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Vom Steinbock getreten?

Somedia geht unter die Gürtellinie, um Roger Schawinski zu schaden.

Wenn man sich als Provinzfürst fühlt, an dem keiner vorbeikommt, ist es sehr bitter, wenn man einer sicher geglaubten Pfründe verlustig geht.

Denn im zweiten Anlauf hat es der alte Radiopirat Roger Schawinski geschafft, dem Lebrument-Clan die Sendekonzession für das Bündner Privatradio zu entwinden. Er hatte offenbar einfach das bessere Konzessionsgesuch eingereicht, während Lebruments wohl meinten, dass ihnen keiner könne.

Nun ist der Katzenjammer gross, und Silvio Lebrument, VR-Präsident und Geschäftsführer von Somedia-Medien, benimmt sich so, als hätte ihn ein Steinbock getreten.

Schon im Januar nach dem Entscheid behauptete er «blankes Unverständnis» der Hörerschaft. Und kündigte an, mit allen rechtlichen Mitteln vorgehen zu wollen. Was er auch inzwischen getan hat.

Aber man reizt Schawinski nicht ungestraft. Der hat nämlich herausgefunden, dass Somedia nicht nur sein traditionelles Radio Grischa vor fast zehn Jahren in «Radio Südostschweiz» umbenannt hatte. Offensichtlich hatte ein Kommunikationsfuzzi den Lebruments weissgemacht, dass eine Ein-Marken-Strategie das Beste sei, weg mit alten Zöpfen.

Aber nicht nur das, offenbar verabsäumte es der Lokalhirsch, den Namen «Radio Grischa» weiter aktiv zu halten. Weswegen Schawinski unter Berufung auf die Klausel, dass Markenrechte bei Nichtbenutzung nach fünf Jahren erlöschen, genau diese Löschung und die Übertragung auf ihn beantragt hat.

Er hat auch genau die Räumlichkeiten in Chur angemietet, aus denen Jahre zuvor Radio Grischa sendete. Das alles ist offenbar zu viel für Lebrument Junior. Die Nachfahren des alten Löwen Hanspeter Lebrument zeigen allerdings, dass nicht immer die dritte Generation das in den Sand setzt, was die vorherigen aufgebaut haben. Denn wer auf die Idee kommt, die Lebrument-Tochter als angeblich völlig unabhängige Ombudsfrau einzusetzen, die die Interessen der Leser vertreten soll, hat einen leichten Wackelkontakt mit der Realität.

Nun ist Lebrument Junior ein richtiges Buebtrickli eingefallen. Ihm ist offenbar aufgefallen, dass seine Behauptung, Radio Grischa werde sehr wohl verwendet, zum Beispiel auf einer Petition, mit der der Verlag ein paar Stimmen gegen den Wechsel der Konzession sammelt, ziemlich windig ist.

Also hat Lebrument – etwas sparsam – seine «Obersee Nachrichten AG» in «Radio Grischa AG» umbenannt. Während aber der Partner von Schawinski, Stefan Bühler, in aller Ruhe die Pläne des neuen Radiostudios an dem Ort zeigt, wo Lebruments noch 2008 ihr Privatradio feierten, stammelt sich Lebrument in einem aktuellen Beitrag im Rätoromanischen TV (keine Angst, mit Untertiteln) durch die Erklärung, was das eigentlich soll.

2008 scheiterte Schawinski im ersten Anlauf, aber der Mann ist zäh. Lebruments hingegen sind offensichtlich schlechte Verlierer. Dieser Winkelzug mit der Umbenennung einer AG, das hat etwas Würdeloses. Wie heisst es über das Bündner Wappentier im Schweizer Nationalpark: «Kaum ein anderes Tier setzt seine Energie so sparsam ein wie der Steinbock.»

Den Lebruments hingegen wäre empfohlen, ihre Energie mal sinnvoll einzusetzen. Es gibt schliesslich genügend Baustellen im Haus.

Die Aue zur Gärtnerin gemacht

Familie Lebrument wird lustig.

Offensichtlich hat die Niederlage im Radiostreit gegen Roger Schawinski dem Haus nicht gutgetan. Um auch mal wieder positive Schlagzeilen zu generieren, hat Somedia eine Mitteilung in eigener Sache lanciert: «Als zweiter Verlag in der Schweiz» habe man nun eine Ombudsstelle.

Das soll eine direkte Anlaufstelle für Leser sein, wenn die zum Beispiel eine Beschwerde zum journalistischen Wirken des Medienhauses haben.

Ein Brauch, der im angelsächsischen Journalismus geboren wurde und auch bei deutschsprachigen Medien immer mehr um sich greift. Der Ombudsmann hat dabei die Aufgabe, diese Beschwerden ohne Nennung des Urhebers an die zuständigen Stellen weiterzuleiten und um Auskünfte oder Erklärungen zu bitten. Das wiederum wird veröffentlicht. Leser-Blattbindung, Anliegen ernst nehmen, unbürokratisch, Blabla.

Nun ist der Ombudsmann bei Somedia eine Ombudsfrau. Wäre sie ein Mann, hätte man dort den Bock zum Gärtner gemacht. Allerdings ist Susanne Lebrument eben eine Frau. Wer meint, vielleicht sei in Graubünden Lebrument halt ein häufiger Name, hat sich allerdings getäuscht.

Diese Lebrument stammt aus dem Lebrument-Clan und ist im Hauptberuf Vizepräsidentin und Delegierte des Verwaltungsrats von Somedia. Also völlig unparteiisch und unvoreingenommen. Wie sagt sie so richtig: «Viele Leserinnen und Leser kennen mich bereits seit vielen Jahren und vertrauen mir.»

Absolut, auch viele Leser hatten nicht den ganz grossen Löffel dabei, als der Herr Hirn vom Himmel regnen liess. Als erstes Mütterchen der völligen Unabhängigkeit und der unbeeindruckt-kritischen Haltung der Redaktionen darf Lebrument in einem Wohlfühl-Interview in «Die Südostschweiz» unwidersprochen sagen:

«Das Spezielle in einem Medienunternehmen ist, dass die Unabhängigkeit und die Eigenständigkeit der Redaktionen gewahrt werden. Nur so können sie professionell und unabhängig berichten. Wir bei Somedia sagen immer, die Redaktionen sind sankrosankt. Der Unternehmensführung würde es nie einfallen, inhaltliche Vorgaben zu machen. Denn Leserinnen und Leser merken schnell, wenn die Redaktionen irgendwo jemanden nach dem Mund reden.»

Das tun natürlich die Organe des Lebrument-Clans niemals. Nehmen wir nur die objektive Berichterstattung zum Bakom-Entscheid, dem «Radio Südostschweiz» keine Konzession mehr zu erteilen. Da weiss Pierina Hassler in der Print-«Südostschweiz»: «Tatsächlich reagierten viele Hörerinnen und Hörer mit Unverständnis auf den Konzessionsentzug – zum Beispiel mit entsprechenden Kommentaren in den sozialen Medien. Und nicht nur sie. Auch Politikerinnen und Politiker, Vertreter aus Wirtschaft, Sport und Kultur wollten sich in irgendeiner Weise für das «Radio vu do» einsetzen.»

Dafür sei auch gleich eine Petition mit Unterschriftensammlung gestartet worden. Die Initianten, «darunter bekannte Namen wie die Bündner Hockeylegende Renato Tosio, der Musiker und Musikproduzent Lou Zarra sowie der Sportarzt Beat Villiger, fordern, dass der Konzessionsentscheid des Bakom rückgängig gemacht wird».

Beeindruckend die Liste von Prominenten. Besonders Sportarzt Villiger (gerade 80 geworden, ZACKBUM gratuliert) zeigt, dass man auch noch im hohen Alter aktiv werden kann – und mal wieder in die Medien kommt. Welche Unterstützung erfährt eigentlich Schawinski mit seinem «Radio Alpin», der gewonnen hat? Das verrät uns «Die Südostschweiz» allerdings nicht. Ombudsfrau Lebrument, übernehmen Sie!