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Lauter Lämpels

Tamedia ist voll von Oberlehrern. Angeführt von einer Plappertante.

Ehre, wem keine gebührt, oder zumindest Ladies first: Jessica Peppel-Schulz (oder ihr Avatar oder eine Sprechpuppe) hat dem österreichischen «Standard» ein Interview gegeben. Zwei Jahre Sabbatical, dann seit zwei Jahren CEO von Tamedia. Mancher fragt sich: wieso dieser Aufstieg? Das lässt sich nur damit erklären, dass der unkaputtbare Big Boss Pietro Supino keine Kompetenz-Konkurrenz möchte. Und da liegt die Latte ziemlich tief.

Die Frage hingegen, wo genau der Unterschied zwischen Sabbatical und Leitungsfunktion sei, zeugt von abgrundtiefem Sexismus und Misogynie, was ZACKBUM aufs schärfste verurteilt.

Peppel-Schulz verschmäht ihre eigenen Blätter und weicht nach Wien aus. Zum Einstieg versucht sie, witzig zu sein. So auf der Ebene von Arrigoni: «Als gefühlte Schweizerin tröstet mich immerhin: Wir sind bei der Fußball-WM weiter gekommen als andere. Aber im Ernst …» Im Ernst gesteht sie unbekümmert ihr Versagen: «Von vier Schweizer Franken Werbespendings gehen drei an die großen Tech-Plattformen.» So ein knackiges englisches Wort, wofür es problemlos auch ein deutsches gäbe – das macht das Bullshit Bingo des Managergequatsches aus.

Dazu gehört auch, Fake News zu verbreiten: «Unser digitales Werbegeschäft ist 2025 um 30 Prozent gewachsen – in einem Markt, der insgesamt schrumpft.» Display-Werbung ist in der Schweiz 2025 um 0,6 Prozent – gewachsen. Das hat auch damit zu tun, dass Google Änderungen an der Erfassung von Search-Werbung vorgenommen hat, sonst wäre das gemessene Wachstum noch stärker.

Das ist nur die Einleitung zum richtigen Hammer: «Aber strategisch zählt für uns nur eines: das Abonnement.» Ergänzt mit: «Wir hängen noch zu mehr als 85 Prozent von Print-Einnahmen ab.» Bei Tamedia. Bei TX stammen inzwischen zwei Drittel des Konzernumsatzes aus digitalen Geschäften.

Bei Ringier sieht es so aus, dass inzwischen 83 Prozent des operativen Gewinns aus dem Digitalgeschäft stammen. Werbung insgesamt (digital und Print) machen 82,5 Millionen des Gesamtumsatzes aus, «digitale Aktivitäten» insgesamt dagegen 459,4 Millionen. Print-Abos dürften noch für rund 130 Millionen Franken zuständig sein. Tendenz abnehmend.

Tagianer, fürchtet euch, oder sagten wir das schon? Im September läuft die Beschäftigungsgarantie für die überlebenden Journalisten ab. Und wie soll’s denn in die Zukunft gehen, mit dem einzigen Zähler Abo? Da läuft das Bullshit Bingo zu Höchstformen auf:

«Journalismus muss serviceorientierter, alltagstauglicher sein. Er muss unterschiedliche Perspektiven anbieten – «vielstimmig statt eintönig» ist der Claim unserer aktuellen Werbekampagne. Wir müssen Lokaljournalismus neu denken. Denn wenn wir die regionale, die lokale Geschichte nicht erzählen, erzählt sie niemand.»

Toll, also mehr Power ins Regionale? Jein, also eigentlich nein, aber dann doch irgendwie ja:

«Das heißt jetzt nicht, dass wir neue Regionalredaktionen eröffnen. Wir können nicht mehr in Büros denken und investieren, wir investieren in Reichweite vor Ort. Nähe zu den Menschen, das schafft Vertrauen – ergänzt um Hyperlokalität mithilfe von KI, die uns hilft, auch kleinste Gemeinden abzudecken, die wir mit klassischen Redaktionsstrukturen nie erreicht hätten.» Hä?

Und wie wirkt sich die nächste Qualitätssteigerung durch Rausschmeissen aus, wie das die journalistische Leiter nach unten Simon Bärtschi formulieren würde? «Das Medienunternehmen verändert sich dynamisch weiter. Und wer das ehrlich sagt, kann keine absoluten Garantien über die Zukunft geben. Was ich aber versprechen kann: Unser Fokus liegt klar auf Wachstum mit wirtschaftlich nachhaltigem, unabhängigem Journalismus», plappert Peppel-Schulz.

In Wirklichkeit liegt der Fokus auf penetranter Belehrung und eintöniger Rechthaberei, übernommen zu grossen Teilen aus München. Aber auch die wenigen Wortmeldungen aus dem Glashaus an der Werdstrasse kommen im Lehrer-Lämpel-Gestus daher. So schurigelt «Sportjournalist» Thomas Schifferle: «Infantino wird immer dreister – Europa muss ihn endlich stoppen». Los, marsch, Europa, tu endlich was. Damit sich Schifferle befriedigt zurücklehnen kann:

«Ach!“ spricht er, „die größte Freud
Ist doch die Zufriedenheit!“
Wilhelm Busch

Ganz anders gestimmt ist die SZ-Unke Hubert Wetzel. Er tut wieder  das Unglaubliche: «Trump tut im Ukrainekrieg doch noch das Richtige». Da wird Trump aber aufatmen und ZACKBUM fragt sich, ob das auch mit der Hitze zu tun haben könnte. Allerdings, da der Irre im Weissen Haus seine Positionen schneller wechselt als seine Bräunungscreme, kann es wieder passieren, dass Wetzel diesen hier macht:

Wer soll nun für Lämpel leiten
Seine Amtestätigkeiten
Wilhelm Busch

Die Wirklichkeit wäre dann sozusagen Max & Moritz, und die spielt Arrigoni, Supino, Peppel-Schulz, Bärtschi, Schiferle und Wetzel ständig böse Streiche. Das Sextett eint dabei eines: sie tun ihr Mögliches, den Journalismus aus dem Hause Tamedia abzuschaffen.

Täglich kläglich

Was kriegt man beim «Tages-Anzeiger» für Fr. 4.60?

Man bekommt 30 Seiten bedrucktes Papier. Schweifen wir kurz in die Vergangenheit. Im Jahr 2000 waren es noch 60 bis 80 Seiten, für Fr. 2.20. 2010 immerhin noch 50 – 70 Seiten für 3 Franken. Das hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass die Rubrikenmärkte (Stellen, Immobilien, Autos) Bestandteil der Print-Ausgabe waren.

Oder das Elend in anderen Worten: Die verkaufte Auflage sank seit 2000 um Zweidrittel, der durchschnittliche Umfang halbierte sich fast, während sich der Einzelverkaufspreis verdoppelte. Kein anderes Produkt am Markt hat einen ähnlichen Wahnsinn veranstaltet. Wer das als Manager zu verantworten hat, sollte vor Scham rot anlaufen und sich peinlich berührt Asche aufs Haupt streuen. Nicht wahr, Herr Pietro Supino.

Aber zurück zum aktuellen Elend. So sieht das verlockende Angebot auf der Front aus:

«Die Hitze wird zum Stromproblem», will der grüne Tagi seine Leser ängstigen. Dazu ist ein Foto des Grimselsees gestellt, der sei «wegen der Trockenheit weniger gefüllt». Hier handelt es sich um eine Tautologie. Die Aussage ist so sinnentleert wie: Der Grimselsee ist wegen der Schneeschmelze mehr gefüllt.

Als Textaufmacher meldet sich Isabel Strassheim zu Wort: «Wer wenig verdient, leidet häufiger an Krankheiten». Sie schreibt dafür eine «Analyse der Krankenkasse Helsana» ab. Das ist die Strassheim, die für einen der peinlichsten Flops des Tagi in der jüngeren Geschichte verantwortlich ist. Sie gehörte übrigens auch zu den Unterzeichnern des Protestbriefs von erregten Tamedia-Frauen, die sich über eine angeblich sexistische und demotivierende Arbeitsumgebung beschwerten. Kein einziger der anonymen Vorwürfe konnte anschliessend verifiziert werden.

Nicht zu vergessen die Lockangebote «Kultkellnerin», «Käse mit Salmonellen» oder «Gewaltiger Kurssturz bei Elon Musks Spacex». Riecht alles nach eingeschlafenen Füssen in ungewaschenen Socken.

Auf Seite zwei dann die grosse Recherche. Also zumindest ein grosses und aussagekräftiges Bild:

Allerdings: Der Autor Jens Flottau hat seinen Schreibtisch in München bei der «Süddeutschen Zeitung». Aber immerhin, daneben eine Spalte: «Bund will höhere Mindestfranchise». Selbstgebastelt. Fast: «Mit Material der SDA».

Dann der Brüller: «Verdorbener Käse: Wie eine Salmonellenwarnung des Bundes tagelang verzögert wurde». Heisser Scheiss – oder Uraltstory von Ostern dieses Jahres.

Dann ein kleiner Scherz zur Erheiterung des Lesers (und mangels Inseraten):

«Mehr lesen» bei geschrumpften Umfängen. «Mehr wissen» bei zum Skelett abgemagerten Redaktionen. «Mehr verstehen» bei ständigen besserwisserischen Belehrungen. Super-Kampagne.

«International» wird von der Unke Hubert Wetzel, im Solde der SZ, bestritten. Für deutsche Leser mag ein Porträt über die Aussenbeauftragte der EU durchaus von gewissem Interesse sein. Aber für Eidgenossen? Die interessiert hingegen sicher brennend, was der Deutschland-Korrespondent Simon Widmer aus Berlin zu vermelden hat, der schwitzend gegen das Sommerloch anschreibt: «Kein Deutsch, kein Zutritt ins Freibad» von Halle. Da kann man natürlich Diskriminierung vermuten – oder einfach das Walten des gesunden Menschenverstands, dass wer die Warnhinweise nicht lesen oder verstehen kann, gefährdet ist.

Dann ist wieder die SZ dran, Urunke Peter Burghardt aus Washington arbeitet sich an seinem zweitliebsten Feind ab: « J.D. Vance – der Konvertit, der den Papst belehrt». Weiter mit SZ-Autoren: «Zum Teil kennen nicht einmal die Partner sexuelle Fantasien. Aber Open AI schon». Sex sells, sagt sich auch der Tagi.

Wir kommen zum Thema Inzucht. In den «Buchtipps im Juni» lobt Tamedia-Redaktorin Nora Zukker ein Werk des ewigen Tamedia-Kolumnisten Max Küng über den grünen Klee («herrliche Beziehungssatire»). Ob er sie auch im Auftrag eines Möbelhauses geschrieben hat, ist hingegen nicht bekannt. Alexandra Kedves, wir ersparen uns frauenfeindliche Bemerkungen, legt dem multilingualen Leser tatsächlich ein Frauenbuch auf Englisch ans Herz. Gibt ja nicht genug Neuerscheinungen auf Deutsch. Au weia.

Lokales, auch hier zwei Aufreger: «Wer trägt die Schuld am Tod des Teenagers?» und «Restaurant Belvoirpark schliesst schon wieder – zwei Jahre früher als geplant». Übrigens trägt niemand eine Schuld, und das Restaurant ist bereits seit Mai geschlossen. Schnarch.

Wollen wir noch die Meldung erwähnen: «Lamborghini geht in Flammen auf»? Oder lieber nicht.

ZACKBUM fasst zusammen. Was bekommt der Konsument für Fr. 4.60? Fremdleistungen, Deutsches, Langweiliges und Verschnarchtes. Was bekommt er also? Ein klägliches Nachtschattengewächs im Vergleich zum früheren, dickeren und nur mit Eigenmitteln (abgesehen von SDA und so) hergestellten Tagi.

Weniger, schlechter, dafür teurer. Wer das für ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell hält, ist mit dem Klammerbeutel gepudert.

Nicht komisch

Tamedia spart jetzt auch beim Humor.

Felix Schaad war seit 1999 für den «Tages-Anzeiger» am Zeichenstift. Sicher ist ihm nicht immer alles gelungen. Und so jemanden wie Nico (ältere Semester erinnern sich) findet man halt auch nicht alle Tage.

Nun ist der Karikaturist in die wohlverdiente Pensionierung abgeschwirrt. Und der 36-jährige Marco Arrigoni übernahm ab 1. April ohne Scherz. In einem 50-Prozent-Pensum, also sozusagen als halbe Portion.

In seinem Werdegang werden Highlights wie Mitarbeit bei der schnarchlangweiligen Late-Night-Show «Deville» und verschiedene Satire-Formate in der Schweiz und in Deutschland aufgeführt.

Allerdings würde selbst Ex-Bundesrat Johann Schneider-Ammann über das Schaffen von Arrigoni niemals sagen: «Rire c’est bon pour la santé». Denn bei dem gibt es wirklich nichts zu lachen, hat der arme Leser nichts zu lachen.

Oder anders formuliert: ein unbeholfener Zeichnungsstil paart sich perfekt mit holprigen Scherzen. Dazu müssen wir nun ein paar Bildzitate bringen:

«Er hat eins an der Glocke»? Man kann etwas an die grosse Glocke hängen (was man bei diesem Schwachscherz unterlassen sollte), man kann jemandem eins auf die Glocke hauen, man kann die Glocke von Friedrich Schiller zitieren oder man kann eins auf die Glocke kriegen. Aber man hat eins an der Waffel. So viel zum Inhalt. Zeichnerisch ist zu sagen: das Strichmännchen links soll Präsident Trump sein, das Strichmännchen rechts König Charles.

Oder dieser hier:

Öhm. Also links, das soll offenbar eine Urinprobe sein. Die bis heute für Dopingtests verwendet wird. Und rechts der Laufschuh des Marathon-Manns. Ist der nun gedopt? Wird der Schuh auf Doping untersucht? Wieso ist nun Material entscheidender als Urin? Sicher kein Spitzenwitz über den Spitzensport. Dafür garantiert ungedopt.

Aller schlechten Dinge sind drei, noch einer:

Der dunkelbraune Fleck hinten soll offenbar ein Wal sein. Der obere Nacktschwimmer mit falsch angesetztem Arm soll Präsident Trump sein, der untere mit deutlich verkürzten Beinen der abgewählte Ministerpräsident Orbán. Soweit ist das Bilderrätsel entschlüsselbar. Nur: der Witz ist wohl abgesoffen, vom Wal verschluckt worden, laut schreiend aus der Malträtur – eine Karikatur kann man das nicht nennen – geflohen.

Geht da doch noch einer, ist eine Absenkung – eine Steigerung kann man das nicht nennen – möglich?

Dankää, sagt da verständnislos der Bündner, was soll da komisch sein? Die beiden Schweine oder Rinder mit draufgepappten langen Hörnern vorne sollen wohl Steinböcke sein. Und wo soll da ein Bancomat explodieren, mitten in der Pampa oder im Wald?

Nun wird nicht jeder als Gary Larson geboren Oder als Luis Murschetz oder F.K. Wächter. Von Daumier, Hogarth,  Disteli oder Leiter ganz zu schweigen.

Aber das hier?

Das ist die Errichtung einer humorfreien Zone mit Zeichnungen auf Kindergartenniveau. Da vergisst jemand ständig, einen Scherzkeks zu frühstücken.

Dabei wäre die Lösung ganz einfach und auf der Hand liegend. Zudem ganz im Sinne von Big Boss Pietro Supino. Denn wenn immer mehr Artikel – so sie nicht von der Süddeutschen übernommen werden – mit KI hergestellt werden, wenn KI nun auch die Moderation von Leserbriefen übernimmt, wieso dann nicht KI als Karikaturist?

Schlechter kann’s ja wohl nicht werden, besser alleweil. Und, lieber Herr Supino, aufgepasst, es wäre kein 50-Prozent-Job. Sondern 100 Prozent gratis!

Die KI-Karikatur über dem Artikel ist vielleicht nicht oberste Liga. Aber zeichnerisch und inhaltlich allem hier Gebotenen haushoch überlegen.

Die Tages-Anzeigerin reloaded

Oder der Mief-Tages-Anzeiger als Frauenversteher.

Ein längst verglühtes Sternchen am Tamedia-Himmel gab mal die «Tages-Anzeigerin» heraus. Frauen haben’s bis heute nicht leicht:

Es gibt nun auch ein «Gender Sleep Gap». Aber dafür müssen sich (die meisten) Frauen nicht rasieren.

Frauen haben’s nicht leicht:

Gut, der Wal Timmy (Kosename «Hope») hat’s auch nicht leicht.

Allerdings hätte ZACKBUM nie gedacht, dass ausgerechnet Meret Schneider einmal die einzige weibliche Stimme der Vernunft im Tagi sein könnte:

Frauen haben’s nicht leicht, und Männer sind Schweine:

Wie gut, dass sie Unterstützung von gewichtiger Stelle haben:

Für die Influencerinnen, die Opfer von Deepfakes geworden sind, wirft sich Raphaela Birrer mit der ganzen Kraft ihrer argumentativen Fähigkeiten in die Schlacht:

««Diese Männer sind das Problem, nicht wir», sagen sie und erinnern mit dieser selbstbewussten Haltung an die dutzendfach vergewaltigte Gisèle Pelicot.»

ZACKBUM-Autor René Zeyer hat ja schon Schreibverbot im Tagi, aber nach einem dermassen geschmacklosen Vergleich würde er es für sich selbst fordern. Und wenn Birrer schon in die falsche Richtung galoppiert, dann richtig: «Von Fernandes sind zahlreiche Deepfake-Pornos im Umlauf.» Sie hat dabei indirekt ihren Ex-Mann beschuldigt, der streitet aber die Herstellung nachdrücklich ab. Also wohl mal in erster Linie Bestandteil von üblen Post-Scheidungs-Nachwehen.

Daher fordert Birrer nun gesetzliche Massnahmen, was sonst. Denn falls nicht: «Handeln wir nicht, senden wir als Gesellschaft ein fatales Signal: Es ist irgendwie in Ordnung, aus realen Frauen virtuelle Sexmaschinen zu machen.»

Man fragt sich bei solchem Gebrabbel schon, was Birrer dazu qualifiziert, Chefredaktorin zu sein. Ausser ihrem Frausein. Man fragt sich als Mann auch: gibt es eigentlich solche Deepfakes nur von Frauen? Ausschliesslich? Ach so, Männer sind ja Schweine, da macht da nix bei ihnen. Keanu Reeves und andere sollen sich nicht so haben und das Feld den protestierenden Frauen überlassen.

ZACKBUM hält zu Gnaden: es gibt auch Männer mit Problemen.

Nicht nur Frauen können sich ausheulen, das können auch Männer.

Die haben dann noch ganz andere Probleme:

Aber da spricht wieder niemand vom «Gender-Prostata-Gap». Das interessiert die weibliche Sicht der Tages-Anzeigerin halt nicht, weil Frauen keine haben.

Und last, but not least, dieser Mann hat dann wirklich ein Problem:

«Es war der schmerzhafteste Stierangriff meines Lebens», soll der Torrero im Spital gesagt haben. Tja, wenn der Stier den Spiess umdreht, nicht wahr.

So nebenbei, niemand konnte das schöner beschreiben als Ernest Hemingway. Wer’s unter unseren gebildeten Lesern nicht kennt: «Tod am Nachmittag». Wie schreibt er da so richtig: «Es gibt keinen großen Stierkämpfer, der nicht früher oder später aufgespiesst wird.» Gut, es sind dann doch 544 Seiten in der Rowohlt-Ausgabe, dafür aber auch mit 81 Fotos.

Das alles findet sich am 21. April 2026 auf der Homepage des Tamedia-Kopfblattsalats. Natürlich ohne Hemingway. Als hätte Mattea Meyer den Startschuss gegeben, dass eigentlich nur noch gejammert, gelitten und geblubbert werden soll. Das Schicksal eines verpeilten Wals, der ums Verrecken nicht in tiefere Gewässer schwimmen, aber auch nicht abkratzen will, interessiert mindestens so wie die neusten Entwicklungen in der Prostatakrebs-Früherkennung oder der neu entdeckte «Gender Sleep Gap».

Und Opfer, das ist mal klar, sind ausschliesslich Frauen. Oder Wale. Wobei Timmys Geschlecht nicht bekannt ist (die Bestimmung soll bei Walen auch ziemlich tricky sein). Aber typisch männliche Weltsicht, DER Wal ist ein Er …

Das grösste Opfer ist und erbringt aber der Leser, gleich welchen Geschlechts. Der soll sich um das Schicksal von sogenannten Influencern bekümmern und zur Kenntnis nehmen, dass Deepfakes ausschliesslich mit Frauen hergestellt werden, die zu «virtuellen Sexmaschinen» gemacht würden.

Zugegeben, wir wiederholen uns, aber wir sind ja auch männlich: so fährt sich dieser Kopfblatt-Salat selber gegen die Wand, erfüllt Pietro Supinos grössten Traum: dass er sich endlich von diesen Print- und Newsmedien verabschieden kann. Denn Phantom-News führen zum Ableben, und es bleibt nur ein Phantomschmerz.

Tamedianer, fürchtet euch

Denn Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar) hat ein Interview gegeben.

Eigentlich braucht es Mitgefühl. Wie soll das ein aufrechter Journalist, von denen gibt es noch ein paar wenige, nur aushalten? Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi übt sich als Terminator. Laut «Schweizer Journalist» feuert er mal so die bewährte Produktionschefin Viviane Joyce mit der Begründung, es brauche frischen Wind.

Den sollte ihr Stellvertreter, zufällig ein guter Freund von Bärtschi, dann bringen. Der kündigt stattdessen selbst. So geht gutes Management. Zudem scheint Bärtschi immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Kündigungsstopp dann im September auslaufe. Auch das nächste Rausschmeissen wird der völlig schmerzfreie Mann mit dem verkniffenen Blick sicher als Qualitätssteigerung anpreisen.

Als wäre das nicht schwer genug zu ertragen, gibt seine Chefin Jessica Peppel-Schulz (die mit der grossen Leitungserfahrung als CEO) persoenlich.com ein Interview. Ihr, die ihr das lest, lasst alle Hoffnung fahren, wenn ihr für Tamedia arbeitet. Noch.

Erste nahtliegende Frage an die Quotenfrau: wenn die Gewinnmarge 2025 bei schlappen 3 Prozent lag, wie soll dann das Ziel von 8 bis 10 Prozent für 2026 erreicht werden? Denn wenn nicht, wird Pietro Supino sehr sauer.

Margenfreie Antwort: «Das Ziel ist ambitioniert, ich weiss – es ist aber bewusst so gesetzt, um uns zu zwingen, alte Strukturen loszulassen, auch wenn das schmerzhaft sein kann.»

Alte Strukturen loslassen, grandioser Schönsprech für: weil meine Strategie bislang nicht geklappt hat, muss halt noch mehr weggespitzt werden.

Oder gäbe es andere Möglichkeiten?

«Unsere Hebel sind klar: Erstens unsere qualitativen Inhalte, zweitens wollen wir mutige und moderne Produkte entwickeln, und drittens legen wir den Fokus auf sehr gute Beziehungen zu unseren Abonnenten. Wenn wir diese drei Hebel konsequent umsetzen, ist das Ziel erreichbar – aber nur mit grossem Engagement und klarem Fokus.»

Klare Hebel, alles klar? Nur: wo sind denn die qualitativen Inhalte, wenn selbst die «Weltwoche» online den Tagi bei den Single Visitors abtrocknet? Und wo sind denn die mutigen Produkte? Schliesslich: ist Leserverarsche mit Gaga-Interviews, Bauchnabelbetrachtungen und realitätsfernem linksgrünem Gedöns Ausdruck von guten Beziehungen?

Aber Nick Lüthi führt halt auch gerne Wohlfühlinterviews und verzichtet auf kritische Nachfragen. Also kommt noch jede Menge Gedöns hinterher:

«Diese Fokussierung auf unsere Kernmarken bedeutet nicht, dass unsere weiteren Titel weniger wichtig wären – im Gegenteil.» Kicher. «Unsere Strategie ist es, diese Stärken gezielt weiter auszubauen.» Gröl. «Wir befinden uns in einer Phase der Transformation», schenkelklopf.

Noch ein Heuler: «Unser Fokus liegt dabei klar darauf, unsere publizistische Leistungsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig effizienter zu werden.» Und dann Breaking News: «Dieses Geschäftsmodell verschiebt sich gerade fundamental – weg von Print, hin zu Digital.» Wer das ohne rot zu werden noch im März 2026 sagt, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Und bevor der ZACKBUM-Leser abklopft und um Gnade winselt, nur noch einen Abschiedsschwurbel zum Schönsaufen: «Alles, was uns publizistisch unterscheidet – also Recherche, Einordnung, lokale Nähe, starke Persönlichkeiten – das stärken wir gezielt.»

Denn völlig verfehlt wäre die Strategie, das gezielt zu schwächen. Durch demotivierendes ständiges Rausschmeissen zum Beispiel.

Nein, der hier muss noch sein, auch wenn’s weh tut: «Mein Ziel ist es – und das sage ich jetzt auch als Mutter von drei Kindern –, dass wir als Tamedia eine führende Rolle in dieser grossen Transformation einnehmen können.»

ZACKBUMs Ziel wäre, dass sich diese Mutter mehr um ihre drei Kinder und weniger um Tamedia kümmern würde. Das wäre eine Wohltat für alle.

So, dann hoch die Flaschen, anders ist das Leben im Glashaus an der Werdstrasse nicht mehr zu ertragen.

Scheiss drauf

Ohne Rückgrat schreibt und lebt es sich bei Tamedia einfacher.

Wenn Oberboss Pietro Supino seine Meinung äussern will, dann tut er das. Trennung von Verlag und Redaktion? Scheiss drauf. So weibelte er für die Ablehnung des Referendums, das den Verlegerclans die schon sicher geglaubte Steuersubventionsmilliarde vor der Nase wegzog.

Trennung von Verlag und Redaktion? Aber doch nicht, wenn Supino 17’000 A verwendet, um zu erklären, dass die SRG auch mit 200 Franken ihre Aufgaben erfüllen könne. Hingegen sei der «Ausbau der indirekten Presseförderung von existenzieller Bedeutung für die Zukunft der gedruckten Zeitung».

Nachtigall, ick hör dir trapsen, sagt da der Berliner; welche Uneigennützigkeit. So hat Tamedia auch als einziger Grossverlag das Abkommen des Schweizer Verlegerverbands mit der SRG nicht unterzeichnet. Ein Schmierentück; klare Ablehnung der Initiative gegen minimale Zugeständnisse der SRG. Wobei natürlich die angeschlossenen Redaktionen völlig frei in ihrer Meinungsbildung sind.

Es darf gelacht werden.

Tamedia hingegen hat klare Prozesse, wie es mit einer Positionierung bei politischen Abstimmungen abzulaufen hat. Dem ist Nick Lüthi auf persoenlich.com nachgegangen. Denn nicht nur ihm fiel auf, dass der Tagi zur SRG-Initiative ein «Pro & Kontra» veröffentlichte. Das passiert normalerweise, wenn in der Redaktionen geteilte Meinung herrscht.

Laut Lüthi ergab aber die interne Abstimmung, dass die Redaktion in diesem «demokratischen Verfahren» mit 20 zu 2 Stimmen gegen die Initiative ist. Was ja bei der Linkslastigkeit keine Überraschung ist.

Die besteht aus etwas ganz anderem, wie Lüthi schreibt: «Das wäre ein klarer Fall für einen Nein-Kommentar gewesen. Doch Chefredaktorin Raphaela Birrer ergriff daraufhin das Veto und übersteuerte kraft ihres Amtes das übliche Vorgehen.»

Scheiss drauf, oder vornehmer formuliert: Birrer wolle «der speziellen Rolle als Branchenmitbewerberin gerecht werden». Was immer dieses Geschwurbel bedeuten mag. Birrer selbst verfasste übrigens den Kontra-Initiative-Kommentar, Kollege Andreas Kunz durfte sich dafür ins Zeug legen.

Damit aber nicht genug. In ihrem Beritt darf Birrer das. Und die Reaktion kuscht natürlich, Arbeitsplatzsicherung statt Haltung. Der erhobene Zeigefinger der moralischen Forderungen wackelt nur gegen aussen.

Aber erstaunlicherweise entschied sich auch die «Basler Zeitung», die «Berner Zeitung» und der «Bund», dieses Pro & Kontra zu bringen. Eben nach der Devise: scheiss drauf, wenn auch deren Redaktionen das anders sehen.

Das taten die Blätter selbstverständlich völlig freiwillig und in der Wahrnehmung ihrer speziellen Rolle oder so. Lüthi behauptet aber: «Angestellte der Berner Redaktion berichten gegenüber persoenlich.com von Druck des publizistischen Leiters. Simon Bärtschi habe gefordert, nicht nur einen Nein-Kommentar zur Halbierungsinitiative zu publizieren, sondern auch eine befürwortende Stimme. Bärtschi verfügt anders als Raphaela Birrer über Weisungsbefugnisse gegenüber den regionalen Tamedia-Redaktionen

Das war dann sicherlich ein weiterer Beitrag zur Qualitätssicherung dieser publizistischen Leiter nach unten.

Trifft das alles zu, dann sieht es mit der demokratischen Mitbestimmung bei Tamedia so aus: die Redaktion darf gerne demokratisch abstimmen. Das Resultat wird selbstverständlich respektiert. Wenn es mit der Meinung des Big Boss Supino übereinstimmt. Sonst gilt: scheiss drauf.

Während aber Tamedia-Redaktoren (und Redaktorinnen und everybody beyond) nicht müde werden, allen und jedem von überlegen rechthaberischer Warte aus die Einhaltung von Benimm- und anderer Regeln einzufordern und unablässig der ganzen Welt Zensuren zu erteilen, notfalls Besserung zu verlangen und sich über Fehlverhalten zu echauffieren, herrscht hier ängstliches Schweigen.

Einzig sichtbarer Protest war das Ansteigen des Alkoholkonsums in der Helvti und anderen Lokalen rund ums Glashaus an der Werdstrasse. Sowie in den einschlägigen Beizen in Basel und Bern.

Tamedia antwortete auf einige präzise Fragen von ZACKBUM mit einem allgemeinen Statement:

«Publizistische Leitung und Chefredaktoren tauschen sich regelmässig zu inhaltlichen Themen aus. Insbesondere im Vorfeld solch relevanter Abstimmungen mit derlei Tragweite für die ganze Medienbranche. 
Die Tamedia-Titel stehen für eine ausgewogene Berichterstattung mithilfe derer sich unsere Leserschaft ihre eigene Meinung bilden kann.
Der Tages-Anzeiger ist mit den überregionalen Themen unsere Mantelredaktion für die anderen Deutschschweizer Titel. Den Titeln steht es frei, diese Inhalte zu übernehmen oder nicht. Im Zusammenhang mit der Halbierungsinitiative hat sich die publizistische Leitung für die Übernahme des Formats «Pro & Kontra» ausgesprochen. Verleger und VRP-Präsident Pietro Supino war in dieser Diskussion nicht mit involviert.»

 

Lustig ins neue Jahr

Immerhin: es darf weiterhin gelacht werden.

Diesmal danken wir Matthias Chapman dafür. Unfehlbar, wie ZACKBUM halt ist, haben wir den stellvertretenden Chefredaktor mit dem verkniffenen Gesichtsausdruck wohlweislich von möglichen Sparrunden ausgeschlossen.

Einige unserer Vorschläge wurden bereits befolgt (Kerstin Hasse), bei anderen (Raphaela Birrer, Bruno Ziauddin) steht der Vollzug noch aus. Und ob der Wiederauftritt von Anuschka Roshani, die auf den Chefsessel klettern wollte und darob gefeuert wurde, eine Qualitätsverbesserung darstellt?

Aber zurück zum «Leitartikel zum Jahreswechsel». Den traut sich Oberchefredaktorin Birrer offenbar nicht zu (auch diese Bemerkung wird nicht dazu dienen, dass das Schreibverbot gegen René Zeyer aufgehoben wird).

Also muss Grüssaugust Chapman ans Gerät.

Aber schon der Titel löst eine erste Lachsalve aus. Es «bricht eine neue Zeit an». Ach was. Statt dass sich die alte Zeit wiederholt? Ist morgen nicht immer neuer als gestern? Gibt es statt Anbruch auch Abbruch? Wie wäre es mit «Für unser Land bricht die alte Zeit ab?» Oder, à la Karl Kraus (ChatGPT hilft): bricht eine dicke, dünne, krumme, altehrwürdige, grosse oder kleine Zeit an?

Oder ganz banal: bricht überhaupt nichts an, sondern ist’s einfach 1. Januar geworden, was nach dem 31. Dezember unausweichlich und keinesfalls neu ist?

Nun wäre der Jahreswechsel die Gelegenheit für gute Vorsätze, vernünftige Versprechen, den Willen zur Besserung. Zum Beispiel, indem sich die Schreibtäter des absaufenden Tamedia-Schiffs bewusst werden, dass sie die Reise in die Bedeutungslosigkeit nicht mit markigen verbalen Auftritten begleiten sollten.

«Go down with a smile», das ist die Haltung von Joker in den Batmanfilmen.

Rechthaberei, unverlangte Ratschläge, unqualifizierte Kritiken, das ist die Haltung von Chapman.

In einem Leitartikel zum Jahreswechsel könnte man von einem wohlbezahlten Mitglied der Chefetage doch ein paar Gedanken dazu erwarten, wie es gelingen könnte, den Tagi zu retten. Zum Beispiel, indem man Pietro Supino …, aber diesen Gedanken wagt Chapman nicht mal unter der Bettdecke zu Ende zu führen.

Stattdessen: «Die wirtschaftspolitische Demütigung und die geopolitische Verschiebung haben Folgen für die Schweiz … zwingt auch die Schweiz, sich militärisch für den Ernstfall zu rüsten ... »

Aber damit hat er sich erst warmgelaufen, wir kommen zum ersten wahren Silvesterknaller:

«Jetzt an Silvester kann man es auch so sagen: Nach der (je nach Sichtweise bitteren oder lehrreichen) Erkenntnis im 2025 muss die Schweiz die Weichen für die Zukunft stellen.»

Es ist hingegen eher selten, dass die Weichen für die Vergangenheit gestellt werden, besonders nicht an Silvester.

Nun aber munter zu Befehlen und Anweisungen: «Klar ist: Das Land muss … Das heisst einerseits mehr Mittel für die Armee und andererseits …»

Aber es gibt Probleme, bei denen sogar Chapman eingestehen muss: «Kompliziert gestaltet sich die wirtschaftspolitische Neupositionierung

Da verliert sich selbst ein Grossdenker wie er in einem Dickicht von Fragen ohne Antworten.

Doch dann der Durchbruch ins Licht der Erkenntnis: «Ganz zu schweigen von Europa: Mit der EU steht unser Verhältnis erneut auf dem Prüfstand.»

Nun spricht er ein grosses Wort gelassen aus: «Die Wahrheit ist …» Endlich, was ist die Wahrheit? «Der Handel mit den drei Grossen EU, USA und China ist so wichtig, dass die Schweiz ihre Handelsstrategie mit Diversifizieren bestenfalls gut abrunden kann.»

Öhm, dunkel ist die Wahrheit und geheimnisvoll bis unverständlich, um es abgerundet auszudrücken.

Nun, der Platz neigt sich selbst für einen Leitartikel zum Jahreswechsel dem Ende zu, also hurtig noch ein letzter Ratschlag: «In dieser Gemengelage braucht es Weitsicht, Kompromissbereitschaft und natürlich gut eidgenössischen Pragmatismus.»

Endlich spricht einer aus, was sonst niemand zu denken wagt.

Aber leider muss sich Chapman dann noch selbst diesen besinnlichen Schlussakkord kaputt machen:

«Die Bewältigung der Pandemie war – mit all ihren Fehlern – so ein Fall. Es gibt also guten Grund, das neue Jahr optimistisch in Angriff zu nehmen.»

Ob hier Corona-Kreische Marc Brupbacher die Feder geführt hat? Und apropos Bewältigung: gab es so was bezüglich all der Fehler, bezüglich allem hysterischen Gejapse, der Denunziation von Massnahmenkritikern als Schwurbler, Verschwörungstheoretiker und potenzielle Massenmörder, die zwangsgeimpft werden müssten (Forderung eines durchgeknallten Tagi-Politchefs), so etwas wie Selbstkritik, Aufarbeitung bei Tamedia?

Kein Sterbenswörtchen gab’s. Denn neben den gut eidgenössischen Qualitäten, die Chapman aufzählt, gibt es noch andere, weniger schöne: verkniffenes Schweigen, Wegducken, Aussitzen, Verwedeln und Ignorieren. Alles auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

Also nichts Neues beim Tagi für 2026.

Da hat ZACKBUM auch eine Prognose: das wird nicht gut enden.

 

Wahn und Wirklichkeit

Die neue Tamedia-Werbekampagne bringt Heiterkeit in den Alltag.

Zwischen Selbstvermarktung, Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit sollte kein allzu grosser Spalt klaffen.

Ein Sparmobil kann sich nicht als Rolls-Royce verkaufen. Billig-Discounter sind keine Gourmet-Tempel. Die Deutsche Bahn ist nicht Pünktlichkeits-Weltmeister.

Gebeutelt von ständigen Sparmassnahmen, Zusammenlegungen und Entlassungen kam bislang nur die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi auf die Idee, das als Qualitätssteigerung und Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus des Hauses Tamedia zu verkaufen.

Während sich die Leserschaft zunehmend gähnend abwendet, wenn sie mit eingekauften Stücken von der «Süddeutschen Zeitung» aus München, der unermüdlichen Nabelschau der verbliebenen Redaktoren und ständigen Besserwissereien, Ratschlägen und Handlungsanleitungen berieselt wird.

Hier fehlt die Trennschärfe zwischen Wahn, Wille und Wirklichkeit immer mehr. Selbst die krachende Niederlage der Erbschaftssteuer-Initiative wird wortreich bedauert und betrauert und behauptet:

«Eine Erbschaftssteuer würde die Wirtschaft ankurbeln und die Welt gerechter machen.»

Aber die Welt bleibt leider, trotz allen Bemühungen der Gesinnungsblasen-Schreiber von Tamedia, die nichts anderes machen als ständig neue Blasen aufzublasen, ungerecht.

Obwohl der gesamte Kopfsalat von Tamedia weitgehend mit der gleichen Einheitssauce abgefüllt wird. Basel, Bern, Zürich, Hauptsache München.

Nun wurde aber eine neue Werbekampagne lanciert, bei der man sich fragen muss, welche Substanzen bei ihrer Kreation inhaliert, geschnupft, geschluckt wurden:

ZACKBUM wischt sich die Lachtränen aus den Augen und fragt: «Vielstimmig statt eintönig»? Wie soll das gehen, wenn vielstimmig Eintöniges intoniert wird. Wie wäre es stattdessen mit «Einfältig und eintönig?» Wie wäre es, eine Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen: Verkaufte Auflage minus 62 Prozent seit 2008.

Und wenn Nicken von oben verordnet wird, dann nicken doch alle bei Tamedia mit. Wenn dem Big Boss Pietro Supino ein Artikel, ein Autor nicht passt: weg damit. Wenn er die strikte Trennung zwischen Verlag und Redaktion in die Tonne tritt und zu ellenlangen Kommentaren ausholt: nick, nick, nick.

Ach ja? Das hätte zur Voraussetzung, dass verschiedene Meinungen existieren würden. Ist aber nicht so, nicht nur ZACKBUM-Redaktor René Zeyer hat bei Tamedia Schreibverbot. Chefredaktorin Mimose goutiert seine kritische Meinung nicht. Kein Brückenschlag möglich.

Aber, das muss man der Kampagne lassen, hier schimmert eine Spur von Selbstkritik durch:

Das hindert aber die in ihren Verrichtungsboxen im Newsroom werkelnden Journalisten nicht daran, zwar nicht Bescheid zu wissen, aber allen Bescheid zu stossen, wie man die Welt sehen sollte. Informiert sind sie mittels Google, KI und Newsagenturen. Denn wer mehrere Artikel pro Tag raushauen muss, kann sich ja nicht en détail schlau machen.

Diese Werbekampagne erinnert einen an den alten Ausdruck «lügen wie gedruckt». Der entstand mit dem Aufkommen der Massenmedien als Druckerzeugnis. Seit Erfindung des Internets ist das auch digital möglich.

Als die Agentur Fraser diese Gaga-Kampagne einem auserlesenen Zirkel von einkommensschweren, aber meinungsschwachen Tamedia-Managern vorstellte, hätten die versammelten Koryphäen für die Tausenden von Franken, die ihre wertvolle Anwesenheit kostete, doch sagen müssen: Knick in der Fichte, Wand draussen, einen an der Waffel, komplett Banane, Sprung in der Schüssel, im Oberstübchen zieht’s, alle Schrauben locker, ins Hirn geniesst oder was.

Stattdessen haben sie diese Leserverarschung abgenickt.

Einen drauf setzt wie immer die Leiter nach unten. Der behauptet doch in einem Interview: «Schlankere Strukturen bedeuten nicht weniger Stimmen». Bärtschi lebt offenbar in einer Parallelwelt, wo alle Regeln der Logik aufgehoben sind. Obwohl Tamedia Dutzende von Mitarbeitern entsorgt hat, bedeute das für ihn nicht, dass es weniger Stimmen gäbe.

Wenn also der Männerchor Werdstrasse statt 50 Sänger nur noch 20 umfasst, würde Bärtschi sagen: ist verschlankt, singt aber vielstimmig wie vorher. Der Mann hat Nerven und ist völlig schmerzfrei.

Aber sehen wir es positiv: es gibt so wenig zu lachen heutzutage.

Fragen ohne Antworten

Was leisten die Qualitätsmedien so?

Die Schweiz hat einen Deal. Mit Trump. Endlich. War nicht leicht, aber es ist geschafft. So schreiben alle. NZZ, Tamedia, «Blick», CH Media.

Wunderbar. Nur: es bleiben ein paar Fragen offen.

– Ist die Absenkung der Strafzölle auf 15 Prozent in trockenen Tüchern, besiegelt und unterzeichnet?

– Neben Investitionen von 200 Milliarden in den USA, welche weiteren Zugeständnisse musste die Schweiz machen?

– Reicht es wirklich, dem US-Präsidenten eine goldene Rolex auf sein Pult zu stellen und ihm einen Goldbarren zu widmen, um mit ihm ins Geschäft zu kommen?

– Wenn der Deal jetzt möglich wurde, wieso nicht schon vorher? War die Heraufsetzung auf 39 Prozent nach dem letzten Telefonat am 31. Juli ein dramatischer Flop, der eigentlich einen Rücktritt nötig machte?

– Sind 15 Prozent mehr Zölle aufgrund absurder Berechnungen ein Erfolg oder eine Niederlage?

– Gelten diese 15 Prozent zusätzlich auf alles, welche weiteren Zölle gibt es weiterhin?

– Gibt es einen Zeitpunkt, ab wann diese neuen Zölle angewendet werden?

– Kommen bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin 39 Prozent Zusatzzoll in Anschlag?

– Gibt es eine Laufzeit, eine Zusicherung der Geltungsdauer für diesen neuen Zolltarif?

– An welche weiteren Bedingungen ist dieser neue Zoll geknüpft?

10 Fragen, null Antworten der Qualitätsmedien. Nichts Genaues weiss man nicht. Kann man das als geldwerte Leistung verkaufen? Und wenn ja, wie viel Geld ist sie wert?

In der Ukraine tobt weiterhin Krieg. Auch hier gibt es mehr Fragen als Antworten.

– Stehen die russischen Streitkräfte vor der Einnahme wichtiger Städte?

– In welche Zustand befinden sich die ukrainischen Streitkräfte?

– In welchem Zustand befinden sich die russischen Streitkräfte?

– In welchem Zustand befindet sich die ukrainische Wirtschaft?

– Welche Auswirkungen hat der jüngste Korruptionsskandal, der ganz nahe an den Präsidenten Selenskjy heranreicht?

– In welchem Zustand befindet sich die russische Wirtschaft?

– Wie lange ist es für Russland möglich, den Krieg fortzusetzen?

– Wie lange ist es für die Ukraine möglich, den Krieg fortzusetzen?

– Wer wird schlussendlich für die Kriegszerstörungen aufkommen?

– Was wären realistische Verhandlungspositionen bei der Aufnahme von bilateralen Gesprächen?

10 Fragen, null Antworten der Qualitätsmedien. Nichts Genaues weiss man nicht. Kann man das als geldwerte Leistung verkaufen? Und wenn ja, wie viel Geld ist sie wert?

Dazu hätte ZACKBUM noch ein paar allgemeine Fragen.

– Ist der Schwund an Kompetenz und Analysefähigkeit durch die jüngsten Sparrunden so dramatisch, dass solche fundamentale Recherchen nicht mehr geleistet werden können?

– Wieso werden «Meinungen» nicht auf ein gesundes Mass geschrumpft, auf vielleicht einen Kommentar pro Woche?

– Wann konnte man zum letzten Mal eine Gegenmeinung zum herrschenden Narrativ und Framing in den Mainstreammedien lesen?

– Wieso ist die Fähigkeit zur Gewichtung, zur Unterscheidung zwischen Wichtigem (Altersversorgung, EU-Verträge, Kriegsgefahr) und Unwichtigem (Mohrenköpfe, Nemo, Bargeldverbot am Weihnachtsmarkt) abhanden gekommen?

– Muss eine «Reportage» über «Lachyoga» hinter der Bezahlschranke versorgt werden?

– Wie verzweifelt muss man sein, um Ex-Botschafter Borer immer wieder zu interviewen?

–Braucht es eine Kolumne «Moderne Wecker lassen die Sonne aufgehen»?

– Warum werden die Magazine von NZZaS und Tamedia nicht sofort eingestellt?

– Wie viele Fehler kann sich Pietro Supino noch erlauben?

– Wann wird das unfähige Medienmanagement der grossen Häuser entlassen, zumindest ausgedünnt?

30 Fragen, 0 Antworten.

Ausser der, die die Leser mit den Füssen geben …

 

Kein Markt für die SMG?

Hat Pietro Supino schon wieder einen Fehler gemacht?

Eine solche Kursentwicklung der mit grossem Trara gestarteten Swiss Marketplace Group (SMG) sieht kein Aktionär gerne:

IPO, gestartet mit knapp 50 Franken an der Börse, 4,5 Milliarden Gesamtwert der Ansammlung von Handelsplattformen wie Homegate, Autoscout, Tutti, usw. Das grosse Joint Venture von Tx Group und Ringier.

Die neue Geldquelle, die Zukunft, nachdem Tamedia langsam aber sicher der Schnauf ausgeht. Daher gab es schon zum Start der SMG eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken für die Tx-Aktionäre, also in erster Linie den Coninx-Clan. Dann in Champagnerlaune ein grosses Aktienrückkaufprogramm.

Während die SMG-Mitbesitzer Ringier und Mobiliar vom Höchstkurs profitierten und Cash machten, meinte Big Boss Supino, dass er keine einzige Aktie hergeben wolle. Denn das Teil würde doch sicher weiter fliegen, the sky is the limit und so.

Tja. Stattdessen innert nur acht Wochen seit Börsengang ein Absturz um 30 Prozent, von 48.25 auf um die 33 Franken. 1,4 Milliarden haben sich in Luft aufgelöst.

Nach dem IPO-Hype ein Taucher, dann geht’s sicher wieder aufwärts? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber es gibt viele Faktoren, die dagegen sprechen.

Der Immobilien- und Onlinemarkt kühlt sich ab. Investitionen in Technologie und Kosten der Zusammenlegungen belasten das Ergebnis. Die Integration kostet halt Zeit und Geld. Wichtiger noch: der Markt ist hoch kompetitiv, und bislang sind die grossen Player wie Google & Co. noch gar nicht richtig eingestiegen.

Sollte das passieren, gilt im Internet immer: the biggest is the winner and takes it all. Niemand geht auf die zweit- oder drittgrösste Plattform …

Als wären das nicht schon genug schlechte Nachrichten: welche Bedeutung KI auf diesem Gebiet gewinnen wird, ist zurzeit unabsehbar. Als persönlicher Agent eines Suchenden oder Anbietenden. Womit der Marktplatz, der Vermittler, knallhart ausgeschaltet würde.

Zudem haben die happigen Preissteigerungen auf den Marktplätzen der SMG auch nicht viele neue Freunde gemacht. Newhome und andere Anbieter profitieren davon.

Die P/S Ratio, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, liegt momentan bei 11. Stagniert der Gesamtumsatz (statt erwarteter Steigerungsraten von bis zu 10 Prozent), fällt die Gewinnmarge von 35 auf 25 Prozent, dann fällt die P/S Ratio dadurch auf 5 bis 6. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von maximal 1,8 Milliarden Franken. Und einem Aktienkurs von rund 20 Franken …

Schliesslich gibt es noch einen Soft Factor, der gar nicht so soft ist. Was ist von einem wohlbezahlten Management zu halten, das sich seit Jahren in der Online-Werbung von Google & Co. die Butter vom Brot nehmen lässt – ohne dass ihm eine Gegenstrategie einfällt? Die meisten Herren (und wenigen Damen) in der obersten Führungsetage sind zudem nicht gerade Digital Natives.

Oder einfacher gesagt: sie kapieren bis heute das Internet nicht.

Wenn also der vermeintliche Goldesel SMG Verstopfung kriegt und keine Dukaten mehr scheisst, woher sollen dann noch die Gewinne kommen, um den Coninx-Clan bei Laune zu halten? Von Tamedia sicher nicht, das wilde Zusammenkaufen eines Kopfblattsalats hat sich nicht rentiert und erinnert etwas an die Hunter-Strategie der Swissair.

Goldbach ist auch nicht gerade ein ewigwährender Strom von Profit.

Was bleibt dann noch? Als letzte Option der Verkauf des ganzen Ladens, solange man noch genügend Geld verlangen kann.