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Wumms: Andreas Tobler

Der «Tages-Anzeiger» wird zur queeren Lachnummer.

Seitdem der sich als nonbinär bezeichnende Schlagersänger mit dem geklauten Namen die Freakshow ESC gewonnen hat, kriegt sich der Tagi in seiner Berichterstattung über dieses Non-Event nicht mehr ein. Mit ähnlicher Aufmerksamkeit bedenkt er höchstens noch den Eiersalat der türkischen Köchin Elif.

Aber immer, wenn man denkt, schlimmer geht nimmer, zeigt das völlig desorientierte Blatt: schlimmer geht immer. Dafür zuständig ist meistens Andreas Tobler.

Der Mann läuft so unrund, dass er eine ganze Latte von Verweisen auf ZACKBUM auf dem Kerbholz hat. Ist ihm egal. Genauso wie ihm egal ist, was den Leser eigentlich interessiert. Neben Sprachvergewaltigung ist canceln seine Lieblingsbeschäftigung. So forderte er schon mal unter Hinweis auf die Unschuldsvermutung, dass alle Auftritte von Rammstein in der Schweiz gecancelt werden sollten. Als sich dann alle Vorwürfe gegen den Sänger der Band in Luft auflöste, zeigte Tobler seine unangenehmste Eigenschaft: er schwieg feige.

Nun ergreift er aber das Wort, was er lieber gelassen hätte:

Mit Verlaub: es gibt kein drittes Geschlecht. Deshalb sollte das Nemo, Pardon, niemanden interessieren. Das interessiert vor allem den Tagi-Leser nicht, wie die meisten Kommentare unter Toblers Kommentar beweisen. Das sieht er natürlich anders: «Die Schweiz ist im Nemo-Fieber – und diskutiert über das dritte Geschlecht.» Bis hierher stimmt keine einzige Aussage.

Nicht mal die hier stimmt: «Gewiss, beim dritten Geschlecht geht es um eine Minderheit, der in der Schweiz je nach Schätzung einige Zehntausend, allenfalls etwas mehr als hunderttausend angehören.» Und das hier ist blühender Unsinn: «Noch immer leben wir in einer Gesellschaft, die stark von überkommenen Geschlechtsvorstellungen geprägt ist.»

Und die Schlussfolgerung wäre fast genialisch, wenn Tobler sich an Dadaismus versuchen würde; aber es steht zu befürchten, dass er das ernst meint: «Die Forderung von Nemo und Gleichgesinnten lädt uns daher ein, nochmals grundsätzlich zu prüfen, wo in unserer Gesellschaft Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden – und wie das endlich aufhört.»

Ganz langsam zum Mitschreiben, obwohl es bei Tobler und Konsorten nutzlos ist: es gibt zwei biologische Geschlechter, die klar und einfach unterschieden werden können. Es gibt kein drittes, viertes oder fünftes.

Ein Weisser kann sich als Schwarzer fühlen, ein Dicker als schlank, ein Kleinwüchsiger als Riese. Ein Alter als jung. Es kann Männern gefallen, sich zu schminken und Frauenkleider anzuziehen. Es kann Frauen gefallen, sich nicht zu schminken und Männerkleider anzuziehen. Frauen können sich von Frauen sexuell angezogen fühlen, Männer von Männern. Es gibt unendlich viele Spiel- und Abarten, seine Sexualität auszuleben. Einige davon sind verboten, andere Minderheitenprogramme.

In einer toleranten Gesellschaft wird all das, was nicht verboten ist, geduldet. Jemand kann sich auch als nonbinär fühlen, also keinem der beiden Geschlechter ganz zugehörig. Jemand kann auch völlig asexuell leben wollen. All das ist erlaubt und wird nicht mehr diskriminiert als jede andere Abweichung von der Norm.

Aber ein Weisser, der sich als Schwarzer fühlt, kann deshalb nicht verlangen, dass ihm das rechtlich attestiert wird. Er kann sich noch viel weniger als diskriminiert bezeichnen, wenn man ihm die Anerkennung als Schwarzer verweigert. Ein Pass weist den Besitzer als Angehöriger eines bestimmten Staates aus. Der Besitzer eines Schweizerpasses kann nicht verlangen, dass er auch noch einen deutschen bekommt, weil er sich auch als Deutscher fühlt. Er kann auch nicht die Änderung seines Geburtsdatums verlangen, weil er sich viel jünger fühlt.

Das alles wäre absurd, und niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, würde das bestreiten. Niemand würde behaupten, dass solche persönlichen Gefühle uns alle interessieren sollten. Niemand würde behaupten, dass solche Forderungen diskutiert werden sollten und das zu begrüssen sei. Ausser, er heisst Tobler und darf solchen Unsinn im Tagi publizieren. Wie schreib einer der vielen empörten Kommentatoren so richtig: «Das Geschlecht ist eine biologische Tatsache. Gefühle haben in der Biologie nichts verloren.» Und ein anderer kommentiert trocken: ««Das dritte Geschlecht sollte uns alle interessieren» Wüsste nicht weshalb

Ein anderer beweist den nötigen Humor: «Das dritte Geschlecht? Ich bin schon froh, wenn es keinen dritten Weltkrieg gibt!» Wir alle wären auch froh, wenn beim Tagi wieder ein gewisses Mass von Vernunft einkehrt, wenn nicht ungebremst Schwachsinn publiziert werden darf, wenn endlich wieder Qualitätskontrolle kein leeres Wort mehr ist. Merkt die Chefredaktion denn nicht, wie die Sache immer mehr aus dem Ruder läuft?

Vielleicht sollten dort die Fettnäpfchen-Queen und die Selfie-Queen sich darauf besinnen, wofür sie fürstlich bezahlt werden. Aber die fragen sich hier sicherlich: und das wäre was?

Hoffnungslos.

Widerwärtige Kriegsgurgel

Da ist man mal weg, und schon schreibt Nicolas Freund einen Kommentar.

Der Mann ist eigentlich Filmkritiker, hat «Komparatistik, Germanistik und Kulturjournalismus» studiert, behauptet die Autorenseite der «Süddeutschen Zeitung».

Also geradezu überqualifiziert, um sich dem Pack der Kriegsgurgeln anzuschliessen, die als Schreibtäter mit markigen Worten Ukrainer in den Tod schicken wollen. Da gibt es üble Gestalten, die auf ZACKBUM bereits ausführlich gewürdigt wurden.

Aber Nicolas Freund schlägt sie alle. Dass die SZ so eine Schmiere abdruckt, wohlan, das ist ein Münchner Problem. Dass Tamedia diesen Kommentar übernommen hat, ist ein Zürcher Problem. Ist ein Versagen aller Kontrollinstanzen. Wieso spült Pietro Supino Pipifaxartikel, lässt aber solche Schweinereien durchgehen?

Was für Schweinereien? Eigentlich eine doppelte. Die erste ist noch fast harmlos. Freund schreibt: «Wolodimir Selenski hat einen Gesetzentwurf unterzeichnet, der das Alter für die Einberufung zum Militärdienst von 27 auf 25 Jahre senkt.» Das ist natürlich blühender Unsinn; aber was versteht ein Student der Komparatistik schon vom Militär. Sonst würde ihm auffallen, dass es doch eher merkwürdig wäre, wenn in der Ukraine Soldaten erst mit 27, bzw. 25 Jahren einberufen würden.

In Wirklichkeit handelt es sich natürlich um die Senkung des Einberufungsalters von Reservisten. Also in der Sache hat Freund schon mal nix kapiert.

Aber das verblasst hinter der zweiten Schweinerei: «Es ist klar, dass Selenski für viele von ihnen ein Todesurteil unterschrieben hat.» Da habe Selenskyj doch länger gezögert, aber: «Es ist dennoch der richtige Schritt.» Denn: «So schwer diese Entscheidung fallen mag: Russlands Angriffskrieg lässt ihm gar keine Wahl.»

Freund meint also, dass junge und mangelhaft ausgebildete Reservisten als Kanonenfutter in den Tod zu schicken, für ihn ein richtiger Schritt sei. Vom fotografierten Bubigesicht auf der Autorenseite zu schliessen, dürfte Freund selber auch in diese Alterskategorie fallen.

Da sei ihm doch nahegelegt, Krieg nicht als Spielwiese für menschenverachtende Kommentare zu missbrauchen, sondern selbst mannhaft und beherzt ein Beispiel zu geben. Ein Zeichen zu setzen, wie man in seinen Kreisen so gerne sagt. Denn wir möchten unbedingt die Kriegsreportage von Freund an der Front lesen.

Die Kriegsgurgel müsste dafür nicht mal eine Waffe in die Hand nehmen. Einfach hingehen, aufschreiben, berichten. Kann doch nicht so schwer sein. Ausser, Freund wäre zu feige dafür. Aber das ist er doch sicher nicht, so abgebrüht wie er die Notwendigkeit von Todesurteilen befürwortet.

Oder um seinen Titel zu paraphrasieren: was Freund da hinschmiert, ist furchtbar und wichtig genug, um in die grosse Halle der Schandmale des verantwortungslosen Journalismus aufgenommen zu werden.

Tagi neu mit Ton

Aber wenn der Inhalt gleich bleibt …

Tamedia versucht’s mit einer neuen Dienstleistung für seine Leser. Die können jetzt auch zu Hörern werden. Denn jedem Artikel ist ein Audioschnipsel vorgeschaltet. Wie meist beim Tagi ist’s eine halbe Mogelpackung. «Hören Sie diesen Artikel», verspricht sie, dabei sind es jeweils nur Teile des Artikels, die von einem Chatbot vorlesen werden. Kommen englische Ausdrücke vor, bekommt der Roboter plötzlich einen englischen Akzent. Mehr Unterhaltsprogramm also.

Bei Silke Bigalkes «Leitartikel» im Tagi ist es sogar nur die Einleitung, danach sollte man sich einloggen; also auch noch dafür zahlen, dass das Qualitätsmedienhaus aus Zürich mal wieder die Meinung der Moskau-Korrespondentin der «Süddeutschen Zeitung» mietet und übernimmt.

«Im Lande Putin» lautet der Originaltitel, der war dem Tagi offenbar nicht knackig genug:

Man könnte diesen «Leitartikel» schnell abhandeln, indem man einfach darauf hinweist, womit er sich die Seite teilt:

Offenbar hat der/die/das Kim seinen Schreibstau überwunden. Auch das noch.

Aber widmen wir uns nicht seinem Gestammel, sondern demjenigen obendrüber. «Der grössere Teil der Bevölkerung steht nicht mehr hinter dem Präsidenten», weiss Bigalke. Das ist eine steile These. Sie ist ungefähr so realistisch wie die Behauptung, eine Wahlbeteiligung von 46,6 Prozent in der Schweiz bedeute, dass mehr als die Hälfte der Stimmbürger «nicht begeistert hinter der Schweizer Demokratie» stünde, «sondern sie läuft eher passiv mit». Nur schrieb Bigalke natürlich Putin statt Schweizer Demokratie.

Aber Bigalke blickt noch tiefer in die Seele Russlands: «Auch russische Wähler gehen eher nicht wählen, wenn sie wissen, dass ihre Stimmen ohnehin nichts wert sind – und nie waren sie wertloser als jetzt.»

«Auch»? So wie die Schweizer Wähler? Sie beweist damit, dass eine Berufsgattung unkaputtbar ist: die des Kremlastrologen. Nur hat sich dessen Fokus verschoben. Früher konzentrierte er sich auf das Deuten der hermetisch abgeriegelten Prozesse innerhalb des Entscheidungszirkels der KPdSU und schloss beispielsweise aus leichten Umstellungen auf der Tribüne beim Abnehmen der Parade zum Ersten Mai auf Machtverschiebungen innerhalb des Politbüros. Krachte es dort dann tatsächlich mal, waren die Astrologen regelmässig überrascht, denn das hatte ihnen die Glaskugel nicht gezeigt.

Nun stellt Bigalke wilde Vermutungen auf. Wie die, dass «der grösste Teil» der Bevölkerung aus passiven Mitläufern bestehe. Das ist allerdings ein Phänomen, das weltumspannend nicht unbekannt ist. Und woran sie das bei Russland festmacht; irgend ein Indiz, der Hauch eines Arguments, das fehlt völlig.

Aber dieses wackelige Konstrukt ist nur das Sprungbrett für einen Abflug in die Zukunft. «Die Militarisierung der Gesellschaft wird zunehmen, die nationalistische Erziehung umfassender werden.» Prognosen haben den grossen Vorteil, dass sie zwangsweise aus reinen Vermutungen bestehen. Von  denen hat Bigalke jede Menge zu bieten: «Die Opposition wird völlig verschwinden. Gelegenheiten für Andersdenkende, sich gefahrlos öffentlich zu zeigen, werden seltener werden.»

Solche Wahrsagereien haben noch einen zweiten Vorteil. Schon morgen wird sich niemand mehr daran erinnern. Auch nicht an den dunklen Schluss dieses Leitartikels: «Die Frage ist, wann es nicht mehr reicht, einfach nicht dagegen zu sein.» Hä?

Was will uns die Russland-Kennerin damit sagen? Die Mehrheit der Russen sei nicht für Putin, sondern einfach nicht gegen ihn, bestehe aus Mitläufern. Aber irgendwann reiche das nicht mehr? Wieso, wofür, warum?

Wenn der Tagi schon meinungslos Gequatsche von der SZ übernimmt, könnte er doch wenigstens für teures Geld seiner Leser dafür sorgen, dass der einen Leitartikel auch versteht. Aber das ist offenbar zu viel verlangt, heutzutage.

Auch die NZZ schwächelt

Quellenkritik wäre auch an der Falkenstrasse sinnvoll.

Die Rubrik «Medien» bei der NZZ war einmal ein angesehenes Gefäss. Viele Jahre lang wirkte hier Rainer Stadler. Genauer 31,5 Jahre. Nachdem ihm die Verantwortung für die Medienseite* entzogen worden war, kündigte er. «Ich denke, dass Medienjournalismus in den Massenmedien zunehmend unmöglich wird», war sein bitteres Fazit.

Wir von ZACKBUM müssen dem beipflichten. Vor allem, da auf der Medienseite nun eine gewisse Verwilderung stattfindet. So wird das Stück von Abraham Wyner kommentar- und kritiklos aus der rechtsradikalen jüdischen Publikation «Tablet» übernommen.

Dessen Zweifel an den Opferzahlen im Gazastreifen hatte bereits Markus Somm verwendet, was für die NZZ ein Warnzeichen hätte sein sollen. Wyner ist ein nicht unumstrittener Statistik-Professor, dem zum Beispiel vorgeworfen wird, dass er in einem Prozess um den Klima-Forscher Michael E. Mann als Zeuge ausgesagt hatte, dass dessen Hockey-Stick-Grafik Unsinn sei. Mann beschuldigt ihn, dafür ein Honorar von 100’000 US-Dollar bekommen zu haben.

 

Statt Wirkung zu erzielen, seien Wyners «Glaubwürdigkeit und Integrität beim Prozess angezweifelt» worden, schreibt Mann.

Das Organ «Tablet» hat auch schon diverse Skandale hinter sich. So beschimpfte es in einem Artikel Holocaust-Überlebende, die seien «Bösewichte, die sich als Opfer ausgeben und allein aufgrund ihres Überlebens (höchstwahrscheinlich mit allen nötigen Mitteln) das Gefühl hatten, sie hätten sich das Recht verdient, Helden zu sein […] hinterlistig, unzerstörbar, nehmend und nehmend». Auch für diese Ungeheuerlichkeit musste sich «Tablet» entschuldigen, wie für andere Ausrutscher mehr.

Also ein sagen wir mal umstrittener Autor, ein mehr als fragwürdiges Publikationsorgan, und ein heftiger Vorwurf.

Natürlich ist es klar, dass die Zahlen über Todesopfer während der militärischen Invasion Israels eine Propagandawaffe sind. Und das Hamas-kontrollierte Gesundheitsministerium von Gaza ist sicherlich nicht die vertrauenswürdigste Quelle. Wyner behauptet nun, auch in der NZZ: «Das Problem mit diesen Daten ist Folgendes: Die Zahlen sind nicht real

Als Argument verwendet Wyner, dass die Zahlen der Opfer laut Statistiken der Hamas linear zunähmen, was angesichts der unterschiedlichen Intensität der Kriegshandlungen und Kriegsverbrechen Israels nicht möglich sei.

Etwas absurd ist dann seine erweiterte Beweisführung: «Insgesamt sollen etwa 70 Prozent der Opfer Frauen und Kinder sein, wobei dieser Anteil von Tag zu Tag willkürlich aufgeteilt wurde. Sind tatsächlich 70 Prozent der Opfer Frauen und Kinder, so liegt diese Zahl weit über den Zahlen, die bei früheren Konflikten mit Israel gemeldet wurden. Kommt hinzu: Wenn 25 Prozent der Bevölkerung erwachsene Männer sind, hat Israel die Hamas-Kämpfer entweder nicht erfolgreich eliminiert, oder die Zahl der erwachsenen männlichen Opfer ist extrem niedrig

Prozentrechnen für Anfänger. Aber Wyner geht noch einen Schritt weiter:

«Die Gesamtzahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung ist vermutlich stark übertrieben. Israel schätzt, dass bisher mindestens 12 000 Hamas-Kämpfer getötet wurden. Wenn sich diese Zahl auch nur einigermassen bewahrheitet, dann ist das Verhältnis von Opfern unter den nicht am Kampf Beteiligten zu den Kämpfern bemerkenswert niedrig: höchstens 1,4 zu 1 oder sogar 1 zu 1.»

Aber selbst wenn das so wäre, würde das bedeuten, dass ingesamt 24’000 oder sogar 28’600 Menschen getötet worden wären. Addieren und Multiplizieren für Anfänger.

Wyners Schlussfolgerung:

«Gemessen an den historischen Massstäben der urbanen Kriegsführung, bei der sich Kämpfer unter die Zivilbevölkerung mischen, ist dies ein bemerkenswerter und erfolgreicher Versuch, unnötige Verluste an Menschenleben zu vermeiden und gleichzeitig einen unerbittlichen Feind zu bekämpfen, der sich mit Zivilisten schützt.»

Also liegen alle Politiker und Repräsentanten humanitärer Organisationen oder der UNO falsch, die vor einer Hungersnot und einem Massensterben im Gazastreifen warnen. Also ist die israelische Taktik, den Palästinensern im Norden des Gazastreifens zuerst anzuraten, sie sollen in angeblich sichere Gebiete im Süden fliehen, um die dann zu bombardieren und anzugreifen, ein «erfolgreicher Versuch», unnötige Verluste zu vermeiden.

Es ist eher unappetitlich, die möglicherweise übertriebenen Zahlen der Hamas so in Zweifel zu ziehen. Es dürfte unbestritten sein, bei der flächendeckenden Zerstörung der Infrastruktur und der Immobilien im Gazastreifen, dass es wohl mehr als ein paar hundert zivile Opfer gegeben hat. Damit ist die verächtliche Taktik der Hamas, sich hinter der Zivilbevölkerung zu verstecken, keineswegs legitimiert oder entschuldigt. Aber irgendwie sollte sich doch das Gute vom Bösen unterscheiden, oder nicht?

Anders sehen das im Wesentlichen «Tablet», Wyner und Somm. Und nun übernimmt noch die NZZ dieses Stück. Ob dort das Qualitätsmanagement auch schon in den Osterferien ist?

*ZACKBUM-Redaktor René Zeyer veröffentlichte einige Artikel auf dieser Medienseite, als das noch möglich war …

Multitasking

Woher Tamedia seine Meinung übernimmt.

Es ist ein anhaltender Skandal, dass einer der wenigen überlebenden Medienkonzerne der Schweiz seine Meinung aus München übernimmt und sie seinen zahlenden Schweizer Lesern als Eigenleistung präsentiert. Man kann hier sogar von einem Etikettenschwindel sprechen.

Denn Clara Lipkowski wird dem Tamedia-Leser serviert als «Redaktorin im Ressort International mit Schwerpunkt Ukraine und Russland».  Die Wahrheit ist, dass sie nach einem Volontariat «freie Mitarbeiterin» der «Süddeutschen Zeitung» ist, «seit August 2020 Korrespondentin für Franken». All das qualifiziert sie ungemein, neben Artikeln über das Wachsen Nürnbergs, über «Warum es an Bayerns Flughäfen zu Reiseausfällen kommt» oder «Eltern tun alles, um einen Kita-Platz zu finden» einen Kommentar über die russischen Wahlen abzusondern.

Ein Kommentar, den die SZ selbst (bislang) nicht für veröffentlichungswürdig hält. Anscheinend funktioniert dort noch eine gewisse Qualitätskontrolle. Aber bei Tamedia mausert er sich zum «Leitartikel». Das Wort bedeutete früher mal was.

Aus ihrer sicheren Schreibstube rechnet Lipkowski mit Präsident Putin ab: «Seine Macht kennt kaum Grenzen. Er räumt aus dem Weg, wer ihm gefährlich wird. Alexei Nawalny musste deshalb sterben. Putin steuert die Medien, er personifiziert die Alternativlosigkeit, neben ihm gibt es keinen Platz.»

Die Wahlen in Russland seien eine Farce, erklärt sie überraschungsfrei. Dann aber wagt sie einen Blick in  die Zukunft: «Wie kann Russland zurückfinden zu einer russischen Demokratie?» Zurückfinden, Demokratie? Wann gab’s denn das? Unter den Zaren? Unter Lenin? Unter Stalin? Unter Gorbatschow? Unter Jelzin? Hat die Dame neben Kenntnissen über Franken auch nur den Hauch einer Ahnung von Russland?

Aber auf jeden Fall weiss sie, was in Russland geschehen sollte:

«Die Eliten sind es, die Putin die Gefolgschaft verwehren müssten. Sicherheitskräfte, auch die Putin unterstellte Nationalgarde, müssten Befehle ignorieren, die Waffen niederlegen. Staatsbedienstete dem Staat den Dienst verweigern. Kremltreue Konzernchefs Putin den Rücken kehren. Erst so kann das System von innen beginnen zu bröckeln.»

Fränkisches Wolkenkuckucksheim. Aber sie schwebt noch höher in Illusionswolken: wie soll der Westen mit den Wahlen umgehen? «Ein Weg wäre es, sie und damit Putin als Präsident nicht anzuerkennen. So wie es der Westen 2020 im Fall von Alexander Lukaschenko getan hat.»

Das empfiehlt sie allen Ernstes EU-Politikern; für zwei hat sie noch einen weiteren Ratschlag zur Hand: «Wirkung hätte dieser Schritt wohl nur, wenn der Westen geeint agiert. Wenn Leute wie der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Kanzler Olaf Scholz aufhören würden, sich in öffentlich ausgetragenen Streitereien um europäische Bodentruppen oder Marschflugkörper in der Ukraine zu zerreiben.»

Sagen wir so: In der SZ existieren offenbar noch Spurenelemente einer Qualitätskontrolle, wo man sogar einer Autorin (!) zu sagen wagt: schreib lieber etwas über Franken, davon verstehst du vielleicht was.

Aber Tamedia weiss weder, wo Franken liegt, noch, was man dem Leser nicht zumuten sollte. Statt ständig Rochaden in der Teppichetage vorzunehmen. Mathias Müller, vulgo von Blumencron, beendet seine Tätigkeit als «publizistischer Leiter». Woran man das merkt? Gute Frage. An seiner Stelle rauscht nun Simon Bärtschi an seiner Chefin Raphaela Birrer vorbei. Zuvor war er ihr Untergebener als Chef «Berner Zeitung» und «Bund». Dort erwies er sich als gehorsamer Terminator, als Tamedia das heilige Versprechen brach, dass niemals nie «BZ» und «Bund» verschmolzen würden. Und nun ist er als neuer «publizistischer Leiter» Birrers Vorgesetzter.

Sein gröbstes Problem dabei: er ist (soweit ZACKBUM bekannt) ein Pimmelträger. Und keine Quotenfrau. Wo bleibt da der versprochene Anteil von mindestens 40 Prozent Frauen (trans, hybrid, fluid, queer, notbinär, Pardon, nonbinär ist leider nicht berücksichtigt)? ZACKBUM will sich keinesfalls in den Intimbereich Bärtschis einmischen. Aber das offizielle Macho-Foto mit männlich-bestimmtem Blick und Dreitagebart, muss das sein? Da erwarten wir wenigstens etwas weibliche Sanftheit. Sonst gibt’s dann mal wieder ein Protestschreiben …

zVg Tamedia

Ist das peinlich

Sicher ist das etwa überspitzt. Aber der Tagi sollte sich was schämen.

Natürlich: Fremdwörter sind Glücksache, und immerhin verwendet der Tagi nicht den Begriff «Reichskristallnacht».

Aber gerade bei so einem Thema alle Liederlichkeit einer aufs Skelett abgemagerten Qualitätskontrolle zu zeigen?

Es gibt offenbar keinen mehr beim Tagi, der das Wort Pogrom immer richtig schreiben kann. Und in der Bildlegende geht dann die Schludrigkeit weiter:

«Stadtpräsidentin Corine Mauch redete an der Gedenkveranstaltung in Zürich auch Klartext zur Hamas und sprach der jüdischen Gemeischaft ihre Anteilnahme aus.» Der jüdischen Gemeischaft?

Immerhin, im Lauftext geht’s dann plötzlich: «… gestern Abend in der Synagoge an der Nüschelerstrasse an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 erinnert».

Dann geht’s wieder nicht: «… von Privatpersonen aus der israelischen Gemeinde.» Das wäre die israelitische Gemeinde.

Zusammengehackt haben diesen Artikel «lop/SDA/mae/hub».

Ist das alles einfach peinlich.

Peinlich

Qualitätskontrolle war gestern. Ungehemmtes Geschwätz ist heute.

Weil der Qualitätsmedienkonzern Tamedia fast alles von der «Süddeutschen Zeitung» in München rezykliert und seinen Lesern als Eigenleistung präsentiert, für die sie gefälligst happig zahlen sollen, übernimmt er auch sämtlichen Unsinn.

So weiss der «Zentral- und Osteuropa-Korrespondent» Florian Hassel Erstaunliches aus der Ukraine zu berichten: «Die Ukraine lebt vom Export, vor allem von Getreide, Stahl und Eisen. Ihre Bauern brauchen neben ihren fruchtbaren Böden gewöhnlich nur genug Regen.» Verblüffend, überall sonst braucht es auch noch Düngemittel, Herbizide, eine Aussaat und noch so ein paar Kleinigkeiten. Aber wahrscheinlich wird in der Ukraine Stahl einfach fertig aus dem Hochofen gezogen.

Auch aus diesem Bereich vermeldet Hassel Oberflächliches: «Das Kronjuwel der ukrainischen Metallindustrie, zu dem auch eigene Eisenerzgruben gehören, ist Arcelormittal in Kriwi Rih, der Heimatstadt von Präsident Wolodimir Selenski. 2005 verkaufte die Ukraine das Staatsunternehmen an den indischen Stahlmilliardär Lakshmi Mittal». Das ist der, der auch in den indischen Kohleskandal verwickelt ist, was ein Blick in Wikipedia enthüllt hätte. Recherche war gestern.

Aber immerhin widmet sich Hassel einem Thema, das in der Kriegsgurgel-Berichterstattung weitgehend vernachlässigt wird. Wie steht es eigentlich um die ukrainische Wirtschaft? Ums BIP, die Wertschöpfung, die Arbeitsstellen, das Einkommen? Denn nicht jeder Ukrainer ist Multimillionär wie ihr Präsident. Da weiss Hassel: «Doch der Krieg könnte noch Jahre dauern – und damit auch die Notwendigkeit für mindestens Dutzende weitere Milliarden aus dem Westen, Hunderte Milliarden Euro für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur noch gar nicht eingerechnet.»

Dutzende weitere Milliarden? Der Mann sollte mal einen Grundkurs in Volkswirtschaft besuchen.

Auf ihre Art widmet sich CH Media dem Thema Sparen. Genauer gibt Wirtschaftsredaktor Niklaus Vontobel wertvolle Tipps als «Hilfe zur Selbsthilfe». Zum Beispiel: «So sollten Autofahrende darauf achten, in welcher Region und an welcher Tankstelle sie einkaufen. Denn die Benzinpreise sind in der Schweiz hoch und variieren stark. Tankstellen auf der Autobahn zum Beispiel verlangen oft höhere Preise als kleine Tankstellen.»

Darauf muss man ja erst mal kommen. Aber auch bei der Ernährung gibt es ungeahnte Sparmöglichkeiten: «Wer mehr Gemüse isst, dafür weniger Fleisch, der entlastet sein Budget. Ein Kilo Fleisch kostet im Schnitt an die 21 Franken, Gemüse hingegen weniger als 6 Franken.»

Aber leider muss Vontobel am Schluss noch eine bittere Pille verabreichen: «Bis die Inflation wieder zurück ist auf jenem Niveau, wo sie die Notenbanken haben wollen, wird es noch ein langer Kampf werden.»

Auf höherem Niveau scheitert Bettina Weber in der «SonntagsZeitung». Sie widmet sich dem beliebten Thema: ein Fall, zwei Fälle, eine Welle. Dass der Titel «Der Russinnen-Trick» im diskriminierungssensiblen, vom Genderwahn geplagten Tamedia-Konzern durchging – ein Zeichen nachlassender Kontrolle?

Dann schildert Weber einen dramatischen Einzelfall, um den Aufschwung ins Allgemeine zu wagen. Denn Anwälten und auch dem Chef des Zürcher Migrationsamt sei dieser Begriff bekannt. Dessen Verwendung auch nicht besser wird, wenn Weber erwähnt: «Es geht beim Phänomen mit dem politisch unkorrekten Namen nicht um die Nationalität, nicht einmal zwingend um das Geschlecht, da es auch schon afrikanische Männer gegeben haben soll, die ihre Schweizer Frauen der Gewalt beschuldigten, um auf diese Weise eine B-Bewilligung zu erhalten.»

Allerdings muss Weber dann einräumen: «Wie häufig der «RussinnenTrick» vorkommt, kann niemand sagen. Zahlen fehlen, da die Fälle weder vom Migrationsamt noch von der zweiten Instanz, dem Verwaltungsgericht, nach Artikeln erfasst werden.» Also wenden ihn eine unbekannte Anzahl Russinnen, afrikanischer Männer und ähnlich zwielichtiger Gestalten an.

Diese unbekannte Menge von Gesocks versucht, sich mittels eines Gutmenschen-Gesetzesartikels das Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu erkämpfen, wenn eine Ehe mit einem Schweizer schnell in die Brüche geht, was normalerweise zur Ausweisung führt. Das Benutzen eines Gesetzes ist nicht strafbar; allerdings macht ein solcher Missbrauch die entsprechende Bestimmung fragwürdig.

Doch darauf geht Weber nicht weiter ein, sie erzählt lieber ein tragisches Einzelschicksal in allen Details aus. Wobei sie naturgemäss nur die Position des betroffenen Schweizer Mannes unkritisch übernimmt. Offenbar hat sie nicht einmal den Versuch unternommen, die andere Seite, also die der Frau, zu hören. Eine unselige Tradition bei Tamedia.

Qualität war gestern, heute wird an ungefiltertem Flachsinn nicht gespart.

 

Selbstkritik ist was anderes

Tamedia berauscht sich am neusten «Qualitätsreport». Alles in allem alles super; stinksaure Frauen kommen nicht vor.

Gutes Timing ist alles, das weiss jeder Journalist (und jeder Politiker). Zu früh ist schlecht, zu spät auch. Und dann gibt es noch die ärgerlichen blöden Zufälle. Wie zum Beispiel den, dass der als Zubrot vom ehemaligen Tagi-Chefredaktor Res Strehle jährliche «wir klopfen uns auf die Schulter»-Report ausgerechnet dann erscheint, wo Tamedia in den Schlagzeilen ist wegen angeblich unerträglicher Behandlung von Mitarbeiterinnen.

Aber davon soll der Gottesdienst natürlich nicht gestört werden, auch im Interview mit persoenlich.com wird Strehle nicht auf dieses sehr dominante Thema angesprochen. Wahrscheinlich aus der Überlegung heraus: Steht in diesem Report nicht drin, also lassen wir das.

In dem Report stehen klitzekleine Kritiken und ein grosses Lob.Gespendet von völlig unabhängigen Experten wie dem Rentner Felix E. Müller, Vinzenz Wyss und Otfried Jarren.

Das «Magazin» soll spitze sein?

Wie der – von Strehle an der Hand geführt – zum gemeinsamen Schluss kommen kann, dass das «Magazin» in «allen Qualitätsuntersuchungen» gut wegkomme und das Thema Corona ansprechend abgehandelt habe, ist schleierhaft. Diese zum Skelett abgemagerte Ruine, wo früher einmal ein wirklich hochstehendes Magazin gestaltet wurde, mit guten und extra dafür durchgeführten Reportagen, Essays und Analysen.

Um das so zu sehen, reicht schönsaufen nicht aus, da müssen auch verbotene Substanzen im Spiel gewesen sein. Ebenso bei dieser krachlustigen Selbstbeweihräucherung von Strehle zu Corona: «Das Qualitätsmonitoring kam insgesamt zum Schluss, dass die Tamedia-Redaktionen mit hoher Kadenz zu diesem Thema berichteten und dabei eine Mischung von vermittelnder und behördenkritischer Berichterstattung boten.»

Echt jetzt? Von welchen Redaktionen spricht er da? Gibt es ein Paralleluniversum, in dem ein solcher Tamedia-Konzern existiert? In unserer Welt wurden in hoher Kadenz Forderungen, Kritiken, fachmännische Meinungen von Laienjournalisten im Wechsel mit geradezu kriecherischer Übername aller offiziellen Positionen geboten.

Offenbar ist im ganzen Thema Qualitätskontrolle bei Tamedia der Wurm drin. Da darf eine Mitunterzeichnerin eines Protestschreibens in aller Objektivität untersuchen, ob die darin erhobenen Vorwürfe auch zutreffen. Und hier darf ein durch seine Flexibilität in Erinnerung gebliebener Ex-Chefredaktor einen Qualitätsraport federführend gestalten?

Der Begriff Feigenblatt ist da geradezu ein Euphemismus.

Feigenblatt? Sitzt.