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Panik macht sich breit

Keiner zu klein, Meinungsträger zu sein.

Es ist wie beim Referendum gegen die schon auf sicher geglaubte Subventionsmilliarde für reiche Medien-Clans. Zuerst überhebliches Grinsen, dann ernste Gesichter und schliesslich reine Panik beim Schlussspurt. Eine bescheuerte Werbekampagne mit einem Wilhelm Tell, der mit einer Zeitung eine Mauer kaputthaut. Haben wir gelacht.

Bei der 10-Millionen-Initiative spielt sich sehr Ähnliches ab. Zuerst meinten die Gegner, das Massieren der Anti-SVP-Reflexe, plus ein Sprutz «alles Rassisten und Fremdenfeinde», plus Panikmache (wenn ihr das annehmt, gibt es in den Spitälern kein Personal mehr; dann ist eure Rente futsch), das würde doch locker reichen.

Aber dann, ja dann, ergaben die Meinungsumfragen, dass sich doch tatsächlich eine Mehrheit abzeichnet. Nun geht’s wieder los. Die Medien tun ihr Möglichstes, die Menge der Befürworter der Initiative zu steigern.

Zunächst, das ist gefürchtet bei Freund und Feind, griff Tamedia-Chefredaktorin Raphaela Birrer in die Tasten und warnte: «Achtung: Die SVP will Sie täuschen». Die Täuschung bestand allerdings darin,  dass es sich hier um einen Leitartikel mit Sinn und Verstand handeln sollte.

Auch das Hausgespenst bei Ringiers gibt Laut und Frank A Meyer empfiehlt den Lesern seiner Besserwisserkolumne im SoBli, dass sie gefälligst ein Nein in die Urne zu legen hätten.

Nun kommt noch Stefan Schmid von CH Media. Stefan who? Bitte schön, der Mann am Fenster beim St. Galler Tagblatt, dessen Einzugsbereich ebenfalls die Weltblätter Werdenberger & Obertoggenburger umfasst. Der darf in der immerhin auflagenstärksten Zeitung «Schweiz am Wochenende» seine Erkenntnisse auf den Leser regnen lassen.

Allerdings braucht der keinen Regenschirm und dürfte sich schon beim Titel leicht indigniert abgewandt haben: «Die Schweiz sitzt auf einem hohen Ross». Ach was, wie macht das denn die Schweiz?

Nun, so: «Nur wir Schweizer debattieren über volle Züge, Wohnungsknappheit und Expats, die das Bier auf Englisch bestellen. Luxusprobleme in einem der reichsten Länder Europas». Hm, interessant, in keinem anderen Land Europas wird über Dichtestress, Wohnungsknappheit und Masseneinwanderung debattiert?

Ist es ein Wunder, dass in der Schweiz lebhaft debattiert wird? Nein, aber dazu müsste der IQ leicht angehoben sein, weil erstens im Gegensatz zu allen anderen Ländern im Haus Europa in der Schweiz Volksabstimmungen ständig stattfinden. Und zweitens, weil sich die Wohnbevölkerung Deutschlands in den letzten 5 Jahren um 1 Prozent gesteigert hat, in der Schweiz um 17 Prozent.

Aber wieso soll man sich durch Fakten Geschwurbel kaputt machen lassen.

Dann will sich Schmid didaktisch in die Kurve legen: «Man muss Wachstumsschmerzen ernst nehmen. Die Schweiz wächst schnell und die Politik ist langsam. Der Wohnungsbau etwa ist ungenügend». Aber das wäre dann doch zu verständnisvoll, also fährt er fort: «ein freilich selbst gemachtes Problem, das wir nicht den Asylbewerbern in die Schuhe schieben können». Was eigentlich auch keiner tut, aber was soll’s.

Dann spricht Schmid eine Binse gelassen aus: «Ein Ja zur 10-Millionen-Initiative würde man in unseren Nachbarstaaten nicht als freundeidgenössischen Wink über den Gartenhag interpretieren.» Nein, würde man nicht. Nur: na und?

Aber wenn Schmid schon bei Banalitäten und Plattheiten verweilt, wieso nicht noch eine: «Europa wird der vom Wohlstand verwöhnten Eidgenossenschaft nicht entgegenkommen.» ZACKBUM wiederholt sich: na und? Erwartet das jemand?

Dann erhebt er die Banalität des Gedankens zur Weltordnung:

«Wir riskieren stattdessen ausgerechnet in einer Zeit, in welcher man sich mit den Nachbarn lieber gut stellt, weil auf andere kein Verlass mehr ist, politische und wirtschaftliche Verwerfungen. In der Konsequenz gar das Ende der bilateralen Verträge. Das wäre unklug.»

Die Schweiz soll sich also mit den verlässlichen Nachbarn Frankreich, Deutschland oder Italien gutstellen? Mit Liechtenstein vielleicht, warum nicht.

Aber was sind Banalitäten ohne einen guten Schuss reinen Schwachsinns? «Aber Deutschland, dessen Bürger bitte nicht in die Schweiz emigrieren sollen, darf uns dann wenigstens vor Russland schützen. Widersprüche noch und nöcher.» Deutschland schützt die Schweiz vor Russland? Weil sonst der Alptraum aller kalten Krieger von anno dazumal wahr würde und der Iwan käme? Und nicht mehr länger der Deutsche droht, das kleine Stachelschwein im Rückzug einzunehmen?

Aber auch hier gilt: Zum Glück oder zum Pech ist mal der Platz alle, also hurtig noch eins draufgesetzt aus den wilden Gefilden von Absurdistan: «Ein Kleinstaat, selbst ein reicher wie die Schweiz, sollte demütig bleiben, solidarisch auch, freundlich zu den anderen. Erfolg ist nicht gottgegeben. Man kann herunterfallen, wenn man nicht aufpasst, vom hohen Ross.»

Lustigerweise nennt man diese Sprachmarotte Rechtsversetzung. So kann ZACKBUM nur demütig bitten: ist denn niemand so freundlich, Schmid vor sich selbst zu schützen?

Wer deckte den Herz-Skandal auf?

Raphaela Birrer lehnt sich zu weit aus dem Fenster.

Wie begossene Pudel stehen all die Politiker (und einige Journalisten) da, die den Skandal an der Herzklinik der Uni Zürich den Medien in die Schuhe schieben wollten – oder ihn kleinreden und vernütigen.

Mindestens 70 tote Patienten zu viel, schwere Verfehlungen, ein geldgieriger Chefarzt, der ungehemmt walten und wüten konnte, versagende Aufsichtsorgane bis in die Regierung: es ist ein veritabler Skandal, dessen Aufarbeitung viel zu lange gedauert hat. Inzwischen dreschen natürlich alle auf den Ex-Klinikchef Francesco Maisano ein.

Viel zu leise wird aber der Whistleblower André Plass gelobt, der unermüdlich und ungehört auf die unerträglichen Zustände hinwies – und das mit dem Verlust seiner Stelle bezahlen musste. Und der Herzchirurg Paul Vogt, der unerschrocken und öffentlich darauf hinwies, dass es unter seinem Vorgänger viel zu viele Tote gab – was ihm eine Anzeige und einen Freispruch auf ganzer Linie einbrachte.

Unerschrocken meldete sich auch Tamedia-Oberchefredaktorin Raphaela Birrer mit einem ihrer gefürchteten Kommentare zu Wort:

Die Zeit der Götter in Weiss ist schon längst vorbei – nur nicht am Unispital Zürich. Und ob sie dort vorbei ist, ist angesichts weiterer Skandale doch sehr die Frage.

Auf jeden Fall stapelt Birrer die üblichen Betroffenheit-Vokabeln aufeinander: «… noch schlimmere Missstände … Ausmass der Verfehlungen ist schockierend … komplett versagt … Zahl der Todesfälle erschütternd … für die Opfer zu spät …»

Um mit dem üblichen Blabla zu enden: «Immerhin scheinen mit dieser umfassenden Ausleuchtung die Weichen dafür gestellt, dass sich ein derart weitreichendes und tödliches Systemversagen nicht wiederholt.»

Ach ja? Mit vielen Jahren Verspätung? Im zweiten Anlauf? Wobei am Unispital nach dem Skandal vor dem Skandal ist. Stichwort Urologie, allgemeine Governance-Schwächen, Defizite in Führung und Kontrolle, ungehemmte Bereicherung auf der Chefetage.

Allerdings nimmt man es auch bei Tamedia mit der Wahrheit nicht allzu genau. So behauptet Birrer kühn:

«Der «Tages-Anzeiger» hatte die Missstände im Mai 2020 erstmals publik gemacht.»

Das liegt nun höchstens noch knapp im Streubereich der Wahrheit. Denn bei diesem Artikel ging es lediglich um mögliche Beschönigungen der Anwendung dieses Cardiobands, mit dessen Erfindung sich der Klinikchef eine goldene Nase verdiente, wobei es vom Käufer heute nicht mehr hergestellt wird – untauglich.

In diesem Artikel ging es in keinem Wort um erhöhte Mortalität, es war mehr so ein Einzelschuss ins Blaue.

Denn der erste Artikel war eine breite Recherche der deutschen «Welt am Sonntag», die am 2. Juli 2023 erschien. Intern waren die Probleme schon seit 2019 bekannt – ohne dass etwas unternommen wurde.

Am Tag darauf zog Tamedia online nach. Dabei wurde der Konzern aber vom Finanzblog «Inside Paradeplatz» abgetrocknet, der schneller war. Die richtige Aufarbeitung erfolgte dann erst am 9. Juli in der «SonntagsZeitung».

Und anschliessend räumte Lukas Hässig auf IP den beiden Exponenten Plass und Vogt immer wieder breiten Raum ein, ihre vernichtende Kritik zu äussern – wobei das Unispital und die politisch Verantwortlichen erbitterte Gegenwehr entfalteten. Auch ZACKBUM beteiligte sich an der Debatte und übernahm auch immer wieder Beiträge aus IP.

Ende Juni 2024 legte die WamS dann nach. Unter dem Titel «Ein Gewinn fürs Herz», rollte sie nochmals den Skandal an der Herzklinik des Unispitals Zürich auf. Auf 35’000 A sezierte das deutsche Blatt die unglaublichen Zustände in Zürich und das Versagen bei der Aufarbeitung. Regierungsrätin Rickli verlangte damals übrigens eine «Richtigstellung» von der WamS – die sie natürlich nicht bekam, weil die Recherche wasserdicht war.

Also herrscht nun allerorten echte oder geheuchelte Betroffenheit – und ein rette sich, wer kann, aus der Verantwortung.

Tamedias Birrer legt noch ein Scheit drauf und brüstet sich mit Lorbeeren und Meriten, die ihrem Medienhaus sicher nicht zustehen.

Die Tages-Anzeigerin reloaded

Oder der Mief-Tages-Anzeiger als Frauenversteher.

Ein längst verglühtes Sternchen am Tamedia-Himmel gab mal die «Tages-Anzeigerin» heraus. Frauen haben’s bis heute nicht leicht:

Es gibt nun auch ein «Gender Sleep Gap». Aber dafür müssen sich (die meisten) Frauen nicht rasieren.

Frauen haben’s nicht leicht:

Gut, der Wal Timmy (Kosename «Hope») hat’s auch nicht leicht.

Allerdings hätte ZACKBUM nie gedacht, dass ausgerechnet Meret Schneider einmal die einzige weibliche Stimme der Vernunft im Tagi sein könnte:

Frauen haben’s nicht leicht, und Männer sind Schweine:

Wie gut, dass sie Unterstützung von gewichtiger Stelle haben:

Für die Influencerinnen, die Opfer von Deepfakes geworden sind, wirft sich Raphaela Birrer mit der ganzen Kraft ihrer argumentativen Fähigkeiten in die Schlacht:

««Diese Männer sind das Problem, nicht wir», sagen sie und erinnern mit dieser selbstbewussten Haltung an die dutzendfach vergewaltigte Gisèle Pelicot.»

ZACKBUM-Autor René Zeyer hat ja schon Schreibverbot im Tagi, aber nach einem dermassen geschmacklosen Vergleich würde er es für sich selbst fordern. Und wenn Birrer schon in die falsche Richtung galoppiert, dann richtig: «Von Fernandes sind zahlreiche Deepfake-Pornos im Umlauf.» Sie hat dabei indirekt ihren Ex-Mann beschuldigt, der streitet aber die Herstellung nachdrücklich ab. Also wohl mal in erster Linie Bestandteil von üblen Post-Scheidungs-Nachwehen.

Daher fordert Birrer nun gesetzliche Massnahmen, was sonst. Denn falls nicht: «Handeln wir nicht, senden wir als Gesellschaft ein fatales Signal: Es ist irgendwie in Ordnung, aus realen Frauen virtuelle Sexmaschinen zu machen.»

Man fragt sich bei solchem Gebrabbel schon, was Birrer dazu qualifiziert, Chefredaktorin zu sein. Ausser ihrem Frausein. Man fragt sich als Mann auch: gibt es eigentlich solche Deepfakes nur von Frauen? Ausschliesslich? Ach so, Männer sind ja Schweine, da macht da nix bei ihnen. Keanu Reeves und andere sollen sich nicht so haben und das Feld den protestierenden Frauen überlassen.

ZACKBUM hält zu Gnaden: es gibt auch Männer mit Problemen.

Nicht nur Frauen können sich ausheulen, das können auch Männer.

Die haben dann noch ganz andere Probleme:

Aber da spricht wieder niemand vom «Gender-Prostata-Gap». Das interessiert die weibliche Sicht der Tages-Anzeigerin halt nicht, weil Frauen keine haben.

Und last, but not least, dieser Mann hat dann wirklich ein Problem:

«Es war der schmerzhafteste Stierangriff meines Lebens», soll der Torrero im Spital gesagt haben. Tja, wenn der Stier den Spiess umdreht, nicht wahr.

So nebenbei, niemand konnte das schöner beschreiben als Ernest Hemingway. Wer’s unter unseren gebildeten Lesern nicht kennt: «Tod am Nachmittag». Wie schreibt er da so richtig: «Es gibt keinen großen Stierkämpfer, der nicht früher oder später aufgespiesst wird.» Gut, es sind dann doch 544 Seiten in der Rowohlt-Ausgabe, dafür aber auch mit 81 Fotos.

Das alles findet sich am 21. April 2026 auf der Homepage des Tamedia-Kopfblattsalats. Natürlich ohne Hemingway. Als hätte Mattea Meyer den Startschuss gegeben, dass eigentlich nur noch gejammert, gelitten und geblubbert werden soll. Das Schicksal eines verpeilten Wals, der ums Verrecken nicht in tiefere Gewässer schwimmen, aber auch nicht abkratzen will, interessiert mindestens so wie die neusten Entwicklungen in der Prostatakrebs-Früherkennung oder der neu entdeckte «Gender Sleep Gap».

Und Opfer, das ist mal klar, sind ausschliesslich Frauen. Oder Wale. Wobei Timmys Geschlecht nicht bekannt ist (die Bestimmung soll bei Walen auch ziemlich tricky sein). Aber typisch männliche Weltsicht, DER Wal ist ein Er …

Das grösste Opfer ist und erbringt aber der Leser, gleich welchen Geschlechts. Der soll sich um das Schicksal von sogenannten Influencern bekümmern und zur Kenntnis nehmen, dass Deepfakes ausschliesslich mit Frauen hergestellt werden, die zu «virtuellen Sexmaschinen» gemacht würden.

Zugegeben, wir wiederholen uns, aber wir sind ja auch männlich: so fährt sich dieser Kopfblatt-Salat selber gegen die Wand, erfüllt Pietro Supinos grössten Traum: dass er sich endlich von diesen Print- und Newsmedien verabschieden kann. Denn Phantom-News führen zum Ableben, und es bleibt nur ein Phantomschmerz.

Patrik Müller wird Chef von allem

Exklusiv und nur hier: der Rettungsplan des Verlegerverbandes.

Die Tageszeitungen darben, das ist kein Geheimnis. Den überbezahlten und unterqualifizierten Medienmanagern der grossen Verlagshäuser fällt nichts ein, wie das geändert werden könnte.

Ausser, nach Subventionen, nach Steuergeldern zu krähen. Schliesslich seien sie die Vierte Gewalt im Staat, unverzichtbar für das Funktionieren der Demokratie. Oder für ihre Rettung, wenn man die Welt wie die «Republik» sieht.

Besondere Situationen brauchen besondere Massnahmen. In strikter Geheimhaltung wurde daher eine unternehmensübergreifende Rettungsmassnahme beschlossen. Denn der grösste Kostenfaktor ist weiterhin die Payroll der Angestellten. Wobei hier gilt: je höher in der Hierarchie, desto teurer.

Bereits bis anhin gibt es vier Oberchefredaktoren in den vier grossen Verlagen. Eric Gujer bei der NZZ, Raphaela Birrer bei Tamedia (oder Simon Bärtschi oder Jessica Peppel-Schulz, das ist nicht so ganz klar), Rolf Cavalli (oder Sandro Inguscio oder Ladina Heimgartner, das ist auch nicht so klar) beim «Blick», und Patrik Müller bei CH Media.

Daneben gibt es noch Roger Köppel, das Maschinengewehr mit Mission, der Verleger, Herausgeber, Besitzer und Chefredaktor der «Weltwoche». Aber der läuft für sich.

Die acht Nasen bei den grossen Verlagen verdienen zusammen geschätzte 2,5 Millionen Franken im Jahr. Die Teppichetage obendrüber noch viel mehr, aber das ist natürlich unantastbar.

Wie ZACKBUM aus sicheren, voneinander unabhängigen, aber ungenannt bleiben wollenden Quellen erfahren hat, wird hier ab heute, am 1. April, eine Sparmassnahme umgesetzt, wie sie die Schweizer Medienlandschaft noch nicht gesehen hat. Die Verlagshäuser einigten sich auf einen einzigen Oberchefredaktor für sämtliche Tageszeitungen. Erkoren wurde Patrik Müller, der bislang skandalfrei und behaftbar wie eine Teflonpfanne den Wannerclan glücklich machte.

Alle übrigen Führungskräfte wurden in die Frühpensionierung geschickt oder dürfen sich mit dem neuen Titel «besondere Aufgaben» schmücken.

Gleichzeitig werden auch die Redaktionen zusammengelegt, wobei jedes Verlagshaus seine Stärken ausspielt und das jeweilige Ressort beherbergen wird. Also der Sport kommt integral zum «Blick», das Regionale zu CH Media, Ausland und Wirtschaft natürlich zur NZZ, während das Inland weiterhin aufgesplittert bleibt. Bei Tamedia, die sonst leer ausginge, wird Feuilleton und Kultur angesiedelt, allerdings mangels eigenen Kräften durch Zugänge aus den anderen Verlagen.

Gleichzeitig wird ein Gefäss deutlich beschnitten. Pro Organ und Tag darf es maximal einen einzigen Kommentar geben. Nabelschau und Selbstbespiegelung sind dabei verboten.

Mit diesen Massnahmen wollen die Verlage die Weiterexistenz ihrer Tageszeitungen garantieren.

«Ich fühle mich geehrt, danke für das Vertrauen und schaue der neuen Aufgabe optimistisch, aber auch mit Respekt entgegen», wird Müller in der Pressemitteilung zitiert, die später am Tag publiziert wird.

Auf jeden Fall ein gewagtes Experiment, man wird sehen, ob es von Erfolg gekrönt ist oder im völligen Chaos endet.

Scheiss drauf

Ohne Rückgrat schreibt und lebt es sich bei Tamedia einfacher.

Wenn Oberboss Pietro Supino seine Meinung äussern will, dann tut er das. Trennung von Verlag und Redaktion? Scheiss drauf. So weibelte er für die Ablehnung des Referendums, das den Verlegerclans die schon sicher geglaubte Steuersubventionsmilliarde vor der Nase wegzog.

Trennung von Verlag und Redaktion? Aber doch nicht, wenn Supino 17’000 A verwendet, um zu erklären, dass die SRG auch mit 200 Franken ihre Aufgaben erfüllen könne. Hingegen sei der «Ausbau der indirekten Presseförderung von existenzieller Bedeutung für die Zukunft der gedruckten Zeitung».

Nachtigall, ick hör dir trapsen, sagt da der Berliner; welche Uneigennützigkeit. So hat Tamedia auch als einziger Grossverlag das Abkommen des Schweizer Verlegerverbands mit der SRG nicht unterzeichnet. Ein Schmierentück; klare Ablehnung der Initiative gegen minimale Zugeständnisse der SRG. Wobei natürlich die angeschlossenen Redaktionen völlig frei in ihrer Meinungsbildung sind.

Es darf gelacht werden.

Tamedia hingegen hat klare Prozesse, wie es mit einer Positionierung bei politischen Abstimmungen abzulaufen hat. Dem ist Nick Lüthi auf persoenlich.com nachgegangen. Denn nicht nur ihm fiel auf, dass der Tagi zur SRG-Initiative ein «Pro & Kontra» veröffentlichte. Das passiert normalerweise, wenn in der Redaktionen geteilte Meinung herrscht.

Laut Lüthi ergab aber die interne Abstimmung, dass die Redaktion in diesem «demokratischen Verfahren» mit 20 zu 2 Stimmen gegen die Initiative ist. Was ja bei der Linkslastigkeit keine Überraschung ist.

Die besteht aus etwas ganz anderem, wie Lüthi schreibt: «Das wäre ein klarer Fall für einen Nein-Kommentar gewesen. Doch Chefredaktorin Raphaela Birrer ergriff daraufhin das Veto und übersteuerte kraft ihres Amtes das übliche Vorgehen.»

Scheiss drauf, oder vornehmer formuliert: Birrer wolle «der speziellen Rolle als Branchenmitbewerberin gerecht werden». Was immer dieses Geschwurbel bedeuten mag. Birrer selbst verfasste übrigens den Kontra-Initiative-Kommentar, Kollege Andreas Kunz durfte sich dafür ins Zeug legen.

Damit aber nicht genug. In ihrem Beritt darf Birrer das. Und die Reaktion kuscht natürlich, Arbeitsplatzsicherung statt Haltung. Der erhobene Zeigefinger der moralischen Forderungen wackelt nur gegen aussen.

Aber erstaunlicherweise entschied sich auch die «Basler Zeitung», die «Berner Zeitung» und der «Bund», dieses Pro & Kontra zu bringen. Eben nach der Devise: scheiss drauf, wenn auch deren Redaktionen das anders sehen.

Das taten die Blätter selbstverständlich völlig freiwillig und in der Wahrnehmung ihrer speziellen Rolle oder so. Lüthi behauptet aber: «Angestellte der Berner Redaktion berichten gegenüber persoenlich.com von Druck des publizistischen Leiters. Simon Bärtschi habe gefordert, nicht nur einen Nein-Kommentar zur Halbierungsinitiative zu publizieren, sondern auch eine befürwortende Stimme. Bärtschi verfügt anders als Raphaela Birrer über Weisungsbefugnisse gegenüber den regionalen Tamedia-Redaktionen

Das war dann sicherlich ein weiterer Beitrag zur Qualitätssicherung dieser publizistischen Leiter nach unten.

Trifft das alles zu, dann sieht es mit der demokratischen Mitbestimmung bei Tamedia so aus: die Redaktion darf gerne demokratisch abstimmen. Das Resultat wird selbstverständlich respektiert. Wenn es mit der Meinung des Big Boss Supino übereinstimmt. Sonst gilt: scheiss drauf.

Während aber Tamedia-Redaktoren (und Redaktorinnen und everybody beyond) nicht müde werden, allen und jedem von überlegen rechthaberischer Warte aus die Einhaltung von Benimm- und anderer Regeln einzufordern und unablässig der ganzen Welt Zensuren zu erteilen, notfalls Besserung zu verlangen und sich über Fehlverhalten zu echauffieren, herrscht hier ängstliches Schweigen.

Einzig sichtbarer Protest war das Ansteigen des Alkoholkonsums in der Helvti und anderen Lokalen rund ums Glashaus an der Werdstrasse. Sowie in den einschlägigen Beizen in Basel und Bern.

Tamedia antwortete auf einige präzise Fragen von ZACKBUM mit einem allgemeinen Statement:

«Publizistische Leitung und Chefredaktoren tauschen sich regelmässig zu inhaltlichen Themen aus. Insbesondere im Vorfeld solch relevanter Abstimmungen mit derlei Tragweite für die ganze Medienbranche. 
Die Tamedia-Titel stehen für eine ausgewogene Berichterstattung mithilfe derer sich unsere Leserschaft ihre eigene Meinung bilden kann.
Der Tages-Anzeiger ist mit den überregionalen Themen unsere Mantelredaktion für die anderen Deutschschweizer Titel. Den Titeln steht es frei, diese Inhalte zu übernehmen oder nicht. Im Zusammenhang mit der Halbierungsinitiative hat sich die publizistische Leitung für die Übernahme des Formats «Pro & Kontra» ausgesprochen. Verleger und VRP-Präsident Pietro Supino war in dieser Diskussion nicht mit involviert.»

 

Lustig ins neue Jahr

Immerhin: es darf weiterhin gelacht werden.

Diesmal danken wir Matthias Chapman dafür. Unfehlbar, wie ZACKBUM halt ist, haben wir den stellvertretenden Chefredaktor mit dem verkniffenen Gesichtsausdruck wohlweislich von möglichen Sparrunden ausgeschlossen.

Einige unserer Vorschläge wurden bereits befolgt (Kerstin Hasse), bei anderen (Raphaela Birrer, Bruno Ziauddin) steht der Vollzug noch aus. Und ob der Wiederauftritt von Anuschka Roshani, die auf den Chefsessel klettern wollte und darob gefeuert wurde, eine Qualitätsverbesserung darstellt?

Aber zurück zum «Leitartikel zum Jahreswechsel». Den traut sich Oberchefredaktorin Birrer offenbar nicht zu (auch diese Bemerkung wird nicht dazu dienen, dass das Schreibverbot gegen René Zeyer aufgehoben wird).

Also muss Grüssaugust Chapman ans Gerät.

Aber schon der Titel löst eine erste Lachsalve aus. Es «bricht eine neue Zeit an». Ach was. Statt dass sich die alte Zeit wiederholt? Ist morgen nicht immer neuer als gestern? Gibt es statt Anbruch auch Abbruch? Wie wäre es mit «Für unser Land bricht die alte Zeit ab?» Oder, à la Karl Kraus (ChatGPT hilft): bricht eine dicke, dünne, krumme, altehrwürdige, grosse oder kleine Zeit an?

Oder ganz banal: bricht überhaupt nichts an, sondern ist’s einfach 1. Januar geworden, was nach dem 31. Dezember unausweichlich und keinesfalls neu ist?

Nun wäre der Jahreswechsel die Gelegenheit für gute Vorsätze, vernünftige Versprechen, den Willen zur Besserung. Zum Beispiel, indem sich die Schreibtäter des absaufenden Tamedia-Schiffs bewusst werden, dass sie die Reise in die Bedeutungslosigkeit nicht mit markigen verbalen Auftritten begleiten sollten.

«Go down with a smile», das ist die Haltung von Joker in den Batmanfilmen.

Rechthaberei, unverlangte Ratschläge, unqualifizierte Kritiken, das ist die Haltung von Chapman.

In einem Leitartikel zum Jahreswechsel könnte man von einem wohlbezahlten Mitglied der Chefetage doch ein paar Gedanken dazu erwarten, wie es gelingen könnte, den Tagi zu retten. Zum Beispiel, indem man Pietro Supino …, aber diesen Gedanken wagt Chapman nicht mal unter der Bettdecke zu Ende zu führen.

Stattdessen: «Die wirtschaftspolitische Demütigung und die geopolitische Verschiebung haben Folgen für die Schweiz … zwingt auch die Schweiz, sich militärisch für den Ernstfall zu rüsten ... »

Aber damit hat er sich erst warmgelaufen, wir kommen zum ersten wahren Silvesterknaller:

«Jetzt an Silvester kann man es auch so sagen: Nach der (je nach Sichtweise bitteren oder lehrreichen) Erkenntnis im 2025 muss die Schweiz die Weichen für die Zukunft stellen.»

Es ist hingegen eher selten, dass die Weichen für die Vergangenheit gestellt werden, besonders nicht an Silvester.

Nun aber munter zu Befehlen und Anweisungen: «Klar ist: Das Land muss … Das heisst einerseits mehr Mittel für die Armee und andererseits …»

Aber es gibt Probleme, bei denen sogar Chapman eingestehen muss: «Kompliziert gestaltet sich die wirtschaftspolitische Neupositionierung

Da verliert sich selbst ein Grossdenker wie er in einem Dickicht von Fragen ohne Antworten.

Doch dann der Durchbruch ins Licht der Erkenntnis: «Ganz zu schweigen von Europa: Mit der EU steht unser Verhältnis erneut auf dem Prüfstand.»

Nun spricht er ein grosses Wort gelassen aus: «Die Wahrheit ist …» Endlich, was ist die Wahrheit? «Der Handel mit den drei Grossen EU, USA und China ist so wichtig, dass die Schweiz ihre Handelsstrategie mit Diversifizieren bestenfalls gut abrunden kann.»

Öhm, dunkel ist die Wahrheit und geheimnisvoll bis unverständlich, um es abgerundet auszudrücken.

Nun, der Platz neigt sich selbst für einen Leitartikel zum Jahreswechsel dem Ende zu, also hurtig noch ein letzter Ratschlag: «In dieser Gemengelage braucht es Weitsicht, Kompromissbereitschaft und natürlich gut eidgenössischen Pragmatismus.»

Endlich spricht einer aus, was sonst niemand zu denken wagt.

Aber leider muss sich Chapman dann noch selbst diesen besinnlichen Schlussakkord kaputt machen:

«Die Bewältigung der Pandemie war – mit all ihren Fehlern – so ein Fall. Es gibt also guten Grund, das neue Jahr optimistisch in Angriff zu nehmen.»

Ob hier Corona-Kreische Marc Brupbacher die Feder geführt hat? Und apropos Bewältigung: gab es so was bezüglich all der Fehler, bezüglich allem hysterischen Gejapse, der Denunziation von Massnahmenkritikern als Schwurbler, Verschwörungstheoretiker und potenzielle Massenmörder, die zwangsgeimpft werden müssten (Forderung eines durchgeknallten Tagi-Politchefs), so etwas wie Selbstkritik, Aufarbeitung bei Tamedia?

Kein Sterbenswörtchen gab’s. Denn neben den gut eidgenössischen Qualitäten, die Chapman aufzählt, gibt es noch andere, weniger schöne: verkniffenes Schweigen, Wegducken, Aussitzen, Verwedeln und Ignorieren. Alles auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

Also nichts Neues beim Tagi für 2026.

Da hat ZACKBUM auch eine Prognose: das wird nicht gut enden.

 

Sag Ja zu Nein

Oder nein zu ja. Oder so. Oder Raphaela Birrer. Leserverarsche, Part IV und Schluss.

Es ist die Frage, ob es subversive Absicht ist, dass der Leitartikel der Oberchefredaktorin Birrer unter der Rubrik «Karikatur der Woche» erscheint.

Auf jeden Fall vollbringt sie das intellektuelle Wunder, etwas Unmögliches zu fordern. Nämlich ein vorsichtiges «Ja, aber» zu den EU-Verträgen.

Zunächst darf man sie an Matthäus 5,37 erinnern: «Eure Rede aber sei: Ja, ja, nein, nein. Was darüber ist, das ist von Übel.» Sagt immerhin Jesus.

Aber zurück ins irdische Jammertal, wo vom Tagi-Leser mal wieder Fremdschämen abgefordert wird. «Wegducken geht jetzt nicht mehr – mit dem Ende der Vernehmlassung zu den EU-Verträgen endet auch die Zeit des Lavierens.» Dabei fängt sie im Gegenteil jetzt erst richtig an.

Während «nur» die SVP dagegen sei, seien alle anderen grossen Parteien dafür. «Damit zeigen sie Realitätssinn», behauptet Birrer. Der gehe der SVP ab, impliziert sie.

Dann benützt sie ein Wort, dass schon von Ex-Bundeskanzlerin Merkel zu Schanden geritten wurde: «Die neuen Verträge sind insofern alternativlos». Sind sie natürlich nicht, denn selbstverständlich gibt es immer Handlungsalternativen.

Dann begibt sich Birrer ins weite Reich des Wünschens und Wollens: «Trotz dieser beachtlichen Erfolge bleiben erhebliche Mängel, die es jetzt in der Schweiz zu lösen gilt.» Welche Mängel sollen denn in der Schweiz gelöst werden, wenn es dazu das Einverständnis des Verhandlungspartners EU bräuchte?

Einen gravierenden Mangel sieht auch Birrer in der «zwingenden Rechtsübernahme», deren Ausbleiben mit «Sanktionen» beantwortet werden kann. Was tun?

«Deshalb ist es unerlässlich, dass die Schweiz sich wirkungsstark bereits in den EU-Gesetzgebungsprozess einbringt. In welcher Form dies geschehen soll, ist zum heutigen Zeitpunkt allerdings unklar.»

Die Schweiz soll sich «wirkungsstark» im Bürokratiemonster Brüssel, im dysfunktionalen EU-Parlament, in der jeglicher demokratischer Legitimation ermangelnden EU-Kommission einbringen? Deren Präsidentin an zwei Kandidaten vorbei von Mutti Merkel auf die Position gehievt wurde? Das ist mehr als «unklar», wie das gehen sollte.

Dann wagt sich Birrer aber doch ziemlich kühn in den Gegenwind aller EU-Anhänger: «Ein doppeltes Mehr aus Volk und Ständen an der Urne ist vor diesem Hintergrund zwingend.» Was sie dann wohl sagt, wenn das abgewürgt werden sollte?

Und am Schluss noch etwas Pfeifen im Wald: «Es ist der Schweiz zuzutrauen, dass sie mit ihrem präzisen demokratischen Räderwerk in den strittigen Fragen Lösungen findet – und das Paket damit mehrheitsfähig macht.»

Der Schweiz wäre es vielleicht zuzutrauen – wenn sie mit der Schweiz verhandeln würde. Aber im alles andere als präzisen und alles andere als demokratischen Räderwerk der EU?

Und letztlich, so ist das auch bei 2000-seitigen Vertragswerken, die angeblich ausverhandelt auf dem Tisch liegen: entweder sagt man Ja – oder man sagt Nein.

Das ist genauso wie bei intimen Begegnungen. Da ist ein Nein ein Nein. Und nur ein klares Ja ein Ja. Ein «Ja, aber» würde doch einwandfrei als Nein gewertet werden. Oder sieht das Frau Birrer anders?

 

Tamedia, die Lachnummer

Der Gaga-Gag des Jahres: Anuschka Roshani ist wieder an Bord.

Es war eine der höchsten Wellen der #metoo–Hysterieflut. Mit Hilfe des völlig entgleisten «Spiegel» richtete die ehemalige «Magazin»-Redaktorin ihren Ex-Chefredaktor öffentlich hin.

Jahrelang habe sie seine Quälereien erdulden müssen, es sei unerträglich gewesen. Dennoch hatte sie es jahrelang ertragen. Ein ganzer Chor von verurteilenden Stimmen erschallte, Finn Canonica konnte sich nirgends mehr blicken lassen.

Nur Roger Schawinski (und ZACKBUM) machten sich die Mühe, die Behauptungen von Roshani zu überprüfen und Canonica die Chance zum Widerwort zu geben. Dabei blieb nicht viel übrig von ihren Behauptungen.

Im Gegenteil, es stellte sich heraus, dass es sich um die Rache einer Enttäuschten handelte. Denn Roshani hatte versucht, ihren Chef wegzumobben und sich an seine Stelle zu setzen. Mit einer Initiativbewerbung als Chefredaktorin und Denunziationen gegen ihn, obwohl Canonica damals noch in Amt und Würden war. Dann der Erfolg: ihm wurde gekündigt. Dann die Niederlage: statt den begehrten Posten zu ergattern, wurde auch Roshani gefeuert.

Dann die Rache im «Spiegel».

Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn Roshani klagte gegen ihren Rausschmiss. Da Tamedia offensichtlich nicht nur journalistisch, sondern auch juristisch ziemlich schwach auf der Brust ist, mit Erfolg. Dass Canonica die Kohle ausging und er den «Spiegel» nicht richtig verklagen konnte und seinen Antrag auf einstweilige Verfügung zurückziehen musste, verständlich.

Aber auch der Big Boss von Tamedia himself, Pietro Supino, klagte gegen das Hamburger Woke-Magazin, er fühlte sich in die Nähe des US-Sexualstraftäters Harvey Weinstein gerückt.

Dieser Fall ist noch hängig.

Roshani hingegen triumphierte in zwei Instanzen gegen Tamedia: ihre Kündigung ist missbräuchlich, entschied auch das Zürcher Obergericht. Nicht nur das, in ihrem Fall bedeutet das, dass das Arbeitsverhältnis ungekündigt weiterbesteht. Was bedeutet, dass ihr 33 Monatslöhne zu überweisen sind, mehr als 200’000 Franken.

Ist damit die Posse beendet? Aber nein, sonst wäre es nicht Tamedia.

«Im Auftrag von Raphaela» teilt Claudia Bianca, Assistentin der Chefredaktion, der Tagi-Redaktion mit:

«Ich bitte euch, Anuschka bei der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu unterstützen

Offenbar ist Raphaela Birrer anderweitig so ausgelastet, dass sie nicht einmal so wichtige Mails selber schreiben kann. Wahrscheinlich arbeitet sie Tag und Nacht mit Simon Bärtschi an der Qualitätssteigerung durch das grosse Rausschmeissen.

Der Vorgang ist dermassen absurd, dass ZACKBUM bei Tamedia nachfragte, ob das wirklich stimmt. Und in der Tat: «Wir bestätigen, dass das Urteil des Zürcher Obergerichts bezüglich der angefochtenen Kündigung inzwischen rechtskräftig ist. Wir unterstützen die Kollegin – wie alle Mitarbeitenden – bei der Aufnahme der Tätigkeit

Als ob es die gebeutelte Restredaktion nicht schon schwer genug hätte, jetzt auch noch das. Eine solche Kollegin, mit der arbeitet doch jeder gerne zusammen, die unterstützen doch alle gerne.

Aber Vorsicht. Ja keine möglicherweise anzüglichen Sprüche machen. Kein Aufenthalt mit ihr alleine hinter verschlossener Türe. Und auf keinen Fall, einfach überhaupt niemals nie, ein Hakenkreuz auf ihr Manuskript kritzeln.

Da bleiben zwei Fragen: wie wird Roshani vor weiteren verbalen Übergriffen geschützt? Und wie schützt sich die Redaktion vor Roshani?

Was sieht der «andere Blick»?

God Almighty und Chefredaktor Eric Gujer ordnet die Welt.

Roger Köppel scheitert regelmässig am staatstragenden Ton und dem Habitus eines Helmut Schmidt. Sich über die Fähigkeiten der Tamedia-Chefredaktorin Raphaela Birrer zu äussern, wäre ohne strengen Sexismus-Verdacht nicht möglich. Das gilt auch für die abservierte «Blick»-Chefin.

Aber da gibt es noch Eric Gujer. Multimedial präsent, feine Klinge, Kommentare mit Sachverstand, Hintergrundwissen und Esprit. Auch geschäftlich ist der Mann gut unterwegs. Während sein indirekter Vorgänger als CEO Veit Dengler als Heimweh-Österreicher eine Expansion dorthin in den Sand setzte, ist Gujer mit der Eroberung des deutschen Markts gut unterwegs.

Während Tamedia jämmerlich Berichterstattung aus München einkauft, baut die NZZ eine Filiale in Berlin auf, die immer bedeutender in der deutschen Medienlandschaft wird, seit die FAZ schwächelt.

Mit dem «anderen Blick» liest Gujer regelmässig der deutschen Politik die Leviten. Da greift er für NZZ-Verhältnisse gerne auch zum Zweihänder: «Die Politik versagt, und der Staat ist überfordert. Deutschland hat ein echtes Problem».

Auf wenigen Zeilen bringt er die Misere der aktuellen Politik auf den Punkt:

«Wähler und Gewählte in Deutschland teilen eine Erfahrung: Ohnmacht. Die Politiker fühlen sich verfolgt von einer undankbaren Öffentlichkeit und gefesselt von Sachzwängen. Das Volk hingegen hält die Politik für abgehoben und unfähig, selbst einfache Probleme zu lösen.»

Zerfallende Infrastruktur, marode Schulhäuser, eine dysfunktionale Deutsche Bahn, früher Leuchtturm an Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Zehn Jahre «wir schaffen das», also eine gescheiterte Asylpolitik. Turmhohe Schulden, auf die – getarnt mit dem demagogisch-genialen Begriff «Sondervermögen» – Multimilliardenschulden draufgesattelt werden. Dennoch reicht’s nicht, und es ist wieder die Rede von Steuererhöhungen.

Gujer skizziert die Etappen dieser Entfremdung zwischen Gewählten und Wählern: «Zugleich begannen die Gewählten, die Wähler zu beschimpfen. Der politisch-publizistische Komplex denunzierte konträre Meinungen als «Wutbürgertum». Später als «Schwurbler» und «Verschwörungstheoretiker»

Bildungsmisere, Euro-Krisen, Flüchtlingskrise, Pandemie. Klare Schlussfolgerung: «Die Mehrheiten lassen nur Stillstand zu, solange ein Bündnis mit der AfD ausgeschlossen bleibt.» Oder wenn man als einzige Antwort auf die laut Umfragen inzwischen wählerstärkste Partei Deutschlands mit einem Verbot liebäugelt, wie es die Winzpartei SPD inzwischen tut.

Da inzwischen mehr als die Hälfte aller Deutschen in der einen oder anderen Form von Sozialleistungen profitiert und jede Partei, die gegenwärtigen und zukünftigen Rentnern klaren Wein einschenkt – die Renten sind so nicht mehr finanzierbar – sich gleich auflösen könnte, sind sowohl Gewählte wie Wähler an der Situation schuld.

Soweit eine richtige Diagnose. Es ist nun nicht die Aufgabe des Wegweisers, zum Ziel zu gehen. Allerdings wäre der Leser doch verbunden, wenn Grossanalyst Gujer auch ein paar Therapieansätze auf Lager hätte. Denn so schön der Analysebogen auch ist, die Landung gelingt ihm nicht wirklich elegant: «So wächst der Frust weiter, und alles bleibt beim Alten, im Grossen wie im Kleinen

Man erinnert sich unwillkürlich an das grossartige Bonmot von Lampedusa im «Gattopardo»: «Alles muss sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist.» Was passiert aber, wenn sich einiges ändern müsste, aber dennoch alles bleibt, wie es ist? Da ist die AfD nicht Ursache des Übels, sondern höchstens Symptom. Ihr Wirtschaftsprogramm ist lachhaft und unterscheidet sich kaum von den Parteiprogrammen der anderen. Ihre Lösungsvorschläge müssen keinen Realitätstest fürchten, ihr Personal ist teilweise zum Fürchten und so angebräunt, dass es sie eigentlich unwählbar macht.

Die Frage, vor deren Beantwortung der anders blickende Gujer zurückschreckt, ist: ist nach 80 Jahren der moderne, demokratische Sozialstaat am Ende seiner Laufzeit angelangt? Ausser in Teilen Europas und im angelsächsischen Raum hat er sowieso nie existiert. Und wenn ja, wodurch wird er ersetzt?

Durch eine Autokratie, wie sie Trump anstrebt und wie sie in China, Russland, weitgehend auch Indien und Indonesien bereits existiert? Das wäre doch mal ein Thema für einen besseren Blick …

Schreiben wir über Hängepopos

Tamedia mit Hitzschlag. Die Temperaturen steigen, das Niveau sinkt ins Bodenlose.

Wer einen solchen Meinungsartikel hinter der Bezahlschranke anbietet und zuoberst auf die Homepage stellt, ist leider nur mit juristisch angreifbaren Adjektiven zu beschreiben.

Dem masochistischen Leser (er zahlt dafür, gequält zu werden) wird Hochgestochenes geboten: «Selbstschädigende Reflexionsschleifen trotz Body-Positivity». Aber immerhin, spätestens hier ergreift er die Flucht mit einem matten «hä?».

Hinter dem Geflimmer von Billiger-Jakob-Selbstanzeigen geht es munter weiter:

Wie orientierungslos und hitzegeschädigt muss eine Redaktion eines angeblichen Qualitätsorgans sein, um solche Verzweiflungstaten hinzuschmieren? Wurde im Glashaus an der Werdstrasse die Klimaanlage heruntergeschraubt? Herrschte an der Redaktionskonferenz Tamedia Einigkeit: heute verarschen wir den Leser aber mal richtig?

Wo bleibt Simon Bärtschi, der unermüdliche Qualitäts-Kontrolleur? Ist er schon in den wohlverdienten Ferien? Wie Raphaela Birrer? Liest wenigstens Oberboss Pietro Supino den Schrott, der in seinem Haus publiziert wird? Oder ist er gerade bei der Hochzeitsfeier von Jeff Bezos? Oder sauer, weil er nicht eingeladen wurde, obwohl er doch mit der Coninx-Yacht hätte vorfahren können?

Tamedia widmet sich auch weiteren drängenden Fragen der Menschheit:

Die Antwort auf diese Frage erfährt nur der zahlende Leser, alle anderen werden nie wissen, was das mit dem Baby macht. Obwohl «die Folgen weitreichender sein könnten als bisher angenommen». Vielleicht wird aus dem Baby so ein Digital Native.

Immerhin, diese Tipps sind für alle da:

Sie kennen den Japankäfer nicht? Schwere Wissenslücke:

Was Kunden gegen diesen Ärger tun können, erfahren aber wieder nur zahlende Gäste von Tamedia, die noch nicht die Flucht ergriffen haben:

Hier gratis zu enthüllen, was Kunden dagegen tun können, wäre vielleicht geschäftsschädigend. So einen Quatsch hinter der Bezahlschranke zu verstecken, ist es allerdings auch.

Gibt es denn gar nichts Relevantes, Politisches? Doch:

So kann man es auch sehen. Aber was soll daran denkwürdig sein, wenn das Parteiestablishment eine alle woken Kriterien erfüllende Frau abklatscht? Während der Reporter schwitzte und massenhaft Bier gesoffen wurde.

Es gibt noch mehr Fragen, deren Antworten kostenpflichtig sind, obwohl man sie sich problemlos im Internet oder bei einer KI gratis abholen kann:

Ebenfalls zur Abteilung «das muss ich wissen» gehört dieser Beitrag über einen Tag im Leben eines Fahrers in Äthiopien:

Vielleicht könnte man den Titel adaptieren: «Stuss lesen ist Teil meines Jobs. Es bringt nichts, sich darüber aufzuregen.»

Allerdings setzt auch den «Magazin»-Kolumnisten die Hitze schwer zu:

Und dann gäbe es noch Philipp Loser, aber den verträgt man nicht mal mit einem Hitzschlag, deshalb bleibt er auf der Shitlist.

Als Absackerchen noch eine Meinung, die etwa so intelligent ist, wie ein 110-Volt-Gerät in eine 220-Volt-Steckdose zu stöpseln:

Was sagt denn Chat-GPT zu diesem Kurzschluss? «Die Aussage „Wer Chat-GPT nutzt, muss auch für Windräder sein“ ist in ihrer Pauschalität problematisch und lässt sich so nicht logisch begründen.»

Blöd gelaufen, gell, Mischa Aebi.

ZACKBUM braucht nun selbst Abkühlung (aber nicht unter einem Windrad) und hat ein Einsehen mit dem um Gnade winselnden Leser. Immerhin: hier muss er nix bezahlen.