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Wahn und Wirklichkeit

Die neue Tamedia-Werbekampagne bringt Heiterkeit in den Alltag.

Zwischen Selbstvermarktung, Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit sollte kein allzu grosser Spalt klaffen.

Ein Sparmobil kann sich nicht als Rolls-Royce verkaufen. Billig-Discounter sind keine Gourmet-Tempel. Die Deutsche Bahn ist nicht Pünktlichkeits-Weltmeister.

Gebeutelt von ständigen Sparmassnahmen, Zusammenlegungen und Entlassungen kam bislang nur die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi auf die Idee, das als Qualitätssteigerung und Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus des Hauses Tamedia zu verkaufen.

Während sich die Leserschaft zunehmend gähnend abwendet, wenn sie mit eingekauften Stücken von der «Süddeutschen Zeitung» aus München, der unermüdlichen Nabelschau der verbliebenen Redaktoren und ständigen Besserwissereien, Ratschlägen und Handlungsanleitungen berieselt wird.

Hier fehlt die Trennschärfe zwischen Wahn, Wille und Wirklichkeit immer mehr. Selbst die krachende Niederlage der Erbschaftssteuer-Initiative wird wortreich bedauert und betrauert und behauptet:

«Eine Erbschaftssteuer würde die Wirtschaft ankurbeln und die Welt gerechter machen.»

Aber die Welt bleibt leider, trotz allen Bemühungen der Gesinnungsblasen-Schreiber von Tamedia, die nichts anderes machen als ständig neue Blasen aufzublasen, ungerecht.

Obwohl der gesamte Kopfsalat von Tamedia weitgehend mit der gleichen Einheitssauce abgefüllt wird. Basel, Bern, Zürich, Hauptsache München.

Nun wurde aber eine neue Werbekampagne lanciert, bei der man sich fragen muss, welche Substanzen bei ihrer Kreation inhaliert, geschnupft, geschluckt wurden:

ZACKBUM wischt sich die Lachtränen aus den Augen und fragt: «Vielstimmig statt eintönig»? Wie soll das gehen, wenn vielstimmig Eintöniges intoniert wird. Wie wäre es stattdessen mit «Einfältig und eintönig?» Wie wäre es, eine Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen: Verkaufte Auflage minus 62 Prozent seit 2008.

Und wenn Nicken von oben verordnet wird, dann nicken doch alle bei Tamedia mit. Wenn dem Big Boss Pietro Supino ein Artikel, ein Autor nicht passt: weg damit. Wenn er die strikte Trennung zwischen Verlag und Redaktion in die Tonne tritt und zu ellenlangen Kommentaren ausholt: nick, nick, nick.

Ach ja? Das hätte zur Voraussetzung, dass verschiedene Meinungen existieren würden. Ist aber nicht so, nicht nur ZACKBUM-Redaktor René Zeyer hat bei Tamedia Schreibverbot. Chefredaktorin Mimose goutiert seine kritische Meinung nicht. Kein Brückenschlag möglich.

Aber, das muss man der Kampagne lassen, hier schimmert eine Spur von Selbstkritik durch:

Das hindert aber die in ihren Verrichtungsboxen im Newsroom werkelnden Journalisten nicht daran, zwar nicht Bescheid zu wissen, aber allen Bescheid zu stossen, wie man die Welt sehen sollte. Informiert sind sie mittels Google, KI und Newsagenturen. Denn wer mehrere Artikel pro Tag raushauen muss, kann sich ja nicht en détail schlau machen.

Diese Werbekampagne erinnert einen an den alten Ausdruck «lügen wie gedruckt». Der entstand mit dem Aufkommen der Massenmedien als Druckerzeugnis. Seit Erfindung des Internets ist das auch digital möglich.

Als die Agentur Fraser diese Gaga-Kampagne einem auserlesenen Zirkel von einkommensschweren, aber meinungsschwachen Tamedia-Managern vorstellte, hätten die versammelten Koryphäen für die Tausenden von Franken, die ihre wertvolle Anwesenheit kostete, doch sagen müssen: Knick in der Fichte, Wand draussen, einen an der Waffel, komplett Banane, Sprung in der Schüssel, im Oberstübchen zieht’s, alle Schrauben locker, ins Hirn geniesst oder was.

Stattdessen haben sie diese Leserverarschung abgenickt.

Einen drauf setzt wie immer die Leiter nach unten. Der behauptet doch in einem Interview: «Schlankere Strukturen bedeuten nicht weniger Stimmen». Bärtschi lebt offenbar in einer Parallelwelt, wo alle Regeln der Logik aufgehoben sind. Obwohl Tamedia Dutzende von Mitarbeitern entsorgt hat, bedeute das für ihn nicht, dass es weniger Stimmen gäbe.

Wenn also der Männerchor Werdstrasse statt 50 Sänger nur noch 20 umfasst, würde Bärtschi sagen: ist verschlankt, singt aber vielstimmig wie vorher. Der Mann hat Nerven und ist völlig schmerzfrei.

Aber sehen wir es positiv: es gibt so wenig zu lachen heutzutage.

Fragen ohne Antworten

Was leisten die Qualitätsmedien so?

Die Schweiz hat einen Deal. Mit Trump. Endlich. War nicht leicht, aber es ist geschafft. So schreiben alle. NZZ, Tamedia, «Blick», CH Media.

Wunderbar. Nur: es bleiben ein paar Fragen offen.

– Ist die Absenkung der Strafzölle auf 15 Prozent in trockenen Tüchern, besiegelt und unterzeichnet?

– Neben Investitionen von 200 Milliarden in den USA, welche weiteren Zugeständnisse musste die Schweiz machen?

– Reicht es wirklich, dem US-Präsidenten eine goldene Rolex auf sein Pult zu stellen und ihm einen Goldbarren zu widmen, um mit ihm ins Geschäft zu kommen?

– Wenn der Deal jetzt möglich wurde, wieso nicht schon vorher? War die Heraufsetzung auf 39 Prozent nach dem letzten Telefonat am 31. Juli ein dramatischer Flop, der eigentlich einen Rücktritt nötig machte?

– Sind 15 Prozent mehr Zölle aufgrund absurder Berechnungen ein Erfolg oder eine Niederlage?

– Gelten diese 15 Prozent zusätzlich auf alles, welche weiteren Zölle gibt es weiterhin?

– Gibt es einen Zeitpunkt, ab wann diese neuen Zölle angewendet werden?

– Kommen bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin 39 Prozent Zusatzzoll in Anschlag?

– Gibt es eine Laufzeit, eine Zusicherung der Geltungsdauer für diesen neuen Zolltarif?

– An welche weiteren Bedingungen ist dieser neue Zoll geknüpft?

10 Fragen, null Antworten der Qualitätsmedien. Nichts Genaues weiss man nicht. Kann man das als geldwerte Leistung verkaufen? Und wenn ja, wie viel Geld ist sie wert?

In der Ukraine tobt weiterhin Krieg. Auch hier gibt es mehr Fragen als Antworten.

– Stehen die russischen Streitkräfte vor der Einnahme wichtiger Städte?

– In welche Zustand befinden sich die ukrainischen Streitkräfte?

– In welchem Zustand befinden sich die russischen Streitkräfte?

– In welchem Zustand befindet sich die ukrainische Wirtschaft?

– Welche Auswirkungen hat der jüngste Korruptionsskandal, der ganz nahe an den Präsidenten Selenskjy heranreicht?

– In welchem Zustand befindet sich die russische Wirtschaft?

– Wie lange ist es für Russland möglich, den Krieg fortzusetzen?

– Wie lange ist es für die Ukraine möglich, den Krieg fortzusetzen?

– Wer wird schlussendlich für die Kriegszerstörungen aufkommen?

– Was wären realistische Verhandlungspositionen bei der Aufnahme von bilateralen Gesprächen?

10 Fragen, null Antworten der Qualitätsmedien. Nichts Genaues weiss man nicht. Kann man das als geldwerte Leistung verkaufen? Und wenn ja, wie viel Geld ist sie wert?

Dazu hätte ZACKBUM noch ein paar allgemeine Fragen.

– Ist der Schwund an Kompetenz und Analysefähigkeit durch die jüngsten Sparrunden so dramatisch, dass solche fundamentale Recherchen nicht mehr geleistet werden können?

– Wieso werden «Meinungen» nicht auf ein gesundes Mass geschrumpft, auf vielleicht einen Kommentar pro Woche?

– Wann konnte man zum letzten Mal eine Gegenmeinung zum herrschenden Narrativ und Framing in den Mainstreammedien lesen?

– Wieso ist die Fähigkeit zur Gewichtung, zur Unterscheidung zwischen Wichtigem (Altersversorgung, EU-Verträge, Kriegsgefahr) und Unwichtigem (Mohrenköpfe, Nemo, Bargeldverbot am Weihnachtsmarkt) abhanden gekommen?

– Muss eine «Reportage» über «Lachyoga» hinter der Bezahlschranke versorgt werden?

– Wie verzweifelt muss man sein, um Ex-Botschafter Borer immer wieder zu interviewen?

–Braucht es eine Kolumne «Moderne Wecker lassen die Sonne aufgehen»?

– Warum werden die Magazine von NZZaS und Tamedia nicht sofort eingestellt?

– Wie viele Fehler kann sich Pietro Supino noch erlauben?

– Wann wird das unfähige Medienmanagement der grossen Häuser entlassen, zumindest ausgedünnt?

30 Fragen, 0 Antworten.

Ausser der, die die Leser mit den Füssen geben …

 

Kein Markt für die SMG?

Hat Pietro Supino schon wieder einen Fehler gemacht?

Eine solche Kursentwicklung der mit grossem Trara gestarteten Swiss Marketplace Group (SMG) sieht kein Aktionär gerne:

IPO, gestartet mit knapp 50 Franken an der Börse, 4,5 Milliarden Gesamtwert der Ansammlung von Handelsplattformen wie Homegate, Autoscout, Tutti, usw. Das grosse Joint Venture von Tx Group und Ringier.

Die neue Geldquelle, die Zukunft, nachdem Tamedia langsam aber sicher der Schnauf ausgeht. Daher gab es schon zum Start der SMG eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken für die Tx-Aktionäre, also in erster Linie den Coninx-Clan. Dann in Champagnerlaune ein grosses Aktienrückkaufprogramm.

Während die SMG-Mitbesitzer Ringier und Mobiliar vom Höchstkurs profitierten und Cash machten, meinte Big Boss Supino, dass er keine einzige Aktie hergeben wolle. Denn das Teil würde doch sicher weiter fliegen, the sky is the limit und so.

Tja. Stattdessen innert nur acht Wochen seit Börsengang ein Absturz um 30 Prozent, von 48.25 auf um die 33 Franken. 1,4 Milliarden haben sich in Luft aufgelöst.

Nach dem IPO-Hype ein Taucher, dann geht’s sicher wieder aufwärts? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber es gibt viele Faktoren, die dagegen sprechen.

Der Immobilien- und Onlinemarkt kühlt sich ab. Investitionen in Technologie und Kosten der Zusammenlegungen belasten das Ergebnis. Die Integration kostet halt Zeit und Geld. Wichtiger noch: der Markt ist hoch kompetitiv, und bislang sind die grossen Player wie Google & Co. noch gar nicht richtig eingestiegen.

Sollte das passieren, gilt im Internet immer: the biggest is the winner and takes it all. Niemand geht auf die zweit- oder drittgrösste Plattform …

Als wären das nicht schon genug schlechte Nachrichten: welche Bedeutung KI auf diesem Gebiet gewinnen wird, ist zurzeit unabsehbar. Als persönlicher Agent eines Suchenden oder Anbietenden. Womit der Marktplatz, der Vermittler, knallhart ausgeschaltet würde.

Zudem haben die happigen Preissteigerungen auf den Marktplätzen der SMG auch nicht viele neue Freunde gemacht. Newhome und andere Anbieter profitieren davon.

Die P/S Ratio, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, liegt momentan bei 11. Stagniert der Gesamtumsatz (statt erwarteter Steigerungsraten von bis zu 10 Prozent), fällt die Gewinnmarge von 35 auf 25 Prozent, dann fällt die P/S Ratio dadurch auf 5 bis 6. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von maximal 1,8 Milliarden Franken. Und einem Aktienkurs von rund 20 Franken …

Schliesslich gibt es noch einen Soft Factor, der gar nicht so soft ist. Was ist von einem wohlbezahlten Management zu halten, das sich seit Jahren in der Online-Werbung von Google & Co. die Butter vom Brot nehmen lässt – ohne dass ihm eine Gegenstrategie einfällt? Die meisten Herren (und wenigen Damen) in der obersten Führungsetage sind zudem nicht gerade Digital Natives.

Oder einfacher gesagt: sie kapieren bis heute das Internet nicht.

Wenn also der vermeintliche Goldesel SMG Verstopfung kriegt und keine Dukaten mehr scheisst, woher sollen dann noch die Gewinne kommen, um den Coninx-Clan bei Laune zu halten? Von Tamedia sicher nicht, das wilde Zusammenkaufen eines Kopfblattsalats hat sich nicht rentiert und erinnert etwas an die Hunter-Strategie der Swissair.

Goldbach ist auch nicht gerade ein ewigwährender Strom von Profit.

Was bleibt dann noch? Als letzte Option der Verkauf des ganzen Ladens, solange man noch genügend Geld verlangen kann.

Der Coninx-Clan

Die Schweiz hat schon Pech mit ihren Verlegerfamilien. Ehemals Herausgeber, jetzt mehr Herausnehmer.

Im Vergleich mit dem Wanner– und dem Ringier-Clan ist die Besitzerfamilie des Unternehmens Tx (oder TX oder «Tages-Anzeiger» AG, inkl. Tamedia AG) speziell.

Ihr Gesamtvermögen wird auf rund 1,5 Milliarden Franken geschätzt. Nach dem Börsengang des Joint-Venture Swiss Marketplace Group (SMG) dürfte es nochmals kräftig angeschwollen sein.

Der deutsche Bergbauingenieur Otto Coninx-Girardet legte den Grundstein, indem er seit 1918 den «Tages-Anzeiger» herausgab. Otto Coninx-Wettstein führte weiter und baute aus, dann kam Hans-Heinrich Coninx und ab 2007 schliesslich sein Neffe Pietro Supino.

Die TX Group, wie die Holding inzwischen heisst, verfügt über einige Grossaktionäre. Darunter Pietro Supino ~ 13,6 %, Dr. Severin Coninx ~ 13.20%,  Rena Maya Coninx Supino ~ 12.95 %, Dr. Hans Heinrich Coninx ~ 11.93 %, Fabia Schulthess~ 5.53 %, Andreas Schulthess~ 5.53 %, Regula Hauser-Coninx~ 4.63 %, etc.

Schätzungsweise hält die Familie – inklusive Verwandten und Beteiligten – zusammen knapp 74 % der Aktien von TX Group, wobei eine Gruppe von 19 Kleinaktionären der Familie sich bloss 2.14 % des Kapitals teilen.

Der Umsatz der TX Group liegt etwas unter einer Milliarde Franken im Jahr. Das Sorgenkind der Holding ist Tamedia, der Medienteil. Weder dem Big Boss Supino, noch seinen wohlbezahlten Medienmanagern fällt eine Strategie ein, wie man das profitabel machen könnte. Ausser, indem man das Angebot und die Woke Force (Pardon, Work Force) runterholzt und das als «Synergie» und «Qualitätssteigerung» verkaufen will.

Die Zukäufe eines ganzen Kopfblattsalats haben zudem viel gekostet und wenig gebracht.

Auf der anderen Seite besteht die ganze Coninx-Sippe, wenn man auch Angeheiratete und Lebenspartner dazuzählt, aus ungefähr 70 bis 90 Personen, reine Blutsverwandte gibt es etwa 50 bis 65.

Die wollen alle durchgefüttert werden und ihren teils kostspieligen Hobbys frönen.

Sie verstehen sich auch nicht mehr unbedingt als Herausgeber von Medienprodukten im klassischen Sinn.

Sondern vielmehr als Herausnehmer von Dividenden, Sonderdividenden und Profiteure von teuren Aktienrückkaufprogrammen.

Die zentralen Segmente der Tamedia AG, Pardon, der TX Group AG, sind Tamedia (Medien), «20 Minuten», Goldbach Group und TX Markets.

TX Markets machen dabei Margen im zweistelligen Bereich von bis zu 40 Prozent, Goldbach liegt bei 10 bis 20 Prozent, 20 Minuten bei 7, Tendenz stark abnehmend, und Tamedia bei 0 bis 1 Prozent.

Also ist völlig klar, wenn man keine Herausgeber-, sondern vielmehr eine Herausnehmer-Perspektive hat, wo die Zukunft der Firma liegt – und wo die Vergangenheit ohne Zukunft.

Das haben nur noch nicht alle 1800 Mitarbeiter (wobei die Zahl ständig schrumpft) von Tamedia mitgekriegt. Aber in naher Zukunft werden sie ihre Lieblingsbeschäftigungen – Bauchnabelbetrachtung, Befehle und Ratschläge an die Welt – aufgeben müssen.

Wenn die Stellensuche erste Priorität bekommt. Denn zu Herausgeben und Herausnehmen gehört eben auch Herausschmeissen.

Leserverarsche, Part II

Tamedia als Leserforum.

Ob das Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar), ob das Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten, ob das Pietro Supino, der profitorientierte Oberboss, lustig finden?

Ihnen allen geht es doch um nichts anderes, als die Qualität des Angebots von Tamedia hochzuhalten und mit allen Mitteln (vor allem mit Sparmassnahmen und Rausschmissen) zu verteidigen.

Besonders wichtig ist dabei natürlich auch die Reaktion des Publikums. Denn obwohl das die vielen Rechthaber und Oberlehrer und Besserwisser in der Redaktion nicht wahrhaben wollen: eigentlich sollten sie ein Produkt herstellen, dass der Konsument ihnen deswegen abkauft, weil er darin einen Mehrwert sieht, einen Return on Investment.

Nun scheinen aber diese Tamedia-Macher der Auffassung zu sein, dass die Mehrheit ihres zahlenden Publikums aus Masochisten besteht. Also aus Menschen, die sogar etwas dafür zahlen, dass man sie quält.

Mit Leiden an sich selbst, Bauchnabelbetrachtungen, wokem Sternchenjournalismus, Mohrenkopf-Denunziationen, damit, einer übergriffigen und frechen ukrainischen Botschafterin mit zweifelhafter Vergangenheit eine Plattform zu bieten. Als Höhepunkt des Qualitätsjournalismus dann noch das:

Die Qualitäts-Bildredaktion weiss nicht mal, wie Anna Netrebko aussieht? Würde ZACKBUM dazu seine Meinung schreiben, würde die garantiert nicht publiziert.

Zum Versuch, den schönen Schein zu polieren, gehört die Behauptung, dass Tamedia die Lesermeinung überaus wichtig sei. Allerdings gibt es keinen öffentlich zugänglichen Leitfaden, nach welchen Kriterien Kommentare veröffentlicht oder abgelehnt werden.

Immer mal wieder bekommt ein Kommentarschreiber das hier als Antwort:

«Guten Tag
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass Ihr Kommentar nicht veröffentlich werden kann.
Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehört die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken. Ebenso persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer sowie Dritte oder auch ein grundsätzlicher Ton «unter der Gürtellinie». Als beleidigend gelten auch Verunstaltungen von Namen, entweder von anderen Diskussionsteilnehmern, aber auch von dritten Personen oder Einrichtungen.»

Es gibt auch diese Variante:
«Guten Tag
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass Ihr Kommentar nicht veröffentlicht werden kann.
Um anderen Lesern und Leserinnen das Verständnis Ihrer Beiträge zu erleichtern, schreiben Sie bitte Hochdeutsch und achten Sie auf eine korrekte Rechtschreibung. Vermeiden Sie dabei Ausrufezeichen und das Schreiben ganzer Wörter in GROSSBUCHSTABEN.»

Es ist natürlich löblich, dass sich Massenmedien wie Tamedia-Produkte darum bemühen, die Kommentarspalte nicht zur Kloake verkommen zu lassen. Ganz abgesehen davon, dass ein Medienorgan (im Gegensatz zu Social Media) auch für den Inhalt publizierter Kommentare verantwortlich und haftbar ist.

Welche polemischen oder beleidigenden Ausdrücke wurden hier wohl verwendet? Wie vergriff man sich im Ton? Gab es persönliche Angriffe? Formulierungen «unter der Gürtellinie»? Verunstaltung von Namen? Verstösse gegen die deutsche Rechtschreibung, gar das Verwenden von Ausrufezeichen oder wurden Wörter in GROSSBUCHSTABEN geschrieben?

Nichts von alledem. Der abgelehnte Kommentar war noch schlimmer. Er war unerträglich. Ungeheuerlich. Gemein, hinterlistig, bösartig, einen Blutrausch auslösend.

Denn ein solcher Kommentar geht nun einfach gar nicht:

Ich lese jeweils die Zusammenfassung des täglichen Tagi-Outputs auf Zackbum.”

Daraus dürfen wir schliessen, dass das Wort ZACKBUM auch in Kleinbuchstaben auf der absoluten Shitlist bei der Kommentarzensur steht. Da muss nicht mal ein schlechtbezahlter Moderator irgendwo auf der Welt eingreifen. Da läuft bereits der Zensuralgorithmus rot an, kriegt einen digitalen Schluckauf. Braucht zusätzliche Kühlung und schüttelt sich vor Abscheu.

Recht so. Denn alles andere wäre ja ein Widerspruch zu dem, was ZACKBUM seit Jahren an diesem Elendsjournalismus aus dem Hause Supino kritisiert.

TX Group weiter auf Clan-Gewinnkurs

Der Börsengang von Swiss Marketplace Group (SMG). Nun ein Aktienrückkauf. Den Coninx-Clan freut’s.

Investitionen in Journalismus dagegen: nada. Dafür dort sparen bis aufs Skelett.

Grandioser Börsengang, Ausgabepreis von 46 Franken pro SMG-Aktie, das entspricht schon mal einer Marktkapitalisierung von 4,5 Milliarden Franken. Davon gehören der TX Group (die Holding oberhalb von Tamedia & Co.) 30,7 Prozent. 1,38 Milliarden.

Das ist obendrauf auf die Marktkapitalisierung der TX Group von rund 2,17 Milliarden.  Daran hält der Coninx-Clan rund 69 Prozent aller Aktien.

Also eigentlich sollte das doch für ihre rund 50 Mitglieder reichen, um ihren Hobbys nachzugehen, Yachten, Villen und Kunstsammlungen zu unterhalten. Sowie sich jeden Tag ein Kotelett mit satt Kaviar drauf zu leisten.

Auf der anderen Seite wird Tamedia bis auf die Knochen runtergehobelt. Entlassungswellen, Schliessung von Druckereien, Sparziel 70 Millionen. Nur Traumtänzer wie die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi können das als Qualitätssteigerung schönschwatzen.

Redaktionen wurden zusammengelegt, verwirrliche Zahlen von geplanten Rausschmissen verkündet. Die überlebenden Redaktoren, vor allem die Ü-50, haben Schiss, wen es als nächsten treffen wird.

Dementsprechend herrscht eine Bombenstimmung in der Käfigtierhaltung der Zentralredaktion. Einziger Zugang in letzter Zeit: Anuschka Roshani. Nun ja.

Eher kleine Schlagzeilen machte dagegen eine weitere Massnahme zur Profit- und Besitzsteigerung der Coninx-Aktionäre (und den versprengten übrigen).

Unter «Investor Relations» verkündete die TX Group, bezugnehmend auf eine Medienmitteilung, dass sie «über einen Zeitraum von maximal drei Jahren bis zu 662’000 Namensaktien zurückkaufen» werde, was bis zu 6,25 Prozent des Aktienkapitals entspricht.

Oder einem Wert von rund 128 Millionen Franken.

Ein Aktienrückkauf hat angenehme Auswirkungen – für die Aktionäre. Gleicher Gewinn des Unternehmens, weniger Aktien, höherer Profit pro Aktie. Wer seine Aktien verkauft, bekommt Kohle auf die Hand. Wer sie behält, profitiert längerfristig.

Schon nach der Gründung der SMG klingelte eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken in den Kassen der Aktionäre, wenn alle rund 10 Millionen Aktien anspruchsberechtigt waren.

Durch diesen Aktienrückkauf steigt der Anteil des Coninx-Clans am Aktienwert von TX auf rund 73,5 Prozent.

Das sind rund Dreiviertel von Fantastilliarden. Nun können die Mitglieder des Coninx-Clans zwar nicht wie Dagobert Duck ein erfrischendes Bad im Geldspeicher nehmen.

Aber eigentlich haben sie in letzter Zeit doch das Problem: wohin mit all der Kohle? Big Boss Pietro Supino kann schlecht auf die Villa noch eine Villa stellen. Die Zeiten von noch grösseren Yachten oder Fliegern sind auch etwas vorbei.

Und mehr als ein Rolls-Royce Droptail für rund 32 Millionen Dollar geht auf vier Rädern auch nicht.

Ach, vielleicht könnte man sich darauf besinnen, wodurch eigentlich der Grundstein dieses Vermögens gelegt wurde?

Mit Journalismus.

Mit Otto Coninx fing’s an,  schliesslich Urenkel Pietro Supino, seit 2007 auf dem Thron. Was von der Tradition übrig geblieben ist, sind grosse Worte über die Bedeutung der Vierten Gewalt, von Qualitätsjournalismus, Kontrolle und wenn nötig Korrektur des Handelns der Mächtigen im Lande.

Aber statt für knapp 130 Millionen Franken einen eigentlich völlig überflüssigen Aktienrückkauf finanzieren, wieso nicht in einen Aus- statt Abbau von Tamedia investieren?

Tamedia machte im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatz von 191,5 Millionen Franken. Da würde eine Finanzspritze von 130 Millionen Franken über die nächste drei Jahre Wunder wirken.

Träume würden wahr. Journalisten könnten tatsächlich Tage oder sogar Wochen auf Recherchen verwenden. Und müssten nicht länger irgendwelche Hehlerware in «Papers» oder «Secrets» verwandeln.

Journalisten könnten wieder Dossiers aufbauen und Themen vertieft begleiten. Und wer weiss, vielleicht gelänge ihnen auch ab und an ein Artikel von der Tiefe einer «Financial Times», «The Atlantic» oder gar des «New Yorker».

Die übrigens alle beweisen, dass sich Qualitätsjournalismus auch finanziell lohnt. Allerdings nur, wenn man ihn auch finanziert.

Also, liebe Grossfamilie Coninx, wie wäre es mit etwas staatsbürgerlichem Bewusstsein?

Der Gesellschaft etwas zurückgeben. Verantwortung, Haltung, Verpflichtung.

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Der Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».

Wie geht das?

Roshani und Tamedia: es muss Liebe sein.

Um diesen Irrwitz zu beschreiben, muss man andere Sprachen verwenden: «truth is stranger than fiction». Oder «la réalité dépasse la fiction». Denn die Realität ist:

Eine frustrierte und rachsüchtige Mitarbeiterin richtet mit Hilfe des denaturierten Nachrichtenorgans «Der Spiegel» ihren ehemaligen Chef öffentlich hin. Sie sei jahrelang verbal aufs Übelste gequält worden, als Redaktorin im Schoggi-Job des «Magazin». Die meisten ihrer Anschuldigungen hielten einer genaueren Überprüfung nicht stand.

Zudem stellte sich heraus, dass sie auf den Posten ihres Chefs scharf war. Und nachdem eine «Initiativbewerbung» darum keinen Erfolg gehabt hatte, versuchte sie es erfolgreich mit Mobbing. Triumph und Tragödie: ihr Chef wurde entlassen. Sie aber auch. Danach die öffentliche Rache an ihm und am Medienhaus, von dem sie jahrelang angenehm gelebt hatte.

Und lebt. Denn Anuschka Roshani klagte erfolgreich gegen ihre Kündigung und bekam nicht nur, dank ungekündigtem Arbeitsverhältnis, für Nichtstun rund 200’000 Franken zugesprochen. «Frau Roshani ist wieder für ihre Arbeitgeberin tätig», bestätigt Tamedia auf Anfrage. Wo genau, wieder beim «Magazin», darauf wird die Antwort verweigert: «Siehe Antwort zu Frage 1.»

Wo auch immer Roshani einen Schreibtisch bezogen haben mag: das ist ein echter Belastungstest für die geschrumpfte, verunsicherte und gebeutelte Restredaktion im Sparbetrieb Journalismus. Die Chefredaktorin lässt ihrer Mannschaft ausrichten: «Ich bitte euch, Anushka (!) bei der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu unterstützen.»

ZACKBUM vermutet, dass damit Anuschka gemeint ist. Deren letztes Werk stammt vom 15. Oktober 2022: «Wie LSD mein Leben verändert hat». Damals habe sie sich «klinisch kontrolliert auf mehrere Trips begeben». Aber das ist ja nichts gegen ihren Trip durch die Wirklichkeit. Fast drei Jahre bezahltes Nichtstun, das ist ausserhalb der «Republik» kaum jemandem im Journalismus vergönnt.

Wie unterstützungswillig die Redaktion wohl ist? Das hütet das Redaktionsgeheimnis streng und strikt. Aber sicherlich wird jedermann (und jedefrau) besondere Vorsicht walten lassen und jede unbedachte Äusserung, Handbewegung oder auch nur das Rollen der Augen nach oben geflissentlich unterlassen.

Unbekannt ist auch, mit welchen Gefühlen Bigboss Pietro Supino seiner Weiterhin-Mitarbeiterin begegnet. Denn es kommt ja auch nicht allzu häufig vor, dass ein Arbeitgeber eine Arbeitnehmerin beschäftigt, gegen die – wie auch gegen den «Spiegel» – immer noch eine Klage wegen Persönlichkeitsverletzung hängig ist. Die moniert nämlich die «Tamedia Publikationen Deutschschweiz AG».

Denn Roshani hatte auf der Plattform «Spiegel» nicht nur gegen ihren ehemaligen Chef ausgeteilt und behauptet, Tamedia habe ihre internen Beschwerden schnöde ignoriert. Das Presseorgan in Hamburg hatte mit geschickter Illustration zudem Supino in die Nähe des Sexualstraftäters Harvey Weinstein gerückt.

Also sagen wir mal so: Toleranz, Brüderlichkeit, Nächstenliebe. Da kann man nur Lukas 6,29 zitieren:

«Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere den Rock nicht.»

Lieber Herr Supino, liebe Tamedia-Redaktion: so kommt ihr nicht nur in den Himmel, sondern dürft euch dann auch ganz nahe beim Fussschemel Gottes hinsetzen.

Tamedia, die Lachnummer

Der Gaga-Gag des Jahres: Anuschka Roshani ist wieder an Bord.

Es war eine der höchsten Wellen der #metoo–Hysterieflut. Mit Hilfe des völlig entgleisten «Spiegel» richtete die ehemalige «Magazin»-Redaktorin ihren Ex-Chefredaktor öffentlich hin.

Jahrelang habe sie seine Quälereien erdulden müssen, es sei unerträglich gewesen. Dennoch hatte sie es jahrelang ertragen. Ein ganzer Chor von verurteilenden Stimmen erschallte, Finn Canonica konnte sich nirgends mehr blicken lassen.

Nur Roger Schawinski (und ZACKBUM) machten sich die Mühe, die Behauptungen von Roshani zu überprüfen und Canonica die Chance zum Widerwort zu geben. Dabei blieb nicht viel übrig von ihren Behauptungen.

Im Gegenteil, es stellte sich heraus, dass es sich um die Rache einer Enttäuschten handelte. Denn Roshani hatte versucht, ihren Chef wegzumobben und sich an seine Stelle zu setzen. Mit einer Initiativbewerbung als Chefredaktorin und Denunziationen gegen ihn, obwohl Canonica damals noch in Amt und Würden war. Dann der Erfolg: ihm wurde gekündigt. Dann die Niederlage: statt den begehrten Posten zu ergattern, wurde auch Roshani gefeuert.

Dann die Rache im «Spiegel».

Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn Roshani klagte gegen ihren Rausschmiss. Da Tamedia offensichtlich nicht nur journalistisch, sondern auch juristisch ziemlich schwach auf der Brust ist, mit Erfolg. Dass Canonica die Kohle ausging und er den «Spiegel» nicht richtig verklagen konnte und seinen Antrag auf einstweilige Verfügung zurückziehen musste, verständlich.

Aber auch der Big Boss von Tamedia himself, Pietro Supino, klagte gegen das Hamburger Woke-Magazin, er fühlte sich in die Nähe des US-Sexualstraftäters Harvey Weinstein gerückt.

Dieser Fall ist noch hängig.

Roshani hingegen triumphierte in zwei Instanzen gegen Tamedia: ihre Kündigung ist missbräuchlich, entschied auch das Zürcher Obergericht. Nicht nur das, in ihrem Fall bedeutet das, dass das Arbeitsverhältnis ungekündigt weiterbesteht. Was bedeutet, dass ihr 33 Monatslöhne zu überweisen sind, mehr als 200’000 Franken.

Ist damit die Posse beendet? Aber nein, sonst wäre es nicht Tamedia.

«Im Auftrag von Raphaela» teilt Claudia Bianca, Assistentin der Chefredaktion, der Tagi-Redaktion mit:

«Ich bitte euch, Anuschka bei der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu unterstützen

Offenbar ist Raphaela Birrer anderweitig so ausgelastet, dass sie nicht einmal so wichtige Mails selber schreiben kann. Wahrscheinlich arbeitet sie Tag und Nacht mit Simon Bärtschi an der Qualitätssteigerung durch das grosse Rausschmeissen.

Der Vorgang ist dermassen absurd, dass ZACKBUM bei Tamedia nachfragte, ob das wirklich stimmt. Und in der Tat: «Wir bestätigen, dass das Urteil des Zürcher Obergerichts bezüglich der angefochtenen Kündigung inzwischen rechtskräftig ist. Wir unterstützen die Kollegin – wie alle Mitarbeitenden – bei der Aufnahme der Tätigkeit

Als ob es die gebeutelte Restredaktion nicht schon schwer genug hätte, jetzt auch noch das. Eine solche Kollegin, mit der arbeitet doch jeder gerne zusammen, die unterstützen doch alle gerne.

Aber Vorsicht. Ja keine möglicherweise anzüglichen Sprüche machen. Kein Aufenthalt mit ihr alleine hinter verschlossener Türe. Und auf keinen Fall, einfach überhaupt niemals nie, ein Hakenkreuz auf ihr Manuskript kritzeln.

Da bleiben zwei Fragen: wie wird Roshani vor weiteren verbalen Übergriffen geschützt? Und wie schützt sich die Redaktion vor Roshani?

Realsatire

Es regnet und ist eher frisch. Der richtige Moment, um hitzefrei zu fordern.

Das Qualitätsorgan «Tages-Anzeiger» samt angeschlossenem Kopfblattsalat stopft das Sommerloch. Mit einem Bericht, der keine Schweissperlen auslöst, aber Lachtränen.

Endlich werden die vielen Rechte, über die der moderne Staatsbürger verfügt, um ein weiteres, brennend wichtiges ergänzt. «Brüder, zur Sonne, zur Freiheit», das war gestern. Heute gilt es, um das «Recht auf Schatten» zu kämpfen. Aber nicht etwa die schwitzenden Massen sollen das erledigen, natürlich geht es um «staatlichen Hitzeschutz». Denn der Staat ist schliesslich an allem schuld und für alles da.

Der «grüne Aktionsplan» ist allumfassend und kümmert sich schweisstreibend um jedes Detail.

Da gibt es die Forderung nach einer gesetzlichen Verankerung des Schutzes am Arbeitsplatz. Nicht etwa vor Ausbeutung: «Demnach müssten Arbeitgeber ab 26 Grad in Innenräumen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit ergreifen. Dazu gehören längere Pausen, kostenlose Getränke oder reduzierte Arbeitszeiten. Bei extremer Hitze soll es ein Recht auf Homeoffice geben.»

Kleine Frage: existiert das im Glashaus an der Werdstrasse? So wie ZACKBUM Big Boss Pietro Supino kennt: eher nein.

Nun ist es beim Home Office allerdings so, dass auch dort der Arbeitnehmer, Pardon, der Arbeitnehmende, unter Hitzewallungen leiden könnte. Da ist der Hausbesitzer, bzw, der Vermieter, bzw. der Vemietende gefordert:

«Vermieter sollen eine Mietzinsreduktion von zehn Prozent gewähren müssen, wenn es in einer Wohnung zu warm wird.»

Während aber Unternehmen sich bei finanziellen Einbussen durch Arbeitsunterbrüche an der Schlechtwetterversicherung schadlos halten können, dürfen Vermieter entschädigungslos weniger Miete kassieren. Wollen sie das vermeiden, sollen sie gefälligst besser isolieren.

Dann wird es leicht widersprüchlich: «Falls Gebäudesanierungen nicht rasch genug möglich sind, sollen Klimaanlagen installiert werden. Dabei handelt es sich für die Grünen um eine «Zwischenlösung», für die ebenfalls Bundesgelder eingesetzt werden sollen.» Gut, dass Klimaanlagen ohne Strom laufen.

Auch an die Benützer des ÖV ist gedacht: «Im öffentlichen Raum wird ein Recht auf Schatten gefordert: Wartezonen an ÖV-Haltestellen müssten zwingend beschattet werden.»

Dann kommt doch noch ein heisser Hauch Klassenkampf auf: «Wir lehnen eine Schweiz ab, in der sich die Reichen vor der Hitze schützen können, während Menschen ohne Privilegien unter den schädlichen Konsequenzen des Klimawandels leiden», sagt Grüne-Präsidentin Lisa Mazzone.

Um mit einem Appell an unsere Mitmenschlichkeit zu enden: «Bei Hitzewellen darf kein Mensch allein zu Hause vergessen werden

Natürlich ist weder die Freiheit noch das Recht unbegrenzt. Arbeitgeber müssen ab 26 Grad in Innenräumen Schutzmassnahmen ergreifen. «Schwere Arbeiten im Freien» sind ab 30 Grad zu unterlassen oder müssen «zumindest angepasst werden». Zum Beispiel, indem neben jeden Bauarbeiter ein Sonnenschirmträger platziert wird.

Nun kommen wir aber zum heiklen Punkt der ganzen Angelegenheit: «Betriebe sollen zur Temperaturerfassung verpflichtet werden

Da dürften sich hitzige Diskussionen entspannen, ob diese Grenzwerte überschritten sind oder nicht. Der Mieter verlangt vom Vermieter eine Reduktion, nachdem er sein Thermometer kurz mit dem Feuerzeug behandelt hat. Der Vermieter holt seins aus dem Kühlschrank und sagt: nix ist.

Bevor dieser Wahnsinn umgesetzt werden könnte, müsste der Staat, wer denn sonst, zunächst ein paar Millionen geeichte Wärmemessgeräte abgeben. Gratis, versteht sich.

Konfliktträchtig ist auch die Frage, wie sich das Recht auf Schatten im öffentlichen Raum messen – und einfordern lässt. Mich hat bei der Tramhaltestelle ein Sonnenstrahl am Hinterkopf gekitzelt. Ist das bereits genügend Grund für eine Beschwerde, gar für Schadenersatz? Steigt ein Bauarbeiter in einen Schacht, in dem es angenehme 23 Grad sind, muss er dann beim Erreichen der Oberfläche mit 32 Grad sofort die Arbeit einstellen? Oder wieder zurückkriechen?

Wo es Rechte gibt, gibt es auch Pflichten. Kann man dem Passanten zumuten, einen Umweg von zwei Metern zu machen, um den Schatten eines Baumes auszunützen? Könnte der Mieter allenfalls den meist kühlen Keller aufsuchen, oder wäre das unzumutbar?

Wer einen solchen Plan entwickelt, der hat zu lange ohne Schutz in der Sonne gelegen. Wer ihn umkommentiert publiziert, hätte besser hitzefrei verlangt.

 

«20min» – Tamedia: 7:0

Der Nahvergleich einer Gratis-Postille mit einem Bezahlblatt.

Das «Classic Plus»-Abo des «Tages-Anzeiger» kostet (inkl. «SonntagsZeitung», E-Paper und digitalem Zugang) 838 Franken im Jahr.

«20 Minuten» kostet (inkl. Papier bis Ende Jahr) 0 Franken.

Der Tagi bietet dafür hinter der Bezahlschranke Artikel wie «So stark nehmen Hitze­tage in Schweizer Städten zu – und das ist erst der Anfang», ««Es soll unmöglich aussehen», sagt der Mann, der am Zürichsee Steine balanciert», «Was bringt ein Social-Media-Verbot für Kinder wirklich?», copy/paste von der SZ, «Sie steht für Sex und Subversion», Debbie Harry zum 80., übernommen aus der SZ, oder «Frau Wiederkehr (94) aus Zürich trainiert täglich für die Seeüberquerung», Eigenleistung.

«20 Minuten» bietet «Trinkgeld-«Nötigung»: US-Verhältnisse an Schweizer Theken?», «300 Entlassungen drohen: Wird Impfstofffabrik dichtgemacht?», «Hickhack um UKW: Nationalräte wollen Radio doch nicht abschalten», «Das sind die sechs umstrittensten Punkte in den EU-Verträgen», dazu Sondergefässe wie «Faktenchecks», «AI» oder «Donald Trump». Ergänzt durch eine breite lokale Berichterstattung.

Was völlig fehlt ist das, was bei Tamedia Unmengen von Platz beansprucht: Meinung, Kommentar, gute oder weniger gute Ratschläge an alle Führer der Welt, per copy/paste übernommene Inhalte aus einer Münchner Zeitung, die hinter Bezahlschranke dem Leser verkauft werden.

Formal ist das Layout von «20 Minuten» dicht, der Platz wird konsequent ausgenützt, die Headlines sind optimiert für Clicks des modernen Lesers.

Nach dem letzten, verunglückten Redesign (der Schuldige machte sich anschliessend schnell vom Acker) lähmt bei Tamedia links grosser Weissraum, angefüllt mit ellenlangen Titeln, rechts jeweils ein herbeigeprügeltes Symbolbild, dazu Rubriken wie «Beliebteste Artikel», «Podcast», natürlich «Meinungen» oder, für eifrige Scroller, weit unten «Neuste Artikel».

Eine Lachnummer ist das, was von «Kultur» übrigblieb.

Tamedia beschäftigt (inklusive Westschweiz) rund 1400 Mitarbeiter. Noch. «20 Minuten» hat rund 300 Nasen auf der Payroll. Noch.

Frage: wenn es 300 Werktätigen gelingt, ein besseres Blatt zu machen, das zudem gratis angeboten wird, wieso braucht es dann 1400 Angestellte (ja, generisches Maskulin), die Minderwertiges herstellen,  und dafür wird erst noch ein exorbitanter Preis verlangt?

Zweite Frage: wie viele überbezahlte Verlagsmanager braucht es, um daraus nahelegende Schlussfolgerungen zu ziehen?

Bei beiden Blättern geht die Printauflage fast senkrecht das Loch runter. «20 Minuten» hat die Konsequenz gezogen und stellt per Ende Jahr auf rein digital um. Von Tamedia ist nichts Vergleichbares zu hören. «20 Minuten» lebt ausschliesslich von Werbeeinnahmen, Tamedia weitgehend, knöpft seinen Lesern aber kräftig Geld ab, um sie mit mageren Eigenleistungen und vielem aus Fremdquellen (SZ, SDA, etc.) zu ärgern.

«20 Minuten» war und ist so erfolgreich, dass es vom geschickten Oberboss Pietro Supino in ein eigenes Profitcenter ausgelagert wurde, damit der Gewinn nicht im Kopfblattsalat der übrigen Blätter versickert.

Nachdem er den «Stellenanzeiger» und alle Anzeiger dem «Tages-Anzeiger» amputierte, der sie gross gemacht hatte und dem nun schmerzlich diese Einnahmen fehlen.

Letzte Frage: Wie kann man die Dummheit dieser Verlagsmanager messen, und wie kann man sie beschreiben, ohne in Rechtshändel verwickelt zu werden?

Kann man nicht, man kann nur den Totengräbern bei der Arbeit zuschauen.