldigen «Edito»-Leser als «Vorsitzende der Neuen deutschen Medienmacher*innen vorgestellt; der grössten Vereinigung von Journalist*innen aus Einwandererfamilien».

Leider unterlässt es das Medienmagazin, den Leser darüber aufzuklären, dass Ataman auch Muslimin ist. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn sie nicht – als «Spiegel»-Kolumnistin – den Kopftuchzwang im Iran verteidigt. Beziehungsweise sich über die deutschen Zuschauer der «Tagesschau» echauffiert, die nicht verstehen, wieso die ARD-Korrespondentin in Teheran ein Kopftuch trägt, tragen muss.

Genauso um Dialog bemüht ist Ataman, wenn sie fordert, man müsse den Begriff «Migrationshintergrund» abschaffen, schliesslich seien Menschen mit diesem Hintergrund in Deutschland «längst in der Mehrheit». Aufsehen erregte Ataman auch mit ihrer Meinung zum Höhepunkt der Corona-Krise, dass sie angeblich eine Ahnung habe, «welche Bevölkerungsgruppen in Krankenhäusern zuerst behandelt werden», wenn die Beatmungsgeräte knapp würden. Nämlich die «Kartoffeln». So werden in diesen Kreisen Deutsche ohne Migrationshintergrund genannt.

Also eine absolut ideale Person, um über strukturellen und anderen Rassismus zu sprechen. Aber leider nicht über ihren eigenen, islamistisch unterfütterten.

Noch ein paar Duftmarken

Wir sind schon fast durch, aber noch ein paar weitere Duftmarken: «Der Effekt, dass aus öffentlichen Geldern private Gewinne finanziert werden, sollte theoretisch nirgends vorkommen», sagt Urs Thalmann, Geschäftsführer von «impressum»; dem Verband, den auch ich mit meinen Mitgliederbeiträgen unterstütze.

Vielleicht könnte sich Thalmann mal energischer dafür einsetzen, dass es mal wieder einen Gesamtarbeitsvertrag in der Medienbranche gibt, wenn ich das als kleiner Selbständiger ganz uneigennützig einwerfen darf. Vielleicht könnte er auch mal einen Moment darüber nachdenken, dass private Gewinne ihrerseits eine wichtige Quelle für öffentliche Gelder sind. Denn die fallen nicht, wie häufig vermutet wird, einfach vom Himmel oder aus den Taschen von sowieso viel zu Reichen.

Wo bleibt denn das Positive?

Wo bleibt das Positive, das Lob? Bitte sehr; das Interview mit dem Leiter des «Interaktiv-Teams von Tamedia», das das Dashboard mit den jeweils neusten Zahlen zur Pandemie betreibt, ist erhellend. Besonders, was die Unfähigkeit des Bundesamts für Gesundheit betrifft, bis heute spezifische Zahlen zu liefern oder Schnittstellen zum Datenausgleich einzurichten.

Allerdings: das Interview fand am 10. August statt. Zum Interview mit der Professorin Monika Bütler von der HSG, Mitglied der «Swiss National COVID-19 Science Task Force» sage ich lieber nichts, sonst bleibt’s nicht positiv. Ausserdem habe ich schon einiges zu ihr gesagt.

Tja, und schon sind wir auf Seite 18; spiegelbildlich auf den Kopf gestellt ist rechts nochmal die Seite 18; auf Französisch.

War’s das? Das war’s. Braucht’s das? Nein das braucht’s nicht. Kann das weg? Das kann weg. Wegen mangelnder Qualität und Professionalität.