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Tiefenlot für den Tagi

ZACKBUM muss technologisch aufrüsten.

Mal im Ernst, liebe knollige Tagi-Knilche und Knilch*Innen** (Pardon, liebe Qualitätsjournalisten). Wisst Ihr eigentlich, was die Anschaffung eines anständigen Tiefenlots kostet, das man für die Messung Eures kostenpflichtigen Schaffens braucht?

Fast 700 Franken. Okay, das ist immer noch billiger als ein «Classic Plus»-Abo. Das kostet 838 Franken. Für Masochisten, die gerne etwas dafür zahlen, damit sie gequält werden.

Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi sorgt mit der Ankündigung neuer, normierter Textlängen für Aufruhr in der Redaktion.

Die unterstützt derweil absurde Forderungen der Grünen nach «Recht auf Schatten» und Warnungen vor unerträglicher Hitze. Bei kühlenden Regenschauern und angenehmen Temperaturen tagsüber.

Daher kann sie nicht einmal einen Hitzschlag als mildernden Umstand für solchen Output anführen:

Kann man als mutigen Vorstoss in ein Tabuthema schönreden. Oder: wir stopfen einen Tampon (oder eine Binde) ins Sommerloch.

Oder mit einem Ausflug in die ferne Zukunft:

Unsere Hoffnung, dass das schon früher geschehen möge, begleitet ihn.

Eine herbe Niederlage musste allerdings die Feministenfraktion in der Redaktion einstecken. Das Interview mit dem Gaga-Politikwissenschaftler Francis FukuyamaEnde der Geschichte») war zuerst so betitelt:

Dann wurde es geändert:

Wetten, dass es nicht funktioniert, wenn Fukuyama das prognostiziert? Aber die Hellseherei erfahren nur die wahren Masochisten – Aboschranke.

Nicht nur für Ornithologen, sondern für alle wird über ein «Wunder» vom anderen Ende der Welt berichtet:

Was so weit weg passiert, kann nicht mit eigenen Kräften berichtet werden. Eine DPA-Meldung, behandelt von einer «anna». ZACKBUM schliesst sich einer Lesermeinung an: ««Der Experte entnahm dem Tier ein paar winzige Federn» Wie würde es ihm gefallen, wenn man ihm ein paar Haarbüschel rausreisst

Sex darf natürlich nie fehlen. Zuerst eine den Erektionswinkel senkende, schlechte Nachricht für den Hauptharst der Tamedia-Leser:

Könnte man die Altersschranke auch so definieren: wenn man ab sechzig immer noch den Tagi abonniert hat?

Eine Meldung vom anderen Ende, bzw. Anfang der menschlichen Entwicklung:

Wobei grössere Köpfe nicht unbedingt auf mehr Intelligenz schliessen lassen.

Das hier geht nun alle Sexisten, Machos, Patriarchen und überhaupt Männer an, die nur das Eine wollen:

 

Auch hier ist eine gewisse Verunsicherung des wohl männlichen Redaktors, der für die Titelei zuständig ist, zu verspüren. Zuerst lautete er:

Nicht gerade aufklärerisch, dass Tamedia dieses Interview von der «Süddeutschen Zeitung» übernimmt und nur zahlenden Lesern serviert. Die erfahren Erstaunliches: «Jungs haben ihren Penis schon in der Hand, bevor sie sprechen können.» Da sind sie aber noch keine Jungs; ansonsten ist mann sprachlos.

Etwas gewagt erscheint allerdings die im Symbolbild transportierte These, dass nur Tätowierte guten Sex haben:

Screenshot Tamedia. 

Überhaupt kriegen Männer beim Tagi eins übergebraten:

Der männliche ZACKBUM-Redaktor verwahrt sich in aller Form gegen diese generalisierte Unterstellung mit hohem Sexismusfaktor. Die Autorin Lisa Füllemann würde öffentlich laute Geräusche von sich geben, wenn es ein Mann wagte zu meinen: «Frauen – euer ständiges Quieken (nein, wo hast du denn diese Schuhe gekauft?) nervt».

Eine ganz schlechte Nachricht (diese Veröffentlichung muss interne Folgen haben) gegen Schluss für alle, die für ein Recht auf Schatten sind:

Was fällt dem Sommer nur ein, diesem Schlingel. ZACKBUM fordert das Recht auf ein stabiles Hoch. Sonst muss der Staat Schadenersatz zahlen.

Als Absackerchen noch die Aktion billiger Jakob. Jetzt zugreifen, nur noch wenige Tage, einmaliges Sonderangebot, der Countdown läuft. Masochismus muss nicht teuer sein:

Penetration des Unsinns

Ein «Content Manager» interviewt Emilia Roig.

Bei Tamedia darf jeder wie er will das Sommerloch penetrieren. Oh, hoppla, falsche Formulierung: «Dass Sex mit Penetration gleichgesetzt wird, ist eine sehr männliche Perspektive. Für Frauen und Menschen mit Vagina, Vulva und Klitoris ist sie nicht die erste sexuelle Praktik, die zu Vergnügen und Orgasmen führt.»

In männlicher Perspektive dachte ZACKBUM, dass die Vulva Vagina und Klitoris umfasst, aber was wissen wir Männer schon. Wir dachten auch, dass Frauen und Menschen mit Vulva das Gleiche sind, aber was wissen …

Roig möchte ihren Punkt klarmachen, und Interviewer Martin Fischer lässt sie sich gerne wiederholen: «Die Penetration ist nicht zu trennen von einem System der männlichen Dominanz.»

Der Interviewer lässt sie auch unverständlichen Unsinn sagen: «Schon die Sprache, die für penetrativen Sex verwendet wird, zeigt das. Es ist meist eine ziemlich gewaltvolle Sprache: «ficken», zum Beispiel. Der Mann erobert, der Mann ist aktiv, die Frau passiv. Das zeigt sich sogar in der Darstellung der Befruchtung. Das Spermium wird aktiv gesehen, und die Eizelle wartet darauf, befruchtet zu werden. Dabei ist auch das Ei aktiv. Das alles fördert die Idee einer Passivität bei der Frau. Man könnte auch anders über Sex reden.»

Aktive Eier, ein wundersames Bild. Abgesehen davon, dass doch wohl auch Frauen «ficken» oder nicht? Wie schaut es aber in Sachen «nicht gewaltvolle Sprache» und Sex aus?

Da sei der westafrikanische Stamm der Yoruba vorbildlich: Da «wird von Einkapselung gesprochen. Dass die Vagina den Penis aufnimmt. Da ist ein ganz anderes Verständnis dahinter

Dass zu dem «ganz anderen Verständnis» der Yoruba die barbarische Sitte der Klitorisbeschneidung gehört, das erwähnt Roig nicht – und der Interviewer ist wie bei Tamedia üblich lausig vorbereitet.

Statt sie auf solche schreiende Widersprüche in ihrem Geschwätz hinzuweisen, bleibt er brav Stichwortgeber, damit Roig ihre dünne These auswalzen und durchdeklinieren kann: «Penetration ist politisch … Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft. Somit ist auch der heterosexuelle Sex patriarchal … Es wird oft so dargestellt, dass die Penetration etwas ganz Natürliches sei … Im Patriarchat ist es ziemlich egal, ob die Frauen Orgasmen haben … Viele können sich gar nicht vorstellen, wie zwei Frauen miteinander Sex haben …»

Das mag vielleicht bei den Yoruba so sein, aber in aufgeklärten westlichen Gesellschaften vermag man sich durchaus vorstellen, wie zwei Frauen Sex haben – und findet nichts Besonderes oder gar Abstossendes dabei.

Dann darf Roig am Schluss des «was wollten Sie immer schon mal unwidersprochen Unsinniges sagen»-Interviews eine unschlagbare Plattitüde von sich geben:

«Gesellschaftlich ist es wichtig, die Sexualität von der Reproduktion zu entkoppeln

Wie bitte? Das dürfte so spätestens seit der Erfindung der Pille der Fall gewesen sein, vorher schon durch jeglichen Einsatz von Verhütungsmitteln oder -methoden – oder etwa nicht? Allerdings ist es durchaus möglich, dass die Yoruba eine solche Entkoppelung nicht sehen. Ihnen ist hingegen nicht egal, ob Frauen bei der Penetration Lust empfinden. Das sollte ausdrücklich nicht der Fall sein, wofür die Genitalverstümmelung, meistens begangen an Kindern, sorgt.

Wer einen Volksstamm, bei dem solche barbarischen Sitten herrschen, unwidersprochen als vorbildlich darstellt, hat sich restlos disqualifiziert. Wer solchen Unsinn unwidersprochen hinnimmt und publiziert, ebenfalls.

Als bräuchte es dafür noch eines weiteren Beweises, interviewt Tamedia auch noch den mehrfach gescheiterten «Korruptionsexperten» Mark Pieth, der sich unlängst mit dem Vorschlag, Russland als terroristischen Staat zu bezeichnen und somit Russengelder in der Schweiz enteignen zu können, nicht nur in Juristenkreisen lächerlich machte. Aber Tamedia, das ist leider feststehende Tatsache, will in einem Interview überhaupt keinen Erkenntnisgewinn herstellten, sondern einfach mit ausgewählten «Experten» die eigenen und die vorgefassten Meinungen der eigenen Gesinnungsblase bestätigen.

Und wenn diese Blase platzt, dann ist Ende Gelände.