Schlagwortarchiv für: Prognosen

Goldenes Gelaber

Auch NZZ Pro kocht nur mit Wasser.

Gold Gold, Gold. Wie geht’s weiter? Geht der Preis weiter hoch – oder runter? Spekulationsblase oder vorhersehbare Steigerung? Das sind natürlich brennende Fragen, nicht nur für Anleger.

Gleich zwei tiefe Denker der NZZ bemühen sich um Antworten. Catherine Bosley und Michael Rasch variieren die alte Börsianerweisheit:

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert der Goldpreis oder bleibt, wie er ist.

Natürlich drücken sie das etwas gelehrter aus: «Die fundamentalen Treiber der Entwicklung sind die geopolitischen und geoökonomischen Unsicherheiten.» Allerdings ist das nun auch eine Binse. Dicht gefolgt von der nächsten: «Gold bleibt sicherer Hafen für Anleger». Dafür muss man wirklich viel studiert und vertieft nachgedacht haben.

Statt solchem Geplapper gäbe es allerdings vielleicht ein paar Tatsachen in Erinnerung zu rufen, die durchaus interessant sind. Die erste: der Goldpreis steigt keinesfalls. Lediglich der Wert der wichtigsten Währungen sinkt. Wegen einer Überproduktion an Neugeld und turmhoher Staatsverschuldung.

Ausgeschlossen, dass die goldenen Zeiten zurückkehren, als eine Golddeckung Garantie für verantwortliches Handeln der Notenbanken bot. Damit war der US-Dollar zur Weltwährung geworden, bis 1971 der damalige Präsident Nixon einräumen musste, dass der Vietnamkrieg dermassen viel Geld verschlang, dass sie aufgegeben werden muss.

Von den rund 216’000 Tonnen, die in der Weltgeschichte gefördert wurden, ist fast die Hälfte für Schmuck verwendet. Der Rest des Goldwürfels mit einer Kantenlänge von rund 20 Metern teilt sich zu 17 Prozent auf die Reserven der Zentralbanken und zu 20 Prozent auf Investments auf. Von privaten und institutionellen Anlegern.

Die streben ins Gold, weil es knapp, dauerhaft, schuldenfrei und weltweit anerkannt ist. Und vor allem die Besitzer unabhängig von ihrer Landeswährung macht. Weswegen der Privatbesitz an physischem Gold nicht so gern gesehen wird. Und 1933 in den USA sogar verboten wurde.

Allerdings ist der Goldpreis nicht erst in letzter Zeit kräftig gestiegen. 1976, vor 50 Jahren, kostete eine Feinunze 134 Dollar (inflationsbereinigt 763 Dollar). Aktuell liegt der Preis bei 5311 Dollar. Alleine in den letzten zehn Jahren hat er sich fast verfünffacht. Während sich im Vergleich der MCI, also der Weltbörsenindex, sich lediglich um 155 Prozent gesteigert hat.

Viel entscheidender als der Blick in die Glaskugel, wo’s denn hingeht, wäre die Information der Leserschaft, dass es bei Gold ein entscheidendes Kriterium gibt: nur was man physisch besitzt, gehört einem auch.

Ein Goldzertifikat oder ein ETF oder was auch immer ist lediglich ein Stück Papier oder eine flimmernde Zahl auf dem Bildschirm. Also im Ernstfall wertlos. Auch das Lagern in einem Bankschliessfach ist ohne Zusatzversicherung nur bis zu einem Wert von 10’000 Franken empfehlenswert.

Also ab unter die Matratze, hinten in den Kleiderschrank, in die Erde oder was auch immer.

Was für Private gilt, gilt auch für Notenbanken. Seitdem Guthaben der russischen Zentralbank im Wert von über 300 Milliarden US-Dollar eingefroren wurden, ein ungeheuerlicher Vorgang, muss mit allem gerechnet werden.

Deutschlands Bundesbank ist nach den USA der zweitgrösste Besitzer von Goldbarren. Die lagern zwar zur Hälfte in Frankfurt, aber 37 Prozent bei der US-Notenbank in New York und 12 Prozent bei der Bank of England.

Die schlaue Schweiz lagert hingegen 70 Prozent selbst ein, 20 Prozent bei der Bank of England und 10 Prozent bei der Bank of Canada.

Zu den allgemeinen Unsicherheiten heutzutage gehört eben, dass Selbstverständlichkeiten wie die Unantastbarkeit von Notenbankeinlagen keinesfalls mehr garantiert sind. Also sind solch Faktoren wohl entscheidend wichtiger als das Werweissen, ob der Goldpreis weiter nach oben rauscht, seinen Höhepunkt erreicht hat oder gar nach unten schnurrt.

Die beiden Autoren eignen sich ausgezeichnet als Händler von Trompetengold, wenn sie mit der fürchterlichen Banalität enden:

«Allerdings zeichnet sich derzeit in keinem dieser Bereiche eine nachhaltige Beruhigung ab. Insofern könnte der globale Goldrausch mit weiteren Rekordhochs anhalten

Könnte, würde, falls nicht, von heute aus gesehen. Das Dummgequatsche von vorsichtigen Prognostikern.

Heute prognostiziert – morgen vergessen

Das Blöde an Prognosen ist, dass man sie überprüfen kann.

Von Thomas Baumann
«Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen», so geht ein geflügeltes Wort, welches oft Mark Twain, manchmal auch anderen zugeschrieben wird.
Die Kopfsalatblätter von Tamedia versuchten es trotzdem mal wieder, indem sie dem Chefökonomen der Bank J. Safra Sarasin eine Plattform gaben.
Banken betreiben ihr Research ja vor allem aus dem Grund, um den Anschein von ökonomischer Kompetenz zu erwecken.
Wäre es tatsächlich so, dass Banker die Zukunft mit Sicherheit voraussagen könnten, bräuchten sie keinen weiteren Tag mehr auf ihrer Bank zu arbeiten: Stattdessen könnten sie in kürzester Zeit mit Derivate-Geschäften stinkreich werden.
Immerhin: Der TA-Redaktor, der Soziologie und Wirtschaft studiert hat und Datenjournalismus am MAZ unterrichtet, hat ein scheinbar starkes Argument. 
Der interviewte Karsten Junius habe «in den vergangenen Jahren die Entscheide der Nationalbank mit der besten Trefferquote vorausgesagt.»
Was allerdings nicht zu verblüffen mag: Bei zehn oder so «Chefökonomen» der hiesigen Bankenszene beträgt die Chance ziemlich genau zehn Prozent, die beste Prognose abzugeben. Aus diesem Grund sieht man auch immer die gleichen Köpfe in den Medien, die sich im Kaffeesatzlesen üben.
Interessant, dass genau derselbe Ökonom vor ziemlich gut einem Jahr auf cash.ch ebenfalls ein Interview  gegeben hat.
Da sagte er bei einem Stand des SMI von ungefähr 12’500 demselben ein «Aufwertungspotential bis auf 12’800 Punkte» bis Ende Jahr voraus. In der Realität sackte der Index dann vielmehr um 1’000 Punkte auf 11’500 ab.
Beim Leitzins erwartete der Ökonom «zwei Zinssenkungen», womit man «in einem Jahr [also heute, Anm. d. Verf.] ein Leitzinsniveau von nur noch 0,5 Prozent» hätte.
Beides erwies sich als falsch: Es gab insgesamt drei Leitzinssenkungen und der SNB-Leitzins beträgt 0,0 Prozent.
Wenn das die beste Prognose von allen war, dann wundert man sich: Um wieviel lagen denn die anderen Banken daneben?

Hitzschlag, lass nach

Der Wettergott ist gegen die Medien.

«Hitzesommer» (238 Treffer in der Mediendatenbank SMD in den den letzten 30 Tagen, 5750 Erwähnungen von «Hitze»). «Parallelen zu 2003, Wasserknappheit, Ernteausfälle». «Tipps gegen Hitze», wie kann man da schlafen, welches Schuhwerk, wie viel Wasser, Joggen ja oder nein, die armen Bauarbeiter, «Recht auf Schatten» (und nicht nur für Reiche).

Falls Trump, die Ukraine oder der Gazastreifen gerade mal nicht genug hergibt, als Füller im Sommerloch reichen alarmistische Artikel alleweil. Zur Not werden auch Fachleute interviewt, bange Prognosen erstellt, natürlich dürfen auch die armen Haustiere nicht fehlen, denn nicht nur der Mensch leidet und schwitzt, sieht sich sogar tödlichen Gefahren ausgesetzt.

Und dann das. Anhaltendes Hitzefrei. Aber anders. Der «Blick» verkündet unerschrocken eine neue, schlechte Nachricht. Ein «Höhentief vermiest uns die Woche». Statt dass ein tiefes Hoch der Journaille die Möglichkeit gäbe, fortzufahren mit: buhu, es ist heiss. Brandgefährlich. Rette sich, wer kann. Und wer nicht kann, dem muss geholfen werden.

Banale Ratschläge, rezyklierte Tipps (denn oh Wunder, es ist nicht zum ersten Mal Sommer), der Bademeister erzählt, der Glacé-Verkäufer jubiliert, Leidende leiden, und wie sieht’s eigentlich in Spitälern und Altersheimen aus. Und was macht die Natur, der Bauer, der Gletscher, schwitzen eigentlich auch Kühe (jein; am Euter und sie hecheln. Ihr Geheimtipp: Schatten suchen).

Endlich wieder Journalismus, der dem Qualitätsniveau der verbliebenen Redaktoren entspricht. Ein Blick ins Archiv: was haben wir eigentlich das letzte Mal gemacht, und dann ein wenig aktualisieren, und Feierabend. So hätte das doch noch wochenlang weitergehen können, nach dem mal wieder «heissesten Juni» überhaupt.

Berichte aus der Schweiz, die sich bald in eine neue Sahara verwandeln wird. Plus schröckliche Nachrichten aus aller Welt, wo die Gluthitze noch mehr glüht.

Dabei hofft man auf den Leser, der sich die Schweissperlen vom Angesicht wischt, wenn er reich genug ist, die Klimaanlage anschaltet und stöhnt: bei diesen Berichten wird es mir ganz heiss und anders. Von jetzt an verzichte ich auf das Auto und das Flugzeug und fahre Velo.

Andererseits: auch grosse Kämpfer gegen den Klimawandel, vor allem unter den Grünen, steigen gerne mit der ganzen Familie ins Flugzeug, um zu fernen Feriendestinationen aufzubrechen. Aber he, das ist dann Privatsache, im Fall. Und Velofahren ist auch ganz schön schweisstreibend.

Also lieber schlechtes Gewissen, dafür schön angenehm.

Aber nun ist schon wieder der heisse Krieg gegen die Hitze zu einem kalten geworden. Morgens ist es recht frisch, tagsüber kühlt immer wieder ein Regenschauer, die Verwüstung der Schweiz muss sich noch gedulden.

Nun könnte man meinen, dass verantwortlicher Journalismus, der nicht Stück für Stück seine Glaubwürdigkeit verspielen will, vielleicht etwas kleinlaut Übertreibungen und Fehlprognosen einräumt.

Aber selbst wenn ein Journalist völlig sicher vorhersagt: morgen gibt’s Gluthitze und die Sonne scheint den ganzen Tag, nicht zuletzt aus meinem Hinterteil, käme er niemals auf die Idee, einen Fehler einzuräumen, wenn es morgen frisch ist und unablässig regnet.

Er greift nicht mal zum Allheilmittel jedes gescheiterten Managers oder Politikers, der nachweisbar falsch lag. «Aus heutiger Sicht mag das als Fehler erscheinen, aber mit dem Wissensstand von damals ..

Man sollte sie dafür in den kalten Regen stellen. Aber das wäre unmenschlich, die bibbernden Journis würden ein grosses Geschrei anstimmen. «Zwischentief, man soll nie Wetter mit Klima verwechseln, die nächste Hitzewelle kommt bestimmt, wir müssen jetzt handeln, bevor es zu spät ist

Cool down, baby, wie der Ami sagt. Und sucht Euch ein anderes Thema fürs Sommerloch. Liegen doch genug rum.

Das KOF ist doof

Der «Blick» liebt die Lachnummer Jan-Egbert Sturm.

ZACKBUM musste sich schon mehrfach mit dem Meister der Fehlprognose befassen:

Herausragend in diesem Business ist die «Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich» (KOF). Deren Direktor Jan-Egbert Sturm gehört zu den Expertenlieblingen des Fachblatts «Blick». Der ist aber der Sturmvogel der verhauenen Prognosen, so musste er vor Kurzem eine doofe Konjunkturprognose um fast 5 Prozent korrigieren, schrieben wir im Juni 2022

Auch als Virologe machte er sich einen Namen, als er 2020 auch auf diesem Gebiet mit schrägen Aussagen auffiel.

Nun möchte aber der «Blick» seine Leser weiterhin mit schrägen Nummern von Sturm bespassen; immerhin geschützt durch die Bezahlschranke «Blick+». Das soll wohl in diesem Fall eine Vergnügungssteuer sein, die der Leser zu entrichten hat, bevor er Weisheiten wie dieser teilhaftig wird:

««Wir sind pessimistischer geworden, aber es gäbe durchaus auch Grund zu einem gewissen Optimismus», erklärt der Leiter der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich.»

Ohä. Pessimistisch gesehen regnet es morgen aber es gibt auch Anlass zum Optimismus, dass es das nicht tut.

Putzig ist allerdings die «KOF Prognosetagung 2024», die immer noch auf der Webseite («jetzt anmelden!») angepriesen wird. Zu den «Chancen und Grenzen von Prognosen» ist hier dem KOF etwas Originelles eingefallen. Denn wenn eine Tagung vom 25. September am 26. Anmeldungen entgegennehmen will, dann sei die Prognose gewagt: Publikumsverarsche.

Im wilden Einerseits-andererseits-aber-dann-doch-nicht-oder-schon wagt Sturm im «Blick» einen seiner berüchtigten Blicke in die Glaskugel:

«Eigentlich müssten wir jetzt einen Boom sehen, bestenfalls erreichen wir eine gewisse Normalisierung der Wachstumsraten», dämpft Sturm etwas die Erwartungen. Die KOF hat ihre Prognosen deshalb leicht nach unten korrigiert: In diesem Jahr wird die Schweizer Wirtschaft mit 1,1 Prozent wachsen, 2025 mit 1,6 Prozent und 2026 mit 1,7 Prozent.»

Ohä. Boom oder Normalisierung, leichte Korrektur nach unten, damit Raum für eine leichte Korrektur nach oben bleibt. Dann aber ein klares Wort, denn Sturm weiss als alter Medienprofi, dass der Journalist an den Fingernägeln knabbert, wenn’s kein knackiges Quote für den Titel gibt. Aber Christian Kolbe vom «Blick» konnte aufatmen: «Die Inflation in der Schweiz ist besiegt», verkündet Sturm wagemutig.

Das würde ja dann wohl bedeuten, dass die SNB den Leitzins weiter senken dürfte. Allerdings muss Sturm da auch ein «schon, aber, wenn nicht, wobei» hinzufügen: «Die SNB sollte sich noch etwas Pulver aufbewahren, sollte es doch zu einer grossen Krise der Weltwirtschaft kommen, wovon ich aber derzeit nicht ausgehe.»

Ohä. Also Pulver trockenhalten, falls es zu einer grossen Krise kommt. Aber die kommt dann doch nicht, zumindest nicht «derzeit». Sonst aber jederzeit.

Aber wieso immer Trübsal blasen, ein aufmunterndes Wort zum Schluss: «Weil die Löhne in der Schweiz steigen, die Teuerung aber tief ist, bleibt vielen real mehr Geld im Portemonnaie. Was wiederum gut für die Konsumentenstimmung und damit den Binnenkonsum ist. Einzig der Arbeitsmarkt muss uns etwas Sorge machen: «Der Aufbau neuer Stellen wird abflachen, die Arbeitslosenquote leicht ansteigen», giesst Sturm dann doch wieder einen Wermutstropfen in den Kelch der frohen Botschaft.

ZACKBUM versucht, die Aussagen des Orakels zusammenzufassen. Trotz zunehmendem Pessimismus gebe es Grund für Optimismus. Trotz Boom müssen die Prognosen der Wachstumsraten leicht nach unten korrigiert werden, aber die Inflation ist tot. Was aber die SNB nicht zu feuchtem Pulver verleiten sollte.

Das ist mal eine Leitlinie, nach der sich sowohl der Laie wie auch der Unternehmer richten kann. Da lohnt es sich doch, dass am KOF vollamtlich in 52 Sessel gefurzt wird. Man versuche allerdings mal, das Jahresbudget dieser ETH-Veranstaltung in Zahlen zu fassen. Viel Spass dabei.

Auf jeden Fall: unabhängig davon, wie viele Steuergelder hier verbraten werden, wie viele Fremdgelder eingeworben werden: wenn dieses Geschwafel der Gegenwert dafür sein soll, ist eigentlich jeder Franken rausgeschmissenes Geld.

ZACKBUM macht sich anheischig, solche Prognosen zu jeder beliebigen Zeit abzugeben, sagen wir für ein bescheidenes Honorar, all in, von jährlich 100’000 Franken. Absoluter Discount, das lohnt sich schon mal. Unsere erste Prognose mit 100 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit.

Ansonsten bieten wir diese Standardantwort für alle Lebenslagen. Wir  präsentieren hier den Setzkasten der Textbausteine, die jedes Medium, jeder Empfänger der frohen Botschaft nach Belieben zusammensetzen darf:

Durchaus gedämpft optimistisch, weitere Eintrübung, leichte Aufhellung, unsichere Zukunft, Insel Schweiz, abhängig vom Export, einerseits, andererseits, weiterhin, wenn nicht, unter Voraussetzung, dass, sollte die Entwicklung weiterhin, Wachstum von 1, von 1,1, von 1,2, von 1,3, von 1,4, von 1,5, von 1,6, von 1,7. Inflation zieht leicht an, wenn sie nicht abflacht. Oder umgekehrt. Und auf jeden Fall: aus heutiger Sicht, derzeit, auf absehbare Zeit, falls kontinuierlich, wenn nicht disruptiv, sollte Resilienz, Blabla, Blüblü.

Ad nauseam, um hier gelahrt zu lateinern.

Ellexx ist frauenfeindlich

Gleich aus mehreren Gründen.

Ellexx will eine «Finanzplattform für Frauen» sein. Sie will einen Beitrag dazu leisten, die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen zu beenden. Ausserdem will sie Frauen dabei helfen, selbst Investitionsentscheide zu treffen. Man schreibe es Himmels willen mit zwei xx, bitte.

Alles edle Ziele, leider ist der Slogan «close the gaps» (die Lücken schliessen) eher umgekehrt zu verstehen: open gaps.

Denn der erste frauenfeindliche Akt von Ellexx besteht darin, dass die Plattform zeigt, dass Frauen nicht sonderlich gut mit Geld umgehen können. Mittels Crowdinvesting hat das Dreifrauen-Unternehmen vor rund einem Jahr knapp 1,5 Millionen Franken neues Kapital aufgenommen. Das wurde mit Pauken und Trompeten gefeiert, of course. Der Firmenwert liege nun schon bei sagenhaften 16 Millionen.

Seither ist es allerdings eher ruhig geworden; einzig Patrizia Laeri wurde etwas verhaltensauffällig, indem sie sich an eine zwei Jahrzehnte zurückliegende sexuelle Belästigung erinnern wollte und die schlagzeilenträchtig bekanntgab. Dass die anschliessende Untersuchung des Gutmenschensenders SRF ergab, dass da nichts dran war, das war dann schon blöd.

Neulich schaffte es Laeri in «Glückspost», «Blick» und sogar den Tagi, indem sie öffentlich den Tod ihres Mannes betrauerte. Nachdem das in der «Glückspost» nicht wirklich für Aufsehen gesorgt hatte, schob sie noch nach, dass sie als Feministin allen Frauen empfehle, zu heiraten. Das sorgte dann für den gewünschten, aber kleinen Wirbel.

Laeri trauert.

Gar nicht öffentlichkeitsgeil (Pardon für den sexistischen Ausdruck) ist Ellexx allerdings, wenn es um die Ergebnisse der Geschäftstätigkeit geht. Denn das Geld wurde mit der Prognose eingeworben, dass das Startup 2023 einen Umsatz von 1 Million erreichen werde, 2026 sollte der raketengleich auf 26,3 Millionen hochschiessen. Eine Steigerung von 15’000 Prozent, im Vergleich zu 2022 (trübselige 180’000 Franken).

So viel zu Illusionen (feminin). Der tatsächliche Zustand (maskulin) sieht aber ernüchternd aus. 2023 erreichte Ellexx einen Umsatz von schlappen 300’000 Franken. Hoppla.

Die Handelszeitung fragte nach, und bekam die verblüffende Auskunft, dass die Prognose von einer Million gestützt auf einen Businessplan erfolgt sei, der annahm, dass «Ellexx mit dem Crowdinvesting 3 Millionen Franken erreicht». Nochmal hoppla, also war die Kapitalerhöhung gar nicht so toll wie erwartet.

Ellexx trauert.

Mann kann sich nun schwer zurückhalten, etwas von Frauen und Zahlen zu murmeln. Denn bei halben Einnahmen bedeutet halber Umsatz nach Adam Riese (ein Mann!) 500’000 Franken, nicht 300’000. Da klafft ein Gap von 40 Prozent … Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass dem bescheidenen Umsatz Personalkosten von über einer Million Franken gegenüberstehen.

Das ist doch ziemlich frauenfeindlich, weil es diverse männliche Vorurteile über die Geschäftstüchtigkeit von Frauen bestätigt.

Aber damit nicht genug. Denn auch die Renditen der angebotenen Produkte entwickelten sich unterdurchschnittlich. Der «Ellexx Gender Basket» liegt heute 14 Prozent Prozent unter seinem Ausgabekurs. Dann bietet Ellexx noch ein 3a-Produkt an. Am jährlichen Vergleich der «Handelszeitung» solcher Produkte mochte aber Ellexx nicht teilnehmen. Weil es DER Vergleich ist?

Hier geben die happigen Gebühren von 0,74 Prozent (Total Expense Ratio) zu reden.

Ein wichtiges Element des angekündigten Erfolgs ist die Zahl der AbonnentInnen*_ . Hier bietet Ellexx drei «Membership-Pakete» an. Von 169 Franken pro Jahr (Basic) bis 499 Franken (Supporter).  Aber offensichtlich konnte auch dieses Tool noch nicht so richtig überzeugen; abgesehen davon, dass andere Anbieter ähnliche Dienstleistungen grösstenteils gratis abgeben.

Denn obwohl Ellexx fünfstellige Zahlen von Followern verzeichnet, mochten sich erst genau 1337 Personen (männlich, weiblich, divers, hybrid, trans, whatever) dazu durchringen, ein Abo abzuschliessen.

An Hätscheleien in der woken Gesinnungsblase fehlt es dabei nicht. Laeri tut alles, um immer wieder in die Medien zu kommen. Nadine Jürgensen führt eine Kolumne im «Magazin», wo sie ungebremst Selbstbeweihräucherungen und Massagen des feministisch-genderwahnsinnigen Zeitgeistes veranstalten darf.

Und was fällt Ellexx als Reaktion ein? Der intelligente Leser (auch die Leserin and everybody beyond) muss nicht lange nachdenken: «Gerade der Wirtschaftsjournalismus ist fest in Männerhand. Und es ist nicht so, dass ich viele Sympathiepunkte geniessen würde bei meinen ehemaligen Kollegen. Oft genug habe ich die Ausrichtung des Wirtschaftsjournalismus auf männliche Protagonisten kritisiert. Auch die abgehobene, lösungsferne und nörgelnde Berichterstattung.»

Aha, reiner Sexismus, was denn sonst. Dagegen die bodenständige, lösungsorientierte und faktenbasierte Auskunft auf LinkedIn: «Aber eigentlich wollte ich nur sagen: Läuft bei uns. Besser, als wir uns das je erträumt hätten.» Ähm, Businessplan weit verfehlt, kaum mehr Sprit im Tank, magerer Umsatz, horrende Payroll, flaue Abozahlen? Hallo, Erde an die Mondenden, Rücksturz in die Realität?

Vielleicht bräuchte es da die lenkende Hand eines Spezialisten (männlich). Nein, Scherz, pfuibäh, ZACKBUM schämt sich und ist froh, dass wir vom Gender her neutral sind.

Inflationäres Geschwafel

Teuerung ist ein Thema für Kristallkugel-Gucker.

Lange Zeit war sie weg, dann war sie plötzlich wieder da: die Inflation. Die Teuerung. Die echte und die gefühlte. Die ansteigende, gar die galoppierende. Und damit natürlich die Inflationsangst. Wenn neben der Ukraine und anderen Aufregern noch Platz war, äusserte sich die Journaille dazu ausführlich.

Steigende Konsumentenpreise, steigende Hypothekarzinsen, steigende Mieten, weniger stark steigende Löhne und Zinsen auf Geldanlagen. Wo soll das alles enden, wo geht’s hin, wie geht’s weiter? Droht der Weltuntergang, wird die Inflation auch in der Schweiz zweistellig, wie wirkt sich das auf die Konjunktur aus? Was tun? Welche Art von Hypothek wählen? Lang, kurz, Saron? Wohin mit dem Ersparten? Aktien? Bitcoins? ETF?

Nun ist es so, dass der durchschnittliche Wirtschaftsjournalist bis heute nicht in der Lage ist, in die Zukunft zu schauen. War er noch nie, daher wollen wir es Tamedia ersparen, die rund 150 Treffer zum Begriff «steigende Teuerung» seit einem Jahr durchzugehen. Wir haben schon genug über den «Blick» gelacht.

Aber so sicher wie das Amen in der Kirche ist ein solcher Artikel:

Das könnte daran liegen, dass es bei künftigen Entwicklungen eines Indizes nur drei Möglichkeiten gibt. Er steigt, er sinkt – oder er bleibt unverändert. Ach ja, oder die Erde explodiert, aber dann ist alles egal. Nun könnte man meinen, dass angesichts dieser Verteilung ungefähr gleich viele Ökonomen auf die eine wie auf die andere Entwicklung setzen.

Das ist aber falsch. Interessanterweise gibt es immer eine Mehrheit von solchen Zukunftsguckern, angeführt von der «Konjunkturforschungsstelle KOF» der ETH, die auf das falsche Pferd setzen. Sie prognostizieren mit wissenschaftlicher Überlegenheit, dass beispielsweise die Inflation sinken wird. Während sie dann steigt. Oder umgekehrt. Das Gleiche natürlich auch bei der Konjunkturprognose. Nach der Prognose ist vor der Korrektur der Prognose. Grund: Na, du laienhaftes Dummerchen, das Unvorhersehbare hat mal wieder zugeschlagen.

Nun erklärt Simon Schmid vom «Tages-Anzeiger» recht launig, «warum so viele Ökonomen falsch lagen», was Prognosen über die weitere Entwicklung der Inflation betrifft. Das ist lustig zu lesen; noch lustiger wäre es, wenn er Beispiele aus dem Schaffen seines eigenen Hauses wählen würde. Weniger lustig ist, dass er den eigentlichen Grund für das zunehmende wilde Gerate der Ökonomen nicht nennt: seit der Finanzkrise eins im Jahre 2008 und der anschliessenden turmhohen Staatsverschuldung, für deren hemmungslose Fortsetzung immer neue Gründe gefunden werden (Eurokrise, Covid, Ukraine, Naher Osten), bewegen wir uns in der Finanzwelt auf nicht kartografiertem Gebiet.

Alle Inflationstheorien, die an der HSG und anderen Kraftorten der vermeintlichen Wirtschaftswissenschaft gelehrt werden, sind für den Papierkorb. Haben mit der geldpolitischen Realität nichts zu tun, aber wenn der Professor seine Vorlesung schon seit zwanzig Jahren so hält, will er sich dadurch doch nicht Arbeit aufhalsen.

Daher kommt Schmid am Schluss seiner Ausführungen zur erschütternden Erkenntnis: «Die Geschichte wiederholt sich, trotz aller Warnungen inflationsfürchtender Experten, nicht.»

Nun überlässt es aber der geballte Sachverstand der Wirtschaftsredaktion von Tamedia der SDA, folgendes Phänomen zu schildern: «Festhypotheken sinken auf neues Tief». So was. Das führt natürlich zur drängenden Frage: wie geht’s damit weiter? Darauf hat selbst die SDA nur eine etwas unbefriedigende Antwort: «Wie es 2024 weitergeht, hängt allerdings von vielen Faktoren ab.» Immerhin, ZACKBUM dachte, das hängt einzig und alleine von der Schneehöhe in Andermatt und dem Profil von Winterreifen ab.

Angesichts dieser erschütternden Erkenntnis, die eigentlich einen Wirtschaftsnobelpreis verdient, serviert die SDA eine grosse Portion Geeiertes. Wir lassen es bei einem Mütterchen bewenden:

«Beim Ausblick tut sich Moneyland etwas schwer, denn es gebe viele Faktoren, die die Zinsentscheidung der Schweizer Nationalbank beeinflussen. Daher bestünden grosse Unsicherheiten. Sollte beispielsweise die Konjunktur wider Erwarten deutlich schwächeln, könnte die SNB zu früheren Leitzinssenkungen gezwungen werden. Andererseits seien unerwartete Inflationsschübe mit einer nötigen Straffung der Geldpolitik ebenfalls nicht unmöglich.»

Da war selbst Paul, die Krake, zukunftssicherer und sagte sämtliche Ergebnisse der Fussball-WM für Deutschland richtig voraus.

In diesem «einerseits, andererseits, wobei, wenn nicht, falls, oder doch» setzt der Schluss dann doch noch einen humoristischen Akzent. Aber nur für den Leser, dem die weitere Entwicklung der Inflation eigentlich egal ist:

«Obwohl sich die Inflationsraten in der Schweiz nun schon den sechsten Monat in Folge deutlich unterhalb der von der SNB anvisierten 2-Prozent-Obergrenze befänden, beobachteten die Währungshüter die Entwicklung der Inflation. Es bestünden neben geopolitischen Unsicherheiten weitere Kostentreiber wie etwa Mietzinserhöhungen und Strompreise.»

Das Beobachten des Beobachters beim Beobachten. Könnte fast ein Titel von Handke sein, aber der ist nicht Ökonom, sondern Schriftsteller.

 

Häsler sändelet

Der kälteste (und einfältigste) aller kalten Krieger.

Wenn der Oberst und oberste NZZ-Sicherheitpolitiker Georg Häsler seinen Schreibtisch mit dem Kommandopult eines militärischen Oberkommandos verwechselt, hat der Leser zwei Möglichkeiten. Er lacht sich scheckig – oder ärgert sich schwarz.

ZACKBUM versuchte es bereits mit Ironie: Die NZZ hat schon bessere Samstag-Kommentare gehabt. Dieser hier hisst die weisse Flagge vor Logik oder Verständlichkeit. Dass so jemand als Oberst die Schweiz verteidigen soll, das stimmt nicht gerade optimistisch für die Wehrkraft.

Darüber macht sich allerdings auch Häsler Sorgen: «Die Mittel fürs Militär haben jetzt höchste Priorität». Gut, vielleicht sind das tatsächlich sinnvollere Ausgaben als für Bankenrettungen. Ob allerdings die Schweizer Verteidigungsministerin ihrer Aufgabe gewachsen ist, das wäre dann eine andere Frage. Vielleicht sollte man sie durch Häsler ersetzen (vielleicht ist das auch sein geheimer Wunschtraum).

Aber eigentlich hat er mal wieder Alpträume. Das ist bedauerlich, wieso aber die NZZ-Leser auch darunter leiden müssen? Denn Häsler schaut in die Zukunft, und dabei hat er wohl das ikonische Lied von Leonard Cohen gehört: «I’ve seen the future, baby, and it’s murder».

In der Version von Unke Häsler: «Europa 2030: Im schlimmsten Fall verschmelzen die Konflikte zu einem grossen Krieg». Schon vorher ist allerdings ein schlimmer Fall eingetreten: Häsler bekommt über 10’000 A Platz, um Nitro und Glyzerin zusammenzurühren und dann warnend zu sagen: das ist aber explosiv, bevor es wumm macht.

Oder in seinen banalen Worten: «Es ist Krieg in Europa, aber kaum jemand schaut noch hin. Das ist für die weitere Entwicklung gefährlich.» Die ukrainische Offensive sei zusammengebrochen, analysiert der grosse Sandkasten-Stratege, weil der Westen zu wenig und zu spät Material geliefert habe. Was offenbar – ausser Häsler – keinem der Beteiligten rechtzeitig auffiel. Das ist halt das Schicksal von Sandkastenkriegern: sie wüssten kriegsentscheidende Verbesserungen der Strategie – aber keiner hört auf sie.

Vor allem dann nicht, wenn sie ihren Sandkasten auf die ganze Welt ausweiten. Ukraine in der oberen, rechten Ecke. Dann in der Mitte der Nahe Osten. Rechts unten der Iran, der «ist als machtpolitischer Akteur in die Offensive gegangen». Wieso sagt das niemand dem US-Präsidenten oder der israelischen Regierung?

Man muss eben das Auge für das Wesentliche haben, dann sieht man wie Häsler ganz entscheidende Dinge. Wie was? Wie das: «Im östlichen Mittelmeer standen diesen Oktober für kurze Zeit gleich zwei amerikanische Flugzeugträger nebeneinander.» Zwei. Nebeneinander. Im Stillstand. Wahnsinn. Was sagt uns das? Hm, eigentlich nix.

Aber Wasser ist ein wichtiges Stichwort, selbst im Sandkasten: «Räumlich betrachtet, sind gleich drei Meere – die Ostsee, das Schwarze Meer und das östliche Mittelmeer – Schauplatz einer verschärften Konkurrenz zwischen der Nato, Russland und Iran.» Von den Aspekten des Umweltschutzes ist dabei noch gar keine Rede.

Und was passiert bei uns? Das Übliche, das Traurige, das Schreckliche: «Im Westen zersetzt die Innenpolitik die gemeinsame Widerstandskraft.» Wehrkraftzersetzung wagt Häsler nicht zu schreiben, weil zu angebräunt. Aber meinen tut er genau das.

Dann leidet Häsler darunter, woran alle Zukunftsspäher kranken: «Ob es der ukrainischen Armee gelingen kann, vor dem Frühling die Initiative mit einem militärischen Coup wieder zurückzuerlangen, ist schwer zu beurteilen.» Das ist eben das Blöde an der Zukunft: sie ist so verdammt schwer zu beurteilen, im Gegensatz zur Vergangenheit.

Und was machen die USA? Tja: «Zusätzlich zur militärischen Machtdemonstration legt Washington das ganze diplomatische Gewicht in die Waagschale und versucht auszugleichen.» Ob das gut oder schlecht sei, dazu masst sich Häsler für einmal kein Urteil an. Seltene Bescheidenheit, denn das ist ja nur die Einleitung zu einem Sturmangriff auf die Zukunft: «Die Szenarien, wie sich die Lage unmittelbar entwickeln könnte, müssen laufend geschärft werden. Die folgenden Möglichkeiten sind auf das europäische Umfeld und einen Zeithorizont von zehn Jahren begrenzt».

Immerhin, er beschränkt sich weise, beginnt aber mit einem Schreckensszenario und einem Fremdwort: «Amalgamierung der regionalen Kriege und Konflikte zu einem grossen Krieg autoritärer Kräfte unter der Führung von Russland gegen die Nato.»

Mindestens so schrecklich: «Russland gewinnt: Muss die Ukraine auch nur temporär auf die besetzten Gebiete verzichten, hat sich in Europa die militärische Gewaltanwendung als machtpolitisches Mittel wieder durchgesetzt.»

Am wenigsten schrecklich: «Die Ukraine gewinnt: Das beste Szenario würde die Resilienz der westlichen Welt gegenüber der autoritären Konkurrenz insgesamt stärken.» Resilienz! Leider verzichtet Weltstratege Häsler darauf, etwas militärisch Banales zu tun: was hiesse denn «Ukraine gewinnt» konkret? Rückeroberung aller Gebiete? Inklusive Krim? Da bleibt das Orakel leider dunkel.

Aber dunkle Prognosen sind natürlich immer verfühererischer als helle. Nach kurzem Geeier geht Häsler in die Vollen:

«Im schlechtesten Fall gerät die Lage eruptiv ausser Kontrolle. Eine Eskalation zu einem Grosskrieg, bei dem gleich an mehreren Fronten immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Aggressoren und dem Westen stattfinden, ist denkbar, falls eine der Ereignisketten nicht mehr kontrolliert werden kann. Der Auslöser könnte auch an einer dritten Front stattfinden, etwa durch eine Unabhängigkeitserklärung der serbischen Entität Bosniens oder einen Sabotageakt an einer kritischen Infrastruktur, der eine Strommangellage in Europa verursachen würde.»

Da müssten wir uns warm anziehen; schlimmer noch: «Die europäischen Streitkräfte wären ohne die USA für dieses düsterste Szenario nicht bereit.» Aber schön, dass die USA doch in der NATO sind und damit einen Bestandteil der europäischen Streitkräfte unter einem gemeinsamen Oberkommando bilden.

Nun öffnet Häsler zum Schluss das Kampffeld nochmal ganz weit und schweift in die ferne: «Gerade mit Blick auf die Herausforderungen im Pazifik und die wachsende Konkurrenz mit China sollten auch die Europäer mithelfen, die Konflikte in ihrem Umfeld zu klären.»

Wie das? «Der Einsatz muss erhöht werden, damit ein grosser Krieg verhindert werden kann.» Den Einsatz erhöhen? Sitzt Häsler nun plötzlich nicht mehr vor dem Sandkasten, sondern vor dem Roulettetisch? Alles nur eine Frage des Einsatzes, und «faites vos jeux»?

Es ist alles ja nur eine Spielerei, mit militärischen Ausdrücken garniertes Geplauder über eine Zukunft, die so sein könnte. Oder ganz anders. Oder wie auch immer. Schwarz gewinnt. Oder Rot. Oder Zero. Die Kugel rollt, und niemand kann sie aufhalten. Was für ein gequirlter Nonsens, den die NZZ hier ihren Lesern serviert.

Wumms: Kurt W. Zimmermann

Der Altstar der Medienkritik im Hoch.

Das nennt man einen Volltreffer. In seiner Medienkolumne in der «Weltwoche» veröffentlichte Kurt W. Zimmermann Tabellen, mit denen er auf zwei Probleme hinweisen konnte. Das erste: SRF Meteo veröffentlicht regelmässig Prognosen, die bis zu acht Grad oberhalb der tatsächlich gemessenen Temperaturen liegen. Wobei alle Fehler ausschliesslich Ausreisser nach oben sind, niemals prognostiziert SRF Meteo zu niedrige Temperaturen.

Um dem Argument von Vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen, dass es halt schwierig sei mit Prognosen, vor allem, wenn sie die Zukunft beträfen, stellte Zimmi den Fehlprognosen die Vorhersagen von zwei Konkurrenten gegenüber. Den kleinen Anbieter Kachelmannwwetter und die internationale Benchmark Weather Channel. Und siehe da: die lagen viel näher im Streubereich der Wirklichkeit. Entweder Volltreffer oder so ein, maximal zwei Grad daneben. Nach oben oder nach unten natürlich.

Zunächst unterschätzte SRF Meteo das Problem sträflich. «Weltwoche», SVP, typisch, absurd, Wahlkampfgedöns. Denn Zimmi hatte auch insinuiert, dass es vielleicht der klimabesorgten SRF-Crew durchaus zu pass käme, wenn die Temperaturen immer viel zu hoch angekündigt werden.

Nachdem Oberwetterfrosch Thomas Bucheli das als Unterstellung und als «absurd vehement» zurückgewiesen hatte, meinte er offenbar, damit sei’s abgetischt. Als merkwürdige Erklärung führte er an, dass halt ein saukomplizierter Algorithmus, der die Prognosen berechne, bei Hitzewellen zum «Überschiessen» neige.

Anschliessend machte sich der «Tages-Anzeiger» lächerlich, indem er ausführlich die furchtbar schwierige und komplizierte Herstellung von Temperaturprognosen nachzeichnete und erklärte, dass jegliche Kritik an Fehlprognosen nur von Laien geäussert würde, die halt nicht drauskämen.

Zuvor hatte Bucheli endlich den Ernst der Lage erkannt und sich zu bester Sendezeit bei seinem Publikum zerknirscht für die Fehlprognosen entschuldigt. Ohne von seiner dünnen Verteidigungslinie abzuweichen, dass das halt wahnsinnig schwierig sei, man an einer Verbesserung arbeite, aber das dauere halt.

Sowohl Bucheli wie der «Tages-Anzeiger» schielten am grossen Elefanten vorbei, der hier im Wetterraum steht. Wenn das so wäre, wieso schaffen es dann die beiden Konkurrenten problemlos, viel genauere Vorhersagen zu liefern? Und wieso übernimmt SRF Meteo dann nicht einfach von denen die Prognosen? Problem gelöst.

Aber nicht mit Bucheli. Deshalb hat Zimmi in der «Weltwoche» nachgelegt. Mit einem «grossen Wetterquiz». Das ist echt lustig. Zimmi nahm die Prognosen von SRF Meteo vom nächsten Tag, verglich sie mit den dann tatsächlich gemessenen Temperaturen und hatte die «WeWo»-Leser eingeladen, auch Prognosen abzugeben.

Die Resultate sind ernüchternd, aber immerhin eine neuerliche kalte Dusche für die wohlbestückte und -bezahlte Wetter-Crew des Schweizer Farbfernsehens, das auch hier zeigt, dass es viel Geld für zu wenig Leistung verbrät:

Der Hammer ist diesmal Montpellier. Bucheli & Co. sagten schweisstreibende 38 Grad voraus. Die gemittelten Prognose der WeWo-Leser lag mit 32 Grad auch noch zu hoch. Denn es waren gemessene 28 Grad. Damit stellte SRF Meteo einen neuen Sommerrekord auf. 10 Grad daneben!

Zimmi hat noch weiter ausgewertet. Bei diesen fünf Destinationen sagte SRF Meteo zusammen 28 Grad zu hohe Temperaturen voraus. Dagegen lagen die Leser mit insgesamt 6 Grad Abweichung nach oben durchaus kompetent im Rennen.

Daher kommt Zimmi zu einer logischen Schlussfolgerung, bzw.:

«Unser Angebot deshalb: Die Weltwoche übernimmt den Wetterbericht von SRF gemeinsam mit ihren Lesern. Wir machen das zur Hälfte der Millionen, die für das fünfzehnköpfige Team von «SRF Meteo» plus Produktionskosten anfallen. Das TV-Wetter wird damit nicht nur deutlich billiger, sondern auch deutlich besser.»

Das wäre tatsächlich ein sinnvoller Beitrag, die Halbierungsinitiative schon im Vorfeld umzusetzen. Besser und billiger, was will man mehr?

Ist Putin am Ende?

Wie man sich in einem Tag lächerlich machen kann.

Manchmal überstürzen sich die Ereignisse, aber publiziert ist publiziert. Und solche Dümmlichkeiten bleiben dann für alle Zeiten elektronisch gespeichert.Der einzige Vorteil der Hersteller: übermorgen interessiert das schon keinen mehr. Die einzige Frage: wieso fahren die fort, zu publizieren? Denn spätestens in einer Woche ist auch das vorbei, was sie übermorgen schreiben.

Diese Variante der drôle de guerre in Russland erwischte viele Russlandkenner, Experten und Militärstrategen völlig auf dem falschen Fuss. So fragte Albert Stahel auf «Inside Paradeplatz» bang: «Stürzt Putin? Was dann?» Nur einen Tag später kann man ihn beruhigen. Putin stürzt nicht. Jedenfalls nicht so schnell.

Ganz speziell lächerlich macht sich ein Editorial-Schreiber einer niedergehenden Sonntagszeitung. Er ruft «Das Ende der Putin-Versteher» aus. Dabei ist er der Einzige, der mal wieder nichts versteht. Aber wir wollen ja seine Ergüsse weiträumig umfahren.

Das gilt auch für den «Chef Recherche» des «Blick». Erstens ist er Chef ohne Indianer, zweitens kann er nicht recherchieren und findet nicht mal das Büro eines Internetradios. Stattdessen sorgt er dafür, dass sich ein weiterer «Russland-Kenner» lächerlich macht. Der «renommierte Russlandkenner» Ulrich Schmid orakelte am Samstag: «Die Stellung Putins ist sicher gefährdet. Sein Auftritt am Samstagmorgen zeigt, dass er nicht mehr Herr der Lage istEberhard sekundiert: «Wird es dereinst zur Schlacht um die Hauptstadt kommen? – Das halte ich für unwahrscheinlich. Doch allein die Tatsache, dass man sich in Moskau auf dieses Szenario vorbereitet, zeigt, wie verzweifelt die Lage im Kreml sein muss. Das Eingeständnis einer tiefgreifenden Schwäche. Damit ist auch Putins eigene Position grundlegend ins Wanken geraten.»

Wir wischen uns die Lachtränen aus den Augen und gehen zum Kompetenzzentrum «Tages-Anzeiger», Pardon, Tamedia, na ja, was auch immer, weiter. Die leiht sich natürlich ihr Meinung von der «Süddeutschen Zeitung», Auslandchef Münger ist wohl wie meist in den Ferien. Also kommentiert Tomas Avenarius: «Aufstand in Russland: Prigoschins Coup könnte zur Katastrophe werden

Zur Katastrophe wird allerdings nur die prognostische Fähigkeit von Avenarius: «Sollte Prigoschin Hintermänner in der Armeeführung haben, wäre sein vermeintlicher Alleingang keine Meuterei eines einzelnen Kommandeurs gewesen, sondern das Vorspiel zu einem waschechten Militärputsch.»

Auf der sicheren Seite ist der SZ-Autor allerdings, wenn er einen tiefen Blick in der Zeit zurück auf den russischen Bürgerkrieg nach der Machtergreifung der Bolschewiken unter Lenin wirft. Nur: das ist eigentlich alles seit 1922 bekannt. Aber schön, dass man es nochmal lesen darf.

Ganz, ganz weit aus dem Fenster lehnte sich auch Zita Affentranger: «Die Wagner-Söldner könnten am Abend Moskau erreichen. Für den russischen Präsidenten naht jetzt die Stunde der Wahrheit: Er muss die Aufständischen stoppen.»

Damit ist aber schon die Work Force von Tamedia (oder wie immer das heisst) erschöpft. Daher kommt auch noch SZ-Autorin Sonja Zekri zu Wort. Sie betrachtet die Lage aus der Sicht der Ukraine und behauptet: «Viele Ukrainer setzen seit Langem auf einen Zerfall Russlands. Eine fragmentierte, vielleicht in Bruder- oder Diadochenkämpfe verstrickte Nach-Putin-Landschaft werde keine Kapazitäten mehr für Überfälle auf Nachbarstaaten haben. Einige gehen noch weiter: Der russische Bezirk Krasnodar, so rechnen sie vor, gehöre eigentlich zur Ukraine. Die Zeit werde kommen, ihn zurückzuholen.»

Welche Bewohner eines Wolkenkuckucksheim, wenn Zekri das nicht einfach so vor sich hinplaudert. Wenn es um Fehlanalysen geht, darf natürlich auch Stefan Kornelius nicht fehlen: «Sein Machtgeflecht kollabiert, der Aufstand Prigoschins gegen die Armeeführung richtet sich in Wahrheit gegen den Präsidenten. Nun zerfällt der von Putin geschaffene Sicherheitsapparat.»

Etwas gelassener – wie es sich gehört – nimmt’s die NZZ: «Der Machtkampf in Russland eskaliert: Wagner-Chef Prigoschin wagt den bewaffneten Aufstand gegen die russische Armeeführung». Dabei weiss Markus Ackeret in Moskau, unterstützt von der DPA: «Prigoschin hat sich offenbar zum «letzten Kampf» entschlossen. Eine Möglichkeit des Rückzugs gibt es nach seinen Äusserungen, den Handlungen seiner Truppe und der Reaktion der Strafverfolgungsbehörden darauf kaum noch.»

Wir wischen uns wieder die Lachtränen aus den Augen und schalten um zu CH Media. Auch sie montiert einen «Russland-Experten» den «Politanalyst Alexander Dubowy». Der Österreicher analysiert messerscharf: «Russland steht an der Schwelle zum Bürgerkrieg … Es handelt sich tatsächlich um einen Militärputsch … Wenn er (Prigoschin, Red.) überleben will, bleibt ihm keine andere Wahl als anzugreifen. Wagner wird versuchen, schneller nach Moskau vorzudringen und einfach sehen wie weit sie kommen.»

Da steht zu befürchten, dass Dubowys Karriere als «Russland-Spezialist» zumindest in der Schweiz relativ schnell ihr Ende findet.

Ist es nicht ein wenig unfair, mit dem Wissen im Nachhinein all diese aufrechten Unken in die Pfanne zu hauen, die doch auch nur den feuchten Finger in die Luft halten können?

Nein, ist es nicht. Denn vor allem als Kenner oder Forscher oder Spezialist sollte man wissen, wann eine Lage so unübersichtlich ist, dass man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollte.

Natürlich kann die Spekulation nun munter weitergehen. War das alles ein abgekartetes Spiel? Konnte Prigoschin deswegen Rostow so leicht erobern? Ging es einfach darum, ihn elegant aus dem Spiel zu nehmen und ins Exil zu schicken? Würde Lukashenko irgend etwas ohne engste Abstimmung mit Putin tun? Man weiss es nicht.

Deshalb dürfen sich all diese Kenner und Orakel weiterhin lächerlich machen. Ganz schlau geht da schon mal ein «Spiegel»-Kommentator voran: «Prigoschin hat nicht gewonnen. Aber Putin hat trotzdem verloren». Wir wischen uns nochmals die Lachtränen aus den Augen.

 

 

Der Sonntag als Panoptikum

Ach, es ist ein Graus, wenn man samstags wissen sollte, was sonntags passiert …

Die NZZaS schmeisst ihre Front-Aufmachung mit Anrissen oben über Bord, riskiert stattdessen einen scharfen Titel – und verschwendet viel wertvollen Platz mit einer drittklassigen Illustration mit einer visuellen Hammeridee.

Dabei könnte man doch diese Nonsens-Idee des NZZaS-Kriegsexperten Markus Bernath auch auf die CS anwenden:

Man fragt sich wieder einmal, wie verzweifelt eine Redaktion sein muss, um auf die ewige Frage: «und was machen wir zur Ukraine», zu dieser selten dämlichen Antwort zu kommen.

Für den definitiven Blick in die Zukunft hat sich die «SonntagsZeitung» Samstagnacht entschieden:

Gut, die Aussage kann man wohl riskieren, so wie’s am Sonntag aussah. Aber «die Fusion des Jahrhunderts»? Echt jetzt? Die noch geradeaus laufende Schweizer Grossbank UBS kriegt die abgewirtschaftete, von einem selten unfähigen Management an die Wand gefahrene CS aufs Auge gedrückt und bedingt sich dafür Milliardengarantien des Staates aus – denn wer weiss denn, wie viele Leichen noch im Keller der CS schlummern – das soll eine Jahrhundertfusion sein?

Nein, das ist wenn schon ein Jahrzehnteskandal, eine unglaubliche Schweinerei. Die vor allem darin besteht, dass alle Schuldigen, von Urs Rohner abwärts, völlig ungeschoren und haftungsfrei davonkommen werden. Multimillionen kassiert, Multimilliarden an Boni ausgeschüttet, von Skandal zu Skandal, von Busse zu Busse, von Schadenersatz zu Schadenersatz gewankt, ohne Strategie, ohne Perspektive, ohne Plan, ohne nix. Und dann dürfen andere die Scherben zusammenlesen.

Eher bedeckt hält sich der «SonntagsBlick»:

«Müssen antraben», das ist die alte Boulevard-Formel, wenn man eigentlich nichts Genaues weiss, aber so tun will, als könne man unter dem Konferenztisch sitzen und Mäuschen spielen.

Aber natürlich lässt sich auch ZACKBUM nicht weiter auf die Äste raus; als dieser Artikel von der Chefredaktion abgenickt wurde, nach dem Korrektorat in die Produktion ging und schliesslich vom Webmaster online gestellt wurde, wusste man auch noch nichts Genaueres.

Aber es ist ZACKBUM gelungen, weltexklusiv einen kurzen Ausschnitt der Verhandlungen abzuhören. Wir hoffen, uns damit keinem Amtsgeheimnisverrat schuldig zu machen. Wir konnten die meisten Stimmen identifizieren

Alain Berset: «Je ne comprend rien. Soll isch nun mein Schwarzgeld bei der CS abziehen oder nischt? Nein, kleine Scherz, n’est pas.»

Axel Lehmann: «Wenn der nochmal was fragt, dann flippe ich aber völlig aus.»

Ulrich Körner: «Denk an deinen Blutdruck, steht eigentlich ein Notfallarzt bereit

Karin Keller-Sutter: «Dass so ein Scheiss ausgerechnet jetzt passieren muss, wo ich mich doch noch einarbeite.»

Thomas Jordan: «Ich schlage vor, dass man die Sache dem Fachmann überlässt, also mir. Wenn mir nicht ständig reingequatscht wird, habe ich in einer Stunden einen ersten Vertragsentwurf.»

Berset: «Je ne comprend …»

Alle übrigen Stimmen im Chor: «Schnauze, tais-toi, der soll sich doch mit der Ukraine beschäftigen …»

Hier bricht die im Übrigen erfundene Aufzeichnung ab.